Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • Santi stand breitbeinig und mit festem Stand hinter Lewis, seine Arme wie ein Schraubstock um den Körper des Streuners geschlungen. Lewis kämpfte gegen den Griff an, versuchte, sich zu befreien, doch Santi hielt ihn fest. Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, seine Atmung kontrolliert und ruhig, trotz des Sturms in seinem eigenen Kopf. Sein Kopf schrie ihn an, den Griff zu verstärken, Lewis die Luft abzudrücken oder ihm sogar das Genick zu brechen, jetzt, wo er ihn schon hier hatte. Dann konnte er ihn nicht verraten, ermorden, oder sonst was tun. Seine Magie schrie ihn an, sich zu nehmen, was er brauchte, um diese Gedanken zum Schweigen zu bringen. Santi wusste, dass sich Lewis alles andere als wohl in seinem Griff fühlte, aber gerade jetzt war das eigentlich ganz praktisch. So konnte Santi den Ernstfall besser simulieren.
      "Du musst es besser versuchen, Lewis," flüsterte er dicht an Lewis' Ohr, seine Stimme war ruhig, aber fordernd. "Glaubst du wirklich, du kannst dich so befreien? Versuch's nochmal."
      Lewis zappelte heftiger, doch Santiago blieb unnachgiebig.
      "Komm schon," stichelte er weiter. "Ist das alles, was du drauf hast?"
      Seine Worte waren darauf ausgelegt, Lewis zu provozieren, seine Entschlossenheit zu testen. Er wusste, dass das entscheidend war – in einem echten Kampf würde Lewis nur eine Chance haben, und Santi wollte sicherstellen, dass er diese auch nutzen konnte.
      "Du musst an mehr denken als nur an rohe Kraft," fügte Santiago hinzu, als Lewis einen weiteren erfolglosen Versuch machte, sich loszureißen. "Konzentration. Technik. Denk nach, bevor du handelst. Ich hab dir gezeigt wie's geht, du kannst das."
      Lewis schnappte nach Luft, seine Bewegungen wurden hektischer, seine Frustration wuchs. Santi spürte den Anstieg der Anspannung in Lewis' Körper, konnte die instinktive Angst riechen, und er drückte ihn noch fester an sich. "Ruhig bleiben, callejero. Wenn du die Nerven verlierst, verlierst du den Kampf. Verlierst du den Kampf, verlierst du dein Leben."
      Santi wusste, dass er hart sein musste. Er konnte sich nicht leisten, Lewis mit Samthandschuhen anzufassen. Es ging hier um mehr als nur eine Übung. Er wollte, dass Lewis in der Lage war, sich selbst zu verteidigen, egal, was passierte. Und dazu musste er ihn bis an seine Grenzen treiben. Körperlich. Nervlich.
      "Du musst schlauer sein," sagte Santi eindringlich. "Nutze meinen Griff gegen mich. Du bist stark genug. Du kannst es schaffen, wenn du den Kopf benutzt."
      Lewis' Atmung wurde langsamer, und Santi konnte fast spüren, wie die Räder in seinem Kopf zu arbeiten begannen. Er wartete, gab ihm Zeit, seine Gedanken zu sammeln. Dann, mit einem schnellen, entschlossenen Ruck, nutzte Lewis sein Gewicht und seine Beweglichkeit, um sich aus Santis Griff zu befreien. Santi ließ ihn los, genau im richtigen Moment, und trat einen Schritt zurück.
      "Na geht doch," sagte er mit einem sanften Lächeln und richtete seine Sonnenbrille. "Das war es, was ich sehen wollte."
      Er hatte Lewis mit Absicht von hinten gepackt. Wenn Lewis seinen Angreifer nicht sehen konnte, konnte er auch dessen Entscheidungen nicht voraussagen - ein blinder Fleck, ein Schwachpunkt in der Verteidigung. Für den Anfang ihrer kleinen Unterrichtsstunden hatte Santi beigebracht, wie man sich gegen einen frontalen Angreifer verteidigen konnte - und dabei Lewis' Fähigkeiten in Betracht gezogen. Die ersten Stunden waren also hauptsächlich von Ausweichübungen und schnellen Blocks gekennzeichnet gewesen. Dann kamen die Griffe und wie man sich aus ihnen befreite.
      Santi rollte die Schultern, ließ den Nacken knacken.
      "Wir machen weiter," sagte er. "Noch mal von vorne. Ich greife dich an, versuche dich zu packen. Du versuchst auszuweichen. Wenn ich dich erwische, befreie dich. Diesmal weißt du, was zu tun ist. Konzentrier dich, und du schaffst das."
      Santi trat wieder an den Streuner heran, bereit, den Griff erneut anzulegen. Er traf seine Entscheidungen so spät wie möglich, um Lewis so wenig Zeit wie möglich zum Reagieren zu geben. Es dauerte nicht lange, da hatte Santi seine Arme schon wieder fest um Lewis geschlungen. Er beraubte ihn fast jeder Bewegungsfreiheit.
      "Befreie dich," forderte er.

      Eine halbe Stunde später gestattete Santi Lewis eine Pause. Er nahm ihn hart ran, das wusste er, aber wenn sich Lewis frei bewegen wollte, dann musste er diesen Crashkurs über sich ergehen lassen, das war ihr Deal gewesen. Heute würde er den Streuner aber früher von seinem Leid erlösen.
      "Ich habe nachher einen Termin mit einem meiner Kontakte. Der kann mir hoffentlich mehr über unsere europäischen Freunde verraten," meinte er, als er Lewis eine Flasche Wasser zuwarf.
      Seinem Arm ging es mittlerweile besser. Noch ein, zwei Tage und er würde die Fäden ziehen können. Wo er es gerade davon hatte...
      "Kannst du mir nach der Dusche mit meinem Arm helfen? Oder halten deine Nerven das nach unserer kleinen Session nicht mehr aus?"
      Er stellte die Frage als halben Scherz. Halb, weil er sich wirklich Sorgen darum machte, was seine Ausstrahlung mit Lewis machte. Normalerweise hielten die Leute Abstand, wenn seine Magie so hungrig war. Normalerweise blieben Leute nicht so lange in seiner Gegenwart, wenn seine Magie so hungrig war. Aber Lewis hatte in den letzten Tagen beides getan. Santi konnte verstehen, wenn er lieber auf Abstand bliebe.


    • Lewis zappelte mit allem, was das Zeug hielt. Das war schon eine merkwürdige Situation; wer hätte denn gedacht, dass er sich jemals mit einer solchen Inbrunst aus Santiagos Griff befreien wollen würde?
      "Du musst es besser versuchen, Lewis."
      Er schnaubte empört und stemmte sich gegen die verflucht starken Arme an. Die ausgeprägten Muskeln fühlten sich unter seinen Fingern wie Stahl an, keine besonders hilfreiche Tatsache. Sonst war es sexy, jetzt war es frustrierend.
      "Glaubst du wirklich, du kannst dich so befreien? Versuch's nochmal."
      Lewis stoppte für einen Augenblick, dann versuchte er es gleich noch einmal, in einem anderen Winkel, mit einer anderen Kraft, mit anderer Taktik. Wäre es nicht Santiago, hätte er ihm unlängst versucht, die Ferse in die Eier zu treten, aber das war hier nicht Sinn und Zweck der Übung. Vor allem mochte er Santiagos Eier.
      "Komm schon. Ist das alles, was du drauf hast?"
      "Du hast gut reden, Muskelpaket! Wie kannst du nur so...", er drückte gegen seinen Unterarm an, "... scheiße stark sein?!"
      "Du musst an mehr denken als nur an rohe Kraft."
      Lewis grunzte frustriert und zappelte noch mehr. Er war recht beweglich, aber das half ihm auch nicht, wenn ihm ein Stahlarm den Bauch abschnürte.
      "Konzentration. Technik. Denk nach, bevor du handelst. Ich hab dir gezeigt wie's geht, du kannst das."
      Nachdenken. Nachdenken. Was gab es denn da nachzudenken? Da waren zwei fette Arme um seinem Oberkörper, die ihn gegen eine stählerne Brust drückten und ihm sicher schon längst die Luft hätten abschnüren können. Oder ihm die Rippen brechen. Konnte er sowas von dieser Position aus?! Fuck.
      Lewis gab einen frustrierten Laut von sich und machte sich an Santiagos Fingern zu schaffen. Es waren hübsche Finger, die er mochte, weil sie ihm sonst die schönsten Töne entlockten, aber jetzt machten sie ihn nur wahnsinnig. Nicht im guten Sinn.
      Unweigerlich verstärkte sich der Druck um seinen Brustkorb und ein Stich Angst durchfuhr ihn, als es wirklich verdammt eng wurde zum atmen. Würde Santiago merken, wenn er keine Luft mehr bekam? Hatten sie ein Safeword für sowas?!
      "Ruhig bleiben, callejero. Wenn du die Nerven verlierst, verlierst du den Kampf. Verlierst du den Kampf, verlierst du dein Leben."
      "Man, das sagst du so einfach", jammerte er zurück. Er bereute schon, überhaupt zugesagt zu haben, denn wirklich, in der Realität würde es doch nie so weit kommen. Er ließ sich einfach immer von seinen Bäumen leiten, ob er das wollte oder nicht, und die würden ihn schon davor bewahren, sich überhaupt einfangen zu lassen. Es war doch gar nicht realistisch!
      Lewis nahm sich einen Moment, um Atem zu schöpfen, dann versuchte er es wieder. Seine Füße schabten über den Boden, sein Atem kam stoßweise heraus. Immer, wenn er sich anstrengte, hielt er den Atem an, um ihn danach wieder herauszupressen.
      "Du musst schlauer sein. Nutze meinen Griff gegen mich. Du bist stark genug. Du kannst es schaffen, wenn du den Kopf benutzt."
      "Ich beiß dich gleich!"
      Er wusste, was Santiago meinte, weil er es ihm ausführlich gezeigt hatte, aber die Theorie war immer anders als die Praxis. In der Theorie hatte er nicht in einem Klammergriff festgesessen, der ihm die Luft abschnürte.
      Verzweifelt versuchte er, seine Angst für einen Moment niederzuringen, um sich einen freien Kopf zu verschaffen. Er versuchte, seine Lage zu analysieren und sich genau an das zu halten, was Santiago ihm einzuprägen versucht hatte. Nutze meinen Griff gegen mich. Sie hatten relativ früh etabliert, dass Lewis sich kaum für rohe Kraft eignete, sondern vielmehr seine schlanke Statur nutzen musste. Darauf versuchte er sich jetzt zu fokussieren und den anderen, unangenehmeren Teil auszublenden.
      Es benötigte ihn trotzdem einiges an Anstrengung und Frustration, aber schließlich schlüpfte er unter den Armen hervor. Über alle Maße von seinem Ausbruch erleichtert, schnappte er gleich nach Luft und stolperte von Santiago weg. Ein erster, wenn auch geringer Sieg.
      "Na geht doch. Das war es, was ich sehen wollte."
      Lewis griff nach der Rückenlehne der Couch und lehnte sich daran. Er keuchte ein bisschen, aber als er sich zu Santiago umdrehte, grinste er triumphierend.
      "War eigentlich gar nicht so schwer."
      Zu ihrem "Glück" hatte Santiago die Tage auf einen Albtraum verzichtet, weshalb ihm jetzt das Grauen regelrecht aus allen Poren zu strömen schien. So gerne Lewis doch bei ihm war, er konnte sich einfach nicht dazu überwinden, jetzt von ihm gepackt und so festgehalten zu werden. Natürlich half das nur, das Szenario realistisch zu gestalten, aber trotzdem mochte er es nicht sonderlich. Er hätte sich gerne einen Kuss von ihm abgeholt, aber bei dieser Ausstrahlung verzichtete er lieber darauf.
      "Wir machen weiter. Noch mal von vorne."
      Lewis stöhnte gequält auf. Seine Dummschwätzerei würde ihn eines Tages noch ins Grab befördern.
      Sie stellten sich auf und Santiago schoss nach vorne. Lewis' Bäume entwickelten sich bei ihm so spät, dass er sich kaum darauf verlassen konnte und stets in einem Zwiespalt gefangen war, ob er auf die Bäume oder auf die Realität reagieren sollte. Dieser Zwiespalt war es auch diesmal, der sein Untergang war. Lewis schrie frustriert, als er zurück in den Armen gefangen war, die unheimliche Aura so präsent in seinem Rücken, dass es ihm vor Angst kalt durch den Körper kroch. An diesem Tag ließ er sich wirklich nicht gerne von Santiago festhalten.

      Eine halbe Stunde später waren sie beide verschwitzt und Lewis ließ sich gleich auf die Couch fallen, kaum als Santiago ihn von seinem Leid erlöste. Ihm war heiß, er keuchte, seine Muskeln brannten und er würde sicher einen Abdruck von Santiagos Armen nachhause tragen. Ihm wäre lieber gewesen, dass sie von etwas anderem gerührt hätten.
      Er fing das ihm zugeworfene Wasser mit Leichtigkeit auf und leerte die halbe Flasche in einem Zug. Dann strich er sich die Haare aus der nassen Stirn.
      "Ich habe nachher einen Termin mit einem meiner Kontakte. Der kann mir hoffentlich mehr über unsere europäischen Freunde verraten."
      "Sag mir... Bescheid... wenn du was rausfindest."
      "Kannst du mir nach der Dusche mit meinem Arm helfen? Oder halten deine Nerven das nach unserer kleinen Session nicht mehr aus?"
      Lewis lächelte.
      "Du meinst... ich würde es nicht aushalten... wenn du mir noch unter die Nase reibst... mich selbst mit einem kaputten Arm noch... so festgehalten zu haben? Ich werd's überleben. Es wird... schlimm, aber ich werd's... überleben."
      Natürlich war das nichtmal annähernd, was Santiago gemeint hatte, aber Lewis wollte nicht zugeben, wie sehr ihn seine gruselige Ausstrahlung jetzt schon abschreckte. Er hatte den Mann gern und wollte ihn nicht unnötig verletzen.
      "Aber geh ruhig schonmal... duschen. Ich muss hier noch... meine Würde aufsammeln... die hab ich hier vorhin... irgendwo fallen gelassen."
      Er prostete Santiago über die Couch hinweg mit seiner Wasserflasche zu und lauschte dann den Schritten, die im Bad verschwanden. Es tat ihm leid, diese Distanz, die sich durch Santiagos Magie zwischen ihnen aufbaute, aber wenn der Mann in der Dusche auch nur eine Bewegung machen würde, die ihn an vorhin erinnerte, würde Lewis vielleicht wirklich noch durchdrehen. Es war mal wieder an der Zeit, dass der Kerl sich einen Albtraum beschaffen würde, damit sie wieder ganz entspannt im Bett kuscheln konnten. Merkwürdigerweise war es das Kuscheln, auf das Lewis in letzter Zeit so abfuhr, und nicht etwa der harte Sex, den er von Santiago genauso bekommen konnte. Irgendwas saß bei ihm eben nicht ganz richtig.
      Nach Santiago hüpfte er selbst unter die Dusche und setzte sich dann mit dem Mann an die Kücheninsel. Bemüht ruhig wechselte er den Verband und ignorierte dabei das dringende Bedürfnis, schnell Abstand zu gewinnen. Stattdessen überwand er sich, indem er sich vorbeugte und Santiagos Wange küsste. Besser als gar nichts.
      "So gut wie neu. Rufst du mich an, wenn's was neues gibt?"
      Lewis würde wieder bei Jay schlafen.
    • Santiago nickte mit einem Lächeln. Er wusste, dass Lewis eine Pause von ihm brauchte. Immerhin verpackte er es in nette Worte.
      "Ich glaub, die liegt da drüben beim Boxsack," kommentierte er und verschwand dann in Richtung Badezimmer.
      Im Spiegel warf er einen Blick auf seinen Arm. Die Wundränder sahen gut aus - natürlich taten sie das, so wie er sich um die Verletzung gekümmert hatte. Allerdings sah der Rest von ihm nicht so gut aus. Lewis beizubringen, sich gegen einen Angreifer zu verteidigen, hatte sein paranoides Hirn in einen Mixer geworfen. Und Santi hatte keine Möglichkeit gehabt, dem Strudel zu entkommen. Oder den Klingen am Boden. Wenn er ehrlich war, dann brauchte er eine Pause von Lewis genauso sehr wie der Streuner eine Pause von ihm brauchte.
      Als Santi unter die Dusche trat, traf er die Entscheidung, sich heute noch einen Alptraum zu besorgen. Seine nerven würden es ihm danken. Und Lewis hoffentlich auch.

      Während Lewis duschte, räumte Santi auf. Viel war es nicht, aber er musste sich irgendwie beschäftigen. Wenn seine Gedanken erst einmal auf Wanderschaft gingen, würde er nur wieder stecken bleiben.
      Er bereitete auch alles für seinen Arm vor. Er entfernte den alten Verband, reinigte die Wunde, legte alles zurecht, was Lewis brauchte, um ihm bei dem neuen Verband zu helfen. Santi konnte es auch allein machen, aber es war umständlich und nicht immer perfekt, wenn er mit nur einer Hand rumhantierte. Lewis' Hilfe machte es einfacher und im Endeffekt besser für den Heilungsprozess. Selbst mit dem leichten Zittern in Lewis' Händen, als der seinen Arm berührte.
      Dass sich der Streuner trotz allem dazu durchrang, nicht nur neben ihm zu sitzen, sondern ihn auch noch zu berühren, machte etwas mit Santi. Er konnte es nicht richtig zuordnen, aber es wärmte irgendetwas tief in ihm drin. Santi war kein Freund von Berührungen, wenn seine Magie so hungrig war, weil er genau wusste, was das mit Menschen machte - und er diese Reaktion nicht mochte. Aber Lewis schreckte nicht vor ihm zurück. Er machte einfach weiter, obwohl es ihm eiskalt den Rücken runterlaufen musste.
      Und dann küsste er ihn auch noch. Zwar nur kurz auf die Wanger, aber es war trotzdem ein Kuss. Santi schluckte.
      "So gut wie neu. Rufst du mich an, wenn's was neues gibt?"
      "Klar. Und äh... danke. Für den Arm. Dafür, dass du nicht schreiend wegrennst..."
      Den letzten Satz murmelte Santi in seinen nicht-existierenden Bart hinein. Er mochte Lewis viel zu sehr, das wusste er. Er hatte noch nie jemanden so nah an sich herangelassen und jetzt gerade brüllte ihn sein vernebelter Verstand an, dass das eine Schwachstelle war. Dass sowohl Lewis als auch der Rest der Welt das ausnutzen und gegen ihn verwenden konnte. Aber der Teil von ihm, der nicht von hungriger Magie gesteuert wurde, der nicht von jahrelanger Erfahrung beeinflusst wurde, der genoss es, dass ihm jemand so nahe war. Dass er jemanden so nahe an sich heranlassen konnte. Dass es jemanden gab, der so nah an ihn heran wollte.
      "Was macht dein Schießen? Triffst du mittlerweile was?" wechselte Santi das Thema, bevor sie in zu gefährliche Gefilde abdrifteten.


    • Lewis lächelte bei dem kleinlauten Dank, den Santiago aussprach. Es faszinierte ihn immer wieder, wie der große, bullige Mann so sanft und gar weichherzig werden konnte, wie er es jetzt schien. Als würde sich der Mann vor den anderen fürchten und nicht andersherum, als wäre nicht er derjenige, vor dem alle Leute schreiend davonlaufen wollten.
      "Ich geb mir größte Mühe. Bedank dich lieber bei meiner Magie; solange mir nicht prophezeit wird, dass ich gleich aufgefressen werde, habe ich auch alles im Griff."
      Er tätschelte ihm großmütterlich die Wange und zog dann aber doch ab, weil er es immerhin nicht übertreiben musste. Magie hin oder her, sein Herzrasen war trotzdem unangenehm, wenn er so nahe bei ihm war. Lewis mochte das wirklich ganz und gar nicht.
      "Was macht dein Schießen? Triffst du mittlerweile was?"
      "Gerade du müsstest doch wissen, dass ich sogar ganz ausgezeichnet schießen kann", gab er keck zurück und wackelte solange mit den Augenbrauen, bis er über Santiagos Augenrollen lachen konnte. Das war besser, als den Mann so trübselig und angespannt zu sehen.
      "Es wird schon. Jay besteht drauf, dass ich ohne die Hilfe meiner Magie schieße und das ist ein wenig anstrengend. Wenn ich dabei auf meine Bäume achten kann, muss ich nur warten, bis das Visier am richtigen Fleck ist und sofort drücken, wenn ich den Knoten sehe. Das ist eine reine Reflex-Sache und dadurch kann ich auch optimal schießen. Aber Jay ist das zu unsicher."
      Jetzt war Lewis derjenige, der mit den Augen rollte.
      "Meine Magie ist nicht unsicher, das ist doch der Sinn davon, nicht? Aber ich glaube, er blickt da einfach nicht so ganz durch. Manchmal wünschte ich, es gäbe noch jemanden da draußen, der genau das gleiche wie ich kann. Wirklich haargenau dasselbe. Dann könnte der mir doch einfach beibringen, wie ich schießen und mich verprügeln kann und dann sind alle glücklich. Dann muss ich nicht ständig so tun, als wäre ich magielos."
    • "Dein Bruder hat schon Recht," fuhr Santi dem Streuner in die Parade. "Es geht nicht darum so zu tun, als ob du keine Magie hättest. Es geht darum, dass du dich auch ohne verteidigen kannst. Deine Magie mag nicht unsicher sein, aber was, wenn du in eine Schießerei gerätst, wenn deine Magie gerade durchdreht, hm? Wenn du zu viele Antworten auf die mögliche Bedrohung bekommst? Ich kann vielleicht nicht vorhersagen, was mein Gegner auf jeden Fall als nächstes tut, aber meine Paranoia bombardiert mich oft genug mit zu vielen Szenarios, als dass ich auf alle gleichzeitig reagieren könnte. Ich hab gelernt, um Magie herum zu agieren. Muskelgedächtnis, antrainierte Reflexe, sowas eben. Als wir durch die Stadt gebraust sind, weil uns ein paar bewaffnete Aggressoren verfolgt haben, da hab ich nicht an meine Paranoia gedacht. Da hab ich aus Reflex und Erfahrung gehandelt. Ich weiß nicht, wie's dir dabei geht, aber ich würde wagen zu behaupten, dass wir ziemlich gut aus der Sache rausgekommen sind."
      Santi zuckte mit den Schultern - mit beiden.
      "Korrigier mich ruhig aber: ist deine Magie nicht so außer Kontrolle geraten, gerade weil du dich zu viel darauf gestützt hast?"
      Santi stoppte sich selbst, um nicht noch weiter zu plappern.
      "Tschuldige," meinte er fast schon kleinlaut. "Ich schätze, dein Bruder ist nicht der einzige, der sich sicher wissen will. Ich jedenfalls finde, es ist noch ein Vorteil, wenn wir tun können, was nicht-Magier können, ohne unsere Magie zu verwenden. Das heißt im Umkehrschluss nämlich, dass wir besser sind als sie, wenn wir unsere Magie benutzen. Ich kann Leute dazu kriegen, sich in die Hosen zu machen, indem ich nur da stehe, Magie hin oder her. Optionen sind gut zu haben."
      Er war sich nicht einmal sicher, ob sein kleiner Vortrag überhaupt Sinn machte. Aber der Gedanke daran, dass Lewis etwas passieren könnte, weil er nicht richtig vorbereitet war, weil seine Magie im falschen Augenblick den Geist aufgab... Seine Paranoia schnappte sich diesen Gedanken und rannte los, sponn Szenario um Szenario. Es war neu für Santi, dass er sich solche Gedanken auch um jemand anderen machte. Aber seine Paranoia hatte einen guten Punkt. Das machte es schwerer, diese Gedanken von der Realität zu unterscheiden, wenn es um Lewis ging. Dass der Streuner ihn nicht mit einem Messer angreifen würde, das konnte Santi wegrationalisieren. Aber dass jemand den Streuner mit einem Messer angriff... das war durchaus möglich. Und Santi konnte nicht sagen, was ehrliche Sorge war, und was eine Spielerei seiner Magie.


    • Lewis verzog unwillig die Miene. Jetzt gab es schon zwei von der Sorte, die ihm erzählen wollten, dass seine Magie, sein einziger wirklicher Vorteil, in Extremsituationen gar nicht zu gebrauchen war. Bei Jay konnte er das noch verstehen, aber selbst Santiago? Lewis schnaubte missmutig.
      "Ich bin gut im Filtern. Ich kann gleich sehen, was für mich wichtig ist und was nicht. Ich könnte so viel besser sein, wenn ihr mich nur lassen würdet. Das ist frustrierend."
      Wobei er zugeben musste, dass Santiagos Argument stichhaltig waren. Er wusste ja, worauf sie hinauswollten - alle beide - aber Lewis musste nunmal schon über zehn Jahren mit seiner unkontrollierten Magie auskommen, es kam für ihn gar nicht infrage, irgendwelche Informationen seiner Bäume zu ignorieren, wie die beiden Männer es verlangten. Er kam sich vor wie ein Teenager, der gerade erst lernte, die Fäuste richtig zu schwingen.
      Er seufzte.
      "Du hast ja recht. Ich geh einfach nicht so direkt an die Sachen ran. Mein Kampfstil nennt sich Prävention und sieht so aus, dass ich mich nunmal verpisse, noch bevor jemand seine Waffe hebt. Das hat bisher gut geklappt und wird's auch weiterhin. Aus meiner Sicht muss man da nichts dran ändern. Aber ich lass mich natürlich auch weiterhin gern in den Schwitzkasten nehmen; vielleicht lieber, wenn ich dabei nicht denken muss, dass du mir gleich den Kopf abbeißt."
      Bislang hatte er noch nicht herausgefunden, wie er das Thema "gruselige Aura" richtig ansprechen sollte, ohne es dabei für alle Beteiligten unangenehm zu gestalten. Am besten lief es, wenn Santiago sich selbstständig darum kümmerte, seine Albträume zu holen, aber wenn er es nicht tat so wie jetzt, wollte Lewis durch seine Abweisung weder seine Paranoia befeuern, noch ihm das Gefühl geben, dass er nur schlaflos bei ihm sein konnte. Er umschiffte das Thema daher immer irgendwie, mal mehr und mal weniger elegant, so wie jetzt, als er sich die Schuhe derweil anzog. Im derzeitigen Zustand würde eine Nacht bei Santiago höchst unangenehm werden.
      "Ruf mich an, wenn du dir einen Traum besorgt hast? Dann organisieren wir die Übernachtungsparty?"
    • "Vorsicht ist gut, Vorbereitung besser," kommentierte Santi, aber er konnte schon riechen, dass das Thema vorbei war.
      Er würde auch nicht weiter darauf herumreiten, da sich Lewis - so sehr er sich auch darüber beschwerte - sowohl dem Schießtraining seines Bruders, als auch dem Selbstverteidigungskursen mit Santi brav stellte.
      Mit einem Seufzen ließ er sich von seinem Barhocker sinken und schnappte sich seine Jacke, Schlüssel und Smartphone.
      "Normalerweise beschwerst du dich nicht, wenn ich dich beiße," scherzte er und machte sich daran, seine Haustür aufzuschließen.
      Er würde Lewis nicht bis nach Hause fahren, wenn der es nicht explizit wollte. Sich von hinten an ihn zu klammern war aktuell wohl nicht so berauschend, daher konnte es Santi verstehen, wenn Lewis nur zur nächsten U-Bahn Station wollte.
      "Ruf mich an, wenn du dir einen Traum besorgt hast? Dann organisieren wir die Übernachtungsparty?"
      "Ich sag meinen Leuten, sie sollen sich bei deinen Leuten melden. Halt dir vorsichtshalber vielleicht mal morgen frei. Ich hab nicht vor, noch lange mit dem Rotorenlärm meiner imaginären Verfolger zu leben."
      Er warf einen Blick zu den fest verschlossenen Fenstern. Die kugelsicheren Läden waren komplett geschlossen, draußen herrschte die gleiche Stille wie sonst auch. Und trotzdem wusste Santi, dass da ein Hubschrauber war. Er wusste es genauso sehr wie er wusste, dass das nichts als pure Einbildung war.

      Nachdem er Lewis abgesetzt hatte - eine unendlich kleine Interaktion, in der der Streuner von seinem Bike rutschte, seinen Helm abnahm und sie beide kurze Worte des Abschieds austauschten - fuhr Santi auf dutzenden Umwegen nach Hause, um sich für sein Meeting mit Julian fertig zu machen. Der Drang, sich einen Alptraum zu besorgen, war groß, aber Santi widerstand ihm. Diego war leicht um den Finger zu wickeln. Ihre spezielle Beziehung zueinander und die Tatsache, dass sie sich schon jahrelang kannten, machte ihre Zusammentreffen einfach. Julian war eine andere Hausnummer. Seine furchterregende Aura zu haben könnte ihm gelegen kommen, auf die ein oder andere Weise.

      Julian war ein vielbeschäftigter Mann, der immer hundert Dinge gleichzeitig zu tun schien. Zumindest war er immer in Bewegung. Er hatte die Angewohnheit, sich die Büros seiner Untergebenen oder gar Geschäftspartner zu eigen zu machen, wann immer ihm danach war, was Santiago oft dazu bewegte sich zu fragen, ob der Mann überhaupt ein eigenes Büro hatte. Wahrscheinlich nicht. Oftmals hielt Julian seine Meetings auch einfach in fahrenden Autos ab. Oder in seinem Privatjet, so wie heute.
      Santiago musste drei Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen, bevor er mit seinem Bike in eine große Halle einfuhr. Er stellte es neben dem großen, tiefschwarzen und sicherlich kugelsicheren SUV ab und ließ seinen Helm zurück. Er fuhr sich mit einer behandschuhten Hand durch die Haare, um sie zu richten, dann setzte er seine Sonnenbrille auf. Julians Sicherheitsleute hatten weniger Erfahrung mit ihm, weswegen sie nicht sofort zu ihren Waffen griffen oder ihn einfach durchwinkten. Aber sie waren erfahren genug, um zu wissen, wann eine potenzielle Bedrohung vor ihnen stand. Santiago sah sich einigen abschätzenden Blicken gegenüber, die ihn trotz der vielen Kontrollen noch einmal geübt unauffällig nach Waffen absuchten.
      Ein großgewachsener, schlanker Kerl mit dunklen Haaren und schickem Anzug bedeutete ihm, ihm zu folgen. Der Typ nahm Santiago die kleine Treppe mit hoch ins Innere des Privatjets, der in der Halle stand.
      "Mr. Emery? Santiago Di Natale für Sie," kündigte der Mann an.
      "Danke, JP."
      Der Mann neigte kurz den Kopf, dann trollte er sich davon in Richtung der On-Board-Küche. Santiago schlenderte den Mittelgang entlang auf die Schulter zu, die er sah und ließ sich dann gegenüber von Julian in einen der ledernen Sitze sinken. Julian sah aus wie immer: die kinnlangen, braunen Haare waren perfekt nach hinten gestylt ohne schmierig auszusehen; sein Bart war präzise getrimmt und gepflegt; sein Hemd war sauber und faltenfrei und ein paar Stufen dunkler als sein dunkelroter Anzug (die meisten würden das Hemd schwarz schimpfen aber Julian achtete auf Details. Immer). Der Franzose hatte sein Jackett ordentlich gefaltet zur Seite gelegt und die Beine überschlagen. Seine Miede war unlesbar, so wie immer. Santiago würde niemals den Fehler machen, Poker mit diesem Mann zu spielen.
      "Ich muss schon sagen, ich war überrascht, deine Nachricht zu erhalten, Santiago," meinte Julian, ohne Zeit mit irgendwelchen Begrüßungsfloskeln zu verschwenden. "Normalerweise melde ich mich doch bei dir."
      Julian streckte die Hand aus und just in diesem Moment drückte JP ihm einen Drink in die Hand. Weder Julian noch JP fragten, ob Santiago etwas trinken wollte. Stattdessen verschwand der Butler oder was auch immer JP war schnell wieder. Er versteckte es gut, aber Santiago konnte sehen, wie er schluckte, als er sich umdrehte. JP hatte Angst vor ihm. Gut. Ein Augenpaar weniger (auch wenn er die Diskretion von Julians Leuten niemals hinterfragt hätte - Julian war bekannt dafür, Verräter schnell und gnadenlos auszulöschen).
      "Normalerweise bist du auch derjenige, der meine Expertise braucht," antwortete Santiago auf die ungestellte Frage.
      "Du brauchst meine Expertise." Schon wieder keine Frage. "Wobei?"
      "Ich brauche Infors über private Militärs aus Europa, die bereit sind, auf amerikanischem Boden am helllichten Tag eine Schießerei mitten in New York zu veranstalten."
      Julian hob die Augenbrauen - eine seltene Reaktion von dem Mann.
      "Das warst du? Was hast du angestellt?" wollte Julian wissen.
      "Nichts. Zumindest nichts, was eine solche Reaktion provoziert hätte. Also: hast du was für mich?"
      Julian lächelte und nahm einen Schluck von seinem Drink. Santiago wusste, was jetzt kommen würde. Julian war durch und durch Geschäftsmann - ihn konnte Santiago nicht mit ein paar Flirtereien zufriedenstellen.
      "Ich habe da diesen Freund, der seine Lektion einfach nicht lernen will," sagte Julian. "Gib ihm eine kleine Lehrstunde und ich gebe dir, was du willst."
      "Deal."
      Santiago musste nicht lange nachdenken. Er wusste, was Julian von ihm wollte und er wusste, dass er genau das bekommen würde, was er selbst haben wollte. Normalerweise ließ sich Santiago für solche Aktionen bezahlen. Heute wäre es eben kein Geld, sondern Informationen. So spielte man dieses Spiel eben. Es war ja nicht so, als ob Santiago das Geld unbedingt brauchte...
      Mit einem Wink seiner Hand brachte Julian JP dazu, sich in Bewegung zu setzen. Eine Minute später brachten zwei Muskelprotze einen dritten Kerl rein. Auf seinem Hemd waren schon Blutflecken, seine Hände und Füße waren gefesselt, man hatte einen alten Sack über seinen Kopf gestülpt. Santiago wusste, dass der Typ unter dem Sack außerdem geknebelt war.
      Die Muskelprotze stießen ihren Gefangenen auf einen Sitz auf der anderen Seite des Ganges und gingen dann wieder auf Abstand. Santiago hatte nie herausgefunden, warum Julian es in seiner Nähe aushielt, ohne mit der Wimper zu zucken, aber er war sich ziemlich sicher, dass es etwas damit zu tun hatte, dass dieser Kerl praktisch kein Gewissen hatte. Er gehörte nicht zu der Sorte, die sich an Gewalt aufgeilte - es interessierte ihn einfach nicht, was mit anderen geschah. Gewalt, Angst, Schmerz... das waren alles nur Werkzeuge für Julian.
      Santiago stand auf und krempelte die Ärmel seines Hemdes bis zu den Ellenbogen hoch. Er zog dem Typen den Sack vom Kopf und ließ ihn auf den kleinen Tisch zwischen den Sitzen fallen. Der Mann wirkte so unscheinbar, abgesehen von dem engsitzenden Knebel und den Platzwunden um sein linkes Auge herum. Leicht schütteres, dreckig-blondes Haar, ein paar Fältchen, leichte Plautze. Eben einfach nur irgendein Kerl. Ein Teil von Santiago fragte sich, was er verbrochen hatte, dass Julian so wütend auf ihn war. Eine Frage, die er niemals stellen würde. Das ging Santiago nichts an und je weniger er wusste, desto besser für alle beteiligten.
      Stattdessen fragte er: "Willst du irgendwas von ihm hören oder willst du einfach nur deinen Punkt klarstellen?" während er den Typen betrachtete als sei er ein Block Marmor, den er gleich in ein Kunstwerk verwandeln würde.
      Julian schüttelte den Kopf und nippte an seinem Drink.
      "Letzteres," antwortete er.
      Santiago nickte. Der Mann vor ihm schwitze und hyperventilierte jetzt schon, wo er doch nur dastand. Der Teil, der sich fragte, was der Typ verbrochen hatte, wollte dem Mann jetzt versichern, dass es nur halb so schlimm war, dass es schnell vorbei sein würde. Aber Santiago sagte nichts, zog einfach nur langsam seine Handschuhe aus und legte sie ordentlich neben den Sack auf den Tisch. Dann beugte er sich vor, stützte sich mit einer Hand an der Rückenlehne des Sitzes ab. Kurz sah es so aus, als würde er den Typen gleich küssen. Stattdessen nahm Santiago seine Sonnenbrille ab und legte auch die beiseite. Der Mann vor ihm hatte jetzt schon fast eine Panikattacke. Seine Angst roch wie ein Festessen. Santiago ließ seine bloße Präsenz ein bisschen sacken, ließ die Fantasie des Mannes seine Arbeit für ihn erledigen.
      "In Zukunft solltest du dich an die Regeln halten," riet Santiago. "Ich bin die sanfte Option."
      Er legte dem Mann seine Hand an die Wange und ließ seiner Magie freien Lauf. Seine Augen wurden tiefschwarz, als sich der Alptraum aus Santiagos Venen in die Psyche des Mannes fraß und alles zutage förderte, wovor sich der Mann fürchtete. Der Mann wimmerte, schrie vor Angst, wehrte sich gegen seine Fesseln und versuchte, vor Santiago zu flüchten, doch der ließ nicht locker. Er packte den Kerl am Kinn, hielt ihn fest, vertiefte den Terror weiter und weiter. Der Kerl schrie doch tatsächlich nach seiner Mutter, bevor er das Bewusstsein verlor.
      Santiago richtete sich auf und legte den Kopf in den Nacken, atmete tief durch. Mit jedem Atemzug verschwand seine eigene Paranoia. Er zog seine Handschuhe wieder an, setzte seine Sonnenbrille wieder auf. Als er sich wieder Julian zuwandte, hielt der ihm einen Zettel hin. Santiago wusste, dass er darauf die Adresse eines Bankschließfachs finden würde, sowie einen Zeitpunkt zu dem er besagtes Schließfach aufsuchen sollte. Julian würde seine Informationen darin für Santiago deponieren lassen.
      Santiago nahm den Zettel mit einem Nicken entgegen, dann verschwand er wortlos aus dem Privatjet, dem Hangar, von dem Flugplatz. Geschäfte mit Julian waren ganz anders als Geschäfte mit Diego.


    • Lewis verabschiedete sich von Santiago wie von einem guten Freund, was zwar nicht gelogen, aber unheimlich unbefriedigend für sie beide war. Das war die einzige Sache, die ihn richtig störte und die bei Bryce irgendwie angenehmer gewesen war, auch wenn er ganz sicher nicht über diesen Kerl nachdenken wollte. Aber zu Bryce hatte er einfach immer gehen können und Santiago musste er von sich aus verlassen, wenn er wieder normal atmen und denken wollte. Das war einfach nichts, was ihm besonders zusagte. Deshalb klammerte er sich umso stärker an die Hoffnung, dass das morgen etwas werden könnte.
      Bevor er zurück in die Firma ging, besorgte er sich noch einen Five Guys Burger und mampfte ihn im Laufen, quasi als Belohnung dafür, sich Santiagos Training ausgesetzt zu haben. Den ganzen Weg über verspürte er ein gewisses Kribbeln im Nacken, so als würde er beobachtet, aber er konnte einfach nicht erkennen, woher das kommen sollte. Letztendlich ignorierte er es, nachdem sowieso nichts geschah.

      “Die Sins wollen ein Treffen haben. Ich werde ihnen einen Termin vorschlagen und du kommst auch mit.”
      Ich? Ich will nicht mit. Was soll ich da? Die kennen mich doch gar nicht.
      “Du bist Teil des Vorstands und ob du es willst oder nicht, das sind so Dinge, die man als Vorstand eines Unternehmens tut. Du kommst mit”, sagte Jay nachdrücklich.
      Lewis wollte nicht. Es war nicht so, dass er noch nie bei Jays Treffen dabei gewesen wäre, aber sonderlich spannend waren sie für ihn nie. Um seine Deckung aufrecht zu erhalten, dröhnte er sich vorher immer zu, damit seine Augen schön rot waren, und saß dann einfach nur da, während Jay die Geschäfte erledigte. Niemand schenkte ihm sonderliche Beachtung und Lewis wollte sich auch nicht einmischen. Sein einziger Job war Prävention und so achtete er einfach nur auf seine Bäume. Richtig langweilig, weil es bisher nur wenige Male vorgekommen war, dass er eine eskalierende Lage ernsthaft verhindert hatte. Sie waren durch ihre Quote eben ein geschätztes Unternehmen, was selbst Schwarzmarkthändler wertschätzen konnten.
      “Es ist nicht so ein Auftrag”, sagte Jay, als hätte er Lewis' Gedanken gelesen. “... Naja, vielleicht ein bisschen. Ich mache mir schon Sorgen, dass man uns einfach abknallt, aber hauptsächlich will ich dich dabei haben, damit sie wissen, wie ernst wir es meinen. Wir haben echt Scheiße gebaut und das müssen wir irgendwie wieder gut machen, angefangen damit, dass wir uns kooperativ zeigen.”
      Das konnte Lewis akzeptieren, auch wenn er es trotzdem nicht toll fand.
      Hab ich denn eine Wahl?
      “Nein. Ich will, dass du dich von deiner besten Seite zeigst, angefangen damit, dass du nüchtern kommst. Zieh dir gute Jeans und vielleicht ein Hemd an und kämm dir mal die Haare. Du siehst aus, als hättest du dich geprügelt.”
      Verstanden, Boss.
      “Und lass deine dummen Sprüche Zuhause, die können wir dort echt nicht gebrauchen. Das sind mächtige Leute, Lew. Wenn wir es uns mit denen verscherzen, ist es aus mit unserer Zukunft. Auf jede erdenkliche Weise.”
      Da ließ Lewis sein lockeres Gehabe ein wenig fallen.
      Okay. Hab's schon verstanden, wirklich.
      “Davon geh ich aus. Ich schreib dir die Daten, wenn ich sie habe.”

      Einen Tag darauf war Lewis wirklich überglücklich, von einem stattlichen, gut aussehenden Mann auf einem schicken Bike und nicht etwa von einem seelenfressenden Monster abgeholt zu werden. Er war froh darum, dass ihn die Tage von Santiagos zunehmender Paranoia nicht längerfristig heruntergezogen hatten. Fast hatte er befürchtet, nicht mehr denselben Enthusiasmus gegenüber dem Mann zu verspüren wie anfangs, aber darin hatte er sich getäuscht.
      Heyyy! Da ist er ja, der Prachtkerl! Man, ich hab dich vermisst. Küss mich, du Hengst!
      Santiago verweigerte den Schleim, den Lewis ihm da zur Fülle aufschmierte, aber das machte ihm nichts. Der Mann hatte sich darüber beschwert, dass Lewis nicht flirten konnte, also zeigte er ihm jetzt, wie er richtig nicht flirten konnte.
      Er stieg auf und sie fuhren zu ihm nachhause, wo er sich gleich ein Bier aus dem Kühlschrank genehmigte.
      Hast du was rausfinden können?
    • Santi fuhr eine Runde um den Block, um seine professionelle Paranoia zu besänftigen. Lewis' Nachbarschaft gefiel ihm einfach nicht, aber das war Geschmackssache.
      Der Streuner wartete schon am Straßenrand auf ihn, als er seine Maschine zum Stehen brachte. Santi ließ den Blick über die Dächer, Feuerleitern, und Balkone gleiten, bevor er schließlich an Lewis hängen blieb - der sich nach seinem furchtbaren Flirtversuch vorlehnte, um ihn zu küssen. Santi fing sein Kinn mit einer behandschuhten Hand ein und warf ihm einen vielsagenden Blick zu, bevor er den Streuner an sich zog und den Kuss zuließ.
      Er wartete, bis sich Lewis richtig hinter ihn gesetzt und den Helm übergezogen hatte, bevor er seine Maschine aufheulen ließ und durch die Straßen New Yorks sauste. Er machte auch auf dem Weg zu sich nach Hause ein paar Umwege, aber es war weit weniger kompliziert als wenn seine magische Paranoia die Zügel in der Hand hielt.

      "Hast du was rausfinden können?" fragte Lewis, als sich der mit einem Bier in der Hand an seine Kücheninsel lehnte.
      Santi war noch dabei, aus seinen Handschuhen zu schlüpfen, also nickte er bloß in Richtung des Zettels, der neben der Obstschale lag.
      "Noch nicht," meinte er, "aber ich habe ein Wann, um ein Was abzuholen."
      Julian hatte sich selbst (oder eher seinen Leuten) drei Tage Zeit gegeben, um die Informationen aufzutreiben, die Santi haben wollte.
      Santi ging zu Lewis, nahm dem das Bier ab, und nahm selbst einen Schluck, bevor er es zurückgab. Er lehnte seinen Kopf auf Lewis' Schulter und hakte einen Finger durch eine Gürtelschlaufe von dessen Hose. Nachdem ihre letzten physischen Interaktionen von seiner Magie heimgesucht worden waren, hatte er das Bedürfnis, das wieder auszugleichen. Zumal er Lewis gern berührte, das hatte er ja schon vor einer Weile bemerkt.
      "Das Warten lohnt sich aber. Mein Kontakt ist ziemlich gut vernetzt und ich hab gut bezahlt für die Infos. Was auch immer wir bekommen wird gut und akkurat sein."
      Er würde Lewis nicht verraten, dass sein Kontakt Julian Emery war. Nicht, weil er Lewis anlügen wollte, sondern weil er nicht gestehen wollte, dass er gelegentlich für die Konkurrenz arbeitete. Er fand das irgendwie... gemein. Zumal Lewis zu beginn ihrer Bekanntschaft mal gesagt hatte, dass er nicht viel von Julian hielt. Woher er seine Infos hatte, spielte ja aber auch eigentlich keine Rolle.


    • Lewis nahm noch einen Schluck vom Bier, dann stellte er es auf der Kücheninsel ab, um beide Arme um Santiagos kräftigen Nacken zu legen. Der Mann legte wie ein besonders treuer Hund den Kopf auf seiner Schulter ab.
      "Will ich wissen, wer dein Kontakt ist?"
      Er schob eine Hand in seine Haare und begann ihn zu kraulen. Das war schön, jetzt, wo es wieder möglich war.
      "Nein, doch lieber nicht. Ich will mich da nicht einmischen, ich hab schon zu viel zu tun mit Jay."
      Er drehte den Kopf, um mit den Lippen über Santiagos Schläfe zu geistern. Es überraschte ihn immer wieder, wie er den Mann am einen Tag wie einen Albtraum sehen konnte und er am nächsten einfach wieder ganz normal war, als wäre nie etwas passiert.
      "Hmm, wie wär's, wenn wir uns auf die Couch verziehen und ich mich ein bisschen um dich kümmere, nach dem ganzen Aufwand, den du deswegen betrieben hast?"
      Er kraulte mit der Hand seinen Nacken hinab.
      "Du musst dich nur zurücklehnen und mich machen lassen."
    • "Ich würd's dir sowie so nicht verraten," gab Santi zurück. "Ich bekannt für meine Diskretion. Alles, was du wissen musst, weißt du, versprochen."
      Santi schloss die Augen und brummte zufrieden, als Lewis eine Hand in seine Haare schob. Er mochte es, berührt zu werden, wenn die andere Person es mochte, ihn zu berühren. Eine interessante Feststellung, wie Santi fand - aber für den Augenblick waren ihm die Gründe hinter all dem vollkommen egal.
      "Couch klingt gut," brummte Santi.
      Er hob den Kopf und schenkte Lewis ein schiefes Lächeln. Er legte ihm eine Hand an die Wange. Lewis' Gesichtsausdruck sprach Bände. Gegen Julian würde er alles am Pokertisch verlieren, aber gegen Lewis? Dem würde er sogar noch die Hosen abknöpfen. Ein verlockender Gedanke.
      Santi hakte einen Finger vorne in Lewis' Hosenbund und ging langsam rückwärts aus der Küche heraus. Er zog den Streuner mit sich ins Wohnzimmer und ließ sich dann, nachdem er die Arme um Lewis geschlungen hatte, auf die Couch fallen. Nun war er es, der eine Hand in Lewis' Haare schob und sanft daran zog, bis der Streuner den Kopf weit genug gehoben hatte, damit sie sich in die Augen sehen konnten.
      "Ich hoffe, hinlegen zählt auch," raunte er, bevor er Lewis küsste.
      Himmel, wie er das vermisst hatte. Es waren nur ein paar wenige Tage gewesen, aber jetzt, wo Santi wusste, wie es sich anfühlte, eine solche Nähe zu haben, da viel es ihm viel mehr auf, wenn sie plötzlich weg war.
      "Welchen Stress macht dir dein Bruder denn jetzt schon wieder?" fragte Santi, nachdem sie den Kuss gelöst hatten.


    • "Hmm aber selbstverständlich. Wie es dem Herrn beliebt."
      Lewis zog ganz geschmeidig nach, als Santiago sich hinlegte, und schmiegte sich gleich mit dem ganzen Körper an ihn. Es war ein schönes Gefühl, zurück auf dessen Brust zu sein, als hätte er einen langjährigen Freund vermisst. Dabei sollte er viel enthusiastischer über den Schwanz sein, der ihn dort erwartete, als darauf, sich wieder an den Mann kuscheln und ihn küssen zu können. Was war nur mit dem Lewis passiert, der es schnell und hart wollte und dann wieder abzog? Wann war er nur so soft geworden?
      Jetzt interessierte ihn der Gedanke aber wenig, denn Santiago war da, seine Lippen bewegten sich an seinen und Lewis seufzte wohlig in den Kuss hinein. Einige Sekunden ließ er sich extra Zeit dafür, dann richtete er sich auf.
      "Welchen Stress macht dir dein Bruder denn jetzt schon wieder?"
      "Ich soll zu einem Meeting mitkommen."
      Er ergriff seinen Kragen und zog sich das Shirt vom Kopf. Dann griff er nach dem Saum von Santiagos Shirt.
      "Auf."
      Santiago erhob sich genug, damit Lewis es ihm abstreifen konnte, dann legte er sich wieder zurück. Lewis war gleich wieder auf ihm, um ihre nackten Oberkörper aneinander zu schmiegen. Dabei wurde ihm ganz warm und angenehm, irgendwo in ihm drin. Er fühlte sich ganz wohl bei Santiago.
      "So stressig ist das nicht, aber ätzend. Die reden dann über irgendwas geschäftliches und ich kann nur warten bis es fertig ist."
      Er küsste Santiago erneut.
      "Ich soll mich sogar herrichten, Hemd anziehen und sowas. Ich will doch nicht aussehen wie ein scheiß Banker."
      Er küsste ihn erneut, senkte dann den Kopf und begann, in aller Ruhe seinen Hals zu liebkosen.
    • Einem Meeting beizuwohnen klang jetzt nicht unbedingt nach der spannendsten, aber auch nicht nach der stressigsten Aufgabe in der Welt. Santi konnte sich durchaus schlimmeres vorstellen. Wobei er ja durchaus gelernt hatte, wie schwer es Lewis fiel, einfach mal still zu halten.
      Auf Lewis lockeren Befehl hin setzte sich Santi auf und ließ sich von dem Streuner sein T-Shirt über den Kopf ziehen, das dann sonstwo jenseits der Sofalehne landete. Wahrscheinlich direkt neben dem von Lewis. Santi legte sich gleich wieder hin, die Hände locker auf Höhe von Lewis' Hosenbund liegend.
      "So stressig ist das nicht, aber ätzend."
      Er kicherte leise.
      "Willkommen in meiner Welt," meinte er. "Dumm in der Ecke rumstehen für die Ästhetik mache ich ständig. Wenn ich nicht gerade der verlorenen Post nachrenne."
      Er grinste noch immer, als Lewis ihn erneut küsste.
      "Oh nein! Ein ganzes Hemd?! Sag bloß er schickt dich auch noch zum Friseur! Wie furchtbar!"
      Grinsend schob Santi seine Arme unter seinen Kopf und ließ Lewis machen. Er würde den Streuner sicher nicht davon abhalten, jeden Zentimeter seines Körpers zu berühren - egal mit welchem Körperteil. Dafür fühlte es sich viel zu gut an.
      "Wenn du Angst davor hast, wie ein Versicherungsvertreter auszusehen, kann ich dir gern helfen. Ein Topmodel können wir zwar nicht aus dir machen, aber du bist nicht die furchtbarste Leinwand, die ich je hatte."
      Santi meinte diesen Kommentar nur zum Spaß, das wussten sie beide. Aber wie sehr das bloß ein Scherz war... Santi hoffte, dass ihm der Streuner das nicht ansehen konnte. Sicher, Lewis war nicht unbedingt auf konventionelle Weise attraktiv, aber Santi konnte sich kaum an ihm sattsehen. Er konnte nicht einmal sagen, was es war. Er sah Lewis einfach nur gern an, egal was der gerade tat. Natürlich war sein Augenmerkt jetzt gerade erst recht auf dem Streuner, bedachte man, was der gerade mit ihm anstellte, aber auch sonst. Lewis war einfach eine hübsche Aussicht, befand Santi.
      Er schob eine Hand in Lewis' Haare, wie er es so oft tat, und wickelte sich eine Strähne um die Finger. Manchmal, wenn er nachts wach lag und Lewis in seinen Armen schlief, da stellte er sich die Frage, warum er ausgerechnet dieses Kerlchen so toll fand. Was genau den Ausschlag gab. Bisher hatte er noch keine Antwort auf diese Fragen gefunden. Aber war das denn überhaupt wichtig? Er fühlte sich zu Lewis hingezogen, das war doch eigentlich alles, was er wissen musste.
      Santi ließ die Strähne los und schob seine Hand komplett in die wilde Mähne, drückte Lewis ein bisschen tiefer, sodass der nun anstelle seines Halses seine Brust mit Küssen bedeckte. Ab da ließ er Lewis wieder machen, kraulte den Streuner einfach nur noch. Seinen Streuner.


    • Lewis löste sich von Santiagos Hals, um ihm seinen höchst dramatischen Gesichtsausdruck zu zeigen.
      "Ja! Kannst du dir das vorstellen? Ich soll mir die Haare kämmen! Kämmen! Als nächstes verlangt er noch, dass ich mich rasiere."
      Was Lewis ja zumindest so schon tat. Er hatte herausgefunden, dass er mit Bart wie ein Penner aussah. Woran das wohl liegen konnte? Keine Ahnung. Sicher nicht an seinem restlichen Outfit.
      "Wenn du Angst davor hast, wie ein Versicherungsvertreter auszusehen, kann ich dir gern helfen. Ein Topmodel können wir zwar nicht aus dir machen, aber du bist nicht die furchtbarste Leinwand, die ich je hatte."
      "Heute hast du es aber mit den Komplimenten. Mach nur weiter so und du hast mich bald soweit, dass ich dir den Schwanz lutsche."
      Er grinste ihn an, dann senkte er seinen Kopf zurück zu seiner Halsbeuge, um ihm einen Knutschfleck zu verpassen. Von da an wanderte Lewis tiefer, spielte mit beiden Nippeln, bis sie ganz hart in seinem Mund waren, und widmete sich dann erst der eigentlichen Attraktion. Er verwöhnte Santiago nach Strich und Faden, weil ein stöhnender, fluchender Santiago unheimlich geil war, besonders, wenn er dabei in Lewis' Mund zuckte und steinhart wurde. Er ließ ihn nicht kommen, bearbeitete ihn nur so lange, bis er zufrieden mit ihm war. Vielleicht sollte er eines Tages mal versuchen, Santiago zum Betteln zu bringen. Ob er das schaffte? Ob das in seiner Macht lag? Eine berauschende Vorstellung war es schon, den großen Mann unter sich zu sehen, sein Gesicht zu sehen, angestrengt von seinen Bemühungen, die tiefe Stimme zu hören, wie sie ganz verzweifelt wurde. Lewis leckte sich die Lippen. Ja, eines Tages vielleicht.
      Er hatte sich schon vorgedehnt, was er Santiago in aller Ausführlichkeit beschrieb und erzählte, während er auf seinen Fingern ritt. Danach ritt er ihn in sämtlichen Ausführungen, bis der Mann seine starken Hände in Lewis' Hüfte krallte, dass es blaue Flecken geben würde, und in ihm abspritzte. Lewis ritt noch ein bisschen weiter und sprenkelte dann dafür Santiagos Brust mit seinem eigenen Höhepunkt.
      In der Dusche folgte Runde 2 und im Bett eine kleine Runde 3, bevor Lewis sich endgültig für die Nacht an Santiago kuscheln konnte. Er wollte sich nicht eingestehen, dass er schon die ganze Zeit genau darauf gewartet hatte und sich dafür jetzt umso zufriedener an den großen Mann schmiegte. Dann war da wieder eine Hand in seinem Haar und die Welt war um ein weiteres Mal höchst in Ordnung.
      "Weck mich morgen bevor du Frühstück machst. Ich will mitmachen."
      Er schlief ein, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass er den ganzen Abend schon zu keinem einzigen Joint gegriffen hatte.
    • "Du sagst das so, als würdest du das nicht selbst tun wollen," gab Santi mit einem kecken Grinsen zurück.
      Und sie beide wussten, dass er Recht hatte. Lewis war zwar nicht der größte Fan davon, einen Blowjob zu bekommen (auch wenn er durchaus Spaß daran hatte, wenn er Santi doch mal ranließ), aber er verteilte sie ziemlich gern. Santi würde sich nicht darüber beschweren. Der Streuner wusste, wie er seine Zunge zu benutzen hatte.
      Er brummte wohlig, als Lewis ebenjene Zunge an seiner Brust zum Einsatz brachte. Sein Griff in Lewis' Haaren verstärkte sich, als Lewis tiefer und tiefer rutschte. Und als der Streuner unter seine Gürtellinie sank, da war es um ihn geschehen. Verdammt, Lewis wusste mit seiner Zunge umzugehen! Und mit seinem süßen Knackarsch!
      Lewis ritt ihn in den Wahnsinn (und noch ein bisschen darüber hinaus) und Santi zahlte es ihm unter der Dusche in gleichen Maßen zurück. Lewis hielt ihn davon ab, irgendetwas zu tun, als sich von ihm verwöhnen zu lassen, als sich von ihm berühren zu lassen. Unter der Dusche presste Santi den Streuner gegen die kühlen Fliesen und tat es ihm gleich.
      Sie machten eine Pause, während Santi ihnen beiden ein kleines aber ordentliches Abendessen zubereitete. Und dann eine Weile später, ohne allzu große Umwege, fanden sie sich in seinem Bett wieder, wo sie die Hände einfach nicht voneinander lassen konnten. Schlussendlich fummelten sie genug aneinander herum, dass Santi sich gezwungen sah, noch einmal im Badezimmer zu verschwinden und mit einem feuchten Lappen sauber zu machen. Es machte ihm nichts aus. Im Gegenteil: er genoss es, jemandem physisch so nahe sein zu können. Dass ihm jemand physisch so nahe sein wollte. Es war beinahe wie eine Droge.
      "Weck mich morgen bevor du Frühstück machst. Ich will mitmachen."
      Lewis konnte es zwar nicht sehen, aber Santi hob eine Augenbraue.
      "Okay," meinte er.
      Er vergrub sein Gesicht gleich darauf in Lewis' wilder, aber frisch gewaschener Mähne, während er ihm weiter über den Hinterkopf kraulte. Der Streuner lag auf ihm, der Druck und die Wärme äußerst angenehm. Santi hatte das in den letzten Tage mehr vermisst, als er vielleicht sollte.
      Er lag noch eine ganze Weile wach, ließ sich von der Situation entspannen. Es war nicht so, dass er gegen den Drang zu schlafen ankämpfte - er schlief einfach nicht ein. Das war nicht ungewöhnlich für ihn, es wunderte ihn nicht. Aber er genoss es mehr als sonst, einfach weil Lewis da war. So lief es meistens ab, wenn Lewis da war, sich an ihn kuschelte. Irgendwann war dann aber auch seine Zeit gekommen und Santi nickte für ein paar Stunden leichten Schlafes ein.

      Es war der Sonnenaufgang, der ihn weckte. Das sanfte Licht der Sonne flutete sein Apartment Stück für Stück. Santi stand nicht sofort auf, genoss den Frieden in seiner kleinen Höhle noch ein paar Minuten. In der Nacht war Lewis von ihm runtergerollt und lag jetzt auf dem Rücken, alle Viere weit von sich gestreckt. Und Santi lag neben ihm, einen Arm des Streuners über seiner Brust, ein Bein des Streuners über seinem eigenen liegend.
      Santi duckte sich unter dem Arm durch und rollte sich zur Seite. Er kuschelte sich an Lewis' schlanke Brust ähnlich wie der sich oft an ihn kuschelte. Und dort blieb er noch ein paar Minuten liegen, einfach weil es ihm hier gefiel. Dann drückte er einen Kuss auf Lewis Brust, dann noch einen und noch einen. Er arbeitete sich bis zur anderen Seite vor, bevor er sich auf Lewis rollte. Er küsste sich über Lewis' Hals, seinen Kiefer, bis er Lewis' Ohr erreichte.
      "Ponerse de pie*, callejero," raunte er. "El sol ya esta brillando**."
      Er küsste Lewis' Hals ein bisschen mehr, bis sich der Streuner zu regen begann. Dann biss er ihn grinsend in die Schulter. Santi liebte es, seine Spuren auf Lewis zu hinterlassen. Just in dem Moment, in dem er Lewis biss, legte er auf eine Hand auf die Stelle, an die er sich gestern in Runde 1 so geklammert hatte. Er drückte wieder zu. Er hatte keine Ahnung, ob er an Lewis' Schenkel irgendwelche Spuren hinterlassen hatte, aber das spielte gerade auch gar keine Rolle.
      "Frühstück?" fragte er und stützte sich mit einem Ellenbogen neben Lewis' Kopf ab, als sei überhaupt nichts passiert.










      *Aufstehen
      **Die Sonne scheint schon


    • Lewis wachte zu einer tiefen Stimme, Kauderwelsch und Halsküssen auf. Er hatte schon so lange nicht mehr bei Santiago geschlafen, er brauchte einen Moment, um diese Kombination zu verarbeiten und richtig zusammenzusetzen. Als er es dann aber geschafft hatte, grinste er verschlafen und wickelte sämtliche Gliedmaßen um den wuchtigen Körper über ihn.
      Zähne gruben sich in seine Schulter und eine kräftige Hand drückte sehr spürbar auf die sich formenden blauen Flecken seiner Hüfte. Er zuckte, erst von dem Schmerz, dann von dem Genuss, in den sich der Schmerz kurz darauf wandelte. Sein Schwanz wachte auf und erbrachte den Vorschlag, dass man sich um ihn kümmern könnte.
      Da lehnte Santiago sich von ihm weg und machte mit einer Unschuldsmiene den Gegenvorschlag:
      "Frühstück?"
      Lewis nutzte die neue Freiheit erstmal, um sich ordentlich zu strecken. Dann setzte er sich auf und kniff in einen von Santiagos Nippeln.
      "Frühstück."
      Die Sache war die: Er hatte wirklich vorgehabt, beim Frühstück zu helfen. Wirklich. Total. Nein, wirklich! Wie es dann dazu kam, dass Lewis unter der Kücheninsel saß und an zwei Eiern lutschen durfte, während Santiago über ihm das Frühstück zubereitete, das war ihm schleierhaft. Es war eben Kollateralschaden. Eine geringfügige Planänderung. Eine Augmentierung von...
      Er wollte einfach Eier an Santiagos Eier und der Mann hatte ihn in seiner Großherzigkeit gelassen.
      Also holte er sich ein Frühstück bevor dem Frühstück und saß hinterher grinsend und glücklich auf seinem Hocker, um sich den gekochten Eiern zu widmen.
    • Vielleicht hätte er Lewis nicht so wecken sollen, wie er es nun einmal getan hatte. Vielleicht. Würde er sich darüber beschweren, dass Lewis zwischen seinen Beinen hockte, während er den Bacon wendete? Mit Sicherheit nicht. Es erforderte einiges an Selbstkontrolle, das Frühstück nicht zu ruinieren, weil er anderweitig beschäftigt war. Es kostete genauso viel Selbstkontrolle, nicht einfach eine Hand in Lewis' Haare zu schieben, ihn festzuhalten, und sich zu nehmen, was sein Körper wollte.
      Irgendwie schafften sie es am Ende, an der Kücheninsel zu sitzen und ein Frühstück zu genießen. Irgendwo zwischen Bacon wenden und hinsetzen hatte Santis Hirn einfach ausgesetzt und sein Muskelgedächtnis hatte es übernommen, das Frühstück zu servieren.
      "Ich warne dich direkt vor: Ich habe vor zu beenden, was wir beide angefangen haben," meinte Santi und schob sich ein Stück Bacon in den Mund.
      Er hatte Lewis mit Fummeln aufgeweckt. Lewis hatte ihm einen Blowjob gegeben, während er Frühstück gemacht hatte. Er hätte diese Spielereien einfach das sein lassen können - gerade nach gestern - aber das wollte er schlicht nicht. Er wollte diesen schlanken Körper noch einmal zu dem seinen machen und das würde er auch, sofern Lewis keine Einwände dagegen hatte. Er würde es wieder und wieder tun.
      Er wandte sich Lewis zu, legte eine Hand auf die Stelle an dessen Oberschenkel, die bereits einen deutlichen Abdruck seiner Finger trug.
      "Te llevaré hasta que olvides quién, dónde y qué eres. Y cuando termine, adoraré tu cuerpo como si mi vida dependiera de ello*," raunte er mit einem schiefen Lächeln.
      Santi wusste ganz genau, dass Lewis keine Ahnung hatte, was er da sagte - was es nur noch heißer machte, wenn er darüber nachdachte. Er könnte dem Streuner sonst was erzählen, er könnte ihm einen verdammten Gesetzestext vorlesen und Lewis würde trotzdem diese äußerst attraktive Sache mit seiner Unterlippe machen.
      "Die einzige Entscheidung, die du treffen darfst, ist das Wo."










      *I will take you until you forget who, where and what you are. And when I'm done, I'll worship your body like my life depends on it.


    • "Ich warne dich direkt vor: Ich habe vor zu beenden, was wir beide angefangen haben."
      Lewis beobachtete das Stück Bacon dabei, wie es zwischen Santiagos Lippen verschwand. Sein Blick blieb an den jetzt glänzenden, leckeren Lippen hängen. Er grinste.
      Da lehnte sich Santiago zu ihm und legte verheißungsvoll die Finger auf seine bereits hinterlassenen Blutergüsse.
      "Te llevaré hasta que olvides quién, dónde y qué eres. Y cuando termine, adoraré tu cuerpo como si mi vida dependiera de ello."
      Lewis starrte ihn an, starrte seine Lippen an und schämte sich dabei gar nicht, dass sein vernachlässigter Schwanz sich dabei gegen die Boxershort drückte. Er hatte nicht den blassesten Schimmer, was der andere gerade gesagt hatte, aber das machte rein gar nichts, wenn seine Stimme so tief und rau dabei wurde, dass ihm gleich ein Schauer über den Rücken lief. Lewis leckte sich mit der Zungenspitze über die Lippen.
      "Die einzige Entscheidung, die du treffen darfst, ist das Wo."
      "Man, ich hoffe, du hast was wirklich gutes gesagt. Was wirklich gutes."
      Er warf einen Blick durch die Wohnung, um nach dem besagten Wo zu suchen. Es gab hier dutzende Orte, die sich ausgezeichnet dafür eigneten, was er genau wusste, weil sie sie schon eingeweiht hatten. Aber welchen genau - das Bett? Zu zivilisiert. Die Couch? Zu soft. Die Dusche? Zu sauber. Lewis war genau in der richtigen Stimmung, sich von dem Mann benutzen zu lassen, bis sein Gehirn flöten ging. Er wollte drei Tage lang nicht mehr in der Lage sein zu laufen.
      "Kücheninsel", beschloss er daher kurzerhand. Hauptsächlich wegen der harten Oberfläche.
      "Ich bin sowieso pappsatt. Du auch? Wie praktisch!"
      Da sprang er schon auf, räumte die Teller kurzerhand nur in die Spüle rüber und war sofort wieder bei Santiago, um ihn am Kragen zu packen und für einen Kuss zu erobern.
    • Ein Teil von Santi wollte Lewis übersetzen, was er gesagt hatte, nur um diese Sache mit der Lippe nochmal zu sehen. Doch er schwieg. Stattdessen beobachtete er, wie Lewis sich in seinem sonnendurchfluteten Apartment umsah, um die perfekte Stelle für das zu finden, was Santi mit ihm anstellen wollte. Wovon er sich aber nicht abhalten konnte war, mit dem Daumen kleine Kreise über Lewis' Oberschenkel zu malen. Santi würde sich nicht als ungeduldig bezeichnen, im Gegenteil. Aber Lewis änderte regelmäßig die Spielregeln seines Lebens, also ja: er war ungeduldig. Er wollte den Streuner an den Hüften packen und ihre Körper aneinanderpressen und das gleich jetzt.
      "Kücheninsel," verkündete Lewis just in dem Augenblick in dem Santis Selbstkontrolle zu schwanken anfing.
      Der Streuner wandte sich ihm zu und grinste. Instinktiv erwiderte Santi das Grinsen. Und dann verschwand Lewis, um das Geschirr in die Spüle zu werfen. Wenn er wollte, konnte der Streuner ganz schön flink sein.
      Santi lehnte sich in den Kuss hinein, noch immer auf dem Hocker der Kücheninsel sitzend. Er zog Lewis enger an sich, dann schob er seine Hände um ihn herum hinten unter den lockeren Hosenbund der Jogginghosen, die der Streuner sich einmal mehr von ihm ausgeliehen hatte. Mittlerweile gehörte dieses spezielle Paar praktisch schon Lewis. Santi war das nur Recht.
      Er packte Lewis' Hintern mit festem Griff, drückte ihn noch enger an sich. Er grinste in den Kuss hinein und in einer einzigen, kraftvollen Bewegung hob er den Streuner auf seinen Schoß. Er drehte sich ein bisschen und schon war Lewis zwischen ihm und der kalten Marmorplatte der Kücheninsel eingeklemmt. Besonders bequem konnte es nicht sein, die Kante im Rücken zu haben, aber Santi wusste ja mittlerweile, dass Lewis es mochte, wenn Dinge ein bisschen unbequem wurden.
      Jetzt da Santi seine Hände wieder benutzen konnte, schob er sie unter den Saum von Lewis' Shirt. Stück für Stück schob er es nach oben, während er Lewis' Oberkörper mit kurzen, dreckigen Küssen bedeckte. Aber er zog es Lewis nicht über den Kopf, nein. Er rollte den Saum ein bisschen zusammen und stopfte es Lewis mit einem geradezu teuflischen Lächeln zwischen die Zähne, bevor er den Kopf wieder senkte und sich der dürren Brust des Mannes zuwandte. Er hatte dem Streuner versprochen, seinen Körper anzubeten und genau das hatte er vor - wenn auch nicht in der Reihenfolge, die er angekündigt hatte.
      Er streichelte, küsste, leckte über jeden Zentimeter von Lewis' Haut, den er in dieser Position erreichen konnte. Irgendwann wanderten seine Hände tiefer, strichen über die Außenseite von Lewis' Oberschenkeln und Knien. Santi nutzte sein Wissen über das menschliche Nervensystem schamlos aus, indem er Lewis an so vielen Stellen wie möglich berührte, und seine Wahrnehmung in den Overdrive schickte.
      Santi beschäftigte sich minutenlang auf diese Arte, bevor er sich aufrichtete. Mit einem Grinsen schob er eine Hand von Lewis' Bauchnabel über dessen Körper nach oben, unter dem Shirt entlang, bis er seine Finger um Lewis' Kehle legen konnte. Der Rest war einfache Hebelwirkung: Santi drückte Lewis an seiner Kehle nach hinten, hob mit der anderen Hand dessen Oberschenkel und stand zeitgleich auf. Im nächsten Augenblick lag Lewis rücklings auf der Marmorplatte, ohne irgendetwas zu der Übung beigetragen zu haben. Santi hielt ihn da, mit einem lockeren Griff um die Kehle des Streuners, während er mit seiner anderen Hand jetzt an der Jogginghose zerrte. Sobald er den störenden Stoff losgeworden war, lehnte sich Santi über den Streuner, presste ihn mit seinem eigenen Körper fester gegen die kalte Platte, bis ihre Gesichter so dicht bei einander waren, dass sie den Atem des jeweils anderen spüren konnten.
      "Blowjob ja oder nein?" fragte er, seine Stimme kaum mehr als ein leises Raunen.
      Lewis war nicht der größte Fan davon, einen zu bekommen, so viel wusste Santi mittlerweile. Aber er gab ihm trotzdem gern welche - zumal er den Streuner damit auf dutzende Weisen in den Wahnsinn treiben konnte.
      Während er auf seine Antwort wartete, setzte Santi seine Streicheleinheiten mit seiner freien Hand fort, küsste Lewis' Kiefer, Hals, und Schulter. Lewis' Nervensystem würde von ihm keine Pause bekommen, nur weil er eine Frage gestellt hatte.


    • Der Kuss war bereits dreckig und unordentlich, ein Chaos von Zungen und Lippen, die gegeneinander drückten. Santiago verschwendete kaum mehr Zeit als das; seine Hände suchten sich, was sie wollten, und schon wurde Lewis hochgehoben, als wäre er nur ein Fliegengewicht für die muskulösen Arme. Er fand seinen Platz rasch auf Santiagos Schoß, die Kücheninsel direkt in seinem Rücken. Die Platte schnitt ihn in dieser Position, in die Santiago ihn hinein manövriert hatte, aber Lewis hatte kaum Aufmerksamkeit dafür übrig, nicht, wenn Santiago schon sein Shirt packte und es nach oben zog. Lewis rutschte umher, um es sich ausziehen zu lassen, nur dass Santiago gar nicht so weit ging. Er rollte das Shirt zusammen und stopfte es Lewis kurzerhand zwischen die Zähne, wo es auch bleiben sollte. Ein diebisches Grinsen unterstrich sein Protest-Geräusch, das er nur von sich gab, weil er es mit allen Sinnen genießen wollte, benutzt zu werden. Zumindest war es das, wovon er hoffte, dass Santiago es vorhatte.
      Er lehnte sich zurück gegen die Platte in seinem Rücken, als der Mann ohne Umschweife abtauchte und sich seinem freigelegten Oberkörper widmete. Dabei hatte Lewis sich schon fest darauf eingestellt, dass sein Schwanz vernachlässigt werden würde, denn das war einfach nicht Santiagos Art. Das hier war es, die immer wiederkehrenden Streicheleinheiten, die Aufmerksamkeit auf Körperteilen, die Lewis völlig egal waren, die ewigen Küsse und neckenden Bisse und alles weitere, ohne ihm irgendeinen Hauch von Befriedigung zu geben. Darauf war Lewis vorbereitet, das hatte er irgendwie erwartet.
      Das hieß aber noch lange nicht, dass die Ungeduld ihn nicht völlig überrannte, als Santiago ihm über die Schenkel strich, während seine Zähne wieder und wieder über die gleiche Stelle fuhren, gefolgt von Lippen, die überall hin gingen und gleichzeitig gar nichts erreichten, außer Lewis nur noch weiter zu irritieren. Er wusste nicht, ob er angeturnt sein sollte, ob er noch mehr von diesem viel zu viel haben wollte oder lieber gar nichts, aber gar nichts war keine Option und für alles andere war er gänzlich Santiagos Gunst ausgesetzt. Die heute ganz definitiv nicht auf Lewis’ Seite war. Er ließ den Kopf zurückfallen, das Shirt noch immer zwischen die Zähne geklemmt, und gab ungeduldige Laute von sich.
      Hn-i. Kmm hn.
      Er hatte den Mann schon beim Aufwachen gewollt, dann beim Frühstück gewollt und jetzt wollte er ihn immernoch, wenn auch nicht mehr an seinen Beinen und wenngleich sein Oberkörper bald gänzlich irritiert war. Es war ein anderer Schmerz, den er nicht gewohnt war, ein langsamer, schleichender, anstatt der scharfe, präzise Schmerz der Marmorplatte. Er wusste nicht, ob er das wollte. Er wölbte sich Santiago entgegen, was das einzige war, was er sich an Gegenwehr erlaubte, um den Mann nicht zu provozieren.
      Da richtete der andere sich mit einem Grinsen auf, als würde er genau Lewis’ Gedanken mitverfolgen, und brachte eine einzelne, starke Hand zu seinem Hals empor. Das war zumindest etwas, was er gut kannte. Lewis streckte sich in dem Griff, bis sein ganzer Rücken davon schmerzte. Da übte Santiago Druck aus und mit einer fließenden Bewegung war die Platte unter Lewis und nicht mehr hinter ihm. Sie war eiskalt und drückte ihm in die Schulterblätter, aber Lewis mochte es, mochte die Kombination aus seiner unbequemen Lage, aus der Hand an seinem Hals und die andere, die jetzt fordernd an seiner Jogginghose zog. Er streckte die Arme über den Kopf und bekam die andere Kante zu fassen, um sich daran festzuhalten.
      Santiago zog ihn mit einem Ruck aus und war dann gleich über ihm, ein bulliger, von Muskeln gestählter Körper, der Lewis zu zerquetschen drohte. Er nutzte die Lage schamlos aus, um sich an ihm zu reiben, kurz nur, bis Santiago seine Hüfte eingefangen hatte.
      “Blowjob ja oder nein?”
      Darüber musste Lewis nicht nachdenken. Er schüttelte den Kopf.
      Ngh-ngh.”
      Er hatte die Frage noch nie mit Ja beantwortet und das würde er wohl auch nie. Manchmal gab Santiago ihm auch einen ohne zu fragen, der dann nicht schlecht war - natürlich war es nicht schlecht, aber das war einfach eine Art von Aufmerksamkeit, die Lewis nicht haben wollte. Santiago hatte nichts davon, wenn er ihm einen Blowjob gab, wieso sollte er es dann tun?
      Die verfluchten Hände waren jetzt trotzdem wieder an seinen Flanken und Santiago widmete sich Lewis’ Hals, den er mit unwilligen Lauten zu verbergen versuchte. Langsam fühlte sich seine ganze Haut an, als wäre sie vollständig irritiert und so leicht die Küsse auch sein mochten, er wollte einfach nicht mehr davon. Er wollte dass Santiago einen Gang zulegte und ihn endlich richtig in die Platte vögelte. Aber das war ja schließlich nichts neues unter ihnen.