Ein guter Fluchtplan hing vor allem von einer einzigen Sache ab: Timing. Solange alles im richtigen Zeitrahmen geschah, konnte man vor jedem flüchten, egal wie gut aufgestellt. Santiago kannte seine Routen, seine Hilfsmittel, seine Timings. Er hatte alles mehrfach durchgespielt, war sogar schon hier in der Gegend gewesen. Er hatte aus Lewis' Unerfahrenheit mit solchen Stunts eingerechnet.
Und doch rieb sich Santiago nervös den Nacken, als Lewis ein bisschen länger brauchte, als er erwartet hatte. Er lag immer noch im Timing, kein Problem. Aber es dauerte länger als erwartet und das machte Santiago nervös. Santiago wurde nicht nervös. Nicht, wenn er einen Plan hatte zumindest.
Er sah sich in der Gasse um. Nichts. Er sah zum Fenster. Auch nichts.
"Komm schon, callejero..."
Als das Fenster endlich aufging, wäre Santiago beinahe versucht gewesen, selbst durchzuklettern, obwohl er nicht weiter als bis zu den Schultern gekommen wäre. Stattdessen eilte er zu dem kleinen Loch in der Wand und zerrte Lewis den Rest des Weges heraus. Wie gut, dass er den Streuner vom Essen seiner Mutter ferngehalten hatte.
Er wollte fragen, ob alles in Ordnung war, aber dafür war keine Zeit.
"Hoody," meinte er stattdessen bloß und sah sich noch einmal um.
Noch war niemand zu sehen.
Er nahm Lewis die Kappe ab und setzte sie sich selbst auf, dann nickte er in Richtung einer weiteren Hintertür. Apollo hatte sich viel Mühe gegeben zu unterstreichen, wie reich er eigentlich war - und das schon vor dem Batzen Gold, den sie sich unter den Nagel gerissen hatten - also hatte Santiago auf der Basis geplant, dass sich Apollo ordentliche Leute suchte. Sie würden nach einem zweiten Fluchtfahrzeug Ausschau halten, also nahmen sie erstmal keins.
Stattdessen führte Santiago sie beide in den hinteren Teil einer Wäscherei. Hier wartete bereits eine ältere Dame auf sie, die sie mit einem breiten Lächeln empfing und mit aus dem Waschraum in einen kleinen, zugestellten Flur nahm.
"Oben, oben," sagte sie mit einem dicken Akzent und deutete die Treppe hinauf.
Santiago nickte, lächelte freundlich, und bedankte sich auf Chinesisch, bevor er die Treppe hinaufkletterte. Der Aufgang war so schmal, dass er beinahe mit den Schultern an den Wänden klebte. Die Treppe war nicht unbedingt in den offiziellen Blaupausen vermerkt.
Oben angekommen, schlüpfte Santiago aus seinen Schuhen, dann betrat er die kleine Wohnung, die der alten Frau und ihrer Familie gehörte. Er bedeutete Lewis, es ihm gleich zu tun.
In der Wohnung roch es nach Tee und scharfen Gewürzen, irgendwo plapperte ein Fernseher vor sich hin. Santiago suchte sich seinen Weg in das kleine Wohn-/Ess-/Schlafzimmer der Familie, wo ein junger Mann auf dem Boden saß und den Fernseher auf Chinesisch beleidigte. Er sah auf, als Santiago sich räusperte.
"Mister Goldeye!" begrüßte der Mann Santiago, ohne aufzustehen. "Da bist du ja! Setzt euch, setzt euch."
Santiago tat wie angeboten und faltete sich irgendwie an den niedrigen Tisch, auf dem ein Haufen Geld in verschiedenen Stapeln lag.
"Bai Jingyi, Lewis. Lewis, Bai Jingyi," stellte Santiago vor.
Bai schüttelte Lewis' Hand mit ein bisschen zu viel Enthusiasmus, bevor seine Aufmerksamkeit wieder von dem Fernseher eingenommen wurde. Der junge Mann schien sich nicht darum zu kümmern, dass da zwei Männer in seiner Wohnung saßen.
Santi wandte sich Lewis zu.
"Alles okay? Was macht der Kopf?"
Er griff sich Lewis' Hände, die noch immer leicht zitterten. Er war vorsichtig mit der kaputten, als er sie sanft drückte, um Lewis in die Gegenwart zurückzuholen.
"Wir bleiben die nächste Stunde hier, dann drehen wir um und bestellen uns einen Uber," erklärte er. "Hast du den USB Stick?"
Er nahm Lewis den Stick ab und schob ihn Bai über den Tisch hinweg zu. Der Mann schnappte sich den Stick und packte ihn in einen weißen, unbeschrifteten Umschlag. Bai würde den Stick für sie weiterbewegen. Dann schob der Mann eine kleine Plastiktüte mit fünf perfekt geformten Joints über den Tisch zurück. Santi hielt Lewis den Beute hin und fischte sein Feuerzeug aus seiner Hosentasche.
"Du kriegst nur zwei davon, also teils dir ein," mahnte er. "Der Rest ist für später."
Und doch rieb sich Santiago nervös den Nacken, als Lewis ein bisschen länger brauchte, als er erwartet hatte. Er lag immer noch im Timing, kein Problem. Aber es dauerte länger als erwartet und das machte Santiago nervös. Santiago wurde nicht nervös. Nicht, wenn er einen Plan hatte zumindest.
Er sah sich in der Gasse um. Nichts. Er sah zum Fenster. Auch nichts.
"Komm schon, callejero..."
Als das Fenster endlich aufging, wäre Santiago beinahe versucht gewesen, selbst durchzuklettern, obwohl er nicht weiter als bis zu den Schultern gekommen wäre. Stattdessen eilte er zu dem kleinen Loch in der Wand und zerrte Lewis den Rest des Weges heraus. Wie gut, dass er den Streuner vom Essen seiner Mutter ferngehalten hatte.
Er wollte fragen, ob alles in Ordnung war, aber dafür war keine Zeit.
"Hoody," meinte er stattdessen bloß und sah sich noch einmal um.
Noch war niemand zu sehen.
Er nahm Lewis die Kappe ab und setzte sie sich selbst auf, dann nickte er in Richtung einer weiteren Hintertür. Apollo hatte sich viel Mühe gegeben zu unterstreichen, wie reich er eigentlich war - und das schon vor dem Batzen Gold, den sie sich unter den Nagel gerissen hatten - also hatte Santiago auf der Basis geplant, dass sich Apollo ordentliche Leute suchte. Sie würden nach einem zweiten Fluchtfahrzeug Ausschau halten, also nahmen sie erstmal keins.
Stattdessen führte Santiago sie beide in den hinteren Teil einer Wäscherei. Hier wartete bereits eine ältere Dame auf sie, die sie mit einem breiten Lächeln empfing und mit aus dem Waschraum in einen kleinen, zugestellten Flur nahm.
"Oben, oben," sagte sie mit einem dicken Akzent und deutete die Treppe hinauf.
Santiago nickte, lächelte freundlich, und bedankte sich auf Chinesisch, bevor er die Treppe hinaufkletterte. Der Aufgang war so schmal, dass er beinahe mit den Schultern an den Wänden klebte. Die Treppe war nicht unbedingt in den offiziellen Blaupausen vermerkt.
Oben angekommen, schlüpfte Santiago aus seinen Schuhen, dann betrat er die kleine Wohnung, die der alten Frau und ihrer Familie gehörte. Er bedeutete Lewis, es ihm gleich zu tun.
In der Wohnung roch es nach Tee und scharfen Gewürzen, irgendwo plapperte ein Fernseher vor sich hin. Santiago suchte sich seinen Weg in das kleine Wohn-/Ess-/Schlafzimmer der Familie, wo ein junger Mann auf dem Boden saß und den Fernseher auf Chinesisch beleidigte. Er sah auf, als Santiago sich räusperte.
"Mister Goldeye!" begrüßte der Mann Santiago, ohne aufzustehen. "Da bist du ja! Setzt euch, setzt euch."
Santiago tat wie angeboten und faltete sich irgendwie an den niedrigen Tisch, auf dem ein Haufen Geld in verschiedenen Stapeln lag.
"Bai Jingyi, Lewis. Lewis, Bai Jingyi," stellte Santiago vor.
Bai schüttelte Lewis' Hand mit ein bisschen zu viel Enthusiasmus, bevor seine Aufmerksamkeit wieder von dem Fernseher eingenommen wurde. Der junge Mann schien sich nicht darum zu kümmern, dass da zwei Männer in seiner Wohnung saßen.
Santi wandte sich Lewis zu.
"Alles okay? Was macht der Kopf?"
Er griff sich Lewis' Hände, die noch immer leicht zitterten. Er war vorsichtig mit der kaputten, als er sie sanft drückte, um Lewis in die Gegenwart zurückzuholen.
"Wir bleiben die nächste Stunde hier, dann drehen wir um und bestellen uns einen Uber," erklärte er. "Hast du den USB Stick?"
Er nahm Lewis den Stick ab und schob ihn Bai über den Tisch hinweg zu. Der Mann schnappte sich den Stick und packte ihn in einen weißen, unbeschrifteten Umschlag. Bai würde den Stick für sie weiterbewegen. Dann schob der Mann eine kleine Plastiktüte mit fünf perfekt geformten Joints über den Tisch zurück. Santi hielt Lewis den Beute hin und fischte sein Feuerzeug aus seiner Hosentasche.
"Du kriegst nur zwei davon, also teils dir ein," mahnte er. "Der Rest ist für später."

