[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Die Schöne und das Biest

      Die Befürchtung, vielleicht am Ende doch die falsche Wahl für Dandelost gewesen zu sein, löste sich in Rauch auf.
      Das Lächeln auf Andvaris Gesicht und die zweifellose Anerkennung der anderen Schwerter erfüllte sie mit einem nie gekannten Stolz.
      Mit einem strahlenden Lächeln sah Viola in die Runde, ehe sie die Herzensklinge an ihrem Gurt befestigte. Das Gefühl sagte ihr, dass sie bei dem nächsten Schritt beide Hände gebrauchen konnte.
      Mit Interesse aber auch einem Hauch Belustigung lauschte Viola dem Gespräch und sah erstaunt auf, als Farryn den Verwandschaftsgrad zur Sprache brachte. Kurz blickte sich zwischen Andvari und der amazonenhaften Kriegerin hin und her. Lächelnd senkte sie ihren Blick auf Dandelost. Also hatte sie Recht behalten. Das Schwert war von einem Lichtbringer geschmiedet worden und sie erinnerte sich an die tragische Geschichte dahinter. Was damals wohl geschehen war?
      Schließlich riss Andvari sie aus ihren Gedanken und erinnerte sie damit daran, dass tatsächlich noch ein grausamer Kampf auf dem völlig zerstörten Vorplatz tobte. Das Lächeln auf ihren Lippen wandelte sich in eine ernsthafte, schmale Linie. Wer der Elf ihr mitteilte, klang beunruhigend und sie nickte zögerlich. Hoffentlich würde ihre Konzentration ausreichen, um den Schild zu erhalten. Die möglichen Folgen könnten andernfalls lebensbedrohlich ausfallen. Da Andvari nicht um eine Ausweitung des Schildes auf ihn bat, ging sie davon aus, das er den Sprung besser wegstecken würde, als sie. Entschlossen nickte sie.
      Eyrik sprang als Erstes in die mörderrische Tiefe. Viola konnte nichts erkennen, nur hören. Aber niemand schien über den waghalsigen Sprung besorgt.
      Ein beschützender Arm hielt sie fest an seinem Körper und Viola schlang nun ihrerseits beide Arm um seine Seiten, die Hände in dem Stoff unter ihnen vergraben. Vertrauensvoll schloss sie die Augen, spürte nur das Flüstern an ihrem Scheitel und legte allen ihren Fokus auf die Magie des Schwertes.
      Refelxartig hielt sie die Luft an, als ein unsichtbare Kraft sie sogartig von den Füßen riss. Ihre Finger gruben sich in Andvaris Seiten, als sie spürte wie die Luft in ihren Lungen zusammen gepresst wurde. Der Druck war so immens, dass sie fürchtete das Organ könnte zerquetscht werden und platzen. Sie konnte den Gedanken kaum fassen, das spürte sie innerhalb einen Sekundenbruchteils wieder festen Boden unter den Füßen. Der Aufprall war so hart, dass sie sich förmlich einbildete, wie die Knochen in ihren Beinen kleine Risse bekamen. Aber das Licht um ihren Körper hielt den Schaden fern. Der Lichtschild zersprang, als sie endlich wieder atmen konnte und keuchend die Augen aufriss. Allein Andvaris Arm hielt sie aufrecht, sonst wäre sie wie ein Stein zu Boden gekracht.
      "Bei allen Heiligen, ich beschwere mich nie wieder über das stundenlange Sitzen im Sattel...", würgte sie hervor und hatte in der Tat das Gefühl sich übergeben zu müssen.
      Viola streckte ihre Magie nach Andvari aus, um das Schäden in seinem Körper zu suchen, aber offensichtlich war alles noch an Ort und Stelle. Erst richtete sie ihren Blick auf das Schlachtfeld. Mächtige Wurzeln schlugen um sich, während unzählige Schatten versuchten ihre Klauen in die knorrige Rinde zu schlagen.
      Eine klickernde und schnarrende Schattenbestie hatte die Neuankömmlinge bemerkt und warf sich in Richtung Andvari und Viola. Letztere zog Dandelost mit immer noch bebenden Fingern und erhob die Klinge schützend vor sich und ihren Gefährten. Die Kreatur setzte zum Sprung an und erst war nichts zu sehen. Als der Schatten Dandelost zu nah kam, prallte er zunächst gegen einen unsichtbaren Schild. Erst die Berührung ließ kurzzeitig einen leuchtenden Schild erkennen, der die Kreatur mit einem Zischen zurückwarf.
      Schwer atmend sah sie Andvari an.
      "Ich werde versuchen euch Deckung zu..." Viola stockte und riss den Kopf herum.
      Links von ihnen schälte sich Vaeril mit erboster Miene aus dem Schlachtgetümmel, flankiert von zwei unruhig zuckenden Schattenbestien.
      "Traust du dich endlich aus deinem Loch hervor, Lichtbringer...", knurrte er. "Verrat mir eins, denn ich sterbe vor Neugierde. Dein Gestank klebt an ihr, wie eine zweite Haut. Schmeckt sie noch immer so lieblich und süß wie früher?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die schlechtesten Avengers aller Zeiten


      Schmerzen.
      Dieser Art Sprünge verzeichneten immer ein gewaltiges Potenzial an Schmerzen. Der Boden zu seinen Füßen hatte sich aufgetürmt und war zu einem kleinen Häufchen herangewachsen, während hinter ihnen die Bremsspuren verliefen und tiefe Furchen in den Boden rissen. Andvari hätte gerne eine Erwiderung auf Violas Aussage getätigt, jedoch war sein Körper noch mit der Regeneration beschäftigt.
      Während diese Schattenwesen noch immer klickend und klackend um sie herumgeisterten spürte er bereits seine Lebensgeister wieder. Dennoch war es beeindruckend zu sehen, wie Viola den ersten dieser unsagbaren Kreaturen beinahe mühelos abwehrte.
      „Schütz dich. Hab keine Angst um uns!“, rief Anvari und richtete sich zur vollen Größe auf, als Vaeril aus den Schatten brach.
      ein boshaftes Grinsen umspielte das Gesicht des Elfen, während seine Augen erneut zu leuchten begannen.
      „Vaeril…“, murmelte er und seine Stimme klang bedrohlicher als das Knurren des Baumgeistes. „Schön, dass wir uns treffen. Wir müssen reden!“
      Wie aus dem Nichts hob Andvari seine Arme auf halbe Höhe und über ihm schienen sich Lichtkörper zu ballen, die durch blitzartige Auswüchse mit seiner Aura verbunden waren.
      Aus den Dutzenden Lichtkugeln trennten sich erneut neue ab und schienne immer zahlreicher und zahlreicher zu werden, bis sie den Raum hinter ihm beinahe einnahmen. Erst dann entwickelten sich aus den Kugeln zunächst Bannkreise.
      „Achter Zirkel, zweite Form: Phalanx!“, murmelte Andvari.
      Die Augen des Elfen begannen greller zu leuchten und aus jedem einzelnen Bannkreis erhob sich ein Lichtspeer, bis der ganze Nachmittagshimmel voller leuchtender Lichtspeere war.
      Ein Regen von heißen, glutroten Lichtspeeren ergoß sich in Vaerils Richtung und in die seiner Kreaturen. Sollten sie laufen, diese Monster.

      An anderer Stelle flog mit großem Geheul und Geschall derweil Eyrik ein, der ebenfalls krachend auf dem Schlachtfeld landete und gerade so einer Klaue eines Schattenwesens ausweichen konnte. In der Ferne brüllte Sylvar, der zwischenzeitlich von diesen Wesen umringt war und sie alleine durch Aurastöße abzuwehren schien. Vielleicht hatten sie aber auch nur Mitleid.
      „Hossa! Immer langsam, mein Hübscher!“, grinste Eyrik und sah zum Schatten.
      Sein Mund formte einen merkwürdigen Laut, der sich alleine durch seine Aura um ein millionenfaches zu verstärken schien. Als hätte ein Vogel überlaut gezwitschert drückte er den Schatten alleine durch Schall weg.
      „Alsdann meine Damen und Herren! Herzlich Willkommen zum einzigen Konzert meiner Wenigkeit und dem Halbvollen Dutzend! Ihr hört ein neues Stück unseres neusten Liederbuches mit dem Titel: ‚Jagd die Schatten aus dem Licht!‘ Halblinge! Sammeln!“
      Wie auf Kommando klimperte und klopfte es, als die Halblinge aus ihren Verstecken hinter Steinen oder dem Karren hervorkamen. Sie trugen allesamt merkwürdige Instrumente bei sich, die richtigen nur ähnelten. Die schlecht gestimmte Laute und die Trommel machten den Anfang einen sanften Rhythmus zu spielen, der sich durch Eyriks Aura, die er um sie alle legte, vielfach verstärkte. Der Boden begann zu beben, während Eyrik sich räusperte. Das würde wehtun. Sehr wehtun.

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      The more you drag me to hell
    • Viola & Vaeril

      Vaeril Baumschatten blickte durch ein pechschwarzes Auge zu Andvari.
      Mit einer beiläufigen Geste warf er das Haar über die Schulter zurück und lachte. Vaeril hatte tatsächlich die Nerven zulachen.
      Seine Stimmfarbe war heller als die des Weißhaarigen, aber erfüllt mit einer betäubenden Kälte und klar wie ein Eiskristall. Mit einem Schnippen seiner Finger begannen die Schattenkreaturen gehorsam einen Kreis um ihren Herrn und Meister zu ziehen. Wie lauernde Jäger blickten die Monster ohne jegliche erkennbare Gesichtszüge zu Andvari, starrte in das Licht wie Motten. Licht vertrieb den Schatten. Das war das Gesetz der Natur.
      "Welch zweifelhafte Ehre..." gab Vaeril trocken zurück. Es gab keinen Grund die Stimme zu erheben. "Ich bezweifle, dass wir viel zu bereden haben, Lichtbringer." Gefährlich glitt sein Blick über die Schulter seines Gegenübers zu Viola, die sich etwas schräg hinter Andvari positioniert hatte. Um sie herum schimmerten Lichtreflexe, wo kleiner Steinchen und andere Kleinigkeiten durch das Kampfgetümmel um sie herum gegen den Schild prallten. Sie vertraute auf die Fähigkeiten ihres Gefährten und seinen Freunden. Allesamt waren sie kampferfahren, aber Viola war ohne ihren Schild gänzlich ungeschützt. Farryn hatte recht, vermutlich hatte sie nicht wirklich etwas hier zu suchen. Die Quelle ihrer Magier neigte sich stetiger dem Ende zu und es reichte nicht um den Schild auf alle zu projezieren.
      Fast geschickt blickte sie in den Himmel über sich als ein Meer aus Lichtern sich erhob und sich zu unheivollen Waffen formte. Sie ahtte die Schönheit seines Lichts bewundert, nun lehrte sie der Anblick Ehrfurcht vor der zerstörrerischen Gewalt.
      Vaeril verengte die Augen zu schmalen Schlitzen, als unzählige Speere aus reinstem Licht auf ihn und seiner Geschöpfe herab regneten. Es zischte grausig als die ersten Schatten durchbohrt wurden. Ein markerschütterndes Kreischen erhob sich, obwohl die Kreaturen keine Münder besaßen. Die Wesen verloren an Gestalt und zerstoben zu feinem schattenartigen Nebel, der sich aufzulösen schien. Zurückblieb ein verkohlt anmutendes Gerippe, dass auf dem Lichtspeer steckte.
      Der Schattenläufer breitete die Arme weit aus und schlug mit einem lauten Knall die Hände zusammen. Die Schatten, die um seine Füße wie Nebel hervorquollen, richtete sich wie eine tiefschwarze Wand vor ihm auf und verschluckten die Lichtspeere. Als der tödliche Regen abebbte, kehrte der Schatten zurück zum Boden.
      Manche Schatten war so schwarz und so finster, dass sie jede Lichtquelle verschluckten.
      Vaeril tippte sich mit dem Zeigefinger gegen das spitze Kinn und schien kein Mitleid mit seinen Geschöpfen zu haben, die zuckendn und zischend auf den Speeren ihrem Ende entgegensahen. Aber nicht alle.
      "Ich habe das Gefühl, wir sind uns auf dem falschen Fuß begegnet.", sprach der Schattenbändiger und legte leicht den Kopf schief. "Dabei habe ich nur höflich eine Frage gestellt. Aber welche Manieren kann ich schon von einem Bastard erwarte..."
      Ein Nicken seines Kopfes und die Schattenkreaturen warfen sich Andvari entgegen. Vaeril selbst zückte zwei gekrümmte, verzierte Kurzschwerter und nährerte sich gemächlich Andvari, als würde er losgehen um einen alten Freund zu begrüßen.
      Viola warf einen Blick über ihre Schulter in Richtung Sylvar, der noch immer tobte und brüllte. Es musste etwas geben, dass sie tun konnten, auch wenn die gewaltigen Ranken gerade sehr hilfreich waren.
      "Andvari!", sie wartete bis er sie ansah. "Ich versuch mich zu Sylvar durchzuschlagen, vielleicht kann ich ihn beruhigen. Irgentetwas muss ich tun können. Vertrau mir. Ich schaff das."
      Sie wollte die Schatten nicht mehr fürchten und sie wollte sich nicht länger hinter jemand anderem verstecken. Auch nicht hinter dem Mann, den sie liebte.
      Viola rannte sie los.
      Der Wind trug Eyriks Worte an ihre Ohren, während Vaeril wenig Begeisterung zeigte, dass seine Beute sich davon machte.
      "Bringt sie mir...", grinste er und zwei Schatten lösten sich aus der Formation um dem Wirbel roter Haare hinterher zu sprinten.
      “We all change, when you think about it.
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    • Die Sieben Schwerter


      1. Viola de Clairmont

      s.o.


      2. NN





      3. Farryn Iarpetor, der "Tausendhammer"

      Farryn.jpg

      Magie:
      Verstärkungsmagie

      Waffe:
      Ungol Dûr



      Sonstiges:
      - Cousine von Andvari (gemeinsamer Großvater)



      4. Eyrik

      Eyrik.jpg

      Magie:
      Schallwellenmanipulation

      Waffe:
      Sternenhimmel





      Sonstiges:
      - Anführer der Kapelle "Das Halbvolle Dutzend"



      5. Volgast Tenebria, die Faust des Westens

      images.jpg
      Magie:
      Windmanipulation


      Waffe:
      Seine Fäuste


      6. Symon Starkarm, genannt "der Bohrer"

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      Waffen:


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    • Captain Jähzorn und seine tollkühne Crew

      Andvari nickte ihr zu. Auch wenn die Situation durchaus gefährlich war, so konnte er sie zumindest aus der Reichweite dieses Schattengespenstes heraushalten. Es musste schnell geschehen. Und es musste hart geschehen.
      "Achte auf dich", flüsterte er und wandte sich der Woge an schwarzen Geistern zu, die seine Lichtspeere verschluckten. Gut, er hatte nicht mit so viel Gegenwehr gerechnet. Vaerils und sein letztes Zusammentreffen war einige Jahre her. Aber wenn es um besondere Taschenspielertricks ging, hatte Andvari zumeist zumindest ein Ass im Ärmel.
      "Oh wir haben einiges zu bereden Vaeril!", rief Andvari donnernd über den Platz, während die Geister wie geifernde Hunde näher kamen.
      In ihrer Wut würden sie nicht die vielen kleinen Lichter bemerken, die sich hinter ihm erneut bildeten. Dieses Mal jedoch gerieten sie in Bewegung und formten konzentrische Kreise um seine Gestalt, während er sich langsam auf die Schatten zubewegte.
      "Wir sind uns mitnichten auf dem falschen Fuß begegnet, Baumschatten. Die einzige Antwort auf deine Frage wird dein eigenes Winseln sein, wenn ich mit dir fertig bin!"
      Die kreise der Lichtkugeln wurden immer dichter und zahlreicher, ehe sie beinahe unendlich viele erschienen. Als die ersten Schatten ihn erreichten, erregte das immense Zischen der aufprallenden Körper beinahe die Aufmerksamkeit von Eyrik, der mühevoll damit beschäftigt war, die elfischen Wachen zu beschäftigen. Gleichsam sah der Barde, wie sich zwei Schatten asu dem Nichts heraus lösten und Viola hinterher eilten.
      "ANDVARI!"
      Der Angesprochene warf den Kopf herum und sah, was der Barde zu zeigen gedachte. Mit zwei kurzen Fingerwinkeln schossen zwei Lichtkugeln wie wie Pfeile aus dem Getümmel und den beiden Schatten hinterher.
      Mit einem kurzen Aufstampfen seines Fußes stach ein Lichtblitz aus dem Boden heraus und formte sich durch tausende kleine Lichtfäden zu einem gewaltigen Speer mit leuchtendem Corpus.
      Er hatte Gungnir lange nicht mehr zum Kampf beschworen. Als er ausholte und mit einem Brüllen in die Menge der schwarzen Geister eintauchte, fragte sich, wie lange er wohl durchhalten mochte.

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    • Viola & Vaeril

      Viola bewegte sich trotz des sperrigen Wurzelgeflechts um ihren Knöchel, das zum Glück den eigentlichen Schmerz neutralisierte, erstaunlich gut voran. Gewöhnlich wäre die Heilerin nicht dazu in der Lage gewesen auch nur einen Schritt zu gehen.
      Glücklicherweise schenkten gerade die elfischen Krieger der Frau wenig Beachtung. Die Wachen schienen ganz auf Eyrik und seine Halblinge konzentriert zu sein, sagen sich allerdings nervös um, da der Boden unter ihren Füßen erzitterte. Jeder Einzelne kannte die Legenden und Geschichten um die Sieben Schwerter. Die meisten Wachen waren alt genug, um sich noch an die letzte, wenn auch fehlgeschlagene Rebellion zu erinnern.
      Die alarmierte Stimme des Barden ließ Viola den Kopf herumreißen. Ein Blick über die Schulter reichte aus, um die Schattenkreaturen zu bemerken, die sich wie abstrakte Tiere unfassbar schnell auf allen sechs Gliedmaßen fortbewegten. Sie konnte ihren Häschern unmöglich davonlaufen, aber das brauchte sie auch nicht. Zwei glühende Geschosse aus reinstem Licht bohrten sich geziehlt durch die Hinterköpfe. Ein klägliches Zischen erklang und die Bestien strauchelten zu Boden, wo sie in tiefschwarzen Nebel zerstoben. Auch hier blieb nur ein rauchendes Skelett zurück.
      Viola umlief die Palastwachen, die sich mit gleichmäßigen Schritten Richtung Eyrik und seiner Kapelle zu bewegten und blieb so ruckartig stehen, dass sie beinahe ins stolpern geriet. Vor ihr bäumte sich die mächtige Gestalt von Sylvar auf, umkreist von einer Horde von Schattenbestien, die in einem fast tanzenden Spiel immer wieder auf ihn zusprangen und sich dann wieder zurückzogen. Eine Taktik, die im Rudel jagende Tiere verwendeten, um ihre Beute zu ermüden. Mit den Aurastößen ließen sie sich fast gemächlich zurücktreiben.
      Der Griff um Dandelost verstärkte sich und der Schild, der zuvor eng um ihren Körper lag, dehnte sich zu einer schützenden Blase aus. Ein tiefer Atemzug später setzte sich Viola mit beschleunigten aber gleichmäßigen Schritten in Bewegung. Die erste Kreatur die sich in ihre Nähe wagte, bekam erneut die Wirkung des Schildes zu spüren. Die Irritation war deutlich in den klickenden Geräuschen zu hören.
      Sie brauchten seine Hilfe und Vaerils Geschöpfe lenkten ihn gezielt davon ab. Ein weiteres Mal sammelte sie alle ihre verbliebenen Kräfte und rammte die Klinge in den Boden. Die schimmernde Blase um ihre Gestalt dehnte sich ein weiteres Mal aus, um die Schatten auf Abstand zu behalten und die Hetzjagd zu unterbrechen. Viola hatte sich und Sylvar eingeschlossen.
      "Sylvar!", rief sie über sein tobendes Brüllen hinweg und hoffte, dass er sie hörte.

      Vaerils Geschöpfe stürzten auf Andvari zu um augenblicklich Bekanntschaft mit dem versengenden Licht zu machen. Klickernd und fauchend sprangen die Schattenwesen zurück und der nebalartige Kamm auf ihrem Rücken stellte sich auf, wie das gesträubte Fell einer Katze. Die Wesen zögerten.
      Verärgert verzog der Schattenläufer das Gesicht und schickte die Monster mit einer unwirschen Bewegung seiner Hand erneut auf Frontalkurs. Was die Schatten einmal verschlungen hatten, gaben sie nicht wieder her. Die Elfen, die sie einst waren, gab es nicht mehr. Man hatte es bereits eindrucksvoll durch die Speere erkenenn können. Es gab also keinen Grund achtsam mit ihnen zu sein. Der einzige Existenzgrund war das befolgen seiner Befehle.
      Vaeril selbst bewegte sich fast elegant durch die wirbelnden Schatten, die ihrem Gebieter Raum gaben.
      "All dieser Ärger wegen einer Frau?", lachte Vaeril spöttisch. "Einem Menschen noch dazu. Du könntest sie mir einfach überlassen und dich auf deinen Platz in dieser Welt besinnen. Das würde deinen Freunden vielleicht das Leben retten oder den zahllosen Narren, die sich dir noch anschließen werden."
      Der Schattenläufer stieß sich vom aufgewühlten Boden ab und griff mit gezückten Schwertern an.
      "Was war es, Lichtbringer?", knurrte er. "Mitleid? Die großen traurigen Augen oder doch das rote Haar? Wäre sie eine Elfe, könnte die Ähnlichkeit fast verblüffend sein, findest du nicht?"
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    • Es heißt in den Schriften der ersten Zauberer, die Lichtrufer kamen über die großen Berge in den Zeiten der herabfallenden Sterne. Elfen, Menschen, Zwerge und andere Rassen, die in das Licht der herabfallenden Gestirne blickten, brannten sich den Widerschein in die Augen und ihre Auren verbanden sich mit dem winzigsten Spuren von Licht im Raum. Als würden sich ertrinkende an das letzte Stück Holz in einem reißenden Fluss klammern.
      Doch das Licht der Gestirne war zu hell und zu heiß, um ihre Aura nicht zu versengen. In einem Akt der Unwissenheit und Verzweiflung beschlossen die ersten Anwender der heiligen Magie, dieses Licht niemals wieder unter der Sonne zu entfachen. Und doch: Im Laufe der Geschichte erwies es sich, dass die alten Meister ihre Kräfte durchaus in Sternenlicht tränkten und an den Fall der Planeten erinnerten.
      Und auch wenn Andvari all dies durch Geschichten seiner Mutter wusste, erreichte ihn dies Wissen nicht mehr. Die wogenden Schattengeister preschten wie eine Flutwelle auf ihn ein und wurden durch die winzigen Lichtkugeln und den umhersirrenden Gungnir nach und nach zurückgeschlagen. Auch wenn seine Aura durchaus als gewaltig bezeichnet werden konnte, bemerkte der Elf Erschöpfungssymptome an seinem Leib.
      Als Vaeril sich jedoch in den Kampf stürzte und sein letztes unflätiges Wort herauslachte, hielt Andvari nach einem gelungenen Streich, der drei Schattengeister auf einmal köpfte, plötzlich inne.

      War es Mitleid…Vor seinem inneren Auge tanzte eine Elfe, lieblich durch das Gras vor dem Holzhaus, das er noch im Begriff war zu zimmern. Sie war schwanger, dies liebliche Kind. Ihr Haar leuchtete im Abendrot und auch wenn ihr Gesicht weder Form noch Kontur besaß wusste Andvari, sie lächelte ihn an. Eine Melodie durchströmte sein Herz wie ein reißender Fluss und trieb eine unendliche, schwarze Traurigkeit vor sich her.
      Der Lichtrufer hielt starr inne, als die letzte Woge dieser Geister durch seine kleinen Helfer entsprechend versengt oder zurückgeschlagen wurde.
      Doch den Angriff des Schattenläufers sah er nicht einmal. Seine Augen, deren Iren hellgolden leuchteten verloren für eine Sekunde an Intensität, als die Schwerter ihren grausigen Weg in sein Fleisch fanden.
      Es brannte, nicht wahr? Musste es nicht schmerzen?
      Während er der schwangeren Elfe hinterher sah, wie sie Hand in Hand mit einer kleinen Elfe in ein Licht wanderte, wirkte er der Welt entrückt. Er spürte das blaue Blut nicht, das schwallartig an den Klingen der Schwerter herunterlief. Vaeril hatte gut getroffen, das musste man diesem Widerling lassen.
      Aber die Wut…Die Wut, die schwallartig nur bei der Erwähnung der Ähnlichkeit dieser beiden aufwallte…Sie war gewaltig und zerfressend wie ein Strom von Lava, die sich ihren Weg durch einen zerbrechlichen Körper bahnte und schließlich die Luft um ihn herum erneut flirren und summen ließ.



      An anderer Stelle kämpfte Sylvar noch immer mit den herannahenden Geistern, die sich durch Wurzeln und Pflanzen nur mittelbar beeindrucken ließen. Je näher sie ihm kamen, je öfter die Angriffe erfolgte, desto schwerer war eine Verteidigung auf dem engen Raum, weshalb das Brüllen unförmiger wurde. Die Aurastöße waren noch immer gewaltig und reichten um die Fassade erzittern zu lassen, aber sie wurden schwächer.
      erst ein zart wirkendes Rufen einer bekannten Stimme, ließen die tanzenden Wurzeln kurz innehalten, als der Baumgeist sich umdrehte und mit geiferndem Blick in Violas Richtung sehen wollte.
      Doch bekam er die goldene Kuppel kaum mehr mit, da die rot glühenden Augen Andvaris stillstehenden Leib erblickten. Sachte weiteten sich die Krater und die Kreatur holte tief und rasselnd Luft.
      „STERNENLICHT!“, donnerte die Bestie und legte eine gewaltige, verwurzelte Hand über Viola und ihren zarten Körper.

      Eyrik und seine Mannschaft taten es der Bestie gleich, nachdem sie aufgeschreckt waren. Eilig verschanzten sie sich im Halbschatten hinter dem Karren, und schlossen Augen und Münder.



      Während dieser Sekunden war Andvari nicht aus seinem Taumel erwacht, sondern ergriff mit einer Hand eisern den Arm des Schattenläufers.
      „Hab dich…“, flüsterte er.

      Die vormals goldenen Iren waren nunmehr in grelles, weißes und blendendes Licht getaucht, was lediglich durch bloßes Auftauchen eine sengende Hitze emittierte und die Haut Andvaris um die Augen verbrannte, sodass diese eine groteske Maske bildete.

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    • Viola & Vaeril

      Siegessicher verzerrte sich Vaerils Gesicht zu einer grinsenden Fratze, während sich die stählernen Schwertklingen durch weiches Fleisch und Knochen fraßen. Nicht tötlich, aber hoffentlich genug, um den weißhaarigen Elf außer Gefacht zusetzen. Faolans Befehl war eindeutig gewesen: Lebendig. Auch wenn dem Schattenläufer ein 'tot oder elbendig' wesentlich lieber gewesen wäre. Vaeril hatte Andvari stets für seine Gabe beneidet, während man ihn für seine düsteren Fertigkeitn gefürchtet und gemieden hatte. Neid war ein hässliches Gefühl, das langsam den Verstand zersetzte wie Säure.
      Eine Hand schloss sich unerwartet um seinen Arm. Sein Blick schmälerte sich und als er aufsah, begrüßte ihn ein grelles und weißes Licht. Vaeril brauchte nicht die dröhnende Warnung des Baumwesens zu hören, um den Fehler zu erkennen, den er unweigerlich begannen hatte. Einmal zu viel ins Wespennest gestochen, sah sich nun den verhängnisvollen Konsequenzen gegenüber. Das Licht, einmal seine volle zerstörende Kraft entfaltend, würde ihn mit Haut, Haaren und Knochen versengen bis zu noch ein Häufchen Asche von ihm übrig war. Das erste Mal seit Beginn des Kampfes zeichnete sich eisige Furchst in seinem Blick ab. Er befand sich auf der schmalen Kante zwischen Leben und Tod. So nah war er diesem Schicksal selbst auf dem Schlachtfeld des Krieges nie gekommen.
      Knurren riss er den Arm zurück, doch Andvari machte keine Anstalten ihn je gehen zu lassen. Der Schattenbändiger musste den Blick senken, um nicht auch noch sein verbliebenes Augenlicht frühzeitig zu verlieren.
      Die Hitze, die der ganze Körper des Lichtbringers ausstrahlte, verbrannte sein Fleisch wo ihn die Hand eisern im Griff hielt. Gepeinigt heulte Vaeril auf. Die Störung durch den brennenden Schmerz zerstörte den allumfassenden Einfluss seiner Magie. Die Schattenkreaturen zuckten und schwankten in ruckarigen Bewegungen. Gequält in ihrer sinnlosen Existenz und dem Verlust von allem, was sie einmal waren, fauchten und heulten die Schattengeister auf. Bis sie zerfielen und nichts als rauchende Überreste zurückließen. Ein Schatten nachdem anderen begann sich aufzulösen.
      "Das wirst du mir büßen...", knurrte Vaeril.
      Hinter ihrem General tauchte aus dem Nichts die vermummte Schattenläuferin auf, die sich bereits am Schutzsiegel ordentlich die Finger verbrannt hatte. Sie wisperte Worte in Vaerils Ohr, worauf hin der Elf verbissen nickte.
      "Wir sehen uns wieder, Lichtbringer..", murmelte er und riss seinen freien Arm in die Höhe. Mit einem glatten Schwertstreich hatte der Schattenläufer sich den Untarm knapp unter dem Ellbogen abgetrennt. Der Unteram und die Hand waren bereits dermaßen verglüht und nicht mehr zuretten gewesen. Vaeril ließ sich mit einem schmerzverzerrten Gesicht von seiner Söldnerin in die Schatten ziehen bevor er wirklich sein Leben auf diesem Platz verlor.

      Viola bekam von all dem nichts mit, bis die donnernde Stimme der Baumkreatur über den Vorplatz schallte.
      "Sternenlicht?", flüsterte sie und riss den Kopf herum. Sie konnte Andvari zwischen all den finsteren Schatten kaum erkennen. Aber etwas stimmt nicht.
      Der Blick wurde ihr weiterhin verwehrt, als sich eine knorrige, gigantische Hand über ihr schloss. Viola fürchtete nicht zerquetscht zu werden. Sylvar hatte trotz seiner beeindruckenden Verwandlung keine Sekunden Anstalten gemacht ihr zu schaden. Die Heilerin kauerte sich am Boden zusammen und schloss die Hände klammernd um Dandelost, um den Schild wenigstens noch ein paar Sekunden aufrecht zu erhalten. Sie sah nicht mehr was vor sich ging und dass die schattenartigen Geschöpfe zu sterben schienen.
      “We all change, when you think about it.
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    • Die geschundenen Krieger

      Die Wellen der Sternenlichts ergoßen sich wie ein Wasserfall über die Schattengeister, die sich kurz aufbäumten ehe sie in dem weißen Licht vergingen, dass selbst die Waffen der Elfenwachen zu schmelzen begann. Andvaris leuchtende Augen waren auf Vaeril gerichtet und sein Gesicht wies keine Emotion auf. Als habe man einen Toten dazu genötigt, zu attackieren. Die Wunden in seiner Brust schmerzten. Schmerzten sehr. Aber das Metall in ihnen begann bereits mit der ersten Welle an Licht zu glühen.
      Sylvars knorrige Klaue, die Viola schützte wurde von diversen Wellen erfasst und bereits bei der ersten Berührung brüllte die Kreatur auf, während sie zusehen musste, wie Schicht um Schicht seiner Rinde von flammendem weißen Licht hinfordgebrannt wurde, ehe die Hand ganz in einem glühenden Stummel verschwand. Die Augen zusammengepresst erschienen auch diese verbrannt und verkohlt, während das hälzerne Monster nach der letzten Welle in sich zusammensackte und langsam wieder die Gestalt von Sylvar annahm, der flach und schwer atmend auf dem Boden des Vorplatzes lag. Die Trümmer um ihn herum umkreisten ihn wie einen Bannkreis und wirkten als grausige Geleiter einer fürchterlichen Schlacht, während der magier sonst äußerlich unverletzt schien.
      Nachdem die letzte von Sieben Wellen über den Platz und die Stadt fegte und den Nachmittagshimmel kurzzeitig in grelles blaues Licht tauchte, verebbten die Geräusche um den weißhaarigen Elf, der inmitten von Brandspuren auf den Steinen stand und sich beinahe erstaunt umsah.
      Die Wunden in seiner BRust bluteten stark und das Schwert des Schattenläufers war zu einem Stummel verglüht, der aus den Wunden herausragte.
      Sein Atem ging stoßweise und beinahe unwirklich ruhig, als er einen wackeligen Schritt in Richtung des Palastes machte. Um seine Augen herum zeigten sich schwere Brandwunden, die stark zu bluten begannen, während Eyrik hinter dem Karren hervorkam.
      "Heiler!", rief er. "Wir brauchen einen Heiler!"

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    • Viola

      Der Schild zersplitterte augenblicklich unter der ersten mächtigen Welle aus Sternenlicht.
      Die gleißende Hitze war selbst durch die schützenden Wurzeln zu spüren, so dass Viola die Arme schützend vor das Gesicht hob.
      Wenige Sekunden vergingen und dann herrschte Totenstille. Es roch nach verbranntem Holz und langsam zog sich die wurzelartige Hand um ihren Körper zurück. Schwer atmend blickte sich die Heilerin um und erfasste das Ausmaß der Zerstörung. Wer sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte, war den mächtigen Wellen zum Opfer gefallen. Die Schatten waren fort und ebenso Vaeril und seine Söldner.
      Viola riss Dandelost aus dem Boden und kroch mehr als das sie wirklich lief auf Sylvar zu, der am Boden zusammen gesackt war.
      Umsichtig wagte sich die junge Frau durch die kreisenden Trümmer und fühlte das unmissverständliche Flirren von Magie auf ihrer Haut.
      "Sylvar?", flüsterte sie vorsichtig und berührte den Erzmagier an der Schulter.
      Er wirkte unverletzt, aber nicht bei Bewusstsein. Wer konnte schon ermessen, wie viel Energie ihn das Spektakel gekostet hatte.
      Die alarmierte Stimme von Eyrik riss sie aus ihren Gedanken und sie drehte den Oberkörper in Richtung des Vorplatzes. Oder besser dem Trümmerhaufen, der davon übrig war. Selbst die Rinde des weißen Baumes wirkte verkohlt.
      Viola folgte dem Blick des Barden und der nächste Atemzug blieb ihr im Halse stecken. Andvari stand, aber die Schritte wirkten wackelig und unsicher. Aus der Entfernung konnte sie Nichts erkennen, aber Eyriks Worte schürten Unruhe und Besorgnis.
      "Eyrik!", rief sie zu dem Barden herüber. "Hilf Sylvar auf! Wir können nicht hier bleiben!"
      Die Gruppe hatte ein schönes Chaos hinterlassen und es war nur eine Frage der Zeit bis weitere Wächter und Soldaten auftauchten, jetzt wo Ruhe eingekehrt war.
      Besorgt blickte sie Sylvar an und strich ihm das wirre und verdreckte Haar aus der Stirn.
      Schließlich kam sie mühsam auf die Beine, Dandelost wieder sicher an ihrer Hüfte, ehe sie mit brennenden Lungen über den zerstörten Platz rannte. Den ganzen Weg wieder zurück, bis sie Andvari eingeholt hatte.
      Was sie erblickte, trieb ihr beinahe die Tränen in die Augen. Ihr Gefährte sah furchtbar und mitgenommen aus. Vorsichtig stellte sich Viola seinen wackeligen Schritten in den Weg. Die Quelle ihrer Magie war beinahe versiegt und sich war unsicher, ob sie überhaupt in der Lage war auch nur die kleinste Wunde zu schließen. Die Verletzungen Andvaris benötigten deutlich mehr, als sie gerade geben konnte.
      "Andvari?", sprach sie ihn behutsam an, nicht sicher, wie er im Augenblick reagieren würde.
      Zögerlich berührte sie seinen Arm und versuchte ihn zu stoppen.
      "Es ist genug.", flüsterte sie. "Es ist vorbei."
      Ihr Blick huschte über die geschmolzenen Überbleibsel von Klingen in seiner Brust. Die verbrannte und augeplatzte Haut um seine Augen ware nicht weniger besorgniserregend.
      "Lass mich helfen, bitte...", flehte sie. Und es geschah unbewusst, dass sich der klägliche Rest ihrer Kraft über seinen Arm, den sie hielt ausbreitete. Ohne ihr vertrautes Medium das Wasser und nach den zerstörten Zellen seines Körper griff. Vielleicht konnte sie wenigstens die Blutungen stoppen, aber sie brauchte Hilfe um die Reste der Klingen zu entfernen. Dafür war sie bereits zu schwach.
      "Sieh mich an..."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die geschundenen Krieger

      Eyrik nickte und eilte hinter dem umgestürzten und stark verkohlten Wagen hervor. Ihm folgend bewegte sich das halbvolle Dutzend auf wackeligen Beinen und lauthals fluchend in Richtung des ohnmächtigen Zauberers.
      "Ich habe dir gesagt, dass dies alles hier in einem Chaos endet, verfluchte Trollbeine!", keifte Karl-Heinz während sie dorthin wackelten.
      "Du bist immer der gleichen Meinung wenn wir etwas unternehmen, du Fliegenfresser. Wir müssen dem Zauberdingsbums helfen, damit der Lichtdingsbums wieder auf die Beine kommt."
      "Lichtdingsbums?", fragte Sam und legte den Kopf schief. "War das dieses merkwürdige Feuer? Die Wache hats von den Füßen gerissen sag ich euch!"
      Eyrik schüttelte den Kopf und kniete sich neben Sylvar und versuchte ihn, mit sanften Ohrfeigen wieder ins Leben zurück zu holen. Was für ein Chaos, so viel stand fest.

      andvari indes blictke immer noch starr mit weißen Iren in Richtung des Palastes, ehe Viola ihn berührte und ansprach. Es dauerte noch eine gute Weile, ehe die Iren erloschen und zu ihrer bernsteinfarbenen Substanz zurückkehrten. Andvaris Gestalt knickte ein wenig ein, so erschien es und er stützte sich schwer auf Viola, die er lächelnd begrüßte .
      "Hallo...Vio...la..."
      Schmerz fraß sich durch seine Eingeweide und die Wunden bluteten mit einem Mal stärker, als habe sie das Licht selbst am Bluten gehindert. Ein schmerzhaftes Ächzen zog sich durch sein Gesicht und Andvari ging auf ein Knie hinab um sich die Brust zu halten. Auch wenn die Kraft seiner Liebsten seinen Körper erreichte und sicherlich auch ihr Werk taten, wurden die Schmerzen doch nicht geringer. Dieser BAstard hatte einiges von seinem Leib mitgenommen. Immerhin, so dachte Andvari während er auf die verkohlten Überreste einer Hand sah, konnte er dem Angreifer ein Stück rauben.
      "Geht es dir gut?", fragte er ächzend und sah grinsend auf, die Augen hinter der blutenden Masse seiner umliegenden Haut geöffnet.

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    • Viola

      Beinahe wäre Viola unter dem zusätzlichen Gewicht zusammen gesackt. Es fehlte nicht viel.
      Augenblicklich trat sie dicht an die Seite ihres Gefährten, um ihm die nötige Stütze zu sein. Ein Arm schlang sich von allein um seinen Rücken, während sie den seinen fest umklammert hielt. Alle Bemühungen halfen nichts obwohl sie das Gefühl hatte die Blutung ein wenig verlangsamt zu haben. Die junge Frau klammerte sich ein jeden kleinsten Funken Selbstbeherrschung, damit die Verzweiflung nicht Überhand gewann. Sie zwang sich zu lächeln, als er sie endlich erkannte.
      Als Andvari in die Knie ging, sank sie ebenfalls zu Boden und ließ seinen Arm los. Behutsam berührten ihre Fingerspitzen sein Gesicht, ohne die hässliche Brandwunde auch nur anzurühren. Ihre Finger strotzten vor Dreck und Blut und im Augenblick konnte sie nichts riskieren, das die Wunde verunreinigte. Suchend glitt ihr Blick über den Vorplatz zu Eyrik und Sylvar, die sich scheinbar noch immer nicht in Bewegung gesetzt hatten. Von Farryn fehlte auch jede Spur. Ein Portal wäre das einfachste, um sie alle hier fort zubringen. Der Magier weckte allerdings gerade nicht den Eindruck, als stünde die Option zur Wahl.
      "Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass ich dir diese Frage stellen sollte...", erwiderte Viola fassungslos und senkte ihre Blick auf die tiefen Wunden in seiner Brust und überlegte fieberhaft, wie sie die Klingen herausbekommen sollte ohne einen fatalen Schaden anzurichten. Erschöpfung zeichnete sich auch in ihrem Gesicht ab. Sie hatte keinen einzigen Funken Magie mehr übrig.
      Die Heilerin senkte die Hand an seine Brust und riss ohne Zögern am eh runierten Wams, bis sie die Stichwunden besser sehen konnte. Scharf atmete sie beim Anblick ein.
      Die Klingen zu entfernen würde eine Tortur werden, sofort sie nichts fanden, um Andvaris Schmerzen zu betäuben. Das geschmolzene Metall hatte sich in die Hautschichten gebrannt. Wenn sie doch nur ihr gesamtes Hab und Gut nicht in Tirion hätte zurücklassen müssen. Ohne ihre Habseligkeiten und den gerringsten Hauch ihrer erlernten Kräfte fühlte sie sich tatsächlich wie ein nutzloser Mensch.
      "Wir müssen uns dringend darüber unterhalten, dass ich dich ständig zusammenflicken muss.", sagte Viola und schluckte, um die Brüchigkeit aus ihrer Stimme zu vertreiben. "Das wird langsam zu einer lästigen Angewohnheit. Ich kann dich wirklich keine Sekunde aus den Augen lassen."
      Seufzend legte sie sich einen seiner Arme um die Schultern.
      "Du musst aufstehen, Andvari. Ich weiß du hast Schmerzen, aber wir können nicht hier bleiben und meine Magie ist erschöpft. Wir brauchen einen sicheren Ort, damit ich mich um die Wunden kümmern kann."
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    • Andvari

      Sein Verstand funktionierte nur noch zur Hälfte und der Aurakern in seinem Inneren war beinahe zur Gänze erschöpft. Jedoch gab es eine Möglichkeit, die keiner von ihnen derzeit in Betracht gezogen hatte und die zugleich mehr Gefahren aufwies als man meinen musste.
      An anderer Stelle erwachte Sylvar nach einigen Ohrfeigen langsam wieder zum Leben und wurde von Eyrik und der ddazugestoßenen Farryn aufgerichtet. Beide Krieger sahen mitgenommen aus, wobei Farryn noch den besten Zustand aufwies. Ihre Kleidung zierten lediglich Blutspuren aus sanften Blautönen.
      Ächzend zogen sie den Magier hoch und bugsierten ihn gerade in Richtung der anderen.
      Andvari indes sah auf und grinste Viola breit an. Es ließ sich nicht verhindern, dass ein Schwall blaues Blut aus seinen Mundwinkeln lief. Wenn er es recht spürte, waren beide Lungen punktiert und bluteten in sein Innerstes. Er hatte nicht mehr lang. Wirklich nicht mehr lang.
      "Dann...Dann musst du mich immer...beobachten, nicht wahr?", fragte er und hustete sogleich. "Tut mir Leid, dass ich...Dass ich dir Probleme mache..."
      Ein Aufstehen war ihm nicht möglich, dafür schmerzte es zu sehr und ein Ächzen entfuhr ihm, als Viola ihn aufstemmen wollte. Blut stach durch seine Kleidung und die Flecke wurden rasch größer, je mehr seine eigene Aura erlosch.
      "Gibt...Gibt eine Möglichkeit...", murmelte er Viola zu und drückte sein Gesicht in ihre Haare und nahe ihres Ohres. "Bring...Bring Sylvar her...Ich gebe ihm...meine Aura...Danach werde ich bluten. Stark bluten...Such du das Tor aus, wo er uns hinbringen soll...Irgendwo wo man mich schnell heilen kann..."

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    • Viola

      Die ersten Tränen perlten über die verdreckten Wangen.
      Vergeblich versuchte die junge Frau ihn auf die Beine zu bekommen und gab nach wenigen Sekunden bereits auf. Alleine schaffte sie es unmöglich ihn auch nur ein winziges Stückchen zu bewegen. Viola musste nicht erneut den Blick senken, um zu wissen, wie gefährlich die Verletzungen wirklich waren. Das Blut, das aus seinem Mundwinkel quoll, hätte nicht eindeutiger sein können.
      "Unsinn", murmelte sie und lächelte unter Tränen. "Wirklich, ich frage mich wie du uns ein Zuhause bauen möchest ohne das ich ständig befürchten muss, dass du dir den Hals brichst."
      Die Heilern ließ sich mit Andvari endgültig zu Boden sinken, erschöpft und am Ende ihrer körperlichen Kräfte.
      Bevor ihre Gedanken verrückt spielen konnten, getrübt von Sorge und Angst, spürte sie ein schwaches Gewicht an ihrem Kopf.
      Viola hielt den Atem an, um nicht eine einzige der leisen Silben zu verpassen. Zitternde Finger legten sich an die Wange des Elfen. Sie fühlte bereits die einkehrende Kälter seiner Haut, je mehr lebenswichtiges Blut aus seinem Körper floss.
      Sie sollte den Ort aussuchen? Beinahe hätte Viola laut aufgelacht, wenn die Lage nicht todernst wäre. Sie? Die sich fernab ihrer Heimat befand und bis vor wenigen Wochen von Magie nicht den blassesten Schimmer hatte.
      Vorsichtig schob sie die Hand in das verklebte, weiße Haar und brachte erneut nichts zustande außer einen kläglichen, schwachen Puls ihrer Aura. Es hatte keinen Zweck.
      "Ich hätte niemals von deiner Seite weichen dürfen...", flüsterte sie. "Was ist wenn ich den falschen Ort auswähle oder wir zu spät sind. Ich kann dich nicht verlieren."
      Sanft hielt sie seinen Kopf an ihrem und wandte sich nur leicht herum, um nach dem Rest Ausschau zu halten. Die Erleichterung Sylvar auf den Beinen zu sehen, verblasste unter der Wärme blauen Blutes, das nun auch langsam durch ihre Kleidung sickerte.
      Es gab einen Ort. Allerdings hatte sie nur in den Schriften des Refugiums darüber gelesen. Eine alten Elfenruine, die angeblich eine Quelle alter Macht beherbergte. Eine Legende, ein Ammenmärchen...
      "SYLVAR!", flehte sie lautstark und hoffte dass der Magier bei Besinnung war.
      Als die drei Elfen sich ihnen schließlich näherten, hauchte sie einen flüchtigen Kuss auf den weißen Haarschopf.
      "Er stirbt...", würgte sie die Worte hervor. "Er stirbt, Sylvar. Und es gibts nichts dass ich tun kann. Ich habe meine gesammte Energie in diesen nutzlosen Schild gesteckt und jetzt habe ich nicht einmal einen Topfen übrig um die Blutung zu stoppen..."
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    • Die Zerstückelten Überlebenden

      Eyrik und Farryn hatten sichtlich Mühe, Sylvar auf den Beinen zu halten und dorthin zu bringen. Schwer stützte sich der Zauberer auf seinen Stab, der aus dem Nichts aufgetaucht war. Das Ornament auf seiner Stirn war verschwunden und sein Gesicht sah alt aus. Vielleicht nicht gerade wie ein alter Elf, aber zumindest um viele Jahre gealtert, ehe die blauen Augen zu Viola blickten. Anschließend sah er seinen Bruder an, der tatsächlich in einem mehr als ramponierten Zustand war.
      Zwei Schwertwunden. Tief und durchdringend, die Organe geschädigt hatten. Sternenlicht, dass seine Haut um die Augen herum verbrannt hatte und vermutlich Iren, die ebenfalls geschädigt waren. Sylvar war sich sicher, dass sein Bruder zeitweilig erblindet war, wollte diesen Umstand aber nicht teilen.
      "Das ist leider war...", flüsterte er. "Ich haeb nicht genug Aura übrig, um zu heilen.."
      "Was soll das heißen?"; fragte Farryn. "Nimm meine!"
      "Deine ist nicht kompatibel, Farryn. Ich...Ich kann nichts tun..."
      Eyrik senkte das Haupt und blickte mit einem Mal nicht wirklich entzückt drein. Getrocknetes Blut rann über sein Gesicht und entstellte auch ihn, aber Farryn war die erste, die sich umwandte und in den Himmel schrie.
      "Verdammt!", donnerte sie. "Ich brauceh was zu trinken..."
      "Freunde.."
      Andvari hob langsam eine Hand und grinste schwach.
      "Ich habe,..eine Idee...", muremlte er und ergriff zögerlich Sylvars Hand. "Viola...sucht einen ort...Du öffnest ein Tor..."
      Sylvar blickte einen Moment lang verwirrt drein und legte den Kopf schief. Auf eine merkwürdige Art und Weise konnte das funktionieren, wenn sie sich eilten. Und während bereits die Aura übertragen wurde, sah Andvari zu Viola und grinste.
      "Wenn ich...ein Haus baue...Dann brauche ich kundige Beratung...", flüsterte er während Blut immerwährend aus seinem Mund quoll. "Du wählst den richtigen...Ort...Ich vertraue dir...Und dann...baue ich uns...ein Haus...Unter deiner...Aufsicht...damit ich mich nicht...verletze..."
      Nachdem der letzte Tropfen übertragen wurde, schloss Andvari langsam die Augen. Eilig rannten Eyrik und Farryn an seine Seite um seinen fallenden Körper zu halten.
      Sylvar indes schrieb eine Art Kreis in die Luft und sah mit erstaunen zu, qie ein farbloses Tor sich öffnete und anschließend zu Viola.
      "Denkt an den Ort, den Ihr am meisten begehrt", sagte er müde. "Stellt ihn Euch genau vor. Und geht hindurch. Wir folgen. "

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    • Viola


      Hilflos sah Viola mit an, wie die letzten Lebenskräfte den geschundenen Körper verließen.
      Die junge Frau konnte seine Gestalt nicht mehr halten und als Andvari in die Hände seine Freunde fiel, folgte sie.
      Nichts spielte mehr eine Rolle außer ihre Hände die sich zart um sein Gesicht schlossen, als sich Viola über ihn beugte, wobei sie sowohl Farryn als Eyrik vollkommen ignorierte. Es geschah nicht böswillig, aber ihr gesamten Denken konzentrierte sich nur auf den sterbenden Elf, der drohte ihr zu entgleiten. Ein sanfter Kuss auf seine Stirn folgte, begleitet von Tränen die sein Gesicht benetzten.
      Ungeachtet des Blutes küsste sie seine Lippen und es war beinahe schmerzlich vertraut, dieser blutige Kuss.
      "Wag es nicht zu sterben und mich hier zurückzulassen, Andvari Schattenglanz...", murmelte sie ohne wirklichen Biss in ihren Silben, es klang mehr wie ein Flehen.
      Schweren Herzens kam Viola auf die Beine und sah mit grimmiger Miene zu Sylvar herüber, der bereits ein schlichtes Portal geöffnet hatte. Kein Zögern lag in ihren Schritten, als sie vor den Wirbel trat. Er hatte nichts mit den schillernden Portalen gemein, die sie üblicherweise von Sylvar kannte. Wie ein unbeschriebenes Blatt, dachte Viola.
      Worte wollten nicht mehr über ihre Lippen kommen, während sie die Augen schloss und tief einatmete.
      Quälende Sekunden vergingen und das Leben des Mannes, den sie liebte, hing an einem seidenen Faden. Viola schlug die Augen auf und blickte entschlossen in die Runde aus verletzten und müden Gesichtern. Sie hoffte inständig die richtige Wahl getroffen zu haben.
      Ein kurzes Nicken, um zu signalisieren, dass sie soweit war. Erst als sie sicher war, dass alle für den nächsten Schritt bereit waren, wagte sich die Heilerin nach vorn. Das Flirren und vertraute Kribbeln von Magie umfing sie. Als ihr Körper vom Wirbel verschluckt wurde, flimmerte er in beruhigenden Farben und Blau und Grün. Hoffentlich täuschte sich der Künstler der Bücher nicht.
      Friedliches Plätschern von Wasser, war das erste Geräusch, das sie hörte. Der Boden unter ihren Füßen erschien im ersten Augenblick weich und nachgiebig, erwies sich jedoch als frisches, feuchtes Moos auf brüchigen und alten Steinplatten. Aus unzähligen Nischen und Lücken im Stein quoll klares Quellwasser hervor und ergoss sich in schmale, natürlich von Wurzeln und Fels geformte Becken.
      Viola schlug die Augen auf und erblickte den mystischen Anblick einer alten Ruine. Die Architektur glich einem verfallenen Tempel, jedoch erinnerte sie nichts an den Verzierungen und verschlungenen Treppen an die Baukunst der Menschen. Diese Ruinen waren alt, vielleicht älter als ihr Volk selbst. Die Natur hatte sich den Ort zurückerobert und beinahe alles mit Moss und rankendem Efeu überzogen. Es war warm nur die Luftfeuchtigkeit innerhalb der Säulen, die den Hof säumten und schon bessere Tage gesehen hatten, war gewöhnungsbedürftig. Hinter den Säulenbögen erstreckte sich ein dichter Wald, Bäume die mit knorrigen Wurzeln mitten im klaren Wasser standen und die Sicht versperrten.
      Am Ende der Treppen ragte eine alte Statue in die Höhe. Vermutlich die Darstellung einer Göttin, aber die Gesichtszüge waren durch den Zahn der Zeit kaum noch zu erkennen. Der verschollene Tempel der Meriel, Tochter der Götter, war ein Anblick der sich einer Sterblichen im Normalfall nicht bot. In der drückenden, feuchtwarmen Luft war die unterschwellige Magie selbst für Viola deutlich zu spüren.
      Ehrfurcht und Erstaunen gleichermaßen zeichneten sich auf ihrem Gesicht ab, bevor die Elfen hinter ihr aus aus dem Portal traten. Sie hatte keine Zeit den Ort zu bewundern, sondern streifte ihre Stiefel ab.
      "Schuhe und Stiefel aus!", wies sie die anderen an. "Wir befinden uns auf gesegnetem Boden! Zumindest...stand das in den Büchern im Refugium. Also, theoretisch...Es heißt, das Wasser der Quelle hier wäre mit Magie angereichert. Die Tränen Meriel selbst sollen einst in den Ursprung getropft sein. Ich weiß nicht, ob es nur eine Legende ist. Aber ihr spürt es doch genauso wie ich, oder? Der Ort pulsiert vor Magie."
      Auf nackten Füßen bewegte sich Viola über die schmalen Wege die von den Wurzeln der umstehenden Bäume, die mitten im Tempel erwuchsen, gebildet wurden. Vor einem der naturbelassenen Becken ging Viola in die Knie und tauchte die Hand in das im Gegensatz zur Umgebungsluft eisige Wasser.
      "Sollte ich mich geirrt haben, übernehme ich die volle Verantwortung...", murmelte sie und schluckte. Mit einem erschrockenen Atemzug glitt sie ins eiskalte Quellwasser, dass ihr knapp bis unter die Brust reichte. Sie spürte ein leichtes Kribbeln unter der Haut.
      Dann streckte sie die Hände auffordernd aus.
      "Ins Wasser, schnell!"


      Spoiler anzeigen
      RuinenMeriel.jpg
      (Statue ohne die Flügel vorstellen...)

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    • Die Besiegten in der Donnerhöhle

      Für einen Moment lang grassierte doch ein wenig Unsicherheit in den Blicken der Tragenden und Sylvar, als sie Viola folgten und durch das Portal stiegen.
      Doch dann - nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und dem Gefühl unsagbaren Zuges an ihren Eigenweiden - fanden sie sich in himmlicher Ruhe wieder. Sanftes Vogelgezwitscher drang an ihre Ohren und das friedliche Plätschern von Wasser nahm ihre Empfindungen ein, während der Tross von Elfen den Tempel ansah, der sich um sie herum entfaltete. Die Natur hatte den Stein zwischenzeitlich korridiert und wieder in Besitz genommen, aber die vormalige Schönheit des Tempels ließ sich erahnen.
      "Heilige Bäume...", murmelte Eyrik und sah sich neugierig um, während Farryn nur anerkennend pfiff.
      Sylvar indes musste ein wenig kichern, als er zum Beginn eines der Teiche humpelte.
      "Wahrlich...Der Tempel von Meriel...", flüsterte er lächelnd. "Habe lange nicht mehr diesen Namen gehört oder gelesen."
      Sylvar tat wie geheissen und streifte seine ohnehin durchlöcherten Pantoffeln ab, ehe er die anderen ansah. Die Last auf ihren Schultern war jedoch zu groß, als dass sie sich eben so ihrer Schuhe entledigen konnten.
      "Lasst sie an", sagte er mit brüchiger Stimme. "Ich denke, Meriel wird es uns nachsehen, wenn ihr diese erst später abstreift."
      Eyrik nickte und hob Andvaris schweren Leib mit einem Ächzen an.
      "Also, in einem hatte Viola Recht: Der Ort hier pulsiert vor Magie. Als wäre sie damit aufgezogen worden..."
      Farryn nickte erneut nur und beschrönkte sich darauf, das Gewicht des Elfen zu tragen. Der Weg zu dem kleinen Senkbecken erwies sich als trickreich und gefährlich. Man drohte schnell auf den gewaltigen Wurzeln abzurutschen, die dieser Ort barg und innerlich fragten sich beide Elfen, ob sie lebendig am anderen Ende ankommen würde. Zwsichenzeitlich hatte Andvaris Körper jegliche Spannung verloren und sein Gesicht hing herab wie die Köpfe von Puppen auf Kugelgelenken.
      "Na komm schon, mein Alter...", ächzte Eyrik als er und Farryn den leblosen Körper des Königs behutsam in das Becken absetzten. Viola war bereits dort drin und Sylvar trat nun auch hinzu und betrachtete das Schauspiel.
      "Es muss der richtige Ort sein!", bekräftigte Farryn. "Sonst jage ich diesen Schattenläufer bis an sein Lebensende."

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    • Viola

      Die Schwerelosigkeit des eisigen Wassers machte es einfach für Viola das leblose Gewicht des Elfen in Empfang zu nehmen.
      Vorsichtig legte sie die Hände in seinen Nacken und Hinterkopf, um sein Gesicht über der Oberfläche zu halten.
      Das Wasser war so kalt, dass sie schon nach wenigen Augenblicken ihre Zehen nicht mehr spüren konnte. Über all über ihre sichtbaren Hautpartien zog sich ein Schauer und die feinen Härchen stellten sich auf. Unzählige bläuliche Schlieren trieben um sie herum im Wasser.
      Viola löste eine Hand und riss den Stoff ihrer Hemdbluse auf, bis sie ihr Herz freigelegt hatte. Die Hand tauchte in das eiskalte Wasser und zog den Dolch des Schattenläufer hervor. Die Heilerin atmete tief ein und aus, ehe sie die Schneide unter ihrem linken Schlüsselbein ansetzte.
      "Leben für Leben...", wisperte sie und stieß ein Gebet zu allen bekannten und unbekannten Göttern, zu den Eigenen und zu Fremden. Der Atem stockte als sie einen großzügen Schnitt vom Schlüsselbein abwärts bis zum gewölbten Ansatz ihrer Brust vollzog. Warmes, rotes Blut sickerte aus dem Schnitt. Üblicherweise wurden Opfer in Tempeln dar gebracht, um sich den Segen der Götter zu sichern. Die Quelle Meriels spendete Leben und verlangte dafür einen Tropfen Leben, sei es noch so gerring. Und Viola war bereit mehr als nur einen winzigen Tropfen aus ihrem Finger zu geben. Heißes, lebendiges Blut sickerte in das klare Quellwasser. Der Dolch glitt ihr aus des den zitternden Händen und versank am Boden des von der Natur geformten Beckens.
      "Bitte, bitte...", flehte die junge Frau mit einem Flüstern, kaum hörbar, während sie Andvaris Kopf zurück gegen ihre Schulter legte.
      Tief unter der Wasseroberfläche glühte ein schwaches, flackerndes Licht auf. Wie zerbrechliche Äste rankte sich das Licht durch das Wasser. Zierliche Ausläufer die nach den Körpern in der Quelle griffen. Das Flirren der Magie nahm stetig zu und schien die Luft innerhalb des Temepls statisch aufzuladen.
      Ranken aus bläulichem Schimmer, die sehr Violas Heilfertigkeiten ähnelten, umschloss den Körper des Bewusstlosen. Die Heilerin, die keinen Funken Magie mehr übrig hatte, blickte mit Wunder in den Augen um sich, ehe sich ihr Blick auf das geschmolzene Metall in der Brust des Elfen richtete. Die Magie der Quelle griff nach den von Elfen geformten Stahl und löste ihn in winzige Partikel auf, die in der Umgebung verblassten. Die Verästelungen aus reinster Magie griff in die tiefen Wunden, regten den Körper zur Heilung an und zwangen Zellen und Gewebe sich zu schließen.
      Bedächtig legte sie eine Hand über die Augen ihres Gefährten und hätte am liebsten vor Erleichterung losgeweint. Aber noch war nichts sicher. Sie warf einen Blick zu ihren Begleitern hinauf.
      Viola schloss die Augen, holte hörbar Luft und ließ sich tiefer in die Quelle sinken und Andvari zog sie mit sich unter Wasser.
      Die aufgewühlte Wasseroberfläche, Blut und das Flimmern Quelle machten es fast unmöglich zu erkennen, dass die bläulichen Ausläufer der Magie nun ebenfalls nach seinem Gesicht griffen.
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    • Die Geschundenen

      Für einen Moment lang erschien es, als würden sich alle Probleme in Luft auflösen.
      Andvaris Körper glitt ins eiskalte Wasser und wurde nach einer kurzen Zeit von aderigem Licht umschlossen, dass seine Wunden abtastete und eine Myriade an magischer Energie entfachte. Die Quelle war wirklich heilsam, wie es schien, denn der Körper des Elfen entspannte sich sichtlich. Die Lichtranken stießen beinahe aggressiv in die Wunden des Bastards vor und schlossen diese mit einem geräuschlosen Zischen. Das kalte Wasser begann zu blubbern während sich die Wunden des Elfen schlossen und Andvari mit flirrenden Lidern die Augen öffnete.
      Sein Atem setzte ein, brennend und kalt, aber er atmete wieder. Seine Haut fühlte sich gespannt und rau an, als habe man mit einem Reibeisen darüber gescharrt. Die weißen Haare lagen wie ein Teppich um ihn gebettet und langsam erst kam er wieder zu sich.
      "Sofort aufhören!", donnerte eine Stimme hinter Eyrik und erschrocken fuhr der Barde herum.
      Viel zu schnell glitt sein Schwert in seine Hand, ehe er erkannte, dass es Sylvars zornverzerrtes Gesicht war, das aus dem Schatten heraus erstand. Langsam bewegte er sich hinter einer Baumwurzel hervor und betrachtete die Szenerie mit wütenden Augen.
      "Es ist nicht gehörig, die Heilmagie derart zu nutzen, Viola!", sagte er und beugte sich zum See hinab. "Es ist verboten, ein Leben gegen ein Leben aufzuwiegen! Einen Tropfen, ja. Aber nicht, indem man scharenweise Blut verliert. er ist wach, die Wunden sind verschlossen. Lass ihm die Zeit die er benötigt und steig heraus, Kind. Ehe du dich an den Göttern versündigst..."
      "Denkst du nicht, es ist zu hart?", fragte Farryn mit besorgtem Gesicht.
      Andvari wollte den Mund öffnen, war jedoch zu schwach. Die Wunden um seine Augen hatten sich bereits geschlossen und mit rosaner Haut überzogen. Narben würden wohl nicht bleiben, aber zumindest würde er sich daran erinnern können.
      "Es ist nicht zu hart! Es ist wider unseren Göttern und ein Sakrileg! Nun raus da und lass dir helfen!"

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    • Viola


      Mit mühevollen Atemzügen durchbrach Viola die Wasseroberfläche und sah mit verschwommener Sicht, durch unzählige Wassertropfen in ihren Wimpern, zu wie Andvari den ersten tiefen Atemzug tat.
      Ein Lächeln glitt über ihre Lippen, also hatte sich der Verfasser der Schriften nicht geirrt. Sie hatte es tatsächlich geschafft.
      Die Freude über das Gelingen blieb der Heilerin nicht lange erhalten.
      Ein zorniges Donnergrollen, so erklang die Stimme des Magiers in ihre Ohren. Viola zuckte angesichts der harschen Worte, denn Sylvar hatte ihr gegenüber noch nie wütend die Stimme erhoben. Jegliche Farbe fiel ihr aus dem Gesicht, während sie einen weiteren Blick ins Wasser wagte. Andvaris Verletzungen waren wie durch ein Wunder verheilt, die Haut rosig und neu. Die junge Frau zögerte von der Seite des Elfen zu weichen, als sie das vertraute Glimmen von Bernstein erblickte.
      Widerstrebend löste sie ihre Hände von Andvari, der Auftrieb der Quelle ausreichend genug damit er nicht wieder unter die Wasseroberfläche sank. Durch das Wasser schleppte sich Viola zum Ufer. Eiskalte Finger krallten sich in die umrankenden Wurzeln und mit einem verbissenen Ausdruck in den Augen zog sie ihren Körper aus dem Wasser.
      Obwohl am Ende ihrer Kräfte ignorierte Viola die helfenden Hände, die ihr gereicht wurden und kauerte zitternd auf Händen und Knien am Boden. Der feine Schnitt an ihrer Wange, den Vaeril ihr zugefügt hatte, war verschwunden. Die Wurzel um ihren Knöchel war abgefallen, die Haut darunter unversehrt und nicht geschwollen. Alte Spuren, wie die zeichnenden Narben in ihrem Gesicht, waren von der Magie der Quelle unberührt geblieben.
      "Ich kann ihn nicht verlieren, Sylvar.", murmelte sie verbissen und kam nach einem missglückten ersten Versuch schließlich doch auf die Füße.
      Unwirsch schob sie das rote Haar aus ihrer Stirn.
      "Das...", sie deutete auf das Becken, in dem Andvari friedlich im Wasser dahin schwebte. "...ist meine Schuld. Vaeril wäre nie so nah an ihn heran gekommen, wenn ich nicht dabei gewesen wäre."
      Viola hatte noch nicht bemerkt, dass sich im Gegensatz zu ihren anderen Wunden, der Schnitt über ihrer Brust sich nicht spurlos in Luft aufgelöst hatte. Eine fein, rote Linie prangte wie ein Mahnmal auf ihrer Haut, vom Schlüsselbein abwärts. Die warnende Erinnerung welchen Preis sie bezahlt hatte und das sie etwas Verbotenes getan hatte. Das sanfte Gesicht der Heilerin hatte sich zu einer wütenden Grimasse verzogen. Ein seltener bisher noch nie dagewesener Anblick. Sie war erschöpft, ihr war kalt und sie war mit den Nerven am Ende.
      "Weder bin ich eine große Magierin noch eine wirklich talentierte Kämpferin, Sylvar. Ich gehöre eigentlich nicht einmal hier her! Meine Familie ist tot und in meine Heimat kann ich nicht zurück. Er ist alles, was ich noch habe!", erhob sie jetzt ebfalls die Stimme."Aber wenn das hier alles ist was ich tun kann, hätte ich noch viel mehr gegeben wenn es nötig gewesen wäre. Ich werde nie wieder jemanden verlieren, den ich liebe."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”