Elise
Elise wandte ihr Gesicht dem Anführer zu, der in der Morgensonne leuchtete, als er ihr von dem Pferd erzählte, das er für sie ausgesucht hatte. Lyria. Sie würde sie tragen, in dieser gefährlichen Zeit ihre engste Stütze sein.
Ein flüchtiges Lächeln huschte über Elises Lippen – so selten, dass es kostbar wirkte.
Und in diesem Moment verstand man eine grausame Wahrheit: Man hatte ihr Herz nicht gefroren, um sie zu schützen. Man hatte es getan, um andere vor ihr zu bewahren. Denn selbst dieser Hauch eines Lächelns – ehrlich, sanft, ungeschützt – schien die Macht zu haben, Menschen zu verzaubern. Herzen zu brechen. Leben zu verändern.
Elise selbst wusste es nicht. Aber alle, die es sahen, spürten es.
Für dieses Lächeln würde auch der stärkste Ritter auf die Knie gehen.
"Lyria", wiederholte sie leise, ihre Stimme weicher als sonst. Sie streckte eine Hand aus, ließ ihre Finger über die weiche Schnauze der Stute gleiten. Das Tier schnaubte sanft, als würde es sie verstehen und die Kälte, die von Elises Hand ausging, schlichtweg nicht spüren. Elise konnte sich gut auf Verbindungen mit Tieren einlassen und diese verbarg sie auch nicht. Sie trat Lyria mit einem Maß an Vertrauen und Respekt entgegen, welchen Elise den größten Herrschern dieser irdischen Welt nicht entgegenbringen würde. Mit sanften und vorsichtigen Bewegungen strich sie zärtlich über das weiche Fell des anmutigen Tiers vor ihr, wollte ihr zeigen, dass auch Elise sie mit aller Macht beschützen würde.
"Danke, Arthur." Die Worte kamen leiser als beabsichtigt, aber sie meinte sie. Es war eine kleine Geste – ein Pferd, ausgewählt mit Bedacht – aber es bedeutete mehr, als er vielleicht ahnte. Es bedeutete, dass Er sah sie. Nicht als Werkzeug, nicht als Juwelträgerin, sondern als Mensch.
Als er ihr seine Hand reichte, um ihr in den Sattel zu helfen, zögerte sie nur einen Herzschlag. Dann legte sie ihre kalte Hand in seine warme.
Der Kontrast traf sie stärker als erwartet. Wärme. Wieder diese Wärme, die von ihm ausging wie Sonnenlicht. Ihr Herz zog sich zusammen – eine Warnung oder eine Sehnsucht, sie wusste es nicht.
Sie ließ sich in den Sattel gleiten, geschmeidig und kontrolliert, und löste ihre Hand aus seiner, bevor die Wärme zu viel wurde.
Von oben blickte sie auf ihn herab, die Augenbinde verbarg ihre Augen, aber nicht das leichte Zittern in ihrer Stimme, als sie sprach:
"Ich werde gut auf sie aufpassen." Eine Pause. "Und sie auf mich."
Dann richtete sie ihren Blick nach Norden, wo Viktor wartete. Wo die Kälte sie wieder willkommen heißen würde.
Elises Sinne vernahmen jedes Wort des herzzerreißenden Gesprächs zwischen Guinevere und Lancelot. Ein tiefes Einatmen sollte sie wieder erden, ihr den Verstand zurück in den Körper hauchen, doch es war vergebens.
Sie war kalt. Ihr Herz zu Eis geworden. Und dennoch spürte sie tief in ihrer Brust diesen einen Druck – dieses Verlangen nach etwas Ähnlichem. Es ließ sich nicht verleugnen. Elise wünschte sich, dass auch sie jemand mit dieser Sehnsucht ansah. Wie Guinevere Lancelot in die Augen blickte, als gäbe es nur ihn und sie auf dieser Welt. Wie Lancelot ihren Namen sagte, als wäre er das schönste Gebet, das seine Lippen jemals passieren durften.
Ihre Hand ruhte auf Lyrias Hals, lenkte die Stute sanft zur Seite. Weg von dem Anblick. Weg von dem, was sie nicht ertragen konnte.
Elises Blick – verborgen hinter der Binde, aber spürbar – schien dunkler als zuvor. Tief in ihr brodelte ein Gefühl, gegen das ihr altes Ich mit geballter Kraft ankämpfte: Eifersucht. Neid. Sie sah etwas, das sie niemals haben könnte.
Und doch besaß sie etwas, das niemand ihr nehmen würde – das Nichts. Sie hatte nichts zu verlieren. Und auch sie konnte nicht verloren werden, denn ihre Beziehungen waren rein oberflächlicher Natur. Nur Viktor könnte sie verletzen. Und niemals würde er daran auch nur denken. Das sollte Trost sein. Sicherheit. Warum fühlte es sich dann an wie ein Gefängnis?
Sie war erleichtert, als sie Arthurs feste Stimme zum Aufbruch rufen hörte. Lyria folgte ihm, ritt dicht hinter Arthur. Elise hatte diese Wälder vor einigen Tagen näher kennengelernt, als es ihr lieb war. Doch nun war sie vorbereitet und nicht mehr allein. Sie lauschte dem Rasseln der Blätter in den Bäumen, welche sich immer wieder aufs Neue küssten und sich wieder trennen mussten. Immer und immer wieder führte ihr Blick sie nach vorn, auf ihr Ziel gerichtet - auf den Anführer vor ihr. Sie sah ihn nicht, doch spürte sie seine Anwesenheit stark. Der Wind pfiff leise Lieder, doch blieb es vor ihr warm, denn die Sonne ritt im sanften Trab vor dem Mond. Elise lauschte aufmerksam dem Windspiel der Schatten und hörte dem Wald aufmerksam zu.
Die Luft veränderte sich, sie war anders. Etwas hatte sich getan, doch war es keine Anspannung die Elises Körper ihr zu verstehen gab, keine Gefahr, welche von dieser Bewegung ausging.
Elise konnte hören, wie Arthur sein Pferd antrieb und tat es ihm gleich. Sie ritt in seinem Schatten - sicher und beschützend für was auch immer hinter ihnen auftauchen mag und er erhellte ihr den Weg vor ihr, gewappnet für das, was auf sie wartete.
Elise wandte ihr Gesicht dem Anführer zu, der in der Morgensonne leuchtete, als er ihr von dem Pferd erzählte, das er für sie ausgesucht hatte. Lyria. Sie würde sie tragen, in dieser gefährlichen Zeit ihre engste Stütze sein.
Ein flüchtiges Lächeln huschte über Elises Lippen – so selten, dass es kostbar wirkte.
Und in diesem Moment verstand man eine grausame Wahrheit: Man hatte ihr Herz nicht gefroren, um sie zu schützen. Man hatte es getan, um andere vor ihr zu bewahren. Denn selbst dieser Hauch eines Lächelns – ehrlich, sanft, ungeschützt – schien die Macht zu haben, Menschen zu verzaubern. Herzen zu brechen. Leben zu verändern.
Elise selbst wusste es nicht. Aber alle, die es sahen, spürten es.
Für dieses Lächeln würde auch der stärkste Ritter auf die Knie gehen.
"Lyria", wiederholte sie leise, ihre Stimme weicher als sonst. Sie streckte eine Hand aus, ließ ihre Finger über die weiche Schnauze der Stute gleiten. Das Tier schnaubte sanft, als würde es sie verstehen und die Kälte, die von Elises Hand ausging, schlichtweg nicht spüren. Elise konnte sich gut auf Verbindungen mit Tieren einlassen und diese verbarg sie auch nicht. Sie trat Lyria mit einem Maß an Vertrauen und Respekt entgegen, welchen Elise den größten Herrschern dieser irdischen Welt nicht entgegenbringen würde. Mit sanften und vorsichtigen Bewegungen strich sie zärtlich über das weiche Fell des anmutigen Tiers vor ihr, wollte ihr zeigen, dass auch Elise sie mit aller Macht beschützen würde.
"Danke, Arthur." Die Worte kamen leiser als beabsichtigt, aber sie meinte sie. Es war eine kleine Geste – ein Pferd, ausgewählt mit Bedacht – aber es bedeutete mehr, als er vielleicht ahnte. Es bedeutete, dass Er sah sie. Nicht als Werkzeug, nicht als Juwelträgerin, sondern als Mensch.
Als er ihr seine Hand reichte, um ihr in den Sattel zu helfen, zögerte sie nur einen Herzschlag. Dann legte sie ihre kalte Hand in seine warme.
Der Kontrast traf sie stärker als erwartet. Wärme. Wieder diese Wärme, die von ihm ausging wie Sonnenlicht. Ihr Herz zog sich zusammen – eine Warnung oder eine Sehnsucht, sie wusste es nicht.
Sie ließ sich in den Sattel gleiten, geschmeidig und kontrolliert, und löste ihre Hand aus seiner, bevor die Wärme zu viel wurde.
Von oben blickte sie auf ihn herab, die Augenbinde verbarg ihre Augen, aber nicht das leichte Zittern in ihrer Stimme, als sie sprach:
"Ich werde gut auf sie aufpassen." Eine Pause. "Und sie auf mich."
Dann richtete sie ihren Blick nach Norden, wo Viktor wartete. Wo die Kälte sie wieder willkommen heißen würde.
Elises Sinne vernahmen jedes Wort des herzzerreißenden Gesprächs zwischen Guinevere und Lancelot. Ein tiefes Einatmen sollte sie wieder erden, ihr den Verstand zurück in den Körper hauchen, doch es war vergebens.
Sie war kalt. Ihr Herz zu Eis geworden. Und dennoch spürte sie tief in ihrer Brust diesen einen Druck – dieses Verlangen nach etwas Ähnlichem. Es ließ sich nicht verleugnen. Elise wünschte sich, dass auch sie jemand mit dieser Sehnsucht ansah. Wie Guinevere Lancelot in die Augen blickte, als gäbe es nur ihn und sie auf dieser Welt. Wie Lancelot ihren Namen sagte, als wäre er das schönste Gebet, das seine Lippen jemals passieren durften.
Ihre Hand ruhte auf Lyrias Hals, lenkte die Stute sanft zur Seite. Weg von dem Anblick. Weg von dem, was sie nicht ertragen konnte.
Elises Blick – verborgen hinter der Binde, aber spürbar – schien dunkler als zuvor. Tief in ihr brodelte ein Gefühl, gegen das ihr altes Ich mit geballter Kraft ankämpfte: Eifersucht. Neid. Sie sah etwas, das sie niemals haben könnte.
Und doch besaß sie etwas, das niemand ihr nehmen würde – das Nichts. Sie hatte nichts zu verlieren. Und auch sie konnte nicht verloren werden, denn ihre Beziehungen waren rein oberflächlicher Natur. Nur Viktor könnte sie verletzen. Und niemals würde er daran auch nur denken. Das sollte Trost sein. Sicherheit. Warum fühlte es sich dann an wie ein Gefängnis?
Sie war erleichtert, als sie Arthurs feste Stimme zum Aufbruch rufen hörte. Lyria folgte ihm, ritt dicht hinter Arthur. Elise hatte diese Wälder vor einigen Tagen näher kennengelernt, als es ihr lieb war. Doch nun war sie vorbereitet und nicht mehr allein. Sie lauschte dem Rasseln der Blätter in den Bäumen, welche sich immer wieder aufs Neue küssten und sich wieder trennen mussten. Immer und immer wieder führte ihr Blick sie nach vorn, auf ihr Ziel gerichtet - auf den Anführer vor ihr. Sie sah ihn nicht, doch spürte sie seine Anwesenheit stark. Der Wind pfiff leise Lieder, doch blieb es vor ihr warm, denn die Sonne ritt im sanften Trab vor dem Mond. Elise lauschte aufmerksam dem Windspiel der Schatten und hörte dem Wald aufmerksam zu.
Die Luft veränderte sich, sie war anders. Etwas hatte sich getan, doch war es keine Anspannung die Elises Körper ihr zu verstehen gab, keine Gefahr, welche von dieser Bewegung ausging.
Elise konnte hören, wie Arthur sein Pferd antrieb und tat es ihm gleich. Sie ritt in seinem Schatten - sicher und beschützend für was auch immer hinter ihnen auftauchen mag und er erhellte ihr den Weg vor ihr, gewappnet für das, was auf sie wartete.

