The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Caleb

      “Ich würde es nicht so ernst nehmen, wenn es mir nicht so wichtig wäre”, antwortete Caleb. “Ein Teil von mir ist immer noch fest davon überzeugt, dass das hier ein riesiger Fehler ist und ich das hier alles irgendwann bereuen werde. Ich würde diesem Teil ungerne noch ein paar zusätzliche Argumente liefern.” Obwohl das wahrscheinlich auch nicht mehr viel ändern würde. Sein einziges Argument für diese Beziehung war, dass er sich wohl fühlte. Argumente dagegen gab es so oder so schon mehr als genug.
      “Als wir uns das erste mal getroffen haben, ging es mir mehr um den Stein als um dich und danach habe ich mich irgendwie einfach mitreißen lassen, bis ich realisiert habe, dass ich dich überraschenderweise wirklich gut leiden kann und wirklich gerne Zeit mit dir verbringe. Egal, ob mit oder ohne Shirt.” Er lächelte leicht, um dem Thema zumindest ein kleines bisschen die Schwere zu nehmen. Oh, er wollte gar nicht darüber nachdenken, wie sehr das Richards Ego anstacheln würde. Er konnte sich die selbstverliebte Antwort eigentlich schon denken, aber redete trotzdem weiter. Sicher zu stellen, dass Richard verstand, worum es ihm ging, war eindeutig wichtiger, als blöde Kommentare vermeiden zu wollen.
      “Ich bin kein Beziehungstyp. Ich hatte noch nie eine richtige und ich will einfach nicht, dass ich irgendwann mitten in der Nacht wach werde und bereue, dass ich mich in etwas reingeschmissen habe, ohne kurz einen Schritt zurückzutreten und drüber nachzudenken. Was, wenn dir bei unserem zweiten Date auffällt, dass du mich eigentlich doch gar nicht leiden kannst? Wenn du plötzlich realisierst, dass ich dir zu langweilig bin und du doch lieber irgendeiner anderen Person, die dir hinterher rennt eine Chance geben solltest?” Dann wäre es wenigstens noch ein sanfter Fall. So hatten sie wenigstens ein kleinen, irgendwie etwas unverbindlichen Vorlauf und Caleb würde sich nicht allzu viele Selbstvorwürfe machen, wenn er endlich realisierte, dass er Richard nicht daten sollte oder Richard auffiel, dass er doch viel zu anstrengend war. Zumindest hoffte er dass es leichter wäre, eine erneute Trennung zu akzeptieren, wenn sie bis dahin nicht im Bett gelandet waren.
    • Richard

      Richard war verwirrt. Sollte er sich geschmeichelt oder angegriffen fühlen? So oder so…
      „Ich verstehe deine Logik nicht“, setzte er an. „Ich wiederhole“ Er hob eine Hand und begann bei jedem aufgezählten Punkt einen Finger runterzunehmen.
      „Du magst mich. Ich mag dich. Die drei Dates sind ein Puffer, um doch noch Schluss zu machen“ Richard wartete kurz. „Du denkst, dass man in einer Beziehung auf ewig gebunden ist und nicht mehr Schluss machen darf?“ Vier Finger. Er schmunzelte und lehnte sich über den Tisch.
      „Was ist, wenn die drei Dates super laufen und du beim Sechsten merkst, dass du keinen Bock mehr auf mich hast? Darfst du dann nicht mehr gehen? Oder geht es dir darum, dass du es so schmerzlos wie möglich machen willst, und deshalb Distanz willst? Also, ich kann dir sagen, dass ich es jetzt auch schon ziemlich scheiße fände, wenn du mich sitzen lässt. Wahrscheinlich ist es schlimmer, wenn man länger zusammen war, ja, aber du denkst nicht ernsthaft, dass drei Dates reichen um festzustellen, dass man für immer zusammen bleibt? Planst du einen Antrag nach dem Dritten? Hab ich was falsch verstanden?“ Er schüttelte kurz leicht den Kopf.
      „Kein Wunder, dass mir das seltsam vorkam. Ich hab garnicht versucht, nachvollziehen, warum du diese komische Regel aufstellst, aber es ist wirklich total schwachsinnig“ Richard verschränkte die Arme, während er das nochmal durchdachte und es mit jeder Sekunde lächerlicher fand. Alleine, dass Caleb tatsächlich glaubte, dass Richard irgendwelche Verehrer hatte, die ihm nachliefen und nur darauf warteten, auserwählt zu werden. Schön, die Illusion wollte er irgendwie gerade nicht zerstören.
      „Ich sag‘s mal so. Ob wir auf eins, fünf oder zwanzig Dates gehen, bevor wir Sex haben, macht keinen Unterschied, genauso wie es keinen Unterschied macht, ob wir währenddessen Sex haben oder nicht. Wir lernen uns besser kennen, einer von uns könnte sich jederzeit gegen die Beziehung entscheiden, so läuft das Leben. Du machst es dir nur unnötig kompliziert“ Vermutlich, weil Caleb ein schlechtes Gewissen hatte. Das glaubwürdigste Argument war immernoch, dass er sich selbst Zeit gab, bevor er das zwischen ihnen tatsächlich ernst nehmen und sich seiner kranken Familie stellen musste. Wenn sein einziger Grund war, dass er nicht wusste, ob sie wirklich zusammen funktionieren konnten, machte das alles keinen Sinn. Wen interessierte es schon, ob er Schluss machte, nachdem sie miteinander geschlafen hatten? Niemanden außer ihn selbst.
      „Vielleicht verstehe ich das alles falsch, aber verstehst du es überhaupt?“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Denkst du, nach drei Dates kennst du mich in- und auswendig und hast plötzlich keine Zweifel mehr? Meinetwegen… aber ich glaube, du kennst mich schon ziemlich gut. Und meinetwegen kannst du auch eine zwanzig-Dates-Regel aufstellen, wenn du dann deinen Seelenfrieden hast“
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    • Caleb

      "Das ist nicht, was-" Caleb seufzte genervt und presste die Lippen aufeinander. Er war sich nicht ganz sicher, ob Richard es nicht verstehen konnte, oder nicht verstehen wollte. Vielleicht waren ihre Meinungen zum Thema Sex an dem Punkt einfach zu unterschiedlich. Oder vielleicht waren sie zu unterschiedlich aus ihrer letzten Beziehung herausgegangen. Richard schien zumindest der Ansicht zu sein, dass sie ihre Beziehung genau da fortführen könnten, wo sie aufgehört hatten, während Caleb im Grunde alles außer das wollte. Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte, wie sie ihre Beziehung führen sollten, oder ob das hier einer der größten Fehler der Menschheitsgeschichte werden würde.
      "Natürlich kann man auch nach dem dritten Date Schluss machen. Natürlich kennt man sich nach drei Dates nicht auswendig. Die drei Dates waren vollkommen aus der Luft gegriffen. Es hätten auch fünf oder zehn sein können." Wahrscheinlich hätten sie das ganze Thema nicht anschneiden sollen. Bis gerade war es noch so gut gelaufen und jetzt hatte Cal ein wenig das Gefühl, vor Frust in Tränen ausbrechen zu müssen. "Weißt du eigentlich, wie unfassbar weh es tut jemanden zu mögen, nur um deutlich gezeigt zu bekommen, dass er jemand anderen bevorzugt? Weißt du, wie dumm ich mir vorkommen würde, wenn wir genau so weitergemacht hätten, wie vorher und du mich dann wieder sitzenlassen würdest?" Eigentlich war das sowieso nur eine Frage der Zeit. Es konnte nicht funktionieren. Irgendwas würde immer dazwischenkommen, egal, ob nun seine Familie, oder sein eigener Charakter und er wusste nicht, wie er das ein zweites mal überleben sollte.
      "Ich weiß, dass das nach dem dritten Date immer noch passieren kann", fuhr er fort, "aber dann kann ich mir wenigstens keine Selbstvorwürfe machen. Dann habe ich mir trotzdem immer noch zumindest etwas Zeit gelassen und mich nicht direkt wieder in etwas gestürzt, was von Anfang an zum Scheitern verurteilt war." Und das brauchte er. Er brauchte dieses kleine 'aber immerhin' in seinem Kopf, wenn er irgendwann - in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten - nachts wach lag und seiner Beziehung hinterher trauern würde.
      "Ich weiß ja selbst, dass das vollkommen albern ist, aber...lass mir das bitte."
    • Richard

      „Würdest du mal aufhören, das alles immer als ‚zum Scheitern verurteilt‘ zu bezeichnen?!“, sagte Richard laut. „Wenn du mir alle fünf Minuten damit kommst, dass du nur die zweite Wahl bist oder ich dich sowieso sitzenlasse, überlege ich es mir nochmal!“ Okay, das war vielleicht etwas übertrieben. Richard war einfach völlig ratlos. Es klang zumindest langsam deutlich durch, dass die größte Sorge hier war, dass er seine Meinung änderte oder er eben irgendeinen Schwachsinn anstellte. Ihm fiel nichts ein, um Caleb das Gegenteil zu beweisen, aber langsam nervten die Anschuldigungen, selbst wenn sie irgendwo verständlich waren. Aber es gab für alles eine Grenze.
      Richard seufzte. „Okay, so meinte ich das nicht. Ich fände es nur nett, wenn du mir zumindest so viel Vertrauen entgegen bringen könntest, dass ich nicht bei allem aufpassen muss, was ich sage, weil du ja wieder in eine Abwärtsspirale rutschen könntest. Ich hab es bestimmt nicht verdient, dass du mir gleich alles glaubst oder dich in eine Beziehung hineinstürzt, ja, aber diese ganze Einstiegsphase wird nicht leichter, wenn du so unfassbar skeptisch bist“ Gab es hier überhaupt irgendeine Lösung? Am Ende machten sie sich bis zu ihrem dritten Date einfach nur gegenseitig fertig, weil sie von diesem dämlichen Fleck nicht wegkamen.
      „Außerdem hab ich gerade gesagt, dass du dir so viel Zeit nehmen kannst, wie du willst“, murmelte er grimmig. „Ich lasse es dir ja. Im Gegenzug sei mal bitte kurz etwas optimistischer. Wenn du dir die ganze Zeit einredest, dass es nicht funktioniert, wie soll es dann funktionieren? Ich weiß, meine Entschuldigung war etwas… penetrant, aber hab ich dich gezwungen? Fühlst du dich irgendwie gezwungen hier zu sitzen und darauf zu warten, dass ich dir deine komischen Befürchtungen beweise??“ Die Angst kam zumindest in Richard langsam auf. Je pessimistischer Caleb wirkte, desto mehr hatte er das Gefühl, er wollte eigentlich nur nachhause gehen und über Richard hinwegkommen statt ihm noch eine Chance zu geben. Was ja garnicht unrealistisch war. Schließlich hatte er sich ausreichend dagegen gewehrt.
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    • Caleb

      Caleb zuckte unweigerlich zusammen, als Richard laut wurde. "Nein", antwortete er schnell, auch wenn... "Okay, ich habe mich am Anfang vielleicht ein bisschen gezwungen gefühlt, aber ich bin gerne hier." Sein Herz schlug so schnell, dass er seinen eigenen Puls in seinen Ohren pochen hören konnte. Vielleicht war das alles wirklich ein Fehler gewesen. Aber das wollte er nicht. Er wollte nicht, dass zwischen Richard und ihm alles aus war. Nicht wenn es eigentlich so einfach war, Zeit mit ihm zu verbringen.
      "Ich bin einfach keine optimistische Person. Tut mir leid", entschuldigte er sich. Er versuchte es ja. Er versuchte ja, ihm eine Chance zu geben und nicht davon auszugehen, dass das alles in Tod und Zerstörung enden würde, aber sein Kopf funktionierte so nicht. Alles, was ihn irgendwie glücklich machen sollte, verwandelte sich in den letzten Tagen immer wieder in einen Albtraum, sobald er zu sehr darüber nachdachte. Richard war vielleicht der Auslöser des Problems, aber Caleb stand sich größtenteils irgendwie selbst im Weg.
      "Es will einfach irgendwie nicht in meinen Kopf rein, dass du mich um eine zweite Chance gebeten hast. Ich bin die letzten zwei Wochen davon ausgegangen, dass du dich absolut nicht für mich interessierst. Du hast einen guten Job, siehst gut aus, hast einen überraschend netten Humor und wenn du wirklich, wirklich willst, kannst du irritierend liebenswürdig sein. Und ich bin...ich." Er zwang sich dazu, durchzuatmen. "Ich weiß, dass du mir mittlerweile wahrscheinlich schon zehn mal gesagt hast, dass du mich magst, aber das will einfach irgendwie nicht in meinem Kopf ankommen und das tut mir wirklich leid."
      Wahrscheinlich hatte Richard absolut recht. Wie hoch war die Chance, dass er auf Knien vor ihm bettelte, nur, um ihn dann zwei Dates später wieder sitzen zu lassen? Vielleicht hatte er wirklich mehr Vertrauen verdient, als Cal ihm gerade einräumen konnte. Schweigend griff er wieder nach seinem Weinglas. Er sollte wirklich dringend überprüfen lassen, ob seine Antidepressiva noch richtig dosiert waren. Und wahrscheinlich mit dem Alkohol aufhören, um die Wirkung nicht zu schwächen.
      "Weißt du", fing er mit einem kleinen, schwachen Lachen wieder an, "als ich überlegt hatte, was wir für das erste Date machen könnten, habe ich kurz überlegt, dich in irgendein Museum zu zerren. Ich bin gerade wirklich froh, dass ich das nicht gemach habe. Stell dir vor, wir hätten dieses Gespräch vor irgendeiner modernen Kunstskulptur, oder so."
    • Richard

      Warum musste Caleb mit den ganzen Komplimenten, für die Richard ihn so perfekr aufziehen könnte, genau in so einer Situation rausrücken? Das war doch zum Kotzen. Er sah aus, als würde er gleich losheulen und Richard wusste nicht, was er darüber denken sollte. Caleb zwang ihn gerade zu, seine komplette Persönlichkeit kurz zur Seite zu schieben und etwas zu sagen, das man sonst nichtmal aus ihm herausprügeln konnte.
      „Okay, auch wenn du mit alledem… recht hast, muss ich dich vielleicht kurz dran erinnern, dass ich tatsächlich auch nur ein Mensch bin“, sagte er, irritiert über seine eigenen Worte, weil das der perfekte Moment wäre, um darauf zu bestehen, dass er eigentlich ein Gott war und Caleb zurecht ungläubig sein sollte. Zumindest hätte Richard das zu jeder anderen Person gesagt. Zu einem One Night Stand etwa. Oder irgendjemandem, der ihm eben völlig am Arsch vorbei ging. Richard seufzte angestrengt, bevor er fort fuhr.
      „Ich hab absolut keine… Verehrer, die auf mich warten würden, oder so etwas. Allerhöchstens irgendjemand, der mit mir schlafen würde und dann nie wieder mit mir reden will, was auf Gegenseitigkeit beruhen würde. Ich halte die meisten Menschen nicht aus, und deshalb versuche ich auch nicht, freundlich zu sein, weil ich wirklich nichts davon hätte. Dementsprechend mögen mich auch nicht viele Leute, was mir absolut egal ist. Ich hatte keine einzige feste Beziehung in meinem Leben und bin ein Profi in One Night Stands, die auch One Night Stands bleiben“
      Hatte er sich genug selbst runtergemacht? Eigentlich war den meisten Menschen so viel ja klar, darum musste er es selten laut aussprechen. Hatte er mit Caleb irgendwie die einzige Person auf dem Planeten gefunden, die ihn tatsächlich für was Besseres hielt?
      „Es ist nicht sehr abwegig, dass ich dich angebettelt hab. Weißt du, wie oft ich Menschen getroffen hab, die mich nicht absolut ankotzen? Ich kann sie wahrscheinlich an einer Hand abzählen“, schmunzelte er. Er hatte sich selbst überrascht, aber er war trotzdem froh, Caleb irgendwie zu diesen Dates bekommen zu haben. Sein Ego ließ sich nicht so leicht kleinkriegen. Und er war ziemlich froh, dass Caleb wieder lächelte, egal wie schräg sein Humor war.
      „Wir wären jedenfalls nicht mehr lange in dem Museum willkommen gewesen“, meinte Richard. „Abgesehen davon, dass ich nicht viel von moderner Kunst halte und wenn dann solltest du schon was klassisches aussuchen. Vielleicht sogar ein technisches Museum. Irgendetwas, wo man tatsächlich was sieht, das die Menschheit vorangebracht hat“
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    • Caleb

      "Moderne Kunst ist ätzend", stimmte Caleb mit einem matten Lächeln zu. Irgendwie hatte das seltsam gut getan. Nein, sein Kopf registrierte nicht plötzlich auf wundersame Weise, dass Richard tatsächlich auf ihn stand, aber wenigstens hatte er eine ernste Antwort von ihm bekommen. Er musste halt wirklich einfach versuchen, irgendwie positiver an die ganze Sache ranzugehen. Was ungefähr den selben Vibe hatte, wie ein 'Wenn du dich depressiv fühlst, hör einfach auf damit' Tumblr Post, aber hey, vielleicht konnte er sich ja selbst irgendwie in den Optimismus reinquatschen.
      "Ich mag Nischen-Ausstellungen über irgendwelche vollkommen alltäglichen Sachen, für die sich eine exzentrische Person so sehr begeistert hat, dass sie dieser Sache ein ganzes Museum widmet, um sie mit der Welt teilen zu können. Wusstest du, dass es in England ein Museum für Rasenmäher gibt?" Er hielt das kleine Lächeln, während er von seinem Glas trank.
      "Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst", fing er nach einer kleinen Pause vorsichtig an, während er den Restwein in seinem Glas gedankenverloren hin und her schwappen ließ, "aber an dem morgen vor Russland hattest du mir gesagt, dass ich meine Emotionen nicht zurückhalten soll und dass dich meine Probleme nicht stören. Das ist irgendwie bei mir hängen geblieben, weil...weil ich sonst immer das Gefühl habe, allen anderen zur Last zu fallen." Er lachte erneut schwach auf. "Und ich- ich habe vergessen, worauf ich hinaus wollte. Danke, dass du sitzen bleibst und mit mir diskutierst, statt einfach aufzustehen und zu gehen?" Er zuckte kurz mit den Schultern. Eigentlich brauchte er gerade eine Zigarette, aber er wollte nicht aufstehen und rausgehen. Nicht wenn er gerade das Gefühl hatte, irgendwie weiter zu kommen.
      "Sorry." Obwohl es stimmte. Er war wirklich erleichtert, dass Richard nicht gegangen war. Cal wollte diese Beziehung. "Willst du dir das nächste Date aussuchen? Irgendwie wäre es fair, wenn wir uns abwechseln und ich bin mir ziemlich sicher, dass dir was besseres einfällt, als ein Museum."
    • Richard

      „Nein, das wusste ich nicht“, lachte Richard. „Und warum würde man da hingehen? Gibt es Menschen, die sich so sehr fürs Rasenmähen interessieren? Ich hab nichtmal einen Rasen“ Es war wahrscheinlich gut, dass sie wieder in seichtere Themen drifteten. Auch wenn Richard langsam ein Muster erkannte. Sie kamen immer wieder zu ihrer Problematim zurück, schlossen damit offensichtlich zu früh ab und redeten dann einfach über irgendetwas Belangloses. Er konnte nicht sagen, dass es ihn störte. So ließ sich ein Streit, oder eine Diskussion, ganz gut aushalten. Abwechslung. Auch wenn es ein wenig an eine Achterbahnfahrt erinnerte. Und da war es auch schon wieder, das Tief. Diesmal störte die Schwere der Aussagen aber überhaupt nicht.
      „Wenn du mir nicht irgendwelche Sachen unterstellst bist du eigentlich ein ganz angenehmer Zeitgenosse“, erwiderte Richard spaßhalber. Er hatte nicht gewusst, dass es das war, das Caleb von ihm überzeugt hatte. Oder, offenbar eins der Dinge war, die ihn überzeugt hatten. So wirklich nennenswerte Nervenzusammenbrüche hatte Caleb ja auch nicht gehabt, bis auf den Morgen als er den Anruf wegen Ezra bekommen hatte, und das war irgendwie gerechtfertigt gewesen, auch wenn Richard persönlich keine Träne vergossen hätte, nichtmal wenn er aus dem Koma nicht mehr aufgewacht wäre. Und sonst? Caleb war halt ein wenig düster drauf. Das war alles. Wenn er mal ein Problem hatte, mit dem er alleine nicht klarkam, ließ er sich sowieso wie ein offenes Buch lesen. Das war praktisch. Aber er schien auch nicht ansatzweise unselbstständig zu sein.
      „Oh, wenn du in Erinnerungen schwelgen willst: Erinnerst du dich an den alten Kerl, der die Saunatür im Resort geöffnet hat, als ich dich gegen die Wand gevögelt hab?“, erzählte er begeistert. Für heute hatten sie den deprieremenden Kram endlich hinter sich gelassen, oder? Oder?? „Und dann mussten wir durchs ganze Hotel zurück ins Zimmer laufen, das aussah, als wäre Armor darin explodiert“ Er lachte. „Ich meine, das wär auch ein super zweites Date, aber lass mich überlegen, ob mir noch was jugendfreies einfällt“
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    • Caleb

      "Oh Gott." Caleb musste unfreiwillig lachen. "Ich denke ab und an noch an ihn. Denkst du, wir haben ihn nachhaltig traumatisiert? Erzählt er seinen Kindern ab und an davon, während sie glauben dass er reif fürs Heim ist?" Er verzog kurz mitleidig das Gesicht. Zugegeben, wenn sein eigener Vater ihm plötzlich erzählen würde, dass er in die Sauna wollte und dort zwei Typen beim vögeln unterbrochen hat, hätte er ihm wahrscheinlich auch nicht geglaubt. Aber alles danach war unbeschreiblich heiß gewesen.
      "Ich hoffe, dass er das alles irgendwie verarbeitet hat und wir ihn nicht fünf Jahre seines Lebens gekostet haben." Er nippte an seinem Glas, während er fühlte, dass sich seine Stimmung langsam wieder hob. Das war zugegebenermaßen nicht unbedingt der Themenwechsel, auf den er gehofft hatte, aber wenigstens war das weitaus angenehmer, als wieder eine Diskussion vom Zaun zu brechen. Positiv bleiben, nicht? Sie würden irgendwann schon wieder den Punkt erreichen, an dem sie ungezwungen miteinander umgehen könnten. Vielleicht waren die Umstände nicht die besten, aber wenn Caleb es sich einfach noch eine Weile länger einreden würde, könnte er vielleicht Hoffnung auf eine einigermaßen normale Beziehung haben. So...normal es bei ihnen eben ging. Darin waren sie ja irgendwie furchtbar schlecht.
      "Aber der Part mit der Wand war heiß. Das solltest du öfter machen", fügte er mit einem kleinen Lächeln hinzu. "Oh. Ich erinnere mich außerdem daran, dass du mich so genervt hast, dass ich dir die falsche Seite für den Stein gesagt habe, als du die Leiche durchsucht hattest. Muss ich mich dafür noch entschuldigen, oder ist es dafür zu spät?" Er würde es wieder tun. Jedes mal, eigentlich. Richard schaffte es immerhin irgendwie ständig, etwas zu tun, was ihn nervte und ihn dazu verleiten würde, ihm das Leben ein bisschen schwerer zu machen. Liebevoll, natürlich.
    • Richard

      Endlich machte keine Caleb keine riesen Sache mehr daraus, über Sex zu reden. Es war ja nicht so, als wollte Richard ihn damit absichtlich auf die Palme treiben, aber es war eben ein gutes Gesprächsthema, nicht? Und sie hatten bisher kaum was anderes zusammen gemacht, also…
      „Er hat zumindest nicht sehr glücklich darüber ausgesehen“, schmunzelte Richard. „Wenigstens gehen wir in die Geschichte ein, auch wenn‘s nur in seiner Familie ist“ Dass eine Story über ihren Sauna-Sex sich durch Generationen einer fremden Familie zog war tatsächlich irgendwie witzig.
      „Mmm, das kommt dann wohl auf die Liste“, grinste Richard. Ein paar harmlose Scherze, mehr hatte er sich garnicht erwartet. Vielleicht hatte es doch irgendetwas gebracht, mal kurz schmerzhaft ehrlich zu sein und Caleb irgendwie glaubwürdiger zu machen, dass er ihn mochte und sich auch mal in Geduld üben würde, wenn er das wollte. Solange sie eben scherzen konnten… Oder Zukunftspläne machen konnten, wie man es eben sah. Richard würde sich die Bitte jedenfalls merken.
      Sein Grinsen starb bei der nächsten Beichte trotzdem ziemlich schnell. „Nicht dein Ernst“, sagte er. „Du lässt mich einen Toten länger abgrapschen als notwendig, weil du genervt warst? Ich sollte mir nochmal überlegen, ob ich dir bei Jobs bei MLO helfe, wenn das die Art ist, wie du arbeitest“ Er verzog das Gesicht. „Nächstes Mal lasse ich dich selbst suchen, dann sehen wir ja, wer lacht“ Das wäre zwar nicht ganz legal gewesen, weil Caleb nicht befugt war, tatsächlich einen Tatort zu untersuchen, aber Rache war süß.

      Sie schienen ihre Differenzen fürs erste tatsächlich mal ausgesprochen zu haben, weil der Rest des Dates ruhiger verlief. Nicht ruhig per se, weil sie trotzdem lachten und sich gegenseitig verarschten, aber die Stimmung war Meilen aufgelockerter als vor diesem Abend. Es gab eine dritte Runde Getränke, aber sie blieben nicht furchtbar lang. Richard musste der Angewohnheit widerstehen, mit zu Caleb zu kommen oder dem Taxifahrer direkt seine eigene Adresse zu sagen und es dabei zu belassen. Aber das war okay, er war trotzdem zufrieden damit, wie das Date verlaufen war. Zumindest schienen sie beide weitermachen zu wollen was Richard deutlich entspannter stimmte. Eigentlich lief es so, wie er es erwartet hätte, denn schließlich wusste er, dass Caleb und er eine gute Chemie gehabt hatten. Dann gingen sie es jetzt eben langsamer an, auch gut. Er hatte für die kommende Woche wenigstens die Motivation, sich das nächste Date zu überlegen, die ihn durch den Tag brachte.
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    • Caleb

      Das Date verlief trotz des kleinen Tiefpunktes überraschend gut, was…vielleicht irgendwie ein Zeichen war, auch wenn Caleb sich nicht ganz sicher war, ob sie ein gegenseitiges Verständnis entwickelt hatten, oder einfach beide Themen vermieden, die sie zum nächsten Nervenzusammenbruch bringen könnten. Er hoffte eindeutig auf ersteres, als sie sich voneinander verabschiedeten und er zurück in seine Wohnung kam.
      Er war zu wach zum Schlafen. Die Vorfreude auf das nächste Date ließ seine Gedanken rasen, auch wenn - oder gerade weil - er sich nicht sicher war, ob es eine gute Idee gewesen war, Richard entscheiden zu lassen, was sie machen würden. Er hatte keine romantischen Erwartungen. Im Gegenteil, gerade von Richard wäre zu viel Kitsch wahrscheinlich eher hochgradig besorgniserregend, als süß, oder so. Aber er hoffte, dass Richard ihm zumindest den Gefallen tun würde, das alles wenigstens ein bisschen ernst zu nehmen. Er mochte ihn weitaus mehr, als er sollte und er war sich absolut bewusst, dass das trotz all der Bemühungen um Positivität irgendwann sein Leben ruinieren würde. Aber jetzt gerade hatte er einen kleinen Glücksrausch und das kam ihm unendlich wichtiger vor.


      Milo

      Es war seltsam, Wyatts Geburtstag zu planen. Milo selbst war nie ein großer Geburtstags-Typ gewesen und mittlerweile ja zum Glück alt genug, um seine Freunde einfach in irgendeine Bar mitzunehmen und eine Runde auszugeben, was wunderbar einfach war. Aus Wyatts Geburtstagen mit seinen Freunden war er seit Jahren raus. Die letzten Jahre war er immer nur anwesend gewesen, wenn ihre Eltern auf eine steife Geburtstagsfeier mit Kaffee und Kuchen bestanden hatten, mehr nicht. Vor allem nicht, nachdem seine Eltern ihn mal zusammengestaucht hatten, als er seinen damals frisch erhaltenen Führerschein genutzt hatte, um Wy an seinem Geburtstag spontan mit in den Zoo zu nehmen.
      Sein einziger Vorteil schien gewesen zu sein, dass Wy mit seiner neugefundenen Freiheit genauso überfordert war. Dadurch, dass er unter der Woche Geburtstag gehabt hatte, hatten sie an dem Tag selbst nicht viel gemacht. Milo hatte ihn morgens liebevoll früher aus dem Bett geschmissen, als sonst, damit er ihm am Frühstückstisch noch seine Geburtstagsgeschenke überreichen konnte, bevor er ihn zur Schule brachte. Den Nachmittag verbrachten sie im Kino, den Abend mit Fastfood zuhause. Milo bildete sich ein, dass Wy am Ende des Tages relativ zufrieden aussah, als er, seine neuen Computerspiele, Klamotten und andere Geschenke im Arm, zurück in sein Zimmer ging.
      Die restlichen Tage bis zum Wochenende vergingen wie im Flug. Wy hatte sich entschieden, seinen Geburtstag einfach mit einer kleinen Übernachtungsfeier zu zelebrieren, für die er im Grunde nicht mehr als Snacks und Getränke benötigte, die sie zwischendurch eingekauft hatten. Trotzdem war Milo sofort nervös, als ihn sein Wecker am Samstag Morgen aus dem Schlaf riss, was nicht zuletzt daran lag, dass Wy darauf bestanden hatte, dass er Aaron auch einlud.
      Er hatte keine Ahnung, was der mittlerweile 16 Jährige sich dabei dachte, war weiterhin furchtbar skeptisch, aber am Ende verbrachte er doch zu gerne Zeit mit Aaron, um ihn nicht einzuladen. Wer wusste schon, wann sie sonst nochmal Zeit für einander finden würden? Dafür war es halt nur super schräg, dass Aaron wahrscheinlich bei ihnen übernachten würde, bevor sie auch nur ein einziges normales Date gehabt hatten.
      Zum Glück gab es genug zu tun, um ihn zumindest ein bisschen abzulenken - Aufräumen, Zimmer herrichten und der ganze Kram. Lucas und Jude würden bei Wyatt im Zimmer schlafen, während Emma, Jia und Kaia in dem Büro/Gästezimmer einquartiert wurden, in dem Milo bis jetzt übernachtet hatte. Milo sah es irgendwie als gute Gelegenheit, endlich das Schlafzimmer seiner Eltern zu übernehmen, vor dem er sich bisher vollkommen irrational gedrückt hatte. Es war nur ein Raum. Trotzdem fühlte es sich komisch an, als Wy ihm half, die Betten neu zu beziehen. Vielleicht sollte er doch zurück zu seiner ursprünglichen Idee, Aaron das Bett alleine zu überlassen und auf dem Sofa zu schlafen.

      “Also, Emma und Lucas sind unterwegs. Kaia auch, von Jude habe ich noch keine Info und ich bin mir ziemlich sicher, dass Jia mich blockiert hat.” Wy lag quer über dem alten Wohnzimmersessel, die Beine über eine der Armlehnen gelegt, während er mit dem Oberkörper über der anderen hing. “Denkst du wirklich dass es reicht, wenn wir gleich für alle Pizza bestellen? Vielleicht hätten wir doch etwas kochen sollen, oder so.”
      “Das wird schon. Entspann dich, Wy.”
      “Das ist deine Schuld. Du bist den ganzen Tag schon unterwegs, als würdest du eine super schwere Arbeit schreiben müssen, oder so. Das macht mich mit nervös! Second Hand Nervosität, sozusagen!”
      Milo musste kurz auflachen, während er mit seinem Fuß leicht gegen Wys Schienbein trat. “Sicher. Du warst ja immer schon abartig mitfühlend.”
      “Ich bin jetzt 16. Ab da setzt die Altersweisheit ein.” Wy grinste verschmitzt. während er seine Beine wegzog, bevor Milo ihn erneut treten konnte.
      Die Türklingel unterbrach sie, bevor Milo antworten konnte. Wy sprang mit einem kleinen "Ich geh schon!" auf und zischte in den Flur. Hoffentlich würde der Abend leichter werden, als Milo es sich vorstellte.
    • Aaron

      Milos Anruf vor zwei Wochen hatte Aaron kurzzeitig aus seinen Schuhen gehoben. Sie waren beide serh beschäftigte Menschen, was Aaron vermutlich zu verweifelt gemacht hatte, auch wenn er von Anfang an gewusst hatte, dass es so kommen würde. Trotzdem… hatte er Milo erst vier oder fünf Mal getroffen, davon nur einmal lange genug um es als Date zu qualifizieren und selbst das war ein absoluter Fail gewesen, also… Hätte er vermutlich nicht zustimmen sollen, bei dem Mann zu übernachten. Aber es klang nach einem größeren Deal, als es war, immerhin… waren sie wieder von Kindern umgeben. Hah… glücklicherweise hatte er nichtmal Zeit, seinen Freunden von seinem Dating Leben zu berichten, weil sie ihn für komplett verrückt geworden halten würden. Das erste Date war ein Schulausflug gewesen und passenderweise schien das zweite ein Kindergeburtstag zu werden. Aber… sie hatten sich ewig nicht gesehen und Aaron hatte die kurzen gestressten Anrufe satt. Er wollte Milo mal wieder sehen. Ihn umarmen. Vielleicht noch in diesem Jahr einen Kuss erleben und so. Wobei das wahrscheinlich schon wieder zu hohe Ansprüche waren.
      „Alles okay?“, kam es plötzlich vom Beifahrersitz und Aaron fiel ein, dass er nicht alleine mit der Navi-Lady im Auto war, sondern dass er Jia mitgenommen hatte.
      „Oh, alles okay. Ich bin ein bisschen nervös. Ich meine, das ist alles… suboptimal aber was soll‘s, ich freue mich trotzdem“, antwortete Aaron viel zu ehrlich und lachte nervös.
      „Ah… klingt irgendwie nicht okay“, murmelte sie.
      „Doch! Doch, alles ist absolut in Ordnung. Ich bin froh, dass du dich mit Wyatt mittlerweile verstehst, das wird bestimmt lustig. Es gibt anscheinend Pizza“ Er warf lächelnd einen Blick zur Seite und erwischte Jia dabei, wie sie stirnrunzelnd durch die Windschutzscheibe starrte. „Ist… bei dir alles okay?“
      „Mhm“
      Ah… hoffentlich wurde die Stimmung besser, wenn sie erst mal da waren.
      Nachdem Aaron das Auto geparkt hatte und er mit Jia und ihren beiden kleinen Rucksäcken — Aarons Rucksack war deutlich größer als Jias, weil er sein ganzes Badezimmer eingepackt hatte — um die Ecke kam, lief Jude ihnen aus der entgegengesetzten Richtung auf der Straße zu, bis sie sich in der Mitte vor Milos Haus trafen.
      „Was geht?“, begrüßte Jude sie beide mit einem kleinen Salut, der ihm fast die Sonnenbrille aus dem Gesicht befördete.
      „Hey“, machte Jia. „Hast du nichts mit?“ Sie scannte Jude nach einer Tasche oder irgendetwas auf die Art.
      „Doch, mein Handy, meine Schlüssel, eine Zahnbürste und…“ Er zog aus seiner linken und rechten Jackentasche einmal eine Zahnbürste und ein paar… Unterhosen. „Meinen Pyjama. Ich hoffe einfach, Wyatt leiht mir irgendwas, hab sonst nichts sauberes gefunden, ups“
      Aaron versuchte angestrengt zu lächeln bevor er sich zur Tür drehte und klingelte. War er mit Achtzehn auch so planlos und irgendwie… ekelhaft gewesen? Ja hoffentlich lieh Wyatt ihm etwas zum Anziehen, sonst würde Aaron ihn gewaltvoll in einen seiner beiden neuen Pyjamas stecken, und er konnte zwischen Herzchen und Blumen wählen.
      „Hi“, sagte er strahlend, als Wyatt die Tür öffnete und schob sofort Jia voran während Jude seine Unterwäsche wieder in seiner Jackentasche verpackte. Gott. „Sind wir die ersten?“, fragte er und kam hinter den Kindern herein.
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    • Wyatt

      Okay. Durchatmen. Wyatt wischte sich die schweißnassen Hände an seiner Jeans ab, bevor er die Tür öffnete. Es war vollkommen albern, dass er so nervös war. Sicher, das war das erste mal, dass er alle seine Freunde (und Jia) zusammenbrachte und er hatte keine Ahnung, ob sie als Gruppe funktionieren würden und außerdem war das der erste Geburtstag, den er mit einem komplett neuen Freundeskreis (und Jia) feierte, den er nicht enttäuschen wollte, aber...das war kein Grund zur Panik, oder? Haha!
      "Jude!", grüßte er begeistert, bevor er ein deutlich weniger enthusiastisches "Jia" hinterher schob und zur Seite trat, um seine Gäste rein zu lassen. Er nickte nur kurz auf Aarons Frage hin. "Milo ist im Wohnzimmer", schob er mit einem kurzen Deut in besagte Richtung hinterher, in der Hoffnung, dass das die einzige Interaktion war, die er heute mit Aaron haben würde. Obwohl es ihm irgendwie fast egal war, dass er da war. Er hatte ihn in der Hoffnung eingeladen, dass Jia eher zusagen würde, wenn er da war. Jia brauchte er nur, damit Kaia kam und beide waren irgendwie sein Ticket gewesen, Emma einladen zu dürfen, weil er sich nicht sicher gewesen war, ob sie das einzige Mädchen auf einer Übernachtungsparty sein wollte und ob Milo dem überhaupt zugestimmt hätte. Gut, theoretisch hätte er Kaia dafür nicht gebraucht, weil Jia als zweites Mädchen ausgereicht hätte, aber Kaia hatte er irgendwie als Ausgleich für Jia benötigt. In seinem Kopf machte das absolut 100% ganz sicher Sinn.
      Zum Glück klingelte es erneut an der Tür, bevor Wyatt sich selbst in eine Phase der Teenagerangst quatschen konnte, die er gerade nicht brauchte. Es waren immer noch seine Freunde. Sie würden schon Spaß haben und es selbst dann mit Humor nehmen, wenn versehentlich das Haus abbrennen würde. Was hoffentlich nicht passierte, weil Milo ihm das ewig vorhalten würde.
      "Wy! Alles Gute nachträglich! Du siehst du alt aus!" Emma hing ihm um den Hals, sobald er die Tür öffnete. Er zog sie ein paar Schritte mit sich in den Flur hinein, damit Lucas, der hinter ihr die Augen verdrehte, genug Platz hatte, um rein zu kommen.
      Wyatt hatte kaum eine Chance, "Danke" zu sagen, bevor sie ihn los ließ, um sich zu Lucas zu drehen und ihm die zartrosane Sporttasche abzunehmen, die er wohl für sie getragen hatte.
      "Wir haben alles dabei", erklärte sie begeistert. "Snacks, Geschenke, genug Alkohol, um Milo auf der Stelle ins Grab- Oh. Hi Milo!"
      "Hi Emma. Ich tue einfach so, als ob ich das Ende des Satzes nicht gehört habe." Milo, der offenbar entschieden hatte, dass Wy zu lange brauchte, um die Gäste zu begrüßen und entschieden hatte, selbst gucken zu kommen, ob alles okay war, seufzte kurz, bevor er zu Aaron sah und ihm ein kleines Lächeln schenkte.
      "Es ist auch eigentlich nicht so viel Alkohol", lenkte Emma ein, während sie ihre Tasche im Vorbeigehen direkt an Wy abgab, so als ob sie plötzlich wieder realisiert hätte, dass sie die gar nicht selbst tragen musste. "Das wirkt nur cooler, als zu sagen, dass wir ein Fruchtpunschrezept von Lucas' Bruder ausprobiert haben." Sie schob sich an Jude vorbei, um vor Jia stehen zu bleiben. "Hi! Ich glaube wir kennen uns noch nicht. Ich bin Emma, das ist Lucas. Ich mag dein Shirt. Das steht dir richtig gut."
    • Aaron

      Aaron versuchte sich etwas weiter hinten in den Gang zu verabschieden, während er seine Jacke auszog und die ganzen Jugendlichen ansah, wie einen Schwarm fliegender Ameisen. Alkohol, hm? Das würde Milo aber freuen- Ah, da war Milo. Aaron wurde sofort abgelenkt und erwiderte das Lächeln etwas verträumt, bevor er nochmal kurz zu Sinnen kam.
      „Oh, hier ist eine Kleinigkeit, Wyatt. Alles Gute zum 16.“, sagte er schnell und hielt dem Jungen eine kleine Geschenktasche entgegen, in der er ein Lego Star Wars Schiff mit Figuren finden würde. Es war klein, Aaron hatte es unpassend gefunden, dem Jungen etwas über 20€ zu schenken, weil er dann sicher wieder skeptisch eher schlecht gelaunt werden würde, aus Angst, Aaron drängte sich in sein Leben oder sowas. Aber nichts mitzubringen, kam ihm auch falsch vor, und zusätzlich hatte er Schoko Muffins gebacken, sicherheitshalber vegan und glutenfrei, weil er Wyatts Freunde ja nicht kannte. Den Unterschied würden sie nicht rausschmecken, schon garnicht nachdem sie sich die… nicht ungefährlich klingende Punsch Mische reingeleert hatten.
      Jia nutzte diese Chance um Wyatt ebenfalls ein „Happy Birthday“ entgegen zu murmeln und ihm einen Star Wars Schlüsselanhänger uneingepackt in die Hand zu drücken, nachdem sie Aaron gefragt hatte, ob er Milo gefragt hatte, ob Wyatt irgendwelche Hobbies hatte. Alles in allem sah sie noch nicht ganz begeistert darüber aus, hier zu sein, aber als das blonde Mädchen plötzlich von einer Person zur nächsten wirbelte, weckte sie Jia ein bisschen aus der schlechte Laune Trance.
      „D-danke“, stammelte sie kurz etwas überfordert. „Deine Frisur ist toll, flechtest du die selbst? Ich übe das momentan so im Spiegel, nicht leicht“, fügte sie hinzu und blinzelte und Aaron machte sich auf der Stelle etwas weniger Sorgen. Dann konnte er ja jetzt…
      Er drehte sich wieder zu Milo und quetschte sich vorbei bis er vor ihm stand. „Hi…“, sagte er. Urgh, er merkte erst beim Reden, das er schüchtern wurde. Sie hatten sich wirklich zu lange nicht gesehen um das hier als Widersehen zu haben! „Alles okay?“, fragte er als erstes, weil das alles ja doch irgendwie ziemlich stressig werden konnte, vor allem wenn man es nicht gewohnt war. „Ich hab… Muffins gemacht“, lächelte er.
      Es klingelte zwei Sekunden später erneut an der Tür und die letzte Person musste sich in dem Tumult umdrehen und öffnen, um Kaia hereinzulassen, die aber sowieso kaum Platz mehr hatte. „Oh, viel los hier“, war das erste, das sie sagte.
      Aaron schob sich mit Milo aus dem Gang heraus, um Platz zu machen.
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    • Milo

      "Ja! Das ist super einfach! Ich kann dir das gleich zeigen!", erwiderte Emma so begeistert, dass Milo sie fast sympathisch fand. Fast. Sehr viel mehr bekam er von ihrem Gespräch nicht mit, weil es langsam so voll im Flur wurde, dass er sich von Aaron zurück ins Wohnzimmer schieben ließ. Das letzte, was er von der Gruppe an aufgekratzten Teenagern sah, war Wyatt, der mit vollkommen irritiertem Blick auf die Geschenke in seiner Hand sah. Entweder hatte er nicht damit gerechnet, dass die beiden etwas finden würden, was seinen Geschmack traf, oder er hatte einfach generell nicht mit Geschenken gerechnet. Milo war zumindest erleichtert, dass Aaron ihn um Rat gebeten hatte. Vielleicht würde Wy so wenigstens langsam ein wenig wärmer ihm gegenüber werden.
      "Hey", wiederholte er mit einem kleinen Lächeln, als das Wohnzimmer sie zumindest ein bisschen von dem Lärm der Teenager abschirmte. "Alles bestens", bestätigte er, bevor Aaron die Muffins erwähnte, was irgendwie so das Aaron-mäßigste war, was er hätte tun können. "Du bist die einzige Person die ich kenne, die Muffins für jemanden macht, der ihn nicht mal leiden kann." Er musste selbst ein wenig lachen, als er Aaron schließlich in eine kurze Umarmung zog.
      "Das war eine gute Idee. Ich würde sagen, dass wir hier warten, bis die Gruppe merkt, dass das Haus nicht nur aus dem Flur besteht, dann können wir die Muffins in die Küche stellen." Gott, hatte er ihn vermisst. Seine Laune hob sich immer sofort, wenn er Aaron sah. Es war, als hätte der Blonde seine eigene, kleine Sonne mitgebracht, die ein bisschen positive Energie verstrahlte.
      "Ich bin froh, dass du hier bist. Ich glaube, alleine hätte ich das nicht überlebt. Ich hatte mir gedacht, dass wir die Kinder größtenteils in Ruhe lassen und uns einfach einen netten Abend machen können? Wy hat einen Fernseher im Zimmer, deshalb gehe ich davon aus, dass sie die meiste Zeit oben hängen werden. Sonst dürfte es wohl auch gerade noch so warm genug sein, um draußen zu sitzen." Sie mussten es wirklich irgendwie hinbekommen, sich öfter zu sehen.
    • Aaron

      Aaron ließ sich bereitwillig umarmen und schlang seine Arme sofort um Milo. „Ich hab sie nicht nur für Wyatt gemacht, sofern er keine 20 Muffins im Alleingang schafft“, murmelte Aaron schmunzelnd. Ahh… es wäre schön, wenn sie noch etwa fünfzehn Minuten so stehen bleiben könnten. Irgendwann bekamen sie hoffentlich mal ein richtiges Date auf die Reihe, wo das möglich war. Aaron strich Milo kurz über den Rücken bevor er ihn wieder losließ und seinen kuscheligen gestreiften Pullover zurecht zupfte.
      „Ich bin gern dein Lebensretter“, zwinkerte Aaron und sah dann nochmal kurz in den Gang, bevor er beschloss, dass seine Sachen erstmal da draußen erstmal Geiseln waren. Also machte er zwei Schritte zum Sofa und setzte sich hin.
      „Klingt nach einem guten Plan. Ich versuche, dich von der Fruchtpunsch-Sache abzulenken“, sagte er und klopfte neben sich auf die Couch. „Und du erzählst mir, was es bei dir Neues gibt. War es sehr stressig in letzter Zeit? Ist mit Wyatt alles okay? Und wie läuft die Arbeit? Krieg ich einen Tee?“ Aaron lächelte und überschlug seine Beine. Er hatte definitiv zu lange darauf warten müssen, sich nochmal richtig mit Milo zu unterhalten. Trotzdem war es jetzt dafür umso schöner, ihn zu sehen und Aaron bereute nichts. Es musste ja irgendetwas heißen, dass sie sich alleine bei ihrem minimalen Gespräch im Pub damals sofort verstanden hatten und seitdem beide engagiert waren, es irgendwie hinzubekommen, zu daten, obwohl die Lebenslage dafür nicht schlechter sein könnte. Es musste etwas heißen, dass sie sich beide so viel Mühe gaben. Wer tat das schon? Für jemanden, den man kaum kannte. Aaron war immer etwas übermotiviert in all seinen Freundschaften und Beziehungen und es war das beste Gefühl der Welt, das zurück zu bekommen. Milo war lustig, rücksichtsvoll, dankbar, geduldig, liebevoll… Er kümmerte sich um seine Familie und außerdem sah er gut aus. Aaron konnte den ganzen Abend guten Gewissens damit verbringen, ihn anzustarren, bis es gruselig wurde. Irgendwann würden sie schon mehr Zeit füreinander haben, davon war er überzeugt. Sowas zahlte sich am Ende immer aus, ganz bestimmt.

      Jude

      „Rutscht mal weiter, ich will nicht ewig in der Tür stehen“, meinte Kaia langsam etwas verzweifelt und drückte Jude nach vorne, der ein wenig in den Dunkelhaarigen vor sich hinein lief.
      „Ups. Sorry“, sagte er und sah… hinauf. Er runzelte unbeabsichtigt die Stirn, als er merkte, dass ihn selten jemand so überragt hatte, ließ davon aber gleich wieder ab und quetschte sich zu Wyatt durch. „Hey… ich hab die schonmal getroffen, oder? Wie heißen die zwei?“, flüsterte er möglichst heimlich, aber Jia hatte ihn offenbar gehört und schüttelte kurz den Kopf, bevor sie zur Seite trat und alle einmal durchließ, bis Kaia bei ihr ankam.
      „Hey“, sagte diese, als sie endlich ins Haus kommen durfte, und rief kurz etwas halbherzig zu Wyatt: „Alles Gute!“, weil sie eh nicht wirklich durchkam.
      Jude blinzelte Wyatt weiterhin fragend an. Das Kennenlernen war halt flüchtig gewesen letztes Mal… Er hatte wirklich kein besonderes Talent, was das Merken von Namen anging. Außerdem hatte zwischendurch seine Freundin mit ihm Schluss gemacht. Nein, er benutzte das momentan nicht als Ausrede für absolut alles… Nope.
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    • Milo

      "Er ist ein Teenager im Wachstum. 20 Muffins sind für ihn ein Zwischensnack." Milo musste kurz lachen. Er hätte Aaron am liebsten einfach festgehalten, bis er morgen wieder gehen müsste, aber das war leider furchtbar unrealistisch. "Und solange sie sich nicht ins Koma trinken, ist mir der Punsch eigentlich furchtbar egal. Es ist mir lieber, wenn sie hier unter Aufsicht trinken, als sich in irgendeine Kneipe zu schmuggeln."
      Milo ließ sich neben Aaron auf das Sofa sinken, während der Blonde ihn mit Fragen förmlich bombadierte. "Langsam, Speedy Gonzales." Er musste trotzdem lächeln. Er brauchte Aaron einfach in seinem Leben, was es noch frustrierender machte, dass sie es offenbar nicht schafften, ein einziges, blödes, normales Date auf die Reihe zu bekommen. "Es ist stressig, meistens wegen der Arbeit, aber dafür muss ich mich immer weniger um den ganzen Kram meiner Eltern kümmern, also habe ich bald wahrscheinlich etwas mehr Luft. Wyatt geht es gut, denke ich. Teenager halt. Mal ist er super gut drauf und erzählt mir stundenlang irgendwas über Elfen und Raumschiffe und sowas und dann tut er so, als wolle er mich bis an sein Lebensende nicht mehr sehen." Er verdrehte kurz die Augen. Er war sich ziemlich sicher, dass er in seiner Pubertät netter gewesen war. Allerdings hatte er zu dem Zeitpunkt auch nicht so viel durchmachen müssen.
      "Welchen Tee möchtest du?", fragte er, während sich die kleine Gruppe im Flur langsam zu bewegen schien und er das Gefühl hatte, dass er den Weg in die Küche wieder überleben würde. "Eher süß, oder bitter? Und wie geht es dir? Du siehst umwerfend aus."


      Wyatt

      Langsam wurde es wirklich zu voll in dem Flur. Wyatt wich so weit nach hinten aus, wie es ging und blinzelte Jude kuz irritiert entgegen, als er sich nach den Namen seiner Freunde erkundigte. Gut, er hatte sie bisher auch nur einmal kurz gesehen. "Emma und Lucas. Du darfst raten, wer wer ist", antwortete er mit einem Grinsen, während Jia offenbar genug von ihnen beiden hatte. Hoffentlich würde der Abstand zwischen ihnen für den Rest des Abends anhalten. Er war sowieso ein wenig überrascht, dass sie hier war. Ja, er freute sich, dass sein genialer Plan aufgegangen war, aber holy shit, musste sie an Aaron hängen, dass sie für ihn hierher kam. Auch wenn ihm das zum Glück egal sein konnte. Es war seltsam nett, dass sie ihm sogar ein Geschenk mitgebracht hatte. Irgendwie war er fast davon ausgegangen, dass sie den ganzen Tag nur auf Aarons Schoß sitzen und ihn ignorieren würde.
      Er hob kurz die Hand, um ein 'Danke' zu signalisieren, als Kaia ihm gratulierte, bevor er entschied, dass es wirklich zu eng wurde.
      "Wir sollten hoch in mein Zimmer gehen", schlug er vor. "Dann könnt ihr auch schon mal eure Taschen absetzen." Er selbst wollte Emmas Tasche auch nicht länger tragen. Er hatte keine Ahnung, was die Blondine so alles eingesteckt hatte, aber sie wurde langsam schwer.
      "Klingt gut", stimmte Emma zu, während sie offensichtlich versuchte zu entscheiden, wen von den anderen sie zuerst auf die Nerven gehen sollte. Wy drehte sich um und ging die Treppe hoch, bevor er ihr nächstes Opfer werden konnte. Zum Glück gab es genug neue Leute, die sie weiter um ihre Finger wickeln konnte.
      "Die Mädchen schlafen eigentlich im Raum schräg gegenüber", erklärte er, als er seine Zimmertür öffnete, "aber ihr könnt eure Taschen bei mir im Zimmer abstellen, bis wir wirklich schlafen gehen. Ist besser, als wenn ihr immer hin und her laufen müsst, wenn ihr was braucht." Mit diesen Worten stellte er Emmas Tasche neben sein Bett. Er hatte ein bisschen was umgestellt, damit sie mehr Platz im Zimmer hatten - und sein DnD Zeug von seinem Schrank in einen Bettkasten gesteckt - aber sonst war sein Zimmer eigentlich unverändert. Bett, Schreibtisch, Schrank, Fernseher. "Bad ist hinter der Tür, Küche ist unten. Meldet euch, falls ihr was braucht." Er lächelte kurz in die Runde, bevor sein Blick an Jude hängen blieb. Irgendwas stimmte nicht. Er wusste nur nicht- "Hast du gar keine Tasche mit?"
    • Aaron

      Aaron würde lieber nicht erwähnen, dass Leo und er früher alles mögliche in eine Flasche gekippt hatten, um es dann diabolischerweise "Fruchtpunsch" zu nennen. Sie konnten ja auf das Beste hoffen.
      "Das klingt zumindest normal", lächelte Aaron als Milo ihm von Wyatts zweiseitigem Verhalten erzählte. "Weißt du, ich hab in nicht ganz drei Monaten meinen Abschluss, dann hab ich auch mehr Zeit" Auf den Tag seiner letzten Prüfung freute er sich aus drei Gründen: Erstens, kein Lernen mehr. Er war sowieso unglaublich furchtbar darin, aber Noten spielten zum Glück keine große Rolle. Zweitens, er hatte sich vorgenommen, am selben Tag shoppen zu gehen und absolut keine Kosten zu scheuen, weil er dann später sowieso mehr Geld haben würde, wenn er wieder Vollzeit arbeiten konnte. Es war ein Lichtblick, um die letzten, anstrengenden Wochen durchzuziehen. Also, das Shoppen. Und Drittens, er würde freie Tage wie ein normaler Mensch haben! Einigermaßen. Sonntag zumindest. Aber er konnte mit Milo nach Feierabend essen gehen, oder zusammen ins Kino, oder Sonntag mal zusammen frühstücken… Aaron würde jedenfalls gerne zeitreisen können und es bereits hinter sich haben.
      "Irgendwas mit Früchten, vielleicht, oder Kamillentee, oder so?", sagte er und lächelte Milo hinterher, als er aufsprang und schon in die Küche lief und gerade als Aaron ihm nachgehen wollte, musste er bei dem Kompliment doch kurz sitzen bleiben. Er hob die Schultern an und grinste mit zugekniffenen Augen kurz zu Seite, um seine Cuteness Aggression loszuwerden, dann strich er sich die Haare hinters Ohr und stand auf, um weiter mit Milo reden zu können. Er wurde ein bisschen von der Truppe Kinder aufgehalten, die sich ihren Weg zur Treppe bahnten, aber er fing Jia kurz ab, bevor sie hinterher laufen konnte.
      "Hi, alles gut?", fragte er. Er konnte die Sorge nicht abschütteln, dass irgendetwas nicht stimmte und sie eigentlich garnicht hier sein wollte aber schon wieder nicht gewusst hatte, dass das Wort Nein existierte.
      Sie verzog etwas das Gesicht. "Ja, aber bitte hör auf, mich so zur Seite zu ziehen, ich bin kein Kleinkind", sagte sie, im dennoch nettesten Ton, den man bei diesem Satz wohl hinbekommen könnte.
      Aaron ließ ihre Schulter los und nickte. "Okay, viel Spaß" Er hob einen Arm Richtung Treppe und ließ sie gehen. Vielleicht sollte er sich keine Sorgen machen. Manchmal hatte sie ja doch kein Problem mit Ehrlichkeit. Das war immer wieder ein wenig schockierend. Aber… irgendwann musste sie ja wohl auch in die Phase kommen, in der sie alle waren. Ugh. Hoffentlich blieb sie trotzdem so knuffig wie sie war.
      Aaron ging weiter in die Küche, als alle Jugendlichen einen Stock weiter oben verschwunden waren, und lehnte sich in den Türstock, Milo dabei zusehend, wie er den Tee machte.
      "Mir geht's gut, ich bin froh, dass meine Kollegen in den Prüfungsphasen immer so rücksichtsvoll sind", beantwortete er die Frage. "Ich kann auch ab und zu mal bei der Arbeit lernen und mich von Jude dafür verarschen lassen, das ist super" Er lächelte.

      Jude

      Emma, Lucas, Emma, Lucas, Emma, Lucas.
      Jude trottete hinter Wyatt die Treppen hoch und begann sich endlich langsam daran zu erinnern, wie es hier ausgesehen hatte. Eigentlich war das Haus gigantisch. Waren Wyatts Eltern reich gewesen oder so? Er sah den anderen dabei zu, wie sie alle ihre Taschen in Ecken des Zimmers schoben. Kaia hatte sich bereits daran gemacht, Emma und Jia in ein Gespräch zu zwingen, das vermutlich nicht mehr enden würde. Dann bemerkte er, wie Wyatt ihn anstarrte.
      "Oh, nö", sagte er. "Ich bin Minimalist" Er zog aus beiden Jackentaschen erneut Zahnbürste und Unterwäsche heraus, um zu demonstrieren, dass er tatsächlich was eingepackt hatte, aber eben nur das Notwendigste. "Irgendwie hat Helen ohne es uns zu sagen, die neue Regel eingeführt, dass Wäsche nur noch gewaschen wird, wenn sie im Wäschekorb war, und der Haufen in unserem Zimmer zählt auf einmal nicht mehr, darum hab ich gerade nicht viel zum Anziehen", erläuterte er. "Eine Vorwarnung wäre nett gewesen. Tja. Ich dachte mir, du leihst mir sicher ein T-Shirt. Emery ist dafür zu assozial. Ich weiß nicht, ob er denkt, dass ich seine Kleidung zerfetze, aber er ist etwas besitzergreifend" Jude lächelte unschuldig. Er hätte auch kein Problem damit, wenn Wyatt ihm keine Klamotten lieh, aber irgendjemand hier würde definitiv ein Problem damit haben.
      "Oh, was ist eigentlich der Plan?" Jude sah kurz durchs Zimmer und zählte durch. "Wir sind genug Leute für richtig viele Spiele, für die man sonst nicht genug Leute hat. Werwolf zum Beispiel. Oder Trinkspiele"
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    • Milo

      Es war wirklich schön zu hören, dass ihr ständiges beschäftigt Sein offenbar ein absehbares Ende hatte. Milo kümmerte sich nur noch um die letzten vergessenen Unterlagen und Abos, die ihm ab und an in den Briefkasten geflattert kamen und Aaron hatte seinen Abschluss in greifbarer Nähe. Vielleicht würden sie es ja doch irgendwann noch hinbekommen, einfach auf normale Dates zu gehen und eine normale Beziehung zu führen! Vielleicht würden sie es schaffen, irgendwann ungestört zusammen zu sitzen und über die holprige Anfangszeit zu lachen. Milo wollte nur nicht noch drei weitere Monate darauf warten müssen. Am liebsten würde er sich jetzt direkt mit Aaron davonschleichen, als ob sie zwei Teenager wären und einfach mit ihm ins Kino gehen, oder was essen, oder…irgendwas datemäßiges halt.
      “Das klingt doch super”, antwortete er mit einem Lächeln, während er Wasser aufsetzte. “Denkst du, wir bekommen trotzdem vorher noch ein ordentliches Date hin?”, schob er vorsichtig hinterher, während er den Schrank mit seinen Tassen öffnete. Er zog eine hellrosa Tasse mit Häschen - ein Überbleibsel der Osterdeko - für Aaron und eine dunkelgrüne Tasse für sich selbst raus, bevor er nach dem Früchtetee griff.
      “Versteh mich nicht falsch, ich bin froh, dass es heute überhaupt geklappt hat, aber ich würde gerne Zeit mit dir verbringen, ohne dabei parallel auf einen Kleinzoo aufpassen zu müssen.” Er deutete kurz in die ungefähre Richtung von Wyatts Zimmer, aus der man die Jugendlichen immer noch hören konnte. Er hoffte wirklich, dass sie alle einen netten Abend ohne Zwischenfälle haben würden.
      “Außer du bist vollkommen okay damit, dass das hier nur das längste Babysitter-Einstellungsgespräch der Welt wird, natürlich.” Er lächelte Aaron leicht entgegen, während er sich an die Küchenzeile lehnte. “Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass du dann einen Pullover angezogen hättest, der weniger leicht brennbar wäre.”


      Wyatt

      Das war irgendwie…ziemlich cool. Also nicht die Sache mit der Wäsche, das war super unfair Jude gegenüber, aber die Tatsache, dass er das so einfach hinnahm, war irgendwie bewundernswert. Auch, wenn es bei Wyatt genau die selbe Wäscheregel gegeben hatte, seit er denken konnte. Er hatte erst dieses Jahr angefangen, seine eigene Wäsche zu waschen, weil Milo zu beschäftigt gewesen war. Was auch immer so extrem zeitaufwändig daran war, eine Waschmaschine anzuschalten. Es gab nur ein kleines Problem.
      “Jude, ich würde dir mein letztes Hemd geben”, begann er ernst, während er seine Hand auf Judes Schulter legte. “Aber dir ist bewusst, dass es für dich ein Crop-Top wäre, oder?” Gut, der Größenunterschied zwischen ihnen war nicht so gigantisch, aber er war sich trotzdem nicht sicher, ob er irgendein Shirt finden würde, das Jude passen könnte. “Ich kann Milo gleich fragen, ob er eines für dich über hat”, fuhr er fort, während er seine Hand sinken ließ und kurz zu Lucas sah, der auffällig interessiert an seinem Bücherschrank zu sein schien. “Oder hast du noch ein Extra-Shirt mit, Luc?”
      “Ich könnte vielleicht eines abgeben.” Lucas sah nicht sonderlich begeistert aus, aber das tat er irgendwie nie, wenn es nicht gerade um ausgefallene Teetassen ging. “Ich wollte morgen eigentlich direkt zu meinem Bruder durchfahren, aber ich denke, da kann ich auch einfach das hier nochmal anziehen.” Er schenkte ihm einen kleinen Blick, den Wyatt großzügig als ‘Besser, als Jude nackt schlafen zu lassen’ interpretierte, bevor er sich zu Emma drehte, die gerade ihre neusten Personality-Tests auf ihrem Handy zeigte.
      “Ich habe ein paar Spiele, die wir spielen könnten. Und ich habe überlegt, dass wir vielleicht nochmal ein paar Runden Mario Kart spielen könnten, oder so. Halt mit extra Regeln, weil wir mehr als vier Spieler sind. Vielleicht in Zweierteams. Einer ist blind und der andere muss angeben, wo man langfahren muss, oder man muss nach jeder Runde einmal tauschen, oder so. Eigentlich will ich nur wissen, ob du auch dann immer gewinnst, wenn du von einer anderen Person abhängig bist”, erklärte er, während er Jude begeistert entgegen lächelte. Ihn endlich in einem Spiel zu schlagen wäre immerhin das beste Geburtstagsgeschenk, nicht?
      “Ich mag die Idee mit dem blind Fahren”, meldete sich Emma von der Seite. “Dann kann ich es auf jemand anderen schieben, wenn ich verliere.”
    • Aaron

      "Ich bin optimistisch, dass heute nichts abbrennt", schmunzelte Aaron. Er hatte sich sogar extra gemütlich angezogen, in der Hoffnung, dass wieder ein wenig Kuscheln am Sofa drin war, und so. Nicht, dass er sonderliche Ansprüche an den Abend hatte. Er hatte sich von Anfang an darauf eingestellt, dass sie vielleicht nichtmal ungestört reden konnten, falls die Jugendlichen beschlossen, das ganze Haus zu beschlagnahmen oder irgendetwas anzustellen.
      "Aber ich bin mir sicher, wir können noch mal was zu zweit machen" Er lächelte, als Milo den Tee in die Häschentasse goss. "Ich meine, Wyatt scheint sich ja wirklich ganz gut mit Jude und Jia zu verstehen, und Kaia hat er anscheinend auch eingeladen. Jude ist vielleicht ein bisschen durch den Wind, aber er ist eigentlich kein schlechter Einfluss, oder so. Wenn heute alles gut geht und sie alle öfter was zusammen machen, hast du… sicher weniger, worüber du dir Sorgen machen musst. Ich meine, ich kenne Judes Adoptiveltern und Kaias Tante war eine Kollegin im Jugendzentrum. Wyatt muss einfach mal zu wem anderen nachhause gehen, dann können wir uns sogar trauen, auszugehen. Zum Beispiel… in ein Restaurant? Oder ins Kino? Oder ich koche dir was" Er grinste.
      Für Aaron zählte jedenfalls, dass Wyatt sich eingliederte, und das war ja von Anfang an das Ziel gewesen. Solange er beschäftigt war, konnte Milo durchatmen. Und das kam Aaron auch zugute. Außerdem hatte er das Geschenk vorhin zumindest schonmal angenommen, auch wenn er keinen allzu glücklichen Gesichtsausdruck drauf gehabt hatte. Mal ganz abgesehen davon, dass es anscheinend Wyatts Idee gewesen war, Aaron einzuladen, damit Milo geneigt war, die Übernachtungsparty zu erlauben.

      Jude

      "Stylish", war Judes einzige Antwort darauf. Er hatte nicht so richtig drüber nachgedacht, ob Wyatts Klamotten ihm passen würden, weil es für ihn selbstverständlich war, dass jeder Mensch eine Variation aus XXL Teilen im Schrank liegen hatte, für, naja, gemütliche Tage. Aber wenn er sich in ein zu kleines T-Shirt und zu kurze Hosen zwängen musste, war es auch okay, solange es nicht super unangenehm war. So klein war Wyatt aber auch wieder nicht. Irgendwie schmäler vielleicht…
      Jude drehte sich um, als Wy seinen Freund nach einem Shirt für ihn bat und er leuchtete etwas auf. "Oh, klasse!", sagte er begeistert, weil Lucas in diesem ganzen Haus der einzige zu sein schien, der größer war als Jude. Dann sah er wieder zu Wyatt. "Definitiv besser, als wenn du Milo fragst. Der verzieht wahrscheinlich genauso das Gesicht wie Aaron. Aber weißt du, diese Leute werden einfach alle verloren sein, wenn eine Apokalypse ausbricht, weil sie zu viel Zeug zum Leben brauchen. Stell dir vor, du musst so schnell wie möglich weg, zum Beispiel weil dein Haus brennt, und dann suchst du noch deine Haarbürste. Bescheuert" Er grinste und zuckte mit den Schultern. Eben, auf ihn sollte man in solchen Fällen hören, weil er es schonmal durchlebt hatte!
      "Nur, dass nichts brennt, keine Apokalypse ausgebrochen ist und du einfach nur wie ein Penner aussehen wirst", lächelte Kaia ihm plötzlich entgegen. "Ich bin übrigens auch für Mario Kart, aber ich will nicht mit Jude spielen, weil ich keine Lust habe, fürs Verlieren beschuldigt zu werden oder mit dem grauenvollsten Gewinner der Welt gepaired zu sein", stellte sie dann noch schnell klar.
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