Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • "Schade," raunte Santi, ließ sich von Lewis' Nein aber nicht allzu lange aufhalten.
      Vielmehr konzentrierte er sich darauf, eine Spur aus Küssen über Lewis' Kiefer zu ziehen. Er küsste ihn nicht direkt - da war immer noch das T-Shirt im Weg - aber er kam nahe genug heran. Er ließ Lewis' Kehle los, kratzte ihm mit der Hand über die Brust, den Bauch, stoppte aber auch hier direkt vor dem Ort, an dem Lewis ihn jetzt wohl gern hätte. Er grinste als er den Kopf hob. Dank dem improvisierten Knebel bekam er nur einen zickigen Blick anstelle der üblichen Forderungen nach mehr. Irgendwie gefiel ihm ein verstummter Lewis.
      Schließlich erlöste Santi seinen kleinen Streuner und nahm ihm das Shirt aus dem Mund. Er schob es ihm über den Kopf und ließ es achtlos in der Küche zu Boden fallen. Jetzt lag Lewis splitterfasernackt vor ihm auf seiner Küchenplatte wie ein verdammtes Festessen. Er leckte sich über die Lippen. Hätte er nicht schon gefragt, dann hätte er sich jetzt an Lewis bedient wie an einem Buffet. Stattdessen schob er den Hocker beiseite und zog Lewis zu sich, bis der mit dem Hintern genau an der Kante lag. Er schob Lewis' Knie auseinander, bis auch diese an die Kante stießen, dann leckte sich lasziv der Länger nach über Zeige- und Mittelfinger.
      "Ich hoffe, du willst heute nirgendwo mehr hin," meinte er geradezu charmant, bevor er erst einen und dann gleich den zweiten Finger in Lewis hineinschob.
      Er war nicht unbedingt sanft, aber er war auch nicht allzu gemein. Noch nicht. Er gab Lewis' Körper genug Zeit, sich an alles zu gewöhnen - aber nur gerade so. Und dann suchte er sich, mit der Präzision eines Snipers, den einen Punkt, der jeden Mann in den Wahnsinn trieb. Er löste sich vollkommen von Lewis, berührte ihn an keiner einzigen Stelle - außer diesem einen Punkt in ihm drin. Dort hielt er sich nicht zurück. Kein bisschen. Er hatte Lewis versprochen (auch wenn der ihn nicht verstanden hatte), ihm den Verstand zu rauben. Nur weil ihm der Streuner eine seiner Lieblingsvarianten dafür verneinte, hieß das noch lange nicht, dass er entwaffnet war. Santi hatte ein ganzes Arsenal zur Verfügung und er hatte keine Angst, es auch zu benutzen.
      "Eins," schnurrte er, als er seine Finger ruckartig aus Lewis herauszog, bevor er der an seinem Ziel ankommen konnte.
      Er beugte sich vor und platzierte einen frechen Kuss auf Lewis' Oberschenkel - genau da, wo ein paar blaue Flecken in der Form seiner Finger erblüht waren. Dieser Abdruck und der Bluterguss in Lewis' Halsbeuge waren so verdammt scharf...
      "Wollen wir heute Grenzen testen?" fragte Santi unschuldig.
      Lewis würde so oder so ein paar Runden aushalten müssen, die Frage war nur, wie weit er gehen wollte. Santi würde diese Entscheidung nur allein treffen, wenn Lewis ihn ließ. Das hier war immer noch ein Geben und Nehmen zwischen zwei Personen, nicht nur einer.


    • Zum Glück ließ sich Santiago bald von seiner Folter abbringen. Lewis hätte fast vor Erleichterung geseufzt, unterließ es aber mit weiser Voraussicht. Solche Reaktionen brachten ihm nie das gewünschte Resultat.
      Schließlich wurde Santiago auch des T-Shirts überdrüssig und beförderte es auf den Boden. Danach ließ er einen Blick über Lewis wandern, den er nicht anders als hungrig beschreiben konnte.
      Lewis lag gänzlich nackt vor ihm. Er fühlte sich entblößt, drapiert wie ein Austellungsstück, das man begutachten und weiterziehen konnte. Nur hatte Santiago nicht das Interesse, weiterzuziehen.
      Er leckte sich die Lippen, während er ihn betrachtete. Lewis’ Blick sprang zu seiner Zunge hinab und zu der glänzenden Feuchtigkeit, die sie auf diesen vollen Lippen hinterließ.
      Er bereute fast, nicht doch einen Blowjob zu bekommen. Fast. Selbst wenn, hätte er nicht danach gefragt.
      Santiago zog ihn darauf mit einem Ruck an den Rand und spreizte seine Beine, bis es nicht mehr weiter ging. Lewis sah mit wachsender, großer Vorfreude dabei zu, wie eine volle Zunge über zwei Finger leckte, langsam, sinnlich und verboten scharf.
      “Ich hoffe, du willst heute nirgendwo mehr hin.”
      Nicht ohne dich, Baby.
      Das war so ziemlich die letzte Frechheit, die Lewis in den nächsten Minuten über die Lippen schlüpfte. Denn Santiago hatte es sich anscheinend zum Ziel gemacht, Lewis genau das zu geben, was er die ganze Zeit vorher schon so sehr vermisst hatte. Ohne weitere Vorwarnung drang erst ein Finger in ihn ein und dann auch gleich ein zweiter, ein Schmerz, der Lewis leise zischen ließ, aber nicht so schlimm war, wie er hätte sein können. Dafür ging er in der Empfindung auf, etwas in sich zu haben, ausgefüllt zu werden, benutzt zu werden. Lewis seufzte gelöst.
      Dann zuckte er am ganzen Körper, als ihn ein elektrisierender Schauer durchfuhr.
      Ohh -
      Nur, dass es danach nicht aufhörte. Das Gefühl hielt an, eine ekstatische Welle, die seinen Körper ergriff und ihn nicht loslassen wollte, die seine Muskeln anspannen ließ und ihn in einen ganzen Schwall auch Hochgefühlen schickte. Schnell war er steinhart, seine Hüfte zuckte, sein Innerstes zuckte. Muskeln versteiften sich, ließen wieder locker, versteiften sich, zogen sich zusammen, sein ganzer Körper arbeitete auf den unwiderruflichen Höhepunkt zu. Santiago ließ nicht locker. Lewis konnte das selbstzufriedene Grinsen beobachten, während er sich um die Finger herum wand, während er Bewegung in seinen nahenden Höhepunkt brachte. Er würde nicht kommen können, das wusste er genau. Santiago würde ihn nicht kommen lassen. Er würde nicht kommen, er sollte sich gar nicht darauf einstellen. Er würde nicht kommen, er würde nicht kommen, er würde -
      “Eins.”
      Trotz allem keuchte er auf, als kurz vor der Klippe alles wieder absank, als sich die Finger ihm entzogen und die Welle der Ekstase von purer Frustration abgelöst wurden. Er hatte es ja gewusst - er kannte den Mann doch! Und trotzdem konnte er einfach seine Enttäuschung nicht zurückhalten, stöhnte auf und drückte sich Santiago fordernd entgegen.
      Natürlich war der Mann so selbstzufrieden damit, dass er genau bekommen hatte, was er wollte. Nämlich noch einen viel ungeduldigeren Lewis.
      “Wollen wir heute Grenzen testen?”
      Lewis hob den Kopf, wo er ihn auf die kühle Platte gelegt hatte. Noch war der Stein unter ihm angenehm kalt, aber er fürchtete, dass er ihn mit seiner Körpertemperatur bald erhitzen würde.
      Santiago wollte Grenzen testen. Heute? So wie Lewis es betrachtete, testeten sie jedes verdammte Mal irgendwelche Grenzen.
      Aber er wusste, was er meinte. Er wusste auch, weshalb er fragen musste.
      Lewis hielt nicht sehr viel aus, das merkte er selbst. Besonders im Vergleich zu Diego, zu den wenigen Dingen, die Santiago ihm von dem Mann erzählt hatte. Damit konnte Lewis nicht mithalten. Was Schmerzen anging, sicher, aber Santiago war kein so großer Sadist und so stand das nicht zur Debatte.
      Ob er Grenzen testen wollte. Grenzen.
      Wie ist mein Safeword?”, fragte er nach einem Augenblick. Santiago sagte es ihm ohne zu zögern.
      Und du hörst auf, wenn ich es sage? Oder? Du hörst gleich auf.
      Auch das bestätigte er ihm, natürlich. Es war immerhin Santiago, nicht Bryce.
      Lewis legte einen Arm über seine Augen, dann atmete er einmal durch. Sein Glied lag ihm schwer auf dem Bauch, aufmerksamkeitsheischend. Er ignorierte es.
      Er wollte es. Weil es Santiago war. Weil er es mit Santiago wollte.
      Okay. Ich kann das.
    • Santi begegnete Lewis' Blick mit offenem Interesse. Er hatte eine Frage gestellt und er würde die Antwort achten, da gab es gar keinen Zweifel. Es war Lewis' Entscheidung, wie weit sie heute gehen würden. Santi wäre so oder so zufrieden - und er würde sichergehen, dass Lewis das auch war. Es war unmöglich, dass einer von ihnen beiden enttäuscht sein würde.
      "Wie ist mein Safeword?"
      "Kettenreaktion."
      Santi antwortete wie aus der Pistole geschossen. Er hatte Lewis es noch nie sagen hören, wenn sie zusammen waren, aber er kannte die Bedeutung trotzdem. Es war gut, dass Lewis' auf Nummer sicher ging, dass das auch wirklich der Fall war.
      "Und du hörst auf, wenn ich es sage?"
      Santi nickte. "Ich höre mit dem auf, was ich tue. Ich unterbreche jeden Kontakt. Ich frage nach, was los ist."
      Er würde den Teufel tun und Lewis' Limits auf diese Art missachten. Er würde den Teufel tun und sich nicht darum sorgen, dass es ihm gut ging. Für ihn war es schlicht normaler Menschenverstand, auf seine Partner achten zu wollen. Insbesondere auf Lewis, der so viel mehr war als nur eine einfache Spielerei zum Dampfablassen.
      "Okay. Ich kann das."
      Santi schenkte Lewis ein sanftes Lächeln. Der Streuner schenkte ihm hier die Erlaubnis, Dinge zu tun, die ihm Spaß machten, ohne zu wissen, ob Lewis selbst sie mochte. Das Vertrauen hinter dieser einfachen Aussage...
      Er lehnte sich über Lewis und küsste ihn sanft.
      "Du weißt gar nicht, wie scharf es mich macht, dass du mir erlaubst, mit dir zu spielen," raunte er in Lewis' Ohr, bevor er ihn ein bisschen weniger sanft küsste.
      "Bleib liegen," flüsterte Santi dann und stand auf.
      Für das, was er vor hatte brauchte er die richtige Ausrüstung.
      Er beeilte sich damit, die Seile aus der Truhe ganz hinten in seinem kleinen Workout-Areal zu holen. Santi hatte eine nicht unerhebliche Sammlung angelegt, auch wenn er sie schon eine ganze Weile nicht mehr benutzt hatte. Er hatte noch nie mehr als eins oder zwei benutzen müssen - Diego war der Einzige gewesen, der ihn überhaupt mit den Seilen hatte arbeiten lassen, aber selbst er war kein Fan von den großen Installationen, die wahre Meister damit erschaffen konnten. Santi hatte seine Knoten und Muster hauptsächlich an sich selbst ausprobiert.
      Als er zu Lewis zurückkehrte, trug er eine kleine Auswahl von Seilen bei sich, die alle irgendwann einmal sorgfältig nach ihrer Beschaffenheit und Stärke ausgewählt worden waren.
      Santi trat neben die Theke, ließ seine Finger über Lewis' nackte Brust gleiten und fuhr die sanften Linien seiner Muskeln nach. Santi lächelte, als sich Lewis' Brustwarzen unter seiner sanften Berührung verhärteten. Er genoss den Moment noch ein bisschen, streichelte Lewis' Haut und genoss das Gefühl seines warmen Fleisches, bevor die Seile es einnehmen würden.
      "Ich werde dir nicht wehtun," versprach er dem Streuner, als er ihm die Seile zeigte. "Naja... ein bisschen schon, aber nicht mehr als sonst. Du musst dem Prozess ein bisschen vertrauen."
      Er ließ Lewis die Seile befühlen. Sie waren weich genug, um nicht einfach so irgendwelche Hautirritationen hervorzurufen, aber wenn man sie richtig benutzte, dann hinterließen sie wundervolle Spuren. Und wenn Santi eins gern tat, dann war es Spuren auf Lewis zu hinterlassen. Bei dem Gedanken huschte Santis Blick kurz zu dem Handabdruck an Lewis' Oberschenkel.
      Schließlich widmete sich Santi mit geübtem Auge seiner kunstvollen Fesselung. Er begann mit Lewis' Handgelenken, band sie über seinem Kopf zusammen und befestigte sie mit einem komplizierten Knoten am Griff eines der Küchenschränke. Santis Finger arbeiteten wie die eines Meisterhandwerkers und wickelten das Seil um Lewis' Oberkörper, kreuz und quer über die schlanken Muskeln seiner Brust und seines Bauches. Jeder Zug des Seils schränkte Lewis' Bewegungen weiter ein und verwandelte ihn in eine lebende Skulptur.
      Das Seil setzte seine Reise fort, umschloss Lewis' schlanke Taille und betonte seinen definierten Körperbau. Santis Hände streiften Lewis' empfindliche Brustwarzen und reizten sie, bis sie wieder hart wurden, bevor Santi tiefer wanderte, um die schmalen Hüften und den festen Hintern des Streuners zu packen. Die Art und Weise wie Santi Lewis vorhin schon überall berührt hatte, vermischte sich jetzt mit den Seilen, die Santi um den Körper des Streuners wickelte. Seine Finger hielten gelegentlich inne, um mit Lewis' Haut zu spielen, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte. Bei jedem Durchgang ließ er sich Zeit und genoss den Vorgang ebenso wie das Ergebnis.
      Santis Aufmerksamkeit richtete sich auf Lewis' Beine, er streckte sie vorsichtig und band sie so fest, dass sie leicht auseinander blieben, um leichten Zugang zu seinen intimsten Bereichen zu gewährleisten. Lewis' Haut, die jetzt mit komplizierten Seilmustern bedeckt war, glänzte von einem leichten Schweißfilm, der seine Anziehungskraft noch verstärkte.
      Als er mit seiner Schöpfung zufrieden war, nahm sich Santi einen Moment Zeit, um seine Handarbeit zu bewundern. Lewis lag vor ihm, gefesselt, entblößt und absolut bezaubernd. Die Seile umschlossen seinen Körper wie eine zweite Haut, betonten diese seltsame Schönheit, die er hatte, und schufen ein Bild, dem Santi nicht widerstehen konnte.
      "Fuck," hauchte Santi und leckte sich über die Lippen.
      Er ließ seine Hände über das gefesselte Fleisch gleiten und streichelte Lewis' Brust, Bauch, seine Arme und Beine. Santi beugte sich nach unten, seine Lippen küssten Lewis' nun sehr deutlich definierten Bauchmuskeln, sein Atem heiß auf der empfindlichen Haut. Seine Zunge schoss nach vorn und folgte einer unsichtbaren Spure, die bis zu Lewis' Hüften führte. Er leckte an der salzigen Haut, knabberte und saugte.
      Schließlich wanderten seine Hände weiter nach unten, ergriffen Lewis' gefesselte Schenkel und spreizten sie weiter, wodurch die intimsten Teile seines Liebhabers offengelegt wurden. Der Anblick von Lewis' Erektion ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen und er konnte nicht länger widerstehen.
      Er packte Lewis' Schwanz fest und streichelte ihn ein paar Mal grob. Wie sehr sehnte er sich danach, seinem Streuner jetzt einen zu blasen. Aber Lewis hatte nein gesagt und Santi würde das respektieren.
      Stattdessen ließ er seinen Daumen über Lewis' Schwanzspitze tanzen, bis der sich unter seinen Berührungen wand. Santi lächelte, während er seine freie Hand über Lewis' Körper wandern ließ und die Muster erkundete, die er überall auf seinem schlanken Körper verknotet hatte. Je mehr sich der Streuner bewegte, desto mehr reizten die Seile seine Haut – desto mehr Spuren würde er davontragen, sobald Santi ihn losband. Er würde den Streuner zum Tanzen bringen, beschloss er, sodass sich seine Seilkunst für ein paar Tage in Lewis' Haut einbrennen würde.
      "Wie fühlt sich das für dich an?" fragte Santi. "Nichts zu eng? Zu lose?"


    • Lewis blieb gehorsam liegen, stützte sich aber auf die Ellbogen auf, um Santiago hinterher zu blicken. Er wusste nicht recht, ob er nicht bereuen könnte, dass er ihm zugesagt hatte. Lewis’ und Santiagos Fantasien spalteten sich in dem Bereich, in dem Lewis der Lust hinterherjagen wollte und Santiago dem Zurückhalten dieser Lust nachjagte. Das waren zwei ziemlich unterschiedliche Vorstellungen, die sich kaum jemals vereinen ließen. So wie Lewis fand.
      Entsprechend wusste er nicht recht, ob es ihm gefallen könnte, wenn es von Santiago kam. Dieser Gedanke lichtete sich aber ein wenig, als er die Seile erblickte und grinste.
      Lewis war kein primärer Fan von Fesseln, in dem Sinn, dass er sie unbedingt haben musste, um Gefallen an irgendwas zu finden. Aber die Hände gefesselt zu bekommen und in die Unendlichkeit gevögelt zu werden? Das entsprach schon ganz eher seinem Geschmack. Nur hatte Santiago etwas zu viel Seil dabei, um ihm nur die Hände zu fesseln.
      “Ich werde dir nicht wehtun.”
      Lewis versuchte erst gar nicht, die Enttäuschung zu verbergen. Santiago sollte genau sehen, was er von dieser Tatsache hielt.
      “Naja… ein bisschen schon, aber nicht mehr als sonst.”
      Da grinste er wieder. Ein kleiner, aber bedeutungsvoller Sieg für Lewis.
      “Du musst dem Prozess ein bisschen vertrauen.”
      Was meinst du denn mit Prozess? Die Seile?
      Worin musste er denn da vertrauen? Es waren doch nur ein paar Seile, die ihn sicher irgendwo festbinden würden. Santiago dachte doch wohl nicht ernsthaft, dass Lewis sich von ein bisschen Bewegungseinschränkung abschrecken lassen würde.
      Also befühlte er die Seile, die enttäuschend weich waren, und legte sich dann wieder hin, so wie Santiago ihn anwies. Er streckte die Arme über den Kopf und legte die Handgelenke nebeneinander. Dann begann Santiago, sie zu umwickeln.
      Er brauchte irgendwie lange dafür. Er schlang die Seile um seine Handgelenke und brauchte dann eine Ewigkeit, um sie festzubinden, bevor er wieder neben Lewis auftauchte und die Seile um seine Brust brachte. Und nochmal. Und nochmal. Und über seinen Bauch und das wieder zweimal. Lewis sah ihm dabei zu und seine anfängliche Anspannung wandelte sich wieder nach und nach in Ungeduld.
      Er wusste, was Santiago da veranstaltete, begriff es dann, als er mit eigenen Augen dabei zusah, wie er sich besonders darum bemühte, die Seile an der richtigen Stelle um seinen Körper zu wickeln. Er wusste, was er tat, das hieß aber nicht, dass er es gut finden musste. In seiner Vorstellung hatte Santiago ihn schon vor fünf Minuten festgebunden und angefangen, ihn zu quälen.
      Aber es zog sich, so wie alles sich bei dem Mann ziehen musste. Lewis konnte nicht viel mehr tun als stillzuhalten und ihm dabei zuzuschauen, wie er seine Reise über seine Beine fortsetzte, das weiche Seil dabei trotzdem so verflucht kratzig auf seiner empfindlichen Haut. Wie hatte er so sensibel werden können in der kurzen Zeit? Das war doch sonst nicht seine Art. Santiago berührte ihn und fuhr mit seinen Seilen über seine Schenkel und Lewis gab unzufriedene Laute von sich. Wenn er ihm doch wenigstens richtig wehtun würde! Das war irgendwie… nur eine halbe Sache und dafür mindestens doppelt so frustrierend.
      Er hielt es aus, bis Santiago sich letztendlich aufrichtete. Der Mann ließ seinen Blick über Lewis’ Körper wandern - seinen ganzen Körper - und hauchte dann ein leises, fast erfurchtsvolles “Fuck”. Da hob Lewis den Kopf und besah sich, was der Mann mit ihm angestellt hatte.
      Sein Körper war von lauter Seilen umgeben, als würde er sie wie Kleidung tragen. Sie wanden sich über seinen Oberkörper und schlängelten sich wie Schlangen seine Beine hinab, wo sie sein Geschlecht seltsam betonten, ohne es jemals zu berühren. Es sah… komisch aus. Lewis fühlte sich komisch. Er sah Santiagos Blick auf ihm und eine Gänsehaut brach auf seiner Haut aus. Eine unangenehme.
      Lewis hatte wirklich nichts gegen Fesseln. Er hätte sich am ganzen Körper fesseln und dann ficken lassen, bis ihm die Tränen kamen, wenn es nach ihm ging. Das war genau sein Ding.
      Aber das hier? Das war so… intim. Er fühlte sich mit einem Mal so nackt, dabei war er doch eigentlich weniger nackt als zuvor. Er fühlte sich so… bloßgestellt. Santiagos Blick ausgeliefert und dabei wusste er nicht, wieso ihn das so störte - was ihn daran so störte. Es war doch so wie sonst auch und doch hatte er plötzlich das selbe unangenehme Gefühl, das ihn auch bei einem Blowjob überkam. Dabei wusste er nicht, wieso er jetzt gerade an blowjobs denken musste. Santiago hatte ihn extra gefragt, ob er einen haben wollte.
      Er runzelte die Stirn und bewegte sich ein wenig in den Fesseln. Auf eine Bewegung folgte das Gefühl von dutzenden Seilen, die über seine Haut glitten und ihn doch nicht wirklich rühren ließen. Für seinen Geschmack waren es zu viele Seile, die ihn dort überall berührten. Er war noch immer unfassbar empfindlich von… nichts eigentlich.
      Da beugte sich Santiago hinab, küsste seinen Bauch und leckte mit der Zunge eine Spur nach unten. Die prickelnde Empfindung der feuchten, weichen Zunge vermischte sich für einen Moment mit der aufkeimenden Sorge, dass der Mann ihm doch einen blasen würde, einfach nur, weil Lewis sich nicht dagegen wehren konnte, was nichtmal annähernd in seinem Sinn stand. Das war nicht die Art von Benutzung, die er haben wollte. Er öffnete auch schon den Mund, um das zu sagen.
      Da hörte der andere auch schon auf und legte eine Hand um sein Glied. Lewis zuckte ganz automatisch, als er fest zupackte und ein paar Mal rieb, genug, dass es ein wenig schmerzte, genug, dass Lewis von der angenehmen Empfindung seufzte. Da war wieder alles für den Moment in Ordnung. Sowas wollte er.
      “Wie fühlt sich das für dich an? Nichts zu eng? Zu lose?”
      Lewis sah ihn an und bewegte sich noch einmal, diesmal gezielter. Er zog mit seinen Händen, die sich nicht nur rührten, sondern seine ganzen Arme nichtmal wirklich bewegen ließen. Das Seil schnitt ihm dabei ein wenig in die Haut, aber nicht sehr viel. Viel zu wenig eigentlich. Dann versuchte er auch, seine Hüfte zu bewegen, was ähnlich unmöglich war und gleich noch viel mehr Seile in Bewegung brachte. Und schließlich zog er an seinen Beinen, die er nur ein wenig mehr spreizen konnte. Aber das war es auch schon wieder. Er war völlig verpackt und zugeschnürt und keins der Seile tat wirklich weh. Also saßen sie viel zu locker.
      Aber irgendetwas hinderte ihn daran, es Santiago zu sagen. Es würde ihm sicher gefallen, wenn die Seile schmerzten, wenn sie ihn daran erinnerten, dass er hier nicht weg konnte, dass er Santiago gänzlich ausgeliefert war. Aber nicht mit diesem weichen, absonderlichen Blick, den der andere draufhatte. Der ihn richtig nervös machte.
      Gut, glaube ich. Passt gut.
      Er bewegte sich noch einmal, wand sich ein bisschen. Die Seile gaben an keiner Stelle nach.
      Du… wirst mich doch ficken, oder? Nicht die ganze Zeit nur anstarren?
      Das wäre ihm wesentlich lieber als dieses Blowjob-Gefühl, das er ihm damit die ganze Zeit schon vermittelte.
    • Lewis klang nicht besonders überzeugt von allem. Es war eine neue Erfahrung für ihn, sagte sich Santi, und schob eine Hand durch Lewis' Haare.
      "So gern ich meine Arbeit auch bewundere, nein, ich werde dich nicht nur anstarren," antwortete er mit einem schiefen Lächeln.
      Er beugte sich über Lewis, küsste seine Brust. Er schob eine Hand unter einen Knoten, der geradezu harmlos unter Lewis' Rippen lag.
      "Weißt du, was das Schöne an Shibari ist?" fragte er und platzierte einen weiteren Kuss. "Wenn man es richtig macht, dann kann die kleinste Bewegung an einem Ende eine ziemlich große Wirkung an einer anderen Stelle haben."
      Er packte den Knoten und zog daran. Die Seile um Lewis' Brust zogen sich zusammen. Und weil Santi die gleichen Seile dazu benutzt hatte, Lewis' Beine an den Knien zu spreizen, wurden sie genau dort nach oben gezogen. Was wiederum dafür sorgte, dass Lewis' Knöchel an den eigentlichen Fesseln zogen. Und das war nur eine der vielen Kombinationen, die sich Santi hier zurechtgelegt hatte. Eine der harmloseren. Santi hatte durchaus daran gedacht, dass Lewis es mochte, wenn man ihm wehtat. Neben dem geradezu sanften Druck dieser Seile hatte er auch einige Knotenpunkte so gelegt, dass sie sich auf weniger angenehme Weise in Lewis' Körper drückten, sollte er daran ziehen.
      "Es funktioniert genauso wie deine Bäume," raunte Santi und küsste sich über Lewis' Brust nach oben. "Nur dass sich keiner der Knoten auflöst. Und sie dir nicht die Zukunft voraussagen. Ich muss nicht einmal dran ziehen."
      Mit einem frechen Grinsen lehnte sich Santi auf Lewis Brust, presste den schlanken Körper gegen die Marmorplatte darunter - nur dass gleich unter Lewis' Schulterblättern zwei dicke Knoten etwas dagegen hatten. Bequem konnte das nicht sein - sollet es ja aber auch nicht.
      "Wenn du's nicht magst, dann sag's mir. Ich hab keinen Spaß an solchen Spielereien, wenn du keinen hast. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber aus dem gleichen Grund magst du es doch auch nicht, wenn ich dir einen Blowjob gebe. Wir beide wissen, ich kann dir auch ohne hübsche Muster den Verstand rausvögeln."


    • Lewis beobachtete Santiago ganz aufmerksam. Da war jetzt dieses schelmische Glitzern in seinen Augen, das Lewis viel mehr gefiel als der Blick, mit dem er ihn zuvor bedacht hatte. Dieses Glitzern zeugte von Schandtaten, die der Mann geplant hatte, und mit sowas konnte Lewis umgehen.
      Da zog er an einem Seil unterhalb von seinen Rippen und zog damit irgendwie an den Seilen um Lewis’ Knie. Seine Beine wurden an den Seilen zurückgezogen, aber die Fesseln um seine Knöchel wurden nicht mitgezogen. Sie spannten sich, bis sie seine Beine in eine Richtung und Santiago sie in die andere ziehen wollte. Die Fesseln seiner Knöchel gruben sich schmerzhaft in seine Haut.
      Da seufzte Lewis. Ja, das hier war wirklich etwas, womit er umgehen konnte.
      “Es funktioniert genauso wie deine Bäume”, erklärte Santiago weiter und das Thema seiner Magie sollte definitiv nicht so sexy sein, wie es Santiago in diesem Augenblick wirken ließ. Zur Demonstration lehnte er sich nämlich auf Lewis und der ächzte auf, als sich zwei dicke Knoten unter seine Schulterblätter hinein bohrten.
      Ja, das war was anderes. Definitiv was anderes. Lange würde er hier sowieso nicht liegen können, bis sein Rücken von der Mamorplatte schmerzte und das war auf jeden Fall gut. Sein Schwanz zuckte dabei interessiert.
      "Wenn du's nicht magst, dann sag's mir. Ich hab keinen Spaß an solchen Spielereien, wenn du keinen hast. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber aus dem gleichen Grund magst du es doch auch nicht, wenn ich dir einen Blowjob gebe. Wir beide wissen, ich kann dir auch ohne hübsche Muster den Verstand rausvögeln.”
      Ich mag’s nur nicht, wenn du mich so sanft anfasst. Oder mich so anschaust wie ein scheiß Gemälde. Ich habe ein Loch, also benutz es auch für deinen Schwanz.
      Er wollte mit dem Hintern wackeln, um es ihm zu zeigen, aber nicht viel mehr als ein paar zuckende Bewegungen bekam er nicht hin.
      Dafür ist es immerhin da. Dafür musst du nicht so…. gefühlvoll sein.
    • Mit einem gespielt empörten Gesichtsausdruck, verpasste Santi dem Streuner einen kleinen Klaps auf die Brust.
      "¡Ey! ¡Soy argentino! ¡Todo lo que hacemos, lo hacemos con pasión*! Über mein Essen beschwerst du dich doch auch nicht. Und ich hab dir schonmal gesagt, dass ich dich niemals wie einen Gegenstand behandeln werde."
      Es störte ihn enorm, dass es Lewis so einfach fiel, sich selbst auf so wenig zu reduzieren. Irgendwann würde er dem Streuner schon noch klarmachen, dass er die Erlaubnis hatte, sich als mehr als nur das zu sehen.
      "Du willst, dass ich dich nicht so sanft anfasse? Okay."
      Santi richtete sich auf und erlöste Lewis von dem Druck auf die Knoten an seinen Schulterblättern. Er griff sich das Ende des Hauptseils, das er benutzt hatte, und zog einmal kräftig daran, sodass sich die gesamte Seilkonstruktion verengte und in Lewis' Haut schnitt. Dann band er das Seil fest, damit auch nichts verrutschte, bis er es nicht so wollte.
      Er ging um die Kücheninsel herum, bevor er vor Lewis' Kopf stand. Er legte ihm eine Hand unter den Hinterkopf, vergrub seine Finger in den langen Haaren.
      "Weißt du... du solltest aufhören, dich mit Diego zu vergleichen. Der Mann hat keine Seele. Keine Passion."
      Santi zog an Lewis' Haaren bis der den Nacken überspannen musste. Ein Teil von ihm hätte jetzt gern diese große Klappe, die der Streuner da hatte, für sich selbst benutzt, aber dafür hatte er ihn nicht richtig positioniert. Schade. Er würde seinen Spaß schon noch haben.
      "Ich habe die Seile so gebunden, dass sie bei jeder Bewegung über deine Haut reiben. Da mag jetzt nicht viel mehr als störend sein, aber in zehn, zwanzig, dreißig Minuten, wirst du ein schickes Muster aus Seilbrand auf deiner Haut tragen. Sag Bescheid, wenn es zu viel wird."
      Santi ließ den Streuner los und sammelte dessen T-Shirt vom Boden auf. Er faltete es fahrig zusammen und schob es ihm unter den Kopf. Schmerzen waren ja schön und gut, aber sie mussten nun wirklich kein Schädeltrauma riskieren.
      Als wäre es nichts, als greife er bloß nach seiner Kaffeetasse, schloss Santi seine Finger erneut um Lewis' bestes Stück. Er streichelte Lewis sanft, geradezu gedankenlos, während er sich einen der Barhocker heranzog und sich wieder setzte. Er stützte den Ellenbogen auf die Marmorplatte, lehnte sein Kinn darauf.
      "Bei wie vielen waren wir?" fragte er, als wüsste er das nicht selbst ganz genau.










      *Hey! Ich bin Argentinier! Alles, was wir tun, tun wir mit Leidenschaft!


    • Lewis funkelte Santiago mit mindestens der gleichen Empörung an.
      Vielleicht will ich wie ein Gegenstand behandelt werden. Ein schönes Spielzeug zum benutzen und ficken. Du musst es nur auch mal tun.
      Und da schien er Santiago wohl wenigstens soweit zu haben, dass der sich aufrichtete.
      "Du willst, dass ich dich nicht so sanft anfasse? Okay.”
      Jetzt konnte Lewis sich endlich mal entspannen, denn dieser Blick war endgültig aus Santiagos Augen gewichen und stattdessen lag dort sein typischer Raubtier-Blick. Vielleicht hatte er ihn auch zu sehr provoziert. Er bereute es aber keineswegs, als Santiago das gleiche Seil noch einmal packte und es mit einem Ruck zog.
      Sämtliche Seile um seinen ganzen Körper zogen sich mit einem Mal zusammen. Lewis keuchte auf, als die Seile in seine Arme, seinen Brust, seinen Bauch, seine Hüfte, seine Beine, in alles gleichzeitig hineinschnitten. Der Schmerz war brennend aber plötzlich, er tat genug weh, dass Lewis sich zu winden versuchte - nur konnte er sich jetzt keinen Zentimeter mehr rühren. Und das ging schon viel eher nach seiner Vorstellung, der konstante Schmerz, der ihm das Liegen erst richtig unangenehm machte, aber genauso schnell auch wieder in heiße Lust überging. Er stöhnte leise, als er sah, wie Santiago das Seil festband. Vielleicht würde er ja doch noch seine Schmerzgrenze erforschen können.
      Langsam kam er um die Tischplatte herum. Lewis leckte sich die Lippen.
      "Weißt du... du solltest aufhören, dich mit Diego zu vergleichen. Der Mann hat keine Seele. Keine Passion."
      "Er soll aber ziemlich heiß sein, wenn er bettelt, hab ich gehört."
      Dafür erntete er sich einen harschen Zug in seinen Haaren, der ihn zischen ließ. Santiago hielt seinen Kopf so weit hinten, dass sein Nacken schmerzte und er sogar bis zur Tischkante blicken konnte. Wo sich unter der Hose eine ziemlich deutliche, pralle Beule abzeichnete.
      Er grinste, leckte sich wieder die Lippen. Zu schade, dass er da nicht drankam - auch nicht mit den Fingern. Natürlich versuchte er es.
      "Ich habe die Seile so gebunden, dass sie bei jeder Bewegung über deine Haut reiben. Da mag jetzt nicht viel mehr als störend sein, aber in zehn, zwanzig, dreißig Minuten, wirst du ein schickes Muster aus Seilbrand auf deiner Haut tragen. Sag Bescheid, wenn es zu viel wird."
      "Klar, Baby", schnurrte er zurück. So ein bisschen Schmerz konnte Lewis ganz schnell wieder ganz gefügig machen.
      Santiago schob ihm noch in seiner fürsorglichen Art sein Shirt unter dem Kopf, dann machte er es sich wieder zwischen Lewis' Beinen gemütlich. Richtig gemütlich, denn so, wie es für Lewis aussah, wirkte der Mann, als würde er sich für ein ruhiges Teekränzchen hinsetzen. Dass er dabei Lewis' Schwanz in die Hand nahm und ihn ein bisschen streichelte, tat dem ganzen Bild nichts ab. Wenn überhaupt, bekräftigte es sogar noch.
      "Bei wie vielen waren wir?"
      Lewis rührte sich ein bisschen. Er probierte sich darin aus, ob er seine Hüfte Santiago und seiner verflucht langsamen Hand etwas entgegenstrecken konnte, aber der Mann hatte genau gewusst, wo er ihn festbinden musste. Er konnte zucken, aber wie vorhergesagt schnitten ihm bei der Berührung nur die Seile noch mehr ins Fleisch.
      Nach einem Moment Überlegung antwortete er mit:
      "Zwei."
      Santiago starrte ihn an. Lewis hatte den Kopf gehoben und starrte zurück. Sein Schwanz stand zwischen ihnen aufrecht und willig.
      Er hielt dem Blick vielleicht drei Sekunden stand, Lewis wollte sich aber einbilden, dass es sogar fünf waren. Der Mann hatte doch sicher eine halbe Stunde damit verbracht ihn einzuwickeln, hätte doch gut sein können, dass er es vergessen hatte! Lewis wollte kein Brat sein, er war ja nur ein bisschen opportunistisch.
      "Man, ich hab nur Spaß gemacht. War nur ein Scherz! Wir sind bei eins."
    • "Zwei."
      Santi hob eine Augenbraue. Sie wussten beide, dass das eine Lüge war, aber Santi war gespannt, wie lange Lewis versuchen würde, um sich selbst zu verbessern. Er zählte die Sekunden. Eins... zwei... drei...
      "Man, ich hab nur Spaß gemacht. War nur ein Scherz! Wir sind bei eins."
      "Also machen wir fünf," beschloss Santi, als ob Lewis ihm eine vollkommen andere Frage beantwortet hatte.
      Er beugte sich nach vorne und ließ seine freie Hand über Lewis' entblößte Brust gleiten, wobei er mit den Fingern über die empfindlichen Nippeln fuhr. Lewis sehnte sich nach Schmerzen, aber es war viel einfacher, ihn mit Sanftheit in den Wahnsinn zu treiben.
      Santi lehnte sich wieder zurück und positionierte sich wieder zwischen Lewis' gespreizten Beinen. Sein eigenes Geschlecht wehrte sich mit aller Macht gegen die Jogginghosen, die er trug, aber er ignorierte das für den Augenblick.
      "Ich weiß, dass du meinen Schwanz da drin haben willst," Santi ließ einen Finger zwischen Lewis' Arschbacken sinken, "Aber zuerst will ich mit dir spielen."
      Er ließ seine Hände sanft an den Innenseiten von Lewis' Oberschenkeln entlanggleiten. Nur langsam steigerte er die Intensität und verpasste ihm hier und da einen leichten, dann einen etwas härteren Klapps, sodass seine Oberschenkel warm wurden und sich schöne rote Abdrücke auf seiner blassen Haut bildeten. Er vermied Lewis‘ Schwanz und Eier, da er wusste, dass das zu viel Stimulation auf einmal wäre.
      "Das gefällt dir, was? Deine Haut reagiert so verdammt gut", spottete Santi einem mit leisem Schnurren.
      Er hatte nur Augen für die Spuren, die er auf dem Streuner hinterließ.
      Er verpasste Lewis' Schenkeln eine Reihe schneller, heftiger Schläge, die sie gereizt und leicht geschwollen zurückließen.
      "So verdammt hübsch..."
      Er hob den Kopf und lächelte Lewis an, wobei sein Gesichtsausdruck wohl eher dem eines vorfreudigen Raubtieres entsprach. Er hatte viel zu viel Spaß mit all dem hier.
      "Du gehörst mir," raunte er, "und ich werde sicherstellen, dass du das auch weißt."
      Santis sadistische Ader kam zum Vorschein, als er die Spuren seiner Handarbeit auf Lewis' Haut sah. Er wollte wirklich seine Spuren auf dem Mann hinterlassen, den Streuner wirklich als den seinen brandmarken.
      Mit geschickten Fingern löste er die Seile, die Lewis' Handgelenke festhielten, ließ aber den Rest des Shibari-Musters intakt. Lewis' Arme fielen an seine Seiten, seine Hände waren nun frei zum Erkunden.
      "Berühre dich selbst, aber nur, wenn und wie ich es dir befehle", befahl Santi. "Nippel zuerst, weil du das ja so toll findest. Mach es sanft, bis ich dir was anderes sage."
      Santi beobachtete ihn mit scharfen Augen. Er konnte nicht widerstehen und schob eine Hand in seine Jogginghosen, umfasste sein eigenes Geschlecht. Er berührte sich selbst im Takt von Lewis' Bewegungen.
      "Genau so. Jetzt härter, spiel mit diesen hübschen Nippeln."
      Er grinste, wohlwissend dass das nicht das war, was Lewis wirklich tun wollte. Aber wer wäre Santi, wenn er so leicht klein beigeben würde? Nein, Lewis musste sich jedes Bisschen Erfüllung verdienen. Und Santi war entschlossen, das ganze in harte Arbeit für den Streuner zu verwandeln.
      "Halt," befahl Santi nach einer Weile. "Nimm deinen Schwanz in die Hand. Aber wage es ja nicht, deine Hand zu bewegen. Halte ihn einfach fest und spüre das Gewicht deines Verlangens."
      War das ein bisschen zu poetisch? Vielleicht. Santi war das gehörig egal.
      Er nahm seine Hand aus seiner Hose.
      "Jetzt bereite ich dich auf meinen Schwanz vor. Du wirst mich tief in dich aufnehmen und jede verdammte Sekunde davon lieben."
      Damit schob Santi seine Finger in Lewis' Mund und bedeckte sie großzügig mit dem Speichel des Streuners. Dann neckte er Lewis' Loch, umkreiste den engen Muskelring und ließ nur die Spitze seines Fingers hineingleiten. Lewis' Körper spannte sich um den Eindringling herum an, was Santi erneut zum Lächeln brachte.

      Santi ließ sich gehörig Zeit mit jedem einzelnen Edge, den er Lewis durchleben ließ. Normalerweise ließ er den Streuner nur kurz abkühlen, bevor er ihn wieder auf die Spitze trieb, doch dieses Mal arbeitete er sich langsam nach oben und dann auch wieder nach unten. Er behielt Lewis für eine halbe Ewigkeit auf der Kücheninsel gefangen, bis dessen Haut mehr rot als blass war. Die Seile hinterließen wundervolle Spuren auf dem Körper des Streuners - Spuren die einige Tage brauchen würden, um zu verheilen.
      Als Belohnung dafür, dass sich Lewis so gut benommen hatte und dafür, dass er sich etwas Neues mit Santi getraut hatte, sorgte Santi dafür, dass der Streuner gleich dreimal kam, verteilt über einen ähnlichen Zeitrahmen wie die Edges. Santi selbst kam mit ihm.
      Am Ende hatte Santi kaum dir Kraft, sich von und aus dem Streuner zu lösen, doch er tat es trotzdem. Er löste die Seile vorsichtig, küsste jede Stelle, an der sich ein Knoten in den Körper des Streuners gebohrt hatte. Sie blieben ein paar Minuten sitzen, bevor sie genug Atem geschöpft hatten, um sich einer Dusche zu stellen. Mit einem Schmunzeln trug Santi den Streuner, als er sah, wie wackelig der auf seinen Beinen stand.
      Er nahm sich alle Zeit der Welt, Lewis von allen möglichen Köperflüssigkeiten zu befreien und sein Nervensystem durch sanfte Berührungen wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Nach der Dusche packte er ihn ungebremst ins Bett, setzte sich selbst hinter den Streuner und wickelte sie beide fest in eine Decke ein.
      "Diego sah nicht halb so gut aus wie du, wenn ich das mit ihm gemacht habe," raunte er dem Streuner ins Ohr und setzte einen sanften, hauchzarten Kuss in Lewis' Halsbeuge - wo er ihn während ihres Spiels mindestens dreimal gebissen hatte.
      Die Halbmonde von Santi's Zähnen reihten sich gut in das restliche Kunstwerk ein, das Santi auf dem Streuner hinterlassen hatte.


    • Fünf war gar nicht mal so schlecht, befand Lewis, als Santiago ihm mit irritierender Sanftheit über die Brust strich. Fünf hatte er schonmal geschafft, er würde es wieder schaffen. Das sollte Grenzen auskosten sein? Das war ja wohl ein Witz. Allerdings behielt er diese Gedanken lieber bei sich, bevor ihn sein Großmaul noch weiter in die Scheiße reiten konnte.
      Santiago setzte sich zurück zwischen seine Beine und schwand damit aus Lewis' Blickfeld, als der den Kopf zurück auf die Steinplatte legte.
      "Ich weiß, dass du meinen Schwanz da drin haben willst. Aber zuerst will ich mit dir spielen."
      Lewis konnte sich den ungeduldigen Nörgelton nicht verkneifen, mit dem er sein Becken nach vorne und Santiagos Finger entgegen zu schieben versuchte. Der Mann sollte verflucht sein für seinen Willen, immer alles so verdammt langsam haben zu wollen. Nichts, aber absolut rein gar nichts hielt ihn davon ab, jetzt mit voller Wucht in Lewis reinzustoßen und sich zu holen, was er doch selbst ganz offensichtlich haben wollte. Wie konnte er sich da noch zurückhalten? Lewis beneidete und verfluchte ihn gleichermaßen für diesen eisernen Willen.
      Er ergab sich den Händen, die zunächst viel zu sanft über seine Schenkel strichen, bis sie anfingen, ihn mit roten Abdrücken zu versehen. Es war ein brennender, stechender Schmerz, der ihm nur kurz durch den Körper fuhr, bevor Santiago mit der flachen Hand über die gleiche Stelle strich und es ein bisschen besser werden ließ. Der Schmerz verwandelte sich sofort in heiße Lust, unter der Lewis zuckte und stöhnte, ohne es dadurch besser zu machen. Die Seile gruben sich in seine Haut, wenn er sich vor der Hand wegzudrücken versuchte, und vervielfachten die Empfindung nur noch. Das war, was er haben wollte. Und Santiago schien genau zu wissen, wie er es wollte.
      "Das gefällt dir, was?"
      "Fuck ja", stöhnte er ungehalten zurück.
      "Deine Haut reagiert so verdammt gut."
      Santiagos tiefes Schnurren ließ seinen Schwanz zucken, oder vielleicht war es auch der nächste Schlag, der seine Welt in köstlichen Schmerzen aufgehen ließ. Lewis hatte kaum Zeit sich davon wieder zu erholen, da folgten gleich mehrere dieser Schläge, scharf und hart und qualvoll auf seiner sowieso schon gereizten Haut. Lewis zog an seinen Seilen und wimmerte von dem Schmerz, der gleichzeitig so köstlich war, dass die Empfindung geradewegs zu seinem Unterleib zog. Die Seile drückten in seine Haut und Tränen formten sich in seinen Augenwinkeln. Der Schmerz war perfekt.
      "So verdammt hübsch..."
      Lewis hob den Kopf ein wenig, um Santiago lächeln zu sehen. Der Mann konnte wirken, als wäre er ein wildes Tier, das sich gleich auf seine Beute stürzen würde - auf Lewis. Aber so geil er das auch fand, war das - höchst merkwürdige - Kompliment völlig fehl am Platz. Unruhig bewegte sich Lewis in seinen Seilen. Dass er hübsch war wollte er wirklich nicht hören, wenn er hier so entblößt und Santiago ausgeliefert auf dem Tisch lag. Das war... merkwürdig.
      Zum Glück ging der Mann nicht weiter darauf ein. Mit einer schnellen Bewegung löste er Lewis' Handgelenke und gab sie frei, aber nicht mehr als das. Sein Blick war gierig, als er damit auf Lewis hinab blickte, und Lewis war noch so scharf von dem pulsierenden Schmerz in seinen Schenkeln, dass es ihn nur noch weiter anturnte. Er liebte diesen Ausblick auf Santiago und wie der ihn seinerseits von oben herab betrachtete.
      "Berühre dich selbst, aber nur, wenn und wie ich es dir befehle. Nippel zuerst, weil du das ja so toll findest. Mach es sanft, bis ich dir was anderes sage."
      Sanft? Lewis stöhnte gequält, tat aber wie geheißen, ganz allein für die Möglichkeit, Santiagos hungrigen Blick zu sättigen. Er umkreiste seine Nippel vorsichtig, langsam, bevor er sie zwischen die Finger nahm. Santiagos Blick schien sich daran festzufressen, ehe er wahrhaftig die Hand in seine Hose schob. Die eindeutige Bewegung unter dem Stoff gab Lewis den Ansporn, sich ein wenig deutlicher zu berühren, dem Befehl mit mehr Nachdruck nachzukommen. Dass Santiago sich je selbst berühren würde, hätte er nicht gedacht. War es doch um diesen eisernen Willen geschehen, um den er ihn so beneidete? Aber als Lewis härter mit sich wurde und sich daran erinnerte, was er eigentlich haben wollte, kam auch schon gleich die Ungeduld wieder und mit ihr ein wissendes Lächeln, das sich auf Santiagos Gesicht legte. Oh dieser verdammte... Egal, wie er das schaffte, Lewis in den Wahnsinn zu treiben, er bekam es sogar dann hin, wenn er nicht einmal selbst die Hand an ihn anlegte. Lewis verfluchte ihn dafür und fand es zeitgleich unfassbar scharf.
      Er kam auch der Aufforderung nach, die Hand um seinen Schwanz zu legen, und hoffte darauf, dass Santiago sah, wie rot er schon war, wie vernachlässigt, wie sehr Lewis nichts anderes wollte als endlich zu kommen. Aber Santiago wäre nicht Santiago, wenn er ihm einen einfachen Ausweg gegeben hätte. Stattdessen gab er ihm wenigstens die eine Sache, die er haben wollte und drang nach kurzer Vorbereitung mit einem tiefen Stoß in ihn ein.
      Lewis hatte gedacht, die fünf edges würden nicht schlimm werden, aber da hatte er zum einen nicht mit einberechnet, wie viel Zeit Santiago wahrlich mit einem edge verbringen konnte, und zum anderen hatte er unterschätzt, wovor Santiago ihn bei den Seilen gewarnt hatte. Bislang war es zwar unangenehm auf der Platte geworden, aber aushaltbar. Das änderte sich nach dem zweiten verweigerten Höhepunkt, als sein Rücken zu schmerzen begann und auch der Schmerz der Seile zunahm. Seine Haut wurde sensibel dort, wo die Seile über sie strichen, und machten alles nur noch schlimmer damit. Brennender Druck lag auf seinem ganzen Körper und er bereute bereits ein bisschen, anfangs noch so ein Großmaul besessen zu haben und Santiago dazu gebracht zu haben, sie fester zu ziehen. Wie viel er jetzt getan hätte, um seine Fesseln zu lockern, aber natürlich ließ Santiago ihn nicht. Stattdessen musste er Lewis nach dem dritten Mal wieder die Handgelenke fesseln, weil der es nicht mehr aushielt. Es war zu viel. Seine Grenze war eigentlich schon erreicht, das jammerte er immer wieder, während Santiago ihn gnadenlos weiter bearbeitete und zurück auf die Spitze trieb. Nach dem vierten Mal heulte er und gab Santiago sämtliche Versprechungen der Welt, was er für ihn tun würde - oder sich von ihm antun lassen würde - wenn er ihn nur kommen lassen würde. Ein einziges Mal, nur ein einziges Mal. Stattdessen bekam er einen fünften edge und schrie in seiner Frustration.
      Der Orgasmus, der dem folgte und endlich seine Belohnung war, traf ihn dafür umso heftiger. Lewis war sich vage bewusst, wie er Santiagos Namen schrie, als seine Welt in eine gleißende Ekstase explodierte, die ihm völlig jeden Realitätssinn nahm. Er kam lange und heftig und war danach zumindest anwesend genug, um mitzukriegen, wie Santiago ihn mit meisterlicher Präzision wieder nach unten trieb, um ihn dann noch einmal aufsteigen zu lassen. Lewis hätte gar nicht gewusst, dass er es noch einmal konnte, als ihn der nächste Höhepunkt traf, weniger hart, aber dafür nicht weniger intensiv, ein Orgasmus, bei dem seine Augen nach hinten rollten. Beim dritten Mal war er schon so erledigt, so erschöpft, dass er kaum mehr ein Stöhnen hinbrachte. Er zuckte nur und keuchte und ging auf in dem Orgasmus, den Santiago ihm dafür schenkte. Der Mann hatte sich bis zuletzt mit endloser Ausdauer und Kraft in ihn hinein getrieben und ließ sich erst am Ende auf Lewis sinken. Sie beide rangen nach Luft und das eine ganze Weile lang. Schließlich begann Santiago Lewis zu befreien.
      Lewis' Körper war ein einziges Schlachtfeld aus roten Striemen, die sich über seinen gesamten Körper zogen. Er hatte überall nur noch Schmerzen und das stimmte ihn so zufrieden, wie er in seinem ganzen Leben noch nie gewesen war. Er war weich in Santiagos Armen, als der ihn zur Dusche trug und mit sanften, fast zärtlichen Berührungen sauber machte. Er ließ ihn machen, so zufrieden mit der Situation, das Hirn noch zu weggevögelt, um überhaupt an irgendwas zu denken. Santiagos manövrierte sie beide ins Bett und dann lag Lewis im Warmen an eine breite Brust gelehnt, zufrieden und vollkommen glücklich. Sein Körper pochte noch immer, er würde sicher den Muskelkater des Jahrhunderts davontragen, seine Haut war von den vielen Reizen ganz sensibel und das Phantom von Santiagos Schlägen würde er auf seinen Schenkel sicher noch ein ganzes Jahr lang spüren. Kurz gesagt war er im Himmel angekommen.
      "Diego sah nicht halb so gut aus wie du, wenn ich das mit ihm gemacht habe", raunte Santiago da hinter ihm und Lewis konnte sich einfach nicht das Grinsen verkneifen, das ihn da überkam. 1:0 für Lewis. Innerlich zeigte er dem exotischen Model, den er für Diego hielt, den Finger. Das hatte er jetzt davon.
      "Das war der beste Sex meines Lebens", schnurrte er und drehte sich unter großem Aufwand, um die Arme um den größeren Leib zu schlingen. Dabei hatte er noch nichtmal untertrieben, das war der beste Sex seines Lebens. Und das hier, an den Mann gekuschelt im warmen Bett zu liegen, war das beste Gefühl seines Lebens. Vor ein paar Monaten noch hatte er sich nicht für einen Kuschel-Typ gehalten, aber jetzt hielt er es für unausweichlich. Dafür fühlte es sich nach einem Sex wie diesem viel zu gut an.
      "Haare", murmelte er in die Brust hinein und einen Moment später schoben sich schon sanfte Finger durch seine Strähnen. Lewis seufzte vergnügt, während Santiago ihm seinen Kopf kraulte. Er streckte sich lang und dann bewegte er sich gar nicht mehr. Es ging ihm dort, in Santiagos Schoß, viel zu gut, als dass er noch weiter wach geblieben wäre. Er schlief ein und das tief und fest und gänzlich zufrieden.
    • "Gern geschehen," gab Santi mit einem selbstzufriedenen Lächeln zurück.
      Er gab Lewis den Platz, um sich neu auszurichten, wie der es für richtig hielt, dann schlang er seine Arme wider um den malträtierten Körper des Streuners. Auf Lewis' Wunsch hin schob er dann eine Hand in die wilde, noch etwas nasse Mähne und kraulte ihn wie üblich, bis er eingeschlafen war.
      Santi schlug die Decke beiseite und betrachtete das Netz aus roten Striemen, die seine Seile auf der Haut des Streuners hinterlassen hatten. Als er Lewis losgemacht hatte und dann auch noch einmal unter der Dusche hatte er sich alle angeguckt, um sicherzugehen, wie er sich um den Seilbrand zu kümmern hatte. Lewis hatte sich ziemlich viel bewegt und er hatte die Seile ziemlich fest gespannt, weswegen es so einige gegeben hatte, die Santi nach der Dusche wenigstens ein bisschen behandelt hatte. Geblutet hatte nichts, aber ein paar Stellen waren doch ziemlich wund.
      Santi gab sich eine halbe Stunde, um selbst ganz runterzukommen, sein Meisterwerk zu bewundern und Lewis' Nähe zu genießen, bevor er vorsichtig aufstand. Er schlüpfte in ein paar saubere Jogginghosen sammelte seine Seile ein, die er einfach bei der Kücheninsel hatte liegen lassen, und wickelte sie wieder ordentlich auf, räumte sie weg. Und weil es sich um seine Kücheninsel handelte, auf der sie gerade so viele Untaten begangen hatten, machte er sich auch daran, seine Küche zu putzen. Als er damit fertig war, machte er sich daran, ein leichtes Mittagessen zuzubereiten.
      Er war gerade dabei, abzuspülen, als sein Telefon vibrierte. Seine Mutter rief an.
      "Hola mamá! ¿Cómo estás?"
      "Oh, estoy bien. ¿Que estás haciendo en este momento?"
      "Küche aufräumen. Ich hab gerade Mittagessen gemacht."
      "Muy bien. Wo wir gerade über Essen reden: wann kommst du mal wieder zum Abendessen vorbei, mi hijo?"
      Santi schmunzelte und sah zu Lewis rüber, der immer noch tiefenentspannt in seinem Bett lag und leise vor sich hin schnarchte.
      "Wie wär's mit heute?"
      "¡Sí! ¡Sí! Ich geh's gleich deinem papito sagen, der muss noch einkaufen gehen."
      "Ihr geht extra einkaufen?"
      "Por eso pregunto. Was willst du essen?"
      "Das überlasse ich dir, mamá. Aber... hätten wir Platz für eine weitere Person?"
      "Ooohh! ¿Quieres traer a tu amigo?"
      "Lo estoy pensando, sí. Ich hab ihn noch nicht gefragt, aber er weiß, dass du mir das Kochen beigebracht hast."
      Santi hielt sein Smartphone ein Stück von seinem Gesicht weg, als seine Mutter am anderen Ende der Leitung lauthals nach seinem Vater brüllte und ihn darüber informierte, dass Santi plante, ihnen Lewis vorzustellen. Er konnte sogar die Antwort seines Vaters leise im Hintergrund hören. Der war wahrscheinlich wieder im Garten am werkeln.
      "Sag du deinem Lewis, dass wir ihn gern willkommen heißen, ja?"
      "Mach ich. Und ich komme so oder so vorbei, egal wie er antwortet. Ich kann ja schlecht Nein zum besten Essen der Stadt sagen."
      "Ahora me estás halagando demasiado."
      "No digo nada más que la verdad. Meine mamá hat mich dazu erzogen, ehrlich zu sein."
      "Bromista. Te amo, hijo mío. Entonces te veré esta noche."
      "Yo también te amo. Hasta esta noche."
      Santi legte sein Smartphone wieder weg und machte sich daran, Lewis mit einer ordentlichen Tasse Kaffee aufzuwecken. Beziehungsweise mit dem Lärm, den seine super tolle Kaffeemaschine veranstaltete, wann immer sie die frischen Bohnen mahlte. Mit einer Tasse in jeder Hand ging er dann zurück zu seinem Schlafzimmer und ließ sich neben Lewis auf die Bettkante sinken.
      "Aufwachen, callejero. Neunzig Minuten sind lange genug für ein Nickerchen."
      Er stellte die Tassen auf dem Nachttisch ab und lehnte sich dann vor, um Lewis im Nacken zu küssen. Einer der wenigen Orte, an denen er keine Spuren hinterlassen hatte.
      "Ich hab auch Kaffee dabei."


    • Lewis wachte erst zu dem Dröhnen der Kaffeemaschine und im Anschluss dann zu seinem liebsten Bild auf: Santiago, wie er mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf der Bettkante saß. Der Mann küsste ihn kurz in den Nacken und Lewis streckte sich darauf gemütlich. Das war ein schönes Leben.
      "Ich hab auch Kaffee dabei."
      "Überredet."
      Es war eigentlich kaum Mittag, trotzdem fühlte es sich wie ein zweiter Morgen an. Lewis setzte sich schläfrig auf und spürte gleich das Ziepen in seinem Gesäß, das Pochen seiner Schenkel und obendrauf das Brennen der vergangenen Seile. Und das war erst recht ein schönes Leben.
      "Tut immernoch weh", verkündete er strahlend und schnappte sich seine Tasse Kaffee. Er nahm einen kurzen Schluck und blickte dann zum ersten Mal richtig an sich herab. Vorhin war er noch zu hirntot gewesen, um irgendetwas mitzukriegen, jetzt konnte er fasziniert die hellroten Striemen verfolgen, die noch immer gut sichtbar auf seiner Haut waren. Er liebte den Anblick. Zu wissen, dass auch noch Santiago dafür verantwortlich war, war noch viel besser.
      "Man, ich hoffe das bleibt einen Monat lang sichtbar. Und dann werden wir's wiederholen müssen."
      Vielversprechend wackelte er mit den Augenbrauen und rutschte dann auch an die Bettkante. Zumindest konnte er richtig sitzen, was aber auch schade war. So ein wund geschlagener Hintern konnte für so manch süße Erinnerung herhalten.
      Santiago lockte ihn bald mit gutem Essen in die Küche, die in der Zwischenzeit von sämtlichen Schandtaten befreit worden war. Lewis hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass er sich so sehr verwöhnen ließ und dann noch nicht einmal beim Aufräumen half. Santiago verhätschelte ihn einfach und er ließ es sich sogar noch gefallen.
      Beim Essen eröffnete ihm der Mann, dass er plante, zum Abendessen seine Eltern zu besuchen und ob Lewis mitkommen wollte. Lewis machte große Augen, halbwegs zum Spaß, halbwegs ernst gemeint.
      "Ist es schon soweit mit uns? Wir stellen uns unseren Eltern vor? Man, das wird eine einseitige Sache, ich weiß nichtmal wo meine Alte vergraben ist."
      Sein Humor ging ein bisschen in die Hose. Santiago nahm die Familiensache ernster als er.
      "Aber mal ernsthaft, ist das gut? Ich meine... klar, ich würde deine mamà echt gerne mal kennenlernen, aber geht das so einfach? Muss ich mir dafür nicht einen Anzug anziehen? Und spanisch lernen? Weiß sie denn überhaupt, dass ich... ich bin? Soll ich Parfüm auflegen, damit man das Gras nicht riecht?"
    • Santi lachte leise und strich mit einem Finger über einen der Striemen an Lewis Hüfte.
      "Du hast ziemlich viel gezappelt. Ich denke, du dürftest ein paar Wochen was hiervon haben, ja."
      Er lehnte sich vor und küsste einen weiteren, knallroten Streifen auf Lewis' Schlüsselbein, bevor er aufstand und sich seine eigene Tasse schnappte.
      "Ich hab Mittagessen gemacht," meinte er, "Nichts besonderes, nur ein bisschen Fingerfood. Aber du isst was, bevor die Stunde rum ist, klar?"
      Er konnte Lewis ja nicht so zurichten und dann nicht sicherstellen, dass sein Körper auf die nötige Energie hatte, mit dem Schaden umzugehen. Da war es vollkommen egal, wie sehr der Streuner es mochte, wenn ihm alles wehtat.
      An der Kücheninsel sitzend brauchte Lewis ihn dann noch einmal zum Lachen, aber dieses Mal war kein leises Kichern.
      "Callejero, du weißt wirklich nichts über argentinische Familien!" rief er aus und schob sich ein Stück Mango in den Mund.
      Dann wandte er sich Lewis zu, sodass ihre Knie leicht aneinander stießen, und legte eine Hand geradezu beschwichtigend auf Lewis' Knie.
      "Es ist vollkommen egal, wie du das, was wir miteinander haben, bezeichnen willst. Bei uns gilt je mehr, desto besser. Dass ich ein Einzelkind bin gleicht einem ziemlichen Wunder. Dafür sitzt die ganze Nachbarschaft regelmäßig zusammen. Du musst dir nichts anziehen, was du nicht auch tragen willst, du musst kein Spanisch lernen. Irgendeinen künstlichen Duft musst du auch nicht auspacken - du riechst überhaupt nicht nach Gras. Was wahrscheinlich daran liegt, dass du in den letzten achtundvierzig Stunden keinen einzigen Joint geraucht hast. Und bevor du was sagst: Ja, das schreibe ich mir auf die Flagge! Ich nehm das als Kompliment, dass du dich bei mir so entspannen kannst, dass du keine Hilfe von außen brauchst. Ist auch ein erstes Mal für mich, also behalte ich das."
      Mit einem Grinsen schob sich Santi noch ein Stück Mango in den Mund.
      "Mit meiner mamá hast du eigentlich den Jackpot gelandet. Die mag jeden, der es freiwillig in meiner Nähe aushält," fuhr er entspannt fort, auch wenn der Inhalt seiner Worte eigentlich recht ernst war. "Sie ist eben typisch Mutter: Sie will, dass ich glücklich bin."
      Santi zuckte mit den Schultern.
      "Ich hab meinen Eltern nicht gesagt, dass du auch Magier bist. Sowas mach ich nicht. Ist dein Ding, wem du das erzählst und wem nicht. Aber sie sind entspannt was das angeht. Sind eigentlich alle in ihrer Nachbarschaft. Die beiden wissen, dass wir uns bei der Arbeit kennengelernt haben. Für meine Eltern arbeite ich im privaten Sicherheitssektor - und dabei bleibts auch, ¿claro? Meine Eltern werden nicht in unseren Scheiß mit reingezogen. Sie sind gute Leute, haben ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet."
      Santis Blick fand den von Lewis. So sehr er den Streuner auch mochte, so sehr er sich auch zu ihm hingezogen fühlte wegen all der Dinge, die dieser Kerl ihm gab, seine Familie würde immer an erster Stelle kommen. Er würde nicht zögern, Lewis aus dem Fenster zu schmeißen, sollte der es wagen, seinen Eltern schaden zu wollen. Als er sicher war, dass Lewis das verstanden hatte, wandte sich Santi dem Rest seiner Mango zu.
      "Sei einfach du selbst und dann wird das schon. Vielleicht ein bisschen weniger fluchen, aber der Tipp ist eher für deine eigene Gesundheit. Meine mamá beherrscht die hohe Kampfkunst der chancleta, und das jagst selbst mir Angst ein - wenn ich zurechnungsfähig bin!"
      Santi schüttelte sich theatralisch, wobei ihm durchaus ein paar Momente durch den Kopf huschten, in denen seine Mutter mit erhobener Schlappe in seine generelle Richtung gefuchtelt hatte. Wahrlich furchteinflößend.


    • Lewis lauschte Santiago mit einiger Skepsis. Eine argentinische Familie zu haben schien ihm irgendwie angenehmer als eine amerikanische, wobei er nicht ganz den Finger darauf legen konnte. Vielleicht von der Art, wie freimütig Santiago davon redete und wie er dem Besuch ehrlich entgegen zu blicken schien. Lewis wusste nicht, wann er jemals so gerne nachhause gekommen wäre. Sicher, irgendwann war seine Mutter gestorben und dann war der Haushalt sowieso irgendwie in die schiefe Bahnen geraten. Und letzten Endes war es sowieso nur Jay, der auf allen Ebenen für ihn übrig geblieben war. Aber selbst Jay weckte nicht so große Freude in Lewis, um sie mit jemand anderem derart zu teilen.
      Das war irgendwie niedlich. Man konnte sich schon fast davon anstecken lassen.
      "Mit meiner mamá hast du eigentlich den Jackpot gelandet. Die mag jeden, der es freiwillig in meiner Nähe aushält."
      "In deiner Nähe aushalten? Meine drei Orgasmen müssen dir schon zu Kopf steigen."
      "Sie ist eben typisch Mutter: Sie will, dass ich glücklich bin."
      Lewis runzelte die Stirn.
      "Das ist typisch Mutter, ja? Das ist ja... weiß nicht. Ich hab das irgendwie anders erwartet."
      Santiago fuhr fort mit einem kleinen briefing darüber, wie die Sache zugehen würde. Lewis nickte derweil und machte sich gedanklich schon ein Bild davon. Seine Eltern hielten ihn erstmal für irgendeinen Kerl, der Santiago bei der Arbeit kennengelernt hatte - im privaten Sicherheitssektor. Soweit so gut. Sie wussten nichts von seiner Magie, aber sie wären dem offen gegenüber. Ob er es ihnen erzählen wollte? Das wusste er selbst nicht so genau. Andererseits hatten sie mit Santiagos Schicksal wohl schon erfahren, wie schlimm es sein konnte. Im Gegensatz zu Santiago war Lewis' Magie ja fast ein Kinderspiel.
      Dass er seine Eltern aus seinem Job heraushalten wollte, war vollkommen nachvollziehbar für Lewis.
      "Klar, ich halt den Mund. Kein Apollo, keine wahnsinnige Verfolgungsjagd, kein irgendwas. Ich hab auch nicht vor, über den Job zu reden."
      Santiago bedachte ihn höchst eindringlich, weshalb Lewis das Bedürfnis hatte nachzuschieben:
      "Wirklich nicht. Ich werd' doch keiner armen argentinischen Hausfrau erzählen, was du in der Federal angestellt hast. Das kannst du ruhig selbst machen."
      "Sei einfach du selbst und dann wird das schon. Vielleicht ein bisschen weniger fluchen, aber der Tipp ist eher für deine eigene Gesundheit. Meine mamá beherrscht die hohe Kampfkunst der chancleta, und das jagst selbst mir Angst ein - wenn ich zurechnungsfähig bin!"
      "Die hohe Kampfkunst der was? Scheiße, jetzt hab ich ja selbst schon Angst vor ihr. Oh - ich meine natürlich... verflixt! Verflixt und zugenäht, hah! Das könnte eng werden, aber ich versuch mein bestes. Deinem Ruf alle Ehre, aber ich muss jetzt doch noch einen ziehen."
      Er rutschte vom Hocker, tätschelte Santiagos Wange und ging an ihm vorbei zu seiner Vorrats-Schublade. Dort zog er sein Tütchen hervor und begann auf dem selben Fleck, wo er vor gerade mal zwei Stunden noch Santiagos Namen geschrien hatte, als er gekommen war, seinen Joint zu rollen. Das Resultat knipste er sich an und steckte es sich zwischen die Lippen.
      "Dann machen wir das, ein Abendessen mit mamá und papá. Man, ich hab noch nie jemandes Eltern kennengelernt, das ist das erste Mal. Das ist irgendwie aufregend für mich. ... Ich hab nichtmal Essmanieren! Ich muss mir nachher mal ein paar Videos reinziehen, bevor wir fahren. Wohin geht's überhaupt? Fahren wir mit dem Bike oder dem Auto?"
    • "Chancleta. Badeschlappe. Wenn sie die in die Hand nimmt, dann weißt du, dass du verkackt hast. Das, oder der hölzerne Kochlöffel, aber mit dem fuchtelt sie eigentlich nur rum, wenn sie dir einen Vortrag hält."
      Santi schüttelte lachend den Kopf. Er war sich ziemlich sicher, dass eine Mutter niemals auf die Idee kommen würde, den Mann zu bedrohen, der ihren Goldjungen glücklich machte. Viel eher würde er die chancleta an den Kopf geworfen bekommen dafür, dass er Lewis nicht die ganze Welt zu Füßen legte.
      Er schob sich das letzte Stück seiner Mango in den Mund, als Lewis seinen Joint anzündete. Die vielen Psychologiebücher, die Santi in seinen schlaflosen Nächten gelesen hatte, verreiten ihm, dass Lewis tatsächlich nervös war, seine Eltern zu treffen. Und das nach einer Schießerei und Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagd quer durch New Yorks Innenstadt. Santi konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.
      "Wir nehmen das Bike. Gibt keinen Grund, mir dafür ein Auto zu beschaffen. Ich muss ja keinen Teenie in schrillen Klamotten rumkutschieren."

      Sie ließen es ruhig angehen für den Nachmittag. Hauptsächlich lagen sie auf der Couch und kuschelten, fummelten ein bisschen. Zwischenzeitlich lagen sie auch draußen auf der Dachterrasse, kuschelten, fummelten ein bisschen mehr. Es war, als müssten sie die Tage aufholen, die sie mit Selbstverteidigungstraining und furchteinflößenden Ausstrahlungen verbracht hatten. Santi war das nur recht. Nach dem Mittagessen hatte er seine mamá kurz geschrieben, dass Lewis Ja gesagt hatte und heute Abend mitessen würde. Ab da hatte er sein Smartphone geflissentlich ignoriert und seine Hände einzig und allein damit beschäftigt, mit Lewis' Haaren zu spielen oder die roten Linien auf dessen Körper nachzufahren.
      Am Abend dann warf er sich in ein paar bequeme, dunkle Jeans und ein Hemd - nichts ausgefallenes, alles eher leger. Lewis war tatsächlich nervös genug, um ihn zu fragen, was er anziehen sollte, woraufhin Santi ihm die Arme um die Hüften legte und ihn so lange so dreckig küsste, bis Lewis seine eigenen Gedanken vergaß.

      Santi drehte eine kleine Zahl an extra Runden, um seine professionelle Paranoia zu befriedigen, bevor er in da Viertel abbog, in dem seine Eltern lebten. Es dauerte nur ein paar Sekunden und die moderne Metropole von New York war geradezu vergessen. Ersetzt wurde sie durch bunte Fensterläden, Blumen, Straßenlaternen. Die Leute in dieser Gegend hatten sich die Straßen zu eigen gemacht auf eine Art, die man nur in engmaschigen Communities fand. Es waren natürlich nicht nur Argentinier. Hier lebte alles, was Spanisch sprach: Puerto-Ricaner, Kubaner, Mexikaner, sogar ein paar tatsächliche Spanier. New York war eben doch ein kleiner Schmelztiegel, selbst in solch eindeutigen Nachbarschaften.
      Santi drosselte seine Geschwindigkeit, als sie die Hauptstraße verließen. Sie zogen vorbei an winzigen aber liebevoll gestalteten Vorgärten, einem kleinen Park mit einem Schrein für die Heilige Mutter Maria, der von dutzenden brennenden Kerzen hell erleuchtet war. Selbst die Luft hatte sich verändert: der typische Straßensmog war durch eine Mischung an Gewürzen ersetzt worden; irgendwo hatte jemand das Fenster offen und kubanische Gitarrenklänge hallten leise durch die Straßen. Wie überall in New York war auch hier was los. Viele Menschen waren noch auf den schmalen Straßen unterwegs - auf dem Weg zum Abendessen mit Freunden oder Familie oder sogar schon auf dem Rückweg. Kinder spielten in dem kleinen Park, aber auch mitten auf der Straße, und machten schnell Platz, als Santi und Lewis auf dem Motorrad vorbeirollten. Ein Junge hatte einen Hund dabei, der ohne Leine unterwegs war, aber seinen Menschen genug liebte, um ihm auch so zu folgen. Santi liebte diese Stimmung.
      Santi parkte vor dem kleinen Haus seiner Eltern. Wie der Rest der Nachbarschaft war es bunt - dunkelblau, auch wenn die Farbe hier und da ein bisschen bröckelte. Sein papito hatte sich den Blumen in den Fensterkästen und denen in dem großen Topf vor der Tür gewidmet - sie sahen viel ordentlicher, aber auch ausgedünnter aus, als beim letzten Mal, als Santi hier gewesen war. Santi kümmerte sich nicht darum, sein Bike abzuschließen oder gar seinen Helm mitzunehmen. Er bedeutete Lewis, das Gleiche zu tun. Die Helme würden hier schon nicht wegkommen, und wenn doch, dann würden sie schnell zu finden sein. Hier kannte sich jeder beim Vornamen.
      "¡Mamá! ¡Papito! ¡Estamos aquí!" rief Santi, als er ohne zu zögern die Haustür öffnete und eintrat.
      Ihnen schwappte eine Welle aus aromatisierter Luft entgegen, die ein ordentliches Abendessen vermuten ließen. Dazu kamen die verräterischen Geräusche von jemandem, der eindeutig in der Küche hantierte.
      Sofort schlich sich ein Lächeln auf Santis Gesicht. Er schlüpfte aus seiner Jacke und hängte sie an die Garderobe, die er mit seinem papito zusammen gebaut hatte, als er in der Middleschool gewesen war, bevor er durch den schmalen Flur in Richtung Wohn-/Esszimmer ging. Besagter Flur war gefüllt mit Blumenvasen - alle frisch gefüllt - und die Wände waren voller Bilder von Santis Familie - sowohl die, mit denen er blutsverwandt war und die noch in Argentinien lebten, aber auch von den Leuten hier, die ihn mit aufgezogen hatten, so wie sie alle Kinder hier im Viertel mit großzogen. Die Bilder waren der Beweis für das, was Santi Lewis noch vor ein paar Stunden erklärt hatte: Argentinier hatten große Familien, auf die ein oder andere Weise.
      "¡Ah! ¡Santiago, hijo mío!" rief seine Mutter aus der Küche, als sie ihn mit einem Blick über die Schulter sah.
      Santiago hielt sofort auf sie zu, legte einen Arm um die kleine Frau, und drückte ihr einen Kuss auf die Wange - eine Geste, die sie kopierte.
      "Mamá, das ist Lewis. Lewis, das ist meine mamá Rosalia."
      "Oh, bitte, Rosa reicht vollkommen!"
      Die kleine Frau drückte Santi ohne zu zögern den Löffel in die Hand, mit dem sie stetig in ihrer Pfanne herumgerührt hatte, und schloss Lewis ohne zu zögern in ihre Arme. Ihre Haut war dunkler als die von Santi. Man sah ihr ihr Alter an, aber sie trug es gut. Ihre Haare waren noch nicht grau, sondern von einem tiefen Braun. Sie trug sie in einem lockeren Pferdeschwanz, hinten im Nacken. Santi hatte ihre Nase.
      "Schön, die endlich kennenlernen zu dürfen, Luis."
      Sie betonte Lewis' Namen wie alles andere auch mit ihrem spanischen Akzent, den sie nie verloren hatte. Wie auch, wenn sie sich beinahe ausschließlich auf Spanisch mit Santis Vater unterhielt.
      Santi beobachtete die Interaktion der beiden über seine Schulter. Er kannte den Blick im Gesicht seiner Mutter; sie befand das Lewis nicht genug aß und sie beschloss just in diesem Augenblick, das eigenhändig zu ändern. Er musste sich ein Kichern verkneifen.
      "Dein papito ist draußen im Garten. Geh hallo sagen," wies Santis mamá ihn an, als sie ihm den Löffel wieder abnahm und weiterkochte. "Und nimm die Teller und das Besteck mit, ja?"
      "Claro que si."
      Santi schnappte sich den Stapel an Tellern, der am Rand der kleinen Arbeitsplatte stand. Das Besteck lag auf dem obersten Teller. Mit einem Nicken bedeutete er Lewis, ihm zu folgen. Sie ließen das Wohn-/Esszimmer hinter sich und traten hinaus auf eine kleine Terrasse, die einen kleinen, aber wohlgepflegten Garten überblickte. Es gab einen Gartentisch mit vier Stühlen. Auf dem Tisch lag schon eine hübsche Tischdecke, und ein Mann, der zwar größer als Rosalia aber immer noch ein ganzes Stück kleiner als Santi war, verteilte gerade Sitzkissen auf den Stühlen. Santi stellte die Teller und das Besteck auf dem Tisch ab.
      "¡Papito! Éste es Luis. Ya te hablé de él, ¿recuerdas?"
      Der Mann hob den Kopf und lächelte. Wo Santis Mutter mit Würde gealtert war, war sein Vater einfach nur ein alter Mann. Seine Haare waren eine tiefhängende, graue Krone, die weniger dicht bewachsen war als sein ähnlich grauer Schnauzer. Seine Haut war auch ein bisschen heller als Santis. Santi war die perfekte Mischung zwischen ihm und seiner Mutter, was das anging. Und wenn man genau hinsah, dann konnte man erkennen, dass Santi die Kinnpartie seines Vaters geerbt hatte.
      "Lewis, das hier ist mein Vater Ignacio. Papito, Luis no habla español, así que hablemos en inglés, ¿vale?"
      "Sí. Sí."
      Santis Vater winkte ab und legte das letzte Kissen auf einen Stuhl. Dann reichte er Lewis eine von jahrelanger harter Handwerksarbeit raue Hand.
      "Schön, dich kennenzulernen, Luis."
      Der Mann hatte einen noch stärkeren Akzent als Rosalia. Es war ziemlich offensichtlich, dass er sich nur selten auf Englisch unterhielt, auch wenn er die Sprache offensichtlich fließend genug beherrschte. Santi wusste, dass er weniger Englisch sprach, seit er in Rente gegangen war. Aufgrund der Nachbarschaft kam er aber trotzdem gut zurecht. Und wenn es irgendwelches behördliches Kauderwelsch zu verstehen gab, dann hatte er ja Santi, der aushelfen konnte. Und dutzende sobrinas und sobrinos aus der Nachbarschaft, die genauso gern halfen.
      Gemeinsam mit seinem Vater deckte Santi schnell den Tisch. Kurz verschwand er, um auch noch die Gläser und Untersetzer für die Töpfe zu holen. Kurz darauf wurden alle drei Männer in die Küche beordert, um das Essen nach draußen zu tragen. Santis Eltern hatten Lewis zwar gerade erst kennengelernt, aber er wurde sofort in Haushaltsarbeiten eingebunden, als sei er hier aufgewachsen.
      "Du bist ja ganz grün um die Nase, Luis," kicherte Rosalia, als sie Lewis eine Portion Gemüse auftat. "Wir werden dich schon nicht verhören. Wir freuen uns einfach nur, dass Santi mal jemanden mit nach Hause gebracht hat. Das letzte Mal ist schon lange her."
      "Mamá..."
      "Nein, nein, es ist meine Aufgabe, dich heute ordentlich in Verlegenheit zu bringen, mi hijo. Lass mich meinen mütterlichen Pflichten nachkommen."
      Santi rollte lächelnd mit den Augen und reichte seinem Vater eines der Steaks. Sie tauschten einen schnellen Blick aus und beschlossen, sich nicht gegen die Matriarchin zu wehren - das wäre ihr Todesurteil.
      "Santi sagt, ihr habt euch bei der Arbeit kennengelernt?" fuhr Rosa fort. "Ich nehme mal an, er hat sich um die Sicherheit von irgendwas gekümmert, wo du dabei warst? Da hat man ja eigentlich nicht besonders lange Kontakt. Wie kam es denn dazu, dass ihr euch danach nochmal getroffen habt?"
      Santi wusste, dass er diese Frage nicht beantworten durfte, auch wenn er jemand war, der die Antwort ebenfalls kannte. Hier ging es um Lewis und was er von Santi hielt, seine Perspektive auf ihre Beziehung. Rosa konnte Santi ja jeden Tag danach fragen.


    • Lewis war, gelinde gesagt, erstaunt über die idyllische Nachbarschaft, in die Santiago bald einbog und dann langsamer wurde. Es war ein direkter cut zu New Yorks Innenstadt und damit auch den versifften Straßen, in denen Lewis entweder wohnte oder sich durch die Clubs schlängelte. Hier war es farbig, belebt und irgendwie fröhlich; keine Junkies, die auf offener Straße mit unsichtbaren Feinden kämpften und auch keine Polizisten, die das ignorieren konnten. Hier konnte man schon fast ohne Waffe durch die Straße marschieren, ohne Angst haben zu müssen, ausgeraubt zu werden, und das mochte für diese Stadt schon was heißen. Immerhin redeten sie hier von New York und Lewis hatte schon das eine oder andere finstere Fleckchen gesehen, das selbst er nicht wieder aufsuchen wollte. Im Vergleich dazu war das hier geradezu ein Paradies.
      Das Haus, bei dem Santiago schließlich anhielt, passte sich hervorragend in diese malerische Atmosphäre ein. Blumen, überall, gepflegte Sträucher und Pflanzen, eine liebevoll gestaltete Fassade, eine einladende Umgebung. Lewis gaffte mit offenem Mund, bevor er sich den Helm abzog. Dass Santiagos Eltern speziell waren, war ihm ja schon irgendwie bewusst gewesen, aber das hier? Das glich einem verdammten Romantik-Film. Mit dem breitschultrigen Santiago in seiner Mitte, der jetzt wie selbstverständlich zur Tür ging und eintrat. Lewis ging ihm schnell nach, bevor er sich noch zu viel im Starren verlieren würde.
      Drinnen war es warm, es roch nach Haus und Essen und außerdem war hier alles wieder so vorbildlich, dass man glatt meinen könnte, man wäre irgendwo auf dem Land und nicht in einem Viertel einer Großstadt. Santiago hängte seine Jacke in einer häuslichen Geste auf, bevor er dem Gang nach unten folgte. Lewis ging ihm nach, verdrehte aber seinen Kopf, um die Bilder an den Wänden beim Vorbeigehen zu betrachten und dutzende Argentiner auf der Suche nach einem Rotschopf durchzugehen. Er fand Santiago nicht, das war aber auch nicht schlimm. Er hatte bereits jetzt schon einen Geschmack für seine Familie bekommen, mit dem er erstmal zu arbeiten hatte.
      Seine Mutter war in der Küche und kam zu ihnen hinüber, kaum als sie sie entdeckt hatte. Sie war eine kleine Frau mit tiefen Lachfältchen um die Augen und einem Strahlen im Gesicht, dass es selbst Lewis warm wurde, als sie damit ihren Sohn begrüßte. Ihren Sohn, wobei man das gar nicht denken konnte. Santiago musste sich zu ihr herunterbeugen und selbst dann konnte er die Frau vermutlich in seinen Armen verschwinden lassen.
      Beide küssten sich auf die Wangen. Lewis stand etwas unbeholfen im Hintergrund und versuchte, mit der Situation klar zu kommen; erst das Viertel, dann das Haus und dann das hier. Er war irgendwie in einem anderen Film gelandet.
      "Mamá, das ist Lewis. Lewis, das ist meine mamá Rosalia."
      "Hi."
      Er setzte ein Lächeln auf, von dem er hoffte, dass es mal nicht anzüglich und nicht frech und nicht neckend war, sondern ganz normal. Hoffentlich irgendwie freundlich. Er fühlte sich völlig überfordert.
      "Ma'am."
      "Oh, bitte, Rosa reicht vollkommen!"
      Jetzt kam sie auch auf ihn zu und als wären sie jahrelange Freunde, die sich regelmäßig zum Teekranz trafen, nahm sie ihn in eine Umarmung. Sie roch nach dem ganzen Haus um sie herum und ihre Arme waren erstaunlich stark. Lewis blieb kaum mehr übrig, als die Umarmung zu erwidern.
      "Schön, die endlich kennenlernen zu dürfen, Luis."
      Lewis? Nein, Luis. Das war ja irgendwie niedlich, wie sie es aussprach.
      "Ebenfalls, ehrlich. Danke auch für die Einladung. Ich freu mich echt hier zu sein."
      Das war gut, oder? Er glaubte schon, dass er das richtig machte. Als sie sich aber voneinander lösten, hatte Rosa einen Blick drauf, als wäre sie mit seiner Gestalt unzufrieden. Lewis dachte vage an das Outfit, das er anhatte und ob es doch nicht angemessen genug war. Er hatte es ja eigentlich ändern wollen bei Santiago, aber irgendwie hatte er dann doch nicht mehr daran gedacht. Er konnte sich in dieser Hinsicht nur noch an viele unordentliche, heiße Küsse erinnern.
      Hoffentlich hatte er jetzt nicht ihren Ärger geweckt oder sowas. Das wäre schlecht fürs erste Mal.
      "Dein papito ist draußen im Garten. Geh hallo sagen. Und nimm die Teller und das Besteck mit, ja?"
      Damit war das wohl doch erledigt. Zum Glück ließ sie von Lewis ab und der folgte erleichtert Santiago nach draußen.
      Santiagos papito war genauso wenig Santiago und vielmehr... wo auch immer sie hier gelandet waren. Im Vergleich zu Santiago war er dünn und konnte auch nicht bei der Größe mithalten. Als die beiden sich begegneten, konnte Lewis einfach nicht anders als sich zu fragen, ob Santiago adoptiert war. Er hätte es nicht als Scherz gemeint, sondern als ernsthafte Frage. Seine Eltern waren vergleichsweise klein und unscheinbar und Santiago war... Santiago eben. Gute Gene, mochte man meinen. Sehr gute Gene.
      Sein Vater war mit der Begrüßung nicht ganz so überschwänglich wie Rosa, sondern reichte Lewis nur eine raue Hand, die er kräftig schüttelte.
      "Schön, dich kennenzulernen, Luis."
      "Ganz meinerseits, Sir."
      Das war es dann aber auch schon wieder. Der Mann wandte sich ab und deckte zusammen mit Santiago den restlichen Tisch.
      Zu dritt brachten sie das Essen nach draußen, als wäre auch das etwas, was sie schon seit Jahren zusammen täten, dann fanden sich alle vier um den Tisch herum ein. Das Essen roch köstlich und der ganze Tisch war so voll davon, dass es für eine ganze Football Mannschaft gereicht hätte. Lewis sah mit hungrigem Blick dabei zu, wie Rosa ihm den Teller belud.
      "Du bist ja ganz grün um die Nase, Luis", bemerkte sie kichernd und er fühlte sich gleich ertappt.
      "Bin ich?"
      "Wir werden dich schon nicht verhören. Wir freuen uns einfach nur, dass Santi mal jemanden mit nach Hause gebracht hat. Das letzte Mal ist schon lange her."
      "Ach."
      Da grinste er aber und sah den Angesprochenen neben ihm vielsagend an.
      "Mamá..."
      "Nein, nein, es ist meine Aufgabe, dich heute ordentlich in Verlegenheit zu bringen, mi hijo. Lass mich meinen mütterlichen Pflichten nachkommen."
      "Ja, lass sie mal. Ich halte das für eine gute Sache."
      Er grinste Rosa breit an. Santiago und in Verlegenheit bringen? Das könnte ja noch richtig lustig werden. Er hatte schon Sorge damit gehabt, hier nicht hereinzupassen, aber vielleicht würde es ja wirklich nicht so schlimm werden.
      "Santi sagt, ihr habt euch bei der Arbeit kennengelernt?"
      "Ja."
      Das war ja sogar nichtmal gelogen.
      "Ich nehme mal an, er hat sich um die Sicherheit von irgendwas gekümmert, wo du dabei warst?"
      "Meinem Bruder gehört eine Transport-Firma und wir stellen manchmal externes Sicherheitspersonal ein, wenn es benötigt wird", entgegnete Lewis ohne zu zögern. Er würde der Frau zwar keine Lebensgeschichte auftischen, aber ein bisschen Wahrheit und Lüge vermischen war ja ganz gut.
      "Santiago war für den Übergang einer Container-Fracht am Hafen eingestellt und ich bin an den Hafen gekommen, um die Papiere mitzunehmen. Da sind wir uns begegnet."
      "Da hat man ja eigentlich nicht besonders lange Kontakt. Wie kam es denn dazu, dass ihr euch danach nochmal getroffen habt?"
      Da grinste Lewis verheißungsvoll. Ja, wie war das denn noch gleich?
      "Ich habe ihn auf einen Drink eingeladen, als sein Vertrag ausgelaufen ist. Da war die Sache am Hafen nämlich erledigt und ich wollte einen abgeschlossenen Auftrag feiern. Wir hatten bis dahin schon ein paar Mal geredet und er hat mich auch das eine oder andere Mal mit dem Auto heimgefahren. Bis vor die Haustür; ein richtiger Gentleman unser Santiago."
      Unter dem Tisch tätschelte er ihm das Knie.
      "Anfangs dachte ich noch... naja, er trägt ja ständig seine Sonnenbrille, selbst drinnen, und das kann schon merkwürdig sein. Seine Magie macht es manchmal noch gewöhnungsbedürftiger. Das erste Mal dachte ich, dass er mich umbringen würde, als ich ihm in die Augen gesehen habe. Das war vielleicht gruselig. Aber mittlerweile weiß ich ja, dass er ganz zahm ist. Sie haben ihn sehr gut erzogen, Ma'am. Ich meine, Rosa."
    • "Mit dem Auto?" schaltete sich Ignacio in die Unterhaltung ein.
      Santis Eltern wussten, wie er dieser Tage mit seiner Paranoia umging. Sie wussten, dass er Umwege fuhr, dass er sich Fahrzeuge mietete, weil er meistens Angst vor den öffentlichen Verkehrsmitteln hatte. Das war aber gar nicht die unausgesprochene Frage, die sein Vater da gerade stellte.
      "Mercedes. C-Klasse Limo."
      Santi gab die technischen Detail seiner gewählten Mietwagen an seinen Vater weiter, der immer wieder nickte und zustimmend brummte. Ignacio war ursprünglich ein Mechaniker für Automotoren gewesen, bevor sie aus Argentinien hergekommen waren. Hier hatte er immer mal wieder in einer kleinen Werkstatt gearbeitet, aber die Autos waren einfach zu schnell zu modern geworden, als dass sein langsam lernender papito hätte mithalten können. Das hielt ihn nicht davon ab, sich für Autos zu interessieren.
      Rosa betrachtete Vater und Sohn mit einem Lächeln während ihres kleinen Rituals. Sie hatte keine Ahnung von Autos, Motoren, Technik. Aber sie sah ihren Jungs gern dabei zu, wie sie fachsimpelten.
      Unter dem Tisch legte Santi sanft seine eigene Hand auf die, die Lewis auf sein Knie gelegt hatte. Bei dem Kommentar über seine Magie senkte er den Blick auf die Tischkante. Santi hatte nur einmal jemanden mit nach Hause genommen - seine Freundin com College - aber da war seine Magie nie zur Sprache gekommen. Schlussendlich war seine Magie ja auch der Grund gewesen, warum sie sich getrennt hatten.
      "Du bist einfach scheiße gruselig. Dich kann man nirgendwo mit hinnehmen. Und mit dir rumhängen ist auch irgendwie ätzend, wenn du so drauf bist."
      Rosa auf der anderen Seite lächelte geradezu fürsorglich. Sie war froh, dass jemand ihren Jungen trotz seiner Macken so sehr zu mögen schien.
      "Ich hab ihm nur seine Tischmanieren und das Kochen beigebracht, dass er so ein sanfter Gigant ist, das ist allein seine Schuld. Und die von meinem papi. Der war auch so ein großer, sanftmütiger Kerl. Wusste aber immer, wie er sich Respekt verdienen konnte."
      "Abuelo?" fragte Santi.
      Seine Mutter redete nicht oft über ihre eigenen Eltern. Er wusste nur sehr wenig über sie.
      ". Von ihm hast du deine Höhe. Irgendwo muss sie ja herkommen." Sie stupste Ignacio mit dem Ellenbogen in die Seite. "Papi war von der alten Schule. Hat dir immer die Tür aufgehalten, deine schweren Taschen getragen. Er hat den Kindern im Dorf sogar Fußbälle gemacht! Er hat alte Stofffetzen gesammelt und die mit Lianen umwickelt, bis sie die richtige Größe hatten. Er war ein guter Mann."
      Santi konnte sich den Mann, auch wenn er ihn nie getroffen hatte, sehr gut vorstellen. Genauso wie er die Liebe in den Augen seiner mamá wiedererkannte. Er fühlte genauso, wenn es um seine eigenen Eltern ging.
      "Also einen Fußball hab ich noch nicht gebastelt," meinte Santi mit einem schiefen Lächeln, um seine Mutter wieder in die Realität zu holen, bevor die traurigeren Erinnerungen überhand nehmen konnten.
      "Ich habe deine Boxsäcke gesehen, wenn du mit ihnen fertig bist, Santi. Das zählt auch."
      "Wirklich? Ducttape auf Polyestermischungen?"
      Rosa zuckte mit den Schultern. "Papá o papa. Du reparierst deine Sportgeräte, das ist das Selbe."
      "Wenn du das sagst," lachte Santi.
      "Du arbeitest also mit deinem Bruder zusammen, Luis? Eure Eltern müssen bestimmt sehr stolz auf euch beide sein."
      Mit der Eleganz einer geübten Mutter wechselte Rosa das Thema, um mehr über den jungen Mann zu erfahren, der ihren Sohn mit solcher Leichtigkeit um den Finger gewickelt hatte. Santi drückte Lewis's Hand unter dem Tisch leicht. Zwar schien es Lewis nichts auszumachen, über seine Eltern und deren Ableben zu sprechen, aber es war eine Sache, das ihm gegenüber so locker anzusprechen und eine andere, es gegenüber einer funktionierenden Familie zu erwähnen. Und er wollte Lewis stumm daran erinnern, den Tod seiner Eltern in diesem Setting vielleicht nicht so zu feiern.


    • Lewis sah überrascht zu, wie Vater und Sohn anfingen, sich über Autos zu unterhalten. Gerade über Autos. Das war so ein unschuldiges, belangloses Gespräch, dass es doch perfekt in die Idylle des Gartens passte. Wie aus einem scheiß Film.
      Santiago legte unter dem Tisch die Hand über Lewis' und der drehte sie, damit er die Finger mit Santiagos verschränken konnte. Er musste ihn nicht ansehen um zu spüren, dass das Thema Magie ein empfindliches Thema war. Jemand wie Santiago hatte mit seinen Augen bestimmt schon viel Mist erlebt und da musste Lewis nicht noch einen obendrauf setzen. Entsprechend versuchte er auch, es kurz zu halten.
      Dafür schien seine Mutter umso fröhlicher darüber.
      "Ich hab ihm nur seine Tischmanieren und das Kochen beigebracht."
      "Das merkt man."
      "Dass er so ein sanfter Gigant ist, das ist allein seine Schuld. Und die von meinem papi. Der war auch so ein großer, sanftmütiger Kerl. Wusste aber immer, wie er sich Respekt verdienen konnte."
      "Ach?"
      Da war ja nun das Geheimnis gelüftet, woher Santiagos Gene stammten. Er hatte einfach eine Generation übersprungen und sich die seiner Großeltern geschnappt.
      Ein zweites Mal an diesem Abend lauschte Lewis dem Gespräch am Tisch und ein zweites Mal stach ihm die Unschuld der Situation ins Auge: sie zu viert an einem Tisch in einem blumigen Garten, umgeben von einschläfernder Ruhe, über belangloses Zeug redend. Santiago hatte also einen Opa - Lewis schloss sich aus dem Kontext, dass er abuelo war - der freizeitlich gerne Fußbälle geflickt und sie den Kindern im Dorf gegeben hatte. Wie. Aus. Einem. Scheiß. Film. Zumindest flickte Santiago keine Fußbälle, sondern nur seinen Boxsack.
      Lewis lächelte nur ein wenig mit. Was hatte denn sein abuelo gemacht? Sich vielleicht um die Kranken gekümmert? Das würde zu diesem Film hier passen, aber leider entsprach das nicht der Realität. Lewis' einer Opa hatte mit Crack gedealt und der andere... vom anderen wusste er noch nicht einmal was. Es würde ihn gar nicht wundern, wenn er sich als Schmuggler verdient hätte, das schien ja irgendwie in der Familie zu liegen. Nicht etwa, alte Sachen zu reparieren und zu flicken.
      "Du arbeitest also mit deinem Bruder zusammen, Luis?"
      Er horchte wieder auf. Jetzt war nicht der Moment um über den Castro-Stammbaum nachzudenken. Zugegeben, der Moment würde wohl nie kommen.
      "Ja, wir leiten die Firma. Er und ich."
      "Eure Eltern müssen bestimmt sehr stolz auf euch beide sein."
      Lewis klappte bereits den Mund auf, um zu widersprechen. Ein ganz einfaches Nope, die sind beide verreckt. Ein noch viel einfacheres Sind sie nicht, waren sie nie. Da drückte Santiago seine Hand leicht und in dieser Sekunde traf er eine schnelle Entscheidung. Die einfachste von allen.
      "Ähm... ja. Das sind sie."
      Er wusste nicht, woran es lag, dass er gerade eine solche Lüge auftischte. Rosa war immerhin schon mehr als erwachsen, sie hatte sicher schon mit dem Tod zu tun gehabt, was waren da schon zwei Tode mehr? Aber in diesem Augenblick wollte er einfach nicht die Wahrheit sagen. Es passte nicht zu... dem Film. Es passte nicht zu den unschuldigen Gesprächen und der ganzen warmherzigen Atmosphäre. Es passte nicht dazu, wie sie hier im Einklang an diesem Tisch saßen und zu Abend aßen. Lewis hatte das noch nie mit seiner Familie erlebt und bis zuletzt gedacht, dass das entweder ein Klischee aus Filmen war oder nur Weicheier sich zu ihren Familien verkrochen. Santiago zeigte ihm erst, dass es auch einen dritten Grund dafür geben konnte. Dass die Familie auch einfach eine Familie sein konnte.
      Deswegen log er einfach weiter und warf Santiago nur einen kurzen Blick zu.
      "Mein Vater hat uns die Firma überlassen und ist in Rente gegangen mit meiner Mutter. Aber wir machen uns gut. Er kommt uns immernoch alle zwei... Wochen... besuchen."
      In Wahrheit wusste er nicht einmal, auf welchem Friedhof sie begraben lagen. Jay wusste das. Jay war aber auch das zweite Wunderkind der Familie gewesen und dazu auch noch ein magieloses. Er hatte weniger Scheiße abgekriegt.
      "... Kann ich noch was von dem Fleisch haben? Das ist richtig gut. Noch besser als bei Santiago."
    • Santi warf Lewis einen Blick zu, die Augenbraue gehoben, Seiner Mutter fiel es glücklicherweise nicht auf, sie war zu fokussiert auf Lewis selbst. Warum schüttelte er sich diese Geschichte aus dem Ärmel? Rosa würde schon nicht daran zerbrechen, wenn Lewis ihr erzählte, dass seine Eltern schon vor einer Weile gestorben waren. Santi hatte nur gewollt, dass Lewis ein bisschen auf seine Wortwahl achtete, wie er es ihm schon gesagt hatte. Aber das...
      "Das klingt schön," meinte Rosa. "Wir hatten leider nichts, das wir Santi weiterreichen konnten. Aber jetzt kümmert er sich trotzdem um unsere Angelegenheiten. Das hat er alles ganz allein geschafft, und wir sind sehr stolz auf ihn. Ich bin mir sicher, eure Eltern sing auch sehr stolz auf euch, dass ihr das Familienunternehmen weiterführt."
      Santi lächelte ein wenig. Seine Mutter sah immer nur das Beste in den Menschen. Mit voller Absicht. Sie wusste um die Abgründe der Menschen, hatte sie selbst schon erlebt. Aber sie weigerte sich, vom Schlimmsten auszugehen, wenn sie keinen Grund dafür hatte. Santi liebte das an ihr, auch wenn er selbst sich so eine Einstellung nicht leisten konnte in seinem Beruf.
      "Kann ich noch was von dem Fleisch haben? Das ist richtig gut. Noch besser als bei Santiago."
      "Claro que si!"
      Ignacio sprang auf, um über den Tisch zu greifen und Lewis noch ein Steak zu reichen. Rosa lachte nur leise ob des Kompliments.
      "Dann hast du Santi noch nicht grillen gesehen," sagte sie. "Wir machen das Fleisch im Ofen oder auf einem kleinen Küchengrill. Wir haben hier leider keinen Platz für einen großen Grill, weißt du? Aber Santi hat diesen ganz großen auf seiner Terrasse und damit kann er richtige Meisterwerke zaubern!"
      "Mamá..."
      "¡Chis, mi hijo! Lass deine alte mamá stolz auf dich sein."
      Santi rollte mit den Augen, grinste aber breit. Komplimente über sein Essen zu bekommen war eine Sache - er wusste, dass er ein guter Koch war - aber sie von seiner Mutter zu hören, das war eine ganz andere Sache. Am Ende war er eben doch nur ein Junge, der wollte, dass seine Eltern stolz auf ihn waren.
      "Und was machst du so in deiner Freizeit, Luis? Arbeiten ist ja nicht alles im Leben."
      So viel zum Thema kein Verhör zu führen, dachte Santi. Aber er konnte es seiner Mutter ja wohl kaum verübeln, dass sie alles über Lewis wissen wollte, was es zu wissen gab.


    • Lewis lächelte nur weiter und fühlte sich dabei herzlich unwohl. Seine kleine Lüge hätte eigentlich dafür sorgen sollen, dass er sich in diesem herzlichen, familiären Umfeld besser fühlte, aber wenn Rosa nur weiter darauf herum reiten würde, würde es noch zum Gegenteil führen. Ihm war klar, dass er auch einfach die Wahrheit hätte erzählen können. Aber wenn er ehrlich war...
      Ach, die Wahrheit sollte ihm einfach gestohlen bleiben. Heute war eben wieder einer dieser Tage, an denen Lewis komisch drauf war.
      Richtig überschwänglich wurde ihm vom Fleisch nachgereicht und Lewis haute auch richtig rein. Es schmeckte unverschämt gut, besser als jedes Essen der Welt, besser als alle Gerichte zusammen, die Santiago ihm je aufgetischt hatte. Naja, so gut auch wieder nicht, aber zumindest annähernd. Wären sie alleine gewesen, hätte er seinem Freund beim essen die Ohren vollgestöhnt.
      Er grinste auch ein bisschen in sich hinein, als Santiago in die nächste Verlegenheit geriet, weil seine Mutter es wagte, seine Kochkünste zu loben. Und auf ihn stolz zu sein. Es war niedlich mit anzusehen.
      "Den Grill musst du mir mal zeigen. Bisher hat er gekocht wie ein Küchenchef. Richtig gut", gab er an Rosa weiter. Die freute sich natürlich und je verlegener Santiago wurde, desto größer wurde das Grinsen seiner mamá. Lewis hätte das den ganzen Tag lang mitverfolgen können.
      "Und was machst du so in deiner Freizeit, Luis? Arbeiten ist ja nicht alles im Leben."
      "Das sollten Sie mal meinem Bruder sagen. Der wohnt praktisch schon in seinem Büro."
      Er spießte etwas Steak auf. Währenddessen überlegte er sich, ob er sich eine weitere Lüge einfallen lassen sollte, oder ob er diesmal die Wahrheit erzählen konnte. Santiago hatte ihm schließlich gesagt, dass er einfach er selbst sein sollte. Nur war er selbst geprägt von verstorbenen Eltern und einem riesen Auftrag, bei dem er auch Santiago kennengelernt hatte, nicht das, was er jetzt erzählt hatte. Er selbst zu sein war fast schon gar nicht mehr möglich.
      Auf der anderen Seite würden Santiagos Eltern ihn sicher nicht vor die Tür setzen, wenn er ihnen die Wahrheit sagte. Immerhin sah er mit seinen lockeren Klamotten und seiner schlanken Gestalt auch nicht unbedingt aus wie der nette Anwalt von nebenan. Fehlten nur noch die leicht geröteten Augen und Lewis war ganz wie Lewis.
      "Ich bin gerne unterwegs, treffe mich mit Freunden. Meistens zum Feiern. Ich habe flexible Arbeitszeiten, deswegen mache ich gerne die Nacht durch und arbeite, wenn ich aufwache."
      Er sah kurz zu Santiago für Bestätigung. War das okay oder zu viel des guten?
      "Wir zwei machen das aber weniger. Ich weiß auch nicht warum, irgendwie kommt es einfach nicht dazu."