The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Caleb

      Okay. An der Einstellung würden sie wahrscheinlich noch ein wenig arbeiten müssen. Sean und Emmett waren zu oft bei ihm und er wollte sich ungerne noch zwischen seinen Neffen und seinem Freund entscheiden müssen. Aber zum Glück würde es ja reichen, wenn er sich mit kurzen Babysitter-Tagen abfinden könnte. Falls er das überhaupt je musste. Immerhin wohnten sie nicht zusammen. Richard musste ja nicht bei ihm sein, wenn er auf seine Neffen aufpasste. Was für ein seltsamer Gedanke. Jetzt suchte Caleb offensichtlich schon nach Problemen, die es gar nicht gab.
      Richards kleine, fast schon panische, Gegenfrage entlockte ihm tatsächlich ein kleines Lachen. Irgendwie war es seltsam bestätigend, dass Richard ihn offenbar so sehr als Mann wahrnahm, dass er sich gar keine Gedanken um eine ungewollte Schwangerschaft machte. Caleb stellte den leeren Teller auf den Tisch, um sich selbst einen Moment zu geben, um mit dem seltsam positiven Gefühl in seinem Kopf klarzukommen.
      "Theoretisch nicht", antwortete er schließlich. "Zumindest nicht, solange ich regelmäßig Testosteron nehme. Aber es sind schon unwahrscheinlichere Dinge passiert, also würde ich es nicht ganz ausschließen?" Sein letzter Zyklus lag zumindest schon Jahre zurück, obwohl er von anderen Trans-Männern gehört hatte, dass der Körper manchmal wohl seinen ganz eigenen Kopf hatte. Wunder gab es schließlich immer wieder, oder?
      "Ich habe versucht, eine Hysterektomie zu bekommen, als ich jünger war und die typische 'aber was, wenn dein Mann irgendwann Kinder will' Antwort bekommen, also hab ich es irgendwie einfach aufgegeben." Es hatte bisher auch so wunderbar funktioniert. Caleb war eh kein großer Fan von Operationen. Er hatte kein Problem mit den Schmerzen, aber die Ausfallzeit danach war zu lang und er hatte selten jemanden gehabt, auf den er sich wirklich verlassen konnte, ihm zu helfen. Die Zeit nach seiner Brust-OP war der pure Horror gewesen. Außerdem hasste er den sterilen Krankenhaus-Flair.
      "Aber ich denke nicht, dass irgendwas in die Richtung passieren wird." Sie nutzten eh Kondome. Bei so vielen Faktoren wäre eine Schwangerschaft so unwahrscheinlich, dass er sofort eine neue Religion gründen könnte, falls er doch ein Kind bekam.
    • Richard

      „Ah“, machte Richard etwas unüberzeugt. ‚Theoretisch‘, was? Das war beruhigend zu hören. Sie hatten ja auch nur in der Theorie Sex, und nicht in der Praxis.
      Richard fiel etwas die Kinnlade auf, als Caleb ihm das mit der Hormonspritze erklärte. „Das ist nicht dein Ernst. Schickt deine Schwester dir da auch Erinnerungsnachrichten?“ Warum hatte er darüber vorher noch nicht nachgedacht? Er war irgendwie davon ausgegangen, dass das nicht passieren konnte. Irgendwann musste der Körper doch mal aufgeben, oder? Warum wollte sich alles und jeder immer um jeden Preis fortpflanzen?
      „Schlagen sie dir die Hysterektomie auch aus, wenn du jetzt hingehst? Du siehst nicht so aus, als würdest du unbedingt geschwängert werden wollen. Vielleicht musst du ihnen erklären, dass du hetero bist. Oder lesbisch in deren Augen, was auch immer hilft“ Er wollte es Caleb nicht einreden, aber es war verdammt lächerlich, dass man die Operation nicht vorgenommen hatte, wenn er es wollte. Wen interessierte es, ob sein Mann Kinder wollte? Außerdem war Richard gerade dieser Mann, um den es ging, wenn sie ehrlich waren. Vielleicht sollten sie sich falsche Eheringe anstecken und Richard den Chirurgen mal erklären, wie toll er Kinder fand.
      „Vielleicht mach ich das mit der Vasektomie doch noch“, murmelte er. Die Chance, dass das passierte, war wohl deutlich größer. „Was du denkst ist nicht wirklich beruhigend, ehrlich gesagt“
      Er lehnte sich zurück und versuchte es sich mit einem Seufzen etwas gemütlicher auf der Couch zu machen, immerhin war es relativ spät und er würde wohl nicht mehr nachhause fahren. Vielleicht konnten sie sich einen Film reinziehen. Wie so ein altes, deprimierendes Ehepaar.
      „Die andere Option ist immer noch, durch die Hintertür zu gehen, oder?“, meinte er nebensächlich und legte den anderen Arm über die Sofalehne. „Kondome sind nicht immer so sicher, wie man es gerne hätte. Und in letzter Zeit hab ich das Gefühl, dass, egal wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, immer genau das passieren wird, was gerade am ungünstigsten ist. Das endet in einem Doppelselbstmord, Cal. Einer von uns muss dafür sorgen, dass er seine DNA auf keinen Fall weitergeben kann“ So viel zu dem Vorteil, mit einem Mann zusammen zu sein.
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    • Caleb

      "Sie interessiert sich nicht sonderlich für den Teil meines Lebens. Und ich nehme die Antidepressiva auch nicht nur, weil sie mich dran erinnert. Ich habe meine Medikamente durchaus im Griff." Ab und an ging ihm vielleicht mal ein Tag durch, wenn er mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen wurde, oder wie jetzt eine depressive Phase durch machte, was sowieso egal war, weil er zu viel Alkohol trank, als dass die Antidepressiva wirklich wirken würden, aber eigentlich hatte er seine Medikamente tatsächlich ziemlich gut in seinen Alltag integriert.
      "Ich weiß nicht, ob ich jetzt damit durchkommen würde. Ich hasse Operationen und ich wollte mir im Zweifelsfall keinen 'Hey, du bist für uns immer noch eine Frau' Reminder abholen." Obwohl er dafür selten eine Quelle von Außerhalb brauchte. Die Dysphorie über sein Geschlecht bekam er je nach Art seiner Depression auch ganz gut alleine hin. Gott, hoffentlich hatte Richard sich das mit der Beziehung wirklich gut überlegt.
      Wenigstens war Richards Verzweiflung einigermaßen unterhaltsam. Caleb fühlte sich offenbar deutlich sicherer, als er, was eine irritierende Abwechslung war, die er nicht hinterfragen wollte. Er hatte genug Probleme. Obwohl Richard wohl gerne neue für ihn fand. Caleb spürte, wie er ein wenig rot anlief, als er Anal als passende Gegenmaßnahme ansprach.
      "Ich glaube, ich bin nicht angeturned genug für diese Unterhaltung." Er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass er selbst noch nie darüber nachgedacht hatte. Aber es war definitiv nichts, was ihn eingehender beschäftigt hatte, obwohl er Richard in der Hinsicht tatsächlich ziemlich vertraute.
      "Du weißt aber schon, dass Abtreibungen existieren, oder? Ich meine, großer Fan vom Doppelsuizid und so, aber das kommt mir weniger drastisch vor." Wie zur Hölle waren sie in dieser Konversation gelandet? Caleb konnte sich nicht daran erinnern, je mit irgendjemand anderen so über das Thema Kinder zu reden.
    • Richard

      „Keine Sorge, ich frage dich solche Sachen sowieso nur noch ernsthaft, wenn du angeturnt bist. Du weigerst dich sonst durch die Bank gegen alles“, meinte Richard. Das war zu seiner persönlichen Taktik geworden. Caleb durfte nicht klar denken können, wenn sie über sowas redeten. Was schlimmer klang, was es war. Im Prinzip steckte er einfach zu sehr in seinem Kopf fest, um darüber nachzudenken, was ihm wirklich gefallen könnte. Man musste ihn in eine Art primitiven Zustand bringen und zu seinem eigenen Glück überreden. Bisher hatte er es nachher noch nie bereut. Höchstens war es ihm unnötigerweise mal extrem peinlich gewesen.
      „Schon, aber woher weiß ich denn, dass du kein seltsames Hormonchaos erlebst und denkst, du musst das Baby unbedingt behalten? Soll ich dich zwingen?“, fragte er. Er hatte nicht mehr viel Kontrolle darüber, wenn das Ding mal aus seinem Körper raus war und sich irgendwo einnistete. Er kannte Caleb auch nicht gut genug, um 100% sicher zu sein, dass er sich nicht irgendwie beeinflussen ließ. Oder Schuldgefühle bekam. Oder auf einmal einen biologischen Fortpflanzungstrieb entwickelte. Yup, eine Vasektomie klang garnicht so übel. Warum hatte er das vorher noch nicht gemacht? Er hatte genügend One Night Stands mit Frauen gehabt, um ein Risiko einzugehen.
      „Urgh, hören wir auf darüber zu reden, sonst wird mir noch schlecht. Ich hab demnächst noch Alpträume von dir, schwanger, und mich anheulend, dass wir ein Haus kaufen und ein Kinderzimmer einrichten müssen“ Calebs Lebenseinstellungen waren es gewesen, die Richards Interesse in erster Linie geweckt hatten. Es wäre untypisch, wenn Caleb plötzlich beschloss, Kinder haben zu wollen, aber Richard wollte sich mit diesem grauenvollen hypothetischen Szenario garnicht zu sehr auseinandersetzen.
      „Apropos angeturnt. Du hast ein Freiticket, weil du heute komplett neben dir warst, aber wusstest du, dass ich noch kein einziges Mal hier geschlafen habe, ohne, dass wir Sex hatten? Freu dich auf die langweiligste, erholsamste Nacht deines Lebens. Falls du es überhaupt schaffst, mich nicht plötzlich anzuspringen. Die letzten Male war ich nicht derjenige, der sofort zur Sache gegangen ist“ Irgendwie brachte das ihr Beziehung wohl auf eine ernsthaftere Stufe. Richard hatte nichts dagegen. Er war froh, dass Caleb nicht mehr heulte und keine Panikattacke hatte, und dass sie diesen Streit hinter sich gelassen hatten. Manchmal empfand er diese kitschige Freude darüber, sich einfach nur mit Caleb das Bett zu teilen. Es war auch immer ein schöner Anblick, neben ihm aufzuwachen.
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    • Caleb

      Caleb biss sich auf die Unterlippe, bemüht, möglichst ernst zu bleiben, bevor er einfach nicht anders konnte, als zu lachen. “Sorry, aber die Vorstellung, wie du ein Kinderzimmer einrichtest, ist einfach ein bisschen zu viel für mich!” Er konnte es bildlich vor sich sehen - Richard mitten in einem Zimmer, mit einem Eimer zartrosa Wandfarbe, einem kleinen Gitterbettchen und Plüschtieren. Er würde so deplatziert wirken, wie ein Tiefseetaucher im Ballett. Richard ein Kind in den Arm zu drücken, wäre für beide wohl die schlimmste Erfahrung ihres Lebens.
      “Schwanger zu werden ist eine meiner Top 3 größten Ängste im Leben, daher wird die einzige Hormonschwankung wohl die Testosteronspritze bleiben und die lässt neben dem gewünschten Effekt nur meine Libido ansteigen.” Womit Richard absolut kein Problem haben dürfte. Im Gegenteil, wahrscheinlich sollte er anfangen die Spritzen so zu timen, dass er Richard danach 1-2 Tage für sich hatte. Warum nicht die Vorteile der Beziehung nutzen? Und wo sie gerade beim Thema waren-
      “Ich entnehme dem, dass du über Nacht bleibst?” Irgendwie beruhigte das Caleb mehr, als er zugeben wollte. Nach dem kleinen Breakdown wäre es irgendwie furchtbar gewesen, morgen wieder alleine aufzuwachen. Außerdem wollte er jeden Moment mit Richard nutzen, den er haben konnte. Wer wusste schon, wann sie sich das nächste mal streiten würden? Da schienen sie wirklich gut drin zu sein.
      “Langweilig und erholsam klingt absolut perfekt.” Caleb lächelte leicht. Irgendwie fühlte sich das wie ein seltsam großer Schritt an, auch wenn es nur darum ging, zusammen in einem Bett zu liegen. Aber genau das brauchte er gerade. Er hatte schon seit Jahren keine erholsame Nacht mehr gehabt, aber er musste Richard ja nicht direkt entmutigen. Gegen Calebs Kopf waren sie immerhin beide machtlos.
      “Ich glaube, ich kann die Augen noch eine Stunde aufhalten, wenn ich mich anstrenge”, erklärte er, während er wieder näher an Richard heran rutschte und sich an ihn lehnte. Er hatte keine Ahnung, ob er sich mit der Stunde überschätzte, nach dem Bad und dem Essen hatte seine Energie einen neuen Tiefpunkt erreicht. “Irgendwelche Wünsche, was wir bis dahin machen?”
    • Richard

      Richard horchte auf. "Tut sie das?", fragte er. Es machte Sinn, wenn man so darüber nachdachte. Also hatte Richard die ganze Zeit über vor sich hingelebt, ohne diese Peaks auszunutzen? Er musste sich dringend merken, wann Caleb sich die Spritzen verabreichte. Richard würde an den Tagen zukünftig immer vorbeikommen. Auch, wenn Caleb grundsätzlich immer mit ihm schlafen, wollte er vorbeikam. Zumindest passierte es jedesmal. Richard war irgendwie stolz auf sich, das möglich gemacht zu haben. Aber er hatte nicht gedacht, dass Calebs Testosteronspritze ihm in die Karten spielen würde. Dann wusste er ja, wann er gewisse Dinge zukünftig ansprechen und ausprobieren würde…
      Richard legte seinen Arm wieder um Caleb, als der an ihn heran rutschte. "Ich kann nicht einschätzen, ob du gerade mit mir flirtest, eine Stunde ist nämlich gut Zeit, um-" Er stoppte sich. "Vergiss es, ich tippe auf Nein. Ich schalte einen Film ein. Zwing dich nicht, wach zu bleiben", murmelte er. Er empfand gerade irgendwie ein neues Gefühl. Sowas wie… Caleb nicht ausnutzen zu wollen, wenn er in einem verletzlichen Zustand war. Gab es dafür einen Namen? Wenn sein Freund ihm mindestens die letzten 24 Stunden nachgeheult hatte, weil er ihn vermisste, kam es Richard irgendwie falsch vor, jetzt mit ihm zu schlafen. Ungewohnt. Normalerweise hätte er das freudestrahlend ausgenutzt. Aber er wollte Caleb nicht schon wieder in paranoide Gedankengänge treiben, dass Richard nichts außer Sex von ihm wollte. Es wäre sogar noch perverser, wenn er sich dafür um ihn kümmerte, für ihn kochte und putzte und dann auf Sex bestand. Urgh. Die Art von Arschloch war er auch nicht. Er würde nie im Leben einen Finger für jemanden krümmen, nur um Sex zu bekommen. Das war zu viel Arbeit.
      Er hatte von Anfang an gemerkt, dass er sich um Caleb manchmal fast automatisch sorgte. Er war aber noch immer nicht bereit, sich damit richtig auseinandersetzen. So lange waren sie auch noch nicht zusammen.

      Caleb hatte keine Stunde durchgehalten. Er war so schnell eingenickt, dass Richard sich den Film nicht einmal alleine ansah, sondern Caleb ins Bett trug und dann selbst einfach eine Elends lange Zeit durch sein Handy scrollte. Caleb musste gestern Nacht kaum geschlafen haben, wenn er um 21 Uhr im Tiefschlaf war.
      Richard vertrieb sich irgendwie die Zeit, bis er einigermaßen müde war, und drückte Caleb an sich, bevor er einschlief. Im Endeffekt war er wohl doch noch zu jemandem geworden, der gerne kuschelte. Zumindest mit diesem spezifischen Chihuahua.
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    • Caleb

      "Links." Caleb zog Richard mit sich durch den geschäftigen Teil des Flughafens. Es war ziemlich früh, aber Zeit war an solchen Orten ja irgendwie relativ. Flughäfen schienen generell in ihren ganz eigenen Sphären zu existieren. Obwohl Caleb Orte wie diese liebte. Steine musste man generell abgeben, bevor man ein Flugzeug betrat was bedeutete, dass er zur Abwechslung mal nicht mit tausenden Eindrücken und Gefühlen von Außen klarkommen musste. Gleich würden sie sogar noch einsamer sein - Caleb hatte sich dazu hinreißen lassen, das Privatflugzeug seiner Eltern zu nutzen. Aus rein praktikablen Gründen, natürlich. Es war günstiger den Piloten zu zahlen, als das ganze Übergewicht seiner Koffer zu löhnen. Und vielleicht war es auch ganz nett, zumindest ein bisschen vor Richard anzugeben. Zugegeben, das ganze hatte ein gewisses Risiko, aber Caleb fühlte sich seltsam mutig.
      Es hatte überraschenderweise nicht lange gedauert, bis sie Abreisebereit gewesen waren. Richard hatte es geschafft, seine Laune bis zum Ende der letzten Woche vollends zu heben und keine Zeit vergeudet, um sich den Ausflug nach Dublin absegnen zu lassen. Wie Caleb vorhergesagt hatte, hatte Ezra sich offenbar nicht eingemischt. Also liefen sie schon Montag morgens vorbei an anderen Reisenden, die verloren auf Anzeigetafeln starrten. Sie waren zum Glück nicht auf diese Bordingzeiten angewiesen, sondern konnten direkt zu dem kleinen privaten Gate durchgehen, das etwas abgelegen im hinteren Teil des Flughafens lag. Das kleine Flugzeug stand schon bereit, als sie das Gate erreichten und es dauerte nicht lange, bis sie saßen. Es war eine kleine Maschine. Acht Sitze, in zwei Vierergrüppchen mit Tischen aufgeteilt, abgetrennt vom Cockpit, falls zwischendurch geschäftliches besprochen werden musste. Im hinteren Teil war eine kleine Snackbar mit Kaffeemaschine aufgebaut. Für längere Flüge gab es eine Mikrowelle, die er noch nie genutzt hatte. Die meisten Flüge waren relativ kurz, genau so wie dieser. Eine Stunde, wenn nichts schief ging.
      "Kaffee?" Caleb sah über seine Schulter hinweg zu Richard, während er seine Tasche auf seinen Stammplatz - rechts in Flugrichtung am Fenster - warf und zu der kleinen Anrichte im hinteren Bereich durchging. Er war überraschend gut gelaunt. Nach der Tiefphase letzte Woche schien es endlich wieder bergauf zu gehen, was wohl nicht zuletzt an Richard lag, so seltsam das auch irgendwie war. Er war zu tief drin. Er wusste, dass ihr nächster Streit ihn direkt wieder von ganz oben nach ganz unten zerren würde. Aber was sollte er tun? Es blieb ihm nichts anderes über, als ihre Beziehung einfach zu genießen, so lange sie hielt.
    • Richard

      Ein Grund war schnell gefunden gewesen. Richard hatte Steve noch am Freitag angerufen und ihm unverschämt erklärt, dass er nicht zur Arbeit kommen wollte und seinen Freund, den er mittlerweile ja kannte, nach Dublin begleiten würde. Dass er das seinetwegen als bezahlten Urlaub, oder als Geschäftsreise verbuchen sollte. Andrew schien sich nicht gewehrt zu haben, er wollte Richard bestimmt derzeit auch ungerne im Büro sehen. Letztendlich hatte Richard zwar wirklich etwas Arbeit aufgedrückt bekommen, aber das würde nichts daran ändern, dass der Großteil dieser Reise Urlaubsgefühle mit sich bringen würde. Es fing bereits mit dem Flugzeug an.
      Richard war dank Magia Lapides bereits in Privatchats geflogen, allerdings nicht alleine. Heute hatte er Ruhe und die eine Gesellschaft, die er tatsächlich haben wollte. Und sein Freund fing endlich an, sein Geld zur Schau zu stellen. Wurde ja auch Zeit.
      Richard setzte sich auf den Sitz neben Calebs und nickte auf die Frage nach Kaffee. Das war nett. Wurde er jetzt auch bedient? Urlaubs-mäßiger wurde es kaum. Seit sie an dem privaten Gate angekommen waren, hatte sich ein zufriedenes Lächeln auf seine Lippen gelegt. Es war zu gut gelaunt. Im Vergleich zu letzter Woche, lebte er gerade in einer völlig neuen Welt. Vielleicht sollte er sich bei MLO einfach versetzen lassen. Er war zwar ohnehin extrem oft im Außendienst, aber vielleicht konnte er irgendwo an den Strand ziehen und an einem völlig anderen Standort arbeiten. Caleb konnte mitkommen, sie würden gemeinsam die Außendienste machen und nurnoch in Privatjets unterwegs sein. Richard lebte gerade in seiner ganz eigenen Fantasiewelt.
      „Deine Wohnung hat nicht zufällig eine Dachterasse mit beheiztem Pool?“, fragte er, so ins Blaue hinein. Konnte ja sein. Dann würde er sich vielleicht sogar nach Irland versetzen lassen, wieso nicht? Er konnte ja bei Caleb wohnen. Ihn an seine Medikamente und Spritzen erinnern. Da war doch für sie beide was drin.
      „Oh, und ich hoffe du kennst gute Rooftop-Bars. Ich weiß, Irland und Pubs, aber Rooftop-Bars wird es hoffentlich geben. Ich brauche ein paar Cocktails, einen guten Ausblick und- oh. Du hast ein Auto, oder? Sonst leihe ich mir eins. Oder wir buchen eine Limo. Haha“ Er war noch nie so zufrieden gewesen.
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    • Caleb

      "Nein, ich kann dir höchstens einen Balkon bieten. Dafür mit Meerblick." Für moderne Dachterassen war das Gebäude zu alt. Das Panoramafenster im Wohnzimmer war das einzige bisschen Renovierung gewesen, an das Caleb sich rangetraut hatte - für alles weitere müsste er wohl das ganze Haus kaufen, statt nur eine Wohnung darin, auch wenn das theoretisch kein großer Sprung mehr wäre. Er hatte nur keine Lust auf den damit verbundenen Papierkram. Also musste er mit seinen Nachbarn leben - ein älteres, gut situiertes Rentnerpärchen im Erdgeschoss und ein Typ der ungefähr in seinem Alter war in der Wohnung über ihn. Letzterer schien die Wohnung eher als Ferienhaus zu nutzen - Caleb hatte ihn seit seinem Einzug vor ein paar Jahren erst zwei mal gesehen und kannte weder seinen Namen, noch seinen Beruf.
      "Es gibt ein paar Rooftop Bars. Ich kenne mich bei den Pubs allerdings deutlich besser aus." Caleb stellte den Kaffee vor Richard ab und ließ sich mit seiner eigenen Tasse auf den Sitz neben ihn fallen. Ein kleiner Signalton gab an, dass der Abflug bevorstand und das Flugzeug setzte sich träge in Bewegung.
      "Ich habe ein Auto, aber ich denke nicht, dass es dich sonderlich beeindrucken wird." Durch Niamhs recht abenteuerlichen Fahrstil war jegliche Vorliebe, die Caleb je für schnelle Autos hätte entwickeln können, schon recht früh abgestorben. Zumal Autos ihn sowieso nie sonderlich interessiert hatten. Hauptsache das Ding hatte Räder, einen Motor und würde ihn sicher von A nach B bringen.
      "Dublin hat ein ziemlich lebendiges Nachtleben. Wir finden schon irgendwas, um die Zeit rumzubekommen." Es gab zumindest genug Grünflächen in der Umgebung, aber Caleb hatte das Gefühl, das Richard nicht unbedingt der Typ für Sight Seeing und Wandern war. Was ihm vielleicht ein wenig in die Karten spielte. Er wusste nicht, wie viel Zeit Richard rausschlagen konnte und feiern und zuhause hängen schien ihm definitiv die bessere Planung zu sein, als stundenlang nebeneinander her zu laufen. Obwohl am Ende wahrscheinlich eh egal war, was sie machen würden. Alleine die Aussicht, die nächsten Tage weiterhin neben Richard war zu werden war schon gut genug.
    • Richard

      Richard warf Caleb einen irritierten Blick zu. "Mir wäre egal, welches Auto du fährst, wenn du nicht definitiv alle Mittel für eine Sportwagen-Kollektion hättest. Du hast wenigstens eine Klimaanlage, oder? Sonst spricht das einfach nur für schlechtes Urteilsvermögen. Es gibt Dinge, wo man sparen kann, und Autos gehören nicht dazu" Gott, Richard könnte mit der Menge an Geld definitiv mehr anfangen. Alleine die Tatsache, dass Caleb eine Wohnung hatte, und kein ganzes Haus? Daran mussten sie arbeiten. Wenn Richard in Zukunft öfter hier war, sollte mindestens eine eigene Sauna drin sein.
      "Wir gehen heute Abend aus, ich muss nämlich morgen Nachmittag zur Dublin Branche von MLO fahren. Weißt du, wenn ich nicht bei dir wäre, würde ich wahrscheinlich in einem 5-Sterne-Hotel bleiben. Steve ist ganz gut darin, keine Kosten zu scheuen" Er sah Caleb an und trank einen Schluck Kaffee. "Auf der anderen Seite würde ich alleine oder mit unheimlich anstrengenden Kollegen an der Hotelbar sitzen, also verzichte ich gerne auf die 5 Sterne. Ich gehe lieber mit dir in irgendeinen Pub" Er lehnte sich zu Caleb und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Hm. Sie waren die letzten Tage vielleicht ein wenig zu sehr aneinander geklebt. Dieses romantische Gefasel lag ihm nicht, und rutschte ihm trotzdem ständig raus.
      Auf einmal erinnerte Richard sich, dass sie gerade dabei waren, in Calebs tatsächliches Zuhause zu fliegen. Wo er normalerweise seine Zeit verbrachte, lebte, arbeitete. Wahrscheinlich hatte er Freunde, die er eine ganze Weile nicht gesehen hatte. Pech für die. Solange Richard dabei war, würde er Caleb nicht erlauben, sich mit irgendjemand anderem zu verabreden. Das war sein Moment. Er konnte sich vollkommen von Caleb finanzieren lassen und seine Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, solange sie hier waren. Sie würden die nächste Woche genau so verbringen, wie die letzte.
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    • Caleb

      “Klimaanlage, Radio, Rückfahrkamera. Das Auto ist nicht alt, es ist nur kein Sportwagen.” Caleb zuckte kurz mit den Schultern und griff nach seinem Kaffee, während der Kuss ein kleines Lächeln auf seine Lippen zauberte. Irgendwie passierte ihm das immer öfter. Es war schwer deprimiert zu sein, wenn Richard in seiner Nähe war. Nicht, dass er das je zugeben würden. Wahrscheinlich musste er das auch nicht. Richard konnte ihn viel zu gut einschätzen.
      “Sicher, dass Steve sich nicht um die Kosten schert? Ich habe das Gefühl, dass er eher alles tut, um Beschwerden von dir zu entgehen.” Hotelfeeling würde in seiner Wohnung wohl nicht aufkommen, dafür war sie zu bewohnt, aber solange sie sich nicht doch gegenseitig auf die Nerven gingen, würde es schon eine entspannte Woche werden. Wenigstens mussten sie sich nicht ums Aufräumen kümmern und es gab ein paar nette High-End Restaurants in der Nähe. Luxus konnte man auch außerhalb eines Hotels leben.
      “Es gibt einen Pub bei mir in der Nähe. Etwas gehobener, aber wenigstens fußläufig.” Was ihm schon oft genug entgegengenommen war. Es hatte die ein oder andere Nacht gegeben, in der er durch pure Muscle-Memory nach Hause gefunden hatte. Vielleicht hätte es ja was romantisches an sich, wenn sie zusammen zurück zur Wohnung stolperten.
      “Ich muss morgen kurz bei meiner Schwester vorbeischauen und dann wahrscheinlich relativ lange bei meinen Eltern vorstellig werden, also kommt mir die Aussicht auf Alkohol heute Abend auch ziemlich gelegen.” Er nippte an seinem Kaffee, während das Flugzeug an Fahrt aufnahm und zum Abheben ansetzte. Wenigstens konnten sie diesen Tag noch auskosten, bevor morgen wieder die Realität einsetzen würde. Es half, dass er morgen wenigstens nicht in eine leere Wohnung zurückkommen würde.
      “Wenigstens hab ich dann zur Abwechslung mal einen Grund, um direkt nach Hause zu kommen.” Caleb grinste leicht, lehnte sich Richard entgegen und zog ihn für einen richtigen Kuss an sich. Das war jetzt offenbar was, was sie tun konnten. Kleine Berührungen. Küsse. Sicher gab es ab und an die üblichen Sticheleien, aber irgendwie schien die letzte Woche ihre Beziehung überraschend positiv geprägt zu haben. Caleb war froh darüber. Gerade nach dem Streit. Er war selten so entspannt gewesen, bevor er zu seinen Eltern gefahren war.
    • Richard

      "Schlau von ihm", war Richards Antwort darauf, dass Steve es ihm recht machen wollte. Solange er deshalb weiterhin erstklassige Buchungen genießen konnte, war das nur ein Zeichen, dass sein Plan funktionierte. Obwohl man es kaum einen Plan nennen konnte, seine Kollegen einfach nur dazu zu trainieren, alles richtig zu machen.
      Sie schienen beide morgen einen vollen Tag zu haben, und Richard war froh, dass Caleb das nicht als Gegenargument für Alkohol sah. Sie mussten es zwar nicht übertreiben, aber wenigstens wäre mit einem Kater auch alles weniger langweilig. Offensichtlich hatten sie sich ja auch schon auf einen Pub geeinigt, und was auch immer Caleb unter 'gehoben' verstand, würde Richard nicht davon abhalten, sich ein paar härtere Drinks runterzukippen. Er hatte es sich irgendwie verdient. Richard erwiderte den Kuss und freute sich bereits auf heute Nacht.

      Die Stunde war schnell vergangen, und von dem gemütlichen Jet ging es direkt in ein gemütliches Taxi und weiter in Calebs Wohnung, die garnicht übel war. Alles andere als übel. Richard war ein Fan von den Panoramafenstern und dem Ausblick. Weshalb das erste, was er tat, war, eine Dusche zu nehmen und sich schließlich mit seinem Bademantel aufs Sofa zu legen, und mit einer Tasse Kaffee in der Hand aus dem Fenster zu starren. Er mochte das lieber. Klippen und das Meer waren eindeutig eine bessere Aussicht, als die Innenstadt. Er würde sich jetzt gleich etwas anziehen, und Caleb mit sich durch die Stadt zerren – nicht, weil er sie nicht kannte, sondern weil er sie mit Caleb sehen wollte – und nach dem Pub würde er ihn direkt vor dem riesigen Fenster vögeln. Er lächelte bei dem Gedanken etwas in sich hinein. Angetrunken musste das echt irre sein. Wenn sich alles ein bisschen im Kreis drehte, hatte man vielleicht das Gefühl, direkt die Klippen runterzustürzen. Während dem Sex. Ob Caleb sowas geil fand? Weil er suizidär war? Oh, was wenn er das schonmal gemacht hatte? …Ach was, er hatte noch nie irgendetwas gemacht, da würde es Richard nicht wundern, wenn er in seiner eigenen Wohnung nur in seinem Bett Sex gehabt hätte. Langweiler. Richard grinste.
      "Hey, wo gehst du untertags normalerweise hin, wenn du nicht arbeitest?", fragte er Caleb. "Oder hockst du nur zuhause? Ich würde mir gerne irgendwas ansehen. Wir sind die letzten Tage fast nicht rausgegangen. Komm schon, Reiseführer, mach das zu einer 5-Sterne-Experience für mich" Richard war bei seinen Geschäftsreisen aus Verzweiflung schon wirklich überall gewesen. In Dublin war er allerdings erst einmal, sehr kurz, und hatte nur eine Bar besucht, um am nächsten Tag dann verkatert nachhause zu fliegen. Schlimmstenfalls würde er sogar in ein Museum gehen, nur, um sich richtig gut einreden zu können, dass er gerade im Urlaub war.
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    • Caleb

      War es seltsam, dass sich diese Wohnung immer weniger wie ein Zuhause anfühlte, als die Wohnung in London, auch wenn er hier weitaus mehr Zeit verbrachte? Caleb gab Richard eine Tour im Schnelldurchlauf, bevor er ihm die Dusche überließ und selbst ein paar Handgriffe nachholte - Kühlschrankinhalt prüfen, WLan wieder einschalten und dergleichen. Seine Wohnung war hell eingerichtet und dank der Fenster lichtdurchflutet. Hier und da waren ein paar bunte Akzente gesetzt und ausnahmsweise war es aufgeräumt, auch, wenn die Schränke trotzdem ein wenig überladen waren. Trotzdem war Caleb die Wohnung immer zu neutral gewesen. Zu sehr darauf ausgelegt, seinen Eltern und Niamh keine Angriffsfläche zu geben, wenn sie vorbeikamen.
      Caleb schloss den Kühlschrank, der kurz vor ihrer Ankunft noch von dem Reinigungsservice gefüllt worden war und ging zurück zu der kleinen Kommode im Wohnungsflur, der direkt ins Wohnzimmer mündete. Richard war mittlerweile offenbar durch mit duschen und hatte sich auf dem cremefarbenen Sofa breitgemacht. Das Sofa war irgendwie Calebs Lieblingsmöbelstück. Es war L-förmig, so dass man je nach Sitzplatz entweder raus aufs Meer, oder auf den vielleicht etwas zu großen Fernseher starren konnte. Morgens konnte man gemütlich den Sonnenaufgang darauf sehen.
      "Ich verlasse die Wohnung meistens zum Trinken, um eine Show zu sehen, oder etwas Kultur nachzuholen. Für eines davon ist es zu früh und die anderen beiden würden dich wahrscheinlich furchtbar langweilen." Caleb lächelte kurz, als er fand, was er in der Kommode gesucht hatte. Über ihr hingen ein paar Familienfotos. Ein Schnappschuss von Niamh und John an Weihnachten vor ein paar Jahren. Ein Bild von seinen Neffen, das dringend aktualisiert werden müsste. Eines von Ezra und Molly, deutlich jünger als jetzt, auf einem Klettergerüst. Caleb war sich ziemlich sicher, dass Ezra circa zehn Sekunden nach dem Bild runtergefallen war und Molly mit sich gerissen hatte.
      "Wenn wir ein Stück die Küste langfahren kommen wir irgendwann an einen kleinen Strand mit ein paar netten Restaurants, falls du schon was essen kannst", bot Caleb an, während er sich hinter das Sofa stellte und an Richard vorbeilehnte, um ihm ein paar Schlüssel vor die Nase zu halten. "Der eckige ist für die Haustür, der runde für die Wohnung", erklärte er. Er war sich ziemlich sicher, dass er die Schlüssel noch nie jemandem gegeben hatte. Niamh hatte natürlich ein Set an Zweitschlüssel, auch, wenn sie es nie nutzte, aber sonst hatte außer ihm niemand überhaupt je Zugang zu dieser Wohnung gehabt. Wenn er nicht ganz falsch lag, war Richard generell die erste fremde Person in dieser Wohnung, wenn er seine Familie und das Personal nicht mitzählte. Caleb wollte nicht zu sehr darüber nachdenken.

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    • Richard

      Okay, es gab Grenzen. Richard würde sich definitiv nicht freiwillig in ein Musical oder etwas dergleichen setzen. Museen waren das höchste aller Gefühle. "Dann wird es ein Restaurant", stimmte er also zu, weil eigentlich garnicht so übel klang, und auf jeden Fall Milliarden Mal besser als die anderen Optionen.
      Als auf einmal ein Schlüsselbund seine Sicht auf das Meer einschränkte, runzelte Richard die Stirn. Er nahm die Schlüssel an. Schön, es machte irgendwie Sinn, dass er Schlüssel hatte, wenn Caleb und er die Woche beide ab und an arbeiten würden und unterschiedliche Zeitpläne hatten. Trotzdem hatte Richard noch nie die Schlüssel einer anderen Person in der Hand gehalten. Sogar aus einem freundschaftlichen 'Kannst du meine Pflanzen gießen während ich im Urlaub bin?' hatte er sich bisher erfolgreich herausgeredet. Aber… er hatte definitiv noch keine Zweitschlüssel für die Wohnung von jemandem gehabt, mit dem er schlief. Mit dem er zusammen war.
      "Oh. Danke", sagte er, nicht ganz sicher, wie er reagieren sollte. Sollte er da mehr hinein interpretieren? Wollte er mehr hinein interpretieren? Gestern hatte er noch gescherzt, dass er hier einziehen würde, und anschließend überlegt, ob das nicht wirklich Vorteile hätte. Also, nicht hier. Aber einfach zusammen zu wohnen. In London. Oder wo anders?
      Aber, nein, das war kein Wink mit dem Zaunpfahl, bestimmt nicht. Das hatte ausschließlich praktische Gründe. Ansonsten wären sie ja die ganze Woche aneinander gefesselt. So wie letzte Woche.
      Trotzdem hatte Richard das Bedürfnis, ihre Pläne jetzt etwas zu beschleunigen. Einfach so weiterzumachen, wie immer. Er stand kurzerhand auf und platzierte sowohl die Tasse als auch die Schlüssel auf dem Tisch. "Ich ziehe mich an, dann können wir losfahren. Es ist zwar noch ziemlich früh, aber ich war sowieso noch nie am Strand hier", meinte er und ging kurzerhand ins Schlafzimmer, wo er seinen Koffer eben noch in einer Ecke stehen gelassen hatte. Ob er ihn ausräumen sollte? Aber vermutlich Hatte Caleb gar keinen Platz im Schrank. Eben. Er konnte dann anfangen sich Gedanken zu machen, wenn Caleb ihm Platz im Schrank machte und ihm eine eigene Kaffeetasse kaufte. Es war bescheuert, sich wegen eines temporären Zweitschlüssels so anzustellen.
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    • Caleb

      Okay. Der Kühlschrank war voll, Richard konnte unabhängig von ihm in die Wohnung kommen und sie hatten einen ungefähren Plan, was sie mit dem Rest des Tages anstellen würden. Fehlte noch irgendwas? Caleb sah Richard kurz gedankenverloren hinterher, als er sich aufmachte, um sich was anzuziehen. Ihm fiel spontan kein offener Punkt ein, also konnte er zumindest nichts großes vergessen haben, oder? Jetzt mussten sie die nächsten Tage nur irgendwie überleben und dann würde schon alles gut werden. Irgendwie.
      Vielleicht würde sich sein Streit mit Ezra auch einfach auf magische Art und Weise in Luft auflösen, wenn er ihm nur genug Zeit gab. Auch, wenn ihm das irgendwie unrealistisch vorkam. Wenigstens hatte Richard es bisher ziemlich gut geschafft, ihn von diesem Problem abzulenken. Es war die richtige Entscheidung gewesen. Selbst nach seinem kleinen Streit mit Richard war er sich wenigstens in der Hinsicht absolut sicher.

      "Tob dich aus." Caleb reichte Richard sein Handy rüber, Spotify bereits geöffnet, bevor er seinen Rückspiegel einstellte. Er fuhr einen schwarzen Mercedes, was...so ziemlich die einzigen Angaben waren, die er von seinem eigenen Auto kannte. Er hatte sich nie sonderlich für Automodelle interessiert - eine Tatsache, die seinen Dad beim ersten Auto in den Wahnsinn getrieben hatte - und eher nach Fahrgefühl und Optik gekauft, statt nach technischen Angaben. Die sich wahrscheinlich irgendwie damit überschnitten, aber solange das Auto ihn von A nach B brachte, hatte Caleb keinen Grund, sich die ganzen Zahlen und Angaben zu merken, geschweige denn zu verstehen, was sie bedeuteten und wie gut, oder schlecht sie waren. Wenigstens war das Auto aufgeräumt. Solange man nicht ins Handschuhfach sah, in das Caleb meistens alles reinstopfte, was er gerade in der Hand hielt, um prompt zu vergessen, dass es existierte.
      "Gibt es außer Rooftop Bars noch irgendwas, was du sehen willst?", fragte er schließlich, während er sich in den Verkehr einfädelte, die Küste entlang, Richtung Strand. "Oder lässt du dich einfach überraschen?" Sein Wohnviertel war nie sonderlich belebt gewesen. Der Verkehr würde erst am Strand wieder zunehmen. Das Wetter war einigermaßen gut. Caleb selbst würde bei den Temperaturen nicht mal daran denken, ins Meer zu gehen, aber es gab genug Schwimmer, denen das kalte Wasser absolut nichts auszumachen schien und ein paar Familien auf Picknickdecken fand man zu jeder Jahreszeit. Vielleicht könnte er Richard überzeugen nochmal mit ihm zu kommen, wenn der Hochsommer einsetzte. Falls ihre Beziehung so lange- Nein. Caleb vertrieb den Gedanken, bevor er ihn zuende gedacht hatte. Es würde funktionieren.
    • Richard

      Als Caleb meinte, dass Richard von seinem Auto nicht sehr begeistert sein würde, hatte er eher einen alten Volkswagen erwartet, als einen Mercedes, aber vielleicht sollte man einem Rich-Kid nicht unterstellen, sich ein günstiges Auto zu kaufen. Richard stieg trotzdem etwas irritiert in den Wagen und fragte sich, wie unterschiedlich sie eigentlich aufgewachsen waren. Seine eigenen Eltern waren zwar nicht arm gewesen, aber er schien sich gerade auf einem neuen Level zu bewegen. Vielleicht konnte er seinen Job ja tatsächlich noch kündigen. Und den anderen auch. Und sich keinen neuen suchen. Und vielleicht legte Caleb für ihn als Jahrestagsgeschenk mal einen Sportwagen drauf.
      "Ich lasse mich überraschen, du wirst mich wahrscheinlich nicht in irgendein Loch bringen", antwortete er, während er irgendeine pre-made Playlist auf Calebs Handy aussuchte und sich etwas zurücklehnte. Er war sich noch nie so sicher gewesen, dass Caleb garnicht wusste, was eine wirklich abgefuckte Bar war.
      "Wir können die Tage auch mal in ein paar Restaurants gehen, oder ins Kino, oder was auch immer dir so einfällt. Du zahlst aber, das ist ab sofort der Standard", meinte er und sah aus dem Fenster. Er würde sich doch nicht den Arsch aufreißen, um sich Dinge leisten zu können, und jemanden zu beeindrucken, der unmöglich zu beeindrucken war. Der, der mehr Geld hatte, zahlte. So sollte es im Gesetz stehen.
      "Ich meine, ich räume hinter dir her und koche für dich, das ist also das Mindeste", sagte er. "Wehe du versuchst dich da rauszureden. Wir sitzen in einem neuen Mercedes-Benz, den du nach einem Flohmarktauto hast klingen lassen. Ab sofort bin ich die Trophy Wife und du kannst nichts dagegen tun" Er sagte das etwas ernster, als es gemeint war, obwohl es schon ziemlich ernst gemeint war. Die Worte waren ihm gerade zwar eher rausgerutscht, aber seinetwegen konnte Caleb ruhig wissen, dass sein Traumleben war, arbeitslos und heiß zu sein, während er alles bezahlt bekam.
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    • Caleb

      Caleb blinzelte kurz ein wenig irritiert, bevor er nicht anders konnte, als zu lachen. Wenigstens konnte man Richard nicht unterstellen, irgendwelche geheimen Hintergedanken zu haben. Caleb musste irgendwie zugeben, dass er die Direktheit wirklich schätzte. Finanziell würde wahrscheinlich sowieso nichts gegen Richards Plan sprechen, wenn er nicht von heute auf morgen entscheiden würde, sich fünf Luxusvillen in Ibiza zu kaufen und spielsüchtig zu werden.
      “Ich habe nicht vor, mich rauszureden, aber ich habe mehrere Anmerkungen zu deinem Plan.” Caleb hob einen Finger in die Luft, ohne den Blick von der Straße zu heben. “Erstens: Großer Fan der Missachtung von Genderstereotypen, trotzdem-”, er hob den zweiten Finger, “muss ich dich, zweitens, darauf hinweisen, dass ‘Trophy Wife’ bedeuten würde, dass wir verheiratet sind. Du wärst eher ein Trophy Girlfriend. Drittens, date ich dich eigentlich sowieso nur, weil du an die oberen Regalbretter ran kommst, also wäre es vielleicht doch eher der 'Trophy Trittleiterersatz’, oder so.” Ein verdammt heißer Trittleiterersatz, aber das wusste Richard selbst am besten.
      “Aber die Woche geht definitiv auf mich und du musst dich nicht zurückhalten. Auch, wenn ich dir das wahrscheinlich nicht extra sagen muss.” Immerhin hatte Richard sich tatsächlich überraschend süß um ihn gekümmert, was Caleb immer noch nicht so richtig einordnen konnte. Er hatte das Gefühl, viel zu abhängig von ihm zu sein. Was zu einem bestimmten Level irgendwie normal sein sollte, immerhin waren sie zusammen, aber es war schwer von der Überzeugung loszulassen, dass er es irgendwie schaffen musste, sein Leben komplett alleine in den Griff bekommen zu müssen. Er hatte nie den Luxus gehabt, sich auf eine andere Person verlassen zu können und die Vorstellung machte ihm fast Angst. Es fühlte sich zeitgleich zu gut und zu gefährlich an. Genauso wie der Gedanke, nach Hause zu kommen und Richard in seiner Wohnung zu haben.
      “Ich kann dir nur nicht meine Karte in die Hand drücken, also wirst du mich für deine Ausgaben wohl oder übel mitnehmen müssen.” Was Richard wahrscheinlich weniger interessieren würde als Caleb selbst. Immerhin bedeuteten Shopping-Trips und Feiern, dass sie das Haus verlassen mussten, was er normalerweise vermieden hatte.
    • Richard

      Richard lachte ungläubig und schüttelte leicht den Kopf. „Schön. Trittleiterersatz, eben. Solange du dich auf die Trittleiter ab und zu setzt“, erwiderte er und streckte die Zunge raus, bevor er wieder auf die Straße sah. „Wen interessieren solche Stereotypen außerdem? Tief im Inneren will niemand arbeiten, davon bin ich überzeugt. Alle, die etwas anderes behaupten, sind einfach nur Langweiler die nichts mit sich anzufangen wissen. Trophy Husband sollte ein geläufigerer Begriff sein. Oder… Trophy Boyfriend, eben“ Den letzten Part murmelte er eher. Warum hatte Caleb das auch so ernst nehmen müssen? Natürlich waren sie nicht verheiratet, und sie würden es nie sein. Eine Beziehung war schon… ein Wort, das Richard ab und an zum Würgen bringen konnte, aber da es Caleb war, der an ihm klebte, hatte er nichts dagegen. Das war an sich schon unheimlich genug.
      „Natürlich halte ich mich nicht zurück. Nach allem was ich für dich tue kannst du schon mit dem Geld rausrücken. Aber wieso kannst du mir deine Karte nicht geben?“ Richard sah ihn wieder an. „Traust du mir nicht? Denkst du ich haue mit deiner Kreditkarte ab? Im Prinzip musst du mir einfach nur den Code verheimlichen, dann kann ich sowieso keine zu großen Ausgaben machen. Aber das widerspricht der ganzen „halte dich nicht zurück“ Sache. Sei froh, dass ich deinen Kontostand nicht kenne, und nicht einschätzen kann, wie sehr ich mich nicht zurückhalten sollte“ Richard lächelte. Okay, er hatte von Anfang an gewusst, dass es Caleb nicht an Geld mangelte, weil er es ihm schließlich ziemlich auf die Nase gebunden hatte. Das hieß aber nicht, dass Richard auf sein Geld aus war, dazu wäre das alles hier nämlich zu viel Arbeit. Einfacher wäre es, sich einen psychisch stabilen Sugar Daddy zu suchen, der nur seinen Körper wollte. Caleb beanspruchte ihn deutlich mehr. Aber gerade deshalb konnte er doch mal von den Bonuspunkten Gebrauch machen, wenn sie so greifbar nah waren.
      „Ich laufe dir schon nicht weg“, meinte er, was er nun doch wieder ernst meinte. Was brachte ihm das denn? Er hatte sich die letzten zwei Male absolut eklig gefühlt, als er gedacht hatte, Caleb vielleicht nie wieder zu sehen.
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    • Caleb

      Richards Ernsthaftigkeit bei seinem letzten Satz war seltsam beruhigend und ein kleines Bisschen überfordernd. Sie hatten Schluss gemacht, sie hatten sich so sehr gestritten, dass sie fast nochmal Schluss gemacht hätten und trotzdem saßen sie jetzt zusammen hier. Was nichts heißen musste. Der nächste Streit konnte immer noch das Ende ihrer Beziehung bedeuten. Trotzdem wollte Caleb glauben, dass das hier halten würde.
      "Es liegt nicht am Vertrauen. Ich bin mir nur ziemlich sicher, dass mein Psychologe mich direkt einweisen lässt, wenn ich ihm erzähle, dass ich jemandem nach weniger als einem Monat Beziehung meine Karte in die Hand gedrückt habe und darauf kann ich verzichten." Obwohl das vielleicht ein bisschen unfair war - es war verdammt schwer zu entscheiden, wie lange sie zusammen waren. Sie hatten nie wirklich festgelegt, wann ihre Beziehung angefangen hatte. Zählte die Zeit vor ihrer Trennung noch, jetzt wo sie wieder zusammen waren? Waren sie seit ihrer ersten Mission zusammen, oder seit dem ersten Date danach? Oder seit dem Morgen nach dem dritten Date, an dem sie über ihre Beziehung geredet hatten? Letzteres wäre vermutlich der 'richtigste' Zeitpunkt, aber irgendwie fühlte es sich seltsam falsch an, so zu denken.
      "Außerdem bin ich irgendwie seltsam überzeugt davon, dass du es schaffen würdest, dass mein Konto wegen seltsamen Aktivitäten gesperrt werden würde und ich wüsste gerne, was du dir alles gekauft hast, wenn irgendwann der Anruf von der Bank kommt." Zumindest war Caleb sich sicher, dass Richard deutlich mehr Geld ausgeben würde, als er selbst und für ganz andere Dinge. Autos, Kleidung, vielleicht ein bisschen Technik. Alles Sachen, für die er sich bisher wenig interessiert hatte. Der arme Bankmitarbeiter, der für sein Konto zuständig war, würde wahrscheinlich innerhalb der ersten halben Stunde sofort davon ausgehen, dass seine Bankkarte gestohlen worden war.
      "Die Straße runter gibt es ein paar nette Läden", merkte Caleb trotzdem an, als er ein paar Momente später auf einen kleinen Parkplatz fuhr. "Ich würde vorschlagen, dass wir erst etwas essen und dann herausfinden, wie lange du brauchst, um meinen Kontostand zu ruinieren." Er lächelte leicht, während er in Richtung Küste nickte. "Geradeaus ist ein nettes italienisches Restaurant, ein paar Schritte weiter ein französisches. Du hast die Wahl."
    • Richard

      Richard war fast ein wenig überrumpelt von der Erwähnung von Calebs Psychologen. Klar war er in Therapie. Gut so. Er hatte offensichtliche, dringende Probleme. Richard hatte nur irgendwie nicht damit gerechnet, dass Caleb vielleicht auch von ihm erzählen würde. Mussten Psychologen echt alles wissen? Wenn Caleb erzählen würde, dass er Richard seine Kreditkarte gegeben hatte, hatte er vermutlich auch schon allgemein mal von ihm gesprochen. Das kam ihm unvortheilhaft vor. Also, zumindest wenn Caleb nicht das Kochen und Aufräumen betonte.
      „Erzähl‘s ihm eben nicht“, murmelte Richard, dem die Kreditkarte eigentlich schon völlig egal war, weil er Caleb ja einfach mit sich schleppen konnte, egal wo er hin wollte.
      Richard sah Caleb an und nahm sich seine Sonnenbrille vom Kopf um sie aufzusetzen. Es war schon ziemlich sonnig, je näher sie an den Strand kamen und einen unbedeckten Himmel vor sich hatten. „Ich würde dir alles präsentieren, das ich kaufe. Wahrscheinlich sind es hauptsächlich Klamotten. Vielleicht ein Laptop oder eine Drohne. Aber du musst dir keine Sorgen machen, dass ich dich ausschließe“ Er grinste. „Macht alles doch mehr Spaß, wenn ich es jemandem vor die Nase halten kann“
      Als sie aus dem Auto stiegen, entschied Richard sich kurzerhand für das französische Restaurant, und sah sich am Weg dorthin etwas um. Die Straße war unverhältnismäßig belebt, dafür, dass es wirkte, als wäre hier rein garnichts, außer ein paar Restaurants und Cafés mit netter Aussicht aufs Meer. Als Richard in die erste Seitengasse sah, realisierte er aber, wieso. Er sah nicht alles, aber was er sah, war eine Reihe an Schildern mit Luxusmarken. Hm. Er hatte vieles erwartet, aber nicht das.
      „Hey, ich glaube, du hast dir zu viel vorgenommen. Sicher, dass dein Kontostand mich überlebt?“, fragte er, in vollem Bewusstsein, dass Caleb — nein, eigentlich jeder in seinem Leben — wissen musste, dass er nicht wenig Wert auf Status legte. Er mochte es, das Neueste vom Neuen zu kaufen, das Beste vom Besten, und wenn er es sich leisten konnte, gerne auch doppelt oder dreifach. Was gab es schon für einen Grund, zu arbeiten, außer Geld ausgeben zu können? Er ging nur nicht verantwortungslos mit seinem eigenen Geld um, weshalb er oft genug sparte, und sich keine Gelegenheit entgehen lassen würde, jemand anderes Geld auzugeben.
      „Sei ehrlich, du wolltest mich von Anfang an einkleiden und selbst deinen Spaß haben“
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