The last Song [Nimue & Shio]

    • The last Song [Nimue & Shio]

      Kyle

      Los Angeles, am 14. April

      Da lag ich wieder schweißgebadet in meinem Bett. Ich hatte wieder diese Alpträume, die, die mich seit meiner Kindheit verfolgten. Manchmal wünschte ich mir das das nie passiert wäre, aber es war nicht möglich. Ich sah diese leblosen Gesichter meiner Eltern vor mir. Das Auto war ein Totalschaden. Tom der mich aus dem Auto zerrte und ich der kleine Junge der einfach nur weinte und schrie und versuchte sich aus dem Griff von ihm zu lösen.
      Es ging alles so schnell. Ich wusste nur das ich mich mit Tom über irgendetwas gestritten hatte. Mein Vater sahs am Steuer, meine Mutter versuchte zwischen uns zu schlichten und dann war es vorbei. Ich hatte zwischendurch einen Filmriss und wusste nicht wie der Unfall genau passiert ist. Doch ich gebe mir bis heute die Schuld daran.
      Ich versuchte meine Atmung unter Kontrolle zu bringen und öffnete vorsichtig die Augen. Das Licht was durch mein Fenster schien, blendete mich und ich legte meinen Arm wieder über meine Augen. Der Duft von frischen Kaffee und Eiern und Speck lag in der Luft. Ich stöhnte auf und rappelte mich doch allmählich aus dem Bett auf.
      Der erste Weg brachte mich ins Badezimmer, ich musste dringend unter die Dusche. Das warme Wasser hüllte mich ein und ich blieb ein paar Minuten länger darunter stehen.
      Mein Blick in den Spiegel verriet wie schlecht ich geschlafen hatte. Ich versuchte das Beste aus dem Tag zu machen, denn heute Abend gab es wieder einen Gig in einer großen Konzerthalle. Und ich musste wieder bei der Sache sein und über tausenden von Menschen eine gute Zeit bescheren. Ich ging wieder zurück ins Schlafzimmer und zog mir bequeme Kleidung an. Ich ging die große Metalltreppe nach unten sah meinen Bruder wie er mit einem Kaffee in der Hand nach Draußen schaute. "Morgen", murmelte ich. Er drehte sich zu mir um und zog eine Augenbraue nach oben. "Guten Morgen. Du siehst aus als hättest du kein Auge zu getan." Ich ging in die offene Küche und goss mir Kaffee in die Tasse ein. "Heute ist ein großer Tag. Ich hab noch ein wenig über die Songs nachgedacht die wir heute spielen werden", log ich. Ich war mittlerweile perfekt darin zu lügen. Was natürlich nicht so berauschend war. Aber ich hatte keine andere Wahl. Ich wollte nicht das sich irgendjemand Sorgen um mich macht. Auch wenn mein Körper mittlerweile nach Hilfe schrie, mehr als mir lieb war. Tom lies es dabei bleiben und setzte sich an den Tisch. Ich legte mir eine Portion Eier und Speck auf den Teller und setzte mich zu ihm. "Also wann kommen die Anderen?" Tom sah auf sein Handy. "Vince und Phil kommen heute Nachmittag und der Rest des Teams sehen wir dann bei der Generalprobe." Ich aß von meinem Teller und nickte ihm zu. "Gut dann hab ich noch ein wenig Zeit mich auszuruhen." Tom nippte an seinem Kaffee. "Mach das was dir gut tut."
      Das lies ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Ich ruhte mich noch ein wenig aus, nachdem ich Tom in der Küche half Ordnung zu schaffen. Später am Nachmittag kamen die Jungs und wir machten uns ein wenig warm, quatschten und hatten eine gute Zeit.

      Am Abend gegen 19 Uhr fuhren wir dann zur Konzerthalle. Überall stand unser Name bereits. Ob als Poster oder Plakat. In der Halle selbst herrschte auch reges Treiben. Wir Jungs machten uns mit der Bühne vertraut und besprachen noch ein paar wichtige Sachen mit dem Team. Wir probten unseren Auftritt und dann zogen wir uns Backstage zurück um uns fertig zu machen. Ich spürte wie mein Köper bereits rebellierte. Das Adrenalin ging durch meinen Körper durch. Ich war aufgeregt und ich spürte wie das Nasenbluten wieder zurück kam. Schnell ging ich zur Toilette und wischte mir das Blut weg. Ich nahm mir ein Handtuch und drängte es in kaltes Wasser. Ich legte es anschließend auf meinen Nacken und lies den Kopf nach unten gerichtet. Es dauerte ein paar Minuten eh es vorbei war. Ich ging zurück zu den Jungs und ich war froh das es keiner mitbekommen hat, das ich kurz weg war. Jetzt gab es kein zurück mehr. Wir konnten hinter Bühne schon die kreischenden und jubelnden Menschen hören. "Einen großen Applaus für Triple Distortion."
      Wir liefen auf die Bühne und begrüßten die Leute. "Seit ihr gut drauf?" Die Masse schrie auf. "Dann kann es ja los gehen." Vince stimmte mit seiner Gitarre das erste Lied ein und ich begab mich ans Mikrofon. Ich begann die ersten Zeilen von "No limits" zu singen. Phil fing auch an am Schlagzeug zu spielen.
      Überall waren Handys auf uns gerichtet und die Menschen sangen mit. Wir spielten einen Song nach den anderen.
      Der Abend schien perfekt zu werden...
      .. bis mir kurz schwarz vor Augen wurde. Ich fing mich kurz wieder und war froh das wir gerade beim letzten Song angekommen waren. Ich versuchte mich zusammen zu reißen. Nachdem unser Auftritt zu Ende war verließ ich eilig die Bühne. Ich brauchte frische Luft. Ich schritt durch die Gänge und lief auch an den verschiedenen Snackbars und Getränkebars vorbei. Ich wollte einfach nur raus.
      Mein Weg führte mich hinter die Konzerthalle, in einer Gasse sackte ich schließlich zusammen.

    • Grace Wilson

      Los Angeles, irgendwann viel zu früh am Morgen. Ich war gestern Abend erst von meinem Inspo-Reise für einen neuen Fotoband wiedergekommen. Mein Handy klingelte mit so einen aggressiven Rhythmus wach, als würde es persönlich beleidigt sein, dass ich noch schlief. Ich tastete blind über meinen Nachttisch, stieß erst gegen eine halbleere Wasserflaschen, dann gegen meine Kamera bis ich es endlich fand. "Hallo? Wer stört? Also, wenn das kein Notfall ist…-" murmelte ich und zog mir das Kissen vom Gesicht. "Grace Wilson?" Die Stimme am anderen Ende war hellwach und hatte einen eindringlichen Nachdruck in ihrem Klang. "Kommt drauf an, wer fragt." Am anderen Ende der Leitung erklang ein trockenes Lachen. "Farrow Taylor hier. Sag mir bitte, dass du wieder aus San Francisco zurück bist." Ich blinzelte an die Zimmerdecke, an der ein schiefer Traumfänger hing, der mehr Staub als Träume fing. "Seit gestern Nacht. Mein Trip ist offiziell beendet. Die Golden Gate Bridge steht noch. War ein klasse Motiv." Ehrlich gesagt war ich nicht nur wieder hier, weil das Geld knapp wurde. Aber meiner ehemaligen Chefin würde ich das heute Morgen nicht an die Backe brabbeln. "Sehr gut. Ich habe ein Jobangebot für dich. Aushilfskraft bei einem Konzert heute Abend. Große Location, viel Arbeit aber… Gute Bezahlung, sehr gute Bezahlung." Jetzt war ich wach. "Von wie gut reden wir hier? Toast und Ramen-Nudeln-Upgrade oder tatsächliches-Leben-Upgrade?" Sie lachte. "Du könntest dir für einen Monat keine Sorgen machen." Ich setzte mich auf und sah mich in meinem doch recht provisorischen Chaos um. Eine Matratze auf dem Boden, halb ausgepackte Kisten, Ukulele an der Wand, Kameraausrüstung auf einem wackligen Tisch. "Ich bin dabei," sagte ich. "Wo und wann muss ich da sein?" Nachdem ich aufgelegt hatte, sprang ich aus dem Bett. Das war nicht mein erstes spontanes Rodeo, aber morgens um sieben war ich allerdings vor allem unkoordiniert.
      Ich zog mir eine schlichte Jeans, ein lockeres Oberteil, meine schwarze Strickjacke und meine bequemen Boots an. Putzte hektisch meine Zähne und band meine Haare halbherzig zusammen. Ein schneller Blick in den Spiegel. Das passt schon. "Du wolltest Abenteuer, Wilson. Los Angeles statt Brixton. Jetzt beschwer dich nicht." Mit Kamera im Rucksack machte ich mich auf den Weg zur Location.

      Die Halle war beeindruckend. Überall hingen Poster des Hauptacts. Der Name sprang mir von jeder Wand entgegen. Amerikaner und ihre Selbstvermarktung… immer schneller, höher, weiter…statt mal die Qualität des Augenblicks zu genießen. DIe wussten gar nicht, was sie da eigentlich verpassten. Ich bekam eine Kiste in die Hand gedrückt. "Plakate dort hinten aufhängen, bitte. Und danach Bestandsaufnahme an der Bar." Ich nickte mit meinen professionellsten Lächeln. "Natürlich." Ich hing Poster auf, zählte Getränkekisten, überprüfte Lieferlisten und half beim Aufbau. Zwischendurch balancierte ich Leitern und Kabel hin und her. Bis es wirklich los ging kam es mir eher vor wie eine Art Beschäftigungstherapie als Arbeit.
      Später stand ich hinter der Bar, als die Band endlich zur Probe auftauchte. Der Sänger ging durch den Gang Richtung Bühne. Dunkle Haare, Tattoos, dieser typische Rockstar-Blick zwischen genervt und zu gut aussehend. Aber irgendwas… Ich beobachtete ihn einen Moment zu lange. "Na sieh mal einer an," grinste ein Kollege neben mir. "Ich hätte nicht gedacht, dass du auf so einen Typen stehst." Ich hob eine Augenbraue. "Ich bin Engländerin. Ich kenne weder den Herrn noch seine Band oder deren Musik." Er lachte. "Die sind in letzter Zeit aber wirklich durch die Decke gegangen." Sollte ich mich jetzt schecht fühlen, weil ich die Band nicht kannte, für die ich heute bezahlt wurde? "Das kann ja sein," erwiderte ich trocken. "Aber nur weil man laut in ein Mikrofon schreit, ist es noch keine gute Musik. Da gehört ein klein wenig mehr dazu." Er sah mich an, als hätte ich gerade den Nationalfeiertag beleidigt. Ich zuckte mit den Schultern und polierte weiter Gläser.
      Während der Probe war ich beschäftigt, Bestellungen zu sortieren und Gläser aufzustellen, aber mein Blick wanderte immer wieder unauffällig durch die Gänge. Der Sänger wirkte konzentriert, aber irgendetwas an seiner Haltung war angespannt. Zu angespannt.
      Am Abend war die Halle voll. Kreischende Fans, leuchtende Handys, vibrierende Luft. Ich blieb professionell hinter der Bar, schnell schenkte Getränke aus und wich überschwänglichen Teenagern aus. Der Auftritt lief. Die Menge tobte. Ich musste zugeben, die Energie war beeindruckend.
      Nach dem Konzert sollte ich noch etwas aus dem Lager holen. Ich schob die Tür auf und trat in den kühleren Gangbereich. Da sah ich ihn wieder. Der Sänger. Sollte der nicht eigentlich auf der Bühne sein? Oder im Backstage bei seiner Crew? Aber er torkelte allein sowie halb benommen durch den Gang, als hätte er die Orientierung verloren. "Hey," rief ich reflexartig, aber er reagierte nicht. Er bog Richtung Hinterausgang ab. "Das ist kein VIP-Bereich für dramatische Abgänge," murmelte ich und folgte ihm. Als ich gerade aus dem Hintereingang in die kleine Gasse trat, passierte es. Er schwankte noch einmal und sackte dann einfach zusammen. "Oh nein! Oh nein, das ist jetzt nicht sein Ernst." Davon hatte Farrow nichts gesagt. Ich kniete neben ihn. "Hey. Können Sie mich hören?" Keine klare Reaktion. Ich überprüfte zunächst seine Atmung und dann den Puls. Beides vorhanden, aber schwach. Die Haut des Typen war blass und mit perligen Schweiß überzogen. "Na wunderbar, Wilson. Willkommen im amerikanischen Rocksatrleben." Versuchte ich mich zu beruhigen. Bevor ich die Vitalfunktionen nochmals kontrollierte, brachte ihn in eine stabile Seitenlage. Zum Glück hatte ich erst letztens wieder einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Die Fans durften das auf keinen Fall sehen. Ich zog meine Strickjacke aus und legte sie ihm über den Kopf, soweit es ging, um ihn zu verdecken. Mit einiger Mühe und unter Einsatz meiner gesamten Kraft schaffte ich es, ein Taxi heranzuwinken. "Er hat… äh… Kreislaufprobleme," sagte ich knapp. "Bitte schnell ins nächste Krankenhaus." Im Krankenhaus stützte ich ihn zusammen mit einer Pflegekraft ins Gebäude. "Name des Patienten?" fragte die Frau am Empfang. Ich zögerte nur einen Sekundenbruchteil. "Er ist vor ein paar Minuten vor mir zusammen gebrochen. Ich hatte keine Zeit zu fragen. Bitte behandeln Sie ihn erst einmal. Die Personalien krieg ich raus und reiche sie nach." Der Blick der Empfangsdame war skeptisch, aber der Zustand überzeugte sie mehr als meine Erklärung. Als er in den Behandlungsraum gebracht wurde, trat ich auf den Flur und wählte Farrows Nummer. "Grace? Läuft alles?" Ich seufzte tief. Wie verpackte ich das jetzt? "Definiere laufen," sagte ich leise. "Dein Hauptact ist gerade hinter der Halle zusammengebrochen. Er wird im St. Mary's behandelt. Noch weiß niemand Bescheid. Du solltest seine zuständigen Leute informieren." Stille am anderen Ende. Dann professionelles Durchatmen. "Ich kümmere mich darum. Bleib bitte dort." Meine Intuitionen lag also doch nicht falsch. Es hatte tatsächlich irgendwas mit diesen Kerl nicht gestimmt. "War nicht geplant, Rockstar-Rettung in meinen Lebenslauf aufzunehmen, aber bitte." Nachdem ich aufgelegt hatte, ließ die Anspannung langsam nach. Ich sank auf einen der unbequemen Stühle im Wartebereich. Mein Körper, der den ganzen Tag funktioniert hatte, entschied sich jetzt für Streik. Ich lehnte den Kopf an die Wand. Los Angeles war definitiv weniger glamourös als gedacht. Mit diesem Gedanken schlief ich im Wartezimmer ein, meine Kamera noch immer in meinem Rucksack und meine Strickjacke vermutlich irgendwo über dem Kopf eines bewusstlosen Rockstars.
    • Kyle

      Ich war einfach weggetreten, bekam kaum noch etwas mit. Ich versuchte zwar kurz meine Augen zu öffnen, aber es gelang mir nicht. Ich vernahm eine Stimme, sie klang verzweifelt, aber sanft. Dann war alles komplett dunkel...
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      Tom

      "Wo zum Teufel ist Kyle?!" Ich lief aufgeregt Backstage den Gang auf und ab. "Hat ihn denn niemand gesehen?" Ich blickte die beiden Bandmitglieder ernst an. "Ihr wisst nicht zufällig ob er sich mit irgendeinem Groupie aus dem Staub gemacht hat?" Phil und Vince schüttelnden den Kopf. Ich raufte mir beinahe die Haare, so sehr machte mich diese Ungewissheit fertig. "Das darf doch nicht wahr sein. Es muss ihn doch jemand gesehen haben." Ich versuchte mich zu beruhigen und setzte mich auf das große rote Sofa und tippelte nervös mit den Fingern auf dem Leder herum. Mein Blick ging ab und zu auf mein Handy. Nichts keine Nachrichten oder Anrufe seitens Kyle.
      Stöckelschuhe ließen uns aufhorchen. Unsere Blicke gingen automatisch zur Tür. Eine blonde Frau steckte ihren Kopf zur Tür hinein und sah uns entschuldigend an. "Entschuldigen sie die Störung, aber ich muss sie kurz sprechen Mr. Miller." Ich hob verwirrt eine Augenbraue, doch die Frau bat mich ihr zu folgen. Phil und Vince sahen sich nervös an. Ich erhob mich vom Stuhl und knöpfte mein Jackett wieder zu. Ich nickte der blonden Frau zu und folgte ihr aus dem Raum. Sie hielt in einer abgelegten Ecke an und drehte sich zu mir um. "Also was gibt es so Wichtiges? Ich habe gerade andere Sor-.." Sie stoppte mich. "Es geht um den Sänger der Band. Er ist wohl im Krankenhaus." Mir entwich jegliche Farbe aus meinem Gesicht. "Ge-geht es.. ihm gut?" Die Frau zuckte mit den Schultern. "Ich kann es ihnen leider nicht genau sagen. Aber eine unserer Mitarbeiterinnen hat ihn gefunden und ihn ins Krankenhaus gebracht." Ich versuchte wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. "In welchem Krankenhaus ist er?"

      Ich gab den beiden Jungs Bescheid das sie im Loft auf mich warten sollten und fuhr mit dem Auto zum St. Mary´s Hospital. Ich eilte zur Tür der Notaufnahme hinein. Schnellen Schrittes, beinahe rennend ging ich zur Anmeldung. Ich war aus der Puste und stützte mich am Tresen ab. Eine ältere Dame zog ihre Brille ein Stück hinunter. "Kann ich Ihnen helfen?" Ich versuchte meine Atmung zu kontrollieren und meinen Herzschlag zu beruhigen. "Ja. Ich beugte mich über den Tresen und versuchte leise zu sprechen. "Ich bin Tom Miller und mein Bruder Kyle Miller ist vor einiger Zeit hier eingeliefert wurden." Sie tippte etwas auf dem Computer herum. "Wie sieht er aus?" "Ähm kurze braune wellige Haare, viele Tattoos an den Armen..." Sie rückte ihre Brille wieder gerade. "Ja hier ist vorhin ein junger Mann schätzungsweise Mitte 20 bewusstlos eingeliefert wurden. Er befindet sich gerade im Behandlungsbereich." Mir sackte das Herz in die Hose. "Sagten sie bewusstlos?" Sie nickte und zeigte auf die junge Frau die auf einen der Stühle sahs und schlief. "Sie hat ihn hier her gebracht. Wie ich gehört habe war es Glück das sie ihn schnell gefunden hat." Ich blickte zu der Frau und musterte sie für einen Moment. Die Empfangsdame reichte mir ein paar Unterlagen, die ich ausfüllen sollte und tat es auch. "Sie werden aufgerufen wenn wir mehr wissen. Nehmen sie doch bitte Platz."
      Ich nickte ihr zu und setzte mich auf einen der Stühle. In der Notaufnahme war immer viel Betrieb. Als ich langsam Regung ein paar Stühle weiter von mir vernahm, stand ich auf und holte zwei Kaffeebecher und reichte der jungen Frau einen. "Hier. Ich denke das wird sie für einige Zeit wachhalten. Auch wenn der Kaffee im Krankenhaus nicht so lecker ist." Ich schenkte ihr ein warmes Lächeln. "Oh tut mir leid. Ich bin Tom und wie ich gehört habe haben sie meinen Bruder das Leben gerettet?"

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      Kyle

      Ich hörte leises Piepsen in meinen Ohren, ein Piepsen das allmählich lauter wurde. Meine Augenlider fühlten sich noch etwas schwer an. Mein Körper fühlte sich allgemein wie Beton an. Ich stöhnte leicht auf. Sofort vernahm ich Schritte und konnte eine schemenhafte Gestalt wahrnehmen. "Gut Sie sind wach. Bleiben Sie noch ein wenig liegen, bis die Infusion durch ist." Infusion? Wo zum Geier war ich? Meine Augen versuchte ich langsam zu öffnen und sah in meiner rechten Ellenbeuge eine Kanüle stecken. Ich hatte keine Kraft mich richtig zu bewegen. "Wo bin ich?", hauchte ich. "Sie sind im Krankenhaus." Krankenhaus? Wie konnte das passieren? Mir gingen viel zu viele Fragen durch den Kopf, aber ich konnte keine Antwort auf sie finden.
      "Ist.. ist mein Bruder da?" Die Schwester nickte mir zu. "Ja er hat in ein paar Minuten ein Gespräch mit dem Arzt und dann darf er zu ihnen. Aber ruhen sie sich bis dahin noch aus." Ich nickte vorsichtig mit dem Kopf und schloss wieder meine Augen.

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    • Grace

      Ich rieb mir das Gesicht und stieß ein leises, unwilliges Stöhnen aus, während mein Verstand mühsam versuchte, die Puzzleteile der letzten Stunden zusammenzusetzen. Das grelle Licht der Notaufnahme brannte in meinen Augen. Plötzlich drang ein Geruch zu mir durch ... er war verbrannt, dünn und.... roch... unverkennbar nach Krankenhaus-Cafeteria.Ich blinzelte und starrte direkt auf einen Pappbecher, der mir unter die Nase gehalten wurde. Meine Augenbraue wanderte skeptisch nach oben, während ich den Arm des Mannes entlangblickte, bis ich in ein Gesicht sah, das Kyle Miller zumindest sehr ähnlich sah. Er wirkte älter, schätzungsweise um die 30. Sein dunkles Haar war perfekt gestylt und sein Bart akkurat getrimmt. Er trug einen hochwertigen dunklen Anzug und eine goldene Armbanduhr, die hell im fahlen Licht der Klinik glänzte. Dann sah ich wieder auf den Becher. "Der Kaffee im Krankenhaus ist auch nie wirklich stark. Hier gibt es normalerweise schon Aufregung genug", murmelte ich mit belegter Stimme. Ich zögerte einen Moment. Ich war schließlich durch die ganze Welt gereist und lernte früh, nichts von Fremden anzunehmen. Aber dieser Mann sah aus, als würde er eher Aktienkurse als Drohungen verteilen. Da er offensichtlich zu den Frontman der Band gehörte, war er einer von Farrows Klienten ... und damit quasi ein indirekter Brötchengeber. Höflichkeit siegte ehrlicher Weise über Misstrauen wenn sie mir meinen Lebensunterhalt bezahlt. Also nahm ich den Becher an, auch wenn ich nicht vorhatte, das Gebräu sofort zu probieren.
      Ein müdes Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als ich meine Finger um die Wärme des Pappbechers schloss. "Immer ihr Amerikaner und eure geliebten Superlative", erwiderte ich trocken und schüttelte leicht den Kopf. "Blimey, it’s just common decency, really. Das nennt man Zivilcourage. Nicht mehr und nicht weniger." Für mich war es keine Frage gewesen, ob ich eingreifen sollte. In meinem Studium im Bereich Social Case Management hatte ich gelernt, hinzusehen, wo andere weggucken. Es ging um ein Menschenleben, egal ob dieses Leben in teuren Klamotten auf einer Bühne stand oder im Dreck einer Gasse lag. "Ich habe darauf geachtet, dass weder Fans noch die Presse etwas mitbekommen", berichtete ich ihm und sah kurz zur Tür des Behandlungsbereichs, hinter der sein Bruder verschwunden war. Ich zögerte kurz, dann fügte ich hinzu: "Aber... wenn es keine Umstände macht, hätte ich gern meine schwarze Strickjacke zurück." Mein Blick wanderte von den Behandlungsbereich nach draußen. Noch dämmerte es. Also waren einigen Stunden vergangen. "Andernfalls wird der Heimweg an diesem wunderbaren kalten Morgen in L.A. wohl sehr ungemütlich werden."
    • Tom

      Diese mir unbekannte Frau musterte mich skeptisch. Doch das war in Ordnung. Schließlich würde ich genau so reagieren, wenn mir ein Wildfremder einen Kaffeebecher unter die Nase hielt.
      Ich setzte mich neben sie und lehnte mich ein Stück an dem Stuhl zurück und ließ den Blick kurz über sie gleiten. Ich versuchte irgendwie die ganze Situation zu sortieren, so gut es eben ging. Ein schiefes, erschöpftes Lächeln, huschte über mein Gesicht, während ich mit dem Finger gedankenverloren über den Rand des Bechers strich. "Zivilcourage? Hm?" Ich schnaubte amüsiert. "Das klingt deutlich besser, als das was die Presse daraus gemacht hätte. Sie hätten sich wohl die Mäuler darüber zerrissen." Für einen Moment herrschte Stille zwischen uns und ich lies meinen Blick durch die Notaufnahme schweifen. Dann blickte ich wieder zu der jungen Frau neben mir und schenkte ihr ein sanftes Lächeln. "Egal wie sie das nennen... Ich danke ihnen trotzdem für ihre Hilfe."
      Als sie die Strickjacke erwähnt, schossen mir plötzlich zig Szenarien durch meinen Kopf. Doch sie schien nicht so eine zu sein, wie die anderen Mädchen die Kyle bezirzen. Nein sie hatte ihn aus andren Gründen ihre Strickjacke dagelassen. Ich stand von dem Stuhl auf und sah in Richtung Behandlungsbereich. "Ich hole sie wieder zurück, sobald ich dort rein darf." Ein leichtes Lächeln zupfte an meinen Mundwinkeln. "Und falls ich sie nicht wieder bekomme, dann schuldet ihnen mein kleiner Bruder eine neue Strickjacke. Oder.." Ich zuckte kurz mit den Schultern. ".. ein Chauffeur nach Hause. Klingt wohl besser als ein eisiger Spaziergang durch LA?."
      Die Tür des Behandlungsbereiches öffnete sich. "Hr. Miller?" Ich blickte zu der Schwester und nickte. Ich ging ein paar Schritte in Richtung Tür, drehte mich jedoch nochmal kurz zu der Frau um. "Das Angebot steht." Dann verschwand ich hinter der großen Schwingtür.

      "Setzen Sie sich doch." Der Arzt tippte mit seinem Stift auf einem Blatt Papier herum. Ich nahm auf dem Stuhl Platz und sah ihn eingehend an. "Die Blutwerte von ihrem Bruder sind nicht gerade berauschend und wir müssen ihn noch ein paar Tage hier behalten und das Ganze beobachten. Hat er in ihrer Gegenwart einmal irgendwas erwähnt? Irgendwelche körperlichen Probleme? Oder sonst der Gleichen?" Ich schüttelte den Kopf. "Nein, rein gar nichts. Nur das er Nachts nicht so gut schlafen kann. Das ist alles." Der Arzt machte sich Notizen. "Schlaflosigkeit kann viele Gründe haben. Sobald er wieder wacher ist werde ich ihn selbst befragen." Ich stimmte den Arzt zu. Kyle sprach nie über seine Probleme oder Sorgen mit mir. Er ist was das angeht sehr zurückhaltend. "Sie dürfen dann zu ihm gehen. Ich würde mich bei ihnen melden sobald ich mehr herausgefunden habe. Schönen Abend noch."

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      Kyle

      Ich versuchte mich noch etwas auszuruhen und merkte wie ich langsam wieder an Kraft gewann. Ich hörte wie sich eine Tür öffnete und ich vernahm eine Hand die meine umschloss. "Hey kleiner Bruder." Ich öffnete meine Augen und sah in die von Tom. "Hey...", murmelte ich. "Was ist hier los?" Tom´s Blick war besorgt und ich hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. "Nun.." Er schien zu zögern. "Vorerst sollst du hier bleiben. Deine Blutwerte sind schlecht und sie wollen wissen warum." Ich seufzte. "Wie lange?" Tom zuckte mit den Schultern. "Ich kann es dir nicht genau sagen, aber sie werden dich morgen auf eine Station verlegen und weitere Untersuchungen machen." Ich drehte meinen Kopf zur Seite. "Ich möchte aber nicht hier bleiben.. Sie können mich nicht zwingen." Tom´s Hand schloss sich fester um meine. "Tu es für mich.. Wenigstens ein paar Tage, damit wir wissen warum du bewusstlos wurdest. Und bitte sei ehrlich zu dem Arzt, was deine Probleme betrifft.. wenn du es mir schon nicht sagen möchtest." Ich blickte ihn wieder an und sah das er den Tränen nah war. "Hör zu Kyle.. Ich möchte dich nicht auch noch verlieren.." Der Anblick und die Worte ließen mich nicht kalt. "Okay.. Ich verspreche es dir. Ich bleibe solange hier, bis sie etwas gefunden haben." Tom wischte sich die Tränen weg. "Danke. Ähm die junge Frau die dich gerettet hat ist auch noch hier.. und die hier", er zeigte auf die Strickjacke. "Gebe ich ihr wieder zurück." Ich nickte. Tom ah mich ernst an. "Ja ich werde mich auch noch persönlich bei ihr bedanken. Kannst ihr ja ausrichten das sie mich besuchen kann, sobald ich mein eigenes Zimmer habe." Tom nickte mich an und wuschelte mir durch die Haare. "Gut dann ruh dich weiter aus. Ich komme später wieder und bringe dir deine Sachen." Ich nickte ihm müde zu. Nachdem er wieder aus dem Zimmer war, wurden meine Augen wieder sehr schwer und ich fiel in einen tiefen Schlaf.

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      Tom

      Ich verließ den Behandlungsbereich wieder und hielt die Strickjacke in der Hand. Die junge Frau war noch da, an der selben Stelle. Ich ging auf sie zu und überreicht ihr die Jacke. "Ich soll ihnen sagen, das er sie die nächsten Tage gerne sehen möchte. Er will sich persönlich bei ihnen bedanken." Ich steckte meine Hände in die Hosentaschen und sah sie an. "Also mein Angebot steht noch sie nach Hause zu bringen."
    • Grace

      Ich beobachtete, wie er aufstand und in Richtung der Behandlungszimmer blickte. "Für mich ist das einfach selbstverständlich. Das ist Alles.", murmelte ich eher zu mir selbst, während ich ihm nachsah. Doch tief im Inneren verstand ich es. Wenn er wirklich der Bruder dieses jungen Mannes war, dann war seine Sorge so echt wie der bittere Nachgeschmack des Kaffees auf meiner Zunge. Seine Dankbarkeit war kein höfliches Geplänkel, es war die Erleichterung eines Menschen, der fast das Wertvollste verloren hätte.
      ˋBlimeyˋ, dachte ich plötzlich und hielt inne. Ich saß hier, trank seinen Kaffee und ließ mich fast von ihm nach Hause kutschieren. Als er von einer neuen Strickjacke sprach, musste ich unwillkürlich den Kopf schütteln. Typisch Amerikaner, man versucht alles mit Geld oder Ersatz zu regeln. Aber ich wollte keine andere Strickjacke. Ich wollte genau diese eine zurück, die jetzt irgendwo da drinnen bei einem völlig Fremden lag. Sie war alt, sie war bequem und sie hatte mich durch mein Studium in Brixton begleitet. Entweder ich bekam dieses verfluchte Ding wieder, oder ich würde eben frieren. Eine neue würde sich nie so nach Zuhause anfühlen wie das Original.
      Ich sah ihm nach, wie er an der Tür kurz innehielt und sein Angebot erneuerte. Ein Chauffeur. Ich unterdrückte ein schiefes Lächeln. Es war wie das Kaffee-Dilemma. In der Stille der Notaufnahme, die nur durch das ferne Piepen von Monitoren unterbrochen wurde, nippte ich doch an dem furchtbaren Kaffee. Er schmeckte nach Pappe und verbrannter Hoffnung, aber er hielt mich halbwegs in der vertikalen Position.

      Nach einer gefühlten Ewigkeit ging die Tür wieder auf. Mr. Miller kam auf mich zu, die Ärmel seines Hemdes waren nun leicht hochgekrempelt, und in der Hand hielt er meine schwarze Strickjacke. Meine Strickjacke! Die Freude darüber war mir mit eine erleichterten Lächeln wohl deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich nahm den Stoff entgegen und drückte ihn kurz an mich, völlig ungeachtet der Tatsache, dass er nach dem Schweiß, dem Adrenalin und dem Blut seines Bruders roch. Es war mir egal; es war meine Jacke, und sie fühlte sich nach ein wenig Normalität in diesem Chaos an. "Ich sag doch, das war keine große Sache. Das ist alles wirklich gar nicht nötig.", murmelte ich, während ich den vertrauten Stoff fest hielt. Doch während ich das sagte, sah ich in besorgte Augen meines Gegnübers. Men Blick wurde augenblicklich weicher. "Ich hoffe wirklich, man kann ihm hier helfen.", sagte ich ehrlich und sah kurz zur Tür des Behandlungsbereichs. "Er wirkt wie einer dieser erfolgsorientierten, adrenalinliebenden Typen. Ich hoffe, er nimmt sich tatsächlich genug Zeit zum Heilen und versucht nicht, sofort wieder auf die Bühne zu stürmen." Der Mann im teuren Designeranzug wiederholte sein Angebot, mich nach Hause zu bringen. Ich zögerte und sah ihn unsicher an. "Möchten Sie nicht lieber hier bei ihm bleiben?", fragte ich leise. Ich wollte kein Klotz am Bein sein, besonders nicht in einer Nacht, in der sein Bruder auf Station verlegt werden sollte. Doch als er beharrte, nahm ich das Angebot mit einem leicht mulmigen, aber dankbaren Lächeln an.
      Die Fahrt in seinem Wagen war ruhig. Das nächtliche Los Angeles zog in einem verschwommenen Neonlicht an uns vorbei, während ich über das Geschehene nachdachte. Ich nannte ihm die Adresse meines Hostels, ein funktionaler Ort, der so gar nicht zu seinem glänzenden Auto oder seinem teuren Auftreten passte. Als wir auf den holprigen Parkplatz der Unterkunft rollten, schaltete er den Motor aus.
      "Vielen Dank für die Fahrt, Mr. Miller.", sagte ich leise und griff nach meinem Rucksack. "Und richten Sie Ihrem Bruder aus... er soll die Ärzte nicht zu sehr ärgern. Dann sieht er die Außenwelt auch schneller wieder als wenn er sich querstellt. Außerdem bin ich persönlich beleidigt wenn ich ihn jemals wieder von einer Gasse auflesen muss." Ich stieg aus, schlüpfte in meine ramponierte Strickjacke, warf mir meinen Rucksack über die Schulter und hörte, wie der Wagen langsam davonrollte. Müde schleppte ich mich über den staubigen Asphalt in Richtung meines Zimmers.

      Der Tag war zu einer Geschichte geworden, von der ich noch nicht wusste, wie sie enden würde. Nachdem ich endlich ein paar Stunden in meinem Hostelbett verbracht hatte, war mein Schlaf zwar kurz, aber tief genug, um die gröbsten Augenringe zu vertreiben. Als ich aufwachte, war die erste Erinnerung nicht die Golden Gate Bridge oder meine Fotopläne, sondern der Geruch von Desinfektionsmittel und das blasse Gesicht dieses Sängers... Kyle Miller, hm? Na großartig... es würde wohl noch etwas dauern bis mir Farrow Taylor meinen wohl verdeinten Check ausstellte...

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    • Tom

      Sie schien immer noch nicht von meinem Angebot angetan zu sein sie nach Hause zu bringen. Obwohl das für mich das Mindeste war nachdem sie meinen Bruder gerettet hatte. Mein Blick traf ihren. "Ich denke schon, das er hier gut aufgehoben ist und ja.." Ich hielt kurz inne und mein Blick wurde noch sorgenvoller. "Ich hoffe das er sich helfen lässt.. Er ist manchmal etwas stur. Aber das lassen sie mal meine Sorge sein." Auf die Frage hin ob ich nicht lieber hier bleiben möchte, schüttelte ich nur den Kopf. "Glauben sie mir er braucht jetzt einfach Ruhe und ich muss den anderen Bandmitgliedern noch davon berichten und hab noch einiges zu klären.. Jetzt da er erst einmal ausfallen wird. Ich will sie damit nicht belästigen." Ich wusste das ich fürs erste alle Gigs abblasen muss.. Das werden morgen viele Stunden am Laptop und am Handy sein. "Und jetzt würde ich sie nochmal auf mein Angebot von vorhin ansprechen. Wie gesagt mir macht es keine Umstände sie nach Hause zu bringen. Also wollen wir?"
      Ja ich blieb hartnäckig, ich wollte nicht das mir am Ende noch die Hölle heiß gemacht wird, wenn ihr irgendetwas passierte. LA ist nicht immer so glamourös wie alle immer denken. Es gab viele zwielichtige Menschen hier und so eine junge Frau wäre das perfekte Opfer dafür. Ich atmete erleichtert aus als sie einwilligte mitzufahren. Die Fahrt verlief ruhig, was mich angesichts der Tatsachen und dem Geschehen auch nicht weiter störte. Ich wusste genau wo die Adresse war, ich kannte LA wie meine Westentasche.
      Auf dem Parkplatz vor dem Hostel blieb ich mit dem Auto stehen. Ich blickte zu ihr, als sie aus dem Wagen stieg. "Kein Problem. Ich hab zu danken. Und ja ich richte es ihm aus." Ich lächelte ihr zu und fuhr dann nach Hause zum Loft um den Jungs Bericht zu erstatten.
      Ich fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben und sofort kamen Vince und Phil auf mich zu gerannt. "Was ist verdammt nochmal passiert?", sprach Phil zu mir. Ich bat die beiden sich zu aufs Sofa zu setzten. Ich brauchte erst einmal etwas stärkeres zu Trinken und schenkte mir einen Whiskey ein. Ich nahm einen Schluck von der goldenen Flüssigkeit und sie rann meiner Kehle herunter. Ich sah die beiden Jungs an die mich erwartungsvoll anschauten. "Kyle ist hinter der Konzerthalle umgekippt und wurde ins Krankenhaus gebracht." Sofort hatten die Jungs einen sorgenvollen Blick in ihren Gesichtern. "Es geht ihm den Umständen entsprechend und er wird erst einmal eine Weile im Krankenhaus bleiben. Könnt ihr mir morgen einen Gefallen tun und ihm ein paar Sachen bringen. Ich hab einiges zu Regeln." Phil und Vince nickten mir zu. "Danke euch. Ich würde jetzt meinen Whiskey noch in Ruhe genießen und dann versuchen zu schlafen." Die Jungs verstanden sofort und machten sich auf in ihre Zimmer, die sie hier im Loft hatten, wenn sie Mal nicht nach Hause gehen.
      Ich lehnte mich ans Fenster und blickte nach Draußen über LA. Die Stadt schien nie zu schlafen, gedankenverloren trank ich mein Glas leer. Es wird eine schlaflose Nacht werden. Für alle

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      Kyle

      Ich wachte mitten in der Nacht in einem anderen Zimmer auf. Sie schienen mich wohl auf eine Station verlegt zu haben. Ich sah mich um ich war wohl alleine in dem Zimmer, jedenfalls stand hier kein weiteres Bett. Ob sie wissen wer ich bin? Ich schüttelte den Kopf, das war mir eigentlich vollkommen egal. Das Einzige was ich wollte, ist so schnell es geht wieder hier heraus kommen und das heißt für mich das ich kooperieren muss.. fürs erste natürlich. Mein Blick auf mein Handy sagte mir das es bereits 4 Uhr morgens war. Der Akku war auch beinahe leer. Ich legte es wieder zurück. Durch die Kanüle an meinem rechten Arm lief eine weitere Infusion durch. Anscheinend brauchte ich das, auch wenn es langsam nervt und zu jucken anfängt. Ich lies es über mich ergehen, eine andere Wahl hatte ich ja nicht. Mir blieb nichts anderes übrig als das durchzustehen und vielleicht schaffe ich es noch einmal die Augen zu zumachen.

      Die Sonne schien durch das Fenster meines Zimmers und kitzelte meine Nase. Ich blinzelte kurz und sah mich um. Ich dachte allen Ernstes das es nur ein Traum war.. aber ich irrte mich, ich war wirklich hier im Krankenhaus. Es klopfte an die Tür und eine Schwester trat hinein. "Guten Morgen. Schön das sie wach sind." Sie ging zum Tropf und stellte sie aus. Sie nahm die Kanüle vorsichtig aus meinem Arm versorgte die Stelle vorschriftsgemäß. "Können sie aufstehen?" Ich erhob mich langsam aus dem Bett. Mir war für einen Moment schwindelig, aber es ging dann wieder. Ich stellte meine Beine auf und stellte mich hin. Ich schwankte und sofort kam die Schwester um mir zu helfen. "Es geht schon danke.." Ich setzte einen Fuß vor den anderen und ging ins Badezimmer. "Wenn sie Hilfe brauchen.." Ich sah über meine Schulter zu ihr. "...melde ich mich, versprochen." Sie lächelte mich an und verließ den Raum. Ich betrachte mich im Spiegel. "Junge siehst du mies aus.. ", sprach ich zu mir selbst. Ich wusch mir das Gesicht mit kaltem Wasser und das tat gut. Duschen traute ich mich im Moment noch nicht, ich hatte Angst das mein Kreislauf absackte. Ich wusch meinen Körper dennoch gründlich. Da ich noch keine Kleidung da hatte musste ich mir meine Boxer wieder überziehen und mir so einen OP Kittel anziehen. Es war besser wie nichts. Ich ging dann wieder zu meinem Bett und setzte mich drauf. Das Frühstück wurde wenig später gebracht und es war eben das typische Krankenhausessen. Nichts besonderes. Ich sollte dann anschließend warten, weil noch irgendwelche Untersuchungen anstanden. Ich hoffte nur das ich schnell wieder hier weg bin.

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      Tom

      Ich tat die Nacht kein Auge zu. Ständig kreisten meine Gedanken um Kyle. Ich hoffe wirklich das er nichts schlimmes hat.. Diese Ungewissheit brachte mich beinahe um den Verstand, doch der Arzt versprach mir sich zu melden. Ruhe bewahren war die Devise.
      Nachdem ich mich fertig für den Tag gemacht hatte, waren die Jungs schon dabei Frühstück zu machen. Auch sie sahen so aus als hätten sie eine kurze Nacht gehabt. Ich goss mir einen Kaffee in die Tasse und setzte mich zu ihnen. "Wann wollt ihr ins Krankenhaus fahren?" "Wir denken gegen heute Mittag, da er sicherlich noch untersucht wird", sprach Vince. Ich nickte und nippte an meinem Kaffee. "Die Tasche habe ich die Nacht noch gepackt, sie steht oben in seinem Zimmer. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt ich muss mich an die Arbeit machen." Ich ging nach oben ins Büro und schloss die Tür. Ich klappte den Laptop auf und sah mir die Mails durch. Ich stöhnte auf. Es war wirklich viel zu tun. Und die Nummer von der jungen Frau musste ich auch noch herausfinden. Sie sollte ja unbedingt bei Kyle vorbei schauen. Ich dachte nach.. Wer könnte die Nummer haben. Dann viel es mir ein die blonde Frau von gestern Abend.. "Wie war ihr Name noch einmal..." Ich blätterte durch die Eventfirma und blieb mit der Maus bei ihr stehen. "Farrow Taylor. Ja genau das ist sie." Ihre Nummer war auch angegeben und ich zögerte nicht lange und wählte sie.
    • Grace

      Mein Frühstück war, gelinde gesagt, nicht besser als der Krankenhauskaffee. Auf einem wackeligen Beistelltisch, der schon bessere Jahrzehnte gesehen hatte, thronte mein Toaster und spuckte ein Stück Toast aus, das gefährlich nahe am Verbrennen war. Ich angelte es heraus und schmierte eine ordentliche Schicht Marmelade darauf. Dazu gab es einen Tee, der viel zu stark gezogen hatte, weil ich zwischendurch darüber nachgedacht hatte, ob dieser Kyle Miller wohl schon wieder aus den St. Mary's Krankenhaus abgehauen war.
      Ich schaltete den kleinen, flimmernden Fernseher ein, der in der Ecke auf einem Stapel Zeitschriften thronte. Während ich kaute, starrte ich auf die bunten Bilder der Morgennachrichten. Mein Herz klopfte ein kleines bisschen schneller, als das Logo eines bekannten Klatschmagazins eingeblendet wurde. Ich hielt den Atem an. Aber... nichts. "Phew! Gott sei Dank", murmelte ich und biss in mein Marmeladenbrot. Keine Schlagzeilen über den Zusammenbruch des Triple Distortion Frontmanns. Keine verwackelten Handyvideos von einer dunklen Gasse. Es war friedlich. Zumindest für die Welt da draußen. Für mich fühlte es sich an, als hätte ich gestern Abend eine Tür aufgestoßen, hinter der es verdammt ungemütlich werden könnte.
      Ich schob den Teller beiseite und sah mich in meinem Zimmer um. Wie sollte ich jetzt weitermachen? Eigentlich war mein Plan, L.A. nur als Zwischenstopp zu nutzen, ein paar Jobs zu machen und dann weiterzuziehen. Aber dieser sture Typ im Krankenhaus ging mir nicht aus dem Kopf.
      Um mich abzulenken, griff ich nach meiner Kamera. Das schwere Gehäuse in meinen Händen zu spüren, beruhigte mich immer. Ich öffnete das kleine Fach an der Seite, nahm die Speicherkarte heraus und schob sie in meinen Laptop. Das leise Surren des Lüfters war das einzige Geräusch im Raum.
      Ich fing an, die Bilder von meinem Trip nach San Francisco zu sortieren. Die Golden Gate Bridge im Nebel, die steilen Straßen, die Gesichter der Menschen am Pier. Es war eine andere Welt."Fokus, Wilson", sagte ich zu mir selbst, während ich ein Foto der Skyline bearbeitete. "Du bist hier für die Fotos, nicht um den Babysitter für abgestürzte Rockstars zu spielen." Doch während ich die Sättigung der Farben anpasste, merkte ich, dass meine Gedanken immer wieder zu der schwarzen Strickjacke zurückwanderten, die ich gestern Abend so bereitwillig als Kopfkissen für einen Fremden geopfert hatte.

      Farrow

      Ich sahs an meinem massiven Schreibtisch und starrte auf die Berichte des gestrigen Abends. Der Abbau in der Konzerthalle war reibungslos verlaufen, die Zahlen stimmten, doch die Ereignisse hinter den Kulissen ließen mich nicht los. Nachdenklich rieb ich mir die Schläfen. Kyle Miller. Was für ein Chaos. In dieser Branche hört man viel. Gerüchte über Exzesse, durchzechte Nächte und den schleichenden Zerfall der Stars und Sternchen. Aber dass es so schlimm um den Frontmann von Triple Distortion stand, hätte ich im Vorfeld nicht für möglich gehalten.
      Eigentlich hätte das der Albtraum jeder Eventagentur sein können: Ein Hauptact, der auf meinem Gelände zusammenbricht. Aber Kyle hatte verdammt viel Glück im Unglück. Er hatte Glück, dass Grace Wilson gestern Dienst und seinen Zustand bemerkt hatte.
      Ich musste unwillkürlich lächeln, als ich an die junge Engländerin dachte. Grace war ein Phänomen in dieser oberflächlichen Stadt. Sie ist so wunderbar unbeeindruckt von all dem Glamour. Einfach perfekt für diese Branche und mein Geschäft. Behütet auf dem englischen Land aufgewachsen, hatte sie für Social Media und den Starkult in L.A. absolut nichts übrig. Die meisten Stars erkennt sie nicht einmal, wenn sie direkt vor ihr stehen für sie zählen nur ihre Reisen und ihre Fotografie. Grace ist professionell, zuverlässig und würde niemals auf die Idee kommen, aus so einer Sache Profit zu schlagen oder die Presse zu füttern. Für sie war er gestern Abend kein Weltstar, sondern einfach nur ein Mensch, der Hilfe brauchte. Ich hätte diese junge Frau nur als zu gern länger in meinen Diensten gehabt, aber das engte sie nur ein und das wollte sie partue nicht. Wie ein Vogel im goldenen Käfig hatte sie gesagt... Tja... was eine Schande. Ich fuhr gerade meinen Rechner hoch um nach meinen anderen Aufträgen zu schauen da platzte meine Assistentin Coraline ohne anzuklopfen ins Büro. "Ms. Taylor? Tom Miller ist in der Leitung. Es klingt dringend." Ich straffte die Schultern und rückte mein Telefon zurecht, während ich Coraline mit einem knappen Handzeichen signalisierte, dass sie die Tür hinter sich schließen sollte.
      Ich atmete tief durch und drückte die blinkende Taste am digitalen Endgerät. "Farrow Taylor. Guten Tag, Mr. Miller. Wie kann ich Ihnen und Ihrem Bruder in dieser Situation weiterhelfen?" ,sagte ich mit meiner professionellsten, aber dennoch verbindlichen Stimme. Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück. Wahrscheinlich ging es um Diskretion oder um das Mädchen, das seinen Bruder vor den Schlagzeilen gerettet hatte.
    • Tom

      Ihre Assistentin nahm ab und lies mich in der Leitung warten. Ich spielte nervös mit meinem Stift herum. "Jetzt nimm schon ab.."
      Ich hörte ihre Stimme dann in der Leitung und setzte mich aufrecht hin. "Ms. Taylor, danke das sie sich Zeit für mich nehmen." Ich versuchte ruhig zu bleiben und trotz allem seriös aufzutreten. "Ich möchte mich bei ihnen für die Umstände von gestern Abend entschuldigen und ich wollte sie nach einer ihrer Mitarbeiterinnen fragen, die meinen Bruder ins Krankenhaus gebracht hat." Ich wartete einen Augenblick ehe ich weiter sprach. "Mein Bruder wollte sich persönlich bei ihr bedanken und da ich die junge Frau nicht weiter kenne, hatte ich gehofft das sie mir weiter helfen könnten. Haben sie zufällig ihre Telefonnummer? Natürlich gehe ich damit diskret um. "
      Ich wartete gespannt auf ihre Antwort. Natürlich würde ich verstehen wenn sie mir solch eine Information nicht geben würde, dann müsste ich es eben selber herausfinden.

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      Kyle

      Mein ganzer Vormittag bestand darin das ich von einer Untersuchung zur Nächsten geschickt wurde. Ich war erschöpft und wollte einfach nur wieder in mein Bett. Nicht in das Krankenhausbett. Nein in mein eigenes Bett im Loft. Doch es führte kein Weg hier raus. Die einzige Möglichkeit war es sich selbst zu entlassen, doch ich wusste wenn ich das tat, würde Tom sauer auf mich sein oder mich mit eigenen Händen wieder hier hinein tragen. Ich sahs hier also fest. Fürs erste.
      Als ich endlich wieder zurück in mein Zimmer durfte, wurde ich sofort von starken Armen umarmt. "Wow mal langsam." Phil lies mich wieder los und ich sah an ihm vorbei das Vince auch da war. "Hey Jungs. Schön euch zu sehen." "Schön dich zu sehen Kyle." Vince drückte mich auch. "Wir haben dir ein paar Sachen von zu Hause mitgebracht. Tom hatte die Tasche die Nacht noch gepackt. Er scheint sich wirklich Sorgen um dich zu machen." Phil sah mich besorgt an. "Alles gut Jungs. Ich glaube es war mir nur alles zu viel. Vielleicht hab ich zu wenig getrunken oder so." Ich wusste das ich sie damit nicht abspeisen konnte. Doch ich wusste selbst nicht was mit mir los war.
      Wir verzogen uns in die Cafeteria, auch wenn ich müde war, wollte ich aus diesem Zimmer raus. Diese weißen Wände machten mich kirre. Wie tranken Kaffee und aßen Kuchen und ich war den Jungs dankbar, das sie mich ablenkten und nicht weiter ausfragten.
      Somit konnte ich meine Gedanken ebenfalls für eine gewissen Zeit ausblenden.
    • Farrow

      Er klang kontrolliert, aber ich hörte das nervöse Klicken eines... ich vermute, Kugelschreibers im Hintergrund. Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und strich über die glatte Oberfläche meines Schreibtisches. "Sie meinen Grace Wilson. Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Umstände, Mr. Miller. In meinem Business gehört Krisenmanagement zum Alltag, auch wenn ein kollabierter Hauptact hinter der Halle nicht unbedingt auf der Tagesordnung steht. Wie geht es Kyle?" Ich zögerte einen Moment. In dieser Stadt verkaufte man Informationen für gewöhnlich an den Meistbietenden, aber bei Grace war das anders. Sie war kein Spielball für PR-Strategien. "Hören Sie, Mr. Miller", sagte ich mit sachlichem Ton. "Grace Wilson ist... speziell. Sie ist Britin, sie ist verdammt gut in ihrem Job als Fotografin und sie hat absolut kein Interesse an dem Zirkus, den Klienten wie Sie oder ihr Bruder normalerweise um sich herzieht. Sie wusste gestern wahrscheinlich nicht einmal, wem sie da Erste Hilfe geleistet hat. Genau deshalb ist sie die Einzige, der ich in dieser Sache blind vertraue. Sie wird nichts an die Presse geben. Und Nexus ohne Absprache vorher auch nicht." Dieser Mann wusst wo ihr Zimmer war, er würde also auch ohne meine Hilfe versuchen an diese junge Frau heran zu kommen. Außerdem war unsere Zusamarbeit noch nicht ganz beendet. Noch war er ein zahlender Klient. Ich seufzte leise. "Nun gut. Warten Sie bitte einen Moment. Ich werde sie kontaktieren und um Erlaubnis fragen, bevor ich ihre Daten herausgebe." entschied ich. "Diskretion ist für uns beide das höchste Gut. Wenn sie zustimmt, melde ich mich in Kürze und gebe Ihnen ihre Kontaktdaten weiter." Ich legte auf und starrte einen Moment auf das Telefon. Grace war wahrscheinlich gerade dabei, ihre Fotos zu sortieren oder sich über den schlechten amerikanischen Tee zu beschweren. Ich griff wieder zum Hörer und wählte ihre Nummer.

      Grace

      Ich kippelte nervös auf den knarzenden Stuhl herum. Auf dem Bildschirm leuchtete ein Foto der Lombard Street auf, aber meine Konzentration war irgendwo zwischen der ISO-Einstellung und dem besorgten Gesicht von Tom Miller hängen geblieben. "Bloody Hell...Reiß dich zusammen." ,murmelte ich und klickte auf das nächste Bild. Heute konnte ich mich einfach nicht auf die Suche nach meinen leiblichen Eltern oder die Schönen Dinge in meinen Leben konzentrieren. Die Stille in meinem Zimmer wurde jäh unterbrochen. Mein Handy, das neben der Tastatur lag, vibrierte so heftig, dass es fast vom Tisch rutschte. Ich sah auf das Display. Farrow Taylor. Ich schluckte den letzten Bissen Toast hinunter und nahm ab. "Grace hier. Ist beim Abbau noch was schiefgegangen? Ich dachte, ich hätte alle Listen doppelt gecheckt." Ob ich sie nach meiner Bezahlung fragen sollte? Sie meinte ich müsste mir einen Monat keine Sorgen machen... "Ganz im Gegenteil, Grace", erklang Farrows Stimme, gewohnt kontrolliert, aber mit einem Unterton, den ich nicht ganz deuten konnte. "Ich habe gerade mit Tom Miller telefoniert. Er hat nach deiner Nummer gefragt. Er meinte, sein Bruder, Kyle , bestünde darauf, sich persönlich zu bedanken." Ich starrte auf meine Tastatur. Mr. Miller hatte das am Abend zuvor auch erwähnt. Farrow lachte leise als sie mein Zögern bemerkte. "Tom Miller klingt sehr überzeugt. Ich habe ihm gesagt, dass ich dich erst frage, bevor ich deine Daten herausgebe. Du weißt, wie das hier in L.A. läuft, Grace. Aber ich habe ihm auch gesagt, dass du... nun ja, anders bist. Dass du kein Interesse an Schlagzeilen hast." Ich seufzte und strich mir eine widerspenstige Locke aus der Stirn. "Er kann die Nummer haben, Farrow. Solange er nicht erwartet, dass ich im Fan-T-Shirt am Krankenbett auftauche." Sie schmuzelte. Es war unglaublich wie perfekt diese Frau schien, als hätte sie geahnt was ich sagen oder tun würde. "Das dachte ich mir. Ich melde mich bei ihm. Und Grace? Gute Arbeit gestern. Wirklich." Nachdem sie aufgelegt hatte, starrte ich wieder auf meinen Laptop. Die Fotos von San Francisco wirkten plötzlich seltsam blass gegen die Intensität der letzten Nacht. Ich wusste, dass Tom die Nummer sofort nutzen würde. Und ich wusste, dass ich wahrscheinlich schneller wieder in diesem Krankenhaus landen würde, als mir lieb war. Ich nahm die Speicherkarte aus dem Slot und legte sie beiseite. Das Sortieren der Bilder musste warten. Wenn ein Rockstar sich bedanken wollte ...oder zumindest sein Bruder das behauptete, dann sollte ich vielleicht zusehen, dass ich mich frisch machte und wenigstens so tue, als hätte ich mein Leben im Griff.

      Farrow

      Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und wartete einen Moment, nachdem ich das Gespräch mit Grace beendet hatte. Es war die richtige Entscheidung gewesen, sie zuerst zu fragen. In dieser Stadt war Vertrauen eine Währung, mit der man nicht leichtfertig umging, und Grace war eine der wenigen, die nicht versuchten, jede Situation zu ihrem Vorteil auszuschlachten. Und auch meine Wertschätzung und Loyalität hatte sie sich hart erarbeiten müssen. Mittlerweile vertraute ich der chaotischen Britin jedoch mehr als Coraline. Ich griff erneut zum Hörer und wählte Tom Millers Nummer. Er nahm bereits nach dem ersten Klingeln ab, als hätte er nur darauf gewartet. "Taylor hier", meldete ich mich mit meiner gewohnt sachlichen Stimme. "Ich habe mit Grace Wilson gesprochen. Sie hat zugestimmt. Aber seien Sie gewarnt: Grace ist nicht wie die üblichen Leute, mit denen Ihr Bruder zu tun hat. Sie lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Vielleicht ist es genau das, was er jetzt braucht. Ich hoffe weiterhin auf eine angenehme Zusammenarbeit wenn alles Durchgestanden ist. Alles Gute für Sie und Ihren Bruder." Nachdem ich aufgelegt hatte, tippte ich schnell die Kontaktinfo in mein Handy und drückte auf Senden. Ich starrte noch einen Moment auf den Bildschirm, bevor ich das Telefon beiseitelegte. Das Schicksal hatte Kyle Miller ein ziemlich eigensinniges Sicherheitsnetz in Form eines britischen Freigeist zugeworfen. Jetzt lag es an den Millers, was sie daraus machten.
    • Tom

      Einen Moment blieb ich einfach sitzen und starrte auf das Telefon, als könnte es mir sagen, ob das hier gerade ein richtiger oder falscher Schritt war, Ms. Taylor nach der Nummer von der jungen Frau zu fragen. Ms. Taylor klang kompetent, vielleicht ein wenig zu sehr, aber sie schien zu wissen was sie tat. Menschen die ihren Lebensunterhalt mit Krisenmanagement verdienten, lebten davon, Dinge zu kontrollieren, ehe sie außer Kontrolle geraten. Und das sollte mich eigentlich beruhigen, tat es aber heute nicht. Ich atmete langsam aus und fuhr mir mit der Hand über das Gesicht. Kyle.. Allein der Gedanke an ihn ließ meinen Magen wieder unangenehm zusammenziehen. Gestern Nacht als ich ihm im Krankenhaus sah, sah ich nicht den Kyle den ich kenne, sondern einen ganz anderen Menschen. Zu still für jemanden der normalerweise jeden Raum mit Energie füllte. "Er scheint stabil zu sein und sie wollen ihn für eine Weile behalten. Mehr weiß ich auch noch nicht.." Und irgendwo in diesem Chaos gab es diese junge Frau, die ihn gerettet hat. Grace Wilson, war ihr Name also. Ich schnappte mir wieder den Kugelschreiber und drehte ihn zwischen den Fingern und ließ ihn schließlich auf den Tisch fallen. Farrow Taylor beschrieb sie als wäre sie etwas Spezielles- talentiert, britisch, unterinteressiert an Ruhm und Dramen. Wenn nur die Hälfte davon stimmte, dann ist sie wirklich etwas besonderes. Ich wollte sie nicht mit in die Geschichte mit rein ziehen. Aber Kyle schien es wichtig zu sein. "Vielen Dank, dann warte ich auf ihren Rückruf."
      Ich lehnte mich am Stuhl zurück und blickte durch mein Büro.. Nun dann hieß es warten und in der Zeit sollte ich mal langsam die Emails beantworten.

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      Kyle

      Die Zeit mit den Jungs war wirklich schön und ich war traurig darüber das sie schon wieder weg mussten. Aber sie hatten noch ein anderes Leben, als auf der Bühne zu stehen.
      Ich ging wieder zurück auf mein Zimmer und packte meine Sachen aus. Tom hatte wirklich an alles gedacht und sogar ein Ladekabel eingesteckt. Ich stöpselte mein Handy sofort an und ließ es auf den Nachttisch liegen. Es waren Klamotten für eine Woche drinnen.. Solange wollte ich eigentlich nicht hier bleiben.. Ich seufzte und kramte weiter in der Tasche. Ein Bild von mir und Tom fiel mir in die Hände. Ich war dankbar dafür das ich so einen Bruder habe. Er bedeutete mir alles. Mehr als dieses Rockstar Leben. Ich stellte das Bild ebenfalls auf den Nachttisch ab. Anschließend legte ich mich wieder aufs Bett und ruhte mich aus. Den restlichen Tag musste ich mir wohl irgendwie die Zeit vertreiben.

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      Tom

      Ich sortierte ein paar Emails und sah immer wieder auf mein Handy. Noch hatte sich nichts getan und ich wurde langsam nervös. "Komm schon.. Ruf an."
      Dann leuchtete das Handy auf und ich nahm es in die Hand und ging sofort ran. "Und?" Ich knabberte an meiner Lippe und atmete dann erleichtert aus als sie mir mitteilte das Grace Wilson damit einverstanden war, das ich ihre Telefonnummer bekam.
      "Keine Sorge, ich werde sie dann nicht weiter belästigen. Sie soll Kyle lediglich einen Besuch abstatten mehr verlange ich auch gar nicht." Ich lächelte aus irgendeinen Grund, als sie davon sprach das sie auf eine gute Zusammenarbeit hofft, nachdem all das überstanden war. "Ich würde mich sehr darüber freuen. Ms. Taylor. Vielen Dank und einen schönen Tag noch."
      Nachdem sie aufgelegt hatte, schickte sie mir die Kontaktdaten. "Gut Ms. Wilson dann mal los."
      Statt ihre Nummer zu wählen schrieb ich ihr eine Nachricht.
      ´Guten Morgen, hier ist Tom Miller. Ich danke ihnen dafür das ich sie kontaktieren darf. Ich möchte sie gerne nochmal daran erinnern das sie mein Bruder gerne sehen würde. Es muss nicht gleich heute sein, ich denke er wird die nächste Zeit noch eine Weile im Krankenhaus bleiben.. Mehr möchte ich nicht von ihnen. Danke schön nochmal für ihre Hilfe und bis eventuell bald.´
      Ich schickte die Nachricht ab und machte mich weiter an meine Aufgaben. Heute würde ich wohl den ganzen Tag im Büro verbringen und ich musste noch die ganzen Termine für die Gigs absagen.. Es wird wohl nicht lange dauern, bis die Presse davon Wind bekam und mich mit Fragen bombardiert. Ich stöhnte auf. Das wird etwas geben. Hoffentlich finden sie schnell heraus was Kyle hat und ich bete darum das er sich behandeln lässt..
    • Grace

      Das vertraute Surren meines Laptops war das einzige Geräusch im Raum, bis mein Handy auf dem Holztisch einen Satz machte. Pling. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Ich klickte das aktuelle Bild von der Painted-Ladies-Häuserreihe weg und griff nach dem Telefon. Als ich die Nachricht las, musste ich unwillkürlich die Stirn runzeln. Tom Miller. Er fasste sich kurz, klang höflich, fast schon ein bisschen zu vorsichtig als hätte er Angst, ich würde sofort die Flucht ergreifen, wenn er zu viel verlangte. "Es muss nicht gleich heute sein", las ich halblaut vor. "Na, das ist ja mal eine Ansage." Ich starrte auf das Display. Normalerweise hätte ich jetzt meine nächste Reise geplant, meinen Check von Farrow geholt und meine Sachen gepackt. Aber die Vorstellung, wie dieser Kyle Miller, dieser blasse Kerl von gestern Nacht, allein in diesem sterilen Zimmer hockte und auf sein Handy starrte, ließ mir keine Ruhe. Und sein Bruder klang am Telefon ...und jetzt per Text, als würde er die ganze Last der Welt auf seinen Schultern tragen. "Verdammt." murmelte ich "Grace Wilson .... du bist zu weich für L.A." Ich tippte eine Antwort:

      Guten Morgen, Mr. Miller. Keine Ursache. Ich sortiere gerade noch ein paar Fotos und plane meine nächste Reise, aber ich denke, ich schaue in den kommenden Tagen mal kurz vorbei. Beste Grüße, G. Wilson.

      Ich drückte auf Senden, bevor ich es mir anders überlegen konnte.

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      Der Weg zum St. Mary's Hospital fühlte sich länger an, als er eigentlich war. Die Sonne von L.A. brannte gnadenlos auf den Asphalt, während ich im Bus saß und meine frisch gewaschene Strickjacke fest an mich drückte. Als ich schließlich die klimatisierte Empfangshalle betrat, blieb ich erst einmal stehen und sah mich skeptisch um. Überall roch es nach diesem stechenden Desinfektionsmittel und künstlicher Frische vom Putzmittel. "Was mache ich hier eigentlich?", fragte ich mich zum hundertsten Mal. Ich war doch nur auf der Durchreise und keine Samariterin für abgestürzte Rockstars.
      Trotzdem schluckte ich meine Zweifel hinunter und trat an den Tresen. Die Empfangsdame sah nicht einmal auf, als ich vor sie trat. "Ich würde gerne zu Kyle Miller. Er wurde vorgestern Abend eingeliefert", sagte ich so diskret wie möglich.
      Jetzt hob sie doch den Kopf. Ihr Blick wanderte langsam an mir herauf und hinunter von meinen staubigen Boots über die Jeans bis hin zu meinem zerzausten Messybun. Sie zog eine Augenbraue hoch. "Besuchszeiten für die Station sind streng geregelt. Und...", sie machte eine bedeutungsschwere Pause, während ihr Blick an mir kleben blieb, "Sie sehen ja nicht gerade wie ein engagiertes Familienmitglied aus, das ihn besuchen will." Sie senkte die Stimme zu einem gehässigen Flüstern. "Hören Sie, Schätzchen, wir haben schon genug Fangirls von bekannten Patienten weggeschickt. Wo auch immer sie das wissen aber Mr. Miller braucht Ruhe, keine Autogrammjäger." Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg, aber nicht vor Scham, sondern vor Trotz. Ich lehnte mich ein Stück vor und schenkte ihr ein zuckersüßes, aber freches Lächeln. "Erstens: Ich bin weder von der Presse, noch kenne ich auch nur eine einzige Line von seiner Band. Und zweitens: Ich bin eigentlich nur hier, weil ich zu freundlich war, die Bitte nach etwas von meiner kostbaren Lebenszeit auszuschlagen. Sein Bruder hat mich eingeladen." Die Frau schnaubte, tippte aber schließlich genervt in ihren Computer. "Sie sind Miss Wilson." Ich nickte. Offensichtlich stand ich wirklich auf seiner Besucherliste. "Ausweis." Ich schluckte und zog meine Papiere aus meinen Rucksack ehe ich sie über den Tresen schob. "...Zimmer 408. Aber die Sicherheitsvorschriften für diese Station sind eindeutig: Handy und elektronische Geräte müssen hierbleiben."
      Mein Herz setzte einen Schlag aus, als sie auf meinen Rucksack deutete. "Die Kamera auch?", fragte ich entsetzt. Das schwere Gehäuse in meinem Rucksack war mein wertvollster Besitz. "Alles", sagte sie unnachgiebig und schob mir ein Schließfach-Formular hin. "Bitte gehen Sie vorsichtig damit um", betonte ich mit Grabesstimme, während ich meine Ausrüstung überreichte. "Wenn dieser Kamera etwas passiert, schuldet mir dieses Krankenhaus mehr als nur eine Entschuldigung. Ich will sie unversehrt wiederhaben."
      Als ich mich schließlich umdrehte, um zum Aufzug zu gehen, fühlte ich mich nackt ohne meine Ausrüstung. Ich sah mich suchend um. Ich konnte doch nicht mit völlig leeren Händen in ein Krankenzimmer marschieren. Mein Blick fiel auf eine Schale mit kostenlosen Zitronenbonbons auf dem Tresen. Kurzentschlossen griff ich hinein, angelte mir eines der gelb eingewickelten Dinger und steckte es in meine Hosentasche. "Anstandsgeschenk für Fortgeschrittene", murmelte ich.

      Oben angekommen, stand ich vor der schweren Holztür von Zimmer 408. Ich atmete einmal tief durch, rückte meine Strickjacke zurecht und klopfte kurz. Dann drückte ich die Klinke nach unten.
      Das Einzelzimmer war hell, fast schon unverschämt luxuriös für ein Krankenhaus, aber es wirkte durch die weißen Wände trotzdem deprimierend steril. Kyle saß auf der Bettkante. Er sah verdammt blass aus, fast so, als bestünde er nur noch aus Schatten und Umrissen. Mein Blick blieb an seinem rechten Arm hängen, wo ein dünner Schlauch zu einem Tropf führte. Die klare Flüssigkeit, die dort langsam in seine Vene rann, erinnerte mich schmerzlich daran, dass das hier kein cooler Backstage-Bereich war, sondern ein Ort für Kranke.
      Ich schenkte ihm ein etwas unbeholfenes Lächeln. Die Situation war so absurd, dass ich für einen Moment wirklich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte. Er starrte mich an, als wäre ich eine Halluzination. "Ähm... Hi...", sagte ich leise und trat einen Schritt hinein. Ich schenkte ihm ein etwas betroffenes Lächeln. Die Situation war so absurd, dass ich für einen Moment wirklich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte. Ich räusperte mich. "Entspannen Sie sich, ich bin nicht hier, um Mitleid zu verteilen. Davon haben Sie vermutlich schon genug an ihren Fersen kleben." begann ich und versuchte, meine Unsicherheit mit meinem gewohnten trockenen Humor zu überspielen.. "Ihr großer Bruder hat er so beharrlich gefragt, dass ich Angst hatte, er campiert vor meinem Hostel, wenn ich nicht wenigstens kurz nachsehe, ob Sie die Schwestern schon in den Wahnsinn getrieben haben. Also habe ich meine Fluchtpläne nach Chicago kurzfristig verschoben." Ich trat ans Bett und zog das Zitronenbonbon aus der Tasche, das ich wie eine kostbare Trophäe auf seinen Nachttisch legte. "Hier. Ein offizielles Willkommensgeschenk der Krankenhausleitung. Ich musste meine Kamera und meine Würde am Empfang abgeben, also ist das hier alles, was von meinem Budget übrig geblieben ist."
    • Tom

      Es war erstaunlich wie schnell Ms. Wilson geantwortet hatte und ich teilte Kyle gleich per Nachricht mit das sie ihm in den nächsten Tagen besuchen kommt und das er nett zu ihr ist. Kyle kann manchmal so ein Arsch sein, aber er ist immer noch mein Bruder. Auch wenn ich seine Interessen nicht unbedingt teile, stehe ich trotzdem hinter ihm.
      Nach unzähligen Kaffees, Telefonaten und Email´s später, war ich fertig für heute. Mir schwirrte der Kopf und ich war nicht bereit dafür, was die nächsten Tage noch auf mich zu kommt. Die Presse wollte mit Sicherheit eine Antwort haben und ich musste mir igendetwas gutes ausdenken.
      Doch für jetzt war es genug. Schließich durfte ich mich bei der ganzen Geschichte nicht vergessen.

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      Kyle

      Der nächste Tag brach an und ich hatte gestern nicht mehr viel gemacht, ich schaltete einfach nur durch das Fernsehprogramm. Doch dort war kaum etwas interessantes zu seinen. Wie gern würde ich jetzt zu Hause sein, zocken, neue Lieder schreiben, mit den Jungs abhängen oder mit einem Girl die Nacht zum Tag machen... All das war hier nicht möglich. Gut Lieder schreiben ja, aber nichts in diesen vier Wänden inspirierte mich dazu. Nach dem Frühstück war Visite und der Arzt wollte mit mir die Untersuchungsergebnisse durchsehen. Ich war absolut nicht bereit dafür. Was wäre das Schlimmste was er sagen könnte?

      Ich bekam keinen Bissen runter, nur einen Schluck Kaffee trank ich und wartete darauf das der Arzt in mein Zimmer kam. Er rückte mit zwei Schwestern ein und schob seine Brille auf der Nase nach oben. "Guten Morgen Mr. Miller wie geht es ihnen heute?" "Gut. Wann werde ich entlassen?", sprach ich zu ihm trocken und ohne Emotionen. Er sah auf meine Akte und seufzte. "Mr. Miller, die Ergebnisse der vielen Untersuchungen haben ergeben das sie Leukämie haben. Sie haben keinen schweren Verlauf der Krankheit, wir könnten versuchen es medikamentös zu behandeln und dann sehen wir ob es anschlägt oder nicht."
      Seine Worte drangen wie durch Watte durch meine Ohren. ´Leukämie.. keinen schweren Verlauf... medikamentös behandeln...`
      Der Doktor sah mich besorgt an. "Mr. Miller?" Ich blinzelte ein paar Mal und sah ihn an. "Es ist wichtig das wir sofort mit der Behandlung beginnen um Erfolge zu erzielen."
      Ich konnte nicht antworten. Mir blieb die Stimme weg. Ich konnte es einfach nicht glauben was er gerade gesagt hat. Ich griff nach dem Glas Wasser auf meinen Nachttisch und trank es komplett leer. Ich wischte mir mit der Hand über den Mund und blickte ihn fassungslos an. "Wir wissen wie hart diese Diagnose für sie sein muss, aber wenn wir sie nicht behandeln dann kann sie tödlich sein."
      Mein linkes Auge zuckte und ich wippte mit meinen Bein auf und ab. Dann öffnete sich die Tür und Tom kam hinein. Er sah mich an als würde ich jeden Moment zusammenbrechen, doch ich tat es nicht. Mein Blick war starr nach vorne gerichtet. Er erzählte mir das der Arzt vorher mit ihm gesprochen hatte, bevor er zu mir kam. Doch das alles interessierte mich nicht. Ich konnte es einfach nicht glauben das ich Blutkrebs habe.. Mein Bruder rüttelte an meinen Schultern um mich aus meiner Starre zu reißen. Ich sah in sein besorgtes Gesicht. "Hör zu Der Arzt hat mir gesagt wenn du die nächsten paar Tage noch hier bleibst und brav deine Medikamente nimmst, darfst du wieder nach Hause gehen.. Sie müssen das ganze zwar beobachten, aber haben die Möglichkeit aufgestellt das du das auch ambulant machen kannst. Du gehst alle paar Tage hier her, lässt dir deine Infusion geben und lässt die Tests machen und fertig. So einfach wäre es.. Nur muss der Anfang gemacht werden, Kyle.."

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      Tom

      Ich war am Boden zerstört, als ich zu Hause ankam. Mein Bruder hatte Leukämie.. mein einziger Bruder war krank.. Wie unfair konnte diese Welt nur sein? Ich ließ den Kopf auf dem Sofa nach hinten fallen, den Whiskey in der einen Hand, eine Zigarre in der anderen Hand. Ich rauchte eigentlich nicht, aber nach dieser Nachricht brauchte ich das heute einfach Mal. Natürlich habe ich es den beiden Jungs schon erzählt und beide waren außer sich.. Für mich hieß es jetzt abwarten.. Abwarten ob Kyle die medikamentöse Therapie anfängt und durchzieht. Vorhin sprach er kein einziges Wort mit mir.. Vielleicht drang ja Grace Wilson zu ihm durch, wer weiß das schon..
      Nur ich konnte jetzt nichts weiter machen und diese Hilflosigkeit brachte mich beinahe um den Verstand.

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      Kyle

      Der Tag nach der Diagnose brach an und ich fühlte mich schlecht, sehr schlecht. Die Nacht war schlaflos und ich realisierte allmählich was der Doktor und auch Tom gestern zu mir gesagt haben. Ich rappelte mich auf und ging ins Badezimmer. Im Spiegel sah ich nicht mich sondern einen anderen Menschen. Blass, fahle Haut, starre Augen und ein Tropfen Blut, welcher aus meinem Nasenloch rinn. Ich wischte ihn mir weg und trat unter die Dusche. Ich war froh das es in Krankenhäusern so Sitzmöglichkeiten in der Dusche gab, denn ich war so wackelig auf den Beinen, das ich Angst hatte ich würde umfallen.
      Die Dusche tat trotzdem sehr gut, sie war belebend, auch wenn ich immer noch nicht so aussah. Ich schleppte mich frisch angezogen aufs Bett und wartete darauf das eine Schwester kommt.
      Sie brachte das Frühstück und kam auch mit einer Infusion um die Ecke. "Also Mr. Miller wie haben sie sich entschieden?" Ich dachte die ganze Nacht darüber nach, aber ich hatte keine andere Wahl als diesen Zirkus für die erste Zeit mitzumachen. Dann konnte ich immer noch selbst entscheiden ob ich zukünftig eine Weiterbehandlung möchte. Auch wenn ich weiß was das bedeuten kann.. Ich seufzte. "Bringen wir es hinter uns." Sie legte eine Kanüle und stellte den Tropf an. Sie erklärte mir das das Medikamente sind und sie lieber intravenös gegeben werden, als oral um schneller ins Blut zu kommen. Ich nickte nur und ließ es einfach geschehen. Je eher ich hier raus kam umso besser. Appetit hatte ich trotzdem keinen.
      Einige Zeit später klopfte es vorsichtig an meiner Tür. "Ja bitte?" Die Tür fiel leise ins Schloss und ich hörte Schritte die immer näher kamen. Dann trat eine junge Frau vor meine Augen. Einen Moment starrte ich sie einfach nur an. Sie war also die junge Frau die Tom erwähnt hatte. Ich hatte nicht erwartet, das so eine Frau hier her kommt.. Ich meine sie trug staubige Boots, einen Messy Bun und die selbe Strickjacke die sie in der Nacht meines Zusammenbruches anhatte. Ich hob eine Augenbraue nach oben. Ich hoffe inständig das sie sie zwischendurch gewaschen hatte.. "Und sie sind also die Person die mein Leben gerettet hat? Ms. Wilson, nehme ich an." Ich blickte sie wieder an. "Dann vielen Dank dafür." Ich lehnte mich ein wenig nach hinten, sodass das Infusionskabel kurz an meinem Arm zog. Es war ein unangenehmes Gefühl. "Doch wieso haben sie mir geholfen? Sie hätten mich einfach liegen lassen können.. Wozu das Ganze?" Ich wollte eine vernünftige Antwort haben und keine Mutter Theresa Geschichte hören.
      Mein Blick ging zu dem Zitronenbonbon, welches sie mir auf den Nachttisch gelegt hatte. Ich sah dann wieder zu ihr. "Wow." Meine Stimme war ein wenig brüchig. Ich räusperte mich. "Ein Zitronenbonbon." Ich tippte mit dem Finger dagegen. "Die Krankenhausleitung hat sich mal wieder selbst übertroffen." Es zuckte kurz an meinem Mundwinkel. "Aber das hier.. das ist Premiumservice." Ich nahm es schließlich zwischen zwei Fingern und hob es leicht an. "Sie sind bisher die Einzige die mir Schmuggelware mitgebracht hat." Dieses Mal lächelte ich eher. "Also danke für das lebensveränderte Geschenk." Ja es klang sarkastisch und das sollte es auch sein.
      "Und was die Schwestern angeht.. Nun fürs Protokoll zwei von ihnen hassen mich bereits und die dritte überlegt es sich noch." Ich blieb vollkommen ernst bei dieser Aussage. Mir war es egal was sie von mir dachte oder ob sie Mitleid empfand oder sonst der Gleichen. Ich habe meine Pflicht erfüllt mich bei ihr zu bedanken und damit war es gut.
    • Grace

      Ich verschränkte die Arme vor der Brust und verlagerte mein Gewicht auf das linke Bein, während ich den Blick durch den Raum schweifen ließ. Überall dieses klinische Weiß. Ich versuchte einen Seufzer zu unterdrücken, als ich kurz zum Fenster starrte. "Wow...", murmelte ich kaum hörbar für mich selbst. "Und dafür habe ich mich von meiner Kamera getrennt..." Der Satz war nicht für ihn bestimmt. Meine Kamera war meine treueste Begleiterin, mein Auge, wenn mir die Worte fehlten. Sie unten in ein dunkles Schließfach sperren zu müssen, nur um hier hochzudürfen, hatte sich angefühlt, als hätte ich mir selbst einen Finger abgeschnitten. Und jetzt stand ich hier. In diesem sterilen Kasten mit einem schlecht gelaunten Rockstar, der sich aufführte wie ein trotziger Junge, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte.
      Ich schüttelte kaum merklich den Kopf, als müsste ich mich selbst ermahnen nichts Dummes zu tun, und sah ihn wieder an. Sein Blick war bohrend, fordernd und voller Misstrauen. Aber gut, wem konnte ich das in dieser öden Umgebung schon verübeln?
      "Herrje, die Sache scheint Sie ja ziemlich zu beschäftigen. Bevor Sie sich noch weitere Theorien zusammenreimen, warum ich Ihnen geholfen habe...", begann ich ruhig und hielt seinem Blick stand. "Die Wahrheit ist eigentlich ziemlich unspektakulär: Ich habe es getan, weil Sie da lagen. Zufällig hatte ich einen verdammt guten Instinkt und zwei funktionierende Beine, gepaart mit einem Rest gesundem Menschenverstand."
      Ich legte den Kopf ein wenig schief und beobachtete die minimale Regung in seinen Augenwinkeln. "Okaaay... Spaß beiseite. Ich habe zu Hause Social Case Management studiert, bevor ich mich los gemacht habe." Ich warf das so trocken ein, als wäre es eine unbedeutende Randnotiz in meinem Lebenslauf. "Dabei gewöhnt man sich an, einzugreifen, bevor jemand ernsthaft Schaden nimmt. Man entwickelt ein Talent dafür, Menschen zu lesen. Das ist fast wie fotografieren, Mr. Miller. Nur eben ohne Linse." Mein Blick glitt kurz zu dem Infusionsschlauch an seinem Arm, in dem die Flüssigkeit unermüdlich in gleichmäßigen Abständen entlang glitt, und dann wieder zu seinem blassen Gesicht. "Außerdem halte ich nichts vom Prinzip des 'es einfach gut sein zu lassen'. Und ehrlich gesagt... Sie sahen nicht gerade so aus, als hätten Sie noch ewig Zeit gehabt, auf einen besseren Samariter zu warten."
      Als er das Zitronenbonbon zwischen zwei Fingern hochhielt, als wäre es ein Beweisstück in einem billigen Krimi, hob ich eine Augenbraue. Sein Sarkasmus war scharf, aber er prallte an mir ab. In Brixton lernt man früh, dass Hunde, die besonders laut bellen, meistens nur ihre eigenen Wunden bewachen. Manche Leute tragen Lederjacken als Rüstung, er eben spitze Kommentare. "Oh, passen Sie bloß auf", sagte ich trocken und nickte in Richtung der gelben Zuckerware. "Sauer macht lustig. Nicht, dass Sie am Ende noch gute Laune bekommen oder sich an Ihrem neuen Reichtum verschlucken. Das wäre für den Tropf da sicher kontraproduktiv." Ein kaum sichtbares Lächeln zucktr über meine Lippen, als er die Schwestern erwähnte. "Und was das Personal angeht... Die Leute hier haben einen ausgezeichneten Sinn für Patienten, die nach Ärger riechen." Ich trat einen halben Schritt näher, unbeeindruckt von der kühlen Distanz, die er um sich herum aufgebaut hatte. "Sie wirken wie jemand, bei dem sich dieser Verdacht ziemlich schnell bestätigt. Also, Mr. Miller, wie sieht's aus? Wollen Sie hier drin weiter den Griesgram geben oder kommen wir langsam mal zum Punkt? Ich habe draußen ein Leben und eine Kamera, die auf mich warten, und unter uns gesagt ist mir dieses Zimmer zu öde. Es liegt an Ihnen, ob das hier ein Gespräch wird, das Ihnen wenigstens noch ein bisschen Abwechslung bietet, oder ob ich mich einfach wieder meinen Fotos widme."
    • Kyle

      Ich ließ mir ein wenig Zeit mit meiner Antwort. Ich lehnte mich ein wenig weiter nach hinten an die viel zu steifen Kissen und drehte das Zitronenbonbon immer noch zwischen meinen Fingern. Mein Blick lag immer noch auf ihr, als müsste ich überprüfen ob es bei der ganzen Sache einen Haken gibt.
      Ich schnaubte leise vor mich hin. "Social Case Management, also?" Meine Stimme war immer noch ein wenig rau, aber nicht mehr ganz so bissig wie vorhin. "Hm das erklärt wahrscheinlich warum sie hier stehen und nicht schon längst das Weite gesucht haben um ihre Reise zu machen." Ich legte das Bonbon wieder auf den Nachtisch, ohne es überhaupt zu essen. "Menschen lesen.." Ich verzog leicht den Mundwinkel, als würde mich das irgendwie stören. Mein Blick glitt ebenfalls zu den Infusionsschlauch. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich müde.. Was wohl an den Medikamenten lag, die durch meine Venen gepumpt werden. Ich sah sie wieder ernster an. "Also gut Fotografin ohne Kamera..." Ich zögerte kurz, entschloss mich aber dennoch diese Frage zu stellen. "Wenn sie so gut im Lesen sind, was sehen sie dann in mir?" Ich verschränkte die Arme jetzt vorsichtig vor meiner Brust. "Ein trotziger Rockstar, der sich wie ein Kind aufführt?" Ein kurzes trockenes Lachen entwich mir. "Das war ihr erster Eindruck von mir?" Meine Augen verengten sich ein wenig. Dieses Mal nicht um sie zu provozieren sondern rein aus Neugier. "Dann schießen sie mal los. Was sieht ihre unsichtbare Linse sonst noch?" Ich neigte den Kopf minimal zur Seite. "Und überlegen sie gut, denn ich fühle mich im Moment noch nicht wirklich unterhalten von ihnen."

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      Tom

      "Nein nein nein!" Ich riss die gesamten Unterlagen von meinem Schreibtisch. Überall flogen die Blätter durch den Raum. Ich erhielt am Morgen eine Email von der Presse mit irgendwelchen Gerüchten rund um das ´Verschwinden` von Kyle. Wie lächerlich diese Gerüchte waren, aber sie machten mich wütend, da sie den Ruf von Kyle und den der gesamten Band gefährden und zerstören können.

      Spoiler anzeigen
      Schlagzeile rund um den Frontsänger der Band Triple Distortion
      Was ist mit dem Sänger Kyle Miller passiert? Seit Tagen hört man nichts mehr von ihm und er war seit dem letzten Auftritt nicht mehr auf Social Media zu sehen. Jetzt brodelt natürlich die Gerüchteküche. Ist ihm etwas passiert oder ist er einfach nur mit einem Groupie durch gebrannt? So viele offene Fragen, doch bisher haben wir weder von ihm noch von seinem Bruder Tom Miller ein Statement erhalten. Wir können gespannt sein.


      "Was für Ratten... Die haben den ganzen Tag nichts Besseres zu tun als so etwas zu behaupten." Es war zwecklos sich aufzuregen. Irgendetwas muss ich mir einfallen lassen. Doch mir viel nur eins ein, was am vernünftigsten klang. Ich griff zum Hörer und wählte eine Nummer.
      "Ja hier ist Tom Miller. Ich wollte ihnen mitteilen das es Kyle Miller gut geht und das er sich eine kreative Pause genommen hat. Er tüftelt gerade an einem neuen Album und braucht daher alle Ruhe die er bekommen kann. Das war alles. Sie werden es bemerken wenn er wieder zurück ist. Das wars." Ich legte auf und lehnte mich in meinem Bürostuhl zurück. Ja es war das einzig logische was mir auf die schnelle einfiel. Das sollte die Gemüter beruhigen und sie können jetzt über sein neues Album diskutieren, statt andere Gerüchte zu verbreiten. Nur muss ich das jetzt noch Kyle erklären..
    • Grace

      Ich schnaubte leise, doch es war kein verächtliches Geräusch. Es war eher dieses amüsierte Kopfschütteln darüber, dass er selbst hier, an einen Schlauch gefesselt, noch versuchte, die Regie zu führen. "Hah? Sind Sie hier nicht eigentlich der Entertainer? Aber guut...", begann ich und trat einen weiteren Schritt näher, bis ich direkt am Fußende seines Bettes stand. Ich stützte meine Hände auf dem Metallrahmen ab und sah ihn an, ohne zu blinzeln. "Sie wollen also eine Analyse? Und das, obwohl Sie noch nicht einmal 'unterhalten' sind? Na dann passen Sie mal auf." Ich legte den Kopf ein wenig schief und ließ meinen Blick langsam über sein Gesicht wandern, als würde ich den Fokusring eines Objektivs nachjustieren.
      "Ich sehe jemanden, der verdammt viel Energie darauf verschwendet, so zu tun, als würde ihn das alles hier langweilen. Der Rockstar-Trotz? Das ist nur das Bildrauschen im Vordergrund, Mr. Miller. Wenn man tiefer geht, sehe ich jemanden, der Angst vor der Stille hat. Warum sonst hätten Sie sich gestern in diese Gasse verkrochen? In L.A. gibt es tausend Orte, um gesehen zu werden, aber Sie haben den einen Ort gesucht, an dem Sie verschwinden können." Ich ließ den Satz kurz wirken, bevor ich weitermachte. "Menschen kann man nur schwer auf nur einen Teil festlegen. Das ist wie der Ton in der Musik: Er muss schwingen, damit man ihn hört, und Schwingen ist eine dynamische Bewegung. Aber Ihr aktueller Ton? Der ist gerade ziemlich flach. Ich sehe ein trotziges Kind, einen getroffenen Hund ...und jemanden, der gerade in stillem Selbstmitleid suhlt." Meine Stimme wurde leiser, fast schon geschäftsmäßig sachlich. "Bloody hell, wenn man betrachtet, wie viel Aufwand auf dieser Station betrieben wird, wie sehr man sich bemüht alles steril zu halten, die streng geregelten Besuchszeiten um Sie nicht zu überanstrengen, und die Dauer Ihres Aufenthalts... dann wissen die Ärzte entweder noch nichts und das frisst Sie auf, oder Sie haben eine Diagnose erhalten, die komplett beschissen ist und Ihnen eine Heidenangst macht. That sucks,ha?" Ich hielt seinem Blick stand, die Arme nun fest vor der Brust verschränkt. "So oder so, beide Szenarien sind für einen Menschen schlimm genug, aber unter dem Druck der Öffentlichkeit... möchte sicher niemand mit Ihnen ihre Arschkarte tauschen. Rotten luck, I guess." Ich seufzte, das war wirklich wie man es drehte oder wendete eine beschissene Situation. "Sie sind so daran gewöhnt, dass Menschen etwas von Ihnen wollen, dass Sie gar nicht mehr wissen, wie man reagiert, wenn jemand einfach nur da ist. Jetzt sitzen Sie hier, eingesperrt in diesen weißen Kasten, und das Einzige, was Sie kontrollieren können, ist der Grad Ihres Sarkasmus oder ob sie das verdammte Zitronenbonbon essen oder nicht." Ich schenkte ihm ein schmales, herausforderndes Lächeln. "Wissen Sie, was das Problem mit Kameras ist? Wenn man zu lange im Dunkeln belichtet, sieht man am Ende gar nichts mehr. Nur noch Schwarz. Naa? War das unterhaltsam genug? Oder ist die Wahrheit zu viel für einen Nachmittag im Krankenbett?" Ohne seine Reaktion abzuwarten, deutete ich mit dem Kinn auf das Bonbon auf seinem Nachttisch. "Essen Sie das verdammte Ding endlich. Es ändert nichts an der Diagnose, aber es macht das Schlucken der Wahrheit ein kleines bisschen leichter." So düster es war... Ein bisschen Glukose gegen die bittere Realität -das ist das einzige Heilmittel, das ich Mr. Miller heute ohne Rezept verschreiben konnte.
    • Kyle

      Ich blieb einen Moment regungslos sitzen, nachdem sie mit ihrem Gerede fertig war. Meine Hände waren immer noch vor meiner Brust verschränkt. Ich blinzelte nicht. Mein Blick ruhte einfach nur auf ihr. Als würde ich jedes einzelne gesagte Wort noch einmal durch meinem Kopf gehen lassen. Ich musste entscheiden ob ich überhaupt darauf reagieren sollte. Dann atmete ich langsam durch die Nase aus und löste mich aus meiner Starre. "Bloody hell..", murmelte ich schließlich leise, wobei ein kaum hörbares Lachen in meiner Stimme mitschwang. "Und ich dachte schon ich wäre dramatisch.." Ich hob den Kopf ein wenig mehr und sah sie genauer an. Ich betrachte sie jetzt nicht mehr als einen Besucher, sondern jemand der sich das Recht herausgenommen hat, eine Bühne zu betreten, die nur mir gehörte. Meine Augen gingen wieder zum Nachttisch und zu den Bonbon. Dann blickte ich wieder zu ihr. "Respekt. Du hast gerade ungefähr fünf verschiedene Persönlichkeitsdiagnosen in zwei Minuten verteilt." Meine Lippen verzogen sich zu einem schiefen Grinsen. "Ich bin wirklich beeindruckt." Ich löste meine verschränkten Arme und griff nach dem Bonbon. Das Papier raschelte zwischen meinen Fingern. "Angst vor Stille.. trotziges Kind.. getroffener Hund.. Selbstmitleid.." Ich zuckte mit den Schultern. "Du hast das halbe Handbuch für tragische Rockstar- Klischees abgearbeitet." Langsam riss ich das Papier auf. Ich spürte wie sie den Blick auf das Bonbon richtete. "Fehlt eigentlich nur noch eines.. ´verkanntes Genie´." Das Bonbon verschwand in meinem Mund ich ließ den sauren Geschmack wirken. Mein Blick ruhte weiterhin auf ihr ohne etwas zu sagen. Ich rückte mich ein wenig entspannter auf meinem Bett zurecht.
      "Zufrieden?" Ich senkte den Kopf auf das Kissen. Für einen kurzen Moment herrschte Stille. Dann neigte ich den Kopf wieder zu ihr. "Sag mir eins.. Wenn du davon überzeugt bist, dass ich nur ein sarkastischer Rockstar mit Angst vor Stille bin.." Mein Blick schweifte kurz zum Fenster und dann wieder zu ihr. "Dann frage ich mich warum du zum Teufel noch hier bist? Wenn du Besseres zu tun hast."
      Die Tür des Krankenzimmers flog auf und Tom kam wütend auf uns zu gelaufen. "Hallo Ms. Wilson." Sein Blick durchbohrte meinen.
      "Wie kannst du es wagen sie so zu behandeln, nachdem sie dir dein verdammtes Leben gerettet hat?" Ich ignorierte seine Worte, hielt aber seinen Blick stand. Tom sah die junge Frau entschuldigend an, dann sah er wieder zu mir. "Du kannst mich ignorieren so viel du willst, aber ich habe genug gehört." Meine Augen weiteten sich. "Ach hast du an der Tür gelauscht oder wie?" Tom schluckte und mein Blick wurde wütend. Er fuhr sich durch die Haare. "Ich wollte dich besuchen, aber ich wusste ja nicht das Ms. Wilson heute auch hier ist. Aber anscheinend kam ich gerade richtig. Bevor du deine schlechte Laune weiterhin an ihr auslässt." Ich winkte ab. "Lasst mich einfach verdammt nochmal in Ruhe!" Ja ich schrie und ich spürte wie es in meinem Herzen schmerzte.. Aber ich wollte diese zerbrechliche Seite nicht zeigen, nicht vor ihr oder vor meinem Bruder. Tom nahm Ms. Wilsons Hand und zog sie aus dem Raum. Die Tür schlug zu und ich wischte mir die aufkommenden Tränen fort.

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      Tom

      Die Tür schloss sich hinter uns und ich ließ ihre Hand wieder los. Tränen kullerten über meine Wangen und ich wischte sie eilig weg. "T-ut..Tut mir leid, das er so zu ihnen war und das ich sie überhaupt hier her geordert habe. Ich dachte echt er meinte es ernst mit seiner Entschuldigung. aber anscheinend suchte er nur einen Sündenbock für seine Situation." Ich sah die junge Frau an. "Darf ich ihnen noch einen ordentlichen Kaffee ausgeben? ich weiß wo es den besten Kaffee in ganz L.A. gibt."
    • Grace

      Ich blieb einen Moment regungslos stehen und hielt seinem starren Blick stand. Er versuchte wirklich alles: die steife Haltung, das arrogante Kinn, dieser kühle Unterton, der jedem signalisieren sollte, dass er hier der Boss ist. Aber irgendetwas hatte sich verschoben.
      "Du?", schoss es mir durch den Kopf. Er duzte mich plötzlich. Mitten in seinem Versuch, mich mit Sarkasmus auf Distanz zu halten, war ihm diese kleine Vertraulichkeit herausgerutscht. Es war nur ein Wort, aber auf eine merkwürdige, fast schon unheimliche Art fühlte er sich dadurch nahbarer an. Als hätte er versehentlich die Tür einen Spaltbreit offengelassen, während er versuchte, sie mir vor der Nase zuzuschlagen. Oder es war genau dass, was ich glauben sollte. So oder so, auch das Spielchen konnte ich mitspielen. Ein leises Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Ich löste meine verschränkten Arme und beugte mich wieder vor, die Hände locker auf der Bettkante abgestützt, genau wie man es bei einem kleinen Jungen tun würde, der gerade stolz sein Gemüse aufgegessen hat. "Na siehst du? Geht doch", sagte ich sanft, mit einem deutlichen Funkeln in den Augen. "Fein gemacht. Das Bonbon ist weg, der Blutzucker steigt sicher gleich. Gar nicht so schlimm, ich bin stolz auf dich." Ich beobachtete, wie er das Gesicht verzog, und kicherte leise. "Was das 'verkannte Genie' angeht... hm. Also für den Titel musst du dich noch ein bisschen mehr anstrengen. Im Moment bist du eher bei 'begabter Unruhestifter' gelandet, aber du kannst dir den Titel gerne noch verdienen." Ich wurde ein kleines bisschen ernster, aber der liebevolle, fast schon mütterliche Unterton in meiner Stimme blieb, während ich ihn direkt ansah. "Warum ich zum Teufel noch hier bin?" Ich legte den Kopf schief und sah ihn so präzise an, wie ich es sonst nur durch einen Sucher tat. "Vielleicht, weil ich zwar Besseres zu tun hätte, aber nichts Wichtigeres. Ich habe dich gestern vom Asphalt gekratzt und wenn ich eine Geschichte anfange, dann schaue ich sie mir meistens bis zum Ende an ... oder zumindest bis das Licht besser wird." Ich wollte gerade noch etwas hinzufügen, als die Tür mit einer Wucht aufflog, sein Bruder hereinstürmte und die zerbrechliche Nähe im Raum augenblicklich wie Glas zerspringen ließ.

      Ich starrte auf die geschlossene Tür, während das Echo von Kyles Schrei noch in den sterilen Flur hinausdrang. Meine Hand kribbelte noch an der Stelle, an der Tom mich vorhin etwas zu schwungvoll aus dem Zimmer bugsiert hatte. Eigentlich hätte ich sauer sein müssen. Oder beleidigt. Oder zumindest froh, dass ich diesen emotionalen Hochsicherheitstrakt namens Kyle Miller verlassen durfte. Aber stattdessen spürte ich nur dieses vertraute, ungute Ziehen in der Magengrube ... das Gefühl, wenn man ein Foto schießt und genau weiß, dass der Fokus eine Millisekunde zu spät saß. Ich wandte mich Mr. Miller zu. Er sah aus, als wäre er gerade mit 180 Sachen gegen eine Wand gefahren, und die Tränen in seinen Augen machten es nicht besser. Gott, diese Miller-Brüder waren wirklich ein wandelndes Pulverfass.
      Ich schaute Tom einen Moment lang schweigend an. Er zitterte leicht, und diese Entschuldigungen für seinen Bruder schien bei ihm mittlerweile wie ein automatischer Reflex abzulaufen. "Wissen Sie, Mr. Miller", sagte ich leise und rückte meine Tasche zurecht, "...er war gar nicht so schlimm, wie Sie denken. Er hat nur... laut gedacht." Ich musste unwillkürlich lächeln, wenn ich an den Moment kurz vor Toms Hereinplatzen dachte. Kyle hatte mich geduzt. Mitten in seiner Rockstar-Verteidigungsrede war diese kleine Barriere einfach weggebrochen. Trotz seiner Bemühungen, den unnahbaren, kühlen Kerl zu mimen, der alles im Griff hat, hatte sich dieser eine Moment merkwürdig nahbar angefühlt. Als hätte er kurz vergessen, dass er eine Rolle zu spielen hatte.
      Ich biss mir auf die Lippe. Eigentlich hätte ich ablehnen sollen. Aber als ich diesen verzweifelten Amerikaner in die verweinten Augen sah wurde es mir klar. "Oh bloody Hell!" Ich war verdammt nochmal zu weich für L.A. Ich war mitten im Inbegriff mich in ein lebensveränderndes Schlamassel mit hineinziehen zu lassen. Ich seufzte schwer. "In Ordnung. Lassen Sie uns diesen Kaffee trinken. Und keine Entschuldigungen mehr, abgemacht? Ich glaube, wir beide brauchen gerade etwas, das stärker ist als Krankenhaus-Gebräu."

      Das Cafe war einige Blocks vom Krankenhaus entfernt. Zu meiner Überraschung war es ein kleiner, schummriger Laden, der so gar nicht nach dem glitzernden L.A. aussah, das man aus Zeitschriften kannte. Der Geruch von frisch gemahlenen Bohnen legte sich wie eine warme Decke über meine strapazierten Nerven. Mr. Miller saß mir gegenüber und starrte in seinen schwarzen Kaffee. Er wirkte hier, im normalen Licht der Welt, noch zerbrechlicher als im Krankenzimmer. "Also", begann ich und umschloss den heißen Becher mit beiden Händen. "Raus damit, Mr. Miller. Die Story vom Schwächeanfall und dem Stress... das ist doch Mist. Ihr Bruder hat Angst, und er hat sie nicht ohne Grund. Was haben die Ärzte wirklich gefunden?"
    • Kyle

      Mein Herzschlag beruhigte sich langsam wieder. Was fällt Tom eigentlich ein unser Gespräch zu belauschen und dann wie eine wild geworden Furie hier hinein zu stürmen? Ich atmete tief ein und aus und legte mich jetzt richtig auf mein Bett. Das war zu viel für mich.. Ich schloss die Augen und spürte wie ich langsam einschlief.

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      Tom

      Ich sah die junge Frau an und schüttelte den Kopf. "Nein er meinte es genauso wie er es gesagt hat. Ich kenne ihn schließlich mein ganzes Leben lang." Meine Augen waren immer noch mit Tränen gefüllt und ich war froh, als sie einwilligte mit mir einen Kaffee trinken zu gehen. "In Ordnung. Folgen sie mir." Ich wischte mir nochmal über die Augen.
      Wir gingen ein paar Blocks zu Fuß und die frische Luft tat gerade richtig gut. Ich konnte es einfach nicht fassen warum er so zu ihr war. Wir kamen an den schier unscheinbaren Laden an. Drinnen war ein leckerer Geruch von frisch gemahlenen Kaffee. Wir gaben unsere Bestellung auf und setzten uns an einen Tisch der etwas abgelegen war. Ich spielte an meiner Tasse herum und starrte hinein. Als sie anfing zu reden, horchte ich auf. Sie wusste mehr als sie zugab. Hatte sie Kyle wirklich in den paar Minuten durchschaut?
      Ich schluckte kaum merklich und sah nun zu ihr auf. Ich versuchte mich wieder halbwegs gerade hinzusetzten und überschlug ein Bein.
      "Hören sie Ms. Wilson...ähm Grace.. " Mein Blick war auf sie gerichtet. "Ich weiß nicht warum, aber sie scheinen mir eine sehr vertrauenswürdige Person zu sein.. Nun was meinen Bruder betrifft.. und ich bitte sie wirklich um Diskretion.." Ich hielt kurz inne, blickte durch das kleine Café um sicher zu gehen das uns niemand belauschte. Ich sortierte anschließend meine Gedanken, bevor ich weiter sprach. "Er hat Leukämie.."
      Für einen Moment sagte ich nichts mehr. Das Wort hing schwer zwischen uns in der Luft. "Wie lange er das schon hat konnte mir keiner sagen..", fügte ich leise hinzu. Ich nahm mir meine Tasse und trank einen Schluck von dem schwarzen Kaffee. "Kyle wird wohl kaum selbst darüber sprechen.. Ich weiß nicht einmal ob er es realisiert hat." Ein kurzes bitteres Lächeln huschte über mein Gesicht. "Typisch für ihn. Er will immer den Starken spielen.. Alles alleine durchstehen und niemanden zur Last fallen." Ich hob den Blick wieder zu ihr. Bis auf die Jungs und du wissen es und das reicht auch." Ich trommelte mit den Fingern gegen meine Tasse. "Ich hoffe nur das die Behandlung anschlägt und das Kyle es auch durchzieht.. Nicht das er am Ende alles schleifen lässt." Ich merkte das meine Stimme langsam brüchiger wurde. Ich räusperte mich kurz. "Der Arzt meinte wenn er die paar Tage im Krankenhaus bleibt und sie ihn medikamentös eingestellt haben, dann darf er wieder nach Hause und er muss dann halt regelmäßig ins Krankenhaus zur Untersuchung." Ich lehnte mich zurück und fuhr mir durch die Haare. "Und das macht mir Angst um ehrlich zu sein. Ich arbeite zwar von zu Hause aus, aber ich hab ihn trotzdem nicht 24 Stunden unter Beobachtung. Und ich glaube wenn ich ihn zu sehr einenge oder in kontrolliere, macht er komplett dicht." Ich fuhr mit der Hand über mein Gesicht. "Ich weiß im Moment echt nicht weiter. Vielleicht male ich mir auch zu viel aus." Ich blickte sie wieder an. "Jedenfalls danke ich ihnen nochmals dafür das sie sich die Zeit genommen haben ihn besuchen zu kommen, auch wenn es nicht so lief wie vielleicht erwartet. " Ich nahm die Tasse wieder in meine Hand und trank davon.
    • Grace

      Ich spürte, wie mir ein eiskalter Schauer den Rücken hinunterlief. Kein Wunder, dass Kyle sich in einer dunklen Gasse verkriechen wollte. Wenn deine gesamte Identität an deiner Stimme und der Performance hängt und diese plötzlich zu zerbrechen droht, ist das mehr als nur ein 'Systemfehler' das war ein gottverdammter Totalschaden.
      Ich starrte in meinen Kaffee und sah Kyle vor mir, wie er eben noch im Bett saß und versuchte, den unbesiegbaren Rockstar zu mimen, während sein eigener Körper einen Krieg gegen ihn führte. In Angesicht einer solchen Diagnose bröckelt jede Fassade, egal wie viele Goldene Schallplatten man an der Wand hängen hat. "Wissen Sie, Mr. Miller", begann ich und stellte den Becher ab, während der analytische Teil meines Gehirns die Führung übernahm. "Wenn ich eines über Leute wie Ihren Bruder weiß, dann ist es das: Er hasst es, ein Patient zu sein. Ein Patient ist passiv. Ein Patient wartet darauf, dass andere über ihn entscheiden. Aber ein Rockstar? Der gibt den Takt vor." Ich dachte an seine Worte über das Einengen und das Dichtmachen. Ich kannte diesen Typ Mensch nur zu gut. Wenn man jemanden wie Kyle Miller an die Leine legt, beißt er sie durch... selbst wenn er danach verblutet. "Er braucht keine Aufpasser. Er braucht Verbündete, die ihn nicht bemitleiden. Wenn Sie ihn kontrollieren, wird er flüchten. Er braucht jemanden, der ihm den Spiegel vorhält, ohne dass er Angst haben muss, darin ein Monster oder ein Opfer zu sehen." Ich machte eine kurze Pause. Mein Blick glitt zu meinem Rucksack, in dem meine Kamera lag, und ich dachte an das verschwommene Foto meiner Eltern unter meinem Kopfkissen. Eigentlich sollte mein Leben gerade ganz woanders stattfinden, weit weg von den Problemen fremder Menschen. Aber dann sah ich den Mann vor mir an, der kurz vor dem Zusammenbruch stand, und ich wusste, dass ich nicht einfach gehen konnte. "Sie malen sich nicht zu viel aus. Die Angst ist real", fügte ich sanft hinzu. "Aber Leukämie ist heute kein automatisches Todesurteil mehr. Es ist ein verdammt harter Kampf, absolut. Aber ein Mensch wie er ist ein Kämpfer. Das hat er mir in den zehn Minuten da drin bewiesen, immerhin hat er sich lieber auf eine Reiberei mit einer Fremden eingelassen, statt geistesabwesend Löcher in die Wand zu starren." Ich nahm noch einen Schluck vom Kaffee, der wirklich so gut war, wie Tom versprochen hatte, und schenkte ihm ein schmales Lächeln. "Kyle braucht jemanden, der keine Angst vor seinem Sarkasmus hat. Jemanden, der ihn dazu bringt, die Behandlung nicht als Gefängnis zu sehen, sondern als Tour-Vorbereitung für das wichtigste Konzert seines Lebens. Nur so wird er kooperieren. Und Sie? Sie brauchen dringend jemanden, der Ihnen hilft, den Überblick zu behalten, bevor Sie selbst im Krankenhaus landen. Dann ist nämlich niemandem geholfen." Ich stellte leise seufzend den leeren Becher ab. "Ich muss ohnehin noch meinen Check von Farrow holen", sagte ich und sah ihn nachdenklich an. "Vielleicht kennt sie eine geeignete Person für diesen speziellen Auftrag. Ich könnte sie fragen wenn Sie das wollen. Immerhin wusste Farrow ohnehin schon die Hälfte der Geschichte ...oder zumindest genug, um eins und eins zusammenzuzählen. Sie war eine der wenigen Personen in diesem Haifischbecken namens Hollywood, die Geheimnisse noch wirklich hüten konnte. Wenn jemand wusste, wie man jemanden in Kyles Leben einschleust, ohne dass die Klatschpresse Wind davon bekommt, dann sie. Aber dieser Mann hatte allen Grund mich um Diskretion zu bitten. Also würde ich es ihr auch nicht ohne Weiteres auf die Nase binden. Nicht ohne den Segen von Tom Miller.
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