The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Milo

      "Ich war von meinem 6. bis zum 11. Lebensjahr absolut überzeugt davon, Astronaut zu werden", erklärte Milo mit einem Grinsen, während er die Spülmaschine schloss und das Bedürfnis unterdrückte, stattdessen Aaron an sich zu ziehen. "Ich habe keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin. Vielleicht hab ich mal irgendwas im Fernsehen gesehen, oder so. Aber ich hatte jedes einzelne Kinderbuch über den Weltraum und war damit natürlich bestens ausgerüstet, um mich sofort in eine Rakete zu setzen und los zu fliegen." Er nickte kurz überzeugt, bevor er wieder lachen musste.
      "Lass uns eine Runde drehen. Wenn die Kinder schon nüchtern bei Mario Kart so abgehen, will ich nicht wissen, wie sehr sie aufdrehen, wenn sie dazu noch was getrunken haben." Er lächelte leicht, während er kurz Richtung Flur deutete. Es war ein schöner, früher Abend, sie hatten ein paar Parks in der Nähe und er hätte Aaron zumindest kurz bei sich, ohne dabei über irgendjemand anderen nachdenken zu müssen. Das Haus würde am Ende schon noch stehen. Wie hoch war die Chance, dass bei sechs Kindern kein einziges mit etwas Verantwortungsbewusstsein dabei war?
      "Danach wollte ich eigentlich in die medizinische Forschung und dann habe ich mich doch umentschieden und bin Arzt geworden", erklärte er weiter, während er Aaron sanft mit sich zog und sich seine Schuhe schnappte. "Und du? Wolltest du schon als Kind Sozialpädagoge werden, oder warst du auch irgendwo auf dem Feuerwehrmann-Astronauten-Spektrum?" Keiner seiner Schulfreunde hatte damals normale Berufswünsche gehabt. Ein Großteil wollte Profifußballer werden, wenn er sich richtig erinnerte. "Bevor du den sicherlich vollkommen realistischen Traum hattest, im Lotto zu gewinnen, natürlich. Hast du überhaupt je Lotto gespielt?"


      Wyatt

      "Das klingt nach einer guten Idee", stimmte Wyatt Kaia zu. Wenn sie Wahrheit oder Pflicht mit Flaschendrehen verbanden, würden zumindest nicht immer die selben paar Leute angesprochen werden. Oder eben immer zufällig genau die selben Leute, was eher witzig, als seltsam wäre. Sie konnten ja das Spiel jederzeit wechseln, wenn es zu langweilig werden würde.
      "Aber zuerst", unterbrach Emma, während sie ihren Becher hochhielt, "Auf das Geburtstagskind!"
      "Happy Birthday", stimmte Lucas schmunzelnd ein, während er auch seinen Becher hob. Wyatt lachte kurz, stieß mit seinen Freunden an und trank den ersten Schluck. Erdbeere und Rum waren eine interessante Kombination und er konnte nicht wirklich sagen, ob er sie mochte, oder nicht. Alkohol war im Grunde sowieso nicht so wirklich seins, aber irgendwie musste man die Party ja in Schwung bringen, oder? Er musste ja nur irgendwie versuchen, den Becher ein wenig über den Abend hinweg zu strecken.
      Emma neben ihm unterdrückte hörbar ein Husten, während sie ein leises "Ich glaube, das war zu viel Rum" ausstieß und sofort mit den zweiten Schluck nachspülte. "Wy, du fängst an mit dem Flaschendrehen. Es ist immerhin dein Geburtstag."
      Wyatt nickte kurz, während er aufstand und eine fast leere Wasserflasche von seinem Nachttisch nahm. Er trank die letzten Schlücke aus als er sich hinsetzte, drehte die Flasche zu und legte sie auf den Boden. Wahrheit oder Pflicht hatte er bisher noch nicht so oft gespielt. Er hatte keine Ahnung, was genau er fragen, oder beauftragen sollte, während er die Flasche drehte und darauf wartete, dass sie langsam anhielt. Sie rollte ein wenig zur Seite, bevor sie auf Emma gerichtet liegen blieb, was ihn zumindest ein bisschen entspannte. Wenigstens kannten sie sich gut genug.
      "Wahrheit", sagte Emma, ohne dass Wyatt überhaupt die berühmte Frage stellen musste.
      "Es ist die erste Runde, also fangen wir einfach an", erklärte Wyatt mit einem kleinen Grinsen. "Erst Milch, dann Müsli, oder erst Müsli, dann Milch?"
      Emma lachte kurz, während sie ihre Beine an ihren Körper zog. "Erst Milch, dann kommt die Schale in die Mikrowelle und dann das Müsli. Und das schmeckt wirklich gut, bevor hier gleich die Gegenstimmen laut werden!" Sie grinste kurz in die Runde, bevor sie selbst nach der Flasche griff und sie drehte. Diesmal blieb sie auf Jia stehen. Emma lächelte leicht, während sie zu dem Mädchen sah. "Wahrheit, oder Pflicht, Maus?"
    • Aaron

      "Süß", grinste Aaron während er sich die Hände wusch. "Ich stell mir gerade vor, wie du begeistert dein Bilderbuch durchblätterst und deinen Eltern erzählst, dass du auf den Mond willst" Er kicherte, kurz gefangen in seiner Fantasie. Er folgte Milo in den Flur, zog sich Schuhe und Wintermantel an, wickelte sich nichtsdestotrotz seinen flauschigen weißen Schal um und lief dann mit Milo hinaus in die Kühle Briese. Die Sonne war fast untergegangen, deshalb leuchteten die Straßenlaternen bereits, aber es war noch recht hell und die Wärme vom Asphalt strahlte ihnen entgegen. Man merkte endlich langsam, dass das Wetter dauerhaft wärmer wurde. Aaron freute sich auf den Sommer. Leichtere Kleidung, besser gelaunte Kinder, Sommerferien, Eiscreme. Eigentlich mochte er alle Jahreszeiten, aber jede hatte eben so ihre Eigenheiten und irgendwann freute Aaron sich schon auf die Abwechslung.
      "Ich hatte eine Lottophase mit Achtzehn", sagte er und hakte sich bei Milo ein, während sie langsam die Straße entlang spazierten. "Ein Ticket hat das nächste finanziert. Ich hab nie mehr als 7 Pfund oder so gewonnen und ich glaube, am Ende war es ein Nullsummenspiel" Vielleicht sollte er damit ja wieder anfangen, schließlich konnte er nichts verlieren, nur gewinnen. Und wenn er sich nur einen Nagellack damit finanzieren konnte, war es auch schon okay.
      "Aber als Kind war ich eine Weile sehr optimistisch, dass ich irgendwann zur Meerjungfrau… Meerjungmann? mutiere. Das ist leider nie passiert. Ich glaube irgendwann hat mich die Realität schwer getroffen, dass ich tatsächlich mal arbeiten muss. Mir war dann zumindest klar, dass es irgendetwas mit Kindern sein sollte. Lehrer oder Kinderarzt oder… ich hätte wahrscheinlich auch sowas wie Streichelzoo-Betreuer akzeptiert. Jetzt bin ich ja eine Mischung aus allem, also ist es gut ausgegangen" Er lächelte.

      Jia

      Eigentlich war der Abend bisher ganz lustig. Lucas war nett, Kaia hatte sich wohl dazu entschieden, sie nicht länger für Wyatt abzuservieren und Emma war auch sympathisch, aber alle schienen irgendwie besser miteinander klarzukommen, und Jia hatte nicht viel mitzureden, wenn sie ehrlich war. Vielleicht, weil alle älter waren, als, sie, und alle sich vorher gekannt hatten und es Wyatts Geburtstag war, der zwar kein Arsch war, aber trotzdem nur halb so begeistert darüber zu sein schein, dass Jia hier war. Sie verstand noch immer nicht, wieso er sie eingeladen hatte. Damit er eine Ausrede hatte, um Kaia einzuladen oder was? Da hätte sie lieber nicht mitgeholfen.
      Alles in allem fühlte sich das hier etwas merkwürdig ein, weil sie noch nie bei einer derartigen Übernachtungsparty gewesen war. Nicht, mit so vielen Leuten, höchsten mal einer Person, und definitiv nicht mit Alkohol, oder irgendwem, der nicht so alt war, wie sie. Aber… es war irgendwie cool. Seltsam aber cool. Ohne diese Gruppe hätte sie wahrscheinlich eh nie die Chance bekommen, auf sowas eingeladen zu werden, also musste sie sich genau einprägen, wie es gewesen war. Also musste sie Wyatt wohl irgendwie dafür dankbar sein. Auch wenn sie seinen Motiven absolut nicht traute.
      "Oh, äh, auch Wahrheit", sagte sie und lächelte etwas nervös. Die Frage mit dem Müsli war gut gewesen. Sie wusste noch nicht, was sich alle anderen bei Pflicht ausdenken könnten, also sollte sie lieber auf Nummer Sicher gehen, oder? Wahrscheinlich würde sie auch im Boden versinken, wenn sie vor fünf Leuten irgendetwas peinliches machen musste, auch wenn es nur aus Spaß war. Eine Aufwärmphase wäre jedenfalls nicht schlecht. Sie vermisste die Kartenspiele ohnehin schon ein wenig.
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    • Milo

      Das war irgendwie überraschend süß. Er konnte sich Aaron wirklich überraschend gut als Nixe vorstellen, die den ganzen Tag auf einem Felsen saß, sich die Haare bürstete und Lieder sang, um Segler in ihr Verderben zu locken. Auch, wenn Kind-Aaron sich wahrscheinlich die deutlich niedlichere Version einer Meerjungfrau vorgestellt hatte.
      "Aber ist doch gut, dass es so gekommen ist. Stell dir vor, du wärst tatsächlich Meer...person geworden und ich Astronaut. Dann hätten wir uns ja nie kennen gelernt, weil wir praktisch in zwei vollkommen gegensätzliche Richtungen unterwegs gewesen wären. Ich hätte vom All runter aufs Meer geschaut und du vom Meer hoch ins All. Jetzt haben wir spätestens zur Grippewelle wenigstens eine Überschneidung im Job." Er lachte kurz, während er schlicht den Weg einschlug, der dem Sonnenuntergang noch etwas entgegen ging, damit sie die letzten Sonnenstrahlen mitnehmen konnten. Weiter hinten in der Richtung gab es eine alte Kirche mit einem begrünten Vorplatz, an dem man sich bestimmt noch etwas hinsetzen konnte, falls der Weg zu kurz werden würde und sie noch nicht zurück wollten.
      "Ich war wirklich lange nicht mehr spazieren", merkte er an, als ihm dieser Fakt selbst plötzlich bewusst wurde. Er kannte die Nachbarschaft natürlich, er hatte seine komplette Kindheit hier verbracht, aber er war die Straße bestimmt seit seinem Auszug nicht mehr langgelaufen und der lag ein paar Jahre zurück. "In den letzten Monaten hatte ich da irgendwie entweder keine Zeit, oder keine Nerven für." Es war wirklich schön. Eigentlich war er immer gerne nochmal eine Runde unterwegs gewesen, entweder bei einem Spaziergang, oder zum Joggen, um den Kopf frei zu bekommen. Aber mit Aaron am Arm war es noch besser.


      Emma

      Emma musste irgendwie automatisch lächeln. Jia war niedlich. Man konnte ihr die leichte Nervosität ansehen, was bedeutete, dass sie jetzt eine richtig gute Frage brauchte. Irgendwas, was Jia weder vorführen, noch bloßstellen würde. Irgendwas nettes, interessantes, was...deutlich zu anspruchsvoll für sie war. Sie trank noch einen Schluck von der furchtbaren Erdbeer-Rum-Mische, für die sie Lucas' Bruder wohl irgendwann mal vors Schienbein treten würde, um sich noch einen Moment zum nachdenken zu geben.
      "Oh, ich hab was schönes zum Einstieg! Welchen Star würdest du mal treffen wollen?" Das war doch eine super neutrale Startfrage, oder? "Also mit 'Star' meine ich wirklich jede Person, die man irgendwie kennt, egal, ob jetzt Schauspieler, Sänger, Politiker, Influencer und so und ich würde bereits verstorbene Stars auch gelten lassen." Sie lächelte Jia fröhlich entgegen, während sie ihr schon mal die Flasche zuschob, damit sie mit dem Spiel weitermachen konnte.
      Wenn die Stimmung so blieb, würde es vielleicht ganz nett werden. Sie hatte noch ein bisschen Sorge darüber, wie abgedreht die Fragen werden würden, wenn der Pegel stieg und die Hemmung nachließ und was genau sich die anderen als Pflicht überlegen würden, aber bisher schien die Gruppe zu entspannt zu sein, als dass irgendwas schräges passieren würde. Eigentlich fühlte sie sich sowieso überraschend wohl, obwohl sie die Hälfte der Anwesenden nicht kannte. Vielleicht war Wyatts Jugendheim gar nicht so dämlich, wie es geklungen hatte, als er davon erzählt hatte. Schade nur, dass es für sie zu weit weg war. Bis jetzt zumindest, immerhin hatte sie noch keine Ahnung, wo sie in den nächsten zwei Jahren überall enden würde. Vielleicht würde es ja irgendwann mal eine Pflegefamilie geben, die nicht am totalen Rand von London wohnte, so dass sie immer stundenlang Bus fahren durfte.
    • Aaron

      Da hatte Milo wohl recht. Noch weiter auseinander hätten ihre Kinderträume kaum gehen können. Aaron schmunzelte. „Ich bin froh, dass wie beide solche Planungs-Pros sind, dass wir uns auch unabhängig von der Grippewelle sehen“, meinte er. Überschneidung hin oder her, es war völlig unmöglich, sich bei all den Kindern nicht selbst anzustecken. „Außerdem ist das ziemlich unsexy. Wenn du mein Hausarzt wärst, würde ich mich nie trauen, einen Termin auszumachen, wenn ich echt krank bin. Glaubst du, manche von deinen Patienten haben das Problem? Ich würde es ihnen nicht verübeln“
      Aaron sah eine Weile auf seine Füße wäre er Milo zuhörte und lächelte. Er ging in letzter Zeit auch nicht oft spazieren. Vor Beginn seines Studiums war er oft in der Sporthalle gewesen, in der er Gymnastik gemacht hatte, in den ersten zwei Semestern war er in ein naheliegendes Fitness Studio gewechselt, weil er in seine Wohnung gezogen war, und jetzt… musste er seinen Couchtisch wegschieben, um ein wenig Platz für minimalistische Workouts zu haben. Ein Trauerspiel. Viel Kondition konnte er ja nicht mehr haben, nachdem er mit dem Auto zur Arbeit und zur Uni fuhr.
      „Ich weiß, was du meinst. Wir sollten uns ganz einfach ab und zu für Spaziergänge verabreden. In den Mittagspausen und so. Ist deine Praxis weit vom Jugendzentrum entfernt?“ Er sah zur Seite und konnte einen leicht flehenden Blick nicht verstecken. Einmal musste doch irgendetwas für sie klappen. Vielleicht hatten sie mal gleichzeitig Feierabend und konnten sich in der Mitte treffen, oder so…
      Aaron ließ von Milos Arm ab und griff stattdessen nach seiner Hand, und ließ ihre verschränkten Finger zwischen ihnen leicht vor und zurück schaukeln, immer im Takt mit ihren Schritten. „Ich bin übrigens froh, dass du nicht so fertig aussiehst wie bei unserem ersten Treffen im Pub. Da hast du echt mitgenommen und müde ausgesehen. Heiß, aber, naja, es sollte dir trotzdem nicht schlecht gehen. Ich finde, du siehst ein bisschen ausgeschlafener aus“ Aaron hob seinen Blick wieder und lächelte Milo an. „Liegt bestimmt am Wetter“

      Jude

      Eh, langweilig. Jude lehnte sich zurück an den Bettrahmen und spielte mit dem Glas in seiner Hand, von dem er bereits die Hälfte getrunken hatte. Er konnte seinen Alkohol gut halten, hatte er das schonmal gesagt? Außerdem schmeckte es verdammt gut. Erdbeeren eben.
      Trotzdem, Emma hätte ruhig eine gewagtere Frage stellen können, und Jia etwas nerven. Er selbst sollte vermutlich…
      „Also ich nehme nur Pflicht für den Rest des Spiels um euch Lahmärsche ein bisschen auszugleichen“, lächelte er motiviert.
      „Uh… jedenfalls“, sagte Jia, sah aber danach aus, als würde sie echt angestrengt überlegen. Hatte die im Waisenhaus überhaupt Streaming Dienste? „Ich guck nicht viele Serien, aber ich mag die Songs von Billie Eilish. Keine Ahnung, was ich tun würde, wenn ich sie treffen würde, aber ich mag ihren Stil und ähm… sie setzt sich für Tierrechte ein und so“ Jia nickte entschlossen.
      „Sie ist cool“, stimmte Jude zu während er angestrengt versuchte, ein Erdbeerstück aus dem Glas zu fischen.
      Jia drehte die Flasche, und sie landete bei Kaia.
      „Ich nehm Pflicht, weil dir eh nichts einfallen würde, das du noch nicht weißt“, grinste Kaia.
      „Okay, ähh…“ Oh, die Verzweiflung war ihr ins Gesicht geschrieben. „Lies die letzte Nachricht vor, die du jemandem geschrieben hast“
      Oh, die war gut. Kaia lehnte sich zur Seite und zog ihr Handy aus der Hosentasche, ohne zu zögern. „Ich bin mir ziemlich sicher, ich weiß, was es war…“, murmelte sie und klickte auf die App. „Ah, ja. ‚Keine Ahnung, so mittags halt‘“ Sie stieß belustigt Luft aus. „Mein Dad hat gefragt, wann ich morgen nachhause komme“, erklärte sie.
      „Helen holt mich ab, wenn ich sie anrufe, ich kann dich mitnehmen“, schlug Jude kurzerhand vor. „Und jetzt frag oder sag bitte was ordentliches in der nächsten Runde, damit das Spiel sein Potential entfalten kann“ Jude nickte in Richtung der Plastikflasche in ihrer Mitte. Sie mussten es ja nicht übertreiben, aber die Fragen bisher waren übertrieben mild gewesen. Ging es nur ihm so?
      „Schön. Wenn ich mal dich bekomme, hab ich keine Gnade“, sagte Kaia und drehte, und die Flasche stoppte bei Wyatt. Dann legte sich ein beunruhigendes Lächeln auf ihre Lippen. „Wahrheit oder Pflicht?“, fragte sie.
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    • Milo

      "Die meisten meiner Patienten sind doppelt so alt, wie ich. Denen ist es wichtiger, jemanden zum reden zu haben, als gesund auszusehen. Außerdem kümmere ich mich gerne um Menschen, egal, wie krank sie sind." Für Aaron würde er sogar alles stehen und liegen lassen, um ihm bei einer Grippe beizustehen, was ein wenig verrückt war. Immerhin war das hier erst ihr zweites...Date. Aber wie sollte man nicht ins Schwärmen geraten, wenn Aaron so unfassbar niedlich war?
      "Danke. Ich denke das Wetter ist nicht ganz unschuldig, aber ich habe in den letzten Tagen auch einfach weniger zu tun, als sonst. Wy war so beschäftigt damit, seinen Geburtstag zu planen, dass er nichts angestellt hat. Ich habe tatsächlich mehr Schlaf bekommen, als sonst." Warum fühlte sich Aarons Hand in seiner so absolut selbstverständlich an? Irgendwie fehlte Milo fast die Nervosität, die man normalerweise hatte, wenn man mit jemandem ausging. Vielleicht lag es daran, dass sie sonst immer so gestresst waren, dass sich dieser Moment gleich viel entspannter anfühlte.
      "Ich würde das Kompliment gerne zurückgeben, aber du sahst leider damals schon verdammt gut aus und tust das jetzt immer noch, also...gib dir weniger Mühe, oder so?" Er warf Aaron ein kleines Grinsen entgegen. Der Blonde hatte einen etwas ausgefallenen Stil, so viel hatte Milo während der letzten Treffen schon feststellen können, aber irgendwie stand es ihm. Der zottelige Pullover, den er heute trug, würde Milo nicht mal ansatzweise stehen, aber Aaron wirkte vollkommen normal darin.
      "Das mit den Spaziergängen in den Mittagspausen klang gut", griff er das Gespräch schließlich wieder auf, während sie in die nächste Straße abbogen. "Ich habe nur keine wirklich geregelten Mittagspausen. Es kommt halt immer ein bisschen darauf an, wie lange die Patienten mich vollquatschen, oder tatsächlich Hilfe brauchen. Und selbst dann könnte es ein bisschen knapp werden, sich in der Mitte zu treffen. Wir könnten ein Wochenend-Ding draus machen, oder so?"


      Wyatt

      Ah. Natürlich ging Jias Musikgeschmack offenbar so vollkommen an seinem vorbei. Wäre auch zu schön gewesen, wenn sie plötzlich ihre erste Gemeinsamkeit entdeckt hätten. Obwohl er bisher irgendwie positiv überrascht von ihr war. Immerhin beschwerte sie sich nicht laufend, so, wie er es gefürchtet hatte. Eigentlich war sie sogar so still, dass er ein wenig vergessen hatte, dass sie überhaupt da war. Ideal, eigentlich.
      Dafür war Jude offenbar langsam ein wenig gelangweilt von dem Spiel. Gut, bisher hatten sie auch noch keine wirklich riskanten Fragen gestellt und außer Kaia traute sich offensichtlich wirklich niemand an die Pflichten. Aber das war in so einer durchmischten Gruppe wahrscheinlich normal. Er selbst wollte auch nicht in irgendein Fettnäpfchen treten. Passenderweise landete die Flasche direkt bei ihm. Super.
      "Pflicht", antwortete er mit einem kleinen Lächeln. "Aber nur unter der Voraussetzung, dass du das nicht missbrauchst, um mir aufzutragen, Jude nach Hause zu schicken, oder so", fügte er scherzhaft hinzu. Immerhin hatte Kaia ja gerade selbst gesagt, dass sie keine Gnade mehr für den Rotschopf übrig hatte. Was traurig war. Immerhin hatte Jude recht und ohne ihn wäre die Party nur halb so gut.
    • Aaron

      Aaron zuckte mit den Schultern. "Bin mir sicher, die ganzen alten Ladies fahren auf dich ab", warf er ein. Er war ziemlich überzeugt davon. Das hatte wahrscheinlich auch kaum was mit Milo zu tun. Diese alten Leute hatten doch immer kleine Crushes auf ihre jungen Ärzte. Obwohl, vielleicht hatte es was mit Milo zu tun, so wie er selbstsicher sagte, dass er sich gerne um Menschen kümmerte… Da wollte man glatt schreien 'kümmere dich um mich!!'. Haha.
      "Oh gut", antwortete er auf das Kompliment, das ihm wie immer eine leichte Gänsehaut verpasste. "Dann muss ich mir hoffentlich keine Sorgen machen, dass einer deiner alten Patienten dich mir wegschnappt"
      Er würde sich wenn dann mehr Mühe geben. Es stimmte, dass er sich gerne mit Mode und Accessoires auseinandersetzte und es genoss, sich schick zu machen, wenn er außer Haus ging. Noch besser war es, dafür sogar Komplimente zu bekommen. Als würde er sich da weniger Mühe geben, wenn es so gut funktionierte, Milo für sich zu gewinnen. Aaron war sich sicher dass sein Aussehen und Selbstbewusstsein vieles von dem Müll überdeckten, den er im Laufe des Tages so von sich gab. Er war nicht der schlauste Mensch, konnte wahrscheinlich nicht mit super tiefgründigen, politischen Gesprächen dienen, aber irgendwie schaffte er es ja doch, dass sich andere für ihn interessierten. Wenn es da schonmal etwas gab, das so offensichtlich war, würde er es nicht aufgeben. Außerdem machte es Spaß, das war immer der Hauptgrund gewesen.
      "Sonntags hab ich immer frei, ich Babysitte nur am Abend oft, also können wir da immer spazieren gehen", lächelte er. Aarons Terminplan war momentan absolutes Chaos, der dem eines Schichtarbeiters ähnelte, aber wenigstens konnte er sich auf seinen freien Donnerstag und Sonntag verlassen.
      "Oh, willst du dich dort hinten auf eine Parkbank setzen? Ich will noch nicht zurück gehen. Nichts gegen die Partygäste, aber ich mag es, mit dir zu reden, ohne dem Hintergrund-Geschrei", lachte er. Außerdem war es nicht wirklich kalt. Es ließ sich bestimmt auch sitzend gut aushalten.
      "Ich war am Donnerstag übrigens mit Jia einkaufen", erzählte er. "Vor ein paar Wochen ist sie zu einer Pyjama Party eingeladen worden. Gut, die waren nur zu dritt, aber wir haben daraus trotzdem einen Ausflug mit ein paar anderen Kindern gemacht, sind einkaufen gegangen und sie hat sich einen total süßen rosa Satin Pyjama ausgesucht. Jedenfalls hab ich nach deinem Anruf realisiert, dass ich normalerweise nur alte Jogginghosen und löchrige T-Shirts trage, was irgendwie traurig ist, also hab ich Jia ein bisschen gezwungen, nochmal mit mir einkaufen zu gehen. Ich hab sie mit einer Maniküre und Waffeln geködert. Und jetzt hab ich einen dieser ikonischen Herzchen-Pyjamas ergattert, mit Hemd und allem. Super weich. Und denselben nochmal mit kleinen Bären, den ich wahrscheinlich Jude aufdrängen muss, wenn er nichts anderes bekommt. Er hat nämlich nichts zum Anziehen mitgenommen und Wyatt ist ein ganzes Stück kleiner"

      Kaia

      "Aw, keine Sorge, ich werde euch nicht trennen", lächelte sie. Im Gegenteil. Am liebsten würde sie Wyatt für die Aussage auftragen, Jude zu küssen, aber sie hatte eine bessere, akzeptablere Idee. "Dreh die Flasche nochmal und küss die Person auf den Mund, auf den sie zeigt", sagte sie. Hier sollte sich keiner beschweren, dass das Spiel langweilig wurde. Sie hatte noch nichtmal was getrunken, und war mehr als in der Lage, etwas riskantere Aufgaben zu geben. Wenn die Flasche auf Jude zeigte, würde Wyatt sich vielleicht doch noch wünschen, sie hätte ihn nachhause geschickt. Außer er war schwul, oder so, was vielleicht erklären würde, warum er so sehr an dem Rothaarigen klebte. Aber dann würde das eine ziemlich traurige Liebesgeschichte werden, weil Jude alle zwei Monate ein neues Mädchen datete. Alleine dieser Fakt machte ihn irgendwie deutlich unattraktiver.
      "Oh, und wir müssen noch eine Strafe festlegen, für Leute, die sich weigern. Vielleicht ein Glas von dem Punsch exen?", lächelte sie. Sie konnte gegenüber sehen, wie sich ein Grinsen auf Judes Lippen legte. Ja, keine Sorge, sie beide würden das Spiel schon etwas anheizen.
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    • Milo

      Sonntag klang super. Wenn die Party heute gut lief, konnte Milo vielleicht nochmal darüber nachdenken, Wyatt ohne Aufsicht zuhause zu lassen, dann hätte er Sonntags auch Zeit. Vielleicht war dann auch mehr drin, als nur ein Spaziergang. Ein Mittagessen, oder eben wirklich Kino. Er müsste es nur schaffen, sich keine Sorgen um seinen Bruder zu machen, wenn er mit Aaron zusammen war. Was frustrierend war. Milo verstand immer noch nicht, warum Aaron gerade dann auftauchen musste, wenn es eigentlich überhaupt nicht passte. Sie hätten sich nur ein halbes Jahr früher treffen müssen, dann wäre alles so einfach gewesen.
      "Sicher", stimmte Milo zu, als Aaron die Bank vorschlug. "Ich komme auch noch eine Weile ohne die kreischende Bande zurecht." Er lächelte leicht, während Aaron schon das nächste Thema ansprach. Nicht, dass Milo beim Shoppen großartig mitsprechen konnte. Sein eigener Stil war recht langweilig, wenn er ehrlich war. Er riskierte nie viel, wusste welche Farben ihm standen und hatte keine große Lust, seinen Kleiderschrank zwischen Alltag und Beruf aufteilen zu müssen. Also konnte er wunderbar online Kleidung einkaufen, was schneller ging und wofür er das Haus nicht verlassen musste. Ideal.
      "Oh", stieß er belustigt aus, als Aaron ihm von seinen neuen Schlafanzügen erzählte. Was irgendwie ein schräges Thema war. Aber sie waren ja schon an dem Punkt gewesen, an dem sie sich geeinigt hatten, dass es wirklich nur ums Schlafen ging, nicht? Keine Hintergedanken. Deshalb war es auch vollkommen normal, Schlafgewohnheiten zu teilen, oder? "Ich wusste nicht, dass ich heute Nacht neben einem Teddy schlafe. Ich habe seit meiner Kindheit nicht mehr mit einem Kuscheltier geschlafen." Er lächelte Aaron entgegen, während er ihn mit sich auf die Bank zog. Er selbst hatte vollkommen normale, durchschnittliche Schlafanzüge, was wohl wenig überraschend war.
      "Gehst du öfter mit Jia shoppen?", fragte er schließlich. Irgendwie war es unfassbar niedlich, dass Aaron sich offensichtlich auch außerhalb seiner Arbeit so sehr um seine Schützlinge kümmerte. Einfach zwischendurch mit ihnen shoppen zu gehen, oder auf Kunstaufstellungen aufzutauchen war furchtbar liebevoll und das war seltsam attraktiv.


      Wyatt

      Wundervoll. Das war wahrscheinlich die schlimmste Pflicht, die Wyatt sich vorstellen konnte. Ein kleiner Kuss war zwar realistisch betrachtet kein Weltuntergang, aber irgendwie stellte er sich das ganze einfach nur absolut awkward vor. Er sah kurz in die Runde und realisierte, dass er irgendwie nur verlieren konnte. Er kannte Kaia nicht lang genug um abzuschätzen, wie seltsam es sein würde, sie zu küssen. Emma war seine Freundin und ein Kuss könnte ihre Freundschaft irgendwie...angespannt werden lassen, oder? Selbst, wenn es nur durch ein dummes Spiel kam. Er würde eher sterben, als Jia zu küssen und Jude und Lucas waren männlich, was den Kuss vielleicht weniger schlimm machen würde, aber dafür dürfte er sich das mit dem Kuss wahrscheinlich bis an sein Lebensende anhören.
      "Okay. Warum hasst du mich?", fragte Wyatt mit einem kleinen Lachen, während er nach der Flasche griff, sie drehte und sich wünschte, dass das Ding spontan in die Luft ging, oder so. Er hatte mit diesem Wunsch fast Glück. Die Flasche landete wieder auf ihm selbst.
      "Das zählt nicht", merkte Emma neben ihm amüsiert an. "Du kannst dich immerhin nicht selbst küssen."
      "Auf welcher Seite stehst du eigentlich?" Wyatt verdrehte kurz die Augen, während Emma auf Kaia deutete. Solidarität zwischen Frauen war furchtbar. Wy griff nach der Flasche und drehte sie erneut. Diesmal dachte er kurz, dass sie an Kaia hängen bleiben würde, doch als sie sich langsam zuende drehte, blieb sie auf Jude stehen. Super. Wyatt überlegte kurz, ob er seine Bowle exen sollte, aber er wollte nicht der erste sein, der eine Aufgabe verweigerte. Er seufzte kurz. Er durfte das alles nur nicht schlimmer machen, als es eh schon war, während Emma neben ihm ein kurzes Lachen ausstieß.
      "Zum Glück hast du wenigstens eine Zahnbürste mitgebracht", merkte er an, während er sich selbst einredete, dass es nicht so schlimm war. Er kannte Jude nicht lange, aber wenigstens schien er bis jetzt ziemlich gechillt zu sein. Außerdem wollte er ja mehr Spannung im Spiel, oder? Wyatt musste selbst kurz lachen, bevor er sich Jude entgegen lehnte und ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen drückte. Was sich unfassbar falsch anfühlte. Aber hey, könnte schlimmer sein.
      "Aww, warte, ich hab gar nicht mitgefilmt", merkte Emma neben ihm lachend an, während Wy die Flasche nahm und die Augen verdrehte.
      "Du kannst ja auch Küsse beauftragen, wenn du dran bist", merkte er an, während er drehte. Sie blieb erneut auf Jude stehen. "Einmal ist Zufall, zweimal ist Schicksal", merkte Wy trocken an, während er zu Jude sah. "Bleibst du bei Pflicht?"
    • Jude

      Die Solidarität zwischen den Mädchen war ausnahmsweise sehr vorteilhaft. Innerlich lachte Jude immernoch über Kaias Aufgabe, auch wenn sie einfach nur das altmodische Flaschendrehen-Küssen nachahmte, aber wenn es das brauchte, um alle hier ein bisschen abzufüllen und Wyatts Geburtstagsparty unvergesslich zu machen, war Jude an Bord. Oder so.
      Dachte er halt, bis die Flasche auf ihn zeigte und er kurz die Stirn runzelte. Ernsthaft? Genau deshalb hatte er nicht diese Version von Flaschendrehen spielen wollen, es endete ja immer mit sowas. Obwohl er auch nicht super begeistert gewesen wäre, wenn Wyatt Emma küssen müsste. Na schön, Opfer mussten gebracht werden.
      Jude rollte kurz mit den Augen, als Wyatt seine Zahnbürste ansprach, weil er ihm hoffentlich keinen French Style verpassen würde, und setzte sich auf. „Du solltest dankbarer sein, dass ich Lippenpflege benutze“, sagte er kurzerhand, grinste und warf Emma einen kleinen Blick zu bevor er sich dem sekundenlangen Kuss mit Wyatt widmete und sich wieder gegen den Bettrahmen fallen ließ. Ereignisreich. Und zum Glück hatte Emma kein Video gemacht, das war nicht unbedingt die Art von „unvergesslich“ die Jude erreichen wollte?!
      „Ich weiß schon mal, dass ich nicht Pflicht nehme, wenn Emma die Flasche auf mich dreht“, schmunzelte er. Dann nickte er Wyatt zu und sagte: „Hau raus, gib mir eine Aufgabe und sag nicht, dass ich dich nochmal küssen soll, weil es sich so gut angefühlt hat“ Er grinste.
      „Aw, ich seh die Funken zwischen euch. Jetzt kann man euch wahrscheinlich nie wieder voneinander trennen“, verarschte Kaia sie mit einem Lächeln.
      „Aw, ich will nicht wissen, wie dein Suchverlauf aussieht“, machte Jude ihre Stimme nach und lächelte ebenso. Kaia lachte daraufhin plötzlich so sehr, dass sie beinahe umkippte und Jia ihr eine stützende Hand auf den Rücken klatschen musste. „Wirst du schon von Wasser betrunken oder was?“ Jude stieß belustigt Luft aus.
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    • Wyatt

      "Hör nicht auf ihn. Küss ihn nochmal!", zischte Emma ihm bewusst gut hörbar zu, während sie kurz ihr Handy zückte und es vielsagend hin und her schwänkte. Jepp. Das würde ihn bis ans Ende seines Lebens verfolgen und nicht auf eine gute Art und Weise. Obwohl er die Idee mochte, noch jemanden mit ins Verderben zu reißen. Konnte ja nur noch besser werden, oder?
      "Nein, das brauche ich nicht nochmal", merkte er an, während er sich ein bisschen von Kaias Lachen mitreißen ließ. Wenigstens schienen Emma und sie ihren Spaß zu haben, was besser war, als gar nichts. Lucas und Jia schienen derweil wahrscheinlich einfach froh zu sein, dass es sie nicht erwischt hatte. Nachvollziehbar. Aber vielleicht hatten sie ja in dieser Runde weniger Glück.
      "Außerdem ist es ja auch langweilig, zwei mal das selbe zu machen. Ich finde, wir sollten deine Beziehung zu uns irgendwie anders festigen. Dreh die Flasche und tausche Klamotten mit dem- oder derjenigen, auf den oder die sie zeigt. Kein Zurücktauschen bis zum Ende des Tages." Wyatt grinste leicht, hob die Falsche hoch und hielt sie Jude entgegen. Sicher, Jude könnte Lucas oder ihn treffen und der Tausch würde nicht weiter auffallen, aber die Wahrscheinlichkeit war höher, dass er eines von den Mädchen traf und Wyatt stellte es sich tatsächlich ein wenig unterhaltsam vor, Jude in Emmas Leggins zu sehen. Oder Kaias Oberteil, oder Jias- Fuck. Was, wenn es Jia traf?
      Wyatt hatte sich über die ganze Trans-Sache keinerlei Gedanken mehr gemacht. Sie war nicht mehr als der Grund, dass Jia nicht bei ihren Eltern wohnte und so an Aaron hing. Würde sie sich unwohl fühlen, falls es sie traf und sie in Judes Klamotten rumhängen müsste? Oder war das für sie auch nur ein Scherz? Würde Jia bei sowas mitlachen? Wahrscheinlich würde ihn sowas eigentlich absolut nicht interessieren, aber er wollte nicht, dass sich irgendjemand auf seinem Geburtstag unwohl fühlte. Ugh.
      "Oder, naja, du musst bis zum Ende des Tages in den Klamotten bleiben. Die andere Person kann auch gerne schon ihren Pyjama anziehen. Die kann ja nichts dafür, dass es sie getroffen hat", lenkte er ein, bevor er einen weiteren Schluck von der furchtbaren Erdbeermische nahm.
    • Jude

      Jude warf Wyatt einen skeptischen Seitenblick zu, als er den zweiten Teil zu seiner Aufgabe hinzufügte. „Also, for the record, die Klamotten die ich gerade trage, waren frisch aus meinem Kleiderschrank“, sagte er, weil er sich seltsam angegriffen fühlte, dass es offenbar so ein riesen Problem wäre, wenn jemand seine Kleidung tragen musste. Auch wenn seine Karten bei dem Spiel am schlechtesten aussahen. Jude drehte die Flasche. Mit Lucas zu tauschen war für ihn wohl die einzig gute Option. Mindestens Wyatts Hose würde ihm wahrscheinlich nicht passen, Kaia war sowieso winzig, Emma auch, aber zumindest trug Kaia Jeans, was… okay, eigentlich schlimmer war, als Stoff, der sich ausdehnen ließ. Nur würde Emma ihm das wahrscheinlich nicht verzeihen, oder? Hing sie sehr an ihren Leggings? Jias Strumphosen-Shorts Kombi wäre aber auch ein Alptraum. Wenigstens trug sie einen Pullover und kein enges Shirt. Ah, verdammt.
      Jude sah der Flasche kaum noch beim Drehen zu, weil er hier eh nur verlieren konnte. Und… er hatte einmal Glück im Leben. Okay, eigentlich hatte er fast immer Glück, aber jetzt gerade spürte er es besonders. Er grinste breit, als die Flasche auf Lucas zeigte, under konnte nicht anders, als ein „Yesss!“ zu zischen. „Du warst meine Hoffnung, bro“, sagte er schließlich und stand auf, um sich direkt seinen Pullover über den Kopf zu ziehen. Den Rest sollte er wahrscheinlich im Badezimmer machen, oder so.
      „Komm mit, wir sollten nicht alle flashen“, sagte er zu Lucas, bevor er kurz nochmal auf Wy herabsah und sicherheitshalber fragte: „Das Badezimmer war nebenan, stimmt‘s?“
      Jude war zwar die Schulumkleiden-Situation gewohnt, aber es war dann doch irgendwie seltsam, sich vor drei Mädchen auszuziehen. Er musterte Lucas nochmal, und dankte kurz still allen Göttern dafür, dass zumindest eine Person anwesend war, deren Kleidung nicht aus der Kinderabteilung sein konnte.
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    • Lucas

      Der Geburtstag war überraschend okay. Gut, vielleicht hatte Lucas sich im Vorfeld auch einfach zu viele Sorgen gemacht. Er war nie so die Partykanone gewesen und immer lieber im kleinen Kreis unterwegs. Emma gehörte praktisch schon zur Familie und Wyatt war bisher auch immer nett gewesen. Ein wenig auf der selben 'Ich muss cool wirken, damit mich andere mögen' Spur, auf der Emma auch immer schon gewesen war und die Lucas nie hatte nachvollziehen können, aber das war okay. Er hatte Kaia ja schon kurz beim Sushi essen kennen gelernt und sie ganz okay gefunden und Jude...hatte an dem Tag irgendwie einen seltsam bleibenden Eindruck hinterlassen, den Lucas immer noch nicht so ganz einordnen konnte. Er und Jia waren seine größte Sorge gewesen. Aber Jia war ein relativ ruhiges Mädchen - auch, wenn Wy während ihren Gaming-Sessions was anderes behauptet hatte - und Jude war vielleicht ein Ticken zu viel, aber auf eine seltsam charmante Art und Weise.
      Lucas hatte sich den ganzen Abend über immer wieder dabei erwischt, wie er an Judes Lachen hängen blieb. Es war ansteckend, irgendwie und es stand ihm überraschend gut. Jude war einfach einer dieser Menschen, denen man nah sein wollte. Nur halt nicht so nah.
      "Alter, wie kann man immer so viel Glück haben?", beschwerte sich Wy neben ihm mit einem Lachen, während Lucas immer noch auf die Flasche starrte. Es war nur Kleidung. Er hatte keine Ahnung, warum das leichte Panik in ihm auslöste. Er seufzte kurz genervt, bevor er seinen Becher zur Seite stellte und aufstand. Das alles wäre einfacher gewesen, wenn seine Gedanken in den letzten Tagen nicht sowieso immer wieder zu Jude gewandert wären. Er wollte selbst nicht wissen, wieso. Die Antwort machte ihm irgendwie Angst.
      "Jepp. Ihr könnt es nicht verfehlen", nickte Wyatt bestätigend, während Emma schon mal Lucas' Becher auffüllte. Wahrscheinlich hatte sie irgendwie gespürt, dass er den gleich brauchen würde.

      "Ich glaube, das ist das Seltsamste, was ich je auf einer Party gemacht habe", merkte Lucas einen Moment später an, als sie zusammen im Bad standen. Es half nicht, dass die Situation von Sekunde zu Sekunde irgendwie noch schräger wurde. Wenigstens waren Jude und er fast gleich groß und keiner von ihnen hatte ein aufwändiges Outfit. Wahrscheinlich würde der Wechsel nicht mal auffallen, wenn man es nicht wusste.
      Lucas zog seine schwarze Sweatshirtjacke aus und legte sie über den Badewannenrand, bevor er das weiße Shirt, das er drunter getragen hatte, über seinen Kopf zog und dazu legte. Ohne Judes Hoodie konnte man die Narben auf seinen Armen sehen, was ihn ein wenig ablenkte, während er es herauszögerte, seine Hose auszuziehen.
      "Sind das eigentlich Brandnarben?", fragte er, was vielleicht ein bisschen zu direkt war, aber wie sollte man so ein Thema auch bitte vorsichtig ansprechen? Wenn er schon mal alleine mit Jude war, wollte er es zumindest ausnutzen, um ein paar der Fragen zu stellen, die ihm seit heute Nachmittag im Kopf umherschwirrten.
    • Jude

      „Echt?“, fragte Jude, nachdem die Badezimmertür hinter ihnen schloss und er sich ebenfalls sein T-Shirt über den Kopf zog, und es mit seinem Hoodie über das Waschbecken legte. „Ich hätte es weitaus seltsamer gefunden, in Emmas Legging rumzulaufen, oder Jias Strumpfhose, und beides hätte mich wahrscheinlich in fünf Minuten nackt dastehen lassen“, murmelte er belustigt. Er öffnete seinen Gürtel und stoppte kurz, als Lucas plötzlich seine Narben ansprach. Neugierig, huh?
      „Oh, ja“, sagte er, dann streckte er Lucas mit einem Grinsen den Arm entgegen. „Willst du sie anfassen? Alle wollen die immer anfassen. Zugegeben, fühlt sich ein bisschen seltsam an. Ich hab noch immer Kompressionstherapien und den ganzen Kram“, erklärte er, dann zog er den Arm wieder zurück um sich weiter auszuziehen, bevor er nach Lucas T-Shirt griff.
      Jude hatte mit den Narben ziemlich Glück gehabt. Er hatte bisher erst eine Operation gebraucht, um sie wegen dem Wachstum anzupassen, und er hatte keine Schmerzen oder großartige Bewegungseinschränkungen. Die Therapien mit Steinen, die er von Anfang an bekommen hatte, halfen am besten, aber die dämlichen Kompressionsstrümpfe und so musste er immernoch ab und zu tragen, aber deutlich seltener als früher. Irgendwann hörte das hoffentlich ganz auf. Zum Glück war sein Gesicht damals verschont geblieben, und sein Rücken auch so ziemlich, und seine Hände, also war alles nicht ganz so schlimm, und sie verblassten mittlerweile auch etwas. Aber bisher hatte er sie eher als sowas wie ‚battle scars‘ gesehen und keins der Mädchen, die er gedated hatte, hatte es gestört. Auch wenn sie, wie gesagt, anfangs verrückt danach gewesen waren, seine Arme zu betatschen. Aber wie oft traf man jemanden mit Brandnarben, die sich über den halben Körper zogen?
      Jude stand mittlerweile ohne Hose vor Lucas und deutete darauf, dass er sich langsam mal ausziehen sollte, bevor es komisch wurde. Und kalt, vor allem. „Ich kann dir jedenfalls raten, keine Kerzen in nem anderen Raum brennen zu lassen, falls du ne Katze hast“, meinte er trocken.
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    • Lucas

      “Nicht unbedingt.” Lucas schob amüsiert Judes Arm zu Seite, als er ihn ihm entgegenstreckte. Die Brandnarben würden sich schon nicht so anders anfühlen, als die restliche Haut, also gab es keinen Grund, mit Jude auf Tuchfühlung zu gehen. Im Gegenteil, gemessen daran, dass sie sich gerade auszogen, um Klamotten zu tauschen, war ein bisschen Abstand gerade irgendwie eher in Lucas’ Sinne.
      “Keine Katze”, erklärte er, während er seine Hose auszog und sich dabei bemühte, Jude nicht anzustarren. Was schwierig war. Die Situation war so bizarr, dass sein Blick automatisch immer wieder zu ihm zurück huschte. Also konzentrierte er sich darauf, seine Taschen leerzuräumen und Handy, Feuerzeug, Portmonee und Kassenzettel, die er längst hätte wegschmeißen sollen, auf dem Rand der Badewanne zu balancieren.
      “Dafür aber jüngere Geschwister, die früher ziemlich wild waren. Bei uns gibt es nur LED Kerzen.” Was seine Mutter jedes mal mit einem tiefen Seufzen unterstrich, wenn sie die Kerzen anhob, um sie anzuschalten, bevor sie betonte, wie sehr sie richtige Kerzen vermisste. Obwohl seine Geschwister mittlerweile wirklich alt genug waren, um mit offenem Feuer umzugehen.
      Er hielt Jude seine verwaschene Jeans entgegen, bevor er anfing, sich Judes Klamotten anzuziehen. Zum Glück passte das meiste relativ gut, was seltsam war, weil er es gewohnt war, über seine Freunde hinweg schauen zu können. Außerdem musste er sich daran gewöhnen, dass die Kleidung wie Jude roch, ein Mix aus Waschmittel und Deo mit einem Hauch von Pizza. Ob seine eigenen Klamotten ähnlich angenehm rochen? Seinen Eigengeruch nahm man ja irgendwann nicht mehr wahr. Er schob seine Sachen zurück in seine- Judes- ihre Taschen.
      “Erst das Shirt zum Schlafen, jetzt das ganze Outfit. Ich hoffe, dass ich dir nicht direkt meinen kompletten Kleiderschrank spenden muss, wenn die Flasche das nächste mal auf mich zeigt”, kommentierte er flach, während er die Badezimmertür wieder öffnete. Schlimmer war nur, dass Jude in seinen Klamotten besser aussah, als er selbst es getan hatte. Wahrscheinlich lag es an seiner generell ziemlich selbstsicheren Ausstrahlung. Er hatte ja eben nicht mal mit der Wimper gezuckt, als Wy ihn geküsst hatte, was irgendwie fast schon zu beneiden war. Lucas hätte definitiv eher seinen Becher leergetrunken.
    • Jude

      „Das ist ja fast langweilig“, schmunzelte Jude. Emery versuchte bei ihnen zuhause die Spannung jedenfalls aufrecht zu erhalten, indem er aus ihrem Fenster hinaus rauchte. Helen machte es spannend, indem sie an jedem Geburtstag mit einer Torte voller Kerzen durch das gesamte Haus lief. Aber man konnte wohl garnicht das Pech haben, zwei Mal sein Haus abbrennen zu sehen, oder?
      Jude schnappte sich Lucas Hose nachdem er sie von einer ganzen Reihe Zeug geleert hatte und zog sie selbst an. Ein bisschen locker, aber das machte nichts, war bequem. Und es war seltsam, plötzlich in dem Geruch von jemand anderen eingehüllt zu sein, besonders wenn man die Person kaum kannte. Jude hob die Jacke am Kragen etwas hoch und hielt sie an seine Nase, bevor er sich die Kapuze hoch warf. „Mh, ich mag euer Waschmittel, riecht gut“, kommentierte er nebenbei, bevor er sein Handy wieder nahm, einen kleinen Blick auf die Uhrzeit warf und es dann in die Hosentasche seiner neuen Jeans schob.
      „Ehrlich gesagt dachte ich, dass Wyatt bestimmt irgendwas in meiner Größe hat. Ich meine, irgendwoher muss ich auch noch eine Jogginghose oder so bekommen“, meinte Jude nachdenklich und folgte Lucas wieder aus dem Badezimmer. „Eh, wenigstens ist mir nie kalt“ Er zuckte mit den Schultern. Wenn er halbnackt schlafen musste, würde er es auch überleben, immerhin bekam er von Wyatt mindestens eine Decke, oder? Er hatte sowieso Boxershorts dabei. Das ging klar.
      Im Gehen merkte Jude, dass die Jeans im ziemlich über die Fersen fiel. Der Baggy Look gab ihm irgendwie ein Gangster-Gefühl. Wenn er seine Sonnenbrille wieder aufsetzte, war der Look komplett.
      Jude blieb stehen. Der Gedanke an die Sonnenbrille war es, der ihn erinnert hatte, auch wenn diese noch mit seinem Hausschlüssel in seiner Jackentasche steckte. Er drehte sich zu Lucas herum und griff kurzerhand in die Taschen des Hoodies und hielt kurz mit einem entschuldigenden Grinsen seine Zahnbürste und die besagte Boxershorts hoch, dann steckte er beides in seine neuen Jackentaschen. „Okay, das war‘s“, sagte er, lachte und öffnete wieder die Türe zu Wyatts Schlafzimmer. Er ließ sich wieder an seinem Platz nieder.
      „Wow, kein Unterschied. Ihr hättet nichtmal tauschen müssen, wie langweilig“, beschwerte Kaia sich etwas und nahm einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. „Dreh schon, Jude“
      „Chill“, sagte er und zog die Beine an sich, bevor er die Flasche drehte. „Dir wärs bestimmt lieber gewesen, wenn ich deine Jeans ausdehne, hm?“, fragte er dann sarkastisch während er die Flasche beobachtete.
      „Das wäre es mir wert gewesen“, sagte Kaia ernst.
      Die Flasche blieb bei Emma stehen. „Oh, du warst doch auch ein Fan von der Kuss-Aufgaben, oder?“, fragte Jude lächelnd, als er seine Chance sah. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ihn selbst traf, war ziemlich gering, aber das Ganze war es ihm trotzdem wert, um die Mädchen ein bisschen zurück zu quälen. „Wahrheit oder Pflicht? Du weißt, was bei Pflicht auf dich zukommt, aber ich werde keine Rücksicht bei Wahrheit nehmen“ Er musste sie irgendetwas persönliches fragen. Ob sie auf jemanden stand? Aber da konnte sie leicht lügen. Vielleicht, wen sie im Raum hier am ehesten küssen wollte, mit Begründung?
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    • Emma

      Das war enttäuschend. Insgesamt sah man den beiden Jungs überhaupt nicht an, dass sie die Kleidung getauscht hatten, wenn man nicht genau hinsah. Judes Kleidung saß einen Hauch zu locker, während Lucas einen generellen ‘Gut, hätte auch eine Nummer größer sein können’ Vibe hatte. Abgesehen davon schien die getauschte Kleidung die beiden auch nicht sonderlich zu interessieren. Lucas hatte zwar leicht gerötete Wangen, aber das lag wahrscheinlich eher daran, dass er plötzlich so in den Mittelpunkt gerutscht war, nachdem er die letzte halbe Stunde sein Bestes gegeben hatte, um eins mit dem Schrank hinter ihm zu werden. Jude schien vollkommen unbeeindruckt und verkündete schon die nächste Herausforderung, als die Flasche diesmal wieder bei ihr anhielt.
      “Eine Pflicht mit Ankündigung ist langweilig. Außerdem würde ich sowieso jeden hier küssen. Ist ja nichts dabei”, behauptete sie, auch, wenn es vielleicht ein bisschen gelogen war. Die erste und einzige Person, die sie bisher geküsst hatte, war ein Junge aus ihrer Klasse gewesen, der ihr kurz vor den Winterferien gesagt hatte, dass er in sie verschossen war. Er war nett gewesen, sie hatte das mit dem Küssen irgendwie mal ausprobieren wollen und…es hatte gepasst, oder? Für den Moment war sie sich auch irgendwie super cool vorgekommen, obwohl sie absolut gar nichts gespürt hatte. Die Wochen danach war ihr das alles irgendwie nur peinlich gewesen.
      “Ich nehme Wahrheit. Aber nur, weil ich wissen will, wie deine Fragen ohne Mitleid aussehen.” Und weil sie ziemlich gut darin war, keine Miene zu verziehen, wenn sie log, falls die Frage doch zu extrem ausfallen würde. Sie bemühte sich um ein möglichst selbstbewusstes Lächeln, während sie sich ein wenig aufrechter hinsetzte und ihren Pony zur Seite strich. Lucas hatte neben ihr mittlerweile rund den halben Becher geleert, was sie dazu verleitete, ebenfalls einen weiteren Schluck zu trinken. Warum hatten sie sich überhaupt für Erdbeeren entschieden? Sie mochte Erdbeeren nicht mal besonders. Alles, weil Phil ihnen das Rezept so empfohlen hatte. Sie musste wirklich dringend weniger Zeit mit Lucas’ Geschwistern verbringen.
    • Jude

      Verdammt. Wenn sie kein Problem damit hatte, die gesamte Runde hier zu küssen, machte die Frage auch nicht mehr viel Sinn. Jude musste überlegen. Was gab es, das ihr peinlich sein könnte, wo sie aber nicht unauffällig lügen konnte? Ugh, das war zu viel für Jude. Wenn er irgendeine sexuelle Frage stellen würde, wäre es vermutlich auch zu merkwürdig. Oh-
      „Falls du schonmal davon geträumt hast, mit einer Person die du kennst, aber nur befreundet bist oder so, irgendetwas romantisches zu machen: Wer war es und worum ging es? Auch, wenn es irgendjemand ist, der nicht im Raum ist“, fragte er schließlich und spielte mit den Kordeln seiner ergatterten Jacke. Das war okay, nicht? Langweilig, falls Emma noch nie einen derartigen Traum gehabt hatte… aber auch eine gute Möglichkeit, um ihren Typ rauszufinden.
      „Falls du jetzt sagst, du träumst nie, dann musst du halt… beichten, ob du über irgendwen fantasiert hast“
      „Man darf nur eine Frage stellen“, wandte Kaia ein.
      „Ugh, dann füg die zwei Fragen irgendwie zu einem Satz zusammen, voilà“, erwiderte Jude.
      „Weißt du, das klingt, als würden wir hier gleich eine Tratsch-Ecke gründen. Wie fallen dir solche Fragen ein? Die Jungs in meiner Klasse kommen eher noch mit ‚Was ist dein Lieblings Porno-Genre‘ und dann ist das Spiel so ziemlich beendet“, murmelte Kaia.
      Jude runzelte kurz die Stirn. „Alles klar, dann frag ich dich das als nächstes. Danke für den Input, Kaia“ Und er bemühte sich extra, nichts zu fragen, das ihn aus dem Spiel katapultieren würde.
      „Keine Beschwerde, ich mag deine Kreativität. Frag als nächstes, ob jemand einen Crush hat! Oh, oder wen wir aus unserer Klasse am süßesten finden, hihi“ Sie grinste und Jude erinnerte sich plötzlich wiedermal daran, wie abnormal Kaia war. Wie konnte sie es einem so schwer machen, herauszufinden, ob sie was ernst meinte oder nicht?
      „Du bist mir ein Rätsel, aber du wirst mich und meine Tratsch-Fragen niemals aufhalten können“, antwortete er schlichtweg. Irgendwie war das anschließende stolze Lächeln auf ihren Lippen auch nicht aufklärender.
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    • Emma

      Oh. Das war schwer.
      Emma stieß ein höchst eloquentes “Äh” aus, während ihr Kopf sich für eine Sekunde auszuschalten schien. Hatte sie überhaupt schon mal über irgendjemanden fantasiert? Im Moment hatte sie das Gefühl, noch nie in ihrem Leben überhaupt einen einzigen Gedanken gehabt zu haben. Sie wollte gerade keine der Personen, die ihr in den Sinn kamen, laut aussprechen. Das war irgendwie immer der Vorteil an Lucas und Wyatt gewesen - beide waren null an Romantik interessiert, was bedeutete, dass sie sich auch viel weniger damit auseinandersetzen musste.
      "Da ist so ein Typ in meinem Mathekurs", fing sie an, weil das die sicherste Antwort war. "Er ist irgendwie ganz süß, aber ich glaube, ich hab mir nie was romantischeres vorgestellt, als ein Date, oder einen Kuss, oder so. Was wahrscheinlich ziemlich langweilig ist." Emma lächelte kurz entschuldigend.
      "Niedlich", kommentierte Lucas von der Seite amüsiert und kassierte damit sofort einen Schlag mit der Plastikflasche, dem er lachend auszuweichen versuchte.
      "Vielleicht würde ich ja öfter über Männer nachdenken, wenn sie sich mehr Mühe geben würden", kommentierte Emma schnippisch, bevor sie die Flasche wieder auf den Boden legte und sie drehte, um die nächste Person ins Verderben zu stürzen.


      Milo

      Mit Aaron zu reden war so unfassbar entspannend, dass Milo eigentlich gar nicht von der Parkbank weg wollte. Außer ihnen waren nicht viele Leute unterwegs, die meisten mit Hund, oder Kinderwagen. Kaum einer hielt auf den anderen Bänken an. Am Ende mussten sie nur aufstehen, weil der abend doch zu viel kühle Luft mit sich brachte. Wirklich Zeit alleine mit Aaron zu verbringen war wirklich schön, was irgendwie etwas deprimierend war. Milo hätte gerne nur so Abende, mit ihm und Aaron alleine irgendwo, aber das schien so furchtbar unrealistisch. Aber nur noch für die nächsten Monate. Dann hatten sie wieder Zeit und würden wahrscheinlich irgendwelche anderen Gründe finden, weshalb sie nicht zusammen sein konnten, weil ihnen das Schicksal das einfach nicht zu gönnen schien.
      "Möchtest du noch einen Tee?", fragte er, als er die Haustüre hinter ihnen zuzog. Das Haus stand noch und die Teenager hatten wahrscheinlich nicht mal mitbekommen, dass sie weg gewesen waren. Aus Wyatts Zimmer drang Gelächter, was wahrscheinlich ein gutes Zeichen war. Zumindest hoffte Milo darauf, dass sie nicht lachen würden, wenn sich einer von ihnen verletzt hätte, oder so.
      "Vielleicht sind sogar noch ein paar von deinen Muffins über. Wir könnten entweder noch einen Film schauen, oder irgendwas spielen, oder so." Milo hing seine Jacke an einen der leeren Kleiderhaken, bevor er sich zu Aaron drehte, um ihm seine Jacke ebenfalls abzunehmen. Irgendwie fragte er sich automatisch wie es wäre, mit Aaron feiern zu gehen. Tanzen, trinken, flirten, Spaß haben und dann zusammen viel zu spät nach Hause kommen. Er stellte es sich überraschend nett vor.
      "Reicht dir dein Pullover noch, oder soll ich die Heizung noch etwas höher stellen?" Seine eigenen Finger waren zumindest etwas angefrohren. Mit Aaron Händchen zu halten war zwar wundervoll, aber vielleicht hätten sie damit bis in den Sommer warten sollen.
    • Aaron

      „Oh, ich hätte Lust auf ein Spiel“, meinte Aaron begeistert, während er seinen Schal ablegte, den Mantel auszog und versuchte, seine Haare wieder unter Kontrolle zu bringen. Dann folgte er Milo in die Küche, weil: „Ein Tee klingt auch gut“ Oder ein Glas Wein. Aber irgendjemand in diesem Haus sollte wohl nüchtern bleiben.
      „Oh, schon okay“, antwortete er schließlich auf die Frage nach der Heizung. Er hatte eine bessere Idee. Körperwärme. Also, im PG13 Sinne, in dem sie so eng bei einander saßen, dass es unmöglich war, die meisten Spiele zu spielen. Computerspiele waren vermutlich noch die beste Option. So oder so, Aaron hatte heute ausreichend Aufwärmübungen gehabt, was Kuscheln anging, und langsam aktivierte sich sein unglaublicher Kuschelwahn, der ihn für den Rest des Abends so sehr an Milo kleben lassen würde, dass dies der finale Test sein könnte, ob er Milo doch noch zu viel wurde. Also, eigentlich bemühte Aaron sich, immer charmant zu sein. Aber… verdammt, er wollte sich an diesen Mann ketten.
      „Was ist denn die Auswahl?“, fragte er und griff kurzerhand nach Milos Hand, um mit seinen Fingern zu spielen, während er ihm nurnoch eine Hand ließ, um das heiße Wasser in die Tassen zu gießen. Der Kuschelwahn setzte bereits ein. „Uh, deine Finger sind kalt“, murmelte er schließlich, hob Milos Hand an seinen Mund und hauchte sie an, um sie aufzuwärmen, was… auch schon gewisse persönliche Grenzen überschreiten könnte. „Ist dir kalt? Wird dir schnell kalt?“, fragte er lächelnd und rieb leicht über Milos Finger. Er selbst war ein wenig abgekühlt, und der Schal hatte sicher geholfen, aber seine Hände waren wärmer als Milos, obwohl sie den ganzen Weg über Händchen gehalten hatten. Dann war es jetzt wohl seine Aufgabe, Milo aufzuwärmen.
      Er ließ von Milos Hand ab und stellte sich hinter ihn, um seine Arme um ihn zu schlingen. „Besser?“, fragte er und legte unschuldig das Kinn auf dessen Schulter. Die Hintergedanken hielten sich in Grenzen. Er wollte Milo bloß aufwärmen und dabei die kleinen Oxytocin Schübe genießen. „Vielleicht solltest du dir auch einen flauschigen Pullover kaufen. Sommer hat zwar noch nicht begonnen, aber er wird schneller vorbei sein, als du denkst“ Und dann würde Aaron jederzeit auf der Matte stehen um Milo aufzuwärmen, wenn er hoffentlich bei seinen grauen Baumwollsweatern blieb.
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    • Milo

      Aaron war ein bisschen zu viel, aber auf die absolut beste Art und Weise. Milo konnte für einen Moment nicht mehr tun, als ihm vollkommen verträumt entgegen zu lächeln, als er seine Finger aufwärmte und spürte, dass seine Wangen warm wurden, als Aaron ihn von hinten umarmte. Das zwischen ihnen war beinahe erschreckend einfach. Ein Zeichen. Das sagte er sich selbst doch immer wieder, oder? Dass er Aaron in einer Zeit gefunden hatte, in der er sich eigentlich nicht auf eine Beziehung konzentrieren konnte und es trotzdem schaffte, so einfach in eine mit ihm hinein zu rutschen, musste doch ein Zeichen sein, dass sie einfach zusammen gehörten.
      "Wenn ich mir auch so einen Pullover holen würde, gäbe es für dich ja keinen Grund mehr, mich warm zu halten. Das wäre kontraproduktiv." Milo grinste, bevor er seinen Kopf zur Seite drehte, um Aaron einen Kuss auf die Wange zu drücken. Gleiches Recht für alle, nicht?
      "Ich friere einfach schnell. Du willst nicht wissen, wie hoch meine Heizkosten sind." Er lächelte leicht, während er sich ein wenig an Aaron anlehnte und die Uhr für den Tee stellte. "Vielleicht solltest du einfach öfter vorbeikommen. Das ist bestimmt nicht der einzige kuschelige Pullover, den du hast, oder?" Er stellte den Timer zur Seite und fuhr mit seinen Fingern über Aarons Arme. Von ihm aus könnten sie den restlichen Abend einfach so stehen bleiben.
      "Meine Playstation steht im Wohnzimmer. Wir könnten 'It takes two' spielen. Da muss man zu zweit zusammen arbeiten." was ihm deutlich passender vorkam, als irgendwas kompetitives, bei dem sie gegeneinander spielen mussten. So sehr, wie sie heute sowieso aneinander klebten, würde das wahrscheinlich nur die Stimmung ruinieren. "Wy und ich hatten das auch schon mal gespielt, aber er steht eher drauf, Sachen abzuknallen und so." Zugegeben, er selbst war eigentlich auch nicht unbedingt der Cozy-Gamer, aber es gab ab und an mal Ausnahmen. Das hier war definitiv eine.
      "Oder wir sind richtig peinliche Babysitter und schauen, wie es dem Zirkus oben geht", fügte er mit einem belustigten Nicken in die Richtung von Wys Zimmer hinzu.
    • Aaron

      „Hmh“, machte Aaron amüsiert. „Gut, dass du das auch so siehst“ Es war kontraproduktiv. Das hier war die bessere Lösung. Er war zwar kurz geneigt, Milo spontan loszulassen und mit einem Kreischanfall durch die Wohnung zu laufen, als er den Kuss auf seine Wange bekam, aber er hatte noch etwas Kontrolle über sich selbst.
      „Zum Glück hab ich mehr kuschelige Pullover, als ich gerade zählen kann. Vielleicht kannst du kommenden Winter ein bisschen mit den Heizkosten sparen. Vorausgesetzt die kleinere Version von dir friert sich dann nicht den Hintern ab“ Apropos. Aaron gab ein kleines frustriertes Geräusch von sich. „Ugh, ich bin furchtbar neugierig aber ich halte mich echt zurück“, jammerte er. „So laut, wie sie sind? Und nachdem sie den Punsch mit hoch genommen haben? Ich will wirklich, wirklich wissen, was so lustig ist, aber wir dürfen nicht hoch gehen. Das macht mich nur wieder unbeliebt bei Wyatt. Wenn dann musst du gehen und mir berichten, aber ich will dich eigentlich nicht loslassen, also muss ich halt einfach an Neugierde sterben“
      Milo machte sich vielleicht ständig Sorgen, dafür wollte Aaron einfach nur wissen, was die Kinder machten. Trinkspiele spielen? Oder spielten sie immernoch Videospiele? Ugh, Aaron würde sich zu gerne daneben setzen und zuhören, worüber sie so redeten. Jugendliche hatten manchmal so eigenartige Gedanken, und es war immer wundervoll, ihnen zuzuhören, selbst wenn Aaron ab und an angeekelt oder verstört war. Am liebsten würde er in die kleinen Köpfe hineinkriechen und sich mal umsehen. Aber das war das Problem mit Jugendlichen. Die waren dafür deutlich weniger offen als kleine Kinder. Was es nur noch spannender machte.
      „Wir sollten einfach das Spiel spielen und vermeiden, peinlich und uncool zu sein. Zumindest vor ihren Augen“
      Eigentlich hatte Aaron noch nie ein Problem mit Kindern oder Jugendlichen gehabt, wenn er er selbst war. Manchmal dauerte es eine Weile, bis sie ihn nicht mehr nervig oder seltsam fanden, aber eigentlich hatte er sich noch in jedes kleine Herz reingeschlichen. Wyatt war das heikle Thema. Er hatte irgendwie eine persönliche Verbindung zu ihm durch Milo, und das machte es deutlich schwieriger. Verständlicherweise. Zum Glück war Wyatt ziemlich deutlich damit, was er von ihm wollte, und das war, sich fernzuhalten. Dass Wyatt vorgeschlagen hatte, Aaron könnte bei der Party dabei sein, sah er als kleinen Sieg, den Aaron aber vermutlich auch nur errungen hatte, weil er sich bestmöglich nicht in den Weg stellte. Irgendwann würde er schon noch ganz auftauen. Zumindest schien die neue Freundesgruppe ihn ein wenig aufzumuntern, oder so.
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