Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • Santiago stutzte. Wer sagte denn bitte Nein zu einem Blowjob?
      Er ließ sich die Sonnenbrille abnehmen - sie war sowieso eher für andere Gedacht als für ihn - und betrachtete Lewis. Er wirkte... überrascht. Nicht auf die Art, die von einer Überraschungsparty im Büro - peinlich berührt - oder von einem tollen Geschenk - offen erfreut - kam, sondern eher auf die Art, die mit dem Öffnung einer Vorladung zur Jury Duty einherging: ängstlich geschockt. Santiago konnte es sogar riechen, die Nervosität, die Lewis mit einem Mal überkam. Ihm war das hier unangenehm, aber auf eine Weise, wie Santiago noch nie erlebt hatte.
      Er lehnte sich zurück auf seine Hacken und brachte Abstand zwischen seinen Mund und Lewis' Schritt. Gerade genug, um Lewis ein wenig zu beruhigen, nicht genug, um nicht gleich weiterzumachen. Er griff nach Lewis Angst, rollte sie über seine Zunge, um ihren Geschmack zu erkennen, um festzustellen, was das Problem war. Dann stand er auf, was Lewis noch weiter beruhigte - der Geruch der Angst ließ nach.
      Er nahm Lewis seine Sonnenbrille ab. Er musste sich ein bisschen strecken, aber er konnte sie auf die Kommode um die Ecke legen, ohne von Lewis abzuweichen. Er strich dem Streuner sanft über die Wange, beruhigte ihn noch ein bisschen weiter.
      "Nein," sagte er sanft. "Ich werde dich nicht einfach ficken. So läuft das mit mir nicht. Wenn ich mit jemandem schlafe, dann kümmere ich mich um diese Person. Wenn du keinen Blowjob willst, dann ist das okay. Aber ich werde dich nicht einfach da drüben auf das Bett werfen und mir nehmen, was ich haben will. Du magst es ruppig, von mir aus. Aber ich werde dir nicht weh tun, nur weil ich scharf auf deinen süßen Hintern bin."
      Er drückte sich wieder an Lewis, sanft diesmal, nicht besitzergreifend. Lewis könnte sich jederzeit von ihm entfernen, wenn er es denn wirklich wollte. Diese Nervosität, diese Angst war immer noch da. Er konnte sie Schmecken, hinten auf seiner Zunge. Sie verriet Lewis auf eine Weise, die nur Santiago entziffern konnte.
      "Hat dich denn in intimen Situationen noch nie jemand mit Respekt behandelt?" fragte er leise.
      Er konnte verstehen, wenn das einmal passierte, aber nie? In welcher Gesellschaft trieb sich dieser Streuner bitte herum, dass niemand ihn auch nur mit einem Funken Respekt behandelte? Er war doch nicht einfach nur ein Spielzeug!
      Lewis Angst machte Santiago wütend. Das war ihm bisher nur bei Kindern passiert.
      Santiago machte wieder einen Schritt zurück, ließ Lewis Raum.
      "Ich werde dich nicht respektlos behandeln," erklärte er und begann, sein Hemd aufzuknöpfen. "Ich werde dich nicht wie einen Gegenstand behandeln," er schlüpfte aus den Ärmeln und ließ das Kleidungsstück zu Boden fallen. "Ich werde heute Nacht nichts tun, was du dir nicht ausdrücklich von mir wünschst," er öffnete seine Hose. "Für heute Nacht gehöre ich dir. Nicht anders herum," er zog seine Hose und seine Boxerbriefs aus, sodass er jetzt splitterfasernackt etwa einen Schritt von Lewis entfernt stand. "Also: Was soll ich tun?


    • Santiago kam zum Glück wirklich wieder hoch; Lewis wusste nicht, was er getan hätte, wenn der Mann einfach weitergemacht hätte. Das ganze abgebrochen? Ganz sicher nicht. Wohl eher durchstehen und darauf hoffen, dass er es nicht noch einmal tat.
      Aber als er sich vor Lewis wieder aufstellte, wirkte er ganz anders und kaum mehr so wie zuvor. Seine überwachsene Präsenz war verschwunden und er drückte Lewis auch nicht mehr so besitzergreifend gegen die Wand. Außerdem waren jetzt seine bernsteinfarbenen Augen sichtbar und sie wirkten... besorgt? Nein, das war nicht das richtige Wort. Betroffen? Was auch immer es war, es war definitiv nicht mehr die Geilheit, die über sie beide hergefallen war.
      Es verwirrte Lewis. Mehr als das verwirrte ihn, dass die schwielige, raue Hand an seiner Wange plötzlich ganz weich und vorsichtig war, als wollte sie ihm nicht wehtun. Ihm nicht wehtun? Das war ja wohl ein völlig absurder Gedanke.
      "Nein."
      Auch Santiagos Stimme war jetzt anders und Lewis konnte sich nicht davon abhalten, ihn mit offenem Mund anzustarren. Hatten sie sich wirklich eine Stunde lang in der Bar aufgeheitzt, die ganze Fahrt hierher gegenseitig angefasst und dann wild herum gemacht, nur um jetzt doch nichts zu tun? Das konnte doch nicht sein ernst sein, oder?!
      Wenn er mit jemandem schlief, dann kümmerte er sich um die Person. Er würde ihn nicht einfach aufs Bett werfen und sich nehmen, was er wollte. Er würde ihm nicht weh tun, nur weil er scharf auf ihn war.
      Lewis fiel dafür nur eine einzige Antwort ein: "Warum nicht?!"
      Er wollte es ruppig, er wollte dass dieser Kerl ihm weh tat. Nichts auf der Welt machte ihn schärfer als das. Aber das würde Santiago nicht machen? Nach all dem, was sie hierher geführt hatte?
      Wieder kam er näher, aber die Rücksichtslosigkeit von vorhin war verschwunden. Stattdessen war er jetzt fast... schonend als er sich an ihn lehnte. Lewis war so davon befremdet, dass er ihn fast weggeschoben hätte.
      "Hat dich denn in intimen Situationen noch nie jemand mit Respekt behandelt?"
      Lewis blinzelte, dann zog er die Augenbrauen zusammen.
      "Natürlich! Was soll das denn für eine Frage sein? Meinst du, ich lass mich vergewaltigen oder so einen scheiß?!"
      Jetzt hätte er ihn mittlerweile wirklich weggeschoben, aber da trat Santiago schon von sich aus einen Schritt zurück und begann, sich sehr gemäßigt zu entkleiden. Lewis sah ihm unbeweglich dabei zu, fassungslos darüber, was hier eigentlich gerade vor sich ging. Was war falsch gelaufen, dass sie jetzt so eine Richtung eingeschlagen hatten? Wo war der schonungslose Kerl geblieben, der einem Wachmann eine Kopfnuss verpasst hatte? Bei diesem Gerede von Respekt und all dem scheiß, wurde er ja noch ganz schlaff.
      Er ließ seinen Blick an Santiagos Prachtkörper herabgleiten - er hatte wirklich einen scharfen Körperbau - und sah dann wieder in sein Gesicht hoch. Der Kerl meinte es völlig ernst.
      "Ich will", begann er mit einem Schritt auf ihn zu, "dass du mir heute Nacht das Hirn rausvögelst ohne Rücksicht auf Verluste. Ich will, dass du mich fickst bis ich schreie und dass du mich dann noch ein bisschen mehr fickst. Mein safeword ist "Kettenreaktion" und solange ich das nicht benutze", er blieb direkt vor ihm stehen und sah aus zusammen gekniffenen Augen zu ihm auf, "will ich, dass du mir alles gibst, was du nur zur Verfügung hast. Keine Rücksicht. Ich bin keine Porzellanpuppe, die du bloß nicht zu grob anfassen darfst. Ich halte das schon aus."
    • "Ich halte das schon aus."
      Santiago musterte den Streuner. Er glaubte diese Worte. Er glaubte sie wirklich. Aber zwischen den Worten eines Menschen und dessen Gefühlen gab es oft eine große Diskrepanz. Santiago war ein Meister darin, Menschen körperlich wie psychisch wehzutun, sie vollkommen zu entstellen, sie ruinieren. Doch selbst er hatte seine Grenzen, die er nicht überschreiten würde. Er musste sichergehen, dass Lewis die Worte, die er da sagte, auch mit jeder Faser seines Seins meinte.
      Er packte ihn im Nacken und zog ihn an seine Brust, vergrub sein Gesicht an Lewis' Halsbeuge und nahm einen tiefen Atemzug. Er ließ seine Magie vom Zaun, ließ sie ein Urteil darüber fällen, was Lewis wirklich meinte. Sie davon abzuhalten, über seine nackte Haut auf den anderen Mann überzugreifen und ihn seine Worte bereuen zu lassen, war ein Leichtes, so vollgefressen wie sie heute war. Und so verriet sie ihm Lewis kleine Geheimnisse, die die er ganz allein in der Dunkelheit nicht zugeben würde.
      "Dann will ich keine weiteren Einsprüche mehr hören, wenn ich dafür sorge, dass du deinen Verstand verlierst," brummte Santiago dem Streuner ins Ohr.
      Dann verpasste er Lewis' nacktem Hintern einen so starken Klaps, dass das Geräusch durch den Raum hallte.
      Er wirbelte sie beide herum, sodass Lewis gegen die andere Wand krachte, als Santi ihn dagegen drängte. Seine Hand schloss sich um Lewis Hals, er küsste ihn wild, packte ihn hart im Schritt.
      Schließlich packte Santiago den Streuner am Hintern und hob ihn hoch, trug ihn zum Bett rüber. Er setzte ihn am Rand ab und sank dann zwischen Lewis' Beinen wieder auf die Knie.
      "Du willst alles haben? Dann kriegst du auch alles, ob du willst oder nicht."
      Mit diesen Worten machte er da weiter, wo Lewis ihn eben noch aufgehalten hatte. Er biss ihn kurz in den Oberschenkel - fest und auf der Innenseite - bevor er seine Lippen ungebremst um Lewis' bestes Stück schloss. Er ignorierte sämtliche Versuche, ihn davon abzuhalten. Lewis hatte Safewords ins Spiel gebracht - damit war für Santiago klar, dass er weitermachen konnte, bis es fiel. Lewis wollte es ruppig? Dann bekam er auch ruppig.
      Santiago nahm ihn hart ran, mit seinem Mund, mit seiner Zunge, bis er spürte, dass Lewis kurz davor war. Als er den Kopf dann zum letzten Mal hob, nutzte er sogar seine Zähne. Er stand auf, packte Lewis am Hals und drängte ihn weiter auf das Bett, krabbelte mit, presste ihn unter sich in die Laken.
      "Eins."
      "Ich will, dass du mir alles gibst."
      Er rang seine Magie nieder, die die Worte des Streuners zu ihrem eigenen Vorteil verdrehte. Hier war kein Platz für Angst, Panik, und Paranoia.
      Santi schob Lewis die Finger in den Mund, befeuchtete sie mit dem Speichel des Streuners - seines Streuners, bevor er sie zwischen die schlangen Beine des Mannes schob. Er nutzte seine eigenen Knie, um sich den Platz zu verschaffen, den er brauchte. Er spielte mit Lewis, übte immer mal wieder ein bisschen Druck aus, ging aber nie weiter, bis sich Unzufriedenheit in die Lust auf Lewis' Gesichtszügen mischte. Dann erst schob er einen Finger in den Mann, drängte bis zum Anschlag hinein. Mit Präzision fand er den einen Punkt, der sich zu gut anfühlte, um wahr zu sein - und er spielte daran herum, bis sich Lewis aktiv unter ihm wandte wie ein Fisch an Land. Dann erst stoppte er, aber nur so lange, bis er einen zweiten Finger in Lewis hineindrücken konnte. Er schlang seinen freien Arm um den Mann, presste ihn mit all seiner Kraft an sich, verhinderte, dass sich der Streuner seiner entzog. Lewis würde nicht davor wegrennen, Lewis würde ihm nicht entkommen.
      Santiago hörte auf, kurz bevor er Lewis auf diese Weise kommen ließ. Er entfernte seine Hand, setzte sich auf.
      "Zwei," raunte er, bevor er sich Lewis' Körper empor küsste.
      Er fing Lewis' Lippen ein, verwickelte ihn einen geradezu dreckigen Kuss. Zeitgleich schloss er eine Hand um Lewis' Schritt und begann, ihn erneut auf die Spitze zu treiben, nur um erneut aufzuhören, bevor Lewis sie wirklich erreichte.
      "Drei."
      Zeit für eine Pause, beschloss Santiago, und setzte sich auf, sodass er direkt über Lewis' Brust kniete. Seine eigene Erektion lag auf dem Brustbein des Mannes. Er packte seinen Streuner bei den Haaren und zwang ihn dazu, ihm einen weiteren Blowjob zu geben. Lewis hatte hier kein Entscheidungsrecht, Santiago gab das Tempo an, bis er ihn wieder an Ort und Stelle hielt. Lewis' Haltung konnte nicht bequem sein, das war ja der Punkt an der ganzen Sache. Santiago hielt ihn an den Haaren fest, gab ihm keine Fluchtmöglichkeit. Er hielt ihn länger als er es im Club getan hatte. Als er Lewis dann endlich wieder wegbewegte, ließ er ihn gleich ganz los.
      Santiagos Waffe heute war nicht Angst und auch nicht Schmerz. Er benutzte Lewis eigene Worte und seine Lust gegen ihn.


    • Endlich, endlich packte Santiago schließlich wieder fester zu, zog Lewis an sich und hielt ihn dort fest, das Gesicht an seine Halsbeuge gedrückt. Kalte Luft streifte seine Haut, dann wurde sie von heißem Atem ersetzt, als er wohl die einzigen Worte raunte, die Lewis wieder ins Boot holten. O ja, genau das hier wollte er jetzt, nichts von diesem ich tu dir nichts Gehabe. Das hier ließ sein Herz schneller schlagen und seine Knie weich werden, nichts anderes.
      Unvermittelt schlug Santiago ihn auf den Hintern, was von der rauen und starken Hand ordentlich schmerzte und Lewis' Lust nur weiter in die Höhe trieb. Er sorg scharf die Luft ein, aber da hatte der andere ihn auch schon vom Boden geholt - wie stark war der Mann eigentlich? - wirbelte sie beide herum und krachte Lewis zurück gegen die Wand. Der stieß sich den Kopf ein weiteres Mal an, keuchte aber in den Kuss herein von dem Feuer, das sich dabei in seinen Lenden ausbreitete. Gott, war das scharf. Er hätte es sich nicht halb so gut ausmalen können, in seinen kühnsten Träumen nicht, als der andere ihn am Hals und am Schritt packte. Es tat weh und war der beste Schmerz überhaupt. Auch ohne eine Berührung wäre er mittlerweile steinhart geworden.
      Erneut hob er ihn hoch, trug ihn einfach mit sich und setzte ihn auf dem Bett ab, aber dieses Mal war da wieder dieses Grinsen auf seinem Gesicht, das er schon im Club gezeigt hatte und das jetzt einen geringen Verdacht in Lewis schöpfte. Der bestätigte sich auch gleich darauf, als er wirklich wieder vor ihm auf die Knie ging, schneller, als Lewis seine Beine vor ihm hätte schließen können.
      Dieser Mistkerl. Er hätte es doch ahnen müssen.
      "Fick dich, hör auf mit dem scheiß."
      Er versuchte die Beine zu schließen, aber genauso gut hätte er versuchen können, einen Betonklotz zu zerbrechen. Santiago war stark und das war nun zu seinem Nachteil.
      "Lass das sein du riesiger - au!" Hatte er ihn da gerade gebissen?! "Weg da, ich mach so einen scheiß ni-"
      Seine Beschwerde ging in einem raschen Atemzug unter, als Santiago doch wirklich keinerlei Zeit verschwendete, ihn ganz zu schlucken. Er verschwendete keine Zeit damit, seine Zunge zum Einsatz zu bringen und genauso wenig, seinen Kopf in Bewegung zu bringen. Und was er dabei zustande brachte - Lewis hatte erst nur einen Atemzug für ihn übrig gehabt, jetzt entrang sich ihm ein Stöhnen, als die Empfindung nicht nur durch seine Lenden, sondern seinen ganzen Körper schoss.
      "Ohh... fuck."
      Diese Konstellation war immernoch merkwürdig, merkwürdig genug, dass er dennoch versuchte, vor Santiago davon zu kommen, aber seine Gegenwehr wurde schnell schwächer. Besser gesagt sank sie mit jedem Mal, als Santiagos Kopf wieder tief genug sank, um ihn ganz zu schlucken. Das, was er dort mit seinem Mund anstellte, sollte verboten sein.
      "Fuck... fuck."
      Er wusste, dass er sein safeword hätte verwenden können. Aber das war für Notfälle und das hier? Das war so weit von einem Notfall entfernt, wie es nur sein konnte. Wann hätte Lewis schon jemals darauf verzichtet, wie eine Welle auf seinen Orgasmus zuzurasen? Er warf den Kopf zurück, krallte sich ins Bettlaken, öffnete sogar seine Beine noch weiter, stöhnte. Und dann... dann...!
      "Fuck!"
      So schnell, wie er den Kopf zurückgeworfen hatte, riss er ihn auch wieder nach vorne, nur um direkt in Santiagos brennende Bernsteinaugen zu blicken, die ihm entgegen kamen. Lewis hätte das fast nicht von sich geglaubt, aber er wollte doch tatsächlich, dass der Kerl diesen verdammten Blowjob zu Ende bringen würde, damit er wenigstens kam.
      "Ich war so kurz davor!"
      Santiago packte ihn, beförderte ihn mit Leichtigkeit aufs Bett und dann war er auf ihm, immernoch ein unverschämt heißer Mann, der seinen nackten Körper gegen Lewis' drückte, aber eben nicht mehr auf Blowjob-Höhe. Unglaublich, dass er wirklich schon so dachte.
      "Eins."
      "Eins was?!"
      Er bekam keine Antwort und konnte auch keine neue Frage stellen. Der Kerl schob ihm zwei Finger in den Mund und als ob er gerochen hätte, dass Lewis ihn beißen würde, hinderte er ihn auch daran. Lewis konnte ihn nur so intensiv anfunkeln, wie es ihm möglich war, bis er die Finger rauszog und sie endlich woanders ansetzte.
      Ansetzte. Aber nicht eindrang. Das ging so lange, bis Lewis unter ihm anfing zu zappeln und eigenmächtig versuchte, ihn in sich aufzunehmen.
      "Komm schon! Mach endlich!"
      Und er machte endlich. In der kurzen Zeit, in der er in Lewis eindrang - schnell, präzise, überraschend wenig schmerzhaft - begriff der endlich einen Knackpunkt dieses Zusammenspiels: Dass er nicht hirnlos alles sagen konnte. Dass er nicht einfach plappern konnte, denn Santiago hatte ihn gefragt, was er tun sollte, und er würde genau das tun, was Lewis ihm sagte. Genau das.
      Und wenn er sagte, dass er endlich machen sollte...
      Der Kerl drang tiefer und tiefer und dann, während Lewis sich noch fragte, ob er es denn überhaupt schon riskieren konnte, nach etwas anderem als nur einem Finger zu fragen, da hatte er genau gefunden, wonach er gesucht hatte.
      Lewis riss die Augen weit auf und bäumte sich gegen den Leib des riesigen Mannes auf.
      "Oh! F... sch... ahh!"
      Welle um Welle um Welle von Ekstase strömten durch seinen Körper, elektrisierten ihn, schienen sich durch seine Blutbahnen zu fressen. Noch hatte Lewis sich aufgebäumt, aber er fiel genauso schnell auch wieder in sich zusammen, griff nach einem Halt, den es nicht gab, und bäumte sich wieder auf. Er wusste nicht, was sein Körper eigentlich anstellen wollte, was er mit seinem Körper eigentlich anstellen wollte, ob es zu viel oder zu wenig war, ob Santiago wieder raus oder mit noch viel mehr eindringen sollte, er wusste nur, dass er soeben eine zweite Lektion gelernt hatte: Der Kerl plapperte auch nicht einfach irgendwas. Wenn er sagte, er würde dafür sorgen, dass Lewis den Verstand verlor, dann tat er genau das. Denn Lewis glaubte echt, dass ihm sein Gehirn flöten ging, als er von seinem Tief wieder höher gebracht wurde, höher und immer höher, es stieg immer weiter und es gab nichts, was er dagegen hätte tun können, egal wie viel er gegen Santiago strampelte und zappelte, der Mann hielt ihn in einem Eisengriff fest, dem er nicht entkommen konnte. In schwindelerregende Höhen wurde er getrieben, von denen er jede Sekunde auf einem Tsunami herunter brechen würde, stöhnend und keuchend und -
      "Nein!"
      Santiago entzog sich ihm einfach und Lewis versuchte ihm nachzuziehen, versuchte den letzten Rest dieses Hochs zusammenzukratzen, nur um endlich die Erlösung zu erhalten, nur dass er ihn wieder davon abhielt. Darauf kam dann auch ein "Zwei", bei dem Lewis endlich begriff, was vor sich ging.
      Das würde er nicht aushalten. Das konnte er nicht aushalten. Er war jetzt schon so zittrig, dass er vermutlich kaum in der Lage gewesen wäre, sich selbst auf den Beinen zu halten.
      "Nein - komm schon, Santiago, lass mich kommen, ich war so nah dran, nur noch ein biss-"
      Er wurde von einem Kuss unterbrochen, der sich mindestens genauso himmlisch anfühlte, aber noch viel besser wurde, als sich dieselbe starke Hand von eben um sein Glied schloss. Dann also so - ja, so war es auch gut, so war es auch sehr, sehr gut. Lewis konnte kaum mithalten bei der Geschwindigkeit des Kusses, gepaart mit der unnachgiebigen Hand, die ihn sofort wieder so hoch holte, wo er eben schon gewesen war. Mittlerweile stöhnte er ungehemmt in Santiagos Mund hinein, schloss die Augen und...
      Riss sie genauso schnell wieder auf.
      "Nein, neinneinnein, bitte, komm schon, nur ein Mal, lass mich kommen, ein einziges Mal, bitte."
      "Drei."
      "Fuck, bitte, nur ein einziges Mal!"
      Sein Schwanz war rot und Lewis fühlte sich, als könnte er jetzt schon schreien. Er brauchte eine Erlösung, sonst würde er noch platzen, würde einfach implodieren. Aber Santiago ließ einfach nicht mit sich reden und kniete sich direkt über ihn. Seine Hand schob sich tief in seine Haare, packte zu und riss seinen Kopf nach oben. Sein Nacken überspannte sich, seine Kopfhaut schmerzte von dem Zug und bevor Lewis sich noch darüber hätte beschweren können - oder gar nochmal gebettelt hätte - zwang der andere ihn schon zum nächsten Blowjob. Es war nicht vorsichtig oder gar rücksichtsvoll, er zog Lewis' Kopf so weit nach vorne, bis ihm die Luft wegblieb und er um das dicke Glied würgen musste. In seinen Augenwinkeln brannten Tränen und Speichel tropfte ihm aufs Kinn. Er konnte sich nicht wieder entfernen, musste ausharren, musste zu schlucken versuchen und gleichzeitig mit seiner Luft kämpfen, bevor der andere ihn endlich ganz entließ. Lewis' Kopf fiel zurück in die Laken und er schnappte gleich nach Luft, bevor er wieder zu betteln begann.
      "Bitte... Santiago... bitte."
      Zumindest war er jetzt wieder halbwegs frei. Als Lewis das begriffen hatte, umfasste er sich gleich selbst, um sich wenigstens endlich über die Klippe zu befördern.
    • Santiago war ein Mann der Gegensätze. Auftragskiller, der nicht tötete. Dieb, der keine Schlösser knacken konnte. Magier, der seine Magie verstecken musste. Angsthase, der andere zu Tode erschreckte. Diese Gegensetze erforderten alle die gleiche Sache, um weiterhin in perfekter Balance zu existieren: Kontrolle.
      Lewis keuchte und das war alles, was Santiago brauchte, um zu wissen, was er da tat. Er schüttelte den Kopf, ein missbilligendes "tsk tsk tsk" auf den Lippen. Er rutschte zwischen Lewis' Beine, packte seine Handgelenke und hielt ihn davon ab, sich selbst zu befriedigen.
      "Das ist mein Job, schon vergessen? Habe ich dir deine Hirnzellen mit nur drei Runden genommen?"
      Die Art, wie sich Lewis gegen ihn wehrte, spornte etwas in ihm an. Er kontrollierte es. Die Art, wie Lewis ihn anbettelte, spornte etwas in ihm an. Er kontrollierte es. Er kontrollierte seine eigene Lust, so sehr sie auch drohte, ihn von innen heraus zu verbrennen. Er kannte Schmerz, er kannte Furcht, er würde sich davon nicht überwältigen lassen. Er kontrollierte sich selbst. Er kontrollierte Lewis.
      Er nahm beide von Lewis' Handgelenken in eine Hand - seine waren praktischerweise angenehm Schlank - und drückte sie über Lewis' Kopf in die Kissen. Dabei beugte er sich zwangsläufig wieder über seinen Streuner. Mit dem Zeigefinger seiner freien Hand zeichnete Santiago eine Linie über Lewis' Augenbraue, seine Wange, seine Unterlippe. Er zog die Linie weiter über Lewis Kinn und Hals. Auf Höhe seines Schlüsselbeins legte er die restlichen Finger auch auf die zarte, weiche Haut des Streuners, die Berührung sanft, hauchzart. Seine Magie wollte ihre Fänge in ihn schlagen. Stattdessen war er es, der seine Klauen wetzte.
      Santiago kratzte mit den Fingern in einer geraden Linie über Lewis gesamten Torso, wechselte von sanfter Berührung zu brutalem Angriff, bis er bei der Hüfte seines Streuners angekommen war. Fünf rote Striemen hoben sich beinahe sofort auf der blassen Haut ab. Und dann war er wieder sanft, als er Lewis Hüfte streichelte, kleine Kreise mit seinen Knöcheln zog.
      Er schenkte Lewis ein sanftes Lächeln, als er die Beine des Streuners mit seinen Knien spreizte. Er küsste ihn sanft, als er die Spitze seines Geschlechts gegen Lewis Eingang legte. Er war nicht brutal als er eindrang. Er machte es langsam, quälend langsam. Er wollte, dass sich Lewis weiter unter ihm wandte, wollte ihn weiter betteln hören und der Streuner gab ihm, was er wollte, weil er ein braver kleiner Streuner war. So verdammt handzahm.
      Santiagos Gesicht schwebte nur wenige Zentimeter über dem von Lewis. Er hielt seine Handgelenke noch immer fest, er hatte sich vollständig in ihm versenkt. Mit der freien Hand strich er über die Kratzer, die er auf Lewis Haut hinterlassen hatte.
      "Was willst du, kleiner Welpe?" hauchte er. "Was soll ich tun?"


    • Lewis stieß einen frustrierten Laut aus, weil es nichts gab, rein gar nichts, was er dagegen hätte unternehmen können, dass Santiago seine Hand wegzog. Selbst, wenn er sich mit seinem ganzen Körpergewicht gegen den Mann geworfen hätte, der hätte ihn vermutlich nur ausgelacht.
      Er musste zulassen, dass der andere seine Hände über seinem Kopf aufs Bett drückte und er dahin zurückgehen musste, unter ihm zu zappeln und sich gegen ihn aufzubäumen. Nicht, dass das etwas gebracht hätte.
      Santiago legte die Finger an sein Gesicht und strich in einer fast sanften Geste über seinen Hals. Seine Hand war vorsichtig, als wollte er ihn nicht verletzen, doch dann setzte er die Fingernägel an und tat genau das. Fast sofort stöhnte Lewis auf, als eine Spur seinen Körper hinab flammte, heiß und glühend, nur um bei seiner Hüfte aufzuhören. Er hätte weitergehen können, Lewis hätte ihn gelassen, er hätte ihn sehr vieles machen lassen. Aber der wieder so plötzliche Kontrast verwirrte ihn, die Sanftheit, die dem Schmerz folgte, und er stieß einen hilflosen Laut in Santiagos Mund aus.
      Santiago… komm schon…
      Er spürte ihn, als er ansetzte. Er drang auch ein - aber das schmerzte überhaupt nicht. Es hätte wehtun können, der Kerl war groß genug, dass er Lewis mit einem einzigen Stoß hätte zerstören können, aber er war so, so langsam, so vorsichtig, dass Lewis gar nicht verstand, dass er ihn nur noch schneller in sich haben wollte, nur noch tiefer, nur noch fester, hauptsächlich irgendwas. Sonst tat es doch immer weh, der Schmerz gehörte dazu. Nicht wahr?
      Santiago drang tiefer und tiefer und schließlich musste er bis zum Anschlag drinstecken, eine Tatsache, die Lewis nur davon erkennen konnte, dass er sich jetzt fest an sich drückte. Aber er bewegte sich nicht der Mistkerl. Er blieb einfach in ihm und Lewis glaubte, dass er wirklich gleich durchdrehen würde.
      Fick mich, komm schon, bitte, mach schon!
      Er zappelte unter Santiago, versuchte sich selbst genug zu bewegen, um sein Ziel zu erreichen. Aber die Masse des Kerls hielt ihn fest.
      Bitte! Bitte! Mach, ich bin soweit! Mir egal wie schnell, aber beweg dich endlich!
    • Santiago brummte, es war beinahe schon ein zufriedenes Summen, und lächelte. Wieder strich er mit den Knöcheln über Lewis' Wange. Der Junge hatte keine Ahnung, wie angenehm, wie ekstatisch ordentlicher Sex sein konnte. Ein kleiner Teil von ihm verfluchte jeden Partner, den Lewis in seinem bisherigen Leben hatte ertragen müssen. Seine Sicht war so verdreht, er erwartete den Schmerz. Die Verwirrung darüber, dass er ausblieb, stand ihm offen ins Gesicht geschrieben. Es war nicht so, dass Santiago keinen Spaß darin finden konnte, Schmerz mit Lust zu verbinden. Es war mehr so, dass er Lewis zeigen wollte, dass man sie auch trennen konnte, ohne irgendetwas zu verlieren.
      Er ließ die Hüften kreisen, langsam, nur ein bisschen. Als er sich zurückzog tat er das nur ein wenig, bevor er sich wieder gegen Lewis drückte. Santi spielte dieses Spiel in Zeitlupe weiter, bis er den Punkt erreicht hatte, an dem er sich beinahe vollständig aus Lewis zurückzog, und um sich in einer einzigen, langsamen, fließenden Bewegung wieder in ihn hineinzuschieben.
      "Wir haben die ganze Nacht," raunte er dem Streuner zu.
      Seine Hand legte sich wieder einmal um Lewis' Hals, aber er übte nur leichten Druck aus.
      "So schnell lass ich dich nicht von der Schippe."
      Er grinste, zog sich aus Lewis zurück, nur um ihm den ersten, schnellen, harten Stoß zu schenken. Aber er war nicht brutal. Er war hart, aber er achtete weiterhin darauf, dass Lust im Vordergrund stand, nicht Schmerz, egal wie sehr er seinen Streuner rammeln wollte wie ein Kaninchen. Das war nicht der Punkt.
      Santiago küsste ihn, fing mehr als ein Stöhnen mit seinen Lippen ein. Er selbst keuchte auch ein paarmal; Lewis fühlte sich einfach zu gut an, um es nicht zu tun. Santiago konnte so tun, als ließe ihn alles kalt, aber dieser Streuner tat es nicht und er erlaubte Lewis, das auch zu hören, das zu sehen.
      Schließlich ließ er Lewis' Handgelenke los und setzte sich auf. Er packte seinen Streuner an der Hüfte, versenkte sich so tief in dem anderen Mann, wie es ihre Körper erlaubten. Es wurde schwerer und schwerer, die Hitze in seinem eigenen Adern in Schach zu halten. Seine Stöße wurden schneller, abgehackter, verloren ihre geschmeidige Eleganz.
      "Fuck," fluchte er und presste eine Hand fest auf die roten Striemen, die er auf Lewis' Haut hinterlassen hatte.
      Das zu sehen, zu wissen, dass er seine Spuren auf dem Mann hinterlassen hatte, turnte ihn mehr an, als es sollte. Er ließ sich gehen, gab sich seiner eigenen Lust hin. Und ja, er fickte Lewis, trieb ihn weiter und weiter...
      ... und dann stoppte er.
      Auf einem instinktiven Level hatte er erkannt, was es hieß, wenn sich Lewis auf diese Weise wandte, wenn er auf diese Weise keuchte, wenn er sich auf diese Weise in die Laken krallte.
      Santiago kniete dort, zwischen Lewis' Beinen, tief in ihm, keuchend vor Lust und Anstrengung. Und er rührte sich nicht einen Millimeter. Er lächelte bloß diabolisch.
      "Vier," verkündete er und ließ sich wieder auf den Mann sinken.
      Er schob ihm eine Hand durch die Haare, küsste ihn in seiner Frustration.
      "Überzeuge mich davon, dich beim nächsten Mal kommen zu lassen," forderte er. "Überzeuge mich davon, dir zu geben, was du willst."


    • Santiago bewegte sich endlich, aber viel, viel, viel, viel zu wenig. Dass der Kerl das überhaupt aushalten konnte, das war für Lewis ein wahres Rätsel, der versuchte, jede noch so kleine Bewegung aufzufassen und zu verstärken. Er selbst wusste, dass er gleich explodieren würde, wenn sie jetzt nicht ordentlich Tempo aufnehmen würden. Oder zumindest Kraft.
      “Wir haben noch die ganze Nacht.”
      Du willst mich verarschen, oder?”, jammerte er zurück. Da war die Hand an seinem Hals auch kein großer Ersatz, sie war nämlich genauso zurückhaltend und drückte gar nicht richtig zu.
      Noch einmal zog Santiago sich zurück - dann stieß er endlich ordentlich nach vorne. Lewis stöhnte voller Inbrunst auf, die ihn selbst erschreckte. Es tat immernoch nicht weh; wie machte der Kerl das bloß? War da irgendein Trick dahinter? Er hätte es gerne gewusst, hatte aber nicht mehr die mentale Kapazität, um sich ernsthaft damit zu beschäftigen.
      Fuck, ja, nochmal, nochmal!
      Er spürte Santiagos ruckartigen Atem an seiner Wange, als der selbst ins Keuchen geriet. Recht so, zumindest war Lewis nicht der einzige, der hier völlig wahnsinnig wurde.
      Kaum als seine Hände dann losgelassen wurden, griff er hinter sich ins Laken, während er voll hörbarer Erwartung dabei zusah, wie der Mann sich aufrichtete, ihn an der Hüfte packte. Sich aus ihm zurückzog.
      Mit seinem neuen Winkel so tief eindrang, dass Lewis die Augen aufriss.
      Scheiße ja, genau da! Ahh -
      Sein Körper brannte auf die beste Art und Weise. Mit jedem Stoß wurde es mehr und Santiago verlor mehr und mehr seine eigene Kontrolle, er jagte dem nach, was auch Lewis gerade zu erreichen versuchte. Da war wieder der schöne, nette Fluch, der dem kräftigen Mann über die Lippen purzelte und mehr Beweis als alles andere dafür war, wie sehr es sie beide immer weiter hoch schaukelte. Und es würde auch nicht mehr lange dauern, nur ein bisschen, nur ganz wenig noch, er war sowieso nicht ganz von seinem Hoch heruntergekommen, nicht nach dem dritten Mal so knapp davor. Jetzt würde er es aber erreichen, es war unausweichlich, er steuerte direkt darauf zu, er warf den Kopf zurück, streckte sich lang wie eine Katze, seine Bauchmuskeln spannten sich in Wellen an…
      Und dann stoppte Santiago abrupt.
      NEIN!
      Lewis ganzer Körper zuckte und warf sich gegen seinen Santiagos Griff. Der ließ ihn weder los, noch ließ er zu, dass Lewis auch nur die kleinste Stimulation erhielt. Es war wahrhaftig zum verrückt werden. Lewis glaubte, dass er gleich heulen müsse.
      “Vier.”
      Fick dich!
      Der Mistkerl legte sich wieder auf ihn, aber der Druck war nicht genug, um ihn doch noch über die Klippe zu befördern. Mittlerweile hatte er eine Sauerei auf sich selbst veranstaltet, die langsam auch ins Bett tropfte.
      Er sollte ihn überzeugen. Lewis spürte jetzt wirklich die Tränen der Verzweiflung in seinen Augenwinkeln.
      Fick dich und lass mich kommen! Ich kann nicht mehr, ich halt das nicht nochmal aus! Willst du dein Ego gestreichelt bekommen? Soll ich dir sagen, wie toll du im Bett bist? Das bist du, der beste, den ich je hatte! Dein Schwanz ist riesig und du fickst wie ein Weltmeister und jetzt lass mich kommen, bitte! Du musst mich nichtmal dafür anfassen, versprochen!
    • Santiago lachte leise und tief an Lewis' Ohr. Ein Meister der Worte war sein Streuner also nicht. Er redete und redete, aber er sagte einfach nichts.
      Er setzte sich wieder auf, strich mit fahrigen Bewegungen über Lewis' Beine, bewegte seine eigenen Hüften aber kein bisschen. Er unterband auch jeden Versuch seines Streuners, sich zu bewegen. Er betrachtete den Mann, das Chaos aus Lust und Frustration, ihrer beider Schweiß, die Spuren, die Santiago auf diesem schlanken Körper hinterlassen hatte.
      "Falsche Antwort," sagte er sanft und ergriff Lewis Schritt.
      Sein Griff war fest, tanzte an der Grenze zu schmerzhaft. In Lewis' Zustand war es ihm ein leichtes, ihn gleich wieder auf die Spitze zu treiben. Er brauchte bloß ein paar schnelle, gemeine Bewegungen mit dem Handgelenk. Doch gerade als Lewis sich von der Klippe stürzen wollte, stoppte Santiago und übte noch mehr Druck auf die Wurzel des Schafts aus.
      "Fünf," verkündete er und ließ Lewis wieder los.
      Stattdessen schlang er seine Arme um den dürren Oberkörper und setzte seinen Streuner auf seinen Schoß. Er ließ seine Hände sanft über Lewis' Rücken gleiten, streichelte ihn für einen langen Moment. Er vergrub sein Gesicht an der Halsbeuge des Mannes, atmete seinen Duft ein, auch wenn die Kombination aus Schweiß, Gras und Alkohol nicht unbedingt das beste au de Parfum war.
      "Wenn du wirklich kommen willst," raunte er Lewis ins Ohr, "dann komm."
      Er küsste Lewis' Hals, seinen Kiefer, er küsste Lewis. Dann lehnte er sich zurück, stützte sich auf seinen Ellenbogen ab. Er gab Lewis die Kontrolle, die er bis eben so eisern festgehalten hatte. Ein Zugeständnis, das er machte, ohne die richtige Antwort erhalten zu haben.
      Er verlagerte sein Gewicht so, dass er sich selbst auf einem Ellenbogen aufrecht halten konnte, um eine Hand frei zu haben, die er sogleich um Lewis' Schritt legte. Er bewegte sie nicht, aber er hatte sich mit voller Absicht so positioniert, dass Lewis' Bewegungen das übernehmen würden. Ihm war egal, ob er selbst die Klippe erreichen würde. Die Chance bestand, aber es spielte keine Rolle. Er wollte, dass sich Lewis gut fühlte. Er wusste nicht, woher dieser Drang kam, er war einfach da und für gewöhnlich hatten seine Instinkte recht. Sie führten ihn oft genug durch seine paranoiden Gedanken, sie retten ihm oft genug das Leben während einem Job. Warum sollten sie jetzt falsch liegen?
      Santiago ließ seinen Daumen sachte über Lewis' Spitze kreisen. Er wusste, dass er den Mann nicht auffordern musste. Aber er wollte ihn ärgern.
      "Komm," wiederholte er sein Angebot. "Oder teste deine Grenzen. Ich bin zufrieden mit beidem. Ich helfe dir gern bei beidem."


    • Für einen Moment glaubte er wirklich, dass es funktioniert hätte. Lewis glaubte es wirklich.
      Aber dann setzte Santiago sich auf und:
      “Falsche Antwort.”
      Da glaubte er, dass seine Welt gerade vor seinen Augen in Brüche ging.
      Nein!
      Er hätte zu keiner Zeit gedacht, dass dieser Kerl ihn jemals soweit haben könnte, dass er ihn anflehte, aufzuhören. Er hätte es wirklich nicht gedacht. Aber in dem Moment, in dem sich Santiagos Hand wieder um sein Glied legte, brach alles entzwei.
      Nein! Nein! Bitte nicht! Fuck, bitte! Santiago!
      Es tat fast weh, gleichzeitig war er so empfindlich, dass es nur ein paar Bewegungen bräuchte bis zum Höhepunkt. Es wäre wirklich nicht viel, was ihm fehlte.
      Aber Lewis hatte seine Lektion gelernt und während er erneut auf den Höhepunkt zuschoss, versuchte er immernoch, Santiago daran zu hindern.
      Bitte! Bitte! Fuck, bitte nicht!
      Er wusste selbst schon gar nicht mehr, was er überhaupt wollte. Aber als er kurz davor war und der Kerl im entscheidenden Moment die Hand wegnahm, war das definitiv nicht, was er mit seinem Geplapper hatte erreichen wollen.
      Er weinte jetzt wirklich, die Tränen rannen ihm an den Seiten hinab, als er doch noch irgendwie versuchte, entweder seinem Griff zu entschlüpfen, oder den letzten, notwendigen Schubser zu erhalten. Natürlich war es alles umsonst. Lewis’ Muskeln zitterten, aber sein Höhepunkt verkroch sich wieder, langsam und schleichend. Er keuchte und sein Körper stand in Flammen.
      “Fünf.”
      Lewis schniefte und wischte sich fahrig übers Gesicht. Fuck, er weinte ja wirklich. Ob er doch safeworden sollte? War das normal?
      Bitte… bitte…
      Die Tränen schienen wenigstens etwas in Santiago zu bewegen. Zumindest wechselte er ihre Position, bis Lewis in seinem Schoß saß und er die kräftigen Arme um den schlankeren Mann schlang. Lewis hatte nicht gewusst, dass er brauchte, was auch immer hier gerade abging, aber sein ganzer Körper zitterte und das einzig gute Gefühl war dabei, wie Santiago gleichmäßig über seinen Rücken streichelte. Eine Sache wurde ihm dabei bewusst: Wenn der andere von ihm abgelassen hätte wie Bryce es tat, wäre irgendetwas in ihm zerbrochen, das er nicht benennen konnte. Jetzt klammerte er sich mit beiden Armen an den Muskelprotz, als wäre er der einzige, der ihn vor dem Ertrinken bewahren konnte.
      Nach einer guten Weile musste er zumindest nicht mehr heulen wie ein Kind und seine Muskeln hörten auch wieder auf zu zittern. Santiago war noch immer in ihm drin und Lewis würde seine eigene Steifheit wohl auch nicht so schnell verlieren. Ganz besonders nicht, nachdem er die geflüsterte Erlaubnis hörte.
      Der Mann küsste ihn fast tröstend, dann lehnte er sich zurück und griff nach Lewis’ Schritt. Der zuckte zusammen, als die mittlerweile bekannte Hand sich um ihn schloss, aber der andere bewegte sich nicht, kein bisschen. Er sah ihn nur mit einem erwartungsvollen Blick an und das obwohl Lewis’ Gesicht nass von Schweiß und Tränen war und ihm seine Haare in alle Richtungen standen. So sexy konnte er gar nicht mehr aussehen. Aber Santiago betrachtete ihn trotzdem nur ruhig.
      “... Kein scheiß?
      “Komm, oder teste deine Grenzen. Ich bin zufrieden mit beidem. Ich helfe dir gern bei beidem.”
      Lewis schluckte und fuhr sich dann durch die Haare. Die Hand, die ihn umschlossen hielt, war zwar der Beweis dafür, dass der andere es ernst meinte, aber vielleicht würde er ja trotzdem in letzter Sekunde loslassen. Und dann würde Lewis safeworden, denn das hielt er wirklich nicht mehr aus. Er würde sich im Bad einen runterholen und wenn er lange genug da drin verbrachte und der andere eingeschlafen wäre, würde er sich auch ungesehen davonmachen können. Kein sehr glorreicher Abschluss für den Abend, aber alles bis dahin war ja durchaus ganz nett gewesen.
      Er schniefte noch einmal, dann setzte er sich langsam, probeweise in Bewegung. Fast sofort schlug die Lust durch seinen Körper, als er von innen und außen stimuliert wurde, aber er hielt sich zurück, behielt Santiago im Auge. Suchte nach einem Anzeichen dafür, dass er seine Meinung wieder ändern würde. Bewegte sich noch einmal und beobachtete, dass Santiago gar nichts tat.
      Er beobachtete ihn nur. Er wartete.
      Also erlaubte Lewis es sich, ein bisschen schneller zu werden, und als er sich ganz auf ihm niederließ und die Hüfte rollen ließ, nur um den einen Punkt in sich drin zu erwischen, stöhnte er auch auf. Santiago ließ immernoch nicht von ihm ab. Da schenkte Lewis dem Kerl sein vollstes Vertrauen und ließ sich völlig gehen.
      Es dauerte wirklich nicht lange. Er war schon so weit oben, dass es nur ein paar Bewegungen brauchte, bis er zurück auf einer Höhe war, die schwindelerregend war. Sein Körper nahm längst die Bewegungen auf, die ihm in Fleisch und Blut lagen und trieb ihn sehr präzise schnell weiter höher. Wenn er die zusammengekniffenen Augen öffnete, konnte er sehen, wie Santiago unter ihm keuchte und aus bernsteinfarbenen Augen zu ihm hochsah. Der von ihm gefällte Goliath. Er würde kommen. Santiago würde kommen und mit seiner manchmal so tiefen Stimme würde er sicherlich fluchen, sein Körper würde zucken, er würde kommen und sich ganz in Lewis entleeren und ihn an den Hüften festhalten, damit er nicht weichen würde und…
      Lewis kam. Er warf lauthals stöhnend den Kopf nach hinten, als sein Orgasmus mit einer Gewalt über ihn hereinbrach, die ihm völlig den Boden unter den Füßen entriss und seine Welt vor seinen Augen explodieren ließ. Er konnte gar nicht aufhören damit, sein ganzer Körper wurde geschüttelt, während Welle um Welle seines Höhepunkts ihn ergriff. In seinen Ohren klingelte es, seine Augen rollten im Kopf nach hinten. Er war sich ganz sicher, dass er zwanzig Minuten lang in Santiagos verdammten Schoß saß und seinem Orgasmus völlig erlegen war. Es war ihm aber auch scheißegal, wie erbärmlich das auch sein mochte.
      Als es endlich weniger wurde, blieb ihm noch nicht einmal die Kraft, sich anständig zur Seite zu rollen. Er fiel auf Santiago, der heiß und verschwitzt war, und schlang die Arme um seinen massigen Körper. Seinen Orgasmus verteilte er schön sauber ekelhaft zwischen ihnen. Das würde nachher noch richtig kleben, aber im Moment war ihm das genauso scheißegal.
      Er hing eine ganze weitere Weile leblos in Santiagos Armen, dann kehrte zumindest seine Denkkraft etwas zurück. Er richtete sich auf und seine Arme zitterten dabei.
      Fuck…
      Er hätte ja versucht, sich von dessen Schoß zu rollen, aber irgendwie traute er sich nicht zu, dass er dann nicht auch aus dem Bett fallen würde. Seine Muskeln fühlten sich wie Gelee an und sein Kopf war völlig ausgehöhlt.
      “... Bist du gekommen?
    • Eine solch emotionale Reaktion auf das, was Santiago getan hatte, was weder selten, noch trat sie besonders häufig auf. Es passierte, es gehörte mit dazu. Aber irgendetwas verriet Santiago, dass es das erste Mal war, dass Lewis so etwas erlebte. Der Streuner mochte sich vielleicht für seine Tränen schämen, aber für Santiago waren sie der Beweis, dass er alles richtig gemacht hatte.
      Lewis testete sich aus, misstrauisch nach dem, was Santiago bisher so alles mit ihm angestellt hatte. Er konnte es ihm nicht verübeln. Also hielt er still, ließ Lewis einfach machen, und hielt sein Versprechen, egal wie gut sich der Mann anfühlte, als er seine Hüften rollte. Er beobachtete Lewis eingehend dabei, wie er zu der gleichen Erkenntnis kam und sich dann gehen ließ. Der Anblick war geradezu berauschend. Das Vertrauen, dass Lewis ihm entgegenbrachte, nachdem er so lange mit ihm gespielt und ihn geradezu enttäuscht hatte, wann immer er die Gelegenheit dazu gehabt hatte.
      Lewis war verdammt gut im Bett. Selbst nach all dem, was Santiago schon mit ihm gemacht hatte, fand Lewis irgendwo die Kraft, sich selbst erneut zum Höhepunkt zu treiben - und er riss Santi ungebremst mit sich. Er hatte nicht fest eingeplant, zu kommen, aber Lewis stellte mit Leichtigkeit klar, dass er es sehr wohl tun würde. Santi erhob absolut keinen Einspruch gegen diesen wundervollen, zuckersüßen Bonus.
      Seine Hüften zuckten von allein, passten sich Lewis Rhythmus ganz automatisch an. Mit seiner freien Hand krallte sich Santiago geradezu in Lewis' Oberschenkel, doch den schien das nicht zu kümmern. Er hatte ja mehr als deutlich klargestellt, dass er mit Schmerz umgehen konnte.
      "Fuck," fluchte Santiago mit Nachdruck durch die Zähne, die Muskeln in seinem Nacken zu angespannt, um noch klar zu sprechen.
      Er weigerte sich vehement, den Blick von Lewis zu nehmen. Er wollte sehen, wie der Mann zerfiel, wie er sich auflöste wegen dem, was er getan hatte. Nach fünf Runden versagtem Glück wurde es glorreich werden, das wusste Santiago.
      Und dann war es soweit. Er wurde Zeuge dessen, was er diesem Mann angetan hatte und es war das schönste Bild, das er je gesehen hatte. Lewis vergaß alles um sich herum, vergaß die Realität und verschwand in einer anderen Dimension, die ausschließlich aus seiner eigenen Lust bestand. Es war so wunderschön mitanzusehen, dass Santiago ihm folgte. Er rammte seine Hüfte nach oben in den Streuner, entlockte ihm ein weiteres, perfektes Stöhnen, und kam selbst mit einer Wucht, die er nur selten erlebt hatte. Seine Finger bohrten sich so fest in Lewis' Oberschenkel, der Mann würde morgen sicherlich blaue Flecken in Form seiner Hände haben. Noch etwas, was Santiago gern sah.
      Er fing Lewis auf, als dieser zurück zur Erde kam, und er hielt ihn fest umschlungen, strich ihm sanft über seinen verschwitzten Rücken, bis er seinen Verstand wieder eingesammelt hatte. Er selbst genoss das Gewicht des Mannes auf seiner Brust, ließ sich von seiner Wärme einhüllen.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit voller absolutem Frieden richtete sich Lewis auf. War das Sorge in seinem Blick?
      "Fuck. Bist du gekommen?"
      Santiago lächelte und strich Lewis eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht.
      "Und das nicht zu knapp."
      Er packte Lewis Hintern, drückte leicht zu.
      "Du fühlst dich verdammt gut an, wenn du dich gut fühlst."
      Santi setzte sich auf und drückte Lewis in die Laken zurück. Er küsste ihn, sanft und beinahe unschuldig. In einer schnellen Bewegung zog er sich aus Lewis zurück. Selbst das sandte einen kleinen Blitz der Lust durch ihn.
      "Bleib liegen," raunte er dem Streuner zu, wohlwissend, dass der sich wahrscheinlich gar nicht mehr bewegen konnte, selbst wenn er das denn wollte.
      Santiago verschwand kurz im Badezimmer, wo er sich selbst saubermachte, bevor er ein Handtuch und einen Waschlappen nahm und beides unter der Dusche mit warmem Wasser durchnässte. Er wrang beides aus, dann kehrte er damit zu Lewis zurück. Er setzte sich neben den Streuner und entfernte die Spuren ihrer Ekstase von Lewis Bauch und Hinterteil, bevor er sich mit großer Sorgfalt daran machte, Lewis mit dem warmen Handtuch abzuwischen. Es war weniger, dass er ihn waschen wollte, und mehr dass er den Mann mit seinen festen, gezielten Berührungen wieder in der Gegenwart verankern wollte. Es glich schon fast einer Art stiller Anbetung, wie er sich so um Lewis Körper kümmerte, den er eben so auseinander genommen hatte.
      Er war vorsichtig mit den roten Kratzern, die er hinterlassen hatte, und auch in Lewis' Schritt passte er auf, wohlwissend wie empfindlich er da für eine kleine Weile sein würde. Dann schnappte er sich Lewis und trug ihn auf den einsamen Stuhl an dem kleinen Schreibtisch, um die Tagesdecke vom Bett ziehen zu können - die hatten sie ordentlich eingesaut. Die landete zusammen mit dem Handtuch und dem Waschlappen achtlos auf dem Boden neben dem Bett. Er brachte Lewis zurück zum Bett und deckte ihn ordentlich zu, bevor er zu ihm unter die Decke schlüpfte und ihn fest an sich zog.
      Man konnte über kuscheln nach dem Sex sagen, was man wollte, jetzt gerade war es schlicht notwendig. Santiago genoss das angenehme Gefühl von Lewis' Rücken an seiner Brust, von der Wärme, die sein Streuner ausstrahlte. Er ließ seine Hände wandern, streichelte Lewis über die Arme, Beine, den Bauch, die Brust. Er mochte es, aber er wusste auch ganz genau, welchen Zweck er damit verfolgte, sogar verfolgen musste für Lewis.
      "Alles okay?" fragte er leise in Lewis' Nacken.


    • Ein für Lewis typisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Das war zumindest etwas, womit er umgehen konnte: Das er gut im Bett war. Das bekam er zuhauf gesagt.
      Ich weiß.
      Er ließ sich in die Bettlaken manövrieren, was chaotisch geworden wäre, wenn er es selbst getan hätte, aber geradezu sanft war, als Santiago es tat. Dieser Aspekt an dem Mann verdrehte ihm womöglich noch mehr den Kopf als dieser weltenbrechende Orgasmus gerade eben: Dass er zwar ein riesiges Muskelpaket war, Wachmännern die Fresse einschlug und irgendeine Magie draufhatte, die einen ganz ähnlichen Effekt zustande brachte, aber dass er gleichzeitig mit seinen rauen Händen so sanft zufassen konnte, dass es mehr wie eine Liebkosung war. Ganz besonders jetzt dachte Lewis daran, als ihn der andere küsste und das auf eine ganz zärtliche Weise. Es war schon fast… romantisch. Lewis fand das genauso komisch wie einen Blowjob zu erhalten.
      Zumindest der Aufforderung, liegen zu bleiben, konnte er getrost nachkommen, denn seine Pudding-Beine hätten ihn in diesem Moment nirgends hinbewegt. Außerdem wollte er nicht die Sauerei auf seiner Brust und seinem Bauch unnötig im Bett verteilen, auch wenn das geradezu unmöglich war. Er war so hart gekommen, dass es genug für Santiago, ihn selbst und auch noch für das Bett gewesen war.
      Es war widerlich. Trotzdem fühlte er sich wie auf Wolke Sieben, als der andere mit einem feuchten Handtuch zurückkam.
      Dann folgte die nächste surreale Aktion, als der wuchtige Santiago sich auf den Bettrand setzte und mit dieser merkwürdigen Zärtlichkeit das ganze Zeug von seinem Körper wischte. Sollte er doch machen, was er wollte, wenn er irgendwelche Rituale hatte, die er nach dem Sex so durchführte, aber Lewis starrte ihn trotzdem dafür an.
      Man, du bist echt schräg drauf manchmal.
      Selbst an seinem Geschlecht war er vorsichtig - sogar mehr als überall sonst, auch wenn das kaum möglich war - wobei Lewis fast damit gerechnet hätte, dass er ihn doch noch einmal eine Runde jagen würde. Nicht, dass Lewis noch eine Runde ausgehalten hätte, aber… gerechnet hätte er schon damit.
      Echt schräg.
      Dann legte der Mann beides zur Seite, stand auf und hob Lewis wie eine Prinzessin auf, der gleich fluchte und die Arme um den dicken Nacken schlang. Er trug ihn aber nur zu einem Stuhl, um die eingesaute Tagesdecke runterzunehmen. Zumindest hatte er den Anstand, nicht in dem versifften Bett schlafen zu wollen.
      Auf die gleiche Weise ging es wieder zurück, dann deckte er doch tatsächlich Lewis als erstes zu, schlüpfte dann zu ihm und schloss einen breiten Arm um ihn. Lewis hätte diesen Kerl echt nicht dazu eingeschätzt, dass er kuschelte, aber so eine Gelegenheit ließ er sich nicht entgehen. Wer würde schon freiwillig darauf verzichten, mit einem scharfen Kerl im Bett zu liegen? Also nahm er sich diesen Arm, akzeptierte die menschliche Decke, die er bot, und rutschte noch nach hinten, bis er seinen Hintern fest an Santiagos Hüfte geparkt hatte. Dann entspannte er sämtliche Muskeln und seufzte zufrieden.
      Das fühlte sich gut an. Das fühlte sich sogar richtig gut an. Besser, als noch was zu kiffen oder noch einen Drink reinzuhauen oder darüber nachzudenken, dass er gleich wieder im Taxi sitzen würde. Eigentlich hatte er erwartet, dass sie nach dem Sex auf den jeweiligen Seiten des Bettes einschlafen würden, so wie man das eben tat, wenn man jemanden aufgerissen hatte, aber das hier war wesentlich besser. Sehr viel besser. Wenn er gekonnt hätte, hätte Lewis wirklich geschnurrt und das lautstark.
      “Alles okay?”
      Ja, man. Sehr.
      Er hatte schon die Augen geschlossen. So fertig wie er war, würde er kaum fünf Minuten zum Einschlafen brauchen. Und jetzt hatte er auch noch Santiago im Rücken, dessen wuchtiger Arm mehr eine Sicherung als alles andere für ihn darstellte. Dabei musste er nur an die Art denken, wie der Kerl ihn ganz am Anfang an die Wand gedrückt hatte, während er den Raum überprüft hatte, und fühlte sich gleich darin bestätigt. Es fühlte sich gut an, in Santiagos Armen zu liegen. Das war einfach eine Tatsache.
      Wirklich. Richtig, sehr.
      Er nuschelte schon in sein Kopfkissen hinein. Vielleicht sabberte er dabei ein bisschen. Heute Nacht würde er jedenfalls den besten Schlaf überhaupt haben.
    • Santiago brummte zufrieden hinter Lewis. Genau das hatte er hören wollen.
      Er drückte einen sanften Kuss in Lewis' Nacken.
      "Ich nehme das als Kompliment auf," raunte er mit einem Lächeln.
      Er ließ seine Hände weiterhin über Lewis' Körper wandern, zeichnete unbedeutende Muster auf seine bleiche Haut. Er spürte, wie der Mann sich immer weiter entspannte, während sein zentrales Nervensystem sich langsam wieder beruhigte. Es dauerte nicht lange, da war Lewis eingeschlafen. Santiago beneidete ihn ein wenig um diesen Frieden. So erschöpft er jetzt auch war, er würde keinen Schlaf finden. Er war noch nicht bereit, sich den zusammengeschusterten Alpträumen von einem Dutzend ausgebildeter Soldaten zu stellen. So mutig war er nicht.

      Santiago verbrachte eine ganze Weile an Lewis gekuschelt, doch als der Frieden drohte, ihn einzulullen, löste er sich vorsichtig von dem Streuner und kletterte wieder aus dem Bett. Er sammelte die Spuren ihres nicht so kleinen Intermezzos ein und warf alles ordentlich in den Wäschekorb, bevor er duschen ging. Die Dusche war kalt, um seinen Kreislauf in Gang zu kriegen und sich ein paar kostbare Minuten des Wachseins zu erkaufen. Mit nur einem Handtuch bekleidet sammelte er ihre Klamotten vom Boden auf. Die von Lewis legte er auf dem Schreibtisch zusammen, für sein eigenes Hemd suchte er sich einen Kleiderbügel. Es war ein bisschen zerknittert, weswegen er die Dusche noch einmal aufdrehte, dieses Mal mit dem Wasser so heiß wie möglich, um den Raum mit Wasserdampf zu füllen. Danach hängte er sein Hemd an die Innenseite der Tür und schloss sie hinter sich. Nicht die beste Methode, um Falten aus Klamotten herauszubekommen, aber auf die Schnelle war es die einzige Möglichkeit. Es war ja auch nicht zu zerknittert, es hatte nur ein bisschen auf dem Boden gelegen.
      Danach gab es nichts mehr für ihn zu tun, außer seiner Schlaflosigkeit zu frönen. Normalerweise beschäftigte er sich in diesen Stunden mit Workout, Recherche, manchmal las er auch einfach nur ein Buch. Oder zwei. Aber er war nicht in seinem Apartment, nicht in seinem Viertel, daher musste er sich damit begnügen, mit seinem Smartphone herumzuspielen.
      Er klickte sich durch die Nachrichten des Tages, las jeden viel zu früh veröffentlichten Artikel über ihren Job in der Federal. Er wagte es nicht, auf seinem privaten Telefon die Routen einzuschlagen, die ihm die wirklichen Details geben würden, also musste er sich damit zufriedengeben, das zu wissen, was die Öffentlichkeit wissen durfte.
      Gegen vier Uhr morgens schrieb er seiner mamá eine Textnachricht. Er wusste, dass sie nicht antworten würde, sie schlief, wie alle Normalsterblichen um diese Uhrzeit. Aber das war okay. Santi liebte seine Eltern und sie liebten ihn. Sie wussten um seine Schlafprobleme. Sie hatten ihn immer ermutigt, offen mit ihnen umzugehen, weil sie wussten, dass er das in der Öffentlichkeit einfach nicht konnte. Nicht, weil er Angst vor den Meinungen anderer hatte, sondern weil seine Magie einfach nicht für den netten Jungen gemacht war, den seine Eltern großgezogen hatten. Zumindest nahmen sie an, dass ihr Junge nett war. Sein papito war nur gut im Umgang mit Smartphones - er hatte ein altes, blockiges Nokia mit Tasten - daher war seine Mutter oft die Empfängerin seiner nächtlichen Gedankenspiele. Er schrieb nicht einfach nur kleine Textnachrichten, er schrieb teilweise ganze philosophische Abhandlungen. So gesehen teilte er mit seiner Mutter sein Tagebuch. Sein Nachtbuch?

      Lewis war verdammt süß, wenn er schlief. Diese Erkenntnis hatte Santiago im Laufe der Nacht mehrfach gemacht. Und jetzt, gegen neun Uhr morgens, im sanften Licht des Morgens, der durch die Vorhänge fiel, war er geradezu anbeißend. Eigentlich war der Streuner ja nicht sein Typ. Auf der anderen Seite hatte Santiago keinen wirklichen Typen. Er hatte nur noch niemanden abgeschleppt, der so chaotisch war. Chaotisch, aber süß.
      "Lewis. Zeit aufzustehen."
      Er strich dem Streuner eine Strähne aus dem Gesicht und rüttelte ihn sanft an der Schulter, bis er grummelnd zu sich kam.
      "Ich geb dir auch ein Frühstück aus, callejero," lockte er den Streuner.


    • Lewis wusste beim Aufwachen am Morgen, dass er gleich noch drei Stunden länger hätte schlafen können. Dass Santiago nicht nur auf war, sondern sich auch noch angezogen hatte, war ihm ein völliges Unverständnis.
      "Hmmmm."
      Er rollte sich auf den Rücken, streckte sich lang und geschmeidig und befreite sich aus der Decke, die seine Beine in Gefangenschaft genommen hatte. Er fühlte sich ausgeschlafen, außerdem hatte er einen Muskelkater in den Beinen, die Kratzer auf seinem Oberkörper brannten ganz leicht und seine Rückseite fühlte sich nicht so an, als stünde sie in Flammen. Kurz gefasst fühlte er sich absolut fantastisch.
      "Frühstück, sagst du?" Er rieb sich die Augen. "Du meinst, du gibst mir ein paar Eier aus?"
      Sein Grinsen kam langsam und breitete sich über sein ganzes Gesicht aus. Peinliches Frühstück nach einem One-Night-Stand mit Santiago abhalten? Unbedingt. Lewis konnte es schon kaum erwarten und das meinte er sogar nichtmal ironisch.
      "Wie bist du schon wach? Sag mir nicht, dass du einer dieser Freaks bist, die mit der Sonne aufstehen oder sowas."
      Er richtete sich auf und fuhr sich durch die zerzausten Haare. Vielleicht würde er die mit dem Hotel-Kamm zu bändigen hinbekommen, aber er dachte fairerweise nicht.
      Bevor er aber aufstand, fiel ihm etwas anderes ein, was er schon längst hätte erledigen müssen.
      "Oh, shit, warte mal. Ich muss mein Handy anmachen."
      Das hatte er bei der Aufregung gestern völlig vergessen. Wenn Jay ihn zu erreichen versucht hatte, lief er mittlerweile bestimmt Amok.
      Er holte sein altes Nokia heraus, schaltete es an und -
      "Ach, leck mich doch."
      Zwei verpasste Anrufe. Immerhin, wenn es was wichtiges gewesen wäre, wären es 15 gewesen.
      Er wägte seine Möglichkeiten ab, dann entschloss er mit Blick auf Santiago und sein versprochenes Frühstück, dass er heute nicht risikofreudig war. Nicht nach den beiden Erlebnissen gestern.
      "Ich muss meinen Bruder zurückrufen. Vielleicht will der was. Du hältst mir deine versprochenen Eier warm?"
      Er grinste ihn an, navigierte zum Kontakt, rief an und musste es gerade mal zweimal läuten lassen.
      "Lewis?"
      "Jep."
      "Wo zum Teufel hast du gesteckt?! Ich hab dich gestern zweimal angerufen!"
      "Ich war noch im Club, da hör ich nichts."
      "Um halb 6?!"
      Oh.
      "Äh... ja."
      Jayden schnaubte sein Jayden-Schnauben.
      "Wer's glaubt! Und wo bist du jetzt?"
      "Oh... gute Frage."
      Er nahm den Hörer weg, um die Frage an Santiago weiterzuleiten, der sie ihm zum Glück beantwortete.
      "Ist da etwa jemand bei dir?"
      "Ja, ich hatte doch ein Date."
      "Aber doch nicht mit-"
      "Wenn du jetzt Bryce sagst, dann schick ich dir jemanden, der dir ganz höchstpersönlich und professionell die Fresse poliert."
      Lewis konnte seinen Bruder am anderen Ende quasi grinsen hören.
      "Schön, dann nicht. Komm trotzdem her, wir haben einen neuen Auftrag und der wird groß werden, Lew. Das wird was ganz großes."
      "Geht nicht, ich hab noch eine Verabredung zum Frühstück."
      "Scheiß auf dein Frühstück und schwing deinen Arsch hier rüber! Sonst bist du gefeuert."
      "Du kannst mich nicht feuern."
      "Aber enterben!"
      "Wem willst du's sonst vererben, der Putzfrau?"
      "Laber nicht und komm Lewis, das mein ich jetzt wirklich ernst."
      Lewis seufzte.
      "Ausnahmsweise."
      "Nicht ausnahmsweise, ich bin dein Boss!"
      "Klar, Chef. Lecken Sie mich mal am allerwertesten, Chef."
      "Du mich auch, Arschgesicht. Rüberkommen. Jetzt."
      Er legte auf und Lewis sah Santiago mit einem Ausdruck ehrlichen Bedauerns an.
      "Das wird nichts mit den Eiern, die Arbeit ruft. Aber..."
      Er drückte ein paar Tasten und hielt dem Mann dann sein Handy hin. Neuer Kontakt zu erstellen. Name: Santi-Baby.
      Lewis grinste.
      "Zum Abendessen nehm ich die trotzdem gerne, wenn du irgendwann wieder Zeit hast."
    • Für dieses verschlafene Grinsen würde Santiago töten. Er hatte keine Ahnung, wo dieser Gedanke herkam, und er sollte ihn wahrscheinlich gleich wieder vergessen, aber es war die Wahrheit. Schlafender Lewis, verschlafener Lewis, mitgeschlafener Lewis... er mochte sie alle. Gefährliche Gedanken. Lewis war nicht einfach irgendjemand. Apollo hatte durchaus Recht gehabt mit den Regeln, die er aufgestellt hatte und sie beide hatten gestern ordentlich dagegen verstoßen. Sie sollten jetzt ihrer beider Wege gehen. Sollten.
      "Ich bin schlimmer als diese Typen," antwortete er und erwiderte Lewis Grinsen mit einem Lächeln.
      Als der Streuner sein Telefon ansprach, warf Santi es ihm vom Schreibtisch zu. Es war aus einer von Lewis' Hosentaschen gerutscht, als er das Kleidungsstück zusammengelegt hatte. Er schnappte sich den Stapel Klamotten und legte ihn neben Lewis auf das Bett, während der einen wahrscheinlich wichtigen Anruf tätigte.
      Santi verschwand im Badezimmer, um in sein Hemd zu schlüpfen. Seine Taktik mit dem Wasserdampf hatte wahre Wunder bewirkt. Von den Falten war fast nichts mehr zu sehen, als er es überstreifte.
      Er kam gerade aus dem Badezimmer zurück, war gerade dabei, die ersten Knöpfe zu schließen, als Lewis ihn fragte, wo sie eigentlich waren. Santi nannte ihm den Namen des Hotels und die Adresse, wo es sich befand.
      "Ja, ich hatte doch ein Date."
      Ein Date? Santiago schmunzelte, auch wenn er genau wusste, dass Lewis über den Job sprach, nicht das, was alles danach passiert war.
      "Wenn du jetzt Bryce sagst, dann schick ich dir jemanden, der dir ganz höchstpersönlich und professionell die Fresse poliert."
      Er hob eine Augenbraue. Gut, mit 1,5 Milliarden auf dem Konto konnte sich der Streuner seine Dienste leisten, aber für gewöhnlich wurde er nicht nur für Brutalitäten angeheuert. Sein Job war alles mögliche mit dem Potenzial handgreiflich zu werden. Für Handgreiflichkeiten selbst heuerte ihn dieser Tage niemand mehr an, schlicht weil er diese Jobs nicht mehr annahm.
      Lewis legte auf und Santiago schloss den letzten Knopf, den er an seinem Hemd schließen wollte - was grundsätzlich einer zu wenig war. Er griff sich seine Sonnenbrille und schob sie in seinen Kragen.
      "Wenn du willst, dass ich jemandem die Fresse poliere, musst du aber ganz tief in die Tasche greifen," meinte er schlickt.
      Dass Lewis ihr gemeinsames Frühstück ausfallen lassen würde, hatte er schon zwischen den Zeilen herauslesen können. Was er jedoch nicht erwartet hatte, war, dass Lewis seine Nummer wollte. Und ein Abendessen.
      Santi musterte das alte Nokia. Er sollte das nicht tun. Er sollte diesen Mann nie wieder sehen, für ihrer beider Wohl. Trotzdem griff er nach dem Telefon und speicherte seine Privatnummer ein. Er veränderte nicht einmal den Namen, den Lewis ihm verpasst hatte.
      "Ich hab dir ja gesagt, dass alle ein Frühstück mit mir vermeiden," sagte er, als er das Telefon zurück gab.
      Er tippte auf die Uhr an seinem Handgelenk.
      "Wenn du noch duschen willst, bevor wir gehen müssen, dann solltest du das jetzt tun. Um zehn ist Check-Out."
      Sein eigenes Smartphone begann in seiner Hosentasche zu vibrieren. Er wusste, wer da anrief und verschwendete demnach keine Sekunde, um danach zu greifen und den Anruf entgegen zu nehmen.
      "¡Hola mamá!"
      Er ging rüber zum Fenster und schielte zwischen den Vorhängen hindurch. Noch war seine Paranoia nicht wieder so stark, dass er nach Snipern Ausschau hielt. Er brauchte nur etwas zu tun, während er telefonierte. Die Aussicht war nicht die beste, aber den Fußgängern und Autos zuzusehen, gab ihm genug Ablenkung, um nicht sinnlos durch das Zimmer zu wandern.
      "Si, estoy bién. ¿Cómo estás? ¿Cómo está papito?"
      Er sah über die Schulter und scheuchte Lewis mit einer Hand in Richtung Badezimmer, damit der Streuner endlich duschen ging, während er seiner Mutter zurhörte.
      "No tuve una pesadilla, no. De hecho, todo lo contrario. Estoy tratando de evitar uno."

      Er telefonierte noch eine Weile mit seiner Mutter. Sie redeten über alles mögliche. Über ihren Buchclub mit tía Marta und tía Silvia, zwei netten alten Damen aus der Nachbarschaft. Über die Predigt von Padre Moreno von letztem Sonntag. Über das Frühstück, ob Santi genug aß, wenn er schon nicht schlief, über seine Nachricht.
      "Tengo que ir. Te llamaré más tarde, ¿vale? ... Te amo también, mamá. Hasta luego."
      Er legte auf und seufzte. Er hasste es, seine Mutter abwürgen zu müssen, aber er im Augenblick hatte keine wirkliche andere Option. Er steckte sein Smartphone weg und wandte sich Lewis zu. Er fügte frisch geduschter Lewis zu seiner Liste hinzu.
      "Soll ich dich noch irgendwo absetzen oder besorgst du dir eine andere Mitfahrgelegenheit?" fragte er den Streuner, den er nicht wiedersehen sollte, aber definitiv wiedersehen wollte.


    • Lewis nahm das Angebot einer Dusche gerne an. Wer wusste schon, wie lange er bei Jay verbringen würde? Fast war er sogar dazu geneigt, Santiago mit dazu einzuladen, aber dann würde es ja doch so lange wie ein Frühstück dauern und sein Bruder war wohl ungeduldig, wenn er das so richtig deuten durfte. Dann also doch schnell alleine duschen.
      Er kam mit feuchten Haaren wieder heraus, während Santiago noch telefonierte. Lewis sprach zwar kein Wort spanisch, aber war das seine Mutter? Das war ja irgendwie putzig. Der große, böse Santiago, der mit seiner Mutter plauderte.
      Das Grinsen auf seinem Gesicht zeigte diesen Gedanken, den der andere nie würde erraten können.
      "Ne, ich nehm die U-Bahn. Wenn ich später komm, kann ich's darauf schieben."
      Er wackelte mit den Augenbrauen, dabei war er sich noch gar nicht so sicher, ob er Santiago wirklich offenbaren wollte, für welche Firma er arbeitete. Sicher hätte der Mann ihn auch ein paar Blocks weiter absetzen können, aber das hätte dann wohl dessen Radius für Lewis' Aufenthaltsort erheblich eingeengt. Und bisher war Lewis zwar etwas unsicher, aber doch eher noch davon überzeugt, dass es für sie alle am besten war, so wenig wie möglich miteinander zu tun zu haben.
      Sex in einem Hotelzimmer war dafür okay. Ja, das war definitiv in Ordnung.
      Lewis kam noch einmal zu ihm, küsste ihn und fasste ihm knapp in den Schritt. Überzogen säuselte er:
      "Bis dann, Santi-Baby. Ich ruf dich an."
      Dann ging er nach draußen mit dem Ziel, an der nächstbesten Ecke erstmal einen Joint zu besorgen, bevor er ins Büro fuhr.


      Jay wartete im Büro schon auf ihn. Er saß an seinem Schreibtisch und winkte ihn zu sich rüber, anstatt ihn sich auf seine Porno-Couch verdrücken zu lassen.
      “Komm her. Mach Sitz. Ich hab ganz fantastische Neuigkeiten.”
      Die habe ich auch, dachte Lewis, der an seine Milliarde und die bald einzutreffenden Goldbarren dachte. Auf dem Weg ins Büro hatte er flüchtig die Nachrichten gecheckt und herausgefunden, dass noch immer alles glatt lief. Ihr Einbruch war ein wahres Meisterwerk gewesen und keiner hatte wirklich eine Ahnung, was vor sich ging.
      Aber er hielt sich zurück. Erst, wenn er den Beweis da hatte, würde er es ihm auch sagen.
      Die da wären?
      “Bryce hat mich kontaktiert. Der Typ, der ihm seine Waren liefert, der bekommt seine Waren wieder von einem anderen Typ und der wieder von einem anderen, aber der, der das Zeug nach Amerika bringt, der ist ein bisschen gegen die Wand gefahren. Hat sich zu viel Ärger eingehandelt, die falschen Leute angestellt, die falschen Berechnungen gemacht, und so weiter, und der braucht jetzt ganz dringend jemanden, der seine liegen gebliebene Ware her transportiert. Du weißt schon, das krass reine Crystal, das Bryce immer zum Verkauf hat. Wir reden hier von Tonnen von diesem Zeug.”
      Das war wirklich eine fantastische Neuigkeit, das musste sogar Lewis einsehen. Aber Eine-Milliarde-Fantastisch? Nicht unbedingt.
      Hört sich gut an. Und jetzt?
      “Jetzt werden natürlich wir das übernehmen, bevor dieser Scheißkerl Emery noch Wind von der Sache bekommt. Immerhin hat Bryce uns als allererstes angefunkt, stell dir das mal vor! Es lohnt sich ja doch, dass du ihm den Schwanz lutschst. Vielleicht solltest du ihn doch ernsthaft daten.”
      Fick dich.
      “Du dich auch. Ich hab schon mit einem Unterhändler von diesem Typ geredet und der meinte, wir könnten uns morgen Abend mit ihm treffen, um einen Vertrag abzuhandeln. Ich habe sofort zugesagt und morgen früh steigen wir in den Flieger.”
      Wo geht’s denn hin?
      “Nach Mexico.”
      Das Stöhnen, das Lewis ausstieß, schien Jays Grinsen nur noch zu bekräftigen.
      Mexico, echt? Das Zeug kommt aus Mexico?
      “Bingo.”
      Ich hasse die mexikanische Grenze.
      Da waren seine Bäume immer besonders schlimm, weil es fast jeden Tag irgendeine Nachricht darüber gab, dass wieder irgendwer über die Grenze gekommen oder erschossen worden war.
      “Ich weiß, aber das hier ist dieses Mal nicht nur die Kohle, die wirklich nicht schlecht ist, sondern auch das Image. Wir haben hier die Chance, weiter zu expandieren! Kannst du dir vorstellen, dass wir für mexikanische Cartelle Lieferwagen stellen? Was für eine Unsumme die zahlen würden, nur für die Möglichkeit, Immigranten sicher nach Amerika zu bringen?”
      Die mexikanische Grenze ist scheiße aufwendig Jay, das pack ich nicht. Ich kann nicht die Grenze machen und den Hafen und die Lagerhäuser und die scheiß Firmen. Ich träume manchmal von meinen scheiß Bäumen, das ist gruselig, man!
      “Aber das hier ist echt wichtig, Lew. Wir müssen das auch nicht für ewig machen. Wir machen das nur ein bisschen, bis sich unser Name etwas mehr etabliert hat, und dann können wir wieder zurück zu den Amis gehen, was hältst du davon?”
      Lewis hielt davon, dass er ja sowieso keine Wahl bei der ganzen Sache hatte. Dabei dachte er nur, dass eine Milliarde Dollar auf sie warteten, die man gut dafür einsetzen könnte, mehr Leute anzustellen. Die konnten dann vielleicht nicht dasselbe wie Lewis, aber ihre Firma verzeichnete bisher eine 100 %ige Erfolgsrate; es wäre doch sicher nicht schlimm, wenn das auf 99 sinken würde. Oder sogar auf 98.
      Aber natürlich hatte Jay sich das schon längst in den Kopf gesetzt und dann würden sie es auch durchziehen.
      Schön. Morgen also Mexico. Und ich muss nichts dazu beitragen?
      “Du musst nur bei mir und mein bekiffter Bruder sein, der sowieso zu nichts zu gebrauchen ist. Den Rest regel ich schon.”
      Meinetwegen.
      “Wir werden reich werden, Lewy!”
      Reich am Arsch. Eine Milliarde Dollar war reich.


      Ein paar Tage später war Lewis wieder zurück und bei seinem Dealer. Ausnahmsweise war er nur mal gekommen, um sich in seiner Techno-Höhle richtig wegzuhauen, aber das eine führte bei Bryce meistens auch zum anderen und so war es keine Überraschung, dass sie wieder im Schlafzimmer landeten, wo sie sich auszogen.
      Bryce?
      “Jo.”
      Bläst du mir einen?
      Bryces Kopf schnellte so schnell hoch, dass es fast gruselig aussah. Seine Augen wurden ganz groß.
      “Scheiße, ist heute dein Geburtstag? Hab ich das vergessen?”
      Nee. Ich hab nur… Lust drauf. Dass du mir einen bläst.
      “Dass ich dir einen blase”, wiederholte er skeptisch.
      Mhm.
      Bryce sah ihn für einen Augenblick fast nachdenklich an, dann trat ein Ausdruck in sein Gesicht, den Lewis sehr gut kannte und der allein schon dafür sorgte, dass es in seinem Unterleib kribbelte.
      Als Bryce sprach, war seine Stimme ein paar Töne tiefer.
      “Hast du dir das denn verdient?”
      Fuck. Eigentlich hatte Lewis das irgendwie… anders angehen wollen, aber der Kerl wusste eben, was er zu ihm sagen musste. Er wusste auch genau, was er da tat, als er zu ihm kam und ihn grob am Hals packte. Lewis fing an zu grinsen und biss sich auf die Lippe.
      “Hmm? Hast du das?”
      Konzentrier dich, Lewis! Du wolltest dich auf die Sache konzentrieren!
      Bryce stank nach Rauch, aber nicht so wie Santiago. Santiago roch eher wie eine Kippe, während Bryce nach einem alten Haus stank, bei dem die Tapeten von dem ganzen Rauch schon von völlig vergilbt waren.
      Konzentrieren!
      Willst du mir nicht nur so einen blasen?
      “Nur so? Wo ist denn da der Spaß für mich?”
      Er packte Lewis beim Schritt und der zuckte zusammen, weil das wirklich weh tat.
      ... Wirklich weh tat? Wieso dachte er denn jetzt auf so eine Weise? Trotzdem verzog er leicht das Gesicht und versuchte, Bryces Griff zu lockern.
      Du könntest Spaß an meinem Orgasmus haben.
      “Willst du mir auch noch in den Mund abspritzen? Sowas mach ich erst recht nicht. Und wenn du schon einen Blowjob willst, musst du dir den schon verdienen.”
      Er schubste Lewis nach hinten und der fiel auf das alte Bett. Die Matratze knarrte kläglich und irgendwo fiel was zu Boden. Bryce war aber gleich auf ihm, zwang seinen Kopf in den Nacken und - naja gut, vielleicht hatte er sein Ziel ein wenig aus den Augen verloren. Beim nächsten Mal dann. Vielleicht.

      Wieso hast du eigentlich Jay angerufen und nicht mich?
      “Hm?”
      Bryce rollte sich wie jedes Mal hinterher wieder seine Zigarette, Lewis hatte wie jedes Mal wieder seinen Joint. Sein Hintern tat ihm zu sehr weh, weil Bryce ihn zu oft auf die gleiche Stelle geschlagen hatte, und jetzt musste er seitlich liegen.
      Für den Auftrag. Den mit dem Transport. Ich bin doch viel öfter bei dir als Jay.
      “Aber Jay ist doch der Boss von euch, nicht?”
      Schon.
      “Na also. Ich geh doch für solche Sachen nicht zum stellvertretenden… irgendwas.”
      Aber du hättest es auch über mich machen können.
      “Hab’ ich aber nicht.”
      Warum nicht?
      Bryce drehte sich zu ihm um.
      “Wieso interessiert dich das so sehr? Biste jetzt beleidigt oder sowas?”
      Ich frag doch nur.
      Bryce grunzte und wandte sich wieder ab.
      “Dann frag weniger. Außer du willst heute auch noch die Peitsche spüren.”
      Das wollte Lewis nicht, weil seine Stimmung irgendwie verpufft war. Er klemmte sich den Joint zwischen die Zähne, stand auf und zog sich an.
      Ich verpiss mich.
      “Klar. Bis nächstes mal.”
      Irgendwie störte es ihn, dass Bryce ihn so einfach ziehen gelassen hatte.

      Es war noch nicht Mitternacht, aber knapp davor. Lewis war bekifft genug, dass er seine Bäume ignorieren konnte, aber die restliche Nacht zu feiern, darauf hatte er keine Lust mehr. Bryce hatte ihn abgeturnt und das war mal etwas ganz Neues. Sich jetzt irgendwo einen neuen Typ zu suchen, mit dem er in irgendeiner Gasse rummachen konnte, das lag nicht wirklich in Lewis' Sinn.
      Dafür kannte er aber schon einen anderen Typ, der nicht neu war, und den er all die Tage versetzt hatte, wegen der ganzen Mexico-Geschichte. Naja, versetzt konnte man nicht unbedingt sprechen, nachdem sie keinen Zeitpunkt ausgemacht hatten, aber er fühlte sich trotzdem schlecht deswegen. Wenn er zu lange wartete, würde er ihn vielleicht irgendwann vergessen und die Chance zu verlieren, einen derartigen Abend nochmal zu erleben, das wollte Lewis ganz sicher nicht.
      Also zog er sein Nokia heraus und versuchte sein Glück. Er wählte Santi-Baby aus und rief an. Es klingelte, aber der Typ nahm tatsächlich ab.
      "... Hey, man! Hier ist Lewis. Du hast mir doch die Eier versprochen, vor ein paar Tagen, im Hotel? Ich hab' zwar keine Lust auf Eier, aber was zu futtern könnte ich gebrauchen. Und einen zuverlässigen Taxi-Service?"
    • Santiago fuhr als erstes den Mietwagen zu dem Parkplatz, den er sich gestern dafür ausgesucht hatte. Er stellte ihn dort ab, schrieb dem Mietservice die Adresse, damit sie ihren Besitz wieder einsammeln konnten, und lief den Block, der ihn von seinem geliebten Motorrad trennte. Unterwegs überlegte er, womit er seinen Tag füllen sollte, um erfolgreich vor seiner Müdigkeit davonrennen zu können.
      Nach einem kurzen Stop bei seinem Apartment, um sich umzuziehen, ein neues Päckchen Kippen und seinen Laptop einzupacken, besorgte sich ein ordentliches Frühstück in einem Café, wo er ein paar Stunden damit totschlug, über das öffentliche Internet seine Kontakte abzuklappern. Er wollte über die Ermittlungen informiert blieben. Für Apollo und den Rest der Crew war der Job vielleicht vorbei, aber Santiago hing jedem Job immer noch ein, zwei Wochen hinterher, nur um sicherzugehen, dass alles glatt gelaufen war. Noch gab es nichts Interessantes zu vermerken, was gut für sie war. Solange es nicht gab, worauf sich die Behörden fokussieren konnten, konnten sie auch nichts zurückverfolgen.
      Nach seinem Frühstück fuhr er ein bisschen durch die Gegend. Das tat er oft, wenn er keine Ruhe finden wollte. Fahren erforderte genug Aufmerksamkeit, um ihn nicht einfach einschlafen zu lassen.
      Schlussendlich führte ihn sein Weg in ein vertrautes Viertel, in eine vertraute Straße, zu einem vertrauten Haus. Unterwegs bemerkten ihn ein paar vertraute Gesichter. Er parkte sein Bike vor dem Haus seiner Eltern, ein kleines Ding, eingequetscht zwischen Dutzenden seiner Art. An jedem Fenster hingen Blumenkästen, vor der Tür stand ein gigantischer Topf mit einem Busch. Die Fensterläden waren bunt - gestrichen von ihm und seinem papito als er zehn Jahre alt gewesen war. Vor der Haustür waren drei Stufen, durchgelaufen nach jahrzehntelanger Nutzung. Er nahm sie in einem Schritt betrat das Haus seiner Eltern. In dieser Nachbarschaft war nichts abgeschlossen und jeder war zu jeder Zeit bei jedem willkommen. Die Seite von Santiago, die sich mit der Sicherheit von Gegenständen beschäftigte, hasste dieses Mindset. Aber der kleine Junge aus Argentinien, der hier aufgewachsen war mit all seinen tías und tíos, mit denen er überhaupt nicht verwandt war, liebte es.
      Im Haus seiner Eltern roch es immer nach Essen. Es gab kaum einen Moment, in dem nicht irgendetwas in der Küche vor sich hinköchelte.
      "¡Mamá! ¡Papito! ¡Estoy aquí!"
      Es dauerte keine Sekunde, da kam eine kleine Frau um die Ecke geschossen.
      "¡Oh! ¡Santiago, hijo mío! Ich dachte du wolltest anrufen?"
      Santi war mehr als zwei Köpfe größer als seine Mutter, was es immer ein bisschen seltsam aussehen ließ, wenn sie sich in den Arm nahmen, so wie jetzt. Santi musste sich oft ein bisschen zu ihr runterbeugen. Niemand wusste, woher er diese Höhe nahm - der Rest seiner Familie war nie über die 1,70m gekommen. Er stach bei jeder Feier heraus.
      "Ich dachte mir, vorbeizukommen ist besser," antwortete er. "¿Dónde está papito?"
      "Ach, der ist schon wieder im Garten. Die Rosen, das weißt du doch. Wenn die blühen, dann bin ich nur die zweite Geige."
      Santi folgte seiner Mutter in die Küche, wo sie tatsächlich am Kochen war. Sie fragte nicht nach dem Alptraum, vor dem er davon lief. Sie wusste, wie seine Magie funktionierte, und sie wusste dass wenn er vor einem Alptraum davon rannte, er ihn gestohlen hatte. Sie hatten vor langer Zeit beschlossen, dass sie nicht fragte, wo er seine Alpträume herhatte, und er nicht über die Träume sprach. Als Kind hatte er sich oft mitteilen müssen, aber das, was er so erzählt hatte, hatte seine Eltern verstört. Also hatten sie diesen Plan gemacht. Sie hatten Spielregeln aufgestellt, mit denen sie alle sicher unterwegs waren.
      Anstatt also sich über die furchtbaren Dinge zu unterhalten, die sein Kopf gerade zusammenbraute, unterhielten sie sich über das, was seine Mutter kochte, und warum sie einmal mehr in Mannschaftsstärke arbeitete. Santi schnappte sich eine Kochschürze und ein Messer und legte damit los, seiner mamá zu helfen. So lief es immer mit ihnen. Irgendwann tauchte sein papito auf, und die Unterhaltung wechselte zum Fußball. Santi ging sicher, dass seine Eltern alles hatten, was sie brauchten. Sie hatten ihm immer alles ermöglicht, hatten ihm alles gegeben, was sie konnten. Und jetzt tat er das gleiche für sie. Für seinen Vater gab es ein Sportsender-Abonnement und neue Gartengeräte. Für seine Mutter hatte es einen neuen Lesesessel gegeben. Sie weigerten sich, in ein größeres Haus zu ziehen, selbst wenn es im gleichen Viertel war, also übernahm Santi alle Kosten die anfielen. Er verdiente gut mit seiner Arbeit und jetzt, mit 1,5 Milliarden mehr auf dem Konto, konnte er auch sicher sein, dass es seinen Eltern niemals an irgendetwas mangeln würde. Das war ihm wichtig.
      Eine Stunde später saß er mit seinen Eltern in dem kleinen Garten, den sein papito hegte und pflegte, seit er in Rente gegangen war. Es war ein wundervolles Fleckchen Paradies mitten in New York. Santiago liebte es hier. Das hier war sein Happy Place. Er kam nie her, wenn seine Paranoia ihn in den Wahnsinn trieb. Er wollte diesen Ort nicht für sich ruinieren, wollte seine Eltern nicht beunruhigen, auch wenn sie wussten, woher seine Ängste kamen. Das Problem war nur, dass der Frieden an diesem Ort überwältigend war. Jedes Mal, wenn er herkam, lullte ihn die entspannte Atmosphäre ein und wenn der Schuh endlich fiel, dass er Zuhause war, da war es um ihn geschehen.
      "Ve y acuéstate," meinte seine Mutter und klopfte ihm auf den Schenkel, als er zum dritten Mal in zehn Minuten gähnte. "Ruh dich aus. Du bleibst zum Mittagessen."
      Man diskutierte nicht mit seiner Mutter. Und sein Vater stimmte ihr stumm mit einem Nicken zu. Wie konnte er da Nein sagen. Wenn er schon einen Alptraum haben musste, dann wenigstens hier, wo seine mamá ihm durch die Haare streichen konnte, während ihm sein papito einen Kaffee machte.
      Santi stand auf, drückte den beiden jeweils einen Kuss auf den Scheitel, und zog sich dann in sein altes Kinderzimmer zurück. Es war schon lange kein Kinderzimmer mehr. Der Großteil seiner alten Sachen, die seine Eltern nicht hatten wegwerfen können, lagerte jetzt in Kisten auf dem Dachboden, ordentlich markiert und gestapelt (eines seiner vielen Projekte aus einer schlaflosen Nacht). Auf dem kleinen Schreibtisch türmten sich Bücher, die er las, wenn er eine Nacht verbrachte und sich nicht mit seinen Eltern unterhalten konnte. Im Kleiderschrank lagerten ein paar einfache, bequeme Klamotten für seine Aufenthalte. Und das Bett, das fast die Hälfte des kleinen Raumes einnahm, war immer frisch gemacht, egal wann er hier auftauchte.
      Auf eben jenes Bett ließ sich Santi jetzt sinken. Es gab keinen Ort, der mehr seiner Alpträume, seiner Panikattacken, seiner Paranoia miterlebt hatte. Er zog die Schuhe aus und legte sich hin, auf der Decke. Er starrte die Stelle an der Decke an, die ihn sein Leben lang schon begleitete: Ein kleines Schutztoken, das seine mamá für ihn gebastelt hatte und ihn vor bösen Geistern schützen sollte, und die Nachricht, die er sich selbst hinterlassen hatte. Er hatte sein erstes Taschenmesser benutzt, um die Worte "Ich bin okay. Das war nur ein Traum." in den Deckenbalken gleich über seinem Kopfkissen zu ritzen. Dieses Mantra verfolgte ihn bis heute.
      "Ich bin okay," murmelte Santi. "Ich bin okay."
      Er schloss die Augen und gab sich seiner Müdigkeit hin.

      Er stand auf einem düsteren, nebligen Schlachtfeld, das sich unendlich weit vor ihm ausdehnte. Der Mond hing wie ein blutrotes Auge am Himmel und beleuchtete die Szenerie mit einem unheimlichen, gespenstischen Licht.
      Er blinzelte und plötzlich fand er sich mitten in einem tosenden Gefecht wieder. Kugeln pfiffen um seine Ohren, Explosionen rissen den Boden um ihn herum auf, und die Schreie der Verwundeten erfüllten die Luft. Er sah seine Kameraden, Leute die er nicht kannte denen er aber sein Leben ohne zu zögern anvertrauen würde, fallen, einer nach dem anderen, in einem endlosen Strom von Leid und Verlust. Ihre Gesichter, von Angst und Schmerz gezeichnet, brannten sich in sein Gedächtnis ein.
      Er rannte, stolperte und fiel, immer wieder. Jedes Mal, wenn er auf die Beine kam, fand er sich erneut von Feinden umzingelt. Doch es waren keine gewöhnlichen Feinde. Ihre Augen glühten rot, ihre Körper waren verzerrt und grotesk. Sie schienen aus den Schatten selbst zu kommen, materialisierten sich aus dem Nichts und verschwanden genauso schnell wieder. Er schoss, aber seine Kugeln schienen keine Wirkung zu zeigen. Sie lachten ihn aus, ein schauriges, hämisches Lachen, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
      Er rief nach Verstärkung immer und immer wieder, bis er heiser war, aber seine Stimme verhallte ungehört im tosenden Lärm. Plötzlich spürte er einen stechenden Schmerz in seiner Brust. Er sah ans sich herunter und erblickte ein blutiges Loch wo sein Herz sitzen sollte, das sich immer weiter auszubreiten schien. Seine Hände, bedeckt mit seinem eigenen Blut, fühlten sich taub und schwer an. Er fiel auf die Knie, während die Welt um ihn herum zu verschwimmen begann.
      Er hörte ein leises Flüstern. Es drang ihm durch Mark und Bein, erfüllte seinen Körper, seinen Verstand, und brachte ihm ein Versprechen ewiger Dunkelheit und endlosen Schmerzes. Er schrie in die Leere, doch keine Rettung kam. Sie würde niemals kommen. Die Dunkelheit verschlang ihn.

      Er verbrachte den Rest der Woche bei seinen Eltern.

      Santiago saß in der hintersten Ecke eines winzigen Cafés. Er hatte seinen Laptop an und sah sich einen Live Bericht über die Ermittlungen bei der Federal an. Er hatte nur einen Kopfhörer drin, weil er seine Umgebung nicht ignorieren wollte - nicht ignorieren konnte. Seine Paranoia war zurück, erinnerte ihn in den unpassendsten Momenten daran, wie leicht es war, jemanden auf offener Straße zu ermorden. Ihn zu ermorden. Also hörte er mit einem Ohr dem Livestream zu, mit dem anderen lauschte er den Unterhaltungen der anderen Anwesenden und dem Straßenverkehr draußen. Sein Blick scannte seine Umgebung in regelmäßigen Abständen, immer dem gleichen Muster folgend. Statistisch gesehen würde ihm hier nichts passieren. Diese Nachricht interessierte seine Magie aber nicht. Sie war hungrig, die Soldaten waren schon lange aufgebraucht.
      Der Bericht endete, und Santi hielt es nicht mehr aus. Er war zu lange am gleichen Ort geblieben.
      Er packte seinen Laptop ein, leerte seinen Kaffee, bezahlte, und verschwand, um ein paar Runden durch die Stadt zu drehen.

      Santi verbrachte den Tag damit, vor seinen Wahnvorstellungen wegzurennen. Er ging nicht nach Hause, er fuhr nicht zu seinen Eltern. Er hüpfte von Café zu Café, aß in einem Restaurant zu Mittag, in einem Diner zu Abend. Irgendwann saß er an einer Hotelbar, als sein Handy vibrierte. Sein privates.
      Er warf einen Blick auf den Bildschirm. Um diese Uhrzeit bekam er normalerweise keine Nachrichten mehr, und erst recht keine Anrufe. Er kannte die Nummer nicht, was nur eins heißen konnte.
      Santiago lächelte.
      "Santi-Baby hier," meldete er sich.
      Sein Lächeln wuchs sich zu einem Grinsen aus, als er seine Annahme bestätigt sah und Lewis am anderen Ende drauflos plapperte. Er war feinen Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk. Es war ganz schön spät, um noch was zu essen - für Normalsterbliche jedenfalls.
      "Wie stehst du zu Motorrädern?" fragte er.

      Eine kurze Weile später parkte Santi bei der Adresse, die Lewis ihm genannt hatte. Er schaltete den Motor nicht ab, da sie gleich weiter wollten, nahm aber den Helm ab. Er hatte nur einen und er würde den Teufel tun und den Streuner ohne Schutz mitnehmen. Er hielt Lewis den Helm hin.
      "Wenn du was zu essen willst, ziehst du den an," meinte er.
      Während Lewis hinter ihm auf das Motorrad stieg, fischte Santi seinen Sonnenbrille aus seiner Tasche und setzte sie auf. Dann ergriff er Lewis Handgelenke und legte die Arme des Streuners um seinen Oberkörper. Er zeigte ihm auch, wo er seine Füße hinzustellen hatte.
      "Gut festhalten," meinte er. "Wenn du runterfällst, lasse ich dich liegen und tue so, als ob ich von nichts wüsste, wenn am nächsten Tag von einem blutigen Pancake die Rede ist."
      Er klappte das Visier des Helms runter, bevor Lewis ihm antworten konnte und ließ den Motor seiner Maschine aufheulen. Sekunden später suchte er sich seinen Weg durch den mitternächtlichen Verkehr von New York, bis sie ein kleines Diner fanden, das noch offen hatte und Santi nicht zu voll war. Er parkte einen halben Block entfernt, nur um auf Nummer sicher zu gehen.
      Das Diner war tatsächlich klein. Es gab nur ein paar Sitzgelegenheiten in der Form von klassischen, knallroten Sofas und ein paar Hockern am Tresen. Hinter dem Tresen stand ein gelangweilter junger Kerl, der kaum von seinem Tablet aufsah, als Santiago und Lewis hereinkamen. Außer ihnen saß nur ein alter Mann am Tresen, versunken in ein Kreuzworträtsel. Santiago nahm Lewis mit zu einem Platz in einer Ecke, von wo aus er den Eingang zur Küche und den Eingang zum Diner im Blick behalten konnte. Selbstverständlich hatte er in der gleichen Zeit den Raum nach imaginären Bedrohungen abgesucht.
      Santi ließ sich auf eines der Sofas sinken, behielt seine Sonnenbrille aber auf. Mit seiner Paranoia kehrte auch seine unheimliche Ausstrahlung zurück.
      "Ich dachte, du wolltest ein Abendessen?" eröffnete er das Gespräch. "Ist 'n bisschen spät, um das noch als Abendessen zu bezeichnen, oder?"


    • Keine 30 Minuten später kam Santiago auf einem schwarzen Motorrad an und hielt Lewis den Helm hin. Der grinste, als er auf ihn zustakste und ihn entgegen nahm.
      Schickes Teil.
      Er setzte ihn auf und stieg hinter ihm auf, nur um ihm dann in die Seite zu boxen.
      Wen nennst du hier Pancake du riesiger -
      Seine Beleidigung ging in dem Röhren des Motors unter. Lewis hatte genau zwei Möglichkeiten, nämlich sich festhalten oder wirklich als Pancake enden, und nachdem er Santiago nicht die Befriedigung von dem einen geben wollte, hielt er sich eben gut fest.
      Sie marschierten den restlichen Weg zu einem Diner, was die schickere Variante zu McDonalds war und irgendwie zu dem Mann passte, der gerne schwarze Hemden trug. Extravagant, aber eben nicht wie ein Snob, wie Lewis fand. Nicht, dass er sich darum geschert hätte, wenn der Mann ein einfaches Shirt getragen hätte. Das würde bei den Muskeln sicher auch nicht schlecht aussehen.
      Sie setzten sich in die hinterste Ecke, wobei es nicht so war, dass das einen Unterschied gemacht hätte. Hier war gar nichts los. Der Kellner schlief an Ort und Stelle ein und der einzige andere Gast interessierte sich mehr für sein Rätselheftchen.
      Lewis war entsprechend guter Dinge, besonders nachdem er aus Bryces Höhle rausgekommen war. Manchmal war er schon gerne dort, aber meistens war es ihm viel zu versifft und die Leute viel zu weggehämmert. Es würde ihn gar nicht wundern, wenn Bryce jede Woche einen Toten entfernen musste.
      Aber ganz so sehr passte ihm das Diner dann auch nicht. Es schien ein merkwürdiges Licht zu verbreiten - oder lag es vielleicht an diesen dummen Polsterbänken? Lewis rutschte darauf herum, das lag aber nur teilweise daran, dass ihm sein Hintern brannte. Hauptsächlich warf er Santiago verstohlene Blicke zu, der von dem Licht irgendwie betroffen war.
      Er sah… unheimlich aus. Irgendwas war da an ihm mit seiner dummen Sonnenbrille, was ganz leichtes, das in Lewis ein Kribbeln verursachte. Aber nicht auf die gute Art, eher das Kribbeln, das man verspürte, wenn in Horrorfilmen die Atmosphäre düster wurde und man schon ahnte, dass das Monster bald seine Screentime bekommen würde. So ein Kribbeln.
      Er nahm sich die Karte und studierte sie.
      Abendessen, Nachtessen, ist doch alles dasselbe. Hauptsache Essen, nicht? Ich bin am verhungern.
      Was hauptsächlich daran lag, dass er schon ordentlich bekifft war.
      Der Kellner kam und Lewis nahm sich einen Burger und Milchshake. Allein bei dem Gedanken daran lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Er rutschte nochmal ein bisschen herum und sah dann Santiago direkt an.
      Hey man, hast du irgendwas mit deinen Haaren gemacht oder so? Du siehst… anders aus. Ist vielleicht aber nur das Licht. Oder so.
    • Santiago zuckte mit den Schultern. Sein Tagesrhythmus war so wie so ein absoluter Autounfall, also machte es ihm nichts aus, mitten in der Nacht in einem Diner zu sitzen und etwas zu essen. Das war für ihn ja nichts neues.
      Er bestellte sich den größten Kaffee, den sie hier hatten, als der Kellner seinen halb-komatösen Hintern zu ihnen bewegte und ihre Bestellungen mit dem Elan eines Faultieres entgegen nahm. Der Service hier war hervorragend.
      Santiago lächelte, aber es war kein fröhliches. Ihm war nicht entgangen, wie unruhig Lewis war. Da er davon ausging, dass der Streuner nicht mehr ganz trocken war, konnte das nur eines bedeuten.
      "Meine Haare sind vielleicht ein bisschen von der Fahrt durchgepustet, aber ansonsten sind sie genauso, wie beim letzten Mal, als wir uns gesehen haben."
      Er seufzte.
      "Das, was du spürst, ist meine Magie. Erinnerst du dich daran, wie du dich bei dem ersten Meeting vor meinen Augen erschreckt hat? Wenn ich meine Sonnenbrille jetzt abnehme, dann würde dir genau das Gleiche passieren. Wir hatten kein unangenehmes Frühstück, dafür haben wir jetzt einen unangenehmen Mitternachtssnack."
      Der Kellner stellte eine Tasse vor Santiago auf den Tisch und füllte ihn aus einer Kanne, von der er sich fragte, wie lange die schon in der Küche gestanden hatte. Santi interessierte es nicht, er kippte einfach einen Haufen Zucker in das Gebräu und nahm einen ordentlichen Schluck daraus. Er trank den Kaffee ja nicht, weil er so toll schmeckte.
      "Dagegen kann ich leider nicht viel tun," meinte er mit einem Schulterzuckten. "Da kann ich dir auch noch so oft versichern, dass es keine Bedrohung gibt, dein zentrales Nervensystem wird meinen Worten nicht glauben."
      Wie sollte es das denn auch? Santi konnte doch gar nicht mit Sicherheit sagen, dass nichts passieren würde. Wie oft fuhren Autos unkontrolliert durch Fensterfronten und töteten Leute in Dinern? Was wenn jemand genau das gerade plante, während er hier saß und schlechten Kaffee trank? Die Straße mochte ja leer sein, aber ein Auto war schnell. Zusammen hatten sie 3 Milliarden Dollar gestohlen, die Nachrichten und auch die weniger öffentlichen Quellen wussten sicherlich nicht alles. Die Behörden ließen doch ständig Leute verschwinden, ließen doch ständig Unfälle passieren, die ihre Probleme beseitigten.
      Santiago senkte seinen Blick auf seine Kaffeetasse, um seinen paranoiden Gedanken zu entkommen. Es half nur wenig, aber er genug, um sich auf die Gegenwart zu konzentrieren.


    • Lewis wurde durchaus neugierig, als Santiago ihm eröffnete, dass es sich um seine Magie handelte. Sie hatten bisher noch nicht über ihre Magie gesprochen, weil das irgendwie ein Tabu-Thema war, wenn sie nicht automatisch auch ihre Schwachpunkte damit preisgegeben hätten. Aber jetzt konnte er doch nicht leugnen, dass er mehr über Santiagos Magie wissen wollte. Ganz besonders, wenn sie so gruselige Ausläufe hatte.
      Der Kellner brachte den Kaffee - Muskelpaket hatte wohl nicht vor, heute noch zu schlafen - und Lewis wartete, bis er wieder weg war.
      Zeig’s mir, ich will das nochmal sein. Ich weiß doch jetzt, worauf ich mich einlasse.
      Beim ersten Mal - beim allerersten Mal - war Lewis nicht bekifft genug gewesen und zudem ziemlich nervös. Er hatte sich den größten Teil davon vermutlich sowieso eingebildet. Jetzt war er vorbereitet und außerdem hatte er in der einen Hotelnacht schon genug von Santiagos Bernsteinaugen gesehen. Die waren überhaupt nicht gruselig gewesen, das wusste er jetzt. Immerhin war er auch selbst ein Magier, das sollte doch kein Problem sein. Sicher waren es nur die Nicht-Magier, die mit sowas nicht umgehen konnten. Santiago tat ihm daher den Gefallen und Lewis
      Scheiße!
      zuckte trotzdem zusammen. Zum Glück hatte er sich keinen Kaffee bestellt, den hätte er nämlich vermutlich umgeworfen.
      Santiago setzte die Brille wieder auf und damit waren sie zurück bei der komischen Atmosphäre, die er verbreitete.
      Vielleicht weiß ich es doch nicht ganz. Das ist gruselig, man. Gibt mir eine richtige Gänsehaut.
      Was ihn nicht davon abhielt, an seinem Milchshake zu schlürfen, als er den vorgestellt bekam.
      Wie machst du das? Hypnotisierst du die Leute damit? Machst du so ein Voodoo-Zeug?
      Er hob abwehrend die Hände.
      Du musst es mir auch nicht sagen, alles cool. Nur hab ich deine Augen im Hotel gesehen und die waren ganz normal. Ich dachte schon, ich hätt’ mir dieses erste Mal eingebildet.