Firions weitere Ausführungen machten die Sache nicht besser. Die Angelegenheit war also schon entschieden und abgewickelt, auf Eigenhand, wie damals schon der Jäger Caphalor - und sie alle hatten ja gesehen, wozu das geführt hatte. War der König einem mittlerweile selbstzerstörerischen Wahn verfallen? Konnte er einfach nur nicht die Konsequenzen sehen? War er dumm? Zoras glaubte es nicht, er konnte zwar nicht den Finger darauf legen, aber Feris war nicht dumm. Er dachte vermutlich nicht weit, aber das war seine einzige Schwäche in der Sache.
Als dann die Sprache darauf kam, dass Feris in gewissermaßen Kassandra für diesen Handel verkauft hatte, schob Zoras ruppig den Stuhl zurück und stand auf. Er überhörte sogar geflissentlich Kassandras Bezeichnung für den Jungen, für den er sie am liebsten zurechtgewiesen hätte. Stattdessen fing er an, hinter ihren Stühlen auf und ab zu tigern. Eigentlich war ihm das vor dem älteren Herzog, der kaum eine Miene bei der ganzen Sache verzog, recht unangenehm, aber seine Nerven waren zu angespannt, um sich jetzt noch mit Höflichkeiten aufhalten zu wollen.
Er kämmte die Finger durch die Haare seines Barts.
"Wieso Morpheus und nicht Herakles? Das ist die erste Frage, die sich mir stellt. Wenn Restaris bereit dazu ist einen Handel einzugehen, wieso schicken sie nicht gleich ihren besten und zielen auf ein schnelles Ergebnis ab? Herakles würde hier einmarschieren, über den Aufstand hinwegwälzen und zum Schluss Kassandra umbringen - oder mir ihr Amulett abnehmen, das macht für ihn keinen Unterschied. Wieso also nicht? Wieso wollen sie es nicht blutig?"
Er starrte finster drein, während er sich die Situation vorzustellen versuchte. War Feris vielleicht wenigstens schlau genug um zu erkennen, dass es keine gute Idee war, eine Übermacht in das Land einzuladen, die man später nicht mehr von dort vertreiben könnte? Aber auch Morpheus könnte gegen ihn eingesetzt werden und ihn mit seiner psychologischen Kriegsführung bedrängen. Es war alles absolut unvorteilhaft und Feris hätte es in dem Augenblick erkennen müssen, in dem der Champion diese Landesgrenzen überschritten hatte.
Apropos - Zoras blieb stehen. Er richtete den Blick wieder auf Firion, als erwarte er eine Antwort auf eine Frage, die er noch gar nicht gestellt hatte. Dann wanderte sein Blick weiter zu Kassandra.
"Wann haben wir noch einmal den Putsch durchgeführt? Vor so ziemlich zwei Monaten, nicht wahr? Oder schon fast drei? Der Aufstand ist im Palast ausgebrochen, wir haben etwa zwei Wochen gebraucht, um überhaupt nachhause zu kommen. Zwei Wochen brauchen die meisten Herzöge, du", er sah zu Firion, "und Estja sogar drei. Bis zur Grenze sind es vom Palast aus etwa vier Wochen, wenn man sich beeilt. Vier Wochen für einen Weg. Wie zum Teufel ist Morpheus so schnell hergekommen, hat sich das mal jemand gefragt? Hat deine Tochter das, aus irgendeinem Grund, hinterfragt?"
Er starrte Firion eindringlich an, dann fing er wieder an zu tigern. Das gefiel ihm alles nicht. Das war eine wichtige Frage, aber leider würde sie nichts an der Ausgangssituation ändern.
"Wir müssen die Frage nochmal zurückstellen, aber sie gefällt mir trotzdem nicht. Mir gefällt nicht, wie schnell Restaris "zur Hilfe kommt". Wir haben noch nicht einmal mit den Kämpfen angefangen, wir sind alle noch in den Vorbereitungen und doch sind sie schon zur Stelle. Wir müssen etwas übersehen haben, Firion, aber das können wir jetzt nicht mehr ändern. Irgendwas in den letzten Monaten - oder vielleicht sogar Jahren, bei den Göttern! - haben wir übersehen. Wir müssen es noch herausfinden wenn wir nicht wollen, dass wir von einer Schlacht in die nächste rutschen."
Er blieb wieder stehen. Die Gedanken rutschten jetzt einer nach dem anderen zum richtigen Platz und es gefiel ihm selbst nicht, welche Rückschlüsse er plötzlich ziehen konnte.
"Vermutlich schicken sie deswegen nicht Herakles. Welche Vorbereitungen sie auch immer selbst getroffen haben, sie sind schon so weit fortgeschritten, dass sie keine Gewalt brauchen. Sie werden darauf vertrauen, dass sie mit geringstem Aufwand den größtmöglichen Schaden hier anrichten können. Vorausgesetzt sie wollen wirklich hier einmarschieren, aber mir würde kein Grund einfallen, weshalb sie es nicht wollten."
Er verschränkte die Arme vor der Brust.
"Wenn wir eine Gefahr für Morpheus werden - eine ernstzunehmende Gefahr, durch Kassandra beispielsweise - könnten sie sich genötigt fühlen, doch zu offensiveren Mitteln zu greifen und die werden sie haben. Sie stehen schon mit einem Fuß hier drinnen, sehr richtig, mehr fehlt also nicht, um auch den anderen Fuß hereinzuholen. Wir müssen sie im Glauben lassen, dass es funktioniert. Wir müssen auch auf psychologische Kriegsführung zurückgreifen, auch wenn wir die schlechteren Karten dafür haben. Ich will nichts tun, solange wir uns nicht wieder der ersten Kriegsregel bemächtigt haben: Kenne deinen Feind."
Sein Blick wanderte zu Kassandra.
"Kennst d- Kennt Ihr Morpheus? Wisst Ihr, wie er... funktioniert?"
Als dann die Sprache darauf kam, dass Feris in gewissermaßen Kassandra für diesen Handel verkauft hatte, schob Zoras ruppig den Stuhl zurück und stand auf. Er überhörte sogar geflissentlich Kassandras Bezeichnung für den Jungen, für den er sie am liebsten zurechtgewiesen hätte. Stattdessen fing er an, hinter ihren Stühlen auf und ab zu tigern. Eigentlich war ihm das vor dem älteren Herzog, der kaum eine Miene bei der ganzen Sache verzog, recht unangenehm, aber seine Nerven waren zu angespannt, um sich jetzt noch mit Höflichkeiten aufhalten zu wollen.
Er kämmte die Finger durch die Haare seines Barts.
"Wieso Morpheus und nicht Herakles? Das ist die erste Frage, die sich mir stellt. Wenn Restaris bereit dazu ist einen Handel einzugehen, wieso schicken sie nicht gleich ihren besten und zielen auf ein schnelles Ergebnis ab? Herakles würde hier einmarschieren, über den Aufstand hinwegwälzen und zum Schluss Kassandra umbringen - oder mir ihr Amulett abnehmen, das macht für ihn keinen Unterschied. Wieso also nicht? Wieso wollen sie es nicht blutig?"
Er starrte finster drein, während er sich die Situation vorzustellen versuchte. War Feris vielleicht wenigstens schlau genug um zu erkennen, dass es keine gute Idee war, eine Übermacht in das Land einzuladen, die man später nicht mehr von dort vertreiben könnte? Aber auch Morpheus könnte gegen ihn eingesetzt werden und ihn mit seiner psychologischen Kriegsführung bedrängen. Es war alles absolut unvorteilhaft und Feris hätte es in dem Augenblick erkennen müssen, in dem der Champion diese Landesgrenzen überschritten hatte.
Apropos - Zoras blieb stehen. Er richtete den Blick wieder auf Firion, als erwarte er eine Antwort auf eine Frage, die er noch gar nicht gestellt hatte. Dann wanderte sein Blick weiter zu Kassandra.
"Wann haben wir noch einmal den Putsch durchgeführt? Vor so ziemlich zwei Monaten, nicht wahr? Oder schon fast drei? Der Aufstand ist im Palast ausgebrochen, wir haben etwa zwei Wochen gebraucht, um überhaupt nachhause zu kommen. Zwei Wochen brauchen die meisten Herzöge, du", er sah zu Firion, "und Estja sogar drei. Bis zur Grenze sind es vom Palast aus etwa vier Wochen, wenn man sich beeilt. Vier Wochen für einen Weg. Wie zum Teufel ist Morpheus so schnell hergekommen, hat sich das mal jemand gefragt? Hat deine Tochter das, aus irgendeinem Grund, hinterfragt?"
Er starrte Firion eindringlich an, dann fing er wieder an zu tigern. Das gefiel ihm alles nicht. Das war eine wichtige Frage, aber leider würde sie nichts an der Ausgangssituation ändern.
"Wir müssen die Frage nochmal zurückstellen, aber sie gefällt mir trotzdem nicht. Mir gefällt nicht, wie schnell Restaris "zur Hilfe kommt". Wir haben noch nicht einmal mit den Kämpfen angefangen, wir sind alle noch in den Vorbereitungen und doch sind sie schon zur Stelle. Wir müssen etwas übersehen haben, Firion, aber das können wir jetzt nicht mehr ändern. Irgendwas in den letzten Monaten - oder vielleicht sogar Jahren, bei den Göttern! - haben wir übersehen. Wir müssen es noch herausfinden wenn wir nicht wollen, dass wir von einer Schlacht in die nächste rutschen."
Er blieb wieder stehen. Die Gedanken rutschten jetzt einer nach dem anderen zum richtigen Platz und es gefiel ihm selbst nicht, welche Rückschlüsse er plötzlich ziehen konnte.
"Vermutlich schicken sie deswegen nicht Herakles. Welche Vorbereitungen sie auch immer selbst getroffen haben, sie sind schon so weit fortgeschritten, dass sie keine Gewalt brauchen. Sie werden darauf vertrauen, dass sie mit geringstem Aufwand den größtmöglichen Schaden hier anrichten können. Vorausgesetzt sie wollen wirklich hier einmarschieren, aber mir würde kein Grund einfallen, weshalb sie es nicht wollten."
Er verschränkte die Arme vor der Brust.
"Wenn wir eine Gefahr für Morpheus werden - eine ernstzunehmende Gefahr, durch Kassandra beispielsweise - könnten sie sich genötigt fühlen, doch zu offensiveren Mitteln zu greifen und die werden sie haben. Sie stehen schon mit einem Fuß hier drinnen, sehr richtig, mehr fehlt also nicht, um auch den anderen Fuß hereinzuholen. Wir müssen sie im Glauben lassen, dass es funktioniert. Wir müssen auch auf psychologische Kriegsführung zurückgreifen, auch wenn wir die schlechteren Karten dafür haben. Ich will nichts tun, solange wir uns nicht wieder der ersten Kriegsregel bemächtigt haben: Kenne deinen Feind."
Sein Blick wanderte zu Kassandra.
"Kennst d- Kennt Ihr Morpheus? Wisst Ihr, wie er... funktioniert?"

