The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Der Vergleich zu diesen nervtötenden Jahrmarkthunden kam dermaßen aus dem Nichts, dass Ezra kurz zu irritiert war, um zu antworten. Wenigstens wurde Richard langsam kreativ. Er konnte sich tatsächlich gut vorstellen, dass die beiden zueinander passten - für jemanden, der so selbstverliebt wie Richard war, war Calebs Augen-verdrehen-und-die-Klappe-halten Art wahrscheinlich absolut perfekt. Nur war es anders herum eben nicht der Fall und leider hing Ezra zu sehr an Caleb, als dass er dabei zusehen wollte, wie sein restliches Leben nur daraus bestand, Richards Ego zu pushen.
      Wenigstens sprang Andrew direkt zu seiner Verteidigung, was unheimlich niedlich war. Vor allem wenn man bedachte, dass er ihm wahrscheinlich schon deutlich schlimmere Beleidigungen an den Kopf geworfen hatte, als sie sich zum ersten Mal getroffen hatten. Jetzt war das unvorstellbar, was genau die Art von persönlicher Weiterentwicklung war, die Ezra bei Richard so vollkommen vermisste.
      "Natürlich wusste ich das", antwortete er fast amüsiert, als Richard Calebs mittlerweile viel zu seltenen glücklichen Momente ansprach. "Wir haben einen Großteil unserer Kindheit miteinander verbracht. Denkst du, er ist so geboren worden? Der Fakt, dass er dir offensichtlich nicht mal erzählt hat, woher seine Depressionen kommen, sagt mir schon alles, was ich wissen muss. Dir ist wahrscheinlich nicht mal bewusst, warum du überhaupt hier sitzt und dich entschuldigen sollst." Obwohl er ihm, wenn auch sehr widerwillig, zugute halten musste, dass er Calebs Bitte offensichtlich nicht hinterfragt und einfach gehandelt hatte. Obwohl das wahrscheinlich einfach das absolute Minimum war, wenn er eine ernsthafte Beziehung mit Caleb führend wollte. Es wirkte nur nach mehr, weil es eben Richard war.
      Ezra trank einen Schluck von seinem Tee. Das alles führte zu nichts. Er würde Richard definitiv nicht so leicht vergeben und Andrew schien auch nicht sonderlich begeistert von der Konversation zu sein, während Richard offenbar vollkommen davon überzeugt war, Cal zu daten, der voll und ganz in der Lage war, sich sein eigenes Elend auszusuchen. Ezra fragte sich fast, wie viele Familienfeiertage Caleb wegen Richard vermissen würde, bevor ihre Beziehung wieder scheitern würde.
      "Weißt du was?", setzte er an, während er seine Tasse wieder auf den Tisch stellte und zu Richard sah, "Du hast Recht. Ihr seid erwachsene Menschen. Wir können euch nicht vorschreiben, ob ihr daten sollt, oder nicht. Versuchs. Mach ihn unglücklich. Tu mir nur den Gefallen und achte ab und an mehr auf ihn, als nur auf dich selbst und zieh früh genug die Reißleine, bevor du ihn zu irgendwas bringst, was er bereuen wird."
    • Richard

      „Mir ist auch völlig egal, wieso ich mich entschuldigen soll, oder was zu Cals psychischen Problemen geführt hat, weil ich nicht sein Therapeut bin. Ich mache es eben, weil es seine Bedingung war. Muss ich dafür alles verstehen? Gehörst du zu der Sorte Mensch, die glaubt, man sollte, und kann, alles über jemand anderen wissen?“, fragte Richard etwas irritiert. „Wenn Cal dir so leid tut, könntest du ja mal ne andere Taktik ausprobieren, als ihn zusätzlich zu stressen“ Heuchler. Mit der Geschwister-Masche musste er garnicht erst anfangen. Familie war immer komplett für den Arsch. Alles war eine Anreihung aus Bedingungen, Drohungen und Schuldgefühlen und Ezra machte gerade nichts anderes, als Caleb das Gefühl zu geben, sich entscheiden zu müssen. Darauf konnte er ja ganz stolz sein. Die ganze Unterhaltung, die sie hinter Calebs Rücken führten, war mal wieder… so richtig typisch Familie.
      Er stieß belustigt Luft aus, als Ezra dann auf einmal nachzugeben schien. „Aha, sieh einer an. Müde geworden?“ Mehr als zehn Minuten waren also nicht drin, wenn er seinen geliebten Bruder beschützen musste? Richard kramte ein paar Pfund aus seiner Jackentasche und legte sie auf den Tisch.
      „Ich weiß nicht, was du denkst, wer du bist, dass du dir von mir einen Gefallen wünschen kannst. Aber bei der Familie passe ich ja wunderbar in Calebs Gepäck. Ein Arschloch mehr macht auch keinen Unterschied mehr, oder?“ Er stand auf, schnappte sich die Jacke von der Sessellehne und verließ kopfschüttelnd das Café. Wenn er sich diesen Schwachsinn noch eine Minute länger anhören müsste, würde sein Kopf explodieren. Wie konnte man es bloß mit so jemandem aushalten?
      Das einzig positive an dieser Auseinandersetzung war, dass Richard noch hoffen konnte, dass Ezra den letzten Teil ernst gemeint hatte und er sich nicht länger einmischen würde. Entschuldigt hatte Richard sich, er hatte tatsächlich sein Bestes gegeben, ob es nun genug war oder nicht. Im schlimmsten Fall musste er nochmal bei Caleb am Flur sitzen und sich irgendwelche neuen Argumente ausdenken. Vielleicht half es ja, ihm anzubieten, sich versetzen zu lassen und mit ihm ein neues Leben irgendwo am Strand zu beginnen, weit weg von seiner gesamten gestörten Familie. Für Richard klangen Calebs Depressionen nach diesem Erlebnis eben jedenfalls nach einem Hilfeschrei. An seiner Stelle würde Richard auch nur eine Auswanderung helfen.
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    • Caleb

      Auf Max, Niko und Elli aufzupassen, wenn man Sean und Emmett gewöhnt war, war fast ein bisschen gruselig. Er hatte natürlich damit gerechnet, dass es nicht eins zu eins das selbe werden würde. Max war älter, als seine Neffen - seine anderen Neffen, offenbar gehörten die drei ja auch bald zur Familie - aber irgendwie hatte er damit gerechnet, dass das alles eher schwerer machen würde. als leichter, aber Max sprach kein Wort mit ihm und beschäftigte sich größtenteils mit sich selbst. Niko schien in der selben Phase wie Sean zu sein, hyperaktiv mit großem Redebedürfnis, aber einem Lächeln, dem man nichts ausschlagen konnte. Dafür war Elli überraschend ruhig und zum Glück noch nicht alt genug zum Laufen, im Gegensatz zu Emmett, der zwar gelernt hatte zu rennen, aber offenbar nie wusste, wie er anhalten sollte. Alles in allem vergingen die ersten 15 Minuten, ohne dass einer von den dreien schrie, weinte oder sich verletzte, was…erfrischend war.

      “Denkst du wirklich, dass das langfristig eine gute Beziehung wird?” Ada warf ihm einen fragenden Blick über den Rand ihrer Kaffeetasse hinweg zu. Sie hatten sich zusammen in den kleinen Garten gesetzt, um das gute Wetter zu nutzen. Liz und Niko spielten Fangen, während Max auf der Krabbeldecke saß und mit Holzbausteinen Türmchen baute, damit Elli sie mit einem fröhlichen Lachen umstoßen konnte. “Weil das, was du erzählst, ziemlich furchtbar klingt.”
      “Ich weiß.” Caleb seufzte. Zugegeben, Ada war vielleicht nicht die neutralste Person, die man bei Beziehungsfragen ansprechen konnte, aber wenigstens kam nicht erschwerend dazu, dass sie verwandt waren, oder so. “Je länger ich darüber nachdenke, desto verrückter ist es, ihm noch eine Chance zu geben, aber irgendwie… Er hatte seine Momente, in denen er wirklich nett war.”
      Der kritische Blick, den Ada ihn zuwarf, sprach Bände. “Das ist genau das, was ich mir auch eingeredet habe.”
      “Das ist nicht das selbe. Marcus war ein gewaltbereites Arschloch. Richard ist…nur ein Arschloch.” Was es nicht besser machte. Aber alles in Caleb widerstrebte es, Richard irgendwie auf eine Stufe mit Adas verstorbenen Mann zu stellen.
      “So fangen sie immer an.” Ada vollführte eine genervte Geste mit ihrer freien Hand. “Stell einfach sicher, dass du im Zweifelsfall derjenige bist, der lebend aus der Beziehung heraus kommt. Und sprich dich mit uns ab, bevor Ezra und ich dir zwei vollkommen unterschiedliche Alibis geben. Ich meine es ernst, Cal. Überleg dir gut, was du machen willst.”
      Caleb nickte kurz und klammerte sich an seine eigene Kaffeetasse, während sich die Terrassentür hinter Ada öffnete. Ezra sah ungefähr so schlecht gelaunt aus, wie Caleb erwartet hatte. Andrew wirkte nicht sonderlich besser gelaunt.
      “Richard ist ein Arschloch”, fasste Ezra zusammen, während er sich auf den freien Stuhl neben Cal fallen ließ. “Ich habe keine Ahnung, was du in ihm siehst, aber wenn ich ihn wegen dir nochmal länger als zwei Minuten ertragen muss, breche ich bei dir ein und nähe alle deine Hosenbeine und Ärmel zusammen.” Was tatsächlich milder war, als Caleb gedacht hatte.
      “Es tut mir ja leid. Ich war einfach überfordert und wollte ihn irgendwie los werden”, verteidigte sich Caleb und vielleicht, ganz vielleicht, hatte er auch irgendwie gehofft, dass sich alles irgendwie von selbst erledigen würde, wenn die drei sich aussprachen. So unrealistisch diese Hoffnung auch gewesen ist. Weil ein kleiner Teil von ihm hoffte, dass seine Familie wenigstens ein mal irgendwie zusammenhalten würde. “War es sehr schlimm?”
    • Andrew

      Das war ungefähr so ätzend gewesen, wie Andrew erwartet hatte. Aber wenigstens war es vorbei. Nur… waren sie nicht wirklich zu einem Ergebnis gekommen. Eigentlich war alles, wie vorher, oder? Ezra hasste Richard weiterhin, Andrew ging er weiterhin auf die Nerven, Richard gab nicht auf und Caleb stand in der Mitte und wollte vermutlich auch nicht nachgeben und es nochmal mit ihm versuchen. Wenn die ganze Sache Ezra nicht so belasten würde, weil sein Bruder in Mitleidenschaft gezogen wurde, hätte Andrew sich längst damit abgefunden. Er würde Cal und Richard einfach niemals privat treffen und damit hätte es sich erledigt. Nur wollte Ezra ja aus irgendwelchen Gründen den Kontakt zu seiner Familie pflegen, die ihn völlig im Stich gelassen hatte, deshalb war das keine Option. Was bedeutete… sie würden dank Caleb auch Richard nie loswerden.
      Allgemein stand Andrew dem Blonden gerade nicht gut gegenüber. Sein Leben wäre leichter, wenn er zurück nach Irland fliegen und nie wieder zurück kommen würde.
      „Mal sehen… er hat Ezra ohne Ende beleidigt und euch beide mit Hunden verglichen“, fasste Andrew zusammen. Schön, er hatte sich entschuldigt und Andrew hätte es ihm abgekauft, wenn er nachher nicht wieder ausgeflippt wäre. Und er hatte Richard auch abgekauft, dass er Caleb nicht verletzen wollte. Nur war er eben ein Idiot, der nicht anders konnte, weshalb das ziemlich wenig wert war.
      Andrew beschloss, sich aus der Situation ab jetzt rauszunehmen, wenn Ezra ihn nicht brauchte. Es machte ihn einfach nur wütend. Also setzte er sich im Schneidersitz zu Max und Elli auf die Decke und hob sein kleines Emotional Support Baby auf den Schoß. Wenigstens waren die Kinder zu klein um in irgendein seltsames Drama verwickelt zu werden. Hoffentlich hatten sie einfach nie Beziehungen.
      „Was baust du Schönes?“, fragte er Max und blendete die Erwachsenen um sich herum endgültig aus. Er sammelte die Bausteine ein, die auf seiner anderen Seite lagen und Max nun nicht mehr erreichen konnte, und legte sie wieder zu ihm. „Soll ich Elli davon abhalten, sie umzustoßen, damit du mal was richtiges zustande bekommst?“, schmunzelte er und bekam sogleich ein Nicken von Max. Er hatte seine Vision wohl bisher noch nicht durchziehen können, weil Elli zu schnell war.
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    • Caleb

      Gut, offensichtlich war die Idee mit der Entschuldigung eine furchtbare Fehlentscheidung gewesen. Wahrscheinlich wäre Caleb das weitaus früher aufgefallen, wenn er Zeit zum nachdenken gehabt hätte. Obwohl er jetzt schon zwei - oder drei, je nachdem, wie man rechnen wollte - Tage Zeit gehabt hatte und immer noch nicht so richtig wusste, was er tun sollte.
      Objektiv richtig wäre es wahrscheinlich, Richard einfach fallen zu lassen. Sein ewiger Streit mit Andrew und Ezra würde wohl nie enden. Caleb hatte jetzt schon genug Stress dabei, Zeit mit Ezra zu verbringen, ohne, dass seine Eltern zu misstrauisch darüber wurden, warum er so lange in London war, einen weiteren Faktor, der ihn hier hielt, konnte er nicht brauchen. Zumal er sich absolut sicher war, dass seine Eltern Richard alleine seines Jobs wegen, nicht ausstehen würden und dabei weitaus weniger harmlos waren, als Ezra und Andrew. Über Niamh wollte er gar nicht erst nachdenken.
      Subjektiv betrachtet…
      Caleb seufze, bevor er sich innerlich auf das vorbereitete, was jetzt kommen würde. “Habt ihr ihm wenigstens zugehört? Oder habt ihr ihm von Anfang an keine Chance gegeben?”
      “Was?” Ezra sah ihm entgegen, als ob er gerade vorgeschlagen hätte, Weihnachten dieses Jahr ausfallen zu lassen. Entgeistert und vielleicht ein bisschen enttäuscht. “Hörst du dir selbst zu, Cal?”
      “Ich mein ja nur! Ihr seid so extrem verkantet, dass ihr euch beide kaum Spielraum gebt, es irgendwie besser zu machen.” Er konnte selbst irgendwie nicht ganz glauben, was er sagte. Aber so war es doch, oder? Wenn keiner nachgab, konnte das Verhältnis zwischen den dreien auch nicht besser werden.
      “Und wessen Schuld ist das? Meine Güte, hat er irgendwas, womit er dich erpresst, oder so?” Ezra sah ihn weiterhin an, als ob Caleb vollkommen übergeschnappt wäre. Vielleicht war er das auch irgendwie.
      “Nein, ich-” Caleb gab einen kleinen, frustrierten Laut von sich. “Ich habe nur irgendwie gehofft, dass sich das alles klären lässt.”
      “Da gibt es nichts zu klären. Er erzählt dir, was du hören willst und macht dann genauso weiter, wie vorher. Du hast jemand besseren verdient.”
      Caleb presste die Lippen aufeinander. Hatte er das? Wollte er das? “Ist ja gut”, gab er nach, um einen Streit zu vermeiden. Nachdenken. Er musste nachdenken. Aber wie, wenn ich jeder Gedanke zog wie Kaugummi? Wenn er die ganze Zeit mit sich selbst diskutierte und sich alles im Kreis drehte? “Können wir einfach über irgendwas anderes reden, oder so?”

      Calebs Schlaflosigkeit zog sich auch durch die nächsten Abende durch. Der furchtbare Rhythmus blieb, nur das Thema in seinem Kopf änderte sich. Weg von der Frage, warum er Richard offenbar nicht genug gewesen war und hin zu der Überlegung, ihm eine zweite Chance zu geben. Unterschiedlicher konnte es gar nicht sein, oder? Leider waren beide Extreme nicht gut und irgendwie schien die Zeit, die er sich ließ, um nicht direkt den zweiten großen Fehler zu machen, nicht zu helfen. Es war mittlerweile Dienstag und er wusste immer noch nicht, was er tun sollte.
      Er war nicht direkt im Streit mit Andrew und Ezra auseinander gegangen, aber es war ziemlich offensichtlich gewesen, wie die beiden die Situation eingeschätzt hatten und was sie von ihm erwarteten. Es war offensichtlich, was er tun wollte. Das Problem war nur, dass er Richard eine zweite Chance geben wollte. Er wollte wissen, wie viel wirklich hinter den Worten steckte. Wie wichtig er ihm tatsächlich war. Und auch so war es doch das Mindeste, seine Seite zu hören, oder redete Caleb sich das nur ein?
      Er fuhr sich durch die ungestylten Haare während sein Blick auf die Uhr auf seinem Handy fiel. Kurz nach fünf. Hatte Richard schon Feierabend? Scheiß drauf, entweder würde er abheben, oder zurückrufen. Caleb zögerte kurz, bevor er Richards Nummer antippte und das Handy an sein Ohr hob.

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    • Richard

      Es war vermutlich kein gutes Zeichen, dass Caleb sich nicht bei ihm meldete. Richard konnte sich zu gut vorstellen, was Ezra zu ihm gesagt hatte, nach ihrem kurzen Treffen. Dinge, die ihm sonst völlig egal waren, störten ihn auf einmal unglaublich. So sehr, dass er sich sogar wieder dazu herabließ, bei der Arbeit zu erscheinen. Glücklicherweise hatten seine unfähigen Kollegen ihm gleich einen Haufen Arbeit zugeschoben, bei MLO als auch im Dezernat. So kam er Andrew und Ezra wenigstens nicht in Quere und war zu beschäftigt, sich aufzuregen, und die Fehler anderer auszubessern, um jede Sekunde darüber nachzudenken, Caleb anzurufen oder ihm zu schreiben. Er hatte ein wenig das Bedürfnis, sich zu verteidigen, auch ohne den genauen Wortlaut zu kennen mit dem Ezra ihn im Nachhinein vermutlich beschimpft hatte. Was konnte er schon dafür, dass er ihm kein Wort glauben und die Entschuldigung nicht abkaufen wollte? Und er immer so unglaublich nervtötend war, dass einem nur der Geduldsfaden reißen konnte? Der Ärger darüber, dass Ezra sich wie ein Möchtegern-Heiliger in Calebs Leben einmischte, ließ nicht nach.
      Erst, als er Mittwoch bei seiner Abendschicht im Dezernat einen Anruf bekam, fühlte er sich plötzlich wie mit Licht durchflutet. Darauf hatte er gewartet. Calebs Name auf seinem Habdy Bildschirm. Wäre es aus zwischen ihnen, hätte er sich bestimmt nicht die Mühe gemacht, nochmal anzurufen. Richard stand auf und hielt das Handy ans Ohr während er sich seinen Weg in den Pausenraum bahnte und dort sofort zwei Azubis verscheuchte, die sich vor ihrer Arbeit verstecken und Kaffeeplausch abhielten. „An die Arbeit!“, rief er und sah dabei zu, wie beide auf einmal schrumpften und durch die Tür eilten.
      „Sorry, hey Cal“, sagte Richard dann mit einem kleinen Grinsen und setzte sich auf die Couch. „Ich hatte schon Angst, dass Ezra dich im Keller eingesperrt hat. Na, hast du eine Idee fürs erste Date?“, fragte er amüsiert. So schnell konnte seine Laune sich heben.
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    • Caleb

      Dass Richard tatsächlich abhob, versetzte Caleb kurz in Panik. Er hatte plötzlich das Gefühl, keine Ahnung zu haben, was er sagen sollte. Zum Glück schienen er erst damit beschäftigt zu sein, seine Kollegen zum Arbeiten zu bekommen, bevor er sich Cal widmete, was ihm zumindest eine kurze Pause gab.
      “Hey”, grüßte er knapp. Tat er das Richtige? “Nein, ich bin mit dem freundlichen Hinweis, dass du nicht datebar bist nach Hause geschickt worden.” Und vielleicht sollte er den Hinweis ernst nehmen. Wahrscheinlich sollte er das. “Aber ich will deine Seite hören, bevor ich wirklich noch umziehen muss, weil meine Nachbarn denken, dass ich einen Stalker habe.” Außerdem wollte er Richard einfach noch mal sehen, ohne von ihm überrascht zu werden und überfordert zu sein. Was konnte schon passieren? Entweder würde er realisieren, dass Ezra recht hatte und er sich besser von Richard fern hielt, oder er würde weiterhin das Gefühl haben, dass er ihn irgendwie in seinem Leben brauchte und dann würde sich sowieso nichts an seiner aktuellen Situation ändern.
      “Also”, setzte er an und atmete tief durch. War das ein Fehler? Es fühlte sich nicht an, wie ein Fehler. Es war immer noch der selbe kleine Rausch, den er gehabt hatte, wenn Richard ihn sonst angerufen hatte. “Es gibt eine kleine Bar am Rand vom West End, etwas versteckt, also ist sie nie so überlaufen. Passt dir Freitag?” Wahrscheinlich war es nicht sonderlich schlau, sich beim ersten Mal direkt in der Nähe von Alkohol zu treffen, aber es war ein öffentlicher Raum und wenigstens nichts ganz so kitschiges, womit Richard ihn irgendwie aufziehen könnte. Außerdem musste er ja nichts trinken. Oder es würde helfen, wenn er es tat. Oder ihm wurde vorher noch bewusst, dass das doch alles eine blöde Idee war. Vorausgesetzt, dass Richard überhaupt noch ein Date wollte und nicht nur gefragt hatte um ihn zu sagen, dass Cal nach dem Gespräch mit Andrew und Ezra zu viel Arbeit für ihn war.
    • Richard

      „Ich bin mir sicher, dass der Hinweis überaus freundlich war“, schmunzelte Richard. Es sollte ihn definitiv so aufheitern, nur kurz Calebs Stimme zu hören. Aber er hatte recht gehabt, er rief wegen dem Date an und schien glücklicherweise nicht zu viel Wert auf Ezras Meinung zu legen. Wäre auch bescheuert.
      „Als dein Stalker würde ich mich nicht vor deine Tür setzen. Sie denken wahrscheinlich eher, du hast einen seltsamen Service nachhause bestellt“, sagte Richard und spielte mit dem Kugelschreiber in seiner Hand, den er unabsichtlich mitgenommen hatte. Er hatte es vermisst, Caleb zu verarschen. Hoffentlich war er jetzt nicht plötzlich zum Sensibelchen mutiert, weil Ezra es ihm eingeredet hatte. „Also… Alkohol, damit du dich simultan gleich ins Koma trinken kannst? Zwei Fliegen mit einer Klatsche? Schick mir die Details, ich halte mir den Abend frei“, antwortete er. Und die Nacht. Nur zur Sicherheit. Aber wenn er eins gelernt hatte, dann, dass er nicht jeden Gedanken laut aussprechen musste solange sie in diesem zerbrechliche Zustand waren. Hoffentlich hatten sie die Phase bald hinter sich.
      Richard beendete das Gespräch und blieb noch eine Weile im Pausenraum sitzen, einfach weil er ein Fan von Arbeitszeitbetrug war und mehr Spaß daran hatte, sich zu überlegen, was er Freitag Abend anziehen würde. Eine Bar, hm? Keine sehr originelle Idee, das klang eher nach einer Sicherheitsmaßnahme. Falls es zu grottig wurde, um es nüchtern zu überstehen. Hatte Caleb vergessen, dass kein einziges Treffen zwischen ihnen langweilig gewesen war? Offenbar. Aber ein bisschen Alkohol konnte ja nicht schaden, um sich aufzulockern. Vermutlich brauchten sie das. Vielleicht würde es auch helfen, wenn er die neue Lederjacke anzog, die er sich aus Langeweile bestellt hatte. Hm… und er hatte sich lange von Schmuck ferngehalten, aber es gab Ort und Zeit für Ketten und Ringe, und dieser Ort und diese Zeit waren wohl gekommen.
      „Hast du meinen Azubis Angst gemacht?“
      Richard sah zur Tür. Ted musterte ihn kritisch. „Hab ich das? Ich hab ihnen gesagt, sie sollen arbeiten. Ich hätte vielleicht hinzufügen sollen, dass sie dankbar sein sollen, in der heutigen Zeit überhaupt einen Job zu finden, wenn sie schon absolut keine Arbeitsmoral besitzen“, antwortete er lächelnd.
      „Und was machst du grade?“, fragte Ted und nickte zu ihm.
      „Ich erhole mich davon, den Job von fünf Leuten zu machen, die alle etwas dankbarer für ihre Anstellung sein sollten. Problem?“
      Ted seufzte und ging kopfschüttelnd wieder raus, womit Richard wieder alleine war, sich etwas tiefer ins Sofa sinken lassen konnte und zufrieden anfing, die Website nochmal durchzuscrollen, wo er die Lederjacke letztens bestellt hatte.
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    • Caleb

      Er hatte ein Date. War es normal, dass sein Herz so schnell schlug? Irgendwie kam das Cal reichlich übertrieben vor, vor allem, da er Richard kannte. Trotzdem konnte er fühlen, dass irgendwas zwischen Nervosität und Vorfreude von ihm Besitz ergriff. Was wahrscheinlich die vollkommen falsche Reaktion war, aber darüber konnte er sich später den Kopf zerbrechen. Vielleicht sollte er einfach versuchen, alles auf sich zukommen zu lassen und Andrew und Ezra irgendwo in sein Unterbewusstsein verbannen. Zumindest für das eine Date.

      Die Tage bis Freitag zogen sich. Caleb wünschte sich fast, dass er sich mit dem Anruf mehr Zeit gelassen hätte. Er fühlte sich jetzt nicht mehr so ganz von seiner Entscheidung erschlagen, aber dafür wuchs die Nervosität stetig an. Als der Freitag endlich kam, verbrachte er mehr Zeit damit, die dunklen Ringe unter seinen Augen zu überschminken, als sich Gedanken darüber zu machen, was er anziehen sollte. Am Ende wurde es ein schlichter, dunkelroter Pullover und eine dunkle Jeans, nichts, womit man Preise gewann, aber deutlich besser, als Oversize Hoodies und Jogginghosen. Er sparte sich den letzten Blick in den Spiegel trotzdem, während er kurz prüfte, dass er alles bei hatte, was er brauchte - Schlüssel, Handy, Portmonee, Zigaretten, Feuerzeug - und seine Wohnung verließ.
      Er hatte mit dem Gedanken gespielt, selbst zu fahren, um sich zu motivieren, nicht zu trinken. Der Gedanke war ihm alberner vorgekommen, je länger er darüber nachgedacht hatte, bis er sich schließlich doch für ein Taxi entschieden hatte. Er würde so oder so trinken, alleine, um diese ganzen gegensätzlichen Gedanken in den Griff zu bekommen und den Abend einfach zu...genießen, soweit es ging.
      Er war am Ende sogar ein bisschen vor ihrer verabredeten Zeit da, was wohl daran lag, dass er sich in seiner Nervosität viel mehr Puffer eingerechnet hatte, als er je gebraucht hätte. Nicht, dass das sonderlich schlimm wäre. Er warf einen kurzen Blick auf sein Handy, bevor er vor der kleinen Bar stehen blieb und eine Zigarette aus der Schachtel zog. Wenn er schon nicht vorgetruken hatte, würde das vielleicht wenigstens etwas helfen.
    • Richard

      Richard ließ den Schmuck kurzerhand weg, bevor er das Haus verließ. Er hatte sich zu sehr dazu zurückgesetzt gefühlt, als er 23 war und spontan den Motorradführerschein absolviert hatte. Das Motorrad hatte er ein Jahr gehabt, bevor es ihm zu umständlich geworden war, im Winter immer zu frieren und im Sommer zu schwitzen. Glücklicherweise hatte er immer ein Talent dafür gehabt, sich Dinge bei seinen Chefs herauszuschlagen, und das erste Firmenauto hatte nicht lange auf sich warten lassen. Natürlich war es qualitativ bei weitem nicht vergleichbar mit seinem jetzigen Auto, das er in voller Zuversicht zum Treffpunkt fuhr, nur ein antialkoholisches Getränk bestellen zu müssen bevor Caleb ihm am Hals hing und er sie beide nachhause fuhr.
      Er parkte einen Block entfernt und ging die paar Meter zur Bar zufuß. Bevor er Cal am Eingang rauchen sah, fuhr er sich durch die Haare, dann checkte er kurz die Uhrzeit auf seinem Handy, weil Caleb an dem Zigarettenstummel gemessen wohl zu früh hier gewesen war.
      „Du siehst gut aus, rot steht dir“, sagte Richard, als er auf ihn zukam. Er ließ sich nicht anmerken, wie sein Herz raste. Auch, wenn er kurz überlegte, ob es nicht wahrscheinlicher war, dass er einen Herzinfarkte hatte, als dass er Caleb wirklich genug mochte und vermisst hatte, um sich derartig darüber zu freuen, ihn zu sehen. Wenn er an sein Betteln letztens dachte waren sogar die Chancen größer, dass ihm jemand was gespritzt hatte und er zum Hund mutierte. Wenn er nicht aufpasste, würde Caleb ihn noch pavloven, bis er Ezra mochte.
      „Willst du reingehen?“, fragte er und deutete kurz auf die beinahe fertig gerauchte Zigarette.
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    • Caleb

      "Danke", antwortete Caleb, tatsächlich ein wenig irritiert über das Kompliment zu seiner Farbwahl. Richard jetzt zu sehen, wo er sich irgendwie darauf einstellen konnte, fühlte sich tatsächlich besser an, als gedacht. Fast wieder ein wenig so, wie vor Russland, nur weniger selbstverständlich. Außerdem hatte es sich vorher nie so extrem angefühlt, als ob er etwas verbotenes tun würde. Sicher, die ganze Sache mit Ezra und Andrew hatte immer irgendwo in seinem Hinterkopf existiert, wenn er sich mit Richard getroffen hatte, aber da war er nie direkt genug involviert gewesen, um sich davon aufhalten zu lassen. Jetzt fühlte sich das irgendwie anders an.
      "Naja, ich hab die Bar nicht vorgeschlagen, weil die Fassade so schön ist", antwortete er trocken, während er die Zigarette ausdrückte. Von außen sah sie tatsächlich nicht so besonders aus, grauer Klinker, der sich kaum von der Umgebung abhob. Dafür konnte sie innen einiges rausholen.
      Moosgrüne Eckbänke und Sessel standen um Tische aus dunklem Holz. Eine Seite wurde von einer dunklen Bar dominiert, die kleine, stilvolle LED Akzente hatte, während es auf der gegenüberliegenden Seite eine kleine Bühne gab, auf der ab und an Livemusik gespielt wurde. Heute war sie leer. Das Licht war angenehm gedimmt, während leise Musik aus Lautsprechern gespielt wurde, die ein wenig von den Gesprächen der anderen Anwesenden übertönt wurde. Durch die ungünstige Lage und die verhältnismäßig hohen Preise war die Bar selten voll ausgelastet, wenn nicht gerade irgendjemand Bekanntes auf der Bühne stand. Auch heute waren noch einige der verteilten Tische frei. Abgesehen von einer größeren Gruppe - wahrscheinlich ein Betriebstreffen, oder ähnliches - saßen die anderen Gäste zu zweit oder zu dritt zusammen und unterhielten sich, während Kellner von Tisch zu Tisch liefen.
      Caleb führte Richard an den vorderen Tischen vorbei zu einem der freien Tische weiter hinten. "Wie geht es deiner Nase eigentlich?", fragte er, als sie sich setzten. Als Richard einfach vor seiner Türe aufgetaucht war, hatte er nicht wirklich darauf geachtet, aber von Andrews Schlag war jetzt nichts mehr zu sehen. Sollte er es eigentlich als Erfolg zählen, dass die drei es wenigstens geschafft hatten, sich streiten, ohne, dass jemand verletzt worden ist?
    • Richard

      Frohlockend wie eh und je. Calebs trockener Humor, falls es überhaupt Humor sein sollte, brachte Richard zu einem schmunzelnden Kopfschütteln während er hinter ihm in die Bar trat. Ihm ging einfach nicht mehr aus dem Kopf, wie unterschiedlich Ezra und er waren. Warum zur Hölle mussten die zwei nur verwandt sein? Dass Caleb eine völlig konträre Persönlichkeit hatte, hatte es zumindest erträglich gemacht, dass er von hinten Ezra zum verwechseln ähnlich sah.
      Er folgte Caleb zum Tisch. Die Location machte für ihnen keinen Unterschied, seinetwegen hätten sie sich auch in einer Garage treffen können, aber es war nett, dass nicht zu viel los war. Nichts war anstrengender, als sich selbst nicht zu hören, weil die anderen Gäste das Bedürfnis hatten, alle anderen mit ihrem Lachen zu übertönen.
      Leider hatte Richard in der Sekunde, in der Caleb seinen Satz zuende sprach, das Gefühl, dass es ihm jetzt zugute kommen würde, wenn jemand von ihrem Gespräch ablenkte. Echt jetzt? Das erste, worüber er reden wollte, war wieder, was im Krankenhaus passiert war? Gut, es war anscheinend ein… sehr prägnantes Erlebnis gewesen, aber sie mussten davon echt Abstand nehmen.
      „Ah, Andrews rechter Haken ist von dem… Haus Einsturz in Mitleidenschaft gezogen worden. Hatte schon mal mehr Power. Mir geht‘s gut“, antwortete Richard mit einem knappen Lächeln. „Die blauen Flecken waren trotzdem abartig, sei froh dass du das nicht gesehen hast. Apropos. Ich hab May länger nicht gesehen, hast du deiner Freundin ihre Kontaktdaten gegeben?“ Jedes Thema war besser, als noch länger in Erinnerungen zu schwelgen und Caleb schlimmstenfalls noch dabei zusehen zu müssen, wie er sich seine Entscheidungen nochmal durch den Kopf gehen lässt und doch seine Meinung änderte. Urgh, Richard würde nie wieder jemanden vor Calebs Augen provozieren. Das hatte zu große Wellen geschlagen.
      „Weißt du noch, der Kollege der damals bei uns saß? Er hat gerade erst ein paar Lehrlinge aufs Auge gedrückt bekommen. Wenigstens ist er abgelenkt nach der Scheidung“ Richard schmunzelte. Alleine der Gedanke, was passiert wäre, wenn er sich nicht erfolgreich vor dem Mentor-Ding gedrückt hätte… Dann müsste er sich jetzt um die faulen Idioten kümmern. Gänsehaut.
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    • Caleb

      "Sah trotzdem heftig aus", merkte Caleb an. "Aber schön, dass es wieder verheilt ist." Auch, wenn es wohl kein Thema war, über das Richard reden wollte, wenn er so schnell etwas vollkommen anderes ansprach. Caleb unterdrückte ein kleines Lächeln. Gut, wenn er derjenige gewesen wäre, der einen Schlag abbekommen hätte, hätte er das ganze wahrscheinlich auch nicht unbedingt nochmal erwähnen wollen.
      "Hatte ich. Leider zieht sich vor Gericht ja nur bekanntermaßen alles, also versucht meine Bekannte jetzt seit Wochen, mich zu irgendeiner Party zu zerren." Er verdrehte kurz die Augen. Er hatte nichts gegen Partys an sich, aber er konnte sich weitaus schöneres vorstellen, als den Abend mit April zu verbringen, die stets mehr Energie als jedes Atomkraftwerk zu haben schien. Außerdem war ihm die letzten paar Tage wirklich nicht zu Feiern zumute gewesen. Er konnte nur hoffen, dass April irgendeine andere Art von Ablenkung finden würde, ohne sich dabei in noch mehr Schwierigkeiten zu stürzen.
      An Richards Kollegen konnte Caleb sich tatsächlich nur noch schwach erinnern. Er war damals definitiv zu sehr auf Richard und den Stein fokussiert gewesen. Was überraschend einfach war. Richard war verdammt gutaussehend und Caleb hatte keine Ahnung, wie er es geschafft hatte, ihn zu dem Punkt zu bekommen, dass er ihn auf Knien um eine zweite Chance angebettelt hatte. Im Nachhinein fühlte sich das sowieso irgendwie vollkommen surreal an. Er hatte nie das Gefühl gehabt, dass Richard sonderlich an ihm hing.
      "Können die Lehrlinge wenigstens was, oder fällt dein Kollege bald mit Burnout aus?", fragte er, während er nach der Getränkekarte griff, einfach, um irgendwas zwischen den Fingern zu haben. Er würde so oder so zuerst mit Wasser starten und dann den Verlauf des Abends bestimmen lassen, ob und wieviel Alkohol er trinken würde.
    • Richard

      „Ah… ich begleite dich, wenn es das besser macht“, schlug Richard vor. Er hatte nichts gegen Parties. Im Gegenteil, betrunken ließ sich sowas ganz leicht ertragen, außerdem war er seit Jahren auf keiner richtigen Party gewesen, wenn man Firmenfeiern und langweilige Geburtstagsparties nicht dazu zählte. „Ich mag sowas. Musik, Essen, Getränke, mit irgendwem in der Ecke rummachen“ Er zuckte leicht mit den Schultern und lächelte unschuldig.
      Dann seufzte er kurz, als Caleb ihn auf eine grauenvolle Sache aufmerksam machte. Aber war sie echt so grauenvoll? Schlimmer konnte es kaum werden. „Theoretisch wäre es mein Problem, wenn ich dann seine Arbeit übernehmen und mich vielleicht auch noch um diese unfähigen Kids kümmern muss“ Er rieb sich kurz über die Stirn bei dem beklemmenden Gedanken. Dann sah er Caleb wieder an. „Auf der anderen Seite macht es vom Aufwand her eh keinen Unterschied mehr. Manchmal hab ich das Gefühl, die meisten Leute wissen nichtmal, wie ihr Job funktioniert, und sie hoffen nur aufs Beste. Und dann bekommen sie Azubis zugeteilt, die es nie richtig lernen“ Er verzog etwas das Gesicht. „Und die gehen mir dann später genauso auf die Nerven. Ich kann in dem Szenario nicht gewinnen“
      Richard griff kurz über den Tisch und zog die Getränkekarte unter Calebs Fingern weg um einen Blick darauf zu werfen, nur um sich dann sowieso gedanklich auf eine Cola zu fixieren. „Hast du eigentlich Kollegen oder ist euer Familienbusiness dafür zu… familiär?“, fragte Richard. Nein, er wollte nicht zu viel Info über Cals kriminelle Tätigkeit haben, aber sie mussten das Thema nicht gleich gänzlich totschweigen. Außerdem bewegte Richard sich bereits in einer moralischen Grauzone, nur weil er von Calebs Arbeit wusste. Was machten Details da noch für einen Unterschied, außer, dass er es nicht mehr so gut verdrängen konnte?
      „Weißt du, du könntest locker bei MLO arbeiten und deine ganze Vergangenheit von denen reinigen lassen, wenn du wolltest. Nach dem kleinen Job stehst du praktisch schon mit einem Fuß drin“, meinte er. „Auch, wenn die Bezahlung vielleicht nicht an dein jetziges Vermögen herankommt“ Hm… wenn Richard so genau drüber nachdachte, hätte er wohl doch mal auf die kriminelle Spur wechseln sollen. Schien ja gut zu funktionieren für manche. Und vielleicht hatte man weniger unmotivierte Kollegen, die mit dem Mindestlohn gerade so auskamen. Verübeln konnte man es ihnen ja nicht. Richard musste endlich im Dezernat kündigen und wieder vollzeit bei MLO einsteigen.
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    • Caleb

      "Irgendwem?", echote Caleb mit hochgezogenen Augenbrauen und süffisantem Lächeln auf den Lippen. Zugegeben, mit Richard auf irgendeine Party zu gehen klang an sich nicht schlecht, aber wenn er Ezra schon nicht leiden konnte, würde er bei April wahrscheinlich direkt einen Mord begehen und...das würde wahrscheinlich viele von Calebs Problemen lösen, wenn er näher darüber nachdachte. Vielleicht sollte er wirklich zusagen.
      Zum Glück sprach Richard die Azubis an, bevor Caleb ernsthaft darüber nachdenken konnte, April doch direkt eine kleine Zusage zu tippen. Eigentlich hätte er sich die Antwort schon denken können. Richard war - laut eigenem Empfinden - eben immer die einzige kompetente Person im Raum, obwohl Caleb nicht abstreiten konnte, dass es tatsächlich seltsam angenehm gewesen war, mit ihm zu arbeiten. Sie waren einigermaßen professionell geblieben, obwohl sie damals auch zerstritten waren und hatten es geschafft, schnell durch zu sein, ohne nervige Umwege.
      "Du solltest netter zu euren Azubis sein. Macht sie weniger anfällig für Bestechung", riet er, während er aus dem Augenwinkel eine Kellnerin auf sie zukommen sah. Die junge Frau schenkte ihnen ein nettes Lächeln und nickte kurz, als sie bestellten, bevor sie wieder hinter der Bar verschwand. Offenbar hatten sie heute beide darauf verzichtet, mit Alkohol in die Konversation zu starten.
      "Es gibt keine Kollegen im klassischen Sinne", erklärte Caleb, was wahrscheinlich schon deutlich mehr war, als er erzählen sollte. Obwohl er keine sonderlich großen Bedenken hatte. Er ging nicht davon aus, dass Richard gebettelt hatte, um ihn jetzt irgendwie hinter Gittern zu bringen und wenn schon hätte er es sich mit der kleinen Show irgendwie fast schon verdient. "Natürlich ist man sich innerfamiliär immer am nächsten, aber es gibt manchmal halt Fälle, in die man nicht verwickelt werden möchte, also sucht man sich andere Leute, die es für einen machen. Oder man spricht sich mit anderen Familien und Banden ab, damit man sich nicht gegenseitig im Weg steht." Immerhin würde es nichts bringen, wenn sich die 'kriminelle Unterwelt' gegenseitig zerfleischen würde. Manchmal war es besser, Kompromisse einzugehen und zusammenzuhalten, das sahen selbst die sarrköpfigsten Menschen ein.
      "Ich brauche niemanden, der meine Vergangenheit weg wischt. Ich habe keine sonderlich spannende." Caleb zuckte kurz mit den Schultern. "Meine Eltern besitzen eine Kette an Läden, die sich auf den Verkauf von Steinen spezialisiert hat. Es gab ein paar Aktionen, die vor Gericht geendet sind, aber das war nie unsere Schuld. Keiner von uns hat auch nur eine einzige Vorstrafe. Wir sind eine vollkommen normale, langweilige, gestörte Familie. Okay, außer meine Schwester, die sammelt Strafzettel, als wären es Panini-Bildchen. Aber sonst sind wir vollkommen unauffällig. Ich helfe gerne aus, wenn ihr wieder einen Stein verlegt, aber ich kann nicht einfach wechseln." Seine Eltern drehten ja jetzt schon am Rad, weil er nicht 24/7 erreichbar war.
    • Richard

      „Naja, wenn du dich freiwillig meldest, hab ich nichts dagegen“, grinste Richard. Das ging doch in die richtige Richtung. Schluss mit dem Gerede über aufdringliche Geschwister und Schläge ins Gesicht. Sie hatten wirklich besseres zu tun. Man musste sich das Leben nicht unnötig schwer machen, oder?
      „Hah… wenn sie sich bestechen lassen, finde ich es heraus und verfolge sie bis in ihren Tod“, sagte Richard kurz darauf deutlich ernster. Schön, er war gerade selbst auch nicht sehr rechschaffend unterwegs, aber er hatte nunmal auch sowas wie ein logisches Denkvermögen und ließ sich nicht von irgendwem um den Finger wickeln. In seinem Dezernat sollte nur mal wer versuchen, das Gesetz zu hintergehen, und schauen, wie weit er damit kam. „Ich weiß nicht, ob es da was bringt, wenn ich netter zu ihnen bin, ich meine… ich bin nicht gemein. Ich tu ihnen ja nichts, ich sage nur, dass sie… sich mal anstrengen sollen… und so. In einem… nachdrücklichen Ton“ Er lächelte. Er würde niemanden mobben, das war grausam, aber man kam ja auch nicht weit, wenn man nie stark durchgriff, oder?
      Richard war, obwohl er gedacht hatte, dass er sich mit Calebs Kriminalität bereits abgefunden hatte, unglaublich erleichtert darüber, dass er scheinbar ein ganz normaler Zivilist war, dem man nichts nachweisen konnte.
      „Solange sie die Strafzettel bezahlt“, schmunzelte er. Scheinbar war Ezra das schwarze Schaf mit dem Vorstrafenregister. „Klingt ja ganz gemütlich. Auch, wenn es mich umbringen würde, für meine Eltern arbeiten zu müssen. Oder, naja, eine Partei würde es umbringen, nicht gezwungenermaßen mich, falls mir mal ein Messer in die Hand fällt“ Alleine seine Eltern auf der Straße anzutreffen würde ihn für nichts garantieren lassen. Hätte er damals die Mittel gehabt, wäre er definitiv ans andere Ende der Welt gezogen. Für sie zu arbeiten würde sich anfühlen, als hätte er sich versklaven lassen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Caleb das besser fand.
      „Falls dus dir anders überlegst, lege ich ein gutes Wort für dich ein. Obwohl… keine Ahnung, wie lange wir unseren jetzigen Chef noch haben. Es gehen ein paar Gerüchte um, dass er abtritt und ich bin mir ziemlich sicher, dass mir jemand anderer die Position weggeschnappt hat“ Vielleicht brauchte er heute doch noch etwas Alkohol. Die Information hatte er bislang noch garnicht so hundertprozentig verarbeitet.
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    • Caleb

      "Oh, mich bringt das auch um. Nur langsamer, als mit einem Messer." Caleb lächelte schwach. Es war ja nicht so, als würde er das alles freiwillig machen. Seine Eltern hatten sie nie gefragt, ob sie für sie arbeiten wollten. Es ist einfach vorausgesetzt worden und keiner von ihnen hatte es je wirklich hinterfragt, bis es zu spät gewesen war. Jetzt hatten sie alle genügend Stoff, um das Leben der jeweils anderen zu zerstören und keiner wollte den anderen einen Grund dazu geben. Es war keine sonderlich schöne Situation, aber Cal hatte es nie anders kennen gelernt. Man musste halt nur darauf achten, keine Fehler zu machen und sich selbst oft genug abzusichern. Ganz einfach und sicher super für eine gesunde Psyche.
      Was sich wahrscheinlich auch nicht sonderlich gut auf seine Psyche auswirken würde, war der Fakt, dass er über den kleinen Führungswechsel bei MLO offenbar mehr wusste, als Richard. Was, naja, irgendwie Richards eigene Schuld war. Immerhin hatte Andrew erwähnt, dass er jetzt wohl in einer Führungsposition steckte, als Cal Ezra seine Beziehung mit Richard gebeichtet hatte und sie zu dem Zwischenfall mit dem Kuss gekommen waren. Was...so ungünstig war, wie es nur sein konnte. Cal wusste nicht nur mehr, als Richard, sondern das ganze Thema hing wieder an Andrew. Mehr Zeichen gegen ihre Beziehung konnte das Universum ihm eigentlich kaum schicken. Er würde auf jeden Fall nicht derjenige sein, der Richard diese Nachrichten überbringen würde.
      Er verzog kurz kaummerklich das Gesicht, bevor er sich ein wenig zurücklehnte, damit die Kellnerin ihre Getränke auf den Tisch stellen konnte. Vielleicht hatte Richard den kleinen zukünftigen Schock auch irgendwie ein bisschen verdient. Wahrscheinlich hatte er das. Cal wollte nur nicht dabei sein, wenn er es herausfand. Den Ausbruch konnte er sich getrost sparen.
      "Ich wusste nicht, dass sich das hier noch zum Bewerbungsgespräch entickelt", antwortete er stattdessen mit einem kleinen Lachen, das hoffentlich mehr amüsiert, als nervös klang. "Ist das so dein Ding? Dass du nur auf Leute stehst, die mit dir zusammenarbeiten, oder so?" Obwohl, naja, wahrscheinlich wäre Richard nicht so sehr dahinter her, Calebs berufliche Laufbahn zu ändern, wenn er...Obstverkäufer wäre, oder Buchhalter, oder so. Immerhin wäre es albern zu ignorieren, dass ihre beruflichen Laufbahnen so vollkommen gegensätzlich waren.
    • Richard

      Richard zwang sich zu einem kleinen Grinsen, während er merkte, dass ihn das Gesprächsthema mehr und mehr zu stören begann. Es war ja nicht so, als wäre seine Obsession mit Andrew schon ewig her und deshalb nicht der Rede wert. Genau genommen verstand er auch, dass Caleb dauernd darauf zurückkam, nachdem sie gerade erst dieses Drama halbwegs überstanden hatten. Er hatte ja gemeint, dass es ihn jede Nacht wach gehalten hatte, oder so. So schnell würde das sein Gedächtnis wohl nicht verlassen. Trotzdem… was sollte Richard schon tun? Er musste es ausschweifen lassen. Es gab nichts, das er tun konnte, um Caleb zu beweisen, dass es wirklich nicht so eine riesige Sache war. Er hatte sich über die Jahre hinweg eben so sehr darauf eingeschossen, dass Andrew ihn nicht wollte, weil er allgemein Beziehungsunfähig war, und nicht, weil sie einfach absolut nicht zusammen passen. Das war es, was ihn austicken ließ. Er hatte sich an diesen Glauben zu lange geklammert. Und gleichzeitig bezeugte es ja nur, dass er selbst schon ewig damit abgeschlossen hatte, dass aus der Sache nichts werden würde. Gut, er hatte erst vor kurzem so richtig realisiert, wieviel er Andrew ausgeblendet hatte, das ihn schon immer genervt hatte. Das hieß nicht, dass er unbegründet auf ihn gestanden hatte, aber er war nunmal jung gewesen und eifersüchtig und dämlich. Er war immernoch jung, ab und zu eifersüchtig, aber wenigstens nicht dämlich. Mit Ausnahme von der Krankenhaus-Geschichte. Urgh, okay, vielleicht war er auch immernoch dämlich. Trotzdem wäre es nett, wenn er das alles aus Calebs Gedächtnis löschen könnte, damit sie das Thema fallen lassen konnten.
      Richard zog seine Cola zu sich und leerte sie in das leere Glas daneben. „Ich meine ja nur, ich kann dir helfen“, antwortete er. „Aber wenn du noch eine Weile vor dich hinsterben willst, knock yourself out. Und wenn du lieber ins Kellnern quereinsteigen willst, mach das. Aber bei MLO könnte ich dir helfen“ Er nahm einen Schluck von seinem Getränk. Vielleicht hätte er das nicht so ernst sagen sollen, immerhin hatte Caleb nur einen Scherz gemacht, aber es war eben kein sehr glaubwürdiger Scherz.
      „Außerdem will ich dich nicht konvertieren. Hat irgendwie was heißes, dass man das hier… als verboten betrachten könnte“, fuhr er fort. „Zumindest hatte es das, bis du eben erklärt hast, wie langweilig deine kriminelle Laufbahn eigentlich ist“ Er schmunzelte. „Aber dafür gibt es ja Rollenspiele“
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    • Caleb

      Es war irgendwie fast süß, dass Richard dachte, dass er ihm irgendwie helfen könnte. Vollkommen überzogen und furchtbar unrealistisch, aber…süß. Auch, wenn Caleb sich nicht komplett sicher war, warum er seine Hilfe anbot - wollte Richard wirklich ihm helfen, oder einfach seine eigene Moral beschützen? Obwohl er ihre beruflichen Differenzen ja offenbar relativ attraktiv fand.
      “Ich fürchte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich dich mit ins Verderben ziehe, deutlich höher ist, als die, dass du mir auch nur irgendwie helfen kannst”, merkte er an, während er mit seinem Glas spielte. Ezra war wütend, ja, aber vollkommen harmlos. Seine Eltern würden wahrscheinlich deutlich weniger Wert auf Streit und Diskussion legen und wenn Richard mehr Schwachstelle als Vorteil für sie war, würde eine blutige Nase ihr geringstes Problem sein. Er hatte genau das oft genug bei Niamhs alten Beziehungen erlebt, auch, wenn wahrscheinlich keine davon so kritisch war, wie diese hier, immerhin arbeitete Richard immer noch aktiv beim Dezernat. Es sprach halt irgendwie wirklich alles gegen ein zweites Date.
      Eigentlich sollte Cal direkt aufstehen und gehen, aber er blieb sitzen. Er konnte gar nicht anders. Es war seltsam und vollkommen unlogisch, aber…trotz allem, was zwischen ihnen vorgefallen war, hatte er das Gefühl, sich mit jeder Minute ein bisschen mehr zu entspannen. Richard erwartete keine neutrale Professionalität von ihm, keine aufgesetzte Freude, oder sonst war und das war irgendwie immer schon sein größter Vorteil gewesen.
      “Okay, also: Eine Vorliebe für Kollegen und ein Kink für Romeo und Julia Geschichten und Rollenspiele. Sieh mal, wie schön Dating ist. Ich lerne so viel Neues über dich und das, obwohl wir gerade mal zehn Minuten hier sitzen.” Caleb unterstrich den Sarkasmus in einer Aussage mit einem gespielt fröhlichen Lächeln, bevor er an seinem Wasser nippte und beschloss, dass die nächste Runde definitiv etwas Alkoholisches beinhalten würde. ”Gibt es sonst noch irgendwas interessantes über dich, was ich nicht weiß?”
    • Richard

      „Wenn ich im Verderben weniger Idioten um mich habe, lasse ich mir das mal durch den Kopf gehen“, antwortete Richard im Scherz. Er war etwas zu emotional gebunden an seine Jobs, um es ernst zu meinen. Er hatte sich nicht ohne Grund dafür entschieden, auf die Hero Academy zu gehen.
      Er lächelte, als Caleb über ihr Date scherzte. „Tu nicht so, als wäre das nicht deine Idee gewesen. Weißt du noch?“ Richard räusperte sich, dann säuselte er: „Kein Sex ohne Gefühle, ich will unbedingt eine romantische Beziehung und mit dir ausgehen, Richard, oh, bitte kein Drama mehr“ Er grinste. „Ich erfülle dir gerne deine märchenhaften Träume, aber muss ich deshalb wirklich aufhören, über Sex zu reden?“ Tatsache war, dass er wirklich gerne hier saß. Egal, worüber sie redeten. Dieses Date alleine war ein Sieg für ihn. Er würde jedoch nicht damit aufhören Caleb aufzuziehen. Irgendwie war es ja sogar genau das, was sie meistens direkt zusammen ins Bett gebracht hatte. Richard war bekanntermaßen kein Kerl, der viel Wert auf Romantik legte oder seltsam poetisches Zeug vor sich hinschwafelte. Aber Caleb wäre sicher nicht hier, wenn er das erwarten würde.
      „Willst du, dass ich dir nochmal meine Talente aufzähle, damit du entscheiden kannst, ob ich eine gute Wahl bin?“, lächelte Richard ironisch. Er stützte den Kopf in seine Hand. „Ich bin ein guter Autofahrer, das hast du sicher mitbekommen“, fing er an. „Und ich kann gut kochen. Ausgewogene Ernährung ist wichtig, damit man in Form bleibt. Das wäre mein nächster Punkt: Ich bin sehr, sehr gut in Form. Aber das muss ich dir nicht erzählen. Ich bin auch echt gut in Memory und TV Quiz Shows. Allgemeinbildung ist heiß, oder?“ Er grinste leicht. „Und was gibt es über dich noch zu wissen? Du hast mir ja eben erst unterstellt, dass ich dich kaum kenne, also halte dich nicht zurück“
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