"Ach, das macht nur Sinn", kommentierte Rosa. "Irgendwo muss ja die ganze jugendliche Energie hin. Ich nehme mal an, dass diese flexiblen Arbeitszeiten eure Beziehung überhaupt erst ermöglichen, mit Santis Problemen."
Santi verschluckte sich an seiner Limonade - die von seinem Vater gern selbstgemacht wurde, wenn die Obstbäume im Garten genug abwarfen, oder es ein Angebot im Supermarkt gab. Nicht etwa, weil seine Mutter seine magische Paranoia ansprach als hätte er Hämorriden oder sowas. Er hatte seine Limo beinahe über den ganzen Tisch gepustet, weil sie das Wort 'Beziehung' benutzt hatte. Sie hatten zwar gesagt, dass sie dieses Was-auch-immer, das sie da hatten, als daten bezeichnen wollten, aber das Wort 'Beziehung' fühlte sich immer noch irgendwie seltsam an.
Sein Vater klopfte ihm sanft auf den Rücken, während er leise vor sich hin hustete. Seine Mutter allerdings, plapperte einfach weiter, als hätte sie nicht bemerkt.
"Deswegen ist er auch nicht so das Partytier, weißt du? Er ist immer ganz brav nach Hause gekommen, wenn es Abendessen gab und ist danach auch nicht nochmal raus. Große Menschenmengen sind immer ein bisschen schwierig für ihn. Da kann viel passieren. Zu viele Optionen."
Sie schüttelte den Kopf und dachte wahrscheinlich an einen der vielen panischen Vorträge, die ihr von einem präpubertären Santi gehalten wurden über all die Möglichkeiten, wie man auf einem einfachen Wochenmarkt sterben konnte. Als Kind war er geradezu ein Hypochonder gewesen, bevor er das Konzept von Antibiotika begriffen hatte. Natürlich dachte Santi dieser Tage an resistente Supererreger aus den Krankenhäusern, aber das behielt er meistens für sich.
"Du kannst ihn ruhig mitnehmen, Luis. An einem guten Tag muss er auch mal raus, er macht es nur so selten."
"Mamá, bitte. Ich gehe sehr wohl aus," protestiere Santi, als er wieder normal atmen konnte.
"Insomnia-Kaffee in einem schäbigen Diner und extra Runden um den Block auf deiner Teufelsmaschine zählen nicht, mi hijo, und das weißt du ganz genau. Du musst unter Leute gehen, wenn die Möglichkeit hast. Argentinier sind nicht dazu geschaffen, allein zu sein! Wir sind Herdentiere!"
Rosa tätschelte Lewis' Arm sanft.
"Du darfst ihm das gerne vorhalten, Luis. Ihm tut es nur gut, wenn er mal ein bisschen rauskommt. Und du könntest ein bisschen Sonne vertragen, cariño*. Oh! Ihr könntet doch zusammen auf den Markt gehen! Dann kommt ihr beide mal raus, in der Sonne, unter Leute, und Santi kann alles einkaufen, um dir ein richtig gutes Essen zu grillen! ¿Qué dices a eso**, Ignacio?"
"Sí, sí. Ricardo hat neue Arbeit bei einer Fischerei. Der bringt immer gute Fische zum Markt. Ricardo kann dir bestimmt auch einen Rabatt geben."
Jetzt lehnte sich Rosa auf die andere Seite und tätschelte ihrem Ehemann den Unterarm. Sir korrigierte ihn aber nicht dahingehend, dass Santi mit Sicherheit keinen Rabatt auf frischen Fisch brauchte. Und Santi sagte nichts über den Plan seiner Mutter, Lewis ein paar Kilo auf die Rippen zu packen.
"A prospo Essen," grätschte Santi dann aber doch rein. "Was gibt's eigentlich zum Nachtisch?"
Er grinste wie ein kleiner Junge bei der Frage. Argentinier waren nicht nur Herdentiere, wie seine Mutter so stolz proklamiert hatte. Argentinier hatten auch einen Sweettooth. Und Santi liebte die Süßigkeiten, die er im Haushalt seiner Eltern abgreifen konnte. Rosa wusste das genauso gut und lächelte ebenfalls.
"Pastelitos, natürlich!" verkündete sie und das Glitzern in Santis Augen wurde noch ein bisschen heller.
"Mit Membrillo oder Batata?"
"Ich wusste nicht, wie Luis sie mag, also habe ich beide gemacht."
Jackpot!
Rosa lachte leise und schüttelte den Kopf.
"Weißt du Luis, Santi liebt Pastelitos, schon seit er ein kleiner Junge war. Egal wie schlecht sein Tag oder seine Nacht war, Pastelitos haben noch immer aufgeheitert."
"Zurecht! Du wirst es verstehen, wenn du sie probiert hast. Mamá macht die besten Pastelitos im ganzen Viertel. Nein, jetzt bin ich dran, dich verlegen zu machen! Wir haben hier regelmäßige Essen draußen im Park, wo jeder ein bisschen was mit bringt. Ein Potluck eben. Und die ganze Nachbarschaft hat beschlossen, dass mamá immer Pastelitos mitbringen muss, weil ihre einfach so gut sind. Außerdem machen Pastelitos alles besser. Das ist ein Naturgesetz."
Ignacio nickte im Hintergrund; er selbst war ebenfalls ein großer Fan der kleinen Backwaren seiner Frau.
*Liebling
**Was sagst du dazu? Santi verschluckte sich an seiner Limonade - die von seinem Vater gern selbstgemacht wurde, wenn die Obstbäume im Garten genug abwarfen, oder es ein Angebot im Supermarkt gab. Nicht etwa, weil seine Mutter seine magische Paranoia ansprach als hätte er Hämorriden oder sowas. Er hatte seine Limo beinahe über den ganzen Tisch gepustet, weil sie das Wort 'Beziehung' benutzt hatte. Sie hatten zwar gesagt, dass sie dieses Was-auch-immer, das sie da hatten, als daten bezeichnen wollten, aber das Wort 'Beziehung' fühlte sich immer noch irgendwie seltsam an.
Sein Vater klopfte ihm sanft auf den Rücken, während er leise vor sich hin hustete. Seine Mutter allerdings, plapperte einfach weiter, als hätte sie nicht bemerkt.
"Deswegen ist er auch nicht so das Partytier, weißt du? Er ist immer ganz brav nach Hause gekommen, wenn es Abendessen gab und ist danach auch nicht nochmal raus. Große Menschenmengen sind immer ein bisschen schwierig für ihn. Da kann viel passieren. Zu viele Optionen."
Sie schüttelte den Kopf und dachte wahrscheinlich an einen der vielen panischen Vorträge, die ihr von einem präpubertären Santi gehalten wurden über all die Möglichkeiten, wie man auf einem einfachen Wochenmarkt sterben konnte. Als Kind war er geradezu ein Hypochonder gewesen, bevor er das Konzept von Antibiotika begriffen hatte. Natürlich dachte Santi dieser Tage an resistente Supererreger aus den Krankenhäusern, aber das behielt er meistens für sich.
"Du kannst ihn ruhig mitnehmen, Luis. An einem guten Tag muss er auch mal raus, er macht es nur so selten."
"Mamá, bitte. Ich gehe sehr wohl aus," protestiere Santi, als er wieder normal atmen konnte.
"Insomnia-Kaffee in einem schäbigen Diner und extra Runden um den Block auf deiner Teufelsmaschine zählen nicht, mi hijo, und das weißt du ganz genau. Du musst unter Leute gehen, wenn die Möglichkeit hast. Argentinier sind nicht dazu geschaffen, allein zu sein! Wir sind Herdentiere!"
Rosa tätschelte Lewis' Arm sanft.
"Du darfst ihm das gerne vorhalten, Luis. Ihm tut es nur gut, wenn er mal ein bisschen rauskommt. Und du könntest ein bisschen Sonne vertragen, cariño*. Oh! Ihr könntet doch zusammen auf den Markt gehen! Dann kommt ihr beide mal raus, in der Sonne, unter Leute, und Santi kann alles einkaufen, um dir ein richtig gutes Essen zu grillen! ¿Qué dices a eso**, Ignacio?"
"Sí, sí. Ricardo hat neue Arbeit bei einer Fischerei. Der bringt immer gute Fische zum Markt. Ricardo kann dir bestimmt auch einen Rabatt geben."
Jetzt lehnte sich Rosa auf die andere Seite und tätschelte ihrem Ehemann den Unterarm. Sir korrigierte ihn aber nicht dahingehend, dass Santi mit Sicherheit keinen Rabatt auf frischen Fisch brauchte. Und Santi sagte nichts über den Plan seiner Mutter, Lewis ein paar Kilo auf die Rippen zu packen.
"A prospo Essen," grätschte Santi dann aber doch rein. "Was gibt's eigentlich zum Nachtisch?"
Er grinste wie ein kleiner Junge bei der Frage. Argentinier waren nicht nur Herdentiere, wie seine Mutter so stolz proklamiert hatte. Argentinier hatten auch einen Sweettooth. Und Santi liebte die Süßigkeiten, die er im Haushalt seiner Eltern abgreifen konnte. Rosa wusste das genauso gut und lächelte ebenfalls.
"Pastelitos, natürlich!" verkündete sie und das Glitzern in Santis Augen wurde noch ein bisschen heller.
"Mit Membrillo oder Batata?"
"Ich wusste nicht, wie Luis sie mag, also habe ich beide gemacht."
Jackpot!
Rosa lachte leise und schüttelte den Kopf.
"Weißt du Luis, Santi liebt Pastelitos, schon seit er ein kleiner Junge war. Egal wie schlecht sein Tag oder seine Nacht war, Pastelitos haben noch immer aufgeheitert."
"Zurecht! Du wirst es verstehen, wenn du sie probiert hast. Mamá macht die besten Pastelitos im ganzen Viertel. Nein, jetzt bin ich dran, dich verlegen zu machen! Wir haben hier regelmäßige Essen draußen im Park, wo jeder ein bisschen was mit bringt. Ein Potluck eben. Und die ganze Nachbarschaft hat beschlossen, dass mamá immer Pastelitos mitbringen muss, weil ihre einfach so gut sind. Außerdem machen Pastelitos alles besser. Das ist ein Naturgesetz."
Ignacio nickte im Hintergrund; er selbst war ebenfalls ein großer Fan der kleinen Backwaren seiner Frau.
*Liebling

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