The last Song [Nimue & Shio]

    • Kyle

      Ihren Job? Ich zog eine Augenbraue nach oben und musterte sie. Sie war als Fotografin eingestellt und nicht als mein persönlicher Babysitter. Ihre Worte kamen wie aus der Pistole geschossen und ich starrte einen Moment auf das Glas. „Was zum Geier ist das?“ Als sie mir schließlich erklärte das es ein Anti- Kater- Getränk war sah ich sie noch misstrauischer an. Doch sie bestand darauf das ich das trinken sollte. „Na schön.“ Die Bruderkarte zog bei mir. Denn ich hatte keine Lust das mir Tom morgen einen Vortrag hält. Ich verdrehte die Augen und nahm das Glas zögerlich in die Hand. Ein bisschen schwappte über den Rand des Glases und tropfte auf den Boden. „Ich hoffe für dich das du mich nicht doch vergiften willst.“
      Sie antwortete mir nicht, sah mich nur mit diesen einem strengen Blick an.
      Ich kniff die Augen zusammen und trank das Getränk auf ex aus. Ich verzog keine Miene dabei, aber lecker war es trotzdem nicht. Das leere Glas stellte ich mit ein bisschen zu viel Kraft auf den Beistelltisch zurück und wischte mit mit der Hand über den Mund. „Zufrieden?“
      Ich musste aufstoßen und das war nicht so prickelnd. Mein Blick ging wieder zu ihr. „Du willst mich ins Bett bringen? Lass das mal lieber ich komme schon klar.“ Ich drehte mich um und kam ins Wanken. Sofort spürte ich ihren Arm an meinem. Ich riss meinen Arm wieder von ihr los. „Lass mich..“
      Ich griff nach dem Treppengeländer und plötzlich kam mir die Treppe noch länger vor als sonst. Ein kurzer Atemzug und ich setzte einen Fuß auf die erste Stufe, dann den nächsten. Mein Körper rebellierte, stelle sich gegen mich. Ich sackte auf den ersten Stufen zusammen. Ich bekam nur noch einzelne Bruchstücke mit. Grace zog mich auf die Beine, redete auf mich ein und dann lag ich nur noch im Shirt und Boxer Shorts auf meinem Bett, zugedeckt. Ich wusste nicht wie sie mich hier hoch brachte, geschweige denn was sie zu mir gesagt hat und wie sie mich dazu brachte mich auszuziehen. Alles drehte sich in meinem Kopf.
    • Grace

      Ich beobachtete ihn mit verschränkten Armen, während er das Glas mit einer Mischung aus Abscheu und kindlichem Trotz ansetzte. Er leerte es in einem Zug, ohne die Miene zu, passte zu ihm, stolz bis zur Selbstaufgabe. Als er das Glas mit etwas zu viel Kraft zurück auf den Tisch knallte und mich herausfordernd fragte, ob ich nun zufrieden sei, unterdrückte ich ein Seufzen. "Zufrieden bin ich, wenn du morgen früh nicht aussiehst wie eine zerkaute Schuhsohle", erwiderte ich. Doch die Schwerkraft und der Alkohol begannen bereits, ihren Tribut zu fordern. Als er schwankte und meine Hilfe mit einem harschen Ton abwehrte, wusste ich, dass die nächsten Minuten ein Kraftakt werden würden. Ich ließ mich nicht beirren. Ich war nicht Farrow, die ihre Schlachten zu ihren Bedingungen schlug, ich schlug sie dort, wo sie gerade stattfanden. Und im Moment fand diese Schlacht auf den ersten Stufen der Metalltreppe statt. "Spar dir den Stolz für die Bühne, Kyle. Hier drinnen sieht dich keiner", murmelte ich, während ich ihn fast schon gewaltsam stützte. Es war ein mühsamer Weg nach oben. Er sackte immer wieder in sich zusammen, schwerer als er aussah, und ich musste mein gesamtes Gewicht einsetzen, um ihn nicht die Stufen hinuntergleiten zu lassen. Ich redete ununterbrochen auf ihn ein. Leise, bestimmt, fast monoton, um ihn bei Bewusstsein zu halten. "Nur noch drei Stufen. Komm schon, Panorama-Prinz. Setz den Fuß auf. Gleich hast du es geschafft." Oben angekommen, war er kaum noch ansprechbar. Ich manövrierte ihn in sein Zimmer, wo die Luft noch nach seinem holzig-warmen Parfum und dem teuren Leder seiner Jacke roch. Es war kein Platz für Zimperlichkeiten. Ich schälte ihn aus der schweren Lederjacke und den festsitzenden Jeans, während er nur noch einzelne Bruchstücke mitzubekommen schien. Ich ignorierte seine Tattoos, die im fahlen Licht seiner Nachttischlampe fast wie eine Landkarte seiner Eskapaden wirkten, und konzentrierte mich darauf, ihn unter die Decke zu befördern. Als er schließlich in Shirt und Boxershorts zusammengerollt auf der Matratze lag, die Augen bereits fest geschlossen, hielt ich einen Moment inne. Sein Gesicht wirkte im Schlaf plötzlich wieder so verletzlich wie auf dem Foto im Studio oder bei unserer ersten Begegnung. Keine Spur mehr von dem arroganten Rockstar. Ich strich mir eine verschwitzte Strähne aus der Stirn und sah auf ihn herab. "Gute Nacht, Kyle", flüsterte ich, so leise, dass er es sicher nicht mehr hhörte.Ich hoffte wirklich das er es nicht hörte. "Morgen wirst du mich wahrscheinlich wieder hassen, aber zumindest lebst du noch." Ich löschte das Licht, schloss die Tür leise hinter mir und ging zurück nach unten. Das Loft war wieder vollkommen still, doch das Adrenalin pumpte noch immer durch meine Adern. Ich räumte das leere Glas weg, wischte den verschütteten Tropfen vom Boden und ging selbst in mein Bett.

      Am nächsten Morgen war ich bereits auf den Beinen, noch bevor die ersten Sonnenstrahlen die Glasfassaden der umliegenden Wolkenkratzer in Gold tauchten. Der Schlaf war kurz gewesen, aber das Adrenalin der Nacht saß mir noch immer in den Knochen. Ich machte mich im Bad fertig, legte mein Make-up heute besonders sorgfältig auf nichts sollte darauf hindeuten, dass ich bis tief in die Nacht einen betrunkenen Rockstar die Treppen hochgewuchtet hatte.
      Ich schlich nach unten in die Küche, wo Martha bereits damit beschäftigt war, das Frühstück vorzubereiten. Der Duft von frischem Kaffee und warmem Gebäck wirkte wie ein Heilmittel gegen die schwere Stille des Lofts. "Guten Morgen, Martha. Kann ich Ihnen irgendwie helfen?", fragte ich und schenkte ihr ein müdes, aber ehrliches Lächeln. Wir arbeiteten wie ein Team zusammen, als wäre es niemals anders gewesen. Ich schnitt wieder das Obst, deckte den Tisch und sorgte dafür, dass alles perfekt aussah. Es war eine beruhigende Routine. Martha warf mir ab und zu einen prüfenden Blick zu, so als ahnte sie, dass die Nacht im Loft unruhiger gewesen war, als es den Anschein hatte, doch ich verlor kein Wort darüber. Die Ereignisse der Nachtwache... das britische Hausmittel, Kyles torkelnder Gang, das mühsame Ausziehen in seinem Zimmer blieben unter Verschluss. In meinem Kopf war das bereits als professionelle Dienstleistung abgehakt. Wenn er sich erinnerte, war es sein Problem. Wenn nicht, war es umso besser für meinen Blutdruck.
    • Tom

      Mein Schlaf war eher unruhig als erholsam, aber das war ja nichts Neues. Nach einer Dusche fühlte ich mich gleich etwas besser und warf mich wieder in einen der teueren Anzüge. Der Duft von Kaffee drang in meine Nase und ich war breit für den Tag. Als ich an Kyle‘s Tür vorbei ging hörte ich ein leises schnarchen. Gut er ist die Nacht wohl heil heim gekommen. Ich ging die Metalltreppe hinunter und knöpfte mir mein Jacket zu.
      „Guten Morgen zusammen.“ Mein Blick ging zu Martha und Ms. Wilson, die gerade etwas auf den Tisch stellte. „Sie müssen das nicht machen“, sprach ich zu ihr in einem freundlichen Ton. Ich goss mir eine Tasse Kaffee ein und setzte mich an den Tisch. „Wie es aussieht ist mein Bruder gut in seinem Bett gelandet. Ich hoffe er hat ihnen keine Umstände bereitet. Wenn doch dann entschuldige ich mich bei ihnen dafür.“
      Ich schnappte mir die Zeitung die neben mir auf dem Tisch lag und schlug sie auf.
      Ich blätterte durch und bisher gab es nichts interessantes zu lesen. Dann fiel mein Blick auf einen Artikel über die Band. Ich überflog die Zeilen und wurde bei jedem Satz wütender. „Das ist doch nicht zu fassen.“ Ich legte die Zeitung bei Seite, stand wieder auf mit meinem Kaffee in der Hand und ging zur Treppe. „Das Frühstück muss kurz warten. Ich muss nur einen Anruf tätigen.“
      Schnellen Schrittes lief ich die Treppe hoch in mein Büro. Ich zückte mein Handy und wählte eine Nummer. Es klingelte einmal, dann ein zweites Mal. Je mehr Zeit verstrich umso unruhiger wurde ich. „Verdammt nochmal nimmt denn endlich jemand ab.“
      Nach einer kurzen Zeit erreichte ich endlich jemanden. „Guten Morgen. L.A. Times. Wie können wir ihnen helfen?“
      Ich schnaubte. „Hier ist Tom Miller, Manager der Band triple Distortion ich wollte nachfragen welcher inkompetente Idiot diesen Artikel verfasst hat? Ich dachte ich habe mich klar ausgedrückt und kommuniziert das die Band eine kreative Pause macht und nicht das hier irgendwelche Gerüchte entstehen über eine mögliche Trennung der Bandmitglieder oder das der Sänger ein Solokarriere anstrebt.“ Ich war in rage.. es herrschte kurze Stille. „Es tut uns leid Mr. Miller wir kümmern uns darum.“ Ich atmete durch. „Das will ich für sie hoffen. Einen schönen Tag.“ Ohne eine Antwort legte ich auf. „Diese dämliche Presse.. da tischt man ihnen schon eine Lüge auf und dann machen die was ganz anderes daraus.“ Ich war sprachlos.. auch wenn ich mittlerweile wusste wie das Leben in dieser Glitzer und Glamour Welt spielte, regte mich so etwas dennoch immer und immer wieder auf. Schließlich geht es mir nicht nur um den Ruf der Band, sondern auch um meinen kleinen Bruder, der seinen Traum auslebt.
      Ich ging mit dem halb ausgetrunken Kaffee wieder nach unten und setzte mich wieder an den Tisch zu Ms. Wilson. „Entschuldigen sie.. aber das musste ich klären.“ Ich warf ihr einen sanften Blick zu. „Ach bevor ich es vergesse, wenn mein Bruder aus seinem Tiefschlaf erwacht ist und wie ein normaler Mensch aussieht, gehen wir Bilder für die neue Single machen. Ich weiß auch schon den perfekten Ort dafür.“
    • Grace

      "Guten Morgen, Mr. Miller", erwiderte ich und schenkte ihm ein sanftes Lächeln. Es tat gut, ihn so gelöst zu sehen, auch wenn ich wusste, dass seine Erleichterung über Kyles Rückkehr auf meiner nächtlichen Schwerstarbeit beruhte. Als er sich fast schon entschuldigend nach etwaigen Umständen erkundigte, winkte ich locker ab. "Schon gut. Das passt schon. Ich sagte doch, ich halte Ihnen, was das betrifft, den Rücken frei." Doch die Idylle am Frühstückstisch hielt nicht lange. Ich beobachtete, wie Tom die Zeitung aufschlug, und sah förmlich, wie der Zorn in ihm hochstieg. Seine plötzliche Rage und der überstürzte Aufbruch nach oben in sein Büro ließen Martha und mich fragend zurück. Kaum war er außer Hörweite, beugten wir uns beide neugierig über die liegengelassene Zeitung. Die Schlagzeilen über eine mögliche Trennung und Kyles angebliche Solokarriere sprangen mir sofort ins Auge. Martha schüttelte missbilligend den Kopf, während sie das Omelett in die Pfanne gab. "Wenigstens spekulieren sie nicht mehr über den Gesundheitszustand von Mr. Miller Jr. Aber das muss trotzdem nicht sein. Hoffentlich finden sie bald etwas anderes, über das sie sich das Maul zerreißen können", brummte sie.
      Ich nickte stumm und nahm einen langen Schluck von meinem Earl Grey. Der vertraute Geschmack beruhigte meine Nerven. "Mhm... sagen Sie, Martha... haben Sie etwas dagegen, wenn ich Scones mache? Der Geschmack von Scones mit Marmelade am Morgen fehlt mir irgendwie. Ein Stück Heimat in diesem Chaos wäre jetzt genau das Richtige."
      Bevor die Haushälterin antworten konnte, hörte ich bereits wieder Toms feste Schritte auf der Metalltreppe. Er wirkte immer noch angespannt, setzte sich aber wieder zu mir an den Tisch. Seine Entschuldigung für den Ausbruch quittierte ich mit einem verständnisvollen Nicken. Als er jedoch das Shooting für die neue Single ansprach, wanderte mein Blick unwillkürlich an meinem legeren Outfit hinunter, das zwar bequem und sauber war, aber vielleicht nicht unbedingt für einen Außeneinsatz taugte. Ich runzelte fragend die Stirn. "Muss ich mich dafür nochmal umziehen?", fragte ich skeptisch. Wenn ich eines von Farrow gelernt hatte dann, das mein Auftreten auch mit den meiner Kunden assoziiert wurde. Also verlangte es meine Professionalität ja danach mich entsprechend anzupassen und natürlich die richtige Ausrüstung einzupacken. "Oder ist der 'perfekte Ort' so beschaffen, dass ich in diesem Outfit nicht sofort wie eine verirrte Touristin wirke?" Ich stellte meine Teetasse ab und sah ihn erwartungsvoll an. Wenn wir heute Bilder machten, die diese lästigen Trennungsgerüchte im Keim ersticken sollten, musste jedes Detail stimmen. "Wenn ich sonst noch irgendetwas tun kann, dann nur raus damit. Keine falsche Bescheidenheit."
    • Tom

      Ich musterte Ms. Wilson und schüttelte leicht den Kopf. „Machen sie sich keine Sorgen. Dort wo wir hinfahren wird es kein Publikum geben. Ihr Outfit ist schlicht und einfach praktisch. Solange sie sich wohlfühlen reicht das doch.“ Ich schenkte ihr ein Lächeln und widmete mich endlich mal meinem Frühstück zu.
      Der Tag fing schon gut an und ich hoffte nur das er besser wird…


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      Einige Minuten später

      Kyle

      Ich hatte Mühe und Not meine Augen aufzubekommen. Die Sonne schien in mein Zimmer und brannte förmlich auf meinen Augen. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren das ich in meinem Zimmer war und in meinem Bett lag. Die Decke schob ich zur Seite und blickte an mir runter. Okay ich habe es geschafft mich auszuziehen. Meine Kleidung lag akkurat auf meinem Stuhl. Normalerweise schmiss ich meine Klamotten nur auf den Boden. Das war merkwürdig. Ich erinnerte mich nicht mehr an so viel was gestern passiert ist, nachdem ich im Loft angekommen war. Hier und da waren Lücken. Ich sah nur Grace wie sie mich dazu brachte etwas zu trinken was nicht gut schmeckte. Doch zu meinem Erstaunen hatte ich keine Kopfschmerzen. Ich fühlte mich zwar noch ein wenig benommen, aber das war nicht ganz so schlimm. Sie wollte mich also nicht vergiften mit ihrem Gebräu. Ab da wusste ich nichts mehr. Ich stellte mich vorsichtig auf die Füße und schleppte mich ins Badezimmer. Dort putzte ich mir die Zähne, zog mir ein frisches Shirt, Boxer und eine Jogginghose an. Meine Haare standen noch wild durcheinander aber ich wollte unbedingt was frühstücken. Mein Magen knurrte laut. Meine Füße trugen mich die Metalltreppe nach unten und sofort schauten mich Tom und Grace an. „Morgen“, murmelte ich noch halb verschlafen. Ich trottete zum Tisch und setzte mich hin. Mein Bruder sah mich skeptisch an und legte sein Brötchen auf den Teller. „Du hättest wenigstens duschen können, eh du dich an den Tisch setzt.“ Ich winkte ab. „Mach ich schon noch..“
      Ich füllte mir eine Schüssel mit Cornflakes voll und goss Hafermilch darüber. Mir entging der prüfende Blick von Grace nicht. Ich schob mir einen Löffel voll in den Mund und sah zu ihr auf. „Mhm- danke für den Drink.“ Ich schluckte die Cornflakes hinunter. „Was auch immer es war es hat dazu geführt das ich mich heute nicht so ausgekotzt fühle wie sonst.“ Ich wandte meinen Blick wieder weg und aß weiter. Tom sah mich weiterhin an als hätte ich das größte Verbrechen getätigt. Doch er sagte nichts weiter dazu. Sein Blick reichte mir aus. Er räusperte sich und drehte sich ein wenig zu mir um. „Wir machen heute die Fotos für Shattered Hearts and Safety Pins. Nur damit du Bescheid weißt und dir ein paar Klamotten einpackst. Du kannst den anderen Beiden dann eine Nachricht schreiben und wir holen sie dann ab.“ Ich nickte ihm zu. Auch wenn ich absolut keine Lust auf ein Fotoshooting hatte. Nicht das es nicht mochte… Das Grace die Fotos machte, stieß mir sauer auf. Der Dorn in meinem Auge saß am anderen Ende des Tisches mit blonden Haaren und lächelte mich wieder so schelmisch an. Der Tag kann ja heiter werden.

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    • Grace

      Ich nippte an meinem Tee und konnte mir ein kurzes, fast unmerkliches Schmunzeln nicht verkneifen, als Kyle die Treppe heruntergeschlurft kam. Er sah exakt so aus, wie man sich einen Rockstar nach einer Nacht im Avalon vorstellte: zerzaust, blass und mit diesem typischen "Wo bin ich eigentlich?"-Blick. Dass er sich bei mir für den Drink bedankte, überraschte mich allerdings. Es war fast schon ein Friedensangebot, in Form von mürrischen Gemurmel. "Wusst ich's doch.", erwiderte ich gelassen und stellte meine Tasse ab. Ich hütete mich davor, die Details der Nacht vor Tom auszubreiten. Mein Blick blieb sachlich, auch wenn ich genau sah, wie er versuchte, die Puzzleteile in seinem Kopf zusammenzusetzen.
      Als Tom das Shooting ansprach, spürte ich sofort das vertraute Kribbeln in den Fingerspitzen und mein Herz begann vor Aufregung schneller zu schlagen.
      Ich spürte Kyles Blick auf mir wie eine physische Last. Er beobachtete mich über den Rand seiner Cornflakes-Schüssel hinweg, misstrauisch und sichtlich bemüht, sich für den Tag einsatzbereit zu machen. Anstatt wegzusehen oder mich rechtfertigen zu wollen, schenkte ich ihm ein ruhiges, fast schon sanftes Lächeln. Ich wartete genau den Moment ab, in dem er den Blickkontakt nicht mehr abbrechen konnte, und zwinkerte ihm dann langsam und wissend zu. Quasi ein stummes: "Dein Geheimnis ist bei mir sicher, solange du dich benimmst." Ohne ein weiteres Wort stand ich vom Tisch auf und überließ die Brüder ihrer morgendlichen Dynamik. In meinem Zimmer angekommen, fuhr ich mir durch meine Haare. Die Wellen, die der Dutch Braid gestern hinterlassen hatte, waren immer noch da. Mit flinken Fingern teilte ich mein Haar und flocht ich zwei Strähnen an meinen Kopf und fixierte die offenen Enden in zwei hohen Pigtails. Es war eine praktische Frisur, die mir die Haare aus dem Gesicht hielt, wenn ich mich für den perfekten Winkel verrenken musste.
      Ich griff nach meiner Kameratasche, überprüfte noch einmal den Sitz meiner SD-Karten und die Akkusätze. Alles war bereit.
      Unten im Flur schlüpfte ich in meine schwarze Strickjacke. Ich verstaute die letzte Tasche mit dem Reflektor im Kofferraum des Wagens und atmete die frische Morgenluft von L.A. ein. Der Panorama-Prinz mochte vielleicht noch mit seinem Ego und seinem Kopf kämpfen, aber ich war bereit, seine Welt heute durch meine Linse neu zu beleuchten. Schlussendlich lehnte ich mich gegen den Kotflügel und wartete auf die beiden, während ich überlegte wo die Fahrt wohl hingehen sollte.
    • Tom

      Mir waren die Blicke zwischen Kyle und Ms. Wilson nicht entgangen, aber ich wollte mich nicht einmischen. Sofern sich mein Bruder nicht vollkommen daneben benommen hat letzte Nacht, wollte ich nicht nachhaken. Wir genossen unser Frühstück und ich ging dann, nachdem ich abgeräumt hatte, wieder nach oben. Ich holte noch ein paar Unterlagen unter anderem die Fotogenehmigung der einzelnen Locations und alles andere was ich brauchte.
      Ich fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten und sah das Ms. Wilson schon am Wagen wartete. "Haben sie alles?" Ich musterte ihr Equipment und schmunzelte. "Anscheinend sind sie für alle Gegebenheiten vorbereitet." Ich stellte meine Aktentasche neben den Sitz im Auto und zog mein Handy aus meiner Hosentasche. "Hier schauen sie mal, diese Spots habe ich mir überlegt." Ich hielt ihr das Handy hin und zeigte ihr die Locations wo wir die Fotos machen wollten. Als erstes ist es `The Broad, ein privates Museum für zeitgenössische Kunst, dann ´Melrose Avenue Wall´, wo verschiedene Graffitis und bunte Wände die Straße schmücken und als letztes ´Urban Light´, wo solarbetriebene Straßenlaternen als Kunstwerk stehen. "Ich hoffe das die Auswahl soweit passend ist und wir schöne Fotos bekommen und seien sie versichert trotz das die Locations für die Öffentlichkeit zugänglich ist, habe ich meine Kontakte spielen lassen und niemand wird uns stören." Ich lächelte sie an. Mein Blick ging auf die Uhr und in Richtung Eingang des Gebäudes. "Ich hoffe nur das Kyle endlich aus dem Knick kommt. Ich möchte die Jungs nicht so lange warten lassen."

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      Kyle

      Ich beobachtete sowohl Tom als auch Grace dabei wie sie sich ihr Frühstück schmecken lassen, während ich über meiner Schüssel Cornflakes hänge. Martha stellte mir noch einen frisch gepressten Saft hin und den trank ich auch in Ruhe aus. Grace und mein Bruder verschwanden dann nach oben um sich für das Fotoshooting vorzubereiten. Ich war nicht bereit für diesen Tag. Wahrscheinlich wäre es schlauer gewesen wenn ich gestern Abend nicht so über die Stränge geschlagen hätte... auch wenn der Abend sehr schön war.
      Ich schleppte mich wieder in mein Zimmer und stand vor meinem Kleiderschrank und versuchte ein paar Outfits zusammen zu stellen. Man könnte meinen eine Frau wäre wählerisch bei ihrer Klamottenauswahl, aber ich war das auch. Es sollte alles äußerlich perfekt passen, auch wenn ich innerlich gerne wieder ins Bett kriechen würde um bis morgen durchzuschlafen.
      Ich brauchte eine ganze Weile und sprang dann noch unter die Dusche und warf mir wieder das Shirt und die Jogginghose drüber. Da ich mich zwischendurch eh immer wieder umziehen muss. Ich schlüpfte in meine Schuhe und fuhr nach unten. Tom sah mich ungeduldig an. "Ich komm ja schon... nur keinen Stress bitte." Ich warf meine Sachen in den Kofferraum und setzte mich in den Wagen. Tom gab James die Adresse von Vince und Phil durch und wir luden die beiden nach ein paar Minuten ein.
      Sie sahen auf jeden Fall besser aus als ich. Doch sie hielten sich mit doofen Kommentaren in der Anwesenheit von meinem Bruder zurück. Wofür ich ihnen echt dankbar war. James fuhr uns zu der ersten Location, dem Museum. Wir stiegen aus und jeder schnappte sich seine Sachen die er brauchte. Tom ging auf Grace zu. "Sie dürfen sich gerne einen Überblick verschaffen in dem Museum und da sie Fotografin sind können sie gerne aussuchen wo sie Kyle und die Jungs fotografieren möchten. Ich lasse ihnen da freie Hand."
      Ich verdrehte unwillkürlich meine Augen. Na klar durfte sie das.. Mit ihrem gestellten Lächeln wickelt sie meinen Bruder um den Finger, aber nicht mich. Ich weiß das sie nicht so fair spielt, wie sie tut und das wir Tom auch noch merken.
      Wir wurden beim Eintreten herzlichst empfangen und eine kleine Ecke wurde aufgebaut wo wir uns umziehen konnten. Meine Make Up Artistin war auch schon da und winkte mich gleich zu sich rüber. "So wie immer?" Ich nickte ihr zu. Dann machte sie sich ans Werk. Die Jungs wurden ebenfalls zurecht gemacht und Tom und Grace liefen durch das Museum und sahen nach geeigneten Motiven.
    • Grace

      Ich hatte mein Equipment längst überprüft, bevor ich überhaupt unten am Wagen stand. Zweimal, wenn ich ehrlich war. Nicht, weil es nötig gewesen wäre, sondern weil ich es mir schlicht nicht leisten konnte, unvorbereitet zu sein. Vor allem wenn ich die Locations noch nicht kannte. Als Mr. Miller schließlich neben mir auftauchte und mich mit diesem prüfenden Blick fragte, ob ich alles dabeihatte, hob ich den Blick nur kurz von meiner Tasche und nickte leicht. "Natürlich. Das gehört zum Job, ...zu Beiden.", erwiderte ich schmunzelnd. Sein Blick glitt über mein Equipment, und dieses kurze, anerkennende Schmunzeln blieb mir nicht entgangen, auch wenn ich es unkommentiert ließ. Stattdessen nahm ich wortlos sein Handy entgegen, als er mir die geplanten Locations zeigte: The Broad, Melrose Avenue Wall und Urban Light. Während ich über das Display strich, speicherte ich Winkel, Lichtverhältnisse und mögliche Perspektiven beinahe automatisch ab. "Gute Auswahl", sagte ich schließlich ruhig und gab ihm das Gerät zurück. "Unterschiedliche Strukturen, genug Kontrast. Das lässt sich gut kombinieren." Seine Bemerkung darüber, dass uns aufgrund seiner Kontakte niemand stören würde, quittierte ich nur mit einem knappen Nicken. Es war ein praktischer Umstand, aber nicht entscheidend. Gute Bilder entstehen schließlich nicht durch perfekte Bedingungen, sondern durch das, was man daraus macht. Mein Blick wanderte kurz zum Eingang des Gebäudes, doch ich verlor kein Wort darüber, dass er noch immer auf seinen Bruder wartete. Ich stand einfach nur da und wartete mit einer Geduld, die ich mir über Jahre antrainiert hatte.

      Die Fahrt zum ersten Spot verlief ruhig, und ich war dankbar für die Stille. Ich nutzte die Zeit nicht für Smalltalk, sondern ging innerlich bereits die Abläufe durch. Lichtsetzung, die Reihenfolge der Motive und die möglichen Brüche zwischen den Locations. Als wir schließlich vor dem Museum ankam, war mein Fokus längst da, wo er sein musste. Ich atmete einmal ruhig ein, während ich meine Kamera aus der Tasche nahm, und ließ mir bewusst Zeit. Drinnen angekommen, verschaffte ich mir erst einen Überblick, noch bevor ich überhaupt daran dachte, jemanden vor die Linse zu bitten. Die Jungs mussten sich ja ohnehin noch umziehen und fertig machen lassen.
      Räume, Hintergründe und Umgebungen wirken immer unterschiedlich, je nachdem, wie man sie liest. Ich musste also diesen klinisch weißen Ort erst verstehen, bevor ich ihn nutzen konnte. Ich ging ein paar Schritte voraus, ließ meine Finger kurz über das Gehäuse der Kamera gleiten und zeichnete mit den Augen die Linien der Architektur nach. Weißflächen, Schattenkanten, harte Übergänge. Ich stellte mich an verschiedene Positionen und hob die Kamera probeweise an, ohne auszulösen. Erst als ich genau wusste, wo das Bild funktionieren würde, begann ich zu arbeiten.
      Ich gab keine langen Anweisungen oder überflüssigen Erklärungen ab. Ein kurzer Hinweis hier, eine kleine Korrektur dort mehr brauchte es nicht, um die Jungs in Position zu bringen. Die ersten Aufnahmen im The Broad setzte ich bewusst distanziert an, mit viel Raum und klaren Linien. Ich positionierte sie nicht als Einheit, sondern eher wie Fragmente, die nebeneinander existierten, ohne wirklich miteinander verbunden zu sein. Ich trat näher heran, wechselte die Perspektive und fing Details ein, statt nur Gesamtbilder zu schießen. Ein angespanntes Kinn, ein Blick, der ins Leere auswich, oder Hände, die sich unbewusst zu Fäusten ballten. Ein Augenblick im Seitenprofil von Kyle ließ mich kurz innehalten; die Spannung in seinem Gesicht war absolut echt, nichts daran war gespielt. Ich hob die Kamera minimal an, zoomte leicht hinein und drückte ab. Es war kein schönes Bild im klassischen Sinne, aber es war ein ehrliches. Wahrscheinlich formulierte er in Gedanken bereits die Kritik zu meinen Bildern.

      An der Melrose Avenue Wall änderte sich alles. Hier ging es nicht mehr um die kühle Kontrolle des Museums, sondern um den harten Aufprall der Realität. Farben, Strukturen und eine gewisse Unruhe dominierten nun das Geschehen, genau das, was der Refrain von Shattered Hearts and Safety Pins verlangte. Ich ließ die Jungs näher zusammenrücken und arbeitete schneller, bewegte mich ständig um sie herum und wechselte die Winkel im Sekundentakt. Ein Bild entstand dabei fast zufällig, doch... es stach ohne Zweifel einfach heraus. Es zeigte ein kurzes, trockenes Lachen, des Panorama-Prinzen das gar nicht für die Kamera bestimmt war. Ich reagierte sofort, ohne nachzudenken, und löste aus. Ein anderes Motiv war deutlich härter, eine frontale Perspektive mit einem herausfordernden, fast aggressiven Blick direkt in die Linse. Ich sortierte diese Momente bereits im Kopf vor, während ich arbeitete, ich wusste instinktiv, was bleiben würde und was fallen musste.
      Bei Urban Light wurde die Atmosphäre schließlich wieder leiser, aber keineswegs weicher. Die unzähligen Laternen gaben eine strenge Struktur vor, die ich gezielt nutzte, um Räume entstehen zu lassen, in denen man sich verlieren konnte. Hier ging es um die totale Isolation, um Silhouetten statt klarer Gesichter. Das Beste Bild der Reihe zeigte Kyle, als einzelne Figur zwischen den leuchtenden Reihen, leicht nach hinten gelehnt, während das Licht sie fast wie einen Käfig einrahmte. Ich ging minimal in die Hocke, änderte den Winkel und wartete genau diesen einen Moment zu lange ab, bevor ich abdrückte.

      Später saß ich im Schneidersitz mit der Kamera auf den Knien da und ging die Bilder langsam durch. Ich begann mit der Serie aus dem Museum. Zuerst wirkte alles fast zu sauber, zu kontrolliert, doch als ich in eines der Bilder hineinzoomte, war die unterdrückte Spannung fast greifbar. Ich ließ es in der Auswahl. Die Graffiti-Serie war chaotischer, und ich sortierte klnall hart den Ausschuss aus, bis ich wieder bei dem Bild mit dem echten Lachen stoppte. Es war nicht perfekt, aber es war lebendig. Dann hielt ich inne. Ich zoomte näher heran und betrachtete die Linien seiner Gesichtszüge und das Licht, das sich darüberzog wie feine Risse. Es hatte beinah die gleiche Anziehung auf mich, wie das Bild seiner Hände gestern im Studio. "Na sieh mal einer an...", murmelte ich in Gedanken vor mich hin. Mir war bewusst, dass Kyle nicht nur durch sein Talent so berühmt geworden war. Irgendeine charismatische Seite hatte er an sich. Auch wenn er die mir sicherlich nicht zeigen wollte. Das wollte ich ja auch gar nicht. Aber... dass er so ausschauen konnte... Ich lehnte mich leicht zurück und löste den Blick nicht vom Display. Es war kein klassisches Motiv für ein Cover, aber vielleicht das stärkste des ganzen Tages. Naja die endgültige Entscheidung lag nicht an mir. Die musste jemand anderes treffen. Am Ende blieb eine Auswahl übrig, die sich nicht glatt anfühlte, aber genau das war der Punkt. Der Song war nicht glatt, und meine Bilder durften es auch nicht sein.
    • Kyle

      In Windeseile war ich für die ersten Fotos fertig gemacht und folgte den Anderen zu dem ersten Spot. Wiederwillig folgte ich den Anweisungen die uns Grace gab. Phil und Vince machte das nicht aus, aber ich vertraute ihr nicht. Irgendwas war hier faul. Nur meine Arbeit, diese Worte gingen mir seit gestern nicht aus den Kopf. Das war das einzige was mir noch so richtig in Erinnerung geblieben ist.
      Ich verdrängte den Gedanken, denn hier ging es um mehr. Wir wollten schließlich das perfekte Bild für unser Cover machen.
      Nachdem wir ein wenig herumgespielt hatten, schienen die Bilder hier im Kasten zu sein.
      Alles wurde eingepackt und im Wagen verstaut, eh wir zu der nächsten Location fuhren. Hier war alles rundum für uns abgesperrt, sodass sich keiner unbefugten Zugriff beschaffen konnte.
      Die Graffitis waren einmalig und auch die farbigen Wände sprachen für sich. In einem kleinen provisorischen Zelt zogen wir uns wieder um und wurden nochmal nachgepudert. Die Sonne brannte auf uns runter, doch ich blieb bei der Sache. Ganz professionell. Ich blendete sogar aus das Grace die Fotos für uns machte und uns Anweisungen gab. Ich war einfach nur Kyle. Ganz natürlich ohne eine Maske zu tragen. Wir posierten vor verschiedenen Strukturen und ich hatte so viel Spaß mit den Jungs. Auch bei der letzten Location gaben wir alles und wir sollten auch Einzelaufnahmen machen. Nachdem Phil und Vince fertig waren, trat ich zwischen die Laternen und versuchte meine Körperspannung zu halten. Wir experimentierten viel herum und hatten die Fotos dann im Kasten. "It´s a wrap!", rief Tom über Grace´s Schulter hinweg. Alle klatschten in die Hände und wir räumten anschließend alles wieder zusammen. Tom kam auf uns zu und sein Lächeln wirkte dieses Mal anders als sonst. "Gute Arbeit. So wie es aussieht haben wir genügend Material. Danke für die tolle Arbeit." Auch ich formte meine Lippen zu einem leichten Lächeln. Dann gingen meine Augen auf den blonden Haarschopf. Sie räumte gerade ihr Equipment ein. Meine Füße setzten sich in Bewegung. Ich beugte mich zu ihr, so nah das sie mein Atem spüren konnte. Ein Hauch von Zitronengras umspielte meine Nase und ich schloss für einen Moment die Augen um mir den Geruch einzuprägen. Ich räusperte mich etwas und sah ihr nun in ihre haselnussbrauen Augen. In meinem Inneren war kurz ein kleines Ziehen zu spüren doch ich gab dem keine Bedeutung. Schließlich war es immer noch mein Ziel sie loszuwerden. Auch wenn sie es mir verdammt schwer macht.. Ihr Blick wich meinen nicht aus.
      "Ich hoffe du hast deinen Job besser gemacht als im Studio." Ich blickte über ihre Schulter. Die anderen waren in Gespräche verwickelt und nahmen uns nicht war. Mein Blick richtete sich wieder ernst auf sie. Dennoch war da dieses Gefühl, als würde sie etwas vor mir verstecken. Sie sah mich an und sprach in Rätseln. Ich verschränkte meine Hände vor der Brust. Irgendwas stimmte hier nicht und ich wollte dem auf den Grund gehen. Bevor ich noch etwas erwidern konnte drehte sie sich um und stieg in den Wagen ein, als wäre nichts gewesen. Die anderen kamen auch dazu und stiegen ein. Ich schlug den Kofferraum zu und der Duft von Zitronengras blieb zurück und hing für einen Moment in der Luft und mit ihm dieses verdammte Gefühl, dass ich ein wenig die Kontrolle verlor. Ich ballte die Hände zu Fäusten. Nein. Das hier lief nicht so. Nicht mit mir. Sie wird dieses Spiel nicht gewinnen.
      "Kyle!" Vince´s Stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Kommst du? Wir fahren!" Ich atmete tief durch, strich mir kurz durchs Haar und setzte dann mein gewohntes, unbeteiligtes Gesicht auf. "Komme schon.."

      Die Fahrt lief stillschweigend und wir setzten die Jungs ab. Im Loft angekommen brauchte ich kurz Zeit für mich. Ich war schneller als die anderen und war als erster oben. Martha wartete schon wie immer mit Kaffee und Gepäck auf uns. Ich nickte ihr knapp zu lief aber an ihr vorbei nach oben. Ich warf meine Tasche mit den Klamotten in mein Zimmer und ging nach oben auf die Dachterrasse und zündete mir eine Zigarette an. Das war genau das was ich gerade brauchte. Ich musste nachdenken.

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      Tom

      Ich half Ms. Wilson noch dabei ihre Sachen aus dem Auto zu tragen, nachdem mein Bruder wieder ohne ein Wort nach oben gestürmt ist. Ich wurde nicht schlau aus ihm und seinen plötzlichen Umschwüngen. Wir fuhren nach oben und es war keine Spur von ihm zu sehen. Martha begrüßte uns und ich grüßte sie auch. "Hallo Martha haben sie Kyle gesehen?" Sie nickte. "Ja er ist hoch auf die Dachterrasse gegangen. Ich habe nur gehört wie die Tür zuschlagen wurde." Ich lächelte ihr dankend zu. Sein Verhalten war nach dem Krankenhausaufenthalt alles andere als verständlich. Schließlich lief doch alles wie vorher auch nur das er jetzt weiß was mit ihm los ist und das... Mein Blick fiel auf Ms. Wilson. Nein das konnte nicht an ihr liegen. Irgendwas war im argen und ich musste es herausfinden. Ich sah sie vorsichtig an. "Sagen sie mir bitte ehrlich.. Ist zwischen ihnen und Kyle etwas vorgefallen. Wovon ich wissen sollte? Ich finde er verhält sich anders."
      Ich wollte doch nur das er nicht zu sehr über die Stränge schlägt und man ein Auge auf ihn hat und nicht das er sich komplett verändert.
      Ich lehnte mich an dem Küchentresen und schenkte mir und ihr einen Kaffee ein und reichte ihr eine Tasse. "Tut mir leid vielleicht brauche ich einfach Mal einen Tag Pause oder etwas mehr Abwechslung in meinem Leben." Ich schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln.
    • Grace

      Ich spürte seine Anwesenheit schon, bevor ich ihn sah. Es war, als würde sich die Luft um mich herum verdichten, schwerer und elektrisierend zugleich. Während ich mechanisch das Stativ zusammenklappte, drang diese vertraute, warme Note von seinem Parfum zu mir durch Sandelholz, Moschus und ein Hauch von etwas Rauem, das mich unweigerlich an Leder und späte Nächte erinnerte.
      Dann passierte es. Er beugte sich zu mir, und für einen Wimpernschlag schien die gesamte Geräuschkulisse des Sets, das Klappern der Kisten, Toms ferne Stimme, das Rauschen des Verkehrs komplett zu verstummen.
      Die Wärme seines Atems streifte mein Ohr, eine sanfte, fast schon zärtliche Berührung, die im krassen Gegensatz zu seiner sonstigen bissigen Art stand. Ein unwillkürlicher Schauer lief über meinen Nacken, und ich musste mich zwingen, meine Hände ruhig zu halten, während sie fest am schwarzen Metall meiner Ausrüstung verharrten. Es war eine gefährliche, berauschende Nähe, die mich für einen Moment vergessen ließ, dass wir uns eigentlich im 'Krieg' befanden. "Ähm... kann ich...-kann ich dir helfen?"
      Als ich den Kopf hob und sich unsere Blicke trafen, passierte etwas, das mich völlig unvorbereitet traf. Sein Blick war ernst, ja, aber die gewohnte Mauer aus Ablehnung und Provokation hatte einen Riss bekommen. In diesen blau-grauen Augen, die mich so fixierten, lag plötzlich etwas Weiches, fast schon eine tiefe, unverstellte Neugier. Es war, als würde er mich in diesem Moment nicht als seine Gegenspielerin oder den Eindringling in seinem Leben sehen, sondern als... Grace. Und das... war mit Abstand der gefährlichste Move den er hätten machen können. Dieses kurze, weiche Aufblitzen in seinem Blick brannte heißer als jede Beleidigung zuvor. Mein Herz setzte für einen Schlag aus, und ein kurzer, viel zu präsenter Druck in meiner Brust verriet mir, dass auch ich gegen diese Art von Nähe nicht immun war. Es war ein Moment absoluter, fast romantischer Intimität, mitten im Chaos eines Arbeitstages.
      "Ich glaube bei so vielen Shots ist auch einer für dich dabei, Kyle", erwiderte ich, und meine eigene Stimme klang in meinen Ohren seltsam belegt. Ich hielt seinen Blick, weigerte mich, als Erste wegzusehen, auch wenn mein Puls gegen meine Schläfen hämmerte. "Ich habe heute Seiten von dir gesehen, von denen du wahrscheinlich selbst vergessen hast, dass sie existieren. Und genau die habe ich festgehalten."
      Ich sah, wie er schluckte, wie seine Augen für eine Sekunde zu meinen Lippen wanderten und dann wieder zurück, bevor er seine Maske wieder mühsam zurechtzurücken schien. Ich ließ ihn mit diesem Rätsel und der Wärme meines eigenen Atems zurück.
      Ich drehte mich um und stieg in den Wagen, die Kühle der Klimaanlage wirkte wie eine kalte Dusche auf meiner erhitzten Haut. Doch während James losfuhr, blieb dieses Gefühl zurück. Das Wissen, dass unter der harten Schale des Rockstars etwas existierte, das m6ich nicht nur ablehnte. Dass wir uns heute nähergekommen waren, als es für uns beide gesund war. Der Duft von sein holziges Parfum vermischten sich in meinem Kopf zu einer Melodie, die ich so schnell nicht loswerden würde. Verdammt....
      Als wir endlich im Loft angekommen waren, besann ich mich wieder aufs Wesentliche, mein Equipment und damit verbundenen auch meine Leidenschaft. Eigentlich hätte ich mich weite in die Auswahl und Bildbearbeitung gestürzt aber bei den freundlicheen Lächeln von Martha konnte ich einfach nicht nein sagen. Ich nahm die dampfende Tasse von Tom entgegen, spürte die wohlige Wärme an meinen Fingerspitzen und ließ den Duft des Kaffees kurz auf mich wirken, bevor ich antwortete. Toms Frage hing schwer im Raum, und ich sah, wie sehr ihn das Verhalten seines Bruders beschäftigte. Die Sorge stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, und für einen Moment tat er mir fast leid immer derjenige, sein zu müssen um Kyles . "Danke, Mr. Miller.", sagte ich leise und nahm einen vorsichtigen Schluck. Ich lehnte mich ebenfalls gegen den Tresen, suchte aber bewusst seinen Blick, um ihm wenigstens ein bisschen Halt wederzugeben. "Sie müssen sich nicht entschuldigen. Wir hatten alle einen langen Tag unter extremen Bedingungen." Ich hielt einen Moment inne und wog meine Worte sorgfältig ab. Ich wollte nicht lügen, aber die Intensität des Augenblicks am Wagen dieses kurze, gefährliche Kippen der Welt war nichts, was man so einfach in Worte fassen konnte, ohne es zu zerstören oder falsch klingen zu lassen. "Was Kyle betrifft...", begann ich und fixierte den dunklen Rand meines Kaffees. "Er ist ein Künstler, Mr. Miller. Und heute war ein Tag, an dem er viel von sich zeigen musste. Ich glaube nicht, dass etwas vorgefallen ist, worüber Sie sich Sorgen machen müssten. Er testet Grenzen aus seine eigenen und vielleicht auch die der Menschen um ihn herum." Ich schenkte ihm ein beruhigendes, fast schon sanftes Lächeln. "Er ist stolz. Und ich glaube, er gewöhnt sich gerade erst an den Gedanken, dass da jemand ist, der nicht sofort wegsieht, wenn es ungemütlich wird. Geben Sie ihm den Raum auf der Dachterrasse. Manchmal muss man erst allein sein, um das Gesehene zu verarbeiten." Ich spürte, wie sich die Anspannung in Toms Schultern ein wenig löste. Er wirkte erschöpft, aber dankbar für meine Einschätzung. "Ich werde mich jetzt an die erste Auswahl der Bilder setzen", fügte ich hinzu und klopfte leicht auf meine Kameratasche. "Glauben Sie mir, wenn Sie die Ergebnisse sehen, werden Sie verstehen, warum er gerade so... unruhig ist. Er hat heute eine Maske fallen lassen, von der er dachte, sie wäre festgewachsen." Mit einem letzten, aufmunternden Nicken verabschiedete ich mich von ihm und Martha. Während ich die Treppen zu meinem Zimmer hochstieg, spürte ich förmlich den Luftzug, der von der Dachterrasse herunterzog. Ein Teil von mir wollte einfach nur die Tür schließen und im Dunkeln arbeiten. Doch ein anderer Teil der Teil, der immer noch die Wärme seines Atems an meinem Ohr spürte wusste genau, dass da oben jemand saß, der gerade denselben Film im Kopf abspielte wie ich. In meinem Zimmer angekommen, schob ich die SD-Karte in den Laptop. Die Vorschaubilder luden langsam. Eines nach dem anderen. Und da war es wieder. Dieses Bild aus dem Diner. Das schneidende Lachen. Ich betrachtete es lange, während draußen die Nacht über Los Angeles hereinbrach.

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    • Tom

      Ihre Worten beruhigten mich ein wenig, doch so richtig konnte ich mir nicht vorstellen das sich Kyle eines Tages öffnen wird und seine Maske ablegt. Nur die Zeit wird es zeigen. Es war schön so eine Einschätzung von ihr über ihn zu bekommen, denn somit hielt sie mich davon ab nach oben auf die Dachterrasse zu gehen und mit ihm zu reden. "Ich danke ihnen für ihre ehrliche Antwort." Ich nickte ihr ebenfalls knapp zu und widmete mich wieder meinem Kaffee. Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche auf und ich nahm es in die Hand. Es plopte eine Email von der L.A. Times auf: ´Guten Tag Mr. Miller wir sind der Sache bezüglich des falschen Artikels nachgegangen und haben dementsprechend gehandelt. Wir bitten Sie nochmal vielmals um Entschuldigung für diese Umstände. Einen schönen Tag noch
      L.A. Times ´ Gut. Wenigstens konnte ich einen Haken dahinter setzten, auch wenn der Schaden schon angerichtet war. Mein Emaileingang betrug mittlerweile wieder über 30 ungelesene Nachrichten. Ich stöhnte auf.. Vielleicht sollte ich über eine Sekretärin nachdenken. Mit meinen Finger scrollte ich durch die Emails und laß mir nur die Betreffzeilen durch. Mir wurde flau im Magen, denn jede zweite Nachricht handelte von dem Zeitungsartikel... "Das wird eine Menge Arbeit werden.." Martha sah mich mitfühlend an. "Wenn ich Ihnen etwas gutes tun kann, dann dürfen Sie mir das ruhig sagen." Ich lächelte sie an. "Nein schon gut." Mein Blick fiel auf das Gebäck. "Vielleicht reicht auch schon ein wenig davon und eine Kanne Kaffee." Sie nickte mir zu und kochte noch eine Kanne Kaffee. "Wird gemacht."
      So jemanden wie Martha brauchte man im Leben, wenn man schon keine Eltern mehr hatte. Sie war fürsorglich und einfühlsam. Ich war dankbar das sie bei uns arbeitet und ich mochte sie, neben James, am Liebsten. Sie stellte das Gebäck, die Kanne mit Kaffee und eine Tasse auf ein Tablett. Sie hob es hoch doch ich hielt sie ab. "Nein lassen sie mich ruhig machen. Ich danke ihnen." Sie lächelte mich an und ich verschwand mitsamt dem Tablett nach oben in mein Büro. Ich war nicht bereit dafür mich durch die ganzen Emails zu kämpfen.

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      Kyle

      Dieser Blick, wie sie mich an sah, diese haselnussbraunen Augen die tief in mein Innerstes blickten, diese blonden Haare die wie von der Sonne geküsst strahlten und dann dieser Duft nach Zitronengras.. Dieser verdammte Duft der meine Sinne für einen Augenblick vernebelt hatte.. Keine Ahnung warum mir das gerade jetzt so zu schaffen machte. Schließlich war sie doch gar nichts besonderes. Nur eine Fotografin, die mein Bruder angeheuert hat.. Doch seit gestern Nacht glaubte ich die ganze Story nicht mehr, die sie mir hier auftischt. Sie macht nur ihren Job.. Ja was ich ihr auch zum Teil glaube.. aber da steckt mehr dahinter. Viel mehr als das was sie jemals zugeben würde. Ich zog an meiner mittlerweile fünften Zigarette, denn mein Herzschlag beruhigte sich nur minimal und jedes Mal wenn ihr Gesicht vor meinem Augen aufblitzte, wurde es wieder stärker. Ganz egal wieso meine Gefühle gerade so durcheinander waren, ich war mir dennoch sicher das ich sie los werden musste. Damit das hier nicht eine ganz andere Richtung einschlägt, als geplant. Nur das Problem war wie gehe ich die Sache an? Anscheinend war sie gegen alles was ich bisher versuchte immun. Mir würde schon etwas einfallen, was ihr gar nicht schmecken wird. Da war ich mich ganz sicher.
      Ich drückte die abgebrannte Zigarette aus und machte mich auf dem Weg nach unten. In meinem Zimmer räumte ich die Klamotten wieder ein die ich nicht angezogen hatte und den Rest warf ich in den Wäscheabwurf. Um auf andere Gedanken zu kommen schnappte ich mir meine Notenblätter und einen Stift und ging nach unten in den Wohnbereich um mich ans Klavier zu setzten. Ein kühles Getränk sollte ich mir ebenfalls noch dazu stellen und als ich am Kühlschrank ankam hielt ich inne. Mein Blick ging auf eine Zeichnung, wo Hände gezeichnet wurden. Beim genaueren Betrachten bemerkte ich das es meine Hände waren.. Ich löste den Magnet und nahm die Zeichnung an mich. Mir gingen nun noch mehr Gedanken durch den Kopf, doch ehe ich mich wieder in ihnen verstrickte, riss ich das Blatt Papier auseinander und warf es auf den Boden. Ich nahm mir eine Cola aus dem Kühlschrank und setzte mich auf den Klavierhocker. Ich begann eine neue Idee für einen Song zu entwerfen. Komponieren half mir immer dabei mich abzulenken. Ich legte meine Hände auf die Klavierseiten und fing an zu spielen.
    • Grace

      Ich sah Tom noch einen Moment hinterher, wie er mit hängenden Schultern in Richtung seines Arbeitszimmers verschwand. Ich machte mir bei diesen Anblick irgendwie Sorgen, nicht nur um Kyle, der dort oben im kalten Nachtwind seine Lungen mit Rauch füllte, sondern auch um Tom, der die Last der gesamten Band wie einen unsichtbaren Atlas auf seinen Rücken geladen hatte. Die Millers waren wie zwei Pole desselben Magneten: Der eine stürmisch und unberechenbar, der andere die ordnende Kraft, die drohte, unter dem Druck zu zerbrechen. Doch sobald ich die Tür zu meinem Zimmer hinter mir schloss, änderte sich die Energie. Das sanfte Surren meines Laptops und das vertraute Klicken der Tastatur waren mein Anker. Ich versank fast augenblicklich in meiner Arbeit. Es war diese Phase der Kreativität, in der die Welt um mich herum verblasste und nur noch Licht, Kontrast und Emotionen existierten. Ich schob die Regler für die Belichtung, verstärkte die Schatten und sah zu, wie Kyles Gesicht auf dem Display zum Leben erwachte, intensiver, roher und verletzlicher, als er es jemals zugegeben hätte. Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Ich war glücklich. In diesem Tunnel aus Pixeln und Ausdruckskraft gab es kein Misstrauen und keine Machtspiele, nur die nackte Wahrheit des Augenblicks.
      Ein leises Klopfen riss mich Stunden später aus meiner Konzentration. Martha trat ein, ein Tablett mit dampfendem Essen in den Händen.
      "Schon gut, Liebes", sagte sie mit einem mütterlichen Lächeln, als ich gerade zu einer Entschuldigung ansetzen wollte. "Die Millers neigen auch dazu, sich völlig in ihr Tun zu vertiefen. Das zeugt von Leidenschaft und Passion, so wie eine gute Samba. Sie gehören jetzt auch zu diesem Haushalt, und deshalb kümmere ich mich auch um Sie. Machen Sie sofort eine Pause und essen Sie etwas." Sie stellte das Tablett bestimmt auf den kleinen Tisch neben dem Fenster. "Ich mache jetzt Feierabend, und das Essen ist sonst kalt."
      "Danke, Martha. Wirklich", erwiderte ich und spürte, wie mein Magen bei dem herrlichen Duft prompt lautstark protestierte. Ich schenkte ihr ein dankbares Lächeln, und sie tätschelte mir kurz den Arm, bevor sie das Zimmer verließ.
      Ich aß genüsslich, wobei ich den Blick kaum von meinen Entwürfen abwenden konnte. Die Ruhe in meinen Zimmer war fast greifbar, nur unterbrochen vom fernen Rauschen des Verkehrs auf dem Boulevard. Als ich fertig war, fühlte ich mich gestärkt und merkwürdig geerdet. Marthas Worte dass ich nun zum Haushalt gehöre hallten in mir nach und hinterließen ein warmes Gefühl. Ich griff nach dem Geschirr, um es nach unten in die Küche zu bringen. Barfuß und noch immer ein wenig in Gedanken bei der Farbkorrektur des Diner-Fotos, schlich ich den Flur entlang zur Treppe. Doch gerade als ich die erste Stufe nehmen wollte, durchschnitt das mechanische Surren und das helle Pling der Fahrstuhltür die Stille des Lofts. Ich hielt inne, das Tablett fest in den Händen. Wer kam um diese Zeit noch nach Hause? Oder besser gesagt: Wer war überhaupt weggegangen?

      Farrow

      Ich trat mit einer Präzision aus dem Fahrstuhl in das Loft der Millers ein, die jeden Millimeter des Raumes zu vermessen schien. Gatsby war bereits an meiner Leine emporgesprungen, noch ehe sich die Tür ganz hinter mir geschlossen hatte. "Grace!", rief ich mit einer Stimme, die keinen Zweifel an meiner Anwesenheit ließ. "Ich überlasse dir Gatsby. Die abendliche Runde schaffe ich zeitlich absolut nicht mehr, mein Terminkalender platzt." Ich blickte auf meine Uhr, dann sah ich mich suchend um. "Kann ich kurz dein Bad benutzen?" Gracelyn blinzelte mich verwirrt an ehe sie zu strahlen begann als sie diese kleine, tricolore Fellkugel neben mir sah.
      "Äh...Sicher, Farrow. Du nimmst am besten das Bad in meinem Zimmer, das ist gleich hier", erwiderte Grace schließlich, nachdem sie Gatsby bereits freudig in Empfang genommen hatte. Ich folgte Grace in ihr Zimmer und in das angrenzende Badezimmer.
      Ich hatte die Entscheidung für dieses weiße Outfit ganz bewusst getroffen: der perfekt sitzende, elfenbeinfarbene Blazer, der meine Schultern betonte und eine gewisse Autorität ausstrahlte, kombiniert mit den passenden Shorts, die meine Beine in Szene setzten. Meine Füße steckten in schwarzen Christian Louboutin Heels, deren ikonische rote Sohlen bei jedem meiner Schritte auf dem Holzboden des Lofts kurz aufblitzten. Dieser subtile Farbakzent war ein klares Statement. Klassisch, elegant, aber mit einem Schuss Verführung.
      Vor dem Spiegel im Bad richtete ich den Blazer zurecht. Ich knöpfte ihn so, dass er zwar professionell wirkte, aber gleichzeitig einen tiefen, verführerischen Ausschnitt freigab, der das seidige Top darunter und die Schichtung meiner zarten Goldketten betonte. Ich machte meine Schultern hoch, hob das Kinn leicht an und sah mich kritisch an. Es war die perfekte Balance: verführerisch, ohne jemals in die Nähe von vulgär zu geraten. Besondere Aufmerksamkeit widmete ich meinem Haar. Ich hatte mich für ein elegantes Half-up-Styling entschieden, das perfekt zu der seriösen, aber dennoch femininen Ausstrahlung meines Outfits passte. Die oberen Partien waren sanft nach hinten genommen und kunstvoll am Hinterkopf verschlungen, während der Rest meines blonden Haares in kontrollierten, seidigen Wellen über meine Schultern fiel. Es sah mühelos aus, doch ich wusste genau, dass jede Strähne exakt so liegen musste, um diesen Look von unangreifbarer Designer-Eleganz zu vervollständigen. Ich strich eine lose Locke zurück, die mein Gesicht rahmte, und stellte sicher, dass der Glanz genau richtig im gedimmten Licht reflektierte. Ich korrigierte meinen Lippenstift, das satte, matte Rot meiner Lippen fungierte als eleganter Blickfang, der die Symmetrie meines Gesichts mit fast schon aggressiver Perfektion betonte.
      Als ich die schwarzen Christian Louboutins zurechtrückte, hörte ich das Klicken der Absätze auf den Fliesen. Ein vertrautes, fast beruhigendes Geräusch von Macht. Zu guter Letzt, drapierte ich den Blazer noch einmal so, dass der Ausschnitt tief, aber absolut professionell wirkte. "Perfekt." Als ich das Bad verließ, sah ich, dass Grace vollkommen abgelenkt war. Sie saß auf dem Boden und knuddelte Gatsby, der sie mit enthusiastischer Zuneigung überschüttete. Gatsby zappelte in ihren Armen, und Grace lachte, als er ihr durch das Gesicht leckte. Die Szenerie war so friedlich, so unschuldig, und ich wusste, dass dies der perfekte Moment war.Ohne Grace zu stören, wandte ich mich ab.
      Es war leicht mittels einfachsten Auschlussprinzip zu erraten, wo Tom Millers Büro lag. Ich trat an die Tür, eine massive Holztür, die ein Gefühl von Schwere und Ernsthaftigkeit ausstrahlte. Ich zögerte nicht. Ich klopfte selbstbewusst, dreimal, kurz und prägnant. Ich wartete genau vier Sekunden, genug Zeit, um ihm zu signalisieren, dass ich eintreten würde, aber nicht lang genug, um ihm die Möglichkeit zu geben, mich abzuweisen. Mit einem knappen "Guten Abend.", öffnete ich die Tür und trat ein.
      Ich blieb an der Schwelle stehen, mein Blick scharf, als ich den Mann am Schreibtisch fixierte. Tom Miller sah von seinen Papieren auf, sein Gesichtsausdruck war unlesbar. Er war gepflegt, seine Anwesenheit füllte den Raum, genau wie ich es erwartet hatte. Ich registrierte sofort die Art, wie er dort saß: die perfekt geschnittene Weste, die kein Fältchen warf, und die hochgekrempelten Ärmel seines Hemdes, die eine Mischung aus harter Arbeit und unangreifbarem Status suggerierten. Er war ein Mann, der keine lauten Gesten brauchte, um Autorität auszustrahlen, die Ruhe, mit der er meinen plötzlichen Einbruch quittierte, sprach Bände über seine Selbstbeherrschung. Sein Gesicht war markant, die Züge von einer Disziplin gezeichnet, die ich nur zu gut kannte. Er war kein Junge, der mit dem Ruhm spielte wie sein Bruder, er war der Architekt der das Fundament hielt. In seinen Augen lag eine intellektuelle Schwere, die mich herausforderte, noch bevor ich ein Wort gesagt hatte. Ein würdiger Gegenspieler auf diesem Parkett. Ich ließ meinen Blick langsam durch sein Büro gleiten. Es war eine unglaubliche Mischung aus klassischen und modernen Einflüssen. Die schweren, dunklen Holzmöbel wurden durch scharfe, minimalistische Linien und moderne Kunstwerke an den Wänden durchbrochen. Die Beleuchtung war gedimmt, was die Atmosphäre verdichtete und mein Spiel mit dem Licht unterstützte.
      "Hmmm...", begann ich, meine Stimme war ein sanfter, kultivierter Hauch, der sich im Raum ausbreitete. "Wie ich sehe, habe ich knapp fünf Minuten, bevor Ihr Zeitplan Sie wieder in die Geschäftswelt zurückruft." Mein Gang zu seinem Arbeitstisch war bewusst langsamer als gewöhnlich. Es war nicht die Eile einer Geschäftsfrau, sondern die kalkulierte Bewegung eines ehemaligen Models. Ich wusste, wie man elegant lief, wie man die Aufmerksamkeit auf sich zog, ohne dass es jemals aufgesetzt oder gezwungen wirkte. Ich bewegte mich mit einer fließenden Souveränität, bei der kein Schritt dem Zufall überlassen war.
      Ich blieb vor seinem Schreibtisch stehen, das dunkle Holz war eine perfekte Bühne für meine Hände. "Ich habe die Ehre, Ihnen tatsächlich...-" sagte ich und legte die cremefarbene Einladung, ein haptisches Meisterwerk der Papierkunst mit Goldrand, auf den Tisch. Mein Blick war fest, ich wich nicht aus, nicht einen einzigen Moment. Ich schob die Einladung langsam über die glatte Oberfläche zu ihm hin und beugte mich dabei ganz leicht nach mit nach vorne. "-...das hier zu übergeben."
      Ich hielt inne, ließ die Stille wirken. "Das ist eine Einladung zur Magnolia Society in zwei Wochen. Die exklusivste Veranstaltung des Monats. Und dafür...", ich sah kurz, ganz kurz, auf die Einladung, so als würde ich deren Wert bestätigen, ehe ich meine Augen langsam halb aufschlug und Mr. Miller wieder mit meinen Blick festhielt, "...brauche ich Grace."
      Ich wusste, dass dies ein Spiel mit dem Male Gaze war. Ich wusste, dass ich in diesem weißen Outfit, mit diesem Lippenstift und dieser Haltung eine bestimmte Wirkung hatte. Ich benutzte es als Werkzeug, als eine Möglichkeit, meine Forderung zu unterstreichen. Es war eine Demonstration von Anmut, nicht von Schwäche. "Nur für diesen Abend versteht sich", fügte ich hinzu, meine Stimme war wieder klar und geschäftlich. "Sie müssen keine Angst haben, dass sie Ihnen abhandenkommt." Ich trat einen halben Schritt zurück, meine Hände leicht auf den Hüften gestützt, was meine Shorts und die elfenbeinfarbene Eleganz des Blazers noch mehr betonte. "Und ehrlich gesagt", fuhr ich fort, meine Stimme war jetzt kühler, durchsetzungsfähiger. "Das ist nicht zu viel verlangt, wenn man bedenkt ... dass sie diesen Job als ihre persönliche Anstandsdame und Fotografin niemals angenommen hätte, wenn ich es ihr nicht geraten hätte. Sie sind mir das also quasi schuldig, Mr. Miller." Ich hielt seinen Blick, meine Miene war eine Mischung aus Geschäftsfrau und einer Frau, die es gewohnt war, ihren Willen zu bekommen. "Sofern Sie und ihr Bruder an dieser bedeutenden Veranstaltung teilnehmen, ist sie sowieso weiterhin in der Nähe Ihres kleinen Bruder." Ich wartete auf seine Antwort, vollkommen sicher, dass er mich nicht abweisen würde.
    • Kyle

      Die Zeit verging wie im Flug und ich sah wie Martha mit einem Tablett nach oben ging. Das war sicher für Tom oder Grace, die ich seit vorhin nicht wieder gesehen habe. Mein Magen fing an zu knurren und vielleicht wäre es klug für heute aufzuhören und etwas richtiges zu Essen. Schließlich gab es heute Morgen nur Cornflakes. Doch ich fühlte mich immer noch gut, trotz meines Absturz gestern Abend.
      Ich schob die Notenblätter zusammen und steckte den Stift hinter mein Ohr. Auf leisen Sohlen ging ich nach oben räumte die Sachen in mein Zimmer und legte den Stift wieder auf den Schreibtisch zurück. Dann ging ich wieder nach unten wo Martha bereits wieder in der Küche stand und einen weiteren Teller mit Essen füllte. "Das riecht lecker." Sie zuckte merklich ein wenig zusammen und drehte sich lächelnd zu mir um. "Oh Mr. Miller Jr. Ich habe sie gar nicht mitbekommen." Ich setzte mich an den Tresen auf einen der Hocker und sah sie an. "War nur fertig mit komponieren, dann habe ich Hunger bekommen", sprach ich zu ihr während ich meine Schultern zuckte. "Dann habe ich wohl genau das Richtige für Sie." Sie war immer gut drauf und hatte stets ein Lächeln auf den Lippen, auch wenn ich ihr keine bis kaum Beachtung schenkte. Sie schob mir einen dampfenden lecker riechenden Teller vor die Nase. "Hier bitte und brav auf essen." Sie wandte sich wieder von mir ab und räumte die Küche noch auf, ehe sie sich verabschiedete und mir einen schönen Abend wünschte. Ich nickte ihr knapp zu und schaufelte mir das Essen förmlich hinein, als wäre ich wie ausgehungert.
      Das Essen schmeckte gut und ich überlegte was ich mit dem restlichen Abend anfangen soll. Tom wird in seiner Arbeit vertieft sein und den Blondschopf will ich sicherlich nicht bitten etwas mit mir zu unternehmen.. Zitronengras.. Schon hang ihr Duft wieder in meiner Nase. Ach verdammt.. Sie muss aus meinen Kopf raus.. Ich verzog mich wieder auf die Dachterrasse.

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      Tom

      Die Emails nahmen endlich ein Ende und ich hatte die Kanne Kaffee schon fast leer getrunken und das Gebäck ebenfalls aufgegessen. Martha konnte vorzüglich backen. Ich sah auf meine Checkliste und es sah so aus als wäre fast alles fertig. Bis auf ein paar Kleinigkeiten die noch hier und da fehlten.
      Ein Klopfen ließ meinen Blick in Richtung Tür wandern. Als sie sich öffnete, verschlug es mir wortwörtlich die Sprache, doch ich blieb ruhig und ließ mir nichts anmerken. Ms. Farrow Taylor stand höchstpersönlich in meinem Büro und durchbohrte mich mit ihren Blick wie ein Dartpfeil das Bull´s Eye. "Guten Abend Ms. Taylor. Welche Ehre sie hier in meinem bescheidenen Büro begrüßen zu dürfen." Ihr Selbstbewusstsein war deutlich zu spüren und das lag nicht nur an dem umwerfenden Outfit welches sie trug. Sie versprühte eine ganz andere Aura, als ich. Sie wusste genau was sie will und stand mit beiden Beinen im Leben. Ich wusste nicht viel über sie, wir haben uns nur mal flüchtig gesehen und telefoniert. Sie war kein offenes Buch und wirkte auf viele wie eine Eiskönigin. Was wohl daran lag das sie eine perfekt sitzende Maske trug. Ihr Auftreten war stark und sie sah aus als würde sie nie einen Fehler begehen. Ich hörte ihr aufmerksam zu und ließ sie keine Sekunde aus den Augen, auch nicht als sie zu meinem Schreibtisch lief als würde sie auf dem Laufsteg laufen. Elegant und graziös, legte sie mir die Einladung auf den Tisch und erklärte warum sie hier her gekommen ist. Ich griff nach der Karte und ließ meine Finger über den Rand streichen. Ein flüchtiges Lächeln huschte über meine Lippen. Mein Blick ging wieder zurück zu ihr. Ich legte die Karte behutsam auf den Tisch zurück und stand von meinem Stuhl auf. Ich knöpfte den Knopf von meinem Weste zu und ging um den Tisch herum und kam mit etwas Abstand vor ihr stehen. Meine Augen ruhten immer noch auf ihr. "Vielen Dank für die Einladung wir werden es in Erwägung ziehen zu kommen." Meine Hände steckte ich locker in meine Hosentaschen. "Und was die Forderung betrifft, denke ich das ich ihnen Grace für den Abend ausleihen kann. Wenn es sie glücklich macht Ms. Taylor."
      Ein kleiner Funke blitzte in ihren Augen und sie wusste das ich nicht nein sagen würde. Sie wusste welche Mittel sie anwenden musste um die Männer um den Finger zu wickeln und ihr Outfit und ihr Auftreten gaben ihr Übriges dazu. Es soll nicht heißen das ich nicht abgeneigt von ihr bin, aber die Sache hier war rein geschäftlich. Bei so einer Frau würde ich eh nur auf Granit beißen, deshalb würde ich es nicht versuchen sie zu umwerben.
      "Gut dann ist das ja geregelt. Ich werde mich jetzt wieder den Rest meiner Arbeit widmen. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend und vielen Dank für ihren Besuch." Sie drehte sich galant um und hinterließ eine Parfumwolke. Es roch ganz stark nach Jasmin. Geschmack hatte sie auf alle Fälle und ich sah ihr noch nach als sie aus meinem Büro ging und die Tür hinter sich schloss. Ich lockerte meine Krawatte, denn hier drinnen ist es ganz schön warm geworden. Ich ging zu meinem Tisch zurück und nahm die Einladung nochmal in die Hand und sah zurück zur Tür. Ich schüttelte lächelnd den Kopf. "Was für eine Frau."
      Die Karte legte ich neben meinem Laptop ab und machte mit meiner Arbeit weiter.

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    • Farrow

      Ich beobachtete ihn genau, während ich vor seinem Schreibtisch stand. Die meisten Männer hätten bei einem solchen 'Überfall' verpackt in elfenbeinfarbene Seide und Louboutins... kläglich versagt. Entweder wären sie mir sofort sabbernd verfallen, hätten meine Intentionen völlig missverstanden oder sich von meiner charmanten aber nicht von der Hand zu weisenden kalkulierten Dreistigkeit so bedroht gefühlt, dass sie in eine defensive Aggressivität verfallen wären.
      Doch Tom Miller? Er blieb die Ruhe selbst. Seine Beherrschung war fast schon unverschämt perfekt. Er spielte das Spiel mit einer Professionalität mit, die ich selten erlebte. Kein Wunder, dass er so erfolgreich war. Er dominierte sein Feld nicht mit lautem Gebrüll, sondern mit einem natürlichen, fast schon gefährlichen Charme. Grace hatte wirklich keine Ahnung, wie gut sie es mit ihrer Anstellung hier getroffen hatte. Es gab Frauen in dieser Stadt, die für die bloße Nähe zu den Miller-Brüdern förmlich töten würden.
      Während mein Blick auf ihm ruhte, erkannte ich die Gefahr ...nicht für mein Geschäft, sondern für meine mühsam gewahrte Distanz. Er forderte mich heraus, ohne ein Wort zu sagen, allein durch seine intellektuelle Präsenz, das wie ein Magnet auf meinen Ehrgeiz wirkte. Trotz der Kälte, die ich als Schutzschild perfektionierte, registrierte ich ein verräterisches Echo hinter der Fassade. Eine Hitze, die dort nicht hingehörte, ein Prickeln, das ich unter normalen Umständen als Schwäche abgetan hätte. Doch bei ihm fühlte es sich an wie ein verbotener Adrenalinstoß, der meine Brust gegen den Rhythmus meiner Logik klopfen ließ. Eine Anziehung, die ich tief unter Schichten aus Disziplin begrub, auch wenn mein beschleunigter Schlag mich innerlich bereits der Lüge überführte "Das hoffe ich doch", entgegnete ich ruhig, während ich die Distanz zwischen uns taxierte. Immerhin war es schwer genug gewesen die Miller Brüder wieder auf die Gästeliste zu setzen. Als er mir zusagte, Grace für den Abend auszuleihen, wenn es mich glücklich mache, erlaubte ich meinen Augen, einen Moment lang aufzuleuchten. Ein echtes, zufriedenes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. "Oh, ich glaube, Sie wissen ganz genau, was Frauen glücklich macht", erwiderte ich mit einem rauchigen Unterton, während meine stahlgrauen Augen ihn genau musterten. Es war ein Flirt, ja, aber einer auf Augenhöhe und vielleicht ein letzter Test seiner Standhaftigkeit.
      Ich hob die Hand und ließ mein Haar mit einer schwungvollen Bewegung nach hinten über meine Schultern gleiten. "Ich hingen bin Ihnen für diese kleine Übereinkunft dankbar und... sehr zufrieden." Mein Lächeln wurde eine Nuance schärfer. Ich sah kurz auf meine Uhr und tippte mit meinen perfekt manikürten Fingern auf das kühle Glas. "Hmm..." Ich hauchte das Geräusch fast nur wie zuvor bei meinen Eintritt. "4,37 Minuten... da lag ich wohl mal wieder richtig mit meiner Einschätzung. Danke für Ihre Zeit und... gute Nacht, Mr. Miller."
      Ich drehte mich galant um. Mit jedem Schritt wippten meine Haare im Takt meiner klackenden Absätze, ein rhythmischer Countdown meines Abgangs. An der Tür drückte ich die Klinke herunter, hielt jedoch noch einmal inne. Ich warf ihm einen letzten, kurzen Blick über die Schulter zu, ein stummes Anerkenntnis seiner Stärke, bevor ich den Raum endgültig verließ und die schwere Holztür hinter mir ins Schloss fallen ließ.

      Grace

      Ich kniete auf dem weichen Teppich und ließ mich von Gatsby förmlich belagern. Die kleine Fellkugel war ein einziges Bündel aus wedelndem Schwanz und feuchten Hundeküsschen. Jedes Mal, wenn er sich für eine Sekunde beruhigte, nur um dann mit neuer Energie gegen meine Hände zu stupsen, musste ich unwillkürlich lachen. "Du kleiner Bestechungskünstler", murmelte ich und konnte nicht anders, als ihm ein Leckerli aus der Tasche zu fischen, das er mit einem begeisterten Schnappen entgegennahm.
      Während ich mit Gatsby beschäftigt war, behielt ich die schwere Bürotür im Auge. Als Farrow schließlich heraustrat, entging mir das kurze, fast unmerkliche Aufatmen nicht, das über ihre Lippen kam. Sie wirkte für einen Sekundenbruchteil menschlich, bevor sie sofort wieder in ihr makelloses Bad-Check-Ritual verfiel. Ich beobachtete sie dabei, wie sie im angrenzenden Badezimmer jede Strähne, den Sitz ihres Blazers und die Präzision ihres Lippenstifts prüfte. Selbst ein so süßes Wesen wie Gatsby konnte mich nicht davon abhalten mich jetzt doch etwas um Mr. Miller zu sorgen. Ich kannte Farrow. Wenn sie etwas wollte oder es um ihre Vision von Arbeit ging, konnte sie unerbittlich sein. Ich hoffte inständig, dass er diesen elfenbeinfarbenen Wirbelsturm unbeschadet überstanden hatte.
      Als sie das Bad wieder verließ, wirkte sie wieder wie die Personifikation von Perfektion. Sie sah auf mich und den hechelnden Gatsby hinunter. "Grace, Darling, tu mir den Gefallen und geh mit ihm die große Runde. Danach komm bitte zu der Adresse, die ich dir gleich schicke." Sie stieß einen leisen, fast wehmütigen Seufzer aus. "Und nun zum zähen, aber nötigen Übel des Abends. Das wird bei weitem nicht so angenehm wie... diese Begegnung eben." Sie sagte gerade den letzten Teil, mit einen Lächeln was ich so nicht all zu oft auf ihren Lippen gesehen hatte. Ich hob skeptisch eine Augenbraue und kraulte Gatsby hinter den Ohren. "Sollte ich jetzt lieber nicht nachfragen oder...?" Farrow schmunzelte kurz ehe sie sich wieder zur Ernsthaftigkeit zwang. "Du kennst doch die Methode, mit einer Freundin ein Date zu unterbrechen, das nicht gut läuft? Das hier ist die Version für ein ödes, nötiges Geschäftsessen. Zumal es nie schlecht ist, sich auch mal rar zu machen." In diesem Augenblick schoss mir unwillkürlich Kyle in den Kopf. Das Bild von ihm gestern Nacht in seinen Bett eingerollt, die Intensität unseres Moments am Wagen ...alles fühlte sich plötzlich so fragil an im Vergleich zu Farrows strategischem Vorgehen. Ich schüttelte fassungslos den Kopf. "Moment. Du... du hast doch nur mit uns gespielt. Mit uns allen. Mit Tom, mit mir... vielleicht sogar mit Kyle, ohne dass er es weiß und mit diesen armen Kunden." Farrow lachte charmant auf, ein heller, glockenreiner Klang, der die Ernsthaftigkeit meiner Worte einfach wegwischte. "Nein, Darling. Ich habe eine wichtige Einladung übergeben, meinen Hund für den Abend sicher untergebracht und eine Strategie für ein Essen entworfen, das meine Zeit eigentlich nicht wert ist. Das nennt sich nicht spielen, sondern Effizienz." Sie rückte sich den Blazer ein letztes Mal zurecht und schenkte mir einen Blick, der keinen Widerspruch duldete. "Wir sehen uns später. Sei pünktlich." Mit einem letzten Klicken ihrer Louboutins verschwand sie im Fahrstuhl. Ich blieb zurück, Gatsby an der Leine und ein flaues Gefühl im Magen. Effizienz. Das war das Wort, das Farrow benutzte. Ich nannte es eher Brandstiftung auf höchstem diplomatischem Niveau. Ich griff nach meiner Jacke und sah zur Dachterrasse hoch. Ob er immer noch da oben war?

      ≿━━━━༺❀༻━━━━≾

      Ich spürte die kühle Abendluft noch auf meinen Wangen als ich das Loft wieder betrat. Die große Runde, die Farrow verlangt hatte, war genau das gewesen, was ich gebraucht hatte, um den Kopf frei zu bekommen. Das Loft war seltsam still. Martha war bereits weg, und nur das gedimmte Licht der Designerkunstwerke an den Wänden warf lange Schatten über den polierten Boden. Ich wollte gerade ein Glas Wasser aus der Küche holen und in mein Zimmer verschinden, als ich ein leises Geräusch von der Treppe hörte. Ich hielt inne. Kyle?! Er wirkte weniger wie der unnahbare Rockstar vom Vormittag und mehr wie jemand, der versuchte, seine eigenen Geister abzuschütteln. Als er aufsah und mich bemerkte, blieb er abrupt stehen. "Du... du bist ja noch hier." Ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet das er den Abend mit Alkohol und weiblicher Gesellschaft verdrängte. Wow... ich schüttelte den Gedanken aus meinen Kopf, was meine nicht mehr ganz so ordentlichen Pigtails zum schwingen brachte. Die Luft zwischen uns fühlte sich augenblicklich wieder so aufgeladen an wie am Wagen. Er roch nicht mehr nur nach Zigaretten, sondern nach dem Essen, das Martha ihm wohl gerade noch serviert hatte und unter all dem lag immer noch dieser warme, holzige Duft, der mich so irritierte. "Ähm..." begann ich leise. Doch ich bis mir stattdessen auf die Lippe um nichts dummes zu sagen. "V-vergiss es." Ich exte das Glas Wasser jetzt doch. Irgendwie war mir danach. Nichts was ich jetzt fragte oder sagte hatte einen Sinn gemacht. Für ihn war ich ein Störenfried oder eine reizende Ablenkung mehr nicht. Ich brauchte nicht auf ehrliche Gespräche oder so etwas in der Art zu hoffen und wenn ich ihn etwas von mir anvertraute würde er wahrscheinlich gelangweilt weghören. Der Tag heute war für uns alle lang und anstrengend gewesen. Ich spürte die Wärme seines Körpers im Vorbeigehen, eine fast greifbare Hitze, die mich kurz erschaudern ließ. Als ich die oberste Stufe der Treppe erreichte, hielt ich kurz inne und sah über meine Schulter zurück. Er stand immer noch da. "Gute Nacht, schlaf gut... Kyle", sagte ich leise, bevor ich in mein Zimmer verschwinden wollte.

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    • Tom

      Ob ich mich nach diesem Auftritt von Farrow Taylor weiterhin auf die Arbeit konzentrieren konnte? Nein. So richtig nicht. Immer wieder sah ich zu dieser Einladung und ihr Duft von ihrem Parfum hang noch im Raum. Sie war wirklich der Annahme das ich auf ihre Masche hinein fallen würde. Wie sie dort vor mir stand mit ihrem aufreizenden Outfit, ihren teuren Designerschuhen und dem roten Lippenstift, nur um zu versuchen, mir den Kopf zu verdrehen. Und tatsächlich triften meine Gedanken ein klein wenig von der Arbeit ab.
      Irgendwie war ich gespannt wie diese Veranstaltung ablaufen wird und ob ich mit Ms. Taylor noch einmal in Kontakt treten werde.
      Doch für heute ließ ich die Arbeit hinter mir und fuhr den Laptop runter und ging dann anschließend zu Bett. In meinem Kopf tauchte immer wieder das Gesicht von ihr auf. Vielleicht hat sie ja doch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

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      Kyle

      Die Ruhe auf der Dachterrasse war eine Wohltat für meine Seele. Ich habe mich mit einer Decke auf das Ledersofa gelegt und sah hinauf in den Sternenhimmel. Der Tag war anstrengend, aber in gewisser Weise auch schön. Ich war in meinem Element und ich bin gespannt darauf wie die Fotos geworden sind. Die neue Single wird durch die Decke gehen, dessen war ich mir durchaus bewusst und ich freute mich schon auf die Kommentare darüber. Auch das Lied, an dem ich getüftelt hatte wird die Menschen überraschen. Denn es war anders, als die Song die wir sonst spielten. Ich denke das Phil und Vince es feiern werden und es zeigt eine völlig andere Seite von mir. Es war zwar noch nicht ganz fertig, aber mit dem Anfang war ich sehr zufrieden.
      "Ich wünschte nur ihr wärt noch hier und würdet sehen wie erfolgreich ich geworden bin." Meine Eltern fehlten mir, noch immer. Auch wenn sie schon viele Jahre nicht mehr lebten, trug ich immer noch ein Stück von ihrem Herzen in mir. Doch sie haben ein Stück von meiner Seele mit sich genommen. Ich war Schuld an dem Unfall, ich war derjenige der ihn verursacht hat, nur weil ich nicht gehört hatte. Ihre Schreie hallten mir immer noch in meinen Ohren und diesen Blick von meiner Mutter konnte ich einfach nicht vergessen.
      "Es tut mir leid", hauchte ich nach oben in den Himmel. Eine Sternschnuppe leuchtete am Himmel auf. Ich schloss die Augen und wünschte mir etwas. Ein Schauer ging durch meinen Körper und mir wurde plötzlich kalt. Es war wohl Zeit ins Bett zu gehen. Ich richtete mich auf und legte die Decke wieder zurück in die Aufbewahrungsbox.
      Mein Weg führte mich nach unten in die Küche, da ich mir noch etwas zu Trinken holen wollte. Ich lief die letzten Stufen hinunter und blieb abrupt stehen, als ich in die Augen von Grace blickte. Mist Ich dachte ich würde sie heute nicht noch einmal sehen, weil ich gerade dabei war diesen Moment am Wagen aus meinen Gedanken zu verdrängen.. und ihren Duft zu vergessen. Ich schluckte kaum merklich. Das sie so überrascht war mich zu sehen, konnte man ihr deutlich anmerken. "Ja ich bin noch hier." Meine Stimme war rauer als sonst. Ich musterte sie und sah wie müde und erschöpft sie von dem Tag war. Als sie herumstammelte und dann an mir vorbei ging, zog sie wieder diese Duftwolke hinter sich her. Ich versuchte es zu ignorieren, ihn nicht einzuatmen. Ich musste dem Ganzen widerstehen, sonst nimmt das kein gutes Ende. Sie blieb auf der obersten Stufe nochmal stehen und blickte zu mir zurück. Ihre Augen trafen meine mit einer Wucht, wie ich sie nicht beschreiben konnte. Und als sie meinen Namen über ihre Lippe gleiten ließ traf es mich da wo es mich nicht treffen sollte- mitten ins Herz. Dieses Ziehen war wieder da und mein Mund öffnete sich ein Stückchen. Nein ich muss standhaft bleiben, das war nur eine Schachzug von ihr, damit ich die Kontrolle verliere. Sie durfte nicht gewinnen.
      Ich atmete bewusst laut aus, wandte meinen Blick von ihr. "Gute Nacht Grace und such dir ein neues Parfum. Davon bekommt man ja Kopfschmerzen." Ich hielt mir mit der Hand aus Schein gegen meine Stirn und ging ohne ein weiteres Wort zum Kühlschrank um mir noch eine Flasche Wasser zu holen. Ich konnte hören wie ihre Zimmertür zu ging. "Das war knapp..", flüstere ich vor mich hin. Beinahe hatte sie mir die Sinne vernebelt...
      Was ich jetzt brauchte war eine gehörige Mütze Schlaf.
    • Grace

      Ich hörte den harten, fast schon spöttischen Unterton in seiner Stimme, während ich die letzten Stufen nach oben nahm. Seine Worte hallten beinahe zwischen den Metallstufen wider, begleitet von dieser fast schon zu theatralischen Geste, mit der er sich die Hand an die Stirn legte. Ich hielt nicht an. Doch ich drehte mich nicht noch einmal um. Ein winziges, wissendes Lächeln verirrte sich auf meine Lippen, während ich den Türgriff meines Zimmers hinunterdrückte. Er kämpfte so hart. Gegen mich, gegen die Ereignisse des Tages und am meisten gegen das, was er selbst gefühlt hatte. In der Sekunde, als er meinen Blick erwidert hatte, bevor er seine Maske wieder hochzog, hatte ich es gesehen. Nur für den Bruchteil eines Augenblicks meinte ich, den wahren Kyle zu erkennen. Den Menschen hinter dem Performer, hinter dem unnahbaren Rockstar-Image. Es war ein kurzer, unbewachter Moment mit einen Hauch Verletzlichkeit gewesen, der mich völlig unvorbereitet erwischt hatte. Ich ertappte mich dabei, wie fasziniert ich von diesem 'echten' Kyle war, genau wie schon draußen am Wagen. In meiner Brust breitete sich eine wohlige, fast schon schmerzhafte Wärme aus, ein tiefes Mitgefühl und eine Art Empathie, die ich so nicht geplant hatte. Jedoch war mir dabei schmerzlich bewusst, das es genau das Letzte war, was Kyle jetzt wollte. Er wollte nicht gesehen werden. Deshalb waren diese Momente so fragil, so flüchtig wie ein Schatten im Vorbeigehen.
      Ich schlüpfte in mein Zimmer und lehnte mich schwer gegen die geschlossene Tür. Das leise Klicken des Schlosses fühlte sich an wie ein Schutzwall. Ich atmete zittrig aus. Oh my godness, dieser Kerl machte es mir nicht leicht.
      Fast schon mechanisch machte ich mich bettfertig. Ich wusch mir das Gesicht und schlüpfte in mein großes, weiches Schlafshirt. Als ich schließlich unter die Decke kroch und mich einkuschelte, fühlte sich das Bett ungewohnt groß an. Ich griff unter mein Kopfkissen und zog das kleine, verblasste und leicht verwackelte Polaroidbild meiner Eltern hervor. Ich betrachtete es eine Weile im fahlen Licht der Nachttischlampe die unbeschwerte Liebe in ihren Gesichtern war mein einziger Fixpunkt in dieser chaotischen Welt der Millers. Mit einem leisen Seufzer küsste ich die Ecke des Bildes und schob es wieder sicher unter das Kissen.
      Ich starrte an die Decke, doch ich konnte einfach nicht einschlafen. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich um diese echten Momente mit Kyle, die in den letzten Stunden immer häufiger entstanden geschehen waren. Ich musste es mir wohl eingestehen... Ich wollte diesen Mann wirklich kennenlernen. Den Kern unter all dem Stolz und der Wut. Ich mochte ihn... den echten Kyle, vielleicht sogar etwas mehr, als gut für mich war. Aber ich wusste auch, dass ich meine professionelle Rolle nicht verlassen durfte. Ich war hier, um einen Job zu machen, nicht um mich in ein Trümmerfeld zu verlieren. Mit diesem Vorsatz schloss ich die Augen, während all meine wild herumwibelnden Gedanken mich langsam in einen unruhigen Schlaf gleiten ließen.

      Ein goldener Lichtstrahl, der sich hartnäckig durch die Lücke im Vorhang bohrte, kitzelte mich wach. Ich blinzelte verschlafen und brauchte einen Moment, um mich zu orientieren. Der Duft von frischem Kaffee und etwas Süßem, Gebackenem zog bereits unter der Zimmertür hindurch und vertrieb die letzten Reste meiner Träume, in denen raue Stimmen und der Geruch von Sandelholz eine viel zu große Rolle gespielt hatten.
      Nachdem ich mir im Bad das Gesicht mit eiskaltem Wasser gewaschen und die Zähne geputzt hatte, fühlte ich mich halbwegs bereit für die Welt. In meinem oversized Schlafshirt und einer bequemen Leggings trottete ich barfuß den Flur entlang in Richtung Küche. Das Loft war in helles, freundliches Morgenlicht getaucht, ein krasser Gegensatz zu der emotionalen Schwere der letzten Nacht.
      In der Küche wirbelte Martha bereits gut gelaunt herum. Als sie mich sah, strahlte sie mich an und schob ein Kuchengitter mit kleinen, goldbraunen Gebäckstücken auf die Arbeitsplatte. "Guten Morgen, Liebes! Sie kommen genau richtig", sagte sie und reichte mir eine Serviette. "Ich habe Scones gebacken. Das ist für Ihre tatkräftige Unterstützung die letzten Tage." Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. "Martha, Sie sind ein Engel. Das riecht fantastisch." Das sie die extra für mich gemacht hatte... Dabei hätte ich mich doch selbst um meine Essensangewohnheiten gekümmert."Greifen Sie zu, solange sie warm sind. Dazu gibt es Clotted Cream und Erdbeerkonfitüre... fast wie in der Heimat, nicht wahr?" Sie zwinkerte mir zu und schenkte mir einen großen Becher Kaffee ein. Ich nahm einen Scone, der noch herrlich dampfte, und setzte mich an den Tresen. Der erste Bissen war purer Himmel. "Vielen Dank. Das ist genau das, was ich jetzt brauche", murmelte ich kauend. Ich genoss die Ruhe und die mütterliche Fürsorge von Martha, doch unwillkürlich schweifte mein Blick zum Ende des Flurs. "Ist... ist schon jemand anderes wach?", fragte ich vorsichtig, während ich den Scone in die Creme tunkte.
      Martha hielt kurz inne und nickte in Richtung der Treppe. "Mr. Miller Senior ist schon seit einer Stunden in seinem Büro. Und Kyle..." Sie machte eine vage Geste nach oben. "Hat sein Zimmer noch nicht verlassen." Ich nippte an meinem Kaffee und spürte, wie sich bei der Erwähnung seines Namens mein Puls wieder leicht beschleunigte. Die Erinnerung an sein 'Kopfschmerz'-Kommentar von gestern Abend blitzte kurz auf, doch das Bild des echten Kyles unter der Decke war stärker.
      Gerade als ich den letzten Bissen meines Scones genießen wollte, hörte ich schwere, langsame Schritte auf der Treppe. Ich hielt die Tasse mit beiden Händen fest und starrte auf den Eingang der Küche.
    • Tom

      An viel Schlaf war überhaupt nicht zu denken, denn in meinen Träumen besuchte mich Ms. Farrow Taylor. Es war verrückt einfach nicht zu fassen, das sie mir seit ihrem Auftritt in meinem Büro nicht aus den Kopf ging. Ich zog mich schon in mein Büro zurück um mich mit der Arbeit abzulenken, aber das half auch überhaupt nichts. Ihr Duft hang noch immer in der Luft, obwohl ich schon durchgelüftet hatte.
      Vielleicht war es doch endlich wieder an der Zeit auszugehen, sich mit jemanden zu treffen. Doch mir fiel niemand ein.
      Seitdem ich Manager der Band bin, hatte ich keine Zeit mehr für solche Ablenkungen. Im Gegensatz zu Kyle, der bei den Frauen immer punktete, ging ich leer aus. Ich fuhr mir über mein Gesicht. Ich musste raus. Irgendwas ändern. Ich dachte nach was ich machen könnte. Es war Sonntag und ich würde für heute sowieso nicht so viel auf die Reihe bekommen. Dann kam mir die Idee wieder Joggen zu gehen. Das Laufen befreit den Kopf und ich hätte einen Ausgleich zu meiner Arbeit. Ich legte meine Arbeit nieder und zog mich in meinem Schlafzimmer um. Gut das ich mein Laufoutfit nicht so weit weg gelegt hatte. Ob ich noch genug Ausdauer hatte? Wir werden es sehen.
      Ich eilte die Metalltreppe hinunter und sah Martha und Grace in der Küche sitzen. "Guten Morgen zusammen." Ich sah die überraschten Blicke der Beiden und fing an zu schmunzeln. "Ja es ist ungewohnt mich in diesen Outfit zu sehen. Aber ich wollte eine Runde Laufen gehen und nicht nur den Tag im Büro verbringen." Ich nahm den frisch gepressten Saft, den Martha mir eingeschenkt hatte in die Hand und trank ihn komplett aus. Mein Blick fiel auf Ms. Wilson. "Sie sehen aus als hätten sie jemand anderen erwartet. Sie brauchen sich keine Sorgen um meinen Bruder zu machen, der schläft Sonntags immer sehr lange aus." Martha schüttelte amüsiert ihren Kopf. "Hoffentlich übertreiben sie es nicht Mr. Miller Senior. Nicht das ich sie am Ende nicht wieder erkenne." Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und musterte mich mit ihrem Blick. Ich stellte das Glas zurück auf die Arbeitsplatte und atmete tief durch. "Man muss eben Prioritäten setzen", murmelte ich, auch wenn ich selbst nicht ganz überzeugt klang. In Wahrheit wusste ich genau, warum ich plötzlich diesen Drang verspürte, etwas zu verändern. Oder besser gesagt: wegen wem.
      Unwillkürlich tauchte ihr Gesicht wieder vor meinem inneren Auge auf. Diese selbstbewusste Haltung, der durchdringende Blick… und dieser Duft. Verdammt. Ich ging zum Fahrstuhl und drückte auf die Taste. "Bin in ungefähr einer Stunde wieder zurück." "Übertreiben sie es nicht", warf Martha mir noch hinterher. "Ihr Körper ist das nicht mehr gewohnt." Ich hob meine Hand und ging in den Fahrstuhl. "Ach und Ms. Wilson bevor ich es vergesse. Nehmen sie sich für heute frei. Genießen sie das Leben." Schon ging dir Tür zu und ich fuhr nach unten. Die Sonne war zwar schon aufgegangen, aber L.A. wirkte heute etwas ruhiger als unter der Woche. Ich fing an meine Füße in Bewegung zu setzen und lief los.

      Martha sah Grace perplex an und musste lachen. "Ich weiß nicht was ihm wieder fahren ist." Sie zuckte mit den Schultern und räumte das Glas in die Spüle.
    • Grace

      Blimey! D-das hatte ich .... das hatte ich doch ganz bestimmt nicht... oder? Ich hatte niemanden anderen erwartet und mir schon gar keine Sorgen über diesen schlafenden Tiger gemacht. Ah-ah! Nein. Nicht mehr als meine Position das erforderte. Und trozdem wurden meine Wangen nicht wegen den heißen Kaffee rosig. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Ich beobachtete den Fahrstuhl, bis die Anzeige auf '0' stehen blieb, und musste unwillkürlich grinsen. Tom Miller in Laufschuhen und Funktionskleidung war ein Anblick, den ich gestern Abend nach dem Auftritt der elfenbeinfarbenen Erscheinung namens Farrow Taylor nicht unbedingt vorhergesehen hätte. Aber es ergab Sinn. Farrow hatte die Angewohnheit, Menschen aus ihrer Komfortzone zu katapultieren, ich war das beste Beispiel, manchmal reichte dafür schon ihre bloße Anwesenheit.
      "Frei nehmen? Das klingt fast wie ein Befehl", murmelte ich amüsiert und biss in den nächsten Scone. Die Butter schmolz auf der warmen Krume, und für einen Moment fühlte sich das Leben im Loft beinahe normal an.
      Martha lachte leise und schüttelte den Kopf, während sie das Glas spülte. "Genießen Sie es, Liebes. Wenn ein Miller Ihnen Freizeit schenkt, dann sollten Sie nicht zweimal fragen. Wer weiß, wann der nächste Sturm aufzieht." Oh sie hatte ja keine Ahnung. Martha beobachtete mich mit diesem wissenden, gütigen Blick, den nur Frauen haben, die schon alles in ihren Leben gesehen zu haben schien. "Ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist", wiederholte sie schmunzelnd und räumte Toms Glas weg. Ich wiederum verschluckte mich halb an meinen Scone, als mich unverhofft eine Erkenntnis traf. "Nun ja... in ihn noch nicht...", murmelte ich, wobei meine Stimme fast wegbrach. "Aber ich fürchte, nach gestern ist es nur eine Frage der Zeit." Gestern Abend, als ich ihr Gatsby für das Geschäftsessen übergeben hatte. Ich hatte sie an unser Aussage erinnert, dass sie sich schon keinen der Brüder krallen würde. Ich hatte es fast wie ein Gebet vor mir hergetragen. Sie hatte mich nur mit dieser kühlen, fast schon beängstigenden Ernsthaftigkeit angesehen und gesagt: "Ach Grace... Ich mag zielstrebig sein, aber ich bin nicht blind." Und ihr Lächeln dazu erst... oh nein! ... Naja... Es würde ja irgendwie schon passen aber ich hoffte dennoch inständig, dass ich mich irrte. "Oh my Godness", stöhnte ich laut auf. Das Gewicht der Realität drückte mich förmlich nach unten. Ohne Vorwarnung ließ ich meinen Oberkörper nach vorne sinken und legte den Kopf mit einem dumpfen Geräusch direkt auf die hölzerne Tischplatte. " Nanu? Alles okay, Liebes?", fragte Marthas besorgte Stimme aus dem Hintergrund. "Nein", nuschelte ich gegen das Holz. "Überhaupt nicht." Mein Blick wanderte unwillkürlich wieder zur Treppe."Ich glaube, ich werde den Vormittag nutzen, um die restlichen Backups zu machen", sagte ich zu Martha und erhob mich. "Und vielleicht traue ich mich später doch noch mal kurz an die frische Luft." Ich räumte meinen Teller ab und bedankte mich noch einmal bei Martha für das fantastische Frühstück. Auf dem Weg zurück in mein Zimmer fühlte ich mich merkwürdig unschlüssig. Das 'Frei haben' fühlte sich seltsam an in einem Haus, das niemals wirklich schlief. Als ich an Kyles Zimmertür vorbeiging, hielt ich unwillkürlich inne. Es war absolut still dahinter. Kein Gitarrengeklimper, kein Fluchen, keine Stimmen. Diese Stille war fast lauter als jeder Lärm, den er sonst veranstaltete.
    • Tom

      Es tat gut sich die Füße zu vertreten und ich fühlte mich richtig gut dabei. Sich auszupowern nach all den anstrengenden Tagen war ein tolles Gefühl. Ich sollte es in Erwägung ziehen das öfters zu machen. Meine Lungen brannten zwar ein wenig, nachdem ich wieder unten am Loft angekommen war, aber das war egal. Ich fuhr wieder nach oben und bis auf Martha war niemand zu sehen. "Wie war es?" Sie sah mich lächelnd an. Ich schnappte mir ein Wasser aus dem Kühlschrank und trank es bis zur Hälfte aus "Ja es war sehr gut. Ich danke ihnen für die Nachfrage." Mir lief der Schweiß von der Stirn und ich freute mich auf die Dusche. "Wenn sie noch etwas frühstücke wollen der Tisch ist noch gedeckt." Ich trank den letzten Schluck der Flasche aus und warf sie in den Mülleimer. "Sehr gerne Martha." Ich nickte ihr zu und ging nach oben um eine wohlverdiente Dusche zu genießen.
      Nachdem ich mich frisch gemacht hatte frühstückte ich in Ruhe und scrollte durch Social Media um auf den neusten Stand zu sein. Nicht das ich wegen einer bestimmten Person auf Instagram unterwegs war. Nur aus reiner Neugier, versteht sich.

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      Kyle

      Allmählich wachte ich auf und sah auf mein Handy. Es war schon fast Mittag. Ich fühlte mich heute so gerädert das ich am liebsten im Bett liegen bleiben würde, aber ich wollte gerne den Tag nutzen um an den Song zu schreiben. Ich quälte mich aus dem Bett, machte mich für den Tag fertig und schlüpfte in bequeme Klamotten. Die Vorhänge zog ich auf und ließ die Luft von L.A. in mein Zimmer. Heute schien es ruhiger draußen zu sein, auch wenn L.A. niemals schläft. Auch im Loft war es verhältnismäßig ruhig. Ich steckte meinen Kopf aus der Tür und sah mich nach rechts und links um. Grace schien gerade nicht hier unterwegs zu sein. Ich wollte heute unbedingt vermeiden ihr über den Weg zu Laufen. Ich machte einen Schritt raus und schloss leise meine Zimmertür und ging nach unten. Tom sahs auf dem Sofa mit seinem Tablet in der Hand und sah auf als ich die letzte Treppenstufe hinunterstieg. "Guten Morgen." "Dir auch einen guten Morgen Kyle." Er sah glücklich aus und wirkte anders als sonst. "Du scheinst bisher einen guten Tag zu haben?" Ich lief zum Tisch um noch etwas zu frühstücken. Tom sah über seine Schulter zu mir. "Ich war heute das erste Mal seit langen wieder Joggen." Ich hielt inne und sah ihn überrascht an. "Wow wieso das?" "Mir war mal danach." Er zuckte mit den Schultern und widmete sich wieder seinem Tablet.
      Wieso glaubte ich ihn das nicht? Irgendwas war passiert, er legt sonst nie die Arbeit nieder nur um mal eben Joggen zu gehen... Es war verdächtig. "Ich werde nach dem Frühstück auf die Dachterrasse verschwinden und an einen weiteren Song schreiben." Nun ging mein Bruder sein Kopf wieder hoch. "Das klingt gut. Ich bin gespannt darauf."
      Ich war es auch..
      Das Frühstück war beendete und ich ging wieder nach oben. An Grace Tür hielt ich kurz inne. Vielleicht sollte ich.. Nein.. Ich warf den Gedanken aus meinem Kopf und ging weiter. In meinem Zimmer nahm ich meine Notenblätter und Notizbuch und zog mich auf die Dachterrasse zurück und suchte mir ein schönes schattiges Plätzchen. Mein Blick ging zurück zur Treppe und ich seufzte.. Wieso ließ sie mich nicht los? Sie soll aus meinen Gedanken verschwinden und am Besten auch von hier. Doch wie zum Teufel kann ich sie los werden? Sollte ich sie ignorieren? Ihre Spielchen mitspielen? Sie verachten? Ich wusste es nicht und es bereitete mir Kopfschmerzen. Auch das sie noch nichts zu dem Bild gesagt hat, welches ich zerrissen hatte verwirrte mich. Normalerweise würde sie sofort darauf reagieren und mich mit ihrem britischen Akzent tadeln. Doch bisher blieb das aus. Will sie mich nur damit testen oder welches Spiel spielte sie mit mir? Was es auch war ich werde es eines Tages herausfinden. Es verging eine Weile eh ich meine Gedanken wieder sortiert hatte und mich auf das Song schreiben konzentrieren konnte.
      Die Sonne stand hoch und unter meinem Sonnenschirm war es angenehm warm. Für April herrschten schon wärmere Temperaturen, aber das war in einer Großstadt ganz normal. Ich kam schlussendlich relativ gut voran und machte nun eine Pause.


      Martha machte währenddessen einen selbstgemachten Eistee und stellte zwei Gläser auf ein Tablett. Tom hatte sie schon eins hingestellt. Die anderen beiden trug sie nach oben. Sie klopfte vorsichtig an die Tür von Grace Zimmer. "Miss ich habe hier eine Erfrischung. Wie wäre es wenn sie die oben auf der Dachterrasse genießen? Das Wetter ist herrlich und ein bisschen Sonne könnte ihnen nicht schaden." Sie lächelte Grace zu.
    • Grace

      Ich schreckte leicht auf, als das sanfte Klopfen von Martha die Stille in meinem Zimmer durchschnitt. Mein Laptop-Bildschirm flimmerte vor meinen Augen hunderte von Miniaturansichten, die alle dasselbe Gesicht in verschiedenen Schattierungen von Trotz und Melancholie zeigten. Wie spät war es überhaupt? Hatte ich wieder die Zeit vergessen?
      Ich blickte auf das Glas mit dem selbstgemachten Eistee, in dem die Eiswürfel leise klirrten, und dann zu dem strahlenden Rechteck aus Licht, das durch mein Fenster fiel. Eigentlich wollte ich mich verkriechen. Eigentlich war mein Plan für den "freien Tag', die Welt und vor allem die Bewohner dieses Lofts durch eine digitale Wand aus Pixeln zu betrachten. "Sonne...", murmelte ich und spürte, wie meine Widerstandskraft schwand. "Vielleicht haben Sie recht, Martha. Ein bisschen Vitamin D gegen den Lagerkoller." Ich dankte ihr mit einem müden Lächeln, schnappte mir mein Notizbuch, das alte, abgegriffene Ding, in dem ich Lichtskizzen und Gedanken festhielt und den Eistee. Barfuß, wie ich es am liebsten mochte, schlich ich den Flur entlang. Als ich an Kyles geschlossener Zimmertür vorbeikam, hielt ich unwillkürlich den Atem an, doch dann erinnerte ich mich: Martha hatte gesagt, er sei oben.
      Mein Herz machte einen verräterischen Hüpfer, den ich sofort mit einem strengen mentalen Kopfschütteln unterdrückte. Es ist nur eine Terrasse, Grace. Ein großer, offener Raum. Du nimmst dir einfach eine Ecke weit weg von ihm.
      Als ich die schwere Glastür zur Dachterrasse aufschob, schlug mir die warme Luft entgegen. Es roch nach Freiheit, nach den fernen Abgasen von L.A. und... nach ihm.
      Ich sah ihn sofort. Er saß im Schatten eines großen Sonnenschirms, umgeben von einem Chaos aus Notenblättern und seinem Notizbuch. Er wirkte so konzentriert, so weit weg von dem Mann, der mich provokativ testete wie ein kleines Kind.
      Ich zögerte an der Schwelle. Mein erster Instinkt war es, sofort wieder umzukehren, doch dann straffte ich die Schultern. Professionell bleiben, Grace. Zeig ihm nicht, dass er dich aus dem Konzept bringt.
      Ich steuerte einen Liegestuhl am anderen Ende der Terrasse an, so weit wie möglich von seinem 'Reich' entfernt. Ich setzte mich, schlug mein Notizbuch auf und tat so, als wäre ich vollkommen in die Umgebung vertieft. Ich hörte das Kratzen seines Stifts auf dem Papier, das leise Rascheln der Blätter im Wind. Die Stille zwischen uns war nicht friedlich sie war gespannt wie eine Bogensehne. Silly! Ich nippte an meinem Eistee und starrte auf eine leere Seite meines Buches. Und warum fühlte es sich an, als würde die Sonne auf meiner Haut brennen, obwohl ich im Halbschatten saß?
      Mein Blick war starr auf mein eigenes Notizbuch gerichtet. Nicht auf die Skizzen von Lichtverhältnissen oder Kameraeinstellungen, sondern auf die hintersten Seiten, die ich normalerweise mit größter Vorsicht hütete.
      Das war meine einzige echte Flucht. Der einzige Grund, der stark genug war, um das chaotische Desaster in mir in den Hintergrund zu drängen.
      Mit zitternden Fingern strich ich über die eingeklebten Zettelreste und die handschriftlichen Notizen. Es waren nur Fragmente. Ein Name eines Krankenhauses in London, ein Datum, das mit einem dicken Fragezeichen versehen war, und die Kopie einer alten Geburtsurkunde, auf der die Zeile für den Vater leer blieb und die Mutter nur als halb geschwärzter Balken existierte. Dazu die verblassten Polaroids. Diese Seiten waren mein Anker und mein Fluch zugleich. Sie waren der Grund, warum ich so besessen davon war, die 'Wahrheit' in Gesichtern zu finden ... weil ich meine eigene Wahrheit nie kannte. Ich vertiefte mich in die winzige Schrift, las zum hundertsten Mal die vagen Hinweise zu den Adressen, die ich vor Jahren abgeklappert hatte. Ich versuchte, das Ziehen in meiner Brust zu ignorieren, das jedes Mal entstand, wenn ich das verblasste Polaroid unter meinem Kopfkissen spürte, ohne es anzusehen. "Konzentrier dich, Grace", flüsterte ich mir selbst zu. Doch die Stille der Dachterrasse schien sich um mich zu verdichten. Ich war so versunken in meine eigene, zerbrochene Geschichte, dass ich das leere Kratzen des Stifts hinter mir nicht mehr hörte. In meinem Kopf war ich weit weg von Los Angeles, weit weg von den Millers. Ich war in einer regnerischen Nacht in London, auf der Suche nach einem Gesicht, das meinem ähnlich sah.
      Ein Schatten fiel über meine Seiten. Ich erstarrte. Die Wärme der Sonne auf meinem Nacken wurde plötzlich von einer kühlen Präsenz abgelöst. Ich schlug das Notizbuch nicht sofort zu, vielleicht aus Schock, vielleicht aus einer seltsamen Art von Trotz.
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