How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      "... ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ausweichen kann.", kommentierte der Unsterbliche, wenn auch nicht so selbstsicher, wie er es sich gewünscht hätte. Sie hatte ja recht. Aber irgendwie wollte er es sich nicht so recht eingestehen. Die Angst durch seinen Fluch wieder etwas unverzeiliches zu tun, Neona's kleinen Bruder auf dem Gewissen zu haben und dadurch seinen eigenen Tod zu verhindert, lähmte ihn und ließ ihn in alte Verhaltensmuster zurück fallen.
      Zu jenem Silver zu werden, der jeden auf Abstand hielt, sowohl physisch, als auch mental.
      Bevor es ihm egal wurde, dass jemand seinem Fluch zum Opfer fiel. Und das gefiel dem Untoten ganz und gar nicht.
      "Ich wollte ohm doch nur Angst machen.", seufzte er und fuhr sich genervt durchs Haar, "Aber okay. Ich werde ihn nicht mehr provozieren... ich versuchs zumindest."
      Vielleicht wäre es einfach das beste für die nächsten paar Tage möglichst kein Wort zu sagen. Immerhin hatte er Übung darin.
      Wer konnte schon von sich behaupten ein ganzes Jahrhundert lang kein Wort von sich gegeben zu haben?
      Auch wenn das keine sehr spannende Geschichte war, die man seinen Enkeln erzählen würde. Er würde sowieso nie welche haben.
      Sicherlich hätte er den Jungen auch ganz höflich darum bitten können Abstand zu halten, doch seiner Erfahrung nach weckte das Fragen. Neugierde. Abweisung und Drohungen hatten bisher besser funktioniert, wenn auch nicht immer.
      "Das hatte ich sowieso nicht vor...", grummelte wie ein kleiner Junge, den man dabei erwischt hatte die Keksdose vor dem Mittagessen anzustarren. Man hatte doch nie vorgehabt welche zu klauen. Aber so genau konnte man das nie sagen.
      Womöglich hätte sich Silver doch zu der ein oder anderen Beleidigung hinreißen lassen.
      "... na dann. Holen wir... nein, holst du deinen kleinen Bruder vom Waisenhaus ab?", wollte der Dunkelhaarige auf gar keinen Fall von so vielen Kindern umgeben werden und schwang sich bei dem Gedanken auf sein Pferd, "Ich warte einfach beim Ausgang auf euch."
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    • Neona

      "Selbst wenn das stimmen mag, will ich dieses Risiko nicht eingehen. Außer du willst wirklich, dass ich dich nach meinem Tod für die Ewigkeit als ein rachelustiger Geist verfolge." Als sie dies das erste Mal gesagt hatte, war es noch als ein Witz gemeint, nun steckte eine aufrichtige Drohung dahinter. Ihm sollte klar werden, dass der Tod ihres Bruders ihre Weiterreise umgehend beenden würde.
      "Ich weiß, warum du so gehandelt hast, aber Kobi lässt sich von so etwas nicht so einfach einschüchtern." Auch wenn Neona nicht glücklich darüber war, hatte der Junge - genau wie sie auch - in der Vergangenheit schon gefährlicheren Situationen entgegen blicken müssen, wobei seine heutige Entführung wohl die schlimmste unter ihnen sein musste. Zwar hatten ihm die Menschenhändler nicht ernsthaft verletzt, aber ihr Auftraggeber hätte den Jungen keines Falls leben lassen, genauso wenig wie die Diebin selbst. "Danke. Am besten versuchts du ihn einfach so gut es geht zu ignorieren und nicht weiter mit ihm zu reden." Zwar könnte Kobi daraufhin seinerseits versuchen, den Untoten verbal zu provozieren, aber dieser sollte - hoffentlich - erwachsen genug sein, um darüber hinwegzusehen. Auch wenn sie nach dem heutigen Schlagabtausch zwischen den beiden doch ein paar Sorgen dahingehend hatte.
      Als er bei ihren nächsten Worten seltsam ertappt wirkte, stiegen diese Sorgen direkt noch ein wenig mehr... Irgendwie befürchtete sie in den Nächsten Tagen mehr als nur einmal die Wogen zwischen den beiden glätten zu müssen... Als wäre diese ganze Reise nicht so schon unfassbar anstrengend gewesen.
      "Klingt vernünftig", meinte sie nun, als Silver vorschlug, dass sie ihren Bruder alleine abholte. Nicht nur, dass sie eine weitere Auseinandersetzung vor dem Waisenhaus befürchtete, konnte sie sich auch gut ausmalen, dass der Untote ungern von mehreren Kindern umgeben sein wollte. "Du kannst auch schon ein paar hundert Meter voran reiten, einfach den Weg entlang. Wenn du am Tor wartest, zieht es sicherlich nur wieder neugierige Blicke auf sich." Mit diesen Worten schwang sich auch die junge Frau auf ihr Reittier und ließ es bereits antraben. "Bis gleich."
      Als sie sich dem Waisenhaus näherte herrschte vor den Toren der Anlage reges Treiben. Umso näher sie kam, desto deutlicher konnte sie den Ursprung erkennen. Kobi war von einem beträchtlichen Teil der Waisenkinder aus dem Heim umzingelt worden. Einige schienen auf ihren Moment zu warten, um ihn herzlich in die Arme zu schließen, während andere - vor allem die jüngeren - sich mühevoll eine Flut aus Tränen von den Wangen zu wischen versuchten.
      Umgehend fühlte sich Neona in ihre eigene Vergangenheit zurückversetzt. Als man sie mit 16 schließlich entlassen hatte, war eine ähnlich aufgelöste Traube um sie versammelt gewesen, obwohl festgestanden hatte, dass sie regelmäßig zurückkehren würde, schon alleine wegen ihrem Bruder. Doch im Gegensatz zu Kobi war ihr Abschied schon lange im Voraus klar gewesen. Ihr kleiner Bruder hingegen würde ohne Vorwarnung gehen... und wahrscheinlich nie zurück kommen, auch wenn er das selbst noch nicht wissen mochte.
      "Hey, hey. Einer nach dem anderen", meinte Kobi so eben mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen, während sich gleichzeitig drei Kinder an ihn zu klammern versuchten. "Das hier wird schon kein Abschied auf Ewig sein."
      Ein fester Kloß bildete sich in Neonas Kehle, während sie frustriert die Zähne aufeinander presste. Es tut mir so leid, Kobi... Das ist alles nur, weil deine große Schwester es vermasselt hat... Du hättest nie mit hier reingezogen werden dürfen.
      Früher oder später würde sie dem Jungen alles offenbaren müssen, spätestens, wenn sie mit ihm aus dem Land flüchten würde. Ob er sie für ihren Leichtsinn verurteilen würde? Ob er ihr je würde verzeihen können? Sie würde es ihm nicht einmal verübeln, sollte er sie für den Rest seines Lebens für ihre Taten verachten. Gleichzeitig wusste sie schon, dass er alles akzeptieren und hinnehmen würde. Wahrscheinlich würde er sie sogar versuchen zu trösten... Sie hatte einen Bruder wie ihn nicht verdient.
      "Kobi. Wir müssen los."
      Eine Horde an aufgelösten Augenpaaren drehte sich in ihre Richtung. Ein Großteil der Kinder erkannte sie natürlich und schon kam Bewegung in die Traube.
      "Neona!" - "Warum bist du so lange nicht mehr da gewesen?!" - "Hast du uns wieder etwas mitgebracht?" - "Hast du heute Zeit mit uns zu spielen?"
      Sie wusste nicht, wohin sie sich zuerst drehen sollte, während aufgeregte Kinder sie und ihr Pferd zu umzingeln begannen. Bis sich schließlich eine Stimme deutlich von den anderen abhob und den Rest zum schweigen brachte. "Wirst du Kobi wirklich heute schon mitnehmen?" Innerhalb eines Wimpernschlages fand sie Kristins dunkelbraune Augen im Getümmel. Ihr Gesichtsausdruck sprach von tiefer Trauer und Enttäuschung. Neona hatte schon lange den Verdacht gehabt, dass das Mädchen mehr als nur Freundschaft für ihren Bruder empfinden könnte, mittlerweile war sie sich damit ziemlich sicher.
      "Es tut mir leid", antwortete Neona ruhig und zerstörte damit auch die eben noch recht heitere Stimmung der Kinder um sich herum.
      "Aber ihr werdet uns gemeinsam wieder besuchen, richtig?" Kristin schien sich an einen letzten Strohhalm der Hoffnung zu klammern.
      Die Diebin zwang sich zu einem weichen Lächeln und steckte all ihr Schauspieltalent in ihre nächsten Worte. "Natürlich. Wir würden euch sonst einfach zu sehr vermissen."
      Zwar waren Kristin und die restlichen Kinder noch immer reichlich enttäuscht, aber ihre Worte schienen sie zumindest ausreichend zu beruhigen. Es tut mir leid... Ich will euch nicht anlügen, aber mir bleibt keine andere Wahl.
      Dann endlich drehte sie sich zu ihrem Bruder, welcher bereits aufbruchsbereit mit einem kleinen Reisebeutel über der Schulter auf ihr Signal zu warten schien. "Spring auf." Sie reichte ihm ihre Hand - natürlich die gesunde - und half ihm dabei, sich hinter sie auf den Pferderücken zu schwingen. Das Tier gab ein unzufriedenes Schnauben von sich und Neona versuchte sich mit einem sanften Klopfen auf dessen Hals zu entschuldigen. "Es ist nur für ein paar wenige Tage, versprochen."
      Um die Situation nicht weiter in die Länge zu ziehen, lenkte sie das Pferd schließlich aus den Kindermassen heraus, winkte den Jungen und Mädchen noch mehrfach zu. Kobi tat es ihr gleich.
      "Wo hast du den Mistkerl von eben gelassen?", wollte er wissen, kaum dass sie außer Hörweite waren.
      "Nenn ihn nicht so!", ermahnte sie streng und erntete nur ein missbilligendes Schnauben. "Er ist schon vorgeritten", erklärte sie mit einem leisen Seufzen. "Und benimm dich ab jetzt in seiner Gegenwart."
      "Solltest du das nicht eher ihm sagen?"
      Das habe ich schon, schoss es kurz durch ihre Gedanken, bevor sie milde den Kopf schüttelte. "Ohne ihn hätte ich dich nicht von diesen Männern befreien können, du solltest ihm dankbar sein. Ich weiß, er hat sich auch nicht gerade wie ein Engel verhalten, aber er hat seine Gründe."
      "Die habe ich auch", grummelte Kobi weiter.
      "Ich weiß..." Und schon wieder glitt ein Seufzen über ihre Lippen. "Aber ich weiß auch, dass du erwachsener sein kannst, als das was du da vorhin abgegeben hast. Ich will in den nächsten Tagen zwischen euch beiden nicht ständig den Streitschlichter geben, ich habe schon genug andere Sorgen... also kannst du dich bitte benehmen? Für mich?" Schweigen. Mehrere Sekunden lang. "Kobi."
      "Na gut", kam es irgendwann kleinlaut in ihrem Rücken. "Ich werde mich zügeln."
      "Danke", erwiderte sie mit tiefer Erleichterung in der Stimme.
      Kurze Zeit später hatten sie nicht nur das Stadttor passiert, sondern konnten in der Ferne auch Silver auf seinem Pferd ausmachen. Neona beschleunigte umgehend den Trab ihres eigenen Reittieres und holte zu dem Untoten auf. "Ursprünglich war es mein Plan gewesen, meine Vorräte in der Stadt aufzufüllen", erklärte sie direkt. "Aber es ist zu riskant auch nur eine Minute länger in Miradora zu verweilen. Die nächste Stadt ist nur knapp einen Tagesritt entfernt. Lass uns dort aufstocken."
      Sie wusste, dass ihr Bruder in ihrem Rücken wahrscheinlich schon wieder böse Blicke in Silvers Richtung senden müsste, doch zumindest schien der Junge ansonsten kein Wort mehr zu verlieren... Ein kleiner Fortschritt.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Mit einem Nicken verabschiedete sich der Unsterbliche auch schon von der Diebin und lenkte sein Pferd in die andere Richtung.
      Außer Reichweite fuhr er sich mit einem tiefen Seufzen durchs Haar. Wann war er das letzte Mal so gescholten worden? Und noch wichtiger: wann hatte er es das letzte Mal ernst genommen?
      Er freute sich überhaupt nicht auf ihre Weiterreise mit dem Knirps - auch wenn dieser gar nicht mal so viel kleiner war als er selbst - und hoffte nur, dass sie ihn so schnell wie nur möglich wieder los wurde.
      Er gab sich jedoch Mühe diesen Unmut nicht zu zeigen, immerhin hatte er Neona versprochen sich zu benehmen und so nickte er der Rothaarigen nur zu, als sich diese ihm wieder anschloss und ignorierte den Jungen und seine bösartigen Blicke komplett.
      "Klingt nach einem Plan. Wenn wir uns beeilen könnten wir noch vor Sonnenuntergang dort sein.", fasste der Untote die Zügel fester in die Hände, bevor ihm etwas einfiel.
      "... reitest du oft?", wollte Silver wissen, bedacht, zögerlich, als hätte er Angst, dass Neona ihm die Frage alleine übel nehmen könnte.
      Es mag zwar ein schnelleres Fortbewegungsmittel sein, doch reiten sar nun mal auch anstrengend. Vor allem wenn man es nicht gewohnt war, wollte er die Diebin nicht dazu treiben in den Galopp zu fallen.
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    • Neona

      Anscheinend schien Silver ihre Worte vor erst zu Herzen zu nehmen. Zumindest ignorierte er offenkundig den beißenden Blick ihres Bruders und konzentrierte sich eher auf die Aussagen der jungen Diebin. "Das wäre auch mein Ziel", meinte sie und versetzte ihr Pferd direkt in einen leichten Trab. Bevor sie in einen Galopp wechseln konnte, wurde sie von der Frage des Untoten unterbrochen. Sie glaube direkt zu verstehen worauf er hinaus wollte und nickte leise. "Ich würde nicht behaupten, regelmäßig zu reiten, aber es hat schon die ein oder andere Situation gegeben, in der ich weite Strecken auf einem Pferderücken zurück gelegt habe." Zwar wurde sie relativ selten mit Aufträgen betraut, die sie auf große Entfernungen sendete, doch wenn dies der Fall war, organisierte sie sich ausnahmslos ein Reittier. In der Vergangenheit hatte sie hin und wieder auch mehrere Wochen im Sattel verbracht. Zwar hatte sie in dieser Zeit immer schnell unter einem wunden Hinterteil und heftigen Muskelkater in den Oberschenkeln gelitten, aber dennoch würde sie behaupten, über ein gutes Durchhaltevermögen zu verfügen. Bei ihrem Bruder hingegen... "Kobi, sag mir bitte bescheid, wenn du dich nicht mehr halten kannst", verlangte sie.
      "Als ob mich so ein bisschen Reiten schon aus der Puste bringen würde."
      "Kobi." Wie schon mehrere Male zuvor, wurde ihre Stimme kein bisschen lauter, nur etwas in ihrem Ton wurde strenger.
      "Ja, ja... ich gebe dir Bescheid."
      Sie nickte und löste ihre Reisetasche von ihrer Schulter und hielt diese Silver entgegen. "Es reicht, dass unser Pferd schon zwei Menschen tragen muss, wenn wir es nicht weiter verausgaben wollen, wäre es vom Vorteil, wenn du unsere Reisetaschen nimmst." Nachdem sie ihre Tasche übergeben hat, forderte sie ihren Bruder auf, ihrem Beispiel zu folgen. Dann endlich versetzte sie ihr Reittier in einen Galopp. Nicht schnell genug, um dass doppelt belastete Tier frühzeitig seiner Ausdauer zu berauben, aber mit ausreichendem Tempo, um die nächste Stadt noch möglichst vor Sonnenuntergang.

      Letztendlich wurde es dennoch verdammt knapp. Die Sonne war schon ein gutes Stück hinter dem Horizont versunken, als sie endlich die Stadttore der nächsten Ortschafft erreichten. Neona kannte den Namen der kleinen Stadt nicht einmal. Wahrscheinlich könnte man sie sogar eher als eine Art Siedlung beschreiben. So klein, dass sie nicht einmal von einer Stadtmauer umgeben war. Dennoch würden sie auf der Hauptstraße sicherlich auf Stadtwachen treffen, weswegen Neona Silver einige hundert Meter vor der Stadtgrenze bedeutete, inne zu halten. "Wir sollten die Pferde hier zurücklassen", empfahl sie und lotste ihr Reittier in den Schatten eines kleinen Waldstückes. "Besucher die in so später Nacht die Stadt betreten, werden sicherlich als eine Bedrohung wahrgenommen und mit den Tieren fallen wir nur noch mehr auf. Zum Glück sollten wir aufgrund der Dunkelheit und der fehlenden Stadtmauern unbemerkt über eine Seitenstraße die Siedlung betreten können." Sie rieb sich nachdenklich das Kinn. "Aber leider bin ich hier erst einmal gewesen... ich weiß nicht einmal ob es eine Gaststube für Durchreisende gibt." Nachdem sie von ihrem Pferd abgesessen und es angebunden hatte, musterte sie zuerst ihren vollkommen erschöpften Bruder - welcher es noch nicht einmal aus dem Sattel geschafft hatte - und dann Silver. Eigentlich würde sie gerne die Siedlung auskundschaften und nach einer Möglichkeit zum Übernachten suchen, aber die beiden mit sich alleine lassen schien keine gute Option... "Eventuell sollten wir die Nacht auch einfach hier ausharren und Morgen auf dem Dorfmarkt alles wichtige einholen."
    • Silver 'Silverius' Magnus

      Mit einem Nicken bedachte der Unsterbliche die Worte der Rothaarigen, nahm die Tasche an und schnalzte sogleich mit den Zügeln, um seine Stute in einen schnellen Galopp zu treiben. Wie lange es wohl her war, dass er auf dem Rücken eines Pferdes saß? Nun, allzu lange konnte es nicht sein, immerhin waren Pferde noch immer das schnellste Reisemittel seiner Zeit und Silver konnte sich beim besten Willen keine Zukunft vorstellen, in der sich das jemals ändern würde.
      Vielleicht würden die Pferde schneller werden, stärker, wie auch die Menschheit mit jedem Jahrhundert größer zu wachsen schien – zu seiner Zeit war er noch ein großgewachsener Junggeselle, nun musste er feststellen, dass selbst Neona's kleiner Bruder fast schon so groß war wie er und irgendetwas sagte ihm, dass der Junge noch wuchs – doch ersetzen würde man das gute Tier sicherlich nie.
      Mit diesem Gedanken klopfte er dem Tier auf den Hals, bevor er es noch ein Stückchen schneller laufen ließ.
      Der Untote konnte beim besten Willen nicht behaupten, dass er den stechenden Blick in seinem Rücken nicht spürte, doch konnte er beim besten Willen sagen, dass er es gewohnt war und daher mit Leichtigkeit ignorieren konnte. Irgendwie nervte ihn die Anwesenheit dieses Knirpses trotzdem.

      Fast hätte der Unsterbliche das Signal der Diebin übersehen, viel zu sehr war er aufs Reiten konzentriert gewesen, bedeutete seinem Pferd dann jedoch still zu stehen, welches mindestens genauso außer Atem war, wie der Reiter.
      „... dann lass uns wenigstens einen kleinen Bach oder so suchen, damit die Armen etwas zu trinken haben, während wir in der Stadt sind.“, schlug der Dunkelhaarige vor, nachdem er von seinem eigenen Pferd gestiegen war und klopfte dem Tier ein weiteres Mal dankbar gegen den Hals.
      „Klingt nach einem Plan. Haben wir überhaupt genug Geld für ein...“, Silver verstummte für einen Moment und warf Kobi einen Blick zu, „... zwei Zimmer? Vielleicht sollten wir für eine Weile öfter draußen nächtigen.“, fügte er nachdenklich mit vor der Brust verschränkten Armen hinzu.
      Immerhin würden sie für eine Weile ein weiteres Maul stopfen müssen und eigentlich hatten sie keine Zeit ständige Stops einzulegen um zu stehlen oder irgendwie anders an etwas Kleingeld für Proviant und einen Schlafplatz zu kommen.
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    • Neona

      Sie nickte verstehend bei seinem Vorschlag. "Du hast Recht." Zum Glück war ein passendes Gewässer auch schon bald gefunden. Der kleine Bachlauf war nicht sonderlich ergiebig, aber es reichte um die Tiere saufen zu lassen und sogar ihren eigenen Wasserschlauch zu füllen.
      Sie war dem Untoten für seine Wortwahl dankbar. Kobi wäre wahrscheinlich nur erneut blanker Wut verfallen, sollte er erfahren, wie sie in der Vergangenheit ein Zimmer geteilt hatten. Neona konnte noch immer nicht ganz verstehen, warum ihr kleiner Bruder eine solche Abneigung gegenüber Silver aufbrachte, aber zumindest schien er diese aktuell nur durch düstere Blicke deutlich zu machen. Eventuell war dies aber auch seiner aktuellen Erschöpfung verschuldet. Als sich der Junge nun leise seufzend gegen einen baumstamm sinken ließ, reichte sie ihm den frisch gefüllten Wasserschlauch, gemeinsam mit einem Stück Trockenfleisch. Leider hatten sie vor allem von Letzterem nicht mehr allzu viele Vorräte, was die Frage des Untoten noch wichtiger machte. Selbst wenn Neona das Risiko vermeiden wollte, von ihrem kleinem Bruder auf frischer Tat ertappt zu werden, würde sie spätestens morgen früh einige unbewachte Geldbeutel diverser Passanten entführen müssen. Leider waren ihre Geldvorräte schon beinahe komplett erschöpft und da es von nun an galt auch Kobi ausreichend mit Nahrung zu versorgen, würde sie dringend mehr Geld brauchen.
      "Wahrscheinlich wird uns kaum etwas anderes übrig bleiben", stellte sie daher letztendlich fest und ließ ihren Blick zur Siedlung wandern. Nun da die Sonne beinahe komplett hinter dem Horizont versunken war, entflammten schon die ersten Kerzenflammen in diversen Fenstern. Wahrscheinlich wäre es sowieso zu spät jetzt noch im Dorf nach einer Unterkunft zu suchen. "Lass uns diese Nacht im Freien verbringen." Sie begann in ihrer Reisetasche nach ihrer Decke zu kramen und reichte eben diese wenig später ihrem Bruder. "Ruh dich aus und iss noch etwas, ich werde derweil schon einmal Feuerholz sammeln."
      "Nein, ich werde dir hel-" Gerade als Kobi sich protestierend wieder aufrichten wollte, schienen seine zitternden Oberschenkel seinen Entschluss zu zerbrechen und sendeten ihn unsanft zurück auf den Waldboden.
      Neona konnte sich das amüsierte Grinsen nicht verkneifen. "Du hilfst mir am Besten, indem du dich ausruhst und mir keine weiteren Sorgen bereitest. Wenn du dich damit besser fühlst, kannst du schon eine vernünftige Feuerstelle vorbereiten."
      Erst verzog der Junge noch einmal unzufrieden den Mund, dann nickte er endlich und gab sich geschlagen und begann damit, Gras und Blätter von der potentiellen Feuerstelle zu entfernen. Die Diebin nutzte die Gelegenheit sich näher zum Untoten zu lehnen. "Ich werden morgen früh genug Geld für unsere Weiterreise organisieren. Kannst du bitte dafür sorgen, dass mein Bruder mir nicht nachspioniert?"
    • Silver 'Silverius' Magnus

      Der Unsterbliche bedachte die Worte der Diebin mit einem Nicken und als er gerade noch überlegte, ob er Neona bei der Suche nach Feuerholz helfen sollte oder ihr Bruder das sowieso nicht zulassen würde, wurde dieser auch schon mit einer Frage überrascht, die dem Untoten ganz offensichtlich nicht gefiel.
      „Ich?! Ich kann doch nicht auf ein Kind aufpassen! Willst du ihn wirklichmit mir alleine lassen?“, zischte er ihr entgegen und warf einen Blick über seine Schulter. Wie um alles in der Welt sollte er das bitteschön anstellen? Abgesehen davon, dass der Rothaarige ihn sowieso schon nicht ausstehen konnte, hätte Silver wahrscheinlich zu viel Angst, um auch nur nach seiner Schulter zu schnappen, sollte er entscheiden sich auf und davon zu machen.
      Ihm wäre es wirklich lieber, wenn er bei seiner Schwester bleiben würde.
      „... muss ich?“, erkundigte er sich daher ein weiteres Mal zähneknirschend.
      Er konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie Neona damit leben konnte, ihren Bruder mit ihm alleine zu lassen. Vertraute sie so sehr darauf, dass er sie brauchte... ja. Das wird es wahrscheinlich sein. Vielleicht war sie doch gewiefter, als er bisher geglaubt hatte.
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    • Neona

      Tatsächlich war sie von seiner - wenig glücklichen - Reaktion kein bisschen überrascht. Zudem musste sie zugeben: Nein, sie wollte Kobi nur ungern mit dem Untoten allein lassen. Nur leider waren ihre Optionen im Moment leider sehr begrenzt. "Leider kann ich mir im Moment keine ausgebildete Nanny für den Job leisten." Ihr Ton war zu ernst, als den Witz als solchen wirklich wahrzunehmen. Dabei teilten Silver und sie wahrscheinlich die gleichen Sorgen. Was würde passieren, wenn die Haut aus irgendeinem Grund die ihres kleinen Bruders berühren sollte? Alleine der Gedanke daran sendete ein dutzend kalter Schauer in Wellen über ihren Rücken und doch... Irgendetwas in ihr, schien Silver genug Vertrauen entgegen bringen zu können, um das Risiko trotz allem eingehen zu wollen. Ähnlich war es immerhin auch schon gewesen, als sie den Jungen noch diesen Vormittag vor seinen Entführern gerettet hatten. "Außerdem stehen die Chancen gut, dass Kobi vor Erschöpfung eh länger schlafen wird. Ich werde noch vor Sonnenaufgang aufbrechen. Zu der Zeit machen sich die meisten auf den Weg zur Arbeit und Händler beginnen ihre Stände aufzubauen. Die Ausbeute wird also nicht so groß wie üblich, aber ausreichend sein. Mit etwas Glück bin ich also wieder zurück, bevor mein Bruder überhaupt die Augen öffnet." Es würde reichen, wenn Neona genug Geld zusammensammeln könnte, damit sie sich genügend Vorräte für die nächsten paar Tage leisten können. Sobald sie ihren Unterschlupf erreichten, könnte die junge Frau sich einfach an den dort gesammelten Ersparnissen bedienen. "Also bitte... tu mir den Gefallen. Nur dieses eine Mal, ja?"
      Sie wusste, dass sie viel verlangte. Nicht nur, weil Silver allgemein die Nähe von Menschen, wenn nicht gar Lebewesen eher zu meiden mochte - aus offenkundigen Gründen - sondern besonders, da der Untote und ihr kleiner Bruder nicht gerade den besten Start gemeinsam hingelegt hatten. Hoffentlich würde sie nicht zurückkehren und die beiden zeternd und zankend wiederfinden.
      "Ich werde mich auch irgendwie revanchieren, versprochen. Sag mir einfach, was ich im Gegenzug für dich tun kann."
    • Silver 'Silverius' Magnus

      „Wie schade.“, reagierte der Untote mit einem Schnauben und schien es genauso ernst zu meinen, wie sie. Nun, am allerliebsten wäre es ihm natürlich, wenn sie den Jungen gar nicht erst mitschleppen müssten, dann wäre eine Nanny auch nicht von Nöten gewesen, aber nun war das nun mal so und Silver ärgerte sich fast schon, dass sie nicht noch eine dritte Person dabei hatten, die sich um Kobi hätte kümmern können.
      Und das von jemandem, der am liebsten einfach nur alleine reiste.
      Ungeduldig, mit vor der Brust verschränkten Armen, klopfte er immer wieder mit dem Fuß auf den Boden und schien wahrlich mit sich zu ringen. Er wusste, dass er im Grunde keine andere Wahl hatte, als auf den Rothaarigen aufzupassen, dennoch fiel es ihm sichtlich schwer sich auf diesen Deal einzulassen. Selbst, als Neona ihm versprach sich irgendwie dafür zu revanchieren.
      Was sollte er sich schon von ihr wünschen? Er wollte nur den Tod und den würde er bereits um Austausch für ihr Leben bekommen.
      Dennoch gab er letztendlich ein tiefes Seufzen von sich und fuhr sich genervt durchs Haar.
      „Okay... ich machs. Dafür schuldest du mir aber was.“, ließ er sich letztendlich darauf ein und warf Kobi einen Seitenblick zu.
      Nah hoffentlich hatte die Diebin recht und der Junge würde den Morgen einfach verschlafen, lange genug, dass sie wieder zurückkehren würde, bevor er es überhaupt bemerkte.
      Er wollte gar nicht erst wissen, wie der Rothaarige reagierte, wenn er aufwachte und nur ihn vorfand...
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    • Neona

      Als Strafe für ihre Bitte schien er sie förmlich auf die Folter spannen zu wollen. Dennoch verzichtete sie darauf, ihn auf eine Antwort zu drängen und musterte stattdessen geduldig seine Gesichtsmimik, welche von Frustration zu einem ergebenen Seufzen wechselte. Als er endlich seine Zustimmung gab, stieß Neona erleichtert den Atem aus und neigte dankend ihr Haupt. "Natürlich. Ich verspreche, dass ich es wieder gutmachen werde." Sie wusste nicht, ob sie dieses versprechen wirklich einhalten würde können, schließlich würde ihre gemeinsame Reise sicherlich ein relativ schnelles Ende finden, welches entweder in ihrem oder seinen Tod endete. Entsprechend hoffte sie beinahe darauf, dass sich bald eine gute Chance bieten würde, um sich vernünftig bei dem Untoten zu revanchieren.
      Der restliche Abend ging schnell vorüber. Nachdem die junge Diebin Feuerholz gesammelt und zusammen mit ihrem Bruder und Silver das Lager hergerichtet hatte, verteilte sie die letzten Vorräte, die sich noch in ihrer Reisetasche verbargen und beobachtete ihren Bruder dabei, wie er vor Erschöpfung schon fast beim Kauen einschlief. Sie beobachtete ihn mit einem sanften Lächeln. So sehr es ihr auch leidtat, dass er wegen ihr in diese Situation geraten war... Sie war froh seit langem endlich wieder mehr Zeit mit ihm verbringen zu können. Wie lange mochte es her sein, dass sie mehr als einen Tag in folge an seiner Seite hatte verbringen können? Als der Junge schließlich gänzlich ins Reich der Träume versank, hüllte sie den Rotschopf in ihre Decke und strich behutsam über seinen Kopf. "Es ist ein anstrengender tag für dich gewesen, Kobi. Tut mir leid."
      Sie verbrachte mehrere Minuten damit, den Jungen einfach nur zu beobachten, bevor sie sich endlich wieder an den Untoten wendete. "Ich werde die Nachtwache übernehmen, schließlich will ich morgen früh sowieso so früh es geht aufbrechen. Gönn dir also gerne auch etwas Schlaf."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche nickte nur, während er sich ununterbrochen frustriert am Hinterkopf kratzte, als könne er dadurch irgendwie der Verantwortung, die nun auf ihn wartete, entgehen.
      Wann war ihm das letzte Mal etwas wichtig genug gewesen, um sich so aufzuregen? Um so vorsichtig und gar frustriert zu sein? Zugegebener Maßen war er ständig frustriert. Alleine die Tatsache, dass er noch immer lebte, frustrierte ihn höllisch, doch das hier war etwas ganz anderes.
      Er war für einen Menschen verantwortlich.
      Letztendlich lenkte er sich damit ab, bei den restlichen Vorbereitungen für das Nachtlager zu helfen und versucht nicht ständig zu dem Rothaarigen zu blicken, als müsste er Angst haben, dass er jeden Moment irgendwelchen Unsinn anstellte.
      Dabei war Kobi eindeutig viel zu müde, um irgendetwas zu tun, außer ihm böse Blicke zuzuwerfen.
      Als die Vorräte verteilt wurden, lehnte sich der Untote etwas weiter weg von den Beiden gegen einen Baum und nahm das Essen fast schon mechanisch zu sich, während er die beiden Rothaarigen beobachtete. Bei dem Anblick schien sich etwas in seinen Erinnerungen zu rühren, etwas ließ sein Herz einen Moment lang still stehen, bevor er den Kopf schüttelte und versuchte den aufflackernden Schmerz so schnell wie nur möglich wieder zu ersticken.
      Er sollte schlafen. Genau. Hoffentlich traumlos. Also wickelte er sich in seine eigene Decke und wandte sich von den anderen Beiden ab, um so schnell wie nur möglich in die Dunkelheit zu versinken. Immerhin hatte er Übung darin recht schnell einzuschlafen.
      Dabei hatte er gar nicht an irgendeine Nachtwache gedacht.
      „... du wirst die erste Nachtwache übernehmen. Hast du etwa vor die ganze Nacht durchzumachen? Weck mich einfach nach ein paar Stunden auf, dann kannst du dir auch noch ein paar Stunden gönnen... sonst wird mich dein kleiner Bruder noch mit bösen Blicken durchlöchern, wenn er merkt, dass du keine Minute lang geschlafen hast.“, reagierte Silver wohl genervter, als er sollte, bevor er sich nur noch mehr in seine Decke kuschelte. Er wollte endlich schlafen.
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    • Neona

      Sie wusste nicht, ob sein Einwand tatsächlich eine Form von Freundlichkeit darstellen sollte, oder ob er sich wirklich vor Kobis Zorn fürchtete. Vielleicht zweifelte er aber auch ihr Durchhaltevermögen an. Kurz überlegte sie sogar, den Untoten einfach nicht zu wecken und die Nacht dennoch durchgehend wach zu bleiben, doch sie wollte nicht riskieren am nächsten Morgen seinen entsprechenden Frust ausgesetzt zu werden. Davon abgesehen, würde ihr etwas Schlaf sicherlich auch gut tun.
      Zum Glück verlief die folgende Nacht ohne irgendwelche Probleme. Hoffentlich würde sich das auch in den nächsten Tagen nicht ändern, auch wenn Neona nicht anzweifelte, dass ihre Verfolger noch lange nicht aufgegeben hatten.
      Als sie am nächsten Morgen von Silver geweckt wurde, steckte Kobi wie erwartet noch fest in seinen Träumen. Sie verzichtete darauf, ihrem kleinen Bruder noch einmal zum Abschied über den Kopf zu streichen, aus Angst ihn aus Versehen zu wecken und verabschiedete sich auch nur mit einem stummen Nicken vom Untoten.
      Als sie wenige Minuten später eine der Seitengassen in die Ortschaft wählte, hoben sich gerade erst die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont. Auf dem recht kleinen Marktplatz des Dorfes tummelten sich dennoch schon dutzende Menschen und Händler befüllten ihre Stände. Neona konnte sich vorstellen, dass an diesem abgelegenen Fleckchen Erde einige Waren rar und daher begehrt waren, was den ungewöhnlich frühen Ansturm der Menschen erklärte. Für die junge Diebin war dies ein absoluter Glücksfall. Bevor sie sich ins Getümmel warf, versteckte sie ihr auffällig rotes Haar unter einer grauen Kapuze und schlängelte sich mit diebischen Fingern durch die Reihen. Wie erwartet ließen sich keine wirkliche Reichtümer in den Geldbeuteln ihrer Opfer finden, aber ihre Ausbeute würde sie dennoch für die nächsten Tage versorgen können.
      Nach etwa einer Stunde war sie schon so zufrieden mit ihrer "Jagd", dass sie sich vom Marktplatz zurückziehen und zurück zum Camp gehen wollte. Leider schien ihre Eile sie aber nachsichtig werden lassen.
      "Wusste ich es doch!" Gerade als sie ihre letzte Beute unter ihrem Hosenbund verschwinden lassen wollte, legte sich harte Finger wie ein Schraubstock um ihr Handgelenk. "Dich Göre habe ich hier noch nie gesehen und das" - mit einem brutalen Ruck wurde ihr die Beute aus den Fingern gerissen - "gehört sicher nicht dir."
      Verdammt! Schnell realisierte sie, dass sie einem der wenigen Wachen auf dem Platz in die Arme gelaufen war. Sie hatte sich zu lange auf dem Marktgelände aufgehalten, ohne mit anderen zu interagieren, oder irgendetwas zu kaufen. Normalerweise ließ sie sich mehr Zeit, bewegte sich von einem Stand zum anderen und ließ immer mal beim Vorbeigehen den Geldbeutel eines Passanten "verschwinden". Dieses Mal waren es Eile und die geringen Ausmaße des Platzes gewesen, die die junge Frau dazu zwangen stattdessen von einem Geldbeutel zum anderen zu hangeln... Sie hatte gehofft, dass die Wachen sie zu solch frühen Morgenstunden nicht weiter bemerken würden... Offenkundig hatte sie sich da verkalkuliert.
      "Ich hoffe du weißt, welche Strafe auf dich wartet, Miststück!"
      Kurz versuchte sie sich aus dem schmerzhaften Griff der Wache zu winden, keine Chance. Ein Blick zu ihrer Umgebung machte ihre Hoffnung nur noch mehr zunichte. Nicht nur hatte ein Großteil der Marktbesucher ihr Augenmerk auf das Spektakel gerichtet, die Wache schien zudem auch schon Verstärkung gerufen zu haben. Zwei von ihnen die Hände warnend auf ihren Schwertgriffen platziert. Jeder Fluchtversuch würde sie entweder schwer verwunden, oder gar das Leben kosten. Sie atmete einmal tief durch und begann damit einige weitere erbeutete Geldbeutel unter ihrer Kleidung hervorzuziehen. Ein düsteres Raunen ging durch die Reihen, während ein Teil ihrer Opfer jetzt erst zu realisieren schien, dass sie bestohlen worden waren. Dennoch achtete Neona penibel darauf, nur die leicht zu findende Beute an ihrem Körper zu präsentieren. Ein paar wenige Geldbeutel hielt sie verborgen.
      "Du solltest dich schon einmal von diesen diebischen Fingern verabschieden", grummelte der Wachmann zornig, als die junge Frau sich immer noch weigerte zu antworten und zog verheißungsvoll an ihrem Arm.
      "Ich habe ein Anrecht darauf, mich vor einem Tribunal zu rechtfertigen", entgegnete die Frau ruhig.
      Der Wachmann schnaubte amüsiert. "Du wurdest auf frischer Tat ertappt, warum solltest du-"
      "Ich habe ein Anrecht darauf!", beharrte sie eisern.
      Der hochgewachsene Mann musterte sie düster, aber er kannte die nationalen Gesetzte genauso gut, wie sie. "Es wird dir nichts bringen, Göre. Aber wenn du es unbedingt willst:" Mit genug Schwung, um Neona aus dem Gleichgewicht zu bringen, stieß er die junge Frau gegen die Brust seines Kollegen. "Steck sie in eine Zelle, ich werde das Tribunal einberufen." Dann richtete er seinen Blick wieder auf sie. "Du schiebst dein Schicksal nur unnötig auf. Spätestens heute Mittag wirst du dich von dieser diebischen hand verabschieden können."
      Sie hielt seinem Blick stand und ließ sich daraufhin kampflos von dem zweiten Wachmann abführen. Hoffentlich bin ich hier raus, bevor die beiden sich Sorgen machen können.



      Kobi

      Er musste deutlich länger als üblich geschlafen haben und trotzdem schrie jeder Muskel in seinem Körper schmerzhaft auf, kaum dass er sich vom weichen Erdboden hochdrückte. Er würde nie verstehen, wie mancher Adel den Reitsport als eine schöne Freizeitbeschäftigung sehen konnte... Seine Oberschenkel würden ihm wohl noch die nächsten Tage über das Gehen und Stehen zur Hölle machen. Er musste sich ein schmerzhaften Laut verkneifen, als er ich an einem Baum in die Höhe drückte und lange blinzelnd in die noch tief stehende Morgensonne blickte. Noch schlimmer war nur, dass das erste Gesicht, dass er zu sehen bekam der elende Mistkerl war, der sich gestern noch als Neonas "Freund" vorgestellt hatte.
      "Wo ist meine Schwester", wollte er vor jeglicher Form der Begrüßung wissen und suchte die Umgebung nach der jungen Frau ab. "Warum habt ihr mich so lange schlafen lassen? Und warum muss ich ausgerechnet dich als erstes nach dem aufwachen sehen?" Letzteres sprach er gerade noch laut genug aus, damit der Ältere es hören konnte. Neona hatte Kobi zwar darum gebeten, sich vernünftig zu verhalten, aber wenn er schon alleine mit diesem Kerl ausharren musste, brauchte er zumindest nicht mehr den freundlichen Samariter spielen.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Nachdem der Untote Neona geweckt und sie mit einem stummen Nicken verabschiedet hatte, wartete er gegen einen Baum gelehnt darauf, dass sie zurückkehren würde, während er wie ein Wachhund über den Jungen wachte. Immer wieder warf er einen Blick auf den Rotschopf, leise betend, dass er nicht aufwachen möge. Zumindest nicht, bis die Diebin wieder zurück war, doch während sich die Stunden hin zogen, schlich sich ein mulmiges Gefühl bei dem Untoten ein: brauchte sie nicht zu lange?
      Doch bevor Silver sich wirklich Sorgen um sie machen konnte, zuckte er bei der Stimme des Jungen zusammen. Er war wach. Na toll. Soviel zu, sie würde zurück sein, bevor er aufwacht.
      „Deine Schwester ist bald wieder zurück, leg dich einfach wieder schlafen.“, erwiderte er mit einem Seufzen, aber kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, war der Rothaarige natürlich aufgestanden und suchte nun die Umgebung nach seiner Schwester ab.
      „... an deiner Stelle würde ich nicht nach ihr suchen. Was, wenn sie auf dem stillen Örtchen ist? Bist du bereit, sie dabei zu erwischen?“, konnte er nicht anders, als Kobi etwas zu ärgern und er hoffte insgeheim, dass er dadurch still stehen würde.
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    • Kobi

      Selbst wenn der Kerl es hatte verbergen wollen, war Kobi sicher, dass der Braunhaarige kein Freund seiner Anwesenheit war. Nun, das beruhte immerhin auf Gegenseitigkeit. Umso mehr wünschte sich der Rotschopf zumindest seine Schwester an seiner Seite zu wissen, besonders nach den Erlebnissen des gestrigen Vormittags hinterließ es ein mulmiges Gefühl in seiner Magengrube länger als nötig von Neona getrennt zu sein. Es war schon schlimm genug, dass er so lange geschlafen hatte.
      "Wir sind zusammen aufgewachsen, denkst du wirklich, dass uns sowas voreinander peinlich ist", sagte er zwar, rührte sich aber dennoch nicht von der Stelle. Es mochte wirklich eine Zeit gegeben haben, in der er seiner Schwester gegenüber mit allem offen war, doch irgendwann hatte auch ihn die Pubertät eingeholt und er hatte sicherlich nicht vor Neona in irgendeinem Busch aufzulauern. Also schob er sich stattdessen nahe an das mittlerweile erloschene Feuer, bildete sich ein, dass noch entfernte Wärme von den verkohlten Zweigen ausging. Nach mehreren Minuten der Stille wanderte sein Blick kurz zu m Älteren hinüber. "Sind du und meine Schwester wirklich befreundet? Woher kennt ihr euch überhaupt? Sie hat noch nie von dir erzählt." Er machte sich nicht die Mühe, Abneigung und Misstrauen aus seiner Stimme zu entfernen und auch in seinem düsteren Blick sollte eine gute Mischung von beidem vertreten sein.



      Neona

      Sie war nicht einmal wirklich überrascht darüber, als die Einberufung des Tribunals schon bald in aller Munde des Dorfes war. Wahrscheinlich war sie seit Jahren die erste gewesen, die auf dieses Recht beharrte. Andere Diebe wussten entweder über diese Gesetzte nicht Bescheid, oder akzeptierten ihr Schicksal einfach ohne große Gegenwehr. Neona wusste natürlich auch, dass ein Tribunal ihr nicht helfen würde, doch das war sowieso nicht ihr Ziel. Das Einzige was sie aktuell brauchte war Zeit um eine gelungene Flucht vorzubereiten, und davon schenkte man ihr mehr als erwartet. Die Einberufung des Tribunals musste solch eine Seltenheit hier sein, dass der ganze Prozess auch noch recht lange dauerte. Genug Zeit, damit die junge Frau seelenruhig an ihren Fesseln arbeiten konnte. Man hatte sie in einen Holzkäfig - ursprünglich wahrscheinlich für lebende Tiere gedacht - verfrachtet und an den Straßenrand nahe des Marktplatzes gestellt. Immer wieder bewarfen sie vorbeigehende Passanten mit Steinen und hin und wieder auch mit fauligen Obst. Letzteres schaffte es zum Glück nur in den seltensten Fällen durch die hölzernen Gitterstäbe, doch die Treffer mit den Steinen würden sicherlich noch ein paar blaue Flecken hinterlassen. Es wären aber lange nicht die ersten Verletzungen, die sie erleiden müsste und nichts toppte den Schmerz, der innerhalb der letzten Stunde immer wieder in Interwallen durch ihren rechten Arm schoss. Allein diese Pein war Grund dafür, dass sie so lange gebraucht hatte, um ihre Fesseln genug zu lockern, damit sie diese im richtigen Augenblick mühelos abstreifen könnte. Dabei hatte sich der Wachmann, der sie zuvor hier rein geschmissen hatte echt Mühe gegeben und ihre Hände hinter ihrem Rücken fest verzurrt. Der Knoten in den Seilen war fest und ohne Hilfe nicht zu lösen, doch Neona hatte schon früh gelernt, wie sie ihre Hände bei einer Verhaftung positionieren und drehen musste, damit jegliche Form der Fesseln nur locker um ihre Arme liegen würde.
      Gerade als sie sich nun nach einer geeigneten Fluchtroute umblickte, schoss eine weitere Welle des Schmerzes durch ihren Arm bis zu ihrem Herzen. Sie verkniff sich ein Aufstöhnen, aus Angst sonst die Aufmerksamkeit des einzelnen Wachmannes vor ihrem Käfig auf sich zu ziehen. War sie etwas zu lange und weit vom Untoten entfernt gewesen? Machte ihr Fluch deswegen gerade jetzt so viel Ärger? Oder blieb ihr doch weniger Zeit, als sie zuvor noch gehofft hatte?
      Sie schob diesen Gedanken mit aller Macht beiseite und ließ ihren Blick erneut suchend wandern. Eine Flucht sollte tatsächlich einfach werden. Direkt gegenüber ihres kleinen Gefängnisses befand sich eine schmale Häusergasse, gerade einmal breit genug für eine Person. Wahrscheinlich war dies eine Art Abfallschacht, in welchem wohl nicht nur verdorbene Lebensmittel sondern auch menschliche Exkremente auf sie warten würden... der ausströmende Geruch schien ihre Befürchtungen zu bestätigen. Eine andere Wahl würde ihr aber nicht bleiben, außerdem sollten die Wachen damit umso mehr Hemmungen verspüren ihr zu folgen. Ihr Plan stand fest, nun musste sie nur noch warten, bis sich die richtige Gelegenheit bot.



      Kobi

      "Das dauert zu lange." Von Ungeduld und Sorge geplagt sprang der Rotschopf auf seine Beine. "Neona würde sich niemals so viel Zeit lassen. Schon alleine, dass sie mich solange hat schlafen lassen, obwohl ihr es noch gestern so eilig hattet ist mehr als seltsam." Wieder wanderten seine Augen suchend die Umgebung ab, bevor sie am Gesicht des Braunhaarigen hängen blieben. "Wo ist meine Schwester wirklich?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Untote konnte sich das amüsierte Schnaufen nicht verkneifen, als der Junge zwar behauptete, dass es ihm nicht peinlich wäre, sich aber dennoch nicht mehr von der Stelle rührte. Er beließ es bei einem Grinsen, ohne noch etwas dazu zu sagen, immerhin hatte er Neona versprochen ihn nicht unnötig zu ärgern, nicht wahr?
      Dennoch hatte er erreicht, was er wollte: Kobi blieb erst Mal wo er war. Was ihn aber offensichtlich nicht davon abhielt dämliche Fragen zu stellen.
      „Wundert mich nicht. Wir sind noch nicht besonders lange befreundet. Und hör auf mich anzuschauen, als würde ich heimlich planen deine Schwester zu ermorden. Wenn ich das vor hätte, hätte ich das schon längst getan. Und ihr nicht dabei geholfen ihren nervigen kleinen Bruder zu retten.“, erwiderte er mit einem Schnauben, während er gelangweilt in die Ferne blickte und lenkte damit geschickt vom Thema ab, woher sie sich überhaupt kannte.
      Ah, lustige Geschichte. Deine Schwester hat nach einem Untoten gesucht um ihrem Fluch zu entkommen und mich dabei schlafend in einer verfallenden Ruine gefunden. Und übrigens hab ich ihr über die Hand geleckt, konnte er ihm ja wohl kaum sagen, was?
      Obwohl er zu gerne gesehen hätte, was für ein Gesicht der Rothaarige machen würde.

      Leider musste auch Silver zugeben, dass Neona viel zu lange brauchte, während sie darauf warteten, dass sie zurückkehren würde. Hatte sie nicht versprochen wieder zurück zu sein, bevor ihr Bruder aufwachte? Die Sonne stieg beständig weiter und wenn es so weiter ging, wäre es bereits Mittag, ohne eine Spur von der Diebin.
      „... sie wollte dich halt ausschlafen lassen, was ist daran seltsam? Siehst du hinter jeder Ecke eine Verschwörung?“, gab der Unsterbliche genervt von sich, erhob sich jedoch letztendlich und begann seine Sachen zusammen zu packen und die letzte Glut der Feuerstelle zu begraben.
      „... sie ist ins Dorf gegangen, um Frühstück zu besorgen.“, log er, ohne mit der Wimper zu zucken, „Aber ich fürchte du hast recht, sie braucht zu lange. Ich werde nach ihr sehen, tu mir den Gefallen und pass auf die Pferde auf.“, konnte der Untote nur hoffen, dass er brav hier warten würde.
      Irgendetwas sagte ihm, dass der Junge es jedoch nicht tun würde.
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    • Kobi

      Sie kannten sich erst seit Kurzem? Umgehend wuchs das Misstrauen in dem jungen Mann. Er wusste genau, wie vorsichtig und vor allem distanziert seine Schwester gegenüber neuen Bekanntschaften sein konnte, doch mit diesem Kerl sollte sie sich innerhalb weniger Tage angefreundet haben? Nicht nur das, sie vertraute ihm sogar genug, um ihn um Unterstützung bei der Rettung ihres Bruders zu bitten? Dabei hatte Neona ihm bisher noch nie einen ihrer "Freunde" außerhalb des Waisenhauses und ihrer Heimatstadt bekannt gemacht. Irgendetwas stimmte hier nicht, ganz und gar nicht. Und auch der Umstand, dass der Braunhaarige geschickt das Thema wechselte, auf dass er nicht auf Kobis Frage antworten musste, löste weiteres Misstrauen im Rotschopf aus.
      "Vielleicht willst du sich nicht töten, aber du könntest irgendetwas anderes im Schilde führen", knurrte er nun unwillig. Zugeben, er konnte sich im Moment nicht wirklich vorstellen, was dieser Kerl genau von seiner Schwester wollte, da aber sowohl er als auch sie sich deutlich in Schweigen hüllten, sobald Kobi mehr über ihre gemeinsame "Mission" wissen wollte, war er sich sicher, dass da mehr hinter steckte als Freundschaft.
      Fürs erste Verzichtete er aber darauf, seinen Gegenüber weiter auszuhöhlen, auch weil er bezweifelte brauchbare Antworten zu erhalten, vor allem aber weil seine zunehmende Sorge um seine Schwester triumphierte. Der Umstand, dass der Braunhaarige auch unruhig zu werden schien, half da keineswegs. Zumindest schien er endlich bereit, die Wahrheit zu sagen, zumindest einen Teil davon. Irgendwie zweifelte Kobi daran, dass seine Schwester nur Frühstück hatte besorgen wollen.
      Er schnaubte abfällig, als der Ältere von ihm verlangte bei den Pferden zurück zu bleiben. "Ich nehme keine Befehle von dir entgegen." Dennoch huschten seine Augen kurz kontrollierend zu den Tieren, welche unbekümmert und ruhig nahe des Flussbettes grasten. Die beiden bräuchten keine Betreuung. Entsprechend folgte er dem Braunhaarigen kommentarlos Richtung Ortschaft. Was sollte der Kerl schon machen? Ihn an einen Baum fesseln? Ihn bewusstlos schlagen? Spätestens dann wäre es um die angebliche Freundschaft zwischen ihm und seiner Schwester geschehen. Dennoch hielt der Junge einen gesunden Abstand zum anderen, ließ es sich dabei aber nicht nehmen an ihm vorbei zu huschen und sogar die Führung zu übernehmen. Sorge um Neona beschleunigte seine Schritte und ließ ihn schon wenige Minuten später die Ortsgrenze passieren. Sollte seine Schwester tatsächlich Lebensmittel besorgen wollen, würde ihr Weg geradewegs zum Zentrum des Dorfes und damit zum Marktplatz führen. Eben diesen Weg beschritt nun auch der Rotschopf und war überrascht über den lauten Tumult auf den Straßen. Die Wortfetzen, die er beim Vorbeigehen aufschnappte wollten ihm kein bisschen zusagen. "Tribunal", "dreckige Diebin", "rothaarige Ganovin". Seine Schritte wurden schneller. Er war sich sicher: Seine Schwester steckte in Schwierigkeiten.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Oh ja, Silver hatte tatsächlich etwas schreckliches mit Kobis Schwester vor. Er wollte sie für seinen eigenen Tod nutzen, indem er ihr Leben rettet, wahrlich schrecklich, nicht wahr? Aber aussprechen konnte er diese Worte nicht, immerhin müsste er dann tiefer ins Detail gehen und ganz ehrlich, den Jungen ging es schlicht und einfach nichts an. Außerdem würden sie ihn dann wahrscheinlich nicht mehr so schnell los werden und er konnte die Standpauke bereits hören, die Neona ihm vortischen würde, wenn er hinter ihrem Rücken ihrem kleinen Bruder alles erzählte.
      Was er nicht tun würde. Auch wenn ein kleiner Teil von ihm wollte, einfach nur, um seine Reaktion zu sehen. Vielleicht auch, um ihm Angst zu machen. Oder ihm weis zu machen, dass seine Schwester ihn brauchte, wenn sie weiter leben wollte.
      So wenig Kobi ihn auch zu mögen schien, es war keine gute Idee zu versuchen Silver zu vertreiben.
      Obwohl er so viel zu sagen hatte, so viel sagen könnte, schwieg der Unsterbliche einfach und machte sich auf den Weg zum Dorf. Es überraschte ihn nicht, dass der Junge ihm folgte, stimmte ihn aber missmutig, als dieser sogar vorausging.
      Konnte er nicht wie ein braves Kind einfach die Erwachsenen das regeln lassen? Hoffentlich wäre Neona ihm nicht zu böse, dass er nicht einfach auf sie wartete.
      Am Marktplatz angekommen entging auch dem missmutigen Untoten nicht, dass irgendetwas nicht stimmte. Das war mehr, als der gewöhnliche Tumult des Marktplatzes, und... „Warte.“, schnappte sich Silver die Schulter des Jungen, bevor er noch näher an das Zentrum des Tumults kommen konnte.
      Irgendetwas sagte ihm, dass er etwas dummes tun würde.
      Und tatsächlich: wie erwartet war es Neona, die in einem Holzkäfig gefangen war und sich von den Dorfbewohnern beleidigen lassen musste. Na toll. Und jetzt? Sie mussten sie irgendwie da raus holen... aber wie sollte das funktionieren, mit so vielen Menschen um sie herum?
      Er musste sich was einfallen lassen.
      „Schau sie nicht so an. Du musst so tun, als würdest du sie nicht kennen. Oder willst ebenfalls dort landen?“, raunte Silver dem Jungen zu, damit er nicht irgendeine Dummheit begang.
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    • Kobi

      Endlich auf dem Marktplatz angekommen kostete es ihn kaum eine Minute endlich seine Schwester zu finden. Eingesperrt und gefesselt, beworfen von dutzenden wütenden Passanten. Als einer der Geschosse ihren Kopf traf, wollte er bereits voran stürmen, wurde aber an der Schulter aufgehalten. Bis eben hatte er beinahe vergessen, dass er noch Gesellschaft hatte und umgehend wünschte er sich, dass der Kerl tatsächlich verschwinden würde. Aber seine Wünsche wurden selten erhört und heute sollte sich das wohl kaum ändern.
      "Soll ich sie dort also einfach zurücklassen?!" Kobi stieß die Hand an seiner Schulter grob beiseite, machte daraufhin aber trotzdem keine Anstalten zu seiner Schwester zu laufen. Er mochte es nicht gern zugeben, aber dieser Mistkerl hatte recht. Weder die aufgebrachten Menschenmassen, noch die beiden Wachen neben dem Käfig würden ihn gewähren lassen und ihm schlimmsten Fall neben seine Schwester in den Käfig setzen. Doch genauso wenig könnte er sie einfach zurücklassen. "Man wird ihr die Hand abschlagen", grummelte er in milder Verzweiflung und erinnerte sich an den Jungen, der vor drei Jahren in ihrem Heimatdorf das gleiche Schicksal erlitten hatte. Da er zuvor nicht einmal genug Geld für seine eigene Verpflegung aufbringen hatte können, war er umso weniger in der Lage seine Verletzungen zu behandeln. Innerhalb weniger Tage war er an der entzündeten Wunde verstorben... "Wir müssen sie da rausholen, bevor es zu spät ist." Verzweifelt nach einer Lösung suchend wanderte sein Blick über den Platz, auf welchem eine kleine Tribüne aufgebaut worden war. Ein einziger Stuhl thronte darauf, sicherlich gedacht für den Richter, der Neona mit Sicherheit in den ersten paar Sekunden schuldig sprechen würde. Es war schon selten genug, das überhaupt ein Prozess einberufen worden war. Seine Schwester musste tatsächlich auf dieses Recht bestanden haben, vielleicht um genug Zeit zu schinden, damit Kobi und Silver sie würden retten können? Doch wie sollten sie das genau anstellen?
      "Wir brauchen eine Ablenkung", überlegte der Rothaarige laut. "Das Schloss an diesem Käfig scheint nicht aufwendig zu sein, ich glaube nicht das er für Menschen gedacht ist. Das heißt, so lange einer von uns die Aufmerksamkeit von meiner Schwester lenken kann, sollte der zweite in der Lage sein, den Käfig zu öffnen und mit ihr zu fliehen." Es passte ihm gar nicht, mit dem Braunhaarigen zusammen arbeiten zu müssen, aber aktuell blieb ihm wohl kaum eine Wahl.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Das habe ich nie gesagt.“, zischte der Unsterbliche ihm entgegen und hoffte, dass er an seinem Ton verstand, dass er etwas leiser sein sollte. Wollte der Junge etwa unbedingt da vorne neben seiner Schwester landen, so laut wie er diese Worte verkündete?!
      Er hatte keine Lust zwei Leute retten zu müssen. Wirklich nicht.
      Mit einem Seufzen versuchte der Dunkelhaarige sich zu beruhigen und war froh, dass Kobi anscheinend doch gesunden Menschenverstand besaß und es ihm nicht nur gleich tat, sondern sogleich einen Plan vorschlug, mit dem er sich arrangieren konnte.
      Ihm war zwar nicht wohl dabei, den Jungen alleine zu lassen, aber hatten sie denn groß eine Wahl? Viel Zeit schien ihnen nicht zu bleiben, also blickte er sich um, auf der Suche nach etwas, dass er als Ablenkungen nutzen konnte und sein Blick traf auf einen Stand, der Schmuckstücke und Dekorationen verkaufte, dessen Besitzer jedoch nicht aufzufinden war. Wahrscheinlich hatte er sich der wütenden Menge angeschlossen.
      Doch viel interessanter als der Schmuck, waren die Glasornamente.
      „Ich sorge für Ablenkung. Kümmer du dich um deine Schwester.“, raunte er ihm entgegen, bevor er sich von seiner Seite entfernte und zum Stand herüber schlich. Er hatte zwar ein mulmiges Gefühl dabei, Neonas Bruder alleine zu lassen und noch mehr, ihm diese Aufgabe zu überlassen, aber was blieb ihm schon übrig? Sollte man ihn ebenfalls schnappen, würde er sich schon etwas ausdenken.
      In gebückter Haltung schlich Silver sich hinter den Stand, darauf bedacht von niemandem bemerkt zu werden, während er einige Glasornamente so arrangierte, dass die Morgensonne direkt darauf scheinen und einen Punkt auf dem Stoff, auf dem die Schmuckstücke drapiert waren, fokussieren würde.
      Das gab ihm genug Zeit, um sich von dem Stand zu entfernen und sich wieder in die Menschenmasse einzugliedern, bevor der Stoff sich entzündete und Rauch aufstieg. Es dauerte ein paar Minuten, in denen das Feuer begann größer zu werden, bevor jemand den ungewöhnlichen Geruch wahrnahm und sich zum Marktplatz umdrehte, um ganz laut „Feuer!“ zu rufen.
      „Mein Stand!“, rannte ein gut betuchter Mann herüber und verfiel in Panik, nicht recht wissend, wie er das Feuer löschen sollte.
      „Schnell, verdammt... hilft mir! Wasser!“, schrie er und die Wachmänner rannten rüber, um bei der Löschung des Feuers zu helfen.
      Das würde sie für etwas beschäftigen, genug Zeit, um Neona zu befreien.
      Doch als Silver einen Blick zu dem Käfig wagte, stellte er verwundert fest, dass Kobi zwar offensichtlich in Begriff war, seine Schwester zu befreien, aber dass diese nicht mehr da war.
      Mit einem Seufzen fuhr er sich durchs Haar und schlenderte heimlich zu dem Jungen rüber, um wie beiläufig seine Schulter zu packen und ihn von dort weg zu schieben.
      „Jetzt verschwinde schon, oder willst du, dass man dich vor dem leeren Käfig erwischt?“, raunte er ihm entgegen, während sie sich vom Marktplatz entfernten.
      Doch eine Frage blieb: wo war Neona?
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    • Neona

      Es grenzte wahrscheinlich an ein Wunder, dass die dutzenden Steingeschosse noch keine blutenden Wunden hinterlassen hatten, doch der letzte Treffer gegen ihre Schläfe hinterließ dennoch pulsierende Schmerzen. Ungeduldig wanderten ihre Augen zum aufgebauten Podium im Zentrum des Marktes. Wo blieb nur der Richter? Sie war noch nie in diesem Dorf gewesen und kannte daher auch nicht deren Einwohner, aber jede Ortschaft hatte mindestens einen Rechtsprecher vorzuweisen und ein jeder von ihnen war adligem Blut. Eine Person solch außerordentlicher Wichtigkeit, dass sie bei ihrem Auftreten jegliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Zwar würde ihr nicht viel Zeit bleiben, doch sobald der Richter auftauchte, würde sie ihre Fesseln abstreifen und aus diesem elenden Gefängnis fliehen. Ein riskanter Plan, aber sie hatte schon gefährlichere Situationen überstanden.
      Zu ihrer eigenen Überraschung schien sie eben diesen Plan aber nicht einmal folgen zu müssen. Sie roch die Flammen noch bevor der gellende Schrei ertönte. "Feuer!" Sie wusste nicht genau was passiert war, aber einer der Schmuckstände auf dem Markt hatte offenbar Feuer gefangen, was nicht nur den Besitzer des Standes, sondern auch alle anderen Anwesenden in Aufregung versetzte, vor allem als die immer hoher steigenden Flammen nach den Nachbarständen zu greifen schienen.
      Noch wusste sie nicht, welchem Schicksalsgott sie diese Chance zu verdanken hatte, aber sie würde sie sicherlich nicht tatenlos verstreichen lassen. Innerhalb weniger Sekunden hatte sie die lockeren Seile von ihren Armen geschoben und steckte die freien Hände durch die Gitterstäbe nahe dem Schloss. Der Schließmechanismus bestand aus einem einfachen kleinen Querbalken, der sich mit etwas Fingerspitzengefühl aus seiner Verankerung schieben ließ. Die Wachen, welche so eben noch vor dem Käfig gestanden hatten, bemerkten im Antlitz der wachsenden Flammen nicht einmal die Diebin in ihrem Rücken, welche sich schnellen Schrittes in Richtung Häusergasse schlich. Erst ein letzter Blick Richtung Markt konnte endlich das Rätsel über das plötzliche Feuer lösen. "Kobi?" Sie würde diesen strubbeligen Rotschopf überall erkennen. Was machte er hier? Erst überlegte sie, ihn zu packen und gemeinsam zu flüchten, doch das würde den Jungen nur mit in die Schussbahn ziehen außerdem... "Silver..." Sie erkannte den Untoten unweit des brennenden Standes. Er musste das Feuer ausgelöst haben.
      Neona stieß ein frustriertes Knurren aus und setzte dann endlich ihren Weg fort. Sie musste darauf vertrauen, dass die beiden es selbstständig vom Marktplatz schafften, danach könnte sie ihnen immer noch die Leviten lesen.
      Wie erwartet war die Gasse von zahlreichen Abfällen befüllt, zu ihrem Glück schien das Schlimmste aber vor kurzem durch einen Regenschauer weggespült worden zu sein. Dank ihren geschickten und flinken Füßen schaffte sie es, den Müll und Fäkalienhaufen gekonnt zu entgehen, doch gegen den entsetzlichen Gestank, der ihre Nase durchtränkte konnte sie dennoch nichts unternehmen. Doch das leiden hatte bald sein Ende. Sie entkam auf einer recht unbelebten Seitenstraße und folgte dieser Richtung Stadtrand.


      Kobi

      "Der Kerl ist verrückt..." Erst als die Flammen heraufwuchsen verstand Kobi, was der Plan des Braunhaarigen verfolgte. Es als riskant zu bezeichnen war eine bloße Untertreibung, aber leider musste er zugeben, dass es effektiv war. So effektiv sogar, dass er selbst lange genug abgelenkt wurde, um das Verschwinden seiner Schwester nicht zu bemerken. Fassungslos starrte er den nun leeren Käfig an. Augenblicke zuvor war sie doch nicht dort gewesen. Gefesselt. Wo...? Bevor er den Gedanken beenden konnte, wurde er erneut an der Schulter gepackt. Dieses Mal wehrte er sich nicht einmal, als er beiseite gezogen wurde.
      "Wo... ist meine Schwester?" Er musterte den Mann an seiner Seite, hoffte in dessen Augen die Antwort auf seine Frage zu erhalten, doch der ältere schien genauso viel zu wissen, wie Kobi. Also gar nichts.
      Was wenn man sie entführt hatte? Was wenn die Männer, die ihn zuvor verschleppt hatten, nun seine Schwester wollten? Was wenn...? Sie mussten aus der Stadt! Egal wer dafür verantwortlich sein mochte, würde nicht hier bleiben, besonders da nun endlich die Wachen ihren Fehler bemerkt hatten und aufgebracht Befehle brüllten, um nach Neona zu suchen.
      "Wir müssen sie finden", beschloss Kobi fest und stampfte vom Marktplatz, direkt Richtung Stadtrand, doch noch bevor er eben diesen erreichen konnte, wurde er erneut gepackt. Dieses mal am Unterarm und eine Sekunde später grob in eine Seitengasse gezogen. "Was zum-?!" Er wollte gerade zu einem verteidigenden Schlag ausholen, als ihm die eisblauen Augen seiner Schwester entgegen funkelten. "Neo-"
      "Was habt ihr euch dabei gedacht?!", wurde er forsch unterbrochen. Das Eis in ihren Augen schien erst ihn und dann den älteren in seinem Rücken durchbohren zu wollen. "Was wenn man euch geschnappt hätte?!"