spellbound. (earinor & akira)

    • Sie beide wussten, dass sie das eigentlich gar nicht tun sollten und doch störte es sie, dem Anschein nach zumindest, keine Sekunde. Wieso sich auch verstellen, wenn man wusste, dass man all die Möglichkeiten, die man gehabt hatte, ohnehin schon verspielte und das hier nichts weiter als der Moment war, in dem Nayantai sich erhoffte, er würde sich selbst nicht auf frischer Tat bei diversen Dummheiten ertappen? "Quitt, huh?" Dann müsste Rain ihn aber tatsächlich zweimal mehr beißen, einmal in die Hand und einmal ... in sein Schlüsselbein, aber das war auch keine Neckerei dieser Art gewesen, wenn der Wolf ehrlich war. Noch immer wusste er nicht, was ihn dazu übermannt hatte, aber der klebrig süße Geschmack der Torte, der sich noch immer zäh durch seinen Mund zog, lenkte ihn ab. Während die Wölfe all das hier wohl nicht anrühren würden, selbst, wenn sie verhungern müssten, war Rain es wohl, der nicht auch nur eine Nacht lang mit dem Gewissen leben wollen würde, dass er die Kochkünste der Wölfe probiert hatte - wenn man es überhaupt Künste nennen konnte. All diese Dinge schmeckten so unterschiedlich, aber alles, was diese vermaledeite Torte verursachte, war ein klebriger Nachgeschmack, den er nicht loswurde. "Aber wozu? Dieses ... Ding scheint mehr als nur aufwendig", murrte der Wolf etwas enttäuscht. Verflucht nochmal, wieso ließ er sich dazu auch überreden.

      "Torte ... ich glaube kaum, dass wir ein Wort dafür haben", bemerkte er beschämt und kratzte sich am Hinterkopf. Vermutlich hatten die Wölfe nicht einmal eine Ahnung von diesem sonderbaren Ding, das Rain durchaus gerne zu essen schien. Auch, wenn es nicht grauenhaft schmeckte, so hatte Nayantai in seinem Leben noch nie etwas gehabt, das einigermaßen ähnlich war - das Essen der Wölfe war einfach, erfüllte seinen Zweck und brauchte gelegentlich eine Adjustierung, aber ansonsten konnte er sich nicht beklagen. "Ich wüsste gar nicht, womit ich es vergleichen kann. Nicht einmal Beeren sind so süß", beklagte Nayantai sich beinahe schon, als er nach dem Brot griff und sich ein Stück abriss, das er sich fast schon zeitgleich in den Mund stopfte und gründlich kaute, bevor er es herunterschluckte und sich aus seiner Misere befreit sah. "Natürlich tust du das, aber ich glaube, das Essen der Wölfe würde dir absolut nicht schmecken", außer, man wollte sich daran den Mund verbrennen. Das, was die Schafe ihm hier servierten, schmeckte vergleichsweise neutral und wenn überhaupt nach wenig Gewürzen, als wüssten sie nicht, wie man sie verwendete - aber das war vermutlich auch wieder der Unterschied zwischen ihnen. "Torte?", fragte er etwas verwirrt, sah auf Rains Finger und streckte seine Zunge an diese Stelle. Warte, was? Da war doch gar nichts.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Wozu?" Rain musste lachen, für die Wölfe musste wohl alles einen bestimmten Zweck erfüllen, es stimmte schon, die Torte war nicht nahrhaft, sogar eher schlecht für den Körper, aber es schmeckte und wenn man darauf Wert legte, konnte man damit auch angeben, nur nicht vielleicht vor einem Wolf, somit war die Verzierung wirklich sehr nutzlos. "Es schmeckt.", erklärte er und zuckte mit den Schultern. "Lämmer mögen alles was süß ist. Süß? Wir haben viele solcher Dinge, auch in anderer Form. Manchen Schafen macht es wohl Spaß Neues zu erfinden." Dass ein Wolf die Ausrüstung, geschweige denn die Motivation besaß etwas zu backen, konnte Rain sich nicht vorstellen. Er wusste nicht einmal, ob sie etwas ähnliches wie Zucker überhaupt zur Verfügung hatten, in Mengen die groß genug waren. Um genau zu sein, wusste er mal wieder gar nichts, aber im Moment störte es ihn nicht so sehr.

      Die Kochkünste der Wölfe hätte er trotzdem gerne einmal gekostet, doch den Wolf in die Küche zu bekommen wäre wohl schwierig, zudem fehlten vermutlich die richtigen Zutaten. Nicht einmal Rain konnte in die Küche gehen, ohne sich einen Vortrag anhören zu müssen, als er kleiner war, hatte er ein paar Mal eins auf die Finger bekommen, weil er das neueste Versteck der Kekse gesucht hatte, die ständig an neuen Plätzen gelagert wurden, weil Rain sie immer wieder fand. Selbst wenn etwas zu hoch für ihn gewesen war, hatte er einen Weg gefunden an die Kekse heran zu kommen. Am Ende konnte ihm wohl niemand richtig böse sein.

      "Wolfs Essen hm... Ich würde es gerne mal kosten.", murmelte er, vielleicht konnte er es ja irgendwann bewerkstelligen. Er sah Nayantai dabei zu, wie er seine Zunge ausstreckte wie ein Kind, statt sich eine Serviette vom Tablett zu nehmen und noch dazu an der falschen Stelle suchte. Wieder kicherte Rain, nahm sich selbst eine der Stoffservietten und beugte sich nach vorne, um Nayantai das Stück Torte vom Gesicht zu wischen. "Und du sagst, ich wäre ein Kind. Du bist hier der Welpe.", schmunzelte er. In der Welt des jeweils anderen, waren sie wohl tatsächlich nichts weiter als Kinder, die noch so viel zu lernen hatten.
    • "Ja, wozu", bestätigte er dem Lamm nur, musste aber nicht lange auf eine verwirrende Antwort warten, die es wiederum zu entziffern galt - etwas, das dem Wolf schon von Anfang an nicht lag. Das, was er verstand, war zumindest, dass die Schafe solche Dinge gerne aßen - aber wozu? "Mh, ich glaube, ich verstehe dich noch immer nicht ganz - oder die Essgewohnheiten der Schafe, zumindest." Ein anderes Mal, so redete er es sich ein, würde er schon noch herausfinden, was an diesem Ding so gut sein sollte, doch für den Moment blieb es wohl ein Geheimnis, das sich dem Wolf nicht erschließen würde. Schade eigentlich, wenn man bedachte, dass er doch erst hier war, weil er über die Schafe lernen wollte, aber anscheinend auch das nicht vergönnt bekam. "Esst ihr auch Dinge, die nicht ... süß oder kaum nach irgendetwas schmecken?", anscheinend nicht, oder aber, Nayantai war einfach ein Gierschlund, der einmal zu viel - als er allein war - die Suppe fast in einem hinuntergewürgt hatte, damit er nichts von ihr schmecken musste und sich wichtigeren Dingen widmen durfte, fühlte er sich doch so verdammt alleine. Hier hingegen war es anders und dennoch hatte er nicht wirklich Hunger, schien viel lieber zu reden und sich einfach kindisch zu verhalten, als sich mit dem Essen zu beschäftigen, das Rain ihm anbot.

      "Glaubst du nicht eher, dass du dir an meinem Essen die Zunge verbrennen wirst?", lachte er, vielleicht sogar etwas spöttisch. Die Wahrheit war, dass Wölfe den grässlichen Geschmack ihres Essens vermutlich mit so vielen Dingen überdeckten, dass man sich dabei gut und gerne den Mund verbrannte, ohne, dass das Essen an sich wirklich heiß war. Zugeben würde das zwar auch keiner von ihnen, vor allem nicht er, aber es war lediglich die Wahrheit, die über ihren Köpfen baumelte und die man sich eingestehen musste, ob man nun wollte oder nicht. "Das sind schwere Vorwürfe von einem Lamm", raunte der Wolf, als man ihm tatsächlich dabei helfen musste, einen Krümel in seinem Mundwinkel loszuwerden. "Danke." Nun, was konnte der Wolf schließlich noch tun, außer hier herumzusitzen und darauf zu warten, dass ein frisch ausgeschlafener Rain auch noch müde wurde? Sollte er wieder anfangen, über Enebish zu reden? Nein, das machte gerade wenig Sinn. Rain kam er nur ein kleines Bisschen näher, legte seinen Kopf auf dessen Schulter ab und seufzte. "Hast du irgendetwas geträumt? Immerhin hast du ziemlich lange geschlafen."
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    • "Süß, oder... ? Ich verstehe nicht...", murmelte Rain entschuldigend, irgendwann würden sie es hinbekommen, dass sie ein normales Gespräch ohne Rätsel raten führen konnten. "Wir haben viele Gerichte... scheint dir alles nicht zu schmecken. Wir werden uns einfach durch probieren, ja? Vielleicht ist ja mal etwas dabei, das dich ordentlich essen lässt. Du solltest es dir nicht zum Ziel machen, am Ende so auszusehen wie ich." Weil Rain sich schon beschwerte, dass er den Wolf kaum etwas essen gesehen hatte, schob er sich selbst noch etwas von dem Tablett in den Mund, kaute es länger als nötig und beförderte es in seinen Magen. Hunger hatte er keinen mehr, aber etwas mehr Fleisch an seinem Körper täte ihm gut, auch wenn das selbst dann nicht passierte, wenn er sich nur von Torte ernährte. Sein Körper schien all die Energie zu brauchen, nur um Rain einigermaßen am Leben zu erhalten.

      Auch die folgenden Worte über das Essen der Wölfe konnte Rain nicht enträtseln, so oder so, wollte er es gerne kosten, wenn es denn möglich war. Er war immer schon neugierig gewesen, ob ein Buch, oder ein neues Gericht, er mochte alles was neu war, alles das er nicht kannte. Jedoch war es gerade viel lustiger dabei zuzusehen, wie der Wolf sich beschwerte ein Welpe genannt zu werden, es entlockte Rain ein weiteres Lächeln und er ließ den Wolf wieder näher kommen, der erneut seine Nähe suchte und seinen Kopf auf Rains Schulter bettete. Dass er dann ausgerechnet nach Rains träumen fragte, zumindest glaubte Rain, dass das die Bedeutung seiner Worte war, überraschte ihn jedoch.
      "Geträumt...? Ich... bin nicht sicher wann ich wach war und wann nicht, alles ist etwas verschwommen... ich dachte meine Mutter zu sehen und... dich... ich bin mir nicht sicher, ob du hier warst. Sonst habe ich immer nur einen Traum... darin bekomme ich keine Luft, es ist dunkel, um mich herum ist nichts, ich bin alleine, es ist kalt und ich ertrinke langsam, an einer schwarzen, zähen Flüssigkeit..." Rains Hand wanderte unbewusst zu seinem Hals, als könnte ihm jetzt auch gleich die Luft ausgehen, während er den Inhalt des Traumes so schnell ausspuckte, als könne er ihn einholen, beschäftigte er sich zu lange damit. Jedoch schüttelte er lediglich den Kopf, er wollte nicht wieder trübsinnig werden, wenn sie gerade dabei gewesen waren, etwas Spaß zu haben, aber jetzt fiel ihm erst auf, dass es hier unten auf dem Boden ganz schön kalt war. "Stört es dich... wenn wir uns ins Bett setzen? Du kannst es sicher bald nicht mehr hören, aber... mir ist etwas kalt."
    • Wie sollte er dem Lamm das auch entziffern? Das wusste Nayantai selbst nicht, dafür seufzte er und fing zumindest für den Moment an, zu überlegen - nach einer Antwort zu suchen, die sie beide positiv stimmen würde und nicht nur einen von ihnen, der die Sprache verstand, während sich der Andere seine Antworten zusammen puzzeln musste. Schade war jedoch, dass dem Wolf nichts einfiel, das auch nur entfernt passen könnte, so, dass Rain es auch verstand. "Jetzt verstehe ich dich nicht, aber mach dir um mich keine Sorgen", antwortete er dem Lamm, wusste, dass er alsbald vermutlich auflaufen würde und sein Magen sich eventuell doch noch melden könnte, doch jetzt hatten die beiden nicht mehr als die Ruhe, die sie miteinander teilten und oft kurzerhand mit vielen verschiedenen Wörtern durchbrachen, die noch viel seltener einen Sinn ergaben. "Du solltest dich lieber um dich selbst sorgen und vielleicht etwas mehr essen, ansonsten endest du noch als Skelett, bevor du überhaupt eines sein solltest", und das nicht durch die Hand des Wolfes, der keine Rolle spielen würde, wenn eine Krankheit das Lamm dahinraffen sollte. Zu schön wäre es, doch blieb er länger hier und das würde wahrhaft der Fall sein, würde man trotzdem ihm die Schuld in die Schuhe schieben, es damit begründen, dass er den jungen Fürsten verflucht haben musste und dass er und sein Wolf wohl selbst aus der Hölle empor gekrochen waren, um das Land und die Menschen, die in ihm lebten, zu vergiften.

      Beide redeten über zu viel, aneinander vorbei, in der Hoffnung, sie bekämen nichts davon mit, sie würden verstehen, was der jeweils andere von ihnen wollte und wieso sie sich so zierten, wenn sie einen begegneten. Wahrhaft war es dann doch eher so, dass sie nicht anders konnten als einander in ihrer Sprache zu antworten und zu hoffen, dass wenigstens der Kontext erraten wurde - doch selbst, als Rain anfing, über seine Träume zu reden, die sich offensichtlich nicht immer so anfühlten, war Nayantai sich nicht ganz sicher, ob er wirklich richtig hörte und tatsächlich verstand, oder ob er sich all das nur einbildete und glaubte, Rain faselte Mist. "Mich? Du hast von mir geträumt? Bist du dir dabei sicher?" Etwas verwundert klang der Wolf, der zwar schon hier gewesen war, aber nicht zu dem Zeitpunkt, als man von ihm geträumt hatte - aber das konnte er nicht wissen. Viel eher versuchte er zu entspannen, auf andere Gedanken zu kommen, bevor das magische Wort - "Bett" - fiel, das Nayantai sofort dazu brachte, von Rain abzulassen, aufzustehen, das Tablett zu nehmen und es auf den Nachttisch umzudisponieren. "Na endlich", raunzte der Wolf, der ein herzhaftes Gähnen über die Lippen brachte, Rain aufhob, ohne dass er wirklich darüber nachdachte und in sein eigenes Bett legte. Kurz darauf legte der Wolf sich zu ihm, schmiegte sich an seine Seite und schloss die Augen. "Manchmal zeigen uns Träume die Vergangenheit, die wir vergessen wollen - die Dinge, die wir nicht länger sehen wollen, glaube ich zumindest. Also warum ausgerechnet mich?" Darauf würde aber auch das Lamm neben ihm keine Antwort besitzen.
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    • "Mehr essen?", fragte Rain, mehr als Bestätigung, dass er verstanden hatte, was der Wolf gerade gesagt hatte und dass er nun mit einer Antwort rechnen konnte. "Ich ähh... ich esse tatsächlich nicht viel, aber es bleibt ohnehin nichts an mir hängen, ich weiß nicht warum.", erklärte er und zuckte mit den Schultern. "Deswegen die Torte. Die macht dick, vielleicht hilft es ja." Er lachte en wenig und deutete mit seinen Armen an, was er mit dem Wort 'dick' meinte, damit der Wolf ihn auch verstand. Er glaubte zwar, auch wenn er sich nur von Torte ernähren würde, hätte er trotzdem nicht mehr auf den Knochen. Die Wahrheit aber war, dass er ohnehin nicht nur von Torte leben konnte, gerade für ihn war es womöglich wichtig sich ausgewogen zu ernähren, auch wenn er lange nicht mehr darauf geachtet hatte. Seit Nayantai jedoch hier war, hatte Rain wieder mehr gegessen und ihm wurde nicht übel, wenn er nur daran dachte. Wie auch immer der Wolf das machte, er beschwerte sich nicht.

      Das Wort Bett veranlasste den Wolf scheinbar aufzuspringen und sogar das Essen auf den Nachttisch zu räumen. Kurz darauf fand Rain sich in den Armen des Wolfes wieder, bevor er überhaupt reagieren konnte und lag einen Moment später auch schon in seinem Bett. Der Wolf nahm neben ihm Platz, schmiegte sch an ihn und machte Rain damit ein wenig nervös. Obwohl er damit gerechnet hatte, es vielleicht sogar erwartet und gehofft hatte, er war trotzdem nicht sicher, was er selbst tun sollte. Zudem war er wohl nicht müde genug, wie zuvor, um alles an dieser Situation zu ignorieren, das seine Gesellschaft als Falsch bezeichnete. So neben Nayantai zu liegen, sorgte jdoch dafür, dass ihm etwas wärmer wurde, dennoch kämpfte er die Decke unter ihnen beiden hervor und deckte zumindest sich selbst zu. Warum er sich vorhin schon wieder so etwas unbequemes angezogen hatte, obwohl er damit gerechnet hatte, sich relativ früh ins Bett zu begeben, konnte er nicht beantworten, andernfalls wäre er aber auf dem Boden vorhin vermutlich erfroren.
      Das Bett war angenehm weich, die Laken rochen gut, frisch gewaschen und er war trotz einer Woche Schlaf wieder ein wenig müde, sobald er hier lag. Seine Träume jedoch waren Thema... auch wenn er nicht alles verstanden hatte, was der Wolf gesagt hatte. "Ich bin mir nicht sicher, ob meine Träume wirklich Träume sind, oder ob ich irgendwo zwischen Leben und Tod wandere... ich habe fast aufgegeben einen Ausweg zu finden, aber dann habe ich deine Stimme gehört und... bin ihr einfach gefolgt." Rain, der bis eben noch an seinen blonden Haaren vorbei an die Decke gestarrt hatte, schloss nun die Augen und seufzte leise. "Ich dachte mir... der Wolf würde auch nicht so einfach aufgeben..."
    • "Ja", bestätigte ihm der Wolf. Vermutlich lag es aber einfach auch daran, dass Rain so viel essen konnte, wie er wollte und es keinen Effekt auf ihn hatte - etwas, das Nayantai nicht immer ganz verstand, weil er sich nicht vollkommen in Rain's Leben zu integrieren wusste und es wohl auch nicht tun würde. Die Wahrscheinlichkeit, die beiden würden einander ab einem gewissen Punkt eher aus dem Weg gehen, war hoch und die Wahrheit war, dass der Wolf selbst daran zweifelte, wieso er sich so sehr an ein einfaches Lamm klammerte, das nicht viel mehr für ihn bedeutete, als der sichere Tod, wenn er etwas tat, das nicht den Erforderungen entsprach, die man an ihn hatte. "Wirklich zu helfen scheint sie dir aber trotzdem nicht", lachte der Wolf, für den selbst Rain so aussah, als wäre er ein Grashalm, der bei einfachem Wind in sich zusammenknicken würde - war das vielleicht der Grund, warum er die Welt dort draußen so sehr mied? Weil er sich seine Schwächen eingestand und in dieser miserablen Welt noch weitere Tage verbringen wollte? "Wir sind beide ziemlich eigenwillig, hm?", fragte er in die Luft, wollte gar keine Antwort, sondern lediglich die Ruhe, nach der er sich schon die ganze Nacht gesehnt hatte, damit er schließlich dazu käme, zu schlafen.

      Warum freute er sich, wenn er hier so lag und darauf hoffen konnte, dass die Welt sich bald in tiefes Schwarz tauchen würde, damit er schlussendlich in ihr untergehen und die Stille genießen konnte, die eben das mit sich zog? Dann wäre allerdings die Frage, ob Rain es wirklich schaffen könnte - mit seiner bloßen Anwesenheit - den Wolf dazu zu bringen, eine ruhige Nacht zu haben. Die Vermutung, dass dem nicht so wäre, lag nicht gerade fern, aber im Moment waren sie beide noch wach und der Wolf ein klein wenig verwirrt über die Bewegungen und das Rascheln unter ihm, bevor er bemerkte, dass sie schon wieder auf der Decke lagen. Rain durchbrach die Stille prompt, schien dem Wolf etwas sagen zu wollen, doch dieser war viel zu sehr damit beschäftigt, sich in seinen eigenen Gedanken zu verrennen und sich einen erholsamen Schlaf herbei zu wünschen, dass er gar nicht zuhörte - zumindest beim ersten Mal nicht. "Aufgeben?", fragte er etwas verwundert, als er versuchte, die Bedeutung dieses Wortes zu verstehen - aber ehrlich gesagt musste er das nicht tun, auch das hatte er viel zu oft gehört. "Na ja, wenn ich aufgegeben hätte, dann wäre ich wohl nicht hier ... und wenn du aufgegeben hättest, dann könnten wir uns jetzt nicht unterhalten."
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    • Rain öffnete die Augen wieder, drehte seinen Kopf zu Nayantai und betrachtete den Wolf, der so aussah, als wolle er schlafen. "Bist du müde?", fragte er ihn, nicht sicher was er mit seinen Händen tun sollte und ob er sich nicht noch etwas bequemeres anziehen sollte, damit er den Wolf später nicht wecken musste. "Du hast wohl nicht viel geschlafen die letzten Tage." Albträume... Rain ging oft erst schlafen, wenn er sich kaum noch wach halten konnte, damit sein Gehirn nicht mehr in der Lage war irgendetwas zu produzieren, das ihn wieder aufweckte. Der Wolf, selbst wenn er schlief, schien keine Ruhe zu finden, schien nichts von dem vielen Schlaf zu haben. Wenn Rain ihm helfen konnte, indem er einfach nur neben ihm lag, dann wollte er das tun, auch wenn er nicht wusste warum. Vielleicht lag es daran, dass er wusste wie sich eine schlaflose Nacht anfühlte und außerdem... hatte er den Wolf selbst gerne bei sich, er fühlte sich auf eine seltsame Art und Weise sicher, obwohl er das Gegenteil fühlen sollte.

      "Ich... bewundere dich.", murmelte Rain, legte eine Hand an seine eigene Brust unter der sein Herz sich ans Leben klammerte. Er fragte sich wie sich das Herz des Wolfes anhörte, wie stark es schlug. Der Wolf hatte doch ein Herz? Ja... sie waren unterschiedlich, aber nicht so unterschiedlich, irgendwann waren ihre Völker womöglich dasselbe gewesen, bis sie durch irgendetwas auseinander getrieben wurden. "Du hast so viel überlebt... Thrias Kälte, unzählige Schlachten und ein Jahr in einem Kerker... weißt du eigentlich, wie es sich anfühlt keine Schmerzen zu haben? Die Wunde an deiner Seite, dein Rücken... du müsstest ständig jammern und doch tust du es nicht. Ich wäre gerne so stark wie du. Das alles muss dir große Schmerzen bereiten, ich glaube ich wäre längst wahnsinnig geworden..."
    • Ein leises Lachen huschte dem Wolf über die Lippen. "Sehe ich so aus?", fragte er neckend, wusste, dass er vermutlich nicht nur müde war, sondern auch definitiv so aussah. Auch, wenn er seine eigenen Augenringe bis jetzt noch nicht gesehen hatte, lag es für Nayantai nicht fern, dass die letzten Tage ihn wieder niedergerafft hatten und ihn dazu zwangen, wieder in sich zusammenzusinken, einzig und allein deswegen, weil er an Dinge denken musste, die theoretisch gar nicht relevant waren, ihn aber dennoch mehr als nur einmal plagten. Sich daran zu entsinnen, wann er das letzte Mal so miserabel geschlafen hatte, als er die Schafe noch nicht auf diese Art und Weise kannte, wusste er gar nicht - er glaubte nicht einmal, dass es diesem Moment wirklich gab. Wenn man sein ganzes Leben immerhin schon damit zubrachte, zu flüchten und sich zu verstecken, dann hatte man nichts davon - keine Ruhe, keinen Frieden, sondern nur einen Tumult, der in einem selbst weiterging. "Ich würde mir am liebsten einfach wünschen, dass es diesen Krieg gar nie gegeben hätte", seufzte der Wolf, war betrübt darüber, dass es ihn noch immer gab und dass die Wahrscheinlichkeit, er würde bald enden, gering war. Eher mussten alle Wölfe sterben und diese Welt hinter sich lassen, dann würde es zwar auch ihn nicht mehr geben, aber der Krieg wäre dafür vorbei.

      Viele Worte, die das Schaf von sich gab, die verstand Nayantai anfangs auch gar nicht - er driftete ab, aber dieses Mal nicht gedanklich, sondern in ganz andere Richtung, in eine Welt, die er nicht seine eigene nennen konnte, sondern nur ein Niemandsland, in dem er manchmal zu Gast war, um sich auszuruhen. "Was ...?", fragte er etwas verwirrt, hatte wohl nicht ganz verstanden und lag nun da, so nah an Rain und ihm war viel zu warm. Ob er dieses Gefühl ignorieren sollte war nicht nur eine ganz andere Frage, sondern auch die Feststellung, dass die besagte Wärme wohl von Rain ausging, der es ihm gerade nicht leicht machte, von ihm abzulassen. Wirklich viel hatten sie nicht getan, aber Nayantai fühlte sich noch immer erschöpft und ausgelaugt, wollte endlich Freiheit aus seiner Misere und sah sich dazu gezwungen, sich für eines der beiden Dinge zu entscheiden. "Mh, es ist alles gut, Rain - mach dir keine Sorgen, schließ einfach die Augen und denk an irgendetwas", nuschelte er abwesend, hatte nur am Rande vernommen, was eigentlich gesagt wurde und war binnen weniger Minuten auch schon eingeschlafen. Ob er sich dort wiederfand, wo er nicht sein wollte, konnte er noch nicht wissen.
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    • Sie wechselten nur wieder Worte, die der andere verstand. Für einen Außenstehenden mochte es vielleicht so aussehen, als würden sie sich unterhalten, dabei redete jeder von ihnen nur von sich hin, ohne dass der andere überhaupt verstand. Jedoch war es vermutlich besser, wenn Rain gar nichts mehr sagte, der Wolf wollte offensichtlich schlafen, auch wenn Rain nicht wusste, ob er dasselbe tun konnte. "Tut mir Leid... ich sollte still sein. Gute Nacht...", murmelte Rain, obwohl es draußen noch hell war, der Wolf jedoch schien das gar nicht mehr gehört zu haben und war schon eingeschlafen. Sein Atem wurde ruhiger und sein Kopf rutschte noch etwas mehr an Rain heran, wurde nicht mehr a einer bestimmten Stelle gehalten, sondern suchte sich nur eine bequeme Position.

      Rain war selbst müde und erschöpft, er war noch nicht ganz erholt und konnte eine Runde Schlaf wohl gut gebrauchen, was anderes hatte er auch gar nicht zu tun. Er war zu müde, um zu lesen, auch wenn immer ein paar Bücher in Reichweite seines Bettes herum lagen, er Nayantai also gar nicht hätte wecken können, weil er sich zu viel bewegte. Jedoch glaubte er, dass ihm die Augen zu fallen würden, sollte er es versuchen. Schlafen konnte er jedoch auch nicht, sobald er die Augen schloss hörte er Nayantais Atem, der ihm bewusst machte, dass der Wolf da neben ihm lag. Rain wusste, dass niemand sie so sehen durfte, er wusste, dass er das nicht tun dürfte und dennoch tat er es, war nun klar genug, um sich darüber Gedanken zumachen. Zudem kam, dass er sich irgendwie seltsam fühlte, sobald der Wolf seine Nähe suchte und ihm kamen Gedanken, die er nicht haben durfte. Er traute sich kaum, sich zu bewegen und gleichzeitig stellte er sich die Frage, wie es sich wohl anfühlte, wenn Nayantai seinen Arm ganz über Rains Körper legte. Zudem bemerkte er, dass dank des Wolfes unter seiner Decke auch ihm recht warm wurde, ungewöhnlich warm. Es war angenehm nicht von der Kälte heim gesucht zu werden und nach Rain den Wolf neben sich für eine Weile betrachtet hatte, schloss auch er seine Augen. Er schlief nicht sofort ein, aber er fand in einen angenehmen Dämmerzustand, der ihn von der Realität entfernte und ihn ausruhen ließ.
    • Stille kehrte zwischen den beiden ein, die ungewöhnliche Ruhe breitete sich mehr aus, als sie sollte - und Nayantai lag dort, ohne dass er einen Gedanken daran verschwenden musste, wo er genau war. Schön wäre es gewesen, wären seine Träume auch so ruhig gewesen wie der Zustand, in dem sich die beiden sichtlich befanden - aber auch das schien ihm gar nicht erst vergönnt zu bleiben, dachte er zumindest. Feuer flackerte vor seiner Nase, als er die Augen aufschlug, irgendwo in einem Zelt, in kalter Nacht - es brannte nichts nieder, wie er schon bald bemerkte, es war einfach nur ein Feuer in seinem Zelt, das kaum noch loderte und bald nicht mehr als warme Glut wäre. Wie spät war es? Vermutlich zu spät um noch einen Sinn aus diesem Traum zu filtern, aber die Realisation, er befand sich nicht wieder vor der Asche seiner Existenz, erleichterte es dem Wolf zunehmend, sich zu entspannen. Einzig und allein die raue Winterluft, die sich nicht ganz vertreiben ließ, schien ihn dieses Mal zu plagen - aber vielleicht konnte er diesen Traum nutzen, um die Sterne zu beobachten, weil er es schon nicht konnte, wenn er sich in der wahrhaften Welt aufhielt. Kaum wollte er seinen Körper jedoch dazu bringen, aufzustehen, griff man nach seinem Handgelenk als sich etwas - oder eher jemand - in seinem Bett rührte. Nayantai schluckte, hoffte, er bildete sich all das nur ein. "Nayantai ...", murmelte die Stimme, die dieses Mal nicht vom Meeresrauschen davon geschwemmt wurde. "Ja?", krächzte er heiser, als glaubte er, all das hier würde alsbald in Flammen aufgehen.

      "Wo gehst du hin?"
      , die weibliche Stimme klang trüb, müde. "Nach draußen, ich kann nicht schlafen", entgegnete er ihr und wollte sich nicht zu ihr umdrehen, glaubte, er würde dabei einen Fehler begehen. Anstatt jedoch etwas dagegen tun zu können, spürte er, wie sie ihre Arme über seine Schultern hängen ließ und ihren Oberkörper gegen seinen Rücken presste, während ihr Kopf auf seiner Schulter zu landen schien. "Bleib hier ... da draußen gibt es um diese Uhrzeit nichts und du weißt doch, dass mein Vater dir wieder nur vorwerfen wird, dass du ein Tunichtgut bist", seufzte die Frau in sein Ohr. Nayantai war verwirrt, ließ seinen Blick nach oben schweifen und erkannte etwas, das er eigentlich gar nicht sehen wollte. Wieso war er hier und nicht bei seinem Volk? "W-Was? Dein Vater?", fragte er und versuchte, sich zu ihr umzudrehen, während die Frau ein Lachen ausstieß. "Sag nicht, du hast vergessen, dass er dich abgrundtief hasst? Mh, es ist zu spät für solche Diskussionen, leg' dich wieder zu mir", verlangte sie von ihm. Das schlechte Gefühl, er habe vergessen, beschlich ihn immer mehr, doch kaum kämpfte er sich aus ihrer Umarmung und drehte sich um, sah sie an, war da wieder nicht mehr als ein pechschwarzes Gesicht. Verfluchter Mist. "Wieso versteckst du dein Gesicht vor mir!?", fauchte der Wolf, erhielt aber keine Antwort auf die gestellte Frage, als sich der Körper auf ihn zu bewegte, ihn schlussendlich gegen das Zelt laufen ließ. "Wovon redest du denn? Leg dich einfach wieder hin, ich glaube, die Worte meines Vaters steigen dir mittlerweile wirklich zu Kopf", seufzte sie, die schneller aufgeholt hatte, als es ihm lieb war. Ihr Hände, eiskalt und doch verbrannt, legten sich auf seine Wangen, aber von ihr schien - zumindest in diesem Traum - keine Gefahr auszugehen. "Leg' dich wieder hin, du fängst dir noch etwas ein", sprach sie erneut. Nayantai ließ die Anspannung dennoch nicht los, er wollte gar nicht erst hier sein, geschweige denn sich mit diesem Fragment seiner Erinnerungen konfrontiert sehen. Ihre Hände wanderten zu seinem Hals, griffen nach dem Talisman, der an diesem hing, zog an dem Plättchen. "Oder hast du Heimweh? Zierst du dich deswegen so?" Heimweh? Was sollte das jetzt bedeuten? "Du weißt doch, du sollst mit mir über solche Dinge reden ... immerhin ..." Immerhin was?

      Widerwillig öffnete der Wolf die Augen, sah der Dunkelheit dort draußen sofort entgegen und wurde doch etwas von dem fahlen Mondschein geblendet, der sich schlussendlich seinen Weg in dieses Zimmer bahnte. Waren sie wirklich alleine? Wie spät war es? Und wieso war er ausgerechnet jetzt aufgewacht? Grummelnd fasste der Wolf sich an den Kopf, hätte sich am liebsten selbst geschlagen, wenn er nicht bemerkt hätte, das Rain da neben ihm lag und vermutlich noch immer seelenruhig schlief. Was also jetzt? Hatte er wirklich Heimweh, oder sollte er einfach vergessen, was ihm an den Kopf geworfen worden war und versuchen zu schlafen?
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    • Rain fand sich in der selben Leere wieder, in der er sich immer befand, aber wie die Tage zuvor fühlte er sich nicht alleine. Er hatte keine Angst der Tod würde ihn mit in die Tiefe zerren, vielleicht lag es daran, dass er dabei war zu genesen. Stattdessen genoss er die Ruhe in diesem schwerelosen Zustand, der seinem Körper alles abnahm. Ihm war warm, fast etwas zu warm, dieses Gefühl war ungewohnt. Sein Körper fühlte sich leicht an, fast schon als könnte er sich wieder bewegen, springen, herum laufen... Rain tat einen tiefen Atemzug, weil es sich anfühlte, als könne er das tatsächlich tun. An diesem Ort blieb er allerdings nicht lange.

      Rain war es nicht gewohnt nicht alleine im Bett zu liegen. Er hatte schon immer alleine in diesem großen Bett, in diesem großen Zimmer gelegen, wachte auf, wenn nur draußen jemand vorbei ging. Dass er bis Nayantai sich neben ihm bewegte geschlafen hatte, verwunderte ihn selbst. Nun wachte er aber auf, blinzelte ein wenig, musste sich auch erst daran erinnern, dass er nicht alleine eingeschlafen war. Es war fast eine Erleichterung, dass sie beide wieder aufgewacht waren, ohne gleich den nächsten, oder noch mehr Tage zu verschlafen, sonst hätte Rain sich Sorgen machen müssen, dass es die Götter vielleicht doch gab und sie beide sie erzürnt hatten. Nun drehte Rain sich vorsichtig zur Seite, sah den Wolf neben sich an und seine Hand landete unter der Decke zufällig auf der des Wolfes. Et was zögerlich nahm er das Schicksal an und schloss seine Finger behutsam um die des Wolfes. "Nayantai...?", wisperte er so leise, als könnte der Wolf doch noch schlafen und als wollte er ihn nicht wecken, sollte er sich geirrt haben und der Wolf schlief doch noch.
    • Nayantai hatte mehr Fragen als er Antworten erhalten hatte und wenn er ehrlich war, dann wusste er nicht einmal, ob es wirklich so viel Sinn machte, sich einfach auf all diese Dinge zu verlassen und zu glauben, seine Träume enthielten auch nur einen kleinen Funken Wahrheit. Was, wenn all das nur ein Hirngespinst war, in welchem er sich zunehmend verwickelte und im Endeffekt erfuhr er, dass all diese Dinge, die er glaubte, vergessen zu haben, gar nie passiert waren? Dafür fühlten sich die Träume allerdings zu real und vertraut an, als würde er keine Informationen aus der Luft greifen, sondern genau wissen, wann was geschehen war und wie es ablief. Bitter war dabei vermutlich nur, dass ihm höchstwahrscheinlich auch Niemand dabei helfen könnte, die Scherben seiner Erinnerungen einzusammeln und sie wieder dorthin zu kleben, wohin sie gehörten - etwas, womit er sich wohl oder übel abzufinden hatte, wenn es nicht anders ging. Nun lag er dort, weder wach noch schlafend, fühlte sich leer und verlassen und schien damit ein ganz anderes Problem heraufbeschworen zu haben, das noch eben friedlich neben ihm geschlafen hatte. Was sollte er nur tun? Sich nicht rühren oder doch seinen Körper dazu zwingen, wenigstens ein paar Zuckungen zu machen? Nayantai wusste es nicht und wollte es eigentlich auch gar nicht, wollte liegen bleiben und darauf hoffen, dass es ihm beim nächsten Mal gelang, in eine traumlose Spähre abzurutschen.

      Dennoch war es wohl nicht von Vorteil, wenn er Rain einfach ignorierte und nichts weiter tat, sich nur auf die Wärme konzentrierte, die sich unter der Decke angestaut hatte und hoffte, diese Welt würde wieder verschwimmen und er könnte in seinem Inneren entweder eine oder keine Antwort finden, aber nicht ein Rätsel, mit dem man ihn nun zurückgelassen hatte. "Ja?", murrte der Wolf, der sich die Augen müde rieb. Bewegen wollte er sich nicht, anreden lassen wollte er sich nicht und doch tat er all diese Dinge, die beinahe schon einladend für Rain sein mussten, wenn er ihm weiterhin zuhörte. "Wieso bist du wach? Habe ich dich geweckt?", wollte er erfragen, gähnte aber inmitten des Satzes mindestens einmal und drehte sich zur Seite, ließ die Augen geschlossen und war sich selbst nicht sicher, ob das hier nicht ein weiterer Traum war.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain betrachtete Nayantai im fahlen Mondlicht und im dunklen Schein des Feuers im Kamin, das in diesem Zimmer immer brannte, aber wohl nicht mehr lange, wenn niemand etwas dagegen unternahm. Aber war es so schlimm? Sogar Rain war warm unter der Decke, vielleicht auch, weil er so verdammt viel an hatte, aber aufstehen wollte er nicht, wenn er Nayantai damit irgendwie störte. Die Antwort des Wolfes kam spät, er wachte vielleicht noch auf, oder war nie richtig wach gewesen, Rain hatte ein schlechtes Gewissen. "Ach nichts...", flüsterte er lächelnd, es wurde offensichtlicher, dass der Wolf viel lieber weiter schlafen wollte und auch Rains Nähe vielleicht nicht mehr so sehr suchte wie zuvor. Rain löste seine Finger wieder und schüttelte leicht den Kopf. "Mm-mm. Schlaf ruhig weiter...", murmelte er und rollte sich anschließend langsam aus dem Bett, wobei er die Matratze so wenig wie möglich bewegen wollte.

      Während Nayantai versuchte wieder einzuschlafen, stand Rain leise auf, tapste zum Kamin hinüber und nahm sich etwas Holz, das daneben gelagert wurde. Er hockte sich vor das Feuer und legte ein paar Scheite nach, sah noch ein wenig in die Flammen, bevor er wieder aufstand und zum Bett zurück ging. Er setzte sich vorsichtig hin, wollte den Wolf nicht irgendwie stören, um ehrlich zu sein, wusste er nicht, wie er sich verhalten sollte. Er hatte nie Gesellschaft in seinem Bett und er schlief meistens nicht bis zum Morgengrauen, er war nicht sicher, ob er wieder einschlafen konnte und ob Nayantai das Bett nicht lieber für sich hatte. Vor einem Albtraum hatte Rain ihn jedenfalls nicht bewahrt wie es schien... Es versucht zu haben würde allerdings nicht schaden und Rain hatte besser geschlafen als sonst, fand er zumindest. Vielleicht war er nun deshalb so wach. Bevor er sich wieder hinlegte, öffnete er noch einen Teil seiner Kleidung und legte das Stück Stoff leise vor sich auf den Boden.
    • Ihm wäre es hundertmal lieber gewesen, hätte er weiterhin schlafen können und sich nicht weiter darum kümmern müssen, was genau gerade in der realen Welt passierte, oder wen er gerade aufgeweckt hatte. Jetzt lag er hier, irgendwo im Halbschlaf und wusste sich selbst nicht zu helfen, als Rain einfach abwinkte und sich dennoch durch den Raum bewegte - so leise er auch war, so sehr störte es den Wolf, der glaubte, er würde Dinge hören, die vor dem Fenster passierten und sich so anfühlten, als wären sie direkt neben ihm. Dort draußen pfiff der Wind, die Kälte suchte die Welt heim und in diesem Zimmer wanderte ein waches Schaf hin und her, in der Hoffnung, es würde sich selbst wohl wieder in der Traumwelt wiederfinden, in der es soeben noch gewesen war. "Ich kann nicht mehr schlafen", bemerkte der Wolf genervt, blieb allerdings liegen und wartete darauf, was als Nächstes passieren würde oder ob er sich doch nicht mehr aus den Klauen der Nacht kämpfen konnten, die ihn nach unten, in seine Träume ziehen wollten. Stillschweigen erfüllte den Raum für den Moment, zumindest, bis einer der beiden sich dazu entscheiden würde, die Stille aus dem Fenster zu werfen und wieder Dinge zu tun, die gegen die Natur des jeweils Anderen gingen. In diesem Fall wäre es wohl der Wolf.

      Nayantai versuchte, zumindest momentan wieder aufzuwachen, hatte aber nicht sonderlich die Kraft dafür, weswegen es ihm gerade recht kam, als Rain sich zu ihm ins Bett zurücklegte und der Wolf nicht anders konnte, als sich wieder zu ihm umzudrehen und seinen Kopf auf der Schulter des Blonden ruhen zu lassen, der sich vermutlich wünschte, er hätte es nicht getan. "Rain", murmelte der Wolf, der gerade nicht wirklich wusste, wie ihm eigentlich geschah und warum er schon wieder die Nähe eines mickrigen Lammes suchte. "Ich bin so unsagbar müde", gähnte der Wolf, der schließlich seinen Arm um das Schaf legte und es vermutlich unter sich begraben hätte, würde er sich nochmals in dessen Richtung drehen. Die halbe Traumwelt, in der er sich im Moment aufhielt, hielt nichts für ihn inne und triefte vermutlich sogar vor Unverständnis dafür, weswegen Nayantai sich ausgerechnet in dieser aufhielt und warum er nicht einfach einschlief. "Tut mir leid, dass ich dich aufgeweckt habe ..."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Der Wolf schien nicht mehr einschlafen zu können, oder zu wollen. Vielleicht hätte Rain einfach liegen bleiben sollen, wenn das Feuer ausgegangen wäre, wäre es vielleicht nicht so schlimm gewesen, da Rain ja ohnehin eher zu warm, als zu kalt gewesen war. Nur irgendwie war das Feuer wichtig für ihn, hatte sich in seinen Kopf gebrannt, als könnte er sterben, sollte es jemals ausgehen. Es brannte immer, Sommer wie Winter, seit er sich erinnern konnte, es gab niemals einen Tag an dem das Feuer nicht brannte, höchstens dann, wenn Rain nicht da war und jemand die Asche entfernte. Rain wusste, dass r nicht sin ganzes Leben in diesem Zimmer verbrachte und dass sein Leben nicht enden würde, nur weil ein Feuer im Kamin für ein, oder zwei Stunden aus blieb, aber dennoch hatte er Angst zu sehen, wie es erlosch.

      Jetzt war aber zum Glück alles wieder gut, das Feuer brannte und würde auch noch eine Weile Brennmaterial haben. Rain konnte sich also wieder beruhigt hinlegen und still sein, sodass der Wolf vielleicht doch ins Land der Träume zurück fand, auch wenn er da womöglich gar nicht landen wollte. Kaum lag Rain jedoch wieder, drehte der Wolf sich zurück, klammerte sich an ihn und legte seinen Kopf auf Rains Schulter. Wieder fühlte Rain dieses seltsame Kribbeln und hob langsam seine Hand, um dem Wolf über den Arm zu streichen, so wie der Wolf es bei ihm getan hatte, als er krank in eben diesem Bett gelegen hatte. "Du musst dich nicht entschuldigen...", flüsterte er sanft, in Wahrheit war dies eine Uhrzeit, dem Mond nach zu urteilen, die typisch für Rain war um aufzuwachen. Selten schaffte er es zu schlafen, bis die Morgensonne ihn weckte, ohne Nachts ein einziges Mal aufzuwachen. Zudem durfte er schon eine ganze Weile lang geschlafen haben, hatten sie sich doch ins Bett gelegt, als es draußen noch hell war. "Du solltest versuchen weiter zu schlafen..." Rains Herzschlag nach zu urteilen glaubte er nicht, dass er selbst so einschlafen konnte, aber das musste er auch nicht, es war in Ordnung für ihn, weinfach nur hier zu liegen.
    • Fragen über Fragen türmten sich in Nayantais Kopf nicht nur über diesen Ort oder gar über Rain auf, sondern auch über die Welt, die er in seinen Träumen immer wieder besuchte und die keinen Sinn mehr ergab - er fühlte sich so, als würde er sich seinen Weg durch Gefilde bahnen, in denen er gar nicht erst sein sollte, als hätte er nicht verstanden, worum es dabei ginge, wenn er versuchte, sich selbst dazu zu zwingen, wieder aufzuwachen. Nun lag er aber hier, bei Rain, wusste, dass keine gesichtslose Gestalt sich alsbald an ihn heften würde, würde er versuchen, aufzustehen, hatte aber die nötige Kontrolle über seinen Körper gar nicht, während ihm der Schädel brummte und seine Augen leicht tränten. "Bist du dir sicher?", murmelte der Wolf, der sich nicht entsinnen konnte, seit wann das Schaf diese Sprache einigermaßen beherrschte, aber vermutlich im Glauben bleiben würde, Rain wusste, was er tat - ganz anders als der Wolf, der sich mit der Schafssprache nicht nur überfordert sondern auch allein gelassen sah. "Wenn ich könnte, dann würde ich gar nicht wach sein ... glaub mir", nuschelte der Wolf in die Schulter des Fürsten hinein, war sich sicher, dass er nicht hier sein wollte, dass diese Traumwelt, die er so sehr verschmähte, seinem eigentlichen Zuhause näher kam, aber gleichzeitig wusste Nayantai, dass es viel zu viele Fragen wären, die er sich selbst beantworten musste, wenn er nochmals in dieser untertauchte.

      Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, als er das letzte Mal seine Augen geöffnet hatte, dabei war es noch gar nicht so lange her - er fühlte sich schwummrig, etwas verlassen, wenn er ehrlich war und war sich nicht sonderlich sicher, wieso oder weswegen er sich gerade jetzt eigentlich auf seine zwei Beine kämpfen wollte, die ihm - nebst der ein oder anderen Wunde - schon genug Schmerzen bereiteten. Vermutlich, damit er dieses lästige Hemd endlich ausziehen konnte, aber er setzte sich gar nicht auf, sondern versuchte lediglich mit einer Hand die Knöpfe an diesem zu öffnen, was ihm gar nicht erst gelingen wollte. Seine Sicht war nicht die Beste, verschwommen und zerrieben, wollte nicht so recht, wie der Wolf wollte, der schließlich aufgab und Rain erneut leicht biss. "Wieso macht ihr auch so umständliche Kleidung? Wie kann sowas bequem sein?", raunte der Wolf, der sich nicht einmal darüber im klaren war, was er gerade getan hatte.
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    • Vielleicht hätte Rain nicht anfangen sollen, so viel wie möglich in der Sprache der Wölfe zu reden, denn es gab auch so vieles, das er nicht verstand. Irgendwann würde der Wolf noch annehmen, Rain hätte die Sprache gelernt, dabei wiederholte er nur, was er so aufschnappte und was Nayantai selbst oft gesagt hatte. Rain konnte also erneut nichts erwidern, da er die Worte nicht verstand die zu ihm hinauf genuschelt wurden. Selbst wenn Rain die Worte kannte, fragte er sich, ob er sie überhaupt verstehen hätte können, so wie der Wolf in seine Schulter hinein sprach und der einzige Effekt zu sein schien, das die Stelle sich durch seinen Atem aufwärmte... ein komisches Gefühl, da sich von dort aus noch ein wenig weiter ausbreitete.

      Rain sah zu Nayantai hinab, als er merkte, dass der Wolf sich neben ihm bewegte, anfing an seinem Hemd herum zu fummeln und schließlich wieder aufgab. Stattdessen beschwerte er sich wohl und kurz darauf fühlte Rain ein bald schon vertrautes Zwicken auf seiner Haut. Seine Wangen fühlten sich auf einmal warm an und er wusste gar nicht warum. Ob er wieder Fieber bekam, ausgerechnet jetzt? Rain wollte den Wolf nicht unnötig Sorgen und er wollte ihn auch nicht wieder von sich stoßen, stattdessen wanderte seine Finger zögernd zwischen sie beide, wanderten den Stoff entlang und suchten blind nach den Knöpfen des Hemdes, die den Wolf scheinbar störten. Vorsichtig öffneten seine Finger einen Knopf nach dem anderen, behutsam und langsam hangelten sie sich den weichen Stoff entlang. "Du willst wohl lieber deine eigene Kleidung zurück...", murmelte er leise.
    • Wie würde er einem anderen Wolf nur erklären, was er hier mit einem Schaf machte? Vermutlich müsste er das gar nicht, sie würden nicht danach fragen, würden nicht wissen, dass er sich mit diesem ein Bett teilte, dass es Schafe gab, die noch nicht von dem Verlangen nach Macht zerfressen wurden oder an ihrer eigenen Gier erstickt waren. Nayantai müsste gar nichts darüber erzählen, konnte all das hier vergessen, sobald er Adrestia hinter sich gelassen hatte, oder vielleicht sogar schon dieses Steinhaus, in dem er nicht sein wollte. Vermutlich würde es noch einige Zeit dauern, doch wenn er Rain weiterhin liebäugelte, so würde dieser vermutlich auch nur glauben, er war wie Fressen für den Wolf, mit dem er vorher nur etwas spielte, damit er sich bei Laune halten konnte - so, als gäbe es auf dieser Welt auch gar nichts anderes, das Nayantai brauchte. Wenn er sich selbst belog, so glaubte er, dann könnte er vielleicht auch gleich denken, er würde nur mit dem Schaf spielen, das er an seiner Seite wusste - er empfand gar nichts für Rain, dem es wohl durchaus anders ging, doch mehr als sich solche Dinge einreden, das konnte der Wolf auch wieder nicht. Zu tief und zu weit war er gefallen, als dass er glauben könnte, er entkäme seiner selbst. "Warum eigentlich ausgerechnet du?", seufzte der Wolf etwas bedrückt, wusste gar nicht, wieso er sich darüber aufregte, dass Rain es war, der ihm den Verstand raubte und ihn im Glauben ließ, er hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank. "Nur, das weißt du vermutlich selbst nicht", raunte er. Wieso war diese Welt ihm auch so feindlich gesinnt?

      Wieso war es ausgerechnet er, der sich mit diesen Tatsachen konfrontiert sah? Die Wahrheit war, dass er ehrlich gesagt nicht wusste, wohin mit sich selbst oder all diesen Gedanken, die in seinem Kopf herumspukten, die ihm keine Ruhe ließen und seine Nackenhaare unbehaglich aufstellten, als er einen kalten Schauer spürte, der sich seinen gesamten Rücken herunter zog. Nichts, das war das hier, sollte auch gar nicht erst zu etwas werden - die Wahrheit sollte im Keim ersticken, gleich wie es seine Beziehung zu Rain tun würde, sobald er einen falschen Schritt machte, so glaubte er zumindest. War er kein Prinz, der seine Ehre zu wahren hätte, der schlussendlich selbst König der Wölfe werden sollte? Momentan fehlte es dafür den anderen Wölfen an Wissen, an der Wahrheit, dass er überhaupt noch lebte und den Schafen doch noch nicht gänzlich zum Opfer gefallen war, aber all das hatte Zeit, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Sonne den Mond wieder verdrängte. Hier und jetzt folgten müde Augen lieber spindeldürren Fingern, die ihm dabei halfen, obwohl er das Schaf gebissen hatte. "Danke", seufzte der Wolf, der sich schließlich aufsetzte und die Kleidung abstreifte. Der Verband, den man um die Naht gewickelt hatte, war noch immer da - gleich, wie es die tiefen Kerben in seinem Rücken waren, die von allein verheilten und ihn schon längst nicht mehr um den Verstand brachten. "Eigentlich glaube ich an keine Götter mehr aber ... momentan frage ich mich eher, wie ich sonst hier gelandet wäre." Vermutlich nicht in einem Stück, so viel stand fest - aber all das nicht dem Schicksal zuzuschreiben, klang falsch. Kurzerhand griff er nach Rains Hand, wusste vermutlich selbst nicht wieso, und legte sie sich an den Hals, dort, irgendwo verdeckt von seinen Haaren, in Richtung seiner Schulter. Alles, was das Schaf in der Dunkelheit wohl spüren würde, war noch eine tiefe Narbe. "Es wirkt fast so, als könntest du mich durchgehend ansehen, obwohl jedes andere Schaf zurecht mit Ekel reagiert. Du bist seltsam, Rain."
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    • "Warum ich?", fragte Rain, verstand nicht was der Wolf meinte, aber vermutlich waren es die immer selben Fragen, die er sich auch selbst stellte. Warum war Nayantai hier her gebracht worden, womöglich käme sein Vater im Frühjahr sogar zurück und dann... was dann? Was wollte er denn mit dem Wolf tun? Ihn doch noch töten? Und Rain? Was sollte er dann tun? Es war zwar alles nur Spekulation, aber sollte Rain sich jemals mit der Situation konfrontiert sehen, so würde auch in den restlichen Winterwochen keine Antwort finden, da war er sich sicher. Er verstand nicht, warum sein Vater ihn mit diesem Mann allein gelassen hatte, warum er selbst überhaupt nicht hier war, aber er wusste, dass das, was gerade passierte, sicher nicht im Interesse seines Vaters gelegen hatte. Wenn er ihn so sehen könnte, mit dem Wolf in seinem Bett, dann hätte er wohl endgültig alle Hoffnung die er für seinen Sohn noch empfand aufgegeben. Womöglich hätte er ihn... nein, Rain wusste es nicht. Rains Vater war ihm gegenüber nie gewalttätig geworden, hatte ihm nie gesagt, dass er enttäuscht war und hatte sich alle Mühe gegeben, seinem Sohn eine Freude zu machen, auch wenn er seine Soldaten mit ganz anderer Strenge führte. Rain... kannte seinen Vater eigentlich gar nicht, es machte also vermutlich auch keinen Sinn, weiter diesen Gedanken über ihn nachzuhängen.

      Rain zog seine Hand zurück, hatte jeden einzelnen Knopf geöffnet, keinen einzigen hätte er öffnen dürfen. Einem WOlf bei irgendetwas zu helfen war nicht richtig, aber dafür war es wohl schon zu spät und Rains Körper schien in den letzten Tagen viel eher einfach machen zu wollen, wonach auch immer ihm war, ohne der Vernunft die Chance zu geben einzuschreiten. Es gab so vieles was den Wolf betraf, das er nicht verstand und so vieles was er tat, konnte er sich selbst nicht einmal erklären. Ebenso konnte er sich nicht erklären, warum seine Augen trotz des wenigen Lichts an Nayantais Körper hängen blieben, ihn musterten. Er betrachtete all die Narben und teils verheilten Wunden, den Verband der immer noch um seinen Körper gewickelt war. Er wusste gar nicht was er denken sollte, erst recht nicht, als Nayantai nach seinem Handgelenk griff und seine Hand nach oben zog. Halb aufgerichtet, um seine kurzen Arme überhaupt bis zu der Stelle bekommen zu können, an der Nayantai sie haben wollte, starrte Rain ihn verwirrt an. Die Röte in seinen Wangen konnte man wohl kaum sehen, eben so wenig wie er sah, was seine Finger gerade ertasteten. Er folgte der unebenen Haut an der Stelle, zu der seine Hand geführt wurde. "Ich... verstehe nicht...", murmelte er und es waren mehr als die unverständlichen Worte auf die sich diese Aussage bezog. Dennoch versuchten seine Finger immer noch die Form der Narbe zu ergründen und er richtete sich gleichzeitig weiter auf. "Was... willst du mir zeigen?"