Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • "Harte Eier also," grinste Santiago.
      Es war seltsam, hier oben mit jemand anderem zu sitzen und ein entspanntes Frühstück zu genießen. Nicht auf die schlechte Art seltsam, sondern auf eine gute. So gut, dass sich Santiago beinahe daran gewöhnen könnte. In einem anderen Leben vielleicht. In einem, dass nicht von imaginären Einsatzkommandos gestört wurde.
      "Sag mal, ist alles cool? Du wirkst so, als würdest du gleich einen wichtigen Termin verpassen oder sowas."
      "Hm? Oh äh... nein, alles gut. Ich bin nur..."
      Wie sollte er das jetzt erklären? Ich warte bloß darauf, dass du eine Handgranate aus der Hose ziehst, um uns beide in die Luft zu sprengen, nichts weiter.
      Er beugte sich vor und drückte seine Zigarette in einem kleinen Aschenbecher aus, angelte sich aber gleich die nächste und zündete sie sich an. Verdammt, er war nicht nur paranoid, er war auch noch nervös!
      "Meine Magie mag mich heute nicht besonders," gab er dann zu. "Wenn wir uns sonst sehen, dann besorge ich mir vorher irgendwo einen Alptraum, damit meine Magie nicht 'so drauf' ist. Du erinnerst dich an das Diner? Als du dich in meiner Gegenwart nicht besonders wohlgefühlt hast?"
      Er nahm einen tiefen Zug von seiner Kippe und atmete ihn mit einem Seufzen wieder aus. Warums sollte er noch irgendetwas vor Lewis geheim halten? Der Streuner wusste, wo er wohnte, verdammt. Und mit dem bisschen Information konnte er ihm sowieso nicht mehr schaden, als es Santis Magie ohnehin schon tat.
      "Meine Magie hat unterschiedliche Phasen. Wenn wir zusammen sind, ist sie ruhig, geradezu entspannt. Jetzt gerade ist sie wie ein wildes Tier, kaum gebändigt und sehr hungrig. Da ich sie nicht füttere, bedient sie sich an mir. Meine Ausstrahlung und meine Augen jagen gerade jedem einen kalten Schauer über den Rücken, weil meine Magie ein Ziel haben will. Sie will jemandem Angst einjagen, um sich dann daran satt zu fressen. Wenn ich dem nachgebe, dann macht es mein Leben für einen kurzen Augenblick angenehmer, aber das eines anderen zur Hölle auf Erden. Tue ich es nicht, dann drehe ich am Rad, aber alle anderen sind mehr oder weniger sicher vor ihren schlimmsten Ängsten."
      Jetzt kannst du auch gleich alle Karten auf den Tisch legen, Santi, dachte er sich.
      "Deswegen schlafe ich auch nicht, wenn wir zusammen sind. Du fühlst dich unwohl in meiner Gegenwart, wenn meine Magie hungrig ist, also besorge ich mir einen Snack, wann immer wir uns treffen. Das heißt aber auch, dass ich das nächste Mal, wenn ich mich hinlege, um zu schlafen, ein paar richtig schöne Alpträume habe. Ich will also gar nicht schlafen. Und wenn ich es doch tun muss, dann stellt meine Magie sicher, dass ich es nicht sehr lange tue und auf gar keinen Fall Gefallen daran finde. Letzte Nacht hätte ich ein paar Stunden zusammenkratzen können, aber ich wollte sichergehen, dass es dir gut geht. Jetzt guck mich nicht so schuldbewusst an, ich mach regelmäßig die Nacht durch, das geht schon klar. Ich hab ein gutes Buch zu Ende gelesen, während du friedlich vor dich hin geschnarcht hast."
      Die Zigarette war vergiftet!
      Reflexartig drückte Santi die nicht einmal zur Hälfte runtergebrannte Kippe in dem Aschenbecher aus. Eine Sekunde später biss er sich auf die Zunge für seine Reaktion.
      "Da hast du's," grummelte er. "Paranoide Wahnvorstellungen. Ich kann diese Zigarette nicht rauchen, weil mir mein Kopf sagt, dass sie vergiftet ist."
      Er konnte sie nicht einmal anfassen. Er starrte sie einfach nur an, wie sie da im Aschenbecher steckte, wie eine schlechte Version von Excalibur. Er versuchte es, aber er konnte einfach nicht. Und als sein Blick zu der Packung daneben glitt, konnte er sich auch nicht dazu bewegen, eine neue anzufangen, egal, wie sehr er gerade eine haben wollte. Schließlich gab er auf und lehnte sich mit einem Seufzen in seinem Sessel zurück - ohne Kippe, ohne Kaffee, ohne Frühstück. Und Lewis versteckte ein Messer unter dem Sofapolster.
      "Schätze, wir haben alle unser Päckchen zu tragen..."
      Wo war dieser verdammte Helikopter?!


    • Santiago ersetzte die eine Zigarette gleich durch die nächste und Lewis lernte dafür einen neuen Aspekt bei dem Mann kennen: Er konnte nervös sein. Dieser Goliath von einem Mann, der im Alleingang ein dutzend Wachmänner ausschalten konnte, konnte nervös sein. Die Frage war nur: Was konnte einen Mann wie ihn nervös machen?
      Lewis hörte sich schweigend an, als er von seiner Magie zu sprechen begann. Bisher hatte er nur sehr wenig davon preisgegeben, wie auch Lewis; die Frage nach der Magie war eine äußerst heikle Angelegenheit, denn während sie potenziell sehr stark und mächtig war, hatte sie auch immer einen offensichtlichen Schwachpunkt. Keine Magie brachte nicht irgendwas mit sich, was dem Magier hinter ihr zusetzte.
      Und so schien es auch für Santiago zu sein. Seine Magie arbeitete wohl mit Angst, aber genauso wie bei Lewis konnte er sie nicht einfach abstellen, er konnte sie nicht einfach abschütteln, um einen Moment Ruhe vor ihr zu haben. Für den Mann war es aber sogar mehr als das: Seine Magie schien wirklich lebendig, wie ein unsichtbares Lebewesen, das man füttern und füttern musste, damit es einem nicht die Hand abbiss - nur, dass es beim Füttern eben jemand anderem die Hand abbiss. Und wenn es das tat, dann kam es trotzdem wieder zurück und quälte seinen Träger mit seiner Anwesenheit.
      Für Santiago bedeutete das Albträume. Entweder das - oder Paranoia.
      Das erklärte die fünf Schlösser an der Tür und die drei am Tor. Das erklärte, weshalb die meisten Läden geschlossen waren, um so wenig von der Innenwelt nach außen preiszugeben. Das erklärte auch, weshalb Santiago sich überhaupt so eine Wohnung genommen hatte. In der Innenstadt zu leben, wäre mit seiner Hinderung ein Albtraum im wahrsten Sinne des Wortes.
      Lewis starrte ihn ungläubig an. Ihm war noch nie eine Magie untergekommen, die ihren Träger derart mitnahm. Sicher, es gab immer einen Preis, den man für seine Begabung zahlen musste, aber sowas? Santiago lebte doch einen einzigen Psycho-Wahn. Und das sein ganzes Leben schon? Hatte er einen ruhigen Tag gehabt? Gab es sowas überhaupt für ihn?
      Dafür standen die Zeichen, wie ernst es wirklich war, direkt vor Lewis' Nase. Es hätte ihm auch früher schon auffallen können, wie Santiago so sehr an seiner Sonnenbrille hing oder ständig den Blick schweifen ließ, wenn sie irgendwo aus aßen. Die Hotels! Jedes Mal, wenn sie in ein Zimmer eingecheckt hatten, hatte Lewis es für irgendeine Eigenart abgetan, dass der Mann einmal im ganzen Zimmer herumschlich, dabei hatte er tatsächlich den Raum abgesichert. Allerdings nicht aus der Notwendigkeit heraus, sondern wegen seiner eigenen Paranoia.
      Lewis konnte es kaum fassen. Natürlich hatte er sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Santiagos Magie funktionieren könnte, aber so? Das hier war ja wohl ein schlechter Scherz der Natur.
      "Das heißt, wenn du jemandem, äh, Angst einjagst, kannst du hinterher nicht schlafen und wenn du es nicht tust, leidest du an Paranoia? Man, geht's dir auch mal... gut? Ich meine, das muss doch anstrengend sein, nicht?"
      Mit einem Schlag hatte er Mitleid mit ihm - wie oft sie sich in den letzten Wochen getroffen hatten! Und selbst jetzt kam Lewis her und ließ sich von Santiago verpflegen. Was für eine Überwindung es den Mann gekostet hatte, ihn in seine sichere Wohnung einzulassen.
      "Wie sehen diese Träume aus? Kannst du wirklich gar nicht schlafen, sind sie so schlimm?"
    • Und da war es. Das Mitleid, das Santiago so hasste. Wenn die Menschen Angst vor ihm hatten, konnte er damit umgehen. Wenn die Menschen ihn hassten, weil er Magie hatte, konnte er damit umgehen. Aber Mitleid? Seine Magie machte sein Leben anstrengend, ja, aber er kannte es nicht anders und ändern konnte er es auch nicht. Was brachte ihm das Mitleid anderer Menschen da? Sie würden sich trotzdem immer vor ihm fürchten, sie würde ihm trotzdem nicht helfen können, selbst wenn sie sich in die offenen Arme seiner Magie warfen.
      "Sieh mich nicht so an," forderte er daher von Lewis. "Ich hab dir gesagt, dass alles okay ist. Mein Leben ist so anstrengend wie das von tausend anderen auch, nur eben auf andere Weise. Ich hab gesehen, was deine Magie mit dir anstellen kann und ich bemitleide dich auch nicht dafür, oder?"
      Santiago griff nach seiner Kaffeetasse und starrte die schwarze Flüssigkeit darin an. Dann war der Kaffee eben vergiftet, dachte er sich und nahm einen ordentlichen Schluck.
      "Mir geht's gut, wenn ich meine Ruhe habe. Dieses Apartment habe ich so eingerichtet, dass meine Paranoia nichts damit anfangen kann. Das reicht an den schlechten Tagen. Und mir geht's gut, wenn ich meine Magie benutze und nicht schlafe. Ich zähme dieses Biest ja nicht erst seit gestern."
      Noch ein Schluck und die Kaffeetasse war leer. Er stellte sie wieder weg und schob sich stattdessen ein Stück Bacon in den Mund, bevor ihm ein neuer Gedanke einen Strich durch die Rechnung machen konnte.
      "Ich hab nie gesagt, dass ich nicht schlafen kann. Ich kann sehr wohl schlafen. Ohne Schlaf wäre ich doch schon längst tot. Zugegeben, als Kind war ich ständig krank wegen den Auswirkungen auf das Immunsystem, aber ich hab's in den Griff bekommen. Wenn ich schlafe... hattest du schon einmal einen Alptraum, aus dem du unbedingt aufwachen wolltest, aber du konntest nicht? Nicht, bis du ihn bis zum bitteren Ende geträumt hast? Das. Den Luxus, vor Ende des Traumes aufzuwachen, habe ich nicht. Ich krieg den kompletten Film. Und nur, weil ich vor etwas nicht Angst habe, heißt das nicht, dass ich keinen Alptraum davon haben kann. Meine Magie kopiert die Ängste anderer Menschen. Spinnen sind mir scheißegal, aber die Anzahl an Alpträumen, die ich mit welchen hatte, ist astronomisch. Wir reden hier übrigens nicht von Träumen, in denen eine fette Spinne an der Wand meiner Dusche sitzt. Mehr von einem Tsunami aus dämonischen Spinnen, die Menschen fressen oder sowas, keine Ahnung. Ich bin nicht besonders kreativ, noch nie gewesen."
      Er zuckte mit den Schultern. Die wissenschaftliche Begründung, warum Santiago so unkreativ war, ersparte er Lewis jetzt einfach mal. Wenn man sein Leben lang mit Schlafproblemen und Alpträumen zu kämpfen hatte, dann lernte man das ein oder andere darüber. In einem anderen Leben wäre Santiago vielleicht Trauma-Psychologe geworden mit all dem Wissen, das er über Angststörungen und deren Behandlungen angehäuft hatte.
      "Der Punkt ist: Ich kann schlafen, aber die Träume wecken mich in den meisten Fällen mit ihrem Finale auf. Aber das ist okay, ich bin ziemlich gut mit Powernaps. Die hast du übrigens schon bei mir gesehen. Ich hab regelmäßig welche gemacht, wenn wir mit Apollo rumgeplant haben. Wenn Jericho erstmal losgelegt hat, dann habe ich meistens ein paar Minuten gehabt. Und wenn ich keinen Alptraum kopiert habe, dann geht's eigentlich auch. Dann habe ich nur einen sehr leichten Schlaf und kämpfe damit, einzuschlafen. Mich weckt zwar jeder Furz auf, weil mein Hirn der Meinung ist, dass es sich um ein Mordkommando handelt, aber es gibt schlimmeres. Auf Drogen zu sein, zum Beispiel. Ich hatte noch nie einen guten Trip und ich bin mir ziemlich sicher, dass das für mich unmöglich ist."
      Santi lehnte sich wieder zurück und musterte Lewis ein bisschen. Der Streuner schien besser drauf zu sein, das war ein gutes Zeichen. Wahlweise verdrängte er alles. Für den Moment würde er ihm diesen Frieden lassen.
      "So. Jetzt kennst du all meine Schwachstellen. Du bist dran. Du kannst nicht wirklich in die Zukunft sehen, oder?"


    • Lewis hörte ganz sicher nicht damit auf, Santiago so anzusehen, denn ihre beiden Magien waren ja wohl kaum miteinander zu vergleichen. Lewis konnte gut damit leben nicht Auto zu fahren, aber zwischen Albträumen und Paranoia balancieren? Im Leben nicht. Wäre Lewis an seiner Stelle, hätte er es vermutlich nicht so lange durchgehalten wie Santiago. Er hätte einen Ausweg gesucht und das eher früher als später.
      Und dann waren es auch noch Albträume, die nicht aufhörten. Santiagos Beispiel war zwar schwer vorstellbar, aber Lewis hätte schon genug davon, zum dritten Mal davon zu träumen, von einer fetten Spinne in der Dusche angefallen zu werden. Und sowas machte dieser Mann regelmäßig durch. Jetzt wandelte Lewis' Mitleid sich schnell in Respekt um; immerhin wusste er, dass der andere trotz allem noch ein höchst normales Leben führte.
      "Das ist heftig. Aber dann träumst du nur von den Ängsten anderer? Und wenn sie nicht deine eigenen sind, sind es dann überhaupt Albträume? Mal angenommen, jemand würde sich richtig reinscheißen bei einem süßen Hundewelpen, würdest du dann von Hundebabys träumen, die über dich herfallen?"
      Lewis meinte es zum Spaß, er wollte es aber auch ernsthaft wissen. Was würde Santiago wohl bei ihm sehen, wenn er seine Magie an ihm speisen lassen würde? Würde er Bryce sehen, wie er Lewis' - und damit Santiagos - Kopf in die Laken drückte, während der nicht weg konnte?
      Ob das für Santiago ein Albtraum wäre? Oder würde er vielmehr Gefallen daran finden? Der Mann schien zwar kein großer Masochist zu sein, aber bekanntlich hatten Menschen mehr als nur eine Facette.
      "Dann war es deine Angst-Magie, mit der du die Wachmänner ausgeschaltet hast? Wie funktioniert das, du lässt deine Magie los und die schnappt sich den größten Albtraum ihres Opfers? Das ist irgendwie cool. Aus einer Perspektive, bei der man nicht mit den Albträumen zu tun haben muss oder unter Paranoia leidet, ist das irgendwie cool."
      Jetzt konnte er aber zumindest auch verstehen, weshalb Santiago noch nie an seinem Joint gezogen hatte, wenn er ihn ihm angeboten hatte. Da musste diesmal auch Lewis zustimmen; mit solchen Hindernissen war man quasi dafür ausgelegt, unter schlechten Trips zu leiden. Das musste man nicht wieder und wieder versuchen.
      "Oh, wir sind jetzt am Schwachstellen austauschen, was?", grinste er. Aber das war in dem Fall nur fair, Santiago hatte ihm gerade vermutlich ein Geheimnis verraten, das in sämtlichen Bereichen seinen Ruin bedeuten könnte. Lewis fürchtete zwar, dass seine Magie da kaum mithalten konnte, aber diesen Deal würde er trotzdem eingehen.
      "Ich kann schon in die Zukunft sehen, aber ich sehe nur Kettenreaktionen."
      Er lächelte entschuldigend wegen seinem furchtbar gewählten Safeword.
      "Ich kann also nicht sehen, wenn jemand etwas macht, aber ich kann sehen, wenn er auf etwas reagiert. Das beste Beispiel ist immer die Tasse."
      Er hob seine an wie zum Prost.
      "Du lässt jetzt deine Tasse fallen und bückst dich, um die Scherben aufzuheben. Dabei schneidest du dich an einer Scherbe. Ich hätte in dem Moment, in dem deine Tasse aus deiner Hand gefallen ist, gesehen, dass du dich an den Scherben schneiden wirst, ich hätte aber nicht vorhersehen können, dass du die Tasse überhaupt fallen lässt. Ich sehe, dass du dich nach den Scherben bückst, weil das deine Reaktion auf das Fallen-Lassen ist und ich sehe, dass du dich daran schneidest, weil das deine Reaktion auf das Bücken ist. Und danach sehe ich vielleicht gar nichts mehr, weil dich die Tasse gar nicht so sehr interessiert und du hinterher wieder dein normales Leben lebst. Oder die Tasse war dein Herzensstück und du versinkst augenblicklich in tiefster Depression, das würde ich auch sehen."
      Er biss wieder von seinem Toast ab.
      "Früher - also ganz, ganz früher - konnte ich das noch an- und abstellen. Dann hab ich irgendwas angesehen und hab so... eine Vorahnung bekommen, so nenne ich das. Dann habe ich mich da mehr darauf konzentriert und nach und nach haben sich dann vor mir die Bäume gebildet - so nenne ich das, es gibt eine Wurzel, also die Aktion, die die Kettenreaktion auslöst, und dann gibt es für jede Reaktion einen Knoten. Und wenn es irgendwo ausläuft, ist das ein Blatt. Das hört sich aber schöner an, als es in Wahrheit ist.
      Ich konnte es also damals noch ausstellen, aber heute geht das nicht mehr. Wenn dir jetzt die Tasse runterfällt, würde ich gleich sehen, dass du dich daran aufschneiden wirst, ob ich das will oder nicht. Ich kann es ignorieren, aber es ist immer..."
      Er machte eine Geste mit seinem Finger, mit dem er vor seinem inneren Auge einen Baum nachzeichnete.
      "... es ist immer da. Und es gibt auf fast alles immer eine scheiß Kettenreaktion, ob einem das bewusst ist oder nicht. In der Bank, da wurde der Baum groß genug, dass ich fast nichts mehr anderes gesehen habe - deswegen kann ich auch nicht Auto fahren. Die Straße ist die Hölle, weil immer irgendein Vollidiot bremst, drei Autos hinter ihm darauf bremsen und wegen der Geschwindigkeitsdrosselung 5 Ampeln weiter einer einen Fußgänger zusammenfährt. Das sind alles Kettenreaktionen und davon gibt es auf der Straße viel zu viel. Bei Gesprächen übrigens auch - Smalltalk ist eine einzige Kettenreaktion. Das ist grauenhaft. Wenn du mich vergraulen willst, hältst du Smalltalk mit mir ab."
      Er lächelte.
      "Aber ich habe keine Albträume davon und wenn ich von den vielen Informationen nicht verrückt werden will, dann kiffe ich und es wird besser. An einem guten Tag habe ich vielleicht 20, 30 Bäume, die sich vor mir bilden, aber die meisten sind ganz klein und nicht so riesig wie in der Bank. An einem schlechten Tag..."
      Er starrte für einen Moment die Tischplatte an. Seine Miene sackte ein bisschen ein.
      "... schlechte Tage sind anders. Das ist schwer zu erklären."
    • "Ich würde nicht nur von Welpen träumen. Ich würde die gleiche Angst empfinden wie die Person, der ich diese Angst abgenommen habe. Mir selbst macht eigentlich gar nicht so viel Angst - vielleicht, weil ich schon so viel gesehen habe. Aber wann immer ich meine Magie benutze, um jemand anderem Angst einzujagen, nehme ich deren Angst an. Für den Traum zumindest. Es ist kompliziert."
      Lewis schien es langsam zu verstehen. Es war genauso kompliziert, wie Santiago es genannt hatte, aber Lewis schien dahinter zu steigen. Vielleicht weil er selbst Magie hatte und wusste, wie verschachtelt solche Angelegenheiten sein konnten. Es war seltsam jemandem dabei zuzusehen, wie es klick machte.
      "Ich hab die Wachmänner in ihrem eigenen Alptraum festgehalten. Tagträumereien am Arbeitsplatz sind ja bekanntlich ein No-Go. Ich kann allerdings nicht bestimmen, welche Reaktion Menschen darauf haben, mit ihrer schlimmsten Angst konfrontiert zu werden. Ich könnte dir jetzt eine Liste an möglichen Angstreaktionen geben, aber ich habe keine Lust, hier Professor zu spielen. Fakt ist: die Wachmänner waren danach nicht mehr mit uns beschäftigt und hatten einen wirklich miesen Tag."
      Santi zuckte mit den Schultern. Über die Arbeit zu reden beruhigte ihn irgendwie. Er erwischte sich dabei, wie er gar nicht mehr nach dem Helikopter suchte. Über die Arbeit reden war einfach. Über die Arbeit reden erinnerte seine Magie daran, wie schön es war, sich an den Ängsten anderer satt zu fressen.
      Lewis war nett genug, ihm nun doch auch von seiner Magie zu erzählen. Santi hätte ihn nicht dazu gezwungen, wenn er nicht gewollt hätte - Magie war nun einmal etwas sehr persönliches - aber es war trotzdem irgendwie schön, mal von jemand anderem zu hören. Santi wusste, dass es Selbsthilfegruppen oder sowas für Magier gab, für diejenigen, die unbedingt eine Community wollten, aber er hatte die Erfahrung gemacht, dass diese Gruppen ziemlich elitär sein konnten. Jemand wie er war da eher fehl am Platz.
      "Kettenreaktionen also," murmelte er.
      Ihm entging die Ironie hinter Lewis' gewähltem Safeword nicht.
      "Und ich hab gedacht, dir wird beim Autofahren einfach nur schlecht. Da ist deine Variante viel interessanter," kommentierte er. "Vielleicht ist dein Alptraum ja, in einem Raum voller Versicherungsvertreter zu stecken, die alle mit dir reden wollen? Oh! Oder ein paar alte Herren beim Bäcker!"
      Santi lachte. Am Ende würde er davon noch Angst vor dem Buchclub seiner Mutter bekommen.
      Sobald sie fertig mit dem Frühstück waren, räumte Santiago alles zusammen und brachte es wieder rein. Lewis war zwar eine gute Ablenkung gewesen, aber schlussendlich gewann seine Paranoia dann doch. Er entschuldigte sich dafür bei Lewis, gab dem Streuner aber die Möglichkeit, noch ein bisschen draußen zu sitzen, wenn er das denn wollte - solange er Santi nicht dazu zwang, ebenfalls draußen zu sitzen. Der Helikopter war wieder da und er wollte einfach nicht verschwinden. Also beschäftigte sich Santi damit, das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen und diese dann auch gleich anzustellen, nachdem sie voll war. Er machte sich auch gleich noch einen Kaffee. Lewis bot er auch noch einen an.
      "Hör mal," meinte er, als er fertig war und schlug einen weniger entspannten Ton an. "Was willst du wegen Bryce machen? Ich nehme einfach mal an, dass es Bryce war. Zum Arzt schleif ich dich so oder so, da kommst du nicht drum herum. Ich kenn wen, der ist extrem diskret. Hat mich schon ein paar mal verarztet."
      Mittlerweile kannte Lewis seine Narben in und auswendig. Irgendwie hatte es Santiago geschafft, allen größeren Verletzungen zu entgehen und keine großen, hässlichen Narben davonzutragen, aber er hatte trotzdem einige.
      "Aber sowas musst du selbst melden. Daher die Frage: was willst du wegen Bryce machen?"


    • "Oh Gott. Ich will mir das gar nicht vorstellen. Dann muss ich mir hundert Mal vorstellen, dass nach dem Wetter gefragt wird und es auch noch hundert Mal hören. Erspar mir das bloß!"
      Santiago lachte und Lewis fand, dass er ein schönes Lachen hatte. Da bildeten sich kleine Lachfältchen in seinem Gesicht, die sonst fast gänzlich unsichtbar blieben. Das war hübscher als die düstere Miene, die er beim erklären seiner Magie zur Schau gestellt hatte.
      Sie aßen zu Ende, bevor Santiago fast fluchtartig die Dachterrasse verließ. Klar, das war Lewis gar nicht in den Sinn gekommen, aber es war ziemlich offen dort oben, ohne die schützenden Wände und vor allem ohne die ganzen Schlösser, die zusätzlichen Schutz boten. Fast fühlte er sich schlecht dafür, die Terrasse vorgeschlagen zu haben, aber Santiago hatte sehr deutlich klar gestellt, dass er kein Mitleid für sein Laster haben wollte. Er konnte damit umgehen und wenn er das konnte, dann konnten andere das erst recht.
      Ein bisschen blieb er daher noch draußen sitzen und ließ sich die morgendliche Sonne gefallen, kam dann aber wieder rein, damit der Mann seine Läden wieder schließen konnte. Lewis hatte zwar keine Erfahrung mit Paranoia, konnte sich aber vorstellen, dass es dem Mann schon in den Fingerspitzen kribbeln musste, damit er endlich seine Wohnung wieder sicher hatte. Wer wäre da Lewis, ihn im Weg zu stehen? Beim Reingehen witzelte er dafür darüber, dass er doch aufpassen musste, dass dem Mann nicht die Tasse runterfallen würde.
      Er verzog sich zur Couch und fläzte sich dort ähnlich hin wie schon draußen. Selbst von der Couch aus konnte man die gesamte Wohnung im Blick behalten und das war wohl eine von den Sachen, die Santiago damit gemeint hatte, seine Wohnung für seine Paranoia hergerichtet zu haben. Lewis stellte es sich zumindest besser vor, jederzeit die Tür im Blick zu haben, wenn man die Augen öffnete.
      "Hör mal. Was willst du wegen Bryce machen? Ich nehme einfach mal an, dass es Bryce war. Zum Arzt schleif ich dich so oder so, da kommst du nicht drum herum. Ich kenn wen, der ist extrem diskret. Hat mich schon ein paar mal verarztet."
      "Zum Arzt?! Nee, man, vergiss es. Es hat doch nur ein bisschen geblutet, das ist doch nichts lebensbedrohliches. Das wird schon wieder vorbeigehen."
      Dass er kaum richtig sitzen konnte, ohne dass es wehtat, das behielt er mal lieber für sich. Er hatte so das Gefühl, dass ihm das bei seiner Argumentation nicht weiterhelfen würde.
      "Was soll ich schon wegen Bryce machen? Mir einen anderen Dealer suchen, das war's. Es ist ja nicht so, dass wir zusammen gewesen wären oder irgendwas. Er ist halt ein Arschloch und ich hab zu lange gebraucht, um es zu merken."
      So einfach war es aber natürlich nie. Lewis schaffte es zwar irgendwie, Santiagos fürs erste abzuwimmeln, aber als er kurz darauf endlich seinen Bruder zurückrief, holte das alles wieder ein.
      "Lewis? Wo steckst du, man?"
      "Bei 'nem Kumpel."
      "Bei einem Kumpel? Nicht Zuhause?"
      "Nein."
      "Okay. Kannst du mir verraten, wieso mich Bryce mitten in der Nacht anklingelt und irgendwas davon labert, dass du zurückkommen sollst?"
      Da biss sich Lewis auf die Unterlippe.
      "Ist nicht so wichtig."
      "Nach nicht-so-wichtig hört sich das aber nicht an. Hattet ihr Stress?"
      "Kann man so sagen."
      "Was hat er gemacht? Was hast du gemacht? Wollte er dir wieder Crystal andrehen?"
      "Nein. Er hat nur... wir hatten eine Auseinandersetzung und ich bin gegangen."
      "... Ja, und weiter?"
      "Nichts weiter, das war's."
      "Für sowas ruft Bryce nicht an, Lewis. Was ist passiert?"
      "Wir haben uns eben irgendwie gestritten und dann bin ich gegangen."
      "Okay. Und hast du ihn schon zurückgerufen?"
      "Nein, das mach ich nicht."
      "Wie, das machst du nicht?"
      "Werd' seine Nummer blockieren."
      Daraufhin herrschte einen Moment Stille in der Leitung.
      "Du wirst seine Nummer blockieren."
      "Ja."
      Ein entnervtes Aufstöhnen vom anderen Ende.
      "Lewis, ich weiß ja nicht, ob dir das so recht klar ist, aber ich hab besseres zu tun als den Mediator zu spielen und auch besseres, den Babysitter zu spielen. Wenn du Streit mit Bryce hattest, bittesehr. Wenn du sauer auf ihn bist, mach. Aber du wirst ihn zurückrufen und nicht seine Nummer blockieren und weißt du auch, wieso? Weil er indirekt unser scheiß Auftraggeber ist. Wir haben nur so viele Lieferungen auf der Liste stehen, weil Bryce echt gute Kontakte hat und diese echt guten Kontakte davon überzeugt hat, dass wir echt gute Kontakte sind. Wenn du ihn jetzt also angepisst hast, wegen irgendso einem dummen Streit, kann er sich sehr leicht dazu entschließen, uns da einfach wieder rauszunehmen. Dann haben wir nicht nur den Auftrag verloren, sondern im schlimmsten Fall auch das ganze Cartell, das dahinter steht! Verstehst du das, Lewis?"
      Das verstand Lewis. Aber -
      "Was ist mit dem Gold, Jay? Wir brauchen diesen Auftrag nichtmal, der bringt nicht halb so viel ein wie das, was ich nachhause gebracht hab."
      "Das war auch gut, aber es geht hier nicht nur um das Geld, es geht um unser Image - um das Image der ganzen Firma. Und solange wir nicht auch wirklich alle Goldbarren haben und einen sicheren Weg haben, es in flüssiges Geld zu verwandeln, haben wir nur unsere Firma. Also stell dich nicht so an und ruf Bryce zurück!"
      Daraufhin legte er auf und Lewis hatte sich noch nie so unbefriedigt gefühlt. Klar, er hätte Jay sagen können, was wirklich passiert war, aber...
      Nein. Santiago wusste es, das war genug. Er würde nicht seinem kleinen Bruder erzählen, dass er sich von seinem Dealer verge... er würde ihm einfach nicht davon erzählen.
      Jetzt brauchte er erstmal einen Joint.
    • "Soll ich dir Bilder von dem zeigen, was da alles schiefgehen kann?" gab Santi zurück, gab es aber auf.
      Wenn sich Lewis der Sache nicht stellen wollte, dann konnte er da leider nicht viel machen. Immerhin kannte er die Symptome gut genug, um ihn im Notfall lange genug am Leben zu erhalten, um ihn doch zu einem Arzt zu schleifen. Wenn sie beide Glück hatten, dann war es wirklich nichts. Santi konnte nur hoffen.
      Während Lewis telefonierte, machte er Lewis den Kaffee und fuhr die Läden wieder runter. Das Sonnenlicht war ja schön und gut, aber jetzt gerade sehnte er sich eher nach der sicheren Dunkelheit seines kugelsicheren Apartments.
      Er händigte Lewis im Vorbeigehen die wieder aufgefüllte Kaffeetasse. Dann drehte er seine Runde durch sein Apartment, um ein paar Lichter anzumachen. Hauptsächlich wurde sein Apartment von den Growlights für seine Pflanzen beleuchtet. Aber er hatte auch einiges an indirekter Beleuchtung überall sonst in seinem Apartment. Es war kein vollständiger Ersatz für Tageslicht, aber nah genug dran. Santiago trieb sich sowieso viel zu oft draußen rum, wenn ihn seine Paranoia überkam. Seine Angstreaktion war es, wegzurennen, auch wenn man ihm das nie ansehen würde.
      Er ließ sich schließlich neben Lewis auf das Sofa sinken. Er runzelte kurz die Stirn, lehnte sich zu dem Streuner und schnupperte an ihm, dann hob er eine Augenbraue. Lewis hatte aufgelegt.
      "Du riechst nach Angst. Stress, um genau zu sein. Was ist los?"
      Das er mit seinem Bruder telefoniert hatte, hatte er mitbekommen. Genauso wie er mitbekommen hatte, dass es um Bryce gegangen war. Dem Kerl wollte er wirklich die Fresse polieren...
      "Irgendwas, womit ich helfen kann?" fragte er.


    • Lewis zog erst eine, dann beide Augenbrauen hoch, als Santiago sich doch tatsächlich zu ihm lehnte - und an ihm roch? Auch wenn er von seiner Magie wusste, das war nun doch richtig komisch.
      "Das kannst du echt riechen? Das ist ja... du bist wie ein Hund."
      Er versuchte sich an dem Scherz, der bei keinem so wirklich ankam. War auch ein sehr schlechter gewesen.
      "Er sagt, ich soll Bryce zurückrufen, aber ich hab da keine Lust darauf. Was soll er mir schon groß sagen? Wenn er mir sagen will, dass es ihm leid tut, beiß ich ihm die Eier ab. Seine Entschuldigung kann er sich sonst wo hinstecken."
      Wobei sich seine Nachrichten auch nicht unbedingt danach angehört hatten. Lewis hatte sie gelöscht, bevor er sie richtig gelesen hatte.
      "Kann ich hier drin kiffen?"
      Sonst würde er auf die Dachterrasse dafür gehen. Das würde aber auch bedeuten, dass Santiago drinnen bleiben würde und das wollte er im Moment ganz sicher nicht. Eigentlich wusste er nicht, was er wollte.
      "... Stört's dich, wenn ich noch eine Nacht bleibe? Ich kann auch bei meinem Bruder pennen, wenn es dir zu viel wird."
      Kleinlauter fügte er hinzu:
      "Und vielleicht sollte ich wirklich zum Arzt."
    • Anstatt auf die Frage nach dem Rauchen zu antworten, fischte Santiago sein Feuerzeug aus seinen Jogginghosen, flickte es auf und schnickte es an.
      "Rauch ruhig. Ich hab eine ganze Fensterfront, die ich aufreißen kann, sobald meine Magie mich lässt."
      Er hielt Lewis die Flamme hin, damit dieser sich seinen Joint anzünden konnte.
      "Ich hab dir doch gestern schon gesagt, dass du so lange bleiben kannst, wie du willst. Du musst nur mit meinen Seltsamkeiten klarkommen, das ist alles. Viel Sonnenlicht wirst du hier wohl nicht abbekommen... Kannst dich ja unter eine der Lampen stellen."
      Er deutete zu der Wand aus Pflanzen, die sich vor seiner Fensterfront aufreihten.
      "Oh, und... keine Lieferdienste. Überhaupt keine. Es gibt eine Paketstation einen Block weiter, wenn du wirklich was geliefert brachst, aber hier her wird nichts geliefert."
      Santi lächelte entschuldigend.
      Lewis wollte zum Arzt gehen. Das war gut. Santi stand auf und holte sein "Dienst"telefon, um sich bei seinem diskreten Arzt zu melden. Er würde so bald wie möglich einen Termin für den Streuner besorgen. Er bekam schnell eine Antwort: heute Nachmittag war was frei.
      "Okay, hab gerade Bescheid bekommen: um vier haben wir einen Termin beim Arzt. Wenn du willst können wir einen Schlenker machen und dir Klamotten besorgen. Mir egal, ob das was neues wird oder du was aus deinem Apartment holen willst. Ich bin nicht wirklich auf Gäste eingestellt..."
      Jetzt zuckte er entschuldigend mit den Schultern. Mit Lewis war es leicht zu vergessen, dass das hier eine neue Erfahrung für ihn war. Santi hatte keine Gäste. Er empfing einfach keine. Er lud niemanden ein, er schlug es nicht vor, er zog es nicht in Betracht. Und jetzt hatte er nicht nur einen Gast, er hatte auch noch jemanden da, der über Nacht blieb. Wenn er das seiner Mutter erzählte, würde die direkt anfangen, die Hochzeit zu planen...
      "Kleine Vorwarnung: für alle Pläne, die eine Deadline haben und für die ich mich irgendwo hinbegeben soll, musst du mindestens eine Viertelstunde mehr einplanen. Ich äh... manchmal muss ich Verfolger abschütteln. Keine echten, natürlich aber... du weißt schon."
      Santi deutete auf seinen Kopf und drehte den Finger, wobei er zu schielen begann. Er fand seine paranoiden Wahnvorstellungen genauso seltsam und nervig wie alle anderen, vielleicht sogar noch nerviger.


    • Mit dem Joint war alles erstmal viel erträglicher. Lewis nahm den ersten Zug und spürte gleich, wie sich seine Nervosität wegen seinem Bruder und Bryce verflüchtigte. Sie würde nicht ganz verschwinden, das tat sie wohl nie, aber für den Augenblick rückte einfach alles in den Hintergrund. Er würde den Mann nicht anrufen und dabei beließ er es. Beide Männer konnten ihn mal hintenrum.
      Lewis hätte schon fast dagegen argumentiert, dass Santiago kaum so seltsam war, aber dann hörte er das mit dem Lieferdienst und ja, das ging schon ein bisschen in Richtung Seltsamkeit. Es war schon merkwürdig, was für ein Bild er sich in den letzten Wochen von dem Mann gemacht hatte, nur um jetzt etwas gänzlich anderes zu erfahren. Santiago sah nunmal auch wirklich nicht wie jemand aus, der unter Paranoia zu leiden hatte. Oder unter Albträumen.
      Leider kam der Arzttermin viel zu schnell, was Lewis dazu nötigte, gleich ein paar mehr Züge zu nehmen. Er hatte grundsätzlich kein Problem mit Ärzten, aber mit einem, der ihm jetzt am Arsch herumfummeln würde, während er dort sonst was überprüfte? Scheiße, das war was ganz was anderes. Er wollte auch gar keine Diagnose hören, es war einfach nur ein Muskel, der halt etwas geblutet hatte. Na und? Frauen bluteten auch jeden Monat und rannten auch nicht zum Arzt.
      ... Naja, eigentlich schon. Fuck.
      Nach dem ersten fing er gleich einen zweiten Joint an und nachdem er nicht wollte, dass Santiago ihn wieder riechen konnte - das war schon wesentlich merkwürdiger als die Nummer mit dem Lieferdienst - stand er auch von der Couch auf. Vielleicht würde er ja doch auf der Terrasse kiffen. Vielleicht... ach, keine Ahnung.
      "Deswegen fährst du immer Umwege, oder? Um deine Verfolger abzuschütteln?"
      Er lächelte dabei, als er das sagte.
      "Ich halt selber die Augen offen, vielleicht hilft dir das. Immerhin ist eine Verfolgung aufzunehmen, weil man jemanden entdeckt hat, durchaus eine Reaktion, weißt du?"
      Dabei meinte er das völlig ernst. Natürlich würde er nichts in seinen Bäumen sehen, aber Santiago könnte es beruhigen und ihn selbst würde es vor dem kommenden Termin ablenken. Er wollte wirklich nicht so nervös sein, damit der Mann es nicht merkte, aber es gelang ihm einfach nicht.

      Sie verbrachten den Mittag im verschlossenen Haus und fuhren früh genug los, um einen Abstecher zu Lewis' Wohnung zu machen. Der hätte sich nicht weniger darum scheren können, dass Santiago jetzt auch seine Adresse erfuhr. Immerhin wusste er auch Santiagos und der Mann kannte jetzt auch seine Magie und damit einen Weg, wie er vor Lewis unentdeckt blieb. Sehr viel mehr als seine Wohnung und was seine Firma so trieb, konnte er ihm auch nicht mehr offenbaren.
      Im Gegensatz zu Santiago wohnte Lewis mitten in der Innenstadt, aber in einer der Seitenstraßen, wo nicht der Hauptverkehr durch musste. Er hatte keinen Balkon, aber immerhin ein großes Fenster mit Gittern davor. Seine Wohnung war genau für einen Mann ausgerichtet und dann auch noch für einen Mann ohne Hobbys. Er hatte keinen Fernseher, keinen Computer und keinerlei Gewächs. Seine Einrichtung war minimalistisch gehalten und seine Küche war einmal zum Einzug eingeweiht worden und hatte danach nie wieder Verwendung gefunden.
      Santiago erklärte er mit einem Lächeln, dass er seine Magie so gering wie möglich halten wollte, indem er ihr keinen Stoff gab, von dem sie fressen konnte. Und das tat er nunmal am besten, indem er nichts in seiner Wohnung stehen hatte, was sich großartig verändern könnte. Veränderungen brachten nämlich größtenteils Reaktionen mit sich.
      Er packte eine Tasche mit allen wichtigen Gegenständen zusammen, dann war er auch schon wieder draußen und sie fuhren weiter zu dem scheiß, beschissenen Arzttermin.
    • Lewis würde darauf achten, dass ihn niemand verfolgte? Santi konnte sich nicht vorstellen, dass das viel Auswirkungen auf seine imaginären Freunde hätte, aber er würde es nicht ablehnen. Das war auf jeden Fall etwas, was er noch nicht ausprobiert hatte und er war immer offen, neue Wege auszuprobieren, um entweder seine Paranoia oder seine Schlafprobleme in den Griff zu bekommen - idealerweise schaffte er eines Tages beides.
      Während Lewis sich einen weiteren Joint reinzog, verschwand Santiago im Badezimmer, um sich frisch zu machen. Er zog sich ein paar ordentliche Hosen an und ein Turtleneck-Oberteil, bevor er sich die Haare richtete. Dank regelmäßiger Pflege fielen die beinahe von allein in die Form, die Santiago haben wollte. Er betrachtete seine Augenringe im Spiegel. So schlimm waren sie gar nicht. In den letzten paar Tagen hatte er genug Schlaf abbekommen, um sie wieder einigermaßen in den Griff zu kriegen. Da machte eine Nacht ohne Schlaf kaum was aus. Trotzdem schob er sich die Sonnenbrille wieder auf die Nase, um Lewis nicht unnötig zu verunsichern.

      Lange vor vier verließen sie dann gemeinsam Santis Apartment. Er ging dreimal sicher, dass alles Läden wirklich unten und geschlossen waren, ebenso kontrollierte er die Tür zur Dachterrasse. Die drei Schlösser draußen an seiner Tür überprüfte er auch dreimal, bevor er unten das Tor aufmachte und sein Bike nach draußen schob. Die Schlösser am Tor kontrollierte er selbstverständlich auch dreimal. Dann erst stieg er auf sein Bike. Lewis hatte er wie immer den Helm gegeben, er selbst kam mit seiner Sonnenbrille aus. Sobald sich Lewis an ihm festhielt, ließ er den Motor seines Bikes aufheulen, dann brausten sie los - und ja, Santi nahm ein paar Umwege, um die Adresse zu erreichen, die Lewis ihm genannt hatte.
      Die Gegend war ein absoluter Alptraum für Santiagos mentalen Zustand. Alle paar Meter sah er über seine Schulter, dann hoch zu all den Fenstern, dann die Straße runter, bevor er wieder über seine Schulter blickte. Das Apartment, so traurig es auch aussah, war beinahe eine willkommene Ablenkung, auch wenn ihm sein Hirn sagte, dass es nur so leer war, weil Lewis gar nicht hier wohnte und das nur eine Ablenkung war, um ihn festzuhalten bis die Cops auftauchten.
      "Hey, ich hab mein Apartment danach ausgesucht, wie gut mich ein Sniper erwischen könnte - und es dann kugelsicher gemacht. Du musst dich für gar nichts entschuldigen," gab Santi nur zurück und sandte ein stilles Gebet für die Seele dieser kläglichen Küche gen Himmel.
      Lewis packte ein paar Sachen zusammen, dann gingen sie auch schon wieder. Auf dem Weg zurück zu seinem Motorrad beschloss Santiago, dass diese Gasse hier seine persönliche Hölle war. Er checkte sein Bike auf irgendwelche Sender oder Bomben, dann stieg er auf.
      Auf dem Weg zum Arzt nahm er insgesamt vier Umwege - und dann parkte er auch noch einen Block entfernt. Er brauchte dringend einen Alptraum, den er sich klauen konnte.

      Die Praxis war so ziemlich genau das, was man von einer privaten Arztpraxis erwartete: kahle Wände in einer Farbe, die angeblich beruhigend sein sollte, aber eigentlich nur hässlich war; nichtssagende Bilder, die sich Gemälde schimpften; unbequeme Stühle im Wartezimmer, das mit geradeso zu lauter Musik geflutet wurde; aggressive Beleuchtung; der olfaktorische Unfall von Desinfektionsmittel und Febreeze; Zeitschriften, die schon vor fünf Jahren alt waren. Das hier war ja auch eine stinknormale Arztpraxis. Mit dem entscheidenden Unterschied dass die Ärzte hier nicht fragten, woher die Verletzungen kamen, selbst dann nicht, wenn sie eine Kugel entfernen mussten.
      Santiago meldete Lewis an. Sie hatten gar nicht genug Zeit, die passiv-aggressiv stressige Umgebung des Warteraumes auszukosten, da wurden sie schon in einen Behandlungsraum gerufen. Santi folgte Lewis, weil der es so wollte. Er half ihm auch zu erklären, was passiert war. Erst für die eigentliche Untersuchung musste Santi den Raum verlassen. Aber er sagte Lewis genau, was er machen würde: eine rauchen gehen. Er versprach ihm, wieder da zu sein, sobald er wieder reinkommen durfte.
      Draußen steckte sich Santi tatsächlich eine Zigarette in den Mund. Dann ging er auf die Jagd. Wir für New York typisch hatte er einen Haufen Fußgänger zur Auswahl. Aber er konnte nicht einfach auf offener Straße jemanden auswählen und angreifen. Er musste geschickter vorgehen. Also ging er ein Stück, rüber zu dem Kebap-Laden. Er ging noch ein Stück weiter, bis er die Gasse hinter dem Laden fand - und einen jungen Koch, der gerade eine Raucherpause einlegte. Perfekt. Er ging auf den Kerl zu und zog dabei seine Handschuhe aus.
      "Hey. Haste mal Feuer?" fragte er.
      Der junge Koch starrte ihn einen kurzen Augenblick an, dann nickte er und holte ein billiges Plastikfeuerzeug raus. Er reichte es Santiago, der sich seine Zigarette anzündete. Als er es zurückgab, packte er den Koch am Handgelenk.
      "Ey! Was soll das?!" beschwerte sich der Koch und hob den Blick zu Santiago - der seine Sonnenbrille hochgeschoben hatte und ihm jetzt genau in die Augen starrte.
      Der Koch begann zu zittern, zu wimmern. Er sackte auf die Knie. Tränen rollten ihm über die Augen. Er versuchte gar nicht erst, sein Handgelenk zu befreien. Er heulte einfach nur stumm vor sich hin während sich Santiagos Magie nahm, was sie haben wollte. Schließlich ließ er ihn los, schob sich die Sonnenbrille wieder auf die Nase und schlenderte in aller Seelenruhe aus der Gasse heraus, während er entspannt an seiner Zigarette zog. Er bog gerade aus der Gasse, als er die Rufe der anderen Mitarbeiter hörte, die versuchten herauszufinden, was mit ihrem Freund passiert war.

      Santi lehnte an der Wand neben der Tür zum Behandlungsraum, in dem er Lewis zurückgelassen hatte. Irgendwann öffnete sich die Tür und er wurde von dem Arzt wieder hereingewunken. Er leistete Lewis also für den Rest des Termins weiterhin Gesellschaft.Es schien nichts Schlimmes zu sein; Lewis sollte nur dafür sorgen, sein Hinterteil sauber zu halten und nicht zu überanstrengen (dafür fing sich Santi einen Blick von dem Arzt ein, auf den er aber nicht reagierte). Und danach waren sie entlassen.
      "Willst du direkt zurück zu mir?" fragte er, als sie auf dem Weg zurück zu seinem Bike waren. "Oder willst du, dass ich Bryce die Tür eintrete? Du hast die volle Erlaubnis, mich als deine scary dog privileges zu benutzen."
      Jetzt, wo er keine Energie mehr auf imaginäre Verfolger verwenden wollte, juckte es ihn in den Fingern, diesem Kerl mal so richtig die Meinung zu geigen. Mit seinen Fäusten vorzugsweise.


    • Lewis hatte schon damit gerechnet, dass der Arztbesuch kein Zuckerschlecken werden würde und es wurde, tatsächlich, kein Zuckerschlecken. Santiago blieb an seiner Seite, sonst hätte er sich spätestens in dem grässlichen Wartezimmer schon längst verdünnisiert. Der schwierige Teil kam aber erst dann, als der Arzt mit seinen fürchterlichen Fragen fertig war und mit der eigentlichen Untersuchung beginnen wollte. Dafür konnte Santiago dann nicht mehr anwesend sein - wofür auch, um ihm das Händchen zu halten? Das wäre reichlich dämlich gewesen, aber als Lewis sich die Hose runtergezogen hatte und sich über die Liege lehnen musste, hätte er sich trotzdem gewünscht, dass er da gewesen wäre. Gleichzeitig wäre das vermutlich eine Demütigung gewesen, die er sein Leben lang nicht mehr loswerden würde.
      Er ließ sich befummeln. Er zuckte auch, als der Handschuh für seinen Geschmack zu tief eindrang. Sein ganzer Körper war zum Bersten angespannt und er fürchtete, gleich das Papier auf der Liege zerreißen zu müssen, wenn das noch so weiterging. Der Arzt war ja nur so unfähig, dass es schmerzhafter war, als es sein musste!
      Dann war es aber auch schon wieder vorbei und Lewis war in etwa so froh, seine Hose wieder hochziehen zu können, wie er bei Bryce froh gewesen war, aus der Wohnung zu kommen. Trotzdem waren seine Hände zittrig und er wippte mit dem Bein, als er sich wieder setzen konnte.
      Santiago hatte Wort gehalten und kam nur kurz darauf wieder herein. Die stetig anwachsende, gruselige Aura, die ihn an diesem Tag erfasst hatte, war vollständig verschwunden und entweder, er rauchte Zigaretten, die eine magische Wirkung auf ihn hatten, oder er hatte sich irgendwo an einer Angst gesättigt. Ziemlich wahrscheinlich letzteres. Lewis dachte dabei frustriert, dass er dafür auch genauso gut hätte bei ihm bleiben können.
      Sie wurden endlich entlassen und das mit keinen allzu schlechten Nachrichten. Lewis zündete sich gleich den dritten Joint des Tages an und war als erster zurück beim Motorrad, froh darum, dort raus zu sein.
      "Willst du direkt zurück zu mir?"
      Lewis nickte.
      "Oder willst du, dass ich Bryce die Tür eintrete? Du hast die volle Erlaubnis, mich als deine scary dog privileges zu benutzen."
      Lewis stutzte. Dann drehte er sich zu Santiago um.
      "Echt jetzt?"
      Er hatte noch nicht darüber nachgedacht, ob er sich bei Bryce rächen sollte - wie hätte er das auch alleine anstellen sollen? - aber jetzt so ein Angebot zu bekommen, das war etwas unverhofft verlockendes.
      Er kiffte und starrte für einen Moment den Bürgersteig an, um seine Gedanken zu fokussieren. Sicher, es war vermutlich keine gute Idee, bei Bryce aufzukreuzen und den Fäuste-schwingenden Goliath mitzubringen; ganz besonders nicht, nachdem Jay ihm gesagt hatte, dass er gefälligst Bryce zurückrufen sollte. Aber auf der anderen Seite...
      Auf der anderen Seite......
      "... Ja, man. Das machen wir. Aber wir warten bis heute Abend, dann musst du keine Türen eintreten."
      Er sah wieder Santiago an und grinste, breit und diabolisch.

      Sie fuhren wieder nachhause für die letzten Stunden und aßen zu Abend. Santiago kochte und Lewis leistete ihm Gesellschaft. Da er aber so ziemlich untalentiert im Kochen war, ärgerte er ihn damit, vorherzusagen, wann der Topf kochen würde und wann Santiago etwas falsch machte. Zumindest stellte er sich vor, dass er ihn ärgerte, aber eigentlich war es ziemlich nützlich, zumindest nach Santiagos Aussage.
      Sie warteten bis es dunkel wurde und fuhren wieder los, diesmal zu der anderen Adresse, die Santiago mittlerweile von Lewis kannte. Es war zwar ein Glücksspiel, ob Bryce auch wirklich Zuhause sein würde, aber aus seiner Wohnung dröhnte die Musik und die Lichter flackerten wie jedes Mal. Lewis war zuversichtlich, als sie hinein marschierten.
      Bryce saß inmitten seines Haufen aus Junkies, die im ganzen Haus herum lungerten. Es gab hier mehrere Wohnungen, in denen offenbar die Party herrschte, denn die Türen standen offen und überall lungerten Grüppchen an Junkies herum. Der Boden war an manchen Stellen klebrig und nicht wenig Spritzen lagen herum. Man roch überall eine ekelhafte Mischung aus Zigaretten und Joints.
      Ein paar Leute grüßten Lewis, als er vorbei ging. Sie mussten sich einen Weg durch Bryces Wohnung bahnen, bis sie an seiner Sofa-Ecke angekommen waren, wo gleich drei riesige Sofas standen und den Großteil des Raums ausmachten.
      Bryce saß auf einem davon, beide Arme auf die Rückenlehne hinter sich gelegt, eine Zigarette im Mund. Der Tisch vor den Versammelten war voll mit Aschenbechern, weißen kleinen Tütchen, Pillendosen und fleckige Spielkarten.
      Lewis musste bis zu Bryce gehen, damit der ihn endlich entdeckte. Als er es aber tat, wurden seine Augen groß und warm.
      "Lewis, Alter!"
      Er stand gleich auf, puffte den Rauch seiner Zigarette aus der Nase und schob sich aus dem Haufen an Leuten heraus, um zu Lewis zu gelangen. Santiago hatte er noch nicht bemerkt; der Mann stand zwar wie ein Schrank hinter Lewis, aber hier drinnen wimmelte es nur so von Leuten.
      "Ich hab' dich angerufen, hast du's nicht gekriegt?"
      "Doch. Bin ja da."
      Bryce grinste.
      "Dann komm, lass uns hochgehen. Ich hab' wieder ein extra Päckchen für dich."
      Er fuhr Lewis erst durch die Haare, legte die Hand dann knapp in seinen Nacken und ging voran. Lewis warf einen Blick auf Santiago, damit der auch ja hinter ihm sein würde, und folgte Bryce.
      In seinem Zimmer drehte sich Bryce gleich um.
      "Ich dachte ich seh' dich nie wieder nach vorgestern. Da ist wohl was mit dir durchgegangen, was? Ich hab' aber vielleicht auch ein bisschen zu viel getrunken in der Nacht. Passiert schonmal. Machst du die Tür zu?"
      "Nein. Ich habe jemanden mitgebracht, der dich gerne kennenlernen würde."
      Und damit trat er beiseite, um Santiago den Weg freizumachen.
    • Seine Magie schnappte geradezu vorfreudig mit den Zähnen, als Lewis ihm zustimmte, Bryce noch heute einen Besuch abzustatten. Und Santiago... Santiago konnte nicht anders, als Lewis' Grinsen zu erwidern. Seit ihrem Bruch in die Federal hatte er keine Gelegenheit mehr gehabt, seine Magie so richtig von der Leine zu lassen. Er würde das genießen.

      Abendessen mit jemand anderem zu kochen war etwas, was Santiago besser verarbeiten konnte, als die Idee, jemanden in seiner Küche sitzen zu haben. Er war das von klein an gewohnt, da er schon immer mit seiner mamá in der Küche gestanden und gearbeitet hatte. Und Lewis' Magie stellte sich sogar als noch praktischer als einen Helfer in der Küche heraus. Es machte Multitasking so viel einfacher - weil Lewis genau sagen konnte, wann Santi wieder zurück zu etwas anderem gehen musste, um nichts anbrennen zu lassen. Sowas sollten sie öfter machen.

      Der Trip zu der Junkiehöhle war ein direkter. Die Kombination aus drastisch reduzierter Paranoia und Vorfreude auf eine ordentliche Prügelei ließ Santiago in geraden Linien denken, die keine Umwege zuließen. Aus Sicherheitsgründen parkte er einen Block von der eigentlichen Höhle entfernt und lief mit Lewis den Rest des Weges. Er blieb dicht bei Lewis, um den Streuner daran zu erinnern, dass er nicht allein war. Hier her zurückzukommen, keine achtundvierzig Stunden nachdem Bryce ihn so verletzt hatte, musste schwer sein. Santi wollte, dass er wusste, dass er da war.
      Er folgte Lewis als stiller Beobachter durch die Flure. Als sie Bryce fanden, musste er sich auf die Zunge beißen, um dem Kerl nicht sofort sämtliche Knochen zu brechen. Stattdessen folgte er den beiden stumm, nichts weiter als ein Schatten in diesen Hallen. Das Schlafzimmer, in dem ihre kleine Reise ihr Ende fand, war eine einzige Müllhalde. Es passte zu jemandem wie Bryce, keine Frage. Der Mann war eine Kakerlake und Santiago würde ihn auch genauso behandeln.
      "Ich habe jemanden mitgebracht, der dich gerne kennenlernen würde."
      Lewis machte einen Schritt zur Seite und ließ Santiago durch. Der machte nur einen großen Schritt, dann stand er direkt vor Bryce. Er packte die Kakerlake an den Haaren, trat ihm in die Kniekehle. Bryce fiel sofort und Santiago riss seinen Kopf nach hinten, bevor er sich über ihn beugte.
      "Scheiße, was soll das?!" beschwerte sich Bryce.
      "Ruhe," forderte Santiago sofort mit eiserner Stimme.
      Bryce krallte sich in sein Handgelenk, versuchte seinen Griff zu lockern. Aber der Mann war ungefähr so stark wie eine sanfte Brise. Santiago zuckte nicht einmal mit der Augenbraue.
      "Du hörst mir jetzt ganz genau zu, Bryce, denn ich werde mich nicht wiederholen."
      "Einen Scheiß werd ich! Weißt du überhaupt, wer ich bin?!"
      Warum dachten alle kleinkriminellen Idioten immer, dass so eine Aussage irgendetwas bezwecken würde? Glaubte die Kakerlake wirklich, dass es Santiago interessierte, wie viel Cash er mit seinen Drogengeschäften machte? Lachhaft.
      Santiago ging vor Bryce in die Hocke, ohne dessen Haare loszulassen. Er lächelte sanft und zog ein bisschen fester. Selbst in dieser Haltung war Santiago noch größer als die Kakerlake. Ein Fakt, den er ausnutzte.
      "Ich weiß, wo du wohnst. Ich weiß, wie du aussiehst. Ich weiß, wie du heißt," zählte er auf, seine Stimme ruhig und kontrolliert. "Wenn ich dich also finden will, dann ist das ganz leicht. Das solltest du im Kopf behalten. Du wirst dich in Zukunft von Lewis fernhalten-"
      "Fick dich!"
      Mit der Beleidigung hätte Santiago leben können. Aber Bryce machte den Fehler, in seine Richtung zu spucken. Er traf Santiago nicht - was ihm wohl in diesem Moment das Leben rettete - aber er versuchte es. Santiagos Lächeln verwandelte sich in ein zähnefletschendes Grinsen. Und dann packte er die Kakerlake äußerst unsanft im Schritt.
      Bryce schrie auf, fluchte, versuchte sich aus dem Griff zu winden.
      "Gefällt dir das?" fragte Santiago.
      "Lass los!"
      "Nein. Ich glaube, darauf habe ich keine Lust."
      Er drückte noch ein bisschen fester zu.
      "Ich wollte schon immer mal herausfinden, wie viel Druck man ausüben muss, um einen Hoden zu zerquetschen," überlegte Santiago laut nach.
      Bryce gab eine wundervolle Sonate seines Schmerzes wieder.
      "Was willst du eigentlich, Mann?!" zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch.
      "Ich will, dass du dich in Zukunft von Lewis fernhältst. Keine Anrufe, keine Textnachrichten, du gehst auch niemandem auf den Sack, den er kennt."
      "Du kannst mich mal!"
      Santiago drückte noch fester zu. Dann drehte er die Hand ein wenig.
      "Weißt du, was eine Hodentorsion ist? Schmerzhaft, hauptsächlich, aber darauf will ich gar nicht hinaus. Als Hodentorsion bezeichnet man den unglücklichen Zustand, wenn sich der Samenstrang um die eigene Achse verdreht und die Blutzufuhr unterbricht."
      Santiago drehte noch ein bisschen weiter, Bryce schrie.
      "Wenn man Glück hat, tut das nur scheiße weh, schwillt ein bisschen an, heilt aber in ein paar Tagen wieder. Im Schlimmstfall... tja, das wäre dann wohl eine Einbuße der Zeugungsfähigkeit."
      "Lass mich los!"
      "Ich hab dir doch gesagt, dass ich darauf keine Lust habe. Ich bin sowieso fast fertig, das hältst du schon noch aus."
      Die Kakerlake mit seinen eigenen Worten zu konfrontieren fühlte sich verdammt gut an.
      "Du weißt, was ich hören will, Bryce. Na komm."
      Die Kakerlake presste die Zähen so fest aufeinander, er schien kurz davor, sich den Kiefer zu brechen. Er krallte sich weiterhin mit einer Hand in Santiagos Handgelenk an seinem Kopf, mit der anderen versuchte er, Santiagos Griff in seinem Schritt loszuwerden. Beides vergeblich.
      "Ich lass ihn in Ruhe!" gab die Kakerlake endlich nach. "Ich werd ihn nicht mehr anrufen! Nicht texten! Ich lass ihn in Ruhe, versprochen! Jetzt lass mich los, Mann!"
      Santiago ließ sich die Antwort darauf übertrieben lange durch den Kopf gehen.
      "Na gut."
      Er ließ Bryce los und richtete sich wieder auf.
      "Du hast sie doch nicht mehr alle!" keifte Bryce, doch Santiago lächelte nur.
      "Komm mal kurz her, Lewis, ich will dir was zeigen."
      Er winkte Lewis zu sich und positionierte ihn so, dass er die beste Aussicht auf das haben würde, was er gleich tat. Bryce hatte noch nicht die Kraft, wieder aufzustehen, was ihm sehr in die Karten spielte. Er beugte sich erneut zu der Kakerlake hinunter und packte ihn am Kinn, zwang ihn dazu, ihn anzusehen. Er lächelte immer noch. Dann, ohne Vorwarnung, schlug er ihm mit dem Ellenbogen ins Gesicht und brach ihm die Nase. Bryce krachte mit einem lauten Schrei zu Boden und hielt sich nun die Nase, die sein Gesicht sofort mit Blut besudelte. Santiago folgte ihm.
      "Das war, weil Lewis es heiß findet, wenn ich das mache - und ich genug Respekt für ihn habe, um ihm zu geben, was er gut findet."
      Er kickte Bryce zur Seite, dann drückte er seinen Fuß in dessen Schritt, was Bryce erneut aufschreien ließ, dank der vorangegangenen Behandlung durch Santiago.
      "Das was für das, was du damit angestellt hast."
      Er beugte sich über Bryce legte ihm sanft die Hand an die Wange, so wie er es mit dem Wachmann im Aufzug vor Wochen getan hatte.
      "Und das," sagte er und schob seine Sonnenbrille nach oben in seine Haare. "Das ist für mich."
      Seine Augen wurden schwarz, tiefschwarz, als er seine Magie von der Kette ließ und die ihre Zähne und Klauen in die Ängste der Kakerlake schlug wie ein verhungernder Löwe. Bryce erzitterte, wimmerte. Er kroch rückwärts weg von Santiago, der ihn mit seinem unnatürlichen Blick verfolgte, bis er sich in eine Ecke drückte und heulte wie ein Kleinkind.
      Santiago wandte sich zu Lewis um, grinsend, die Augen noch immer schwarz. Er blinzelte träge und die Dunkelheit zog sich langsam in die Tiefen seiner Pupillen zurück. Santiago zwinkerte Lewis zu, dann schob er sich die Sonnenbrille wieder über die Augen. Hinter ihm schluchzte Bryce mit den malträtierten Genitalien und der gebrochenen Nase.
      "Wuff wuff," scherzte Santi, dann bedeutete er Lewis, vor ihm aus dem Raum zu gehen.
      Er nahm den Streuner mit nach draußen und den Block zurück zu seinem Bike. Er fühlte sich gut, richtig gut. Er wusste, dass er heute Nacht für diese kleine Einlage bezahlen würde, aber das war ihm egal. Das war es wert gewesen.
      "Sollte er sein kleines Versprechen brechen, lass es mich wissen," meinte Santi und schob sich eine Zigarette zwischen die Lippen. "Ich halte mein Wort gern. Wenn er was macht, dann breche ich ihm jeden einzelnen Knochen im Körper. Und das ist ein Versprechen an dich."
      Er zündete sich die Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Er lehnte den Kopf in den Nacken und blies den Rauch gen Nachthimmel. Ja, das hatte sich wirklich gut angefühlt.


    • Santiago vergeudete keine weitere Sekunde, kaum hatte Lewis ihn gewissermaßen von der Leine gelassen. Mit einem einzigen langen Schritt war er bei Bryce, der noch gar nicht gerafft hatte, was hier vor sich ging, und brachte ihn mit zwei gezielten Schlägen auf die Knie. Lewis konnte sich das schlagartige Grinsen nicht verkneifen, das ihm dabei über das Gesicht huschte. Er wusste, wie wenig der Kerl es mochte, vor anderen Männern zu knien. Als ob er irgendjemandes Bitch wäre, hatte er dann immer gesagt.
      Jetzt kniete er genau so vor Santiago und musste sich zudem den Kopf von ihm in den Nacken reißen lassen. Es war seinem Gesicht abzulesen, wie wenig ihm das gefiel. Genauso konnte man die langsame Realisierung erkennen, dass Santiago wesentlich stärker war als er. Bryce mochte zwar stärker als Lewis sein, der nicht unbedingt viel auf die Waage brachte, aber an Santiago kam er nicht annähernd heran.
      Dann sah Lewis aber selbst, was Bryce vorhatte, bevor der es überhaupt in die Tat umsaß. Die Vision ploppte vor ihm auf, als Santiago scheins gelassen aufzuzählen begann, in was für Schwierigkeiten der Dealer steckte, weil er genau wusste, wo er aufzufinden war. Lewis war schon fast drauf und dran Santiago vor der Spucke zu warnen, die gleich auf ihn zugeschossen kommen würde, aber dann tat er es doch nicht. Er blieb still. Nicht etwa, weil er sehen wollte, wie Santiago angespuckt wurde, sondern weil er vermutete, dass der Mann noch viel gröber werden würde, wenn er derart provoziert würde.
      Und Lewis sollte recht behalten. Auch Santiagos Reaktion konnte er vorhersehen und es bereitete ihm eine ungemeine Freude, sie sowohl in seinem Baum zu betrachten, als auch ein paar Sekunden später zu sehen, wie Bryce das Gesicht in Schmerzen verzog, wie er die Augen aufriss. Ein nicht kleiner Teil, derselbe Teil, der am Vortag mehrmals den Tränen unterlegen gewesen war, verspürte eine abartige Befriedigung dabei, wie der Mann vor Schmerz aufschrie. Aus Erfahrung wusste er, dass der Schrei nicht bis nach unten reichen würde; man konnte hier oben schreien und fluchen und schimpfen so laut wie man mochte, es interessiert keinen. Bis vor kurzem war das womöglich noch Lewis' Nachteil gewesen, aber jetzt war es Bryce, der darunter leiden musste.
      Und es gefiel Lewis. Es gefiel ihm so sehr. Er genoss jede einzelne Sekunde davon, jeden höheren, lauteren Schrei, den Bryce von sich gab, jede im Gegensatz dazu ruhige, nüchterne Ermahnung von Santiago. Der tat sowas nicht zum ersten Mal, so methodisch, wie er dabei vorging. Es war ein wahrhaftiges Meisterwerk.
      Und dann, tatsächlich:
      "Ich lass ihn in Ruhe! Ich werd ihn nicht mehr anrufen! Nicht texten! Ich lass ihn in Ruhe, versprochen! Jetzt lass mich los, Mann!"
      Lewis grinste sich dumm und dämlich. Von wegen, er würde Bryce zurückrufen; der würde sich selbst nie wieder bei ihm melden! Und das nur wegen einem unverschämt attraktiven, rothaarigen Mann, der sich jetzt auch noch zu Lewis umdrehte.
      "Komm mal kurz her, Lewis, ich will dir was zeigen."
      Er verschwendete keine Sekunde, dieser Aufforderung nachzukommen. Santiago positionierte sich etwas anders um, packte Bryce am Kinn - und donnerte ihm den Ellbogen ins Gesicht. Bryce fiel zurück auf den Boden und hielt sich schreiend seine gebrochene Nase.
      Ja, das war heiß. Das war sehr heiß. Und wenn Lewis schon keinen steifen davon bekam - wozu nicht mehr viel gefehlt hätte - dann verspürte er doch ein tiefes Gefühl von Zuneigung für diesem Mann, der nicht nur jemanden für ihn verprügelte, sondern es auch noch so anstellte, wie Lewis es gerne mochte. Der Moment war fast schon romantisch. Lewis grinste über beide Ohren und Bryce wälzte sich auf dem Boden herum.
      Den Abschluss machte Santiagos Magie. Lewis hatte es bereits in den Kameras in der Bank gesehen, aber es jetzt im echten Leben mitzuerleben, das hatte noch einmal etwas anderes. So konnte er hautnah beobachten, wie Bryces Gesicht alle Farbe verlor, wie seine Augen groß und glubschig wurden und wie er anfing zu zittern und zu wimmern. Bryce der zitterte und wimmerte - das war ein Anblick! Lewis fischte in seiner Tasche, kramte sein Handy hervor und begann den Mann dabei zu filmen, wie er rückwärts von Santiago wegkroch, das Gesicht mit Blut verschmiert, die Augen groß und angstvoll, bevor er sich in die Ecke drückte und zu weinen begann.
      Der tolle, unantastbare Bryce, der in der Ecke kauerte wie ein Kind und dem Blut, Tränen und Rotz herunterliefen. Lewis lachte, weil dieser Anblick vermutlich der beste in seinem ganzen Leben war.
      Dann wandte sich Santiago wieder zu ihm um, die Augen in gänzliches Schwarz getaucht. Es war wirklich ein Anblick, der einem eine Gänsehaut bescheren konnte, aber für Lewis verschwand die Farbe wieder, bis das Bernstein erneut zum Vorschein kam. Für Lewis war es auch nicht zum Fürchten, sondern ganz normal; sogar amüsiert.
      "Wuff, wuff."
      Lewis kicherte. Dann schenkte er Bryce seinen Mittelfinger, den der andere sowieso nicht wirklich realisierte.
      "Fick dich, Bryce."
      Damit gingen sie nach draußen und Lewis hatte sich noch nie so gut gefühlt. So frei. So lebendig! Er sprang geradezu die Treppenstufen hinab und gluckste den ganzen Weg zum Motorrad vor sich hin.
      "Hast du gesehen, wie er geheult hat? Und wie er dich angegafft hat? Er hat sich noch nie vor jemanden hingekniet, ganz bestimmt nicht. Du hast ihn darin quasi entjungfert - HA! Man, das war zu gut! Ich muss das Jay irgendwann zeigen. Der Wahnsinn, echt!"
      Sie kamen beim Parkplatz an und Santiago zündete sich erstmal eine Zigarette an. Lewis gestattete ihm das, oder eher genau einen Zug davon, bevor er ihn am Kragen packte, zu sich riss und in einen ungestümen, wilden Kuss verwickelte. Er zog ihn an seiner Hüfte und an seinem Nacken zu sich und verschlang ihn regelrecht. Es ging so lange, bis ihnen beiden die Luft ausging und sie sich keuchend voneinander lösen mussten.
      "Fuck, war das heiß. Richtig, richtig heiß. Komm schon, lass uns zu dir gehen, die Nacht ist noch jung."
      Er grinste dabei breit. Zumindest gewährte er ihm, die Kippe zu beenden, bevor sie sich zurück aufs Motorrad schwangen. Lewis hielt sich bei der Fahrt vielleicht ein wenig fester an ihm als nötig.

      Nun war es doch recht ärgerlich, dass Santiago seine Wohnung so sicher hatte, denn er brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis er die Schlösser wieder aktiviert hatte. Kaum war er aber damit fertig, drängte Lewis ihn schon gegen dieselbe Tür, das Knie zwischen seinen Beinen, und küsste seine Lippen wund. Jetzt war er wirklich scharf auf diesen Kerl.
      "Fuck - Bett? Sofa? Küche?"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren ()

    • Santiagos kleiner Moment des Friedens dauerte nur kurz an, da wurde er schon von dem Streuner attackiert. Hätte er sich nicht gerade den zweiten Alptraum des Tages einverleibt, dann hätte er dahinter wohl ein riesiges Mordkomplott vermutet. So aber grinste er bloß und lehnte sich in den ungestümen Kuss hinein. Einen Arm legte er um Lewis' Rücken, den anderen streckte er zur Sicherheit von ihnen beiden weg, damit er nicht aus Versehen noch einen von ihnen in Brand steckte.
      Er grinste immer noch, als sich Lewis endlich wieder von ihm löste.
      "Fuck, war das heiß. Richtig, richtig heiß. Komm schon, lass uns zu dir gehen, die Nacht ist noch jung."
      Santi lachte leise und nahm noch einen Zug von seiner Zigarette. Er konnte nicht sagen, dass er es mit seiner kleinen Show nicht auf eine solche Reaktion angelegt hätte. Er drückte Lewis den Helm in die Hand, nahm einen letzten großen Zug und schnickte seine Kippe dann ins Niemandsland dieser Müllhalde.

      Santiago ließ sich mit voller Absicht mehr Zeit, als wirklich nötig war, um all seine Schlösser ordnungsgemäß abzuschließen. Dieser Prozess war ihm so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, er konnte es eigentlich blind und in Rekordzeit machen, aber er wollte Lewis ein bisschen ärgern - einfach nur, weil er es konnte.
      Aber schlussendlich hatte er auch das letzte Schloss an seiner Haustür zugemacht und überprüft - Lewis ließ ihm tatsächlich den Raum dafür, was ihn noch ein bisschen mehr in Santis Gunst steigen ließ. Das schien eine Art Startschuss zu sein, denn er hatte kaum Zeit, seine Schlüssel auf der Kücheninsel abzulegen, da presste ihn der Streuner schon von innen gegen die Tür für den nächsten wilden Kuss.
      "Fuck - Bett? Sofa? Küche?"
      Santi drückte Lewis ein Stückchen von sich weg, um Raum zum Atmen zu haben.
      "Dusche," lachte er. "Ich will gar nicht wissen, wie viele STDs gerade an meinen Schuhen kleben."
      Trotz seiner Worte küsste er Lewis noch einmal, während er zeitgleich aus seinen Schuhen schlüpfte, die er einfach in die generelle Richtung seiner Garderobe kickte, und sich aus seiner Jacke wand, die mit den Schlüsseln auf der Kücheninsel Platz fand.
      "Ich werd dich aber nicht davon abhalten, mir zu folgen, callejero."
      Auf dem Weg zum Badezimmer zog sich Santi sein Shirt über den Kopf und ließ es achtlos zu Boden fallen. Auf Höhe dessen, was man wohl als die Tür zu seinem Schlafzimmer bezeichnen könnte, verlor er seine Hosen. Die Boxerbriefs behielt er mit voller Absicht an, bis er außer Sichtweite war. Kurz darauf stieg er aber schon unter die Dusche, die heute weder zu kalt, noch zu heiß ausfiel.


    • Lewis schoss dem Mann gleich hinterher, um es ihm gleich zu tun. Shirt beim Laufen runterreißen, Hose abschütteln, vor dem Badezimmer aus der Unterhose hüpfen. Er stieß zu ihm, kaum hatte er die Dusche angemacht, und drückte seinen nackten Körper an ihn, bis Santiago sich seinerseits gegen die Duschwand lehnte. Damit stand hauptsäclich Lewis im Wasserstrahl, den er aber gar nicht gebrauchen konnte. Er schob ihn auf Santiago.
      Du solltest öfter jemanden für mich verprügeln”, raunte er grinsend, schob sich vor und stahl sich einen nassen Kuss. Die Hand ließ er über Santiagos Flanke gleiten, runter und weiter runter, bis er ihn zu fassen bekam. In langsamen, trägen Bewegungen streichelte er ihn.
      Das war sexy. Hat mich richtig hungrig auf dich gemacht.
      Er grinste breiter, dann ließ er sich auf die Knie fallen. Direkt vor Santiagos bestem Stück sah er zu ihm auf und fuhr sich vielsagend mit der Zungenspitze über die Lippen. Dann lehnte er sich ohne weiteres vor, streckte die Zunge raus und leckte mit größtem Eifer das herunter fließende Wasser von seinem Glied, was eine fruchtlose Angelegenheit war, weil immer neues nachfloss. Lewis stellte daher auch nur sicher, dass er jeden einzelnen Zentimeter von Santiago gründlich abgeleckt hatte, bevor er die Lippen über ihn stülpte und ihn tiefer, tiefer und noch tiefer schluckte. Er machte keinen Hehl daraus, was sein Ziel war: Er wollte ihn einverleiben mit allem, was Santiago zu bieten hatte. Und das war viel, genug, dass Lewis sich abmühen musste, bis seine Nase Santiagos Bauch berührte. Dabei versuchte er gleichzeitig, nicht von Santiago und nicht vom Wasser zu ersticken, das ihm aufs Gesicht spritzte.
      Mit geübten und gezielten Bewegungen übte er eine Kombination von Bewegen, Lecken und Saugen aus, von der er bereits wusste, dass Santiago sie mochte. Es gab für den Mann kein Entrinnen vor dem Schicksal, das Lewis für ihn auserkoren hatte. Praktischerweise konnte er es sehen; nach nur wenigen Minuten seines Überfalls konnte er in dem winzigen Baum sehen, was sich für Santiago anbahnte. Das gab ihm aber nur das Stichwort, dass er noch schneller wurde, noch fester zupackte. Er würde nicht aufhören, nicht bis er den Mann in seinem Mund zucken spüren würde.
    • Santiago hatte kaum Zeit, das Gefühl des sanften Wasserstrahls auf seiner Haut zu genießen, bevor er schon gegen die Duschwand gedrängt wurde. Er wusste, wie Lewis drauf war, wenn er scharf war, aber das hier war ein völlig neues Level an Enthusiasmus. Santi konnte nur grinsen ob des Elans, den der Streuner gerade an den Tag legte.
      Er ließ sich also gegen die Wand drücken, ließ sich küssen, ließ Lewis' Hand wandern.
      "Das war sexy. Hat mich richtig hungrig auf dich gemacht."
      "Was du nicht sagst," gab Santi schlicht zurück.
      Dann ging Lewis vor ihm auf die Knie. Das war nicht unbedingt eine neue Aussicht für ihn, aber Lewis war heute Nacht nicht der Einzige, der mit ein bisschen mehr Enthusiasmus gefüllt war. Lewis auf den Knien vor sich zu sehen war heute ein kleines Bisschen besser als all die Male in den letzten Wochen.
      Mit einem wohligen Seufzen ließ er den Kopf gegen die Duschwand sinken. Lewis wusste, was er da tat, keine Frage.
      "Fuck..." hauchte Santi, als der Streuner ihn vollständig in den Mund nahm.
      Er packte ihn an den Haaren, hielt ihn an Ort und Stelle, solange Lewis es zuließ - und dann noch einen Herzschlag länger. Danach war seine Hand in Lewis' Haaren eigentlich nur noch Dekoration. Der Streuner wusste, was Santi mochte und was nicht und er kanalisierte gerade jedes Bisschen dieses Wissen, um Santi sehr effektiv in den Wahnsinn zu treiben. Es dauerte nicht lange, da zuckten seine Hüften von ganz allein.
      Aber er erlaubte Lewis nicht, sein Ziel zu erreichen. Stattdessen verstärkte er seinen Griff in Lewis' Haaren und zog ihn von sich weg. Er beugte sich hinunter, grinsend, und küsste Lewis' wunde Lippen.
      "Zu schnell," raunte er. "Du weißt doch, dass ich mir gern Zeit lasse."
      Das tat er tatsächlich. In den letzten Wochen, wann immer sie sich getroffen hatten, um Spaß zu haben, hatte Santi Lewis wieder und wieder auf die Spitze getrieben, ohne ihn tatsächlich von der Klippe zu stoßen. Er war niemand, den man für einen Quickie anrief. Sehr zu Lewis' Enttäuschung - aber nur, bis Santiago mit ihm fertig war.
      Santi zog Lewis an dessen Haaren wieder auf die Füße, küsste ihn erneut. Er machte keinen Hehl daraus, welchen Effekt Lewis und seine Talente auf ihn gehabt hatten. Aber er machte auch keinerlei Anstalten, da weiterzumachen, wo er Lewis gerade zum Aufhören gezwungen hatte. Stattdessen griff er sich das Duschgel und machte sich daran, sich wie angekündigt zu waschen. Scheinbar völlig unbekümmert stieg er wenige Minuten später wieder aus der Dusche und trocknete sich ab. In der Sekunde, in der er damit fertig war, warf er Lewis allerdings einen sehr vielsagenden Blick zu.
      "Dachterrasse," meinte er und schlenderte in aller Seelenruhe aus dem Badezimmer.
      In der Küche schnappte er sich die Fernbedienung für die Fensterläden. Er drückte den Knopf, der alle auf einmal dazu brachte, sich zu öffnen. Es dauerte zwei Minuten, bis sich alle Platten in ihre Halterungen zurückgezogen hatten und einen Wundervollen Blick auf das nächtliche New York und den Nachthimmel freigaben. Santi schlenderte weiter, öffnete die Schiebetür zur Dachterrasse. Er drehte sich zu Lewis um, ließ das Handtuch um seine Hüften fallen, und machte ein paar Schritte rückwärts auf die Terrasse hinaus, ein schamloses Lächeln im Gesicht. Die Terrasse hatte keine Sichtschutzzäune am Rand, da war nur die kleine Balustrade, die einen am Fallen hindern sollte, aber die war kaum hüfthoch. Es gab zwar keine Nachbarn, die direkte Sicht auf die Terrasse hatten, aber es war trotzdem weniger privat als Santis eigentliches Apartment.


    • Es kam gar nicht zu dem verlockenden Höhepunkt, als Santiago noch rechtzeitig Lewis von sich wegschob. Der holte erstmal Atem, küsste die nassen Lippen und ließ seine Enttäuschung darüber offen auf seinem Gesicht erscheinen. Santiago war ein sehr geduldiger Mann - geduldiger, als es manchmal gut für Lewis war. Der konnte es nämlich vor Ungeduld kaum aushalten und hätte sich gleich wieder nach vorne gestürzt.
      Aber der andere hielt ihn fest und zog ihn hoch. Der nächste nasse Kuss folgte, bei dem Lewis ungeniert zwischen sie beide griff. Er bekam Santiago zu fassen, er bekam auch ein, zwei Bewegungen in sein Handgelenk hinein, danach schob der andere ihn endgültig fort. Fassungslos sah Lewis dabei zu, wie er allen ernstes zu seinem Duschgel griff. Er wollte wirklich duschen?
      "Kannst du das nicht hinterher machen?", murrte er im Versuch einer Verhandlung, die Santiago von vornherein nicht zuließ, indem er einfach anfing, sich einzuseifen. Selbst das ließ er nicht Lewis machen, wobei der fairerweise wenig davon gehalten hätte, seinen ganzen Körper zu waschen. Naja, doch, aber er hätte manchen Körperpartien viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als der andere im Moment haben wollte. Dabei konnte Lewis einfach nicht verstehen, wie jemand freiwillig auf einen Orgasmus verzichten konnte.
      Er musste also schmollen und sich die Show genießen lassen, die er hier immerhin zu sehen bekam und die, in Verbindung mit seinem Überfall zuvor, seinen eigenen Blutsfluss mächtig anregte. Der Mann war nahezu ein Model mit diesem perfekten Körper. Kaum war Santiago aber endlich draußen, band er sich das Handtuch um seine Hüfte und sah sich mit einem Blick zu Lewis um, der ihm eine Gänsehaut bescherte. Das war eine Reaktion seines Körpers alleine, der schon völlig darauf abgerichtet war, auf einen solchen Blick von Santiago zu reagieren. Und wie er das tat.
      "Dachterrasse."
      Mehr brauchte es nicht, da hatte auch Lewis sich nachlässig getrocknet und folgte Santiago nach draußen. Während der die Läden hochfuhr, zog Lewis sich ein Shirt und eine Hose über. Blowjob auf der Terrasse? Klar, natürlich würde er das machen. Es gab wohl keinen Ort auf der Welt, an dem Lewis ihm keinen gegeben hätte.
      Nur zog Santiago sich nicht an. Er ging zur Tür, drehte sich zu Lewis um und ließ das Handtuch fallen. Mit einem weiteren Blick trat er nach draußen, splitterfasernackt.
      Lewis hätte nicht gedacht, dass der Mann dazu in der Lage gewesen wäre. Derselbe Mann, der jedes Hotelzimmer durchsuchte, alle seine acht Wohnungsschlösser sorgfältig verschloss, der eine Viertelstunde länger brauchte, um von A nach B zu fahren und der seine Wohnung danach eingerichtet hatte, sowohl von allen Ecken einsehbar zu sein, als auch ihn vor sämtlichen Snipern New Yorks zu bewahren. Dieser selbe Mann verließ soeben die Sicherheit seiner eigenen vier Wände und das vollkommen nackt.
      Lewis starrte ihm nach und fühlte seinen Unterleib kribbeln. Der Anblick des nackten Santiagos, der es sich gerade draußen auf dem Sessel bequem machte, war genug, um Lewis wieder auf Hochform zu bringen. Eilig riss er sich wieder das Shirt vom Kopf, sprang aus seiner Hose und lief dem Mann nach.
      Die Nacht war warm, wäre man in Klamotten draußen gesessen, aber ein wenig kühl, saß man dort mit seinem blanken Hintern. Über der Wohnung zog häufiger mal eine kleine Brise vorbei, die den Großteil der Kälte mit sich brachte. Allerdings war Lewis gerade so heiß, dass er sich nicht darum kümmerte.
      In langen Sätzen kam er zu dem Mann und kroch ihm auf den Schoß. Es war eine Schande, dass er gerade zu einer solchen Zeit nicht zugänglich war, aber das hielt Lewis nicht davon ab, es sich trotzdem dort oben auf dem Mann bequem zu machen, auf seinem persönlichen Thron, wo er schon so oft gesessen war. Schließlich war der kräftige Mann der von ihm gefällte Goliath.
      "Du willst dir also Zeit lassen?"
      Er lehnte sich für einen angetäuschten Kuss vor, nur um ihm in die Lippe zu beißen. Grinsend legte er die Hand um ihrer beiden Glieder und drückte sie zusammen.
      "Dann lassen wir uns Zeit."
      Dabei war er wirklich überzeugt davon, sich auch selbst daran zu halten. Wäre es nach ihm gegangen, wäre Santiago in der Dusche schon längst gekommen und jetzt vielleicht für Runde zwei bereit, aber solange er Lewis spielen ließ, wollte der sich nicht beschweren. Noch nicht. Der Mann würde nicht darum herum kommen, ihm in dieser Nacht einen Orgasmus zu schenken.
      Mit langsamen Zügen begann er damit, sie beide zu streicheln. Wieder lehnte er sich vor, verankerte seinen Kopf diesmal an Santiagos Schulterbeugte und strich ihm mit den Zähnen über den Hals und über sein Ohrläppchen. Diesen Rhythmus nahm er auf und versuchte ihn zu halten, was so lange gut ging, bis er sich unweigerlich selbst damit höher und höher trieb und fordernder wurde. Da ließ er doch wieder ganz von Santiago ab, rutschte nach hinten, bis er auf dem Boden zwischen seinen Beinen kniete, und leckte ihm statt seinem Glied über seinen Sack.
      Er wollte langsam haben? Er würde langsam bekommen.
      Solange Lewis nicht doch noch vor Ungeduld platzte.
    • Santi ließ sich auf den gleichen Sessel sinken, auf dem er heute Morgen noch Ausschau nach Helikoptern gehalten hatte. Er lehnte sich entspannt zurück, kam aber nicht soweit, sich irgendwelche Gedanken zu machen. Lewis hatte kein bisschen seines Elans verloren. Er hüpfte beinahe schon auf seinen Schoß.
      Santi schlang instinktiv einen Arm um den Streuner, damit der nicht einfach hinten runterfiel und sich den Schädel an dem Tisch aufschlug. Er lehnte den Kopf zurück, als sich Lewis zu ihm beugte, um ihn zu küssen, doch der biss ihn stattdessen, was Santi ein leises Lachen entlockte. Der Streuner war immer so ungestüm.
      "Dann lassen wir uns Zeit."
      Mit einem Lächeln legte Santi seinen Kopf auf der Rückenlehne ab und ließ Lewis machen. Bei all ihren Aufeinandertreffen hatte er gelernt, dass Lewis alles andere als geduldig war. Er wollte sehen, wie weit der Streuner es treiben konnte, wenn man ihn einfach mal machen ließ. Er selbst würde hier sicherlich nicht die schlechte Karte ziehen.
      Santi lehnte seinen Kopf ein wenig zur Seite, um dem Streuner mehr Platz an seinem Hals zu geben. Alles, was Lewis tat, fühlte sich gut an, richtig gut. Ein wohliges Brummen vibrierte in Santis Brust, und er schloss die Augen, ließ sich mehr auf das Gefühl ein. Die nächste, kühle Brise, die über seine Terrasse wehte, sandte eine Gänsehaut über seinen Körper, weil ihm so heiß war.
      Doch dann verschwand die Hand in seinem Schritt. Er öffnete die Augen einen Spalt breit, um zu sehen, was Lewis vorhatte. Offensichtlich hatte der Streuner einen diabolischen Plan.
      "Fuuuck," zischte Santi und ließ den Kopf wieder nach hinten fallen.
      Er hatte ja gewusst, dass der Streuner fantastische Dinge mit seiner Zunge anstellen konnte, aber das... Santiago machte sich ständig Sorgen um Sniper mit Hochleistungsgewehren, dabei saß der wahre Scharfschütze gerade zwischen seinen Beinen!
      Santi legte seine Hände demonstrativ auf die Armlehnen - er würde Lewis weder anleiten, noch festhalten. Der Streuner durfte frei über ihn verfügen. Die einzige Grenze würde Santi ziehen, sollte Lewis versuchen gegen ärztliche Anweisungen zu verstoßen. Und er würde jede Sekunde hiervon genießen.


    • Lewis hielt wirklich lange aus. Wirklich lange. Es war quasi schon eine Rekordzeit für ihn.
      Zumindest glaubte er das, weil er keinerlei Einschätzung hatte, wie lange sie dort draußen saßen und wie lange Santiago es sich schon gefielen ließ, von ihm nach Strich und Faden verwöhnt zu werden. Und dabei hielt er sich wirklich nicht zurück; wenn ihm sein Kiefer und sein Nacken schmerzte, setzte er sich zurück und nutzte die Hände, nicht ohne Santiago dabei mit seinem gierigen, ungeduldigen Blick zu traktieren. Wenn ihm die Knie schmerzten, kroch er zurück auf Santiagos Schoß und machte dort weiter, wo er vorhin aufgehört hatte. Und wenn ihm der Rücken schmerzte, hielt er es aus, weil er nichts lieber wollte, als diesen Mann über ihm kommen zu fühlen und zu sehen.
      Dabei war es ein Wettlauf von Lewis' Ungeduld gegen Santiagos Orgasmus, denn sicher trieb Lewis ihn immer weiter und immer höher, aber wenn seine Ungeduld doch zum Vorschein kam und er schneller, fester, fordernder wurde, hielt Santiago ihn wieder zurück. Entweder er würde kommen oder Lewis würde platzen.
      Nur würde er in diesem Spiel nicht verlieren, das nahm er sich strikt vor. Er würde durchhalten. Wie viele Male hatte er Santiago schon angebettelt und angefehlt irgendetwas zu tun - oder etwas nicht zu tun? Wie viele Male war er dem Mann schon unterlegen gewesen? Nein, heute wäre es an Lewis, über ihm zu stehen. Und das besser bald, bevor er es selbst nicht mehr aushielt.
      Er saß wieder auf dem Boden, er hatte sich wieder zwischen Santiagos Beine gedrängt und ihn mit langsamen Bewegungen weiter gereizt. Jetzt versuchte er sich unter den wachsamen Augen an Unschuld, während er sich näher und näher zu seinem Glied vorlehnte. Seine Zunge schoss vor, Santiago bekam eine einzige Vorwarnung, dann hatte Lewis ihn mit einer einzigen, schwungvollen Bewegung vollständig geschluckt. Sein Kiefer mochte schmerzen, aber seine Kehle hatte er extra zu entspannen versucht, hatte Luft geholt, die in dem Moment gar nicht nötig gewesen war, es aber jetzt war, weil er nicht vorhatte, so schnell wieder abzulassen. Mit gezielten Bewegungen fuhr er an seiner gesamten Länge entlang, nach oben und schnell wieder nach unten, so weit es ging, bis er würgte und ihm die Augen tränten. Aber er hörte nicht auf; dieses Spiel würde er nicht verlieren. Er fuhr in einem Tempo fort, das unmöglich aufrecht zu erhalten war und seinen Nacken aufflammen ließ, bei dem ihn aber Santiagos Flüche nur noch weiter anspornten. Hätte er es grinsen können, hätte er es getan. Er nahm sich eine Hand zur Hilfe und trieb den Mann so schnell so hoch und weit, wie er es nur konnte.