About gods and demons (Nimue & Kiba)

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      Mein Herz setzte einen so heftigen Schlag aus, dass ich für eine Sekunde befürchtete, meine menschliche Tarnung würde vor lauter Hitze einfach verdampfen. Er hatte es wirklich gesagt. ˋWunderschön.ˋ Nicht ˋpassabelˋ oder ˋokay für einen Zwergˋ, sondern wunderschön. Die Hitze schoss mir unaufhaltsam in die Wangen, und ich musste den Blick senken, um nicht vollends die Fassung zu verlieren.
      Ich spürte, wie Daiki innerlich fast genauso sehr mit der Situation kämpfte wie ich, also schluckte ich meine Aufregung hinunter. Ich wollte es für ihn nicht noch unangenehmer machen, als es ohnehin schon war. "Du hast dich aber auch mächtig ins Zeug gelegt", erwiderte ich leise und wagte es, ihn wieder anzusehen. Der Anblick von ihm in diesem Anzug war immer noch fast zu viel für meine Nerven, aber ich versuchte, mir ein spitzbübisches Lächeln abzuringen.
      Als er mir dann hölzern, aber bestimmt seinen Arm hinhielt, war ich mehr als nur dankbar. "Danke", murmelte ich und hakte mich fest bei ihm ein. Das blöde Haus hatte bei all seiner Liebe zum Detail nämlich eines vergessen: Die Schleppe dieses Kleides war eine absolute Todesfalle. Ohne Daikis starken Arm als Anker wäre ich vermutlich schon nach drei Schritten über den violetten Tüll gestolpert. Aber wenn er mich so ansah... wenn er mich wirklich so wunderschön fand, dann war es das Risiko eines Genickbruchs wohl wert gewesen.
      Der Weg zum Ballsaal fühlte sich an wie ein Gang zwischen den Welten. Als wir eintraten, schlug mir eine Welle aus Licht, Parfum und dieser ganz speziellen Arroganz der superreichen Sterblichen entgegen. Ich blinzelte und versuchte, mich zu orientieren. Alles wirkte so chaotisch, laut und grell ... so völlig anders als die jahrhundertealten, kühlen Festbankette unter Göttern, wo jedes Wort und jede Geste wie in Stein gemeißelt war. Hier schien es zwar auch Regeln zu geben, aber sie waren flüchtig und laut.
      Unbewusst drückte ich mich etwas näher an Daiki. Sein Arm fühlte sich so solide und sicher an. Beruhig dich, Philomena, befahl ich mir innerlich. Es ist nur eine Schulveranstaltung. Keine Anomalie in Sicht, keine Dämonen, nur Teenager mit zu viel Geld und Hormonchaos.
      Dann tauchte Elise auf. Ich zwang mir ein höfliches Lächeln auf, während mein Herz immer noch wie verrückt raste. "Danke, Elise. Du bist auch bezaubernd", erwiderte ich, doch als sie sich zu mir vorlehnte und den Eröffnungstanz erwähnte, gefror mir das Lächeln fast im Gesicht.
      Moment mal... Eröffnungstanz?!
      Panik stieg in mir auf. Das konnte doch nicht wahr sein! Eigentlich wollte ich den Abend nutzen, um unauffällig den Raum zu scannen und Informationen für unseren Auftrag zu sammeln. Aber jetzt? Jetzt sollten wir beide, die personifizierte soziale Unbeholfenheit und das grimmigste Breitschwert der Geschichte, im Rampenlicht stehen und uns im Takt bewegen?
      Ich sah Daiki hinterher, wie er mit seinen Teamkollegen zur Bar marschierte. Er wirkte so stolz und gleichzeitig so verloren. Wenn er wüsste, was Elise gerade gesagt hatte, würde er vermutlich auf der Stelle versuchen, sich in seine Waffenform zurückzuverwandeln, nur um nicht tanzen zu müssen. Und ehrlich gesagt? Ich konnte es ihm nicht verübeln.
      "Ein Tanz...", flüsterte ich fassungslos vor mich hin, während ich zusah, wie die Tanzfläche sich langsam leerte. "Das wird eine Katastropwu Eine wunderschöne, violette Katastrophe." Hast du eine Idee, wie Phila Daiki die Sache mit dem Tanz beibringen soll, ohne dass er sofort die Flucht ergreift? "Hörst du mir überhaupt zu?", fragte Elise und stupste mich grinsend in die Seite. "Du starrst ihm hinterher, als wäre er der Hauptpreis der Tombola." Ich spürte, wie die Hitze in meine Wangen stieg, und zupfte nervös an den transparenten Tüllärmeln meines Kleides, die wie feine Flügel an mir herabbammelten. "Ich... ich achte nur darauf, dass er niemanden verprügelt, der uns zu nahe kommt", log ich halbherzig. Doch in meinem Inneren tobte das Chaos. Das Gefühl seines festen Arms unter meinem, als wir hierhergelaufen waren, brannte immer noch auf meiner Haut. Er hatte mich ˋwunderschönˋ genannt. Ein Wort aus seinem Mund, das mehr Gewicht hatte als tausend Komplimente der Sterblichen. Der Ballsaal war erfüllt von einem Meer aus Lichtern, dem Duft von schweren Parfüms und dem rhythmischen Wummern der Musik, die so ganz anders war als die Harfenklänge, die ich aus meiner Vergangenheit kannte. Alles hier war laut, bunt und voller pulsierendem Leben. Ich sah die Paare auf der Tanzfläche, die lachten und sich drehten, und plötzlich fühlte ich mich wieder klein und das lag nicht an meiner schwankenden Körpergröße. "Gleich ist der Eröffnungstanz, Philomena", flüsterte meine Freundin aufgeregt. "Die Fläche leert sich schon für die Hauptpaare." Mein Herz setzte einen Schlag aus. Der Eröffnungstanz. Ich sah hinüber zur Bar, wo Daiki gerade zwei Gläser entgegennahm. Er wirkte in seinem anthrazitfarbenen Anzug so deplatziert zwischen den bunten Girlanden und doch war er der einzige Fixpunkt, an dem ich mich festhalten konnte.
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