Maledictio Draconis [CodAsuWin]

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    • Malleus versuchte die innere Unruhe zu ignorieren, denn die Antwort ließ auf sich warten. Vielleicht hatte er doch zu leise gesprochen, was er bei Devons ausgezeichnetem Gehör für eher unwahrscheinlich hielt. Das wiederum würde bedeuten, dass der Lacerta beschlossen hatte, seine Anwesenheit ganz bewusst nicht zur Kenntnis zu nehmen. Fast hätte Malleus den Rückzug angetreten, da beschloss ausgerechnet Devon, dass es nicht länger genügte nur an der Seitenlinie herumzulungern: "Was stehst du da um die Ecke? Komm raus."
      Bedächtig schälte sich Malleus aus dem Schatten der Ruine. Er blinzelte gegen das helle Sonnenlicht, als hätte er die letzten Tage ausschließlich in Dämmerung verbracht. Ein wenig stimmte es sogar. Ihm entging nicht, wie Devons Blick über sein Gesicht glitt. Ohne einen Spiegel konnte er unmöglich sagen, in welchem Zustand sich sein Gesicht befand fand, aber sofern er den Ausdruck des Lacertas richtig deutete, musste es ganz fürchterlich aussehen. Der Anblick entlockte Devon sogar ein unzufriedenes Murren. Beim zweiten Mal glaubte Malleus nicht mehr, sich verhört zu haben.
      Geduldig verharrte der Kultist bis Devon beschloss, dass er genug gesehen hatte, doch der Lacerta hatte offensichtlich andere Pläne. Er machte sich etwas Platz und winkte ihn heran. Dabei bohrte sich der Blick geschlitzter Pupillen tief in seine Augen. Malleus konnte nicht widerstehen eine Augenbraue skeptisch in die Höhe zu ziehen. Der Lacerta schien Gefallen daran zu finden, ihm Kommandos zu erteilen. Ganz vielleicht hatte Devon aber auch verstanden, dass Malleus schlicht und ergreifend wartete. Auf Devon.
      Er kam der Bitte, wenn der Wink denn so bezeichnet werden konnte, schließlich nach und überbrückte die Distanz mit wenigen Schritten, die nicht so trittsicher waren, wie es sich Malleus gewünscht hätte. Leicht verzog er das Gesicht, als er in die Hocke ging und stieß einen langsamen, kontrollierten Atemzug gegen den Schmerz in seinen Rippen aus. Er hatte es Tava nicht gesagt, aber Malleus vermutete, dass die Rippe, die bereits unter Devon gelitten und auf dem Weg der Besserung gewesen war, durch den Kampf mit Rykard ein wieder gebrochen war. Nichts davon spielte eine Rolle, wenn Devon ihn mit diesem ungewohnt offenen Blick betrachtete.
      Als sich die Hand wie ein Zeitlupe seinem Gesicht näherte, war Malleus fest davon überzeugt, dass Devon die Kopfwunde in Augenschein nehmen wollte. Er konnte die kühlen Fingerspitzen auf seiner geschwollenen und verfärbten Haut schon beinahe fühlen, noch bevor sie seine Schläfe erreicht hatten. Malleus hielt ganz, ganz still und blinzelte, als die Hand das offensichtliche Ziel verfehlte. Was dann geschah, stahl ihm den Atem geradewegs aus seinen Lungen. Nicht auf die unangenehme, schmerzhafte Art und Weise.
      Sanft beinahe zurückhaltend legte sich die große Hand des Jägers an seinen Hinterkopf und übte vorsichtig etwas Druck aus. Malleus folgte dem Zug mit gemischten Gefühlen, wobei das Flattern in seiner Brust alles andere überwog. Die Bewegung zwang Malleus dazu sein Gleichgewicht zu verlagern, wenn er nicht ungebremst gegen die breite Brust des Lacerta fallen wollte. Es war ein Reflex, dass er ein Knie fest auf dem Boden abstellte um sich abzustützen. Warmer Atem streifte seine Wangen, seine Lippen, sein Kinn. Malleus verließ ein zittriger Atemzug, als sich ihre Nasenspitzen berührten und sie für ungewisse Zeit die gleiche Luft zum Atmen teilten. Keine Sekunde ließ er Devon aus den Augen, sprang sein Blick doch zwischen den reptilienartigen Augen hin und her. Für einen Moment hatte er wirklich geglaubt, dass Devon alle Courage angesammelt hatte, um ihn zu küssen. Er schloss mit flatternden Lidern die Augen erst, als sich eine kühle Stirn gegen seine drückte und gab sich der Berührung hin, die in diesem Augenblick bedeutungsschwerer wog als es jeder Kuss hätte können.
      "Du hättest nicht durchs Feuer gehen müssen. Du hättest keinen Schlag erleiden müssen. Nicht für mich und hast es trotzdem getan. Du warst der Pfeil an meiner Sehne und ich bin dankbar."
      Ganz sachte schüttelte Malleus den Kopf, ohne dabei Devons Hand aus Versehen abzuschütteln.
      "Wie hätte ich es nicht tun können, wenn ich damit etwas rette, das dir die Welt bedeutet?", wisperte Malleus und lehnte sich vorsichtig in die Berührung, den sanften Druck erwidernd. "Sie hatten kein Recht dir єรςђ๏ɭ๏ภ zu entreißen. Er verdient es in Frieden zu ruhen und du verdienst es, dich zu verabschieden. Wir bleiben dabei an deiner Seite, wenn du uns lässt."
      Devon zog sich zurück, senkte seine Hand und hinterließ in Malleus einen unvertrautes Sehnen, dass sich beinahe so anfühlte, als verkrampften sich seine Eingeweide.
      "Es... hm..." Als Devon den Blick senkte, legte Malleus den Kopf schief und versuchte trotzdem einen Blick in das grübelnde Gesicht des Lacerta zu erhaschen. "Tut mir doch nicht leid, was da im Stall passiert ist. Ich wusste, was ich mache. Der Rotstaub hat einfach nur... mh... Hemmungen gelockert. Aber ich würd's wieder tun."
      Die nagende Leere in seiner Magengegend verflüchtigte sich schlagartig, die Kälte wich einer merkwürdigen Wärme. Es mochte an dem warmen, samtigen Ton in Devons Stimme liegen, an den sich Malleus nicht gewöhnen konnte. Gegen das Lächeln auf seinem Gesicht konnte er sich nicht wehren, und verspürte auch keinerlei Verlangen danach. Vielleicht fühlte sich so Glück an. Er hatte es bereits vergessen.
      Mit derselben Achtsamkeit führte Malleus seine Hand zu Devon. Beinahe zärtlich berührten seine Fingerspitzen seitlich den entblößten Hals, an den Tava sich wenige Minuten zuvor geschmiegt hatte. Er wusste, das die Haut unter seinen Fingern noch warm von ihrem Atem sein musste, von ihrer Wange, die an seine Hals gelegen hatte. Sanft fuhr sein Daumen mit kreisenden Bewegungen über die weiche Stelle unter seinem Ohr, hinter der markanten Wölbung des Kiefers. Den Blick niemals von Devon abwendend wagte er es, seine gesamte Hand gegen die Seites seines Halses zu schmiegen bis der Rest seiner Fingerspitzen bis in den kurzen, stoppeligen Haaransatz reichte. Die Berührungen forderte nichts, zerrte und drückte nicht in irgendeine Richtung. Seine Hand ruhte einfach dort, verhüllt aber dennoch warm.
      "Und ich würde dich gewähren lassen. Ich möchte, dass du das weißt", antwortete Malleus, die Stimme so sanft und weich, wie die Berührung an Devons Hals. "Seit Oratis,...ich will dich, euch, auch wenn mein Kopf..." Er tippte sich flüchtig gegen die unversehrte Schläfe. "...da anderer Meinung ist. Ich...Ich weiß nicht, ob ich jemals dazu in der Lage sein werden, euch alles von mir zu geben. Es ist...nicht so einfach und ich werde euch kein Versprechen geben, das ich nicht halten kann. Aber ich will es versuchen. Für dich. Für Tava. Für euch."

      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Tavas Worte fanden bei Devon eine sofortige Reaktion, die sie mehr überraschte als alle obszönen Kommentare, die er am Tag zuvor noch von sich gegeben hatte. Ohne einen weiteren Moment auszuharren, setzte er sich auf und schlang von sich aus die Arme um sie, ein Gefühl, das Tava mit Wärme erfüllte, mehr als es je ein Feuer geschafft hätte. Unnachgiebig zog er sie an sich und Tava ging vollständig in dem Gefühl auf von jemandem gewollt zu werden, umarmt und an sich gedrückt und geschätzt zu werden. In ihrem Bauch kribbelte es leicht, als sie sich sofort zurück an Devon kuschelte, diesmal richtig, nachdem er ihr gezeigt hatte, dass es schon in Ordnung war. Und ab da an war es schön. Sehr schön sogar. Sie schmiegte sich mit ihrem ganzen Körper an ihn und ließ sogar zu, dass sie ihren Hals an seinen drückte, Hals an Hals, was sich gleichzeitig befremdlich und wunderschön anfühlte. Aber es fühlte sich gut an, so gut wie schon lange nichts mehr. Mindestens so gut wie das größte Feuer, das sie heraufbeschwören konnte.
      „... Es war viel zu leise ohne euch“, murmelte Devon und seine Stimme vibrierte an Tavas Hals. Sie kicherte zur Antwort. Es wäre auch nicht richtig gewesen, wenn nicht einer von ihnen irgendwas dummes gesagt hätte, um den Ernst der Stimmung zu ruinieren. Das wäre einfach nicht ihre Art gewesen.
      Trotzdem ließ Devon nicht sofort wieder los und Tava rührte sich auch nicht vom Fleck. Es war warm und bequem und wohlig auf Devons Schoß und sie erfreute sich jede weitere Sekunde daran, so von ihm gehalten zu werden. Sie hatten das noch nie getan. Sex ja, aber da waren sie auch nur betrunken gewesen. Und das hier schien ein Stück tiefer zu gehen.
      „Seid ihr beiden in Ordnung? Wir sollten bald aufbrechen", erklang es hinter der Mauer. Tava hob den Kopf leicht an, aber Malleus kam nicht zu ihnen herum und so kuschelte sie sich wieder an Devon.
      "Mhm. Gleich."
      Neben ihr murrte Devon leise, was sie genauso an ihrem Hals spüren konnte. Belustigt lächelte sie.
      „Was stehst du da um die Ecke? Komm raus.“
      Malleus kam, aber er tat es sehr vorsichtig, als hätte er Angst, den Moment mit seiner Anwesenheit zu zerstören. Dabei war das völlig unsinnig, denn ohne Malleus wären sie niemals hier gewesen. Tava hob den Kopf von Devons Schulter und hob ihn in Malleus' Richtung, um ihm genau das mitzuteilen.
      Devon musste dasselbe denken, denn er murrte erneut und streckte diesmal ganz gezielt die Hand aus, um den Mann heran zu locken. Langsam trat er näher und ging neben ihnen in die Hocke, wo Devon ihm in einer zarten Geste die Hand an den Hinterkopf schob und ihn zu sich heran lotste. Die beiden Männer legten die Stirn aneinander und Tava sah mit großen Augen dabei zu, wie sich ihre Blicke aufeinander festsetzten. Die Luft schien zu knistern und das einzig und allein von der Berührung, die Malleus erduldete.
      „Du hättest nicht durchs Feuer gehen müssen. Du hättest keinen Schlag erleiden müssen. Nicht für mich und hast es trotzdem getan.“
      "Wie hätte ich es nicht tun können, wenn ich damit etwas rette, das dir die Welt bedeutet?", gab Malleus leise zurück und seine Stimme ließ selbst Tava leicht erzittern. Auch das hier war nichts, was sie jemals zuvor getan hatten, es ging so viel tiefer als die Nacht im Gasthaus. Und diesmal war es Tava, die sich nicht rührte um es bloß nicht zu unterbrechen.
      "Tut mir doch nicht leid, was da im Stall passiert ist. Ich wusste, was ich mache. Der Rotstaub hat einfach nur... mh... Hemmungen gelockert. Aber ich würd's wieder tun."
      "Und ich würde dich gewähren lassen. Ich möchte, dass du das weißt."
      Ein Grinsen schlich sich leise auf Tavas Gesicht, das dem gestrigen Devon alle Ehre gemacht hätte. Dabei hatte sie gedacht, dass Malleus hier seine Grenze ziehen würde, doch er ging sogar noch weiter.
      "Ich...Ich weiß nicht, ob ich jemals dazu in der Lage sein werden, euch alles von mir zu geben. Es ist...nicht so einfach und ich werde euch kein Versprechen geben, das ich nicht halten kann. Aber ich will es versuchen. Für dich. Für Tava. Für euch."
      Ein Schauer jagte ihr über den Rücken und sie starrte in die dunklen Augen, die von Devon kurz zu ihr huschten, um seine Worte zu unterstreichen. Es war genau dasselbe Gefühl wie mit Devon, eine erfüllende Erkenntnis, gebraucht und gewollt zu werden. Und es stimmte Tava so glücklich, dass es gerade von Malleus kam.
      Ein Stück lehnte sie sich vor und schob sich in die Intimität, die die beiden geschaffen hatten. Dann küsste sie sanft Malleus' Wange, nur ein Hauch von Lippen, bevor sie sich zu Devon neigte und ihm mit Nachdruck einen Kuss auf die Backe drückte. Sie löste sich mit einem Schmatzen und lächelte strahlend, erfüllt von neuer Energie, die ihr beide Männer gleichermaßen geschenkt hatten. Energie davon, gewollt zu werden.
      "Wir werden alle von uns geben, was wir zum Geben bereit sind. Wir sind ein Team."
      Sie schaute vom einen zum anderen und an ihren Blicken konnte sie ihre Zustimmung ablesen. Sie waren ein Team und sie würden auch nicht damit aufhören.

      Nach dieser Zusammenkunft war es leichter, weiterzuziehen, wenn es auch nicht die Strapazen beseitigte. Tava sah sich Devons Bandagen an, während Malleus die Pferde vorbereitete, und dann sah sie sich Malleus an, während Devon ihre Sachen zusammen sammelte. Die beiden Männer saßen auf und diesmal weigerte Tava sich, ebenfalls aufzusteigen.
      "Wir müssen noch ein ganzes Stück weit gehen und wenn ein Pferd schlapp macht, haben wir nur noch eins. Ist doch nur ein bisschen laufen."
      Sie einigten sich schließlich darauf, sich einfach auf den Pferden abzuwechseln, wobei Tava trotzdem darauf achtete, spät aufs Pferd zu steigen und früh wieder runterzukommen. Devon war noch immer von seinen Verletzungen mehr als geschwächt und Malleus war einfach nur noch erschöpft. Zwar hatte Tava auch nicht sehr gut geschlafen, aber sie war noch am glimpflichsten davon gekommen. Ein bisschen Muskelkater in den Beinen und Blasen an den Füßen störten sie nicht. Nicht, wenn sie wusste, dass sie es für die beiden Männer in ihrem Leben tat.
      Die Soldaten von Touvanen stimmten sie noch immer nervös und sie umschifften Dörfer und Bauernhöfe, um keine Spur zu hinterlassen, der man hätte folgen können. Dafür brauchten sie für ihren Weg zwar länger, es war allerdings auch der Grund dafür, weshalb sie einem verlassenen Haus über den Weg liefen, eine Art Bauernhof, nur irgendwie kleiner und unvollständiger. Die Mauer war abgeblättert und das Holz der Fensterbretter sah splittrig aus, aber es gab Vorhänge und es machte sogar den Anschein von Möbeln im Inneren. Tava war sogleich hochmotiviert dabei, die Gegend zu erkunden, um sich zu vergewissern, dass hier auch wirklich keiner aufhielt.
      "Devon wird nur seine Wunden aufreißen, wenn ihn hier jemand erwartet, und du schläfst schon auf dem Pferd fast ein. Ich gehe."
      Sie zog ihr Jagdmesser hervor und auch noch eine gefüllte Phiole von ihrem Gürtel.
      "Wenn da jemand ist, brenn ich's einfach nieder."
      Mit dieser Aussage schoss sie grinsend davon, bevor Malleus sie doch noch vom Gegenteil überzeugen konnte. Es war schön, auch mal nützlich zu sein.
      Das Haus war aber wirklich leer und noch nicht allzu lange verwaist. Es gab einen Kamin in einem recht beschaulichen kleinen Wohnraum, der etwas eingestaubt war, es gab eine simple Kochecke und in einem der beiden Zimmer fand Tava sogar ein Ehebett. Da könnte man ja fast versuchen, sich zu dritt drauf zu quetschen. Draußen verlief der Bachlauf von der Mühle, sodass man ein feines Plätschern hören konnte, wenn man nur still genug war.
      Nach der erfreulichen Nachricht banden sie die beiden Pferde ein und bezogen das kleine Häuschen. Tava machte sich sofort daran, das Feuer für die Kochstelle zu entfachen, um sich ans Essen zu machen, nur, dass sie vor den Flammen sitzen blieb, kaum hatte sie das kleine Feuer entfacht. So schnell kam die Müdigkeit auch zu ihr zurück und sie spürte deutlicher denn je, dass sie die meiste Zeit über gelaufen war. Da war das Feuer schon fast hypnotisierend, das sie so beobachtete.
    • Dieses Mal versteifte sich der Lacerta nicht, als Malleus‘ Fingerspitzen seinen Hals berührten. Er hielt den Blick unentwegt auf den Mann gerichtet, der in der Hocke und ihm gegenüber keinerlei Bedrohung ausstrahlte. Nicht unerheblich war dabei das Lächeln, das die Mundpartie des Menschen so sehr änderte wie kaum ein Ausdruck zuvor. Hatte Devon ihn überhaupt schon mal lächeln sehen? So innig und warm lächelnd?
      Nein. Hatte er nicht. Er kannte den berechnenden Malleus. Den Kultisten, der mit Worten, Mimik und Gestik spielte, um Mann und Frau gleichermaßen zu lenken. Aber keiner von ihnen war in den Genuss dieses Lächelns gekommen. Niemand. Außer vielleicht Amentia.
      Die Finger wandelten sich zu einer ganzen Handfläche, glattes Leder schmiegte sich an Devons Hals entgegen warmer oder auch kalter lebendiger Haut. Ob Malleus es absichtlich tat oder nicht, er beließ seinen Daumen direkt neben seinem Zeigefinger und griff nicht mit ihm um – was als Dominanzzeichen gewertet werden konnte. So, wie es der Jäger bei dem Menschen getan hatte. Deswegen blieb Devon entspannt, während er Tava auf seinem Schoß hielt und geistesabwesend ihren unteren Rücken streichelte.
      „Und ich würde dich gewähren lassen. Ich möchte, dass du das weißt“, sagte Malleus schließlich und wieder war es seine Waffe der Wahl mit der er Devons Innerem einen zielsicheren Hieb versetzte. Devon schwieg, aber seine Augen wurden marginal größer, die Pupillen schmaler. Nur ein ganz kleines bisschen, wohingegen seine Gefühlswelt gerade Amok lief.
      Malleus hätte ihn gewähren lassen.
      Malleus befand selbst diese eher ruppige Art als ansprechend.
      Malleus war ein Mann und zog als solcher keinen Nutzen aus dieser Art der Verbindung.
      Doch Devon… Devon zog etwas daraus, wie er feststellen musste, je länger er in sich hineinhorchte. Er fühlte seine Finger zucken in dem Wollen nach dem Menschen zu greifen. Er wollte ihm nachstellen, ihn in die Enge treiben. Ihn dazu bringen, seine Ängste und Wünsche über den Haufen zu werfen und am Ende unter dem Jäger zu kapitulieren.
      „Seit Oratis, … ich will dich, euch, auch wenn mein Kopf…“ Devon hörte es, aber seine Gedankenwelt führte ihn bereits an einen anderen Ort. In einer wirren Mischung aus Irritation und ursprünglicher Vorfreude begriff Devon, dass er Malleus jagen wollte. Ihn unter sich begraben, auf den Boden zwängen und ihn dazu bringen wollte, sich zu unterwerfen. Und dann – erst dann – würde er sich an dem Mann vergehen, der keine Ahnung hatte, was ihn erwarten würde. Devon wurde bewusst, dass er Tava auf eine gänzliche andere Art und Weise wollte als Malleus, einen Mann.
      Nein, nicht einen Mann.
      Diesen Mann.
      Devon zuckte unverwandt zusammen, als sich warme Lippen auf seine Wange pressten. Er hatte nicht mitbekommen, wie Tava erst Malleus und anschließend ihm einen Kuss aufgedrückt hatte. Fahrig schüttelte der Lacerta den Kopf.
      „Wir werden alle von uns geben, was wir zum Geben bereit sind. Wir sind ein Team.“
      Devon fing ihren Blick auf und nickte schlussendlich.

      Wie gedacht setzte die Gruppe ihre notgedrungene Flucht fort. Weg von Touvanen und seinen Blaumäntel, dem Verließ und dem Feuer, weg von den Augen etlicher Kinder. Devon verspürte keine Reue, sie zurückgelassen zu haben, als er auf das wenig erfreute Pferd aufstieg und zugegebenermaßen dankbar war, dass er nicht weiterlaufen musste. Die Kinder vermissten ihre Augen nicht dort, wo sie nun waren. Er hätte gerne ihre kleinen Körper geborgen und zurückgebracht, aber er hatte nicht einmal Anhaltspunkte, wo sie sein konnten. Wenn sie denn überhaupt noch in einem Stück waren. Anders sah es mit єรςђ๏ɭ๏ภ aus. Seine Haut würde früher oder später den Weg zurück nach Tel’Aquera finden. Das schwor sich Devon und würde das seinen Gefährten auch noch stecken müssen.
      Der Lacerta wusste ganz genau, in welche Richtung sie weiterzogen. Ihr Kurs ging gen Osten, nicht weiter in den Süden und kaum merklich in den Norden. Weg von dem Urwald, den er aufsuchen musste, um seinem Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Aber noch schwieg er. In seiner aktuellen Verfassung war an eine Rückkehr in sein Dorf nicht zu denken. Er brauchte eine Pause, Heilung, ehe er sich aufmachte zu einem Ort, von dem seine Rückkehr ungewiss sein würde.
      Außerdem… wollte er Zeit mit Malleus und Tava verbringen. Solange er es noch konnte.
      Sie fanden einen verlassenen Bauernhof vor, den Tava sofort auskundschaftete. Devon und Malleus blieben auf den Pferden zurück und lauschten auf verdächtige Geräusche. Aber keines drang an die Ohren des Jägers oder kitzelten seine Nase. Hier war nichts – das fühlte er förmlich in der Luft liegen.
      Die Gruppe okkupierte die verlassene Hütte, nachdem sie ihre beiden Pferde verstaut hatten. In seinem angeschlagenen Zustand hatte Devon sich nur eine Übersicht über den Aufbau des Hauses verschafft. Wohnraum, Küche, ein Schlafzimmer, Abstellräume, eine Deele, die zu den Ställen führten. Staubschichten lagen dick auf dem Mobiliar, die Partikel kitzelten Devons feine Nase nun doch. Also stieß er unwirsch die Tür und ein Fenster auf, das beinahe aus den Angeln fiel und behände von ihm davon abgehalten wurde. Dann verschwand er für eine kurze Zeit nach draußen, während Tava sich um das Feuer für die Kochstelle kümmerte. Als es brannte und sie davor hocken blieb, kam Devon mit einem Arm voll Reisig zurück, welches er gesammelt hatte und nun im Kamin stapelte. Feuer konnte er schließlich auch entzünden.
      „Warum verlassen die Leute einfach so ihre Behausung? Hier war kein Angriff“, bemerkte Devon, als er mit seinem Feuerstein Funken schlug.
    • Die Idylle des verlassenen Hofes erweckte in Malleus des befremdlichen Eindruck geradewegs durch ein Portal in eine andere Welt hinüber gewandelt zu sein. Kein Lärm eines geschäftigen Marktplatzes, keine Gesänge, keine Musik, kein metallisches Hämmern der Schmieden, keine abertausende Stimmen, die alle Gedanken übertönten. Malleus lauschte dem leisen Rauschen, mit dem der Wind die verwilderten Wiesen um das Grundstück streifte. Mit gespitzten Ohren vernahm er das Gezwitscher von Vögeln, die sich wohl im Gebälk der Ställe niedergelassen hatten, als er vom Rücken des Pferdes glitt. Im Stall selbst war der typische Geruch von Vieh längst verflogen. In diesen Stallungen hatte schon seit langer Zeit kein Tier mehr gestanden. Die Pferde waren schnell versorgt und wirkten dankbar, endlich auch zur Ruhe kommen zu dürfen. Tava und Devon machten die Tiere mit ihrer Anwesenheit nervös, aber zumindest hatte keines der Pferde versucht nach Tava zu treten oder Devon abzuwerfen. Während seine Begleiter bereits das alte Haus inspizierten, rieb Malleus das verschwitzte Fell ihrer Reittiere mit Stroh ab, holte Wasser aus dem Brunnen hinter dem Haus und obwohl die Arbeit in den Knochen schmerzte, befiel den Kultisten das seltsame Gefühl von Frieden.
      Nach getaner Arbeit betrat auch Malleus das kleine Haus, in dem Tava verträumt vor dem Ofen der Kochstelle saß, sichtlich abgekämpft aber dennoch entspannt, und Devon bereits am Kamin ein Feuer entfachte. Es war noch angenehm warm draußen, aber nach einer kalten Nacht unter freien Himmel verstand er das Bedürfnis dieses Erlebnis um keinen Preis der Welt zu wiederholen. Nicht, wenn sie alle noch mit den Konsequenzen von Touvanen zu kämpfen hatten.
      Mit dem Unterarm wischte er sich den Schweiß von der Stirn und zupfte etwas Stroh von seinem Kragen. Sie alle brauchten Ruhe und auf Kurz oder Lang...ein Bad.
      „Warum verlassen die Leute einfach so ihre Behausung? Hier war kein Angriff", hörte er Devon sagen.
      Staubpartikel tanzten in der Luft, dort, wo das Licht durch die geöffneten Fenster fiel und Malleus trat näher in den Wohnraum hinein. Sein Blick glitt über die verwaisten Möbel, über halbgeschlossene Schubladen und Schränke. Es sah aber nicht danach aus, als hätte jemand den Ort geplündert. Die Staubschicht auf den Möbel war lange Zeit unberührt geblieben.
      "Wer hier gewohnt hat, hat den Ort nicht leichtfertig oder in Eile verlassen. Jemand hat sich zu Lebzeiten gut um das Hauts gekümmert. Ein Heim wie dieses verlässt niemand in einer Nacht- und Nebelaktion. Nicht so", raunte Malleus und ließ seine Hand über die Rückenlehne eines Stuhl gleiten. Einfaches, schmuckloses Holz, aus dem alle Möbel gefertigt waren. Das einzige, offene Regal in dem kleinen Wohnraum war wie leer gefegt. "Keine Bilder, keine Bücher, keine persönlichen Gegenstände...Es ist, als hätten sie eines Tages ihre Sachen gepackt und sind einfach...gegangen. Es gab eine Zeit, in der es die Menschen vom Land in die Stadt gezogen hat mit der Hoffnung auf bessere Aussichten."
      Nachdenklich wischte Malleus etwas Staub vom Esstisch, der Wohnraum von Kochnische trennte. Er war nicht groß, aber die Familie, die einst in diesem Haus lebte, hatte es geschafft, das sechs Stühle daran Platz fanden, wenn auch knapp. Mutter, Vater, Kinder. Kratzer und Dellen Holz zeugten davon, dass dieser Tisch den Mittelpunkt des Raumes gebildet hatte. Von dem Leben, das einst in diesem Haus geherrscht haben musste, war nichts mehr übrig. Nur Staub.
      Malleus ging zu Tava herüber und ging neben ihr in die Hocke, denn die Cervidia sah aus, als würde sie in den nächsten Minuten im sitzen einschlafen.
      "Ruh dich aus. Du hast genug getan für heute", sagte er sanft und es rumpelte leise in seiner Brust. "Ich bin kein guter Koch, aber ich verspreche, dass selbst ich es nicht schaffe uns mit Rüben und Kartoffeln zu vergiften. Leg dich hin, Tava, du brauchst Schlaf. Komm, ich helfe dir hoch."
      Vorsichtig umfasste Malleus ihren Arm und half ihr zurück auf die Füße.
      "Devon?"
      Mit Tava am Arm blieb er am Kamin stehen.
      "Kannst du nachsehen, ob in irgendeinem der Schränke noch Decken für Tava sind, die nicht von einer daumendicken Staubschicht überzogen sind? Was jetzt noch auf dem Bett liegt, hängen wir draußen über den Zaun", sagte er an Devon gewandt und deutete mit einem kurzen Blick auf Tava. "Wir kümmern uns um den Rest, nicht wahr, Devon?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Hinter Tava schlurften Devon und Malleus durch das Haus, befreiten sich von staubigen Vorhängen und machten sich daran, den Ort bewohnbar zu machen. Es war auch ein hübsches Haus, abgeschieden von allem, alleinstehend und voller Holz. Ein bisschen kalt, weil es wohl schon etwas länger leer stand, aber nicht kälter als draußen. Die vielen Möbelstücke waren auf eine Familie zugeschnitten.
      Aber Tava konnte sich für den Moment nicht von den Flammen trennen, um den beiden zu helfen. Sie starrte in die friedlichen Feuerzungen, die nach oben wuchsen und wuchsen und dabei zuckten auf der Suche nach mehr Brennstoff, das sie nie erreichen konnten. Sie beobachtete den Verlauf des Feuers, wie sich die Glut ausbreitete und mit ihr das schöne, erfüllende Knacken von brennendem Holz erklang. Tava genoss die Wärme auf ihrer Haut und wie das Feuer zu trägem Leben erwachte. Noch schöner wäre es natürlich gewesen, wenn es mindestens doppelt so groß sein könnte. Aber so schön das ganze Haus auch brennen könnte, auch Tava wollte hin und wieder mal auf einer echten Matratze schlafen.
      „Warum verlassen die Leute einfach so ihre Behausung? Hier war kein Angriff“, kam es von Devon aus dem Nebenzimmer. Immer der Denker, immer am alles hinterfragen. Tava hätte ihm bei den schönen Flammen gerne gesagt, dass es doch keinen interessierte, aber Malleus kam ihr zuvor.
      "Ein Heim wie dieses verlässt niemand in einer Nacht- und Nebelaktion. Nicht so. Es gab eine Zeit, in der es die Menschen vom Land in die Stadt gezogen hat mit der Hoffnung auf bessere Aussichten."
      Das konnte Tava sogar nachvollziehen, in der Stadt brannte alles besser. Sie genoss es hier zwar, aber so ein einziges Haus brannte nur kurz, bis es wieder vorbei war.
      Sie blinzelte träge, dann gähnte sie einmal herzhaft. Ja, so ein Brand in einer Stadt wäre jetzt was schönes gewesen. So wie in Touvanen, nur mal 10, mal 100. So hoch und weit, dass alles nur noch rot wäre. Rot und heiß und stickig und zerstörerisch, alles verwüstend, wo die Flammen nur -
      "Ruh dich aus. Du hast genug getan für heute", kam es neben ihr und Tava sah bei der Stimme gleich auf. Malleus hockte neben ihr, die friedlichen, dunklen Augen auf sie gelegt. Sanftmütig. Aus Reflex hob sie gleich den Kopf für ihn an.
      "Ich bin kein guter Koch, aber ich verspreche, dass selbst ich es nicht schaffe uns mit Rüben und Kartoffeln zu vergiften."
      Da schmunzelte sie ein wenig, aber nur kurz.
      "Ich mach das schon noch. Ich will nur schauen, ob das Feuer richtig brennt."
      "Leg dich hin, Tava, du brauchst Schlaf", gab Malleus so sanft zurück, dass Tava ihm sofort glaubte. Ja, sie brauchte den Schlaf, sicher. Ein Gähnen brach aus ihrem Mund, wie um seine Worte zu unterstützen.
      "Komm, ich helfe dir hoch."
      Vorsichtig legte sich seine Hand um ihren Arm und Tava machte große Augen, als er ihr doch tatsächlich auf die Beine half. Hatte er jetzt etwa auch Rotstaub genommen, um seine Hemmungen zu verlieren? Aber sein Griff war ganz zart, sodass Tava das Gefühl bekam, ihn mit nur einem Zucken abschütteln zu können. Das wollte sie dann doch auf keinen Fall und so blieb sie ganz still, als sie auf die Füße kam.
      "Devon?"
      Der Lacerta sah zu ihnen beiden auf und sein Blick glitt auch für einen Augenblick über die Hand an Tavas Arm. Sie teilten sich wohl den gleichen Gedanken, als er weiter zu Tava sah und dann wieder zurück zu Malleus.
      "Kannst du nachsehen, ob in irgendeinem der Schränke noch Decken für Tava sind, die nicht von einer daumendicken Staubschicht überzogen sind? Was jetzt noch auf dem Bett liegt, hängen wir draußen über den Zaun. Wir kümmern uns um den Rest, nicht wahr, Devon?"
      Devon stimmte zu und Tava fühlte sich zum ersten Mal unwohl. Sowas war sie nicht gewöhnt, dass sie sich zurücklehnen und irgendjemand anderes die Arbeit machen ließ. Das war irgendwie komisch.
      "Ich kann das auch machen, so müde bin ich gar nicht. Hat jemand überhaupt schon die Pferde versorgt?"
      Aber Malleus zog nur leicht an ihrem Arm und Tava folgte sofort, damit er sie nicht doch zu früh losließ. So lockte er sie bis ins Schlafzimmer, wo er sich kurzerhand die Bettwäsche vom Bett schnappte und auf die Arme nahm. Tava sah ihn etwas verloren an.
      "Äh... Danke. Ihr werdet doch nicht ohne mich essen, oder?"
      Er betonte noch einmal, dass sie sich hinlegen sollte, und was konnte Tava dagegen schon ausrichten? Natürlich tat sie, was er verlangte, auch wenn es noch so merkwürdig für sie war. Dann hatte Devon eine Decke beschafft, die wohl mehr als Tagesdecke dienen sollte, aber ihren Zweck wohl erfüllte, und die beiden Männer ließen sie alleine. Da blieb Tava dann tatsächlich nichts anderes übrig, als ihre schmutzigen Klamotten auszuziehen und ins Bett zu kriechen. Kaum legte sie sich auf die weiche Unterlage, stöhnte sie aber tatsächlich erleichtert auf. Die Matratze war eine Wohltat für ihren ziehenden Rücken und ihre Füße pulsierten, als sie endlich nicht mehr gebraucht wurden. Tava streckte sich auf dem riesigen Bett lang, streckte für ein paar Sekunden genüsslich den Kopf in den Nacken und rollte sich zusammen. Sie dachte nicht einmal daran, die Tagesdecke noch anzuzünden, da war sie bereits vollständig eingeschlafen.
    • Jetzt, wo Malleus es ansprach, fiel es auch Devon auf: Dieses Haus war absolut unpersönlich. Als hätte man sämtliche Spuren ihrer Vorbesitzer einfach entfernt. Als Lacerta hegte er keine Vorliebe für Bilder oder ähnliches, sondern hielt mehr Sympathien für Dinge, die ihm einst genutzt hatten. Aber Menschen tickten da etwas anders, das war ihm bereits aufgefallen.
      „Bessere Aussichten, huh?...“, murmelte Devon während das Feuer im Kamin langsam zum Leben erwachte und die Wärme ihm gegen die Knie schlug. Wegen anderen Aussichten hatte er sein Dorf verlassen. War er in diesem Punkt den Menschen hier also so unähnlich?
      In seinem Rücken entfernten sich die Schritte, als Malleus zur Kochnische ging und damit Tava Gesellschaft leistete. Es war so leise im gesamten Haus, dass er mit Leichtigkeit jedes Wort von ihrer Unterhaltung folgen konnte. Ein Zucken durchlief sein Gesicht mit dem Gedanken an den Kultisten, der vor einem Kessel stand und Kartoffeln garte. Irgendwie war dieses Bild völlig deplatziert in seinem Kopf. Entweder war es der Jäger gewesen oder eben Tava, die sich um das sporadische Essen gekümmert hatten. Selten der Mensch unter ihnen. Was völlig genehm war, aber dennoch… realisierte Devon nicht, dass es ein Lächeln und kein gewöhnliches Zucken war.
      „Devon?“
      „Hm?“, machte er ehe er sich von seinem neuen Lieblingsplatz schwerfällig erhob. Er wirkte vor der Feuerstelle sowieso viel zu groß, fast so, als hätte man einen Riesen vor ein Spielzeugfeuer gesetzt. Zu geständig nickte der Lacerta – sie würden hier ihr Lager aufschlagen und wenn man sich den Staub um sie herum besah, das wohl auch völlig in Ruhe und Abgeschiedenheit. Da konnte nicht viel schiefgehen befand er und suchte in den zahllosen Schränken nach Decken. Dass Malleus Tava immer öfter mit Berührungen lenkte, war ihm natürlich nicht entgangen. Allgemein schien Malleus manche Hemmung ihnen gegenüber zu verlieren, so wie Devon nicht ständig daran dachte, wie widerwärtig es wohl sein musste, ihn zu berühren.
      Mit einer, so wie es aussah, gestrickten Decke folgte Devon Tavas und Malleus‘ Geräuschen bis in das überschaubare Schlafzimmer. Wie angekündigt wurde die Bettwäsche bereits entfernt und Staubpartikel tanzten auch hier durch die Luft. Devon rümpfte die Nase bei all den Schwebstoffen. Er schlug die Decke auf, um sie wie einen Mantel um die Cervidia zu legen. Eine Geste, die er auch seit mehreren Dutzend Jahren nicht mehr getan hatte.
      „Ich bin davon ausgegangen, dass wir nicht ohne dich essen KÖNNEN. Bei dem geringsten Geruch bist du doch wach“, neckte er sie und erlaubte sich dabei ein kurzes, schelmisches Grinsen, bevor er sich abwandte und aus dem Raum trat. „Nutz die Ruhe, solange du sie hast.“

      Jetzt wo Devon einmal wieder aufgestanden und in Bewegung war, behielt er dies auch bei. Kaum war Malleus aus der Tür getreten und hatte sie hinter sich geschlossen, warf er dem Mann einen vielsagenden Blick zu. In seinen Augen lag keine Abscheu, aber…
      „Du stinkst nach Schweiß, Blut und Verbranntem“, stellte der Jäger nüchtern fest und war froh darüber, sich selbst nicht riechen zu können. Eine Blumenwiese würde er mitnichten abgeben. Eher ein Auszug aus einem medizinischen Tinkturenschränkchen. „Wir sollten das ändern. Ich schau mal.“
      Damit übergab er Malleus die glorreiche Aufgabe, tatsächlich sich um ein Essen zu kümmern, wohingegen er selbst nach draußen pilgerte und die Umgebung absuchte. Seine Bewegungen waren dabei noch immer alles andere als elegant, aber er konnte zumindest wieder aufrecht gehen. Und das Seil der Winde eines Brunnens betätigen, der frisches Wasser in einem kleinen Eimer nach oben brachte. Ein Glück, dass dort kein Tier verendet war. Manchmal hatte man eben doch noch Glück.
      Während Malleus für seinen Teil in der Küche etwas bewerkstelligte, was für Devon nur nach einer wilden Ansammlung einzelner Zutaten roch, entstaubte er den Zuber und hing einen gusseisernen Kessel über das Feuer im Kamin, mit dem er das geschöpfte Wasser nach und nach erhitzte. Devon selbst würde keinen Platz in dem Zuber finden – jemand anderes hingegen schon. Er würde einfach mit einem Lappen vorliebnehmen. Das kannte er immerhin bereits.
      Nach einer Weile erschien der Lacerta im Rücken des Kultisten und lehnte sich mit der Schulter an der Wand an. Malleus inspizierte gerade einen Topf, oder es sah zumindest so aus, und hatte die Schubladen nach Messern und Brettern durchforsten können. Irgendetwas Essbares hatte er also auftreiben können.
      „Wenn du willst geh in den Zuber. Ich hab Wasser geholt. Das Essen läuft schon nicht weg“, wies er den Mann auf den mühselig gefüllten Zuber hin. Waschmittel hatte er keine rechten finden können, aber vielleicht konnten sie sich ja mit etwas von Tavas Vorräten behelfen.
    • Leise zog Malleus die Tür hinter sich zu, doch weit kam er danach nicht. Devon musterte ihn mit einem eindringlichen Blick, den der Kultist mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte. Was?
      "Du stinkst nach Schweiß, Blut und Verbranntem", bemerkte der Lacerta wenig und Malleus' Augenbraue rutschte noch ein Stückchen höher in Richtung seines Haaransatzes.
      "Wir?", hakte Malleus nach und untermalte den triezenden Unterton einer einzigen Silbe mit dem Anflug eines Grinsens. Ganz langsam senkte Malleus das Kinn herab. Seine Nasenflügel zitterten leicht, als er einen tiefen Atemzug nahm und schließlich missbilligend das Gesicht verzog. Die Wortwahl mochte wenig charmant aber zutreffend sein. Malleus stank und Devon sprach aus, was dem Kultisten gerade durch den Kopf ging. "Wir sollten das ändern. Ich schau mal."
      Devon überließ Malleus die Hoheit über die Küche, die der Kultist nun mit gekräuselter Stirn beäugte. Er hatte nicht gelogen, er war wirklich ein miserabler Koch. Als Kopf eines aufstrebenden Kultes verlangte niemand, dass er den Kochlöffel schwang. Seufzend beugte sich Malleus seinem Schicksal und bereute sein leichtfertiges Angebot beinahe, als er die verwaisten Schränke nach etwas Brauchbarem durchsuchte. Am Ende köchelte eine dünne Brühe auf dem Ofen in der Kochnische, in der ein paar Brocken Kartoffeln und Rüben lustlos vor sich hin blubberten. Er hatte alles, was er an vertrockneten Kräuter noch finden konnte, anstandslos hineingeworfen in der Hoffnung das fehlende Salz auszugleichen. Der Eintopf, was eine wirklich großzügige Beschreibung war, schmeckte sicherlich genauso wie er für die gewöhnliche Nase eines Menschen roch: Nach nichts.
      Malleus spähte skeptisch in den Topf, als es verräterisch in seinem Nacken kribbelte.
      "Wenn du willst geh in den Zuber. Ich habe Wasser geholt. Das Essen läuft schon nicht weg", erklang die markante, tiefe Stimme des Lacertas in seinem Rücken. Malleus sah über seine Schulter zu Devon, die blutunterlaufene und geschwollene Seite seines Gesichtes in all seiner Pracht sichtbar, und folgte dem Blick des Jägers zur Tür des benachbarten Raumes. Während er händeringend versucht hatte, sie alle nicht wirklich mit der Mahlzeit zu vergiften, hatte Devon den Zuber mit heißem Wasser befüllt. Er hatte jeden Eimer mühselig ins Haus getragen, in den Kessel umgefüllt, in den Zuber gekippt und das ganze so oft wiederholt, dass Malleus irgendwann den Faden verloren hatte.
      Trotzdem versteifte sich der Mann sichtlich und für einen Moment erweckte er ganz den Eindruck, als wollte er das großzügige Angebot ausschlagen. Die Bemühungen, die Devon trotz seiner Verletzungen auf sich genommen hatte, hielten ihn allerdings von einem vehementen Protest ab. Malleus schielte mit gerümpfter Nase zu dem köchelnden Brühe herüber.
      "...könnte aber verkochen. Wobei, wenn wir nicht kauen müssen, lässt es sich wahrscheinlich leichter runterwürgen."
      Als Malleus sich endlich in Bewegung setzte, nahm er nicht den direkten Weg in den kleinen Waschraum, sondern näherte sich Devon ohne dabei dem Blick der roten, reptilienähnlichen Augen auszuweichen. Behutsam und beinahe zurückhaltend, nicht wissend wo die neuen Grenzen zwischen ihnen lagen, legte er eine Hand auf Devons Schulter.
      "Danke. Wirklich. Du hättest das nicht tun müssen. Nicht mit deinen Verletzungen. Ich weiß das zu schätzen", raunte er und drückte sanft seine Fingerspitzen in die Schulter des Lacerta, fühlte die von den Strapazen steifen Muskeln, stets mit Bedacht an keiner schmerzhaften Stelle zu rütteln.
      Anschließend verschwand der Mann im Bad und schloss dir Tür.

      Obwohl eine Wand zwischen ihm und seinen Gefährten lag, zögerte Malleus den Moment weiter hinaus und wischte zunächst die dicke Staubschicht von dem eingetrübten Spiegel. Wirklich viel ließ sich in dem Spiegelbild nicht erkennen, aber es reichte Malleus aus, um die Bestätigung zu bekommen, dass er fürchterlich aussah. Müder als je zuvor, mit Schmutz und kleinen Flecken getrockneten Blutes bedeckt, die er in der Eile in Touvanen übersehen hatte. Selbst Amentia hätte ihn kaum wieder erkannt. Eine Weile starrte er reglos in den Spiegel ehe die Verlockung des dampfenden Wassers einfach zu groß wurde.
      Träge streifte er die schweren Stiefel ab, schlüpfte aus seinem Reisemantel und löste die Schnallen am Kragen seines hochgeschlossenen Hemdes. Als er den Saum fasste und das Kleidungsstück über seinen Kopf ziehen wollte, entglitt ihm ein ungewolltes Ächzen. Kaum hatte er die Arme hoch genug gehoben, blockierten die Muskeln und die angeschlagene Rippe in seinem Torso protestierte. Auch ein zweiter Versuch brachte ihn zu demselben Ergebnis. Seufzend ließ er sich auf den Rand des Zubers sinken. Vorsichtig tastete er unter das Hemd und über die schmerzende Stelle an seiner Seite, die ein ähnliches Farbmuster vorweisen musste wie sein Gesicht. Er wusste, dass er eine hohe Schmerztoleranz besaß, aber sein Körper hatte offenbar beschlossen ihn im Stich zu lassen. Mit knirschenden Zähnen wog er seine Möglichkeiten ab, aber er war zu erschöpft um diesen Kampf mit sich selbst auszutragen. Malleus stieß ein gedehntes Seufzen aus.
      "Devon?"
      Er wusste genau, dass der Lacerta ihn selbst durch die geschlossene Tür hören konnte. Als Devon endlich eintrat, warf Malleus ihm einen eindeutigen Blick zu, der davon zeugte, dass der Kultist sich gerade die Worte mühsam abringen musste. Mit jeder Silber bekam das Gesagte eine mehr und mehr verbissene Note. "Meine Rippe ist gebrochen. Dieses verdammte Hemd, ich bekomm die Arme nicht hoch genug. Ich...Ich brauch deine Hilfe."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Seit einer geraumen Zeit hatte Devon den Luxus von Ruhe um sich. Mit all den Reisen, den Kämpfen und den Strapazen hatte er die Ruhe völlig aus seinem Inneren gefegt. Das Haus hier, welches wie durch ein Wunder genau in ihrem Weg gelegen hatte, zwang sie ihm nun regelrecht auf. Wenn er sich ganz genau darauf konzentrierte, dann konnte er Tavas langsame Atemzüge hören, aber es waren ihr und Malleus‘ Puls, die ständig in seinen Ohren klangen. Unter dem Einfluss des Rotstaubes war ihm das fast gänzlich entfallen – zu viele Eindrücke waren da auf einmal auf ihn eingeprasselt.
      Deswegen besah er sich jetzt erst so recht den Schaden, den Touvanen bei Malleus angerichtet hatte. Wie dick sein Gesicht war, die krustige Platzwunde an seiner Schläfe. Die Farbe, die unter dem dunklen Teint fast nicht sichtbar sein sollte. Er hatte doch das Blut gerochen. War ihm ausgerechnet so ein Detail durch den Rotstaub entgangen? Wäre interessant herauszufinden, wie der Mann an so eine Blessur kam. Das war kein Unfall oder Zusammenstoß gewesen.
      Der aufmerksame Blick folgte dem von Malleus zur Kochstelle. Sein Punkt war nicht unbedingt verkehrt. Was er da aufgesetzt hatte, war eigentlich nur Kochwasser für die Kartoffeln und sonst nichts. Da fehlte einiges, das selbst die Kräuter nicht zu retten vermochten. Er würde sich etwas einfallen lassen müssen…
      Jedenfalls genügte es, damit sich Malleus in Bewegung setzte und Devon ihn unbewegt dabei beobachtete. Seine Augen verschmälerten sich ein wenig, als der Mann die Hand nach der höheren Schulter ausstreckte und sie dort platzierte. Mittlerweile galt das Recht des Anfassens wohl auch ihm. Selbst wenn da noch Zurückhaltung in der Gestik des Kultisten lungerte, so war sie wesentlich bewusster und vor allem gewollter wie zuvor.
      „Ich weiß. Schon gut“, erwiderte Devon schlicht, der auch dann noch in der Wand angelehnt stehen blieb, als die Tür zum Bad ins Schloss fiel.

      „Devon?“
      Die Stimme war leise und doch hätte der Jäger sie vermutlich im gesamten Haus vernehmen können. Nachdem er von der Idee abgelassen hatte, draußen jagen zu gehen, hatte er aufrichtig versucht, den ‚Eintopf‘ irgendwie zu retten. Aber mehr als Kochwasser war es nun wirklich nicht geworden. Er würde draußen suchen gehen müssen nach Taubknollen, die in diesen Gefilden wachsen mussten.
      Trotzdem missfiel Devon die Art, wie Malleus seinen Namen aussprach. Genervt. Frustriert. Irgendwie… ungehalten. Eigentlich rechnete er mit so ziemlich allem, als er an der Tür zum Bad zum Stehen kam und noch einmal horchte bevor er sich erkenntlich zeigte. „Ja?“
      Es kam keine Antwort. Zweifel stiegen in dem Lacerta auf, der wohl oder übel einfach eintreten musste. Mit Bedacht öffnete er die Tür und lugte hinein, wo er den Mann auf dem Rand des Zubers sitzend vorfand. Mit fast allem am Leibe, außer seinem Mantel und den Stiefeln.
      „Meine Rippe ist gebrochen.“
      Ah, daher wehte der Wind.
      „Dieses verdammte Hemd, ich bekomm die Arme nicht hoch genug. Ich… Ich brauch deine Hilfe.“
      Das kostete Malleus hörbar mehr Kraft als einen ausgewachsenen Lacerta durch eine Horde Menschen zu schleifen. Das hatte Devon halbwegs erwartet, aber nicht, dass Malleus mit einer gebrochenen Rippe ohne etwas zu sagen reiste. Derjenige, der Schuld an der Platzwunde war, hatte also auch noch eine Rippe auf dem Konto. Gut zu wissen.
      „Kein Problem.“ War es eigentlich auch nicht, nur war hier Feingefühl gefragt. Als sich Devon näherte, schaute Malleus zu ihm auf, die Mimik alles andere als entspannt. „Wie ist das mit der Platzwunde passiert? Und die Rippe? Waren das die Gleichen?“ Worte konnten den angespannten Mann vielleicht etwas erden, während Devon sich leicht zu ihm beugte, um nach dem Saum des Hemdes zu greifen. „Schön, dass ich nicht der Einzige eingeschränkte bin.“
      Das klang möglicherweise etwas gehässig, aber das stimmte den Jäger auf eine sehr niedere Art und Weise glücklich. Dann wirkte es nicht so, als sei er derjenige, der ständig verwundet war und die Gruppe behinderte. Nichtsdestotrotz hob er das Hemd möglichst weit von dem warmen Körper ab, als er es hochzog und mit den einzelnen Strähnen von Malleus‘ Haar kämpfte, um sie durch den Ausschnitt zu bekommen. Finger streiften Haupt, Ohren und ein wenig Hals. Dann hatte er das Hemd schon über den Kopf gezogen und Malleus konnte seine Arme herausziehen. Mit einem zufriedenen Brummen warf er das Kleidungsstück über das nächstbeste Möbel und verschränkte die Arme. In dieser Haltung konnte er sich nicht zu seiner vollen Größe aufrichten, ohne dass sein Rücken spannte, aber das war okay. Auch so konnte er auf seine Antwort warten und den prüfenden Blick über Malleus schweifen lassen.
    • Malleus ließ Devon keine Sekunde aus den Augen. Gegen die tief verankerte Angewohnheit war er vollkommen machtlos. Es kostete ihn ohnehin schon genug Überwindung sich überhaupt in diese verletzliche Position zu begeben. Zwar hatte Malleus kein Versprechen abgegeben, doch gelogen, hatte er auch nicht. Er wollte es wirklich versuchen. Besser zu sein, aufrichtiger sogar. Dass Devon beschloss gerade in diesem Moment die Fragen zu stellen, die bisher von wenig Belang gewesen waren, half dem angespannten Mann mehr als erhofft. Malleus‘ Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf die Worte des Lacerta, weg von dem pochenden Schmerz in seiner Seite, der sich einmal akzeptiert nicht mehr ignorieren ließ. Seine Wahrnehmung bohrte sich geradezu in die Rettungsleine, die Devon ihm zuwarf, als sich kühle Hände am Saum des Hemdes zu schaffen machten. Malleus empfand eine tiefe Dankbarkeit, egal, ob der Lacerta es ganz bewusst mit diesem Zweck zur Sprache brachte oder auch nicht.
      "Es scheint, als hätte ich einen neuen Freund gewonnen", antwortete Malleus und bereute das halbherzige Glucksen sofort. Er verzog das Gesicht, als ein erträglicher aber unerwarteter Schmerz durch seine Seite zuckte. Abgesehen davon, war die Begegnung mit Rykard alles andere als lustig gewesen. "Auf der Suche bin ich auf Rykard getroffen, der Kommandant der Kongreation aus Blaumänteln, die in Touvanen stationiert waren. Ich weiß nicht, ob du dich an den Mann erinnerst, aber er war dor, als sie dich fort brachten. Er trug einen Helm, der Federn geschmückt war."
      Das Hemd über seinen Kopf zu bekommen, gestaltete sich als delikate Angelegenheit. Devon schob das ruinierte Kleidungsstück in einer nervenraubenden Zerreißprobe über seinen Torso herauf bis Malleus nicht anderes übrig blieb, als den Rücken zu krümmen und sich das Hemd über den Kopf ziehen zu lassen. Die Haltung war unbequem und behagte dem Kultisten nicht. Sein Rücken war zu ungeschützt, seine Bewegungsmöglichkeiten zu eingeschränkt. Er rollte rollte die Schultern nach vorn, machte den Rücken gezwungenermaßen noch runder und konzentrierte sich nun auf die Berührungen an seinem Kopf. Das war in Ordnung und Devons Hände, groß und für den Kampf geschult, waren überraschend vorsichtig. In dieser gekrümmten Haltung zwang sich Malleus weiter zu sprechen und den Raum mit mehr zu füllen, als den schweren Atemzügen und dem kräftigen, schnellen Schlag seines Herzens.
      "Zu sagen, er war nicht begeistert mich in seinem Quartier zu sehen, ist untertrieben. Ich war nicht schnell genug, da hat er mich erwischt", murmelte er und sog scharf die Luft ein, als Devons Fingerspitzen die empfindsame Partie hinter dem Ohr streiften. "...für einen kleinen Moment dachte ich: Das war's. Ich hatte Glück, dass ich Tava das Signal noch übermitteln konnte. Die Explosion kam zum richtigen Zeitpunkt. Was die Rippe angeht..."
      Endlich rutschte das Hemd über seinen Kopf und Malleus richtete sich langsam auf.
      "Ich erinnere mich an einen sehr wütenden, sehr starken Drachenjäger, der mich durch die Luft geschleudert hat als wäre ich leicht wie eine Feder. Binnen weniger Tage zweimal durch einen Raum geworfen zu werden, scheint nicht gut für die Heilung zu sein", sprach Malleus weiter und die Worte hätten harsch klingen können, wäre da nicht der Anflug eines versöhnlichen Lächelns auf seinem Gesicht gewesen. Er schüttelte leicht den Kopf. "Es ist schon längst vergeben und vergessen."
      Etwas steif erhob sich Malleus vom Rand des Zubers und warf einen prüfenen Blick in den Spiegel. Sein Blick glitt über die Brandzeichen hinweg zu der pochenden Seite und wie vermutet, schillerte sie in einer beeindruckenden Palette dunkler Flecken. Für einen Augenblick sprang sein Blick zwischen der Wanne und Devon hin und her.
      "Ich befürchte, ich muss dich noch einmal um deine Hilfe bitte...", presste Malleus hervor. "Hilft du mir hinein?"
      Vor Devons Augen und mit gemischten Gefühlen schälte sich Malleus aus seinen Beinkleidern, die zur seiner Erleichterung locker und bequem genug saßen, um mit wenige Mühe über seine Hüften zu rutschen. Er musste sich nicht großartig krümmen und konnte die verbliebenen Zentimeter mit einem beherzten Strampeln seiner Füße bewältigen. Als er die Hose mit dem Fuß beiseite schob, schlang er einen Arm um seinen Torso. Malleus war nicht schüchtern, aber komplett nackt und verwundbar vor Devon zu stehen, hob die eh verquere Situation auf ein völlig neues Level. Jetzt konnte der Lacerta auch sehen, dass auch seine Beine, von den Fußgelenken bis zum Bogen seines Hüftknochens mit Malen übersäht waren. Das delikate Areal im Tal seiner Lenden hatten man großzügigerweise ausgespart. Nicht, das es wirklich eine Rolle spielte.
      Es war ein heikler Balanceakt, als Sich Malleus auf Devons Schulter stützte und mit einem Bein nach dem anderen in den Zuber stieg. Stoßweise verließ der Atem seine Lungen. Es war anstrengender als Malleus zuvor angenommen hatte. Lagsam ließ er sich in das heiße Wasser sinken und seufzte erleichtert auf, als die Wärme augenblicklich ihre Wirkung auf den versteiften Muskeln entfaltete. Der Klammergriff seiner Finger, die sich zuletzte um Devons Unterarm gekrallt hatten, ließ nach und er gab den Lacerta frei.
      Das plötzliche Schweigen musste Devon merkwürdig vorkommen und so rang sich Malleus weitere Worte ab. Sie gehörten zu den wohl wichtigsten Worten, die an diesem Tag geteilt wurden.
      Zuvor aber hob Malleus die Hände zu sich und schälte unendlich langsam, die Hände aus seinen Handschuhen. Die Haut darunter war stellenweise gerötet, iritiert dadurch, dass er das Leder so lange ohne Pause getragen hatte. Malleus rieb vorsichtig zwischen den Fingern entlang, genoss das kurzweilig Gefühl kühler Luft auf seiner Haut. Er bedachte Devon mit einem eindringlichen Blick, als er beide Handschuhe in eine Hand nahm und sie Devon reichte, damit er sie beiseite legen konnte. Malleus ganze Haltung veränderte sich, als Devon die Finger nach den Handschuhen austreckte. Die Spannung in seinen Schultern wuchs so stark an, dass sein ausgestreckter Arm zitterte. Die Muskeln in seinem Kiefer arbeiteten unablässig. Es war ein Wunder, dass seine Zähne nicht hörbar knirschten.
      Kurz bevor Devon das Leder auch nur mit den Fingerspitzen berührte, öffnete Malleus den Mund.
      "Ich kann keine Haut berühren", würgte er hervor und sowohl seine Atmung als auch sein Herzschlag explodierten in einem zu falchen, zu schnellen Rhythmus. "Nicht 'Ich will nicht' sondern 'Ich kann nicht'. Das ist eine Geschichte für einen anderen Tag, vielleicht auch niemals. Ich..."
      Sein Blick zuckte zu seiner nackten Hand, die immer noch Devon die Handschuhe entgegenhielten, und dann zurück zu Devons Augen. Durch die Stimme, die Menschen bewegte und lenkte, vibrierte ein unstetes Zittern. Es war einer der raren Moment, in denen Malleus daran erinnerte wurde, wie sich richtige Angst anfühlte und dabei kratzte er gerade erst an der Oberfläche.
      "Nachdem, was ich heute Morgen gesagt habe...Du, ihr verdient es, das zu wissen, bevor...Ich weiß nicht. Ich habe keine Worte dafür, wie viel mich das hier kostet. "
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • „Rykard?...“
      Der Name sagte Devon nichts, doch die Beschreibung tat ihr übriges. Es war wie im Schatten, eine flüchtige, verschwommene Erinnerung, aber definitiv da. An denjenigen, der ihm auf dem Platz Einhalt gerufen hatte und diese Federn auf dem Kopf trug war ihm durchaus ein Bild im Gedächtnis. Vermutlich würden sie diesen Mann sowieso nie wieder sehen. Sie hatten Touvanen verlassen und Rykard hatte keinerlei Information, wo ihr nächstes Ziel sein würde. Aber sollte es doch soweit kommen und Devon traf auf Rykard, dann würde er sich für diverse Dinge revanchieren.
      „Er hat dich erwischt? Mit was hat er dich erwischt, um dir mit einem Schlag…“, wunderte sich Devon laut ehe ihm bewusstwurde, dass er hier mit Malleus sprach. Einem Menschen, der nicht so ein Durchhaltevermögen wie ein Lacerta hatte. Und wenn dieser Rykard seine Rüstung getragen hatte, dann konnte eine einfache Faust oder Tritt mit genug Wucht dafür ausreichen. „Vergiss die Frage.“
      Als Malleus jedoch auf seine Rippe zu sprechen kam, wandelte sich Devons Haltung nur kaum. Er hielt den Blick auf den Mann gerichtet, der dank ihm so eingeschränkt war. Sicher, Devon bereute den Ausbruch in Oratis nicht, denn seine Meinung war noch immer dieselbe. Aber er hatte doch unterschätzt, wie schnell Knochen brachen. Wie schnell Menschen erheblichen Schaden nehmen konnten.
      Das letzte Mal, dass er sich gegen Menschen körperlich zur Wehr gesetzt hatte, war länger her gewesen.
      „… Ich dachte, es ist mir vorbehalten, dich zu werfen. Vielleicht sollte ich deinen neuen Freund doch kennenlernen“, bemühte sich der Jäger um einen lockeren Tonfall, grätschte jedoch haarscharf daran vorbei. Ihm gefiel es schon nicht, selbst so einfach einen Menschen durch die Gegend werfen zu können. Dass dann ein vermaledeiter Kommandant es ihm gleichgetan haben sollte, machte ihn krank. Schließlich war der Bruch Devons Werk und niemandes sonst. Der Kerl hatte kein Recht, sich diesen Bruch auf die eigene Karte zu schreiben.
      Mit einem seichten Lächeln fügte Malleus noch hinzu: „Es ist schon längst vergeben und vergessen.“
      „Gut.“ Für Devon war es das jedoch ganz und gar nicht.
      Dann verfiel er in ein schweres Schweigen. Malleus hatte ihn noch nicht heraus komplimentiert, sondern erhob sich schwerfällig, um sich im Spiegel zu begutachten. Dabei verfolgte Devon den breiten Rücken, den er nun in einem etwas anderen Licht betrachtete. Nicht nur wie einen einfachen Rücken. Es war sein Rücken… Seine Muskelstränge, die sich angestrengt unter der Haut bewegten. Auch hier der Mann über und über mit Zeichen übersät. Eine Geschichte sondergleichen, wenn auch nur immerzu dieselbe. Irgendwie beschlich Devon ein mulmiges Gefühl.
      Das bestätigt wurde, kaum hatte sich Malleus umgedreht und den Zuber begutachtet. „Hilfst du mir hinein?“
      Sehr zum Erschrecken des Lacertas wartete der Mensch gar keine Antwort ab. Stattdessen streifte er sich kommentarlos seine Beinkleider ab und Devon begann zu starren. Nicht das lüsterne oder hungrige Starren. Das beklommene, beschämte Starren. Eines, dass dem Fallen des Stoffes nachsah und dann langsam über die Beine aufwärts wanderte. Stück für Stück entfaltete sich das Bild, das Gesamtkunstwerk, das sich Malleus nannte. Mit jedem Zentimeter nackter Haut fühlte sich Devon beklommener, Hitze machte sich in seinem Inneren breit. Nicht die gute, wilde Hitze.
      Devon wandte sich ab. Nicht hektisch und überstürzt, aber bestimmt. Er drehte sich halb weg, um wenigstens den Anschein zu wahren, dass er nicht starren wollte. Dass der Jäger plötzlich Hemmungen hatte, den nackten Körper seines Gefährten anzusehen, wollte er niemanden eingestehen.
      Auch dann noch blieb Devon einer Statue gleich schweigend stehen, als sich eine behandschuhte Hand auf seine Schulter legte. Einer Stütze gleich war er am Rande des Zubers verblieben und erlaubte Malleus somit, in den Zuber zu steigen. Dabei hielt der Lacerta seinen Blick konsequent einfach nur in die des Zubers abgewandte Richtung. Wieso fühlte er sich so beschämt? Malleus hatte ihn auch gänzlich nackt gesehen, da war es doch nur fair! Es hatte nichts Verbotenes an sich, so wie der Mensch alle Berührungen nur unter Anstrengung ertrug! Trotz allem guten Zureden wollte sein Herz einfach nicht auf ihn hören und Devon war froh, dass Malleus über nicht so gute Ohren verfügte.
      Am Ende krallten sich die Finger des Kultisten in Devons Unterarm, der stocksteif und sicher an Ort und Stelle verharrte. Immer wieder zuckten Partien seines Gesichts, nicht sicher, was für eine Miene er machen sollte. Als sich eine Stille einstellte, wagte Devon flüchtige Blicke zum Zuber, wobei er tunlichst darauf achtete, erst ab Brust aufwärts Malleus zu beäugen. Er drehte den Kopf erst dann deutlich sichtbar, als Malleus damit begann, sich die Handschuhe von den Händen zu streifen. Devon wusste nicht, wieso er diese kleine Handlung als so unglaublich intim wahrnahm. Vielleicht, weil der Mann bisher mit den Handschuhen beinahe verwachsen erschien. Deswegen fühlte er sich fast schon ertappt, als er Malleus‘ eindringlichen Blick auffing und die ausgestreckte Hand bemerkte, die die Handschuhe in seine Richtung hielt. Stumm, aber mit erhobenen Augenbrauen, streckte Devon die Finger nach dem Leder aus.
      „Ich kann keine Haut berühren.“
      Die Worte kamen stockend und überstürzt zugleich, sodass Devons rote Augen reflexartig zu Malleus‘ Gesicht sprangen. Da war rohe Angst, die ihm wie eine Ohrfeige ins Gesicht schlug und sämtliche seiner Bewegungen auf der Stelle einfror.
      „Nicht ‚Ich will nicht‘, sondern ‚Ich kann nicht‘. Das ist eine Geschichte für einen anderen Tag, vielleicht auch niemals. Ich…“
      Noch mehr Angst. Noch mehr Unsicherheit. Noch mehr Zwang, den Zwang zu brechen und aus der Angst zu fliehen. Devons Nasenflügel bebten, als er es roch und der rasende Pulsschlag in seinen Ohren zur Hetzjagd rief. Blind geleitet folgte sein Blick dem von Malleus, ließ keine Sekunde von ihm ab.
      „Nachdem, was ich heute Morgen gesagt habe… Du, ihr verdient es, das zu wissen bevor… Ich weiß nicht.“
      Devon auch nicht.
      „Ich habe keine Worte dafür, wie viel mich das hier kostet.“
      Devon hatte noch nie sonderlich viele Worte übriggehabt. Vieles konnte er nicht in Worte verpacken und so vermitteln, dass seine Mitmenschen es verstanden. Er verließ sich auf Taten und im Idealfall einfach auf eine kalte Schulter. Aber diese kalte Schulter konnte er hier nicht mehr anbringen. Das war unausgesprochen klar, als er seine Hand in der Luft ein bisschen wieder zurückzog. Auch er hatte keine Worte der Erklärung für Malleus, allerdings dafür eine Antwort.
      „Alles“, raunte Devon, als er schließlich nach den Handschuhen griff und dabei lediglich seine Fingerkuppen einsetzte. Er berührte den anderen Mann nicht einmal flüchtig, als er ihm das Leder abnahm und steif beiseitelegen konnte. Es würde den Kultisten alles kosten, wenn er auf dem gleichen Level mitspielen wollte, wie Tava es tat. Das war dem Lacerta unmissverständlich klar. Jetzt musste er es nur noch in Worte packen.
      „Was du bist, zu was du geworden bist, ist eine Figur. Diese hast du mit Angst füllen müssen, weil es andere so wollten. Aber wenn du dich auf uns einlassen willst“, sagte Devon, der sich nebst dem Zuber über das Behältnis lehnte und einen Schatten über den Menschen unter ihm werfen würde, sofern das Licht von oben gekommen wäre, „dann wirst du die Figur brechen und die Angst herausfließen lassen müssen. Und dann bist du leer. Das ist der Preis.“
      Seine großen Hände kamen auf dem Rand des Zubers zum Liegen. Die Finger tauchten knapp in das warme Wasser ein, als er die Fingerspitzen am Holzrand aufsetzte und seine Haltung damit stabilisierte. Devon hielt noch immer den Blickkontakt aufrecht und wenn er sich nicht gerade täuschte, dann weiteten sich die Pupillen des Kultisten erneut. Wie so oft, wenn Devon ihn… ihm nachstellte?
      „… Wir füllen es neu auf“, fügte Devon mit einem Tonfall hinzu, der eine unausgesprochene Botschaft mit sich brachte. Er war nicht mehr auf Rotstaub und trotzdem spürte er wieder diesen Wunsch, diesen Mann zum kapitulieren zu bringen. Es war wohl die Angst seinerseits, die die Sinne des Jägers wieder ans Laufen brachten. Die dafür sorgte, dass ihm ein eigener Hormoncocktail ins Blut schoss und seine Pupillen verschmälerten. Willentlich lehnte sich Devon wieder ein wenig zurück, raus aus der lauernden Haltung. Was dachte er sich dabei?! Sie alle waren nicht nur fertig, sondern verletzt auf verschiedene Arten.
      Ein kleiner Gedanke würde ausreichen, damit Devon sich aus dieser Szene reißen könnte. Und dieser Gedanke lag zusammengerollt in seiner Tasche.
      „Früher oder später wird es kein Können mehr sein, sondern ein Verlangen, es doch zu tun“, prophezeite Devon Malleus mit einem flüchtigen Lächeln, dass den dahinter verborgenen Jäger kurz Durscheinen ließ.
      Denn das war eine Sache, bei der sich Devon absolut sicher war. Lieben, mögen und auch ficken waren etwas, das er ohne Zweifel mit Malleus und Tava teilen konnte.
      Aber jagen? Das konnte er nicht teilen. Wenn er einen von ihnen ernsthaft jagen würde, dann triebe er sie direkt aus seinen Armen hinaus. Das wusste Devon mit jeder seiner Fasern.
    • "Alles." In diesem unscheinbaren Worte steckte so viel Macht, so viel Wahrheit, dass Malleus ein Schauer über den Rücken lief. Die Hitze des Wassers reichte plötzlich nicht mehr aus um die Kälte zu vertreiben, die sich in seine Eingeweide fraß. Über seine unbedeckten Arme zog sich eine Gänsehaut, als drückte ein kühler Luftzug durch die verwaisten Wände der Hütte. Es war nicht allein das Wort, das sich seines Wesens bemächtigte, sondern Devon selbst. Malleus war dem Mann, der sich herunter beugte, völlig ausgeliefert. Wie leicht wäre es gewesen, einfach ins Wasser zu greifen und Malleus' Worte einer Prüfung zu unterziehen. Es war ein Moment großen Vertrauens, dem er sich willentlich aussetzte obwohl es ihm beinahe körperliche Schmerzen bereitete, so sehr schienen sich die Muskeln in seinem Leib zu verkrampfen. Breits zum Sprung, bereit zur Flucht in sichere Gefilde, die dieser Ort ihm nicht bot.
      "Was du bist, zu was du geworden bist, ist eine Figur. Diese hast du mit Angst füllen müssen, weil es andere so wollten. Aber wenn du dich auf uns einlassen willst...", begann der Lacerta über ihm. Sein gesamtes Sichtfeld war gefüllt mit Devon. Für Malleus gab es keinen anderen Punkt in diesem Raum, dessen Wände immer näher rückten, der ihm eine Ablenkung bot. Devons schiere Präsenz forderte seine gesamte Aufmerksamkeit ein. "...dann wirst du die Figur brechen und die Angst herausfließen lassen müssen. Und dann bist du leer. Das ist der Preis."
      Flüchtig gar hektisch zuckte Malleus' Blick zu den großen Händen, die nun den Rand des Zubers umfassten. Die Fingerspitzen, die ganz knapp unter das Wasser reichten. Jetzt ragte nicht allein Devon über ihm auf, seine Arme versperrten ihm den Fluchtweg zu den Seiten. Eingekesselt durch die Gestalt des Lacerta blieb Malleus' Körper ein Reflex übrig, um sich dem Jäger gegenüber nicht völlig schutzlos zu fühlen. Es war ein schwaches Aufbegehren, als der Kultist seine Gewicht verlagerte, die Schultern leicht nach vorn rollte und sich Devon kaum merklich entgegen lehnte. Hoch, weiter aus dem Wasser heraus, dass nun über seine Schultern und seine Brust rann.
      Das alte Spiel entfaltete sich, in dem Malleus näher kam, aber niemals nah genug.
      Die Vorstellung dieser ursprünglichen Furcht, die tief in seinem Wesen verankert war, bis zu dem Punkt entgegen zutreten, dass es ihn auseinanderbrach, war furchteinflößend. Ja, er würde eine leere Hülle sein, gebrochen und zersplittert auf eine Art, die Devon und Tava den Scherbenhaufen eines Mannes hinterließ. Ihm fehlte die Vorstellungskraft, wie in Adrastus' Namen sie die Einzelteile wieder zusammensetzen wollten. Malleus war sich bewusst, dass die Furcht aus all seinen Poren gleichzeitig strömte, doch darunter lag ein anderes Gefühl. Es war ungeschliffen, befremdlich und von roher Natur.
      "…Wir füllen es neu auf."
      Sein Kinn zuckte empor und sein Blick bohrte sich in die immer schmaler werdenden Pupillen des Lacerta und seine eigenen Pupillen antworteten mit einem verqueren Echo. Sie wurden nicht kleiner, nicht schmaler sondern mit jedem flachen Atemzug weiter und weiter. Unter Wasser zuckten seine Finger unkontrolliert in der warmen Schwerelosigkeit.
      Der Moment dehnte sich zu einer Ewigkeit aus und als Malleus bereits dachte, dass er kein Atemzug noch Luft in seine Lungen brachte und das schwummrige Gefühl in seinem Kopf vom Mangel herrührte, lehnte sich Devon zurück. Sofort strömte schlagartig der Sauerstoff zurück in seine Lungen und Malleus ließ sich zurück in den Zuber sinken. Tiefer, bis ihm das Wasser knapp bis zu Mitte der Brust reichte.
      „Früher oder später wird es kein Können mehr sein, sondern ein Verlangen, es doch zu tun."
      Devon lächelte flüchtig aber verheißungsvoll.
      Malleus glaubte eine Vorfreude darin zu erkennen, so dezent sie auch war. Er sah den Lacerta darin, den Jäger.
      Er realisierte, dass er dem Mann, seinen Worten, glauben wollte. Ein zittriger Atemzug drang über seine halbgeöffneten Lippen.
      "Vielleicht sollte ich mir Sorgen machen. Ich wusste nicht, dass du ein solches Talent für Worte besitzt. Wenn ich nicht aufpasse bekomme ich noch Konkurrenz und du gründest deinen eigenen Kult", brachte er atemlos hervor, doch die flüchtige Belustigung in seiner Stimme, konnte das unstete Zittern der Silben nicht verbergen.
      Zügig grub sich der wieder in seine Gesichtszüge.
      "...aber du kannst es nicht wissen. Was werdet ihr tun, wenn ich euch nicht geben kann, was ihr euch von mir wünscht? Wenn es bei dem Versuch bleibt und dieses Verlangen niemals kommt, weil die Furcht zu groß ist und die Gewohnheit zu tief verankert?"
      Malleus ließ den Kopf nach hinten kippen gegen den Rand des Zubers.
      Die scheinbar entspannte Geste wurde nur durch seinen Blick verraten, der unablässig auf Devon ruhte.
      "Ich kenne Verlangen, Devon. Ich spüre es jeden Moment, wenn ich euch ansehe. In den Momenten, in denen Tavas Augen im Schein des Feuers aufleuchten, als trügen sie die Flammen selbst in sich. Ich fühlte es, als du blutüberströmt das Herz des Drachen mit deinen Händen umklammert hast. Jedes Mal, wenn du mich ansiehst, wie der Jäger bereit zum Sprung. Verlangen trieb mich in Oratis, als Tava für aller Augen sichtbar auf diesem Marktplatz so wunderschön auf deinem Schoß aussah mit Augen nur für dich und mich. Es verfolgt mich den ganzen Weg zurück bis nach Celestia, als ich das erste Mal einen Blick auf deine Schuppen warf und mich fragte...", raunte Malleus bis er verstummte und ein gequälter Zug zeichnete sich um seine Mundwinkel ab. "...Es ist pure Folter."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Fast hätte Devon sich Malleus gegenüber verraten.
      Als der Mensch den Vorstoß des Jägers mit einer Flucht nach vorn beantwortete, hätte er ihm beinahe ein anerkennendes Schmunzeln geschenkt. So, wie Malleus sich aus dem Wasser erhoben hatte, war es eine Provokation gewesen. Eine stille Herausforderung, seine Gegenwehr auf die Probe zu stellen. Doch da der Mensch dies wohl kaum wusste, hatte der Lacerta nichts gesagt und stattdessen zugelassen, dass sich sein Gegenüber wieder tiefer im augenscheinlichen Schutz des Wassers versenkte. Nur änderte es nichts daran, dass Devon längst alles Wichtige gelesen hatte. Die Pupillen, die ständig weiter wuchsen. Die Angst, die aus den Poren sickerte und sich schwer wie ein Teppich um den Jäger schmiegte. Eine Angst, die nicht daher rührte, was er war. Alles begleitet von einer maskulinen Note, die ihm unter anderen Umständen an den Rand seiner Beherrschung hätte treiben können.
      „Vielleicht sollte ich mir Sorgen machen“, brachte Malleus dann hervor und Devon nickte gedanklich nur. Ja, Sorgen sollte er sich wirklich machen, wenn auch aus anderen Gründen.
      „Ein bisschen musst du auf mich doch abfärben, oder nicht?“ Begleitet von einem Schulterzucken war Devons Antwort regelrecht nonchalant, während er einen weiteren Schritt vom Zuber zurücktrat.
      „…aber du kannst es nicht wissen. Was werdet ihr tun, wenn ich euch nicht geben kann, was ihr euch von mir wünscht? Wenn es bei dem Versuch bleibt und dieses Verlangen niemals kommt, weil die Furcht zu groß ist und die Gewohnheit zu tief verankert?“
      Eine durchaus berechtigte Frage, aber wussten die drei Jäger warum, Devon machte sich da keinerlei Sorgen. „Frag nicht für jetzt, sondern gib dem Zeit. Ich bin bestimmt doppelt so alt wie du, ich weiß, was Zeit bewirkt“, sagte Devon, der sich immer noch im Blickfang des Mannes im Zuber befand. Wäre da nicht dieser angespannte Blickkontakt gewesen, hätte Devon sich vielleicht anlügen lassen und geglaubt, der Mann habe sich wieder entspannt. Nur hatte er das nicht und die dunklen Augen folgten der Gestalt des Jägers, als sich dieser langsam daran machte, den Zuber zu umrunden und drauf und dran war, aus dem Waschraum zu verschwinden.
      Jedenfalls bis Malleus weitersprach und Devon aus dessen Blickfeld verschwunden war.
      Hatte er das richtig gehört? Malleus verspürte das Verlangen, wann immer er Tava oder Devon ansah? Sicher, als Jäger hatte Devon unlängst die Zeichen lesen können, aber das hätte genauso gut einfach nur eine körperliche Reaktion auf ihn gewesen sein können. Es ausgesprochen zu hören, befeuerte ihn in ungeahntem Maße, sodass er in Malleus‘ Rücken innehielt und dem Rest seiner Worte Gehör schenkte.
      „… Es ist pure Folter.“
      Schon im nächsten Moment erzitterte der Zuber, als sich Arme über den Rand der Holzwanne vorwärts zu beiden Seiten in Malleus‘ Sichtfeld schoben. Nackte Arme, denn Devon hatte seine eh schon spärliche Bekleidung hochgeschoben bis der Kultist die ersten Schuppenausläufer auf seiner Haut erblicken können würde. Sofern er den Kopf drehen mochte, aber der Mann spannte sich bis aufs Äußerste an, kaum spürte er Devons Atem auf seiner Schulter, seinem Nacken.
      „Du hast keine Ahnung von Folter dieser Art“, flüsterte Devon so leise, dass das geringste Plätschern von Wasser die Silben verschluckt hätte. Er lehnte sich mit seiner Brust an das Holz, war dafür extra auf die Knie gesunken, und schwebte nun mit seinem Mund auf Höhe von Malleus‘ Ohr. Wohl bedacht, aus dem Sichtfeld fernzubleiben.
      „Ich weiß, was wir mit Frauen anstellen. Was wir von ihnen wollen. Aber warum bin ich so auf dich fixiert, was denkst du, Malleus?“ Noch immer bewegte sich der Mann keinen Zentimeter. Ein unerwartet starker Cocktail aus Pheromonen schlug dem Jäger entgegen, dem dabei eine Gänsehaut über den Körper krabbelte. Wie gern er dem Mann dieses eine Wort zugeflüstert hätte. Dieses kleine Wort, das in seiner Kultur den Start der Jagd bedeutete. Und wenn Malleus dann auch noch entsprechend reagiert hätte…
      Für Malleus sichtbar stellten sich Devons Armhärchen auf, allein bei diesem kleinen Gedanken. „Weil ich die Jagd eröffnen will. Auf dich. Weil ich dich laufen sehen will. Wie du versuchst, vor mir zu entkommen, nur um festzustellen, dass du es nicht kannst.“
      Er müsste nur den Kopf senken. Ein kleines Bisschen, dann könnten seine Lippen die dunkle Haut schmecken wie schon in Oratis.
      „Aber ich kann es nicht. Weil du die Jagd nicht durchstehen würdest. ‚s okay“, flüsterte Devon weiter, der mit fortschreitenden Gedanken die scharfen Silben mehr mit Stammesakzent aussprach. „Siehst du links und rechts meine Arme? …. Ja? Dann versuch’s. Du wolltest wissen, wie sich die Schuppen anfühlen. Jetzt hast du die Chance. Deine Handschuhe kenne ich.“
      Aber deine direkte Berührung nicht, dachte Devon, dessen Puls weiter stieg und ihm leicht schwindelig dabei wurde. Es gab noch so viele Dinge, die er aussprechen musste. Die er erklären musste. Er durfte sich jetzt nicht ablenken lassen!
      „.. Ich werde die Haut von єรςђ๏ɭ๏ภ in mein Dorf zurückbringen. Das gebietet der Anstand. Aber wenn ich das tue, wird es Schwierigkeiten geben. Meine Geschichten… ich habe sie alle unkenntlich gemacht, weil mich mein Dorf verstoßen hat, als ich gegangen bin. Ich ihren Augen bin ich fremd und wenn ich dann mit seiner Haut auftauche… Kann es sein, dass ich nicht mehr gehen werde. Deswegen…“ Devon senkte ein wenig sein Kinn und sein Atem streifte abermals über Malleus‘ Hals. „Nutz deine Zeit, solange du sie hast.“
      Und ich die meine.
    • Frag nicht für jetzt, sondern gib dem Zeit. Ich bin bestimmt doppelt so alt wie du, ich weiß, was Zeit bewirkt. Was, wenn ihm diese Zeit nicht vergönnt war? Malleus hatte bereits die Hälfte seines Lebens hinter sich und ein Lösung für das Problem lag in weiter Ferne. Das Fundament für die Brücke, die ihn über die Grenze führen konnte, war noch nicht einmal gelegt und Devon ermutigte ihn mit verbundenen Augen ein Schritt näher an den Abgrund zu treten. Was, wenn er bereits so nah vor dem tiefen, finsteren Schlund stand, dass ein weiterer Schritt ihn unweigerlich in die Dunkelheit stürzte? Malleus fürchtete nicht nicht Fall, sondern den Augenblick, an dem er aufschlug.
      Eine Erschütterung ließ den Zuber erzittern und versetzte das dampfende Wasser um Malleus in Unruhe. Regelrecht in seinen eigenen Worten verloren, hatte Malleus des Jäger nicht näher kommen hören. Devon war bereits aus seinem Blickfeld verschwunden und nun schlagartig mit überwältigender Präsenz unmittelbar in seinem Rücken. In seinen Augenwinkeln schillerten grünbläuliche Schuppen auf nackter, vernarbter Haut, als Devon ihn ohne die geringste Berührung umfing.
      Die Aussicht ließ den Mann nicht weich werden, sondern die Muskeln in seinen Schultern und seinem Hals verkrampften sich bis sie unkontrolliert unter der dunklen Haut zuckten. Malleus erschauderte sichtlich, als heißer Atem über seine entblößte Schulter und sein schutzloses Genick streichelte. Es blieb Malleus' Fantasie überlassen in welcher Haltung Devon hinter ihm lauerte, doch er spürte Devon mit jeder Faser seiner Körper.
      "Du hast keine Ahnung von Folter dieser Art", flüsterte Devon gefährlich nah an einem Ohr und Malleus verfluchte alle Götter dieser Welt, weil er das Gesicht des Lacerta nicht sehen konnte. "Ich weiß, was wir mit Frauen anstellen. Was wir von ihnen wollen. Aber warum bin ich so auf dich fixiert, was denkst du, Malleus?"
      Kaum merklich neigte Malleus den Kopf zur Seite. Gerade genug um an seinen Armen zu erkennen, dass nichts von all dem spurlos an Devon vorbeiging. Die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf, als er zurück flüsterte. "Sag du es mir, Devon."
      "Weil ich die Jagd eröffnen will. Auf dich. Weil ich dich laufen sehen will. Wie du versuchst, vor mir zu entkommen, nur um festzustellen, dass du es nicht kannst", offenbarte der Mann hinter ihm.
      Malleus litt beinahe körperliche Schmerzen während er nun die Götter, denen er abgeschworen hatte, darum bat, dass Devon endlich die Lippen senkte um sie beide von ihrer anhaltenden Qual zu erlösen. Eine flüchtige Berührung, die das Verlangen ebenso wenig stillen konnte, wie ein Tropfen Wasser gegen eines von Tavas prächtigen Feuern.
      "Aber ich kann es nicht. Weil du die Jagd nicht durchstehen würdest. ‚s okay."
      Er zuckte leicht, aber wusste, dass Devon die Wahrheit sprach.
      Sein Geist würde sich vermutlich nie davon erholen, ganz gleich, welche Form diese Jagd annehmen würde.
      "Siehst du links und rechts meine Arme? …. Ja? Dann versuch’s. Du wolltest wissen, wie sich die Schuppen anfühlen. Jetzt hast du die Chance. Deine Handschuhe kenne ich."
      Malleus erstarrte.
      Beinahe wäre Devons Stimme im Rauschen untergangen, das in seinen Ohren wütete wie das Brüllen eines Sturms.
      "...kann es sein, dass ich nicht mehr gehen werde. Deswegen…Nutz deine Zeit, solange du sie hast."
      Ruckartig zwängte sich die Luft aus seinen Lungen und sein Verstand war kurzzeitig völlig klar.
      "Denkst du wirklich, dass wir dich einfach ziehen lassen nachdem wir dich gerade erst zurück bekommen haben?", wisperte Malleus.
      Ganz langsam tauchte seine rechte Hand aus dem Wasser auf und das leise Tröpfeln des Wassers, das von seinen Fingerspitzen tropfte, wurde allein von dem Geräusch ihres Atems übertönt. Wenige Millimeter vor Devons Arm stoppte Malleus' Hand. Er hatte seinen Kopf soweit gedreht bis er seine Hand über Devons Arm schweben sehen konnte. Seine Atmung hatte sich kaum beruhigt, da zwang Malleus seinen Körper und Geist durch die nächste Tortur und drückte gegen die Blockade, die seine Bewegung einfror.
      Träge krümmte er die Finger bis sie sich zur Faust ballten um das Zittern unter Kontrolle zu bekomme. Die Bewegung wiederholte er. Einmal. Zweimal. Dreimal.
      "Die ganze Zeit habe ich mich gefragt...", verloren sich Malleus' Worte.
      Die Berührung war so flüchtig, als wäre sie nie passiert.
      Lediglich sein Daumen fuhr für den Bruchteil einer Sekunde über eine der Schuppen, die sicher umrahmt von weiteren in Devons Arm eingebettet war. Scharf sog Malleus den Atem ein und verspannte sich, als wartete er auf etwas Bestimmtes. Als augenscheinlich nicht passierte, was hätte passieren sollen, löste sich die Spannung ein wenig aus seinen Schultern. Er spürte seinen eigenen Herzschlag bis in die Fingerspitzen.
      "Sie fühlen sich kühler an als ich erwartet hatte...", raunte er. "Kalt und glatt."
      Ein kleines Bisschen mehr drehte Malleus den Kopf zur Seite, bis sich die Sehnen in seinem Hals anspannten und er aus dem Augenwinkel einen Blick ins Devons Gesicht erhaschen konnte. Seine Augen schimmerten beinahe gänzlich schwarz in ihren Höhlen.
      "Was wirst du tun, Devon? Wenn meine Beine mich nicht länger tragen, wenn meine Lungen brennen und ich keinen Schritt mehr laufen kann...was würdest du tun?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • „Es geht hier nicht ums Glauben. Es geht darum, dass ihr es nicht werdet.“
      Devons Stimme ließ da keinen Raum für Diskussionen. Er wusste nicht einmal für sich selbst. Ob er aus Tel’Aquera wieder gehen würde oder nicht, nachdem er die Haut abgeliefert hatte. Sicher, er würde alles daransetzen, wieder zu gehen, aber ein einzelner Lacerta war einem Stamm unterlegen. Egal, wie kräftig er sein mochte.
      „Ich will dort nicht bleiben, aber wenn ihr von anderen Lacertas gefunden werdet, dann helfen euch da weder Worte noch Explosionen weiter. Sie werden euch verschleppen und das Innere des Dorfes wird das Letzte sein, das ihr seht“, weihte er Malleus ein, der offensichtlich nicht verstand, wie gravierend es sein würde, den Wald auch nur zu betreten. „Wenn es mein Stamm nicht ist, dann die Drachen. Der Wald ist voll von ihnen.“
      Während Devon das alles sagte, fiel sein Blick auf die dunkle Hand, die langsam aus dem Wasser auftauchte. Die Ruhe selbst verharrte der Lacerta im Rücken des Mannes, als dieser seine Hand nahe dem Arm brachte und dort seinen höchstpersönlichen Kampf focht. Als Jäger konnte Devon warten. Lange warten. Ausgiebig warten. Solange warten, wie Malleus Zeit benötigte, um sich selbst im Klaren zu sein, was er sich zumuten konnte und was nicht.
      „Die ganze Zeit habe ich mich gefragt…“
      Trotz, dass Malleus seinen Satz nicht vollendet hatte, konnte Devon ihn gedanklich fortsetzen. Oft genug hatte er die Neugierde in den dunklen Augen aufblitzen sehen und die Faszination gespürt. Als sich der Mann plötzlich verspannte und einatmete, runzelte der Lacerta die Stirn. Die Berührung war so flüchtig gewesen, dass er sie nicht einmal gespürt hatte. Schuppen waren eben keine Haut und bedurften intensivere Berührungen als nur ein flüchtiger Streif um bemerkt zu werden. Aber das störte ihn nicht. Er verweilte weiterhin in der Haltung, während der Kultist ein winziges Bisschen seiner Selbst zurückerlangte. Nach etlichen Sekunden entspannten sich Malleus‘ Schultern und Devon gleich mit, der gar nicht bemerkt hatte, wie er selbst in Anspannung verfallen war.
      „Sie fühlen sich kühler an als ich erwartet hatte… Kalt und glatt.“
      „Weil sie eher wie Horn sind als Haut“, antwortete Devon, dessen Blick zu Malleus‘ Gesicht sprang, als dieser den Kopf noch weiter drehte. Jetzt sah er, dass der Mann alles Mögliche tat, um auch nur einen Ausblick auf das Gesicht des Jägers zu bekommen. Genau in diesem Moment zog sich Devon ein wenig zurück und verschwand aus dem Blickfeld des anderen Mannes.
      „Was wirst du tun, Devon? Wenn meine Beine mich nicht länger tragen, wenn meine Lungen brennen und ich keinen Schritt mehr laufen kann… was würdest du tun?“, fragte Malleus und Devon konnte ein tiefes Seufzen, das sich eher nach einem Grollen anhörte, nicht länger unterdrücken. Warum musste er das auch fragen?...
      „Dann erst würde ich zu dir kommen. Langsam, pirschend. Wissend, dass du da am Boden liegst und die Flucht vorbei ist. Ich würde mich über dich knien, dich am Kragen packen und auf den Bauch drehen. Mein Körper auf deinem.“ Devon setzte dem Mann Fantasien in den Kopf. Das bemerkte er sofort, als der Duft von Moschus sich intensivierte und Devons Kopf von Malleus‘ einer Halsseite auf die andere wechselte. Seine Hände und Arme lagen noch immer auf dem Zuber, so als wäre er dort festgebunden. Dabei legte er sich diese Restriktionen nur selbst auf. „… Meine Finger legen sich an den Bund deiner Hose. Gleiten darunter. Ziehen sie nicht über deine Hüften, sondern reißen sie. Drängend. Ungezähmt. Und dann…“
      Devon brach ab als er seinen Mund für andere Dinge brauchte. Mit jedem Gedanken, den er mit Malleus teilte, stachelte er sich selbst an. Er spürte das Pulsieren zwischen seinen eigenen Beinen, die Finger drückten sich in das leise ächzende Holz des Waschzubers. Heiße Lippen senkten sich auf die dunkle Schulter, schmeckten das Wasser und das Salz. Ein zärtlich anmutender Kuss, der alsbald durch einen sanften Biss ersetzt wurde, der Malleus an Ort und Stelle halten sollte. Solange, bis sich Devon wieder einigermaßen gefangen hatte. Entgegen seiner Instinkte hatte er sich gegen den Hals des Mannes entschieden. Denn dann hätte er unmissverständlich seiner Lust nachgegeben und dieses Mal gab es Nichts, was ihn abgehalten hätte.
    • Mit allen Mitteln verwehrte Devon ihm den Blick in sein Gesicht. Die Erkenntnis, dass er wohl darauf verzichten musste, etwas über Devons Gemütszustand aus seinen Gesichtszügen ablesen zu können, grub tiefe Falten über seine Nasenwurzel ein. Egal, wie sehr sich Malleus bemühte, der Lacerta war ihm einen Schritt voraus. Allein der streichelnde Atem an seinem Hals und die geflüsterten Silben nah an seinem Ohr blieben ihm als Anhaltspunkt. Es gab nichts anderes, auf das er sich fokussieren konnte und damit steigerte sich die Intensität ins Unermessliche.
      „Dann erst würde ich zu dir kommen. Langsam, pirschend. Wissend, dass du da am Boden liegst und die Flucht vorbei ist. Ich würde mich über dich knien, dich am Kragen packen und auf den Bauch drehen. Mein Körper auf deinem", begann er.
      Malleus spürte allein an dem wandernden Atem, dass Devon sich ganz subtil bewegte. Ein Zittern durchlief den Körper des Kultisten von Scheitel bis in die Zehenspitzen und das Herz in seiner Brust stolperte, bevor es seinen besorgniserregend schnellen Rhythmus wieder aufnahm.
      Er war sich bewusst, dass ein normaler Mensch beim bloßen Gedanken daran wie Beute gejagt zu werden, Reißaus nehmen würde, aber an Malleus war nichts normal. Die ganze Situation, in der sie sich bewegten - Devon, Tava und er selbst - war unendlich weit davon entfernt normal gar alltäglich zu sein und trotzdem hatten sie sich alle nacheinander für diesen Weg entschieden. In der harschen Welt, in der sie lebten, war es schon Glück eine Person zu finden, die den eigenen Irrsinn verstand. Gleich Zweien über den Weg zu laufen, grenzte an ein Wunder.
      Flatternd sanken Malleus' Augenlider, als Devon verheißungsvolle und lauernde Worte gegen seine Haut flüsterte.
      „… Meine Finger legen sich an den Bund deiner Hose. Gleiten darunter. Ziehen sie nicht über deine Hüften, sondern reißen sie. Drängend. Ungezähmt. Und dann…“, brach Devon ab und das Nächste, das Malleus spürte, waren heiße Lippen auf seiner Schulter.
      Die Muskeln unter Devons Lippen zuckten heftig ob der unerwartete Berührung und Malleus amtete zittrig aus, als der Schock über den überraschend zärtlichen Kuss nachließ. Er hatte gehofft, es würde ihn von einem Teil seines Verlangens erlösen, doch er hatte sich noch nie in diesem Ausmaß geirrt. Malleus konnte nur erahnen, welchen Cocktail an Düften der Jäger ausgesetzt war.
      Der Kuss wandelte sich in einen Biss. Die Sanftheit, die Devon aufbrachte, überrumpelte den Mann auch ein zweites Mal. Malleus' Lippen teilten sich, doch kein Laut verließ seine Kehle. Das hatte er nicht erwartet und es war dem Unerwarteten geschuldet, dass Malleus sich dazu zwang die Hände unter Wasser flach gegen die Wände des Zubers zu drücken um nicht im Affekt nach Devon zu greifen um keinen verhängnisvollen Fehler zu begehen. Dabei verspürte er den beinahe übermächtigen Drang, seine Hand zu heben und sie in dem kurzen Haarschopf zu vergraben.
      Er wusste, dass es nicht die ganze Wahrheit war.
      Devon hielt sich zurück.
      Malleus fühlte es in der ungewohnten Zärtlichkeit, die Devon ihm schenkte, und an dem Zittern des Zubers unter dem eisernen Griff des Lacerta. Er tat es um Malleus' Willen, vielleicht auch um seinetwillen. Sie bewegten sich gemeinsam auf einem Drahtseil und es war lediglich eine Frage der Zeit bis er einer von ihnen das Gleichgewicht verlor. Malleus lehnte den Hinterkopf gegen Devons Schulter und es genügte das Kinn ein winziges Bisschen zur Seite zu neigten damit seine Lippen sanft wie ein Flüstern die Schläfe des Lacertas streiften.
      "Wenn du damit bezwecken willst, dass ich meine Meinung ändere, machst du einen verdammt lausigen Job", wisperte Malleus mit bebender Stimme und Devon musste jede Silbe auf seiner Haut spüren. "Ich habe dir Macht über mich gegeben, Devon, und ich sollte mich davor fürchten, was du damit anstellen könntest. Vertrauen...ist nichts, was ich leichtfertig gebe, aber wir beiden wissen, dass ich nicht bereit bin. Wenn ich jetzt in die den Abgrund fallen, wird es nichts mehr geben, das ihr zusammenfügen könnt."
      Das blasse Echo eines Kusses schmiegte sich gegen Devons Schläfe.
      "Du musst mich loslassen, Devon. Für den Moment", flüsterte er.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Der gesamte Körper von Malleus war zum Zerbersten angespannt. Das verriet allein schon die steife Haltung, aber Devon spürte es mittels seiner Zähne. Wie fest die Schulter wurde, in die er sanft seine Zähne drückte, um den Mann vor einer etwaigen Flucht zu hindern. Wie gern hätte er ihn jetzt noch an den Armen gepackt. Wie gern hätte er jetzt, wo er Malleus das erste Mal gänzlich ohne Stoffschichten vor sich hatte, einfach zu Seinem gemacht. So sehr, dass sich der Druck auf die dunkle Haut verstärkte, der Biss kräftiger wurde. Devon malte sich schon aus, wie die Haut nachgab und Blutströpfchen über seine Zunge perlen würden. Ein tiefes Grollen entstieg aus seinem Brustkorb, während der Zuber unter seinen Fingern knackte und ächzte.
      „Ich habe dir Macht über mich gegeben, Devon…“
      Die Muskeln in Devons Armen traten hervor und er wusste, dass nicht mehr viel fehlte und Malleus‘ Haut würde aufbrechen. Er wollte seine Macht mit einem unmissverständlichen Zeichen versehen. Einem Mal, einem Beweis, dass Malleus zweifelsfrei zu ihm gehörte. Immer und immer wieder ließ er die gesagten Sätze in seinem Kopf Revue passieren.
      Malleus hatte Devon Macht über sich gegeben.
      Aber er wollte sie nicht nur freiwillig. Er wollte alles. Auch das, was er nicht gewillt war, zu geben.
      Der Kopf des Kultisten drehte sich leicht, nachdem er seinen Kopf an der Schulter des Jägers abgelegt hatte. Mühsam presste Devon die Augen zusammen, um nicht vor sich ins Wasser zu sehen und auf noch schmaleren Seilen zu wandern. Er hörte jedes einzelne Wort überdeutlich und war sich bewusst, dass Malleus recht hatte. Wenn Devon jetzt zu viel nahm, dann brach er ihn so sehr, dass nichts mehr zum Füllen übrig war.
      „Du musst mich loslassen, Devon. Für den Moment“, flüsterte Malleus und Devon versteifte sich, als ein ungewohntes und unerwartetes Gefühl seine Schläfe streifte. Keine Hände, keine Finger waren dafür verantwortlich. Es konnte nur etwas anderes sein und diese Realisation ließ ihn aus seinem Strudel an Gefühlen und Gedanken auftauchen. Etwas zu fahrig öffnete Devon seine Kiefer und gab Malleus‘ Schulter frei. Die Hände zu dessen Seiten verschwanden, als sich der Jäger aufrappelte und sich mit einer Hand durch das Gesicht fuhr.
      „Stimmt“, gab er schließlich zu und schüttelte auch den letzten heißen Gedanken aus seinem Kopf hinaus. „Ich geh mich draußen abkühlen. Nimm dir Zeit.“
      Er tappte mit seinen Fingern zweimal auf den Rand des Zubers und dann entfernte er sich mit hörbar schweren Schritten.

      Wie angekündigt hatte sich Devon nach draußen verzogen, um seinen Verstand zur Ruhe zu bringen. Im näheren Umkreis sondierte er die Umgebung und fand, wie erhofft, einige der Taubknollen, die er mit bloßen Händen aus dem Boden gegraben hatte. Dazu fand er noch Kräuter, für die er nur die Bezeichnung seines Stammes kannte, und warf alles bei seiner Rückkehr in den Topf. Zu gern hätte er noch wirklich gejagt, aber er fühlte sich für die Jagd per Hand noch nicht wieder fit genug. Das hier würde als Essen vorerst wohl genügen müssen.
      Als der Eintopf soweit war suchte Devon Tava in ihrem Zimmer auf. Er öffnete die Tür einen Spalt breit und lugte hinein auf das eingekugelte Etwas, das die Cervidia darstellte.
      „Tava, Essen?“, fragte Devon das atmende Bündel.
    • Bei dem Wort Essen war Tava sofort wach, noch bevor sie sich dessen überhaupt bewusst war. Es riss sie aus dem Tiefschlaf so sicher, wie es ein erlöschendes Feuer getan hätte.
      "Ja. Ja."
      Tava rollte sich gleich aus dem Bett und kam auf die Füße. Es war Devon, der sie geweckt hatte, aber er verschwand, noch bevor sie ihn zu Gesicht gekriegt hätte. Sie runzelte ein bisschen die Stirn bei seinem schnellen Abgang.
      Unten hatten sie den Familientisch für drei Leute gedeckt, aber recht spärlich. Vom Kessel erfüllte der Geruch nach Kräutern den Raum und jeder hatte eine Schüssel vorgesetzt bekommen, was aber nicht sehr viel war. Sie hatten ihren Proviant in Touvanen nicht aufgefüllt, Devon hatte das meiste verloren und vorher waren sie zwei Wochen unterwegs gewesen. Es gab kein Brot und auch kein Fleisch, nur Kartoffeln und Rüben im Eintopf, was sie irgendwie sättigen sollte. Tava verzog ein bisschen das Gesicht.
      Keiner sagte was, als sie sich setzte. Devon saß bereits und sah ein bisschen zu lang seine Schüssel an. Malleus kam gerade aus dem Badezimmer, die Haare noch feucht, in saubere Klamotten gekleidet. Er umrundete den Tisch auf Tavas Seite und ließ sich dann auf seinem Platz nieder. Tavas Blick begegnete er, aber seine Augen sprangen nur ganz kurz über Devon, bevor auch er seine Schüssel ansah. Tava runzelte die Stirn erneut, diesmal ein wenig tiefer.
      Sie machten sich über das Essen her. Hauptsächlich schmeckte es nach Kräutern, was Tava als den misslungenen Versuch erkannte, Salz zu ersetzen. Sie schnaubte bei dem Gedanken, dass sie es hundertmal besser hingekriegt hätte. Zutaten zu ersetzen war schließlich Teil ihrer Profession und sie ließ dafür die Hörner in Devons Richtung kippen, bevor sie anfing:
      "Das ist wirklich -"
      Als sie ihren Fehler erkannte, erstarrte sie plötzlich. Sie hatte keine Ahnung, warum sie dachte, Devon hätte gekocht; vielleicht, weil er sie aufgeweckt hatte. Aber Malleus war doch derjenige, der alles vorbereiten wollte. Er hatte den Eintopf kreiert.
      Tava schluckte, sah den anderen Mann an und hob dann ihre Hörner langsam wieder auf. Etwas unangenehm rutschte sie auf ihrem Stuhl herum.
      "... Nicht schlecht. Wirklich nicht schlecht. Ich hätt's nicht besser gekonnt."
      Devon sagte nichts und Malleus lächelte auch nur irgendwie flüchtig. Fast schon angespannt. Tava kniff die Augen zusammen, aber als er merkte, dass sie ihn länger betrachtete, wandte er sich auch wieder seiner Schüssel zu. Devon ebenso. Die Stille kam ihr diesmal irgendwie... unangenehm vor.
      Sie stand mit einem Ruck auf, ging nach oben und holte das Salz aus ihrem Rucksack, das sie für manche Tränke mit sich führte - und für Notfälle wie diesen hier. Als sie zurück zum Tisch kam, schwiegen die beiden immer noch. Tava salzte nach, reichte es dann an den nächsten weiter und aß wieder einen Happen. Dabei sah sie abwechselnd von Malleus zu Devon und wieder zurück.
      Devon starrte hauptsächlich in seinen Schüsselinhalt, aber seine Schultern wirkten angespannt und in den wenigen Momenten, in denen er ihrem Blick begegnete, waren seine Pupillen etwas geweitet. Geweitet? Tava kniff die Augen zusammen und sah wieder zurück zu Malleus. Der Mann war über seine Schüssel gebeugt und sein Gesicht war gezwungen ruhig. Er aß, aber seine Bewegungen kamen ihr irgendwie mechanisch vor. Tava kniff die Augen noch weiter zusammen.
      Dann kroch Malleus' Blick langsam den Tisch empor und Devons Blick schien sich an Malleus' Schulter festzusetzen und als sich ihre Blicke trafen, hatte Tava das Gefühl, die Luft zu spüren, wie sie um sie herum dick wurde. Die beiden Männer womöglich auch, denn mit einem Mal sahen sie so schnell weg, als hätten sie sich gegenseitig geschlagen. Da knallte Tava ihren Löffel auf den Tisch, was in den letzten Sekunden das einzige Geräusch darstellte, das an diesem Tisch erklungen war.
      "Was ist hier los?"
      Auffordernd sah sie vom einen zum anderen, die beide ihrem Blick auswichen. Das bekräftigte sie aber nur in ihrem aufsteigenden Zorn.
      "Ihr seid beide komisch. Was ist los? Hab ich was verpasst? Was habt ihr beiden angestellt?"
    • Malleus' presste die Lippen fest zu einer dünnen Linie zusammen um keinen Mucks von sich zu geben. Etwas in seinen Worte hatte einen heiklen Punkt getroffen und die stählerne Beherrschung des Lacertas bedrohlich ins Wanken gebracht. Der Biss an seiner Schulter verlor jegliche Sanftheit und balancierte auf dem schmalen Grad zwischen erträglich und schmerzvoll. Die elektrisierenden Pulse, die Devon damit durch seinen Körper jagte, waren alles andere als hilfreich. Heiße Panik gepaart mit Lust vernebelte seine Gedanken. Im warmen Badewasser krümmten sich seine Finger zu klauenartigen Gebilden, deren Fingernägel über das Holz kratzten. Malleus nahm beiläufig war, wie das Holz ebenso nachzugeben drohte, wie die Haut an seiner Schulter. Was sie gerade im Begriff waren zu tun, war gefährlich? Die Kontrolle glitt ihm durch die Finger wie das Wasser, das ihn einhüllte.
      Ein Gedanke schlug Wurzeln in seinem Verstand, klar und beängstigend zugleich: Er wollte die Zähne des Lacerta in seinem Fleisch und das heiße Blut auf seiner Haut spüren. Malleus verlor den Verstand und er trat freiwillig einen großen Schritt in Richtung des Abgrundes. Kurz bevor Devon tatsächlich die Haut mit einen Zähnen durchbohrte, zog der Lacerta sich zurück. Er konnte nicht mehr spüren, wie Malleus sich ergab, wie er ganz weich unter dem kräftigen Biss geworden wäre.
      "Stimmt." Blinzelt schlug Malleus die Augen auf und sah an die alte, abgeblätterte Holzvertäfelung an der Decke. „Ich geh mich draußen abkühlen. Nimm dir Zeit.“
      "Devon...", begann er, da war besagter Jäger bereits aus dem Raum verschwunden.
      Die Stille, die sich breit machte, fühlte sich weder befreiend noch beruhigend an. Die Vertrautheit, mit der Malleus die Leere umfing, spendete dem Mann keinen Trost noch Ruhe. Devon war lange gegangen und doch spürte er immer noch die Zähne in seinem Fleisch.
      Etwas steif setzte sich Malleus im Zuber auf, wobei er das unmissverständliche Zeichen der Lust zwischen seinen Beinen ignorierte, das Devon zu verschulden hatte. Mit nassen Händen fuhr Malleus sich durch das Gesicht und durch die gespreizten Finger fiel sein Blick auf die abgesplitterten und eingedrückten Stellen am Rand des Zubers.
      Abdrücke in Form von Händen.

      Eine bedrückende Stille herrschte am Esstisch. Für eine ganze Weile blieb das einzige Geräusch das lustlose Klappern des Bestecks. Richtig Appetit hatte wohl niemand mehr beim Anblick der trüben, mehligen Brühe. Mit hochgezogener Augenbraue schob Malleus mit dem Löffel die Knollen in der Flüssigkeit hin und her, die ganz bestimmt vorher noch nicht drin gewesen waren. Zugegeben hatten sie mehr Geschmack als der Rest im Topf.
      "Das ist wirklich -"
      Malleus schloss kurz die Augen.
      Ihm fiel spontan eine ganze Liste mit wenig schmeichelhaften Wörtern ein, mit denen er ihnen Satz beenden konnte.
      "... Nicht schlecht. Wirklich nicht schlecht. Ich hätt's nicht besser gekonnt."
      Ein schmales, flüchtiges Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
      Trotzdem schüttelte er leicht den Kopf.
      "Du musst dir mehr Mühe geben, wenn du mich anflunkern möchtest", sagte er die ersten Worte seit er sich gesetzt hatte.
      Er wagte einen Blick in Devons Richtung, dann zurück auf seine Schüssel und wieder zu Tava.
      "Es ist furchtbar...", fügte er hinzu und versuchte sich an einem leichten, scherzhaften Ton.
      Ganz richtig, klang es in seinen Ohren nicht.
      Da erhob sich Tava plötzlich und marschierte davon. Er ließ den Inhalt seines Löffels zurück in die Schüssel tröpfeln. Das Essen war jetzt auch nicht so schlecht, dass die Cervidia sich gleich übergeben müsste. Malleus zog die Stirn kraus. Als Tava mit dem Salz zurückkehrte, sah der Kultist fast erleichtert aus. Zu allen ihren Blessuren brauchte sie nicht auch noch eine Magenverstimmung.
      Malleus riskierte einen weiteren Blick zu Devon um vielleicht irgendwas in seinem Gesicht ablesen zu können. Das hier fühlte sich noch viel schlimmer an als mit der zornigen Art des Schweigen bestraft zu werden. Anscheinend hatte Malleus sich mit dem merkwürdigen Rhythmus ihrer abwechselnden Blicke verkalkuliert. Die Augen des Lacerta zuckten von seiner Schulter zu seinem Gesicht und beide brachten es fertig augenblicklich ertappt wieder in die Schüsseln zu sehen.
      Devon hatte seine Schulter fixiert.
      Der Bissabdruck pulsierte unter der lockeren Kleidung, als hätte Devon anstatt einfach hinzusehen seine Zähne erneut in seine Haut gebohrt. Er war so darauf konzentriert, seinen Puls und seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bekommen, dass Tavas kleiner Ausbruch ihn tatsächlich aufschreckte.
      "Tava, was soll..."
      "Was ist hier los?"
      Malleus stützte das Kinn mit der Hand, das schwarze Leder wieder untrennbar mit ihm verschmolzen, und vermied es Tava direkt in die Augen zusehen.
      "Ihr seid beide komisch. Was ist los? Hab ich was verpasst? Was habt ihr beiden angestellt?"
      Eine Moment wartete er, als wollte er die angespannte Situation einfach aussitzen. Doch als Devon nichts sagte und Tava zu seiner Seite nicht danach aussah, als würde sie die Männer mit ihrem Schweigen davon kommen lassen, stieß Malleus ein gedehntes Seufzen aus. Der tiefe Atemzug ließ ihn kurz zusammenzucken und er legte die Hand über seine Seite ab. Seit er aus dem Bad getreten war, hatte er keinen Hehl mehr aus den Schmerzen gemacht, die er zuvor auf ihrem Weg peinlichst versteckt hatte. Schmerz und Schwäche zu zeigen, gehörte ebenso dazu, wenn er gegenüber Tava und Devon seine Rüstung ablegen wollte.
      "Es ist nichts. Du musst dir wirklich keine...", setzte Malleus an und klappte, erstaunlicherweise, sofort den Mund wieder zu.
      Tava sah ihn an, als wollte sie sagen: Oh ja, bitte versuch mich anzulügen und du siehst, was du davon hast!
      Wenn das hier funktionieren sollte, war Offenheit ebenso wichtig wie das eingestehen einer Schwäche.
      Versuchs wenigstens, ermahnte er sich.
      Bedächtig führte Malleus seine freie Hand zu seinem Hemdkragen, während er die untere Hälfe seines Gesichts immer noch in seiner Hand verbarg und nun den Blicken beider einfach zur Seite auswich. Langsam zog er den Stoff mit dem Zeigefinger zur Seite bis Tava die ersten Ansätze des Bissabdruckes sehen konnte.
      "Möglicherweise haben wir uns ein wenig ablenken lassen..." Bevor Tava den Mund aufmachen konnte, fügte ernst hinzu. "Es ist alles in Ordnung, Tava. Es geht mir gut. Devon geht es gut. Wir sind nur etwas...angespannt."

      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Der Eintopf war trotz der Taubknollen nicht wirklich besser geworden. Aber Devon hatte schon mit Spärlicherem arbeiten müssen, weshalb er sich auch hier keinen Zahn abbrechen würde. Es war nur so… dass seine Zähne heute schon etwas anderes gekostet hatten als Kartoffeln, Knollen und Rüben. Dadurch verlor der Eintopf noch mehr an Reiz und erntete nur noch starre Blicke des Lacertas. Der, obwohl er sich eigentlich nicht mehr ganz so schlimm berührt fand, immer wieder zu Malleus blickte und Kontakt dabei vermied.
      Wie alt war er denn bitte? 30?
      Wirklich auf Tava achten tat der Jäger erst, als sie ihm ihre Hörner wieder entgegen kippte und ausholte, ihn für das Essen schuldig zu sprechen. In seine Augen kehrte eine gewisse Distanz zurück. Die sich noch verstärkte, als Tava einfiel, dass Malleus sich ja um das Essen kümmern wollte und prompt einen andren Tonfall anschlug. Ein nicht gerade glückliches Zischen ließ sich seitens des Lacertas nicht gänzlich vermeiden. Immer wieder zeigte sie ihm ihre Hörner oder machte ihn für Dinge verantwortlich. Das, was beispielsweise vor der Ruine der Mühle passiert war, schien noch immer eine absolute Ausnahme zu sein. Dabei waren es gerade diese Momente, diese weichen, zarten Augenblicke, die ihm bedeuteten, dass er mehr aus ihrer Beziehung ziehen konnte als ursprünglich gedacht.
      Als Tava aufstand und kurzerhand verschwand, schoss Devon Malleus einen weiteren Blick zu. Er fühlte sich nicht peinlich berührt, aber trotz des Bades schwang bei dem Mann noch immer dieser Moschusduft mit. Offensichtlich hatte die Aktion im Bad noch mehr Spuren bei ihm hinterlassen. Solche, die sich in den Geist fraßen und sich nicht mehr verdrängen ließen. Eigentlich war es es genau das, was Devon wollte. Nur… wirkte es jetzt gerade verdammt falsch vom Zeitpunkt her gewählt.
      Tava kam zurück und reichte freundlicherweise das Salz weiter, sodass der Eintopf immerhin etwas mehr Punch hatte. Devon versuchte sich möglichst entspannt zu geben, kam aber nicht drum herum immer wieder einen Blick auf Malleus‘ Schulter zu werfen. Bis er schließlich den Blick des Kultisten auffing und alsbald seine Schüssel fixierte. Was hielt der Mann wohl von diesem… Geschehnis.
      „Was ist hier los?“, fragte Tava zurecht pikiert und Devon hob den Blick von der Schüssel. „Ihr seid beide komisch. Was ist los? Hab ich was verpasst? Was habt ihr beiden angestellt?“
      Ja, sie hatte in der Tat etwas verpasst. Aber Devon spielte eher mit dem Gedanken, ihr zu stecken, was er Malleus im Bad auch schon gesagt hatte. Dass er nach Tel’Aquera gehen würde. Ohne sie als Begleitung. Das sollte genügen, um die seltsamen Blicke zu erklären, oder nicht?
      Da seufzte Malleus jedoch und senkte die Hand von seiner Seite, die Devon gar nicht richtig aufgefallen war. Immerhin tat der Mann jetzt nicht mehr so, als hätte er keinerlei Blessuren davongetragen. „Es ist nichts. Du musst dir wirklich keine…“.
      Devon blinzelte erstaunt Malleus an, der sich allen Ernstes selbst unterbrochen hatte. Das, was er im Bad gesagt hatte, schien zuzutreffen, als er sich neu sammelte und scheinbar entschied, nicht mit Worten länger als nötig zu jonglieren. Per se ein guter Entschluss, hätte er sich einfach seiner Worte bedient und nicht Taten sprechen lassen. Als Malleus sich an den Kragen griff, entgleiste Devon der Gesichtsausdruck.
      Was fällt ihm ein?!
      „Malleus, warte – „, warf Devon eilig ein, da hatte er bereits den Teil seiner Schulter enthüllt, der eindeutige Zahnabdrücke aufwies.
      Ein Teil von Devon jubelte vor Stolz. Der andere versank gerade im Boden.
      Die imposante Gestalt des Lacertas schrumpfte ein beträchtliches Stück in sich zusammen, sein Blick auf die Schüssel vor sich gerichtet. „VERspannt trifft es eher…“, murmelte er. „Seine Rippe ist gebrochen und er brauchte Hilfe, um sich auszuziehen und in den Zuber zu steigen. Ich… hab ihm was erzählt und dann sind die Gemüter etwas hochgekocht.“
      Stimmte nur halb. Aber das genügte, damit Tava ihn mit fordernden Augen ansah und auf eine Erklärung pochte. Nun war es an Devon zu seufzen und Tava anzusehen.
      „Ich werde die Haut von єรςђ๏ɭ๏ภ in mein Dorf zurückbringen müssen, als Ehrerweisung. Es ist wahrscheinlich, dass ich Schwierigkeiten haben werde, aus Tel’Aquera wieder zurückzukommen. Ich bin dort verstoßen worden, deswegen habe ich meine Geschichten auch unkenntlich gemacht. Aber wenn ich gehe, dann werdet ihr beiden nicht mitkommen.“
      Devon sah, dass Tava bereits aufbrausen wollte und unterbrach sie mit einer scharfen Geste. „Ihr werdet nicht mitkommen. Die Lacertas dort sind eingeschworen darauf, Fremde zu töten oder ein Opfer zu verlangen. Meist ersteres. Die werden nicht lange zögern und kurzen Prozess machen. Mit Malleus als Mensch noch schneller als bei dir, Tava. Das ist kein Spaß. Ich will nicht, dass ihr dahin geht. Ich mach das allein und setz alles daran, wieder zurückzukommen, okay?“
      Er würde nicht zulassen, dass die Beiden ihm folgten. Dann hätten sie womöglich ihr Todesurteil unterschrieben. Wenn er es nicht einmal selbst schaffen könnte, sich zu schützen, wie sollte er sich dann auch noch um die Beiden kümmern? Hätte er ein gutes Standing im Stamm wäre es eine Sache gewesen. So jedoch, erst recht nach seinen optischen Veränderungen, konnte selbst Devon nicht sicher sagen, wie der Stamm reagieren würde, wenn er die Haut seines ehemaligen Bruders brächte.
    • Für einen Augenblick war es wirklich totenstill im Raum. Tava sah vom einen zum anderen, wartend, auf der Suche nach... was eigentlich? Was hatten sie denn angestellt? Aber je mehr Sekunden vergingen, desto sicherer war sie sich, das dort etwas dahinter steckte. Etwas schlimmes.
      Bis Malleus schließlich seufzte und aufzugeben schien. Tavas Blick heftete sich sofort auf ihm fest.
      "Es ist nichts", setzte der Mann an und Tava kniff drohend die Augen zusammen. Das war alles an Warnung, die er bekommen sollte, bevor er ihre Hörner ins Gesicht bekommen würde.
      "Du musst dir wirklich keine..."
      Ganz anscheinend bemerkte er es jetzt auch, denn noch bevor er den Satz beendet hatte, klappte er den Mund wieder zu. Tava fühlte einen Hauch Befriedigung davon, den Kultisten mit der Macht ihres Blickes davon abzuhalten, jetzt seine Stimme einzusetzen und sie irgendwie besänftigen zu wollen. Sie hätte sich nicht besänftigen lassen. Etwas war vorgefallen und Tava hatte sich darauf festgesetzt, es auch herausfinden zu wollen.
      Da gab Malleus nach und hob die Hand zu seinem Kragen. Noch bevor Tava die Geste verstanden hätte, erwachte Devon mit einem Schlag aus seiner Teilnahmslosigkeit, der Blick so intensiv, dass man sich davor hätte gruseln können.
      „Malleus, warte –"
      Tava sah zu dem Lacerta, verständnislos über seine Reaktion, und blickte dann schnell zurück zu Malleus, als er sich den Kragen runterzuziehen begann. Und als der Stoff weit genug unten war, enthüllte er die unverkennbaren Ansätze eines Bissabdrucks.
      Tava schnappte hörbar nach Luft. Blut schoss ihr in den Kopf und brachte einen Schwung Emotionen mit, die in ihren Venen tanzten. Zorn, Neugier, Lust, Frustration. Sie wandte den Blick nicht von der dunklen, markierten Haut ab, als Malleus dazu setzte:
      "Möglicherweise haben wir uns ein wenig ablenken lassen..."
      Ablenken lassen? Möglicherweise?! Aber Tava holte gerade erst Luft, um diese Gedanken auszusprechen, da sprach Malleus weiter.
      "Es ist alles in Ordnung, Tava. Es geht mir gut. Devon geht es gut. Wir sind nur etwas...angespannt."
      "VERspannt trifft es eher…", kam es von dem eigentlichen Täter und Tava war zum zweiten Mal geschockt, als sie wieder zu Devon sah. Die ordentlich aufrechte Gestalt des Lacerta war in sich zusammengesunken, als versuchte er sich klein zu machen. Wegen... dem Biss? War er da etwa rot im Gesicht?!
      „Seine Rippe ist gebrochen und er brauchte Hilfe, um sich auszuziehen und in den Zuber zu steigen. Ich… hab ihm was erzählt und dann sind die Gemüter etwas hochgekocht.“
      Malleus' Rippe war gebrochen. Malleus' Rippe war gebrochen?! Tava sah sofort zu Malleus, wie um eine Bestätigung von ihm zu bekommen. Das erklärte vieles und doch hatte Tava nicht so weit gedacht. Sie war ja auch keine Ärztin - er hätte zu einem Arzt gehen müssen! Aber dann hatten sie auch nicht...
      Moment, Devon hatte ihm etwas erzählt? Und dann waren die Gemüter hochgekocht? Ihr Blick sprang zurück zu Devon.
      "Die Gemüter sind etwas hochgekocht - dass du ihn gebissen hast? Was hast du ihm erzählt?!"
      Wollte sie das überhaupt wissen? Tava war selbst nicht sehr angetan von Devons Neigung, seine Zähne einzusetzen. Aber an Malleus sah das irgendwie gut aus. Generell war es ein unglaublich berauschender Gedanke, sich Devon vorzustellen, wie er sich wie im Gasthaus über Malleus beugte und wie sein Gesicht an seinem Hals verschwand...
      Tava blinzelte. Devon sah sie jetzt mit einem Blick an, der irgendwie überhaupt nicht zu dem Gedanken passte, den sie gerade verfolgt hatte.
      „Ich werde die Haut von єรςђ๏ɭ๏ภ in mein Dorf zurückbringen müssen, als Ehrerweisung. Es ist wahrscheinlich, dass ich Schwierigkeiten haben werde, aus Tel’Aquera wieder zurückzukommen. Ich bin dort verstoßen worden, deswegen habe ich meine Geschichten auch unkenntlich gemacht."
      "Oh."
      "Aber wenn ich gehe, dann werdet ihr beiden nicht mitkommen."
      Oh? Da hatte Tava aber ganz eindeutig ein Wörtchen mitzureden.
      "Wir werden doch nicht -"
      „Ihr werdet nicht mitkommen."
      Devon sprach es mit einer solchen Endgültigkeit, dass Tava tatsächlich verstummte. Ihr Chaos an Emotionen brannte sich auf Frustration hinab und dann Angst. Angst vor der Implikation dieser Aussage.
      "Ich will nicht, dass ihr dahin geht. Ich mach das allein und setz alles daran, wieder zurückzukommen, okay?“
      Knapp sah sie zu Malleus und an seinen angespannten Lippen konnte sie erkennen, dass er durchaus eine ähnliche Meinung zu vertreten hatte wie sie. Das erfüllte sie mit Erleichterung. Ihr alleiniger Kampf in dieser Sache wäre aussichtslos gewesen.
      Entschlossen sah sie wieder zu Devon.
      "Nein."
      Unschlüssig sah er zurück. Tava spielte mit ihrem Ring und brannte ein bisschen die Unterseite des Tisches an.
      "Abgelehnt. Du sagst, wir werden nicht mitkommen, und wir lehnen ab. Wir kommen mit, Ende der Diskussion."
      Kurz sah sie zu Malleus und wieder zurück.
      "Und davon sind eure... Gemüter aufgekocht? Deswegen hast du ihn gebissen? Ohne mich zu holen?"
      Sie konnte langsam den seichten Geruch von kohlendem Holz riechen. Sie lehnte sich ein Stück nach vorne und sah beide eindringlich an.
      "Obwohl wir in Oratis zuletzt... obwohl wir in dem Gasthaus... Dabei habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass wir wieder alleine sind, so wie da. Die ganze Zeit! Und jetzt habt ihr -"
      Da erstarrte Tava plötzlich. Mit weit aufgerissenen Augen sah sie zwischen beiden hin und her und der sanfte Geruch von ankohlendem Holz war mit einem Mal nicht intensiv genug. Längst nicht intensiv genug.
      "Ihr wollt mich doch nicht ausschließen, oder?"
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