Vorstellung ---> Fortune's Calling [Pumi feat. Codren] - Vorstellung - ღAnime-Rpg-Cityღ
@Codren
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Santiago Di Natale hatte schon so einige seltsame Jobs erledigt. Vor drei Jahren zum Beispiel hatte er in Belgrad eine komplette Bar voller bewaffneter Schläger ausgeschaltet, nur um eine seltene Baseball-Sammelkarte zu besorgen. Als er diesen Job angenommen hatte, da war ihm aber wohl entgangen, dass er damit zum Chauffeur irgendeinen Knirps spielen musste. Hatte Santi besseres zu tun, als am Abend vor einem der vielen Hochhäuser in New York in einem Mietwagen zu sitzen und auf besagten Knirps zu warten? Nein.
Er hatte den Sitz ein wenig nach hinten geneigt und die Augen hinter seiner Sonnenbrille halb geschlossen, während er auf seinen Fahrgast wartete. Schlief er? Nein. Wie denn auch, wenn er das Gefühl hatte, dass die alte Dame an der Bushaltestelle die Straße runter ihn beobachtete? Sein Nummernschild hatte sie sicher schon aufgeschrieben und durch eine der vielen Datenbanken geschickt. Die falsche Identität, mit der er den Wagen gemietet hatte, hatte sie bestimmt auch schon durchschaut. Er könnte aussteigen und sie eliminieren. Würde ihn keine fünf Minuten kosten. Niemand würde es merken, er wusste, was er tat. Aber was, wenn die Bushaltestelle beobachtet wurde? Die alte Dame hatte doch sicherlich Verstärkung hinter einem der viel zu vielen Fenster positioniert?
Santi wusste, dass diese Gedanken nicht rational waren. Er wusste, dass seine Magie ihn angriff, weil er schon seit über einer Woche niemanden mehr in die Hosen hatte machen lassen. Seine Magie war wie eine Autoimmunkrankheit: wenn er keine Krankheitserreger zu bekämpfen hatte, griff sich sein Körper selbst an. Dummerweise griff seine Magie seine Psyche immer an, egal was er tat. Er konnte nur die Symptome ändern. Wenn er die Dame mit ihrer schlimmsten Angst konfrontierte, dann könnte er-
Der Portier des Wolkenkratzers öffnete die Tür für eine junge Gestalt in den schrillsten Klamotten, die sich Santi nur vorstellen konnte: schreiend gelber Sweater aus Wolle, über einem grünen Tanktop, dazu helle Jeans, die aussahen, als seien sie von einem hungrigen Tiger zerfleischt worden. Die schwarze Schiene am rechten Bein war beinahe schon eine Beleidigung für das Outfit.
Santi fügte eins und eins zusammen und schloss, dass dieser Knirps der Knirps war, den er hier abholen sollte. Mit einem Seufzen brachte er seinen Sitz wieder in eine aufrechte Position und stieg aus.
"Jericho?" fragte er.
Der Knirps nickte.
"Santiago?"
Er nickte seinerseits und stieg wieder ein. Der Knirps humpelte auf Krücken um den Wagen herum. Die Krücken wurden auf den Rücksitz geworfen, der Knirps, Jericho ließ sich auf den Beifahrersitz sinken. Kaum zu glauben, dass er Taxi für ein Kind spielen musste.
"Was ist dein Job in dieser ganzen Sache?" fragte Jericho, als Santi ausparkte und sich in den abendlichen New Yorker Verkehr einreihte. "Bist du nur der Fahrer? Oder machst du noch was anderes? Hast du die anderen in der Crew schon gesehen? Normalerweise mach ich ordentliche Backgroundchecks von allen, die involviert sind, aber Apollo wollte mir keine Namen nennen. Keinen außer deinen. Kennst du die anderen? Hast du Namen bekommen?"
Jericho zog einen Energydrink auf der Umhängetasche, die der Knirps im Fußraum geparkt hatte. Santi war einen Seitenblick auf die Dose. Er wollte sie aus dem Fenster schmeißen. Oder selbst trinken. Er brauchte ein Nickerchen.
"Ich hab nur deinen Namen bekommen," antwortete Santi.
Er griff in seine Jackentasche und fischte eine Packung Zigaretten hervor. Er schob sich eine zwischen die Lippen, zündete sie aber noch nicht an.
"Du weißt, dass dich das umbringen kann?" fragte Jericho.
"Tja, das Leben ist nun mal tödlich. Deine Dose da ist ja wohl kaum besser."
"Touché."
Jericho zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck. Santi zündete seine Zigarette an mit dem Zippo, das sein Dad ihm zum Abschluss auf dem College geschenkt hatte. Er drückte brav auf den Knopf, um das Fenster auf der Fahrerseite aufzumachen, damit der Rauch abziehen konnte.
"Wie viele Leute glaubst, tauchen da auf, hm? Was ist die ideale Teamgröße für sowas? Wie viele Leute brauchen wird? Ich hab noch nie in einem Team gearbeitet."
Santi inhalierte tief und blies den Rauch durch seine Nase wieder aus. Er hoffte sehr, dass er diesen Knirps nur von A nach B fahren musste und nicht dafür angeheuert worden war, Babysitter zu spielen, während der Rest dieses ominösen Teams den ganzen Spaß hatte. So lang war sein Geduldsfaden dann doch nicht.
"Ich weiß so viel wie du," antwortete er schließlich. "Mein Auftrag lautet: dich abzuholen, zum Treffpunkt mitzunehmen und dort dann zu auf weitere Anweisungen zu warten."
"Hm. Wie langweilig."
Jericho steckte den Energy Drink in den Getränkehalter und fischte erneut in der Umhängetasche herum, um sich mit einem Tablet zu bewaffnen. Den Rest der Fahrt schwiegen sie einander an - sehr zu Santiagos Freude. Interessanterweise sprangen alle Ampeln im genau richtigen Moment auf Grün um, kaum näherte er sich ihnen. Er schielte zu Jericho rüber und beobachtete, wie der Knirps vergnügt das Tablet angrinste.
Der Treffpunkt war ein leerstehendes Hochhaus. Es sollte mal ein Bürogebäude werden, zumindest behauptete Jericho das nach einer schnellen Suche im Internet. Santi warf den Knirps am Hintereingang raus und parkte den Wagen dann einen Block entfernt, bevor er sich auf einen kleinen abendlichen Spaziergang zurück zum Treffpunkt machte. Dabei behielt er seine Umgebung genau im Blick. Hinter jedem Fenster vermutete sein von Magie verzerrtes Hirn einen Scharfschützen, einen Bombenleger, einen Fotografen von irgendeiner Behörde. Er hörte Schritte hinter sich, checkte dreimal, dass er nicht verfolgt wurde.
Das leerstehende Gebäude war ein stiller Gigant. Santi fand Jericho in der Eingangshalle. Der Knirps lehnte am Tresen, wo eigentlich ein Portier oder sowas sitzen sollte, und tippte auf dem Tablet rum. Santi schnappte sich den Energydrink, der neben Jericho auf dem Tresen stand, und leerte den letzten Rest daraus, bevor er die Dose in einen einsamen Mülleimer warf. Jericho sagte nichts dazu, tippte einfach weiter. Ein DING hallte kurz darauf durch die Halle und einer der Aufzüge öffnete sich. Jericho grinste.
"Apollo sagte was vom 14. Stock. Das lauf ich nicht mal an einem guten Tag hoch," kommentierte der Knirps, schob das Tablet zurück in die Tasche, schnappte sich die Krücken und humpelte dann rüber zu dem Aufzug.
"Ist das Ding denn sicher?" fragte Santiago.
"Jup. Das Gebäude ist komplett fertig gebaut, es ist nur nie jemand eingezogen. Ich hab den Strom wieder eingeschaltet. Wenn ich ein bisschen trickste, krieg ich bestimmt auch die Wasserleitungen wieder zum Laufen."
"Wenn du das sagst."
Die beiden stiegen gemeinsam in den Aufzug. Jericho drückte auf die 14 und die Türen schlossen sich. Kaum setzte sich der Aufzug in Bewegung, rückte Jericho von Santi ab. Er hatte sich schon gefragt, wann der Knirps sich seinen Instinkten ergeben würde. Die meisten Leute hielten keine Autofahrt mit ihm aus.
Oben angekommen drehte Santi eine Runde durch den offenen Büroraum, warf einen Blick in jede der Schreibtischnieschen, vermutete einen Angreifer hinter jeder Ecke. Hier war niemand. Absolut niemand. Das machte Santi nervös. Schlussendlich gesellte er sich zu Jericho im Konferenzraum. Der Knirps hatte diesmal einen Laptop ausgepackt und hackte auf die Tastatur ein.
Santi ließ sich davon nicht stören. Er suchte sich einen Stuhl, zerrte ihn in eine Ecke, und ließ sich darauf fallen. Er streckte die Beine aus, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
"Weck mich, wenn jemand auftaucht," wies er Jericho an.
Nach Jahren der Schlaflosigkeit hatte Santi so einiges über das Konzept von Schlaf gelernt. Unter anderem, wie er in nur einer Minute einschlafen konnte, um ein Powernap zu machen. Er hoffte auf zwanzig Minuten, aber er wusste, wie pünktlich er gewesen war, also bekam er wahrscheinlich eher nur fünf. Sollte ihm reichen. Musste es ja.
Er hatte den Sitz ein wenig nach hinten geneigt und die Augen hinter seiner Sonnenbrille halb geschlossen, während er auf seinen Fahrgast wartete. Schlief er? Nein. Wie denn auch, wenn er das Gefühl hatte, dass die alte Dame an der Bushaltestelle die Straße runter ihn beobachtete? Sein Nummernschild hatte sie sicher schon aufgeschrieben und durch eine der vielen Datenbanken geschickt. Die falsche Identität, mit der er den Wagen gemietet hatte, hatte sie bestimmt auch schon durchschaut. Er könnte aussteigen und sie eliminieren. Würde ihn keine fünf Minuten kosten. Niemand würde es merken, er wusste, was er tat. Aber was, wenn die Bushaltestelle beobachtet wurde? Die alte Dame hatte doch sicherlich Verstärkung hinter einem der viel zu vielen Fenster positioniert?
Santi wusste, dass diese Gedanken nicht rational waren. Er wusste, dass seine Magie ihn angriff, weil er schon seit über einer Woche niemanden mehr in die Hosen hatte machen lassen. Seine Magie war wie eine Autoimmunkrankheit: wenn er keine Krankheitserreger zu bekämpfen hatte, griff sich sein Körper selbst an. Dummerweise griff seine Magie seine Psyche immer an, egal was er tat. Er konnte nur die Symptome ändern. Wenn er die Dame mit ihrer schlimmsten Angst konfrontierte, dann könnte er-
Der Portier des Wolkenkratzers öffnete die Tür für eine junge Gestalt in den schrillsten Klamotten, die sich Santi nur vorstellen konnte: schreiend gelber Sweater aus Wolle, über einem grünen Tanktop, dazu helle Jeans, die aussahen, als seien sie von einem hungrigen Tiger zerfleischt worden. Die schwarze Schiene am rechten Bein war beinahe schon eine Beleidigung für das Outfit.
Santi fügte eins und eins zusammen und schloss, dass dieser Knirps der Knirps war, den er hier abholen sollte. Mit einem Seufzen brachte er seinen Sitz wieder in eine aufrechte Position und stieg aus.
"Jericho?" fragte er.
Der Knirps nickte.
"Santiago?"
Er nickte seinerseits und stieg wieder ein. Der Knirps humpelte auf Krücken um den Wagen herum. Die Krücken wurden auf den Rücksitz geworfen, der Knirps, Jericho ließ sich auf den Beifahrersitz sinken. Kaum zu glauben, dass er Taxi für ein Kind spielen musste.
"Was ist dein Job in dieser ganzen Sache?" fragte Jericho, als Santi ausparkte und sich in den abendlichen New Yorker Verkehr einreihte. "Bist du nur der Fahrer? Oder machst du noch was anderes? Hast du die anderen in der Crew schon gesehen? Normalerweise mach ich ordentliche Backgroundchecks von allen, die involviert sind, aber Apollo wollte mir keine Namen nennen. Keinen außer deinen. Kennst du die anderen? Hast du Namen bekommen?"
Jericho zog einen Energydrink auf der Umhängetasche, die der Knirps im Fußraum geparkt hatte. Santi war einen Seitenblick auf die Dose. Er wollte sie aus dem Fenster schmeißen. Oder selbst trinken. Er brauchte ein Nickerchen.
"Ich hab nur deinen Namen bekommen," antwortete Santi.
Er griff in seine Jackentasche und fischte eine Packung Zigaretten hervor. Er schob sich eine zwischen die Lippen, zündete sie aber noch nicht an.
"Du weißt, dass dich das umbringen kann?" fragte Jericho.
"Tja, das Leben ist nun mal tödlich. Deine Dose da ist ja wohl kaum besser."
"Touché."
Jericho zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck. Santi zündete seine Zigarette an mit dem Zippo, das sein Dad ihm zum Abschluss auf dem College geschenkt hatte. Er drückte brav auf den Knopf, um das Fenster auf der Fahrerseite aufzumachen, damit der Rauch abziehen konnte.
"Wie viele Leute glaubst, tauchen da auf, hm? Was ist die ideale Teamgröße für sowas? Wie viele Leute brauchen wird? Ich hab noch nie in einem Team gearbeitet."
Santi inhalierte tief und blies den Rauch durch seine Nase wieder aus. Er hoffte sehr, dass er diesen Knirps nur von A nach B fahren musste und nicht dafür angeheuert worden war, Babysitter zu spielen, während der Rest dieses ominösen Teams den ganzen Spaß hatte. So lang war sein Geduldsfaden dann doch nicht.
"Ich weiß so viel wie du," antwortete er schließlich. "Mein Auftrag lautet: dich abzuholen, zum Treffpunkt mitzunehmen und dort dann zu auf weitere Anweisungen zu warten."
"Hm. Wie langweilig."
Jericho steckte den Energy Drink in den Getränkehalter und fischte erneut in der Umhängetasche herum, um sich mit einem Tablet zu bewaffnen. Den Rest der Fahrt schwiegen sie einander an - sehr zu Santiagos Freude. Interessanterweise sprangen alle Ampeln im genau richtigen Moment auf Grün um, kaum näherte er sich ihnen. Er schielte zu Jericho rüber und beobachtete, wie der Knirps vergnügt das Tablet angrinste.
Der Treffpunkt war ein leerstehendes Hochhaus. Es sollte mal ein Bürogebäude werden, zumindest behauptete Jericho das nach einer schnellen Suche im Internet. Santi warf den Knirps am Hintereingang raus und parkte den Wagen dann einen Block entfernt, bevor er sich auf einen kleinen abendlichen Spaziergang zurück zum Treffpunkt machte. Dabei behielt er seine Umgebung genau im Blick. Hinter jedem Fenster vermutete sein von Magie verzerrtes Hirn einen Scharfschützen, einen Bombenleger, einen Fotografen von irgendeiner Behörde. Er hörte Schritte hinter sich, checkte dreimal, dass er nicht verfolgt wurde.
Das leerstehende Gebäude war ein stiller Gigant. Santi fand Jericho in der Eingangshalle. Der Knirps lehnte am Tresen, wo eigentlich ein Portier oder sowas sitzen sollte, und tippte auf dem Tablet rum. Santi schnappte sich den Energydrink, der neben Jericho auf dem Tresen stand, und leerte den letzten Rest daraus, bevor er die Dose in einen einsamen Mülleimer warf. Jericho sagte nichts dazu, tippte einfach weiter. Ein DING hallte kurz darauf durch die Halle und einer der Aufzüge öffnete sich. Jericho grinste.
"Apollo sagte was vom 14. Stock. Das lauf ich nicht mal an einem guten Tag hoch," kommentierte der Knirps, schob das Tablet zurück in die Tasche, schnappte sich die Krücken und humpelte dann rüber zu dem Aufzug.
"Ist das Ding denn sicher?" fragte Santiago.
"Jup. Das Gebäude ist komplett fertig gebaut, es ist nur nie jemand eingezogen. Ich hab den Strom wieder eingeschaltet. Wenn ich ein bisschen trickste, krieg ich bestimmt auch die Wasserleitungen wieder zum Laufen."
"Wenn du das sagst."
Die beiden stiegen gemeinsam in den Aufzug. Jericho drückte auf die 14 und die Türen schlossen sich. Kaum setzte sich der Aufzug in Bewegung, rückte Jericho von Santi ab. Er hatte sich schon gefragt, wann der Knirps sich seinen Instinkten ergeben würde. Die meisten Leute hielten keine Autofahrt mit ihm aus.
Oben angekommen drehte Santi eine Runde durch den offenen Büroraum, warf einen Blick in jede der Schreibtischnieschen, vermutete einen Angreifer hinter jeder Ecke. Hier war niemand. Absolut niemand. Das machte Santi nervös. Schlussendlich gesellte er sich zu Jericho im Konferenzraum. Der Knirps hatte diesmal einen Laptop ausgepackt und hackte auf die Tastatur ein.
Santi ließ sich davon nicht stören. Er suchte sich einen Stuhl, zerrte ihn in eine Ecke, und ließ sich darauf fallen. Er streckte die Beine aus, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
"Weck mich, wenn jemand auftaucht," wies er Jericho an.
Nach Jahren der Schlaflosigkeit hatte Santi so einiges über das Konzept von Schlaf gelernt. Unter anderem, wie er in nur einer Minute einschlafen konnte, um ein Powernap zu machen. Er hoffte auf zwanzig Minuten, aber er wusste, wie pünktlich er gewesen war, also bekam er wahrscheinlich eher nur fünf. Sollte ihm reichen. Musste es ja.

