The last Song [Nimue & Shio]

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      Kyle

      Ihre Worte prallten an mir ab als wären sie nicht von Bedeutung. Ich wich keinen Millimeter zurück. Meine Mundwinkel zuckten gefährlich. "Du redest verdammt nochmal zu viel, dafür das du niemanden kontrollieren willst." Ich machte ebenfalls einen Schritt auf sie zu, sodass der Raum zwischen uns noch kleiner wurde. Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust und sah ihr tief in die Augen. "Weißt du was das Lustige an der Ganzen Sache ist? Das du dieses Spiel genau so mitspielst wie ich und es anscheinend noch genießt."
      Kurz blickte ich auf ihre Lippen, dann löste ich meinen Blick wieder und sah ihr wieder in die Augen. Mein Grinsen wurde stärker und ich bewegte mich noch ein Stück mehr auf sie zu. Nun war da nur noch diese aufgeladene Spannung, die einen Platz fand. "Mir geht es hier nicht um dieses blöde Bier. Du mischt dich hier in Sachen ein die dich nichts angehen und versuchst auch noch Punkte bei meinem Bruder zu sammeln. Für was? Einen Job als Fotografin oder steckt da noch mehr dahinter?" Ich suchte in ihrem Blick nach Antworten, doch vergeblich. Sie war genauso stur wie ich und das reizte mich. Ich atmete spürbar aus und beugte mich soweit nach vorne, das sich unsere Lippen leicht berührten. Ich hielt inne, zögerte nicht. Ein kehliges trockenes Lachen kam aus meinen Mund. Dann zog ich mich soweit zurück, das sie es immer noch spüren konnte. Es war pure Absicht. Nicht das ich gekniffen hätte. Nein ich wollte sie ebenfalls testen. Meine Augen trafen ihre wieder mit voller Wucht.
      "Du denkst, ich wäre der Typ, der sich von Impulsen treiben lässt. Der Typ, der sich irgendwas nimmt, nur weil es direkt vor ihm steht." Ich schüttelte vorsichtig den Kopf. "Da irrst du dich gewaltig. Ich entscheide selbst, wann etwas passiert… und wann nicht."
      Ich ließ die Worte kurz zwischen uns hängen, bis ich weitersprach. "Und gerade eben?" Mein Blick wurde einen Hauch schärfer. "Das wäre viel zu einfach gewesen." Ich hätte sie küssen können, doch ich tat es nicht. Auch wenn sie mich fast dazu gebracht hätte. Doch ich wollte ihr zeigen das ich ebenfalls die Kontrolle behielt. Ein schiefes Grinsen huschte über meine Lippen.
      "Du willst dieses Spiel weiterspielen? Dann spiel es richtig." Meine Stimme sank noch ein wenig. " Also hör auf, so zu tun, als hättest du die Regeln gemacht." ich wich keinen einzigen Schritt zurück. Ganz im Gegenteil ich blieb dort stehen und ließ die Spannung die zwischen uns herrschte bewusst stehen. "So und was jetzt? Willst du mich weiter analysieren… oder traust du dich, mitzuhalten?"
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      Grace

      In diesem Moment hatte ich keine Kamera in der Hand. Kein kleines Click des Auslösers, kein schützendes Gehäuse aus Magnesiumlegierung, kein technisches Werkzeug, das sich als Puffer zwischen uns schieben konnte. Da war nur er und diese aufgeladene, viel zu dichte Stille, in der man das Ticken der Uhr in der Küche wie Hammerschläge hörte.
      Der Impuls war für den Bruchteil eines Augenblicks da, aber ich wich nicht zurück. Ich musste mich zusammenreißen, oder ich hätte in seinen Augen verloren. Kein Zucken, kein nervöser Atemaussetzer auch nicht, als sich unsere Lippen für den Bruchteil einer Sekunde ganz leicht berührten. Ein flüchtiger Kontakt, eine elektrische Entladung, die sofort wieder abriss, als er den Rückzug antrat. Und doch... das war keine Leidenschaft, sondern Absicht, eiskaltes Kalkül und pure Provokation. Er wollte sehen, wie mein Fokus verrutscht. Er setzte seine physische Präsenz wie ein zu grelles Blitzlicht ein, um mich zu blenden und aus der Rolle der Beobachterin zu drängen. Klassischer Move. Nähe, Rückzug… Kontrolle zurückholen. Doch ich ließ mir nichts anmerken. Nicht einmal ein Blinzeln. Mein Blick blieb in seinem verankert, während ich die Hitze wahrnahm, die von ihm ausging eine Intensität, die ich normalerweise nur durch einen Sucher filterte. Genug verharrt und ausgehalten. Schließlich hob ich ganz langsam eine Augenbraue. "Ah…", ich machte einen leisen, fast nüchternen Atemzug. "So bekommst du normalerweise deine Fangirls rum? Ein bisschen vornüberbeugen, kurz die Luft anhalten und dann der dramatische Rückzug?" Ich machte eine kleine Pause und neigte den Kopf nur minimal. "Ehrlich? Das reicht schon?" Keine Schärfe, kein offensichtlicher Spott. Nur diese ehrliche, fast schon geschäftsmäßige Verwunderung. Ich machte einen kleinen Schritt zur Seite, entzog mich der direkten Linie zwischen uns, ohne wirklich Abstand zu schaffen. "Ich hatte ja mit mehr gerechnet", fügte ich beiläufig hinzu und verschränkte locker die Arme vor der Brust. Meine Kamera fehlte mir, ehrlich. "Ein bisschen mehr… Substanz. Stattdessen bekomme ich kalkulierte Nähe und einen Rückzieher im letzten Moment. Und du nennst das wirklich Kontrolle?" Ich schmunzelte amüsiert, stieß mich wieder von der Arbeitsplatte ab und ging langsam auf ihn zu. Nicht hastig, nicht zögernd, sondern ganz bewusst. "Du hältst dich für furchtbar kontrolliert, hm?", meine Stimme war leise, aber messerscharf in ihrer Präzision. Ich schloss die letzte minimale Distanz wieder, bis ich den herben Geruch von Leder und Tabak, der an ihm haftete, fast schmecken konnte. Bah, was für eine fürchterliche Kombination! "Interessant… dafür hast du gerade ziemlich viel Energie darauf verwendet, mir etwas beweisen zu wollen. Und nein, ich sammle keine Punkte bei deinem Bruder. Ich arbeite. Und du bist zufällig das anspruchsvollste Motiv im Raum. Was dich wahrscheinlich mehr nervt, als dir lieb ist." Ich hob langsam die Hand und legte zwei Finger ganz leicht gegen seine Brust, genau dort, wo sein Herz unter dem Stoff schlagen musste. Kein Druck und kein tieferer Sinn... nur echter Kontakt. "Du hast recht, Miller. Du entscheidest, wann etwas passiert." Ein winziger Beat, in dem meine Finger an Ort und Stelle blieben, bevor ich sie wieder sinken ließ. "Aber du verwechselst Kontrolle mit Vermeidung. Das eben war nicht Stärke, das ist weglaufen. Das war eine Sicherheitsmaßnahme, weil du Angst hast, dass ein echter Impuls deine ganze mühsame Fassade einreißen könnte. Und glaub mir... ich erkenne den Unterschied zwischen einem echten Augenblick und einer strategischen Entscheidung." Ich trat einen halben Schritt zurück. Ganz entschieden, um Raum für den nächsten Schlag zu schaffen. "Du willst dieses Spiel weiterspielen? Dann hör auf, ständig zu testen, ob ich einknicke. Das wird nicht passieren. Bloody hell, Kyle, ich analysiere dich nicht einmal. Ich beobachte nur." Ich trat wieder einen minimalen Schritt näher. Mit dem Abstand spielen konnte ich auch. Das bedeutete wohl Gleichstand. Mal wieder. "Großer Unterschied." Für einen Moment herrschte eine dichte Stille, die so greifbar war wie die Ruhe vor dem Sturm. Ich ließ die Provokation in seinen Augen ins Leere laufen, während ich ihn wie ein überbelichtetes Negativ beäugte. "Und mithalten? Kyle… ich bin schon längst im Spiel. Also spar dir die Showeinlagen für die Bühne." Ich griff nach der Bierflasche auf dem Tresen, ohne unseren erneuten Starr-Wettbewerb zu unterbrechen. "Geh lieber wieder zurück nach oben." Ich drückte ihm die Flasche genau dort gegen die Brust, wo gerade eben meine Finger waren. "Deine Jungs warten und dein alkoholfreies Bier wird noch warm."

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      Kyle

      Sie dachte wirklich sie hätte alles im Griff und würde dieses Spiel für sich entscheiden. Doch sie machte einen gewaltigen Fehler. Sie unterschätzte mich. Ein amüsiertes Lachen kam laut aus meinem Mund. "Bist du endlich fertig?" Meine Augen hielten ihren stand. Die Flasche die sie gegen meine Brust drückte nahm ich ihr aus der Hand. Ich war müde und erschöpft. Nicht wegen unserem Wortgefecht, sondern weil mir die letzten Tage noch in den Knochen steckten. Ich setzte die Flasche an meinem Mund an und trank den letzten Schluck auf ex aus. Mit meiner Handfläche wischte ich mir über den Mund und stellte die nun leere Flasche auf der Theke ab.
      Wir standen noch immer dicht voreinander und mein Herzschlag beruhigte sich kein bisschen. "Ach Grace. Du weißt gar nicht wie falsch du mit allem liegst." Ich blickte sie abschätzig an. "Du sitzt hier immer noch am kleineren Hebel und du arbeitest nicht nur für meinen Bruder, sondern auch für mich. Also pass auf wie weit du dich aus dem Fenster lehnst. Ich kann dem Ganzen schnell ein Ende bereiten und dann war es das." Meine Arme verschränkte ich wieder vor meiner Brust und lächelte sie mit einem siegessicheren Grinsen an. Ich übte meine Macht aus. "Du spielst ein gefährliches Spiel, Grace." Etwas in meinen Augen flackerte auf. "Und wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich schnell." Ich ging weiter auf sie zu und drängte sie an die Küchentheke, sodass nur noch ein Blatt Papier zwischen uns passte. Ich legte meine Hände rechts und links neben sie auf die Theke und ich war wieder nur in paar Millimeter von ihren Lippen entfernt. "Spiel nur weiter diese unnahbare, alles im Griff habende Frau. Eines Tages wirst du die Kontrolle verlieren." Ihr Atem war auf meiner Haut zu spüren und ich gab nicht nach und blieb so vor ihr stehen. Meine Finger krallten sich in die Theke und mein Herz sprang mir beinahe aus der Brust. "Und glaub mir eins. Ich bin nicht wie mein Bruder. Ganz im Gegenteil. Ich spiele nicht fair und verliere auch nicht gerne." Ich beobachte jede noch so kleine Regung in ihrem Gesicht, suchte nach einem Riss in ihrer scheinbar perfekten Maske. Doch sie blieb stur. Verdammt, sie machte es mir nicht gerade leicht. Aber genau daran lag der Reiz. Früher oder später würde ich sie noch dazu bekommen, dass sie ihre Kontrolle verliert und einen Fehler nach dem anderen begeht. Und dann werde ich sie damit aufziehen und am Ende herzlich darüber lachen. "Also sag mir Grace. Was ist dein nächster Zug?" Ehe ich eine Antwort von ihr bekam, hörte ich Schritte auf der Metalltreppe. Mein Kopf ging schlagartig dorthin und ich sah in die amüsierten Gesichter von Phil und Vince. "Seit ihr endlich fertig? Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie aufgeladen die Stimmung hier unten ist. Man kann förmlich die Funken sehen die sprühen", sprach Vince zu uns. "Warum tut ihr uns nicht den Gefallen und nehmt euch ein Zimmer?" Phil grinste mich an. Ich schluckte und sah ihr nochmal in die Augen, bevor ich den Abstand zu ihr wieder vergrößerte und mich auf dem Weg zur Treppe machte. "Hört auf so einen Müll zu erzählen. Wir haben uns nur nett unterhalten mehr nicht." Es war gelogen das wusste ich, aber ich war irgendwie dankbar das die Jungs aufgetaucht sind. Denn diese Spannung zwischen uns war beinahe unerträglich für mich geworden. "Wir wollten eigentlich nur nachsehen ob die Wohnung noch steht, oder ob sie verwüstet ist. Aber anscheinend ist noch alles heil geblieben." Vince sah sich im Wohnraum um. "Und ich wollte uns noch eins von dem leckeren alkoholfreien Bier holen.", sagte Phil und zwinkerte Grace zu. Er fand das Ganze wohl ebenfalls witzig, so wie sie. Verräter
      Ohne ihr einen weiteren Blick zu würdigen oder auf eine Antwort zu warten, ging ich mit den Jungs wieder nach oben. Wir verbachten den restlichen Abend damit einfach zu entspannen. Sie stellen mir keine weiteren Fragen über Grace. Was auch gut so war. Denn ich hatte keine Lust noch einen weiteren Gedanken an sie zu verschwenden.
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      Grace

      Ich hörte ihm einfach nur zu. Sein amüsiertes Lachen hallte in der modernen Küche wider, doch für mich klang es eher wie das Pfeifen eines Teekessels, der unter zu viel Druck stand. Je mehr er beteuerte, dass ich falsch läge, desto mehr zementierte er meine Vermutungen. Jedes Wort über Machtgefälle und gefährliche Spiele war wie eine Bestätigung auf einen Neonlichtschild. Er versuchte so krampfhaft, die Oberhand zu behalten, dass er gar nicht merkte, wie sehr er mir dabei sein Innerstes offenbarte. Obwohl ich ihn erst seit kurzem kannte, konnte ich seine Züge bereits erahnen wie die Entwicklung eines Fotos im Dunkelkammerbad. "Wenn ich so falsch liege, Miller... warum versuchst du dann trotzdem krampfhaft, immer noch einen draufzusetzen?", fragte ich leise während ich versuchte meinen Atem weiter ruhig zu halten.
      Als er wieder mit den Drohungen anfing, dass ich mich verbrennen würde, konnte ich einfach nicht anders. Ich musste ihn etwas entgegensetzen. "Und wieder beginnst du mit überdramatischen Metaphern, weil dir die schlagkräftigen Argumente ausgehen." Natürlich machte es die Situation keinen Deut besser, im Gegenteil. Sie nahm viel zu viel Fahrt auf. Er drängte mich gegen die Theke, bis nur noch ein Windhauch zwischen uns passte. In meinem Kopf blitzte kurz die Frage auf, in was für einem verrückten Filmstreifen ich hier eigentlich gelandet war. Rockstar-Drama, Drohungen im Millimeterabstand... fehlte nur noch der passende Soundtrack. Aber ich fing mich sofort wieder. Mein Job war es, diesem Kerl zu helfen, sich selbst zu helfen. Er hatte einen liebenden Bruder und Freunde, die trotz allem zu ihm hielten , er konnte also kein hoffnungsloser Fall sein. Deshalb durfte ich jetzt nicht weichen. Nicht eine Sekunde. Nicht einen gottverdammten Millimeter. Seine Worte hallten in meinen Kopf wieder, während ich langsam glaubte ein Schimmern in seinen Augen zu sehen was vorher nicht da gewesen war. Alles im Griff?, dachte ich ironisch. Hat er mal mein Zimmer gesehen? Gott, nein... besser nicht, ich will ihn da gar nicht haben. Nicht wenn er sich krampfhaft verhält wie der letzte Bugger. Wenn ich wirklich alles im Griff hätte, wäre ich niemals in diesem Job gelandet. Aber das würde ich ihm sicher nicht auf die Nase binden.
      Jedes Fangirl aus der Meute, jede teure Club-Bekanntschaft wäre bei diesem Blick weich geworden. Und ohne meinen Dickschädel und das Bewusstsein für meine Rolle und seine dreckigen Maschen... vielleicht wäre ich es auch. Irgendwo anders, wenn wir nur zwei Fremde wären. Aber das waren wir seit dieser Nacht in der Gasse nicht mehr. Was für eine Scheiße das alles war! Und doch wusste ich: Ich hätte auch jetzt nicht anders gehandelt. Tja.. du bist ein hoffnungsloser Fall Grace.
      Ich sah, wie sich seine Finger fast weiß in die Theke krallten. Sein Brustkorb hob und senkte sich hastig, sein Herzschlag schien gegen die Stille im Raum zu hämmern. Einen Moment lang fragte ich mich, ob ich zu weit gegangen war. Immerhin war der Panorama-Prinz erst heute aus dem Krankenhaus gekommen. "Nicht fair spielen…", murmelte ich leise vor mich hin, während er noch so nah war. "Du spielst gar nicht, Kyle. Du reagierst doch nur. Schlussendlich bist du gar nicht so unberechenbar, wie du denkst."
      Als Phil und Vince auftauchten und die Spannung mit ihren Sprüchen wie eine Seifenblase zerplatzen ließen, schenkte ich Phil ein dankbares Schmunzeln. Ich zuckte lässig mit den Schultern und warf Kyle einen letzten Blick zu, während er sich zum Gehen wandte. "Trotzdem... Zitronenlimonade schmeckt wesentlich besser."
      Ich blieb allein in der Küche zurück, das Echo ihrer Schritte auf der Metalltreppe noch im Ohr. Ich hob meine Hand und betrachtete sie kurz. Sie war vollkommen ruhig. Kein Zittern, kein Verrat meines Nervensystems. Aber mein Brustkorb fühlte sich eng an, als hätte er die gesamte Luft aus der Küche mit nach oben genommen. Er glaubte, er übe Macht aus, indem er mich physisch bedrängte, doch was er nicht begriff: Jedes Mal, wenn er mir so nah kam, gab er mir mehr Material. Ich sah den Riss in seiner Maske längst, auch wenn er verzweifelt versuchte, meinen zu finden. Sein Herzschlag war so laut gewesen, dass ich ihn fast durch den Stoff seines Shirts hätte zählen können. Er spielte nicht fair? Das war mir bewusst. Aber wer nach den Regeln spielt, macht im Showgeschäft sowieso keine Karriere.
      Später am Abend, als das Loft endlich zur Ruhe gekommen war, lag ich in meinem Bett. Ich zog das zerknitterte Foto meiner Eltern hervor und betrachtete ihre verschwommenen Gesichter im schwachen Schein der Nachttischlampe. "Ihr wisst ja gar nicht, was ich alles auf mich nehme, nur um euch zu finden...", murmelte ich heiser vor mich hin. "Ich hoffe, ihr seid wenigstens stolz auf mich." Ich wusste selbst nicht, ob dieser verrückte Babysitter-Job für einen egozentrischen Rockstar etwas war, worauf man stolz sein konnte, aber es war mein Weg. Gerade sogar, mein einziger Weg.


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      Der Wecker war gnadenlos, und mein Spiegelbild sah heute Morgen eher nach einem verwackelten Schnappschuss als nach einem Hochglanzcover aus. Aber mein ausgeprägter Kaffee-Instinkt siegte über die bleierne Müdigkeit in meinen Knochen.
      Nachdem ich mir genug eiskaltes Wasser ins Gesicht gepeischt hatte, um meine Lebensgeister halbwegs zu sortieren, begann ich mit der täglichen Routine. Ich teilte mein Haar mit flinken Fingern und flocht es geübt zu einem voluminösen Dutch Braid, der im Nacken begann und sich wie ein ordentliches Band über den Hinterkopf zog. Ein paar lose Strähnen hangen mir ins Gesicht aber zum Glück war das hier kein einfacher Büro Job wo es auf perfekte Präzision ankam.
      Ich schlüpfte in meine ausgewaschene High-Waisted Jeans und das schlichte, beige Cami-Top. Zum Schluss griff ich nach meiner schwarzen schwarzen Strickjacke. Sie war wie eine vertraute Rüstung, die ich fast immer trug. Mit meiner Kamera gab sie mir all die Sicherheit, die man brauchte wenn man gleich in eine Löwenhöhle spazierte. Ein bisschen Schmuck, ein bisschen Lippbalm. Ein kurzer Check im Spiegel und... Fertig.
      In der Küche herrschte bereits geschäftiges Treiben, als ich die Treppe hinunterschlich. Martha hielt mitten in der Bewegung inne, den Aufwaschlappen noch in der Hand, und starrte fassungslos auf die blitzblanke Marmorplatte, die ich gestern Abend noch gewischt hatte. Ihr Blick wanderte zu den ordentlich weggeschichteten Gläsern und zurück zu mir. "Woah! Ich komme immer noch in Frieden. Und... mit tatkräftiger Unterstützung", sagte ich lächelnd und griff mir direkt ein Schneidebrett, um mit den Obst fürs Frühstück kurzen Prozess zu machen. Martha blinzelte ungläubig, fast so, als suchte sie nach der versteckten Kamera. "Das ist… Ordnung? In dieser Küche? Um diese Uhrzeit? Und eine jung Frau die vollständig bekleidet und... noch Herrin ihrer Sinne ist..." Ich kicherte los, ihr Blick war einmalig! "Ein seltenes Phänomen, ich weiß", bestätigte ich und ließ das Messer mit präzisen Schnitten durch das Obst gleiten. "Betrachten Sie es als visuelle Schadensrückzahlung. Wenn der Tiger oben gleich die Augen aufschlägt, soll er wenigstens nicht über seine eigenen Fehltritte von gestern stolpern. Das verdirbt nur die Belichtung." Martha lachte leise und schüttelte den Kopf, während sie anfing, den restlichen Tisch zu decken. Die Omletts und Würstchen hatte sie schon in einer Pfanne. "Ein Wunder ist das, Schätzchen. Normalerweise sieht es hier morgens aus, als hätte eine Rockband eine Schlacht mit Pizzakartons geschlagen. Dass Sie freiwillig vor dem ersten Kaffee mithelfen... ist einfach ungewohnt aber... es ist einmal eine willkommene Abwechslung." Ich füllte die Obstschalen mit einer Akribie, die wohl nur jemand besaß, der sein Leben damit verbrachte, Bildkompositionen zu perfektionieren. Martha beobachtete mich dabei mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. Sie schien auch sichtlich froh über die Verstärkung an der Front zu sein. "Ist der Kaffee stark genug, um Tote aufzuwecken?", fragte ich und prüfte die Temperatur der Kanne. "Ich habe das Gefühl, wir werden heute jedes Milligramm Koffein brauchen."
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