[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Sylvar

      Der Erzmagier grinste breit, als er seine wenigen Habseligkeiten einsammelte, während Viola ihm half. Es war schön zu sehen, dass sie sich noch immer begeisterte. Ein kleiner Schalk in seinem Nacken applaudierte für das Gelungene Manöver, um sie ein bisschen aus ihrer Trauer zu holen.
      "Das, meine Liebe, ist etwas sehr kostbares", sagte er und kam näher., während er die Kräuter mit einem Lederband umwickelte. Sein Haar fiel ihm ins Gesicht und seine Augen funkelten. "Das ist ein flüssiger Stern. Du magst es mir kaum glauben, aber Ayla, meine Meisterin, war logischerweise die Tochter des Meisterschmiedes Dandelion. Und es heißt, dass dieser eine Möglichkeit gefunden hätte, einen Stern zu einem Schwert zu schmieden. Dieses hältst du in Händen..."
      Er wies mit dem Kinn zu Dandelosst und grinste weiter.
      "Zu ihren Lebzeiten erwarb ich dieses kostbare Stück Stern und versuchte seither, eine Möglichekit zu finden, es nutzbar zu machen. Ich wollte es ANdvari zeigen, aber da war er bereits in Ungnade gefallen. Also trage ich es bei mir. Und so wir du mir etwas erklärst, erkläre ich es dir:"
      Er hielt die Kräuter hinauf. Diese hatten eine ausladende Form mit saftigen, grünen Blättern die eher den Blättern einer Rose gleich kamen. An den Rändern des saftigen Grün wob sich leicht eine rote, beinahe blutrote Farbe in die Fasern der Kräuter und ließen sie merkwürdig glänzen.
      "Das ist Feuerkraut. Es macht zwar kein Feuer, aber ist ein wunderbares Brennmittel. Es hält recht lange und verbrennt in großer Hitze. Ideal für ein Festmahl, wa denkst du?"

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    • Viola

      Erstaunt drehte Viola die Phiole mit äußerster Vorsicht zwischen ihren Fingerspitzen. Durch die Worte des Erzmagiers war ihr schließlich bewusst welch seltene Kostbarkeit sie in Händen hielt. Tatsächlich erinnerte der Schimmer bei genauer Betrachtung einem zarten Leuchten.
      "Ein flüssiger Stern? Jetzt veralberst du mich aber. Wie ist das möglich?", fragte Viola mit einem kindlich anmutenden Funkeln in den Augen. Kurz huschte ihr Blick zu Dandelost. Das mystische Elfenrelikt überraschte sie stets aufs Neue und sie fragte sich zum unzähligsten Mal, ob es tatsächlich in die Hände eines gewöhnlichen Menschen gehörte. Es erschien ihr zu wertvoll und viel zu mächtig, um von unerfahrenen Händen geführt zu werden. Andererseits fühlte es sich sehr vertraut an.
      "Du solltest es Andvari zeigen. Schließlich sitzen wir noch eine Weile hier fest", schlug die Heilerin vor und ließ sich von der freudigen Begeisterung des Magiers anstecken.
      Das Feuerkraut mit seinem seltsamen aber durchaus ansehnlichen Blättern weckte natürlich das Interesse der Kräuterkundlerin in Viola.
      "Eine Schande, dass ich rein gar nichts dabei habe, um mir Notizen oder zumindest eine Zeichung anzufertigen. Ich muss das unbedingt nachholen. Das ist fantastisch! Wenn ich bedenke wie vielen Menschen dieses Pflänzchen helfen könnte."
      Die Vorstellung, wie viel nützliches Wissen das Menschenvolk von den Elfen erlernen konnte, ließ den Krieg noch bitterer wirken. Wie viel sie voneinander lernen konnten. Es war die reinste Verschwendung die Kräfte auf sinnlose Schlachten zu vergeuden.
      "Das klingt hervorragend! Damit wird das Braten ein Kinderspiel!", begeistert deutete Viola auf das Feuer. "Sollen wir?"
      “We all change, when you think about it.
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      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar und Andvari

      Sylvar grinste breit und reichte ihr das Feuerkraut. Es sollte in ihren Händen prickeln, aber nicht verletzen.
      "Aber natürlich. Nur zu, wird es hinein. Es wird sicherlich seine Wirkung nicht verfehlen. Nur Obacht! Die Flamme wird zunächst größer und ähnelt einer Stichflamme. Aber danach sollte sie eigentlich ruhig weiterbrennen. Es ist traurig, dass derlei Wissen nicht geteilt werden darf. Ich bin mir sicher, dass die Elfen von eurer Heilkunst durchaus profitieren könnten. Wunden zu nähen...Ich habe Andvaris Körper gesehen als wir ihn retteten. Es war erstaunlich, was deine Hände vermochten."
      Anschließend sah er wieder zu ihrem Schwert und der Phiole.
      "Ich weiß nicht, ob er darauf reagieren würde. Andvari hat Probleme mit dem Sternenlicht und bisher hat es ihn nicht gekümmert. Aber du wirst mit der Zeit merken, dass Dandelost weit mehr als ein schwert ist. Beizeiten, wenn wir Ruhe haben, versuch etwas damit zu schneiden", murmelte er grinsend und wollte gerade weiterreden, als Andvari zur Türsenke herein kam.
      "Ich habe etwas!", rief er und grinste.
      Sein Gesicht war dreckig udn sein Umhang ebenso. Als sei er in eine Schlammpfütze gefallen, zog sich die bräunliche Spur quer über den Mantel, während er stolz zwei bereits gehäutete Kaninchen emporhob.
      "Hat etwas gedauert, aber sie sind fertig für den Topf!", sagte er und drängte sich zwischen die Beiden, um den Flammen nah zu sein. "Und? Was habe ich verpasst?", fragte er.

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    • Viola

      Behutsam legte Viola die wertvolle Phiole und restlichen Habseligkeiten von Sylvar auf dem alten, vermutlich bereits von Würmern zerfressenen Tisch ab. Zumindest die kleinen Löcher im maroden Holz wirkten sehr verdächtig.
      Anschließend nahm sie das Feuerkraut entgegen und grinste verwundert, als sie das sanfte Prickeln auf ihren Fingerspitzen fühlte. Prüfend berührte sie die saftigen Blätter und begutachtete fasziniert die feinen, roten Blattäderchen. Die Flora des Elfenreiches war wirklich beeindruckend. Für Sylvar und Andvari gehörte derlei Pflanzen zum gewöhnlichen Alltag, aber für Viola waren diese Kleinigkeiten jedes Mal ein kleines Wunder. Immerhin hatte sie bisher ohne jegliche Magie gelebt.
      Mit den Kräutern trat die Heilerin an das bereits entzündete Feuer, ehe sie einen amüsierten Blick zu Sylvar warf.
      "Wünsch mir Glück, dass meine Augenbrauen danach noch an Ort und Stelle sind...", kicherte sie und warf das Feuerkraut in die Flammen.
      Augenblicklich sprang sie einen, wenn auch etwas zu gut gemeinten, Schritt zurück. Tatsächlich schoss eine Stichflamme aus den Holzscheiten und Viola spürte die plötzliche Wärme im Gesicht. Die Augenbrauen hatten natürlich nichts abbekommen und auch keine einzige Strähne ihres Haares war angesengt. Triumphierend klatschte sie einmal in die Hände, als das Feuer stärker als zuvor brannte und längst nicht mehr so armselig aussah.
      "Etwas mit Dandelost schneiden?", wiederholte sie und zog grübelnd die Augenbrauen zusammen. "Stimmt. Bisher habe ich es nur zur Verteidigung genutzt..."
      Erst dann wandte sie sich wieder zu Sylvar um und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie hatte erst zweimal gesehen, dass Andvari Sternenlicht beschwor. Das hübsche Licht für Lyra, hatte zumindest verdächtig danach ausgesehen. Und in Telerin war es wie eine Welle aus ihm herausgebrochen. Zumindest war der warnende Ruf des Magiers eindeutig gewesen.
      "Weißt du weshalb es ihn bisher nicht kümmerte?", fragte sie zögerlich und hatte das Gefühl darauf keine Antwort zu bekommen.
      Ihre Vermutung bestätigte sich allerdings nicht, da in diesem Augenblick Andvari die Tür öffnete.
      Mit schief gelegtem Kopf sah sie sein verdrecktes Gesicht und und den Zustand seines Mantels.
      "Hast du die Kaninchen mit bloßen Händen gefangen und über die Äcker gejagt?", lachte sie und kam ihm entgegen, um ihm die Jagdbeute aus den Händen zu nehmen. "Braten oder kochen? Ich befürchte die verbliebenen Topfe sind bereits mit Löchern durchgerostet."
      "Sylvar ist seinen Pflichten als mein Lehrmeister nachgekommen und mir das Feuerkraut gezeigt.", strahlte sie und zog es vor, das Sternenlicht vorerst nicht zu erwähnen. Die Worte des blonden Elfen hatten sie nachdenklich gestimmt.
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    • Die Elfen

      Sylvar schaffte es gerade noch, hinter Andvaris Rücken eine verneinende Geste auf ihre Frage zu machen, als er sich wieder nach vorn beugte. Das Feuer prasselte nach der Stichflamme fröhlich vor sich hin und erfüllte die Luft mit einem zarten Knistern und ein wenig von dem GEruch nach verbranntem Gras.
      Andvari sah seine Liebste grinsend an und strich sich ein wenig erstaunt durchs Gesicht als sie ihm die Frage stellte.
      "Wie hätte ich es sonst machen sollen? Ich habe die Biester aufgespürt, zu ihrem Nest verfolgt und sie anschließend versucht zu fangen. Aber der Boden war rutschig und ich bin dreimal ausgelitten, ehe mein Pfeil getroffen hat."
      "Deswegen die Löcher in den Karnickeln..."; murmelte Sylvar verdrießlich. "Wenn wir nicht kochen können, dann braten wir sie. Ist doch auch einfacher. So haben wir zu essen, ein Feuer und einen Schalfplatz. Das perfekte Lager, nicht wahr?"
      Andvari grinste und nickte, während er Viola mit den Kaninchen zusah.
      "Und du bist deinen Pflichten nachgekommen?"
      Der Erzmagier verneigte sich spielerisch vor den beiden und lachte. "Naja, es war eine kurze, aber prägnante Lehrstunde. Ich finde, wir sollten viel mehr voneinander lernen. Von allen. Schau dir Violas Heilkunst an. Es ist faszinierend wie sie mit Nadel und Faden umgeht. Und wir könnten die magische HEilkunst vertiefend lehren."
      Andvari musste lachen, als er den Vorschlag hörte, aber blickte danach konzentriert ins Feuer, ehe er nickte.
      "Die idee ist nicht schlecht", murmelte er.
      "Ist sie nicht!", bekräftigte der Erzmagier udn sah zu Viola, um einen Daumen stumm zu erheben.
      "Halte Sylvar nur davon ab, die Totenglocken zu zeigen. Das letzte Mal hat er sienen Lehrling damit vergiftet!"
      "Das ist Verleumdung, Andvari Valverden! Der Trottel hat das Zeug selbst genommen, ich habe ihm sein Leben gerettet."
      "Du hast ihm ein Bein in ein Rad gehext!"
      "So konnte er schneller zum Heiler!"
      Eine Weile lang sahen sich die beiden Elfen ins GEsicht, ehe sie ihre Münder zum Schmunzeln verzogen. Spaßten sie zuviel in dieser ernsten Zeit?

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    • Viola

      Beiläufig zuckte Viola mit den Schultern und vermochte es dennoch nicht ein weiteres Lachen zu unterdrücken. Mittlerweile hatte sie das Gefühl vom vielen Lachen Bauchschmerzen zu bekommen. Es war seltsam diese Ausgelassenheit an einem Ort wie diesem zu spüren. Andererseits erfüllte es den toten Ort mit Leben und es war sicherlich die bessere Wahl, als mit verdrießlicher Miene den düsteren Erinnerungen nachzuhängen, die dem gesamten Dorf anhafteten.
      "Das hätte ich zu gerne mit angesehen, großer Jäger. Der berüchtigte Lichtrufer ausgetrickst von harmlosen Kaninchen auf offenem Feld", kicherte sie. "Ich geh gleich Wasser vom Bach holen. Zumindest kannst du dir dann das halbe Feld aus dem Gesicht waschen."
      Ein wenig umständlich präparierte Viola die gehäuteten Kaninchen auf den behelfsmäßigen Spießen. Die flinken Tierchen waren aufgrund der harten Jahreszeit etwas mager, aber es war besser als mit leerem Magen einen erholsamen Schlaf zu suchen.
      Auf einem der alten Holzschemel sitzend befestigte sie die Jagdbeute über dem Feuer und blickte mit einem Schmunzeln zu den beiden Brüder herüber.
      "Gegenüber der Heilkunst der Elfen wirken meine Methoden eher wie das Handwerk eines Metzgers. Hättest du Andvari vor ein paar Wochen diesen Vorschlag gemacht, hätte er vermutlich nicht darüber gelacht. Er hat mich angesehen, als wollte er mir den Kopf von den Schultern reißen, wenn ich ihm noch einmal mit der Nadel zu nahe komme. Andvari hat mich angeknurrt wie ein tollwütiger Hund", meinte die Heilerin zu Sylvar und grinste dabei. Hinter ihren Worten lag keine Schärfe.
      Mit dem Kinn in die Hand gestützt, beobachtete Viola die Brüder und das scherzhafte Gezanke. Ein liebenswertes Funkeln lag in den grünen Augen und sie ließ sich ganz von der losgelösten Stimmung einhüllen. Niemand brauchte ihrer Meinung nach ein schlechtes Gewissen haben. Spaß hatte noch nie jemandem geschadet und in der Vergangenheit hatte sie alle nur wenig zu Lachen gehabt.
      Die kleine Anekdote über Sylvars ehemaligen Lehrling lauschte sie mit großen Augen, ehe sie sich vor Lachen tatsächlich den Bauch hielt.
      "Ein Rad? Ernsthaft?", sprach sie. "Warum wundere ich mich eigentlich noch über diese Geschichten? Aber warum sollte er eine offensichtlich giftige Pflanze selbst einnehmen? Bitte sag mir nicht, dass es hier um einen Rauschzustand geht?"
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    • Anvari/Sylvar

      "Ja, die Aussicht muss ein Gewinn gewesen sein"; pflichtete Andvari lächelnd bei, ehe er sich ein Kichern an diesem Ort der eigentlichen Trauer genehmigte.
      "Naja, du wurdest schon von ganz anderen Dingen ausgetrickst", pflichtete Sylvar bei. "Von einer jungen Menschenfrau zum BEispiel, die dir in einigen Dingen um einiges überlegen ist."
      Andvari zog ein Gesicht und sah Viola lieber zu, wie sie sich in der Küche zu Werke machte. Auch wenn es ihm ein schlechtes Gefühl bereitete, tatenlos herum zu sitzen.
      "Wirklich?"; fragte Sylvar anschließend und lachte. "WIe ein Hund geknurrt...Andvari...Ich hdachte, du hattest mehr Anstand. Man kann einer Frau doch sagen, dass man sie mag. Man muss nicht tieresgleich knurren, mein Freund."
      Die Spitzfindigkeiten und das Feixen des Magiers schien kein Ende zu nehmen. Zumindest wenn man das Leuchten in seinen Augen bedachte, das sich ausbreitete, wärhend er versuchte, die Feuerstelle mit herzurichten.
      "Sie hatte eine Nadel...", murmelte ANdvari und schüttelte den Kopf. "Ich mag keine Nadeln."
      "Sprach der Elf mit den zwei Schwertern in der Brust."
      "Das war etwas anderes!", empörte sich Andvari. "Und davon abgesehen ist es jetzt anders. Jetzt dürfte sie mich mit allem traktieren was sie finden kann!"
      "Hört hört."
      Als sie Viola lachen hörten, untebrrachten sie ihre Zankerei und sahen sie beide ebenso liebevoll grinsend an. Sylvars Kichern versstärkte sich erneut als sie ihre Frage stellte.
      "LEider nein", bemerkte er. "Mein Lehrling war versessen darauf, die Wirkung der Totenglocken zu erforschen. Und als einzige Methode für eine bekannt hochgiftige Pflanze kam ihm die Selbsteinnahme in den Kopf. Er war bereits vier Jahre mein Lehrling und hätte sich zumindest noch drei weitere ausdenken können. Aber was soll ichs agen...Ich ließ es geschehen.
      Er nahm sie ein, sein Hals schwoll zu und ich dachte, zumindest den Weg zum Heiler könnte ich beschleunigen. Er hat überlebt und leitet nun die Bibliothek. DU hast ihn kennen gelernt. Es war Bruder Eleth, das kleine Scheusal."

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    • Viola

      "Zur Verteidigung seiner Ehre...", schmunzelte Viola. "...ich habe ihn auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst."
      Mit einem amüsierten Leuchten in den Augen sah die junge Frau zu Sylvar, während Andvari in ihrem Augenwinkel allein bei der Erwähnung der besagten Nadeln das Gesicht verzog. Kaum zu glauben, dass sie vor nicht all zu langer Zeit keinen blassen Schimmer hatten, was sie miteinander anfangen sollten. Ein Mensch und ein Elf eingepfercht in ein winziges, armseliges Zelt im kältesten Winter, den das Grenzland je gesehen hatte.
      "Bruder Eleth?", fragte Viola mit großen Augen. Sie erinnerte sich an den mürrischen Elf. "Dieser Griesgram hat mich jede Sekunde mit Argusaugen beobachtet. Als Sylvar ihm mitteilte, dass er gedenkt mich auszubilden, wäre der Gute beinahe in Ohnmacht gefallen. Ein Mensch in seiner Bibliothek, zwischen seinen kostbaren Schriften! Ein Skandal! Jedes Mal bevor ich ein Buch auch nur in die Hand nehmen durfte, hat er eine Stunde lang die Regeln der Bibliothek herunter zitiert."
      Die Heilerin war nach einigen Versuchen mit ihrem Werk zufrieden und drehte die Kaninchen einmal probeweise auf den Spießen. Das sollte seinen Zweck erfüllen, ohne dass der Braten gleich in der Asche landete. Sie erhob sich von ihrem Platz und streckte sich leicht, um die Angespanntheit der gekrümmten Haltung aus ihren Gliedern zu bekommen.
      Mit einem frechen Grinsen auf den Lippen trat die Heilerin hinter Andvari und lehnte sich leicht zu dem sitzenden Elf herunter. Zugegeben wirkten beide Elfen auf den kleinen Schemeln deplatziert und etwas ungelenk.
      "Mit allem, was ich finden kann? Soso...", flüsterte sie an seine Ohr, nachdem sie eine Strähne des seidigen, weißen Haares hinter jenes geschoben hatte. Etwas Erde vom Feld blieb an ihren Fingerspitzen haften, was sie daran erinnerte, wohin sie eigentlich wollte. Es machte ihr nichts aus, die vertrauten Arbeiten selbst zu erledigen. Viola kicherte leise und konnte es nicht sein lassen, ihn ein wenig zu ärgern. "Führ' mich vor deinem Bruder nicht in Versuchung."
      Und da war die junge Frau auch schon wieder aus seinem Rücken verschwunden, um sich einen alten Eimer zu nehmen, der neben der Tür stand. Viola unterdrückte ein weiteres Lachen und verschwand in den kalten Abend. Wenige Augenblicke später kehrte sie mit dem vollen, tropfenden Eimer vollen eiskalten Bachwassers zurück und stellte ihn am Feuer ab, damit das Wasser ein wenig Temperatur annahm.
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    • Andvari / Sylvar

      "Ja, Bruder Eleth", bestätigte Sylbar nickend und lachte. "Ach, er und seine kostbaren Schriften. So wie er dich ständig darauf hingewiesen hat, hat er mir gepredigt, dich ja keinen Gefahren auszusetzen wie ihn. Immerhin wärest du ein Mensch und da wäre er doch strapazierfähiger als du. Er wollte dich schützen, Liebes, aber leider hielt ich ihn für den Schutz für nicht geeignet. Anschließend hat er sturm geklingelt und sich die Augen an einer Pflanze verätzt. Vielleicht sah er deshalb so grimmig aus".
      Der Erzmagier schien einen Moment darüber nachzudenken, ehe er die kleine Plänkelei zwischen den beiden anderen mitbekam und breit grinsend zusah. Ehe die Versuchung ins Spiel kam.
      "Bitte lasst die Finger heute voneinander", sagte er und stützte den Kopf auf die Hände. "Ich ertrage sowas nicht. Ich befürcht, da kann ich mir gleich eine Giftpflanze einverleiben."
      "Stell dich nicht si an", murmelte Andvari, der seiner Liebsten sogar noch dreist hinterher sah.
      Innerlich stellte er sich die Ausrede, dass er sichergehen wollte, dass sie nichts angriff. Die Tatsache entsprach eher, dass er für eine Beobachtung der Landschaft wesentlich zu tief schaute. Kopfschüttelnd wandte er sich Sylvar zu, der bereits das Feier richtete und die kleine Konstruktion aufbaute, damit der Hase leichter gebraten werden konnte. Andvari indes sah sich noch kurz in diesem Trauerhaus um und kam nicht umhin, die sorgsamen Arbeiten an den Hölzern zu beobachten. Auch wenn das Leben des Raumes entfleucht war, so erstrahlte es doch hin und wieder Erinnerungen erneut.
      Schweigesam setzte er sich wieder und sah Viola zu, wie sie den Eimer absetzte. Ein wenig des Wassers raubte er sich, um das Gesicht zu waschen, damit er nicht wie ein Lumpenbengel am Tisch saß.
      "Ich frage mich, wohin uns das alles führt", murmelte er sorgsam und sah aus dem Fenster in die Einöde vor der Tür.
      "Was meinst du?"; fragte Sylvar, der die Hasen grob auf einen Spieß auflegte.
      "Das alles hier. Ist diese Rebellion wirklich so erfolgreich wie gedacht? ODer schicke ich tausende in den Tod? "

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    • Viola

      Verwundert sah Viola den Erzmagier an, ehe sie schließlich neben Andvari einen Platz am Tisch einnahm.
      "Tatsächlich?," fragte sie und tippte sich grübelnd an die Lippen. "Da habe ich Bruder Eleth wohl gänzlich falsch eingeschätzt. Dabei wirkte er gegenüber mir stets etwas grimmig. Jetzt tut es mir sogar leid, dass ich sämtliche Vasen, Gläser und andere Behältnisse in seinem Zimmer zum Platzen gebracht habe. Selbst der Badezuber hatte einen Sprung. Das ganze Zimmer stand unter Wasser."
      Wobei Letzteres nicht beabsichtigt gewesen war. Aber die Sache mit der Kontrolle war oft nicht so leicht am Anfang. Ertappt wie eine unartige Schülerin legte sie verlegen den Kopf ein wenig schief, konnte sich aber ein Schmunzeln nicht verkneifen. Viola war jung hatte sich einen närrischen, kindlichen Streich erlaubt. Bruder Eleth wusste sicherlich genau, wer es gewesen war, hatte aber nie etwas gesagt.
      In einer übertriebenen Geste hob Viola die Hände demonstrativ in die Höhe, ehe sie beide mit den Handflächen gut sichtbar auf den Tisch legte. Das spielerische Grinsen auf ihrem Gesicht war früher ein seltener Anblick gewesen, aber Viola war offener geworden und hatte sichtlich an Selbstvertrauen gewonnen.
      "Siehst du? Ich behalte meine Hände brav dort, wo du sie im Blick hast." Viola versuchte ihrer Stimme einen gewissen Ernst zu verleihen, scheiterte aber an dem unterdrückten Lachen, das ihre Schultern zucken ließ.
      Erst die nachdenklichen Worte von Andvari erinnerten sie daran, dass das hier kein netter Ausflug war. Die junge Frau räusperte sich und verschränkte die Finger ineinander, während sie seinem Blick in die angebrochene Nacht folgte. Leise seufzte Viola, nicht genervt oder abwertend. Zögernd drehte sich Viola auf ihrem Platz zu Andvari um und legte ihm sanft eine Hand auf den Arm.
      "Wohin es auch führt, du bist nicht allein. Wir haben es zusammen begonnen, und wir beenden es gemeinsam. Einfach wird es nicht, dass wissen wir alle. Dein Vater wird nicht kampflos das Feld räumen, selbst wenn alle Schwerter als Zeugen an den Hof zurückkehren und dem rechtmäßigen König die Treue schwören. Aber wenn du Zweifel hast, sag es mir." Sie lächelte. "Niemand wir dich dafür verurteilen."
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    • Sylvar/andvari

      Der Erzmagier begann laut zu lachen und prustete wie ein Kranker.
      "Du warst das?", fragte er wiehernd. "Ich habe mir vier Tage lang beschwerden angehört und haltlose Anschuldigungen seinerseits. Hab sie alle abgetan, weil ich dachte, so langsam knallt er wirklich durch! Wirklich ganz hevorragend."
      Sylvar nickte anschließend zu ihrer Bemerkung und verlor das Lachen, als er Andvari ansah. Ein nachdenklicher Ausdruck trat auf sein Gesicht und er seufzte.
      "Viola hat Recht", murmelte er. "Du bist nicht allein, aber es wäre genauso gelogen, wenn ich dir sagte, dass ein KRieg ohne Opfer möglich ist. Die Welt befindet sich im Wandel, Andvari. Bereits seit dem ersten Auftauchen der Lichtrufer hätte das Volk der Elfen einen friedvollen Weg gehen müssen. Aber wir mutierten diese wunderbare KRaft in einen KRieg. Wir überfielen die Zwerge, die Waldelfen und die anderen Rassen und nun auch die Menschen..."
      "Ich habe ZWeifel", gab Andvari zu. "Sieben Schwerter werden sich erneut erheben und für mich kämpfen. Wie das letzte MAl. Ich habe Angst, dass wir erneut fallen und erneut Elfen, Menschen, ZWerge und weitere in einen unverdienten, grausigen Tod entsenden. Mein Vater wird nicht kampflos fallen, das stimmt. Aber mein Verstand sucht nach einer anderen Möglichekit."
      "Und welche?", fragte Sylvar und klang grantig. "Willst du weglaufen?"
      Andvaris Gesicht zeigte an, dass das eine Möglichkeit des Gedankens war.
      "Und was hättest du davon? Denkst du, dein Vater macht Halt bei den Menschen? Wenn das Land der Menschen erobert ist, werden Faolan und Lysanthir weiter machen. Sie werden weiter morden und dieses Dorf hier wird nur eines von den vielen sein, die sie unter sich begraben..."

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    • Viola


      Die Stimme des Magiers gewann mit jedem verstreichenden Augenblick an Härte.
      Violas Hand wanderte über seinen Arm entlang bis sie ihre Finger in einer vertrauten Geste um seine schloss. Tröstlich drückte sie seine Finger. Wortlos gab sie Andvari zu verstehen, dass sie an seiner Seite war. Der Blick ruhte auf Sylvar, der ebenso wie ihr selbst Stunden zuvor, nun seinem Bruder den Spiegel vorhielt.
      Der beinahe harsche Tonfall ließ Viola dieses Mal allerdings nicht zusammen zucken. Die Wahrheit war häufig unbequem und verleitete oft dazu, sich im Stillen vor ihr zuverstecken. Aber die Heilerin bezweifelte, dass es auch nur einen Ort auf diesem Kontinent hab, an dem die Söhne König Oberons ihren unliebsamen Halbbruder nicht finden würden. Keiner der grausamen Prinzen war gewillt ein Risiko einzugehen und so lange noch das Blut der Lichtrufer mit Leben erfüllt war, würde die Hetzjagd nach diesem Auftakt kein Ende nehmen.
      Die Dankbarkeit, dass Sylvar auf der Seite seines Halbbruders war, erfüllte die junge Frau mit einer grenzenlosen Dankbarkeit.
      Ohne den Erzmagier wäre keiner von ihnen beiden heute hier. Andvari wäre im Verließ unter dem Palast seines Vaters in einer modrigen und stinkenden Zelle verrottet. Wahrscheinlich hätte Viola dieses Schicksal geteilt, doch sie bezweifelte, dass die Elfen sie dafür lange genug am Leben gelassen hätten.
      "Andvari...", versuchte die Heilerin leise und drückte erneut seine Finger, um die Aufmerksamkeit des Elfen zu bekommen. "Wir haben alle Angst. Sylvar, ich. Die blanke Vorstellung irgendwann zurück nach Tirion zu reisen, jagt mir eine wahnsinnige Angst ein. Der Gedanke an ein Wiedersehen mit Lysanthir und das er dieses Mal sicherstellt, dass seine Männer mich in der Erde verscharren, schnürt mir dir Luft ab. Ich habe nicht vor so mein Leben zu verlieren. Aber ein Leben auf der Flucht, Andvari, ist kein Leben. Das hier ist kein Leben. Willst du bis an dein Lebensende immer über die Schulter sehen müssen? Früher oder später nehmen Lysanthir und Faolan unsere Fährte auf. Sie werden dich nie in Frieden ziehen lassen."
      Selbstverständlich schloss Viola sich in diesen Gedanken mit ein. Für sie Bestand kein Zweifel, dass egal welche Wahl der Elf vor ihr traf, sie ihn begleiten würde so lange sie die Kraft dazu hatte. Ein Leben auf der Flucht bedeutete, dass er sie in ferner Zukunft zurück lassen musste. Die Zeit würde die Heilerin nicht verschonen.
      "Das Volk der Elfen, dein Volk, verdient einen König, der seine Augen nicht verschließt und mit Gleichgültigkeit herrscht. Sylvar hat Recht. Es wird nie aufhören, wenn wir es nicht beenden. Ich wünsche mir, dass Helenas Kinder in einer Welt aufwachsen, in der sie die Schatten nicht fürchten müssen. Du hättest das auch für Lyra und für Feanore gewollt.", flüsterte sie die letzten Worte und schloss die Augen.
      Sie sprach den Tod seiner Familie nicht leichtfertig oder aus Böswilligkeit aus. Auch nicht, um ihn zu manipulieren. Es war ein trauriger Fakt. Viola wünschte sich dieses friedliche Leben auch für ihren Bruder, der die Chance nicht mehr hatte, und für ihre eigene Familie, sollte ihr dieses Leben je vergönnt sein.
      "Für welchen Weg du dich schließlich entscheidest...", sprach sie und schlug die Augen."...ändert nichts an meinen Gefühlen. Ich werde dich deshalb nicht einem anderen Licht sehen, aber könntest du damit Leben allem den Rücken zuzukehren? Was ist Farryn und Eyrik, die gerade ihr Leben riskieren, um dir zu helfen?"
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    • Andvari

      Es war schwer, all die guten Argumente, die Viola un Sylvar anbrachten, überhören zu wollen. Auch wenn sein ganzer Körper ihm dazu riet. Schweigsam lauschte er ihren Worten und sah dabei jedoch nur Viola an, als sei ihr Blick das einzgie Heil in einer finsteren Nacht. Und während der Wind das Feuer anblies und Sylvar die hasen fertig drapierte, seufzte der weißhaarige Elf und ließ den Kopf sinken. Erst bei der Erwähnung seiner toten Familie zuckte er zusammen und erhob sich wieder.
      Sie hatte Recht.
      Sie hatten beide Recht. Er wollte keine Welt, in der man um sein Leben fürchten musste, wenn man vor die Tür ging. Er wollte eine Welt, in der alle Völker miteinander die Schönheit der Welt auskosten konnten und in Frieden lebten. Und auch als Viola von ihrer Angst vor Tirion und seinen BRüdern berichtete, freimütig wie sie war und Sylvar, der sein Leben aufgegeben hatte. Farryn und Eyrik, die die Schwerter versammelten...All das war der Grund, dass er schwach nickte und seufzte.
      "Ihr habt Recht", murmelte er. "Nein, ich könnte dem nicht meinen Rücken zukehren. Es ist genug gemordet und gepeinigt worden. Es reicht. Ich wünsche mir, dass wir eine Welt kreieren, in der alle Kinder glücklich und zufrieden aufwachsen können. Und keiner fürchten muss, von einem anderen getötet zu werden. Oder für eine Familie zu sterben..."
      er nahm ihre Hand und hauchte lächelnd einen Kuss darauf.
      "danke", flüsterte er.
      Sylvar indes prustete und sah sie ihn mit gespitzten Lippen an.
      "Was? Kriege ich keinen Kuss von dir?"
      Andvari verzog angewidert das Gesicht und schüttelte sich.
      "Nicht in 100 Jahren du perverser Rotzklumpen!"

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    • Viola


      Die Familie Andvari's mit ins Spiel zu bringen, hinterließ einen bitteren Beigeschmack.
      Unbewusst zuckte auch Viola ein klein wenig zusammen, als ein Ruck durch den Elfen ging. Viola hatte mit einem aufkeimenden Widerstand gerechnet, bei der Erwähnung seiner verstorbenen Liebsten, und vielleicht sogar eine Zurechtweisung. Dennoch, der Blick, der nun ihrem begenete, war klar und es blitzte die vertraute Stärke in den goldenen Augen auf. Ein sanftes Lächeln glitt über ihre Gesichtszüge und kämpfte sich bis in ihre Augen, als Andvari sich herabbeugte und einen Kuss auf ihren Handrücken hauchte.
      Die freie Hand fand ihren Weg an seine Wange, wo sie liebevoll mit den Fingerspitzen einen vergessenen Fleck Staub und Erde unter seinem linken Auge fort wischte. Ihr Daumen wanderte unter seinem Auge entlang und sich nickte zuversichtlich.
      "Jeder darf von Zeit zu Zeit an sich und der Welt zweifeln. Zum Glück hast du uns...", lächelte Viola.
      Schließlich warf sie einen Bilck zu Sylvar, dem bereits der Schabernack ins Gesicht geschrieben stand. Bei dem Anblick des Erzmagiers neigte Viola das Kinn und verbarg das breite Grinsen an ihrer Schulter. Die Ablenkung von den trübseligen Gedanken hatte definitiv die gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Die junge Frau erhob sich von der morschen Sitzgelegenheit und löste die verschlungenen Hände voneinander. Stattdessen umrahmte Viola mit beiden Händen zärtlich das Gesicht des weihaarigen Elfen dass dieser angewidert verzogen hatte, und stahl einen Kuss von seinen Lippen. Kurz fuhr sie mit gespreizten Fingern durch das weiße Haar, ehe sie sich mit einem Lächeln von ihm löste.
      Demostrativ hielt Viola ihre Hände ein wenig höher und sah mit schief gelegtem Kopf zu Sylvar. Ein freches Blitzen trat in die grünen Augen. Die Hände waren immernoch dort, wo der Erzmagier sie im Blick hatte.
      Kurzentschlossen umrundete sie den alten Esstsich und kam mit einer unheilverkündenen Miene auf den Elfenzauberer zu. Herausfordernd hob sie die Augenbrauen in die Höhe, ehe sie sich geschwind an sein Gesicht neigte und ihm einen Kuss auf die Wange drückte bevor er protestieren konnte.
      "Ein Trostpflaster, Herr Magier...", lachte sie und wirbelte herum, um erneut in der beengten Kochnische in den verstaubten Regalen zu kramen. Tatsächlich fand sie Überbleibsel von Geschirr, auch wenn sie vermutlich mit den Fingern essen würden. Besteck war sowieso keines auffindbar. Viola wischte den den Staub von den alten Holztellern, die erstaunlicherweise noch recht brauchbar aussahen und stellte das einfache Geschirr auf den Tisch. Dann wandte sich Viola wieder an den Lichtrufer.
      "Ein Sache frage ich mich schon die ganze Zeit über.", begann sie und stützte sich mit beiden Handflächen auf dem Tisch ab. "Was ist mit Vaeril passiert? Und wie konnte er überhaupt so nah an dich herankommen? Die Schwerter steckten in deiner Brust Andvari. Er muss dich frontal angegriffen haben. Das war kein Hinterhalt."


      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari / Sylvar

      Erfreut juchzte der Erzmagier auf, als Viola ihm einen Kuss auf die Wange setzte. Andvari schien noch in einer Art Schockstarre gefangen zu sein, da er den Kuss nicht erwartet hatte und die plötzliche Zärtlichkeit ihn daran erinnerte, wie vergänglich das hier alles war. Ein ungeahnter Hunger überfiel ihn, den er alsbald versuchte niederzukämpfen, während Sylvar breit grinste.
      "Na da hast du einen Volltreffer gelandet", murmelte er und drehte die Hasen über dem Feuer, das knuspernd an dem Fett der Tiere genährt wurde. "Der zukünfitge König ist von einem KUss noch im Reich der Träume."
      Als sie die Teller auf den Tisch platziert hatte und ihre Frage stellte, horchte auch der Erzmagier auf und legte den Kopf schief. Eine interessante Frage, ohne Wenn und Aber. Andvari war nicht der Typ Kämpfer, der einen anderen nahe an sich herankommen ließ. Er hatte zwar einen leichten Verdacht, aber...
      Andvari erwachte aus seiner Starre und sah sie an. Den Blick merkwürdig entrückt und gleichsam gefestigt.
      "Ich habe ihn herankommen lassen", gab er schließlich zu und kratzte sich an der Nase. "Ehe ihr euch aufregt: Vaeril ist kein Kämpfer, dem man mit simplen Angriffen beikommen kann. Verfällt er in seinen Schattenmodus, ist er beinahe nicht greifbar und kann nur unter großer Anstrengung gebändigt werden. Zwingt man ihn jedoch zum Angriff, muss er sich materialisieren und wird dadurch körperlich. Und das war meine Chance..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Das Gesicht der Heilerin spiegelte nichts außer Neutralität wieder.
      Mit jeder gesprochenen Silbe gruben sich die nachdenklichen Linien tiefer in ihre Stirn und zwischen ihre zusammen gezogenen Augenbrauen. Der entrückte Blick gab Viola ein Rätsel auf. Dabei verstärkte er gleichzeitig das Gefühl, dass Andvari nicht jedes Detail dieser lebensbedrohlichen Begegnung Preis gab. Die Fingerspitzen trommelten auf dem alten, spröden Holz des Esstisches.
      Viola schwieg wieder für weitere quälende Augenblicke, als würde sie über den Wahrheitsgehalt seiner Worte nachdenken. Andvari hatte sie nie aus Böswilligkeit belogen, aber aus Sorge sie zu verletzen Wichtiges verschwiegen. Die Begründung des Elfen mochte durchaus Sinn ergeben, aber Viola hatte den furchtbaren und erschreckenden Anblick noch nicht vergessen. Ein Lächeln und das Herumalbern war eine willkommene Ablenkung, aber es machte nichts ungeschehen.
      Suchend glitt ihr Blick über das Antlitz ihres Gefährten, der sie einen kurzen Augenblick zuvor mit einem vertrauten Hunger in den bernsteinfarbenen Augen angesehen hatte.
      "Du weißt, dass du hättest sterben können? Die Klingen durchstießen deine Lungen, du wärst beinahe an deinem eigenen Blut erstickt. Keiner von uns beiden, weder Sylvar noch ich, hätten etwas dagegen tun können. Dass du lebst, ist pures Glück. Es war gefährlich und leichtsinnig. Und da ist etwas, dass du mir nicht sagen willst", murmelte sie und ballte die Hände auf der Tischplatte zu losen Fäusten, während ihre Stimme nichts als Ruhe ausstrahlte. Sie wollte nicht streiten, nichts lag ihr ferner.
      Viola lauschte in das alte Bauernhaus hinein, dass einst ihr Zuhause gewesen war. Der Geruch von Feuer und Rauch vertraute Begleiter in den letzten Jahren.
      Fragen über Fragen brannten ihr unter den Nägeln. Eine von ihnen drängte sich ungebremst in den Vordergrund.
      "Ist er tot?", brach ihre Stimme die selbst erzeugte Stille.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Elfen

      Andvari blickte schuldbewusst zu Boden, während Viola ihre Meinung kundtat. Sicherlich hatte sie Recht, aber auch sie würde mit der Zeit feststellen, dass es Feinde gab, denen nur so beizukommen war. Mit eben offensiver Härte und Aggression. Und Vaeril war kein einfacher Gegner, den er übermannen konnte.
      "Sie hat Recht, weißt du?", fragte Slyvar und drehte die Hasen erneut. "Sicherlich ist diese Methode greifbar, aber es hat nicht viel gefehlt, Andvari."
      Der Weißhaarige nickte und sah sie beide abwechseldn an, ehe er seufzend Viola fokussierte und das Heil in ihrem Blick suchte.
      "Ich verstehe, dass ihr euch Sorgen gemacht habt", murmelte er. "Und ja, es war leichtsinnig und knapp, aber ich wusste mir nicht zu helfen. Wir mussten fort, die Raben waren auf dem Weg, du warst inmitten des Kriegsschauplatzes und ich...Ich konnte kaum etwas tun egegen diese Schattenwesen. Also war es der einzige Plan, der uns blieb."
      Schließlich griff er nach ihren Händen und hielt sie fest, ehe er leicht den Kopf senkte.
      "Nein", murmelte Andvari. "Ich nahm ihm vielleicht einen Arm, aber er lebt noch. Und ich weiß nicht, was du meinst, wenn du sagst, ich sage dir etwas nicht. Frage mich und ich antworte. Aber ich weiß nicht, was ich verheimlichen sollte."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Wunsch den Blick zu senken und dem intensiven Fokus der Bernsteine zu entfliehen, übermannte Viola beinahe.
      Das Gefühl Andvari leblos in den Armen zu halten, war ihr bereits erschreckend vertraut. Erst Telerin hatte der Heilerin wirklich gezeigt, wie spielend leicht es war, sein Leben auf dieser Reise zu verlieren. Andvari, Sylvar, selbst Farryn und Eyrik, die sie kaum kannte und bereits ins Herz geschlossen hatten. Jeden Einzelnen auf ihre eigene Art und Weise. Je länger sie diesen Weg beschritt, umso mehr gab es zu verlieren. Aber sie beschloss, dass es die Angst und den Schmerz wert war.
      Ein gedehntes Seufzen erfüllte den Raum zwischen ihnen.
      "Das habe ich befürchtet." Vaeril war kein leicht zu besiegender Gegner und hatte nun einen weiteren Grund seine persönliche Rache auf Andvari zu erweitern. Eines Auges und nun auch eines Armes beraubt, musste der Schattenläufer vor Zorn kochen und Galle spucken.
      "Vaeril hat das fragwürdige Talent mit Worten jede Menge Schaden anzurichten. Er ist manipulativ und herzlos. Ich hatte angenommen er hätte etwas gesagt, was dich unvorsichtig werden ließ. Lass ihn einfach nicht in deinen Kopf. Was immer er dir gesagt hat, ist eine Lüge. Als du nicht aufgetaucht bist, wollte er mir eintrichtern, du hättest mich zurück gelassen."
      Langsam verließ sie ihre gebeugte Haltung über dem Tisch und trat an die Seite des sitzenden Elfen. Sachte lehnte sie ihren Kopf an seinen.
      "Versprich mir nur in Zukunft auf weniger risikoreiche Weise unsere Leben zu retten...", flüsterte sie und drückte seine Finger. Es war ein unmögliches Versprechen, nicht fair und leicht zu brechen.
      Endlich verlor sich ihre versteinerte Miene in einem sanften Heben ihrer Mundwinkel und sie ließ die Wärme seiner Hände, die ihre fest umschlangen, durch ihre Arme herauf und ihren ganzen Körper wandern. Ein vertrautes Kribbeln breitete sich über ihre Fingerspitzen aus, als die geschwächte Aura ihrer eigenen Magie einen kläglichen Puls abgab. Das Lächeln wurde breiter.
      Die Wange noch auf dem weißen Haarschopf gebettet, sah sie zu Sylvar herüber.
      "Was sagt der Meisterkoch?", schmunzelte sie, ehe ihr Magen mürrisch knurrte. "Ich könnte einen Bissen vertragen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      für einen Moment lang blickte der weißhaarige Elf in ihre Augen und sah anschließend selbst zu Boden und seufzte.
      „Manipulativ war er leider schon immer“, murmelte er und schüttelte den Kopf. „Ähnlichkeit.“
      Das Wort hallte wie eine Drohung in dem kleinen dachlosen Unterschlupf wider. Pfeifend entledigte sich der Wind sämtlicher Umgebungsgeräusche, während nur noch das Prickeln und Zischen des Fetts über dem Feuer zu hören war. Selbst der Erzmagier hielt sich vornehm zurück, während er den Hasen wendete und wendete. Bald waren sie durch und konnten gegessen werden.
      „Er sprach von Ähnlichkeit“, sagte Andvari. „Deiner Ähnlichkeit zu Fea und wie verblüffend sie wäre. Und von Mitleid und derlei Dingen. Ich gebe zu, dass es mich ein wenig wütend machte, aber eine Manipulation hat er nicht ausreichend geschafft. Aber ich verspreche dir, dass ich mir alle Mühe geben werde.“
      Ein flüchtiges Lächeln huschte über seine Lippen, ehe er sich in die sorgsame Umarmung seiner Liebsten begab und die Wärme genoß, die von ihrem zierlichen Leib ausging. Sie wirkte zerbrechliuch aber zumindest war die Schwere aus ihrem Gemüt gewichen.
      „Gerade fertig!“, rief Sylvar und hob die Hasen von den Stäben, um sie dampfend vor dem Feuer bereits zu zerteilen. „Können gegessen werden!“

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Schattenläufer besaß die Eigenschaft die verwundbarsten Punkte zu seinem Vorteil auszuspielen.
      Auch bei Andvari hatte er auf ein leichtes Spiel gehofft und war dabei auf Granit gestoßen. Viola musste sich zu ihrer Schande eingestehen, dass sie den Worten von Vaeril für den Bruchteil einer Sekunde sogar geglaubt hatte. Angst und Unsicherheit waren eine gefährliche Mischung. Ob wirklich eine Ähnlichkeit bestand, vermochte die Heilerin nicht zu beurteilen. Allerdings war sie im Delirium schon bei dem Namen seiner verstorbenen Liebsten genannt worden. Ein Funken Wahrheit steckte also in dieser kühnen Behauptung des Schattenläufern.
      "Ob Vaeril damit Recht hat oder nicht spielt keine Rolle. Für mich ist es nicht wichtig. Nicht mehr", sagte Viola. "Ich würde lügen, wenn ich dir sagte, ich hätte nie über darüber nachgedacht. Aber du warst nicht bei klarem Bewusstsein, als du mich angesehen und mich mit ihrem Namen angesprochen hast. Also glaube ich daran, dass ich mir um die spitzen Bemerkungen dieses Mistkerls keine Sorgen machen muss."
      Lächelnd hauchte sie einen Kuss auf seinen Scheitel und spürte das vertraute Gefühl seines Körper, der sich bereitwillig in ihre Arme begab, die sie locker um seine breiten Schultern legte.
      Ein paar kostbare Augenblicke genoss Viola die kurze Zweisamkeit und versuchte sich daran zu erinnern, ob sie jemals zuvor diesen ungebändigten Drang verspürte hatte, die Nähe einer anderen Person ständig spüren zu wollen. Leicht verzog sie das Gesicht an seinem Haupt. Viola fragte sich im Stillen, ob es dem Elf von Zeit zu Zeit schon zu viel des Guten war. Aber bisher hatte er sie stets gewährend lassen.
      Der Erzmagier riss sie aus ihren Gedanken und sie hob mit einem Grinsen den Kopf.
      "Perfekt! Ich verhungere...", verkündete Viola lachend und schickte sich an, Sylvar mit den Kaninchen zu helfen. Es war eine schlichte Mahlzeit, aber das magere Fleisch fiel wunderbar vom Knochen. Zumindest war es nicht zäh geworden. Auf einem zusätzlichen Teller sammelte Viola mit der Hilfe des Magiers ihr Abendessen und kehrte damit an den Tisch zurück, um den Teller samt dampfenden Inhalt in der Mitte der Tischplatte zu platzieren.
      Sie ließ sich wieder in ihren Stuhl sinken und bedeutete Sylvar sich ebenfalls zu setzen.
      "Besser als Henriettas Eintopf, findet ihr nicht?", grinste sie.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”