Niamh
Russland hatte nie auf ihrer Urlaubsliste gestanden und so, wie es aktuell aussah, würde sich das wohl nie ändern. Man konnte hier offenbar keine Sekunde verbringen, ohne in irgendein übertriebenes Drama hineingezogen zu werden. Wenn Ezra nicht gerade das Sorgenkind war, sprang Cal wie selbstverständlich ein, um ihr Leben ein wenig stressiger zu machen. Niamh wäre ein so verdammt gutes Einzelkind geworden.
Aber das Leben ging weiter und es half nichts, sich zu beschweren, also war sie in aller Frühe nach einer viel zu kurzen Nacht wieder auf den Beinen, um sich vor Calebs Nicht-Liebeskummer-Kummer wieder ins Krankenhaus zu flüchten. Ihr Bruder hatte ihr gestern Abend versucht, das ganze Durcheinander irgendwie zu erklären, aber zwischen seiner leichten Hysterie und dem stetigen Wachsen ihrer Rechnung an der Hotelbar hatte sie ein wenig das Gefühl gehabt, ein Buch von hinten nach vorne zu lesen. Sie war am Ende nicht deutlich schlauer gewesen, wusste aber, dass sie mit dieser Ignoranz wundervoll leben konnte. Am Ende des Tages war ihr sowieso relativ egal, was der Rest ihrer Familie veranstaltete, solange es sie nicht irgendwie beeinträchtigte. Hauptsache, sie hatten einen klaren Kopf, wenn es drauf ankam.
Aber wenn sie schon mal hier war, konnte sie auch ein Auge auf Ezra haben, der es offenbar darauf anlegte, den ganzen Stress, den sie in den letzten Jahren ohne ihn verpasst hatte, direkt nachzuholen. Er war immer schon zu aufmerksam gewesen.
Sie machte einen kleinen Zwischenstopp am Kaffeeautomaten des Krankenhauses und besorgte sich vorsorglich schon mal zwei Becher, bevor sie sich auf den Weg zu Ezras Zimmer machte. Andrew saß - wie erwartet - an seinem Bett, diesmal in Begleitung von den drei Kindern, die er in ihrem Telefonat bereits erwähnt und Niamh sofort wieder verdrängt hatte. Zwei Jungs und ein Baby, alle drei unfassbar niedlich. Niamh unterdrückte den kurzen, ungewohnten Anflug von Heimweg nach ihren eigenen Kindern und drückte Andrew mit einem "Morgen" einen der beiden Becher in die Hand, bemüht, das Baby in seinen Armen nicht zu stören. Die beiden Jungs saßen an dem kleinen Tisch, der am Rand des Zimmers stand. Der Ältere hatte einen Block vor sich liegen und einen Stift in der Hand, beides vollkommen vergessen, während er Niamh vorsichtig musterte.
"Gibt es irgendwas Neues?", fragte sie, während sie sich zwang, ihren Blick von dem süßen kleinen Baby zu trennen und stattdessen zu ihrem weitaus weniger süßen Bruder zu schauen. Ezra sah im Vergleich zu gestern fast unverändert aus. Ein kleiner Streifen an seiner Schulter kam ihr etwas bläulicher vor, als gestern noch, aber sonst war er so übersäht mit Mullbinden und Pflastern, dass man sich gar nicht jede kleine Veränderung merken könnte. Er sah aus, als ob er schlafen würde.
"Weißt du eigentlich mittlerweile, wie die drei heißen?", schob sie schließlich mit einem kleinen Nicken zu den Kindern hinterher. "Sie sind ja unfassbar süß."
Russland hatte nie auf ihrer Urlaubsliste gestanden und so, wie es aktuell aussah, würde sich das wohl nie ändern. Man konnte hier offenbar keine Sekunde verbringen, ohne in irgendein übertriebenes Drama hineingezogen zu werden. Wenn Ezra nicht gerade das Sorgenkind war, sprang Cal wie selbstverständlich ein, um ihr Leben ein wenig stressiger zu machen. Niamh wäre ein so verdammt gutes Einzelkind geworden.
Aber das Leben ging weiter und es half nichts, sich zu beschweren, also war sie in aller Frühe nach einer viel zu kurzen Nacht wieder auf den Beinen, um sich vor Calebs Nicht-Liebeskummer-Kummer wieder ins Krankenhaus zu flüchten. Ihr Bruder hatte ihr gestern Abend versucht, das ganze Durcheinander irgendwie zu erklären, aber zwischen seiner leichten Hysterie und dem stetigen Wachsen ihrer Rechnung an der Hotelbar hatte sie ein wenig das Gefühl gehabt, ein Buch von hinten nach vorne zu lesen. Sie war am Ende nicht deutlich schlauer gewesen, wusste aber, dass sie mit dieser Ignoranz wundervoll leben konnte. Am Ende des Tages war ihr sowieso relativ egal, was der Rest ihrer Familie veranstaltete, solange es sie nicht irgendwie beeinträchtigte. Hauptsache, sie hatten einen klaren Kopf, wenn es drauf ankam.
Aber wenn sie schon mal hier war, konnte sie auch ein Auge auf Ezra haben, der es offenbar darauf anlegte, den ganzen Stress, den sie in den letzten Jahren ohne ihn verpasst hatte, direkt nachzuholen. Er war immer schon zu aufmerksam gewesen.
Sie machte einen kleinen Zwischenstopp am Kaffeeautomaten des Krankenhauses und besorgte sich vorsorglich schon mal zwei Becher, bevor sie sich auf den Weg zu Ezras Zimmer machte. Andrew saß - wie erwartet - an seinem Bett, diesmal in Begleitung von den drei Kindern, die er in ihrem Telefonat bereits erwähnt und Niamh sofort wieder verdrängt hatte. Zwei Jungs und ein Baby, alle drei unfassbar niedlich. Niamh unterdrückte den kurzen, ungewohnten Anflug von Heimweg nach ihren eigenen Kindern und drückte Andrew mit einem "Morgen" einen der beiden Becher in die Hand, bemüht, das Baby in seinen Armen nicht zu stören. Die beiden Jungs saßen an dem kleinen Tisch, der am Rand des Zimmers stand. Der Ältere hatte einen Block vor sich liegen und einen Stift in der Hand, beides vollkommen vergessen, während er Niamh vorsichtig musterte.
"Gibt es irgendwas Neues?", fragte sie, während sie sich zwang, ihren Blick von dem süßen kleinen Baby zu trennen und stattdessen zu ihrem weitaus weniger süßen Bruder zu schauen. Ezra sah im Vergleich zu gestern fast unverändert aus. Ein kleiner Streifen an seiner Schulter kam ihr etwas bläulicher vor, als gestern noch, aber sonst war er so übersäht mit Mullbinden und Pflastern, dass man sich gar nicht jede kleine Veränderung merken könnte. Er sah aus, als ob er schlafen würde.
"Weißt du eigentlich mittlerweile, wie die drei heißen?", schob sie schließlich mit einem kleinen Nicken zu den Kindern hinterher. "Sie sind ja unfassbar süß."