About gods and demons (Nimue & Kiba)

    • Ich antwortete zunächst nicht. Stattdessen lauschte ich dem gleichmäßigen Klang seiner Schritte, spürte die sanften Bewegungen, mit denen er mich trug, und ließ seinen Worten Zeit damit ich über sie nachdenken konnte. Ayakashis suchten sich ihre Götter nicht aus.. Wie selbstverständlich er das sagte. Als wäre es ein Naturgesetz. Als gäbe es daran nichts zu hinterfragen. Dabei war das doch nicht immer so. Wenn überhaupt eine blöde Richtlinie. Ich sah verlegen zur Seite. "Aber... aber nur weil etwas seit Jahrhunderten so gemacht wird, heißt das doch nicht, dass es richtig ist." Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern auch wenn es mich auf eine Art und Weise wirklich wütend machte.
      Ich dachte zurück. An unsere erste Begegnung. An den Tag, an dem sich unsere Wege eher zufällig gekreuzt hatten und ich einmal über den dösenden Daiki gestolpert war. Ich hätte ihn seinem Schicksal überlassen können. Stattdessen hatte ich entschieden, dass er sein Leben nicht einfach wegwerfen durfte. Und später... später hatte ich ihm freigestellt, bei mir zu bleiben. Er hatte auf den Schuldach Ja gesagt. Nicht weil ich ihn gezwungen hatte. Sondern weil er es wollte. ...Oder nicht? Der Gedanke ließ mein Herz gleichzeitig leichter und schwerer werden. Erst jetzt sah ich wieder zu ihn auf. "Ich empfinde kein Mitleid für dich." Ein kleines Schmunzeln huschte über mein Gesicht. "Dafür bist du viel zu stur." Meine Stimme wurde wieder sanfter. "Ich wünsche mir nur, dass du irgendwann erkennst, dass dein Wert nicht davon abhängt, wie nützlich du für jemanden bist." Ich machte eine kurze Pause nur um kurz zu riskieren dass sich unserer Blick trafen aber kurz genug dass er mir nicht ins Wort fallen konnte. "Für mich jedenfalls nicht." Meine Finger spielten gedankenverloren mit einer Falte seines Jacketts. "Und..." Ich zögerte, diesmal deutlich länger. Ich wusste dass ich mich wahrscheinlich um Kopf und Kragen schwärmen würde. "Es gibt noch etwas, das ich dir schon längst hätte sagen müssen." Ich holte tief Luft. "Es tut mir leid, Daiki." Allein die Worte auszusprechen, fühlte sich längst überfällig an. "Für all die Vorurteile. Für die Unterstellungen. Für die Vorwürfe. Für die blöden Kommentare... und für jeden einzelnen Spitznamen, den ich dir an den Kopf geworfen habe." Moment... Ich lächelte schief. "Gut... du warst beim Streiten auch kein Heiliger." Ein leises Schmunzeln huschte über meine Lippen. Machmal hatte es vielleicht ein kleines Bisschen Spaß gemacht. "Aber das macht meine Worte nicht besser." Ich schüttelte langsam den Kopf. "Ich habe sofort geglaubt zu wissen, wer du bist weil ich andere Schwerter kenne. Dabei wusste ich überhaupt nichts. Das war nicht fair."
      Mein Blick suchte erneut seinem. "Du bist unglaublich stark. Und nein... ich meine nicht nur physisch." Meine Stimme wurde sanft und warm. "Du darfst zurecht auf diese Stärke stolz sein. Sie dir zu erarbeiten war sicher nicht einfach." Ich musste leise lachen. "Ja, du bist manchmal erschreckend stur. Oder nennen wir es lieber... besonders ausdauernd." Ein verschmitztes Lächeln zog sich über meine Lippen. "Außerdem bist du treu, schonungslos ehrlich, ungewollt komisch... wobei ich bezweifle, dass du das jemals absichtlich hinbekommen würdest." Ich dachte unwillkürlich daran, wie er neulich von der Treppe der Veranda geschliddert war und musste erneut leise lachen. "...und du bist viel aufmerksamer, als du selbst glaubst. Du bemerkst Dinge, die vielen anderen entgehen. Selbst dann, wenn ich versuche, sie zu verbergen." Für einen Moment schwieg ich. Dann lächelte ich ihn an. Ein ehrliches, ruhiges Lächeln. "Und weißt du..." Ich senkte den Blick kurz, bevor ich ihn wieder anhob. "Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass ich mir jemanden anderen als Partner vorstellen könnte." Meine Wangen wurden augenblicklich heiß. "Nicht nur weil du stark bist." Ich schüttelte leicht den Kopf. "Sondern weil... ich dir vertraue und ...du für mich einfach genau der richtige Partner bist." Die Worte waren kaum ausgesprochen, da begann mein Herz so laut zu schlagen, dass ich fürchtete, es verriet mich doch noch. Zum Glück hielt ich dadurch endlich die Klappe und sprach Daiki weiter. Ich musste bei seiner Bemerkung über Elise wieder lachen. "Du kennst diese Sterbliche wirklich noch nicht besonders gut." Ich schüttelte amüsiert den Kopf. "In ihrer Version werde ich mir vermutlich beim Tanzen beide Füße verstaucht haben, du wirst heldenhaft durch den Ballsaal geeilt sein, dabei drei Kronleuchter, zwei Tische und mindestens einen Lehrer umgerannt haben..."
      Ich legte gespielt nachdenklich einen Finger ans Kinn. "...und irgendwo wird sie bestimmt noch unterbringen, dass wir uns dabei tief in die Augen gesehen haben." Ich ließ den Kopf schließlich vorsichtig gegen seine Schulter sinken und schloss für einen kurzen Augenblick die Augen. "Aber..." Ein kaum hörbares Lächeln lag in meiner Stimme. "Sollte sie tatsächlich behaupten, meine göttliche Waffe hätte seine Herrin den ganzen Weg nach Hause getragen..."
      Ich öffnete die Augen wieder und sah zu ihm auf. "...dann wäre das ausnahmsweise sogar die Wahrheit. Den Teil mit den drei Kronleuchtern werde ich allerdings entschieden abstreiten. Dafür bist du viel zu geschickt."
    • Bei den Worten, dass es ihr Leid tat, blieb ich stehen. Ich wollte kein Mitleid. Ich wollte niemanden leid tun. Und das man sich Respekt erkämpfen musste, wusste ich auch. Doch das war nicht alles. Ich wollte einfach noch so viel mehr. Aber es hat mir auch nie zugestanden, das zu fordern. Sie gab mir nun noch den Rest. Ich schluckte. Musste sie ausgerechnet jetzt so ausschweifen? Mein Griff um ihren Körper wurde unbewusst stärker. Wann war ihr das alles aufgefallen? Warum war ihr das aufgefallen? Ich spürte, wie mir die Wärme ins Gesicht schoss. Ich wollte nicht, dass sie es sah, dass mir das schmeichelte. Ich sah weg. Ich konnte nicht mehr. Diese Worte. Dieses Spielen mit meinem Kragen. Diese Blicke, die sie mir zuwarf. Wusste sie eigentlich, was sie da mit mir anstellte? Diese vielen Dinge, die sie zu mir sagte. Wann war ich denn komisch? Und.... man soll doch auch immer ehrlich sein. Mir war nicht bewusst, dass es eine Fähigkeit ist. Und das allerschlimmste war nun: Wie sollte ich dazu reagieren?
      "Ich.....mir war nicht klar, dass dir das alles an mir auffällt.", sagte ich leise und räusperte mich. Erst dann konnte ich weiter gehen. Als sie auf Elise zu sprechen kam, schnalzte ich mit der Zunge.
      "Dieses Mädchen hat zu viele Fantasien.", antwortete ich und so gingen wir den restlichen Weg nach Hause. Erst, als wir im Flur des Hauses waren, setzte ich Phila wieder auf ihre Füße.
      "Ich ähm.... würde mich gern umziehen. Ich muss aus diesen unbequemen Stoffen raus. Das Ganze bringt mich noch irgendwann um.", sagte ich kurz und sah sie ein letztes Mal in diesem Kleid an. Sie wird sich jetzt sicher auch umziehen und ich werde sie wohl so nicht wieder sehen. Kurz biss ich mir auf die Lippe. Dann drehte ich mich endgültig um, um in meinem Zimmer zu verschwinden und mich endlich aus den Klamotten zu schälen.
    • Ich hob den Blick zu ihm und bemerkte, wie er ihm auswich. Seine Ohren hatten sich leicht gerötet und obwohl er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, verriet ihn das kleine Räuspern ebenso wie die kurze Unsicherheit in seiner Stimme. Ich begann wieder leicht zu lächeln. "Natürlich fällt mir das auf." Die Antwort kam ganz selbstverständlich. "Ich achte genauso auf dich wie du auf mich." Erst als ich den Satz ausgesprochen hatte, wurde mir bewusst, wie zweideutig er klang. Meine Wangen färbten sich augenblicklich rosa. "A-Also...", verbesserte ich mich hastig. "Nicht... also... auf eine seltsame Art." Bei allen Göttern... Ich machte es mal wieder nur noch schlimmer. "Ich meine nur... man bemerkt irgendwann die kleinen Dinge." Mein Blick glitt für einen kurzen Moment zu ihm hoch. "Wann du grübelst. Wann du nur so tust, als wäre alles in Ordnung. Wann du Hunger hast, obwohl du behauptest, keinen zu haben. Oder wann du versuchst, etwas allein zu tragen, obwohl du längst Hilfe gebrauchen könntest." Ich lächelte warm. "Ich glaube... das macht ein Partner einfach." Seine Bemerkung über Elise ließ mich schmunzeln. "Oh, sie hat sogar ausgesprochen viele." Ich nickte gespielt ernst.
      Die letzten Meter bis nach Hause vergingen überraschend ruhig. Nur das gleichmäßige Geräusch seiner Schritte begleitete uns, während ich mich dabei ertappte, die angenehme Wärme seiner Arme viel zu bewusst wahrzunehmen. Das Haus begrüßte uns mit einem leisen Knarren der Dielen, als wir den Flur betraten. Vorsichtig setzte Daiki mich wieder auf den Boden. Kaum standen meine Füße auf den Holzdielen, meldeten sie sich augenblicklich protestierend zurück. Ich verzog unwillkürlich das Gesicht. Es wunderte mich nicht wirklich dass Daiki sofort in sein Zimmer gehen und sich um ziehen wollte. Es war ... sicherlich ganz schön viel heute. Unwillkürlich strich ich den Stoff meines Kleides glatt. Es war wunderschön. Wirklich. Aber nach einem ganzen Abend darin fühlte es sich inzwischen eher wie eine besonders elegante Rüstung an. Als ich den Blick hob, bemerkte ich, dass Daiki mich noch einen kurzen Moment ansah. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Ich lächelte ganz weich. "Danke... für den heutigen Abend." Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. "Und... dafür, dass du mich nach Hause getragen hast." Für einen winzigen Augenblick lag mir noch etwas auf der Zunge. Etwas, das ich ihm gern gesagt hätte. Dass ich den Abend trotz allem nicht bereute. Dass ich froh war, ihn an meiner Seite gehabt zu haben. Doch die Worte blieben zwischen Herz und Lippen hängen. Das war sicherlich auch besser so, ich hatte heute schon viel zu viel gesagt. Ich wartete noch einen Moment, bis seine Zimmertür hinter ihm ins Schloss fiel. Erst dann atmete ich langsam aus. Die Stille im Flur dauerte genau zwei Herzschläge. Dann knarrte irgendwo über mir eine Diele. Ein zweites Knarren folgte. Und schließlich öffnete und schloss sich wie von Geisterhand eine Schranktür. Ich hob langsam eine Augenbraue. "Ach nein..." Die Lampe im Flur flackerte einmal vielsagend. "Fang gar nicht erst an." Ein gedehntes Knarzen antwortete mir. Ich verschränkte die Arme vor der Brust. "Nein." Die Garderobe schwankte demonstrativ ein paar Zentimeter hin und her. "Hör auf, so zu tun, als wärst du völlig unschuldig." Diesmal schwankte der Schirmständer. "Du hast uns doch überhaupt erst in diese Situation gebracht!" Ein Fensterladen schlug einmal gegen den Rahmen. Ich schnaubte leise. "Ja, genau. So kannst du jetzt tun, als wüsstest du von nichts." Das Haus antwortete mit einem empörten Knacken der Dielen. "Ach wirklich?" Ich stemmte die Hände in die Hüften. "Wer hat mich bitte schön in dieses Kleid gezwungen?" Die Flurlampe flackerte erneut. "Ja, gezwungen!" Ich zeigte mit dem Finger anklagend auf die Decke. "Glaub bloß nicht, ich hätte freiwillig beschlossen, mich geschniegelt und geschniegelt auf diesen Ball zu schicken. Das warst eindeutig du! Du hast mir doch gar keine andere Wahl gelassen!" Ein gedehntes, fast beleidigt klingendes Knarren zog sich durch das ganze Haus. "Und gerade ziehst du uns beide auch noch ständig damit auf. Das reicht! Schluss jetzt!" Die Garderobenhaken klapperten leise.
      Ich musste mir auf die Lippen beißen, um nicht doch zu lächeln. "Du bist unmöglich."
      Ein zufriedenes Knacken. Ich seufzte ergeben. "Ja... wahrscheinlich seid ihr beide das." Für einen Moment blieb ich einfach stehen, bevor mein Blick an mir hinabglitt.
      Das violetten Kleid fiel elegant bis zum Boden, der feine Stoff schimmerte noch immer im schwachen Licht des Flurs. Einen Augenblick strich ich nachdenklich über den Rock. "Es war trotzdem ein schöner Abend..."
      murmelte ich so leise, dass ich selbst kaum wusste, ob ich es wirklich ausgesprochen hatte. Mein Blick wanderte durch den Flur. Zu der Haustür. Zu den Schuhen, die ordentlich nebeneinander standen. Zu den geschlossenen Türen unserer Zimmer.
      Ein warmes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus. Ich hatte mich lange nicht mehr so geborgen gefühlt... das hier war... unser Zuhause. Und deshalb konnte ich leider auch nicht lange böse sein. Ich schüttelte dann den Kopf und verschwand schließlich in meinem Zimmer.
      Behutsam legte ich das Ballkleid über einen Kleiderständer, damit der Stoff keine Falten bekam. Anschließend schlüpfte ich in eines meiner schlichten, knöchellangen Alltagskleider aus weichem Leinen. Es war so bequem, dass ich sofort spürte, wie die Anspannung langsam von meinen Schultern fiel. Ich band mein Haar locker mit einem Band zusammen. "Viel besser." Zufrieden bog ich in die Küche ab. Ich öffnete einen der Schränke, zog ein altes, leicht vergilbtes Kräuterbuch hervor und begann darin zu blättern. "Ingwer... Pfefferminze... Honig..." Leise murmelnd las ich die Zutaten vor mich hin. "Und etwas Zitronenmelisse... das sollte helfen." Auch wenn Daiki inzwischen wieder ganz er selbst gewesen war, ließ mich der Gedanke an den Alkohol nicht los. Sein hochroter Kopf. Das merkwürdige Brummen. Sein glasiger Blick. Ich wollte vorbereitet sein. Nur für den Fall, dass er morgen früh doch noch mit den Folgen zu kämpfen hatte. Lieber einmal zu viel sorgen...als einmal zu wenig.
    • Hinter mir schloss ich die Tür. Ich atmete einmal durch und schloss die Augen und lehnte meinen Kopf rücklings an die Tür. Was für ein Abend. Etwas, was so gar nicht meins war und ich das alles für Phila getan habe. Wie konnte mir das eigentlich einfallen? Ich war doch sonst nicht so. Aber irgendwie hatte ich das Bedürfnis, ihr ihren Wunsch zu erfüllen. Sie wollte es doch so sehr. Letztenendes war sie doch irgendwie enttäuscht....
      Mit einem Seufzer stieß ich mich wieder von der Tür ab und zog mir Weste aus und anschließend das Hemd über den Kopf. Knöpfe werden überbewertet. Noch mit den Händen in den Ärmeln stand ich nun oberkörperfrei vor dem Spiegel und besah meine vielen Narben. Unweigerlich kamen die Erinnerungen von früher hoch. Allein vom Gespräch mit Phila waren sie in meinem Kopf. Wenn sie wüsste.... der kleine, schmächtige Junge, der hungrig durch die Straßen rannte und ums Überleben kämpfte. Der immer wieder aufgenommen und wieder verstoßen wurde, weil man nicht mit einem Breitschwert klar kam. Der immer wieder in Kämpfe verwickelt war, weil er ins unwissendlich ins fremde Revier eingetreten ist und dann verprügelt wurde. Ich musste mir schon immer meinen Platz erkämpfen. Bis Castor kam. Und da gingen die Kämpfe dann weiter. Ob Phila mich wohl damals schon aufgenommen hätte? Meine Lunge atmete einmal tief Luft ein, um sie sofort wieder laut auszustoßen.
      "Eigentlich verdiene ich sie doch noch nicht mal.", murmelte ich leise und genau in dem Moment kam ein Schuh aus der Ecke geschossen und traf mich am Hinterkopf.
      "Aua!", schrieb ich und rieb mir empört die schmerzende Stelle. Wütend sah ich zur Decke hoch.
      "Hör auf dich in meinen Gedanken einzumischen!", motzte ich und fühlte, ob sich da ne Beule entwickelte. Zum Glück war da aber nichts. Das Haus knarzte warnend.
      "Ist ja schon gut. Ich sag nichts mehr.", brummte ich und zog mich nun endlich um.
      In Jogginghose und nem Sleevless Shirt aber auch mit Kopfschmerzen ging ich wieder raus und suchte nach meiner Herrin. Ich fand sie in der Küche wieder. In eins ihrer Leinenkleider. Ich mochte sie auch in den Kleidern. Das hatte etwas....von Nachhausekommen. Doch der Duft war ein anderer.
      "Was riecht denn hier so komisch?"
    • Ich hielt mitten in der Bewegung inne und hob langsam den Kopf über den dampfenden Topf. "Komisch?" Ein wenig beleidigt zog ich eine Augenbraue hoch. Nach allem, was ich gerade an Kräutern zusammengesucht hatte, war das nun wirklich nicht die Anerkennung, die ich erwartet hatte. Ich nahm den Kochlöffel aus dem Topf und rührte noch einmal um. Ein kräftiger Duft nach Ingwer, Minze und Zitronenmelisse stieg auf und mischte sich mit der Süße des Honigs. "Das ist kein komischer Geruch. Das ist ein Heiltrank." Ich sah kurz auf die Kräuter vor mir. Na ja... ein sehr harmloser Heiltrank. Mit Kräutern aus eigenen Anbau." Mein Blick wanderte zu ihm. Jogginghose, ärmelloses Shirt, zerzauste Haare und dieser Ausdruck, der ziemlich eindeutig verriet, dass die letzte Nacht doch nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen war. Ich musterte ihn einen Moment länger. "Du hast doxh sicher noch Kopfschmerzen." Ich seufzte leise und stellte den Löffel beiseite. "Ich habe mir schon gedacht, dass der Alkohol heute oder morgen noch einmal zurückschlägt." Mit einem kleinen Kopfschütteln wandte ich mich wieder dem Topf zu. "Du hattest schließlich kaum etwas im Magen und hast dann ausgerechnet das Zeug erwischt, das dir offenbar direkt ins Gehirn gestiegen ist." Ich schöpfte etwas von dem Sud in eine Tasse und stellte sie vorerst zum Abkühlen auf den Tisch. "Und bevor du fragst: Nein, da ist kein Kaffee drin." Ich warf ihm einen kurzen Blick zu. Ein kleines, triumphierendes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. Dann wurde mein Ausdruck wieder weicher. "Setz dich."
      Ich deutete auf einen Stuhl. Ich nahm noch einmal das Kräuterbuch zur Hand und überflog die entsprechende Stelle. "Das hier sollte gegen die Kopfschmerzen helfen. Außerdem habe ich noch etwas Brot und Brühe vorbereitet." Kurz hielt ich inne. "Und bevor du dich beschwerst: Ja, ich weiß, dass du wahrscheinlich behaupten wirst, du seist vollkommen in Ordnung." Ich legte das Buch beiseite und sah ihn mit einem kleinen Schmunzeln an. "Du bist wirklich erstaunlich schlecht darin, krank oder verletzt zu sein." Dann griff ich nach der Tasse und prüfte vorsichtig die Temperatur. "Wenn es nicht schmeckt, darfst du dich übrigens beim Haus beschweren." Ein leises Knarren kam aus der Wand. Ich drehte den Kopf. "Neeein. Du hast damit natüüüürlich nichts zu tun." Das Haus antwortete mit einem beleidigten Knarren. "Ihr zwei seid wirklich anstrengend." Ich seufzte leise musste aber trotzdem lächeln. Dann schob ich Daiki die Tasse ein Stück näher. "Jetzt versuch es wenigstens Mal bevor du meckerst, okay?"
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      Ich verzog den Mund und sah sie weiterhin an. Ja, ich hatte Kopfschmerzen. Ich war mir nur nicht sicher, woher sie kamen. Immerhin habe ich eben noch meinen eigenen Schuh an den Kopf geworfen bekommen. Unbewusst rieb ich mir mit der Handfläche die Schläfe. Aber das mit dem Schuh behielt ich lieber für mich. Es musste nicht sein, dass sie wusste, was ich vorm Spiegel noch gedacht habe. War glaub ich, besser so.
      Als sie mir sagte, dass es kein Kaffee war, schmollte ich leicht.
      "Ich hätte aber lieber einen gehabt.", murmelte ich und setzte mich an den Tisch. Ich beobachtete den.... Tee, Trunk was auch immer, wie er langsam in der Tasse zur Ruhe kommt. Sie hatte auch alles andere vorbereitet, um die nächste Zeit erträglicher für mich zu machen. Leider kannte sie mich inzwischen zu gut.
      "Du übertreibst ja auch ständig. Mir gehts ja gut. Ich habe weder Kopfschmerzen noch ist mir schlecht. Ich bin bloß kaputt und das aus gutem Grund.", murrte ich und sah warnend zur Decke hoch. Ich wusste ja nicht, was das Haus wieder ausheckte, aber scheinbar hatte es seine Dachziegel im Spiel.
      "Ich kann nichts dafür. Das Haus ärgert mich die ganze Zeit."
      Leider entkam ich der Pflege seitens Phila nicht, obwohl ich ausdrücklich sagte, dass es mir gut ging. Dem Trank nicht trauend sah ich zu ihm, als er mir vor die Nase geschoben wurde. Widerwillig nahm ich einen Schluck, stellte ihn aber sofort wieder weg. Es war wirklich nicht mein Geschmack. Es war eigentlich eklig. Doch Phila hat ihn extra für mich gemacht. Und mein Gedanke aus dem Zimmer schoss mir sofort in den Kopf. Ich musste also in den sauren Apfel beißen.....
      Ich umfasste noch immer die Tasse, als ich mir kurz auf die Lippe biss und dann alles runter exte. Hoffentlich half es wirklich. Wehe wenn nicht.
      "So. Leer. Kaffee wäre auch ok gewesen."
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      Ich schmunzelte leise, ehe ich liebevoll seufzte und den Kopf schüttelte. "Kaffee bei einem Alkoholkater ist so ziemlich das Schlechteste, was du deinem Magen jetzt antun könntest. Außerdem putscht er auf und dann kannst du nicht schlafen, du stures Breitschwert."
      Trotz seines Nörgelns war ich unglaublich froh, dass er den Kräutersud brav ausgetrunken hatte. Ich sah auf die leere Tasse in seinen Händen und neigte den Kopf ein wenig zur Seite. "Bist du sicher, dass du nicht doch noch ein Stück von dem frischen Brot oder ein wenig von der Brühe haben möchtest?", erkundigte ich mich. "Beim nächsten Mal mache ich dir auch definitiv mehr Honig in den Tee.", versprach ich mit leichten Lächeln. Wobei ich tief in mir hoffte, dass ein solches nächstes Mal so schnell nicht wieder vorkommen würde.
      Ich griff nach der Kanne, um die Tasse beiseite zu stellen, und sah ihn aufmerksam an. "Du musst dich gar nicht so sehr dagegen wehren, Daiki. Es ist schließlich meine Pflicht als Göttin, dafür zu sorgen, dass mein Ayakashi stets einsatzbereit ist. Und das bedeutet eben auch, dass ich mich um dich kümmere." Ich hielt einen Moment inne, während mein Blick etwas weicher wurde. "Es tut mir leid, dass der Tag heute so herausfordernd und unangenehm für dich war." Bei meinen Worten stiegen mir unwillkürlich wieder die Bilder des Abends vor das innere Auge. Der Beinahe-Kuss auf der Bank... die atemlose Nähe in der Nische... und schließlich dieser federleichte, zarte Stirnkuss, der mich fast um den Verstand gebracht hatte. Sofort schoss mir wieder glühendes Blut ins Gesicht. Ich schüttelte rasch den Kopf, um diese verräterischen Gedanken zu vertreiben. Dieser merkwürdige, von Alkohol und Aufregung überschattete Abend hatte sicher nichts weiter zu bedeuten und würde hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.
      Dennoch... Ich war mir nach wie vor absolut sicher, vorhin im Hof Serafins Stimme gehört zu haben. Und allein dieser Gedanke hinterließ ein tiefes, ungutes Gefühl in meiner Brust. Ich riss mich zusammen und schob das Gefühlschaos schnell beiseite, um Daiki nicht noch mehr zu beunruhigen. "Was das Haus angeht...", fuhr ich fort und schob ihm eine der Schalen mit dem süßen Nachtisch hin, "...vielleicht reagiert es einfach nur auf deine schlechte Laune. Unser Heim hat ein sehr feines Gespür dafür, wie es dir geht. Und es mag es nun einmal nicht, wenn sein Bewohner so schmollt." Ich schenkte ihm ein mildes, wissendes Lächeln, hütete mich aber weise davor, nachzubohren, was genau da oben in seinem Zimmer vorgefallen war.
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      "Beim nächsten Mal hoffe ich, dass es kein nächstes Mal geben wird.", konterte ich und nahm mir dann doch etwas von dem Brot und biss rein. Da es von Phila selbst gebacken war, brauchte es auch keinen Aufschnitt oder so. Trocken schmeckte es auch ganz gut. Und jetzt wo ich was zwischen den Zähnen hatte, merkte ich auch, dass ich Hunger hatte. Ich hatte den ganzen Abend über nichts gegessen. Und es war auch schnell verputzt. Jedoch beharrte Phila weiterhin darauf, dass sie als Göttin die Verantwortung für mich habe. Schwer seufzend und die Augen verdrehend ließ ich meinen Kopf auf meine Arme fallen, die vor mir auf dem Tisch Platz hatten.
      "Du gibst auch wirklich nicht auf. Ich bin schon groß. Ich kann das auch allein.", jammerte ich und blinzelte sie von unten aus an. Irgendwie ja süß, wie sie sich Sorgen machte. Eine leichte Röte stieß in meine Wangen. Sie tat das, was ich mir als Kind gern gewünscht hätte. Nur leider fiel es mir auch schwer, sowas anzunehmen....
      Und sie entschuldigte sich zu viel.
      "Hör jetzt auf. Ich habe dir freiwillig angeboten, mit mir dahin zu gehen. Also brauchst du dich für den Abend nicht zu entschuldigen.", antwortete ich ihr und richtete meinen Kopf wieder auf, um sie besser anzusehen. Sie wurde rot. Warum wurde sie rot? Ich überlegte..... da war der Tanz, der sich auch ein bisschen wie ein Kampf anfühlte. Nur ohne Anomalie. Dann.... hab ich was getrunken und später sind wir raus gegang- Die Bilder setzten sich in meinem Kopf zusammen. Da war die Bank und die Sterne. Und mittendrin saß Phila in ihrem Kleid. Ich schluckte. War ich das gewesen? Ich blinzelte und überlegte wieder. Ich saß doch allein auf der Bank. Ja. Sie war nicht wirklich da. Ich muss es geträumt haben. Ich.... Sowas würde sie doch nicht zulassen. Ich ließ mir besser nichts anmerken. Ob ich wieder schlafen sollte? Ja. Morgen sieht es wieder ganz anders aus.
      "Das Haus hat wohl eher Spaß daran, mich zu ärgern.", murmelte ich und fasste mir nochmals an die Stelle, an dem ich den Schuh abbekommen habe. Obwohl es dafür seine Gründe hatte. Ich dachte an die Worte von Phila, dass sie sich immer um mich kümmern würde. Vielleicht war ich deswegen bei ihr. Jetzt wo ihre Lanze nicht mehr bei ihr war. Das Schicksal wusste, ich würde sie mit allen Mitteln beschützen. Und sie dafür Sorgen, dass ich auch in der Lage dazu war. Und wer wusste schon, was es noch so mit uns vorhatte....
      "Vielleicht sollten wir langsam ins Bett gehen...."
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