❦Das Herz der Welt❦ [☾Rou✧Nim☽]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • ❦Das Herz der Welt❦ [☾Rou✧Nim☽]



      ❦Das Herz der Welt❦

      Vorgeschichte
      In den Ewigen Himmelsgärten, wo Mond und Sonne wie Spiegel einander betrachteten, wachten die beiden Himmelsgötter: die strahlende Mondgöttin Selene und der feurige Sonnengott Helios, Hüter des Herzens der Welt. Dieses Artefakt war das pulsierende Zentrum des Märchenreichs, das Länder, Meere und alle Erzählungen verband. Zu den Schätzen der Götter gehörten zwei kostbare Juwelen: das silberne der Mondgöttin, sichtbar nur im Schutz der Nacht, und das goldene des Sonnengottes, flammend und unbezähmbar.Doch ein tiefer Zwist entzündete sich zwischen Helios und Selene, und dieses zerreißende Grollen riss auch ihre Wächter entzwei. So spalteten sich ihre Reihen zu den Aurea Custodia, der goldenen Wacht des Sonnengottes, und dem Lunaris Veil, dem silbernen Schleier der Mondgöttin. Die unerfüllte Einheit ließ das Märchenland seinen kosmischen Rhythmus verlieren, und mit den Jahren wurden die Geschichten dieser Lager zum flüchtigen Schatten eines alten Mythos.

      Einst, kurz nach dieser Zeit, war eine unschuldige Prinzessin gefangen in einem Turm an der Grenze der Welt. Ihr kleines, nebelumhülltes Reich war unerreichbar, verstummt wie das Echo, das zu Staub zerfiel. Doch in einer mondklaren Nacht durchbrach ein Strahl die dichten Mauern und offenbarte ein uraltes, lebendiges Buch. Als die Prinzessin das Buch öffnete, hauchten Nebelwölfe aus vergessenen Träumen ihren Namen in die Luft, und im Einband spiegelte sich ihre wahre Gestalt – eine Königin, geboren aus dem Verlangen, gesehen zu werden.Sie schwor, die Reiche der glücklichen Enden zu stürzen, nicht aus Bosheit, sondern aus tiefem Verlangen, das Verlorene sichtbar zu machen und das Vergessene zu ehren. Aus dem Riss in der alten Ordnung nährten sich fortan die Nebelwölfe – Schatten, geboren aus unsichtbarer Trauer –, die um das Märchenland krochen, um alles zu verschlingen.

      Hauptgeschichte
      Viele Jahre vergingen und die Dunkelheit wuchs. Erst ein Jahrhundert nach der Spaltung traten zwei Gestalten hervor, Erben von Flamme und Frost: ein junger Mann names Arthur, bestimmt, das Schwert aus dem Stein zu ziehen, das Banner der Aurea Custodia zu führen und zum Heldenkönig zu werdende, und Elise, Tochter der Schneekönigin, Bewahrerin des silbernen Juwels und Anführerin des Lunaris Veil.
      Ihre Wege waren getrennt, der Zwist tief, doch die Zeit rief nach ihrer Versöhnung.
      Die Lage verschlechterte sich, als die Kinder des Silbers verschwanden und die Mädchen der Mondtgöttin einen vergeblichen Kampf führten. Die verwundete Elise erschien stumm vor dem Lager der Aurea Custodia, ein stiller Ruf nach Hilfe, geboren aus reinster Not.

      Um das Märchenreich zu retten und die letzten Prüfungen zu bestehen, müssen Arthur und Elise ihren tief verwurzelten Zwist überwinden. Nur wenn Gold und Silber, Licht und Schatten sich vereinen, werden Herz und Juwelen wieder pulsieren und das Land von den Nebeln der Vergessenheit erlöst werden. So lebt die Geschichte weiter – ein Märchen von Zwist, Verrat und Hoffnung, von der Sehnsucht nach Einheit und dem goldenen Wunsch, niemals vergessen zu werden.


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nimue ()

    • Arthur

      ༶•┈┈⛧┈♛ ♛┈⛧┈┈•༶
      Am Fuße der heiligen Eiche, dort, wo ihr Schatten wie flüssiges Gold über die Erde rann, lag das Heiligtum der Aurea Custodia. Zwischen Stein und Sonne lebten die Wächter, schlicht, aber mit stolzem Herzen. Sie schliefen in Zelten aus hellem Leinen, tranken Wasser aus dem Quellbecken und begannen jeden Tag mit einem Gebet an das Licht, das niemals erlöschen sollte.
      Wenn der Morgen kam, erwachte das Lager wie ein lebendiges Lied.

      Feuer knisterten, Hämmer klangen, junge Stimmen übten ihre Gelübde. Der Duft von Brot, Metall und frischen Kräutern mischte sich in der Luft. Über allem rauschte die Eiche, und ihre Blätter schimmerten, als hielten sie das Echo vergessener Sonnen in sich. Arthur beobachtete das Treiben in Stille. Noch immer fühlte er sich fremd in dieser Rolle ...der Anführer, der Träger des goldenen Juwels. Es hing an seiner Brust wie ein Herz, das nicht ganz das seine war, warm und schwer zugleich. Manchmal fragte er sich, ob er das Licht führte ....oder ob das Licht ihn führte. Guinevere, eine junge blonde Schönheit, fand ihn dort, wo das erste Sonnenlicht den Boden berührte. "Du siehst aus, als würdest du die Sonne befragen." sagte sie mit einem Lächeln, das die Müdigkeit des Morgens vertreiben konnte. "Und sie schweigt wie immer." antwortete er. "Vielleicht, weil du die Antwort längst kennst." Sie trug einen Korb voller Kräuter, die nach Minze und Honig dufteten, und setzte sich neben ihn. Ihre Hände, so fein wie geschliffenes Glas, begannen, die Blätter zu sortieren. In ihren Bewegungen lag Ruhe, in ihrem Blick das Feuer derer, die glauben wollten. "Lance sucht dich." sagte sie schließlich. "Er behauptet, du hättest ihm versprochen, zu den neuen Wächtern zu sprechen." Arthur seufzte leise. "Ich erinnere mich. Leider." Kaum hatte er die Worte gesprochen, erschien Lancelot schon, die Rüstung leicht angelaufen vom Morgentau. Sein Gang war sicher, sein Blick wachsam, und doch lag in seinem Gesicht jene stille Freundlichkeit, die er nie zeigen wollte. "Da seid ihr beide!" sagte er. "Der Tag hat kaum begonnen, und ihr findet schon Zeit für Pausen. Einige von uns arbeiten." Guinevere grgrinste "So? Einige von uns tun beides." Lancelot schnaubte leise, und Arthur musste lachen ein seltenes, ehrliches Lachen, das selbst den Wind zu heben schien. So lebten sie, zwischen Licht und Pflicht, zwischen Scherz und Schweigen. Sie kannten das Leid der Welt, doch in diesen goldenen Stunden war es fern, wie ein Schatten jenseits der Hügel.
      Doch manchmal, wenn Arthur sie so sah ... Guinevere, die ihm strahlend hell zu lächelte, und Lancelot, der sie unauffällig mit dem Blick suchte, legte sich eine sanfte Wehmut auf sein Herz. Es war kein Neid, kein bitterer Schmerz. Eher das stille Wissen, dass zwischen ihnen etwas lebte, das ihm verwehrt blieb. Eine Wärme, die er verstand, aber nie empfangen würde. Er liebte sie beide auf seine Weise - als Freunde, als Spiegel seiner besten Seiten. Und vielleicht war das genug. Vielleicht musste er lernen, dass manche Lichtstrahlen nicht jedes Antlitz erreichten.

      Später, als die Sonne höher stieg, versammelten sich die Wächter unter der Eiche. Sie warteten auf Arthur, ihren Anführer, ihren Träger des Lichts. Er fühlte das Gewicht ihrer Blicke, und das Juwel auf seiner Brust pochte im Takt seines Herzens. Guinevere trat an seine Seite "Sie brauchen kein großes Wort, Arthur. Nur von dir gesehen zu werden." flüsterte sie leise. Lancelot legte ihm die Hand auf die Schulter, fest, verlässlich. "Sprich aus dem Licht, nicht über es." Arthur nickte. Für einen Moment schien alles still, selbst die Eiche schwieg. Er trat vor, den Blick zum Himmel gerichtet, bereit, das Herz der Sonne zu beschwören.
      Doch ehe er den Mund öffnete, zog ein kühler Wind durch das Lager. Das goldene Licht flackerte, und der Nebel begann, über den Pfad herabzusteigen. Zwischen den Bäumen erschien eine Gestalt, schlank und fremd, in Silber gehüllt. Die Wächter murmelten, und Arthur spürte, wie das Juwel an seiner Brust zu glühen begann - warm, dann brennend. Er hob den Kopf. Und sah sie. Eine Frau, wie aus Mondlicht gewebt. Das Schweigen der Eiche wurde vollkommen. Denn das Licht des Tages hatte soeben sein Gegenstück gefunden.

      ༶•┈┈⛧┈♛ ♛┈⛧┈┈•༶

      Die heilige Eiche & das Heiligtum der Aurea Custodia:
    • Elise

      Elise ruhig in der kleinen Kutsche und hielt einen neuen Roman aus einer anderen Stadt in der Hand.
      Ihr war es nach einem Ausritt gewesen, wollte die sicheren Mauern ihres Gemachs wenigstens heute verlassen dürfen. Ihr Bruder stellte die Bedingung, dass sie mit der Kutsche zu reisen habe. Das Reiten allein war ihr verwehrt – sie nahm es hin. Schließlich hatte sie nicht vor, ihren Bruder unnötig zu verunsichern.
      Sie hatte das Buch schon einige Male zu lesen begonnen, jedoch erweichte es ihr Gemüt so sehr, dass sie befürchtete, sie könnte dadurch verwundet werden. Doch heute fühlte sie sich sicher! Sie könnte heute einige Seiten weiterlesen, ohne Bange vor ihren Gefühlen.
      Die Worte auf den Seiten verschwammen zu einem sanften Rhythmus, ihre Finger glitten über das vertraute Papier. Draußen zogen die eisigen Wälder des Lunaris Veil vorüber, ihre Heimat, kalt und schön wie ein Traum aus Kristall. Die Sonne setzte langsam ihre Segel, und der Mond begann, am Himmel zu erscheinen. In ihrem stolzen Silber erhellte die Mondgöttin das Gebiet der Lunaris Veil.
      Respektvoll legte Elise ihr Buch beiseite und kniete sich vor die kleinen Fenster der Kutsche. Sie faltete sanft ihre Hände ineinander und ließ ihre verhüllten Augen, verborgen hinter der silbernen Binde, in die Richtung des Mondlichts wandern. Auch wenn sie es nicht sehen konnte, spürte sie seine Präsenz, kühl und tröstend wie eine Umarmung.
      Leise ertönte Elises sanfte Stimme:

      Selene, Herrin der stillen Nacht,
      Hülle mich ein in dein kaltes Licht.
      Was das Feuer verbrennt, bewahrt dein Frost.
      Schenk mir Stärke, vergiss mich nicht.

      Sie holte Luft, um ein Schutzgebet für den Lunaris Veil auszusprechen, als ein eisiger Schauer durch ihren Körper fuhr. Die Luft veränderte sich – wurde dichter, schwerer, als würde etwas Unsichtbares den Atem der Welt abschnüren.
      Die Kutsche ruckte abrupt zum Stehen. Elise verlor das Gleichgewicht und rutschte von ihrem Sitz. Ihre Hand griff instinktiv nach der Wand, um sich abzufangen.
      „Herr Takanov?“, rief sie leise und klopfte wie gewohnt nur sehr leicht gegen die Kutschenrückwand - keine Antwort.
      Sie erhob sich aufmerksam und lauschte einen Moment lang mit ihren geschärften Sinnen an der Kutschentür.

      Stille. Pure Stille. Als hätte etwas das Anwesen verschluckt und wartete nur geduldig darauf, auch Elise in sein riesiges Maul zu locken. Sie zu verschlingen und die Kinder des Mondes ein für alle Mal auszulöschen! Aber was könnte es gewesen sein? Welches Monster könnte darauf warten, den Lunaris Veil zu gefährden. Wer wolle der Mondgöttin schaden wollen? Wer würde-…?

      Aurea Custodia!, überkam es Elise innerlich, als sie nach der kühlen Klinke der Kutschentür griff und sie sich ihren Weg auf den eisigen Boden bahnte. Die aufgewühlte Erde unter ihr war gefroren und glitzerte. Elise wusste genau, wie ihre Umgebung aussah. Sie konnte die Schönheit ihrer Heimat hören, wie jeder Schritt unter ihren Stiefeln knirschte. Mit Hast eilte sie zu ihrem altvertrauten Kutscher, ein gutherziger und warmer Mann inmitten des Schnees. Leise wimmerte er den Namen seiner geliebten Mondgöttin, rief hauchend nach seiner Prinzessin. Seine Brust war warm, feucht und sein Atmen war flach.
      „Herr Takanov…“, sprach Elise behutsam. Ihre Hand auf seinem Arm, übersaht von seinem Blut. Dies sollten seine letzten Atemzüge werden.
      „Prinzessin…“, keuchte er mit rauer Stimme.
      „Die Wölfe…“, sprach Takanov zu ihr, bevor er seine Augen für alle Ewigkeit schließen sollte.
      Ganz tief in ihr wusste sie, dass sich Trauer in ihr verbarg, doch spürte sie sie nicht.
      Sie eilte los, rief nach ihrem Bruder, doch war er nirgends zu finden.
      Ihre alten Rivalen waren also nicht der Grube für das Verschwinden ihrer Mädchen? Niemals würden die Nebelwölfe im Sinne der Aurea Custodia handeln! Der silberne Juwel vor ihrer Brust fühlte sich schwach an, verletzt und traurig. Sie musste etwas tun, so schnell wie es ihr nur möglich war! Sie muss die Mädchen und ihren Bruder wiederfinden.
      Elise hielt einen kurzen aufmerksamen Moment inne und verschnaufte, um ihre Gedanken zu sortieren, sah in den verschleierten Himmel.
      Der Nebel setzte ihr zu, ihr war schwindelig geworden und der Mond leuchtete nur schwach.
      Ihr Atem wurde immer schwerer, ihr Hals schnürte sich immer enger zu, als würde ihr jemand eine Schlinge um den Hals ziehen.
      Ihre Sicht verschwamm vor ihr, nur Schatten blieben, die vor ihren Augen flimmerten.

      War sie etwa bewusstlos geworden? Sie sah sich um, es war helllichter Tag. Wo war sie? Diese Umgebung war ihr neu. Instinktiv rannte sie, auch wenn ihre Beine bereits Feuer fingen. Jede Faser in ihr brannte, doch sie konnte nicht stehenbleiben. Die klaffenden Wunden sendeten ihr einen unaufhaltsamen Schmerz durch den ganzen Körper. Um sie herum Helligkeit, die Elise durch die Augenbinde einen neuen Eindruck schenkte. Sie wusste, dass sie es bereuen würde und ihr Bruder es für unverzeihlich halten würde, doch er würde verstehen. Mit zitternden Händen nahm sie das weiche Tuch von ihren Augen. Einen Moment lang benötigten ihr heller Blick um sich an das Licht und die Wärme zu gewöhnen, ehe sie verstand, wohin sie ihre Kraft geleitet hatte.

      Sie sah einem Mann direkt in die Augen. Das Juwel vor ihrer Brust wurde kalt, aber es füllte sich mit neuer Energie. Sie spürte, dass diese Juwelen einst vereint waren und sie nun nach langem Zwist wieder ihre gemeinsame Stärke spürten. Elises Blick starr auf ihn gerichtet, jedoch nicht gefüllt von Hass und Zorn. Es wirkte schon fast so, als würden sich ihre Gedanken in dem Anblick des Anführers verirren und trotz aller Legenden und Gerüchte, stand er da, noch immer warm und noch nicht zu Eis gefroren.
      Sie öffnete ihre Lippen, doch nur ein eisiger Hauch passierte diese und manifestierte sich in kaltweißem Nebel.
      Elise sank hilflos zu Boden. Stunm und ohne ein Wimmern lag sie wie leichte Beute da - die herzlose Anführerin des Lunaris Veil.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von DeeplyRouge ()

    • Arthur

      Der Nebel hatte sich zu einem dichten Schleier verdichtet, als hätte der Tag selbst den Atem angehalten. Arthur stand noch immer unter der Eiche, doch sein Blick folgte längst der fahlen Bewegung, die aus dem Grau trat. ihr Blick traf seinen - klar und still, ein Flimmern von Eis und Glut zugleich. Für einen endlosen Herzschlag schien alles zu verstummen: kein Wind, kein Laut, nur dieser Moment, in dem zwei Kräfte einander erkannten. Es war, als blickten Sonne und Mond sich zum ersten Mal wieder an. Arthur hielt inne. In ihrem Antlitz lag keine Furcht, keine Feindseligkeit ...nur Erschöpfung und Würde. Er spürte, dass sie eine Trägerin war, wie er selbst. Zwei Auserwählte, verbunden durch Juwelen, die von demselben Ursprung erzählten. "Sie ist gefallen." flüsterte Guinevere leise und wollte vorlaufen, doch Lancelot hielt sie zurück. Sein Griff war fest, fast fordernd. "Nicht so nah." warnte er. "Wir wissen nicht, wer sie ist. Oder was sie bringt." Arthur spürte das Pochen des goldenen Juwels an seiner Brust, rascher nun, wie ein zweites Herz. Es vibrierte, als würde es nach der Frau rufen, die dort im Gras lag, blass wie aus Mondlicht gewebt. Guinevere legte die Hand an ihre Brust. "Siehst du es auch?"
      Arthur nickte kaum spürbar. "Ja. Ihre Kraft stammt vom selben Licht nur aus einem anderen Himmel." Er machte einen zögernden Schritt nach vorne, das Licht seiner Rüstung schwebend auf den Nebel gelegt. Seine Hand hob sich, doch er ließ sie sogleich sinken. Er sollte eine fremde Maid nicht einfach berühren dachte er beinahe schuldbewusst. "Ich bin ein Fremder. Und sie verdient Achtung und Hilfe kein Übergriff." Guinevere sah ihn milde an, dann kniete sie sich neben die Frau. "Wie du willst. Ich helfe ihr." Ihre Bewegungen waren behutsam, als trage sie einen Hauch der Dämmerung in den Händen. Elise atmete schwer, die Lippen halb geöffnet. In dem Moment, als Guineveres Finger ihre Schulter stützten, flackerte das silberne Juwel an Elises Brust. Ein kaltes, reines Licht entströmte ihm, das sich sogleich mit dem goldenen Leuchten Arthurs vermischte. Die beiden Strahlen tanzten aufeinander zu, als würden sie einander erkennen ein uraltes Erinnern, das kein Mensch verstand. Arthur beobachtete es, innerlich erschüttert. "Sie gehört zum selben Band." flüsterte er. "... Wir sind beide Träger desselben Schwurs." Lancelot trat näher, seine Stimme tief und misstrauisch "Eine Lunaris Veil? Dann sei vorsichtig. Solche Bande können auch Ketten sein." Arthur schätze das Wort seines Freundes zu sehr um die Warnung einfach aus zu schlagen und doch... wollte er dieser Fremden einen Bruchteil seines Vertrauens schenken. "Oder Brücken. Und bis wir es wissen, gewähren wir ihr die Gnade, die jedes Licht verdient." Guinevere blickte auf. "Sie lebt - schwach, aber sie lebt." Arthur nickte. "Dann bringen wir sie unter die Eiche. Sie soll sprechen, wenn sie die Kraft dazu hat. Vielleicht trägt sie Worte, die uns allen bestimmt sind." Lancelot schnaubte leise. "Und wenn sie Gefahr bringt?" Arthur sah ihn an, sein Ausdruck fest wie gebändigte Flamme. "Dann wird das Licht uns warnen. Doch jetzt schulden wir ihr eine Chance." Er nahm seinen Mantel, legte ihn über Elises Schultern. Das Gold und das Silber trafen sich auf dem Stoff, und für einen flüchtigen, wundersamen Moment schien die Luft zwischen ihnen zu leben ...wie der erste Atemzug einer neuen Sonne, geboren aus Licht und Frost.
    • Elise

      Sie fühlte sich schwach und hilflos, wie sie dort lag. Vor einem völlig fremden Volk, an einem fremden Ort. Immer wieder wurde ihr schwarz vor Augen. Elise fürchtete sich nicht vor den Menschen, nur die Bewusstheit über eigene Mortalität und Vulnerabilität ließen sie innerlich seufzen. Sie wär enttäuscht von sich, ein Gefühl das ihr sehr wohl bekannt ist.

      Ihr Gehör litt jedoch nicht unter den Verletzungen. Sie schloss ihre Augen, hörte den Unbekannten zu. Sie sprachen über sie - hilfsbereit, skeptisch, freundlich, dann wieder Skepsis. Die Menschen hier waren sich untereinander nicht einig, wie sie über das blasse Mädchen denken sollten.
      Sie spürte eine zarte Hand an ihrer Schulter, feminin und behutsam, doch blieben ihre Augen geschlossen. Sie zuckte nicht, blieb aber weiterhin stumm. Das Juwel vor ihrer Brust verhielt sich dennoch gänzlich gegensätzlich zu seiner Hüterin.
      Elise konnte ihren Körper nicht bewegen, beobachtete jedoch genau vor ihren geschlossenen Augen im tiefen Schwarz, wie Gold und Silber miteinander tanzten, sich wiedererkannten als wären sie zwei sich Liebende. Er war es also wirklich. Dem ersten fremden Menschen, dem Elise seit Jahren das erste Mal einen Augenblick geschenkt hatte, war der Hüter des goldenen Juwels.
      Sie vernahm etwas Wärme und das Gewicht eines festen Stoffes auf ihren Schultern. Zudem ein Duft. Es roch…?Süß, aber dennoch maskulin. Der Geruch war angenehm und lenkte Elise für einen Moment von ihren eigenen Sorgen und Gedanken ab. Es war ein Moment der Klarheit. Nur einige Sekunden schwelgte sie nur in ihren Geruchssinn, ließ die einzelnen Noten auf sich wirken. Noch nie zuvor hatte sie etwas Vergleichliches zu Geruch bekommen. Nur diesen kurzen Moment schenkte sie sich selbst, ehe sie aus ihrer Ohnmacht gezogen wie ein aufgescheuchtes Tier aufschreckte und so tief Luft holte, dass es ihr etwas schwindelig wurde.
      Elise riss ihre Augen auf und sie sah die große Eiche über sich. Ein unbeschreiblich schöner Anblick, der sie kurz in seinen Bann zog.
      „Viktor…“, lief es ihr über die Lippen. Sie schüttelte den Kopf, setzte sich keuchend auf, sah jedoch niemanden an. War es Selbstschutz?
      „Mein Bruder…Meine Mädchen…“, flüsterte sie leise, ihre Stimme sanft, aber so ungewöhnlich voller Sorge. Die Erzählungen und Gerüchte malten ein herrisches und tyrannisches Bild von dem blassen Mädchen. Ihr Auftreten war kalt und unnahbar, das war wohl wahr. Dennoch - Sie war noch immer ein Mädchen, ihre Bewegungen fließend und feminin und ihre Statur zierlich, vielleicht jedoch etwas kränklich.
      „Lunaris Veil ist in Gefahr!“, sprach sie bestimmt, aber nicht fordernd. „Auch Ihr seid in Gefahr“, warnte sie, bevor Elise fortfuhr. Beruhigend, dennoch mit wenig Emotionen hallte ihre Stimme: „Ich bin nicht hier um Euch zu schaden! Ich bin allein, meine Mädchen verschollen. Unser Mondreich wurde von Nebelwölfen bedroht“.

      Sie stützte sich mühsam auf und setzte sich vorsichtig auf die Knie, ihre Hände auf diesen abgelegt und den Kopf sanft auf den verwurzelten Boden der Eiche gesenkt.
      „In meiner Ohnmacht führte mich die Kraft des Mondjuwels her und im Namen unserer Göttin bitte ich, Elise Belyova, den Anführer des Aurea Custodia um Hilfe“. Elise erhob sich nicht. Ehrfürchtig und respektvoll vor der heiligen Eiche blieb sie verbeugt.

      Das eiserne Abbild der Eisprinzessin ohne Herz fing zu splittern an.
    • Arthur

      Der Braunhaarige kniete unter der alten Eiche und betrachtete die Fremde. Sie lag leicht zurückgelehnt, blass wie aus Mondlicht gewebt, das silberne Juwel an ihrer Brust pulsierte leise, als würde es auf sein eigenes, goldenes Herz antworten. Sie wirkte gleichzeitig stark und verletzlich, eine Anführerin und doch in diesem Moment beinahe wie ein Kind. Er konnte den Stolz in ihrer Haltung sehen, die Würde, die selbst in der Ohnmacht nicht erloschen war und gleichzeitig die Verlorenheit, die jeden unvorbereiteten Menschen ergreifen würde. Elise Belyova… so hatte sie sich genannt, Führerin der Lunaris Veil, Hüterin eines anderen Lichtes. Arthur spürte die Bande seiner eigenen Pflicht. Die Verantwortung, die ihm als Anführer der Aurea Custodia oblag, wog schwer auf seinen Schultern. Jeder Mensch, der unter dem Banner des Sonnengottes Helios lebte, vertraute ihm, und jeder unbedachte Schritt konnte nicht nur ihn, sondern sie alle in Gefahr bringen. Und doch… wollte er helfen, wollte sich vorlehnen, sie einfach stützen, das Wasser reichen, sie wärmen.

      Lancelot stand einige Schritte entfernt, kühl und aufmerksam. Jeder Muskel seines Körpers war angespannt, die Augen scharf auf die Juwelenträgerin gerichtet. Er sprach wenig, doch seine Präsenz sagte alles: Pflicht über Emotion, Beobachtung über Mitgefühl. Er wartete auf das Zeichen von Arthur, doch bereit, sofort einzugreifen, wenn Gefahr drohte. Die klare Linie zwischen Verantwortung und Gefahr, die Lancelot unerschütterlich zog, erinnerte Arthur daran, dass es mehr als nur Mitgefühl brauchte, um zu handeln. Guinevere hingegen bewegte sich leise, die Hände bereit, Wasser oder Nahrung zu reichen. Ihr Blick ruhte auf Elise, voll Mitgefühl, voll leiser Dringlichkeit. Sie wollte helfen, wollte die Not lindern, doch wusste sie ebenso, dass das letzte Wort Arthur gehörte. Und doch schien jede Faser von ihr zu rufen Sie kann nicht warten - sie braucht uns jetzt. Der junge Anführer spürte den Zwiespalt tief in sich aufsteigen. Er wollte als Mensch helfen, wollte die Hand ausstrecken, sie trösten, sie stützen und doch lastete die Verantwortung der Anführerrolle schwer auf ihm. Ein kurzer Zweifel schnürte ihm die Brust zusammen: Wenn er zu impulsiv handelte, riskiere er das Wohl aller. War er wirklich bereit, über Leben und Sicherheit zu entscheiden?

      Er atmete tief ein und zwang sich, die Unsicherheit zu bannen. Die Juwelen pulsierten, das Licht flackerte in einer Harmonie, die nur Träger wie sie spüren konnten. Ein Funken von Entschlossenheit zuckte durch ihn. Dies war kein Moment für menschliche Unentschlossenheit. Dies war ein Moment, in dem er standhalten
      musste - nicht als Arthur, nicht als Mann, nicht als Ritter oder gar als Mensch der helfen wollte, sondern als Arthur Pendragon, Anführer der Aurea Custodia. Enrschlossen richtete sich der Recke auf, die Schultern gerade, den Blick fest auf Elise gerichtet. Seine Stimme war ruhig, bestimmt, getragen von der Autorität, die das Banner des Sonnengottes ihm verlieh. "Elise Belyova. Ihr seid verwundet, erschöpft, doch werdet Ihr nicht allein bleiben. Wir werden Euch helfen, eure Kraft wiederzufinden ....unter dem Schutz unseres Lichts." Guinevere atmete hörbar auf, ein stilles Nicken in seinen Rücken, und ließ das Wasser näher rücken. Lancelot entspannte einen Bruchteil, die Haltung kühl, doch das Misstrauen und die Wachsamkeit blieben er würde jede Bewegung prüfen, jeden Atemzug der Fremden, als sei es eine Schlacht, die im Nebel tobte. Arthur spürte die Augen aller Anwesenden auf sich ruhen die neuen Wächter, die Bewohner des Heiligtums, Guinevere, Lancelot. Und für einen Moment schien alles stillzustehen, nur das Pulsieren der beiden Juwelen, das leise Licht, das sich in der Morgendämmerung ausbreitete, bestätigte ihm: Dies war der richtige Weg. Pflicht und Mitgefühl konnten einander überbrücken. Als Anführer würde er handeln - stark, entschlossen, menschlich, aber immer bedacht. So wie es auch seine Vorgänger getan hatten.

      Ein leises Raunen ging durch die Reihen der Aurea Custodia. Erst war es nur ein Flüstern, ein unsicheres Rufen zwischen den Nebelschleiern, dann wuchs es zu einem gedämpften Murmeln an, wie das Rascheln von Blättern vor einem aufziehenden Sturm. Die Menschen rückten enger zusammen. Einige schauten ängstlich zu der Fremden, andere voller Neugier oder gar Ehrfurcht. Worte fielen - "Lunaris Veil… sie ist von dort?" - "Ein Juwel wie das des Anführers…" - "Wenn selbst ihre Welt fällt, was bedeutet das für uns?" Der Braunhaarige hörte sie alle. Ihre Stimmen hallten in ihm nach, wie ferne Echos seiner eigenen Gedanken. Angst. Hoffnung. Zweifel. Die Menschen suchten Führung ... und fanden ihre Blicke unweigerlich auf ihm ruhen. Er spürte den Druck dieser Erwartung, das Gewicht von Hunderten Augenpaaren, die auf ihn gerichtet waren. Für einen Atemzug wünschte er sich nichts sehnlicher, als dass Undine an seiner Seite stünde, mit ihrer klaren, unerschütterlichen Ruhe ...oder Merlin, dessen Rat stets die Richtung gewiesen hatte, wenn Dunkelheit über das Land kroch. Doch keiner von beiden war hier. Nur er. Arthur Pendragon.

      Er atmete tief durch. Der Nebel hatte sich gelichtet, gerade so weit, dass die ersten Strahlen der Morgensonne durch die Äste der alten Eiche fielen. Goldenes Licht brach über ihn herein... sanft, beinahe feierlich und er wusste, dass er jetzt sprechen musste. Er trat einen Schritt vor, die Stimme ruhig und klar, getragen vom Klang der Sonne selbst "Hört mich, Wesen des Lichts. Fürchtet euch nicht." Das Murmeln verebbte. "Diese Frau kam nicht als Feindin zu uns. Sie ist gefallen, ja ... doch sie trägt das Licht in sich, wie wir es tun. Und solange es Licht gibt, gibt es Hoffnung. Was immer in den Nebeln des Nordens lauert, wir werden ihm begegnen vereint, wachsam, treu dem Schwur, den wir alle geleistet haben." Ein Strahl der Sonne fiel auf sein goldenes Juwel, ließ es in hellem Glanz aufleuchten, als bestätige Helios selbst seine Worte. "Wir sind die Aurea Custodia, die Wächter des Tages. Wir schützen nicht nur uns, sondern auch die, die das Licht suchen. So hat es Helios gewollt, und so wird es bleiben." Langsam löste sich die Spannung in den Gesichtern.
      Das Flüstern wurde leiser, der Atem ruhiger. Einige nickten, andere legten die Hand an die Brust, über ihr eigenes Zeichen des Sonnengottes. Die Menschen beruhigten sich, einer nach dem anderen. Der morgendliche Wind trug die letzten Reste des Nebels fort, als hätten Arthurs Worte selbst ihn zerstreut. "Geht nun." fuhr er fort, die Stimme milder. "Der Tag wartet. Unsere Felder brauchen Hände, unser Heiligtum euren Glauben. Wir werden beraten, was zu tun ist ... aber jetzt kehrt zurück in eure Aufgaben." Langsam zerstreuten sich die Menschen, flüsternd, doch nun mit ruhigeren Herzen.

      Der junge Mann wandte sich zu Lancelot, der noch immer unbewegt dastand, das Schwert über die Schulter gelegt, der Blick wie immer wachsam und unergründlich.
      "...Lance." sagte Arthur leise, aber fest. "Sieh zu, dass die neuen Wächter in ihre Reihen finden. Ich will, dass sie das Band des Lichts kennen, bevor die Sonne sinkt." Lancelot nickte knapp. "Verstanden." Seine Augen aber glitten noch einmal misstrauisch zu Elise, dann zu Gunivere während sich ein leichtes Lächeln über seine Züge käuselte und er sich abwand um seinen Befehlen zu folgen.
      Die holde Blondine war bereits wieder bei der Fremden. Sie hatte eine Decke gebracht und sprach leise Worte, die niemand außer ihnen hören konnte. Elise schien erschöpft, aber etwas in ihrem Blick war klarer geworden wie eine Flamme, die neu entfacht wurde.

      Arthur blieb noch einen Moment stehen, das Sonnenlicht auf seinem Gesicht. Seine Hände ruhten auf dem Griff seines Schwertes, doch sein Geist war weit fort ....irgendwo zwischen den Schatten des Nebels und den goldenen Hallen der Erinnerung. Wenn Lunaris Veil fällt… was folgt dann? Er fragte sich, ob ihre eigene Sonne irgendwann erlöschen würde, ob Helios' Licht ausreichen würde, um die Dunkelheit fernzuhalten, die Elise beschrieben hatte. Ein kalter Gedanke zog sich durch seine Brust. Die Welt schien zu bröckeln, unmerklich, aber stetig. Er blickte zur Eiche, unter der Guinevere sich über Elise beugte, und flüsterte kaum hörbar zur Sonne hinauf: "Wenn dies der Anfang einer neuen Dämmerung ist… dann hoffe ich das dein Licht stark genug sein, um uns zu führen." Der Wind trug seine Worte davon, hinauf in die goldenen Blätter, die leise im Morgenlicht tanzten ...als Antwort, oder vielleicht als stilles Versprechen.
    • Elise

      Diese ungewissen Minuten zogen sich wie eine Ewigkeit. Elise wusste nicht, was sie von dem Führer des Aurea Custodio erwarten konnte. Sie waren Unbekannte - vereint in ähnlichem Schicksal, doch unterschiedlich wie Tag und Nacht. Er repräsentierte die Wärme der Sonne ausgesprochen gut. Sein Auftreten schien bestimmt, dennoch herzlich und verlässlich. Die Menschen hier bauten auf ihn und vertrauten ihm blind, das spürte Elise tief in ihrem Inneren. Das Volk brauchte ihn so sehr wie sie die Sonne am Himmel und auch Elise musste sich eingestehen, dass sie, als Trägerin des silbernen Juwels, nun das helle Licht Helios benötigte.

      Elise spürte die Blicke auf sich ruhen. Einige waren skeptisch, ängstlich. Dennoch stachen sie einige Augen wie Dolche, prasselten auf sie wie Spitzen im Pfeilregen. Sie schluckte, dennoch schien sie nicht verunsichert, nicht eingeschüchtert. Nur langsam erhob sie ihren Kopf und sah zu Arthur, verfolgte seine Bewegungen aufmerksam. Sie war unnachsichtig geworden. Der Führer könnte sie noch immer angreifen, ein Exempel an ihr statuieren und die Mondgöttin und ihr Geleit bloßstellen, um die Kraft des Sonnengottes ein für alle mal unter Beweis zu stellen. Elises zu Eis verwandeltes Herz schenkte dem warmen Mann vor ihr kein Vertrauen, selbst wenn sie es wollte.

      Dann sah er zu ihr, mit pulsierendem Juwel wendete er ihr seinen Blick und Worte zu. Sie lauschte ihnen vorsichtig, auf jede Antwort vorbereitet. Die Kälte die sie umgab, schien zu wachsen. Um sie herum war es eisig kühl, ihre Haut war ebenso kalt wie sie hell war. Ihre schlanken und langen Finger hinterließen sanften Tau auf den Grashalmen unter ihr. Die Grashalme froren ein, tauten aber durch den warmen Nährboden durch welchen sie wuchsen, direkt wieder auf. Ohne es zu wissen nährte auch Elise die Erde unter ihr mit klarem Wasser, welches aus dem Eis des hohen Nordes hervorkam.
      Nirgends war das kalte und fließende Wasser klarer, das Eis klar wie Glas und der Schnee weich und weiß. Es war die schönste Winterlandschaft weit und breit. Elise kümmerte sich gut darum, doch zweifelte sie nun mehr denn je an ihrer eigenen Kompetenz. Wäre doch nur Viktor derjenige gewesen, den Selene auserwählt hätte, dann wäre ihr Volk nun in Sicherheit.

      Elise sah zu Arthur auf, ihren Blick starr auf ihn gerichtet während er sprach. Als seine Worte ihr Gehör trafen und ihr Verstand entschlüsselte, dass er dem Lunaris Veil helfen würde, pochte ihr Juwel stark auf - immer und immer und immer wieder zuckte es, als würde sie das erste Mal ihr Herz wieder schlagen fühlen. Ihre Mundwinkel zuckten bei dieser Sensation, doch lächelte sie nicht. Sie sollte sich freuen, ihr Herz vor Erleichterung warm und weich werden. Doch fühlte sie nur einen kleinen Teil der Last von ihren Schultern fallen, da sie wusste, dass sie nicht allein in diesen Kampf ziehen musste.
      Elise dachte an ihre Mädchen und ihren Bruder, sie sorgte sich wohl, doch wollte ihr Körper sie dies nicht zum Ausdruck kommen lassen. Unentwegt schien ihre Miene kalt und unbeeindruckt.

      Bei den Gedanken an ihren Bruder dachte sie an seine Worte zurück. "Wenn du es für am wenigsten von Nöten hältst deine Blicke zu schwärzen, dann ist der Moment gekommen, in welchen du deine Sicht erst recht zügeln solltest! Dein Verstand betreibt Schabernack! Spielt dir Vertrauen vor, aber Elise! Vertrauen ist ein Gefühl des Herzens und das...". Ihr Verstand brach ab, denn seine Worte verletzten sie noch heute, doch hatte er recht. Ein Herz hatte sie nicht. Es war gefangen in dicken Wänden aus Eis und es schlug schon Jahre nicht mehr.

      Elise erhob sich, trotz ihrer Schmerzen und legte sich ihre Augenbinde um. Damit würde sie das Volk des Aurea Custodias vielleicht ein wenig beruhigen und sich selbst vor, welche Streichen ihres Verstandes es auch immer sein mögen, schützen. Sie verbeugte sich elegant und höfisch vor dem Mann vor ihr und dann letztendlich tief, vielleicht sogar etwas tiefer, vor seinem gehorsamen Volk, ehe sie seinen Worten wieder Folge leisteten. Eine dankbare und ehrfürchtige Geste.

      Dann wandte sie sich zu Gunivere, nickte ihr ebenfalls verbeugend zu und sprach: "Vielen Dank. Eure Hände waren mir ein Geschenk...". Ihre Worte waren ehrlich, klangen wahr. Elise konnte kaum lügen, denn ihr kaltes Herz sah keinen Sinn darin einen anderen Menschen vor harten Worten zu schützen. "Sir Pendagron...", begann sie und hielt ihm sein Gewand hin. "Ich schätze Eure Hilfe sehr. Habt meinen tiefsten Dank". Ihre Stimme war schwach, dennoch kam sie sichtlich zu Kräften, trotz der tiefen Wunden an ihrem Körper. Sie schmerzten, doch bluteten sie sonst nur kaum.
      Durch die Wärme, die dieser Ort versprühte, fingen sie jedoch an langsam und immer etwas mehr, mit dem bluten an.

      Ihre Haut war noch gezeichnet mit den Zeichen, die der Harte weg auf ihrem Körper hinterließ. Dreck und Blut störten das helle Abbild der Frau, das Leuchten des Mondes haftete jedoch stets an ihr. Auch die Wärme setzte ihr etwas zu und lange könne die Kälte ihrer Hände den Wunden nicht mehr stand halten.

      Sie sah in den Himmel und hoffte auf die Nacht, aus der sie neue Kraft schöpfen würde. Doch viel lieber würde sie aufbrechen, ihren Bruder und ihre Mädchen finden und rächen, was auch immer ihnen bislang angetan wurde. Dieses Gefühl zerrte an ihr, das Dunkle nährte sich davon und schwächte die Schneeprinzessin. Ihr Gleichgewicht war gestört und Elise begann etwas zu taumeln, seufzend fing sie sich selbst.

      Die weißhaarige Frau war verletzt, ihre Energie leergesaugt und ihre Beine gaben nach, doch weigerte sie sich zu fallen. Standhaft stand sie ihrem Gegensatz gegenüber, bereit ihre Pflichten zu erfüllen, auch wenn es heißt, dafür einen jahrelangen Konflikt niederzulegen.
    • Arthur

      Der junge Anführer trat zurück, die Hände noch kurz auf dem Griff seines Schwertes ruhend. Unter der alten Eiche lag der Hain still im Morgenlicht. Guinevere beugte sich weiter über die Fremde, sprach leise Worte, während Lancelot die Umgebung wachsam vom Felde her im Blick behielt. Lady Elise bewegte sich kaum, doch die Anspannung in ihrem Körper verriet, dass sie langsam wieder zu Kräften kam. Arthur spürte die Last der Verantwortung schwer auf seinen Schultern ... jede Handlung konnte Folgen haben, nicht nur für sie, sondern für alle unter dem Banner des Sonnengottes Helios.

      Langsam trat er durch die schmalen Pfade, die ins Heiligtum führten. Die Wächter hatten sich neu formiert, ihre Bewegungen geordnet, doch Arthur spürte, wie ihre Blicke ihm folgten. Sie suchten Führung, und er musste ihr Vertrauen bestätigen, während sein Geist unaufhörlich bei der jungen Prinzessin blieb, deren Licht so anders war, so fremd.

      Die Halle des Heiligtums empfing ihn mit ruhiger Erhabenheit. Die morgendliche Sonne fiel durch die hohen Fenster, spiegelte sich in den polierten Böden und ließ die goldenen Symbole aufleuchten. Arthur ließ sich auf einen niedrigen Stuhl nahe dem Fenster sinken, die Hände auf den Knien, den Blick auf die weiten Gärten gerichtet. Alles wirkte friedlich, geordnet. Doch in seinem Innern tobte ein Sturm aus Fragen und Pflichten. Lady Elise Belyova. Die Fremde, Trägerin eines silbernen Lichts, verletzlich und gleichzeitig von unerschütterlicher Würde. Arthur erinnerte sich daran, wie sie unter Guineveres Händen zu Atem kam, wie das leichte Pulsieren ihres Juwels auf ihn wirkte, nicht nur als Zeichen von Macht, sondern als Erinnerung an die Verantwortung, die auch sie trug. Hier war eine weitere Seele, die dasselbe Gewicht eines himmlischen Juwels kannte. Und er musste abwägen: Wie konnte er Ihr helfen, ohne das eigene Volk zu gefährden?

      Er schloss die Augen für einen Moment, spürte das leise Ziehen seines goldenen Juwels, die Erinnerung an das Licht, das Helios ihm verlieh. Gedanken an die Nebelwolken im Norden und die zerstörerische Macht der Nebelkönigin wirbelten durch seinen Geist. Wenn Lady Elise wieder vollständig zu Kräften kam, würde sie Stärke ausstrahlen, vielleicht sogar Macht, die das Gleichgewicht verschieben konnte. Und doch war sie verletzt, menschlich in ihrer Not, auf Hilfe angewiesen. Verantwortung, Pflicht, Mitgefühl sie vermischten sich wie Farben auf einer Leinwand. Der strahlende Ritter musste stark sein, entschlossen, aber ebenso menschlich. Nicht nur ein Führer, nicht nur ein Krieger, sondern jemand, der Licht und Schatten gleichermaßen abwägt. "Morgen wird Ihr Licht stärker sein." murmelte er leise. "Und dann müssen wir wissen, wie wir es lenken, ohne das unsere zu gefährden." Ein kurzer Blick zur Eiche, wo Guinevere noch immer über Lady Elise wachte, beruhigte ihn ein wenig. Ihre Fürsorge, ihre ruhige Entschlossenheit würden die Prinzessin stabilisieren, bis er bereit war, zu handeln. Lancelot überwachte die Wächter, jeder Schritt kontrolliert, bereit, jede Gefahr abzuwehren. Arthur erhob sich und trat zurück durch den Hain, die Schritte leise auf dem moosbedeckten Boden. Er trat näher zu Guinevere. "Wie geht es ihr?" fragte er leise, seine Stimme ruhig, aber fest. Guinevere sah kurz auf, ihre Augen klar und bedacht. "Sie ist stabiler als vor einer Stunde. Aber sie ist erschöpft. Ihr Licht pulsiert stark ich weiß nicht ob sie es kontrollieren kann, wahrscheinlich ist sie einfach zu schwach dazu. Jede Aufregung könnte sie überfordern. Sie braucht Ruhe, aber auch klare Führung. Ich fürchte ihre Verletzungen sind nicht nur körperlich." Arthur nickte. Die Worte trafen ihn wie ein Leitstern. Ruhe, Führung, Kontrolle ...genau das würde er ihr geben müssen. Gleichzeitig musste er das Heiligtum sichern und die Wächter instruiert wissen: Jede Abweichung von der Ordnung, jede unvorhergesehene Bewegung konnte riskant sein.

      Er ließ seinen Blick über die blasse Jungfer schweifen, das silberne Juwel an ihrer Brust pulsierte sanft. "Wir müssen herausfinden, wie wir Ihr Licht nutzen, ohne unsere eigene Sicherheit zu gefährden." murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Guinevere. "Schritt für Schritt. Vorsichtig. Kein Risiko, das wir nicht kalkulieren können." Guinevere nickte erneut. "Ich werde Ihr helfen, damit sie in der Verfassung ist seine Kräfte wieder zu nutzen, Lancelot überwacht die Wächter, niemand wird unvorbereitet handeln. Wir können uns auf die Balance konzentrieren." Arthur schloss kurz die Augen, spürte das vertraute Ziehen seines goldenen Juwels, die Wärme, die Helios ihm verlieh. Er begann bereits, Pläne zu formen: Übungen, die Lady Elise langsam an die Kontrolle ihres Lichts heranführen würden; Wachsamkeitsrunden der Wächter, die bei jeder Veränderung sofort Alarm schlagen konnten; Schutzzauber, die das Heiligtum abschirmten, falls ihre Kraft unvorhergesehen explodierte.

      Er trat einen Schritt näher, jetzt schien sie wirklich in besserer Verfassung zu sein. Behutsam reichte er der anderen Juwelenträgerin die Hand um ihr Auf zu helfen. "Jetzt ist alles in Ordnung, My Lady." sagte Arthur, seine Stimme ruhig und bestimmt. "Ihr seid sicher. Guinevere passt auf Euch auf, Lancelot sorgt für die Sicherheit des Hains. Wir werden zusammen herausfinden, wie Euer Licht geleitet werden kann. Aber für's Erste wäre es klüger Euch in ein Gemach im Heiligtum zurück zu ziehen statt hier auf den Boden zu verweilen." Arthur atmete tief, ließ die Sonne über seine Rüstung gleiten. Die Bürde der Anführerrolle lastete schwer auf ihm, doch zugleich wuchs die Klarheit: Morgen würde ihr überraschender Gast stärker sein. Und er würde bereit sein. Für sie, für das Heiligtum, für sein Volk. Für das Licht selbst. Mit einem letzten Blick auf die Halle, den Hain und die junge Trägerin des silbernen Juwels schritt er in die inneren Kammern, um sich zu sammeln, Pläne zu schmieden und die Strategien zu überlegen, die nötig sein würden, wenn Sonnenlicht und Mondlicht sich vereinten ...oder aufeinanderprallten.
    • Elise

      Sie stand mit der Hilfe Arthurs auf und berührte seine warme Hand. Die Kälte ihrer Haut traf auf das lebendige Warm der seinen und innerlich zuckte sie kurz zusammen. Die Temperatur der menschlichen Glieder unterschied sich vehement von denen aus dem kalten Norden. Es war ungewohnt, Berührungen waren ihr noch immer fremd. Sie seufzte, nickte dann aber folgsam und ließ sich in eins der Gemächer führen.
      Sie fragte nach einer Kanne Wasser und einem Ort, an dem sie sich etwas waschen konnte, dennoch wusste sie, dass sie dort nicht allein sein würde. Hier war sie eine Anführerin und trotz ihres Zustands noch immer eine mögliche Bedrohung, weshalb sie von einem hohen Maß an Überwachung ausging. In einem der Baderäume angekommen, nahm sie sich etwas Zeit um kurz durchzuatmen, sich zu sammeln und ihrer Seele einen kurzen Moment Ruhe zu schenken. Sie war erschöpfter, als sie zugeben wollte und müde von der Flucht vor den Nebelwölfen. Sie hat verwirrende Wege genommen, ist häufig im Kreis gelaufen und erst in die Richtung des Aurea Custodia gelaufen als sie sicher sein konnte, dass niemand ihr mehr folgte. Ihre Beine und Glieder schmerzten. Langsam nahm sie ihre Augenbinde ab, um ihre Umgebung in neuem Licht betrachten zu können, ehe sie sich langsam ihrer Kleidung befreite. Die blasse Frau wartete einen Moment, bis das warme Wasser etwas abgekühlt war und wusch sich gründlich, während sie in Gedanken versank, ihren Blick durch den Raum schweifend. Auch ihrer Kleidung schenkte sie eine Grundreinigung und war erstaunt darüber, wie schnell diese in dem dämmernden Licht der Sonne trocknete.

      Der Norden war dunkel und durch den Nebel des Waldes verschleiert, dennoch hatte er einen grauen Charme, den die Menschen dort sehr zu schätzen wussten. Nachts schien der Mond hell und die Lichter in der Stadt erhellten die Straßen. Es war ruhig, aber die Menschen voller Höflichkeit und Freude. Es entstanden wunderbare Dinge unter Lunaris Veil. Dort wurde viel gedichtet, die Menschen schrieben Texte, Lieder, komponierten Stücke und schätzten das Theater. Kunst war ein Hauptbestandteil der nördlichen Wirtschaft.





















      (Der Blick auf das Haus Balynova (links) und den Eingang der
      großen Stadthalle, wo sich der Tempel der Mondgöttin befindet)




      In frischer Kleidung begab sich Elise auf die Suche nach einem Buch in ihrem Gemach. Sie war unfassbar interessiert an den Schriften anderer Städte und sah sich weiter um. Solang sie allein war, hielt sie ihre Augenbinde in der Hand, um sich nicht zu verirren. Das neue Terrain machte es ihr schwierig, sich blind zu orientieren, es war ihr jedoch nicht unmöglich. Ihre Schritte hallten in der Nähe von Gegenständen und Wänden anders. Jeder Boden hatte eine andere Haptik und machte einen anderen Laut beim Betreten.
      Sie verhielt sich etwas bedeckt, wollte nicht unnötig auffallen und blieb in dem Gemach. Sie trug ein weißes Unterkleid und schien in diesem fast unterzugehen. Ihre langen weißen Haare fielen sanft über ihre Schulter und ihre Hände griffen nach einem Buch, welches sie in einem Schrank des Gemachs gefunden hatte. Elise begab sich zu einem der großen Fenster des Raums und setzte sich an dieses, um mit dem Blick in ihr Buch gewendet auf den Aufgang des Mondes zu warten.

      Je näher die Nacht kam, desto heller schien Elise zu leuchten. Der Mondschein wirkte sich gut auf sie aus, sie schöpfte neue Kraft und sie genoss es mit jeder Faser ihres Körpers. Ihr Buch musste weichen und sie kniete sich ehrfürchtig vor das Fenster, um Selene für die neue Kraft zu danken und sie zu preisen. Leise fing Elise an ein Schlaflied der Lunaris Veil zu singen, ganz für sich, um niemanden zu ärgern, dennoch war ihre sanfte Stimme leise zu hören, fast wie ein Hauch in einem fernen Wind.

      Der Mond zieht seine Bahnen still,
      Selene weiß, was ich nicht will.
      Sie hüllt in Silber meine Nacht,
      Hat über mich ihr Licht gewacht.
      Im Schatten tanzen stumme Lieder,
      Die Kälte kehrt zur Erde nieder.
      Und wo ihr Schimmer leise fällt,
      Da ruht mein Herz, von Frost erhellt.

      Kniend sitzt sie im Mondschein und singt leise die Strophen des Liedes an ihre Mondgöttin. Das silberne Juwel glänzt hell ihn der Nacht und scheint heller als je zuvor, als würde es die Nähe zu seinem Gegenstück genießen und nach mehr verlangen.
    • Arthur

      Der Abend senkte sich über das Heiligtum wie ein goldener Schleier, der langsam ins Dunkel glitt. In den Hallen brannten Öllampen, ihr Licht tanzte auf den steinernen Wänden, während draußen die letzten Strahlen der Sonne über die Hügel glitten. Der junge Anführer stand am Kopf des langen Tisches in der Ratskammer, einem schlichten Raum aus hellem Stein, durchzogen von feinen Gravuren, die die Geschichte Helios' erzählten. Die Wächter hatten sich versammelt: Lancelot, stets mit geradem Rücken und unbewegter Miene, Guniveres deren Blick ruhig und klar war, und einige der Ältesten des Ordens. Die Luft war schwer von der Fülle der Gedanken. Seit Jahren hatte kein Außenstehender das Heiligtum in solchem Zustand betreten geschwächt, verletzt, und doch dazu eine Trägerin des anderen Juwels. "Ihr habt alle gesehen, was heute geschehen ist." begann der Braunhaarige und legte die Hände auf den Tisch. Das Licht der Lampen spiegelte sich in seinem goldenen Juwel, das ruhig, aber spürbar pulsierte. "Die Anfühern der Lunaris Veil liegt unter unserem Dach. Ihre Ankunft kann kein Zufall sein." Ein leises Murmeln ging durch die Reihen. Lancelot verschränkte die Arme. "Oder ein Test." sagte er ruhig. "Wir wissen nicht, was sie hergeführt hat, ob aus Not oder Absicht. Solange wir keine Gewissheit haben, sollten wir Abstand wahren. Vertrauen ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können, solange der Norden in Nebel gehüllt ist." Gunivere hob den Blick, sanft, aber bestimmt. "Und doch… sie hätte sterben können, Lancelot. Sie kam nicht mit Klingen, nicht mit Forderungen. Nur mit Wunden und einen Gesuch nach Unterstützung . Das ist keine List, das ist Verzweiflung." Arthur sah die beiden an Licht und Schatten, Pflicht und Mitgefühl, genau wie in seinem eigenen InnInner"Ihr Beide sprecht wir Wahrheit." sagte er nach einer Weile leise. "Wir dürfen weder blind vertrauen noch kalt verweigern. Ihr Zustand beweist, dass sie mehr erduldet hat, als man einer Feindin wünschen würde. Aber…" - sein Blick glitt über den Tisch, zu den Symbolen des Ordens - "…wir müssen wissen, was sie weiß. Wenn Lunaris Veil fällt, kann das, was sie mit sich bringt, unser Schicksal entscheiden." Die Ältesten nickten. Worte wie Balance, Wissen, Prüfung fielen.

      Schließlich legte Arthur die Hand auf den Tisch, um das Murmeln zu beenden. "Ich werde morgen mit ihr sprechen. Nicht als Richter, sondern auf Augenhöhe zwischen Juwelenträgern. Helios verlangt Klarheit ... nicht Misstrauen, aber Vorsicht. Bis dahin bleibt sie unter Geneviers Obhut. Lancelot, du verstärkst die Wachen an den Toren. Niemand tritt unbeobachtet in oder aus dem Hain." Lancelot antwortete mit einem kurzen Nicken, seine Stimme ruhig wie Stahl. Guinevere senkte den Kopf leicht. "Ich werde dafür sorgen, dass sie alles hat, was sie braucht aber wir sollten keine Fragen mehr stellt, bevor sie stark genug ist, sie zu beantworten."

      Die Sitzung endete im gedämpften Murmeln der Stühle und Schritte. Die Kerzen flackerten, während einer nach dem anderen die Halle verließ. Nur die drei blieben noch einen Moment. Der junge Mann stand am Fenster, die Nacht über den Gärten betrachtend. "Denkt ihr..." fragte er leise, "...dass Helios uns einen Weg zeigt? Oder führt uns das Licht geradewegs in die Schatten?" Lancelot antwortete nicht sofort. "Licht zeigt den Weg, Arthur." sagte er schließlich. "Aber du musst entscheiden, ob du ihm folgst." Guinevere lächelte schwach. "Und manchmal-" fügte sie hinzu "-führt das Licht durch die Dunkelheit, um uns zu prüfen. Vielleicht ist sie, Lady Elise, genau diese Prüfung." Der Braunhaarige nickte. "Dann werden wir bestehen." Eine anderen Möglichkeit durfte es einfach nicht geben. Sie lösten sich auf: Lancelot zur Nachtwache, Gunivere Gästetrakt, Arthur selbst in seine Kammer. Doch der Schlaf kam nicht leicht. Die Worte hallten nach, ebenso das Bild der Fremden mit der Augenbinde, die wie ein stilles Symbol zwischen Licht und Schatten wirkte.

      Als der Morgen graute, färbte das erste Sonnenlicht die Hallen in sanftes Gold. Arthur trat aus seinem Gemach, die Müdigkeit noch in den Zügen, doch die Entschlossenheit klar in seinem Blick. Die Luft war frisch, durchzogen vom Duft von Brot und Kräutern. In der kleinen Küche hatte Gunivere bereits eine Schale mit hellem Honig, frischem Wasser und Brot vorbereitet - schlicht, aber nährend. "Sie ist wach." sagte sie, als Arthur eintrat. "Noch immer mitgenommen, aber bei Verstand. Sie fragt nicht, sie beobachtet." Der junge Ritter trat näher, griff nach dem Tablett. Der Duft des Brotes stieg ihm in die Nase, schlicht und vertraut. "Ich bringe es ihr." sagte er. "Es ist das Mindeste, was ich tun kann." Die hübsche Blondine hob den Blick, musterte ihn mit mildem Ernst. "Du weißt, wer sie war und was sie vielleicht noch ist." Er nickte. "Ich bin mir ihrer Herkunft bewusst. Und ihrer Würde."

      Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg durch die langen, stillen Korridore. Das Morgenlicht fiel durch die hohen Bogenfenster, tanzte über seine Rüstung, deren Glanz sich in dem goldenen Juwel an seiner Brust sammelte. Als er vor der Tür zu den Gästequartieren stand, blieb er kurz stehen. Einen Moment lang atmete er tief durch, legte die Hand an die Tür und klopfte dreimal, fest, aber respektrespekt. Erst nach einen Zeichen öffnete der junge Mann die Tür. Der Raum war schlicht, doch hell - das Sonnenlicht fiel durch die halb geöffneten Vorhänge, und auf einen Stuhl an dem Fenster, saß Elise Belyova. Ihr Haar lag silbern über die Schultern, die Augenbinde lose an der Stirn. Trotz der Erschöpfung lag in ihrer Haltung eine natürliche Anmut, die ihn unwillkürlich an die alten Geschichten von Königinnen erinnerte. Arthur verneigte sich leicht, bevor er das Tablett auf dem kleinen Tisch neben ihr abstellte. "Lady Elise." sagte er ruhig, seine Stimme warm, aber zurückhaltend. "Ich hoffe, dies reicht, um etwas Kraft zu schöpfen. Unsere Küche mag bescheiden sein... gewiss nicht das, was Ihr gewohnt seid, doch sie gibt gern, was wir haben." Ein feines Lächeln huschte über seine Züge, kaum sichtbar. "Der Tag wird Euch vielleicht fordern, und Ihr werdet Stärke brauchen. Dies ist ein guter Anfang." Er richtete sich auf, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Die Sonne traf sein Gesicht, ließ sein goldbraunes Haar schimmern. "Wenn Ihr wünscht, lasse ich Guinevere zu Euch kommen. Sie kann bei Euch sicher Gesellschaft leisten." Für einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen, jene Art von Schweigen, die nicht leer war, sondern von unausgesprochenen Gedanken gefüllt.

      Arthur wusste, dass sie mehr gewohnt war: goldene Tafeln, höfische Speisen, zarte Dienerhände. Doch hier, im Heiligtum, gab es nur Aufrichtigkeit und Pflicht. Er sah sie an nicht als Feindin, nicht als Fremde, sondern als jemand, der eine Last trug, die der seinen glich. Und das genügte, um den Ritter in ihm Achtung empfinden zu lassen. "Wenn Ihr etwas benötigt." sagte er schließlich leise, "So lasst es mich wissen. Bis dahin wünsche ich Euch Ruhe und Genesung, Lady Elise." Dann verneigte er sich erneut, wandte sich zur Tür und ließ sie in der stillen Wärme des Morgens zurück. Während er die Korridore hinabschritt, dachte er bei sich: Ein Herz aus Eis kann schmelzen... aber selbst dann muss man vorsichtig sein, dass man sich nicht die Hände verbrennt.
    • Elise

      Es fiel ihr schwer in der Nacht Schlaf zu finden. Ihre Umgebung war ungewohnt, die Nacht war still. Im Norden waren in der Dunkelheit häufig das Heulen der Nebelwölfe zu hören, doch näherten sie sich ihnen zuvor nie - bis zu dem Vorfall. Ihre Gedanken kreisten unermüdlich, Sorge machte sich in ihr breit und ihre Augen fanden nicht zur Ruh. Elise legte ihren Kopf sanft zur Seite und sah zu dem runden Mond, der vor ihrem Fenster stand. Sie wusste, dass sie ihre Mädchen und ihren Bruder unversehrt wieder zu Gesicht bekommen würde - dafür würde die Mondgöttin sorgen! Schließlich folgte Elise ihrem Juwel gewissenhaft, doch hatte sie ihre Göttin enttäuscht. Ein altes Gefühl kroch in Elises Glieder. Dieses Gefühl, wenn sie die Anforderungen ihres Bruder nicht erfüllen konnte, wenn Mutter und Vater ihrer Tochter Lasten tragen mussten. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, ohne Gewissheit darüber zu haben, was sie gerade eigentlich fühlte. Noch nie hatte sie sich so einsam gefühlt. Ihr eisiges Herz schmerzte, doch war es sicher vor jeglichem Bruch.

      Der Morgen küsste Elise früh wach. Sie war es nicht gewohnt, dass Sonnenstrahlen sie weckten, also erhob sie sich und wusch sich, zog sich an und widmete sich wieder ihrem Buch. Unruhig las sie Seite für Seite, bis es bestimmt an der Tür des Gastgemachs klopfte. „Bitte…“, sprach sie und sah zur Tür. Arthur trat ein und sie senkte den Blick höflich. Er brachte ihr Frühstück. Es roch gut und die Prinzessin nickte bedankend. Doch Arthur verfing sich in Worten, rechtfertigte die Simplizität des Essens. Elise unterbrach ihn. „Bitte, Sir Pendagron. Es ist Nahrung wie jede andere. Auch unsere unterscheidet sich nur wenig davon. Sie wird mich sicher stärken. Habt meinen Dank…“, sprach sie zu ihm und nahm ihm das Tablett ab, ohne ihn anzusehen. Ihre kalte blasse Hand berührte für den Hauch eines Momentes seine und das Juwel an ihrer Brust purzelte förmlich vor Energie. Sie erschrak - bloß ein Reflex.

      „Ich bitte euch nur darum, niemanden Umstände meinetwegen zu bereiten, Sir Pendagron“, bat sie ihn und fuhr dann fort. „Ihr tut bereits genug. Habt meinen Dank, Goldhüter“, sprach sie in einem kalten Ton, der ihre Dankbarkeit dennoch unverfälscht vermittelte.


      Er verlies ihr Gemach und Elise setzte sich wieder an das große Fenster, um das Frühstück zu sich zu nehmen. Es war etwas Neues und Fremdes und ganz tief vergraben in ihr konnte sie spüre, dass sie es genoss. Mit dem Blick nach draußen gerichtet, ihre Augen der heiligen Eiche zugewandt, aß sie und spürte wie jeder einzelne Bissen ihr neue Kraft schenkte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von DeeplyRouge ()

    • Arthur

      Als die Tür sich hinter ihm schloss, blieb der junge Anführer für einen Augenblick im stillen Gang stehen. Die Luft war noch erfüllt vom feinen Duft des Brotes und dem kühlen Hauch, den Elise Belyovas Gegenwart hinterlassen hatte. Es war, als hallte das silberne Licht ihres Juwels noch in der Luft nach – ein kaum spürbares Flimmern, das selbst in der Sonne ein eigenes Schimmern zu erzeugen schien. Arthur atmete tief ein. Die Begegnung hatte länger nachgewirkt, als er zugeben wollte. Es war nicht nur das, was sie gesagt hatte – ihre Worte waren kühl, gemessen, und doch von einer Würde getragen, die ihn an alte Zeiten erinnerte, als Könige und Priester noch gleichermaßen den Göttern dienten. Es war vielmehr wie sie gesprochen hatte: eine Frau, die gelernt hatte, sich hinter Beherrschung zu verbergen. Eine Seele, die Kälte als Schild trug.
      Er hob leicht die Hand und betrachtete sie im Sonnenlicht. Er konnte noch immer das flüchtige Gefühl ihrer Berührung spüren ... wie Eis, das den Atem nimmt, und doch für einen Herzschlag Leben in sich trägt. Das Aufleuchten ihrer Juwelen, dieses kurze, unkontrollierte Aufflammen, ließ ihn nicht los. Zwei Lichter, so verschieden in ihrer Natur, und doch… verbunden.

      Langsam setzte er sich in Bewegung, die langen Gänge entlang, bis er in den inneren Hof trat. Die Sonne stand bereits höher, goldenes Licht fiel über die weißen Steinplatten, und irgendwo sangen die Vögel in der Ferne. Dort wartete Undine – zurückgekehrt, wie eine vertraute Präsenz nach langer Abwesenheit. Arthur spürte sofort die Wärme der Vertrautheit. Ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen, als er sah, dass sie wieder da war. Undine selbst wirkte erfreut, seine Ankunft zu sehen, und ihre Augen funkelten, wie Licht auf den Spiegel der wilden See. "Ich habe schon von ihr erfahren." sagte sie ruhig, fast wie eine Feststellung, die das Schicksal selbst ausgesprochen hätte. "Sie ist hier, verwundet, aber lebendig. Ich wusste, dass ihr Licht uns erreichen würde." Arthur nickte natürlich wusste die weise Frau es, immerhin lag in der Natur ihres Wesens ebenfalls eine Verbindung zum Mond. Der junge Mann spürte, wie sich ein kleiner Knoten der Anspannung löste. Ihre Anwesenheit war wie ein Ruhepol im Sturm. "Dann bist du zurück und rechtzeitig." antwortete er. "Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann." Undine trat neben ihn, folgte seinem Blick zu den Gärten. "Und? Hat sie das Essen angenommen?" Arthur nickte. "Ja. Und mehr als das sie trägt sich mit einer Ruhe, die selbst verletzte Seelen selten zeigen. Aber…" Er schwieg, blickte hinauf zur Sonne. "Ich fürchte, sie trägt ihre Last allein. Vielleicht zu sehr." Die Frau mit den schönen Augen neben ihm machte einen tief Atemzug. "Es ist schwer, das Vertrauen einer Frau zu gewinnen, die aus einer Welt des Mondlichts kommt. Sie ist anders wie Wasser, das nicht in unsere Gefäße passt." Ein feines Lächeln huschte über seine Lippen. Ja, Undine sprach aus eigener Erfahrung. "Und doch ist Wasser Leben. Du tust nur all zu gut daran und alle stets daran zu erinnern." Unter ihren magischen Schleier erwiderte Undine sein Lächeln kaum merklich. "Das mag sein, es sind ja auch wahre Worte... Aber selbst das klarste Wasser kann trügerisch sein, Arthur. Du darfst dich nicht von seinem Glanz blenden lassen." Er nickte nur, wusste, dass sie recht hatte. Doch etwas in ihm widersetzte sich dem Gedanken, Elise als Gefahr zu sehen. Er hatte in ihren Augen so fern sie auch schienen den Schatten jener gesehen, die zu viel verloren hatten. Kein Feind blickte so.


      Arthur schwieg. Ihre Worte wirkten nach wie Wasser, das über Felsen fließt, langsam, aber unausweichlich. Sie hatten beide recht. Elise war anders. Doch anders bedeutete nicht gefährlich. Zumindest… noch nicht. "Ich werde sie beobachten." sagte er schließlich, den Blick auf die Äste der Eiche im Hain gerichtet. "Nicht aus Misstrauen, sondern um zu verstehen. Helios prüft, bevor er wärmt und vielleicht… braucht sie mehr als nur Licht." Undine nickte. "Dann handle mit Bedacht. Licht und Mond haben sich selten berührt, ohne dass die Welt sich veränderte." Er atmete tief durch. Die Sonne brannte auf seine Schultern, ließ sein goldenes Juwel sanft glimmen. Für einen Moment dachte er, das Leuchten hätte geantwortet als würde Helios selbst seine Entschlossenheit bekräftigen. "Lance wird heute Abend zurückkehren." sagte Arthur. "Er soll mir Bericht erstatten über die Bewegungen im Norden. Wenn sich die Nebel wieder rühren, dürfen wir nicht unvorbereitet sein." Undine sah ihn an, ihre Augen ruhig und wissend wie ein stiller See. "Und was ist mit ihr?" Der Braunhaarige zögerte kurz. "Sie bleibt. Bis sie sprechen kann über das, was dort geschah. Und bis wir wissen, ob ihr Licht Segen oder Vorbote ist." Die Sonne stieg höher, und das Heiligtum erstrahlte im goldenen Glanz. Doch in Arthurs Brust blieb ein leises Frösteln zurück nicht aus Furcht, sondern aus Vorahnung. Es war, als hätte das Zusammentreffen der beiden Juwelenträger einen neuen Faden im Gewebe der Welt gesponnen. Einen, der alles verändern könnte. Er sah zu den Fenstern ihres Gemachs hinauf, wo das Licht des Morgens in die Schatten fiel, und dachte bei sich:
      Wenn Licht und Mond sich kreuzen, bricht das Gleichgewicht. Aber vielleicht… zeigt uns gerade dieser Bruch den Weg, den wir gehen müssen.
    • Elise

      Ihre Hand kribbelte noch etwas von der flüchtigen Berührung der Hand des anderen Juwelenträgers. Sie war warm, doch jede Hand war wärmer als ihre. Dennoch - Seine Hand fühlte sich anders an, irgendwie vertraut als hätte sie sie zuvor schon mal gehalten. Vielleicht war es das Ergebnis der Juwelenverbundenheit zwischen den beiden Trägern. Das Gefühl an ihrer Hand blieb noch einen Augenblick bestehen und sie blickte auf ihre Hand - verwirrt, dennoch war das fremde Gefühl nicht unangenehm. Irgendwie fühlte es sich schön an.

      Elise aß das Frühstück, dass ihr der Anführer gebracht hatte bis auf den letzten Bissen auf, nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil es ihr wirklich schmeckte. Ob die Menschen hier schon mal das Essen des Nordens gekostet hatten?, fragte sie sich innerlich und sah auf ihren Teller. In Gedanken versunken dachte sie an all die schönen Speisen, die die nördliche Küche zu bieten hatte. Eine nette Geste zu erwidern, war in dem kalten Gebiet eine der wichtigsten Maxime. Man kam nirgends mit leeren Händen an, ganz gleich welchem Stand man angehörte. Auch der Adel war nicht verschont gewesen, auch wenn die Gesellschaft unter Elise und ihrem Bruder Viktor um einiges laissez-fairer geworden war. Die Menschen waren gleichgestellt, wer etwas brauchte bekam es und wer zu viel hatte, gab ohne große Scheu etwas davon ab. Jeder profitierte von jedem. Das alte Königreich öffnete seine Tore für die Armen und Kranken, gab ihnen Nahrung, Medizin und Arbeit. Seit zwei Jahren bewegte sich der Norden in einem Aufmarsch. Die Wirtschaft wuchs, die Menschen waren zufrieden. War dies der Grund, warum sie nun zu so leichter Beute geworden waren? Ihre Streitkräfte waren gut ausgebildet, ihre Waffen gepflegt und einsatzbereit. Die Kämpferinnen des Lunaris Veil waren skrupellos und gefürchtet. Wie konnten sie so überlistet werden? Elise seufzte leise und stand langsam auf. Ihre Wunden pochten noch leicht, dennoch überging sie das Gefühl ganz simpel.

      Sie zog sich ein Gewand über das weiße Kleid und begab sich heimlich in die Küche. Im Norden half sie gern in den Küchen der Stadt. Bedienstete hatte sie schon lang nicht mehr, nur noch eine Kammerzofe - ihre beste Freundin. Interessiert sah sie sich um, jedoch wirkte es nicht so, als würde sie nach Schwachstellen suchen, sondern aus purem Interesse. In der Küche angekommen trat sie nur langsam und mit einem sanften Klopfen ein, verbeugte sich direkt vor den Menschen, die dort ihre Arbeit verrichteten. „Entschuldigt mein Hereinplatzen", sprach sie sanft. „Ich kam nur her, um mich für das Frühstück zu bedanken", klang es ehrlich aus ihr, jedoch monotoner als sie es wahrscheinlich gern wollte.
      Nach einer kurzen Überlegung schritt sie einfach auf eines der Spülbecken zu und wusch ihr Geschirr einfach selbst. „Sagt, wäre es möglich, dass ich heute das Essen für den Mittag koche? Ich würde mich gern für eure Gastfreundschaft revanchieren. Gern dürft ihr bleiben, um sicherzustellen, dass ich damit niemandem schaden möchte", sagte sie in vollem Bewusstsein, dass sie hier kein Vertrauen besaß. „Es wäre mir eine große Ehre...", versicherte sie dem Personal und nickte erneut verbeugend.

      Es wäre das Mindeste gewesen, was sie tun könnte. Sie stand da - aufrecht und anmutig, jedoch nicht annähernd so bedrohlich, wie man meinen könnte. Sie sah zu den Menschen in der Küche und hoffte, dass sie ihn mit ein paar Worten die Anspannung nehmen konnte. „Wusstet Ihr, dass unsere Völker zuvor, vor all den Konflikten, sogar ein Interesse aneinander teilten? Daher gibt es Rezepte aus unserer Küche, die nur Zutaten nutzen, die in eurer Region heimisch sind?", erklärte sie und fuhr dann fort. „Mein Lieblingsgericht ist eines der solchen".
      War dies der Grund, warum sie Arthur vorhin so entgegenstieß, als er das Essen entschuldigte? Sie mochte die Zutaten, die aus dem warmen Böden gediehen. Sie schmeckten frisch und belebend, während das Essen des Nordens von Innen wärmte und ein wohliges Gefühl in den meisten Menschen auslöste. Die Kombination aus beiden Komponenten gefiel ihr unausgesprochen gut.
      Vielleicht war es kein Unheil, wenn sich Wärme und Kälte einen Platz miteinander teilten. Aus Gegensätzen konnte teilweise so unglaublich schönes entstehen.

      Sie wartete auf die Reaktionen des Küchenpersonals, ehe sie sich ihnen anschloss. Ihre Stimme wirkte etwas heller, als wäre ein Hauch von Leben in ihr, welches man beim genaueren hinhören, spüren konnte. Sie wirkte ausgelassener, so als würde sie das was sie gerade tat, wirklich gern machen. Elise zeigte jeden Schritt genau und erklärte was sie tat. Dabei verwehrte sie keinen Blick und achtete darauf, dass jeder ihrer Bewegungen genaustens zu beobachten war. Sie stellte sicher, dass niemand davon ausgehen konnte, dass sie dem Essen etwas beimischte, was jemanden schaden zufügen könnte. Alles was zubereitet wurde, probierte sie als erste und ließ den Menschen Zeit abzuwarten, dass auch ja nichts geschah. „Das ist eine Abwandlung eines unserer Hauptspeisen, angepasst an das Klima des Aurea Custodia. Wir essen das Gericht warm, deftig gefüllt mit Fleisch und wärmender Sauce. Das passt nicht zu Eurem warmen Verhältnissen, also wandelten unsere Vorfahren es in eine kalte Speise um, mit Gemüse und einem Hauch Zitrone. So passt es zu dem, was Euch beliebt", sprach sie, während sie einen kleinen Teller anrichtete. Es waren abgekühlte Teigtaschen, liebevoll geformt und gefüllt mit allerlei Kräutern und Gemüse aus dem Sonnenreich.

      Tief in sich hoffte sie, dass sie den Menschen so zeigen konnte, dass Lunaris Veil nie verhasst oder zornig war - nur kalt und zugefroren. Doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass unter den dicken Schneedecken noch immer ein warmes Herz in der Erde schlägt, welches die zwei Fronten eins vereinte.
    • Arthur

      Der Morgen schritt langsam voran, und das Licht gewann an Stärke, bis es golden über die Steinmauern des Heiligtums rann. Der junge Ritter hatte kaum bemerkt, wie die Stunden vergingen. Nach dem Gespräch mit Undine war er eine Weile still geblieben, das leise Plätschern des Brunnens im Innenhof in sich aufnehmend, ehe sie sich gemeinsam auf den Weg zu den Gärten machten.
      Undine sprach von ihrer Reise, von fernen Städten, in denen das Licht schwächer geworden war, wo Priester des Helios kaum noch Gehör fanden. Sie erzählte von Dörfern, die sich vor den Nebeln schützten, indem sie Nächte lang Feuer entzündeten, und von einem alten Tempel im Osten, dessen Schutzsiegel gebrochen war. Arthur hörte aufmerksam zu. Jeder Bericht war ein weiterer Hinweis darauf, wie weit sich die Schatten bereits ausgebreitet hatten. "Die Nebel sind nicht mehr bloß ein Phänomen des Nordens." sagte Undine, während sie den Pfad entlanggingen, der zwischen Lavendelbeeten und weißen Marmorplatten verlief. "Sie sickern in Träume, in die Herzen der Menschen. Ich habe es gesehen. Ganze Landstriche, in denen alles still steht." Arthur blieb ststehen "...Und doch bist du zurückgekehrt." Sie lächelte schwach. "Weil ich wusste, dass du es brauchst, mehr denn je. Du trägst jetzt das, was Oswald einst trug. Ich weiß, es ist schwer, aber er hat dich nicht ohne Grund gewählt." Der Braunhaarige blickte zum Himmel, wo die Sonne in einem stillen, makellosen Blau stand. "Manchmal frage ich mich, ob ich seinem Maß gerecht werde. Er führte uns mit einer Ruhe, die ich nicht fassen kann. Ich fühle mich... zu jung, zu unvollendet." Undine legte ihm kurz die Hand auf die Schulter, ihre Berührung war wie das sanfte Gleiten von Wasser über Stein. "Er sah nicht dein Alter, Arthur. Er sah dein Herz. Das Feuer darin und den Mut, selbst im Zweifel weiterzugehen. Das ist, was einen Anführer ausmacht. Nicht Gewissheit, sondern die Kraft, auch im Schatten Licht zu suchen." Er antwortete nicht sofort. Ihre Worte klangen in ihm nach, wie ferne Wellen, die gegen eine Küste schlugen. Ein Teil von ihm wollte ihr glauben, ein anderer klammerte sich an die Zweifel, die er in sich trug. Doch er wusste, sie hatte recht und Oswalds Vermächtnis war kein Irrtum.

      Später, als die Sonne höher stieg, fand er sich auf den Trainingsfeldern wieder, am Hang unterhalb des Hains. Die jungen Wächter warteten dort, Rüstung an Rüstung, die Schwerter in der Sonne glänzend. Manche hatten kaum Erfahrung, andere waren Veteranen vergangener Kämpfe. Arthur trat vor sie. "Die Nebel schlafen nicht länger." begann er, seine Stimme fest, aber ruhig. "Und auch wir dürfen nicht ruhen. Unsere Stärke schützt nicht nur die Mauern des Heiligtums, sondern das Licht selbst. Jeder Schlag, den ihr führt, ist ein Schwur an Helios." Dann begann das Training. Der Klang von Stahl hallte über die Wiese, durchmischt mit Rufen und dem dumpfen Aufprall von Holz auf Holz. Arthur führte selbst die Übungen, als einer von ihnen. Er zeigte Haltung, korrigierte Schritte, hob Schwerter an, wenn Arme zitterten. Schweiß rann über Stirnen, Staub wirbelte auf, und das rhythmische Klingen der Waffen wurde zum Herzschlag des Hains. Lancelot war inzwischen zurückgekehrt und übernahm einen Teil der Aufsicht. Wo Arthur auf Inspiration setzte, hielt Lance sich an klare Linie und Disziplin; ihre Gegensätze ergänzten sich so zuverlässig wie Sonne und Schatten. "Sie sind stärker geworden." sagte Lancelot leise, als Arthur neben ihn trat. "Ja, das schon." antwortete der junge Mann, den Blick auf die kämpfenden Schüler gerichtet. "Aber ich befürchte Stärke reicht nicht. Sie müssen lernen, warum sie kämpfen." Sein bester Freund hob eine Augenbraue an. "Du meinst das Licht?" Arthur schüttelte den Kopf, und für einen Moment schien der Glanz seines Juwels heller zu flackern. "Für das Leben, unser aller Freiheit und.... die großen und kleinen Augenblicke des Glücks die wir alle wohl viel zu selbstverständlich genommen haben." Als die Sonne schließlich ihren Zenit erreichte, beendete er die Übung. Die Wächter verneigten sich kurz, ehe sie sich erschöpft, aber zufrieden zurückzogen. Arthur blieb einen Moment länger stehen, ließ den Wind über die Felder streichen und lauschte dem leisen Rascheln der Blätter.

      Die Ruhe nach dem Training war fast feierlich. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und blickte hinauf zum Heiligtum, wo die weißen Mauern in der Sonne glühten. Dort oben, hinter den Fenstern, war Elise. Eine Fremde, eine Trägerin des silbernen Lichts und vielleicht der Schlüssel zu dem, was kommen würde. Ob sie noch immer jedes Buch verschlang was sie in ihren Hallen finden konnte? Er wusste, dass er sie bald wiedersehen musste. Nicht als Krieger, nicht als Führer, sondern als Mensch.
      Der Duft von Gewürzen und Kräutern zog sich durch die steinernen Hallen. Lance senkte das Schwert und musterte Arthur. "Etwas... Neues." stellte er knapp fest. Arthur lächelte leicht. "Oder Altes, das wir vergessen haben."

      In diesem Moment kam Gunivere über den Pfad ihr Haar glänzte im Sonnenlicht, und sie trug eine kleine Schale mit frischem Obst, das sie den Wächtern reichen wollte. Ihr Lächeln war wie ein Frühlingswind, sanft und unaufdringlich. Die beiden jungen Männer hielten gleichermaßen inne. War sie doch eine Maid welche die Herzen der Beiden rührte "Sie hat gekocht." sagte sie, und in ihrer Stimme lag ehrliche Überraschung. "Lady Elise. Ganz allein. Die Küche spricht von nichts anderem mehr." Lance brummte in sich hinein "Mutig. Oder leichtsinnig."
      Gunivere schüttelte den Kopf, trat näher zu ihm. "Nein, menschlich. Das ist etwas, das ihr manchmal vergesst, wenn ihr Waffen führt." Arthur sah sie an, und für einen Moment vergaß er den Druck seiner Rolle. Gunivere war mehr als eine Wächterin sie war die Verbindung zwischen Licht und Menschlichkeit. Doch ihre Nähe war ihm Trost und Prüfung zugleich.

      Gemeinsam folgten sie dem Duft ins Innere des Heiligtums. Dort, zwischen den hohen Steinbögen, stand Elise schlicht gekleidet, die Ärmel leicht hochgekrempelt, und in der Luft hing der Duft von frischen Kräutern, Zitrone und gebackenem Teig. Sie hatte die Hände gefaltet und wartete still, doch in ihrer Haltung lag kein Stolz, sondern ein Bild von Anmut. Undine wartete bereits dort. Wie ein stiller Quell wirkte sie zwischen den Menschen, ihr dunkles Haar fiel in weichen Wellen über die Schultern, ihre Augen leuchteten wie Wasser im Abendlicht. Sie sah auf, als Arthur eintrat. "Sie hat sich eingebracht, ihre Seele drängt nicht nach Macht sondern nach Sinn." Arthur nickte kaum merklich. Er trat vor, nahm einen der Teller, die Elise vorbereitet hatte. Der erste Bissen schmeckte ungewohnt, fremd und doch vertraut, als wäre der Norden und der Süden sich in einem Atemzug begegnet.

      Ein leises Murmeln ging durch die Reihen der Wächter. Einige sahen einander zögernd an, andere griffen bereits zu. Lance stand mit verschränkten Armen, musterte Elise, während Gunivere ihm mit einem sanften Blick zur Seite trat.
      "Probier es, Lance. Oder hungre." sagte sie ruhig. "Aber du verpasst was...sie hat es mit Herz gekocht." Er zögerte, dann nahm er eine der Teigtaschen. Nach kurzem Schweigen nickte er langsam. "Es ist… ungungewöhnlich." sagte er schließlich "Aber durchaus essbar." Undine lächelte kaum merklich. "Ungewöhnlich ist oft nur das, was wir noch nicht verstehen." Arthur spürte, wie sich die Spannung löste nicht auf einen Schlag, sondern wie Eis, das sacht in der Sonne taut. Er sah zu Elise, die die Reaktionen mit stiller Vorsicht beobachtete. "Vielleicht ist dies der Anfang, den wir brauchten." Ein leises Lachen, beinahe zögernd, ging durch die Halle. Die Wächter begannen, miteinander zu sprechen, zu kosten, zu vergleichen. Die Schwere des Morgens wich einer sanfter Lebendigkeit. Der Braunhaarige atmete tief ein, ließ den Blick über seine Gefährten schweifen – Lance, der langsam die Kontrolle über sein Stirnrunzeln verlor; Gunivere, deren Lächeln Licht in die Halle brachte; Undine, die wie ein ruhiger See an seiner Seite stand. Und in der Mitte all dessen: Elise Belyova, die weiße Prinzessin des Nordens, die Kälte und Wärme in einem Atemzug vereinen konnte.
    • Elise

      Elise stand noch immer in der Küche und beseitigte das Schlachtfeld, dass sie im Kampf gegen den Hunger hinterlassen hatte. Sie freute sich doch etwas darüber, dass einige das Essen probierten. Sie konnte an ihren Gesichtern erkenne, dass sie einen Moment brauchten, um den neuen Geschmack auf sich wirken zu lassen. In anderen Momenten hätte sie sicherlich gelächelt, jedoch ließ ihr Körper eine solche Reaktion nicht zu. Gewissenhaft putzte sie die Küchenfläche, fegte und wischte. Die Prinzessin schien sich dafür nicht zu fein zu sein. Die Bewegungen wirkten nicht verloren oder unbeholfen. Sie wusste, was sie tat und sie hat es ohne Scheu.

      Als sie das Gerede hinter sich vernahm, drehte sie sich für einen kurzen Moment nach hinten und sah zu der Truppe, die ihr Essen kostete. Elise hätte nicht gedacht, dass sie sich an ihr Essen wagen würde. Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte es so, als würde ihr ein Lächeln über die Lippen huschen. Elise sah zu Undine und Gunivere. Sie spürte die Wärme die von den beiden Frauen ausging. Es gab ihr ein Gefühl von Heimat. Die blonde hübsche Frau und die mysteriöse Schwarzhaarige wirkten stark und selbstbewusst, erinnerten sie an ihre Mädchen daheim. Ihr kaltes Herz schmerzte. Sorge und Vermissen füllten ihren zierlichen Körper. Ein ungewohnter Zustand für Elise, der sie etwas zurückschrecken ließ. Vielleicht hatte Viktor recht und sie würde weich werden. Elise war früher ein sehr emotionales Kind, sensibel und liebevoll. Er warnte sie immer dringlichst davor, dass ihr Herz schneller wieder gebrechlich sein würde, als sie selbst zu denken glaubte. Schnell erledigte sie ihre Aufgaben, verbeugte sich flüchtig und dankte den Bediensteten der Küche, dass sie sie nutzen durfte, ehe sie sich hastig in das Gemach zurückzog. Ihr Atem war knapp, sie fühlte sich schwächlich.

      Elises Hand wanderte an ihre Brust. Das Juwel blitzte freudig auf, glänzte wie nie zuvor. War es etwa eine Warnung? Ihre schmalen Finger glitten langsam an ihr Herz. Nichts. Kein Klopfen, kein Pochen - nur eine mit blauen Adern marmorierte Stelle Haut die kälter war als der Rest ihres Körpers.
      Ein und Aus, wieder ein und wieder aus. Rasch fing sie ihren fliehenden Atmen wieder und und setzte sich an die gewohnte Stelle an das große Fenster des Gemachs. Ihre Augen wanderten nach draußen und erblickten die Heilige Eiche im sanften Sonnenlicht. Eine ganze Weile verbrachte sie damit sie sich genau anzusehen. Sie bewunderte ihre Schönheit, zählte ihre Blätter und die Tiere, welche sich an ihr ergötzten.

      Ein recht großer Rabe verirrte sich im Schatten der Eiche und trat aus diesem auch nicht heraus. Er wirkte verloren, als würde er nach etwas suchen - oder jemanden? Elise schärfte ihre Augen, welche fast schon verlernt hatten zu sehen und sah genauer hin. Sie lehnte sich aus dem Fenster heraus und der Rabe erblickte sie. Ein lautes Krähen hallte durch Aurea Custodia. Er war es! Erneut krähte er lauthals, flatterte wild mit seinen Flügeln. An seinem Fußgelenk trug er einen kleinen Ring mit eingestanzten Ornamenten. Der anmutige Vogel stammt aus Lunaris Veil! Ohne Zweifel!

      Elise erschrak und griff nach ihren Sachen, sprang auf und kleidete sich so schnell an, wie ein kleines Kind am Weihnachtsmorgen. Ihre Hände zitterten und Adrenalin staute sich in ihrem kalten Herz, war nur nicht in der Lage dazu, dieses in ihrem Körper zu verteilen. Es sammelte sich, und sammelte sich und ihr Herz drohte förmlich jeden Moment zu platzen. Sie rannte so schnell sie konnte hinaus zur Eiche, fiel vor ihr auf die Knie und nahm den großen Vogel in die Hand. In Lunaris Veil waren Raben wie Brieftauben, zugleich jedoch so geliebt wie Haustiere. "Oh! Bei Selene, sie leben!", sprach sie leise zu sich selbst, während sie den Vogel sanft an ihre Brust schmiegte. Er weigerte sich nicht, sondern schien diese Geste durchaus zu genießen. Elises Wangen wurden feucht, eiskalte Tränen liefen ihr über das Gesicht und froren an ihrem blassen Gesicht nahezu fest. Sie weinte oft, doch verstand sie nicht mehr, was es hieß Tränen zu vergießen. Ihr Körper tat es einfach - sie war diesem Phänomen hilflos ausgeliefert.
      Sanft fuhren ihre zarten Fingerspitzen über das dunkle Gefieder ihres treuen Begleiters. Sie hielt ihn fest an sich und legte den Kopf wieder nieder an die Erde der Eiche. Sie dankte ihr abertausende Male.

      Die Schneeprinzessin war sich sicher, dass das ihre Bestimmung war. Sie sollte dem Sonnenführer begegnen und die Juwelen sollten aufeinandertreffen, um das Schicksal zu wenden. Sie würden mit vereinter Kraft retten, was noch zu retten war und verhindern, dass diese Welt von dunklen Mächten übernommen wurde. Elise wollte nicht mehr nur ihren Bruder und ihre geliebten Mädchen retten. Vielmehr tat sich in ihr der Wille auf, dieses Reich ebenfalls so gut zu schützen, wie es ihr nur möglich war. Sie waren ihre Rettung, nun wollte sie ihnen Sicherheit erwidern.
    • Arthur

      Das laute, raue Krähen schnitt durch die Mittagssonne wie ein Ruf aus einer anderen Welt. Es hallte über die Mauern des Heiligtums, ließ selbst die jungen Wächter in ihrem Training innehalten. Arthur hob den Kopf, der Schwertgriff noch warm in seiner Hand, und spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. "...Ein Rabe? Hier?" murmelte Lancelot, die Augen zusammengekniffen. "Im Heiligtum hat seit Jahren kein Tier mehr gewagt so tief vorzudringen." Undine trat näher, ihre Bewegungen fließend wie Wasser, das keine Eile kennt. "Nicht irgendein Rabe. Er trägt Metal am Bein." sagte sie leise. "Ich kenne diese Zeichen... das ist ein Bote. Ein Bote aus dem Norden." Der Juwelenträger spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog ein dumpfer Druck, als würde das Sonnenjuwel selbst aufhorchen. Dann fiel sein Blick zur Eiche hinunter, wo sich eine Bewegung abzeichnete. Zwischen den Wurzeln, im goldenen Schatten, kniete Elise. Ihr blasses Kleid hob sich gegen die dunkle Erde ab, ihre Gestalt still und doch von etwas ergriffen, das tiefer war als Trauer oder Freude. "Helios..." flüsterte der junge Mann, gerade noch in seinen Gedanken verhangen. "Was hat sie dort…"

      Gunivere war bereits in Bewegung. Die blonde Schönheit lief leichtfüßig den Hang hinab, ihr Umhang wehte hinter ihr her wie ein goldener Strom. Arthur folgte ihr, dicht gefolgt von Lance und Undine. Fremde Prinzessin kniete noch immer, den Raben fest an die Brust gedrückt, und für einen Augenblick glaubte Arthur, Zeuge eines Gebets zu sein. Doch dann sah er die Tränen auf ihren Wangen .... gefroren zu schimmernden Kristallen. Ein Schauspiel welches die erfahrene Kundschafterin der Wächter inne halten ließ. Dieser Anblick weckte alte Erinnerungen und gleichzeitig rüttelte er tiefe Sehnsüchte in ihre wach. Schließlich blieb Gunivere endlich zum stehen, legte vorsichtig eine Hand auf Elises Schulter. "L-Lady Elise? Was ist geschehen?" Undine, nun endlich wieder gefasst trat näher, ihr Blick wurde weich, beinahe mütterlich. "Er kam aus Euer Heimat. Dann hat Selene Euch ein Zeichen geschickt. Der Kreis schließt sich."

      Arthur blieb einen Schritt zurück. Er spürte, wie sich in ihm etwas regte Bewunderung, vielleicht Erleichterung, aber auch Furcht. Der Rabe, die Tränen, die Worte - alles wirkte wie ein Zeichen der Götter. Und er wusste, dass solche Zeichen nie ohne Preis kamen. Lancelot verschränkte die Arme. "Ein Rabe aus dem Norden könnte auch anderes bedeuten. Späher. Täuschung. Nachricht aus Feindesland.-" allerdings brach der Recke seine Gesankenspiele ab als sein Blick den der Verhüllten traf. Ihre Augen blitzen ihn warnen an. Grund genug vorerst zu schweigen. Der junge Anführer trat nun doch näher, sein Schatten fiel über Elise und den Vogel. Für einen Moment sah er sie einfach nur an – diese Frau, die sich mit der Erhabenheit einer Königin und der Verletzlichkeit eines Menschen in den Armen hielt, und etwas in ihm wollte es einfach glauben. "Dann verdanken wir Helios ... und eurer Göttin, dadasIhr noch Hoffnung haben könnt." sagte er leise. "Doch wenn Hoffnung zurückkehrt, folgt Verantwortung." Undine lächelte mild. "Dann wird aus zwei Pfaden vielleicht nach Jahrhunderten endlich ein Weg." Gunivere, die noch neben Elise kniete, sah auf zu Arthur und in ihrem Blick lag jene stille Bitte, die er schon so oft in ihren Augen gesehen hatte: "Lass sie Mensch sein, nicht Symbol." Doch er konnte ihr diesen Wunsch nicht geben. Noch nicht. "Lance." sagte er ruhig, ohne den Blick von Elise zu lösen. "Schick Späher zu den äußeren Wachtposten. Wenn Raben den Weg finden, können es auch andere." Der Ritter mit schwarzen Haupt nickte stumm. "Verstanden." erwiderte Lance knapp, legte seinen Blick noch ein letztes Mal auf Gunivere und verschwand in langen Schritten.

      Zurück blieben Undine, Gunivere, die blasse Prinzessin und Arthur, der in der stillen Brise stand, während sich das goldene Licht der Sonne über den kalten Schimmer des Mondlichts legte. "Mylady? Ihr solltet euch ausruhen so lange Ihr noch könnt." sagte er schließlich. "Wenn der Bote aus dem Norden kommt, dann wird bald mehr folgen vielleicht Nachrichten, vielleicht… Entscheidungen." Der Braunhaarige sah sie noch einen Moment an - den Raben, die gefrorenen Tränen, das sanfte Leuchten ihres Juwels. Dann wandte er sich ab. Gunivere ging neben ihm her, und er spürte ihren fragenden Blick. "Du glaubst ihr." Sagte sie. "Ich glaube an Zeichen." antwortete Arthur leise. "Und auch an Prüfungen." Undine folgte ihnen, das Licht auf ihrem Haar fließend wie Wasser. "Dann bete, dass Helios und Selene diesmal dieselbe Wahrheit sehen." Arthur schwieg. In seinem Inneren flammte das goldene Juwel auf warm, aber ruhelos. Er wusste, seine Vertraute hatte recht dies war erst der Anfang.
    • Elise

      Elises Verstand blendete aus, was um sie herum geschah. Gerade drehte sich alles für sie darum, dass Viktor und ihre Mädchen am Leben sein. Sie hatten recht, denn es war ein Zeichen des Nordens. Die Krähe war aufgebracht, dennoch ruhig. Eine leichte Entwarnung. Dennoch wusste Elise, dass nicht mehr viel Zeit zu vergeuden blieb. Sie setzte sich auf und die Eiskristalle an ihren zarten Wangen schmolzen im Sonnenlicht und liefen ihr über ihr Kinn.
      Sie nickte, hielt den Vogel sanft in ihrer Hand, ehe sie ihn wieder in die Lüfte freiließ.

      "Er wird uns den Weg leiten, sobald wir bereit sind", versicherte sie mit leiser Stimme. In ihr war kein Zittern, kein Stottern zu hören. Sie war ruhig und gefasst, auch wenn ihre Seele sich anders fühlte. Elise trug eine Standhaftigkeit nach außen, welche sonst nur ein Kämpfer an den Tag legen würde. Sorge, jedoch keine Hysterie, keine Anzeichen von Eile. Dennoch glänzten die nassen Spuren ihrer Tränen in der Sonne. Sie war keineswegs herzlos, nur verzaubert - andere nannten es auch verflucht. "Nur kann er uns nicht sagen, was uns erwarten wird", sprach sie zu den Menschen um sie herum, noch kniend, aber aufgerichtet. Langsam erhob sie sich und atmete tief ein. "Schützt Eure Männer, Sir Pendagron...", riet sie ihm mit kühler Stimme, in welcher ein ehrlicher Unterton zu hören war. "Sie werden nicht zurückkehren um Euch Bericht zu erstatten. Meine Mädchen sind allesamt verschwunden. Sie wurden nicht getötet, sondern entführt", war sie sich sicher.

      Die blasse Frau trat einen Schritt näher an den Anführer des Aurea Custodia heran und sah ihm direkt in die Augen. Ein weicher Blick, das Tor zu ihrer Seele, vorbei an ihrem Herzen. Ihre schmale Hand griff seine, sanft und nur mit den Fingerspitzen berührte sie die seinen. "Sir Arthur, vertraut mir wenn ich sage, dass es sich hier nicht um einen Kampf zwischen Reichen handelt. Dies ist ein Kampf gegen die Götter...". Ihre Hand wirkte nicht aufdringlich, nicht bedrohlich, sondern überzeugend. Sie strahlte eine Kälte aus, die jedoch Wärme hinterließ - fast wie ein Gefrierbrand, den man im eiskalten Winter im Schnee als wohlig warm empfindet. "Selene schickte mich her, nicht nur um Euch und Euer Volk zu warnen. Ich wurde hergeschickt, weil dies die Zeit des Umschwungs sein wird - sein muss!". Elise wirkte ruhig, dennoch waren ihre Augen aufgebracht. Sie sah in seine, denn dort Versteckten sich die wahren Gefühle der Prinzessin. So stand sie vor ihm - standhaft, aufrecht und unerschrocken - doch offenbarte sie sich ihm. Sie zeigte ihm ihre Schwachstelle, ihren wunden Punkt, den sie bald wieder verbergen würde. Alles was ihr Herz vor der Außenwelt verborgen hielt, brachten ihre tiefen und hellen Augen umso stärker zum Ausdruck. Sanft wehten ihre langen, weißen Locken im Wind der Dämmerung und für einen kurzen Moment wirkte sie verletzlich und hilflos, doch unbesiegbar und mutig.

      "Ihr seid der Schlüssel zu diesem Rätsel, Sir Arthur. Helios und Selene vereinten uns hier, auf Eurem Boden. Eure Entscheidungen wird der Richter über die Zukunft unserer Gottheiten sein und Selene schickte mich zu Euch, weil sie Euch Vertrauen schenkt. Euch und Euren Freunden". Sie sah zu Gunivere und Undine und schenkte ihnen ein respektvolles Nicken. "Und so werde auch ich lernen Euren Entscheidungen zu vertrauen - Euch zu vertrauen, Sir".
      Sie ließ langsam von seiner Hand ab und kehrte nach einem königlichen Knicks wieder in ihr Gemach zurück.
      Der Körper der Prinzessin war verwirrt. Er wusste nicht, was er fühlte, doch fühlte er es dennoch. Der Weg in das Gemach wirkte wie eine Pilgerreise, lang und ermüdend mit viel Raum für Gedanken und Urteilen.

      In ihrem Gemach atmete sie tief ein und schob ihre Gedanken fürs Erste zur Seite. Sie sah auf das Bett, auf welches die neuen Kleider sorgfältig gelegt wurden. Das lange Nachtkleid, welches ihr geliehen wurde, unterschied sich kaum von den ihren, doch war der Stoff in einem sanften Blau. Lage für Lage kleidete die zierliche Frau sich aus und wirkte wie eine Porzellanpuppe in den Händen eines Kindes, zerbrechlich doch wunderschön. Man wollte sie vor den unvorsichtigen Händen schützen, in vollster Gewissheit, dass sie einige Stürze durchaus überleben würde. Gewissenhaft legte sie die Alltagskleider zur Seite und hüllte sich in das sanfte Blau des luftigen Stoffes. Ein ungewöhnlicher Anblick, edel und feminin hob die Farbe die sonst eher unscheinbare Schönheit hervor, die sich wie gewöhnlich an das Fenster setzte und die Seiten des Buchs öffnete, welches sie seit ihrer Ankunft förmlich verschlungen hatte.

      Dasselbe Bild derselben Frau wie den Abend zuvor ebenfalls. Doch wirkte sie anders. War es einzig und allein das Blau, welches ihre Ansehnlichkeit hervorhob? Oder auch die Erkenntnis, dass in ihr so viel Emotionen steckte, wie kaum jemand zu vermuten mochte?
      In ihrer Hand hielt sie ihre Augenbinde, denn sie war sich mehr als bewusst, dass sie sie jetzt gewissenhafter und stolzer tragen musste, als jemals in der Vergangenheit.
    • Arthur

      In dem Augenblick, als ihre Fingerspitzen die seinen berührten, war es, als hielte er den Atem der Götter selbst in der Hand.
      Elises Haut war wie winterlicher Tau kühl, doch lebendig, und irgendwo darin glomm eine Wärme, die sich in seine Adern legte. Ihr Blick, hell und unergründlich, schien ihn bis auf den Grund seiner Gedanken zu durchdringen. Für einen Herzschlag vergaß er, wer er war kein Anführer, kein Ritter, nur ein Mann, gefangen im Licht zweier Augen, die mehr Geheimnisse trugen als der Lauf des Mondes selbst. Als sie sprach leise, bestimmt, wie ein fernes Orakel war es, als legte sich der Winter selbst in seine Brust. Ein Kampf gegen die Götter hatte sie gesagt. Und als sie sich abwandte, ihm diesen letzten, so leisen Blick schenkte, wusste Arthur, dass diese Berührung Spuren hinterließ, die kein Schwertstahl je auslöschen würde.

      "Bei allen Heiligen, Arthur." rief Lancelot, der plötzlich in der Halle erschien "Du schaust, als hättest du eben mit einer Nymphe getanzt." Es war ein Scherz, ungewohnt aus den Munde des Mannes mit den schwarzen Haupt, in Angesicht dieser Bedrohung und doch schätze er seinen Versuch. "Vielleicht habe ich das." murmelte Arthur und bereute es sofort, als Lancelot breit grinste. "Klingt als hätten wir Gesprächsstoff für den nächsten Krug Met in der Taverne." Gunivere stieß ihn in die Seite. "Lass ihn, Lance. Nicht jeder lebt so sorglos wie du." Es war kein Geheimnis dass die Blonde es nicht mochte wenn die Männer in irgendeiner Spelnke ohne sie die Zeit vergaßen. "Ich nenne es strategische Gelassenheit." konterte er. "Hah! Nicht jeder stolpert so charmant durch die Nacht wie du." Sanft schlang sie ihren Arm um seinen. "Ich muss aber sehr bitten, Liebste. Ich stolper nicht, ich gleite." Ehe sich die Beiden jedoch weiter annähren konnten mahnte sie eine kalte Hand zur Ordnung. "Ja, wie ein Frosch über Pflastersteine." Fügte Undine trocken hinzu ehe sie ihre Hände von ihren Schuktern nahm und sich den Anführer nährte. "Ah, ich sehe schon. Es weht einmal mehr die Seebriese der Frauenweisheit." Seufzte der Schwarzhaarige, doch seine Bemerkung blieb zunächst ungeachtet.

      Ein Lachen ging durch die Halle... kurz, befreiend. Doch als Arthurs Blick wieder zum offenen Fenster wanderte, wehten die Banner des Ordens schwer im Wind. "Lady Elise sprach von Entführungen." sagte er leise. " Von ihren Lanzenschwestern die spurlos verschwanden. Kein gewöhnlicher Feind." Sein Blick traf den seiner Beraterin, deren wasserblaue Augen aufmerksam funkelten.
      "Dann mischen sich höhere Mächte ein." ergänzte Undine ruhig. Der junge Ritter nickte sah die drei an, die ihm mehr bedeuteten, als er je zugeben würde. "Dann bereitet alles vor." befahl er schließlich, seine Stimme fester, der Blick klar. "Lance, du stellst den Trupp zusammen. Gunivere, du bleibst hier und überwachst die Verteidigung. Undine ...." Er zögerte. "-...Ich wünsche, dass du bei mir bleibst. Wenn Elise recht hat, dann brauchen wir jemanden, der die Zeichen des Wassers lesen kann." Undine lächelte kaum merklich. "Dann hoff ich, du kannst schnell genug schwimmen, Arthur.“ Lance grinste breit. "Das erklärt einiges. Ich dachte immer, du säufst im Training nur ab, weil du's mit Rüstung versuchst." Arthur schnaubte und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
      "Wenigstens hab ich es versucht, während du dich am Ufer sonnst." Sein bester Freund hob eine Braue. "Ich brauche diese Zeit zur taktischen Besinnung. Daher würde ich vorschlagen, Cassian und die Zwillinge begleiten uns, niemand kennt Gegend um die Blutzinnen besser als sie." bot Lancelot an. Undine trat neben Arthur und legte die Hand auf seine Schulter. "Ich weiß. Du trägst jetzt mehr als deinen Namen oder Titel ... du trägst nicht nur Verantwortung sondern auch Hoffnung. Beides kann einen Menschen brechen... oder zu etwas Größeren machen."
      Arthur senkte den Blick. "Manchmal fürchte ich, dass ich ihr nicht gerecht werde." Die Frau neben ihn schüttelte den Kopf, was ihre ebenholzfarbenen Haare wie Wellen über ihre Schultern gleiten ließ. "Doch, das wirst du." sagte sie schlicht. "Weil du zweifelst. Nur wer zweifelt, bleibt menschlich. Diejenigen die sorglos bleiben scheitern zuerst." Gunivere und Lancelot traten hinzu, berührten flüchtig seinen Arm. "Du führst uns, Arthur. Aber du bist nicht allein."

      ༶•┈┈⛧┈♛ ♛┈⛧┈┈•༶

      Das erste Licht des Tages kroch über die Kuppeln des Heiligtums, legte Gold über Stein. Arthur stand am Hang, wo der Tau glitzerte, und prüfte schweigend sein Schwert. Die Nacht hatte ihm keinen Schlaf gelassen; Elises Worte hallten in ihm nach wie ein Versprechen aus Eis und Licht.
      Ein Rascheln. Undine trat neben ihn, die Kapuze leicht vom Wind gelöst. "Du bist schon lange wach." Arthur sah sie an und in ihrem Blick lag dieses tiefe, wasserklare Verständnis, das er an ihr immer bewundert hatte. "Der Morgen lässt sich nicht aufhalten." erwiderte er. Gemeinsam blickten sie hinab auf die jungen Wächter, die sich im Nebel samsammelten "Noch ist es friedlich... vielleicht." murmelte Undine "Aber nicht sorgenfrei. Das Wasser sprach von Bewegung im gen Norden. Ein paar Tagensmärsche von hier. Dort müssen wir suchen." Der junge Mann nickte beflichtend. "Dann bereiten wir alles vor." Unten ertönte Lancelots Stimme: "Hat jemand meinen Helm gesehen? Gunivere, du hast ihn doch nicht wieder-" jedoch kam er nicht weiter als der harte Stahl gegen seine Brust traf. "Wenn du nicht Zuhause vergessen hättest , Lance, hätte ich jetzt nicht werfen müssen!" Arthur seufzte, Undine lächelte. "Manchmal frage ich mich." meinte sie, "Ob sie euch absichtlich zusammen eingeteilt haben, um den Feind mit Lärm zu vertreiben." Der Braunharige grinste. "Es wirkt...mit unter." antwortete er trocken. Sie lachte leise, dann wurde ihr Ton weich. "Du hältst sie zusammen, Arthur - ob du willst oder nicht." Er atmete tief, ließ den Blick über das Land schweifen. "Ich habe Oswalds Platz kaum eingenommen, und schon verlässt sich ein ganz anderes Reich auf mich." Ein Schatten glitt über Arthurs Gesicht, doch als Lancelot und Gunivere sich näherten, hellte er sich wieder. "Wenn ihr beiden fertig seid mit eurer Philosophie." rief Lancelot "Die Pferde sind bereit, der Proviant ist gepackt. Es fehlt nur noch die holde Dame aus den Turm." Eine Aussage die Gunivere veranlasste ihren Ellenbogen in seine Seite zu stoßen. Der junge Anführer ignoriert den spöttischen Teil der Aussage und versuchte sich auf das wesentliche zu konzentrieren. "Dann lasst uns gehen sobald Lady Elise bereit ist. Die Sonne wartet nicht." Er warf einen letzten Blick zum Turm, wo im Fenster ein heller Schimmer lag und wusste, dass Elise ihn sah. "Tun wir, wofür wir auserwählt wurden." sagte er. Lancelot grinste. "Das klang fast wie Oswald. Nur mit weniger Bart."
      Gunivere stieß ihn abermals an, Undine lachte und so brachen sie auf, während über Aurea Custodia das Licht des Morgens sich entfaltete wie ein Schwur.
    • Elise

      Elises Nacht war kurz und unruhig gewesen. Sie wusste nicht, was auf sie warten würde, wenn sie den Norden erreichten. Lunaris Veil war kalt und dunkel, unvergleichbar mit Aurea Custodia. Würden ihre Gefährten die Reise ertragen? Der nördliche Wind war harsch wie eine Klinge, die Schneedecke eine Herausforderung für jene, die Väterchen Frost noch nicht kennengelernt hatten. Doch sie war guter Dinge – sie war nicht mehr allein. Die Begleiter, die unten auf sie warteten, gaben ihr Halt. Hoffnung. Und mehr noch: Sie spürte ihren Bruder. Sein Herzschlag, unruhig aber lebendig, pulsierte irgendwo im Norden. Er lebte.

      Ihr Blick fiel flüchtig aus dem großen Fenster – Arthur stand im Hof, eine goldene Silhouette im Morgenlicht. Feuer und Licht, wo sie nur Schatten und Kälte kannte. Etwas in ihr reagierte darauf, ein Ziehen, das sie nicht zulassen durfte. Seine Wärme war gefährlich. Sie wandte sich ab, zog die Vorhänge zu und erstickte das Gefühl unter Schichten aus Eis und Pflicht.

      Ihre schwarzen Stiefel hallten in den langen Gängen des Heiligtums, als sie die Treppen hinabeilte. Ihre Kleider lagen eng an ihrem Körper, wirkten nicht königlich, nicht höfisch. Sie war gekleidet, um zu kämpfen, nicht um zu imponieren. Und doch – vielleicht gerade deshalb – ließ die schlichte Bekleidung sie nicht weniger elegant wirken. Der schwarze Stoff schmiegte sich an ihre schlanke Figur, lenkte den Blick nicht auf prachtvolle Ornamente oder Stickereien, sondern auf die rohe Anmut, den stillen Reiz, der Elise innewohnte.
      An ihrem Oberschenkel ruhte ein Halfter mit zwei Dolchen – frisch geschliffen, glänzend im Morgenlicht. Die ästhetische Schmiedekunst des Nordens kam in ihnen zur Geltung: schön und brutal zugleich. Widerhaken an den Klingen versicherten, dass jeder Feind sie nicht nur beim Eindringen, sondern auch beim Herausziehen spüren würde.

      Der Bogen an ihrem Rücken war mehr als nur eine Waffe – er war ein Kunstwerk. Vom Meisterschmied des Nordens aus silbernem Metall gefertigt, ahmte seine geschwungene Form die natürliche Eleganz eines Engelsflügels nach. Feine Gravuren liefen über die Oberfläche wie Federkiele, die Sehne schimmerte wie gesponnenes Mondlicht. Diagonal über ihre Schulter getragen, schien der Bogen aus ihrem Rücken zu wachsen, als hätte Selene selbst ihr einen Flügel geschenkt.

      Elise trat aus dem Heiligtum. Bestimmt, mit klarem Ziel, aber ohne Hast, begab sie sich zu den anderen. Währenddessen legte sie sich die dunkle Augenbinde um die Augen und zog sie fest. Während sie die Augenbinde festzog, murmelte sie leise die Worte, die sie jeden Morgen sprach: "Selene, Herrin stiller Nacht, gib mir Kraft für diesen Tag." Ein kurzes Gebet, welches sie der Mondgöttin näherbrachte, sie an sie erinnerte. Das flüchtige Pulsieren des Juwels ließ sie wissen, dass Selene ihr nah war. Dies war der richtige Weg.
      In diesem Moment verwandelte sie sich: Ein gefallener Engel, der Rache geschworen hatte. Verborgen. Unnahbar. Gefährlicher, als man zu vermuten wagte.
      Sie war mehr als nur eine Prinzessin. Sie war Juwelenträgerin. Und auf ihren Schultern lastete dieselbe Verantwortung, die auch Arthur trug.
    • Arthur

      Der Morgen roch nach kaltem Eisen und Tau. Nebel kroch über die Steinstufen des Heiligtums, als wollte er sie ein letztes Mal umhüllen, bevor sie verschwanden. Arthur stand im Hof, die Sonne kaum über dem Horizont, als Elise aus den Schatten der Säulen trat. Sie war anders, als er sie am Vorabend gesehen hatte ...entschlossener, fast überirdisch. Die schwarze Kleidung, das Silber des Bogens, die Augenbinde, die ihr Gesicht halb verhüllte all das verlieh ihr eine Stille, die mehr Macht ausstrahlte als jedes königliche Siegel. Er wusste nicht, ob es die Göttin war, die sie so wandelte, oder der Schmerz in ihr, der zu etwas Reinerem gebrannt war. Er wusste nur: Als sie an ihm vorbeiging, spürte er den Hauch von Kälte und den Geruch von Mondlicht.
      Ein Pferd stand bereit eine schlanke, silbergraue Stute, deren Fell im Licht des Morgens schimmerte wie Reif. Arthur hatte sie selbst gewählt, lange bevor Elise erschien. "Sie ist ruhig im Herzen, aber schnell, wenn es zählt." sagte der Braunhaarige als einer der Getreuen das Pferd in den Hof führte. "Lady Elise." Begann er, und seine Stimme klang fester, als er sich fühlte. "Ich habe Euch ein Pferd zur Seite gestellt. Sie heißt Lyria, von den Wächtern gezüchtet. Sie wird Euch tragen, wohin auch immer dieser Weg führt." Er legte eine Hand an den Zügel, führte die Stute näher und reichte ihr schließlich die Hand, um ihr beim Aufsitzen zu helfen.
      Für einen Augenblick berührten sich ihre Hände fest, doch nicht grob. Ihre Finger waren kalt wie Morgentau, seine warm wie der Stein, auf den die Sonne fiel. Ein kurzer Moment stiller Verbindung, kaum mehr als ein Atemzug, doch in Arthurs Brust spannte sich etwas an, als würde ein unsichtbarer Faden gezogen. Elise ließ sich auf den Sattel gleiten, ihre Bewegungen geschmeidig und kontrolliert. Ein bestimmtes Räuspern holte den jungen Anfüher aus seinen Gedanken. "Bereit?" fragte Lancelot, der bereits am Tor stand und den Helm unter den Arm klemmte. Arthur nickte knapp. "Sobald Undine zurück ist. Sie spricht noch mit dem Quellhüter."

      Gunivere war die Nächste, welche wieder aus der Halle trat. In ihre Blick lag der Glanz einer Sehnsucht, die Arthur nur schwer zu beschreiben wusste. "Dann bleibt mir Zeit, mich zu verabschieden." Ihre Rüstung war unvollständig nur die Brustplatte trug sie, die Hände bloß. Der Wind spielte mit einer losen Strähne ihres Haares, während sie auf Lancelot zuging. Arthur wandte sich ab. Er wusste, dass er diesen Moment nicht stören durfte. "Ich weiß.... es ist besser wenn du hier bleibst." sagte Lancelot leise. "Ja. Jemand muss hierbleiben. Der Orden braucht Augen und Verstand." Gunivere lächelte schwach, doch in ihren Augen lag Trauer, klar wie ein stiller See. "Du weißt, dass ich dich lieber an meiner Seite hätte." flüsterte er. "Und ich dich lieber an meiner." entgegnete sie "....Aber wir wissen beide, dass du dich sonst in Schwierigkeiten bringst." Er lachte leise, wenn gleich mit bitteren Ton. "Ich finde sie auch ohne Mühe." Gunivere seufzte wehmütig. "Ich weiß." Die holde Maid trat näher und legte ihre Hand an die Wange ihrer Ritters. "Komm heil zurück, Lancelot." Für einen Moment wich alles der Hof, der Wind, selbst die Stimmen der Wachen. Nur zwei Menschen, die wussten, dass ihre Wege sich wieder trennen mussten, weil Pflicht manchmal stärker war als Liebe.
      Gunivere neigte sich vor, hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. "Nur, wenn du auf mich wartest." Seine Aussage ließ sie kaum merklich nicken. "Ich hab nie aufgehört."Dann löste sie sich, wandte sich an Arthur. "Führe sie gut, Arthur. Er nickte. "Das verspreche ich." Und als sie ging, nahm sie mit jedem Schritt etwas Licht mit sich.

      Undine kam kurz darauf den Hang hinunter, ihre Bewegungen ruhig, fast gleitend. "Der Quell hat gesprochen." sagte sie. "Der Weg in die flüsternden Wälder steht offen, aber er wird euch prüfen. Das Wasser flüstert von Stimmen, die nicht leben und nicht sterben. Bleibt im Licht, Arthur." Er nickte, mehr zu sich selbst als zu ihr. Dann schwang er sich in den Sattel. Cassian, die Zwillinge und die übrigen Wächter folgten. Elise saß bereits auf Lyria, still, das Gesicht zum Norden gewandt.
      "Aufbruch!" rief Arthur, und das Tor öffnete sich mit einem ächzenden Klang.

      Die Sonne legte sich wie ein letzter Segen auf ihre Rüstungen, bevor sie in den Nebel ritten. Der Pfad in die Wälder war schmal, gesäumt von uralten Bäumen, deren Äste wie Arme ineinandergriffen. Bald verschluckte sie der Dunst, und das Zwielicht der Wälder umfing sie wie ein Atem. "Man sagt..." begann Cassian, "...Dass die Bäume hier flüstern, weil in ihnen die Stimmen alter Krieger wohnen." Seine Worte hallten eine Weile nach. "Dann hoffe ich, sie singen in Dur." murmelte Lancelot, der sein Pferd neben Undines lenkte. Arthur antwortete nicht. Sein Blick glitt über den Nebel, der sich zwischen den Stämmen wand, fast als lausche er selbst.
      Er fühlte das Schwert an seiner Seite, das Gewicht vertraut. Er fühlte das Juwel unter seiner Rüstung, das leise pulsierte.Und er fühlte Elises Gegenwart, irgendwo hinter ihm wie einen Stern, den man nicht sehen, aber spüren konnte. Das war kein gewöhnlicher Aufbruch. Es war ein Schwur. Arthur wusste, dass sie, wenn sie die flüsternden Wälder durchquerten, nicht dieselben sein würden. Etwas würde sich ändern in ihnen, zwischen ihnen, vielleicht in der Welt selbst. Der Wind rauschte leise durch die Blätter, und in diesem Wispern glaubte Arthur eine Stimme zu hören, kaum mehr als ein Hauch: "Feuer und Mond… vereint im Schatten." Er schloss kurz die Augen, dann trieb er sein Pferd an. Die Wälder nahmen sie auf, und Aurea Custodia verschwand hinter ihnen -golden und fern, wie eine Erinnerung an Licht.