[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Der Zornige Alte und der kauernde Rest

      Sylvar rümpfte die Nase ob dieser obszönen Selbstsucht, die ihm entgegen schlug. Sicherlich konnte er die Gefühle der jungen Frau verstehen. Wer hatte nicht schon einmal die Regeln gebrochen, um einen geliebten Menschen zu retten. Er selbst hatte erst vor wenigen Minuten ein Monstrum in sich befreit, um seine Schülerin zu retten. Was also war der Unterschied?
      Der Magier sah sie an während sie vor sich her schimpfte und stüttze sich schwer auf seinen Stab, ehe er das Wort erneut an sie richtete.
      "Zunächst, Schülerin:", begann er und betonte das letzte Wort deutlich, um sie ihres Ranges zu erinnern. "Schuld nach einem Kampf zu suchen, tun die Schwachen. Es geht nicht um Schuld, Sieg oder Sühne. Es geht um eine Situation, die es zu meistern gilt. Und ich sage nicht, dass die Entscheidung, Meriels Tempel zu besuchen, falsch oder gar indiskutabel ist. Das Problem ist dein selbstsüchtiges Gehabe und deine grenzenlose Blindheit wenn es um Andvari geht. Ja, du liebst ihn und das ist fein! Aber Liebe zum Preis eines Lebens ist keine Liebe, es ist Dummheit. Meriels Tempel bietet dem Anwender einen Preis, korrekt. Aber er hätte in einem Tropfen gezahlt werden können. Oder einem Schnitt im Finger. Nicht, um eine Pulsader aufzuschneiden. Denkst du, Andvari wäre glücklich, wenn du in deinem grenzenlosen Willen, ihn nicht zu verlieren, dein Leben gelassen hättest? Was wäre dann diese ganze Aktion wert gewesen?"
      Er stützte sich auf den Stab, um mit ihr Nase an Nase zu stehen und wirkte mit einem Mal wie ein alter, alter Mann, während er die Stimme erneut erhob und beinahe von der Wurzel abrutschte.
      "Es haben gerade mindestens vier Elfen für deine Ehre gekämpft, um diesem Schwein von Vaeril seine Schranken aufzuzeigen! Wäre es gerecht gegenüber diesen Elfen gewesen, wenn du dein Leben in selbstsüchtigem Bestreben, deinen Liebsten zu retten, vergeudest?! Ich denke ja wohl nicht!"
      Nachdem er gesagt hatte, was zu sagen war, wandte er sich um und stolzierte über eine Wurzel hinweg, an der er abrutschte und beinahe stolperte.
      "Und ja, wir sind jetzt beim "Du", Rindendreck und Honigfäule! So eine Impertinenz..."
      Nachdem der Erzmagier ausser Hörweite stolziert war und stetig weiter fluchte, grinste Farryn und schniefte.
      "Es ist seine Art zu sagen, dass er krank vor Sorge war. Meriels Tempel ist gefährlich auf seine eigene Art. Nützlich, aber gefährlich. Was sagen deine Wunden?", fragte sie und grinste breit.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Liebe...dachte Viola. Liebe macht die Menschen blind, taub und oftmals dumm.
      Schreckliche Kriege waren in der Vergangenheit im Namen der Liebe erhoben worden. Kein anderes Gefühl brachte gleichzeitig so viel Leid und Glück hervor. Menschen mordeten und starben zu ihren Ehren. Liebe konnte einen Menschen klarer sehen lassen als je zuvor oder ihn in den Wahnsinn treiben. Der Verlust war mit keinem Schmerz der Welt vergleichbar.
      Viola ertrug den abschätzigen Blick ihres Mentors mit Fassung, während er sie belehrte wie ungehorsames Kleinkind. Hatte sie selbst Schuld daran? Sicherlich. Sprach Sylvar die Wahrheit? Natürlich. Aber nichts davon machte die Situation erträglicher.
      Als Sylvar kurz pausierte, wollte sie schon das Wort erheben, da beugte sich der Magier tief hinunter. Grimmig presste sie die ähne zusammen und entschloss sich vorerst den Mund zu halten. Ihr Blick schweifte über die beiden anderen Elfen, die ebenfalls arg mitgenommen aussahen.
      Mit aller Würde, die sie in ihrem triefnassen Zustand aufbringen konnte, hielt die junge Frau das Kinn erhoben. Aber der Erzmagier hatte recht, so ihrer Wut gesellte sich ein reuevolles, schlechtes Gewissen. Bevor sie den Mund öffnen konnte, war Sylvar stolpernd und fluchend in den Wirrungen des Tempels verschwunden. Viola seufzte gedehnt, auch wenn bei seinen letzten Worten ein Lächeln drohend an ihren Mundwinkeln zupfte.
      "Ich bin keine blutige Anfängern, verdammt noch eins...", murmelte sie und rieb sich mit den Händen über die eiskalten Arme. "Vor ein paar Wochen noch habe ich Gliedmaßen amputiert und blutige Wunden mit Nadel und Faden genäht. Ich wäre nicht verblutet. Zum Himmel, ich weiß wie man ein Messer benutzt."
      Mit klappernden Zähnen ließ sich Viola auf einer der moosbewachsenen Stufen nieder und krümmte sich zusammen, um das bisschen Wärme das sie noch hatte, bei sich zu behalten. Die Luft war zwar warm, fast schon stickig, aber die Kälte des Wassers hatte sich tief unter ihre Haut gegraben.
      Beinahe hätte sie Farryn geantworte, dass Sylvar sich seine Sorgen hinstecken konnte, wo das Licht nicht hinscheint. Stattdessen atmete sie tief durch und ließ den Ärger verrauchen, bevor sie tatsächlich noch etwas sagte, dass sie bereute.
      "Mir geht es gut.", antwortete sie knapp und erinnerte sich daran, dass Farryn nichts für ihren aufgewühlten Geist konnte.
      Mit den Fingerspitzen einer Hand fuhr sie über die wohl neueste Narbe in ihrer Sammlung. Die hatte sie wirklich durch ihre eigene Dummheit verdient. Wieder ein seufzten.
      "Nein, eigentlich geht es mir nicht gut. Meine Wunden sind verheilt aber...", seufzte sie und ließ die Stirn auf die angezogenen Knie fallen. "Ich fühle mich leer, ausgebrannt...und ich werde diese verfluchte Angst nicht los. Sylvar hat recht. Das war dumm und selbstsüchtig. Es tut mir leid. Der ganze Ärger..."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Farryn und Eyrik

      Beide Elfen setzten sich bequemer auf die wuchernden Wurzeln und seufzten. Die Momente der Ruhe waren rar gesäht, wenn Sylvar und Andvari beteiligt waren. Zumeist zogen sie den Ärger an wie der Haufen eines Omnirons die Fliegen. Eyrik strich sich mit den Fingern durch die Haare und zwirbelte seinen Bart ein wenig. Eine Angewohnheit, die er seit dem ersten Tag mit Andvari besaß.
      "Lass ihn noch etwas im Wasser ruhen", murmelte der Barde und zog seine Laute vom Rücken.
      Sie war ein schönes Gerät. Aus Kirschholz gefertigt und mit Mithrilsaiten bezogen, sodass diese nur reißen konnten, wenn man ein stärkeres Material fand. Eyrik legte seine schlanken Finger an das Griffbrett und begann leise an den Saiten zu zupfen, während er sprach.
      "Mach dir keine Gedanken", murmelte er. "Es war kein Ärger. Es war mal wieder eine erfrischende Abwechslung zu einem entbehrungsreichen Leben, nicht wahr, Farryn?"
      "Sprich für dich selbst, du Wahnsinniger!", fauchte die Elfin und verschränkte die Arme vor der Brust. Aber auch ihre Miene wurde sanfter, als sie Viola ansah. "Angst ist kein Hindernis, Viola. Angst haben wir alle. Wir haben alle panische Angst vor dem Tod und vor VErlusten. Ich habe Angst, meinen Cousin an ein Monster zu verlieren und ich weiß mit ziemlicher Sicherheit, dass Andvari mindestens genauso fürchtet, dich zu verlieren wie du ihn. Dir ist schreckliches widerfahren und ein Überwinden kommt nicht von heute auf morgen. Und jetzt erkläre mir bitte, wo ich was zu saufen finde, bevor ich mich selbst anekele, ja?"
      Die säuselnde Sprache war so gar nicht mit der Ader auf ihrer Stirn vereinbar, die sich bildete.
      Eyrik seufzte und stimmte ein Lied an.
      "Du hast ein Probleeeeeeeem....Kein Alhokooool ist auch keine Löösung...", krächzte er, beendete den Satz jedoch in der Sekunde als Farryn ihm einen eisigen Blick zuwarf.
      "Wo hast du das denn wieder her?"
      "Was soll das heißen?! Natürich habe ich es selbst geschr- Na gut. Eine Kapelle namens die Toten Kisten, oder so. Der Sänger hieß Zampano und wir haben einen zu viel getrunken."
      "Freilich...",seufzte Farryn und sah Viola wieder an. "Mach dir keine GEdanken mehr. Ruh dich aus und genieß den Tempel. Der alte Mann wird sicherlich wieder zu uns stoßen wenn er sich beruhigt hat."

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      The more you drag me to hell
    • Viola

      Zögerlich tauchte das Gesicht der Heilerin aus seinem Versteck an ihren Knien auf.
      Der Blick wanderte von Eyrik zu Farryn. Die Selbstverständlichkeit, mit der die beiden Elfen ihr begegneten, überraschte Viola immer wieder aufs Neue. Dennoch, die Freundlichkeit löste eine friedliche Wärme aus und sie fühlte sich nicht wie eine Fremde. Dankbar nickte sie den beiden zu und sah schließlich Farryn mit einem müden Grinsen an.
      "Ich bezweifle, dass sich unter irgendeiner Wurzel hier etwas Brauchbares finden lässt.", lachte sie zaghaft und fühlte sich damit seit Beginn des Kampfes ein wenig mehr wie sie selbst. Die düsteren Wolken in ihrem Kopf verzogen sich langsam. Viola vermied es näher auf ihre Vergangenheit mit Vaeril einzugehen. Die Stimmung hatte sich gerade beruhigt und einen leichteren Ton angeschlagen.
      Neugierig beobachtete sie den Barden, der auf den Saiten seiner Laute zupfte und versuchte sich daran zu erinnern, wann sie das letzte Mal bewusst den Klang von Musik wahrgenommen hatte. Schmunzelnd lauschte sie den mehr oder weniger freundlichen Neckereien ihrer neuen Verbündeten. Die Schwerter schienen wirklich ein merkwürdiger und bunt zusammen gewürfelter Haufen zu sein. Da machte eine Menschenfrau unter ihnen wohl auch keinen Unterschied mehr.
      Als Farryn sie erneut ansprach, richtete sie sich ein wenig auf und streckte die Beine ächzend von sich.
      "Sylvar hat mich unter seine Fittiche genommen, als wir in Ketten gelegt nach Tirion geführt wurden.", seufzte und ließ ihren Blick über das Senkbecken schweifen, in dem Andvari friedlich und still im Wasser ruhte. "Und ich zahle es ihm zurück indem ich mich wie eine undankbare Göre verhalte und das Wissen, das er mich gelehrt hat, missbrauche."
      Viola schüttelte den Kopf und versuchte sich ein einem Lächeln, als sie zu Eyrik sah.
      "Würdest du etwas spielen?", fragte sie vorsichtig mit einem entschuldigenden Seitenblick zu Farryn. Sie schien bisher wenig angetan. "Ich habe seit Ewigkeiten keiner Musik mehr lauschen können."
      Der Erschöpfung ihres Geistes und der Schwere ihres Körpers nachgeben, ließ sich Viola auf der breiten Stufe nieder. Sie hatte schon auf anderen wesentlich unbequemeren Böden geruht. Sie drehte sich auf die Seite, den Kopf auf ihren Armen gebettet und die Beine an den Körper gezogen. Das Zittern hatte nachgelassen und sie schloss die Augen, ohne die Antwort des Barden abzuwarten.
      “We all change, when you think about it.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Eyrik und Farryn

      Farryn grinste breit, als Viola ihre Aussprüche tat und seufzte.
      "Nie findet man etwas zu saufen, wenn mane s braucht, ich sags euch!", kommentierte sie und zuckte die Achseln. "Davon abgesehen...Sylvar hatte schon wesentlich anstrengende Schülerinnen und so wie er zwischenzeitlich von dir schwärmt wenn du nicht hinhörst, ist es schon beängstigend. Und ich meine, ungewöhnlich ist es allemal...Du bist ein Mensch, der magisch begabt ist. Das hatten wir selten. Zumeist ist die Menschenmagie, sofern vorhanden, recht schwach. Und du wirst vom Erzmagier unterrichtet, weil er Potenzial in dir sieht. Ich meine...Was willst du mehr?"
      Ein leichtes Kichern umspielte ihre Worte während auch die Kämpferin ihren Kopf an eine mächtige Baumrinde legte und die Augen schloss.
      "Ja, sie hat Recht! Spiel, Barde! Und nichts versautes!"
      Eykrik musste grinsen, als er Violas Wunsch hörte und nickte. Er beschloss, ein ruhiges Stück anzuschlagen und begann, die Saiten sacht zu zupfen. Immer im Wechsel erklangen die Töne von Tief zu Hoch und immer schneller werdend, bis sie eine merkwürdig passende Melodie ergaben. Er zumindest fand sie passend, als er langsam die Stimme erhob.
      "
      Jetzt ist es still, du liegst bei mir
      und nichts muss ich dir sagen.
      Wir kreisen um denselben Stern,
      von Schwerkraft fort getragen.

      Jetzt ist es still, du liegst bei mir,
      nur einen Wimpernschlag weit fort
      und doch so unerreichbar fern
      für jede Geste, jedes Wort.

      Du kennst den Schmerz in meinem Bauch,
      die Fäden, die sich um mich ziehn,
      sind zu verwirrt um zu entfliehn,
      doch meine Sehnsucht kennst du auch."

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      The more you drag me to hell
    • Viola


      Verlegenheit spiegelte sich in ihrem Gesicht wieder, während sie Farryn zuhörte.
      "Ich danke dir sehr, Farryn.", lächelte Viola ehrlich.
      Ein Lächeln, das seit Langem endlich wieder bis in ihre grünen Augen reichte, wenn sie nicht schon geschlossen wären.
      "Ein alter Freund aus der Heimat sagte einst: Menschen sind gierige Wesen. Je mehr wir haben desto mehr wollen wir. Es ist nie genug. Vielleicht war die Zurechtweisung dringend notwending, damit ich nicht vergesse wer ich bin. Es fällt mir schwer, mich an die Frau zu erinnern, die ich war, bevor ich diese Lande betreten habe. Sylvar sagte ich soll keinen Schuldigen suchen, aber ich werde eine Weile brauchen diese nicht bei mir zu suchen. Im Augenblick bin ich nur erleichtert, dass wir alle noch an einem Stück sind. Wir leben und das sollte mir eigentlich genug sein. Ich kann besser sein, morgen, wenn ich mich nicht mehr fühle, als könnte ich die nächsten tausend Jahre durchschlafen."
      Es war nicht länger Ärger in ihrer sanften Stimme und Viola kicherte sogar leise in ihre Armbeuge.
      Sylvar war sicherlich ein strenger Lehrmeister, aber wenn sie recht darüber nachdachte, war er dennoch mit seinem Zuspruch nie knauserig gewesen. Dass er jedoch so große Stücke auf sie hielt, war Viola nicht bewusst gewesen. Wie blind und taub musste sie gewesen sein, wie egoistisch und auf ihre eigenes kleines Universum mit Andvari fixiert, dass sie alles andere ausblendete.
      Sie war Heilerin und hatte nicht einmal einen zweiten Blick and die Verletzung und die Erschöpfung der anderen Elfen verschwendet. Von allen Dingen und allen Tugenden, die sie gelehrt worden waren, hatte sie keiner Beachtung geschenkt. Die alten Lehrmeister ihres Ordens schämten sich vermutlich gerade in Grund und Boden. Aber sie hatte nicht die Kraft, sich noch einmal aufzusetzen. Die ausgeschöpfte Aura und das fehlen ihrer Habseligkeiten machten es ihr sowieso unmöglich noch etwas Nützliches zu bewerkstelligen.
      Morgen, dachte Viola und ließ sich von der sanften Melodie der Laute und dem beruhigenden Plätschern des Wassers in einen friedlichen Dämmerzustand tragen. Die Verse klangen wunderschön aber gleichzeitig auch traurig. Eyriks Lied geleitete sie mit jeder Silbe in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Selbst für Träume war sie so erschöpft.
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    • Die Elfen-Connection

      Farryn musste grinsen, während sie die Augen schloss und innerlich an ihre Heimat und die Ausläufer des gewaltigen Gebirges dachte. Schweigend seufzte sie an der Ringe, während Eyriks Lied sie regelrecht umfing und verwoben durch die Welt trug. Der Tempel uns sein umliegendes Gelände war so herrlich friedlich, dass man die Schlacht, die sie vor einigen Stunden noch geschlagen hatten, beinahe vergessen konnte.
      Sie fuhr sich durchs Haar und blickte Viola an.
      "Elfen sind auch nicht besser. Wir halten uns für das reine, das schöne Volk und letzten Endes bringen wir Wesen wie Vaeril hervor, die zum untersten Abschaum der Welt gehören, wenn du mich fragst. Ich denke, Menschen und Elfen tun sich nicht viel, wenn es um die Notwendigkeit der Ausdehnung geht. Wir wollen alle mehr als gut für uns ist."
      Farryn grinste, während sie VIola beim Einschlafen zusah.
      "Man muss nicht immer besser sein. Manchmal reicht es vollkommen aus, das zu sein was man ist. In deinem Fall ein leidenschaftlicher Mensch und eine talentierte Zauberin. Mehr brauch es nicht."
      Sie nickte zu ihren eigenen Worten, während Eyrik mehr und mehr der strophen sang. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass sie das Lied kannte. Klangen derartig melodramatische Bardenstücke nicht alle gleich?
      Aber auch wenn es grob und ungeschliffen erschien, so war die Musik in Kombination mit der Umgebung des Tempels mehr als beruhigend und beinahe einlullend.
      Während Viola sanft in den Schlaf sank, sah Farryn nochmals nach Andvari, der noch immer im See heilte und wundersamerweise nicht unterging, ehe auch sie die Augenschloss.

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      The more you drag me to hell
    • Viola

      Als Viola die Augen öffnete, war es unmöglich für sie zu sagen, wie viel Zeit vergangen war. Die Lichtverhältnisse hatten sich kaum verändert, aber es war ein wenig kühler geworden. Vermutlich sahen sie bald der Dämmerung und den Abendstunden entgegen.
      Vorsichtig, um nicht von ihrem ungewöhnlichen Schlafplatz auf der breiten Stufe zu fallen, setzte sich Viola auf und fuhr sich mit der Hand über die müden Augen. Zuerst erblickte sie Farryn, die noch immer an Ort und Stelle an knorrigen Wurzeln lehnte. Die grimmigen Kriegerin wirkte beruhigt und entspannt auf die Heilerin. Wie Eyrik, der ihr gegenüber friedlich mit seiner Laute im Schoß saß, schien auch sie der verlockenden Ruhe des Tempels verfallen zu sein. Viola beobachtete die schlafenden Elfen für einen Augenblick. Die innere Unruhe war verschwunden. Sie fühlte sich geborgen und schöpfte neue Kraft, auch wenn sich ihr Körper noch immer schwer anfühlte.
      Achtsam um keinen Schwindel zu riskieren, kam sie auf die Füße. Beiläufig schob sie die mittlerweile trockenen Haare von ihren Schulter und senkte das Kinn. Tatsächlich die rötliche Linie war noch da, ein wenig blasser, aber unübersehbar. Mit den Fingerspitzen zog sie den Schnitt vom Schlüsselbein bis zur Brust nach. Notdürftig bedeckte sie die Haut mit der ramponierten Kleidungsstück und ging zum Senkbecken herüber, bedächtig über die verschlungenen Pfade aus Wurzeln.
      Andvari rührte sich nicht sondern trieb noch immer friedlich in der mystischen Quelle. Aber die Heilerin war nicht länger beunruhigt oder gar ängstlich über seine Regungslosigkeit. Alles brauchte seine Zeit. Einen langen, stillen Augenblick kniete sie am Ufer. Aus den umliegenden, sumpfartigen Wäldern trug der seichte Wind das abendliche Gezwitscher von Singvögeln herüber. Viola sah auf ihre Hände und rieb die Fingerspitzen aneinander. Ihr Körper wirkte erholt, aber die Schwere rührte von etwas anderem. Jeglicher Funken magischer Aura fehlte, sie spürte nicht das kleinste Bisschen. Der furchtbare Gedanke mit mehr als nur ihrem Blut gezahlt zu haben, beschlich sie. Vielleicht war das die Strafe für ihre Anmaßung. Sie versuchte sich darüber nicht zu sehr den Kopf zu zerbrechen. Denn auch hier galt, alles in seiner Zeit.
      Viola kam wieder auf die Beine und bewegte sich auf bloßen Füßen über Wurzeln und Moos tiefer in die Wirrungen des Tempels. Ehrfürchtig blickte sie zu den verfallenen Statue hinauf, die auch ohne erkennbare Gesichtzüge noch wunderschön war. Diesen Ort hatte sicherlich noch nie ein Mensch betreten. Und bereits die Erste des Menschenvolkes suchte den Tempel aus selbstsüchtigen Beweggründen auf. Was für ein wunderbares Beispiel sie doch für ihre Art war, dachte Viola mit betrübter Miene.
      Zögerlich setzte sie ihren Weg fort hinauf zu den imposanten Säulen aus weißem Stein und von großem Efeu umschlungen.
      Von Sylvar fehlte jede Spur und sie hätte auch gar nicht recht gewusst, wie sie ihm unter die Augen treten konnte. Farryn Worte mochten der Wahrheit entsprechen, aber das änderte nichts an ihrer Scham. Seufzend lehnte sie sich an eine der Säulen und blickte herauf in den Himmel, immerhin gab es hier kein gewaltiges Dach. Wie lange war sie durch den Tempel gewandert? Tatsächlich verfärbte sich das Blau langsam in ein warmes, rötliches Licht.
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    • Elfen

      Während Eyrik und Farryn langsam dem Schlaf entwichen und sich reckend und streckend umsahen, fiel ihnen auf, dass der Erzmagier länger nicht bei ihrem Lager gewesen war.
      Sicherlich war Sylvar kein Zauberer, der Hilfe bedurfte, wie man eindrucksvoll auf dem Platz hatte sehen können. Jedoch und vielleicht gerade deswegen neigte er zu Ärger, weshalb man zumindest ein Augeauf ihn haben sollte.
      Andvari regte sich langsam im Wasser und da sie Viola nicht an ihrem Platze vorfanden, eilten die Gefährten zu ihm, um ihn an das moosbewachsene Ufer zu bringen, das seine Gegenwart regelrecht willkommen hieß. Sachte sprossen neue Gräser um seinen Leib herum, als er die bloßen Füße auf das Unterholz setzte. Sein Körper wirkte ausgezehrt und müde, aber die Wunden waren verblasst und bluteten nicht mehr. Feucht tropfte das kalte, klare Wasser von seiner Brust und offenbarte nur zwei rosarote Schnitte, die von den Verletzungen sprachen. Seine Augen indes waren vollständig geheilt. Andvari strich sich durchs Gesicht und sah seine Mitstreiter lächelnd an, ehe er zu sprechen anhob.
      Seine Stimme glich einem rauen Reibeisen, aber sie war kräftig.
      "Danke...Für die Rettung", murmelte er und ließ sich hinaufziehen um den letzten Rest des Wassers bei sich zu halten. Doch wundersamerweise trocknete die Kleidung just in dem Moment, als er dem Wasser entstieg.
      "Wo ist Viola?" , fragte er und blickte sich demonstrativ im Tempel um. Er konte sie nicht fühlen, so sehr er seine Aura auch auf die Reise schickte.
      Farryn zuckte die Achseln und Eyrik scuhte ebenfalls demonstrativ.
      Doch außer einer wilden, wuchernden Schönheit des Grastempels fanden sie nichts von der jungen Frau.

      Sylvar indes war ins Allerheiligste vorgedrungen und besah sich des Tempels und der Wandmalereien, die man hier verewigt hatte. Sie sprachen von Liebe, Rücksicht und Hilfe. Und alles kam mit einem Preis. Seine schlanken Finger fuhren über die Erhebungen der Steinbuchstaben, während seine Lippen tonlos mitlasen, was er fühlte. Sein Stock schlug einen monotonen Rhythmus während er die GÄnge des ehemaligen Tempels ablief und seine Aura auf Wanderschaft schickte. Der Ort pulsierte vor inhärenter Magie und machte es schwierig einen genauen Rhythmus zu finden. Die moosbewachsenen Säulen und Gänge erschienen ihm drückend und beängstigend. Selbst das Gesicht der Meriel, das über und über auf den Reliefs zu finden war, wirkte hier mehr denn je bedrohlich.
      Es dauerte eine Weile, bis er sich zum Rückweg entschied und auf den Säulengang geriet, an dem eine schlange Gestalt an einer Säule lehnte.
      "Ich sehe, du hast die Schönheit des Tempels erblickt", bemerkte er schwach grinsend und wanderte langsam auf sie zu.

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    • Viola

      Ein rhythmisches Klopfen auf Stein kündigte Sylvar an, noch bevor sie ihren Blick suchend nach dem Ursprung wandern ließ.
      Er sah müde aus, dachte Viola still. Langsam stieß sie sich von der Säule ab und kam ihm ein Stück entgegen. Kurz glitt ihr Blick über seine Gestalt, die ebenso ramponiert aussah, wie sie alle. In einer nervösen Geste rieb sie sich über die entblösten Unterarme, als wäre ihr kalt. Bei seinen Worten richtete sich ihr Blick durch den Säulengang. Unter dem Efeu verborgen erkennte sie fremde Schriftzeichen, kaum erkennbar und von den Wurzeln der Kletterpflanzen in Mitleidenschaft gezogen. Die hohen Säulen überragten die wandernden Besucher der Tempels wie stumme Wächter. Viola nickte sachte und blieb schließlich stehen, als sie den Magier erreicht hatte.
      "Ich konnte nicht mehr schlafen.", murmelte sie bedächtig
      Von Nahem erlaubte sich die Heilerin, falls sie sich noch so nennen konnte, einen weiteren Blick über die Verfassung ihres Mentors.
      "Sylvar, ich...", begann sie und hielt dennoch mit einem schweren Seufzen kurz inne, ehe sie weitersprach. "Verzeih mir, bitte. Es tut mir so unfassbar leid. Du hast recht. Mit allem, was du dort zu mir gesagt hast. Es war fahrlässig und vollkommen ungehörig."
      Viola ließ die Hände von ihren Armen an die Seite fallen, wo sich ihre Finger kurz zu Fäusten krümmten.
      "Ich war so fokussiert auf Andvari, dass ich vergessen habe, dass ihr alle Spuren des Kampfes davongetragen haben. Jeder Einzelne. Andvari hat mir von Ayla erzählt und von dem Siegel. Ich war so fixiert auf mein eigenes Trauma und meine Ängste, dass ich nichts anderes mehr wahrgenommen habe. Dieser Mensch dort, das bin ich nicht. Ich habe das Gefühl, deine Erwartungen enttäuscht zu haben."
      Demütig senkte Viola den Blick und starrte auf ihre Hände. Sie fühlten sich immer noch eiskalt an, als könnten sie keine Wärme halten.
      Zögerlich ging sie einen weiteren Schritt auf Sylvar zu und traute sich nicht aufzusehen, als sie die Hand federleicht auf seinen Arm legte.
      Der Damm schien gebrochen und aus Viola sprudelten die Worte heraus, wie aus einer Quelle.
      "Ich bin mit der Erwarung zu sterben in die Lande gekommen und habe stattdessen eine neue Familie gefunden.", murmelte sie leise. "Ich weiß nicht ob ich es aushalte, noch einmal eine Familie zu verlieren. Es macht mir furchtbare Angst und ich weiß nicht ob ich all dem hier gewachsen bin. Aber ich habe dabei vergessen, dass ihr alle bereits viel länger lebt als ich und viel mehr erlebt habt. Du bist mein Freund, Sylvar. Mehr als noch mein Mentor und ich war heute eine sehr schlechte Freundin. Und ich will nicht noch respektloser erscheinen, aber bitte ertrag es einen Augenblick."
      Viola trat an Sylvar heran und schlang hauchzart die Arme in einer freundschaftlichen Geste um den Elf. Zur Besänftigung ihrer eigenen Frucht, aber auch für den Elf, der ein schweres Trauma in sich trug, wie auch sie selbst. Es dauerte nur wenige Sekunden vielleicht auch eine Ewigkeit, je nach Blickwinkel, da trat sie schon wieder zurück rieb sich über die brennenden Augen.
      "Sylvar? Ist möglich seine Magie zu verlieren?", murmelte sie.
      “We all change, when you think about it.
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    • Sylvar

      Der Erzmagier wirkte ein wenig entrückt, als er näher kam und sich Violas Entschuldigung anhörte. Es war nicht so, als dass er nicht verstehen konnte, was sie durchmachte. Er selbst hatte die Angst des Verlustes so viele Male überdeutlich gespürt, dass sie ein alter Vertrauter geworden war. Und doch musste auch Viola von den Menschen eine wertvolle Lektion lernen. Eine Lektion, die er selbst nie lernen konnte...
      "Gräme dich nicht", murmelte er, während er ihre sanfte Geste der Umarmung zuließ und sogar eine schlanke Hand auf ihren Rücken legte, um leicht darauf zu klopfen.
      Der Tempel der Meriel begleitete dies Schauspiel mit stummen Geknarze von Holz und leichtem Plätschern von wasser, dass in der klaren Luft lag. Und während die beiden Zauberer sich kurz und dennoch innig im Arme hielten, blickte Sylvar auf und betrachtete noch einnal die steinernen Reste eines gottlosen Tempels, den er Viola nicht offenbaren konnte. Der Preis war zu hoch, nicht wahr?
      "Es gibt nichts zu verzeihen. Die ANgst, geliebte Menschen oder Wesenheiten anderer Natur zu verlieren, ist natürlich für jede Kreatur unter dem Himmel. Ein Jeder kennt diese Angst und dennoch sollten wir uns nicht von ihr beherrschen lassen. Ich tat dies, Viola. Ich ließ mich von Trauer und Frust leiten und wurde das Monster, das du heute gesehen hast. Ich bin weder stolz darauf noch gestehe ich mir ein,m dass ich es kontrollieren könnte wenn ich wollte. Angst, meine Liebe, ist ein stärkeres Gift als das Gift selbst. Und auch wenn du glaubst, meine Erwartungen nicht erfüllt zu haben, so kann ich dir verscihern: Hast du nicht."
      Er sah sie lächelnd an, als er sich weider von ihr löste.
      "Angst ist versständlich und sorgt dafür, dass wir vorsichtiger sind. Aber Angst, die zu Leichtsinn führt, tötet jede neugierige Katze allzu schnell...Und da wir schon von Freunschaften und guten wie schlechten reden. Ich war auch kein guter Freund soeben. Also nimm auch meine Entschuldigung. Es war nicht recht, dich derartig anzufahren."
      Für einen Moment erstaunte der Zauberer jedoch, als sie ihre letzte fRage stellte.
      Und es gab so viele Antworten darauf...
      "Ich würde sagen, dass es nicht wirklich möglich ist. Magie ist kein Zustand, den man erhält oder verliert. Es ist ein Erbe, eine Fähigkeit. Es ist jedoch möglich, Magie zu versiegeln, jawohl...", murmelte er und sahs ie dann fragend an. "Warum fragst du?"

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    • Viola

      Etwas Tröstliches lag in dem federleichten Gewicht der Hand auf ihrem Rücken.
      Viola wusste nicht, wie sie reagiert hätte, wenn der Erzmagier mit Abweisung aus der vertrauten Geste geflüchtet wäre. Aber sie hatte das untrügliche Gefühl gehabt, dass sie beide den Zuspruch und die versichernden Worte bitter nötig hatten. Kopfschüttelnd sah sie deshalb zu Sylvar auf, als sie sich wieder mit ein wenig Abstand gegenüber standen.
      "Es ist längst alles verziehen, mein Freund.", sagte sie mit nichts als Ehrlichkeit in den Worten. "Aber ich denke die Standpauke habe ich dringend benötigt. Jemand musste meinen Kopf zurechtrücken. Ich weiß nicht, wie weit ich gegangen wäre. Also. Danke."
      Viola schob sich verunsichert eine Haarsträhne hinter das Ohr und ließ den Blick durch den Ruinen des Tempels wandern. Die Erläuterungen zu der Möglichkeit eines Verlustes der eigenen magischen Aura beruhigten die Heilerin ein wenig. Vielleicht war also nicht alles verloren. Mit bedächtigen Schritten näherte sie sich einer von Efeu berankten Säule und ließ ihre Fingerspitzen über die dunkelgrünen Blätter wandern. Es war nicht von der Hand zu weisen, dass sie die Magie des Tempels noch deutlich spüren könnte. Wäre ihre eigene Aura unwiderruflich verloren, wäre sie sicherlich dazu nicht in der Lage. Die Tragweite ihrer Handlungen war für Viola noch ungewiss. Vielleicht hatte die Göttin in ihrer Weisheit beschlossen, ihr ebenfalls eine Lektion zu erteilen.
      Viole reckte das Kinn und blickte die Säule hinauf bis sie nur noch die raschelnden Baumkronen und ein paar Flecken Himmel entdecken konnte.
      "Das ist diese Leere. Ich spüre sie am ganzen Körper, als hätte ich nicht mehr einen einzigen Funken Magie im Leib.", erklärte sie mit unsicheren Worten. Dieses Gefühl des Nichts zu beschreiben, gestaltete sich als schwierig. "Götter sind nie eine Macht gewesen, an die ich geglaubt habe. Weder an die Götter der Menschen, noch die fremder Völker. Nicht nachdem was meiner Familie widerfahren ist. Nachdem du mich zurecht gewiesen hast, hat ich der Gedanke beschlichen, dass womöglich diese Leere eine Strafe für meinen Egoismus ist."
      Seufzend blickte sich die Heilerin zu Sylvar.
      "Allerdings habe ich das erste Mal die Kräfte von Dandelost beschworen. Ohne jegliche Übung. Die Klinge hat mir buchstäblich jeden Tropfen Magie entzogen. Also kann ich nur hoffen, dass sich die Quelle regeneriert oder ich werden das Schwert nicht mehr einsetzen können."
      Und welchen Nutzen hatte sie dann noch als Erstes Schwert auf dem Schlachtfeld?
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar

      Der Erzmagier lächelte, während sie sprach und folgte ihr langsam, wobei der Stock einen immerwährenden Rhythmus auf dem Boden klopfte. Die Steine zu seinen Füßen erschienen ebenmäßig und dennoch spürte er die Kanten und Ecken dieser Bewegungen. Als wäre alles hier eine große LEktion. Und eine, die Viola bereits gelernt hatte.
      "Vermutlich wärest du weiter gegangen als jeder andere", beschloss Sylvar und grinste dabei. Es gab eine Zeit, da war er ebenso gewesen und Ayla hatte ihn gemaßregelt.
      "Eine Leere", begann er erneut und trat neben Viola. "Eine Leere ist niemals eine Strafe. Sie ist in den allermeisten eine Lektion und in wenigen eine Folge. Die magische Aura ist kein Arsenal, das sich beliebig oft auffüllen lässt, wenn wir den Kelch ausleeren. Und gerade, wenn das magische Reservoir bereits den ganzen Tag über beansprucht wurde, erscheint es mir nicht ungewöhnlich, dass du eine Art Erschöpfungserscheinung durchlebst. Wie du siehst: Es ist nicht alles mit den Göttern verbunden, auch wenn wir oftmals das Heil darin suchen. In diesem Falle ist es einfach Wissenschaft. Dandelost ist ein mächtiges, magisches Artefakt und mehr als besonders in einer Umgehensweise. Ein Schwert, das beschützt ist selten. Und schau, wie viele von den Schattengeistern du zurückhalten musstest. Es ist in meinen Augen normal, dass du dich ausgelaugt und erschöpft fühlst. Eine Rast wird es richten, vertraue mir."
      Das Grinsen war in das Gesicht des Elfen zurückgekehrt, als dieser sich auf den Weg zu den anderen machte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Bedächtig lauschte Viola den Worten.
      Die Erläuterung des Erzmagiers beruhigte die junge Frau sichtlich und milderte die tiefe Besorgnis, nicht länger von Nutzen zu sein. Auch wenn keiner der Elfen sie als Mittel zum Zweck betrachtete. Viola hatte endlich den Mut und die Kraft gefunden, für sich selbst einzustehen und sich nicht vor den Schatten ihrer Vergangenheit zu verstecken, wie eine verängstigte Maus. Zu wissen, dass sie sich aus eigener Kraft wehren konnte, verlieh ihr mehr Selbstsicherheit. Andvari würde nicht ständig ein Auge auf sie haben müssen, wenn er wusste, wozu sie in der Lage war. Trotzdem war der Gedanke gewiss, dass er sich dennoch sorgte und um sie zu beschützen unnötige Risiken einging. Die Vorstellung war tröstlich wie beängstigend. Beide konnten nicht zulassen den jeweils anderen zu verlieren.
      "Dandelost existiert um die Lichtrufer zu schützen. Ich glaube zumindest, dass Andvaris Großvater diese Absicht hegte. Allerdings begreife ich nicht, woher die Bedingung des Schwertes rührt. Ein gebrochenes Herz zu lieben, setzte nicht bedingungslos voraus, dass es sich dabei um den erwählten Lichtrufer handelt. Oder rechnete der Schmied bereits damit, dass seinen Nachfahren ein schweres Leben vorher bestimmt war?", seufzte Viola und setzte den ersten Fuß auf die mit Moos begrünte Steintreppe.
      Die Dämmerung tauchte den mit Quellwasser gefluteten Bereich in ein wunderschönes Lichtspiel aus den unterschiedlichsten, warmen Farbtönen. Rötliche schimmerte das Wasser in den verschlungenen Senkbecken, als würde ein Feuer unter der Oberfläche glühen. Der ganze Ort wirkte in diesem dämmrigen Licht mystischer als je zuvor.
      Als Erstes entdeckte die Heilerin ihre neuen Verbündeten Farryn und Eyrik. Beide schienen ein wenig erholter und waren schon wieder auf den Beinen. Hoffentlich hatte sich niemand zu große Sorgen gemacht, da sie einfach heimlich verschwunden war. Bei der nächsten Stufe hielt sie plötzlich still. Bei den beiden Schwertern stand Andvari. Lebendig und auch eigenen Füßen. Viola konnte nichts dafür, als sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete. Die glückliche Erleichterung über den Anblick übertrumpfte jeden schweren Gedanken. Kurz warf sie einen Blick über die Schulter zu Sylvar und blickte ihn beinahe schon entschuldigend an, ehe sie herumwirbelte und ihren Platz an seiner Seite verließ. Die Schritte über die breiten Stufen beschleunigten sich, achtsam nicht zu stolpern wie ein ungeschicktes Bauernmädchen. Ein Wirbel aus flammend, roten Haaren folgte ihr.
      Viola erreichte Andvari und ohne Zögern schloss sie ihre Arme um seine Seiten. Sie hatte sich nicht zurückhalten können, so erleichtert war sie ihn mit wachen Augen zu sehen. Das Haupt ruhte unter seinem Kinn, wobei sie sich auf die Zehnspitzen stellen musste, um den Größenunterschied zu überbrücken.
      "Tu das nie wieder," flüsterte sie und vergrub die Finger in dem ramponierten Wams.
      “We all change, when you think about it.
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    • Sylvar und der Rest

      Noch während sie über die Wurzeln stiegen und auf vermoosten Wege daherzogen, begann Sylvar zum Rhythmus seines Stockes zu erzählen.
      "Nun...Genau kann es keiner wissen, da Andvaris Großvater ein unglaublicher Eigenbrödler war. Ein Elf, der sich in den hintersten Bergen verbarg und kaum ans Licht hervorkam. Da er ja auch selbst genügend hervorbringen konnte. Dandelion war - wie die meisten Lichtrufer wenn ich es so bedenke - Handwerker, Schmied, von Beruf. Und weshalb er ein derartiges Schwert schmiedete, weiß der Himmel, aber zumindest muss er geahnt haben, dass die Lichtrufer es schwer haben würden. Zumal sie ihn selbst aufknüpften, als ihn sein eigenes Weib verriet."
      Sylvar schloss die Geschichte, als sie durch einen kleinen Senkbogen gingen und den Geruch der frischen Quelle wahrnahmen. Farryn und Eyrik saßén an ihre Bäume gelehnt und zu seinem Erleichtern erblickte er auch Andvari inmitten seiner Freunde, wie er genüsslich in ein Stück Brot biss. Farryn indes begann schallend zu lachen, als sie näher kamen.
      "...Und ich sach zu ihm: Nee, aber dit kannste damit nich geradeziehen!"
      Eyrik und Andvari teilten ein schelmenhaftes Grinsene, ehe sie prustend loslachten. Als sie die Schrite der jungen Frau vernahmen, begannen beide, sich zu erheben, als es Andvari ebenso tat. Eine heranfliegende Viola drückte sich in die Arme des weißhaarigen Elfs, der sie grinsend empfing und lachte.
      "Könnte ich nur zurückgeben", murmelte er und küsste ihren Scheitel. "Ich bin froh, dass du lebst."
      Das Gefühl ihres schlanken Körpers in seinem Arm war richtig udn wichtig für ihn, gerade als er die Kälte des Wassers von sich abschüttelte.
      Er nickte Sylvar stumm zu als dieser näher kam und grinste breit. Der Erzmagier selbst begann schwach zu grinsen, ehe er zur Belustigung aller mit dem Stock abrutschte.
      "Ach vermaledeiter Unsinn!", keifte er und fing sich gerade so. "Nun...Nachdem ihr alle Wiedersehen gefeiert habt, kommt der Spielverderber: Was zum Donner tun wir jetzt? "

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Die Geschichte des Erzmagiers war noch nicht vollständig aus ihren Gedanken verschwunden, als Andvari den Arm um sie legte.
      Das Herz gebrochen durch den grausamen Verrat der Frau, die er liebte. Traurigerweise ergab das Wesen der Herzensschneide so tatsächlich einen Sinn. Andvaris Großvater, Dandelion wie die Heilerin nun wusste, hatte das Schicksal seiner Nachfahren unbewusst vorher gesehen.
      Federleicht küsste der Elf ihr Haupt und für einen Augenblick erlaubte sich Viola die Zweisamkeit zu genießen. Trotz der umstehenden Zeugen, die sie beobachteten. Es war mittlerweile beinahe selbstverständlich ständig jemanden um sich zu haben. Der Elf fühlte sich kühl unter ihren Fingerspitzen an, als wäre die eisige Kälte des Wassers noch nicht vollständig aus seinen Gliedern vertrieben. Ganz von allein bewegten sich ihre Hände über seinen Rücken in der Hoffnung etwas Wärme in ihren Gefährten zurückzubekommen. Seufzend schmiegte sie die Wange an seinen Hals, lauschte dem Rhythmus seines Pulses an ihrem Ohr. Bei den Worten stutzte sie leicht. Hatten Farryn und Eyrik bereits berichtet, was sie getan hatte?
      "Es geht mir gut. Etwas erschöpft. Warum glaubt jeder, ich hätte versucht mir...", begann Viola und sprach den Satz nicht zu Ende. "Ich bin nicht derjenige, dessen Herz kurzzeitig aufgehört hat zu schlagen. Du hast mir eine wahnsinnige Angst eingejagt."
      Ein furchtbarer Anblick musste es gewesen sein, als sie den Dolch gegen ihre Brust gepresst hatte, aber sie hatte nie die Intention gehabt, sich ernsthaft etwas anzutun. Hatte sie nicht, oder?
      Viola lockerte ihre klammernden Arme ein wenig damit sie in die bernsteinfarbenen Augen sehen konnte. Die Verbrennungen waren von der Quelle vollständig geheilt worden. Die Haut wirkte noch rosig und neu. Bald würde nichts mehr davon zu sehen sein. Ihr Blick fiel zu den verheilten, blassrosa Linien, die sich zu der verworrenen Karte aus Narben auf seiner Brust gesellt hatte. Seit der ersten Begegnung auf den Schlachtfeldern waren unzählige Narben hinzugekommen und das in nur wenigen Wochen.
      Unwillig auch nur einen unnötigen Zentimeter von Andvaris Seite zu weiche, drehte sie sich in seinem Arm um und lehnte sich sachte mit dem Rücken gegen seinen Brustkorb. Ein amüsiertes Lächeln umspielte ihre Lippen während sie Sylvar näher kommen sah. Aber das Lächeln verblasste zunehmend, sobald er sprach.
      "Der Rückschlag wird Faolan wohl kaum dazu veranlassen, seine Verfolgung aufzugeben.", murmelte sie. "Die Erzählungen über die Verwüstung und unser kleines Spektakel in Telerin werden sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Im Verborgenen zu reisen, wird irgendwann unmöglich werden. Das ganze Königreich wird bald wissen, das die Schwerter sich um den Lichtrufer sammeln."
      Die Heilerin legte leicht den Kopf gegen Andvaris Schulter zurück und blickte zu ihm herauf. Das Vorhaben rückte immer weiter in die Öffentlichkeit. Das eine Frau von den Menschen mit ihnen reiste, würde sich ebenfalls verbreiten. Sylvar hatte bei ihrem Aufbruch von der Lichtung bereits von Aufständen gesprochen. Die Unruhen würden sich nun weiter verbreiten.
      "Vielleicht sollten wir uns aufteilen. Auch wenn ich das im Normalfall für eine dumme Idee halten würde. Aber in kleineren Gruppen sind wir unauffälliger. Und wir wissen immer noch nicht, wie sich die anderen Schwerter aufhalten." Sie blickte zu Eyrik. "Und jemand muss nach deiner Kapelle, den Halblingen, suchen. Wir haben sie einfach in Telerin zurückgelassen."
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    • Elfen und Co. KG

      Farryn und Eyrik sahen den beiden bei ihrem Wiedersehen grinsend zu, auch wenn sie nach Violas Worten ertappt dreinblickten und beide zu einer jeweils anderen Seite auswichen. Eyrik pfeifte sogar eine Melodie, von der er dachte, sie wäre besonders unauffällig.
      "Die Hauptsache ist, allen geht es gut", murmelte Andvari grinsend und streichelte ihr weiterhin über den Kopf und genoß das Gefühl ihrer wundervollen Haare, die endlichw ieder ihr gewohntes Antlitz besaßen.
      Er umschlang sie mit seinen Armen und grinste breit, während die Umstehenden zu sprechen begannen. Alsbald würde dieser Frieden nun also enden. Eine traurige Vorstellung für den Weißhaarigen, der seine Aura das erste Mal wieder fühlen konnte. Er war schwach, aber durchaus in der Lage zu reisen.
      "Faolan wird sich nicht geschlagen geben", murmelte Andvari nickend. "Er ist eher der Charakter, der einen bitterböse verfolgen lässt."
      Farryn und Eyrik nickten, während Sylvar sich auf einem Stein niederließ.
      "NUn, der Vorschlag der jungen Dame ist durchaus nicht dumm", bemerkte der Erzmagier zu Viola gewandt. "Eine Trennung könnte uns helfen, die restlichen Schwerter zu finden. Soweit ich weiß, sind die Zwillinge zuletzt im Norden gesehen worden. UNd ohne die Hauptstadt zu passieren, werden wir dort nicht hingelangen."
      Andvari nickte auch hierzu und erhob wieder das Wort.
      "Wir haben bereits darübe rgesprochen", murmelte er.
      Farryn nickte.
      "Ich werde nach Norden gehen", bekannte sie. "Kenne da oben noch ein paar Zwergenstämme, die mir Bie-, ich meine GEfallen schulden! Dort kann ich nach den Zwillingen suchen. Doch wer sucht nach dem verrückten Oger?"
      Eyrik erbot sich, indem er die Hand hob.
      "Das kann ich erledigen. Meine Kapelle werde ich schon finden und die Reise gen Osten wird auch eine Weile dauern, aber ich bin zuverischtlich, den Oger zurückbringen zu können."
      "Sofern Hogav noch genügend Intelligenz besitzt", murmelte Sylvar.
      "Nun, ganz verdummt dürfte er noch nicht sein..."
      "Eine tolle Armee haben wir hier. Eine Trinkerin, einen schlechten Barden, einen halbirren Erzmagier, eine Menschenfrau, zwei verrückte ZWillinge und einen dümmer werdenden Oger. Ich freue mich", murmelte der Erzmagier und seufzte. "Wir sind dermaßen geliefert..."

      The more that I reach out for heaven
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    • Viola

      Nüchtern betrachtet erschien die neue Ausgangslage schon etwas verrückt.
      Die Legende über die Sieben Schwerter und ihre ergebene Treue den Lichtrufern gegenüber, hatte sich ursprünglich angehört, wie eine Erzählung über noble und edle Kriegshelden. Die Wirklichkeit dahinter war ein zusammen gewürfelter und chaotischer Haufen, der für Außenstehende sicherlich an Wahnsinn grenzte. Aber Viola war bereits Zeugin davon gewesen, das jeder Einzelne der bisher Anwesenden seinen Ruf redlich verdient hatte. Jedes der gefunden Schwerter war eine Klasse für sich und nicht zu unterschätzen. Sie hatten eindrucksvoll gezeigt, wozu sie in der Lage waren.
      Bei den Schlussworten des Erzmagiers schüttelte sie grinsend den Kopf und legte ihre Hände auf den Unterarmen ab, die sie umschlungen hielten. So gern sie ihre Magie nach ihm ausgestreckt hätte, um sich von seinem Wohlbefinden zu überzeugen. Es ging nicht.
      "Du wusstest, worauf wir uns einlassen, wenn wir Andvari befreien.", sagte sie ruhig mit einem Lächeln. "Ein Oger? Verrückte Zwillinge? Ich glaube, dass mich mittlerweile nichts mehr überraschen kann."
      Und es würde nicht bei den Sieben bleiben. Das Volk würde sich erheben, wenn die Zeit gekommen war. Andvari wollte das Blutvergießen beenden, weshalb Viola inständig hoffte, dass die Rebellion nicht zu viele unschuldige Opfer forderte. Ein Krieg mit einem anderen zu beenden erschien ihr nicht richtig, aber wohl oder übel notwendig.
      "Farryn geht nach Norden und Eyrik sucht den Oger? Die Frage ist, was tun wir?", fragte sie und sah von Sylvar zu Andvari, wobei sie sich eine rebellische Haarsträhne aus der Stirn pustete. "Wenn ich noch einen Vorschlag machen dürfte...? Wir sollten uns eine Zeit lang im Verborgenen halten. Andvari zu verstecken war schon zuvor schwierig genug. Und da ich mich nun nicht mehr verstecken kann, weil mein Amulett fort ist, kann ich wohl kaum eine Stadt betreten. Allerdings..."
      Mit einem Seufzen löste sich Viola aus der Umarmung und blickte sich mit einem Seufzen um.
      "Die Soldaten haben von verwaisten Dörfern der Menschen im Niemandsland gesprochen, die notdürftig wieder aufgebaut wurden. Flüchtlinge, Fahnenflüchtige und allerlei zwielichtige Gestalten beider Völker sollen dort angeblich Zuflucht suchen. Im Grenzland herrschte zuletzt eine brüchige Neutralität. Viele Menschen haben sich geweigert ihre Heimatdörfer zurückzulassen, weil sie nichts anderes besitzen und die Elfen haben sie gelassen, weil sie keine Gefahr sind. Es sind Bauern und Handwerker, Frauen mit Kindern deren Männer im Krieg gefallen sind. Keine Soldaten."
      Prüfend sah sie an ihrer Gestalt herab, ehe sie einen Blick zu Andvaris in Mitleidenschaft gezogene Kleidung sah und zu Farryn, die immer noch die verdreckten Fetzen am Leib trug.
      "Wir haben noch ganz andere Probleme. Keine Vorräte und nur die Fetzen die wir noch tragen. Die Leute werden uns anstarren wir Einhörner...", grinste Viola und legte den Kopf schief.
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    • Elfen Connection

      Die Elfen nickten zu ihren Vorschlägen und grinsten. Ein Plan war nicht schlecht in dieser dunklen Stunde. Vor allem wenn man bedachte, dass sie allesamt verfolgt wurden.
      "Über Kleidung für mich und Eyrik braucht ihr euch keine Sorgen zu machen", murmelte Farryn und stützte ihren Kopf träge auf die Hand. "Ich finde etwas auf der Reise. Und frisch erstarkt seht ihr uns wieder."
      Eyrik nickte zustimmend, während er wieder auf seiner Laute herumklimperte, die hier noch immer fehl am Platze wirkte.
      "Ich halte den Vorschlag, uns im Verborgenen zu halten für nicht schlecht", murmelte Andvari, wozu auch Sylvar nickte. "Wir könnten in die Menschendörfer gehen..."
      "Und riskieren, dass sie uns für Kriegsverbrecher halten?", fragte Sylvar mit einem Stirnrunzeln. "Wir können nicht davon ausgehen, dass sie uns freundlich gesonnen sind..."
      "Wir können aber auch nicht hierbleiben, Sylvar. Der Ort ist komisch und irgendetwas sagt mir, dass Faolan hier früher oder später auftaucht. Es wird nicht mehr lange brauchen, bis er die Raben schickt."
      "Die Raben wird er bestimmt schicken. Die Frgae ist, wollen wir das Menschen zumuten?"
      "Wir haben keine Wahl...Ich halte Violas Idee für die Beste!", bekräftete Andvari und nickte. "Die Frage ist nur, wo sind wir eigentlich? Also wo ist der Tempel der Meriel?"
      Sylvar seufzte und selbst Farryn schlug sich vor den Kopf. Eyrik verspielte sich und beinahe riss eine Saite was er mit einem Quieken kommentierte.
      "Du bist wirklich durch die Ausbildung geschossen worden", seufzte Sylvar und sah Andvari an. "Der Tempel liegt an der Nordgrenze des Menschenreiches. Wir brauchen quasi nur herausfallen und sind über der Grenze. Das Problem ist unsere Kleidung. Wir können unsere Reiseumhänge nehmen. Wenn wir die von Farryn und Eyrik erhalten, würde das genügen."

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    • Viola

      Fragend blickte Viola zu Andvari.
      "Was meinst du damit, wenn du sagst, dass Faolan seine Raben schickt?", fragte sie ein wenig verunsichert.
      Konnte sie wirklich einen persönlichen Familienkrieg in die Grenzlande bringen und Menschen sowie Elfen in Gefahr bringen, die versuchten einen zerbrechlichen Frieden unter widrigen Umständen aufrecht zu erhalten. Viola zupfte an dem zerrissenen Hemdkragen, dessen weißer Stoff sich durch das eigene und getrocknete Blut rosa verfärbt hatte.
      Mit sichtlicher Verwunderung fiel ihr Blick auf Sylvar, als er erklärte, wo genau sich der Tempel befand. Um ehrlich zu sein, hatte sie dieses Wissen wohl nicht behalten, als sie die Schriftrollen über den Tempel studiert hatte. Eine vermutlich zu verzeihende Nachlässigkeit.
      "Wir befinden uns an der Nordgrenze? Das wusste ich nicht.", flüsterte die junge Frau.
      Über das Gesicht huschte ein schwermütiger Schatten, während ihr Blick durch den Tempel schweifte. Viola räusperte sich, um den leichten Bruch in ihrer Stimme zu kaschieren. Ein Lächeln, das ihre Augen nicht zu erreichen vermochte, erschien auf ihren Lippen.
      "Das Grenzland wird nicht ohne Grund Niemandsland genannt. Wer dort ein Leben oder Schutz sucht ist ein Niemand. Jeder der sich an diesem Ort aufhält, ist nicht dort weil er ein vorbildliches Leben geführt hat. Alle sind vor etwas geflohen oder arrangieren sich mit den feindlichen Truppe. Die Dörfer dem kaiserlichen Militär schon lange ein Dorn im Auge. Aber sie habe keine Handhabe im Niemandsland."
      Viola wirbelte zu Sylvar herum und ging ein paar Schritte auf ihn zu.
      "Bei unserem Kleidungsdilemma könnte ich eventuell für Abhilfe sorgen...Wenn wir nicht allzu wählerisch sind. Ich bezweifle, dass irgendjemand von uns Münzen oder eine andere Währung mit sich trägt", murmelte sie nach einem Augenblick der Stille.
      "Könntest du noch einmal ein solches Portal, wie in Telerin erschaffen? Dann kann ich uns dorthin führen."
      Es gab nur einen einzigen Ort im Grenzland, den sie ohne Zweifel bis in kleinste Detail in ihrem Verstand abbilden konnte.
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