About gods and demons (Nimue & Kiba)

    • Ich ließ seine Worte an mir abgleiten wie kalten Regen. Nicht, weil sie mich nicht trafen sondern weil ich spürte, wie tief sie saßen. Diese Überzeugung war nichts Flüchtiges, nichts aus einem einzelnen Moment geboren. Sie war gewachsen. Über Jahre. Aus Blicken, Ablehnung, Erwartungen, aus dem ständigen Verglichen werden mit etwas, das er nie hatte sein dürfen.
      Es war schlimm, es war nicht reicht und deshalb bedauerte ich ihn. Dabei wollte er mein Mitleid sicherlich nicht einmal. Ich atmete ruhig ein und aus. Gerade dehslab sollte ich mich und meine Gefühle lieber sammeln bis ich wieder weiter brabbelte ohne darüber Nachzudenken. "Du vergleichst dich gerade ernsthaft mit jemandem aus meiner Vergangenheit", sagte ich mit liebevoll bestimmt, "...der nicht nur vergangen ist, sondern auch ein völlig anderer Waffentyp." Ich warf Daiki dabei einen schiefen Blick zu. "Eine Lanze ist kein Breitschwert. Ehrlich gesagt: Sie war auch nie deine Konkurrenz und wird es auch niemals sein."
      Ich schwieg für einen Augenblick lang. "Serafin wurde von meinen Eltern für mich ausgesucht." erklärte ich. "Ich war klein. Zu klein... zu jung, um zu verstehen, was ein Pakt wirklich bedeutet." Meine Stimme blieb ruhig, doch innerlich zog sich etwas zusammen.
      Er war einfach da. So lange ich denken konnte. Er hatte mich angeleitet, beschützt, geführt. Ich hatte zu ihm aufgesehen und erst ohne ihn gemerkt, wie uneigenständig ich eigentlich war. Wie klein. Wie abhängig. Bis ich über Daiki stolperte... Nicht nur im übertragenen Sinn. Ich hob den Blick ein ganzes Stück und suchte direkt seinen. "Ich habe dich gewählt." sagte ich klar. "Nicht aus Übermut. Nicht aus Mangel an Alternativen. Ich habe dich gewählt, nachdem ich deine Narben gesehen habe. Nicht trotz ihnen." Dann schwieg ich.
      Es war wohl deutlich besser so. Für uns Beide, um all das einzuordnen, was sich gerade zwischen uns bewegte und noch keinen Namen hatte.
      Schließlich erhob ich mich, trat ein paar Schritte vom Rand weg und sah kurz zum Schulgebäude hinüber. So unscheinbar. So voll von Dramen, die für Sterbliche riesig waren ... und für uns doch seltsam zerbrechlich. Dann wandte ich mich wieder meinen Ayakashi zu.
      Ich zögerte einen Moment lang. Ich hatte Angst vor der Antwort denn ich wusste, das er die ungeschönte Wahrheit sagte. Gleichzeitig macht es unsagbar neugierig. "Darf ich dich etwas fragen?" Ich wartete nicht auf eine Antwort, sprach dennoch leise weiter. "Was hast du eigentlich am Anfang von mir gedacht? Und… was denkst du jetzt?" Verdammt... ich konnte spüren wie meine Wangen langsam rötlich wurden währen die Geschwindigkeit meines Herzschlages zu nahm. "Ich bin kein muskelbepackter Kriegsgott." sagte ich. "Ich zerlege keine Armeen mit einem Zucken. Ich bin eher… eine niedere Gottheit. Ich bin weder übermächtig noch habe ich all zu viel Erfahrung. Auch wenn ich hier wirklich jeden Tag versuche mein Bestes zu geben, ich muss wohl noch Einiges lernen." Dieser Tag machte mich wirklich fertig. Erst die Chimäre, dann der Pakt und jetzt... jetzt... ich schluckte schwer. W-Wahrscheinlich war der Zeitpunkt gekommen in welchen ich lieber das Thema wechselte bevor ich wieder begann mich um Kopf und Kragen zu reden. "Du musst nicht hingehen." Nicht wegen den Auftrag und auch nicht wegen mir. Auch wenn ich wehmütig wurde wenn ich daran dachte diese Gelegenheit eines Festes an mir vorbei ziehen zulassen. "Ignorier die Mädchen einfach." fuhr ich fort. "Für sie ist das ein riesiges Ereignis. Wenn noch eine fragt, behauptest du einfach, ich hätte dich schon gefragt." Ich sah kurz zur Seite und dann zurück. "Das scheint hier zu funktionieren." Schließlich seufzte ich schwer. "Den Schulstar darfst du von mir aus auch gern eine Ohrfeige verpassen, wenn du die Wut nicht loswirst", sagte ich trocken. "Ich würde sogar wegsehen." Dann hob ich warnend einen Finger und grinste amüsiert. Verdammt! Ich sollte echt an meinen Pokerface arbeiten. "Aber bitte lass es nicht zur Gewohnheit werden lassen. Sonst bekommen wir keinen Auftrag mehr und dann verkommst du wirklich nur zum Prunkstück auf meinem Kaminsims."
    • "Nein, Phila. Ich vergleiche mich nicht mit einer Lanze, die auch noch Vergangenheit ist. Ich sage dir, dass du mich nicht verstehen kannst, eben weil du deine Lanze hast. Ich bin immer noch der Meinung, dass ich stärker bin als er und definitiv der bessere Partner. Und du hast es ja eben auch zugegeben. Ich will auch kein Mitleid von dir. Ich..... habe eben meine Gründe für diese Einstellung. Wegen der Narben meine ich.", antwortete ich ernst und sah wieder in den Himmel. Wieso redete ich überhaupt darüber? Fast hätte sie doch Dinge aus mir rausbekommen, die sie besser nicht wissen sollte.
      Wir schwiegen. Und ich wollte schon fast aufstehen, um allem zu entkommen, als sie mich fest ansah und mir eine Frage stellte. Irritiert und mit hochgezogener Augenbraue sah ich sie an. Was sollte diese Frage? Ich meine, dass ich früher deutlich genug war. Was wollte sie noch hören?
      "Genau das, was ich damals schon sagte. Du warst schwach und zu klein. Ich gehörte einem Mädchen, was eher aussah, als würde sie lieber mit Puppen spielen und bloß keine Kämpfe austragen wollte, während ich mein Leben lang gekämpft hatte. Jetzt bist du nur noch meine tollpatschige Herrin, auf die man aufpassen musste, dass sie nicht von Steinen erdrückt, in Löcher fiel oder von einer Chimäre zweigeteilt wurde.", antwortete ich, sah sie danach aber wieder an. Friedlich und zugewandt.
      "Aber ich passe gern auf dich auf.", antwortete ich. Ich saß breitbeinig auf der Bank, ein Bein auf das andere gelegt, die Hände immernoch in den Taschen und den Kopf in den Nacken gelegt. Ich schloss meine Augen und wollte mich etwas entspannen, als sie erzählte, dass wir da nicht hinmussten. Schon gar nicht wegen ihr. Nachdenklich zog ich die Augenbrauen zusammen und öffnete nun doch ein klein wenig ein Augen und sah sie fragend an.
      Sie sagte zwar, dass wir nicht hin mussten. Doch ihr Gesicht sah enttäuscht aus. Wollte sie da etwa auch hin? Wie kann sie da hin wollen? Alles ist voll dieser Menschen. Laute Musik. Jeder will was von einem. Nja. Ich verzichte. Jedoch konnte sie es nicht lassen, mich doch zu warnen, falls ich es mit diesem nervigen Typen übertreibe.
      "Jaja, schon gut. Wenn er mir nicht wieder über den Weg läuft, passiert ja auch nichts."
    • Schwach. Zu klein. Puppen. Ich senkte kurz den Blick, mehr um mich zu sammeln als um seinen auszuweichen. "Ich habe nie mit Puppen gespielt." sagte ich mit bedächtig. Trozdem ließ ich mir den Spaß nicht nehmen, gespielt beleidigt meine Wangen aufzublähen. "Ich habe mich unter Büchern vergraben. In Formeln verirrt. Ich bin in Zaubertränken ertrunken. ... Sogar in Sachen die zu kompliziert für mein Alter galten. Ich wollte verstehen, bevor ich handeln konnte." Mein Schmollmund wisch einen bitteren Lächeln. "Vermutlich war das auch eine Art, sich zu verstecken." Ich trat einen halben Schritt näher an die Bank heran. Keine große Geste. Als er sagte, dass er gern auf mich aufpasste, zog sich etwas Warmes durch meine Brust. Unangemessen schnell. Unverschämt ehrlich. Ich atmete einmal tief durch, um nicht zu verraten, wie viel mir dieser Satz bedeutete. "Du tust immer so, als wäre das eine Bürde." murmelte ich schließlich, leise genug, dass es kein Vorwurf war. "Dabei klingst du jedes Mal ein bisschen stolzer dabei." Ich hob den Blick zu ihm, sah die entspannte Haltung, die geschlossenen Augen, dieses Bild von Ruhe, das er sich nahm, wenn er dachte, niemand erwarte gerade etwas von ihm. "Und vielleicht..." fügte ich sanft hinzu, "...lasse ich mich gern beschützen. Nicht, weil ich es brauche. Sondern weil ich weiß auf wen ich bauen kann." Ein kurzer Blick zurück zum Schulgebäude. Die Zeit. Die Stunde. Die Realität, die ungeduldig anklopfte. "Ich gehe gleich wieder rein." sagte ich dann. "Du musst mir ja nicht folgen... Aber dein Training solltest du besser nicht verpassen. Dein Team zählt auf dich. Und ich habe gehört, Breitschwerter sind da ziemlich gefragt zur Zeit." Ich wandte mich langsam ab, blieb aber noch einen Herzschlag stehen. Dann ging ich nicht hastig, nicht fliehend. Nur mit einem Gefühl im Rücken, das sich verdächtig nach Zuversicht anfühlte.
    • "Ich verstehe nicht, warum du dich rechtfertigst. Du hast mich gefragt und das war meine Antwort. Das heißt doch nicht, dass ich das immer noch denke.", antwortete ich. Sie trat näher und ich sah sie irritiert an. Bürde? Also.... naja.....
      "Ich... ich bin es halt nicht gewohnt, ständig auf meine Herrin aufzupassen. Nur zieht es sich ja wie ein Faden durch. Von Anfang an hab ich darauf geachtet, dass dir nichts passiert. Ich mach das ständig also.... fällt es halt auf.", versuchte ich mich zu entschuldigen. Ich sah beschämt zur Seite, doch gleichzeitig baute sie darauf auf. Sie wollte es. Sie wollte von mir beschützt werden. Legte sie es darauf an? Nein. Aber sie schien es zu genießen.
      Sie machte sich wieder auf den Weg in den Klassenraum, aber nicht ohne mir zu sagen, dass ich das Basketballtraining keinesfalls schwänzen sollte. Ich wusste, dass es von ihr nur ein Rat war. Doch ich dachte an ein Befehl, weil ich damit besser klar kam und sah ihr dann hinterher. Ich musste keine guten Noten schreiben. Also würde ich auch nicht in den Unterricht zurück kommen. Das Basketballtraining ließ ich allerdings nicht ausfallen.

      Einige Zeit später war es dann auch soweit und und wir standen aufgewärmt auf dem Basketballplatz. Schweiß rann mir die Schläfe runter und ich beobachtete wie der Basketball ständig den Spieler wechselte. Dann kam er auf mich zu. Blitzschnell reagierte ich, rannte los, fing den Ball und dribbelte ihn zum Korb. 2 Punkte. Ich sollte an meiner Wurftechnik arbeigen. Besser wäre es, wenn ich von weiter weg treffen könnte oder ihn eben dunke. Wobei letzteres eigentlich schon gut funktionierte. Groß genug bin ich ja und hoch springen konnte ich auch. Das große Spiel war in wenigen Tagen. Und wenn ich das Zuhause noch weiter machte, würden wir definitiv gegen diese Schwächlinge gewinnen. Die hatten nicht einen Hauch einer Chance gegen uns.
    • Nach den Unttericht brachte ich meine Sachen wieder in meinen Spind. Völlig unbewusst machte ich mich auf den Weg zum Musikraum nur um mitten drin zu bemerken, dass etwas fehlte. Kein Summen. Kein nervöses Stimmen der Instrumente. Kein vertrautes Ziehen in der Luft, das mir sagte, dass gleich jemand einen falschen Ton spielen würde. Keine Menschenseele und ... auch keine Orchesterprobe. Hatte ich einen Aushang übersehen? Kam mein Geist mit den Erinnerungen des Nebels durcheinander? Oder war ich einfach fertig von diesen verdammten Tag? "...Natürlich", murmelte ich. "Warum auch nicht." Ein freier Nachmittag also. Selten genug, um misstrauisch zu machen. Ich wusste gar nicht wie lang es her war das ich so in der Luft hing. Daiki war beim Training. Für eine Recherche oder Aktion auf eigene Faust war ich zu müde. Das war gerade wohl so oder so viel zu gefährlich. Also beschloss ich stattdessen die gewonne Zeit zu nutzen.
      Zunächst einmal fing ich damit an auf den Nachhauseweg einzukaufen.
      Der Markt war voll, aber erdrückend fand ich es diesmal nicht. Vielleicht, weil mein Kopf noch immer ganz woanders war. Ich kaufte alles was ich brauchte Gemüse, Reis, Hähnchen. Curry-Paste. Und ein paar weitere Sache um unseren Vorrat aufzufüllen. Ich hatte mir extra Zeit gelassen und doch... schien kaum eine Stunde vergangen zu sein. Nun gut, es wartete ja immernoch der Stoff auf mich, wechen ich mit Daiki gekauft hatte und welchen ich zu T-Shirt verarbeiten wollte.
      Zuhause angekommen, stellte ich die Taschen ab, eine nach der anderen, ordentlicher als nötig. Routine. Etwas Verlässliches nach einem Tag, der innerlich alles andere als das gewesen war. Ohne groß darüber nachzudenken, griff ich in den Wäschekorb und zog mir das erstbeste Teil über den Kopf.
      Erst, als der Stoff mir beinahe bis zu den Oberschenkeln fiel, hielt ich inne. …Oh. Das war... Seines.
      Etwas später als die Erkenntnis nahm ich den Geruch wahr der sich im Stoff verfangen hatte. Seife, warm und sauber. Darunter Schweiß, ehrlich und lebendig. Und ganz hinten dieser metallische, ledrige Hauch, den ich nie richtig zuordnen konnte, der aber unverkennbar er war. Ich erstarrte einen Herzschlag lang, als hätte mich jemand bei etwas ertappt. Dann atmete ich aus. "Praktisch...", murmelte ich mir selbst zu, fast ein wenig zu hastig. "Fast wie ein Kleid. Und ich brauche ja sowieso eines seiner Shirts als Schnittmuster." Die Ausrede fühlte sich dünn an. Aber es war meine, also ließ ich sie trotzdem gelten. Das Haus hingeben klapperte und knarzte verdächtig. "H-Halt dich da raus!" Ach verdammt, da half wohl nur ignorieren. Irgendwann würde es schon wieder Ruhe geben müssen.
      Mit Nadel und Faden setzte ich mich an den Tisch, zog den Stoff glatt, steckte, maß und schnitt die Teile zu. Meine Hände wussten, was sie taten, auch wenn meine Gedanken immer wieder abschweiften. Der Rhythmus der Arbeit machte die Welt angenehm kleiner und leiser. Unter meinen Fingern entstanden mit der Weile einige neue Shirts. Nichts aufwendiges. Einfach robust, schlicht, gemacht für Bewegung. Für Training. Für Zuhause. Für jemanden, der größer war als die meisten und trotzdem so tat, als müsste er sich ständig beweisen.
      Als das Licht draußen weicher und die Schatten länger wurden, stellte ich den Topf auf den Herd.
      Eigentlich hatte ich mit Daiki zusammen kochen wollen. Gemeinsam schneiden, würzen, über die richtige Schärfe diskutieren. Doch nach diesem Tag… konnte ich mir vorstellen, dass er lieber einfach essen wollte. Ohne reden. Ohne erklären.
      Curry mit Gemüse, Hähnchen und Reis. Wie wir es gestern beschlossen hatten. Ich rührte langsam um, kostete, zog die Stirn in Konzentration kraus und würzte nach. Irgendwann nickte ich zufrieden, stellte den Herd aus und lehnte mich gegen die Arbeitsfläche. Das Shirt hing locker an mir und nahm immer mehr von meiner Wärme an, als hätte es nie jemand anderem gehört. Sollte ich jetzt noch Warten? Oder ihn abholen?
      Ich sah auf die Uhr, rechnete Trainingszeit, Umziehen, Heimweg. Natürlich kalkulierte seinen verbissenen und ehrgeizigen Dickschädel großzügig mit ein. Dabei schlich sich ein kleines, wissendes Schmunzeln schlich sich auf mein Gesicht. "Ich warte..." entschied ich schließlich leise. Noch. Aber falls er sich verspätete… Nun. Dann würde ich ihn eben holen müssen.
    • Das Training verlief super und nach langer Zeit hatte ich mal all meine Probleme vergessen. Ich konnte mich ganz dem Sport widmen und meine wirren Gedanken hinter mich lassen. Ich habe kaum gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Es hat wirklich gut getan.
      Nachdem wir fertig waren, zog ich mir das inzwischen triefend nasse Shirt aus und stieg kurze Zeit später in die Dusche. Phila wird wohl waschen müssen. Oder sie zeigte es mir. Dann konnte ich auch helfen. Wie auch immer, ich konnte es demnächst so nicht anziehen.
      Mit frischen, herbem Duft zog ich mir meine Uniform wieder an und schnappte mir meine Sachen. Es war schon recht spät. Ich sollte mich beeilen. Wer weiß, was meine Herrin sonst alles anstellte, wenn ich nicht da war? Dir Sonne zog schon ihre Bahnen Richtung Horizont und mit meiner Schultasche, sowie meinen Sportsachen ging ich wieder zurück zum Tempel. Es war kein sonderlich langer Weg und so war ich kurze Zeit später schon auf dem Grundstück des Tempels. Von den Strapazen, die Phila getätigt hatte, hatte ich überhaupt nichts mitbekommen. Sie hätte mich auch fragen können, ob ich beim Einkaufen oder anderem helfen soll. So kam ich jetzt nach Hause und alles war fertig. Als ich auf dir Veranda zuging, tanzten schon die Fensterläden und ich war etwas irritiert.
      "Was ist denn mit dir los? Seit wann freust du dich, mich zu sehen.", sagte ich und ging rein. Ich brachte meine Taschen in mein Schlafzimmer und machte mich dann auf die Suche nach Phila. Dies war auch überhaupt nicht schwer und dauerte nicht lange, denn ich nahm einen Duft aus der Küche wahr. Also stolzierte ich locker flockig rein, ehe ich wie angewurzelt stehen blieb.
      "Phila, ich bin wieder zu-", fing ich an, unterbrach mich aber selbst. Sie stand da vor dem Herd. In meinem Shirt. Da es so groß war, reichte es ihr bis zu den Knien. Ich schluckte und mir wurde warm. Ich biss mir auf die Lippe.
      "I-Ich hab vergessen, mich umzuziehen. I-Ich komm gleich wieder.", sagte ich schnell und sauste in mein Zimmer zurück. Ich schlug die Tür hinter mir zu und lehnte mich völlig fertig dagegen. Mein Herz klopfte mir bis in die Ohren. Was war das? Sie.... wieso hatte sie mein Shirt an? Ich konnte nicht mal die Augen von ihr abwenden. Ich fand es irgendwie.... niedlich. Aber sie war meine Herrin! Ich durfte sie nicht niedlich finden! Und irgendwie sah es so aus, als hätte sie nichts drunter. Ertappt hielt ich mir den Mund zu. Was dachte ich denn da? Das ist alles grade schlimmer als der Sportunterricht. Weil sie eben.... meine Sachen trägt. Ich fuhr mir durch die Haare und fing dann an, mich auszuziehen. Ich schlüpfte in ein Muskelshirt und einer langen Hose, ehe ich mich wieder auf den Weg in die Küche machte. Ich atmete einmal durch, dann ging ich hinein.
      "So, ähm. Fertig.", sagte ich und wieder glitten meine Augen zu ihr. Ich konnte einfach nicht widerstehen.
      "Ähm.... du... hast ja mein Shirt an. Also....ja, sieht ganz gut aus.", scheiße, was laberte ich denn da? Mein Hirn ist wie Luftpolsterfolie. Alles platzt.
      "Was hast du denn gekocht?"

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    • Die Zeit zog sich weiter zäh und gefühlt ewig dahin, doch dann ging es mit einen Male alles extrem schnell. Zunächst hörte ich nur schwere Schritte auf der Veranda. Das Holz der Dielen knarzte fast melodisch und schon bald stimmten auch die aufgeregt klappernden Fensterläden mit ein. Ich kicherte vergnügt. Endlich hatte das Haus verstanden, dass es auch Daikis Zuhause war. Ich blickte von meinen Topf auf und lugte erwartungsvoll in den Flur. Sein Blick blieb an mir hängen – nicht unangemessen, nicht fordernd. Eher… überrascht. Überrumpelt. Als hätte er nicht erwartet, mich so zu sehen. In seinem Shirt, ausgerechnet dem Shirt welches er an den Tag angehabt hatte als wir uns kennenlernten. "Hey, willkommen daheim. Wie war-" setzte ich an, kam aber nicht weiter, weil er plötzlich rückwärts verschwand wie jemand, der gerade seinen Zeh in eiskaltes Wasser gehalten hatte. Die Tür knallte. Ich blinzelte verwundert. Einmal. Zweimal. Dreimal... Dann lachte ich leise auf. "Das war… dramatisch", sagte ich zu mir selbst und senkte meinen Blick. Das Shirt hing locker an mir herunter. Es war weich geworden vom vielen Waschen, von Bewegung und alten Erlebnissen. Es war warm und roch nach Daiki. Das ich es aus der Wäsche gefischt hatte war Zufall, ja. Das ich es für die Schnittvorlage brauchte war praktisch, das stimmte auch. Ich hatte mir zwar all dies logisch erklärt, perfekt zurecht gelegt, doch bekam alles mit seiner Reaktion eine ganz neue Bedeutung. Vielleicht… war das wirklich ein bisschen viel gewesen weil ich es angelassen hatte ... Ich schluckte und spürte, wie mir die Hitze in die Wangen stieg eine völlig unnötige, sterbliche Reaktion, die ich trotzdem nicht sofort abschütteln konnte. "Beruhig dich", murmelte ich mir selbst zu und wandte mich wieder dem Herd zu. "Du kochst. Du trägst ein Shirt. Das ist… harmlos." Also rührte ich einfach weiter demonstrativ in den Töpfen, um meine Hände zu beschäftigen. Mein Herz klopfte schneller als nötig, und ich tat so, als läge das ausschließlich an den Gewürzen. Was war denn jetzt gerade passiert? Bis eben wollte die Zeit nicht vergehen und auf einmal überschlugen sich die Ereignisse. Vielleicht war das Haus deshalb so aufgeregt.
      Als er zurückkam, hatte sich seine Präsenz verändert. Noch da, noch stark aber vorsichtiger. Als hätte er sich selbst wieder eingefangen. Ich sah nicht sofort hin und ließ ihm diesen kleinen Rest Würde, den er sich mühsam zusammengesammelt hatte. Ich wollte mich gerade Daiki zuwenden und meine Begrüßung abermals wiederholen als er damit begann über eine eignen Worte zu stolpern. Mir wurde warm, sehr warm. "D-Das..." Für einen Moment hielt ich inne, mein Herzschlag übertönte den Klang meiner inneren Stimme. Ich konnte mich kaum selbst denken hören. "Ich hab dir neue Shirts aus den Stoff vom Stoffladen gemacht, wie versprochen. Da-danach hab ich es einfach....an... Schürze oder T-Shirt aus der Wäsche... I-Ich dachte das ist egal, sieht ja keiner. Ich bin ja....Zuhause." Ich bemerkte erst jetzt, das ich begonnen hatte nervös an meinen Haarsträhnen herum zu spielen. Verflixt! Ich wand meinen Blick zu den Töpfen mit den Curry und zwang mich ruhig auszuatmen. "Gemüse-Curry mit Hähnchen und Reis, wie wir es gestern beschlossen haben. Du... du kannst ja schon mal den Tisch decken. Das Essen ist gleich fertig." Ich verstand das nicht, es war einfacher gegen die Chimäre zu kämpfen und anstrengender als das Rätsel der Runen in den Katakomben zu lösen doch irgendwie machte mich dieser Augenblick.... einfach glücklich. Ich lebte schon eine halbe Ewigkeit aber... das war mir noch nie passiert.
    • "Oh, ähm. Danke. Für die Shirts meine ich. Ich kann nämlich nicht nähen, weißt du? Meine Hände sind zu grob. Fingerspitzengefühl war noch nie meins."
      Meine Wangen färbten sich abermals in einen Rosa-Ton. 'Es sieht ja keiner. Wir sind Zuhause.' Ja klar, waren wir hier Zuhause. Jeder hatte hier sein Zimmer. Seinen Bereich. Wir aßen und wuschen uns hier. Doch aus ihrem Mund klang es so... privat. Intim. Und ich gehörte dazu. Es klang ganz ohne Scharm. Als wär es völlig normal, dass sie meine Klamotten trug. Weil sie sie gerne trug. Weil es meine waren. Ich kratzte mich verlegen im Nacken und zwang mich, nach unten zu sehen. Ich wollte nicht länger glotzen. Auch wenn es mir schwer fiel.
      Als sie mir erzählte, dass es wie gestern abgesprochen Curry gab, überlegte ich kurz. Ja da war was. Aber so ganz genau konnte ich mich nicht mehr erinnern. Zu viel ist heute passiert, als das ich mir das merken konnte.
      "Ähm ja. Mach ich.", murmelte ich und ging zum Schrank. Nachdem ich ihn geöffnet hatte, holte ich zwei tiefe Teller raus und ging damit zum Tisch. Ausnahmsweise ärgerte mich das Haus mal nicht und ließ mich ganz einfach an das Geschirr ran.
      Etwas verträumt stand ich da und dachte nochmal an das Bild zurück, was sich mir bot, als ich die Küche betrat. Es war merkwürdig, Phila so zu sehen. Aber ich musste auch gestehen, dass ihr das Shirt wirklich gut stand.
      Ich schüttelte den Kopf, um diesen merkwürdigen Gedanken wieder loszuwerden und stellte noch die restlichen Sachen auf den Tisch sowie Gläser und Besteck. Es sah nicht sehr schön aus, aber es war alles da, was gebraucht wurde. Das musste reichen. Für mehr war ich nicht fähig.
      "Ich bin fertig."
    • Ich sah schmunzelte und blicke kurz von meinen Currytopf auf. Natürlich, irgendwie hatte ich es mir gedacht. Aber deshalb ergänzten wir uns ja auch so gut. "Grob ist relativ...", murmelte ich, während ich den Topf nahm und das Curry verteilte. "Deine Hände sind nicht grob. Sie sind… einfach für etwas anderes geschaffen." Unwillkürlich zog ich den Saum des Shirts ein Stück nach unten. Nicht, um es auszuziehen eher, um es zurecht zu zupfen. Es machte mich auf einmal irgendwie nervös, ja. Aber nach diesem Tag fühlte es sich richtig an. Wie eine Decke, die man sich umlegt, ohne zuzugeben, dass man friert. Es roch nach ihm. Nach Metall und Leder, nach Bewegung, nach etwas Verlässlichem. Nach Ankommen. Nach Zuhause. Und genau deshalb ließ ich es an.
      Wir setzten uns. Für einen Moment war alles erstaunlich still. Kein Tempel. Keine Götter. Keine Erwartungen. Ich schöpfte Curry in die Teller und achtete darauf, dass er genug bekam, eine alte Gewohnheit die ich mir nie ganz abgewöhnt hatte. "Guten Appetit." murmelte ich und begann zu essen. Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Nur das leise Klirren von Besteck, das zufriedene Schweigen nach einem langen Tag. Ich merkte erst nach ein paar Bissen, wie sehr mir die Schultern schmerzten. Und wie meine Gedanken langsamer wurden. Heute war so verdammt viel passiert. Ich konnte es gar nicht so recht beschreiben aber ich konnte noch immer spüren wie verdammt bedeutsam der Tag gewesen war. Ich lehnte mich ein wenig zurück, atmete tief durch. Der Raum schien wärmer zu werden. Oder war das nur ich? Ich legte den Löffel kurz ab, mehr aus dem Bedürfnis heraus, meine Hände irgendwo zu parken, als weil ich wirklich satt war. Meine zupften also an den Endes des Tischtuches herum, und ich spürte, wie sie minimal zitterten. Seltsam eigentlich. Ich hatte Jahrhunderte überstanden, Schlachten miterlebt, Reiche kommen und gehen sehen. Und doch war es ein Schultag - Sport mit einer Chimäre, das schließen eines Paktes, ein Streit auf einem Flur und ein Blick zu viel, der mir mehr abverlangte als so manches göttliche Prüfung...
    • Für etwas anderes geschaffen? Was meinte sie denn damit? Ich sah meine Hände an und überlegte, was zum Henker sie tun sollten? Dann dachte ich drüber nach, was sie vorher taten. Sie sind nicht grob. Aber ich tat doch grobe Dinge. Feuerholz holen. Steine schieben. Phila vor Bestien beschützen. Sie festhalten, damit sie nicht in Löcher fiel. Dann sah ich zu ihr, wie sie mein Shirt zurecht zupfte und es an ihren nackten Beinen weiter nach unten zog. Dann fiel mein Blick wieder in meine Hände. Mein Gesicht wurde knallrot und ich versteckte schnell meine Hände hinter meinen Rücken. Den Gedanken führte ich besser nicht zuende. Wieso dachte ich überhaupt sowas?
      Ablenkung. Essen. Ja, Essen war gut. Und der Tisch verdeckte alles sehr gut. So konnte ich mich auf das Essen konzentrieren. Und das Curry war wirklich lecker. Phila war eine tolle Köchin. Bis jetzt hat mir das Essen immer geschmeckt.
      Wir aßen zusammen und es wurde ruhig, bis sie plötzlich das Besteck zu Seite legte und die Hände in den Schoß legte. War sie fertig? Ich war noch Hungrig. Doch ich wollte bei einem Problem ihr Verhalten nicht einfach ignorieren.
      "Ähm... alles okay? Wenn was ist, sag es mir."
    • War ich wirklich so müde? Oder war es auch etwas anderes. Paradoxer Weise fühlte ich gerade vor allem Dankbarkeit. Dafür, dass wir hier saßen. Dass es ruhig war. Dass niemand etwas wollte, niemand etwas forderte. Zwei Teller, warmes Essen, ein Tisch, der nicht perfekt gedeckt war ... aber was zum Henker war das schon(?) und doch fühlte es sich erstaunlich vollständig an. Unbewusst blieb mein Blick an ihm hängen. Viel zu lange, vermutlich. A-Aber... Seine Mandelaugen... waren leicht gesenkt, dieser typische Ausdruck, den er hatte, wenn er über irgendetwas nachgrübelte, das er niemandem zeigen wollte. Und dann war da wieder dieser eigensinnige Haarwirbel, der sich selbst nach dem Duschen nicht hatte zähmen lassen und den ich bereits gestern so unglaublich gern richten wollte.... Unwillkürlich musste ich lächeln. Manche Dinge änderten sich eben nicht. Zum Glück. Und dann… seine Hände., irgendwie schienen sie nicht den rechten Platz zu finden dabei... dabei... Waren es doch Daikis Hände... Diese Hände hatten mich schon gehalten. Fest, wenn es nötig war und vorsichtig, wenn es zählte. Ich erinnerte mich an Momente, in denen sie mein Handgelenk umschlossen hatten, um mich zurückzuziehen. Oder meine Finger, um mir Halt zu geben. Wie sicher sich das angefühlt hatte. Wie… richtig. Ruhig. Fast schön. Ohhh... Der Gedanke traf mich unvorbereitet.Ich erschrak innerlich so sehr, dass ich beinahe zusammenzuckte. Nein. Nein. Nein. Nein! Nein, ....das durfte ich nicht. Das konnte ich ihm niemals sagen. Nicht als Mitbewohnerin. Nicht als Mitschülerin. Nicht als Herrin. Und schon gar nicht als - ganz sicher nicht als etwas, das ich mir nicht einmal zu Ende denken durfte... weil es wohlmöglich, nein(!) höchstwahrscheinlich alles kaputt machen konnte. Also schob ich den Gedanken hastig beiseite, als hätte ich mir an etwas Verbotenem die Finger verbrannt.Genau da sprach er mich an. Ich atmete ein, sammelte mich und hob den Blick. "Ja." sagte ich sanft und erlaubte mir den Hauch eines echten Lächelns, auch wenn ich mich ertappt fühlte. "Alles gut. Wirklich." Ich legte die Hände locker und ganz unschuldig in meinen Schoß. "Ich war nur kurz… weg. In Gedanken." Mein Herz klopfte schneller und auch meine Wangen bekamen wieder mehr Farbe. "Der Tag war einfach viel. Mehr als ich erwartet habe." Dann sah ich kurz auf den Tisch, auf das Essen... und zum Schluss auf Daiki. "Aber gerade jetzt... ist es schön. Ich freue mich über den Abend. Über... das hier."

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    • Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie mir die Wahrheit sagte. Ob sie.... naja eben doch irgendwas auf dem Herzen hatte. Ich mochte emotional eine Katastrophe sein, aber inzwischen konnte ich erkennen, wenn sie grübelte. Ich fragte mich, worüber? Hm.... vielleicht nur über die Chimäre oder die Runen im Keller. Da war sie im Vorteil. Das war mir einfach alles zu kompliziert. Ich war nur fürs Kämpfen zuständig. Und während ich so über den Tag nach dachte, merkte ich, dass ich ganz schön müde war. Ich werde mich wohl gleich aufs Ohr hauen. In meinem Zimmer. In meinem Bett. Nirgendwo anders. Ja. War wohl besser so. In letzter Zeit hab ich überall geschlafen, aber nicht in meinem Bett. Eigentlich komisch, wenn ich doch jetzt mein eigenes Bett habe.
      Meine Gedanken wurden unterbrochen, als Phila den Abend lobte.
      "Über das hier? Du meinst, weil wir hier sitzen. Und essen. Äh ja. Ist ganz nett. Das Essen ist lecker und es ist nicht kalt im Haus. Auch wenn es mich echt oft ärgert und mir auf die Nerven geht.", sagte ich etwas hilflos, denn ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Ich war nicht so enthusiastisch wie manch anderer. Aber vielleicht war das in Ordnung so. Es passte eh nicht zu mir.
      "Trotzdem würde ich heute gern früh ins Bett gehen. Ich bin echt alle. Ich äh.... ich hoffe, es stört dich nicht. Auch wenn der Gedanke daran, einzuschlafen dazu führt, dass ich wieder früh aufwachen muss für diese dämliche Schule. Können wir nicht schwänzen? Einfach gleich in den Keller und dort weiter forschen? Wäre mir alle mal lieber als der Unterricht."
    • Bei allen Göttern! Hatte ich das gerade wirklich ausgesprochen? Dabei hatten meine Gedanken gerade das Potenzial einfach alles in nur einen Sekundenbruchteil kaputt zu machen!! N-Nein nein. Ich sollte lieber etwas Essen bevor ich mich noch um Kopf und Kragen murmelte. Hastig griff ich nach meinen Löffel und schaufelte mir kontinuierlich die Hälfte meines Tellers in den Mund. "Ganf neht?" Wiederholt ich halb ungläubig, halb erfreut. Für diesen charmanten Tiefstapler waren seine Worte wohl das eheste was an Lobpreisungen heran kam. Ohne zu kauen schluckte ich mein lauwarmes Curry samt Reis herunter. "Das nehm ich." Unser Zuhause hingegen schien sich damit weniger zufrieden zu geben und versuchte seinen Unmut mit Klappen, Klirren und Knarren zu verdeutlichen. "So langsam werdet ihr wohl wirklich gute Freunde." Vorsichtig wischte ich mir mit meinen Handrücken Reis und Curryreste aus den Mundwinkeln ehe ich zu meinen Wasserglas griff um etwas zu trinken. Der Tag hatte uns Beide ganz schön mitgenommen, es war also kaum verwunderlich das es Daiki ähnlich ging wie mir. "Das stört mich nicht. Warum sollte es auch?" Ich war selbst müde, mehr als ich mir eingestehen wollte. Da war früher schlafen gehen sicher eine gute Idee. Ich hob eine Augenbraue leicht und lehnte mich ein Stück zurück. "Verlockend...", gab ich zu. Und das war es wirklich. Die Runen im Keller waren interessanter als jede Schulstunde. Es reizte mich schon sehr ihr Rätsel gänzlich zu durchschauen und dann schließlich zu lösen. Dennoch... "Den Unterricht schwänzen wir aber nicht. Zumindest nicht den Ganzen." Es war vielleicht zäh, es war vielleicht ätzend, aber der Kontakt zu den Sterblichen die wir dort schützen sollten war wichtig für die Aufgabe. Ich seufzte leise. Für Diskussionen war ich schon zu müde. "Ich werde hier noch kurz aufräumen. Und dann ebenfalls verschwinden. Göttinnen brauchen angeblich auch Schlaf. Wer hätte das gedacht? Morgen überleg ich mir während des Unterrichts was und dann können wir nochmal da runter gehen." Auch wenn mir allein der Gedanke an die Katakomben einen kalten Schauer über den Rücken bescherte. Ich stand auf und begann das Geschirr auf den Tisch zusammen zu sammeln. "Was machst du denn noch hier? ...gute Nacht, Daiki. Schlaf gut." Auch wenn meine Frage fast wie ein Vorwurf klang wurde meine Stimme immer sanfter und für einen Wimpernschlag zu lang versank ich in .... M-Moment mal! Nicht schon wieder! Ich wand meinen Blick rasch ab bevor meine Wangen rot wurden. "Was... was willst du eigentlich Morgen früh essen? Frühstück..oder Lunchpaket?"
    • Als Phila mir mit vollem Mund antwortete, konnte ich gerade so noch ein Lachen unterdrücken. Man kannte die sonst so ordentliche Phila gar nicht so. Sie sah immer zu, dass sie damenhaft genug aussah. Deshalb passte dieses Bild vom vollen Mund gerade gar nicht zu ihr.
      "Ich weiß nicht, ob das zwischen mir und dem Haus Freunschaft nennen kann. Wir sind beide dazu gezwungen, miteinander klar zu kommen. Es ärgert mich ständig und macht sich darüber auch noch lustig. Ich will gar nicht wissen, was es als nächstes vorhat. Ich weiß aber, dass ich definitiv das Opfer sein werde.", antwortete ich und wollte gerade weiter essen, als ein kleiner Löffel aus der Schublade geschossen kam und direkt meinen Kopf traf.
      "AUA! Ist doch wahr!", maulte ich und sah böse zu den Wänden.
      Phila konnte meinen Vorschlag, morgen zu schwänzen, leider nicht ganz zusagen, weshalb ich die Augen verdrehte. War es nicht völlig egal, ob ich im Unterricht war oder nicht? Ich konnte nicht mal richtig lesen. Es reichte gerade so, um immer Unterricht halbwegs mitzukommen. Aber das würde ich niemals zugeben. Phila würde mich wohl eher nur auslachen.
      Als wir fertig waren mit Essen, fing meine Herrin plötzlich abzuräumen und schmiss mich regelrecht aus der Küche. Ich hätte ihr auch ruhig noch helfen können. Sie sah mir fest in die Augen und ich hatte das Gefühl, sie konnte sehen, was in mir vorging. Ein eher mulmiges Gefühl, wenn sie hinter die Fassade gucken konnte. Ich räusperte mich und stand auf.
      "Ähm ja.... gute Nacht. Wenn..... wenn irgendwas ist, komm ruhig zu mir. Du darfst mich jederzeit wecken.", ich verließ die Küche und ging abermals in mein Zimmer. Nachdem ich mich gewaschen habe, zog ich mir meine Shirt aus und legte mich ins Bett. Ich lag auf dem Bauch, meine Hände unter meinen Kopf überkreuzt und ich dachte nach. Heute war wirklich verdammt viel passiert. Und ich war mir nicht sicher, ob Phila wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Ich konnte nur hoffen, dass sie sie nicht bereute.
    • Ich stand erst mal wie angewurzelt da als Daiki die Küche verließ und sah ihm nach. Seine Worte hallten noch in meinem Kopf nach ...und ganz ehrlich? Das war gar nicht gut! "N-Nein, nein... denk nicht drüber nach..." murmelte ich hastig und wandte mich fast schon panisch dem Geschirr zu, um mich abzulenken. "Musste das wirklich sein?", fragte ich trocken in den leeren Raum, während ich den Löffel aus dem Becken fischte. "Ihn direkt am Kopf zu treffen?"
      Die Dielen unter mir gaben ein gedehntes, ziemlich empörtes Knacken von sich. Ein Schrank vibrierte beleidigt, als würde er die Schultern zucken. Ich schnaubte. "Ja, ich weiß ja! Er hat dich herausgefordert." Wieder ein tiefes Knarren. Das interpretierte ich jetzt einfach mal als Zustimmung. "Er meint es nicht so." fügte ich leiser hinzu und trocknete den Löffel ab, fast schon ein bisschen zu gründlich. "Er kennt so was eben nicht. Ein Zuhause, das... naja, das zuhört. Das antwortet. Das eben auch reagiert." Das Haus arbeitete in seinen alten Steinen, ein langsames Geräusch, das wie ein tiefer Atemzug durch die Küche ging. "Daiki hatte lange keines..." fuhr ich fort, und meine Stimme wurde gegen meinen Willen weicher. "Vielleicht noch nie." Die Stille danach war anders. Nicht mehr trotzig, sondern fast schon nachdenklich. Eine Tür im Flur fiel ins Schloss, nicht geknallt, sondern fast schon vorsichtig. "Siehst du? Geht doch." schmunzelte ich schwach.
      Als das Chaos beseitigt war, löschte ich das Licht und flüchtete in mein Zimmer. Ich wollte mich gerade umziehen, aber dann... dieses Shirt. Daikis Shirt. Der Stoff war dünn, hatte kleine Löcher an den Nähten und diesen einen kaum sichtbaren Fleck an der Schulter. Es roch nach Waschmittel und... nach ihm.
      Ich sollte es ausziehen. Sofort. Aber ich tat es nicht. Stattdessen warf ich mich aufs Bett, zog die Decke hoch und fuhr mit den Fingerspitzen über den ausgefransten Saum. Es war doch absolut absurd! Eine Göttin, die an einem löchrigen Fetzen Stoff hing wie ein ängstliches Kind.
      Ich presste die Lippen zusammen und starrte an die Decke. Es wäre so viel einfacher, wenn ich nur seine Herrin wäre. Wenn er nur meine göttliche Waffe wäre ... eine reine Zweckgemeinschaft, so wie am Anfang. Aber das war es nicht mehr. Überhaupt nicht mehr.
      Ich spürte es bei jedem Herzschlag, der jedes Mal aus dem Rhythmus geriet, wenn er mir zu nah kam. Oder bei dieser Wärme, die mich flutete, wenn er grinste. Ich vergrub mein Gesicht halb im Kissen und spürte, wie meine Wangen schon wieder heiß wurden. Wenn er das jemals wüsste... die Angst, ihn zu gefährden, war das eine. Aber die Angst, ihn zu verlieren, wenn er wüsste, was ich fühle? Das war viel schlimmer. Das konnte nur eines heißen. All diese Gefühle ....so schön, so ungewohnt und gleichzeitig absolut schrecklich... das war entweder Liebe. Oder purer Wahnsinn. Aber wahrscheinlich waren sich diese beiden Dinge am Ende sowieso viel ähnlicher, als man dachte.

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    • Ich war hundemüde. Doch meine Augen wollten und wollten einfach nicht zufallen. Ich seufzte leise. Ich war eigentlich nicht der Typ, der über Dinge nachdachte. Doch heute war einfach zu viel passiert. Ein Film lief vor meinen Augen ab, als Phila meinen Rücken heilte. Der überraschte Blick, als sie meine vielen Narben sah. Das Gefühl ihrer zarten Hände auf meiner Haut. Die Wärme die sie austrahlte, als sie sich von hinten an meinen Hals schmiss. Diese Wärme musste sie an mich abgegeben haben, denn ich konnte sie immer noch spüren. Diese Hitze, die in mir hoch stieg, wenn ich daran dachte. Ich versteckte mein Gesicht in der Ellenbeuge. Auch wenn mich niemand sah, war es mir grad furchtbar peinlich. Und trotz, dass wir einen schlechten Start hatten, wollte sie mich als Waffe behalten. Sie hätte wen anderes suchen können. Aber sie wählte mich. Und noch dazu trug sie mein Shirt. Die Hitze wurde stärker. War ich etwa krank? Bloß nicht. Aber dieses Bild wollte einfach nicht verschwinden. Sie in meinem Shirt, die Beine nackt und das Wichtigste wurde von einem Fetzen Stoff bedeckt, was eigentlich mein war. Ich seufzte erneut. Ich brauchte dringend frische Luft.
      Ich stand auf und ging so wie ich war nach draußen zur Veranda. Die laue Nachtluft tat gut und kühlte meine Gedanken und mein Gemüt etwas ab. Meine Lunge füllte sich mit frischer Luft. Der Mond, der fast seine volle Größe erreicht hatte, schien hell auf den Garten und erleuchtete die schlafenden Blumen. Doch wirklich abgelenkt war ich jetzt dadurch nicht. Ich schluckte. Ob das wirklich eine gute Idee mit Phila war? Aber wo hätte ich sonst auch hingekonnt? Und wenn sie den Wunsch hegte, dass ich bei ihr blieb, dann tat ich das. Ja. Trotzdem war ich mir nicht sicher, wo das alles hinführte. Ich rieb mir über die Augen. Ich setzte muchvauf die erste Stufe und dauerte auch gar nicht lange, da ließ das Haus eine Welle über die Dielen gleiten, auf denen ich saß. Genervt brummte ich.
      "Lass mich in Ruhe.", murmelte ich und nochmal hüpfte die Diele, auf der ich saß, nach oben.
      "Ist ja schon gut. Ich geh ja gleich ins Bett."
      Dann glitt die Tür auf und mit einem kleinen Schubser wurde ich wieder ins Hausinnere befördert. Auf den Boden sitzend rollte ich genervt mit den Augen.
      "Was stimmt denn mit dir nicht? Ich kann eh nicht einschlafen.", motzte ich und stand dann auf. Dann musste ich niesen. Oh.... jetzt verstehe ich....
      "Schon gut, schon gut. Ich hab verstanden. Ich geh ja schon.", ergeben hob ich die Hände und ging wieder ins Bett. Dort kuschelte ich mich ins Kissen und schloss die Augen. Hätte ich mal bloß eher auf das Haus gehört.

      Am nächsten Morgen schniefte meine Nase ununterbrochen. Meine Augen waren klein und meine Nasenspitze rot. Ich band mir einen dicken Schal um den Hals und schlufte in die Küche zu Phila.
      "Morgen.", murmelte ich mit meiner typischen Morgenstimme, die einfach nicht weggehen wollte.
    • Der Duft von geröstetem Brot hing in der Luft, während ich das Ei mit einem gezielten Schlag an der Pfanne aufschlug. Der Kaffee war auch schon beinah bereit und die Lunchboxen hatte ich auch schon herausgestellt. Ich war fast fertig, als ich hinter mir Schritte hörte. Schlurfend. Schwer. Fast schon... mitleiderregend?
      Ich drehte mich um ...und musste mich echt beherrschen, nicht sofort die Fassung zu verlieren oder die Stirn in tiefe Falten zu legen. Bei allen Göttern, er sah absolut erbärmlich aus! Der Schal war viel zu dick um seinen Hals gewickelt, die Nase knallrot und die Augen so halb geschlossen, als hätte er die ganze Nacht mit eine weitere Anomalie gekämpft... und haushoch verloren.
      Ich verschränkte langsam die Arme vor der Brust und musterte dieses Häufchen Elend von oben bis unten. "Wie siehst du denn heute aus?" schoss es aus mir heraus. Er blinzelte mich an, als hätte ich ihn persönlich beleidigt. Ich trat einen Schritt näher. Sein Hautton war viel zu blass. Und sein Atmen irgendwie... röchelnd und zu warm. "Sag bloß, dir geht es nicht gut?!" Meine Stimme wurde augenblicklich schärfer. Meist war ich geduldig und nachsichtig aber nicht wenn es um Daikis Gesundheit hin. Bevor er auch nur den Mund aufmachen konnte, vibrierte plötzlich der Boden unter meinen Füßen. Ein gedehntes Knarren, gefolgt von einem richtig empörten Zittern der Küchentür. Ich hob eine Augenbraue und sah die Wand an. "Ernsthaft jetzt?" Die Fensterläden klapperten minimal. Die Diele im Flur knackte zweimal kurz hintereinander... wohl eine Art von Zustimmung. Es brauchte keine Worte, ich verstand dieses Haus mittlerweile nur zu gut. "Was… du warst gestern Nacht noch draußen?!" rief ich ihn fassungslos entgegen und wandte meinen Blick wieder Daiki zu. "So erschöpft? Nur in deinen dünnen Sachen? Willst du mich eigentlich veräppeln?" Die Decke über uns knisterte leise, als würde sie beleidigt mein Gemecker bestätigen.
      Ich atmete einmal tief durch. Na klar. Natürlich geht er mitten in der Nacht raus, halb nackt und völlig übermüdet, weil seine dämlichen Gedanken mal wieder lauter sind als sein Verstand! "Genial. Und unfassbar. Warum seit ihr Breitschwerter nur so leichtsinnig?" murmelte ich trocken.
      Ich trat direkt vor ihn und fasste schnell nach seinem Schal um ihn mit einen heftigen Ruck mit mir auf Augenhöhe zu ziehen. Anders ging schlecht, denn das hätte dieser stolze Ayakashi niemals mitgemacht. Meine Finger schoben den Stoff grob zur Seite, dann legte ich ihm die Hand auf die Stirn. Warm. Viel zu warm. Ohne groß zu fackeln, packte ich seine Hand und drückte sie gegen meine eigene Stirn. "Vergleich mal!.", befahl ich.
      Seine Haut war deutlich heißer. Ich seufzte tief. "Du hast Temperatur. Punkt." Das Haus knarrte sofort wieder bestätigend. "Du bleibst heute schön hier. Am besten gehst du gleich wieder in dein Bett." Ich trat einen Schritt zurück, ließ ihn aber nicht aus den Augen. "Du willst doch bei dem Spiel dabei sein, oder? Und zwar gesund! Wenn du dich jetzt hier herumquälst, liegst du am Ende eine ganze Woche flach. Und ich werde dich ganz sicher nicht halbtot über ein Spielfeld schleifen, merk dir das!" Ein kurzer, kaum sichtbarer Anflug von Wärme zog durch meine Brust... was war das denn jetzt schon wieder? Schnell wegsehen! "Es gibt Tee statt Kaffee." fügte ich hastig hinzu und schob ihm die Tasse entgegen. "Und danach verschwindest du sofort wieder im Bett. Keine Widerrede!" Ich wandte mich ruckartig zum Herd um, nahm die Pfanne vom Feuer und feuerte sie beiseite ehe ich einen Tee ansetzte und die Kanne neben die Tasse stellte. In meinem Kopf ratterte es schon: Kräuter und Gemüse hatte ich genug im Garten. Thymian, Salbei, vielleicht etwas Rosmarin... Karotten, Lauch, Sellerie. Für eine anständige Suppe würde das reichen. Aber ein Huhn... verdammt, ich musste noch einkaufen! Ich seufzte leise und warf einen Blick über die Schulter. "Du trinkst das jetzt aus.", sagte ich, während ich schon nach meinem Mantel griff. "Dann ab ins Bett. Und wage es ja nicht, dich wieder nachts nach draußen zu schleichen!" Die Fensterrahmen knisterten zufrieden. Ich warf dem Raum einen warnenden Blick zu. "Und du!" murmelte ich an die Wände gerichtet, "...Hättest ihn auch mal etwas früher wieder reinzwingen können, du Verräter!" Ein beleidigtes Knacken war die Antwort. Ich konnte mir ein kleines Lächeln doch nicht ganz veverkneifen. Okay, Philomena... Er würde schlafen. Ich würde Suppe kochen. Und wenn ich schon die Verantwortung für eine lebendige Waffe trug, dann sorgte ich gefälligst auch dafür, dass sie nicht vor lauter Dummheit Rost ansetzete! ...und vielleicht auch, weil ich es absolut nicht ertrug, ihn so fertig zu sehen. Aber das musste er ja nicht wissen. Ich knallte die Teekanne noch ein Stück näher an ihn ran. "Besser du ninmst das hier mit unf legst dich gleich hin. Ab ins Bett, Daiki! Ab Marsch!"

      Draußen peitschte mir der Regen entgegen, kaum dass ich die schützende Veranda verlassen hatte. Ein kurzer Schreckmoment, dann senkte ich den Kopf und zog den Mantel enger. Es war kühl, aber meine Wangen brannten noch immer von dem Moment in der Küche.
      Schritt für Schritt kämpfte ich mich den matschigen Weg entlang. Bei jedem Quatsch-Geräusch meiner Stiefeletten ermahnte ich mich zur Ruhe. Ganz ruhig, Phila. Er schläft jetzt. Es ist nur eine Erkältung. Aber mein Herz schien das Memo nicht bekommen zu haben; es klopfte in einem ungeduldigen Rhythmus gegen meine Rippen, der so gar nicht zu meinem versuchten, ruhigen Atem passen wollte. Ich kam mir fast ein bisschen wunderlich vor. Eine Göttin, die im strömenden Regen über Matschwege eilte, um Besorgungen zu machen, die jeder Sterbliche wohl auf morgen verschoben hätte. Bei allen Göttern, warum hatte ich ihn nur so lange allein gelassen? Was, wenn sein Fieber in der Zwischenzeit gestiegen war? Oder wenn er versucht hatte, aufzustehen und ihm schwindelig geworden war? Aber der Gedanke, dass Daiki dort oben lag, während sein Körper gegen das Fieber kämpfte... nein, morgen war keine Option. "Bitte sei einfach im Bett geblieben, Daiki." Als ich den Marktstand erreichte, war der Metzger schon dabei, die schweren Planen über seine Ware zu ziehen. Er wirkte eilig, fast schon mürrisch wegen des Wetters. "Entschuldigen Sie?" rief ich, und ich hoffte, dass meine Stimme nicht so zittrig klang, wie ich mich fühlte. "Hätten Sie wohl noch… ich bräuchte ein Huhn. Ein gutes für eine Suppe."
      Der Mann hielt inne und sah mich aus kleinen Augen an, während ihm das Wasser vom Hut tropfte. "Bei dem Wetter, junge Dame? Das muss ja eine wichtige Suppe sein."
      Ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen stieg ...und das lag sicher nicht am Regen. "O-oh nein!" stammelte ich rasch und versuchte, ein unverbindliches, freundliches Lächeln aufzusetzen, das vermutlich eher etwas schief geriet. "Ich... Ich koche nur gerne vor, wenn es regnet. Man weiß ja nie, wann man mal keine Lust hat, rauszugehen, nicht wahr?" Ich hoffte inständig, dass er mein Herzklopfen nicht unter dem nassen Stoff meines Mantels sah. Er brummte nur etwas Unverständliches, reichte mir ein ordentlich verpacktes Huhn und nahm das Geld entgegen. "So so. Passen Sie auf sich auf, Fräulein. Sie holen sich ja selbst noch den Tod." Ich lächelte schwach als ich das Hunh entgegen nahm. "Vielen Dank! Das werde ich!." rief ich über die Schulter, während ich mich bereits wieder umdrehte.
      Der Rückweg fühlte sich doppelt so lang an. Der Regen sickerte nun doch langsam durch meine Kleidung, und eine hartnäckige Sorge nistete sich in meinen Hinterkopf ein. Hatte er vorhin genug getrunken? War die Decke warm genug? Ich beschleunigte meine Schritte, bis ich fast rannte. Es war mir egal, ob ich dabei die Pfützen mitnahm oder ob meine Haare nun endgültig in strähnigen Locken mein Gesicht einrahmten.
      Als ich endlich die schwere Haustür aufstieß, empfing mich die vertraute Stille des Hauses. Ich blieb einen Moment im Flur stehen, schwer atmend, während das Wasser von meinem Saum auf die Dielen tropfte.
      "Ich bin wieder da." flüsterte ich, fast mehr an das Haus als an Daiki gerichtet. Die Treppenstufe am oberen Ende knackte leise ... ein sanftes Geräusch, das mich sofort innehalten ließ. Es war kein drohendes Knarren. Es war fast so, als würde das Haus mir zuflüstern, dass oben alles ruhig war. Ich legte das Huhn vorsichtig in der Küche ab. Mein erster Impuls war, sofort die Pfannen auf den Herd zu stellen, aber mein Blick wanderte unweigerlich den Flur entlang. Nur ein kurzer Blick. Nur um sicherzugehen, dass er wirklich schlief und nicht etwa versucht hatte, im Fieberwahn sonst was zu tun... das würde ihm ähnlich sehen. Ich schlich den Flur entlang, wobei ich peinlich genau darauf achtete, die feuchten Stellen zu vermeiden, damit ich kein Geräusch machte. Vor seiner Tür blieb ich stehen. Mein Herz machte einen kleinen, verräterischen Hüpfer. Ganz vorsichtig, so leise es mir möglich war, drückte ich die Klinke nach unten.
    • Als ich in die Küche kam, war Phila völlig fassungslos. Sie fragte mich, wie ich aussah und ich wusste ehrlich gesagt nicht, was uch darauf antworten sollte. So, wie ich eben aussah. Was sollte ich denn sonst sagen? Sie kam auf mich zu und ich versteifte mich. Ich hatte irgendwie ein ungutes Gefühl im Bauch und ich sollte Recht behalten. Für die sonst so ruhige, liebe Phila, warte das hier gerade ein Vulkanausbruch. Und zwar ein ziemlich heißer und heftiger.
      Ich wollte mich gerade erklären, dass es nicht so schlimm war, wie es aussah, als sie anfing, sich mit dem Haus zu unterhalten. Und sofort wusste sie Bescheid.
      "Verräter.", murmelte ich leise und sah die Wand böse an. Konnte es nicht auch einmal zu mir halten?
      "Ja, ich war gestern nich draußen, na und? Hätte ich zu dir ins Bett hüpfen sollen? Wohl eher nicht. Der Tag ging gestern nicht so spurlos an mir vorbei und-", sie unterbrach mein Gezeter und zog mich am Schal nach unten zu sich, so dass mein Gesicht direkt vor ihrem war. Mir blieben die Worte im Halse stecken, die Augen weiteten sich und mein Gesicht glühte. Wenn das überhaupt noch möglich war. Ich schluckte hart und sah in ihre wütend funkelten Augen. Nachdem sie ihre Hand bei mir auf die Stirn legte (das bei der Wärme sicherlich gefälscht war), legte sie meine Hand auf ihre Stirn. Okay. Kein Vulkanausbruch. Eher ein Hurrikan.
      "Krieg dich wieder ein. Es ist nur eine Erkältung. Ich liege nicht im Sterben. Ich bin fit genug für die-", doch wieder ließ sie mich nicht aussprechen. Ja, ich war noch müde. Aber ich könnte doch einfach im Unterricht schlafen. Ich verstand ihr Problem nicht. Doch sie schickte mich eiskalt wieder ins Bett.
      "Ins Bett?! Warum schickst du mich dahin zurück? Und.... mekn Kaffee.", ich streckte sehnsüchtig die Hand nach dem Kaffee aus, der jetzt für mich Geschichte war. Ich hasse Tee..... Die meisten sind ekelhaft....
      "Blöder Tee....", moserte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Aber wenn ich keinen weiteren Ärger von meiner Herrin wollte, tat ich besser, was sie sagte. Sonst war ich wirklich am Arsch.
      Aufgebracht knalkte sie mir die Kanne mit Tee auf dem Tisch und befahl mir ins Bett zu gehen. Niemand konnte sie mir einen Befehl geben, aber bei sowas Lächerliches holte sie den Befehlston raus? Ich glaub, ich spinne.
      "Ich geh ja schon.", sagte ich ergebend und nahm alles mit.
      In meinem ziemlich kahlen Zimmer, in dem bloß ein Schrank und ein Futon zu finden war, stellte ich alles auf Höhe meines Kissens ab und legte mich dann ins Bett. Mir war tatsächlich etwas kalt, weshalb uch die Decke bis zu den Ohren hochzog. Die Dielen knarzten verärgert.
      "Halt die Klappe. Ich hab meinen Anschiss schon abbekommen. Dass sie dich verantwortlich macht, dafür kann ich nichts.", motzte ich das Haus an. Den Tee würgte ich runter. Er war wirklich widerlich, doch wenn Phila wiederkam, würde die Kanne leer sein.
      Es dauerte eine Weile, dann hörte ich Schritte im Haus. Geschlafen hab ich nur ein wenig, denn meine Nase erschwerte mir das Atmen, was das Ganze etwas schwierig machte. Immer wieder schlief ich ein und immer wieder wurde ich wieder wach. Aus dem Grunde bekam ich mit wie Phila wieder zurück kam. Sie wollte zwar leise sein, doch hören konnte ich sie trotzdem.
      "Ich habe dich gehört. Du kannst ruhig reinkommen. Ich bin auch angezogen, versprochen."
    • Das Klappern der Teetasse auf dem Nachttisch war das einzige Geräusch, das die fast schon andächtige Stille in seinem Zimmer durchschnitt. Ich hatte gehofft, ihn tief schlummernd vorzufinden, die Wangen gerötet vom Schlaf, die widerspenstigen Haare auf dem Kissen verteilt. Stattdessen hörte ich seine Stimme, noch immer belegt, rau und mit diesem typischen Daiki-Untertun, der selbst im Kranksein noch versuchte, die Oberhand zu behalten.Ich habe dich gehört. Du kannst ruhig reinkommen. Mein Herz machte einen Satz, der so gar nicht zu meiner Rolle als besorgte 'Pflegerin' passte. Ich spürte, wie die Wärme in meine Wangen stieg, und war heilfroh, dass das dämmerige Licht im Flur meine Verlegenheit kaschierte. Vorsichtig drückte ich die Tür weiter auf. "Wie beruhigend. Du solltest schlafen und nicht lauschen, wer durch den Flur schleicht." erwiderte ich leise und versuchte, so streng wie möglich zu klingen. Aber als ich ihn dort sah, wie er sich fast bis zu den Ohren in seine Decke eingemurmelt hatte, schmolz meine mühsam aufrechterhaltene Fassade augenblicklich dahin. Ich trat näher an seinen Futon. Er sah aus wie ein Häufchen Elend, das verzweifelt versuchte, wie ein Krieger zu wirken. Mein Blick fiel auf die Teekanne. Sie war fast leer. Ein kleiner Triumphzug zog durch meine Brust.. er hatte ihn wirklich getrunken, obwohl er Tee anscheinend Nichts abgewinnen konnte. Er hatte es für mich getan. Oder weil er Angst vor meinem nächsten Befehlen hatte. Beides war auf eine seltsame Weise rührend. "Gut gemacht. Das ist doch schon mal ein Anfang." murmelte ich, fast schon unbewusst, und kniete mich neben ihn auf den Boden. Die Kälte des Regens klebte noch an meiner Haut, aber hier, in seiner Nähe, fühlte ich nur die drückende Hitze, die von seinem Körper ausging. "Du glühst ja immer noch." stellte ich fest, diesmal ohne Schärfe in der Stimme. Ganz vorsichtig, als könnte er bei der kleinsten Berührung zerbrechen oder schlimmer noch, merken, wie sehr meine Hand zitterte legte ich ihm den Handrücken erneut an die Wange. Seine Haut war trocken und viel zu heiß. "Das Huhn köchelt unten." sagte ich leise und strich ihm eine verirrte Strähne aus der Stirn. "Das Haus passt auf, dass nichts anbrennt. Es hat sich übrigens schon wieder beruhigt. Es macht sich nur Sorgen um dich, genau wie…" Ich biss mir gerade noch rechtzeitig auf die Lippe. ...Genau wie ich.... "Genau wie es sich für ein ordentliches Zuhause gehört." rettete ich mich holprig. Ich sah ihn an, wie er da lag und versuchte, durch die verstopfte Nase zu atmen. In diesem Moment wirkte er überhaupt nicht wie eine mächtige göttliche Waffe oder der sture Kerl, der mich ständig zur Weißglut trieb. Er war einfach nur Daiki. Mein... "Willst du noch etwas Tee oder Wasser?" Fragte ich und rückte ein Stück näher, unfähig, den Blick von ihm abzuwenden. Die Dunkelheit des Zimmers hüllte uns ein, und für einen Moment fühlte es sich so an, als gäbe es nur uns beide und das leise Prasseln des Regens gegen die Fensterscheiben. Vielleicht war es der Schlafmangel, vielleicht die Sorge, aber mein Widerstand bröckelte. Ich wollte nicht weggehen. Ich wollte hierbleiben, auf diesem harten Boden, und darauf warten, dass sein Atem ruhiger wurde. Wäre es sehr verrückt, wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass er im Kranksein fast noch unausstehlicher ist als sonst und ich ihn trotzdem um keinen Preis der Welt hergeben würde? "Daiki... ich...." v-verdammt! Ich sollte mich nicht immer so hinreißen lassen. Ich schluckte schwer. "Ich habe auch nicht viel geschlafen. Aber ich laufe nicht in unpassenden Kleidung draußen herum." Nur wenn ich diesen Ayakashi damit helfen konnte. "V-vielleicht... vielleicht ist sind neben der frischen Suppe auch feuchte Umschläge eine gute Option."
    • Philas Wut schien verraucht. Sie hatte eine ganz andere Haltung und klang jetzt auch anders. Auch wenn ich nicht viel sehen konnte, weils recht dunkel war. Versteh einer die Götter.... oder eben Phila. Castor war nicht so kompliziert.
      "Und dann kommt jemand Komisches hier rein, während du weg bist? Im Leben nicht. Nur auf das Haus ist kein Verlass.", noch immer diese raue, dunkle Stimme. Sie wollte einfach nicht wieder normal werden. Und das nervte mich.
      Sie setzte sich neben mich auf den Boden und sah zur fast leeren Teekanne, ehe sie mich lobte. Ich musste eingestehen, dass ich es mochte, wenn sie mich lobte. Aber ich würde es niemals zugeben. Ich wollte nicht wie ein Haustier rüberkommen.
      "Du hättest mich eh nur genervt, dass ich den Tee trinken soll. Obwohl ich meinen Kaffee vermisse....", murrte ich leise und sah zu ihr aufzunehmen. Ich spürte eine kühle, feuchte Hand an meiner Wange. Es tat gut. So gut, dass ich für kurze Zeit die Augen schloss, um es noch ein bisschen zu genießen. Doch dass ihre Hand so feucht war, musste bedeuten, dass sie ohne irgendwas in den Regen gestapft ist, den man gerade nur allzudeutlich hörte.
      "Du bist durchnässt. Zieh dir lieber was an, sonst liegst du hier bald krank neben mir.", sagte ich leise mit ein klein wenig Sorge in der Stimme.
      "Wenn das Haus aufpasst, kannst du es dir sicherlich leisten, dich kurz umzuziehen."
      Doch sie rührte sich nicht. Stattdessen fing erneut ihre Predigt an. Ich verdrehte die Augen und drehte mich von ihr weg. Ich wusste ja, dass sie Recht hatte. Aber ich sagte es ihr sicherlich nicht.
      "Ich hatte meine Gründe. Ich....ich musste mich einfach abkühlen. Jetzt hör auf, mir ne Predigt zu halten. Ich habs ja verstanden.", ich schielte zu ihr rüber, um ihre Reaktion zu sehen. Ich weiß, ich hatte mich von ihr weg gedreht. Aber inzwischen hab ich mich so an sie gewöhnt, dass ich nicht wollte, dass sie ging.
      "Kannst.... du hier bleiben, bis ich eingeschlafen bin?"
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