Maledictio Draconis [CodAsuWin]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • "Nein."
      Malleus seufzte.
      "Abgelehnt. Du sagst, wir werden nicht mitkommen, und wir lehnen ab. Wir kommen mit, Ende der Diskussion."
      "Ich habe versucht ihn zur Vernunft zu bringen, aber...", setzte Malleus an.
      "Und davon sind eure... Gemüter aufgekocht? Deswegen hast du ihn gebissen? Ohne mich zu holen?"
      Tava ließ sich nicht bremsen und langsam kroch ein verdächtiger Geruch von angekohltem Holz unter dem Tisch hervor.
      Seine Aufmerksamkeit lag nun völlig auf Tava, als sich die Cervidia weiter über den Tisch beugte und abwechselnd zwischen den Männer hin und her sah. Der verbissene und zornige Gesichtsausdruck gefiel Malleus nicht, aber verübeln konnte er das Tava auch nicht. Er war war genauso wenig begeistert von Devons Vorhaben, aber er wusste auch, dass dieses Problem nicht mit einem Gespräch lösen ließ. Wenn sich die Fronten nun verhärteten, war niemandem damit geholfen.
      "Das ist nicht ganz richtig. Ich...", versuchte er es noch einmal mit gesenkter, weicher Stimme.
      Erstaunlich. Malleus lehnte sich ganz leicht und vorsichtig in seinem Stuhl zurück und sah Tava mit einer Mischung aus Verblüffung und Bewunderung an. Etwas an der ganzen Situation musste Tava dermaßen aufwühlen, dass sie seiner Stimme kaum Gehör schenkte, wo doch sonst ihre Aufmerksamkeit bei diesem Ton zu ihm flog wie eine Motte zum Licht.
      Als Tava erstarrte, wusste er, dass er Recht hatte.
      "Obwohl wir in Oratis zuletzt... obwohl wir in dem Gasthaus... Dabei habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass wir wieder alleine sind, so wie da. Die ganze Zeit! Und jetzt habt ihr -"
      Der zornige Ausdruck verpuffte im Nichts und Tava starrte sie mit unglaublich weiten Augen an.
      "Ihr wollt mich doch nicht ausschließen, oder?"
      Ah.
      "Es ist nichts passiert...", sagte er nun ruhig. Unter dem Tisch suchte Malleus nach ihrer Hand. "Nicht das, woran du denkst, Tava."
      Sanft umschloss er ihre Finger und es war vielleicht Zufall, dass er dabei die Hand mit dem Ring erwischte. Vorsichtig drückte er ihre Hand und unterband damit, dass sie dem Tisch weitere Brandflecken zufügte. Das heißgewordene Metall spürte er sogar durch das dünne Leder.
      "Niemand will dich ausschließen", versicherte Malleus sanft. "Es ist, wie Devon es gesagt hat. Die Gemüter sind hochgekocht. Daran bin ich vermutlich nicht ganz unschuldig. Nicht nur Devon hat in diesem Moment etwas erzählt. Es ist nicht seine Schuld."
      Mit einem letzten behutsamen Druck seiner Finger zog Malleus die Hand zurück, nur um die nun gefalteten Hände auf dem Tisch vor sich zu platzieren. In einer ungewohnt zurückhaltenden Geste knetete Malleus seine gekrümmten Finger und ließ sich ein wenig Zeit.
      "Du hast mich nie gefragt, warum ich die Handschuhe nicht ablege. Auch nicht in Oratis. Du weißt, dass ich meine Schwierigkeiten mit körperlicher Nähe habe und du kennst den Grund dafür, aber das hier..."
      Er strich mit dem Daumen über das schwarze, weiche Leder an seinem Handrücken.
      "...ist eine Geschichte, die ihr nicht kennt. Das ist der Teil meiner Rüstung, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn je ablegen werde. Auch nicht für euch."
      Eindringlich lag sein Blick auf Tava, als er erneut eine Pause machte und sich sammelte.
      Was er nun ein zweites Mal in Worte fasste, schien Malleus alles abzuverlangen aber einmal ausgesprochen machte es ein wenig leichter noch einen Schritt weiterzugehen.
      "Ich kann keine Haut berühren, Tava. Es ist ein Trauma, älter als die Narben auf meiner Haut. Ich werde euch diese Geschichte erzählen, wenn ich bereits bin. Falls ich je dazu bereit bin. Allein die Erinnerung ist für mich nur schwer zu ertragen."
      Malleus' Hände hatten begonnen zu zittern.
      "Zwing mich nicht, Tava."
      Ein weiterer Augenblick verstrich und las Malleus erneut die Stimme erhob, schwang die antrainierte Ruhe darin mit.
      Er brauchte das jetzt, dieses Teil seines Konstruktes, dieser Hülle, dieser Figur, wie Devon es genannt hatte.
      "Aber Schuppen sind keine Haut...", schwenkte er das Thema zurück in die andere Richtung. Die Intimität, die sich nun auftat, bereitete ihm weniger Schwierigkeiten als das Mysterium um seiner Handschuhe. "Es hat mich fasziniert und erregt, dass ich Devon mit bloßen Fingern berühren konnte. So sehr, dass ich den Wunsch nach mehr verspürt habe. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich habe ihn möglicherweise dazu provoziert,...aber es war wichtig für Devon und mich, um zu wissen, wo wir stehen."
      Er führte eine Hand zurück an seine Schulter und fuhr mit dem Daumen über den nun von Kleidung verdeckten Biss.
      "Ich weiß, dass du nicht davon angetan bist, Tava", fuhr er fort, seine Stimme sanft, verständnisvoll und bar jeglicher Vorwürfe. Sein Blick glitt zu Devon. "Aber ich kann nicht länger abstreiten, dass ich Gefallen daran gefunden habe."
      Als er sich leicht über den Tisch neigte, um den Druck auf seine Rippe durch seine angespannte Haltung etwas zu lindern, fühlte er sich müde und leer nach all den gesagten Dingen. Früher hätte er sich lieber die Zunge herausgerissen, als nur eine Silbe in die Richtung zu verlieren.
      "Niemand will und wird dich ausschließen", bekräftigte er noch einmal und lächelte warm und in diesem Ton der üblicherweise nur Tava vorbehalten war. "Wir wären nicht hier ohne dich. Wir wären uns in Oratis nie so nahe gekommen ohne dich. Wir brauchen dich. Wir wollen dich. Das solltest du mittlerweile wissen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Es ist nichts passiert...", besänftigte Malleus schnell und Tavas Blick sprang augenblicklich zurück zu ihm. Wo seine weiche Stimme sonst eine reine Wohltat war, der sie ohne Zweifel geglaubt hätte, drängte sich doch jetzt Argwohn in den Vordergrund. Tief in ihr drin wusste sie, dass es nur ihre Paranoia war, ihre Erfahrung von einer Gruppe zu viel, die sie im Stich gelassen hatten, aber sie konnte sich einfach nicht dazu bringen, sich von ihm trösten zu lassen. Wenn sie sie wirklich ausschließen wollten, wäre das genau die Art, wie sie es sagen würde. Die schlechte Neuigkeit schonend beibringen, sozusagen.
      "Nicht das, woran du denkst, Tava."
      Seine Hand streifte sie unter dem Tisch und Tava stellte sich für einen Augenblick vor, dass das Leder Feuer fangen könnte. Sie stellte es sich nur vor.
      Aber sie entzog sich doch nicht bei der seltenen und ungewohnten Berührung.
      "Niemand will dich ausschließen. Es ist, wie Devon es gesagt hat. Die Gemüter sind hochgekocht. Daran bin ich vermutlich nicht ganz unschuldig. Nicht nur Devon hat in diesem Moment etwas erzählt. Es ist nicht seine Schuld."
      Ganz kurz flackerte ihr Blick zu Devon zurück, dann wieder zu Malleus. Der Lacerta rührte sich nicht, dabei war sie sich sicher, dass er etwas gesagt hätte, hätte es nicht gestimmt. Komisch, dass sie seinem Einwurf jetzt mehr vertraute als Malleus. Aber Devon war in einem seltenen Fall von sichtbaren Gefühlen spürbar betroffen und Malleus war... Malleus. Sie sehnte sich noch immer nach seiner ruhigen Samtstimme, aber sie wusste, dass sie einen besonderen Effekt auf Tava hatte. Und gerade musste sie einen kühlen Kopf bewahren, wenn sie herausfinden wollte, ob das wirklich das Ende war.
      Als er merkte, dass Tava die Geduld aufbrachte, ihm weiter zuzuhören, ohne dabei ihr Zimmer in Brand zu stecken, lehnte Malleus sich wieder zurück.
      "Du hast mich nie gefragt, warum ich die Handschuhe nicht ablege. Auch nicht in Oratis."
      Noch immer misstrauisch spielte Tava mit ihrem Ring herum. Sie betätigte ihn allerdings nicht nochmal.
      "Du weißt, dass ich meine Schwierigkeiten mit körperlicher Nähe habe und du kennst den Grund dafür -"
      Ihr Blick wurde scharf, als sie damit den Biss unter dem Kragen betrachtete.
      "- aber das hier... ist eine Geschichte, die ihr nicht kennt. Das ist der Teil meiner Rüstung, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn je ablegen werde. Auch nicht für euch."
      Nicht für euch oder nicht für dich? Tava sah wieder zu Devon, der keine sichtbare Reaktion auf die Worte hatte. Dabei war sie sich sicher, dass er etwas offenbart hätte, wenn Malleus es anders gemeint hätte.
      Sie presste die Lippen aufeinander. Malleus' eindringlicher Blick hielt sie davon ab, den Gedanken laut auszusprechen.
      "Ich kann keine Haut berühren, Tava."
      Seine Stimme verlor den Reiz, den er bisher für sie aufbehalten hatte. Sie wurde ein bisschen kratzig und Tava merkte, dass sie genau deswegen ein Stück aufmerksamer wurde. Das hier war eine Wahrheit - aber was für eine. Keine unbekannte und doch steckte dort mehr dahinter, was Tava aus Malleus' verkniffenem Gesicht erkennen konnte.
      "Ich werde euch diese Geschichte erzählen, wenn ich bereits bin. Falls ich je dazu bereit bin. Allein die Erinnerung ist für mich nur schwer zu ertragen."
      Tavas Augen wurden ein Stück größer. Sie hatte das Gefühl, Teil an einem Geheimnis zu haben, dabei war es nur Malleus. Dabei sollte es nur Malleus sein. Trotzdem schien es wie ein ungewohnt intimer Moment.
      "Zwing mich nicht, Tava."
      Plötzlich kam es ihr dumm vor, so dumm, Malleus so eine Kleinigkeit vorzuwerfen, wenn er doch ganz offensichtlich solche Schwierigkeiten hatte. Was dachte Tava sich nur? Sie war so auf sich selbst fixiert gewesen, sie hatte nicht einen Moment darüber nachgedacht, was das alles mit Malleus anstellen musste. Sie hatte nichtmal überlegt, wie es zu dem Biss gekommen war und wie es für ihn gewesen sein musste, sie hatte ihm gleich etwas völlig anderes unterstellt.
      Da hob sie entschuldigend den Kopf an, nur ein bisschen. Es musste ihm aber aufgefallen sein, denn als er einen Moment später weitersprach, hatte seine Stimme etwas von ihrer üblichen Geschmeidigkeit zurück.
      "Aber Schuppen sind keine Haut..."
      Sie beide sahen zu Devon zurück, der unter ihren Blicken noch weiter zu schrumpfen schien. Aus Tavas vorsichtiger Fantasie entsprang sogleich ein Bild, das sie nach und nach ihre Paranoia vergessen ließ. Wenn sie sie schon immernoch dabei haben wollten, dann würde sie sich auch darauf einlassen. Mit Vergnügen.
      "Es hat mich fasziniert und erregt, dass ich Devon mit bloßen Fingern berühren konnte. So sehr, dass ich den Wunsch nach mehr verspürt habe."
      Das hatte er geschafft? So groß wie Tavas Augen wurden, so klein wurde Devon.
      "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich habe ihn möglicherweise dazu provoziert,...aber es war wichtig für Devon und mich, um zu wissen, wo wir stehen."
      Dafür war der Biss ja wohl auch Beweis genug.
      "Ich weiß, dass du nicht davon angetan bist, Tava. Aber ich kann nicht länger abstreiten, dass ich Gefallen daran gefunden habe."
      Gefallen gefunden. Mittlerweile konnte Tava nur noch starren, ihr anfänglicher Argwohn vergessen.
      "Niemand will und wird dich ausschließen", setzte er in seinem gewöhnlichen, so süßen Ton hinzu und ein Kribbeln zog durch Tavas Körper. Jetzt glaubte sie ihm, jetzt glaubte sie ihm wirklich.
      "Wir wären nicht hier ohne dich. Wir wären uns in Oratis nie so nahe gekommen ohne dich. Wir brauchen dich. Wir wollen dich. Das solltest du mittlerweile wissen."
      "Ich dachte nur -"
      Es kam ihr noch immer so dumm vor. Wirklich dämlich.
      "Weil du mich ins Bett geschickt hast und ihr dann zusammen..."
      Aber sie brauchten sie. Und sie wollten sie.
      "Malleus, darf ich auch?", sagte sie, plötzlich aufgeregt. "Nicht beißen meine ich - darf ich dich küssen?"
      Aufmerksam lehnte Tava sich wieder nach vorne. Ihr Blick hing jetzt an Malleus fest.
      "Du musst mich nicht berühren, ich berühre dich auch nicht. Nur auf die Lippen, ganz kurz. Nur -"
      Sie bemerkte die feuchten Haare, die Malleus' Gesicht umrahmten, dann fiel ihr eine eigene trockene Strähne auf, die ihr über das Auge gerutscht war. Ihre Augen folgten der Strähne nach unten und über die Reisekleidung, die sie seit Touvanen schon trug. Von dort aus sah sie weiter zu Devon mit seinen blutigen Löchern im Hemd und den von Schweiß, Blut und Dreck starren Haaren. Daraufhin korrigierte sie sich selbst.
      "Nein. Nein, Devon, wir gehen uns waschen. Jetzt."
      Sie stand so ruckartig auf, dass die Schüsseln auf dem Tisch klapperten. Da schnappte sie sich ihre und kippte sie in einem großen, gewaltigen Schluck hinunter.
      "Los. Du musst mir den Rücken waschen."
      Dann stolzierte sie an Devon vorbei zum Badezimmer. Hinter ihr hörte sie den Stuhl über den Boden schaben, dann kam er ihr nach, den Kopf eingezogen, um sich nicht am Türrahmen zu stoßen. Hinter sich wollte er die Tür schließen, aber Tava hielt ihn mit einem gezielten Griff auf und sah ihn ernst von unten herauf an.
      "Niemanden ausschließen."
      Es war vielleicht lächerlich, für das Bad nicht die Tür zu schließen, aber sie musste nur zu Malleus sehen, der noch immer am Tisch saß, um sich davon zu überzeugen. Tava hätte sicherlich gerne zugesehen, wie Devon ihm den Biss verpasst hatte. Sie würde es jemand anderem nicht verwehren.
      Mit einem Blick auf den noch vollen Zuber zog sie sich mit einer schwungvollen Geste das Oberteil über den Kopf, dann verharrte sie und drehte sich zu Devon um.
      "Nein, du gehst da zuerst rein, ohne deine Verbände. Du brauchst sauberes Wasser mehr als ich. Komm schon, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit."
      Tava musste sich schließlich einen Kuss abholen gehen. Damit trat sie entschlossen auf Devon zu und ergriff den Saum seines Hemdes.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren ()

    • Alles, was man an Devons Gesicht an Regung hatte ablesen können, waren seine Augen, die sich vor Verwunderung leicht weiteten. Es ging Tava also gar nicht darum, dass er Malleus gebissen hatte, sondern einfach um den Fakt, dass man sie außen vor lassen könnte? Für ihn wirkte es bislang immer so, dass Tava ihn zwar mochte, aber eigentlich wirklich Malleus zugetan war. Vielleicht sogar liebte. Das konnte Devon nach dieser kurzen Zeit nicht wirklich beurteilen. Allgemein ließ sich die Cervidia in seinen Augen nur schwer abschätzen, was seine Rückzüge hier und da erklären würde. Also hatte er nur ein schwaches Kopfschütteln für sie als Antwort übrig, während Malleus versuchte, sie mit seinen Worten einzufangen.
      Als Devon aber der Geruch von verbranntem Holz in die Nase stieg, der nicht von Hölzern des Waldes stammte, legte sich seine Verwunderung. Dieses Verhalten kannte er von Tava zur Genüge. Scheinbar nahm es sie wirklich so sehr mit, dass sie zu zündeln begann. Er konnte mit Leichtigkeit akzeptieren, wenn Malleus behauptete, gewisse Dinge nie erzählen zu können. Das Gleiche galt schließlich auch für ihn selbst, angefangen bei seinem Namen. Auch das waren Geschichten, die er vielleicht niemals erzählen würde. Weil sie für andere einfach keinen Bestand hatten.
      Denn als Tava nun zum Jäger schaute, wirkte er gleich einer Statue. Er hatte dem Gesagten des Kultisten nichts mehr hinzuzufügen. Diese Offenbarung gehörte ihm und nicht dem Lacerta. Also schwieg Devon und begann vorsichtig, sich ein paar Löffel des Eintopfes in den Mund zu schieben und seinen plärrenden Magen zu beruhigen. Der nahm schließlich fast alles an, was man verdauen konnte und einen nicht vergiftete.
      Bis zu dem Augenblick, wo zwei Augenpaare auf ihm lagen und er den Löffel links liegen ließ. Die Beklemmung kehrte zurück und damit verflog sein Appetit, wenn auch unter einem sich beschwerenden Magen. Wieso sahen sie ihn beide jetzt so vielsagend an? Weil er einfach Malleus‘ Grenzen überschritten hatte, ohne ihn zu fragen? Nein, Moment. Es ging nicht um den Biss, sondern vielmehr um die Berührung an sich. Dass er mit seinen Schuppen es geschafft hatte, Malleus ein wenig aus seinem Schneckenhaus zu locken. Dass er dabei nur dagesessen hatte und der Mann selbst die ganze Arbeit geleistet hatte, ließ er unkommentiert. Sonderlich lobenswert empfand er sich durch diese Errungenschaft jedoch nicht.
      „Wir brauchen dich.“
      Defacto brauchte Devon keinen von beiden.
      „Wir wollen dich. Das solltest du mittlerweile wissen.“
      Das hingegen stand schon wieder auf einem gänzlichen anderen Blatt Papier. Devon nickte zustimmend zu Malleus‘ Worten. Wollen war durchaus angebracht, und beide jeweils auf eine andere Art und Weise. Sie zusammen ergaben ein Bild, das er sich bisher in einer einzigen Person vereint vorgestellt hatte. Vielleicht war das der Grund gewesen, warum er nie seine Partnerin gefunden hatte. Deshalb schniefte der Lacerta lediglich etwas pikiert, als Tava ihre Gedanken dazu äußerte, dass die Männer sie wie ein lästiges Kind einfach auf ihr Zimmer geschickt hatten.
      Lächerlich.
      „Malleus, darf ich auch?“ – Devons Augen zuckten zur zierlichen Cervidia. – „Nicht beißen meine ich – darf ich dich küssen?“
      Moment. So war das Ganze nicht geregelt. Devon hatte Malleus immerhin auch nicht geküsst. Tava war diejenige gewesen, die schon wesentlich näher dran gewesen war. Aber IHM, der so hart an sich und dieser Konstellation arbeitete, stand ja wohl dieses Privileg zu!
      Devon hörte dem Rest nur halbherzig zu, als sein flammender Blick zu dem Mann neben ihm schoss. Der, zum Glück, nicht viel davon mitbekam, weil ihm eine Art Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben stand, die man nur selten gesehen hatte. Daraufhin räusperte sich Devon und griff wieder nach seinem Löffel. Essen. Essen war eine gute Idee und gab Kraft. Notwenige Kraft. Überlebenswichtig.
      „Nein. Nein, Devon, wir gehen uns waschen. Jetzt“, forderte Tava und Devon starrte sie an. „Los. Du musst mir den Rücken waschen.“
      Der Lacerta starrte sie immer noch an, wie sie ihre Schüssel einfach hinunter kippte und zum Badezimmer stolzierte. Devon verrenkte sich halb über die Rückenlehne und zischte, als die frische Haut auf seinem Rücken sich spannte. So eindringlich hatte Devon Tava selten erlebt. Irgendetwas nötigte ihn dazu, seine Schüssel einfach stehen zu lassen und ihr folgen zu wollen. Allerdings nicht ohne Malleus einen vielsagenden Blick zukommen zu lassen. Immerhin hatte der Jäger mit seiner feinen Nase, oder eher Zunge, bereits mitbekommen, dass Tava gerade höchst ambitioniert und mit gewissen Fantasien im Kopf zugange war.
      „Du könntest gelegentlich mal auf deinen Ton achten“, merkte Devon an, als er durch den Türrahmen ins Badezimmer trat und die Tür schließen wollte.
      Da schoss Tavas Hand vor und hielt ihn an seinem Handgelenk auf. „Niemanden ausschließen.“ Dabei sah sie ihn von unten mit einem stoischen Blick an.
      Devon runzelte die Stirn, während Tava an seinem Körper vorbei zu der dritten Person im Bunde am Tisch blickte. Das bescherte ihr ein doch etwas angespanntes Schnauben seitens des Lacertas, der sich etwas entspannte, als Tava seine Hand losließ. „Der kann jederzeit reinkommen. Das weißt du, das weiß er.“
      Schien die Cervidia nur nicht sonderlich zu interessieren, denn sie zog sich ihr Oberteil einfach über den Kopf. „Nein, du gehst da zuerst rein, ohne deine Verbände. Du brauchst sauberes Wasser mehr als ich. Komm schon, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“ Damit griff sie schon nach dem Saum von Devons Hemd und trat etwas in ihm los.
      Seine Miene verhärtete sich. Dank seiner schnellen Reflexe ergriff er ihre Hände und löste die Finger von seinem Saum. Ihre plötzliche Nacktheit kam unerwartet für den Jäger, sodass er Tava eiskalt herumwirbelte, damit er ihr nicht mehr auf die Brust starren musste. Mit einem Arm hielt er sie davon ab, sich umzudrehen, mit seiner anderen Hand zog er grob an ihren Beinkleidern und nahm dafür in Kauf, dass sein Rücken wieder protestierte. „Klar, jetzt hast du’s eilig. Wenn’s um ihn geht“, zischte er, ungehaltener als erwartet, und das erschreckte ihn selbst.
      Da hatte er ihr die Kleider schon von den Beinen gerissen und ihr die großen Hände an die Hüften gelegt. Dann hob er das strampelnde Bündel kurzerhand vom Boden hoch und weit genug von sich weg, damit sie nicht schon wieder auf dumme Gedanken käme. Mit einem beherzten Satz bugsierte er die Cervidia in das lauwarme Wasser des Zubers, ehe er sich einen satten Schritt davon entfernte und Tava anfunkelte.
      „Natürlich geh ich da als erstes rein und mach das ganze Wasser dreckig. Nur damit du danach dich in der Suppe waschen kannst? Ernsthaft?“, harkte er nach und suchte nach etwas, das er als Schwamm missbrauchen konnte. Am Ende fand er ein Stück Leinentuch, das er zu einem Ball knüllte und im Badewasser versenkte. Jetzt ging er nicht auf die Knie, sondern stützte sich mit einer Hand am Rand des Zubers ab, um mit der anderen wie geheißen über Tavas Rücken zu reiben. Nicht ganz freiwillig, so wie sich die Cervidia zierte.
      „Jetzt stell dich nicht so an. Du wolltest keine Zeit verlieren – bitte. Kannst danach sofort zu ihm zurückgehen. Ich nehm auch kaltes Wasser.“
    • Mit unglaublicher Schnelligkeit hinderte Devon Tava nicht nur daran, ihm das Hemd über den Kopf zu ziehen, sondern wirbelte sie auch noch herum. Bevor sie überhaupt wusste, was er da tat, stand sie schon mit dem Rücken zu ihm.
      "Hey!"
      Mit einer Hand hielt er sie fest, was unheimlich frustrierend, aber gleichzeitig vermutlich ganz gut war, denn sonst hätte sie ihre Hörner ins Spiel gebracht. So kämpfte sie gegen seinen Griff an, während sie seine andere Hand an ihrer Hose spürte. Was stimmte denn jetzt nicht mit ihm?
      "Lass mich los, ich kann mich auch selbst ausziehen!"
      „Klar, jetzt hast du’s eilig. Wenn’s um ihn geht“, zischte er zurück und Tava wurde ein bisschen ruhiger. Wenn es um ihn geht? Was sollte das denn heißen? Aber ihr Zögern sorgte nur dafür, dass er ihr mit einem Ruck die Hose runterriss.
      "Devon!"
      Wenig elegant und erst recht nicht mit viel Rücksicht hob er sie an der Hüfte hoch und Tava gab einen aufgebrachten Laut von sich, als sie für einen Moment in der Luft baumelte. Sie ruckte ihren Kopf herum, aber in weiser Voraussicht hielt Devon sie weit genug entfernt von sich, dass sie ihn nicht erwischen konnte. Mit den Füßen auch nicht, wie sie kurz darauf herausfand.
      "Lass mich runter!", fauchte sie und er kam ihrem Wunsch großzügig nach, indem er sie mit einem beherzten Schritt in den Zuber beförderte. Etwas Wasser platschte über den Rand, als Tava sich sofort aufrichtete. Dahin sollte es also gehen - als ob er das nicht hätte sagen können! Als ob er sie davon hatte abhalten müssen, ihn auszuziehen!!
      „Natürlich geh ich da als erstes rein und mach das ganze Wasser dreckig. Nur damit du danach dich in der Suppe waschen kannst? Ernsthaft?“
      Sie riss einen anklagenden Finger aus dem Wasser, wobei sie noch mehr davon herumspritzte. Er hatte sich aber schon in Sicherheit gebracht - vor dem Wasser und vor ihren Hörnern.
      "Du bist derjenige mit den Wunden - die ich verbunden habe! Wenn die sich entzünden, mache ich dir die Hölle heiß!!"
      So schnell war ihre Fantasie von vorhin verschwunden, jetzt, wo sie in dem nicht mehr ganz so warmen Wasser saß. Ihr Herz klopfte noch immer von seiner radikalen Vorgehensweise und sie verschränkte die Arme vor der Brust, um Devon noch intensiver mit ihren Hörnern zu konfrontieren. Mehr bekam er von ihr nicht zu sehen, als er die Wanne umrundete und tatsächlich anfing, ihr den Rücken zu schrubben. Tava machte einen krummen Rücken und sah finster drein, bevor sie einen knappen Blick auf Malleus draußen erhaschte. Er beobachtete sie beide. Mit diesem Wissen setzte sie sich etwas gerade auf und grummelte unzufrieden.
      "Jetzt stell dich nicht so an", sagte Devon hinter ihr, als hätte er ihre Gedanken gelesen. "Du wolltest keine Zeit verlieren – bitte. Kannst danach sofort zu ihm zurückgehen. Ich nehm auch kaltes Wasser.“
      "Ich stell mich aber an. Du hättest zuerst gehen sollen", beharrte sie. Und leiser fügte sie hinzu, damit Malleus sie nicht hörte: "Und du könntest auch mal netter zu mir sein."
      Hinter ihr hörte sie Devon zu einem Protest ansetzen und bevor er soweit kommen konnte, wirbelte sie in dem Zuber herum, damit er ihre Hörner nicht vergaß.
      "Oh nein, bist du nicht! Entweder du hebst mich durch die Gegend wie so... wie eine Ziege, oder du siehst drein, als hätte ich dir das Essen versalzen! Das netteste, was du jemals zu mir gesagt hast, ist, wie toll du meinen Arsch findest! Und da warst du auf Rotstaub!!"
      Jetzt übertrieb Tava und das wusste sie selbst, aber die Frustration darüber, die Stimmung verloren zu haben, hatte sich schon festgesetzt. Irgendwie sah Devon auch aus, als würde er es vermeiden, ihr auf die Brust zu schauen, und das machte es nur noch schlimmer. Tava verschränkte wieder die Arme vor der Brust funkelte ihn an.
      "Du sollst nur mal nett zu mir sein. Zu Malleus warst du sicher sehr nett, damit er dich berührt, warum bist du es dann nicht zu mir?"
    • Devon schnaubte missbilligend bei der überfälligen Information zu seinen Wunden. Er konnte sie zwar nicht sehen, aber er wusste, dass sie sich nicht entzünden würden. Vernarben, ja. Aber entzünden tat sich bei ihm praktisch nie etwas. Das lag vermutlich an seinen Genen – so richtig hinterfragt hatte er das allerdings nie. Angesichts des Umstandes, dass sein natürliches Habitat im Dschungel lag, waren Entzündungen wohl auch ziemlich schlecht. Dafür gab es andere Krankheiten, denen er gegenüber anfälliger war.
      „Ich stell mich aber an. Du hättest zuerst gehen sollen.“ Das sorgte dafür, dass Devon sichtlich gereizt die Augen im Kopf verdrehte, trotzdem aber unwirsch Tavas Rücken weiter schrubbte. „Und du könntest auch mal netter zu mir sein.“
      Da hörte er sofort mit dem Waschen auf und riss erzürnt die Augen auf. Er solle sie netter behandeln?! Dabei war sie es doch, die ständig mit ihren Hörner drohte! Sie wollte ihm ständig irgendetwas brechen, sezierte ihn wie ein Objekt und kam nur dann auf ihn zu sprechen, wenn Malleus sie nicht anfassen konnte! Wieso zum Teufel hatte er sich überhaupt den Kopf darüber zerbrochen, sie in Oratis zurückzulassen?!
      Tief holte Devon Luft, um ein für alle Mal die Fronten klarzustellen, da wirbelte die Cervidia im Zuber herum. Dass sie dabei halb aus dem Wasser aufstieg, entging ihm natürlich nicht, und er achtete tunlichst darauf, nicht auf ihre Brüste zu sehen. Aber für Scham war hier nun gar kein Platz mehr.
      „Oh nein, bist du nicht! Entweder du hebst mich durch die Gegend wie so… wie eine Ziege, oder du siehst drein, als hätte ich dir das Essen versalzen!“
      „Ich werde mich nicht für mein Gesicht rechtfertigen“, warf Devon fast schon wutentbrannt dazwischen, stoppte Tava in ihrer Tirade jedoch nicht.
      „Das Netteste, was du jemals zu mir gesagt hast, ist, wie toll du meinen Arsch findest! Und da warst du auf Rotstaub!“
      Da zuckte Devon ernsthaft ein wenig zurück. Von oben herab brannte er Tava mit seinen roten Augen förmlich nieder, die daraufhin ihren Kopf nur weiter senkte, um ihm ihre Hörner zu präsentieren. Das war es gewesen, was ihr im Gedächtnis geblieben war? Nur dieser lüsterne Kommentar und nicht, wie er sich bei ihr bedankt hatte? Wie er durchaus ihre Künste am Ende anerkannt hatte? Wie er ihr, wenn auch etwas durch die Blume, gesteckt hatte, dass er sie eigentlich ganz gern um sich hatte? Noch nie war der Jäger sonderlich gut mit Worten gewesen. Taten waren eher das, was ihm lag. Genau vor Momenten wie diesen hatte er sich über all die Jahre hinweg gefürchtet. Dass er irgendwann doch einmal Personen fand, die ihm ans Herz wachsen könnten und sie mit seiner Art verschreckte. Abstieß. Wie das Monster, das man ihn nannte.
      Tava verschränkte die Arme vor der Brust, den Blick trotzig. „Du sollst nur mal nett zu mir sein. Zu Malleus warst du sicher sehr nett, damit er dich berührt, warum bist du es dann nicht zu mir?“
      „Weil du mein NETT nicht willst!“, platzte es plötzlich aus dem Lacerta hinaus, der seinen Arm zur Tür hin ausstreckte und dort auf Malleus zeigte. „Denn das ist das, was Malleus von mir bekommt! Du hast mir mehrfach deutlich gemacht, dass du meine Art und Weise nicht willst! Das ist okay, ja? Aber ich bin halt kein Mann wie er, der mit Worten umgehen kann. War ich nie gewesen!“
      Wie um es zu demonstrieren trat er einem Impuls nachgebend gegen die hölzerne Wand des Zubers und ließ ihn zittern. „Ich hab ihn bedrängt. Ich hab seine Schwäche ausgenutzt und seine Instinkte gegen ihn benutzt. Willst du das? Ich glaube kaum! Wenn ich dir dermaßen gegen den Strich gehe, warum bist du dann gekommen und hast mich aus diesem beschissenen Verließ da geholt? Hm? War es nur wegen ihm und deine Worte waren gar nicht ernst gemeint?“
      Ein Funken Verletzbarkeit blitzte in Devons rote Augen auf als er notgedrungen die Hände zu Fäusten ballte und sie an seiner Seite hielt. Das Kinn reckte er höher in einer ruckartigen Bewegung. Den Blick behielt er dabei stets auf der kleinen Cervidia.
      „Du drohst mir ständig mit deinen Hörnern. Du wirst mir ständig gehässig gegenüber. Aber ihn“, die Augen zuckten kurz zu Malleus, „umschmeichelst du. Ihm willst du gefallen, für ihn machst du so viel. Du bist ihm gegenüber nett, nicht mir. Woher weiß ich also, dass du den ganzen Scheiß hier“, er gestikulierte kurz angebunden durch den Raum, „nicht doch nur wegen ihm gemacht hast? Ich will nicht als Ersatz herhalten, wenn er dich nicht anfassen kann, ich will mehr als das. Ich meinte es ernst, als ich sagte, es war so verdammt still ohne euch. Dass ich es bereut habe, zu gehen. Jetzt sorg nicht dafür, dass ich DAS auch noch bereue, Tava.“
    • „Weil du mein NETT nicht willst!“, platzte Devon so plötzlich heraus, dass Tava mit dem Kopf zuckte, allerdings nicht nach oben. Devon war noch nie laut geworden, nie, und es jetzt zu erleben, wenn doch das letzte Mal in Touvanen gewesen war, war irgendwie... beunruhigend. Es weckte in Tava allerdings nur den Drang, ihre Hörner einzusetzen, wo sie doch im Wasser nicht zündeln konnte. Er wollte mit ihr laut werden? Sicher, konnte er machen.
      „Denn das ist das, was Malleus von mir bekommt! Du hast mir mehrfach deutlich gemacht, dass du meine Art und Weise nicht willst! Das ist okay, ja? Aber ich bin halt kein Mann wie er, der mit Worten umgehen kann. War ich nie gewesen!“
      Seine Art und Weise? Darüber konnte Tava ja schon fast lachen.
      "Du bist auch nicht wie er! Malleus ist nämlich sehr wohl nett zu mir, er behandelt mich nicht wie..."
      Sie machte eine unwirsche Geste, als sie dafür keine Worte fand. Wie behandelte Devon sie denn auch? Sicher, er behandelte sie wie eine Gleichgesinnte, zumindest meistens, aber nicht wie... was sollte sie schon sein? Eine Freundin? Eine Liebhaberin? Nur eine Frau? Er hob sie durch die Gegend, er sagte kaum etwas nettes, so wie Malleus es tat, er lächelte sie nicht an - wann lächelte Devon denn überhaupt? - und körperlich war er sowieso auch nicht. Nicht so, wie Tava es wollte. Er akzeptierte sie und da lag die Erkenntnis, die das Problem darstellte: Tava wollte nicht nur akzeptiert werden. Sicher, sie war froh, in dieser Gruppe akzeptiert zu sein, aber sie hatten in Oratis die Grenze zu mehr überschritten. Tava wollte mehr sein als nur akzeptiert oder gar toleriert. Sie wollte... das wusste sie eben nicht. Dafür fehlten ihr die Worte.
      Wären Devon und Malleus losgezogen, wenn sie Oratis verlassen hätte? Oder hätten sie sie ziehen lassen?
      Zornig schnaubte sie.
      „Ich hab ihn bedrängt. Ich hab seine Schwäche ausgenutzt und seine Instinkte gegen ihn benutzt. Willst du das? Ich glaube kaum! Wenn ich dir dermaßen gegen den Strich gehe, warum bist du dann gekommen und hast mich aus diesem beschissenen Verließ da geholt? Hm? War es nur wegen ihm und deine Worte waren gar nicht ernst gemeint?“
      "Sicher!"
      Tava konnte sich nicht aufhalten, als sie einen Funken über Devons Augen gleiten sah. Für einen Moment sah sie dort rohe Emotionen, die Devon verletzlich wirken ließen. Aber sie hatte ihrer Wut schon Luft gemacht.
      "Weil Malleus dich auch so dringend suchen wollte nach der ganzen Sache! Er wollte dich ziehen lassen - er wollte dich für mich suchen gehen, nicht andersrum! Weil ich ihm die Schulter vollgeheult hab wegen dir! Also ja, du gehst mir definitiv genug gegen den Strich, dass ich dich sicher nicht holen wollte!"
      Devons Kinn zuckte in einer knappen Bewegung nach oben und reflexartig zuckte Tavas Kopf ein Stück nach vorne. Ein kühler Schauer machte sich in ihr breit, der ihren Ärger zu ersticken versuchte in dem Wissen, dass Devon auf direktem Weg war, einen seichteren Ton anzuschlagen. Für einen Moment ließ sich Tava auch darauf ein, bevor sie sich selbst schalt. Nein, Devon hatte doch keine Ahnung, was er dort tat, es war keine Geste, die ihr bekannt war, die er bewusst getan hätte. Sie drängte sogleich das Gefühl wieder beiseite.
      „Du drohst mir ständig mit deinen Hörnern. Du wirst mir ständig gehässig gegenüber. Aber ihn umschmeichelst du. Ihm willst du gefallen, für ihn machst du so viel. Du bist ihm gegenüber nett, nicht mir."
      Das stimmte nicht. Das stimmte nicht! Aber war sie sich da wirklich so sicher? Bei Devon war ihr erster Reflex, den Kopf zu senken, bei Malleus ihn zu heben. Und dabei sollte der Vorfall von Celestia, dass er sie an ihren Hörnern hochgehoben hatte, schon längst vergessen sein. Es sollte nicht mehr vorkommen. Aber Tava konnte sich die Angewohnheit nicht verkneifen - von allen Leuten gerade Tava. Wenn sie einmal spürte, dass etwas nicht in Ordnung war, dann wartete sie nur noch darauf, dass sich ihre Befürchtungen bewahrheiteten. Und Malleus? Er war von Anfang an nett zu ihr gewesen, freundlich und so warmherzig wie noch keiner zuvor. Er hatte sie ohne Probleme akzeptiert und mit Lob überhäuft, wenn sie es gebraucht hatte. Bei Adrastus' Feuer, bei ihm war sie kurz davor, wie ein dummer, verliebter Teenager den Kopf in die Luft zu strecken.
      Nur nicht bei Devon. Nie bei Devon. Nicht bei Devon, der am ehesten dazu geneigt sein würde, sie aus der Gruppe zu vertreiben.
      "Woher weiß ich also, dass du den ganzen Scheiß hier nicht doch nur wegen ihm gemacht hast? Ich will nicht als Ersatz herhalten, wenn er dich nicht anfassen kann, ich will mehr als das. Ich meinte es ernst, als ich sagte, es war so verdammt still ohne euch. Dass ich es bereut habe, zu gehen. Jetzt sorg nicht dafür, dass ich DAS auch noch bereue, Tava."
      "Ich bin doch immernoch hier, oder? Was soll ich denn noch machen! Ich weiß ja nichtmal, ob du... überhaupt irgendwas willst! Malleus sagt mir wenigstens, wenn er etwas gut findet - würde es dich so umbringen, dasselbe zu tun?! Du sagst, du kannst nicht mit Worten umgehen, aber ist es so schwer zu sagen "Hey Tava, den Trank da, den hast du gut gemacht"? Oder "das war ein schönes Feuer, das du gemacht hast"? Oder - oder "mir gefallen deine dummen Haare"? Denk du es dir aus! Ich würde dir ja auch gefallen wollen, wenn ich nicht Angst haben müsste, dass du mich dann wieder an irgendwas hochhebst! Ich hasse das! Oder wenn du mich zumindest anfasst, ohne auf Rotstaub zu sein! Du siehst mich an, als hättest du noch nie in deinem Leben Brüste gesehen! Wieso soll ich denn da nett zu dir sein?!"
    • ER wollte dich für MICH suchen gehen, nicht andersherum.
      Das schlug nun wahrlich in eine Kerbe, mit der Devon nicht gerechnet hatte. Nach der Aktion, die er im Sanktum gebracht hatte, entzog sich ihm völlig, wieso Malleus derjenige gewesen sein sollte, der ihn suchte. Weil er an Tava hing? Ein bisschen bestimmt… Aber das konnte es nicht gewesen sein. Er wollte den Lacerta wiederfinden und die Gründe dafür hatte er nicht mal eine Stunde zuvor von dem Mann höchstpersönlich zu hören bekommen.
      Das alles hier ging Devon gehörig gegen den Strich. Er mahlte die Kiefer, weil ihm diese ganze Gefühlsduselei nicht schmeckte. Er hatte bislang nie darauf zurückgreifen müssen und jetzt, wo es wichtig war, konnte er es nicht. Es war nicht so leicht wie bei seinem Stamm. Wo einfache Gesten genügten und man wusste, woran man war. So gesehen war es… ja, leicht.
      Eigentlich hatte er gedacht, dass seine letzten Worte etwas in der Cervidia bewirken konnten. So offen hatte er noch nie darüber gesprochen, was er über seine Mitmenschen dachte. Wie er sich fühlte. In all der Zeit seiner Reise hatte es schlichtweg niemanden gegeben, der sich für seine Gefühle hätte interessieren können. Der Jäger hatte sie vernachlässigt und konnte sie weder richtig benennen noch zuordnen. Der Hinweis, dass er seine Reue nicht bereuen wollte, war ein stummer Hilfeschrei gewesen, weil er unfähig war, es anders auszudrücken.
      Leider fand es nicht den rechten Anklang bei Tava. Nicht so, wie er es sich erhofft hatte.
      „Ich bin doch immer noch hier, oder? Was soll ich denn noch machen!“
      „Immer noch hier… Pfft, das klingt, als ob du dich richtig abkämpfen musst, in meiner Nähe zu bleiben!“
      „Ich weiß ja nicht mal, ob du… überhaupt irgendetwas willst!“
      Devons äußere Augenwinkel zuckten. „Jeder will irgendetwas und das weißt du.“
      „Malleus sagt mir wenigstens, wenn er etwas gut findet – würde es dich so umbringen, dasselbe zu tun?!“
      Noch mehr Muskeln begannen im Gesicht des Lacertas zu zucken. Ein gewaltiger Druck schien sich in ihm aufzubauen, sodass ihm seine Brust immer enger wurde. Das Gefühl, weniger Luft zu bekommen, übermannte und erschreckte ihn noch mehr. Einige Atemzüge lang bekam er seine Stimme nicht unter Kontrolle, während zu viele Emotionen sich in einem chaotischen Strudel in ihm sammelten. Während sich Tava Luft machte, wich der Lacerta vom Zuber ganze drei Schritte zurück. Weil er nicht wusste, was die nächste Handlung sein könnte, die er unternehmen würde. Er traute sich da selbst nicht mehr.
      „Wieso soll ich denn da nett zu dir sein?!“, fauchte die Cervidia schließlich und atmete fast genauso schwer wie der Jäger. Warum sie nett sein sollte? Weil Devon dann vielleicht endlich aus seinem Panzer hervorkäme. Das Misstrauen, das er alles und jedem entgegenbrachte, ein bisschen schmälern würde. Weil es der Beweis gewesen wäre, dass Worte mehr waren als nur das: Worte.
      Unterdessen waren die Sehnen an Devons Hals sichtbar hervorgetreten. Man sah ihm deutlich die Anspannung im Gesicht stehen, die nicht einzig und allein von Wut herrühren konnte. Die Hände waren noch immer zu Fäusten geballt.
      „Ich heb dich nicht hoch, um dich zu ärgern, sondern weil es mir leichtfällt. Ich hab deine Hörner seit Celestia nicht mehr so angefasst, oder?“, löste er Silben aus seiner verkrampften Kehle. „Wir… sprechen kein Lob, wir zeigen es. Verdienen es.“ Devon legte sich die Hand an seine linke Schulter, wo sich die Finger nur krampfhaft öffneten. Mittlerweile von Schuppen verschluckt lag dort der Ursprung der schwarzen Linien, die sich in Windungen über seinen Körper ergossen. „Die… Linien werden entsprechend ergänzt. Du willst das nicht, also kann ich darüber nicht kommunizieren. Ich kenne die passenden Wörter in meiner Sprache, aber nicht in der gemeinen Zunge. Es ist nicht… gleich.“
      Seine Zunge fühlte sich so unendlich schwer an. Jedes Wort, sogar jede Silbe, war ein Kampf und der linderte nicht das Druckgefühl in seinem Inneren. Die Wut, die er spürte, musste ein Ventil sein. Die ganze Zeit über hatte er sich kein Raum eingestanden, um angemessen über seinen Bruder zu trauern. Das musste es sein. Deshalb war seine Zündschnur so kurz.
      So kurz, dass die Bedrücktheit und Scheu wieder in Frust und Wut umschlugen. Die Finger an seiner Schulter wurden zu Klauen ehe er das tat, was er am Besten konnte: Die Flucht nach vorn.
      „Du sagst, du hast Angst vor so einem Scheiß wie Hochheben. Du hast doch gar keine Ahnung, was echte Angst ist“, grollte er, während er die drei Schritte Abstand zwischen ihnen zunichtemachte und unmittelbar vor Tava in die Hocke ging. Er war noch immer so groß, dass er mit ihr auf Augenhöhe war, wo er kontinuierlich den Blickkontakt hielt. „Ich hab mich auch bei Malleus abgewandt, als er sich ausgezogen hat. Ich starre dir nicht einfach so auf den Körper und ja, ich geb’s zu, da liegt Scham mit drin. Aber ich wollte nie, dass du denkst, ich dulde dich nur, weil ich dich ficken darf.“
      Um seine Hocke zu stabilisieren, streckte Devon seine Hände aus und legte sie auf den Rand des Zubers. Nicht allzu weit von den Abdrücken entfernt, die er durch Malleus hinterlassen hatte. „Ich hatte angefangen zu glauben, dass es über das Körperliche hinaus geht.“ Was ES war, benannte er nicht weiter. „Wusste nicht, dass dir der zügellose DEVON“, ungewöhnlich abfällig sprach er das erste Mal überhaupt in Anwesenheit von Tava und Malleus seinen eigenen Namen aus, „lieber ist. Bitte sehr, wenn es dir hilft: Du fühlst dich großartig unter meinen Händen an. Wenn du nicht gerade zündelst, duftest du süß und etwas würzig für mich. Das, was ich unter Rotstaub gesagt habe, war nicht gelogen. Ich würde dich bei der nächsten Gelegenheit von hinten ficken, weil ich dann meine Finger in deine perfekten Arschbacken vergraben kann. Du hast irgendwas gemischt, damit ihr in Touvanen einbrechen konnten – das hab ich gerochen. Das muss mehr als nur hilfreich gewesen sein. Ohne dein Zeug in deinem Rucksack wären wir schlechter dran gewesen. Reicht dir das? Macht dich das glücklich?“
      Noch immer wirkte Devon mehr als angespannt, als er seinen Kopf leicht zur Seite neigte. Auch daran erinnerte er sich. Aber er fühlte sich schlecht, dass er all das jetzt abspielte, nur weil sie ihn derart gereizt hatte. Er fühlte sich unbeständig, und das hasste er mehr als jeden Kampf und jede Wunde, die man ihm im Laufe seines Lebens bislang zugefügt hatte. Am Ende kam er ihr entgegen und nicht andersherum.
      Aber selbst, wenn Devon nun vor ihr hockte: Knien würde er vermutlich nie.
    • Devon wich ein paar Schritte vom Zuber zurück, als hätte ihn Tava letztendlich doch mit den Hörnern gestoßen. Das fühlte sich hässlich an. Ein bisschen wünschte sie sich, sie hätte es auch tatsächlich getan, damit sie wenigstens den Grund für sein Zurückweichen kannte.
      „Ich heb dich nicht hoch, um dich zu ärgern, sondern weil es mir leichtfällt. Ich hab deine Hörner seit Celestia nicht mehr so angefasst, oder?“
      "Weil es dir leichtfällt!", wiederholte sie aufgebracht. "Weißt du, was mir leichtfallen würde? Deine Sachen anzuzünden! Die sind alle aus Stoff, das wäre sogar sehr leicht - und ich mache es nicht! Jeden Tag mache ich es nicht und das ist viel schwieriger! Wie wäre das mit einer Tat? Einfach darauf zu verzichten? Das braucht nichtmal Worte!"
      „Wir… sprechen kein Lob, wir zeigen es. Verdienen es.“
      Tava schnaubte unzufrieden. Lob verdienen, aber es nicht aussprechen. Wie sollte das denn aussehen? Der Gedanke gefiel ihr nicht besonders.
      „Die… Linien werden entsprechend ergänzt. Du willst das nicht, also kann ich darüber nicht kommunizieren. Ich kenne die passenden Wörter in meiner Sprache, aber nicht in der gemeinen Zunge. Es ist nicht… gleich.“
      Nein, das war es wohl nicht. Wenigstens in diesem Sinn konnte Tava zustimmen, die wohl niemals erwarten können würde, dass einer der beiden Männer seinen Kopf für sie heben würde. Es würde niemals dasselbe sein wie bei einem anderen Cervidia. Für Devon war sie keine Lacerta und für Tava war er kein Cervidia, so sah die Wahrheit nunmal aus, so wenig wie es ihr schmecken mochte. Aber wieso konnte er es nicht trotzdem aussprechen? War da denn so ein großer Unterschied? Was sollten solche komischen Linien denn überhaupt aussagen?
      ... Und wie würde Tava antworten, wenn Devon fragen sollte, wo der große Unterschied lag? Was komische Bewegungen mit dem Kopf aussagen sollten?
      Frustration machte sich in ihr breit. Sie presste trotzdem ein angesäuertes "Es kommt dem aber nahe" heraus.
      „Du sagst, du hast Angst vor so einem Scheiß wie Hochheben. Du hast doch gar keine Ahnung, was echte Angst ist“, grollte Devon und jetzt war sein Tonfall in eine Richtung umgeschlagen, die Tava gar nicht mochte. Unter ihren Hörnern hervor funkelte sie ihn an, als er zurückkam und vor dem Zuber in die Hocke ging. Das gefiel ihr nun noch weniger als sein Zurückweichen. Zusammen mit seinen Worten weckte sein eindringlicher Blick nur zwei Bedürfnisse in ihr: Zu rammen und zu zündeln. Beides konnte und wollte sie nicht und das machte sie fast wahnsinnig.
      „Ich hab mich auch bei Malleus abgewandt, als er sich ausgezogen hat. Ich starre dir nicht einfach so auf den Körper und ja, ich geb’s zu, da liegt Scham mit drin. Aber ich wollte nie, dass du denkst, ich dulde dich nur, weil ich dich ficken darf.“
      Wäre er ihr nicht so unangenehm nahe, hätte sie Belustigung daran finden können, dass gerade jemand wie Devon sich schämte. Aber so nahe an die Grenze gebracht, konnte Tava sich nur auf das eigentliche Thema konzentrieren.
      "Und du sollst nicht denken, dass ich dich nur will, wenn Malleus nicht kann. Da, da hast du's. Sonst wäre ich ja wohl nicht hier, oder?"
      „Ich hatte angefangen zu glauben, dass es über das Körperliche hinaus geht.“
      Tava schnaubte, dann wandte sie den Blick ab. Es ging nicht über das Körperliche hinaus, das Körperliche war es, das bereits die Grenze überschritten hatte. Aber offenbar hatten sie da andere Grenzen gezogen.
      „Wusste nicht, dass dir der zügellose DEVON lieber ist."
      Irgendwie sprach er seinen Namen aus wie eine Beleidigung. Tava sah ihn wieder an, um seinen Blick dabei nicht zu verpassen. Er starrte sie noch immer an, unheimlich intensiv.
      "Bitte sehr, wenn es dir hilft: Du fühlst dich großartig unter meinen Händen an."
      Tavas Augen wurden ein bisschen größer bei der unerwarteten Wendung. Sie ertappte sich dabei, wie sie nach der Lüge hinter den Worten suchte bei dem so starren Blick, der auf ihr lag, und verunsichert wurde, als sie keine fand. Verunsichert in ihrem Zorn. Wie sehr sie so etwas hören wollte, selbst jetzt, wenn sie eigentlich wütend sein sollte. Wie gut es war, selbst wenn es nicht in einer honigweichen Stimme ausgesprochen wurde. Wie gut es vielleicht genau deswegen war.
      "Wenn du nicht gerade zündelst, duftest du süß und etwas würzig für mich."
      Ihr Bauch kribbelte ein wenig. Sie duftete süß und würzig? Duftete? Sowas hatte sie noch nie gehört, nicht einmal von Malleus. Es wäre undenkbar für Malleus; das hier war dem Lacerta vorbehalten. Das konnte keine Lüge sein. Er meinte das ernst.
      Ganz langsam hob sie die Hörner an, die Augen noch ein Stück größer.
      "Das, was ich unter Rotstaub gesagt habe, war nicht gelogen. Ich würde dich bei der nächsten Gelegenheit von hinten ficken, weil ich dann meine Finger in deine perfekten Arschbacken vergraben kann."
      Ein wenig Blut schoss ihr in den Kopf, hauptsächlich von der nüchternen Art, wie Devon es aussprach. Devon, der sonst eigentlich Scham empfand, wenn er auch nur nackte Haut sah. Sie hob den Kopf weiter an, um ihn besser ansehen zu können. Devon starrte unbewegt zurück.
      "Du hast irgendwas gemischt, damit ihr in Touvanen einbrechen konnten – das hab ich gerochen. Das muss mehr als nur hilfreich gewesen sein. Ohne dein Zeug in deinem Rucksack wären wir schlechter dran gewesen."
      Das machte sie nun etwas stolz, ein anderes Gefühl zu dem leichten Kribbeln, das sie verspürte. Ja, sehr recht, es war hilfreich gewesen. Tava war hilfreich gewesen. Ohne sie hätten sie es niemals geschafft, oder? Bestimmt nicht. Sie brauchten sie.
      "Reicht dir das? Macht dich das glücklich?“
      Ganz vorsichtig neigte er dabei den Kopf auf die Seite. Tava starrte ihn dabei an, während sie sich dabei mit einem Schlag wünschte, dass er die Geste mehr tat. Mehr und offensichtlicher. Überzeugt. Dabei war es eine so dumme Sache, dass sie dieses Verlangen hatte, als wüsste sie nicht selbst, dass es nur eine blöde Kopfbewegung war. Aber sie hatte vermutlich dieselbe Wirkung wie Malleus' zuckersüße Stimme, wie ihr auffiel. Ihre Muskeln lockerten sich ein bisschen und Tava wusste, Devon hätte sie genauso schnell in seinen Bann gezogen wie Malleus, wenn er es nur richtig getan hätte. Sie wusste es einfach.
      Dämliche Gefühle.
      "Meinst du das ernst?", fragte sie vorsichtig und ruhiger. "Oder sagst du das nur?"
      Erst Devons Bestätigung ließ den Ärger soweit herab sinken, dass sie weitere bissige Worte herunter schluckte. Sie wusste dass es dumm war, dumm und naiv. Sie war so leicht manipulierbar, wollte sie sich selbst vorhalten, aber es gelang ihr nicht ganz. Es fühlte sich besser an dem anderen Bedürfnis nachzugeben und sich ein wenig aufzusetzen. Dann rutschte sie zu Devon nach vorne und kippte den Kopf auf dieselbe Seite, spiegelgleich zu ihm. Die Hörner hielt sie trotzdem noch ein Stück nach vorne, sie hätte sich unwohl gefühlt, sie nach hinten zu nehmen.
      Sie legte ihre Hände über Devons, dann starrte sie nur. Für einige Sekunden starrten sie sich nur gegenseitig an, während Tava seinen Blick absuchte. Dann sagte sie schließlich:
      "Du gehst mir nicht gegen den Strich, aber deine Art ist manchmal... hm... eigen. Eine Eigenart. Ich kann deine Gedanken nicht lesen und das verunsichert mich. Malleus ist da offener, du bist... es nicht. Aber du bist kein Ersatz. Ich will dich so, wie ich Malleus will. Wenn du mich auch willst."
      Ihr Blick glitt kurz zu Devons Schultern hinab, dann wieder zu seinem Gesicht hoch.
      "Gibt's nicht noch eine andere... Sache, die Lacerta machen? Neben den Linien? Damit wir, ähm… damit ich nett zu dir sein kann?
    • Im Gegensatz zu Malleus, der, bis auf seinen offensichtlichen Zwang, vom Blick her schwierig zu lesen war, ließ sich Tava in Devons Augen wie ein offenes Buch lesen. Während er vor ihr hockte und seinen Blick nicht von ihr nahm, beobachtete er jede Regung in ihrem Gesicht. Wie beispielsweise ihre ohnehin schon großen Augen noch größer wurden, geweitet durch Überraschung und Irritation. Oder wie seine Worte irgendetwas in ihr auslöste, was seine Nase zum zucken brachte. Oder der Moment, in dem Tava ihre defensive Haltung teilweise aufgab und ihren Kopf hob, die Hörner als Waffe und Schild gleichermaßen vor dem Gesicht des Jägers zurückzog. Ihr Gesicht bekam eine leichte Farbe, nachdem er Dinge gesagt hatte, die ihm selbst das Unbehagen schlagartig wieder in den Magen zurückwarf. Eigentlich sagte er sowas nicht unbedingt gern. Im Eifer des Gefechts durchaus, aber so gegen die Wand gedrängt fühlte er sich wie ein Heuchler. Selbst, wenn er seine eigenen Worte nur aufrichtig aussprach wirkten sie auf ihn erzwungen.
      Auf die Geste hin, die Devon nur um Tavas Willen machte, folgte im ersten Augenblick nur weiteres Starren. „Meinst du das ernst? Oder sagst du das nur?“
      „Zieh ich irgendeinen Vorteil aus Lügen?“, erwiderte Devon brüsk. „Voller ernst.“
      Das Wasser plätscherte, als sich die Cervidia gänzlich aus ihrer ablehnenden Haltung löste und sich etwas aufsetzte. Im Gegensatz zu ihr blieb der Lacerta hingegen in seiner gehockten Haltung und wartete auf ihre Reaktion. Dieses Mal war er nicht ganz so überrascht, als sie näher zu ihm heranrückte und den Kopf in die gleiche Richtung neigte wie er es tat. Sie spiegelte ihn. Genau wie in Oratis, wo sie diesem schmächtigen Typen schöne Augen gemacht hatte. Nur legte sie ihre Hände nun über die seinen, was er einfach so hinnahm. Schließlich fand sie versöhnlichere Worte und vor allem ehrliche. Ihm war durchaus bewusst, dass er kryptisch war. Dass es wesentlich einfachere Menschen gab, mit denen man sich umgeben konnte. Nur hatte sich diese Konstellation eben so gefunden und keiner von ihnen wollte so recht vom jeweils anderen ablassen. Also mussten sie sich arrangieren.
      Devon rümpfte die Nase. „Ich nehme ganz bestimmt keine willkürlichen Frauen in meine Arme oder auf meinen Schoß wie dich vor ein paar Stunden.“
      Subtil fiel Tavas Blick auf seine Schulter und er ahnte bereits, was sie als nächstes sagen würde. „Gibt’s nicht noch eine andere… Sache, die Lacerta machen? Neben den Linien? Damit wir, ähm… damit ich nett zu dir sein kann?“
      „Gibt eine Menge“, bestätigte Devon, der sich angestrengt daran zu erinnern versuchte, was der Kerl aus Oratis nochmal genau gemacht hatte. Als es ihm einfiel, kippte er seinen Kopf auf die andere Seite, was ihm lächerlich erschien, und dieses Mal deutlicher. „Aber das geht wohl gegen deine Prinzipien. Sei einfach nicht so… gehässig. Das reicht. Vorerst.“
      Das Knäuel aus Wut in seinem Bauch hatte sich unterdessen zu entwirren begonnen und zerfloss im Nichts. Er wertschätzte ihr Entgegenkommen, selbst wenn es nur daran lag, dass er derjenige war, der als Erstes eingelenkt hatte. Dennoch ließ sich eine milde Überraschung in seiner Mimik nicht gänzlich vertuschen, als Tava wieder seine Haltung spiegelte und auch ihren Kopf auf die andere Seite legte.
      … Was hatte der Kerl noch gleich gemacht?...
      „Ich weiß, dass ich dich nie wie eine Lacertafrau jagen werden kann“, sagte Devon leichtfertig und verlagerte sein Gewicht nach vorn, wobei er sich Tavas Gesicht immer weiter annäherte. Seine Augen hüpften kurz zu ihren Hörnern. „Muss ich auch nicht.“ Dafür hatte er eventuell jemand anderen im Sinn.
      Als Lacerta besaß Devon keine Hörner und seltsam mit seinem Kopf zu drücken erschien ihm als plump. Also lehnte er sich soweit vor, bis er seine Stirn an Tavas legen konnte und wartete einen Augenblick, ob sie wieder empört reagieren mochte. Jeglicher Einwand blieb aus und ihr Gesicht lesen konnte er in dieser Position nun auch nur schlecht.
      „Man muss nehmen, was man bekommt“, sagte Devon, der den Druck sanft nach vorn und damit auch gegen Tavas Stirn erhöhte. Was genau das zu bedeuten hatte, konnte er nicht sagen. Aber er hatte es auch geschafft, die Sprachen und Sitten von Menschen zu verstehen. Da würden Cervidia keine Ausnahme bilden.
    • Mit hochgezogener Augenbraue folgte Malleus' Blick der Cervidia, die plötzlich sehr eilig davon stiefelte. Ein wenig amüsiert zuckten seine Mundwinkel dann doch, wenn er Tavas aufgeregtes Gesicht dachte. Die bloße Möglichkeit diesen Kuss zu bekommen, obwohl sie ihm keinerlei Gelegenheit für eine Antwort gegeben hatte, schien Tava regelrecht zu beflügeln. Malleus fühlte sich geschmeichelt. Dabei unterschied sich das Gefühl stark von der kurzweiligen Zufriedenheit, die er bei einer erfolgreichen Manipulation und List empfand. Es war ein Unterschied, ob die Menschen in seiner Nähe glaubten etwas tun, weil sie es wollten. Letztendlich war niemandem bewusst, dass sie es taten, weil er es wollte. Aber nicht das hier, nicht dieser Moment. Die freudige Aufregung, die in Tavas Augen glitzerte, war echt.
      Malleus sah das Unheil kommen bevor Devon sich bewegte, sogar noch bevor Tava ihre Hände in eindeutiger Absicht ausstreckte. Er ließ den Löffel sinken und sein Blick glitt von Tava zu Devon, von dem lediglich den breiten Rücken präsentiert bekam. Die zierliche Cervidia verschwand hinter dem Mann, der zu groß für das alte Bauernhaus wirkte.
      „Klar, jetzt hast du’s eilig. Wenn’s um ihn geht“, zischte Devon selbst für seine Ohren hörbar genug und die Stimmung kippte.
      Schlimmer noch, Devon zerrte ruppig an den Beinkleidern der Cervidia und hob sie hoch. Vor Frustration hätte Malleus am liebsten laut aufgestöhnt. Es wurde nicht besser, als Tava wenige Minuten später im Zuber zornig herumwirbelte und Devon in gewohnter Manier ihre Hörner präsentierte. Alles in Malleus schrie geradezu danach die zwei Streithähne zur Vernunft zu bringen. Obwohl sein Name verdächtig oft fiel, riet ihm sein Instinkt, sich im Hintergrund zu halten.
      Devon sollte netter sein? Wie er?
      „Weil du mein NETT nicht willst!“, donnerte die Stimme das Lacerta durch das Haus. „Denn das ist das, was Malleus von mir bekommt! Du hast mir mehrfach deutlich gemacht, dass du meine Art und Weise nicht willst! Das ist okay, ja? Aber ich bin halt kein Mann wie er, der mit Worten umgehen kann. War ich nie gewesen!“
      "Du bist auch nicht wie er! Malleus ist nämlich sehr wohl nett zu mir, er behandelt mich nicht wie..."
      Malleus spürte, wie sich eine eisige Kälte langsam in seinem Körper ausbreitete.
      Ein bitterer Geschmack legte sich auf seine Zunge. Tava war nett zu ihm und er wusste auch warum. Weil er sein Lob, seine Nettigkeiten und zu Beginn jede Berührung mit dieser Intention gesetzt hatte. Weil er sich etwas davon versprochen hatte. Und er hatte etwas dafür bekommen. Nur nicht das, was er erwartet hatte.
      „Du drohst mir ständig mit deinen Hörnern. Du wirst mir ständig gehässig gegenüber. Aber ihn umschmeichelst du. Ihm willst du gefallen, für ihn machst du so viel. Du bist ihm gegenüber nett, nicht mir."
      Ihm gefiel nicht, wie aus Malleus wieder er und ihm geworden war.
      Malleus versetzte sich zurück an den friedlichen Moment an diesem Morgen, Tava und Devon eng umschlungen im ersten Licht des Tages hinter der alten Mühle. In den Moment, in dem sich Malleus das erste Mal wie ein Eindringling gefühlt hatte. Das untrügliche Gefühl beschlich ihn auch jetzt. Was er nun hörte, war vielleicht gar nicht für seine Ohren bestimmt. Er wünschte sich, Tava hätte die Tür geschlossen, aber selbst dann hätten die dünnen Wände des Hauses kaum die lauten Stimmen abgehalten.
      „…War es nur wegen ihm und deine Worte waren gar nicht ernst gemeint?“
      "Weil Malleus dich auch so dringend suchen wollte nach der ganzen Sache! Er wollte dich ziehen lassen - er wollte dich für mich suchen gehen, nicht andersrum! Weil ich ihm die Schulter vollgeheult hab wegen dir!“
      "Woher weiß ich also, dass du den ganzen Scheiß hier nicht doch nur wegen ihm gemacht hast? Ich will nicht als Ersatz herhalten, wenn er dich nicht anfassen kann, ich will mehr als das. Ich meinte es ernst, als ich sagte, es war so verdammt still ohne euch. Dass ich es bereut habe zugehen. Jetzt sorg nicht dafür, dass ich DAS auch noch bereue, Tava."
      "Ich bin doch immer noch hier, oder? Was soll ich denn noch machen! Ich weiß ja nicht mal, ob du... überhaupt irgendwas willst! Malleus sagt mir wenigstens, wenn er etwas gut findet…“
      Ja, weil er wusste, was Tava hören wollte.
      Das Eis in seiner Brust dehnte sich weiter aus, während die Cervidia ihren Frust gehörig Luft machte.

      Bedächtig schob Malleus den Stuhl beinahe lautlos über die alten Holzdielen zurück. Noch vorsichtiger erhob er sich von dem Platz, mit dem er zuvor wie verwachsen schien. Einerseits um das Gespräch nicht zu stören, andererseits um die gebrochene Rippe bedacht. Zumindest würde Malleus seine Handlung auf diese Weise erklären. Tatsache war, dass er bereits mit dem Gedanken spielte sich ganz aus der Hütte zurückzuziehen, doch Devon machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
      Im Augenwinkel des Kultisten näherte sich der Lacerta mit großen Schritten wieder dem Zuber, zu dem er wenige Augenblicke zuvor noch Abstand genommen hatte. Malleus konnte nicht anders, als bei dem Anblick in eine gewisse Alarmbereitschaft zu verfallen. Es war eine Sache, wenn Devon beschloss ihn in seinem Zorn grob zu behandeln, ihn gar dabei zu verletzen. Malleus hatte es ernst gemeint, dass er ihm längst verziehen hatte, ihn durch den Raum geschleudert zu haben. Aber bestand die Gefahr, dass er Hand an Tava legte...
      Der Gedanke behagte ihm nicht, aber er hatte Männer gesehen, die für weniger die Hand zum Schlag erhoben hatten.
      „Du sagst, du hast Angst vor so einem Scheiß wie Hochheben. Du hast doch gar keine Ahnung, was echte Angst ist.“
      Da ging Devon in die Hocke und ganz unwillkürlich hob Malleus die Hand an seine pochende Schulter. Die glühende Hitze unter seiner Haut war nicht vollständig erloschen.
      „Ich habe mich auch bei Malleus abgewandt, als er sich ausgezogen hat. Ich starre dir nicht einfach so auf den Körper und ja, ich gebs zu, da liegt Scham mit drin. Aber ich wollte nie, dass du denkst, ich dulde dich nur, weil ich dich ficken darf.“
      Trotz der verzwickten Situation zuckten Malleus‘ Mundwinkel bei der gewöhnungsbedürftigen, rohen Ausdrucksweise. Ein kleinwenig lockerte sich die Anspannung in seinen Schultern, seinem Rücken als er zügig begriff, dass es Devons Versuch war einzulenken. Es mochte der Not oder dem Wunsch geschuldet sein, die aufgeladene Stimmung zu beruhigend. Vielleicht war es weder geschickt noch galant, aber es verfehlte seine Wirkung nicht.
      "Und du sollst nicht denken, dass ich dich nur will, wenn Malleus nicht kann. Da, da hast du's. Sonst wäre ich ja wohl nicht hier, oder?"
      „Ich hatte angefangen zu glauben, dass es über das Körperliche hinausgeht.“
      Für Malleus ging es sogar noch viel weiter. Vermutlich hatte in der Vergangenheit nie eine Konstellation wie diese überhaupt existiert. Drei Personen, deren Herkunft sich gravierend voneinander unterschied, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Grenzen und Bedürfnissen. Niemand hatte von Anfang an behauptet, dass es einfach werden würden und doch hatte gerade Malleus den festen Glauben vertreten, dass es für Tava und Devon unkomplizierter sein sollte. Sie waren nicht limitiert durch eine unsichtbare Barriere, die aus Nähe und Berührung eine Willensprobe machte. Es hätte die Dinge einfacher machen müssen.
      Malleus, der mitten im Raum irgendwo zwischen Tür, Tisch und Kamin verweilte, lauschte. Die Bedrohlichkeit, die er empfunden hatte, schlich sich aus und ließ ihn wieder freier atmen.
      "Meinst du das ernst? Oder sagst du das nur?"
      Es plätscherte leise und Malleus konnte nicht anders, als einen Blick durch die offene Tür zu werfen. Tava hatte ein wenig der Distanz überbrückt und ihre Hände auf Devons gelegt. Als sie dann noch den Kopf in gespiegelter Geste ebenfalls zur Seite kippte, atmete Malleus endlich aus. Die Bedrohlichkeit des Augenblickes schlich sich aus. Obwohl es der Anspannung keinen Abbruch tat, fühlte Malleus wie die Ruhe in zurückkehrte.
      „Zieh ich irgendeinen Vorteil aus Lügen?“
      "Du gehst mir nicht gegen den Strich, aber deine Art ist manchmal... hm... eigen. Eine Eigenart. Ich kann deine Gedanken nicht lesen und das verunsichert mich. Malleus ist da offener, du bist... es nicht. Aber du bist kein Ersatz. Ich will dich so, wie ich Malleus will. Wenn du mich auch willst."
      Malleus senkte unwillkürlich den Blick und obgleich er nicht gelogen hatte, hatte er Devon und Tava nicht die ganze Wahrheit über seine Begegnung mit Rykard erzählt. Es würde auch nichts ändern. Der Schaden war bereits angerichtet. Er wischte den Gedanken fort und konzentrierte sich auf die Wärme, die Tavas Worte auslösten und die langsam die bedrückende Kälte in seiner Brust linderte. Sie wollte ihn, trotz aller Schwierigkeiten. Malleus nahm das Gefühl und den Anblick eines Lacerta, der sich behutsam vorlehnte und seine Stirn sanft gegen Tavas lehnte, mit. Die Stimme waren mittlerweile leise geworden und Malleus‘ Ohren vermochten kaum noch die einzelnen Silben aus der Distanz zu hören. Aber das musste er auch nicht.
      Leise, um den Augenblick nicht zu stören, entfernte sich Malleus aus dem Blickfeld der offenen Tür und hockte sich vor den Kamin. In dem schweren Kessel dampfte noch ein Rest des Wassers, dass Devon mühevoll und trotz seiner Verletzungen ins Haus gebracht hatte. Er goss den Rest in eine Schüssel und klaubte saubere Tücher zusammen.
      Diese Worte gehörten allein Tava und Devon.

      Wenige Momente vergingen bis Malleus sich in den Türrahmen lehnte.
      In einem Arm trug er die Schüssel, in der das heiße Wasser endlich eine angenehmere Temperatur angenommen hatte und nicht länger drohte bei Kontakt die Haut zu verbrühen. Über dem anderen Arm hingen Tuchfetzen, die er aus alten Leinen geschnitten hatten und die wohlmöglich einst dazu gedacht gewesen waren, neue Kleidung daraus zu nähen. Er hatte sie in einer verwaisten Kiste im Schlafzimmer gefunden, sauber gefaltet und unberührt von der Zeit.
      Sein Blick ruhte auf Devon und Tava und doch verriet seine Mimik nicht viel darüber, was im Kopf des Kultisten vor sich ging. Im ersten Augenblick mochte seine Haltung entspannt wirken, doch das täuschte lediglich. Malleus mochte die Befürchtung abgelegt haben, einen schilmmeren Ausgang verhindern zu müssen, trotzdem ließ sich dieser Gedankengang nicht völlig zum schweigen bringen. Selbst das vertraute Bild, dass Devon und Tava nun zeigte, versöhnlich und beinahe zärtlich, änderte daran nichts. Er wartete geduldig, bis die Stille lang genug währte, dass er sich sicher sein konnte, nicht zu stören.
      Erst dann kehrte Leben in seine Glieder zurück und er übertrat die Türschwelle.
      Er ließ sich Zeit, als er zunächst in eine Ecke des Raumes ging und einen kleinen Hocker vom Boden aufhob. Jetzt, da er den Schmerz zuließ, kam ihm jede Bewegung unendlich mühselig vor.
      Mit dem Hocker kam er auf Devon zu und stellte ihn dort wieder ab.
      "Setz dich..."
      Den wenigen Worten, die Malleus nach einer gefühlten Ewigkeit sprach, haftete keinerlei Befehlston an. Sie waren warm und sanft, beinahe beschwichtigend. Es war eher eine Bitte, obwohl er das eigentliche Wort nicht benutzte. Der Lacerta musste sich dafür nicht einmal von Tava entfernen.
      Zur Verdeutlichung zuckte sein Blick zu der dampfenden Schüssel in seinem Arm und wieder zu Devon. Mit dem Kinn deutete er auf die Schultern und den Rücken des Lacerta. Was Malleus anbot, war den groben Schmutz und das vertrocknete Blut zu entfernen, an dem das ruinierte Hemd ganz ohne Zweifel klebte, bevor Devon in den Zuber stieg.
      "Ich weiß, dass du meine Hilfe nicht brauchst", sagte Malleus versöhnlich. "Aber ich würde es gerne, wenn du es mir erlaubst."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Ein Kribbeln schoss durch Tavas Bauch, ein eindeutiges Gefühl, als Devon den Kopf auf die andere Seite legte. Dabei war der Gedanke zwar dämlich, aber... tat er das mit Absicht? Oder bildete Tava sich das nur wieder ein, las sie nur Dinge hinein, die nicht sein sollten? Umso beschämender war da die leichte Vorfreude, die sie trotzdem beschlich, als er das kleine Angebot tat. Natürlich tat er es nicht absichtlich, aber Tava ließ sich trotzdem darauf ein. Sie neigte den Kopf in dieselbe Richtung, bis sie Devons Kopfhaltung exakt widerspiegelte, auch wenn er gar keine Hörner hatte, die sie hätte ansehen können. War ja auch egal, oder? Hörner waren nicht alles. Devon könnte einfach ein hornloser Cervidia sein.
      „Gibt eine Menge, aber das geht wohl gegen deine Prinzipien. Sei einfach nicht so… gehässig. Das reicht. Vorerst.“
      Tava runzelte die Stirn bei der Frage, was für Prinzipien sie denn haben sollte. Auf der anderen Seite musste sie sich nur Malleus' Biss vor Augen hatten und konnte sich schon ungefähr vorstellen, was Devon meinte. Da nickte sie.
      "Das reicht vorerst."
      Ein Lächeln huschte sanft über ihre Lippen. Devon und sie hatten es von Anfang an nicht leicht gehabt, er durch seine unverblühmte Art und Tava durch ihr Temperament; der Streit war wohl Beweis genug davon. Aber sie mochte die wenigen Momente, in denen sie sich so etwas wie anzunähern schienen. Devon war... ja, eine Eigenart, aber eine, für die Tava sich interessierte und das nicht nur wegen seinen Schuppen. Sie genoss es, wenn in dem nüchternen Lacerta Emotionen heraus kamen, die er sonst hinter harten Gesichtszügen versteckte. Sie mochte es umso mehr, wenn sie selbst der Grund dafür war.
      „Ich weiß, dass ich dich nie wie eine Lacertafrau jagen werden kann. Muss ich auch nicht", fuhr Devon fort und zog Tava zurück ins Hier und Jetzt. Er lehnte sich ein Stück nach vorne, wobei sein Blick deutlich spürbar ihre Hörner streifte. Keine Nacktheit der Welt hätte ersetzen können, wie entblößt Tava sich in diesem kurzen Moment fühlte und sie leckte sich die Lippen. Diesmal wich sie nicht zurück, als Devon sich ihr näherte und sie hatte auch nicht mehr das Bedürfnis, ihre Hörner nach vorne zu holen. Sie blieb, wo sie war, und starrte ihm entgegen, in diese schlitzförmigen Augen, die sie gänzlich vereinnahmten. Sie bewegte ihren Kopf keinen Zentimeter.
      „Man muss nehmen, was man bekommt.“
      Auf ihrer Stirn prickelte es, als Devon sich noch ein Stück vorschob und schließlich die Lücke zwischen ihnen beiden schloss. Seine Stirn lag an ihrer, fest aber gleichzeitig vorsichtig, und es war in diesem Augenblick, in dem Tava seine Intention begriff. Er hatte es schon absichtlich getan, die Kopfbewegung, alles. Er hatte es gewusst, er hatte alles gewusst. Und aus dieser Erkenntnis erhob sich eine Vorfreude, die sie erschaudern ließ. Sie ergriff Devons Hände fester, wollte ihn ermutigen, als sie einen leichten Druck auf ihrer Stirn spürte. Er drückte gegen sie an, vorsichtig nur, damit es für sie beide nicht unangenehm wurde. Aber sie begriff, was es bedeuten sollte, wusste, dass er es auch wusste. Da drückte sie gegen ihn, kurz aber unmissverständlich, so kurz nur, dass er noch immer drückte, als sie sich ruckartig nach hinten weglehnte. Und der Vorfreude schloss sich ein winziger Adrenalinstoß an, als sie mit dem Kopf nach oben zuckte, bevor sie es hätte aufhalten können. Unter Devons aufmerksamen Blick spürte sie das Blut in ihren Kopf schießen, als sie den Kopf gleich wieder runternahm. Da war sie ein bisschen zu weit gegangen. Jetzt fühlte sie sich eher ein bisschen schmutzig, nachdem sie doch beide nicht unbedingt in der Stimmung waren. Aber bevor Devon etwas hätte sagen können, erklangen Schritte von hinten und Malleus kam herein, leise und ruhig, gerade zum richtigen Augenblick. Tava rückte von Devon ab und bewegte ihre Hörner ein bisschen, bis sie eine Haltung gefunden hatte, die angenehm war, ohne sie in irgendeine Richtung zu offensichtlich zu neigen. Noch immer etwas rot im Gesicht, ließ sie sich zurück ins Wasser sinken, als Malleus sagte:
      "Setz dich."
      Es war klar, dass Devon damit gemeint war, so wie der Lacerta jetzt den Menschen begutachtete. Tava sagte nichts, froh um die Ablenkung, die Malleus bot, und sammelte sich ihre Haare zusammen, um sie gezielt unter Wasser zu ziehen, ohne dabei den Kopf zu weit nach unten bewegen zu müssen. Dabei beobachtete sie die beiden immernoch.
      "Ich weiß, dass du meine Hilfe nicht brauchst. Aber ich würde es gerne, wenn du es mir erlaubst."
      "Mach", pflichtete Tava dabei und sah dabei zu Malleus und wieder zurück zu Devon. "Ich hab das Wasser hier eh schon schmutzig gemacht."
    • Malleus verharrte geduldig und für einen Moment erfüllte lediglich das seichte Plätschern des Wassers des Raum. Erst als Devon ihm die Erlaubnis gab, ob es nun an Tavas Zuspruch oder dem Umstand lag, dass ihnen allen langsam aber sicher die Energie ausging, fiel die letzte Anspannung von ihm ab. Die Schüssel stellte er beiseite um dem Lacerta aus dem verdreckten Hemd zu helfen. Vorsichtig ging Malleus hinter Devon in die Hocke und schmunzelte dabei über die Tatsache, dass er in diese Haltung beinahe gänzlich hinter dem Mann verschwand. Sie waren so lange zusammen unterwegs gewesen, dass er manchmal vergaß wie groß der Unterschied zwischen ihnen doch war und Malleus war sicherlich nicht klein für einen Menschen.
      Bedächtig fasste er nach dem Hemd und schob es mit derselben Vorsicht nach oben. Der Stoff fühlte sich steif vom getrockneten Blut an und ganz behutsam und Stückchen für Stückchen löste er das Hemd von den Stellen, an denen es mit verkrustetem Blut an den Verbänden verklebt war. Mit Devons Unterstützung fädelte er seine Arme durch die Hemdsärmel und über den Kopf des Lacerta. Weiches und von Malleus' Körperwärme durchdrungenes Leder streifte dabei über Haut und Schuppen. Malleus verzog mit eindeutigem Ausdruck das Gesicht und ließ das Hemd auf den Boden fallen. Es befand sich dort in bester Gesellschaft mit seiner eigenen ruinierten Garderobe. Die Verbände folgten kurz danach.
      Als Malleus sich mit einem unterdrückten Ächzen aufrichtete um den Rücken zu begutachten, stutzte er kurz. Er hatte es bereits vermutet, aber die Speerwunden sahen nicht danach aus, als wären sie erst einen Tag alt. Dafür war die Heilung zu weit fortgeschritten. Er konnte sich nicht davon abhalten, mit Zeige- und Mittelfinger über Devons Schulterblatt zu wandern, um die Wunde zu begutachten, die dort zwischen Haut und Schuppen eingebettet war.
      "Bemerkenswert...", murmelte er.
      Ein raues und dunkles Brummen rumorte in seiner Brust.
      Tava konnte das Schmunzeln auf seinen Lippen ohne Einschränkung bewundern.
      "Ich dachte daran, dass ich es wohlmöglich riskieren würde, ein Drachenherz zu verspeisen, wenn sich dadurch meine Seite nicht mehr anfühlt, als würde ein Dolch zwischen meinen Rippen stecken", sprach er versöhnlich und es rumpelte erneut in seiner Kehle. "Aber ich glaube die Schuppen würden an mir lächerlich aussehen."
      Das brachte ihn gleich zum nächsten Problem.
      Die vorgebeugte Haltung erwies sich als Gift für seinen angeschlagenen Körper.
      "Warte", murmelte er.
      Malleus verließ für wenige Sekunden den Raum und kehrte mit einem der Stühle zurück, den er gerade hoch genug hob, damit er nicht über dem Boden schleifte. In Devons Rücken ließ er sich darauf nieder, nahm die Schüssel mit dem warmen Wasser auf seinen Schoß und atmete erleichtert aus. Das war besser.
      Es dauerte einen Moment, in dem Malleus offensichtlich mit etwas haderte, bis er den Handschuh von seiner rechten Hand streifte um das Leder vom Wasser fernzuhalten. Stattdessen wickelte er sorgfältig die zugeschnittenen Stoffstreichen um seine Hand, vom Handgelenk bis zu den Fingerspitzen. Mit diesem improvisieren Handschuh, tauchte er die Hand ins Wasser. Er ballte die Hand zur Faust um das überschüssige Wasser auszudrücken.
      "Sag mir, wenn es unangenehm wird oder schmerzt", verlangte er von Devon und fügte leise hinzu: "Es ist lange her, dass ich das für jemand anderen getan habe."
      Dann widmete sich Malleus der beinahe meditativen Aufgabe Blut und Schmutz vom Rücken des Lacerta zu waschen. Behutsam, der umwickelte Stoff war dünn genug um ihm das nötige Feingefühl zu lassen und ihm trotzdem diesen Teil seiner Rüstung zu lassen, fuhr er über die Schultern, die Wölbungen seiner Schulterblätter und schließlich den Rücken herab. Malleus scherte zu den Seiten aus, von dem ersten bis zum letzten Rippenbogen. Sanft tupfte er das getrocknete Blut von den Wundrändern, wusch Schweiß und Dreck von Haut und glänzenden Schuppen fort, bis das Wasser in der Schüssel ganz trüb geworden war.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Ein magisch anmutendes Lächeln umspielte die Lippen des Jägers, als er spürte, wie Tava den Druck an ihrer Stirn erwiderte. Ganz kurz nur, sodass man es fast hätte übersehen können, aber merklich genug. Was auch immer sie gerade spürte, es ließ sie noch süßer duften als üblich und er wusste, dass er ihre Sprache richtig imitiert hatte.
      Als sie sich von ihm entfernte, zuckte ihr Kinn hoch. Im ersten Augenblick dachte er, sie würde jetzt doch noch eine Trotzreaktion zeigen. Doch da senkte sie ihren Kopf bereits wieder so schnell, als hätte sie es bereut, ihn zu heben. Ganz subtil wanderten die Augenbrauen des Lacertas in die Höhe. Die Andeutung eines Grinsens war da wieder auf seinem Gesicht, als er absichtlich das Kinn weiter anhob, wodurch er sie von oben herab ansehen musste. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und er vermerkte sich gedanklich: Cervidia haben irgendeinen Sinn darin, sich die Hälse zu zeigen. Nicht die Kehlen. Hälse.
      Devon war nicht im Geringsten erschrocken über das fast lautlose Auftauchen des Kultisten im Türrahmen. Er hatte seinen Pulsschlag vernommen, noch bevor die leisen Tritte ihn verraten hatten. Betont langsam richtete er sich auf ehe er auch nur einen Blick auf den Hocker warf. Vielmehr bedachte er Malleus mit einem Blick, der merklich an Härte ihm gegenüber verloren hatte. Dann setzte er sich ohne Widerworte auf den winzigen Hocker und nickte. „Nur zu. An meinen Rücken komm ich schlecht dran.“
      Eigentlich wollte er sich selbst aus seinen Fetzen schälen, aber Malleus kam ihm ein wenig zuvor. Am Ende war es wohl ganz gut, dass er sich des Hemdes entledigte, so steif wie es sich mittlerweile auf seinem Körper anfühlte. Er seufzte, als das Kleidungsstück mit einem leisen Knistern zu Boden glitt. Das, zusammen mit den Bandagen, ergab ein schönes Häufchen an Stoff.
      „Wenn du magst, kannst du das alles später verbrennen“, sagte er an Tava gerichtet, die ihn sogleich mit funkelnden Augen ansah. „Mag es nicht, wenn verseuchte Klamotten herumliegen.“
      Trotz allem wurde Devon ganz still, als Malleus sein Schulterblatt befühlte und die Einstichstellen begutachtete. Ohne hinzusehen ahnte der Jäger unlängst, wie sie aussehen mochten. Nur deshalb war er schon wieder so fit gewesen, um die Flucht heil zu überstehen.
      „Bemerkenswert…“, murmelte Malleus.
      „Eher unmenschlich“, kommentierte Devon.
      „Ich dachte daran, dass ich es wohlmöglich riskieren würde, ein Drachenherz zu verspeisen, wenn sich dadurch meine Seite nicht mehr anfühlt, als würde ein Dolch zwischen meinen Rippen stecken.“ Erst durch das Lachen begriff Devon, dass Malleus dies wohl nicht ernst meinte. „Aber ich glaube, die Schuppen würden an mir lächerlich aussehen.“
      „Keiner weiß, ob es die gleiche Wirkung bei Menschen hat.“ Es gab weder Hinweise darauf, ob Menschen Drachen je verspeist haben und wenn ja, welche Konsequenzen es beinhaltete. Unwahrscheinlich war es nicht – Kulte wie den von Malleus gab es genug und Fanatiker gleich mit dazu. Ausprobieren würde Devon es jedoch nicht an seinem Kultisten.
      Kurz darauf improvisierte Malleus einen Handschuh und machte sich von Neuem an sein Werk, den breiten Rücken des Lacertas zu reinigen. Dieser saß breitbeinig mit auf den Knien aufgestützten Armen da und ließ es über sich ergehen. Kein bissiger Kommentar, kein perfides Zucken. Stattdessen beobachtete er Tava ganz genau, wie sie sich die Haare auswrang.
      „Erklär mir mal bitte, was genau ich eben zu dir gesagt hab. Das mit dem Kopf und dem Hals. Wir haben das in Oratis gesehen bei diesem Witz von Kerl. Das mit dem Hals.“ Er tippte sich kurz mit seinem Zeigefinger gegen seine Kehle. „Liegt das dran, weil ihr eure Waffen aus dem Weg räumt, sozusagen?“

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Asuna ()

    • Devon machte es nicht besser, oh, Devon machte es überhaupt nicht besser. Mit dem Hauch eines selbstsicheren Grinsens reckte er das Kinn nach oben und Tava wurde unter seinem Blick schlagartig so heiß und nervös, als wäre sie wieder Jungfrau. Als ob sie noch niemals geflirtet hätte! Aber es war eben etwas besonderes, einen selbstsicheren und attraktiven Mann zu sehen, der für sie das Kinn hob. Nur für sie. Vielleicht erlebte sie das ja doch zu selten, denn Tava konnte Devon in diesem Augenblick nur stumm anstarren und sich wünschen, dass er den Kopf weiter anhob. Nur ein bisschen weiter. Oder auch ganz viel? Die Antwort darauf hallte in ihrem Unterleib wieder und sie presste ihre Schenkel zusammen. Oh ja, das würde gut aussehen, sehr gut sogar. Und wenn er sogar als erstes nachgegeben hätte... wenn er sich so präsentiert hätte wie der Kerl in Oratis...
      Tava leckte sich die plötzlich trocken gewordenen Lippen. Dann beschäftigte sie sich schnell mit den Strähnen ihres Haares, als sie sah, wie Devons Nasenlöcher sich weiteten. Oh verbrannt, er konnte es ja riechen. Er konnte ihre Gedanken riechen. Tava lief noch mehr rot an, wenn das überhaupt möglich war, und wich seinem Blick aus.
      Für Malleus musste er sich schließlich abwenden und sein Hemd loswerden. Tava war froh um den knappen Kommentar, ihr den Stoff als Brennmaterial zu überlassen, denn das lenkte sie sehr schnell von anderen Dingen ab. Leinen verbrennen, das war gut. Das würde schön brennen. Das war ein guter Gedanke. Keine Lacertas und keine gehobenen Köpfe. Feuer war was gutes.
      In Devons Rücken begann Malleus sehr sorgfältig ein nasses Tuch über seine Wunden zu streichen. Sein Blick ging dabei für Tava sichtbar sehr deutlich über die Gesamtlänge von Devons Rückseite.
      „Bemerkenswert…“
      Jetzt starrte Tava Malleus an. Er war doch nicht auch auf... eindeutige Gedanken gekommen, oder? Jedenfalls sicher nicht dieselben.
      „Ich dachte daran, dass ich es wohlmöglich riskieren würde, ein Drachenherz zu verspeisen, wenn sich dadurch meine Seite nicht mehr anfühlt, als würde ein Dolch zwischen meinen Rippen stecken.“
      Tava blinzelte verblüfft. Damit hatte sie eher nicht gerechnet, erst recht nicht von Malleus. Scherz oder nicht, die Bemerkung war für den Mann eher untypisch.
      „Aber ich glaube, die Schuppen würden an mir lächerlich aussehen.“
      "Grüne wie seine schon. Aber vielleicht würdest du andere kriegen."
      Tava lächelte ihn an, derweil lenkte sie sich mit dem nächsten Gedanken ab. Ob Devons Schuppen genau deshalb grün waren, weil er ein Lacerta war? Das war eine Frage, die sie sich gedanklich gleich notierte. Darüber ließ sich besser nachdenken als über Lacertas und ihre Köpfe, die sie für Tava alleine...
      Schluss jetzt.
      Devons Blick begegnete Tavas, als hätte er ihre Gedanken genau gehört.
      „Erklär mir mal bitte, was genau ich eben zu dir gesagt hab. Das mit dem Kopf und dem Hals. Wir haben das in Oratis gesehen bei diesem Witz von Kerl. Das mit dem Hals. Liegt das dran, weil ihr eure Waffen aus dem Weg räumt, sozusagen?“
      Dann wusste er also doch nicht so viel, wie sie ihm unterstellt hatte. Das machte die ganze Sache irgendwie... peinlich. Oder aufregend? Ihr Blick suchte Malleus' und sprang dann wieder zu Devon zurück. Derweil strich sie noch immer durch ihre Haare.
      "Nein, das ist es nicht. So würde ich das nicht sagen, ähm..."
      Sollte sie jetzt wirklich ihre Hornbewegungen erklären? Das war irgendwie komisch. Tava dachte nicht darüber nach, was sie dort ständig tat, es fühlte sich einfach gut oder richtig an. Wie sollte sie das jemandem erklären, der nicht einmal selbst Hörner hatte?
      "Das ist eher... hm... ich würd's nicht machen, wenn ich nicht wüsste, dass ich meine Hörner nicht benutzen muss. Verstehst du?"
      Sie sah auch kurz Malleus an.
      "Also, wenn sie hinten sind, dann sind sie ja ganz weg. Dann weißt du, dass ich sie nicht benutzen will. Ja, wollen ist das, irgendwie. Vielleicht... die Intention verraten?"
      Sie runzelte nachdenklich die Stirn.
      "Und wenn du... wenn du den Kopf zur Seite machst, so wie gerade, in diesem Kontext, dann sagst du..."
      Was sagte er denn? Tava versuchte, sich an das Gefühl zu erinnern und warum sie es selbst tat.
      "Du sagst, dass du dir meine Hörner ansehen willst."
      Tava fühlte sich irgendwie schmutzig, so offen darüber zu reden. Sie nahm ihre Hörner in einer Trotzreaktion ein Stück nach vorne, um ihre Scham zu überspielen.
      "Das ist wie... keine Ahnung."
      Sie sah zu Malleus.
      "Menschen wollen doch immer Brüste sehen, oder? Wenn ich dich anmachen würde, würde ich dir meine Brüste zeigen, das ist irgendwie so ähnlich, nicht? Nur zeige ich dir nicht meine Brüste, sondern meine Hörner, die sind ja ganz offensichtlich auch wichtiger als Brüste. Was will man denn mit Brüsten bei schlechten Hörnern? Und wenn ich dir die Haltung nachmache, will ich deine auch sehen. Das machen wir, bis einer... ähm... entweder die Hörner mal... austestet oder sein... Urteil ausspricht."
      Sie spürte die Hitze zurückkommen, wenn auch nicht so stark wie zuvor. Sie konnte sich sehr genau daran erinnern, was Devon damals in Oratis über ihre Hörner gesagt hatte.
      "Das ist ein bisschen komisch, weil du keine hast. Weil ihr beide keine habt. Aber... wenn ihr welche hättet, dann wären sie sicher richtig schön. Und sehr stark."
    • Beim Anblick der offensichtlichen Verblüffung in Tavas Gesicht runzelte Malleus die Stirn. Seine Äußerung kam ihm nicht sonderlich bedeutend vor, dass er einen derart erstaunten Blick verdient hätte. Die Offenheit hatte sie zuvor noch gelobt, gar hervor gehoben. Malleus senkte den Blick zurück auf seine Aufgabe und unter der sanften Behandlung kam das vertraute Schillern der grünlichen Schuppen langsam wieder zum Vorschein. Obwohl Malleus völlig konzentriert wirkte, arbeitete es unaufhörlich in dem Kultisten. Hatte er zu viel preisgegeben? Zu viel Schwäche demonstriert? Dabei hatte sie doch gesehen, wie er vor Devon gekniet hatte. Sie hatte ihm vor nicht allzu langer Zeit das wichtige Geständnis abgerungen, dass auch er Devon zurückwollte. War das der Punkt und Tava erachtete ihn nun als schwach?
      Malleus' Kiefermuskeln zuckten verbissen und verborgen vor den Blicken seiner Gefährten.
      "Grüne wie seine schon. Aber vielleicht würdest du andere kriegen."
      Er erübrigte ein zustimmendes Brummen. Es war die einzige Erwiderung die Tava bekam und er war dieses Mal sehr dankbar, dass seine ernste Miene hinter Devons Rücken verschwand.
      „Erklär mir mal bitte, was genau ich eben zu dir gesagt hab. Das mit dem Kopf und dem Hals. Wir haben das in Oratis gesehen bei diesem Witz von Kerl. Das mit dem Hals. Liegt das dran, weil ihr eure Waffen aus dem Weg räumt, sozusagen?“
      Das Stimmenchaos in Malleus' Gedanken erstarb und seine Aufmerksamkeit stürzte sich auf die gebotene Ablenkung. Devon hatte die richtige Frage gestellt und damit auch das uneingeschränkte Interesse des Kultisten geweckt. Bisher hatte sich Tava eher geziert und rumgedruckst sobald es um die Eigenarten der Cervidia ging. Sie tat es auch jetzt und ein erneutes Schmunzeln wischte den verkniffenen Ausdruck in seinem Gesicht fort.
      "Das ist eher... hm... ich würd's nicht machen, wenn ich nicht wüsste, dass ich meine Hörner nicht benutzen muss. Verstehst du?"
      Doch ihre Mühe belohnte er mit einem Lächeln, als sie ganz eindeutig seinen Blick suchte.
      Er lehnte sich zurück und suchte den Rücken des Lacerta noch einmal nach Stellen ab, die er übersehen hatte. Zufrieden stellte er fest, dass er keine Blutflecken mehr fand und bis auf die rosigen, frisch verschlossenen Wunden erinnerte nichts mehr an die erlebte Tortur.
      "Also, wenn sie hinten sind, dann sind sie ja ganz weg. Dann weißt du, dass ich sie nicht benutzen will. Ja, wollen ist das, irgendwie. Vielleicht... die Intention verraten?"
      Sein Blick ruhte auf seinen Händen, als er den besudelten Stoff von seinen Fingern und seiner Hand abwickelte.
      Es bedeutete keineswegs, dass er ihr kein Gehör schenkte.
      "Du sagst, dass du dir meine Hörner ansehen willst. [b]Das ist wie... keine Ahnung."[/b]
      Malleus sah auf, als hätte er ihren Blick gespürt, und nickte Tava ermutigend zu.
      "Menschen wollen doch immer Brüste sehen, oder? Wenn ich dich anmachen würde, würde ich dir meine Brüste zeigen, das ist irgendwie so ähnlich, nicht?"
      Er unterdrückte ein amüsiertes Schnauben, dass für ihn wohl genauso überraschend anmutete wie für Tava und Devon und letztendlich in einem Ächzen endete, als sich die Muskeln in seinem Oberkörper dabei verkrampften.
      "Nur zeige ich dir nicht meine Brüste, sondern meine Hörner, die sind ja ganz offensichtlich auch wichtiger als Brüste. Was will man denn mit Brüsten bei schlechten Hörnern?"
      Während sie sprach, musterte er die zarte Röte auf ihren Wangen und wie ihre Wimpern peinlich berührt flatterten.
      Sie sah wunderschön aus in ihrer Verlegenheit.
      "Und wenn ich dir die Haltung nachmache, will ich deine auch sehen. Das machen wir, bis einer... ähm... entweder die Hörner mal... austestet oder sein... Urteil ausspricht."
      "Deshalb hat dich dieser Kerl gefragt, ob du seine Hörner schön findest und ob du sie ausprobieren möchtest...? Er wollte dein Urteil?"
      Es klang wesentlich leidenschaftsloser, wenn man einer fremden Kultur angehörte.
      Malleus rühmte sich ein belesener Mann zu sein, nur ließ sein Wissen im Bereich der Gebräuche anderer Kulturen wohl zu wünschen übrig. Er wusste, dass Hochmut und Gleichgültigkeit ihren Teil dazu beigetragen hatten. Menschen waren noch immer die größte Kultur dieses Kontinents. Er hatte den anderen Völkern nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet als unbedingt notwendig war. Seine Mundwinkel zuckten. Das war ein Fehler, den er zu korrigieren gedachte.
      "Das ist ein bisschen komisch, weil du keine hast. Weil ihr beide keine habt. Aber..."
      Malleus wischte sich die Hand trocken und tupfte ebenfalls den Rücken von Devon ab.
      Seine Fingerspitzen verfehlten blanke Haut und Schuppen um Haaresbreite. Als er eine Stelle fand, die genügend von schimmerndem Grün bedeckt war, krochen seine Finger - nur seine Finger nicht die komplette Hand - über den Stoff hinauf und streiften über Wölbungen der überlappenden Schuppen. Dieses Mal zwang er sich dazu, nicht augenblicklich die Hand zurück zu ziehen und das Gefühl auszukosten. Die Schuppen mochten Horn ähnlicher sein als Haut, was ihm zugute kam, doch sie fühlten sich als Teil von Devon trotzdem lebendig an. Malleus konnte spüren, wie sich die Schuppen bewegten, sobald sich die Muskeln des Lacerta anspannten und wieder lockerten.
      "...wenn ihr welche hättet, dann wären sie sicher richtig schön. Und sehr stark."
      Der Blick, den er Tava nun über Devons Schulter und unter einem dichten Kranz pechschwarzer Wimpern zuwarf, ließ seine Augen unglaublich dunkel wirken, als würden sie die Cervidia allein mit einem Augenaufschlag verschlingen.
      "Nicht so schön und stark wie deine Hörner."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Devon tat das, was er am besten konnte: Abwarten.
      Er lauschte Tavas Worten, um sich ein Bild daraus zu machen, mit welchen Intentionen die Cervidia ihre Sprache festlegten. Dass sie sich von seiner eigenen unterschied, war mehr als nur klar gewesen. Aber so richtig greifen konnte er ihre Erklärung nicht, im Gegensatz zu Malleus in seinem Rücken, der scheinbar sehr wohl verstand, auf was sie hinauswollte. Zum Schluss hin wurde Tava endlich etwas verständlicher und Devon fühlte sich in seiner Annahme bestätigt. Teilweise zumindest.
      „Menschen wollen doch immer Brüste sehen, oder?“ Tava erklärte sich noch weiter, da hatte der Jäger unlängst die Lippen zusammengepresst, um einen Ausrutscher in seiner Mimik zu verhindern. Eigentlich waren es nicht nur Menschen, die Brüste sehen wollten. Auch Lacerta sahen durchaus gerne Brüste an. Oder liebkosten sie. Oder zwickten sie… Das war doch ein Männerding, oder etwa nicht? War das Böcken einfach… egal? Zweitrangig? Wofür hatten Cervidia denn dann ausgeprägte Brüste?!
      „Deshalb hat dich dieser Kerl gefragt, ob du seine Hörner schön findest und ob du sie ausprobieren möchtest…? Er wollte dein Urteil?“, hakte Malleus nach und Devons Wangen begannen zu zucken. Kerl hatte Malleus gesagt… Noch nie hatte er dieses Wort so benutzt, sondern griff meist auf etwas bedachtere Wörter zurück. Dass er nun den Wortlaut des Jägers teilte, amüsierte ihn ungemein. Er hatte also doch einen Einfluss auf den Mann.
      „Das ist ein bisschen komisch, weil du keine hast. Weil ihr beide keine habt. Aber…“
      Devon konnte nicht anders als seinen Kopf zur Seite zu kippen. Einfach, weil jetzt alle im Raum wussten, was das bedeutete. Und im Kontext gesehen fand er die Handlung gerade alles andere als verkehrt. Immerhin war es Tava, die den Raum mit süßlichem Duft erfüllte und das trotz des Wassers um sie herum.
      Viel wahrscheinlicher war jedoch, dass sich Devon davon befeuert fühlte, dass da jemand ungesehen seine Schuppen inspizierte. Nicht auf die medizinisch interessierte Art und Weise. Auf eine intime Art und Weise. Auch wenn er die Berührung nur dumpf spürte, konnte er ganz genau bestimmen, welche Schuppen Malleus mit seinen Fingern gerade nachzeichnete. Auch wenn die Empfindung abgeschwächt war, zeugten die handwarmen Schuppen davon, dass sie zweifellos zu seinem Körper gehörten. Ein Teil von ihm waren. So viel zum Thema, Malleus konnte keine Haut berühren.
      „…wenn ihr welche hättet, dann wären sie sicher richtig schön. Und sehr stark“, schloss Tava und Devons Blick wurde eine Nuance herausfordernder.
      „Nicht so schön und stark wie deine Hörner“, erwiderte der Mann in seinem Rücken und Devon schoss sofort eine ganz bestimmte Frage in den Sinn. Jetzt, nachdem sie so weit gekommen waren, stand es doch nicht mehr im Raum… oder?
      Der Jäger nahm sich gehörig Zeit, um seine Arme von seinen Beinen zu heben und die über den Rand des Zubers zu kreuzen. Dabei lehnte er sich weiter nach vorn, den Blick auf Tava geheftet. Noch fehlte da jegliche Lust, aber die roten Augen waren auch so schon intensiv genug. „Er muss gar nicht viel sagen, damit du dich ihm hingibst, stimmt’s? Du würdest es nicht mal mehr aus dem Zuber schaffen. Aber er…“ Seine Mundwinkel wanderten ein bisschen nach oben. „… hat keine Ahnung, wie sie sich anfühlen. Ich schon. Ich weiß, wie glatt sie sich anfühlen. Wie wenig porös sie sind. Dass ihr Wuchs gleichmäßig ist und es keine Riefen gibt.“
      Mit, in Tavas Augen, unanständig langsamer Bewegung legte Devon den Kopf in den Nacken und grinste die Cervidia unverschämt dabei an. Er machte es so deutlich, dass es bei Lacertakreisen schon grob fahrlässig war, aber hier gab es keine Wesen seiner Art. Hier gab es nur eine Cervidia und einen Menschen. Mehr nicht.
      „Weißt du noch, was ich gesagt hab, wie ich dich am liebsten nehmen will? Zeig mir deinen Hintern, aber ich kann dir nicht garantieren, dass ich drauf eingehe.“ Er bewegte sich ein wenig zur Seite und gab damit den Blick auf Malleus frei. „Würd mich ja brennend interessieren, ob er es auch könnte. Nah genug dran war er ja schon mal.“
    • "Deshalb hat dich dieser Kerl gefragt, ob du seine Hörner schön findest und ob du sie ausprobieren möchtest...? Er wollte dein Urteil?"
      Tava gefiel es nicht, dass jetzt auch Malleus von dem Kerl in diesem Ton sprach, nachdem er immerhin Interesse an ihr gezeigt hatte, aber sie nickte.
      "Es kann ja sein, dass seine Hörner ganz gesund und lang sind, aber sie mir nicht gefallen. Sie waren ja auch gesund und ganz hübsch, aber ein bisschen zu... gebogen für mich."
      Unbewusst hob sie die Hand an ihre eigenen Hörner und fuhr die erste Kurve nach oben nach. Ihre Hörner waren rau und längst nicht so scharfkantig wie sie sein könnten; Tava war gerne mal nachlässig mit ihnen. Sie hatte aber auch nie länger mit anderen Cervidia zu tun, um sich darum Gedanken zu machen. Und Menschen und dergleichen fiel sowas sowieso nicht auf, wie sie früh herausgefunden hatte.
      "Wenn ich jemanden mit zu gebogenen Hörnern nehme, könnten die nächsten Hörner nach unten wachsen. Das wäre schlimm."
      Das mussten sie sich auch selbst denken können, beschloss Tava, die es nicht weiter ausführte. Allerdings war sie sich da nicht so sicher, wenn sie so ihre Mienen betrachtete.
      Devon kippte jetzt wieder den Kopf und das Blut schoss zurück in Tavas Gesicht, als sie ihn wieder anstarrte. Sie wusste nicht, ob es jetzt besser oder schlechter war, dass er die Geste dahinter verstand, denn jetzt musste sie sich unweigerlich fragen, ob er das absichtlich tat. Ja, auch der Kerl in Oratis hatte es mit Absicht getan, aber er hatte aufrichtiges Interesse an ihren Hörnern gehabt. Devon konnte sie etwas derartiges einfach nicht unterstellen, egal wie sehr sie es versuchte. Er war nunmal nur ein Lacerta.
      Aber er bemühte sich und das war es doch eigentlich, um das es ging. Würde Tava Wert auf Hörner legen, dann wäre sie nicht hier. So neigte sie den Kopf in die gleiche Richtung und beobachtete ihn mit aufmerksamen Blick, um auch keine Bewegung zu verpassen.
      Erst Malleus hinter ihm ließ ihre Aufmerksamkeit herumschwenken zu einem Paar dunkler Augen, die sie mit einer Intensität betrachteten, von der Tava erschauderte. Für einen Moment glaubte sie, dass er sie mit diesem Blick alleine dazu bringen könnte, den Kopf zu heben.
      "Nicht so schön und stark wie deine Hörner."
      Ein Atemzug entglitt ihr und sie sammelte ihn schnell wieder auf. Heißes Feuer breitete sich in ihrem Körper aus und sie presste die Schenkel noch einmal aneinander, um den Puls zu befeuern, den sie mittlerweile überall spürte. Ihr Atem kam ein wenig unregelmäßig, als sie unweigerlich den Kopf auf die andere Seite fallen ließ. Dadurch spiegelte sie Devon zwar nicht mehr, aber der richtete sich sowieso in diesem Moment auf, ganz langsam, als wollte er den Moment nicht verpassen.
      "Das ähm... Danke."
      Tava fummelte mit ihren Haaren und zog sie herab, damit sie platt auf ihrem Kopf lagen und die Hörner weniger verdeckten. Ob es besser gewesen wäre, sie sich ganz abzuschneiden, damit ihre Hörner in vollster Pracht erscheinen konnten? Aber - das war ja Unsinn. Menschen mochten Haare lieber als Hörner. Sie ließ sie schnell wieder hoch und fuhr sich über die Haare unter ihren Hörnern.
      "Das - das heißt jetzt, dass ich sie dir zeigen will", sagte sie dazu, als sie sich daran erinnerte, dass man wohl den Unterschied nicht erkennen konnte. Für Tava gab es 50 unterschiedliche Arten einen Kopf zu neigen, aber Menschen - und Lacerta? - erkannten nur nach vorne, zur Seite und nach hinten. Es war wohl wichtig, den Unterschied zu erklären, auch wenn sie sich dabei irgendwie dumm vorkam. Dumm und schmutzig.
      „Er muss gar nicht viel sagen, damit du dich ihm hingibst, stimmt’s?", raunte Devon und Tavas Blick sprang zu ihm zurück. Mittlerweile hatte er sich auf den Zuber gestützt und verharrte über ihren Beinen, einen Blick in den Augen, der Malleus' in nichts nachstand. Die lauernde Nähe bereitete Tava eine Spur Unbehagen.
      "Du würdest es nicht mal mehr aus dem Zuber schaffen. Aber er hat keine Ahnung, wie sie sich anfühlen. Ich schon."
      Ein Kribbeln zog über Tavas Rückgrat. Sie verharrte ganz still, ganz lautlos, alle Sinne völlig auf Devon ausgerichtet, um bloß kein einziges Wort, keine einzige Bewegung zu verpassen. Ihre Hände lagen vergessen im Wasser an ihren Haaren.
      "Ich weiß, wie glatt sie sich anfühlen. Wie wenig porös sie sind."
      Ein zweiter Schauer durchzog sie, stärker als der erste. Tava holte geräuschvoll Luft.
      "Dass ihr Wuchs gleichmäßig ist und es keine Riefen gibt."
      Wenn er jetzt noch sagen würde, dass ihm ihre Hörner gefielen, dann würde Tava bersten, dessen war sie sich sicher. Dann würde sie einfach zerspringen, in tausend Teile zerspringen, oder vielleicht auch einen Orgasmus haben. Sie wusste nicht, was genau, wusste nur, dass ein Feuer in ihrem Inneren tobte, das Adrastus' in nichts nachgestanden hätte. Dass sie mit diesem Feuer von jetzt auf gleich alles niederbrennen könnte.
      Und dann hob Devon den Kopf. Es geschah ganz langsam, als wäre er sich dessen nicht ganz sicher, aber es ging weiter und weiter und Tavas Augen wurden größer und größer, als Devons Kopf weiter verschwand und verschwand. Bis er ganz weg war. Bis er weg war und Devon sie mit einem Grinsen bedachte, das nur eine Bedeutung für sie hatte: Nimm mich.
      Und Tava zerbarst.
      Sie war noch niemals mit solchen Gefühlen überrollt gewesen, dass sie nicht das nächstbeste Haus in die Luft gesprengt hätte, aber jetzt war es so, als sie sich nach vorne warf, um Devons Aufforderung nachzukommen. Nimm mich. Oh ja, und wie sie das tun würde. Sie ließ ihn nicht einmal ausreden, da prallte sie schon gegen ihn, Lippen an Lippen, Zähne unangenehm gegeneinander schlagend, schwappendes Wasser um sie herum. Sie kam von oben, damit er seinen Kopf nicht senkte, und Himmel, wie fühlte es sich gut an ihn zu küssen, während er den Kopf für sie gehoben hielt, wie berauschend es war. Sie stöhnte auf, vergessen um Narben und Wunden, bekam seinen Oberarm zu fassen, seine Schulter zu fassen, zog und drückte gleichzeitig, war vielleicht egoistisch genug, seinen Kopf noch weiter nach hinten biegen zu wollen. Sein Hals - oh sein Hals. Sie wollte, dass er sich noch weiter streckte, dass er den Kopf ganz zurücknahm, dass er sich vor ihr ausstreckte, ein langer, großer Lacerta mit einem langen, schlanken Hals, nur für sie, nur für Tava, nur für ihren Mund und ihre Hände und ihre Zunge. Sie wollte alles. Sie wollte Devon.
      Nur hatte sie dabei die Rechnung ohne eben jenen gemacht, der keine Hörner aufzuweisen hatte. Gesten zu erklären und zu verstehen war eine Sache, aber die Hörner schlichtweg nicht zu haben eine ganz andere, an die Tava in ihrem plötzlichen Rausch nicht gedacht hatte. Mit den Händen wäre er ihr kräftemäßig ebenbürtig gewesen, aber nicht mit dem Kopf. Ihre Hörner alleine stellten ein Gewicht dar, gegen das sein unvorbereiteter Hals nichts ausrichten konnte. Sie drängte ihn zurück.
      Devon verlor sein sonst so tadelloses Gleichgewicht, als Tava sich ihm nach zu weit aus dem Zuber lehnte. Sein Griff am Zuber verlor seine Wirkung, als der Zuber selbst zu kippen begann. Es reichte gerade noch für einen panischen Gedanken aus, da geschah alles gleichzeitig. Devon fiel nach hinten, Tava ihm gleich nach, der Hocker rutschte nach hinten weg und warf Malleus um, der Zuber folgte einen Augenblick später und ergoss mit viel Lärm das ganze Wasser auf dem Boden. Tava fing sich mit den Händen ab und riss den Kopf zurück, um die Balance zu halten. Zumindest hielt sie sich so davon ab, weiter auf Devon zu fallen, der genau auf seinem Rücken landete. Dem Rausch von gerade eben folgte die Erinnerung an Wunden und Narben und ihr Blick schoss zwischen beiden Männern herum, noch bevor einer überhaupt zum stillliegen gekommen wäre.
      "Alles okay?!"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren ()

    • "Das - das heißt jetzt, dass ich sie dir zeigen will", erklärte Tava, als sie ihr Haar ein wenig aus dem Weg schob, um ihre Hörner noch besser zu präsentieren. Es schien Tava etwas Unbehagen zu bereiten, dass sie ihre Reaktionen in Worte fassen musste, damit die Männer mit ihr Schritt hielten. Aber sie waren nun mal keine Cervidia und mussten da jetzt alles durch. Malleus beugte sich etwas weiter vor, näher, bis sein Atem ganz leicht über die gespannte Haut und Schuppen von Devons Schulter streichelte. Die Hand auf dem Rücken des Lacerta zuckte, erhöhte den Druck auf die glatten Schuppen marginal. Er achtete darauf, dass Tava ganz deutlich mitbekam, wie seine Augen den Bewegungen ihrer Hände folgte und schließlich dem geschwungenen Verlauf ihrer Hörner, als würde er sich vorstellen ihre Hörner genüsslich mit den Fingerspitzen nachzufahren. Würden sie kälter oder wärmer als die Schuppen sein? Glatter oder rauer?
      „Er muss gar nicht viel sagen, damit du dich ihm hingibst, stimmt’s? Du würdest es nicht mal mehr aus dem Zuber schaffen. Aber er hat keine Ahnung, wie sie sich anfühlen. Ich schon. Ich weiß, wie glatt sie sich anfühlen. Wie wenig porös sie sind. Dass ihr Wuchs gleichmäßig ist und es keine Riefen gibt."
      Malleus notierte sich gedanklich jede noch so kleine Veränderung, die Tava zeigte. Er las es in die Emotionen in ihrer Mimik, die sich sekündlich abwechselten um letztendlich ein Feuer widerzuspiegeln, das den ganzen Raum in Brand steckte – nicht auf die herkömmliche Weise. Er bemerkte es in der in der Art wie sie ihre Schenkel zusammenpresste und es zu verstecken versuchte. Eine zarte Röte bedeckte nicht länger nur ihre Wangen, sondern glühte unter der dünnen Haut ihres Halses, erstreckte sich weiter über beginnende Wölbung ihrer Brüste. Was Devon raunte, erregte Tava mit einer Intensität, die er selten beobachtet hatte. Er sah es, doch Devon musste es längst wittern können. Wenn er sich nur ein wenig zur Seite neigte, konnte er das Grinsen auf dem Gesicht des Lacerta nur allzu gut erkennen und wusste, dass er Recht hatte. Malleus‘ Pupillen zuckten unaufhörlich während er nicht einmal zu blinzeln wagte, um keine Regung zu verpassen und als Devon den Kopf zurücklegte, seinen Hals für Tava entbößte, vergaß er für einen kurzen Moment zu atmen. Er verstand, warum der Anblick Tava um den Verstand brachte, wenn die Gründe im Kern auch verschieden sein mochten. Es war beinahe hypnotisierend, wie die Muskeln und Sehnen dabei unter der Haut arbeiteten. Malleus ging in der Vorstellung auf, wie sich tiefschwarzes Leder um die arbeiteten Muskeln spannte, wie es sich anfühlen mochte, wenn die Kehle und der Adamsapfel unter seinen Fingerspitzen zuckten und hüpften.
      Wie viel die Geste Tava bedeutete und welchen Sturm sie herauf beschwor, sollte Devon am eigenen Leib erfahren. Damit gerechnet hatte wohl keiner von ihnen. Der Sturm, der sich als Tava entpuppte, riss sie einfach mit sich. Malleus zuckte zurück, als sich Tava wortwörtlich auf den Lacerta stürzte und ihn mit Haut und Haaren zu verschlingen versuchte. Das lustvolle Stöhnen vibrierte durch seinen Körper und Malleus lehnte sich weiter zurück um einen besseren Blick zu bekommen.
      "Bei Adrastus' Feuers, wie..., raunte Malleus, doch er würde den Satz nie beenden.
      Es geschah alles ganz schnell und mit einem lauten Krachen und dem plötzlichen Tosen von Wasser in den Ohren, riss es Malleus einfach um. Es, stellte sich als Devon heraus, der dank Tava sein Gleichgewicht verlor und den Kultisten in seinem Rücken samt Hocker gleich mit zu Boden riss. Seine Reflexe sorgten dafür, dass sich Malleus gut genug abfing, um nicht auf der falschen Seite zu landen. Der Schmerz des Aufpralls durchzuckte ihn trotzdem und ein Keuchen entrang sich seiner Kehle, dass ganz und gar nicht erregt klang. Um ihn herum flutete das Badewasser den Raum, spülte bis über die Schwelle zum Wohnbereich. Binnen Sekunden saugte sich seine Kleidung mit Wasser voll und klebte ihm an ihm wie eine zweite Haut.
      "Alles okay?!"
      Malleus rollte sich ächzend auf den Rücken, um den Druck von seinem Brustkorb zu nehmen und stützte sich blinzelnd auf die Ellbogen auf. Er wischte sich mit der Hand ein paar der dicken, nassen und kohlrabenschwarzen Strähnen aus dem Gesicht. Dabei erblickte er seine eigene, entblößte Hand und zog sie nah an seine Brust, ballte sie dort zur Faust. Die Welle musste den zweiten Handschuh bis in den nächsten Raum davon gespült haben.
      "Ja. Die Rippe ist immernoch gebrochen...", murmelte er, doch das Rumpeln in seiner Brust verriet allen beteiligten, dass es halb so wild war. Nur der fehlende Handschuh bereitete ihm Unbehagen. Eigentlich hatte er Tava einen beruhigenden Blick schenken wollen, doch als er aufsah, hielt ihn der Anblick ihres nackten Körper gefangen. Ihre Haut schimmerte rosig, nass und glänzend vom Wasser. Tropfen perlten aus ihren Haaren, verirrten sich auf die nackte Brust des Lacerta, über dem sie kniete. Er verfolgte einen ganz bestimmten Tropfen, der seitlich über Devons Bauch abperlte und sich in den Riefen der cremefarbenden Schuppen verlor. Malleus fühlte die Erinnerungen an Oratis heiß und überaus präsent in seinem Hinterkopf. Das mochte auch der Grund sein , weshalb seiner Stimme diese vertraute, tiefe Rauheit anhaftete.
      "Es ist alles in Ordnung. Ich scheine hin und wieder zu vergessen, dass ich der einzige Mensch in dieser Konstellation bin", raunte er heiser. Kräftemäßig gab es da definitiv einige Punkt zu beachten, doch seine Lippen umspielte ein vielsagendes Schmunzeln.
      "Oh, bitte. Lasst euch von mir nicht aufhalten."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Devon musste sich eingestehen: Er hatte die Reaktion von Tava vollkommen unterschätzt.
      Es hätte ein Necken sein sollen. Ein Aufziehen, weil er es doch schaffte, ihre Sprache leichter zu adaptieren als sie die seine. Tava würde vermutlich niemals seine Sprache sprechen, so wie er es bei ihr gerade tat, und damit würde er leben können. Dafür bekam er eine der heftigsten Reaktionen, die ihm jemals im Gedächtnis geblieben waren.
      Fast wäre Tava so schnell gewesen, dass Devon nicht mehr hätte reagieren können. So sah er sie auf sich zu kommen und konnte sich für ihren Ansturm brüsten. Ohne Rücksicht auf Verluste warf sie sich ihm entgegen, sein inneres Wesen fühlte sich auf aufregende Art und Weise unmissverständlich angesprochen. Er stellte die Arme auf, als sie ihn küsste, nein, ihn nahezu verschlang, und hielt ihr Stand. Das Grinsen hatte sich unlängst verflüchtigt und war einer aufkeimenden Hitze gewichen, die durch Tavas Pheromone angefeuert wurde. Gott, der ganze verdammte Raum duftete nach ihr.
      Nur durfte sich der Jäger nicht mit seiner Rolle abfinden. Tava lebte einen unsagbaren Druck mit ihren Küssen aus, der Devon immer weiter dazu nötigte, den Kopf zu überstrecken. Sein Nacken spannte sich in Gegenwehr an, doch hier waren Cervidia ihm einfach überlegen. Er verlor das Kräftemessen und das Gleichgewicht in seiner hockenden Position. Finger verloren den Halt am Zuber, der durch Tava ins Kippen geraten war, und schon befand er sich im freien Fall. Vor sich sah er Tava und einen Haufen Haare, hinter sich stieß er gegen Malleus. Dann rummste es und harter Boden schlug in seinen Rücken. Schmerz zuckte durch sein Nervensystem und verdrängte alles andere kurzzeitig aus seiner Blutbahn. Ein scharfer Atemstoß löste sich hörbar aus seiner Kehle, fast zeitgleich mit Tavas „Alles okay?!“.
      „Alles toll.“ Wärme breitete sich über Devons Schoß aus, während er hochsah und kurz bei Tavas Gesicht hängen blieb, die zwischen ihm und Malleus hin und her sah. Langsam glitt sein Blick dann tiefer über ihr Kinn, ihren Hals, ihr Schlüsselbein…
      Hinter ihm ächzte es und er überstreckte sofort den Kopf. Die Welt stand nun auf dem Kopf, aber dafür sah er Malleus, der sich gerade schon hochstemmte. Die Welle an Wasser hatte seine Kleidung getränkt und Devons Hose ebenfalls. Was ihm gelinde aber nicht aufgefallen wäre. Dafür hatte er einfach ein zu angenehmes Gewicht auf seiner Hüfte sitzen.
      „Die Rippe ist immer noch gebrochen…“, murmelte Malleus, doch sein unterdrücktes, leises Lachen entschärfte die Situation und nahm dem Jäger auch die Anspannung, die ohne sein Zutun in seinem Körper Einzug gehalten hatte. Das kleine Geräusch, dass der Mann vorhin von sich gegeben hatte, war alles gewesen, um die Sirenen im Kopf des Lacertas anzuregen. Nun waren sie aber wieder verklungen. Allerdings verrenkte er sich noch immer den Hals und konnte nicht ganz nachvollziehen, wohin Malleus jetzt gerade starrte.
      „Es ist alles in Ordnung. Ich scheine hin und wieder zu vergessen, dass ich der einzige Mensch in dieser Konstellation bin“, raunte Malleus und Devons Augenbrauen zuckten in die Höhe. Oder wie in diesem Falle, eher gen Boden. Diese Stimme hörte sich schon verräterisch ähnlich an zu jener, die er ihm im Zuber entlockt hatte. Scheinbar hatten Zuber magische Wirkung auf Menschen sowie Cervidia… „Oh, bitte. Lasst euch von mir nicht aufhalten.“ Dann schmunzelte der Mann.
      Ah.
      Vielleicht wollte Malleus auch gar nicht richtig… also nicht mit… na, wenn nicht mit Tava, dann auch nicht mit Devon… Hatte er denn gar keine Bedürfnisse, zu… ?
      Devon zog ruckartig sein Kinn an seine Brust und folgte der Sichtlinie endlich bis zum Ende, so, wie er es anfangs schon gewollt hatte. Tava hatte sich aufgerichtet, kniete aber noch immer breitbeinig über ihm. So wenig Probleme er mit dem Boden hatte, jetzt gerade war er nicht unbedingt Fan davon, dazuliegen.
      „Ich mag deine Hörner. Sonst keine“, beschloss der Jäger, richtete sich auf und schlang einen Arm um Tavas Rücken, um sie fest an sich zu pressen. Als Antwort darauf wand sie sich in seinem Griff, weil er sie vielleicht etwas zu fest an sich drückte. Aber er brauchte das jetzt. Brauchte die Wärme an seiner Brust, die weichen Brüste, ihren typischen Duft und die Süße, die einem die Sinne vernebeln konnte. Deshalb drückte er seine Nase in ihre Halsbeuge und schloss die Augen, während seine Sinne für ihn arbeiteten.
      „Sie wachsen wunderschön nach oben, direkt dem Himmel entgegen. Jedes Segment…“ Er hob seine freie Hand und suchte blind nach dem Ansatz eines ihrer Hörner. Dann ließ er seine Finger über das Horn gleiten, erfühlte jede Wölbung und Biegung. „… macht dich aus. Erzählt etwas von dir. So stark wie dein Horn bist du auch. Dahingehend sogar etwas stärker als ich.“
      Er war nicht so arrogant, als dass er das überspielen würde. Aber er wollte jetzt herausfinden, wie weit er nur mit diesen mächtigen Werkzeugen Malleus‘ kam. Ob Worte ausreichten, damit Tava regelrecht darum bettelte, genommen zu werden.
    • Malleus keuchte auf und Devon stieß einen scharfen Atemzug aus. Von jetzt auf gleich hatte sie beide Männer zu Fall gebracht, was sie vielleicht bei anderen Männern mit bittersüßer Schadenfreude erfüllt hätte, nicht aber bei Malleus und Devon. Stattdessen schmeckte sie nur bittere Sorge.
      „Alles toll“, brummte Devon, bevor sie noch weiter nachfragen konnte.
      "Ja. Die Rippe ist immernoch gebrochen...", trug Malleus bei und sie beide sahen zu dem Mann hinter Devon, der sich schwerfällig auf die Ellbogen aufrichtete. Dabei sah er gut aus, nur ein wenig atemlos. Und ein wenig nass. Sehr nass sogar.
      Tavas Blick rutschte zu seiner Hose herunter, die sich dunkel gegen seine Beine abzeichnete, durch die Nässe eng geworden. Sehr eng sogar. Zwischen seinen Beinen erhob sich eine deutliche Form, die sich gut sichtbar abzeichnete. Tava leckte sich die Lippen. Plötzlich war es ganz und gar nicht schlimm, was mit dem Zuber und ihnen allen geschehen war.
      "Es ist alles in Ordnung. Ich scheine hin und wieder zu vergessen, dass ich der einzige Mensch in dieser Konstellation bin", raunte er und ein vielsagender Schauer kroch über Tavas Rücken bei dieser Stimme. Selbst jetzt ergriff sie sie mit all ihrer Macht, obwohl bis eben noch die Sorge da gewesen war, obwohl das Wasser jetzt kalt auf ihrer Haut war und sie leicht fröstelte. Ob Devon das nicht auch fühlte? Sie sah zu ihm hinab und -
      Devon war nur noch Hals und nackte Brust unter ihr, ein unfassbar langer Lacerta mit vom Wasser schimmernden Schuppen und Muskeln, die sich über die Gesamtheit seines Körpers erstreckten. Und sein Hals erst - sein Hals. Tavas Atem blieb ihr in der Lunge stecken, als sie mit einem brennenden Gefühl von nichts anderem als purem Verlangen auf seinen Hals hinab starrte, den er ihr zeigte, lang und geschmeidig und verbrannte Scheiße, so verlockend. So lockend. Ihre ganzen Sinne waren mit einem Mal auf Devons Hals ausgerichtet, auf das Bild, das er ihr gab, so ausgestreckt unter ihr, nichts anderes zeigend als seinen Hals. Es war überwältigend. Tava keuchte auf und da riss Devon den Kopf herunter, als hätte sie ihn aufgeschreckt. Seine Augen trafen ihre und ein Adrenalinstoß durchfuhr sie, mit dem sie ihren Kopf nach vorne riss, ähnlich Devons Haltung. Gegensätzliche Gefühle machten sich in ihr breit, so schnell, dass sie gar nicht richtig mitkam, als Devon schon sagte:
      "Ich mag deine Hörner. Sonst keine."
      So schnell, wie es gegangen war, kam das Verlangen auch wieder, erfüllte sie und wusch die kurzzeitige Verwirrung fort. Devon wusste es nicht, versuchte sie sich zu erinnern, aber ihre Gedanken verloren sich schnell, als Devon sich aufrichtete und die Arme um sie schlang. Sein Kopf richtete sich wieder auf und Tava entspannte sich schlagartig wieder, leckte sich sogar die Lippen, als sie ihn zwischen ihren Beinen bemerkte, so deutlich, dass sie sich sogar an ihm reiben konnte, ganz vorsichtig nur, wenn sie ihre Hüfte bewegte. Da schob er das Gesicht an ihre Halsbeuge und Tava kippte ihren Kopf zurück, begegnete Malleus' brennendem Blick und kippte ihn für Malleus noch weiter zurück. Mit den Händen krallte sie sich an Devons Schulter, versuchte sich ihm mehr entgegen zu pressen, mehr von dem Druck zu bekommen. Ein geräuschloser Atem drang aus ihrem Mund. Tava wusste nicht einmal, dass sie ihn geöffnet hatte.
      „Sie wachsen wunderschön nach oben, direkt dem Himmel entgegen."
      Oh, ja. Tava stöhnte auf, als es ihr heiß durch die Venen schoss und sie den Kopf noch mehr nach hinten kippte. Es stimmte nicht ganz, was Devon sagte, aber das war ihr egal, scheißegal. Er mochte ihre Hörner, sie gefielen ihm. Sie gefielen ihm. Sie drückte sich fordernd gegen ihn.
      "Jedes Segment..."
      Sie spürte ihn, spürte ihn nur von dem leichten Druck, den sie an ihrem Kopf wahrnahm. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte sie seine Hände womöglich von ihren Hörnern weggeschlagen, aber nicht jetzt. Sollte er sie eben berühren wie er wollte, sie wollte weiter hören, was er zu sagen hatte. Sie wollte alles hören.
      „… macht dich aus. Erzählt etwas von dir. So stark wie dein Horn bist du auch. Dahingehend sogar etwas stärker als ich.“
      Tavas Körper wurde weich in Devons Armen, als sie ihren Kopf noch weiter kippte, für Devon kippte, die Hitze weiter befeuerte, die in ihrem Unterleib brannte. Ihre Hüfte zuckte und sie schob sie Devon entgegen, rieb über eindeutige Härte unter seiner Hose, rieb sich an ihm. Plötzlich war sie sich nur allzu bewusst, wie sein Atem über ihren Hals strich, war sich jeden Zentimeter mit übermäßiger Schärfe bewusst, wo er sie dort berührte. Vielleicht ging sie zu weit mit ihrer Haltung, vielleicht sollte sie es nicht übertreiben, selbst nicht für Devon, aber es fühlte sich gut an, so gut an. Sie wollte ihn haben, sie wollte ihn da haben. Sie wollte ihn mehr haben. Sie schob ihre Hand an seinen Hinterkopf, drückte ihn weiter an sich, erschauderte unter dem Strom an Eindrücken, die sie über ihren Hals spürte. Ihre Hüfte zuckte unweigerlich und sie keuchte noch einmal.
      "Devon..."
      Es war genauso Aufforderung, wie es Sehnen und Quengeln war. Tava wusste nur, dass Devon aufgehört hatte zu reden.
      "Mach weiter. Devon - hör nicht auf. Sag mir, dass du sie magst. Sag es mir. Komm schon."
      Sie zog den Lacerta an sich und drückte sich ihm entgegen. Sie war kurz davor. Oh bei Adrastus' Feuer, sie würde einfach in Devons Schoß kommen, würde sich auch gar nicht deswegen schämen, wenn er ihr nur sagte, was sie hören wollte.
    • Benutzer online 2

      2 Besucher