The last Song [Nimue & Shio]

    • Kyle

      Ich erinnerte mich ganz genau an den Tag auf der Dachterrasse, ich war gerade dabei den Song zu schreiben und sie blätterte traurig durch ihr Notizbuch. Sie hatte mir zwar zu dem Zeitpunkt nicht alles verraten, aber ich fühlte ihren Schmerz und ich wollte sie jetzt nicht weiter dazu drängen mir mehr darüber zu erzählen. Nicht das ich am Ende noch als Stimmungskiller betitelt werde. "Na gut. Ich möchte dir trotzdem sagen das du mit mir reden kannst. Ich bin ab jetzt immer für dich da. Vergiss das nicht." Sie sollte wissen das ich ein offenes Ohr für sie habe und sie mir vertrauen kann. Ihre Probleme sind jetzt meine und anders herum genau so. Auch wenn wir uns beide im Moment nicht viel darin unterscheiden, viele Dinge mit uns selbst auszumachen. Und ja der Tag war wirklich anstrengend, aber auch unerwartet gut.
      Mein Blick ging ebenfalls zum Herd als sie in die Richtung deutete. Wenige Sekunden später klingelte mein Timer auf dem Handy. Ich stoppte ihn und ging zum Herd um den Ofen auszustellen. Die Klappe öffnete ich vorsichtig und ein Schwall warmer Luft drang mir entgegen. In einer Schublade nahm ich mir die Handschuhe heraus und hob den Deckel von der Pfanne ab. Sofort kam der leckere Duft des Toskana Hähnchens mir entgegen. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Ich legte den Deckel behutsam auf die Küchenzeile und schnappte mir einen Teller und schöpfte mir einen beachtliche Portion von dem Essen darauf. Ich holte mir noch Besteck und fing an mir vorsichtig eine Gabel in den Mund zu schieben. Es war sehr lecker. Mir wurde plötzlich wohlig warm im Inneren. Martha war die beste Köchin, die ich kannte und ich sollte langsam versuchen sie mehr wertzuschätzen. Schließlich gehört sie seit vielen Jahren zu uns und ich habe mich noch nie richtig bei ihr für alles bedankt. Mein Blick ging wieder zu Grace und ich konnte sehen wie sie mich beobachtete. "Möchtest du auch noch etwas essen? In der Pfanne ist noch genug da." Ich wusste nicht ob sie vorhin zum Essen kam, während meiner Flucht und ich wollte nicht das sie ebenfalls hungrig ins Bett ging und schon gar nicht wegen mir.
      Schnell war mein Teller leer und ich wusch noch schnell die Sachen ab und wir hinterließen die Küche in einem einwandfreien Zustand. Das restliche Essen haben wir wieder in den Kühlschrank zurück gestellt. "Fertig für heute." Ich drehte mich zu ihr um und schenkte ihr ein zuckersüßes Lächeln. "Wir sollten schlafen gehen." Das Handy schob ich in meine Jogginghose und ich nahm wie selbstverständlich ihre Hand wieder in meine und wir gingen die Metalltreppe wieder nach oben. Vor ihrem Zimmer blieben wir stehen. "Dann heißt es wohl gute Nacht zu sagen. Es war ein verrückter Tag oder?" Meine Augen suchten ihre und ich konnte spüren wie mich langsam die Müdigkeit überkam. Ich unterdrückte mein Gähnen und rieb mir über meine Augen. Ich war geschafft, der Tag hat sehr viel Energie gekostet und ich freute mich darauf gleich in mein Bett zu fallen. Es wird die erste Nacht seit langem sein, die ich gut schlafen werde. Da ich mir nun nicht mehr ständig Gedanken um meine Gefühle für Grace machen musste. Ich beugte mich zu ihr hinunter und drückte ihr noch einen zärtlichen Kuss auf ihre Lippen. Zögerlich löste ich mich von ihr und sah sie ein letztes Mal für diesen Tag an. "Schlaf gut und träum etwas schönes. Wir sehen uns morgen früh wieder." Mit diesen Worten ließ ich ihre Hand los und ging in mein Zimmer. Hinter meiner verschlossen Tür, lehnte ich mich mit den Kopf dagegen. In meinem Gesicht war wieder dieses überglückliche Grinsen, woran ich mich noch gewöhnen muss. Die Schmetterlinge in meinen Bauch tanzten zu ihrer eigenen Musik und ich fühlte mich wie der glücklichste Mensch auf Erden. Ich konnte es kaum erwarten Grace morgen Früh einen Kuss zu geben. Ohne das wir es vor den Anderen verstecken müssen. Doch vorerst sehnte sich mein restlicher Körper nach Schlaf. Ich machte mich für die Nacht fertig und legte mich auf mein Bett. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen schlief ich schließlich ein.

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    • Grace

      Ich beobachtete, wie Kyle mit einer fast schon meditativen Ruhe die Küche aufräumte, während ich die letzten Bissen von Marthas hervorragendem Hähnchen genoss. Was hätte ich Kyle auch erzählen können? Ich suchte schon so lange weil es Zeit aufwendig und finanziell kostspielig war und das einzige was ich wusste war, dass meine Mutter Engländerin und mein Vater Amerikaner mit einen Faible für die Fotografie war. Frustrierend ich weiß... Als er schließlich vor mir stand und mir dieses zuckersüße Lächeln schenkte, spürte ich, wie mein eigener Widerstand gegen die Erschöpfung endgültig nachgab.
      Hand in Hand stiegen wir die Metalltreppe hinauf. Das kühle Metall unter meinen Fußsohlen bildete einen scharfen Kontrast zu der wohligen Wärme seiner Hand, die meine fest umschlossen hielt. Oben angekommen, in der gedimmten Stille des Flurs vor meiner Zimmertür, schien die Welt um uns herum für einen Moment stillzustehen. "Verrückt ist gar kein Ausdruck", antwortete ich leise auf seine Frage und sah dabei zu, wie er vergeblich versuchte, ein Gähnen zu unterdrücken. Ich strich ihm kurz über den Arm, um die Müdigkeit fast schon wegstreicheln zu wollen. "Ich glaube, wir haben heute ein ganzes Jahr an emotionaler Achterbahnfahrt in zwölf Stunden gequetscht." Als er sich zu mir hinunterbeugte, schloss ich unwillkürlich die Augen. Der Kuss war anders als die im Büro – er war nicht voller verzweifelter Sehnsucht, sondern ruhig, tief und voller Versprechen. Er schmeckte nach Ankommen und nach Marthas Hühnchen. Als er sich zögerlich löste, fühlte ich mich seltsam leicht, fast schwerelos. "Gute Nacht, Kyle", hauchte ich gegen seine Lippen, während ich spürte, wie er meine Hand langsam losließ. Der Verlust des Körperkontakts hinterließ eine sofortige Sehnsucht, doch das Wissen, dass er nur ein paar Türen weiter war und dass er morgen früh noch immer da sein würde, ließ die Schmetterlinge in meinen Bauch flattern. Ich sah ihm nach, wie er in seinem Zimmer verschwand, und blieb noch einen Herzschlag lang wie angewurzelt stehen. Dann schlüpfte ich in mein Zimmer und schloss die Tür. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen das kühle Holz, und presste die Fingerspitzen auf meine Lippen, auf denen sein Kuss noch immer nachglühte. "Morgen früh", flüsterte ich in die Dunkelheit des Raumes. Das übliche Gedankenkarussell über mein Gefühlschaos und meine eigenen Ziele blieb diese Nacht stumm. Stattdessen war da nur dieses warme, leuchtende Gefühl in meiner Brust. Zum ersten Mal, seit ich in L.A. gelandet war, fürchtete ich mich nicht vor dem nächsten Tag. Ich freute mich darauf. Mit einem Lächeln, das ich gar nicht erst zu unterdrücken versuchte, machte ich mich bettfertig und sank in die Kissen, während die Melodie meines eigenen kleinen Glücks mich sanft in den Schlaf begleitete.

      Das helle Licht von Los Angeles flutete mein Zimmer und kitzelte mich wach, doch seltsamerweise fühlte ich mich zum ersten Mal nicht von der Sonne genötigt, sofort in den Arbeitsmodus zu schalten. Ich streckte mich ausgiebig, ein zufriedenes Seufzen auf den Lippen, und spürte noch immer das ferne Echo von Kyles Kuss.
      Mit federleichten Schritten und einer leisen, fast unbewussten Melodie auf den Lippen tänzelte ich ins Badezimmer. Das warme Wasser der Dusche fühlte sich herrlich an, während ich fröhlich vor mich hin summte.. es war mein kleiner, privater Soundtrack für einen Morgen, der sich so völlig anders anfühlte als alle bisherigen. Dass mein Handy währenddessen auf dem Nachttisch in einer Tour vibrierte, bekam ich in meinem Kokon aus Wasserdampf und guter Laune überhaupt nicht mit.
      Erst als ich frisch geduscht und in meine Morgenroutine vertieft war, warf ich einen Blick auf das Display. Mein Lächeln stockte kurz. Nachrichten von Farrow... geschäftlich, fordernd, wie immer. Und dann... Scott. "Herje...", murmelte ich leise und biss mir auf die Lippe. Ich sah die Nachricht auf dem Sperrbildschirm und spürte einen Anflug von schlechtem Gewissen. Scott war ein großartiger Künstler, aber ich musste ihm wohl bald und sehr schonend beibringen, dass unsere Beziehung sich auch in Zukunft strikt auf die Leinwand und die Galerie beschränken würde. Mein Herz war mittlerweile an einen ganz anderen Ort vergeben ...oder eher an einen ganz bestimmten, komplizierten Mann ein paar Türen weiter. Ich schüttelte die trüben Gedanken ab und widmete mich meinem Outfit. Ich trat aus dem Badezimmer, während der letzte Rest Wasserdampf noch meine Haut umschmeichelte. Ich schlüpfte in das weiße Crop-Top, dessen zarte Häkelspitze am Saum kitzelte, und zog die verwaschenen Denim-Shorts hoch. Der Stoff war fest, fast ein wenig steif, aber er saß perfekt. Um den Look zu brechen, knotete ich mir mein großkariertes Flanellhemd von Vorgestern locker um die Hüften. Die Ärmel baumelten bei jeder Bewegung sacht gegen meine Beine. Dann widmete ich mich den Details. Ich legte die goldene Halskette an, die ich immer trug, und ergänzte sie durch eine längere Kette mit einem dunklen, fast mystischen Anhänger. Meine Handgelenke schmückte ich mit einem Stapel bunter, gewebter Freundschaftsbänder von meinen Reisen, die leise aneinander rieben. Ich strich mir durch die langen Wellen meines Haars ehe ich sie locker mit einer Haarschleife am Kopf befestigte. Bei meinen letzten prüfenden Blick in den Spiegel hielt ich inne. Ich bemerkte, dass ich die ganze Zeit wie ein Honigkuchenpferd grinste und diese leise Melodien summte. Kopfschüttelnd über mich selbst, aber mit einem unbändigen Leuchten in den Augen, verließ ich mein Zimmer. Der Duft von frischem Kaffee zog mich magisch nach unten in die Küche. Ich brauchte dringend Koffein... und vielleicht, nur ganz vielleicht, auch ein erstes "Guten Morgen" von einem ganz speziellen Panorama-Prinzen.
    • Tom

      Die Nacht war anders als erwartet. Ich konnte kaum ein Auge zu tun, weil sich meine Gedanken nur um das Geständnis von Kyle und Grace drehten. Das fast grelle Licht der Morgensonne, das durch den Schlitz meiner Gardienen schien, streifte genau mein Gesicht. Heute Morgen wird alles anders sein als vorher. Es wird komisch sein das die Beiden nicht mehr so professionell mit einander umgehen wie noch gestern Nachmittag. Ändern an der Sache konnte ich natürlich nichts und wollte ich auch nicht. Ich musste mich daran gewöhnen, mich damit abfinden, das sich das Rad nun neu dreht. Mühsam stieg ich aus meinem Bett und ging in das angrenzende Badezimmer. Das warme Wasser der Dusche umhüllte meinen Körper und weckte meine müden Knochen. Im Spiegel sah man deutlich wie kurz meine Nacht war. Bevor ich schlafen ging, schaute ich mir noch einmal die Bilder und Videos von Kyle an, die Grace gemacht hatte. Es war schön zu sehen wie mein kleiner Bruder so richtig aufblühte. Der Song, den er sang, war emotional auf einem ganz anderen Level und ich war auf das Endergebnis gespannt. Doch heute standen ganz andere Dinge auf der Tagesordnung. In ein paar Tagen fand die Veranstaltung statt, wo wir von Farrow Taylor eingeladen wurden. Und wie ich meinen Bruder kenne hat er keine passende Kleidung in seinem Schrank. Ich trimmte meinen Bart ein wenig und stylte meine Haare nach hinten. Auch ich sollte mir den ein oder anderen neuen Anzug dafür kaufen. Mein Kleiderschrank umfasste zwar eine überdurchschnittliche Anzahl von Anzügen in jeglichen Farben, aber Platz für Neues war immer.
      Ich schlüpfte in ein weißes Hemd und eine dunkelblaue Stoffhose. Anschließend warf ich mir noch einen dunkelblauen Blazer drüber und schlüpfte in meine schwarzen Lederschuhe. Meine goldene Armbanduhr machte das Outfit perfekt. Ich zog das Handy von der Ladestation und ließ es in meine Hosentasche wandern. Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel und ich verließ mein Schlafzimmer. Der Geruch von frisch gekochten Kaffee, war genau das was ich heute morgen brauchte. Ich ging nach unten und sah Martha schon fleißig am arbeiten. "Oh guten Morgen Mr. Miller Senior. Ich hoffe sie hatten eine angenehme Nacht?" Sie schenkte mir sofort eine Tasse Kaffee ein und überreichte sie mir. Ich ging auf sie zu, nahm die Tasse dankend entgegen und sah im Augenwinkel das Grace auch schon da war. "Danke Martha. Die Nacht war ausgesprochen kurz." Ich trank einen Schluck von dem Kaffee und machte ein paar Schritte auf Sie zu. "Guten Morgen Grace. Ich hoffe du konntest ein wenig Schlaf finden, nach diesem turbulenten Tag gestern? Hat sich Ms. Taylor nochmal bei ihnen gemeldet? Sie wollte uns doch die Details für die Magnolia Society zusenden." Ich hielt meine Tasse in meiner Hand fest und musterte sie. Sie wirkte heute sehr glücklich und strahlte über beide Ohren. Und das lag an der Person die gerade die Metalltreppe hinunter eilte.

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      Kyle

      Es war die ruhigste Nacht meines Lebens. Mich plagten weder Alpträume noch fühlte ich mich heute morgen schlapp. Meine Träume drehten sich nur um Grace und es waren die schönsten Träume die ich seit langen hatte. Ich war voller Energie und voller Elan. Ich warf meine Decke zur Seite und sprang förmlich aus meinem Bett. Dieses Lächeln von gestern Abend war immer noch in meinem Gesicht. Die Dusche fühlte sich unglaublich gut an und ich rasierte mich noch über meine Wangen und mein Kinn. Aus meinem Kleiderschrank zog ich ein lockeres weißes Muskelshirt und eine graue Jeans heraus. Ich fuhr mir noch durch meine Haare und trug ein paar Spritzer meines Parfums auf meine Haut. Ich war bereit für diesen Tag, was auch immer er für mich bereit hielt.
      Mein Handy vibrierte auf dem Nachttisch und ich nahm es in die Hand. Die Jungs schreiben wieder diverse Sachen in den Gruppenchat. Ich überflog nur die Zeilen und stecke das Handy anschließend in meine Jeans. Ich werde ihnen später antworten. Jetzt möchte ich gerne etwas anderes tun. Ich trat auf den Flur hinaus und konnte schon die vertrauten Stimmen unten wahrnehmen. Eilig lief ich die Treppe hinunter und schenkte weder Tom noch Martha meine Aufmerksamkeit. Mein Fokus lag nur auf ihr. Ohne das ich meinen Blick von ihr nehmen konnte, schlang ich meine Arme von hinten um sie und drückte ihr einen Kuss erst auf die Wange und dann auf ihren Mund. "Guten Morgen Sonnenschein", murmelte ich gegen ihre Lippen. Martha hielt abrupt in ihrer Bewegung inne und sah uns einen Moment lang an, bis sie sich lächelnd wieder umdrehte. Mein Herzschlag wurde schneller und ich atmete ihren unvergleichlichen Duft ein. Wie sehr ich sie schon vermisst habe, wurde mir in diesen Moment bewusst.
    • Grace

      Ich stand mit dem Rücken zur Treppe und genoss den ersten, heißen Schluck meines Kaffees, während ich Tom ein entschuldigendes, aber unbeschwertes Lächeln schenkte. "Guten Morgen, Tom", erwiderte ich und versuchte, meine Stimme so professionell wie möglich klingen zu lassen, auch wenn das Summen in meinem Kopf noch nicht ganz verstummt war. Farrow hatte also nur mich mit Nachrichten bombardiert? Haaaach... wenn er wüsste. "Die Nacht war... erholsam. Und jaaaa, Farrow hat sich gemeldet. Mein Handy hat heute Morgen fast kapituliert vor lauter Details zur Magnolia Society. Ich werde die Unterlagen gleich nach dem Frühstück sichten und dir eine Zusammenfassung erstellen." Ich wollte gerade ansetzen, um auf die Veranstaltung einzugehen, als die Stufen der Metalltreppe über mir zu vibrieren begannen. Toms Blick wanderte an mir vorbei nach oben, und ich spürte, wie sich ein warmes Kribbeln in meinem Nacken ausbreitete, noch bevor ich Kyle überhaupt sah.
      Plötzlich spürte ich starke Arme, die sich fest von hinten um meine Taille schlangen. Beinah hätte ich meinen Kaffee verschüttet. Ich hielt unwillkürlich die Luft an, während Kyle mich sanft an sich zog. Ohh... Die Welt um uns herum Tom, Martha, die anstehende Gala, schien für einen Moment einfach zu verblassen. Als er mir erst einen Kuss auf die Wange und dann diesen vertrauten, weichen Kuss auf die Lippen drückte, schmolz jede professionelle Zurückhaltung dahin, die ich mir für diesen Morgen vorgenommen hatte. Ich hörte das leise Klappern von Geschirr, als Martha kurz innehielt. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie sie lächelte und sich diskret wieder ihrer Arbeit zuwandte. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, während ich mich in seinen Armen ein wenig entspannte und den Kopf leicht zur Seite neigte, um seinen Blick einzufangen. "Guten Morgen, eure Hoheit. Du bist heute ja besonders energiegeladen", sagte ich leise und lachte leise auf, während ich eine Hand auf seinen Unterarm legte, der mich immer noch umschlossen hielt. Mit der anderen Hand reichte ich ihn meine Tasse. "ich hab zwar beinah etwas Angst davor aber... magst du ein Schluck Kaffee haben?" Es war fast schon etwas ungewohnt Kyle so früh und noch dazu so energetisch in der Küche zu sehen. "Pass lieber auf, dein Bruder hat gerade nach den Details der Magnolia Society gefragt. Ich fürchte, das 'Sonnenschein'-Programm muss sich gleich mit einer ordentlichen Portion erwachsenes Verhalten und wahrscheinlich einem sehr strikten Dresscode messen." Ich warf Tom einen vielsagenden zu. Es war ein seltsames, neues Gefühl, diese Zärtlichkeit so offen vor ihm zu zeigen, aber die Erleichterung darüber, kein Geheimnis mehr hüten zu müssen, wog schwerer als jede anfängliche Befangenheit.

      Farrow

      Die Luft im Loft war geschwängert von der Sentimentalität eines billigen Liebesromans. Ich stand vollkommen reglos im Eingangsbereich der Küche, während die kühle Luft des Raumes kaum gegen die Hitze ankam, die Kyle und Grace bei ihrem Kuss verströmten. Ich beobachtete die Szene mit der klinischen Präzision einer Pathologin durch die dunklen Gläser meiner Sonnenbrille. Mein blassgelbes Etuikleid saß makellos, jede der mühsam geschlossenen Knöpfe an ihrem Platz, und die Christian Louboutins verliehen mir die nötige Höhe, um auf dieses emotionale Schlachtfeld herabzublicken.
      Niemand schien mich zu bemerken. Kyle klebte förmlich an Gracelyn, als wäre er ein verlassener Welpe und sie die letzte Rettung vor dem Tierheim. Meine Finger umschlossen den kühlen Matcha-Latte so fest, dass das Plastik leise knisterte. Es war fast schon unverschämt, wie sehr sie in ihrer kleinen Welt versunken waren. Um mir endlich Gehör und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die mir zustand, wenn ich mich schon persönlich hierher bequemen musste, räusperte ich mich übertrieben laut.
      "Faszinierend", begann ich, meine Stimme leise, aber mit einer Schärfe, die das infantile Geplänkel am Küchentisch sofort durchschnitt. "Ich war bisher der festen Überzeugung, dass Vibrationen eines Mobiltelefons physikalische Reize auslösen, die selbst in den tiefsten... Ablenkungen wahrgenommen werden." Mit einer langsamen Bewegung schob ich die schmale Brille ein Stück nach unten, sodass meine Augen, betont durch den dramatischen rauchigen Lidschatten, über dem Rand sichtbar wurden. Ich fixierte Grace mit einem skeptischen, unterkühlten Blick. "Achtzehn Nachrichten, Gracelyn. Sieben davon mit der Priorität 'Dringend'. Dass ich persönlich hier erscheinen muss, um deine Aufmerksamkeit von diesem...", ich machte eine kurze Pause und musterte Kyles Arme um ihre Taille, "...rosa Wölkchen[i]-Programm[/i] zu lösen, stand eigentlich nicht in meinem Terminkalender. Ich nehme an, das ist der Grund, warum meine Nachrichten seit Stunden unbeantwortet in der digitalen Leere verhallen." Ich tat einen langsamen Schritt in den Raum, wobei das Satinfutter meines Blazers kühl über meine Arme glitt. "Wir gehen und wir gehen jetzt gleich. Wir haben Termine bei Sytlisten, die keine Minute ihrer kostbaren Zeit für romantische Nachbesprechungen opfern werden. Du brauchst eine Garderobe für die Magnolia Society, die nicht nach 'Artist Relation Managerin auf Abwegen' schreit."
      Mein Blick glitt langsam zu Kyle hinüber. Ich musterte sein lockeres Muskelshirt und die Jeans mit einem Ausdruck, als hätte ich gerade ein ungelöstes Rätsel der Evolution entdeckt. Ich legte den Kopf leicht schief und stieß ein tiefes, resigniertes Seufzen aus, als würde ich eine schwere Last ablegen. Es war schlichtweg ineffizient, länger auf ihrer mangelnden Kommunikation herumzureiten.
      "Herje...", murmelte ich, die Lippen in sattem Rot perfekt geschwungen. "So wie das aussieht, hat dein Spielkamerad es auch bitter nötig. Vielleicht nimmst du ihn ja gleich mit, bevor sein aktueller Zustand... der gelinde gesagt eine ästhetische Zumutung ist, die Veranstaltung ruiniert." Dann wandte ich mich ab, und mein Fokus wurde merklich wacher, fast schon lebendig, als er zu seinem Bruder glitt. Ein subtiles Lächeln umspielte meine Lippen. Ich nahm mir die Zeit, ihn ganz bewusst von den gepflegten Haaren bis hin zu den schwarzen Lederschuhen zu mustern. Endlich ein Lichtblick in dieser modischen Einöde. Im Gegensatz zu seinem Bruder verstand dieser Mann das Konzept von Stil. "Guten Morgen... Mr. Miller." Ich ließ seinen Namen einen Herzschlag lang in der Luft hängen und meine Stimme nahm einen leicht flirtenden, aber stets kontrollierten Unterton an. "Wie ich sehe, hatten Sie... eine sehr geschäftige Nacht."
      Grace hatte erwähnt, dass er sich mit der Organisation ablenkte, doch so, wie sein Blick mich nun bedachte... Mein Lächeln wurde eine Spur heller, während ich die Sonnenbrille ganz abzog. "Zumindest trägt hier eine Person die Verantwortung für den ästhetischen Standard dieses Haushalts mit der gebührenden Würde." Vielleicht war es am Ende ja gar nicht die Magnolia Society, die ihn so wach hielt.

      Grace

      Ich stand da, wie festgewurzelt, die Lippen noch immer warm von Kyles Kuss, während Farrows schneidende Worte wie Eiszapfen in die gemütliche Küchenidylle einschlugen. Ihr Auftreten war so präzise, so vollkommen und so absolut herrisch, dass ich einen Moment brauchte, um überhaupt zu begreifen, was hier gerade passiert war. Von der romantischen Seifenblase direkt in das eiskalte Wasser der Realität und das alles vor den Augen von Tom und Martha.
      Martha war die Erste, die sich aus der Schockstarre löste. Sie starrte die perfekte, blassgelbe Erscheinung von Farrow an, die in ihren Louboutins wie eine fremde Spezies in dieser Familienküche wirkte. Martha legte das Küchentuch beiseite und fragte mit einem Tonfall, der zwar höflich blieb, aber eine tiefe, resignierte Direktheit besaß: "Guten Morgen. Darf ich fragen, Ms. Taylor, warum Sie sich einfach selbst herein gebeten haben?" Die Spannung im Raum war fast greifbar. Ich spürte, wie Kyles Arme sich unwillkürlich fester um mich schlossen, als wollte er mich gegen den eisigen Wind verteidigen, den Farrow mitgebracht hatte. So sehr ich in diesem Moment auch einfach nur hier bleiben, seinen Duft einatmen und die Welt vergessen wollte, schaltete mein Verstand sofort in den Schadensbegrenzungs-Modus. "Es ist... es ist schon gut, Martha", sagte ich schnell und versuchte, die aufkommenden Wogen zu glätten, bevor Farrow zu einem weiteren verbalen Rundumschlag ausholen konnte. Ich löste mich schweren Herzens aus Kyles Umarmung. Ein Verlust, der sich in diesem Augenblick fast wie körperlicher Entzug anfühlte. Dabei blieb mein Blick jedoch einen Moment länger an Farrow hängen. Ich kannte sie gut genug, um jede noch so winzige Verschiebung in ihrer unterkühlten Mimik zu registrieren. Als sie sich Tom zuwandte, veränderte sich etwas in ihren Zügen. Die eisige Distanz, die sie wie einen Schutzschild vor sich her trug, schien für den Bruchteil einer Sekunde zu flackern. Ihr Lächeln wirkte weniger kalkuliert, ihre Augen eine Spur wacher.
      War da etwa gerade... Interesse? Ein Funke? Nein, schoss es mir sofort durch den Kopf. Das bildest du dir nur ein. Farrow und echte Emotionen passten in meinem Kopf so gut zusammen wie Chanel und Jogginghosen. Wahrscheinlich war es nur die Anerkennung für Toms tadellosen Anzug. Dennoch blieb ein instinktives Gefühl zurück, das ich nicht ganz abschütteln konnte. Ich warf Kyle einen entschuldigenden Blick zu. "Ich trinke nur noch schnell diesen Kaffee aus... oder, weißt du was? Ich finde sicher irgendwo einen To-go-Becher." Ich suchte hektisch in einem der Schränke, schnappte mir einen Apfel aus der Obstschale und versuchte, so etwas wie professionelle Hektik auszustrahlen.
    • Kyle

      Ihre Geste an meinem Unterarm ließ meinen Körper sofort reagieren. "Das liegt nur daran das ich heute besonders gut geschlafen habe." Mein Blick fiel auf meinen Bruder. "Was ich von ihm nicht unbedingt sagen konnte." Tom warf mir einen strengen Blick zu und schüttelte nur mit dem Kopf. Ich nahm dankend die Tasse von Grace entgegen und trank einen Schluck davon. "Keine Sorge, der Kaffee wird mich schon nicht umhauen." Ich schenkte ihr ein Lächeln. Doch als sie von dieser Veranstaltung sprach verzog ich das Gesicht. Ich habe das schon wieder verdrängt, da meine Gedanken die ganzen letzten Tage woanders waren. Wie sehr ich mich darüber freute, stand mir ins Gesicht geschrieben. Ich war nicht bereit dafür einen Abend lang zwischen Menschen zu stehen, die nicht wussten wohin mit ihrem Vermögen und auf Smalltalk mit diversen Menschen hatte ich auch keine große Lust. "Ach ja.. Da war ja was."
      Mein Bruder richtete sich auf und sah zu mir. "Ich erinnere dich daran das wir zusammen eingeladen wurden. Und ich habe mir überlegt das wir nach dem Frühstück in das Zentrum fahren um dir einen passenden Anzug zu kaufen." Meine Augen weiteten sich und ich sah Tom in die Augen. War es sein Ernst das ich mich wegen sowas verkleiden musste? Ich hasste Anzüge.. Warum darf man bei sowas nicht einfach kommen wie man möchte? Diese Dresscodes waren voll altmodisch. Warum kann man in der heutigen Zeit nicht mit dem Strom schwimmen? "Ich will keine Widerrede hören. Es werden dort auch Fotografen sein und die Presse und ich möchte das du dich benimmst und dich der Öffentlichkeit so präsentierst, wie sie es von dir erwarten." Am liebsten würde ich Grace jetzt einfach schnappen und mit ihr Durchbrennen. Aber leider war es nicht möglich.. Ich musste wohl für diesen einen Abend den perfekten Miller spielen..
      Dann änderte sich die Luft im Raum um hundertachzig Grad. Alle Blicke fielen auf Ms. Taylor. Das auch noch
      Ich verdrehte meine Augen, denn sie war die letzte Person die ich hier in meinem Loft begrüßen würde. Anders als mein Bruder, der sie ansah als würde er ihr gleich um den Hals fallen. Hoffentlich fängt er nicht noch an zu sabbern. Grace Hand drückte sich in meinen Arm und ich schlang meinen Arm noch fester um sie. Ich wollte ihr zeigen das ich für sie da bin. Mein Blick wurde ernster und ich sah zu Ms. Taylor auf. Sie versuchte mich aus der Reserve zu locken mit ihren Sprüchen, aber heute würde es ihr nicht gelingen. Ihre Worte prallten nur so an mir ab und ich schenkte ihnen keine Beachtung. Ich folgte ihrem Blick zu meinem Bruder, der sich so charmant wie immer verhielt. Ihn machte es wohl absolut nichts aus das sie mich gerade beleidigt hatte.. Interessant

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      Tom

      Der schier ruhige Morgen wurde durch den Auftritt von Farrow Taylor sofort durchschnitten. Da war sie wieder, die Frau die mir nicht aus dem Kopf gehen wollte. Meine Haltung veränderte sich, als sie zu Reden begann. Ich musterte sie so diskret wie möglich, denn ich wollte sie nicht in Verlegenheit bringen oder verunsichern. Sie sah wunderschön aus wie bei ihrem letzten Besuch. Jede Bewegung die sie tat war elegant und sie wusste ganz genau wie sie mit ihren Reizen umgehen konnte. Als sich ihr Blick zu mir wandte und sie mich von Kopf bis Fuß musterte, versuchte ich meine Atmung weiterhin zu kontrollieren und mir nicht anmerken zu lassen wie sehr es mir gefiel wie sie mach ansah. Mein Name aus ihrem Mund zu hören war der schönste Klang heute Morgen. "Guten Morgen Ms. Taylor." Ich schenkte ihr mein charismatisches Lächeln und versuchte mir nicht anmerken zu lassen wie sehr sie mich aus der Bahn wirft. "Die Nacht war arbeitsreich ja." Ich nahm einen Schluck aus meiner Tasse um mich zu beschäftigen.
      Doch ich konnte die Anspannung der anderen deutlich spüren. Sie waren nicht sonderlich erfreut über ihren Besuch. Ich vernahm Marthas Worte und sah wie Grace die Sache entschärfen wollte, ihre Unsicherheit sie jedoch straucheln lässt. Ich ging ein paar Schritte und stellte meine Tasse auf den Tisch ab. "Wie wäre folgender Vorschlag. Wenn Ms. Taylor uns noch ein paar Minuten ihrer wertvollen Zeit schenkt, dann würde ich vorschlagen wir frühstücken in Ruhe und fahren dann anschließend zusammen in die Stadt." Der Blick von Kyle sprach Bände.
    • Farrow

      Ich hielt den Matcha-Latte mit einer Beiläufigkeit, die über die Tatsache hinwegtäuschte, dass ich jede einzelne Mikrobewegung in diesem Raum registrierte. Marthas sichtlich unterdrückte Empörung über mein Eindringen amüsierte mich mehr, als es mein Gesichtsausdruck jemals verraten würde. Dass sie mich fragte, warum ich mich selbst herein gebeten hatte, war fast schon rührend, als ob Türen für jemanden wie mich tatsächlich ein Hindernis darstellten.
      Doch dann sprach Mr. Miller. Sein Vorschlag, mir ein paar Minuten meiner wertvollen Zeit zu stehlen, war taktisch klug gewählt. Er nutzte genau die Sprache, die ich verstand: Effizienz gepaart mit einer Prise Schmeichelei. Ich ließ meinen Blick von seinem charismatischen Lächeln zu den schwarzen Lederschuhen gleiten und wieder zurück. Er war der Einzige hier, der nicht aussah, als käme er gerade aus einem Ferienlager für schwer erziehbare Musiker.
      "Ein gemeinsames Frühstück?", wiederholte ich leise, und der Unterton meiner Stimme war so glatt wie der Satin meines Blazers. Ich ließ eine kalkulierte Pause entstehen, während ich die Sonnenbrille nun gänzlich abnahm und sie mit einem leisen Klick in den Ausschnitt meines gelben Kleides hängte. "Ein interessantes Angebot, Mr. Miller. Auch wenn ich bezweifle, dass Ruhe in dieser Konstellation ein realistisches Ziel ist."
      Ich warf Kyle einen Blick zu, der deutlich machte, dass ich sein Augenrollen sehr wohl bemerkt hatte. Er wirkte wie ein trotziger Prinz, der sich weigerte, seine Krone zu polieren. Dass er Gracelyn fast schon besitzergreifend an sich drückte, war ein amüsanter Bonus. "Allerdings", fuhr ich fort und wandte mich wieder Tom zu, wobei ich den Abstand zwischen uns um einen knappen, provozierenden Schritt verringerte, "ist die Idee, die Logistik für diesen... modischen Notfalleinsatz zu bündeln, durchaus effizient. Wenn wir zusammen fahren, stelle ich sicher, dass wir nicht in den drittklassigen Boutiquen landen." Während ich mein Handy aus meiner Designer Tasche zückte um den Stylisten zu schreiben, beugte sich plötzlich Gracelyn zu mir herüber. "Ich weiß du bist gereizt und das läuft nicht so wie du es geplant hast, aber du weißt dass es ihn nicht gut geht und Kyle ist nun einmal ein Rockstar, kein glamouröser Schauspieler oder ein stinkrricher Bankdirektor. Sei bitte einfach etwas gnädige zu ihm, okay Farrow? Mir zu Liebe.", flüsterte sie wobei ihr ihr mit einen erhobenen Zeigefinger zeigte, dass ich es mir nicht nehmen ließ die Nachricht mit meiner anderen Hand zu Ende zu tippen und abzuwenden. Ich schmunzelte belustigt als ich ihre flehenden Augen sah. "Gnade ist eine Tugend für Menschen mit zu viel Freizeit, Gracelyn." Schlussendlich seufzte ich tief. "Wärst du so freundlich Gatsby hier rauf zu holen? Vielleicht überlege ich mir bis dahin deiner Bitte nach zu gehen." Verdammt... dieses Mädchen kannte mich zu gut. Sie wusste genau dass es meine Art war nach zugeben ohne dass mein eiskalte Fassade zu tauen begann. Sichtlich erleichtert nahm sie die Hand ihre Liebsten und zog ihn Richtung Fahrstuhl. Hmmm .... das war vielleicht auch besser so. "Dann wäre das wohl geregelt. Also... Mr. Miller, führen Sie mich an Ihren Esstisch? Ich bin gespannt, ob das Frühstück hier hält, was die... Atmosphäre verspricht."
      Während wir durch die luxuriöse Inneneinrichtung des Lofts schritten, genoss die unterschwellige Spannung, die jeden meiner Schritte begleitete. Als er mir den Stuhl anbot, glitt ich mit einer fließenden Bewegung darauf nieder und schlug die Beine übereinander. Das blassgelbe Etuikleid spannte sich dabei über meine Oberschenkel, während ich die Silhouette meiner Beine ganz bewusst in Szene setzte. "Hätte ich gewusst...", begann ich und schenkte ihm ein Lächeln, das irgendwo zwischen geschäftlicher Kühle und reinem Amüsement lag, "... welche Aussicht mir heute Morgen noch zuteilwerden würde, hätte ich mich vielleicht für etwas... Schickeres entschieden." Ich griff nach meinem Matcha-Latte und goss die giftgrüne Flüssigkeit mit einer Seelenruhe vom Plastikbecher in eine der bereitgestellten Porzellantassen um. Während ich den Drink noch einmal langsam umrührte, traf mein Blick den seinen. Scharf, präzise und mit einem lasziven Funkeln, das ich nur sehr dosiert einsetzte. "Wissen Sie, Mr. Miller... mir würden auch ganz andere Dinge einfallen, für die Sie Ihre 4,37 Minuten nutzen könnten. Ich wäre sogar so großzügig und würde auf volle fünf Minuten aufrunden, einfach weil ich mir Grace für den großen Tag ausleihen darf." Ich hob die Tasse an meine Lippen und nahm einen kleinen, bedachten Schluck. Über den Rand des feinen Porzellans hinweg hielt ich seinen Blick fest, ohne auch nur eine Sekunde lang blinzeln zu müssen. Ich wollte sehen, ob seine Fassade hielt oder ob die Glut, die ich gerade geschürt hatte, erste Risse hinterließ. "Aber diese fünf Minuten gehören ja ganz Ihnen... was auch immer Sie damit vorhaben", hauchte ich, wobei meine Stimme eine Spur tiefer wurde. "Sie haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit."

      Grace

      Gatsby holen... nun gut. Ich hoffte einfach inständig, dass sich Farrow bis ich wieder hoch kam etwas herunter gefahren hatte. Bevor die Situation vollends eskalieren konnte, ergriff ich die Initiative. Ich schlang meine Finger um seine Hand und zog ihn sanft, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete, in Richtung des Fahrstuhls. Ich spürte, wie sich die Anspannung in Kyles Körper wie eine gespannte Saite anfühlte, bereit zu reißen, sobald Farrow den nächsten giftigen Pfeil abschoss. Ironisch wenn man bedachte, dass die Zwei sich in einigen Punkten gar nicht mal so unähnlich waren.
      Als sich die schweren Metalltüren des Fahrstuhls mit einem satten Klacken schlossen und wir endlich allein waren, atmete ich tief durch. "Hey", sagte ich leise und trat einen Schritt näher an ihn heran, um seinen Groll ein wenig zu lindern. "Nimm es ihr nicht zu krumm. Sie war nur so ungehalten, weil ich sie... offensichtlich wegen dir komplett ignoriert habe. In Farrows Welt ist es ein unverzeihliches Verbrechen, ihre Nachrichten nicht innerhalb von Millisekunden zu priorisieren. Sie meint es nicht so... auch wenn ihre Art zugegeben gewöhnungsbedürftig ist." Plötzlich musste ich leise kichern. Die Situation war so absurd, dass die Anspannung der letzten Minuten fast augenblicklich von mir abfiel. "Weißt du eigentlich noch?", fragte ich und sah ihn amüsiert an. "Das letzte Mal, als wir beide ganz allein in diesem Fahrstuhl waren... das war an meinem ersten Tag. Du hast mich ehrlich gesagt fast zu Tode erschreckt und ich dachte nur: 'For God sake, auf was hast du dich da bloß eingelassen?' " Mein Daumen begann, in einer langsamen, beruhigenden Bewegung über seinen Handrücken zu gleiten. Ich sah zu ihm auf und verfing mich für einen Moment in der Tiefe seiner Augen, die jetzt, ohne das Publikum in der Küche, wieder weicher wurden. Meine freie Hand hob sich fast wie von selbst und ich richtete sacht eine widerspenstige Locke, die ihm in die Stirn gefallen war. Zum Schluss ließ ich meine Fingerspitzen zärtlich über seine Wange streichen, eine Geste, die nur für uns beide bestimmt war. "Mach dir keinen Kopf wegen der Magnolia Society oder Farrow", flüsterte ich mit einem Lächeln, das direkt aus meinem Herzen kam. "Egal, was sie sagt oder wie viele Sachen wir heute anprobieren müssen... mir kann ohnehin nichts und niemand diesen Morgen kaputt machen."
    • Tom

      Ich war sichtlich erfreut darüber das sie mir ein paar Minuten ihrer Zeit schenkte. Die Anspannung in Kyle´s Blick wurde nicht weniger und ich war dankbar das Grace ihn mit nach unten nahm um nach den kleinen Gatsby zu schauen. Sonst wäre die Sache sicherlich ein wenig eskaliert. Kyle mochte solche Menschen wie Farrow nicht und deshalb konnte ich seine Beweggründe gut nachvollziehen, nicht mit auf diese Veranstaltung zu gehen. Bei mir war es anders. Auch wenn ich deutlich spürte, das sie mich aus der Reserve locken wollte, so blieb ich erstaunlich ruhig und ließ mich davon nicht beeindrucken. In meinen Inneren tobte jedoch gerade ein ganz anderer Sturm.
      "Dann setzen sie sich ruhig." Ich führte sie an den großen Esstisch und zog ihr einen Stuhl hervor, worauf sie sich mit einer solchen Eleganz hinsetzte, die mir fast den Atem raubte. Ich nahm auf meinem gewohnten Stuhl platz und schlang meine Finger um meine Tasse. Martha war so gut und stellte eine großzügige Auswahl auf den Tisch vor uns. Ich schenkte ihr ein dankbares Lächeln, bevor sie sich wieder zurück in die Küche begab. "Nun mit einem exklusiven Frühstück, wie sie es vielleicht gewohnt sind, kann ich nicht dienen, aber ich denke das hier sollte fürs Erste ausreichen." Ich prägte mir jede ihrer Bewegung und Regung genau ein und konnte das deutliche Ziehen in meiner Brust spüren. Sie wandte ihren Blick keine Sekunde von mir ab, auch nicht als sie von der Tasse trank. Das stahlgrau in ihren Augen funkelte ein wenig als sie mich ansah. Durch meine grün braunen Augen durchzog sich ebenfalls ein kleiner Blitz. An der Tasse die sie vor sich abstellte, zeichnete sich ihr roter Lippenstift deutlich ab. Ihre Großzügigkeit, die Zeit aufzurunden, ließ mich kurz Schmunzeln. "Vielen Dank für ihr Angebot." Ich konnte den leicht provozierenden und flirtenden Unterton in ihren Worten hören, aber selbst das brachte mich äußerlich nicht aus der Fassung. Auch wenn mein Kopf sich gut vorstellen konnte, die 5 Minuten mit ihr anders zu investieren, als nur Smalltalk zu halten. Nur würde das absolut nicht zu mir passen. Ich war nicht der Typ Mann der Frauen sogleich in sein Bett zieht, ganz egal wie sehr sie sich bemühten meine Aufmerksamkeit zu erregen.
      Ich löste eine Hand von meiner Tasse und griff zu dem Obstkorb um mir ein paar Weintraube zu nehmen und sie mir nach und nach in den Mund zu stecken. Ohne meinen Blick von ihr zu nehmen. Ich tupfte anschließend meinen Mund mit der Serviette ab und legte diese wieder neben meinen Teller. "Nun dann erzählen sie mir was uns auf der Magnolia Society erwartet und welche Programmpunkte auf den Plan stehen." Während ich auf eine Antwort von ihr wartete, nahm ich mir ein Brötchen aus dem Korb und schnitt es mit dem Messer perfekt auf um es dann nach Lust und Laune zu belegen, bevor ich meinen Blick wieder zu ihr wand. "Bedienen sie sich ruhig."

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      Kyle

      Meine Hände waren zu Fäusten geballt und am liebsten hätte ich diesem Barbie Verschnitt einen gehörigen Arschtritt verpasst. Wer denkt sie wer sie war? Die Queen? Und dann war da noch Tom, der sie absolut umwerfend fand, nach seinem Blick zu urteilen. Mir wurde übel und ich war froh das mich Grace mit in den Fahrstuhl zog, damit die Sache nicht komplett aus den Fugen gerät. Ich atmete laut aus als die Fahrstuhltür hinter uns zuging und blickte in ihre Augen. Sie nahm sie auch noch in Schutz? So ein Verhalten konnte man nicht gutheißen oder entschuldigen. "Nein Grace, ganz ehrlich diese Frau hat sie nicht mehr alle. Platzt hier unaufgefordert in mein Haus hinein und bellt wie ein unerzogener Pitbull herum. Wirft mit Beleidigungen um sich und das Schlimmste an der ganzen Sache ist für mich das mein Bruder rein gar nichts dazu sagt. Er verzog weder eine Mine noch wies er sie in ihre Schranken. Dieses Verhalten konnte man doch unmöglich gut heißen. Oder sehe ich das falsch?"
      Ich versuchte mich zu beruhigen, meine Atmung zu kontrollieren, die angestaute Wut in mir irgendwie zu besänftigen. Grace versuchte mich zu beruhigen. Ihre Berührung auf meiner Handfläche zeigte augenblicklich ihre Wirkung. Ein leichtes Lächeln trat auf meine Lippen, als sie von unserer ersten Begegnung hier in dem Fahrstuhl sprach. "Ich wollte einfach nur sicher gehen das du nicht herumschnüffelst und das Personal bestichst mit deinem Zitronenkuchen." Nun lachte ich etwas lauter auf. Schon damals machte sie mich neugierig, aber nicht so auf die Art und Weise wie sie es heute tat. "Der Anfang von allem." Ich strich zärtlich über ihre Wange und genoss ihre zärtliche Geste ebenfalls. Ich schloss kurz meine Augen und atmete nochmal tief ein und aus. "Ich weiß zwar nicht wie ich das überleben soll, aber ich bin froh das ich da nicht alleine durch muss." Mein Kopf beugte ich ein wenig nach unten und unsere Lippen trafen sich beinahe. "Ich hab dich an meiner Seite", hauchte ich gegen ihre Lippen, bis ich ihr dann doch einen federleichten Kuss schenkte. Der Fahrstuhl war unten angekommen und die Türen öffneten sich. Ich tritt mit Grace in meiner Hand heraus und wir steuerten auf den Wagen von Ms. Taylor zu. "Dann holen wir den Kleinen Mal heraus."
    • Farrow

      Ich lehnte mich langsam in meinen Stuhl zurück, legte meine Arme ein wenig auf die Armlehnen, und betrachtete Tom Miller mit einem Blick, der seine Bescheidenheit förmlich sezierte. "...Ein exklusives Frühstück?", wiederholte ich mit hochgezogener Braue. "Sind Sie sich da sicher, Mr. Miller? Woher wollen Sie eigentlich wissen, welche Ansprüche ich an meine Mahlzeiten stelle?" Immerhin war ich hier auf etwas ganz anderes aus, als Nahrungsaufnahme oder Almosen. Nein... ich sammelte lieber weiter Informationen und betreib Networking. Das war wesentlich befriedigender als alles was die Haushälterin hier auf den Tisch bringen konnte. Ein leichtes fast, distanziertes Lächeln umspielte meine Lippen, während ich die reichhaltige Auswahl ignorierte, die Angestellte aufgefahren hatte.
      Da ich jedoch auch nicht so dumm oder naiv war, die höfliche Einladung eines solchen Mannes auszuschlagen, sammelte ich mir all die Früchte von der Tafel und der Obstschale die ich wollte. Ich führte eine weinrote Weintraube zum meinen Mund, wobei meine sorgfältig manikürten Fingernägel kurz meine rot geschminkten Lippen streiften. Ich biss nicht einfach zu, ich ließ die Traube einen Moment lang zwischen meinen Zähnen ruhen, bevor ich die zarte Haut durchtrennte. Es war eine Geste reinster, kontrollierter Sinnlichkeit, die nur ein Ziel hatte: zu beobachten, wie Tom darauf reagierte. Außerdem gab es keine bessere Art eine Frucht wirklich zu genießen als sie langsam zu zerkleinern, ihren Saft sinnlich die Kehle herunter rinnen zu lassen und sich Zeit für die Momente zu nehmen, für die ich so wenig hatte. Das mir dabei ein gut gekleideter Mann mit einen Bilderbuch-Kreuz zuschaute war nur ein kleiner Bonus.
      "Nun gut... wenn es das ist was Sie von mir hören wollen...", fuhr ich fort, während ich eine Beere in den Mund schob und den Abend mit kühler Präzision skizzierte. "Alles beginnt pünktlich um 17:30 Uhr mit dem Empfang und dem Red Carpet. Hier wird das eigentliche Spiel gespielt: Sehen und gesehen werden. Künstler wie Ihr Bruder werden dort als das Gesicht der modernen, rebellischen Kunst präsentiert... ein kalkulierter Bruch mit der Etikette. Nach der offiziellen Begrüßung um 18:30 Uhr folgt ab 19:00 Uhr das Gala-Dinner. Während wir essen, bewegen wir das Geld durch Fundraising und Auktionen." Eigentlich war es eine Schade, ich hatte Grace merfach den Ablauf geschrieben und nun hatte er sogar seine exklusiven fünf Minuten bei mir dafür benutzen müssen. Ich rührte meinen Matcha noch einmal sacht um. Ich lehnte mich nicht nur vor stattdessen neigte ich den Kopf leicht zur Seite, sodass meine blonden Wellen über eine Schulter fielen und den Blick auf meinen Hals freigaben. "Um 20:30 Uhr verleihen wir den Nachwuchspreis der Magnolia Foundation... ein Moment der Rührung für die Presse, während wir hinter den Kulissen bereits die nächsten Verträge vorbereiten. Das Herzstück folgt um 21:15 Uhr mit der Haupt-Performance und der feierlichen Enthüllung des neuen Stiftungsflügels. Ab 22:00 Uhr leiten wir dann langsam zur Aftershow über, die ab 22:30 Uhr mit DJ und Live-Acts in den inoffiziellen Teil des Abends mündet. Die Art von Nacht, in der man Dinge tut, die man am nächsten Tag am liebsten vergisst... oder die den nächsten großen Deal besiegeln."

      Grace

      Das leise Surren des Fahrstuhls war die einzige Antwort auf Kyles aufgebrachte Worte. Ich verstand seinen Groll. Kyles Welt war authentisch, laut und oft ungefiltert, während Farrow in einer Welt aus strategischer Kälte und geschliffenen Kanten lebte. "Tom... nun ja, dein Bruder ist ein Diplomat. Er weiß, dass man einen Flächenbrand nicht löscht, indem man Benzin hineingießt. Er bändigt sie auf seine Weise." Ich wollte nicht dass er sich hintergangen oder allein gelassen fühlte. Wirklich nicht. "Sieh es mal so, natürlich ist Farrow speziell und alles andere als eine einfache Persönlichkeit aber... ohne sie würden wir uns gar nicht kennen. Außerdem... der Start gerade war echt unglücklich aber du solltest genau wissen wie es ist eine harte Schale und einen weichen Kern zu haben. Grundlos sind wir schließlich nicht befreundet. Sie vergisst nur häufig dass der Anspruch der an sie selbst gestellt wurde und den sie stetig anstrebt nicht auch für ihre Mitmenschen gillt." Ich lächelte sanft als ich an den Anruf dachte, der mein Leben veränderte. "Und genauso wie ich auch mit Farrow und ihren Wesen klar komme, egal wie schwierig sie sein kann... halte ich an dir, an uns, fest. Wenn nicht sogar noch viel mehr."
      Es war zu schön in Erinnrungen zu schwelgen. Als er den Cake au citron erwähnte, konnte nicht anders und ein helles Lachen entrann meiner Kehle. Ich ich meine Hand spielerisch aufhorchen und sah ihn mit gespielter Empörung an. "Hey! Cake au citron!", korrigierte ich ihn schmunzelnd. "Und ich wollte mich einfach nur vorstellen, das ist alles. Dir habe ich bei unserem ersten Treffen schließlich auch das Zitronenbonbon mitgebracht." Ich funkelte ihn frech an und mein Grinsen wurde breiter. "Aber es war schon seeeehr... amüsant, dass du mir extra gefolgt bist, nur um sicherzugehen, dass ich nicht 'herumschnüffele'. Dabei habe ich bis heute nicht in deiner dreckigen Wäsche gewühlt." Als er sich mir jedoch näherte, hielt ich inne. Das Lachen in meinem Gesicht wich einer tiefen Wärme und ich spürte deutlich das heftige Schlagen meines Herzens in meiner Brust. Ich schmiegte meine Wange sanft an seine Handfläche und schloss für einen Moment die Augen. So sacht und schnell der Kuss auch war, ich genoss ihn in vollen Zügen. Es wunderte mich immer wieder, wie gut dieser Mensch mir tat und wie kostbar diese kleinen, echten Momente mit Kyle waren. Momente, die so gar nicht zu dem Bild passten, das die Welt von ihm hatte. Ich wünschte mir in diesem Augenblick nichts mehr, als immer wieder diesen echten Kyle Miller zu finden.... den Mann, in den ich mich verliebt hatte, fernab jeder Rolle oder medialen Erwartung.
      Als er Gatsby erwähnte, blinzelte ich kurz, um mich aus der Trance zu lösen. "J-Ja. Du hast recht...", hauchte ich noch immer etwas benommen von seiner Nähe. Ich öffnete die Wagentür und sofort sprang mir der kleine Zwergspitzrüde entgegen. Ich nahm ihn auf den Arm, und Gatsby überschlug sich fast vor Freude, mich zu sehen. Er leckte mir aufgeregt quer durch das Gesicht, was mich unwillkürlich zum Lachen brachte. "Hör auf, das kitzelt!", kicherte ich. Nach einigen Sekunden schaffte ich es, ihn ein Stück von meinem Gesicht wegzuhalten, und begann, ihn hinter den Ohren zu kraulen. Meine Stimme rutschte automatisch ein paar Oktaven höher, während ich mit ihm gurrte: "Jaaaa.... wer ist ein süßer kleiner Fellball? Hmm? Ja wer? Ja richtiiig! Duuuu bist das. Ja duuu!" Ich hatte den Kleinen wirklich vermisst. "Na komm, wir gehen zu deinem Frauchen. Ja ja, das machen wir..." Ich sah über den wedelnden Hund hinweg auf zu Kyle und schenkte ihm ein vielsagendes Lächeln. "Und wir schlagen uns oben sicher nicht die Köpfe ein, okay? Wenn ihr beide brav seid, bekommt ihr nämlich ein ganz tolles Leckerli."

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    • Tom

      Ich bin schon vielen Frauen in meinem Leben begegnet, die genau wussten, was sie taten. Aber Farrow Taylor war auf einem ganz anderen Niveau. All das was sie tat war pure Absicht. Sie setzte sich präzise und fast schon inszeniert in Szene. Ihr Ziel war es mich aus der Reserve zu locken, zu sehen ob meine perfekte Maske für einen Moment Risse bekommt, aber diesen Gefallen tat ich ihr nicht. Ich lehnte mich ein Stück auf dem Stuhl zurück, ohne den Blick von ihr zu lösen, während sie sich beiläufig an den Früchten bediente. Nichts davon hatte den Anschein das sie es unbewusst tat. Nicht die Art wie sie mit ihren Fingern die Trauben hielt, nicht das kurze Streifen ihrer Lippen an der Frucht, nicht dieses verdammte Innehalten, bevor sie hineinbiss. Und sie genoss es, jeden einzelnen Augenblick, während ich ihr dabei zusah. Ich prägte mir jedes noch so kleinste Detail ein. Es war kein Zufall und kein Spiel, das sie aus Langeweile betrieb. Es war pure Kontrolle und sie setzte sie gezielt gegen mich ein. In meinem Inneren spielte gerade alles verrückt und sehnte sich nach den Lippen und den Fingernägeln dieser Frau. Äußerlich ließ ich mir absolut nichts anmerken. Auch nicht, als sie ihren Kopf neigte und ihren Hals freilegte, als wäre das so selbstverständlich passiert. In meinem Gesicht zeigte sich keine Regung, ich blieb fokussiert.
      Während sie über den Ablauf des Abends sprach, notierte ich mir alles in meinem Kopf und prägte mir alles ganz genau ein. Es wirkte alles bis ins kleinste Detail strukturiert. Genau so schätzte ich sie auch ein. Wohlmöglich war ihr ganzer Tag komplett durchgetaktet. Abweichungen wie jetzt, wo sie mit mir am Tisch sahs, passten nicht in ihren Zeitplan. Doch sie versuchte es so elegant wie möglich zu überspielen und es sich nicht anmerken zu lassen, das sie ihre Zeit lieber anders genutzt hätte, als hier aufzutauchen. Nur Schade für sie, dass Grace nicht auf ihr Handy geschaut hat, weil sie so sehr mit meinem Bruder beschäftigt war. Gut für mich, denn somit hatte ich diese Frau für 5 Minuten ganz für mich alleine. Auch wenn mir nichts besseres einfiel, als sie nach der Veranstaltung zu fragen.
      Als sie schließlich fertig war, nickte ich nur leicht. "Ein klar durchdachter Ablauf. Die wichtigsten Momente sind gut platziert. Ich denke das wir ein interessanter Abend werden." Meine Stimme blieb ruhig und sachlich. Keine Spur davon, was ich wirklich dachte und was ich innerlich fühlte. "Über was würden sie sich den gerne unterhalten? Wenn es nicht unbedingt um die Magnolia Society gehen soll?" Mein Blick hielt ihren für einen kurzen Moment länger stand, als es nötig gewesen wäre, bevor ich ihn wieder löste. Ich versuchte noch in Ruhe zu frühstücken, bevor Grace, Kyle und Gatsby nach oben kamen. Und sich die Stimmung hier drinnen, wieder vollkommen veränderte.

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      Kyle

      Ja es stimmte das mein Bruder die Situation nicht verschlimmern wollte, aber ich konnte spüren das er anders ihr gegenüber war. Und es passte mir absolut nicht. Der Gedanke alleine daran, das zwischen den beiden was laufen könnte, stieß mir sauer auf. Ich ertrug diese Frau keine einzige Sekunde mehr in meinem Haus. Sie soll in ihr Barbie Haus zurück gehen und nie wieder kommen. War ich froh das Grace nicht so ist. Sie war bodenständig, freundlich und zuckersüß. Und ich bin froh das so eine Frau sich in mein Herz geschlichen hat. Wie gut das ich nicht das Beute Schema für Ms. Taylor war. Aber mein Bruder.. und da war der Haken. Alles in mir sträubte sich dagegen. Es darf nicht soweit kommen und ich betete dafür das er sieht was für eine Person sie ist. Klar würde es Grace nicht in mein Leben geben, wenn sie nicht dagewesen wäre.. aber vielleicht wären wir uns auch woanders über den Weg gelaufen. Wer wusste das schon. Doch jetzt wollte ich nicht mehr an die Giftschlange dort oben denken, sondern nur an das wunderschöne Geschöpf vor mir.
      Es war wirklich schön zurückzublicken, auf die Zeit als sie bei uns das erste Mal aufgetaucht war. Und ich musste lachen, als sie mich korrigierte. "Entschuldigen sie Miss, selbstverständlich Cake au citron." Ich stupste sie spielerisch auf die Nase. Und sie sprach die Wahrheit, ich hatte sie kein einziges Mal seitdem sie hier war, beim Herumschnüffeln erwischt. Jetzt da ich sie besser kannte, hätte ich ihr das im Nachhinein auch nicht zugetraut.
      Ich ließ ihre Hand los und blieb mit einem kleinen Abstand vom Wagen stehen und beobachte sie ganz genau. Wie sie mit dem kleinen Hund umging, sah einfach bezaubernd aus. Und der kleine Kerl schien sie auch sehr zu mögen, was mir irgendwie nicht so gefiel. Entwickle ich etwa Eifersucht gegenüber einem Hund? Das war absurd, er konnte ihr nicht annähernd das geben was sie brauchte.
      Ich schüttelte den Gedanken aus meinem Kopf und schenkte ihr ein Lächeln, als sie zu mir sah. "Ein ganz besonderes Leckerchen? Bring mich nicht in Versuchung." Meine Augen fixierten sie für einen Augenblick lang und mein Puls schoss dabei in die Höhe. Was gerade in meinem Kopf vor sich ging, das konnte ich ihr nicht ins Gesicht sagen. Ich räusperte mich und trat einen Schritt auf die beiden zu und strich den kleinen Hund durchs Fell. Sofort schnellte seine kleine Zunge heraus und er leckte mir über die Wange. "Anscheinend mag er mich, im Gegensatz zu seinem Frauchen." Ich konnte den Blick von Grace auf mir spüren und ich hob entwaffnend meine Hände. "Schon gut ich reiße mich zusammen." Für sie würde ich sogar durchs Feuer gehen. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl wieder nach oben und traten in den Flurbereich. Mein Blick ging unwillkürlich zum Esstisch und ich atmete lauter als beabsichtig aus. Gut sie hatten beide noch ihre Klamotten an und es sah auch nicht so aus als wäre da was zwischen ihnen gelaufen. Erleichtert trat ich mit Grace und Gatsby zurück in den Wohn Essbereich.
    • Farrow

      Ich lehnte mich ein Stück tiefer in die Polsterung des Stuhls und griff nach dem silbernen Obstmesser. Mit einer Präzision, die fast schon chirurgisch wirkte, setzte ich die Klinge an einem reifen Pfirsich an. Die Schale leistete kaum Widerstand, während ich die Frucht in vollkommen gleichmäßige Spalten zerteilte. Dass ich mit meiner Eventagentur die perfekte Illusion eines unvergesslichen Augenblicks verkaufte, bedeutete, dass ich selbst die ultimative Projektionsfläche sein musste. Ich war es gewohnt, die Wünsche meines Gegenübers zu lesen, noch bevor sie ausgesprochen wurden, sie zu erfüllen oder diese sogar für meine Zwecke zu formen.
      Doch dieser Mann... Tom Miller war eine Gleichung, die einfach nicht aufging. Trotz der Informationen, die meine wachen Augen sammelten, konnte ich ihn nicht vollends einschätzen. Und genau das war es, was mich reizte. Und, zu meinem leisen Missfallen, auch irritierte. Äußerlich blieb ich das personifizierte Kalkül, getaucht in sinnliche Eleganz. Auf seine Einschätzung hin ließ ich ein schmales Lächeln über meine Lippen gleiten.. "Interessant?", wiederholte ich mit rauchiger Stimme. "Ich hoffe doch sehr, Mr. Miller... dass er für alle Beteiligten schlicht unvergesslich wird."
      Ich nahm einen bedachten Schluck von meinem Matcha, wobei mein Blick ihn über den Rand der Tasse hinweg sezierte. Während ich eine Pfirsichspalte mit der Gabel aufnahm, ohne dass mir eine einzige Regung im Raum entging, stellte ich die Frage, die rein organisatorisch klingen mochte, aber weit mehr war.
      "Sagen Sie mir... werden Kyle und Sie eigentlich in Begleitung erscheinen oder nicht?" Eine kurze Pause entstand, in der ich das leise Ticken der Uhr im Loft beinahe physisch spüren konnte. "Sie haben die Einladung zwar angenommen, aber diese Information ist seltsamerweise nie bis zu mir durchgedrungen. Und ich... nun ja, ich benötige diese Details für die Platzkarten beim Dinner. Ordnung ist schließlich das halbe Leben, finden Sie nicht auch?" Ich legte das Messer ab und verschränkte die Finger unter meinem Kinn, wobei ich den Abstand zwischen uns durch eine minimale Vorwärtsbewegung ein Wenig verringerte. Als er mich fragte, worüber ich abseits der Magnolia Society sprechen wollte, ließ ich die Maske der kühlen Geschäftsfrau für einen Moment zugunsten einer gefährlicheren Neugier fallen. Ich wollte wissen, wie weit ich gehen musste, bis er sich verriet. "Wenn wir die professionelle Ebene verlassen…", begann ich leise und hielt seinen Blick fest, "dann frage ich mich, ob Sie immer so diszipliniert sind, Mr. Miller-" mein Mundwinkel zuckte sacht ehe ich weiter sprach "-oder nur dann, wenn man Sie beobachtet." Ich ließ die Worte bewusst stehen. Meine Stimme wurde ruhiger, tiefer. "Mich interessiert weniger die Oberfläche. Mich interessiert, wer dahintersteht. Hinter dem Erfolg. Hinter der Perfektion." Ein kurzer Moment Stille folgte, in dem ich die Intensität seiner Präsenz filterte. "Sagen Sie mir… wie viel von dem, was Sie aufgebaut haben, ist wirklich Sie-" mein Blick hielt seinen fest "-und wie viel davon ist lediglich eine… meisterhaft konstruierte Fassade?" Ich beobachtete ihn genau. Nicht auf seine Worte wartend. Sondern auf den Moment, in dem sich etwas verschob.

      Grace

      Ich genoss das Gewicht der kleinen, flauschigen Kugel auf meinem Arm und das kitzlige Gefühl seines Fells an meinem Hals. Als ich merkte, wie Kyle mich fixierte und sich schließlich räusperte, sah ich ihn forschend an. „Was ist?“, fragte ich leise und versuchte, das Funkeln in seinen Augen zu deuten.
      Auf seine Bemerkung bezüglich der Versuchung und des Leckerlis hin entwich mir ein kurzes, fast empörtes, aber liebevolles Lachen. "Ohh... nein!", rief ich aus und schüttelte grinsend den Kopf. "Ich hatte an so etwas wie Lemon Bars gedacht, aber doch nicht an…" Ich hielt inne, da mein eigener Kopf plötzlich ein weitaus sinnlicheres Bild zeichnete, als ich eigentlich beabsichtigt hatte. "Das braucht schon etwas mehr als nur gutes Benehmen", fügte ich mit einem Augenzwinkern hinzu. Vor allem Zeit und eine Verbindung die durch gemeinsame Erinnerungen gefestigt wurde.
      Ich beobachtete mit einem weichen Lächeln, wie Kyle Gatsby kraulte und sich die Zuneigung des Kleinen verdiente. Bei seinem Kommentar über Farrow zog ich jedoch amüsiert eine Augenbraue hoch. "So wird das aber nichts mit den Leckerli, Kyle." Ich richtete mich auf, während ich Gatsby weiter sanft das Köpfchen kraulte. "Sehr gut. Du packst das, ich glaub an dich." Ich sagte es ohne jede Ironie. Ich glaubte wirklich daran dass Kyle es schaffte, alles nicht nur Farrow. Aber in diesen speziellen Fall, wollte ich wirklich, dass er und Farrow heute einen Weg fanden, den Tag ohne Explosionen zu überstehen. "Weißt du...", begann ich leise, während wir auf den Fahrstuhl warteten, "Gatsby hat eine Geschichte, die man ihm heute gar nicht mehr ansieht. Ich habe ihn kennengelernt, als er noch Patch hieß. Damals hatte ich im Tierheim Fotos für Vermittlungsanzeigen gemacht." Meine Augen wurden einen Hauch dunkler und mein Blick trauriger. "Er kommt ursprünglich aus den Fängen eines Qualzüchters. Die ersten Wochen seines Lebens hat er in einem winzigen Käfig in einem muffigen Keller verbracht, völlig sich selbst überlassen, bis die Behörden ihn endlich gerettet haben."
      Ich sah zu dem kleinen Kerl hinunter, der schwanzwedelnd zu Kyle aufblickte. "Durch die Isolation und die Vernachlässigung ist er Menschen gegenüber, fast schon wunderlicherweise, so unglaublich zutraulich. Er freut sich über das winzigste Fünkchen Zuneigung. Dabei ist er so herzensgut, schlau und lebensfroh. Wer hätte gedacht, dass ich durch ihn Farrow kennenlernen würde, nachdem sie ihn adoptiert hatte..." Als sich die Türen des Fahrstuhls im Penthouse wieder öffneten, setzte ich Gatsby auf den Boden. Der kleine Hund flitzte sofort los, seine Krallen klackerten auf dem Parkett, bis er Farrow erreichte. Er umrundete sie aufgeregt schnüffelnd, ein Wirbelwind aus weißem Fell. Farrow sah kaum von ihrem Pfirsich auf sie machte lediglich eine kleine, fast unmerkliche Handbewegung nach unten. Sofort hielt Gatsby inne und legte sich ruhig und erwartungsvoll vor ihre Füße. "Hey... du machst das schon", flüsterte ich während ich Kyles Hand umschloss. "Lass uns einfach erst einmal frühstücken."
    • Tom

      Ich ließ mir einen Moment Zeit mit meiner Antwort und sah sie weiter an. Jede ihrer Bewegungen war kalkuliert, genau geplant, jede Pause ein gesetzter Akzent. Und doch irgendwo zwischen all dem Perfektionismus konnte ich etwas Echtes bei ihr ausmachen. Es kann natürlich auch möglich sein das sie mich das nur glauben lassen will um mich hinters Licht zu führen.
      Ich ließ meinen Blick kurz zu dem akkurat geschnittenen Pfirsich gleiten und dann wieder zurück in ihre Augen. "Unvergesslich?" Ein kaum greifbares Lächeln zog sich über meine Lippen. "Sie haben wirklich hohe Ansprüche an all das. Aber ich glaube sie geben sich auch nicht mit weniger zufrieden. Habe ich Recht?" Mein Oberkörper lehnte sich nun auch ein wenig nach vorne und ich hielt ihrem Blick stand. Die Frage nach unserer Begleitung war nicht einfach aus organisatorischer Sicht gestellt, nein es steckte mehr dahinter. Ich stützte meine Ellenbogen auf den Tisch ab und stützte meinen Kopf auf meine Hände. "Kyle wird alleine erscheinen", antworte ich ruhig. "Und was mich betrifft." Ich machte eine kleine kurze Pause, ehe ich weiter sprach. Ich wollte sehen ob sich etwas in ihrem Blick regt. "Ich ebenfalls. Daher wird es nicht schwer für sie sein die Platzkartenplanung umzusetzen." Ich hielt ihrem Blick weiterhin stand, als sie näher kam. Ich wich nicht zurück oder ließ mir etwas anmerken, auch wenn ich wusste das sie eine Regung von mir sehen wollte.
      Ihre nächste Frage war präziser. Ich atmete leise ein und aus, neigte meinen Kopf einen Hauch zur Seite, nur um sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Doch ich gab ihr nicht das was sie sehen wollte, ich gab ihr einfach nur pure Kontrolle. "Interessant. Sie stellen diese Frage und erwarten von mir das ich sie ihnen ehrlich beantworte?" Mein Blick durch bohrte fast ihren. "Das ich so diszipliniert bin ist situationsabhängig." Ein leichtes Lächeln zupfte an meinen Mundwinkeln. "Aber sie wirken nicht wie jemand, der sich mit so einer einfachen Antwort zufrieden gibt." Sie wollte mehr, das sah ich ihr an. Ich lehnte mich auf den Stuhl wieder ein Stück zurück und legte meine Hände locker auf meinen Schoß. "Jeder Mensch hat sich eine Fassade aufgebaut um durch das Leben zu kommen. Die Frage ist nur wie sie eingesetzt wird."
      Ich ließ meine Aussage für einen Moment im Raum stehen und griff wieder nach meinem Kaffee. Ich trank einen Schluck davon und richtete meinen Blick wieder auf sie. "Sie wollen also wissen wie viel davon ich wirklich bin?" Die Tasse hielt ich fest zwischen meinen Fingern. "Genug, um alles was ich aufgebaut habe selbst kontrollieren zu können." Mein Blick hielt ihren jetzt einen tacken schärfer fest. "Und ich entscheide wer welchen Teil davon zu sehen bekommt." Ich wollte sie reizen, ich wollte sehen ob ich sie aus der Reserve locken kann. "Ich bin mir ziemlich sicher das es sie nicht interessiert ob es eine Fassade gibt. Sie wollen also nur aus reiner Neugierde wissen wer hinter diesem Geschäftsmann steckt?" Ich nippte an meinem Kaffee und stellte die Tasse anschließend wieder auf den Tisch. "Das kaufe ich ihnen nicht ab Ms. Taylor. Aber wenn sie es wirklich herausfinden möchten, dann tuen sie sich keinen Zwang an. Ich hoffe nur das sie am Ende nicht allzu enttäuscht darüber sind." Es war gewagt sie herauszufordern, aber ich wollte es. Schließlich war ich selbst an ihrer Person interessiert und würde alles dafür geben um hinter ihre scheinbar perfekten Fassade zu blicken.

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      Kyle

      Die Geschichte rund um das kleine Fellknäul hallte noch in meinen Gedanken nach. Es tat mir wirklich leid, das er so eine schwere Zeit durchmachen musste und ich verabscheute solche Menschen die Tieren so etwas antun. Trotzdem wollte es mir nicht in den Kopf gehen das er ausgerechnet an die Blondine geraten ist. Er hätte eher zu Grace gepasst. Sie war so süß mit ihm umgegangen. Leider war der Moment vorbei, als wir wieder im Loft waren. Ms. Taylor hatte den kleinen Kerl wirklich im Griff und er gehorchte ihr, ohne das sie etwas sagen musste. Am liebsten hätte ich jetzt einen Kommentar abgegeben, aber ich hielt mich zurück. Ich sah zu Grace hinunter und schenkte ihr ein kleines Lächeln. "Ich habe keine andere Wahl.." Mir wäre es viel lieber jetzt woanders zu frühstücken als sich mit dieser Person an einem Tisch zu setzten. Mein Bruder richtete sich förmlich auf, als wir in sein Blickfeld traten. Mein Blick ging zu Ms. Taylor. Es gefiel mir nicht das sie ausgerechnet auf meinem Platz sahs. Mein Körper spannte sich förmlich an und ich setzte mich fast mechanisch neben Grace. Ich ließ ihre Hand wieder los und versuchte die Blondine einfach zu ignorieren. Ich füllte meinen Teller mit allem was das Herz begehrte und fing mit gesenkten Kopf an zu Essen. Ich fühlte mich nicht wohl bei der Sache. Sie gehörte hier einfach nicht hin. Aus meinem Augenwinkel heraus beobachtete ich meinen Bruder. Ihm schien das alles wirklich nichts auszumachen und das schmeckte mir absolut nicht. Ich werde ihn nachher zur Rede stellen müssen. Denn ich gab mich nicht damit zufrieden, das er wohlmöglich Interesse an dieser Person hatte.
      Das Frühstück verlief weitestgehend ruhig und ich war dankbar darüber, das keine unangenehmen Kommentare von ihr kamen.
      Ich half Grace und Martha beim Abräumen um mich weiterhin zu beruhigen. Nachdem wir fertig waren traten wir alle in den Fahrstuhl.
      "Es ist besser wenn wir getrennt fahren. Ich habe James schon Bescheid gegeben, das er den Wagen vor fährt." Erleichterung machte sich in meinem Gesicht breit. Wenigstens muss ich nicht mit ihr zusammen in einem Auto fahren. Tom ersparte mir das Ganze.
      Am Wagen angekommen drückte ich Grace noch einen Kuss auf die Lippen. "Wir sehen uns gleich wieder." "Komm Romeo", Tom zog mich zu unserem Wagen und wir stiegen ein. Ich nahm hinten Platz und Tom wie gewohnt vorne. Ich tippte ungeduldig mit den Fingern auf meinem Sitz hin und her und sah Tom an. "Ist etwas Kyle?" Natürlich bemerkte er es. "Naja. Ich wollte fragen warum du vorhin so ruhig geblieben bist, als diese Barbie mich so beleidigt hat?" Er sah nicht zu mir, sondern sein Blick ging aus dem Fenster. "Erstens Ms. Taylor und zweitens bist du alt genug um dich selbst zu verteidigen. Sonst bist du auch nicht auf den Mund gefallen." Ich konnte spüren wie sich meine Hände wieder zu Fäusten ballten. "Ich konnte mich ja nicht wehren.. Du hast mir keine Wahl gegeben und Grace auch nicht." "Es war besser so. Ich hatte keine Lust auf solch eine hitzige Diskussion am Morgen. Ich weiß das es dir nicht gefällt das wir jetzt mit Ms. Taylor zusammen in die Stadt fahren, aber sie kennt die Läden, die wir so nicht auf den Schirm haben. Und ich denke wir werden ihr heute nicht allzu oft über den Weg laufen. Also entspann dich, es wird alles gut werden." Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust und lehnte mich am Sitz an. Ich soll mich entspannen? Was stimmt nicht mit ihm? "Und ihr habt euch gut amüsiert, als wir nicht da waren?" Tom zuckte zusammen und richtete sich auf seinem Sitz auf. "Alles rein geschäftlich, Kyle. Nichts worüber du dir Sorgen machen musst." Er drehte den Kopf leicht zu mir und lächelte mich an. Als ob ich ihm das abkaufen würde..
    • Farrow

      Auf seine Einschätzung hin, dass ich hohe Ansprüche hätte und mich niemals mit weniger zufrieden gäbe, ließ ich ein schmales Lächeln über meine Lippen gleiten. Seelenruhig genoss ich meine Früchte und leerte meinen Matcha, während die Stille zwischen uns beinahe greifbar wurde. Ich stützte mich mit verschränkten Armen leicht auf der Tischplatte ab und neigte mich ihm entgegen – ein rein instinktiver Impuls, jedoch hütete ich mich ihn weiter nachzugehen. "Nicht direkt", korrigierte ich ihn mit einem sanften Lächeln und einem charmanten, fast gefährlichen Funkeln in den Augen. "Meine Präsenz und mein Ruf sind untrennbar mit Nexus verknüpft. Ich bin das Gesicht der Firma, für den Klienten ist jeder Mitarbeiter Nexus. Bei dem Privileg, einen so exklusiven Anlass ausrichten zu dürfen, wird schlichtweg nicht weniger von uns erwartet als Perfektion." Es war im Grunde wie mit seinem Bruder. Kyle war das Gesicht von Triple Distortion. Seine Eskapaden fielen auf die gesamte Band zurück und umgekehrt. Es war kaum auszudenken, was passiert wäre, hätte ihn jemand anderes als unser britisches Landei in jener Gasse gefunden... oder welche Folgen das für Nexus und die Millers gehabt hätte. Kyles Diagnose war nicht ohne Grund das strenggehütetste Geheimnis in diesem Gebäude.
      Als Mr. Miller erwähnte, dass Kyle alleine erscheinen würde, nickte ich nur bedächtig, während ich eine Pfirsichspalte mit der Gabel aufnahm. "Das ist wohl auch besser so. Jede junge Dame darf weiterhin hoffen, die Eine für ihn zu sein, solange die Welt nicht weiß, dass er sein Herz bereits gefunden und an Gracelyn verschenkt hat." Dass er nach der Erwähnung seiner eigenen Begleitung eine Pause machte, ließ mich innerlich amüsiert grinsen. Mr. Miller hatte sich tatsächlich darauf eingelassen, den Einsatz in diesem Spiel zu erhöhen. Ein Glück verfügte ich über ein ausgezeichnetes Pokerface, doch allein seine Bereitschaft, mitzugehen, ließ tief blicken.
      Auf seine Reaktion zu meiner Neugier hin wurde mein Blick jedoch schärfer. "Mitnichten, Mr. Miller. Ich erwarte gar nichts. Sie haben mich gefragt, worüber ich in diesen fünf Minuten sprechen wollte, und ich habe es Ihnen, großzügigerweise, ehrlich mitgeteilt. Das ist alles." Normalerweise war es nicht mein Stil, mit offenem Blatt zu spielen, aber dieser Mann verdiente eine gewisse Form von Wertschätzung. In einer Stadt, die vom Geben und Nehmen lebte, war ich für einen Moment aufrichtig gewesen, in der Hoffnung, dass er es ebenfalls war. Und wie es schien, war ich damit nicht ganz erfolglos geblieben. Ich hielt inne, die Gabel kurz vor meinen Lippen. Seine Worte waren eine direkte Herausforderung; ein Versuch, mein Interesse als triviale Neugier abzutun. Ein leises, kehliges Lachen entrann meiner Kehle, bevor ich die Frucht mit langsamer Genugtuung verzehrte. "Sie kaufen mir das nicht ab?", wiederholte ich amüsiert und legte die Gabel mit einem hellen Klirren auf dem Porzellan ab. Ich verschränkte die Arme wieder auf der Tischkante und lehnte mich noch ein Stück weiter vor, bis ich die kühle Präzision seiner Augen fast greifen konnte. "Sie wissen genau so gut wie ich, dass es in dieser Stadt Wissen gibt, das mehr wert ist als das ganze Geld der Welt. Informationen sind die einzige Währung, die niemals an Wert verliert, Mr. Miller. Und ich bin eine sehr wohlhabende Frau, was dieses Depot angeht." Ich ließ den Blick über seine Züge wandern, suchte nach dem kleinsten Riss in seiner Kontrolle, bevor ich meinen Tonfall minimal änderte. Die geschäftliche Kälte weg einer Nuance, die fast schon persönlich wirkte... so weit das bei mir eben möglich war. "Außerdem sind Sie der Vorgesetzte und der Bruder des... Casanovas meiner besten Freundin. Und auch wenn es für Außenstehende nicht so scheint: Gracelyn ist mir wichtig. Ich sorge mich auf meine eigene Art. Zu wissen, mit wem sie sich tatsächlich einlässt und wer die Fäden in der Hand hält, gehört für mich zur notwendigen Sorgfaltspflicht. Gerade jetzt wo sie entschieden hat so mir nichts - dir nichts mal unvernünftig zu sein und meine Warnungen in den Wind zu schlagen." Ich hielt seinem durchbohrenden Blick stand. "Ich? Enttäuscht?", wiederholte ich leise seine Provokation. "Enttäuschung setzt eine Erwartungshaltung voraus. Und ich erwarte nichts... ich beobachte lediglich, was ist. Aber seien Sie vorsichtig. Ich habe eine Begabung dafür, Dinge zu erkennen, die andere übersehen. Das ist schon sehr früh eine meiner Überlebensstrategien geworden."
      Ich spürte die Ankunft der anderen eher, als dass ich sie sah. Das vertraute Klackern von Gatsbys Pfoten war das Signal, meine Maske wieder absolut festzuzurren. Als der Kleine meine Beine umkreiste, brachte ich ihn mit einer knappen, stillen Geste dazu, sich abzulegen. Disziplin war alles, selbst bei einem Zwergspitz. Ich hob den Blick und sah Kyle und Grace im Eingangsbereich stehen. Dass sie Händchen hielten, registrierte ich mit einem inneren Schulterzucken, doch mein Fokus galt sofort wieder der strategischen Aufstellung am Tisch. "Pünktlich auf die Sekunde, Grace", bemerkte ich kühl, während ich die Serviette auf den Tisch legte. Ich hoffte wirklich, der Ausflug in die Tiefgarage hat die Gemüter ausreichend abgekühlt.

      Grace

      Ich ließ mich auf den Stuhl sinken und starrte auf meinen Frühstücksteller, während das Rührei vor mir langsam kalt wurde. Die Atmosphäre im Raum war kein bloßes Schweigen mehr, es fühlte sich an wie ein hochexplosives Mienenfeld, in dem jedes Klirren einer Gabel den Zünder auslösen könnte. Martha, die sonst immer ein freundliches Wort auf den Lippen hatte, bewegte sich so verhalten und distanziert durch das Loft, dass es mich fast schmerzte. Farrow und Tom schienen jedoch eine stillschweigende Übereinkunft getroffen zu haben. Sie ignorierten die dicke Luft kollektiv und thronten über dem Geschehen wie zwei Schachspieler, die bereits drei Züge voraus dachten. Während ich dort saß, hinterfragte ich kurzzeitig einige meiner Lebensentscheidungen, mein Blick glitt zu meiner Hand, auf der ich noch immer die nachhallende Wärme von Kyles Griff spüren konnte. Bei ihm gab es kein Zögern. Selbst wenn ich mich nie wieder vollständig heilen könnte, würde ich ihm mein Herz aufs Neue geben, selbst wenn er es bricht. Es war mir gleich, ob ich am Ende in Scherben liegen würde. Mich für Kyle entschieden zu haben, war die eine Entscheidung, die ich niemals infrage stellen würde.
      Als wir schließlich unten an den Wagen ankamen, fiel die zentnerschwere Last der letzten Stunde von meinen Schultern. Die Nachricht, dass wir getrennt fahren würden, war wie ein erlösender tiefer Atemzug. Kyle zog mich noch einmal kurz an sich. Sein Kuss schmeckte nach Abschied auf Zeit, fest und schützend zugleich. "Bis gleich", flüsterte ich gegen seine Lippen und sah ihm mit einem kleinen, wehmütigen Lächeln hinterher, bis er in Toms Wagen verschwand.
      Dann wandte ich mich Farrows Wagen zu. Sie wartete bereits ungeduldig, den Motor leise schnurrend im Hintergrund. Ich stieg vorne ein und grüßte kurz den Fahrer. Farrow war bereits wieder vollkommen in ihrem Element war. Sie saß mit Gatsby auf der Rückbank, eine Hand auf dem seidigen Fell des Hundes, den Blick bereits wieder starr auf ihr Tablet gerichtet. Die Tür fiel ins Schloss, und während wir losrollten, wusste ich, dass die Ruhe vor dem Sturm nun endgültig vorbei war. Die Stille im Inneren des Wagens war fast so luxuriös wie die Ledersitze. Schlussendlich hielt ich s nicht mehr aus. "Was war das eben oben am Tisch, Farrow?", fragte ich vorsichtig, während ich beobachtete, wie Gatsby sich zusammenrollte. "Du und Tom... die Luft war so dick, dass man sie hätte zerschneiden können." Farrow warf mir einen kurzen Seitenblick zu, ihre Augen hinter den dunklen Gläsern ihrer Sonnenbrille verborgen. "Es war ein Informationsaustausch, Grace. Nichts weiter. Dein Mr. Miller mag der emotionale Kern dieser Familie sein, aber sein Bruder ist das Fundament. Und Fundamente muss man prüfen, bevor man darauf baut." Ich schüttelte leicht den Kopf und musste lächeln. "Du prüfst Menschen für gewöhnlich nicht nur, du versuchst sie in den Wahnsinn zu treiben. Aber pass auf... Tom ist nicht Kyle. Er lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen." Namu? Legte sie sogar ihr Tablet beiseite? Was war denn jetzt passiert? "Das habe ich bemerkt", erwiderte sie trocken, ehe sie sich erlaubte ein Lächeln preis zu geben, welches ich noch nie bei ihr bemerkt hatte. "Und genau das macht die Sache... außerordentlich unterhaltsam."
      Wir hielten vor einem unscheinbaren, aber hochmodernen Gebäude in einer Seitenstraße des Melrose District - den Atelier Vandervort. "Hör zu", sagte Farrow, während sie sich zu mir wandte. "Heute geht es nicht nur um Kleider. Die Presse wird sich wegen der ominösen Pause auf Kyle stürzen und er wird es sicher nicht schaffen dich brav deine Arbeit machen zu lassen... Wenn ihr meiner Arbeit schon die Show stehlt dann richtig. Du bist sein Anker, aber du musst wie seine Cinderella aussehen. Verstehst du? Keine Zitronenbonbon-Süße. Ich will Eleganz, die wehtut." Ich schluckte kurz und nickte. "Ich verstehe. Eleganz, die wehtut. Ich hoffe nur, meine Füße überleben die Louboutins." Farrow stieg aus, ohne meine Bemerkung zu kommentieren. "Schmerz ist vergänglich, Gracelyn. Ein schlechtes Foto im Archiv der Magnolia Foundation ist für die Ewigkeit. Glaub mir... die Presse kann grausam sein, also verschieben wir lieber ihren Fokus. Die mysteriöse Schönheit statt die kleine Meerjungfrau im Haifischbecken." Das war ihre Art auf mich aufzupassen ... ich weiß aber... Warum wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie in ihren Kopf schon prüfte wie sie meine Bindung zu Kyle für das Event richtig inszenierte?
    • Tom

      Die Spannung die vorhin im Loft herrschte, steckte immer noch tief in mir drinnen. Farrow Taylor war eine Frau, die sich nicht so gerne in die Karten schauen lässt und absolute Kontrolle behielt. Und doch war da etwas zwischen uns was ich nicht so recht einordnen konnte. Das Kyle das anscheinend auch bemerkt hatte, ließ mich nicht kalt. Es brachte mich ein wenig aus der Fassung und für einen kleinen Moment erhielt meine Fassade einen kleinen Riss. Ich wandte mich wieder nach vorne und sah starr geradeaus. "Und wenn schon. Bei so einer Frau würde ich nie punkten. Ich bin doch nur ein Geschäftsmann und Manager und schwimme nicht in solchen Kreisen mit, wie sie es tut. Mach dir keinen Kopf Kyle. Auf ihrem Radar tauche ich noch lange nicht auf." Es missfiel mir das ich mir das einreden musste, aber so konnte ich mein Herzklopfen ein wenig besänftigen. Der Fokus muss auf der Veranstaltung liegen und darauf, einen passenden Anzug für uns zu finden. Die restliche Fahrt verlief schweigend und James stoppte den Wagen an der Straßenseite. Atelier Vandervort
      Das war es also was sich Farrow für uns ausgesucht hatte. Als ich ausstieg knöpfte ich mir mein Jackett wieder zu und prüfte in der Glasscheibe noch einmal meine Haare, ob sie richtig sitzen. "Ernsthaft?" Kyle trat neben mich und hob eine Augenbraue nach oben. "Ich dachte wir sind nur hier um uns Anzüge auszusuchen und nicht um einer gewissen Dame zu gefallen." Ich richtete mich auf und blickte ihn an. "Kyle jetzt sei doch nicht so. Ich weiß das es nicht nötigt ist, aber ich möchte mich dennoch ordentlich präsentieren und ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild kommt bei allen besser an." Er verdrehte die Augen und ging in Richtung Eingangstür.
      Ich atmete tief durch und setzte mein Pokerface wieder auf.

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      Kyle

      ich weiß echt nicht was hier vor sich ging. Die ganze Sache zwischen Tom und Ms. Taylor war so verwirrend, das ich fast Kopfschmerzen davon bekam. Es war doch eindeutig das dort oben etwas passiert ist und jetzt tat er so als ob ich mir das nur eingebildet habe. Schon alleine wie er sich jetzt verhielt, war doch ein eindeutiges Zeichen. Ich lehnte mich an der Glasscheibe neben ihm an und musterte ihn. "Seit wann denkst du so? Du klingst ja schon beinahe wie sie." Er sah mich nur ernst an, gab mir aber keine Antwort. Das reichte mir aus und ich drehte ihm den Rücken zu.
      An der Tür angekommen umarmte ich Grace von hinten und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Ich atmete ihren Duft ein und schmiegte mein Gesicht in ihre Halsbeuge. "Bitte lass uns das schnell über die Bühne bringen. Ich brauche heute noch ein wenig Normalität, nach diesem chaotischen Morgen." Ich konnte es kaum abwarten Zeit mit Grace alleine zu verbringen, doch ich wusste nicht wie lange sie unter den Fittichen von Ms. Taylor stand. Es kann also gut möglich sein, das wir erst heute Abend alleine wären. Doch bis dahin musste ich mich wohl in Geduld üben. Die Luft wurde schlagartig kühler als Ms. Taylor hinter uns auftauchte. Ich konnte ihren Blick auf mir spüren. Ich löste mich nur ungern von Grace, aber sie wurde sofort in das Gebäude geordert. Tom tauchte hinter mir auf und wies mich mit seinem Blick an ihm zu folgen. Wir traten nach drinnen und ich fühlte mich sogleich Fehl am Platz. Überall waren teure Designerklamotten ausgestellt und uns wurde etwas zu trinken angeboten. Wer zum Henker trinkt so früh Champagner? Ich lehnte dankend ab und mein Bruder auch. Gut das wir da einer Meinung waren, so eine Plörre muss man nicht trinken. Auch wenn etwas alkoholisches das alles hier erträglicher machen würde.
      Die Frauen wurden in eine andere Abteilung begleitet und ich warf Grace noch ein aufmunterndes Lächeln zu, eh sie hinter dem Vorhang verschwanden. Mein Bruder und ich folgten einer anderen Dame und sie führte uns in die Männerabteilung. Ich war erschlagen von der Auswahl der Anzüge. Tom´s Augen hingegen funkelten förmlich. Gut er hatte ein Auge für sowas, aber ich? Ich hatte damit absolut nichts am Hut. Ich setzte mich auf das Ledersofa und gab Tom den Vortritt. Die Beraterin nahm die Maße von ihm und stellte ein paar Anzüge zusammen. Er ging in die Umkleidekabine und kam nach wenigen Minuten mit einem grünen Anzug heraus. Er erinnerte mich irgendwie an einen Iren, auch wenn das jetzt nicht beleidigend klingen sollte. "Du siehst amüsiert aus Kyle." "Nun ja er steht dir keine Frage, aber es gibt sicher noch etwas besseres."
      Tom betrachtete sich im Spiegel und nickte mir zu. Er verschwand wieder in der Umkleide und während ich wartete zog ich mein Handy aus meiner Jeans. Ich scrollte durch Instagram und versuchte mir die Zeit zu vertreiben, bis ich an der Reihe war.
    • Grace

      Ich wollte gerade nach den Türgriff greifen als Kyle seine Arme von Hinten um meine Taille schlang. Das Ganze traf mich etwas unerwartet und das obwohl er ständig von hinten kam. Damals beim Wagen... auf den Dach, heute Morgen und auch jetzt. Man könnte fast meinen es war sein Ding. Ich schmunzelte leicht ehe er mir auch schon einen Kuss auf die Wange drückte. Ich schloss für einen Moment die Augen, um seine Nähe aufzusaugen. Sein Kuss auf meine Wange und die Wärme in meinem Nacken waren genau das, was ich brauchte, bevor ich mich dem modischen Fegefeuer von Farrow Taylor auslieferte. Und ihm schien es doch ganz ähnlich zu gehen. "Was ist denn heute bloß los mit dir?" Nun gut... irgendwie konnte ich es mir denken. Immerhin hatte er kein bisschen Lust darauf sich einen Anzug aufschwatzen zu lassen und dann war Farrow auch noch mit ihren eiskalten Charme in seinen entspannten Morgen geplatzt. "Ich verspreche dir, wir versuchen unser Bestes", flüsterte ich und drückte kurz seine Hand, die auf meiner Taille lag. Wobei ich kaum sagen konnte was nach den emotionalen Geständnissen gestern noch Normalität bedeutete. Ein letztes Mal prägte ich mir das Kribbelnde Gefühl von Kyles Körperwärme und den Duft seines Parfums ein. Doch viel mehr Zeit für Zärtlichkeiten blieb nicht. "Grace. Wir sind nicht zum Kuscheln hier", tönte Farrows Stimme wie eine kühle Brise durch die warme Vormittagsluft. Sie war bereits an uns vorbeigeschritten, Gatsby an der Leine, und steuerte mit der Zielstrebigkeit eines Marschflugkörpers auf den Eingang des Ateliers zu. Ich warf Kyle noch einen aufmunternden Blick zu, bevor ich ihr seufzend folgte. Drinnen empfing uns der sterile Luxus von Vandervort. Der Duft von frischem Leder und teurem Parfum lag in der Luft. Während die Brüder in ihren Bereich gelotst wurden, dirigierte Farrow mich zielstrebig in den hinteren Teil des Ateliers, wo die Abendroben wie Kunstwerke an den Wänden hingen. "Wir fangen mit der Basis an", erklärte Farrow, ohne mich anzusehen, während sie mit ihren langen Fingern durch eine Reihe von Seidenstoffen glitt. "Heute Abend gibt es kein Verstecken hinter Pastelltönen oder Rüschen. Ich will Struktur. Ich will Macht. Ich will zeitlose Schönheit und weibliche Eleganz." Sie zog ein Kleid in einem tiefen, fast schwarzen Smaragdgrün heraus und hielt es prüfend vor mich. "Zieh das an. Und Grace... lass die Selbstzweifel in der Kabine. Die passen nicht zum Schnitt." Natürlich wusste sie schon genau wie sie es ...wie sie mich haben wollte. Wie hätte es auch anders sein können?

      Farrow


      Ich beobachtete, wie Grace hinter dem schweren Samtvorhang verschwand. Sie war hübsch, keine Frage, aber sie wusste noch nicht, wie man Schönheit als Waffe einsetzte. Dieses Mädchen hatte einige Talente und ein gutes Auge aber das... hatte man ihr in England definitiv nicht beigebracht. Ich setzte mich auf einen der Designerstühle und und bat statt den Champagner um Fiji Mineralwasser. Meine Bestellung kam schneller bei mir an als meine geschätzte Begleiterin und das obwohl ich ihr Kleid ähnlich wie mein eigenes bereits vorher sorgfältig ausgewählt hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir jedoch, dass wir tatsächlich noch im Zeitplan lagen.
      Eigentlich hätte ich mich voll und ganz auf die Sache konzentrieren sollen, doch Toms Worte am Frühstückstisch hallten noch immer in meinem Kopf nach. 'Ich entscheide, wer welchen Teil davon zu sehen bekommt.' Er war gut, das musste ich ihm lassen. Fast so gut wie ich. Dass er nun im Nebenraum vermutlich gerade versuchte, seinen Bruder davon zu überzeugen, dass ein Anzug eine gute Wahl für solch einen Anlass war, entlockte mir ein schmales Lächeln. "Ähm... Farrow?", Graces Stimme klang unsicher hinter dem Vorhang hervor. "Ich weiß nicht, ob das... ich meine, der schlitz an meinen Beinen ist sehr....weit." Ich seufzte leise. "Ich weiß nicht was du hast. Es hat sogar Taschen... das ist dir doch sonst immer so wichtig." seufzte ich. "Jetzt, komm verdammt nochmal raus, Gracelyn", befahl ich ruhig und stellte mein Glas Luxus-Mineralwasser ab. Als sie den Vorhang beiseite schob, hielt ich für einen Moment inne. Das Smaragdgrün brachte ihre Augen zum Leuchten, und der fließende Stoff schmiegte sich an sie wie eine zweite Haut. Für diesen besonderen Abend hatte ich ihr eine bodenlange, smaragdgrüne Robe aus edlem Jacquard herausgesucht. Das tiefe Grün schimmerte bei jeder Bewegung, während die eingewebten, goldgelben Blumenmuster dem Kleid eine nostalgische, fast königliche Note verliehen. Die schmalen Träger lagen leicht auf ihren Schultern, und das eng anliegende Oberteil betonte ihre Taille, bevor der Rock in weiten, schweren Falten zu Boden fiel. Der hohe Beinschlitz, der beim Gehen immer wieder hervorblitzte und dem eher klassischen Design einen modernen Akzent verlieh, versaß sie mit einer elegante Zerbrechlichkeit, die gleichzeitig unglaublich provokant wirkte. "Perfekt. Mit Blair Sterling kann Frau nie etwas falsch machen. Nicht mal ein kleines britisches Landei wie du", urteilte ich, während ich aufstand und um sie herumging. Ich korrigierte den Sitz einer Trägerin mit einer kühlen Berührung. "Kyle wird vergessen, wie man atmet, wenn er dich so sieht. Und sein Bruder... nun ja, Tom wird zumindest anerkennen müssen, dass mein Geschmack unfehlbar ist." Ich sah in den Spiegel und fing Graces Blick auf. "Erinnerst du dich an das, was ich im Wagen gesagt habe? Schmerz ist vergänglich. An diesem Abend bist du die Prinzessin des Schachbretts, nicht nur eine Spielfigur. Gewöhn dich an das Gefühl."
    • Tom

      Dieser grüne Anzug war nicht schlecht für den Anfang, aber er passte nicht zu mir. Die Beraterin reichte mir einen weiteren Anzug in die Garderobe und ich zog ihn an. Dieses Mal war er klassisch schwarz mit einem weißen Hemd. Ich trat hinaus und sah mich im Spiegel an, während Kyle auf seinem Smartphones herum tippte. Er war mir eindeutig zu langweilig. Ich hatte viele von solcher Sorte bereits in meinem Kleiderschrank. Ich zog mich wieder um und dann kam der dritte Anzug. Dieser sahs auf Anhieb perfekt. Er war komplett grau und ich trug ein weißes Hemd darunter. „Was sagst du zu dem?“ Kyle hob seinen Blick von seinem Smartphone und musterte mich. „Nicht schlecht. Steht dir.“ Damit war die Sache für mich gegessen. Es sollte dieser Anzug werden. Die Beraterin holte mir noch eine schwarze Krawatte und Fliege, die ich mir nach einander anlegte. Ich entschied mich für die Krawatte, für ein gemustertes Einstecktuch und noch für schwarze Lederschuhe. Ich zog mich anschließend wieder um und bat die Dame mir etwas Wasser zu bringen. Sie reichte es mir und ich trank einen Schluck davon. „So Kyle nun bist du an der Reihe.“ Er erhob sich seufzend und ich setzte mich auf das Sofa.


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      Kyle

      Ich hatte absolut keine Lust darauf mich in einen Anzug zu zwängen. Es passt überhaupt nicht zu mir und meinem Rockstarleben. Aber für Tom musste ich in diesen sauren Apfel beißen. Nur für diesen einen verdammten Abend. Bei mir wurde ebenfalls Maß genommen und während die passenden Anzüge gesucht wurden, ließ ich meinen Blick durch das Angebot schweifen. Mein Blick fiel auf einen komplett schwarzen Anzug mit schwarzen Hemd. Der wäre doch perfekt. All black ist genau mein Ding.
      „Mr. Miller kommen sie?“ Ich winkte ab und zog den Anzug vom Kleiderhaken. „Ich probiere nur den an.“ Sie nickte mir zu und nahm mir den Anzug ab. In der Umkleidekabine zog ich mir meine Klamotten aus und schlüpfte in den Anzug. Es war ein komisches Gefühl mich so zu sehen, als ich mir das Hemd zuknüpfte und die Stoffhose hochzog. Es saß alles wie angegossen. Ich warf mir noch den Blazer drüber und trat hinaus zu meinem Bruder. Der wartete schon gespannt darauf mich zu sehen. Seine Augen wurden größer und ein Lächeln zog sich über seine Lippen. Er stand vom Sofa auf und trat auf mich zu. „Wow. Du siehst..“ „Sag einfach die Wahrheit.“ Ich schob meine Hände in die Hosentaschen. „Perfekt aus. Er steht dir. Wirklich.“ Nun musste auch ich schmunzeln. „Danke ich denke der passt zu mir.“ Tom rückte mir noch den Kragen zurecht und sah richtig stolz aus. „Das tut er. Und Grace wird er sicherlich auch gefallen.“ Bei ihrem Namen wurde mir ganz warm ums Herz. Ich war gespannt was sie zu dem Anzug sagen wird. Und noch mehr interessiert mich, was sie für ein Kleid ausgesucht hat. Gott ich glaube ich verliebe mich dann nochmal aufs Neue in sie. Sie war so schon wunderschön, aber in einem Kleid… war sie sicher noch umwerfender.. Ich konnte es kaum erwarten sie zu sehen. Mit hüpfenden Herzen ging ich wieder zurück in die Umkleide.
      Nachdem ich mich wieder umgezogen habe, bezahlten wir unsere Anzüge und warteten auf die beiden Frauen.
    • Grace

      Ja... dieses Kleid und dieser Aufzug war ihre Art mich bestmöglich auf den Teil dieser Stadt vorzubereiten den ich nicht kannte. Damit hatte sie recht, einmal mehr. Ich hatte mich nicht nur für Kyle sondern auch für seine Welt entschieden... den luxuriösen Puls der Stadt. Ich war es gewöhnt ein leiser Schatten zu sein und dafür zu sorgen dass alles irgendwie gut über die Bühne verlief. Aber nun... musste ich auf die andere Seite des Vorhangs treten und auch nach deren Regeln spielen. Als ich mich ein letztes Mal im Ganzen musterte, klopfte mein Herz bis zum Hals. Es war so weit weg von meinem Alltag, von meinen Abstand hinter meiner Kamera und bequemen Crop-Tops und ausgeblichenen Jeans. Ich fühlte mich wie eine Fremde in meinem eigenen Körper, aber eine Fremde, die bereit war, für den Mann, den sie liebte, diese neue Welt zu betreten. Farrow war bereits eifrig dabei ihr Werk zu vollenden und mir die passenden Accessoires herauszusuchen. "Perlen sind ein guter Anfang...", murmelte Farrow, während Gatsby von seinen Platz auf aufsprang und seinen Frauchen nach eilte. Es dauerte nicht lange da kam die Mitarbeiterin des Ateliers und reichte mir ein ein mehrreihiges Perlenarmband, das das Licht der Lampen einfing und ich filigrane, goldene Absatzschuhe mit einer dezenten Schleife über den Zehen. Ich bedankte mich bei ihr und legte die Sachen brav an, es war ja nicht so dass Farrow meine Wiederworte Gehör schenken würde. Sie passten wirklich gut und zu meinen Glück waren sie zwar elegant aber auch schlicht. Ich strich mit den Fingerspitzen über das Muster des Jacquards und spürte plötzlich etwas unter dem schweren Stoff, das mich beinahe auflachen ließ. "Farrow... es hat ja wirklich Taschen. Und wie groß die sind!", flüsterte ich und ließ meine Hände probeweise in den tiefen, geschickt versteckten Seitentaschen verschwinden. Es war ein albernes Detail angesichts dieser königlichen Robe, aber es gab mir ein winziges Stück Bodenständigkeit zurück. "Ich fühle mich so langsam wirklich immer wohler darin, fast schon... sicher." Doch als mein Blick auf das kleine Preisschild fiel, das diskret im Inneren einer der Taschen versteckt war, stockte mir der Atem. Die Zahl war jenseits von allem, was ich in einem Monat, oder vermutlich in zwei, verdienen würde. Ich sah zu Farrow, die gerade mit traumwandlerischer Sicherheit durch eine Vitrine voller Diamantcolliers und filigranem Goldschmuck pflügte. "Farrow, ich... ich kann mir das nicht leisten", sagte ich leise, aber bestimmt, und trat einen Schritt auf sie zu. "Das Kleid, die Schuhe, die Perlen... das ist weit über meinem Budget. Ich schätze es sehr, dass du mich hierher gebracht hast, aber wir müssen realistisch bleiben. Vielleicht gibt es etwas... Schlichteres?"

      Farrow

      Ich hielt inne, eine Kette aus Weißgold und Smaragden in der Hand, und drehte mich langsam zu ihr um. Mein Blick war nicht spöttisch, sondern von einer beinahe klinischen Sachlichkeit. Ich sah Grace an, als würde ich eine Bilanz prüfen, die nicht ganz ausgeglichen war.
      "Budget?", wiederholte ich das Wort, als wäre es eine Vokabel aus einer Sprache, die ich vor langer Zeit verlernt hatte. Ich trat auf sie zu und legte das Collier zurück auf das Samtkissen, nur um stattdessen nach einem filigranen Paar Ohrringe zu greifen.
      "Erstens, Gracelyn: Wer über Taschen in einer Jacquard-Robe von Blair Sterling im Vandervort spricht, hat den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Sie sind dazu da, dein Handy und Krimskrams deines Arbeitsmaterials zu verstecken, nicht deine Unsicherheit", bemerkte ich trocken, während ich ein paar goldene Creolen gegen ihr Gesicht hielt, um den Glanz des Kleides zu prüfen. Ich senkte die Hand und sah ihr direkt aber fast schon schwesterlich liebvoll in die Augen. "Zweitens: In meiner Welt... und der der Millers ist das Kleid kein Luxusartikel, den man 'kauft', es ist eine strategische Investition in das Image von Nexus und der Millers. Glaubst du ernsthaft, ich würde zulassen, dass du in etwas 'Schlichterem' neben mir oder Kyle stehst, während die versammelte Weltpresse ihre Objektive schärft?" Ich gab der Verkäuferin ein Zeichen, alles auf die Rechnung von Nexus zu setzen. "Betrachte es als Arbeitskleidung. Sehr teure, sehr exklusive Arbeitskleidung. Die Rechnung ist bereits beglichen, bevor wir das Gebäude verlassen haben. Dein einziger Job ist es, darin so auszusehen, als hättest du nie etwas anderes getragen." Ich gab ihr die Ohrringe und wandte mich wieder der Schmuckauswahl zu, ohne ihr Zeit für einen Einspruch zu lassen. "Und jetzt hör auf, über Geld nachzudenken. Das ist dezent und langweilig. Wir brauchen etwas, das zu deinem neuen Selbstbewusstsein passt. Taschen hin oder her." Ich trat einen Schritt zurück, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, während ich das Gesamtbild analysierte. Irgendetwas fehlte noch ...dieser letzte, alles entscheidende Akzent, der den Jacquard-Stoff zum Leben erwecken würde. Dann blitzte es in meinen Augen auf. "Ahh... perfekt!", entfuhr es mir beinahe triumphierend. Mit einer fließenden Bewegung fischte ich ein paar Bobby-Pins aus meiner Handtasche. "Stillhalten, Grace", wies ich sie an, während meine Finger mit gewohnter Präzision durch ihre Haarsträhnen glitten. Innerhalb weniger Augenblicke hatte ich ihre Mähne zu einem tief sitzenden, lockeren Dutt gesteckt, der genau die richtige Balance zwischen Lässigkeit und Hochadel hielt. Dann arbeitete ich das Haar-Accessoire hinein, das ich in einer der Vitrinen entdeckt hatte.

      Grace

      Ich spürte, wie sich die zarten, kühlen Glieder der goldenen Haar-Ranke sachte in mein Haar legten, als Farrow sie an meinem Dutt befestigte. Es fühlte sich herrlich leicht an, fast wie ein zarter Frühlingskranz. Passend zum tiefen Smaragdgrün meines Kleides mit seinen goldgelben Blumen verlieh mir dieses Accessoire mit seinen kleinen Perlen und funkelnden Kristallen eine ganz besondere, fast märchenhafte Eleganz. Als ich meinen Kopf drehte, fingen die Steine das Licht ein und ließen meine Frisur im Nu erstrahlen. Es war, als hätte ich ein kleines Stück vom Sternenhimmel in meinem Haar.
      Farrow betrachtete ihr Werk und zum ersten Mal an diesem Morgen wirkte ihr Gesichtsausdruck beinahe... zufrieden. Ihr Blick glitt nach unten zu der schmalen Goldkette mit dem kleinen Herzanhänger, die ich fest umklammert hielt. Ich sah sie bittend an, dieses Stück bedeutete mir alles, es war mein Anker. "Schon gut. Behalt sie an", sagte Farrow überraschend sanft, während sie die Kette mit der Fingerspitze zurechtrückte. "Sie bricht die Strenge des Outfits auf eine Weise, die... authentisch wirkt. Das bist du. Wenn es dir hilft, dich weniger wie eine verkleidete Fremde zu fühlen, dann ist sie das wertvollste Accessoire, das du trägst." Sie klopfte mir kurz auf die Schulter eine für ihre Verhältnisse enorme Geste der Zuneigung. "So. Ich gehe die Rechnung begleichen. Wir haben keine Zeit mehr für Sentimentalitäten. Zieh dich so lange um." Während Farrow zur Kasse schritt, um die astronomische Summe mit einer beiläufigen Unterschrift zu quittieren, schlüpfte ich zurück in die Kabine.
      Ich strich ein letztes Mal über den schweren Stoff des Kleides, tief dankbar für die verborgenen Taschen, und bereitete mich darauf vor, die Frau zu sein, die Kyle verdient hatte. Ich schlüpfte aus der schweren Robe und hängte sie vorsichtig zurück auf den Bügel. Es fühlte sich seltsam an, wieder in meine eigenen, schlichten Kleider zu steigen, nachdem ich kurzzeitig diese andere Version meiner selbst im Spiegel gesehen hatte. Während ich meine Jeans zuknöpfte, dachte ich an Farrows Worte über die Kette. "Danke", murmelte ich leise in den leeren Raum der Kabine, auch wenn ich wusste, dass sie es nicht hörte. Es bedeutete mir viel, dass sie diesen Teil meiner Identität akzeptiert hatte. Ich trat aus der Umkleide und sah, wie Farrow gerade die letzten Papiere unterschrieb. Kyle und Tom warteten bereits am Ausgang. Als Kyle mich sah, fingen seine Augen sofort an zu leuchten.
    • Tom

      Die Rechnung der beiden Anzüge bezahlte ich gleich mit meiner Kreditkarte und gab der Verkäuferin die Adresse des Lofts, damit die Anzüge dorthin geschickt werden. Ich folgte Kyle nach Draußen und zog mein Handy aus der Jackentasche. Ich hatte ein paar verpasste Anrufe von diversen Personen auf meinem Display. Nicht einmal für ein paar Stunden konnten sie mich in Ruhe lassen. "Ich muss kurz telefonieren." Ich warf meinem Bruder einen entschuldigenden Blick zu und ging ein paar Schritte von ihm weg.
      Auf meiner Anruferliste waren mehrere unbekannte Nummern zu sehen. Ich wählte die erste Nummer und sofort nahm jemand ab. "Guten Tag hier ist Stone vom Billboard Magazine. Spreche ich hier mit den Manger der Band ´Triple Distorsion´?" Ich versuchte ruhig zu bleiben. "Es kommt darauf an was sie wollen." Ich ließ meinen Blick über die Straße gleiten. "Uns liegen Informationen vor, das die Band im Moment von der Bildfläche verschwunden ist. Und es kamen Gerüchte auf das die Band sich wohlmöglich gerade an einem Punkt befindet, wo sie auseinander bricht. Können Sie das bestätigen?" Ich atmete leise durch, auch wenn mir innerlich die Wut aufkommt. "Was ich bestätigen kann ist, das die Band sich in einer kreativen Pause befindet und wir gerade dabei sind neue Sachen zu entwickeln." "Also ist das Gerücht falsch, das sich ein Mitglied der Band überlegt hat auszusteigen?" Mein Kiefer spannte sich kurz an und ich sah zu Kyle. Der wäre von dieser Frage sicherlich auch nicht so begeistert gewesen. "Hören sie niemand will aussteigen, das habe ich auch schon der L.A. Times gesagt und die haben auch einen Artikel darüber verfasst." "Wissen Sie wie lange die Pause geht? Die Fans warten schon ungeduldig auf den nächsten geplanten Gig." Ich verdreht die Augen, auch wenn er es nicht sehen konnte. "Alle weiteren Informationen entnehmen sie den Social Mediaaccounts der Band." Und schon legte ich auf. Es war nicht zu fassen, das sich jeder die Worte so dreht wie er sie gerade brauchte.
      Kyle sah mich an und ich schob mein Handy wieder in die Jackentasche zurück. "Wer war das?" "Das Billboard Magazine.. " Ich wischte mir mit meinen Händen über mein Gesicht. "Sie haben wieder von eurer angeblichen Trennung geredet. So langsam bin ich das allmählich leid. Das heißt das wir uns auf der Magnolia Society auf etwas gefasst machen können. Die werden uns mit Fragen bombardieren und das bereitet mir jetzt schon Kopfschmerzen. Hör zu, ich muss mich noch um ein paar Dinge kümmern. Wir sehen uns dann später. Ach und sag den Beiden bitte das ich dringend weg musste." Ich schenkte ihm noch ein kleines Lächeln und stieg in den Wagen ein. Sofort plante ich im Kopf den Abend der Veranstaltung.

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      Kyle

      Super. Nun stand ich hier alleine und wartete darauf das die Eiskönigin und meine Prinzessin aus dem Atelier heraus kamen.
      Mein Handy vibrierte und dort war eine Nachricht von den Jungs zu sehen.
      P: ´Jo Kyle? Treffen wir uns nachher beim Diner?´
      V: ´Wir brauchen Updates.´

      Ich schmunzelte vor mich hin und tippte sogleich eine Antwort.

      K: ´Sehr gerne. Ich muss euch dringend was erzählen.´
      P: ´Neuigkeiten? Immer her damit.´
      V: ´Ich kann es kaum erwarten.´
      P: ´Wir sehen uns dann gleich.´

      Die Jungs waren die Einzigen die noch nichts von mir und Grace wussten und ich war es ihnen schuldig. Schließlich sind wir schon fast unser ganzes Leben zusammen und wir hatten keine Geheimnisse voreinander. Ich wusste das sie Augen machen würden, wenn ich ihnen davon erzähle. Ich steckte mein Handy wieder weg und richtete meinen Blick auf die Glastür. Mein Herz begann augenblicklich zu schlagen und meine Augen leuchteten, als Grace aus der Tür schritt. Ich bewegte mich auf sie zu und zog sie in meine Arme. Der Kuss den ich ihr auf ihre Lippen gab, schmeckte nach Sehnsucht. Ich lehnte meine Stirn an ihrer und lächelte sie an. "Wie ich dich schon wieder vermisst habe." Meine Nase kitzelte ihre und ich löste mich wieder ein Stück von ihr. "Du wirst es nicht glauben aber ich habe einen Anzug gefunden und ich hoffe das du auch ein hübsches Kleid ausgesucht hast." Ich konnte es wirklich kaum noch abwarten sie darin zu sehen. Auch wenn sie selbst in einem Kartoffelsack wunderschön aussehen würde.
      Der bohrende Blick von Ms. Taylor ließ mich aufsehen und ich blickte ihr direkt in ihre eiskalten Augen. "Mein Bruder ist schon weg. Die Arbeit ruft. Ich sollte ihn entschuldigen." Nachdem sie etwas dazu gesagt hatte und selbst aus unserem Blickfeld verschwand, atmete ich tief durch. Diese Frau war nicht ohne und ich war froh das ich sie für heute los war.
      Ich sah wieder zu Grace und musterte sie. Ein Hauch von Unsicherheit war in meinem Gesicht zu sehen. "Was hast du heute noch so vor? Ich.. Nun ja würde mich gleich mit den Jungs treffen.. und eigentlich wollte ich dich fragen ob du Lust hast mitzukommen.. Dann würde es mir leichter fallen ihnen von uns zu erzählen." Es war der nächste große Schritt für mich und mit ihr an meiner Seite fühlte ich mich stärker als sonst. Auch wenn die Jungs es sicherlich gut aufnehmen werden, wollte ich dennoch das sie dabei war. Sie ist jetzt ein fester Bestandteil meines Lebens und ich möchte sie an meinem Leben teilhaben.
    • Grace

      Mein Lächeln wurde unwillkürlich heller, als Kyle sich mir näherte, und mein Herz machte diesen einen, viel zu aufgeregten Sprung, den nur er auslösen konnte. Erst recht, als er mich erneut in seine Arme schloss. Da war es wieder- dieses lebendige Kribbeln, das flatterige Gefühl in meinem Bauch und eine Glückseligkeit, die nur entstand, wenn sich zwei vertraute Seelen so nah waren.
      Es war beinahe ironisch. Um uns herum pulsierte das hektische Leben von Los Angeles, Paparazzi lauerten vermutlich an jeder zweiten Straßenecke, und doch standen wir hier, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt als den Herzschlag des jeweils anderen. Der Kuss unterschied sich von dem federleichten Abschied zuvor; er war weniger sanft, dafür unglaublich gefühlvoll. Eigentlich sollte ich mich beherrschen ...immerhin war die Presse gerade mehr an Kyle interessiert als je zuvor. Es war zwar nichts Neues, ihn mit einer hübschen Frau zu sehen, aber sehr wohl, dass er wirklich verliebt wirkte und immer wieder mit derselben Frau unterwegs war.
      Aber... ich konnte einfach nicht widerstehen. Ich erwiderte den Kuss, löste mich jedoch schweren Herzens, bevor wir uns beide vergaßen und der Moment zu sinnlich für die Öffentlichkeit wurde. Ich liebte es so sehr, wenn wir einfach Stirn an Stirn verweilten oder unsere Nasenspitzen sich berührten. Diese zarte, intime Nähe war das Schönste, was ich mir vorstellen konnte. Das gab mir so viel mehr als jedes strategische Spielchen, jede Spitze von Farrow oder sogar die perfekte Golden Hour hinter meiner Linse. Es machte mir nur umso bewusster, wie sehr ich in diesen Mann verliebt war.
      "So schlimm?", kicherte ich leise und genoss das Kitzeln seiner Nase an meiner. "Entweder leidest du unter heftigem Zitronenbonbon-Entzug oder du bist krank. Aber... da sind wir wohl schon zwei." Mein Blick verfing sich in seinem und ich wusste, dass ich schon wieder kurz davor war, alles um uns herum auszublenden. "Ach? Die verkaufen dort also auch überteuerte Jogginganzüge?" Ich konnte mir den Scherz und das anschließende Lachen nicht verkneifen; die Vorlage war einfach zu gut, gerade weil ich Kyles Einstellung zu dieser Art von Kleidung nur zu gut kannte. "Aber keine Sorge. Du hast genug Selbstvertrauen, dass dich so schnell nichts entstellen kann." Und selbst wenn... mein Herz würde trotzdem weiter im Takt von seinem schlagen.
      "Wenn ihr so weiter macht, bekommt Mr. Miller gleich den nächsten Anruf eines drittklassigen Klatschmagazins", unterbrach Farrow uns scharf. Ich zuckte kurz zusammen, als sie ihre Stimme erhob. "Das solltet ihr eigentlich beide besser wissen." Ich nickte nur pflichtbewusst, während sie sich mit der wiederholten Erinnerung, mein Handy im Blick zu behalten, verabschiedete. Tom war eben nicht das einzige Arbeitstier in diesem Gefüge.
      Ich sah ihr und ihrem tierischen Begleiter einen Augenblick lang nach, bevor ich meine Aufmerksamkeit wieder ganz Kyle schenkte. Ich bemerkte die leichte Unsicherheit in seinem Blick, als er von seinen Bandkollegen sprach, und mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, als er von einem Uns sprach.
      "Mit den Jungs treffen?", wiederholte ich und ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. "Kyle, ich würde liebend gerne mitkommen. Ich weiß, wie viel sie dir bedeuten." Ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, was ich mit der plötzlichen Freizeit anfangen sollte, außer mich um die Social-Media-Profile und die Fotos zu kümmern – bei der Suche nach meinen Eltern kam ich hier in L.A. gerade ohnehin nicht weiter.
      Ich griff nach seiner Hand und verschränkte meine Finger fest mit seinen. "Aber bist du dir wirklich sicher? Ich will nicht dazwischenfunken, wenn ihr euch über Band-Sachen unterhalten müsst. Oder über irgendwelche Bro-Code-Dinge, von denen weibliche Wesen lieber nichts hören sollten", schmunzelte ich vor mich hin. "Aber wenn du mich an deiner Seite haben willst, dann bin ich da. Zu einhundert Prozent", sagte ich und stupste sanft seine Nasenspitze an. "Wo treffen wir uns mit ihnen? Ich hoffe, in diesem Diner gibt es ordentliche Milchshakes... ich brauche gerade dringend Nervennahrung."
    • Kyle

      Es war schön zu sehen, das sie sich über mein Angebot freute. Ich konnte mir niemand anderen an meiner Seite vorstellen, als sie. Und ich wusste das die Jungs aus dem Häuschen sein werden, wenn sie uns gemeinsam sehen. Mir war es auch gleich ob hinter einer Ecke ein Paparazzi steckte, denn jeder sollte sehen wie glücklich mich Grace machte. Sie war die eine für mich, denn sie löst in mir Gefühle aus, die schon viel zu lange darauf gewartet hatten, aus mir herauszubrechen. Als wir unsere Finger miteinander verschränkten, kribbelte mein ganzer Körper. Mein Lächeln breitete sich über mein ganzes Gesicht aus. "Das würdest du wirklich tun? Du glaubst gar nicht wie viel das mir bedeutet. Und nein du störst nicht. Ich möchte dich dabei haben." Ich konnte nicht anders und legte meine Lippen wieder auf ihre. Ich würde am Liebsten die Zeit anhalten und sie so lange küssen bis unsere Lippen wund waren. Diesen Moment einfach mit ihr so lange genießen, wie es nur möglich war. Doch mein Magen rumorte und ich löste mich kichernd von ihren Lippen. "Anscheinend geht es mir genau so. Und ja in dem Diner gibt es die besten Milchshakes in ganz L.A., das verspreche ich dir." Ein Wagen hielt neben uns an der Straße und James trat aus der Fahrertür heraus. "Mr. Miller, ihr Bruder hat mich damit beauftragt sie zu fahren." Ich sah ihn an und nickte ihm zu. "Das ist sehr großzügig von ihnen." Ich führte Grace zum Wagen, öffnete ihr die Tür und ich stieg mit ihr zusammen hinten ein. Nachdem ich mich angeschnallt hatte, griff ich wieder nach ihrer Hand. "Bitte zum Cafe 50´s Diner - West LA." Das Diner befand sich Santa Monica und wir fuhren noch eine ganze Weile bis dahin. Der Verkehr um die Uhrzeit war in L.A. die Hölle, aber James führte den Wagen gekonnt durch die Straßen.
      Das Diner lag an der Straße und war relativ klein und unscheinbar. Der Wagen hielt davor und wir stiegen aus. Mein Herzschlag verdoppelte sich schlagartig, denn ich war schon ein wenig nervös und aufgeregt. Ich umschloss ihre Hand sogleich wieder und sah zu ihr hinunter. "Bist du bereit?"
      Wir traten in das Diner, die kleine Glocke über der Tür läutete. An den Wänden hängen alte Zeitungsartikel, Poster, Metallbilder und sogar ein Fahrrad, was von der Decke hing. Es gab sogar eine alte Jukebox, die schon viele Jahre auf den Buckel hatte. In der hintersten Ecke konnte ich die Jungs ausmachen. Meine Finger schlossen sich nun noch mehr um ihre und ich zog sie mit mir mit. Die Jungs waren gerade in ein Gespräch verwickelt, als sie es plötzlich aufhörten zu reden, als sie uns entdeckten. Beide sahen uns an. Phil richtete sich auf den Stuhl auf und grinste uns an. "Na sieh mal einer an, wen haben wir denn da?" Vince blickte erst mich, dann Grace an und sah dann anschließend auf unsere Hände. "Okay wow. Das kam unerwartet." Meine Wangen nahmen eine leichte Röte an und ich fuhr mir verlegen durch meine Haare. "Hey Jungs." Phil und Vince lächelten uns an und baten uns Platz zu nehmen. Ich zog den Stuhl nach hinten, damit sie sich setzen konnte und setzte mich neben sie. Die beiden Jungs beobachteten uns ganz genau. Phil lehnte sich wieder nach hinten und verschränkte seine Arme hinter den Kopf. "Also. Wann wolltest du es uns sagen?" Vince sah Phil an. "Die Frage lautet wohl eher, seit wann läuft da was zwischen euch?" Phil nickte. "Guter Einwand." Beide blickten uns an. Ich versuchte mich locker und lässig auf den Stuhl zu setzten, auch wenn in meinem Inneren alles gerade Achterbahn fuhr. Doch ich war es den Jungs schuldig. Sie sind ein Teil meines Lebens und ich wollte ihnen nichts vorenthalten. Ich atmete ein und aus. "Gestern war der Tag der alles veränderte. Der mich zum glücklichsten Mensch auf der ganzen Welt machte." Mein Blick ging sanft zu ihr und ich drückte ihr einen Kuss auf die Hand. Die Jungs lächelten ebenfalls über beide Ohren. "Warum sagt mir mein Gefühl gerade, das ich es schon vor ein paar Tagen wusste?" Phil grinste mich an. "Hat man es mir doch so sehr angesehen?" Vince kicherte und beugte sich zu uns. "Ein klein wenig. Aber wir wollten keine falschen Vermutungen aufstellen." Ich blickte ihn an. "Du also auch?" Er nickte mir zu. "Kyle wir kennen dich nicht erst seit gestern und du wirktest verändert, seitdem die süße Grace bei dir eingezogen ist. Du kannst uns nichts vormachen." Er hatte ja Recht, sie veränderte mich Tag für Tag, zum Positiven. Phil richtete sich wieder auf und blickte zu ihr. "Es freut mich das Kyle an die richtige Frau geraten ist." Er zwinkerte ihr zu. "Wir wünschen euch nur das Beste und ich freue mich drauf mit dir abzuhängen. Sofern der Herr nichts dagegen hat." Ich warf ihn einen ernsten Blick zu. Phil hob verteidigend die Hände nach oben. "Nein keine Sorge. Sie gehört ganz alleine dir." "Vor mir brauchst du dich auch nicht fürchten. Ich habe kein Interesse an ihr." Ich wusste das die Jungs mir meine Freundin nicht ausspannen würden, aber da es noch so frisch war, hatte ich Angst, das irgendwer uns das alles kaputt machen könnte.
      Die Kellnerin des Diner´s reichte uns während unserer Unterhaltung die Karten. Ich brauchte keinen Blick darauf zu werfen, da ich genau wusste was ich wollte, die Jungs ebenfalls. Wir waren schon sehr oft hier und kannten die Karte aus dem Effeff. Ich beugte mich ein Stück zu Grace und zeigte ihr wo sie die Milchshakes fand. "Ich kann dir alle empfehlen, aber der mit Schokolade und Erdbeeren, ganz besonders. Du magst ja Schokoerdbeeren gerne, wie ich herausgefunden habe." Ich stupste sie spielerisch an und das Bild wo sie die Schokoerdbeeren alle samt vernaschte, schoss mir wieder durch den Kopf. Diesen Abend werde ich so schnell nicht wieder vergessen, genau wie all die anderen Momente, die wir zusammen hatten.
    • Grace

      Da war es wieder. Dieses warme Lächeln gepaart mit dem Leuchten in seinen Augen, genau wie während der Golden Hour auf der Dachterrasse. In diesem Augenblick realisierte ich endgültig, dass ich mich tatsächlich in Kyle verliebt hatte. Ob ich wollte oder nicht, ich war einfach wehrlos. Genauso wehrlos, wie ich war, wenn er mich küsste. Auch jetzt war die Versuchung viel zu groß, mich darin zu verlieren. Das Gefühl seiner Lippen auf meinen, die Art, wie sie sich bewegten, und wie sich unser Atem verschlang, war einfach zu betörend. Zum Glück unterbrach uns sein Magen ganz von selbst. "Oh oh", schmunzelte ich, während sich mein Blick in seinem fing. "Nicht, dass der Tiger noch schlechte Laune bekommt, weil sich die Fütterungszeit verschoben hat." Außerdem sollten wir seine Freunde vielleicht nicht allzu lange warten lassen. Kaum zu Ende gedacht, hielt ein bekannter Wagen neben uns. Ich blinzelte verdutzt, als Kyle sich sichtlich bemühte, mir die Tür wie ein echter Gentleman offenzuhalten. "Blimey... was hat dieser Anzug nur mit dir gemacht? Auf einmal hast du die Etikette wirklich durchgespielt." Ich streckte ihm kurz die Zunge raus. "Aber... danke sehr."
      Im Wagen war es angenehm kühl, ein herrlicher Kontrast zur flirrenden Mittagshitze von L.A. Während James uns routiniert durch den zähen Verkehr manövrierte, rutschte ich näher zu Kyle. Ich nahm seine Hand und begann, mit dem Daumen sanft über seinen Handrücken zu streichen. Es war eine unbewusste Geste ein Versuch, mich zu vergewissern, dass das hier kein verdammt schöner Traum war, aus dem ich gleich unsanft geweckt werden würde. Die Welt da draußen die Agentur, die anstrengenden Telefonate mit meinen Eltern, die drohende Magnolia Society, wirkte meilenweit entfernt, solange ich die Wärme seiner Haut spürte. Ich lehnte meinen Kopf gegen die weiche Polsterung und sah ihn von der Seite an. Das Licht, das durch die getönten Scheiben fiel, tanzte förmlich auf seinen Zügen. "...Kyle?", fing ich leise an und verstärkte den Druck meiner Hand. "Erzähl mir mal was... Was hast du eigentlich damals gedacht, in diesem allerersten Moment in dem wir uns gesehen haben?" Ich lächelte bei der Erinnerung an mein vergangenes Ich mit den staubigen Boots, dem Messy Bun und derselben Strickjacke, die ich in der Nacht seines Zusammenbruchs getragen hatte. Ich war wohl kaum die klassische Erscheinung einer Traumfrau. Mein Blick wurde weicher. "Und... was denkst du heute? Jetzt gerade hier auf der Rückbank, auf dem Weg zu deinen Freunden? Was denkst du über uns?"
      Ich wollte es aus seinem Mund hören. Nicht zwischen Tür und Angel, sondern hier, in unserer privaten Kapsel auf vier Rädern. Ich wollte wissen, ob er dasselbe Leuchten sah, wenn er an unsere Zukunft dachte, oder ob ihn die Geschwindigkeit, mit der wir aufeinander zugerast waren, manchmal genauso erschreckte wie mich.
      Das 50's Diner war genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Ein nostalgischer Rückzugsort, der so gar nichts mit der unterkühlten Perfektion des Ateliers zu tun hatte. Ich hatte Kyles Hand während der Fahrt nicht ein einziges Mal losgelassen. Ich spürte seine wachsende Nervosität in den kleinen Bewegungen seiner Finger und drückte sie jedes Mal aufmunternd. Als wir eintraten und die kleine Glocke uns ankündigte, fühlte ich mich sofort wohl. Der Duft von Fett und Sirup lag in der Luft, die Jukebox summte. Aber mein Fokus lag auf Phil und Vince in der Ecke. Die Menschen, die ihn vermutlich am besten kannten."Hi... und Überraschung", entgegnete ich lächelnd auf Phils Begrüßung. Als Vince meinte, das käme unerwartet, zog ich eine Braue hoch. "Sicher? Dafür seht ihr aber nicht gerade aus den Häuschen aus."
      Kyle rückte mir den Stuhl zurecht. Ich sah kurz verwundert zwischen ihm und dem Möbelstück hin und her an diese ritterliche Seite musste ich mich wohl erst gewöhnen, setzte mich aber schmunzelnd. Als er sich dann verlegen durch die Haare fuhr, wurde mir ganz warm ums Herz. Er hatte ja keine Ahnung, wie attraktiv er in seiner Unbeholfenheit war. Innerlich schwärmte ich davon, wie fließend sich seine Locken dabei bewegten, blieb nach außen hin aber die kühle Britin. Mein Herz beschleunigte auf Lichtgeschwindigkeit und ich wurde tatsächlich leicht rot, als er meine Hand küsste. "Herje... ihr Amerikaner und eure geliebten Superlative", entgegnete ich schmunzelnd, auch wenn ich jede Sekunde davon genoss.
      Es war schön zu sehen, wie vertraut die Jungs waren. Aber als Phil anfing, über mich zu reden, als wäre ich Dekoration, hob ich die Hände. "Oh bloody hell, fangen wir jetzt an, in Anwesenheit von Personen über sie zu reden? Das kann ich auch! Wusstet ihr schon, dass eure Band sich angeblich auflöst? Die Presse spekuliert gerade wirklich hart."
      Ich nahm die Karte und sah Kyle an, als er von den Schokoerdbeeren anfing. Ich lehnte mich vor und kniff ihn bestimmt aber spielerisch liebvoll in die Seite. "Ach? Du warst das also. Ich habe mich schon die ganze Zeit beim Essen beobachtet gefühlt. Ich dachte, deine Gesellschaft durchbohrt mich mit ihren Blicken." Im Gegensatz zu Kyle hatte sie sich irgendwie nicht für mich erwärmen können. Ich löste mich grinsend. "Sag das bloß nicht Farrow. Aber meine liebste Form der Prokrastination ist nun einmal Essen und du suchst dir halt Gesellschaft für körperliche Aktivitäten."
      Als die Kellnerin kam, bestellte ich einen Cheeseburger mit Chips – wie wir in England zu Fries sagen – aber ohne Buns, dafür Waffeln und den Schoko-Erdbeer-Shake. Als das Essen kam, stapelte ich die Burger-Zutaten kurzerhand zwischen die Waffeln. Genau wie damals vor dem Kühlschrank aß ich genussvoll und ohne Angst vor Kalorien oder Flecken. Was sollte die falsche Zurückhaltung? Ich hatte Hunger, verdammt.
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