Viktor & Elise
Viktor saß tief versunken in dem mit rotem Stoff bezogenem Sessel nah am Feuer, verlor sich nahezu gänzlich in dem Gefühl der Gemütlichkeit, welches sich in seinen Gliedmaßen ausbreitete, als er sanfte Schritte auf dem Gang vernehmen konnte.
Seine Augen waren verschlossen und beabsichtigten nicht den Prinzen in naher Zukunft wieder das warme Licht des Raumes erblicken zu lassen. Sein müdes Wesen sehnte sich nach Ruhe, nach einem Ort an welchem er Kummer und Sorgen einfach zurücklassen konnte - so wie es ihm als Kind die Arme seiner Mutter ermöglichten, die wohl gewählten Worte seines Vaters und das bezaubernde Klavierspiel seiner Schwester. Ein flüchtiges Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er an vergangene Momente dachte. So oft verzerrte er sich nach der Vergangenheit, fürchtete sich oft davor, in ihr zu verwelken. Ganz langsam schlich er sich Schritt für Schritt in seinen Gedanken in seine früheren Erinnerungen hinein und ließ sie mit seinen Wünschen verschmelzen. Viktor stellte sich vor, wie er in den großen und hell erleuchteten Speisesaal trat, in welchem seine Familie auf ihn wartete.
Wie zu erwarten trug seine Mutter ein liebevolles Lächeln auf den Lippen und erhob sich momentan, als er den Raum betrat. Ihre Stimme berührte seine Seele und umhüllte ihn wie warmes, weißes Gefieder. "Mein teurer Sohn", sprach sie mit mütterlichem Sanftmut und strich ihm nur ganz knapp über sein markantes Kinn, als wäre es nur die Andeutung einer Berührung gewesen. Sie legte ihren schönen Kopf in ihre Schulter und sah ihm tief in die Augen - oh, diese Wärme, die aus ihnen hinausging. Als würde dieses kalte Geschöpf die Sonne wahrhaftig in ihrer Brust tragen und sich in ihren Fingern sammeln, in ihren Worten ausleben. "Ihr seht so müde aus, mein Kind...".
Ihre Stimme, so besorgt und voller Furcht. "So unendlich entschöpft..." Viktor nickte und versuchte seine kalten Wangen in die warmen Hände seiner Mutter zu legen. "Mutter", begann er. "Wie ein Vogel ohne Flügel wandere ich von Tag zu Tag, versuche das Herz eines lodernden Phönix zu bändigen. Doch Mutter, sie ist so entschlossen in ihrem Vorhaben. Wie sollte ich sie aufhalten, ohne sie gänzlich als meine Schwester zu verlieren? Sie ist alles für mich, würde mein Leben für sie geben. Meine Taten bringen sie jedoch dazu, mein Leben zu verachten, wenn ich sie weiter einzusperren vermag...", offenbarte er dem Trugbild seiner Mutter - fürchtete sich vor den Worten, die sie zu ihm sprechen würde. Sie öffnete ihre Lippen, aus ihnen schien sich jedoch kein Ton formen zu können. Langsam griff er nach den Schultern seiner Mutter, wollte sie an sich ziehen und auf ewig an seine nun so erwachsen gewordene Brust schmiegen und sie niemals mehr hergeben - glitt jedoch gleich durch sie hindurch und zerriss das Trugbild mit einem Hauch, der den Prinzen zurück in die harsche Realität beförderte.
Er wollte nicht, doch sie prägende Präsenz Avelines forderte ihn dazu auf, langsam seine Augen zu öffnen.
Viktors Blick glitt zu dem Tablett in ihren Händen, zu dem sorgsam angerichteten Tee, dem Brot, den feinen Speisen. Jede Geste, jeder Winkel schrie nach Bedacht – nicht nach Fürsorge. „Ihr seid sehr aufmerksam“, murmelte er und löste seine Arme wieder, jedoch nur, um sich aufrecht hinzusetzen. Der Sessel knarrte unter seinem Gewicht, als wollte er ihn warnen, sich nicht zu tief in Avelines Nähe sinken zu lassen. „Doch Ihr müsst Euch nicht um jeden meiner Atemzüge sorgen.“ Seine Worte waren von ähnlicher Kälte geprägt wie die seiner Schwester - nicht kränkend oder hart, nur ehrlich und kühl wie frischer Winterwind. Er trat Aveline mit einer gewissen sachlichen Distanz entgegen, die selbst die Zofe nicht leugnen konnte und es fuchste sie, dass er Undine nicht mit dieser grässlichen Distanz bestrafte. Ihre Hände bebten, als sie das Tablett auf dem kleinen Tisch abstellte - nicht vor Nervosität, sondern weil ihr Blut vor Echauffierung über die Tatsache kochte, dass dieses Weib nichts dafür tun musste, dass Viktor sie scheinbar so nah an sich ranließ.
„Bitte denkt nicht, dass ich Eure Loyalität nicht schätze, Aveline. Sie ist wertvoll“, sprach er zu ihr, jedoch waren seine Worte nicht wie ihre in Honig getränkt, sodass zwischen ihnen ein Moment Stille herrschte - die Art Stille, welche man spürt, bevor der Schnee zu fallen beginnt.
Aveline ließ ihre Lider einen Wimpernschlag länger gesenkt, als es nötig war – gerade so lange, dass man Mitleid empfinden konnte und lange genug, dass ihr süßes Lächeln sich neu formte, sortiert, perfektioniert. Als sie wieder zu Viktor aufsah, glänzten ihre Augen mit einer Mischung aus warmer Anteilnahme und ganz feinem, glitzerndem Besitzanspruch. „Ich möchte nur, dass Ihr Euch verstanden fühlt,“ hauchte sie, eine Hand zart an ihre Brust gelegt. „Manchmal habe ich das Gefühl, Ihr tragt mehr allein, als Ihr zeigen mögt. Und wer sollte Euch entlasten, wenn nicht jemand, der Euch seit Jahren dient?“ Das Wort dient sprach sie so sanft aus, dass man fast überhören konnte, wie sehr es in Wahrheit beweist, dass ich hier das Recht habe zu stehen bedeutete. Viktor atmete tief aus. Er war müde – zu müde, um Avelines süße Beharrlichkeit abzuwehren oder um die kleinen, gezielten Stiche zwischen ihren Worten zu beachten. Also richtete er sich etwas auf, schob das Tablett mit einer dankbaren, aber eher formellen Geste näher zu sich und deutete mit der Hand auf den Hocker rechts neben dem Sessel. „Setzt Euch, wenn Ihr mögt,“ sagte er. Für einen kurzen Moment schien Aveline zu strahlen – nicht warm, sondern wie eine Lampe, dessen Öl endlich nachgefüllt wurde. Sie glitt beinahe lautlos zu ihm, setzte sich so elegant, so artig neben ihn, wie eine Dame, die genau wusste, wie man wirkt. Ihre Knie blieben knapp außerhalb seiner Reichweite – nicht aus Respekt, sondern weil sie wusste, dass Nähe mehr elektrisiert, wenn man sie nur andeutet. „Danke, Hoheit…“, hauchte sie sanft mit zuckriger Dankbarkeit in ihrer Stimme. Oh, wie süß ihre Worte klangen. Sie wandte sich etwas ihm zu, Kopf schräg, ein weicher Blick – so weich, dass er beinahe geschliffen war. „Ihr seht wirklich müde aus…“ flüsterte sie. „Wenn Ihr wünscht, reibe ich Euch etwas von dem warmen Balsam auf die Schläfen? Er hilft. Auch Prinzessin Elise nutzt ihn, wenn—“ Und genau in diesem Moment öffnete sich die schwere Tür des Saals. Ein kalter Hauch strich hinein und Elise stand dort in dem hohen Türbogen, der sie nahezu wie eine kleine Elfe erscheinen ließ, ihr weißer Pelzmantel übersaht mit sanften Flocken des herrlichen Schnees, der sie zärtlich umhüllte - der ihr ein wahres Gefühl von Heimat schenkte. Zart, aufgerichtet, die Hände noch gefaltet vom Gebet, das sie gerade beendet haben musste. Ein Schatten von Unruhe lag über ihrem Blick, doch ihr Erscheinen war still – so still, dass es dennoch den ganzen Raum verschluckte. Schon ewig hatten ihre Beichten ihr nicht mehr so viel Gewicht um die zierlichen Knöchel gelegt, sodass ihre Bewegungen langsam, doch fein wirkten. Avelines Rücken wurde einen Hauch gerader. Ihr Lächeln einen Hauch süßer. „Ah… meine Prinzessin.“ Die Worte perlten von ihren Lippen wie Honig, der gerade erst warm geworden war. „Ihr seid zurück.“ Viktor wandte sich sofort seiner Schwester zu, tiefe Erleichterung in seinem Blick – jene Art von Erleichterung, die Aveline mehr verletzte als jedes harsche Wort hätte. „Elise… komm her,“ sagte er, seine Arme einladend neben ihn deutend, falls seine kleine Schwester Trost in seiner Nähe suchen wollte. Avelines Finger spannten sich kaum sichtbar um den Stoff ihres Kleides. Sie lächelte weiter. So süß wie Zucker. So still wie Gift und den Blick starr auf ihre Prinzessin gerichtet.
Doch mit einer sanften Handbewegung lehnte die Prinzessin die Einladung ihres Bruders dankend ab. Avelines Anspannung verflog wie feiner Schnee im Wind und schwebte mit ihrem unauffälligen Seufzen leise davon. „Ich wollte gar nicht lang stören, nur berichten, dass ich wieder zurück bin“, sprach sie, ihre Worte weich und vorsichtig, ehe sie sich mit einer kurzen Verbeugung vor ihrem Bruder in ihre kleine Bibliothek zurückzog. Ihre Jacke hing sie an einen kleinen schön verzierten Haken an der Wand auf und begab sich zu dem Sekretär aus tiefbraunem Holz. Langsam ließ sie sich in dem Stuhl nieder und griff zur Feder. Und als wäre sie durch einen tiefen Schwur verbunden, flog eine zartweiße Schneeeule ans Fenster, welche der Prinzessin augenblicklich den zögerlichen Impuls eines Lächeln auf die Lippen zauberte. Sie ließ sie herein und das treue Wesen fand seinen Platz auf einer Stange, sorgfältig neben dem Sekretär platziert. „Willkommen zurück, Nyctimene…“, begrüßte sie das anmutige Tier neben ihr und mit zwei Wimpernschlägen schien sie diese zu erwidern.
Elise griff ihr langes Haar und legte es sich grazil hinter die Schultern, bevor sie sich sanft über ein hübsches Stück Pergament beugte und verbrachte weniger Zeit an dem Brief, als man vermuten sollte.
Behutsam faltete sie das Stück Papier und versiegelte es mit weißem Wachs - ein Brief auf reiner und unschuldiger Freundschaft, adressiert an einen gleichermaßen reinen und unschuldigen Ritter, überbracht von einer treuen Begleiterin der Prinzessin.
Der Brief schrieb in schönster Schrift:
Viktor saß tief versunken in dem mit rotem Stoff bezogenem Sessel nah am Feuer, verlor sich nahezu gänzlich in dem Gefühl der Gemütlichkeit, welches sich in seinen Gliedmaßen ausbreitete, als er sanfte Schritte auf dem Gang vernehmen konnte.
Seine Augen waren verschlossen und beabsichtigten nicht den Prinzen in naher Zukunft wieder das warme Licht des Raumes erblicken zu lassen. Sein müdes Wesen sehnte sich nach Ruhe, nach einem Ort an welchem er Kummer und Sorgen einfach zurücklassen konnte - so wie es ihm als Kind die Arme seiner Mutter ermöglichten, die wohl gewählten Worte seines Vaters und das bezaubernde Klavierspiel seiner Schwester. Ein flüchtiges Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er an vergangene Momente dachte. So oft verzerrte er sich nach der Vergangenheit, fürchtete sich oft davor, in ihr zu verwelken. Ganz langsam schlich er sich Schritt für Schritt in seinen Gedanken in seine früheren Erinnerungen hinein und ließ sie mit seinen Wünschen verschmelzen. Viktor stellte sich vor, wie er in den großen und hell erleuchteten Speisesaal trat, in welchem seine Familie auf ihn wartete.
Wie zu erwarten trug seine Mutter ein liebevolles Lächeln auf den Lippen und erhob sich momentan, als er den Raum betrat. Ihre Stimme berührte seine Seele und umhüllte ihn wie warmes, weißes Gefieder. "Mein teurer Sohn", sprach sie mit mütterlichem Sanftmut und strich ihm nur ganz knapp über sein markantes Kinn, als wäre es nur die Andeutung einer Berührung gewesen. Sie legte ihren schönen Kopf in ihre Schulter und sah ihm tief in die Augen - oh, diese Wärme, die aus ihnen hinausging. Als würde dieses kalte Geschöpf die Sonne wahrhaftig in ihrer Brust tragen und sich in ihren Fingern sammeln, in ihren Worten ausleben. "Ihr seht so müde aus, mein Kind...".
Ihre Stimme, so besorgt und voller Furcht. "So unendlich entschöpft..." Viktor nickte und versuchte seine kalten Wangen in die warmen Hände seiner Mutter zu legen. "Mutter", begann er. "Wie ein Vogel ohne Flügel wandere ich von Tag zu Tag, versuche das Herz eines lodernden Phönix zu bändigen. Doch Mutter, sie ist so entschlossen in ihrem Vorhaben. Wie sollte ich sie aufhalten, ohne sie gänzlich als meine Schwester zu verlieren? Sie ist alles für mich, würde mein Leben für sie geben. Meine Taten bringen sie jedoch dazu, mein Leben zu verachten, wenn ich sie weiter einzusperren vermag...", offenbarte er dem Trugbild seiner Mutter - fürchtete sich vor den Worten, die sie zu ihm sprechen würde. Sie öffnete ihre Lippen, aus ihnen schien sich jedoch kein Ton formen zu können. Langsam griff er nach den Schultern seiner Mutter, wollte sie an sich ziehen und auf ewig an seine nun so erwachsen gewordene Brust schmiegen und sie niemals mehr hergeben - glitt jedoch gleich durch sie hindurch und zerriss das Trugbild mit einem Hauch, der den Prinzen zurück in die harsche Realität beförderte.
Er wollte nicht, doch sie prägende Präsenz Avelines forderte ihn dazu auf, langsam seine Augen zu öffnen.
Viktors Blick glitt zu dem Tablett in ihren Händen, zu dem sorgsam angerichteten Tee, dem Brot, den feinen Speisen. Jede Geste, jeder Winkel schrie nach Bedacht – nicht nach Fürsorge. „Ihr seid sehr aufmerksam“, murmelte er und löste seine Arme wieder, jedoch nur, um sich aufrecht hinzusetzen. Der Sessel knarrte unter seinem Gewicht, als wollte er ihn warnen, sich nicht zu tief in Avelines Nähe sinken zu lassen. „Doch Ihr müsst Euch nicht um jeden meiner Atemzüge sorgen.“ Seine Worte waren von ähnlicher Kälte geprägt wie die seiner Schwester - nicht kränkend oder hart, nur ehrlich und kühl wie frischer Winterwind. Er trat Aveline mit einer gewissen sachlichen Distanz entgegen, die selbst die Zofe nicht leugnen konnte und es fuchste sie, dass er Undine nicht mit dieser grässlichen Distanz bestrafte. Ihre Hände bebten, als sie das Tablett auf dem kleinen Tisch abstellte - nicht vor Nervosität, sondern weil ihr Blut vor Echauffierung über die Tatsache kochte, dass dieses Weib nichts dafür tun musste, dass Viktor sie scheinbar so nah an sich ranließ.
„Bitte denkt nicht, dass ich Eure Loyalität nicht schätze, Aveline. Sie ist wertvoll“, sprach er zu ihr, jedoch waren seine Worte nicht wie ihre in Honig getränkt, sodass zwischen ihnen ein Moment Stille herrschte - die Art Stille, welche man spürt, bevor der Schnee zu fallen beginnt.
Aveline ließ ihre Lider einen Wimpernschlag länger gesenkt, als es nötig war – gerade so lange, dass man Mitleid empfinden konnte und lange genug, dass ihr süßes Lächeln sich neu formte, sortiert, perfektioniert. Als sie wieder zu Viktor aufsah, glänzten ihre Augen mit einer Mischung aus warmer Anteilnahme und ganz feinem, glitzerndem Besitzanspruch. „Ich möchte nur, dass Ihr Euch verstanden fühlt,“ hauchte sie, eine Hand zart an ihre Brust gelegt. „Manchmal habe ich das Gefühl, Ihr tragt mehr allein, als Ihr zeigen mögt. Und wer sollte Euch entlasten, wenn nicht jemand, der Euch seit Jahren dient?“ Das Wort dient sprach sie so sanft aus, dass man fast überhören konnte, wie sehr es in Wahrheit beweist, dass ich hier das Recht habe zu stehen bedeutete. Viktor atmete tief aus. Er war müde – zu müde, um Avelines süße Beharrlichkeit abzuwehren oder um die kleinen, gezielten Stiche zwischen ihren Worten zu beachten. Also richtete er sich etwas auf, schob das Tablett mit einer dankbaren, aber eher formellen Geste näher zu sich und deutete mit der Hand auf den Hocker rechts neben dem Sessel. „Setzt Euch, wenn Ihr mögt,“ sagte er. Für einen kurzen Moment schien Aveline zu strahlen – nicht warm, sondern wie eine Lampe, dessen Öl endlich nachgefüllt wurde. Sie glitt beinahe lautlos zu ihm, setzte sich so elegant, so artig neben ihn, wie eine Dame, die genau wusste, wie man wirkt. Ihre Knie blieben knapp außerhalb seiner Reichweite – nicht aus Respekt, sondern weil sie wusste, dass Nähe mehr elektrisiert, wenn man sie nur andeutet. „Danke, Hoheit…“, hauchte sie sanft mit zuckriger Dankbarkeit in ihrer Stimme. Oh, wie süß ihre Worte klangen. Sie wandte sich etwas ihm zu, Kopf schräg, ein weicher Blick – so weich, dass er beinahe geschliffen war. „Ihr seht wirklich müde aus…“ flüsterte sie. „Wenn Ihr wünscht, reibe ich Euch etwas von dem warmen Balsam auf die Schläfen? Er hilft. Auch Prinzessin Elise nutzt ihn, wenn—“ Und genau in diesem Moment öffnete sich die schwere Tür des Saals. Ein kalter Hauch strich hinein und Elise stand dort in dem hohen Türbogen, der sie nahezu wie eine kleine Elfe erscheinen ließ, ihr weißer Pelzmantel übersaht mit sanften Flocken des herrlichen Schnees, der sie zärtlich umhüllte - der ihr ein wahres Gefühl von Heimat schenkte. Zart, aufgerichtet, die Hände noch gefaltet vom Gebet, das sie gerade beendet haben musste. Ein Schatten von Unruhe lag über ihrem Blick, doch ihr Erscheinen war still – so still, dass es dennoch den ganzen Raum verschluckte. Schon ewig hatten ihre Beichten ihr nicht mehr so viel Gewicht um die zierlichen Knöchel gelegt, sodass ihre Bewegungen langsam, doch fein wirkten. Avelines Rücken wurde einen Hauch gerader. Ihr Lächeln einen Hauch süßer. „Ah… meine Prinzessin.“ Die Worte perlten von ihren Lippen wie Honig, der gerade erst warm geworden war. „Ihr seid zurück.“ Viktor wandte sich sofort seiner Schwester zu, tiefe Erleichterung in seinem Blick – jene Art von Erleichterung, die Aveline mehr verletzte als jedes harsche Wort hätte. „Elise… komm her,“ sagte er, seine Arme einladend neben ihn deutend, falls seine kleine Schwester Trost in seiner Nähe suchen wollte. Avelines Finger spannten sich kaum sichtbar um den Stoff ihres Kleides. Sie lächelte weiter. So süß wie Zucker. So still wie Gift und den Blick starr auf ihre Prinzessin gerichtet.
Doch mit einer sanften Handbewegung lehnte die Prinzessin die Einladung ihres Bruders dankend ab. Avelines Anspannung verflog wie feiner Schnee im Wind und schwebte mit ihrem unauffälligen Seufzen leise davon. „Ich wollte gar nicht lang stören, nur berichten, dass ich wieder zurück bin“, sprach sie, ihre Worte weich und vorsichtig, ehe sie sich mit einer kurzen Verbeugung vor ihrem Bruder in ihre kleine Bibliothek zurückzog. Ihre Jacke hing sie an einen kleinen schön verzierten Haken an der Wand auf und begab sich zu dem Sekretär aus tiefbraunem Holz. Langsam ließ sie sich in dem Stuhl nieder und griff zur Feder. Und als wäre sie durch einen tiefen Schwur verbunden, flog eine zartweiße Schneeeule ans Fenster, welche der Prinzessin augenblicklich den zögerlichen Impuls eines Lächeln auf die Lippen zauberte. Sie ließ sie herein und das treue Wesen fand seinen Platz auf einer Stange, sorgfältig neben dem Sekretär platziert. „Willkommen zurück, Nyctimene…“, begrüßte sie das anmutige Tier neben ihr und mit zwei Wimpernschlägen schien sie diese zu erwidern.
Elise griff ihr langes Haar und legte es sich grazil hinter die Schultern, bevor sie sich sanft über ein hübsches Stück Pergament beugte und verbrachte weniger Zeit an dem Brief, als man vermuten sollte.
Behutsam faltete sie das Stück Papier und versiegelte es mit weißem Wachs - ein Brief auf reiner und unschuldiger Freundschaft, adressiert an einen gleichermaßen reinen und unschuldigen Ritter, überbracht von einer treuen Begleiterin der Prinzessin.
Der Brief schrieb in schönster Schrift:
Liebster Sir von Pendagron,
Ich danke Euch aus tiefstem Herzen und bete dafür, dass auch Ihr wohlauf seid - ihr Alle.
Ich danke Euch aus tiefstem Herzen und bete dafür, dass auch Ihr wohlauf seid - ihr Alle.
Hochachtungsvoll,
Prinzessin Elise Belyova
Prinzessin Elise Belyova
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