spellbound. (earinor & akira)

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    • Rain war ihn vermutlich leid geworden, hatte ihn weggeworfen und würde ihn liegen lassen, in irgendeiner dunklen Ecke, weil das Lamm - das Kind - sein Spielzeug nicht mehr brauchte und auch der Meinung war, er könnte Nayantai so verstauben lassen wie das Klavier, an dem sie vor wenigen Tagen noch gesessen waren. So kam es ihm zumindest vor - vielleicht war Sara auch nur hier, um ihm den Weg in den Kerker oder gar vor die Tür zu zeigen, dass ihn doch der Tod in dieser Nacht einholen konnte. Aber so, wie sich die Tonlage Saras anhörte, klang sie eher flehend als auch nur einen deut abweisend. Mit mulmigen Gefühl in der Magengegend stand der Wolf schlussendlich auf und bahnte sich seinen Weg zu der Bediensteten, die ihn schnellen Schrittes in eine ihm unbekannte Richtung führte, vermutlich, weil er den Weg bis jetzt nur einmal gegangen war und das in vollständiger Dunkelheit - aber wohin gingen sie? Zu Rain? Warum sollte man ihn ausgerechnet zu ihm bringen? Wollte er nun doch selber über die Sünden des Wolfes walten, den er in seinem Haus eingesperrt hatte und nicht mehr gehen lassen wollte? So viele Gedanken, die keinen Zusammenhang miteinander hatten, kreisten durch seinen Kopf - und selbst, als sie den Raum betraten, fühlte er sich nicht auch nur ein kleines bisschen besser. "Wieso?", fragte er Sara, erwartete aber keine Antwort von ihr, sondern sah eher zu Rain, der sich in seinem Bett befand und sich nicht zu rühren schien.

      "Warum bringst du mich hierher?", aber auch das würde Sara nie verstehen, kannte sie doch kein einziges Wort in der Wolfssprache. Vorsichtige Schritte bahnten sich ihren Weg zum Bett, in dem sich das Lamm befand - Nayantai setzte sich behutsam an den Rand, sah zu Rain, der schon bessere Tage erlebt zu haben schien. Krank, verschwitzt, wahrscheinlich von Schmerzen geplagt und doch kannte der Wolf nicht mehr tun, als seine Hand auf die heiße Stirn des Blonden zu legen und sie alsbald wieder wegzuziehen, so, als hätte er sich verbrannt. Auch, wenn der momentane Zustand des Lammes kein guter war, atmete er erleichtert auf - man hatte ihn also doch nicht weggeworfen, sondern nur ignoriert. "Aber warum?", fragte er und sah wieder zu Sara, während er überlegte, was er überhaupt für Rain tun konnte. Mediziner war er keiner, er konnte oberflächliche Wunden versorgen, konnte seine eigenen Wunden wieder selbst zusammenflicken, wenn es die Situation von ihm erforderte, aber ein krankes Lamm konnte er nicht heilen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain befand sich in einem dunkel Loch, das nicht mit Luft, sondern mit einer schwarzen Flüssigkeit gefüllt war, die alles schluckte, die Welt verdunkelte und ihn nicht atmen ließ. Wie schwere Eisenketten wickelte sich die Krankheit um Rains Körper, zerrte an seinen Gelenken, wickelte sich um seinen Hals und seine Brust und versuchte ihn zu zerreißen, noch dazu war er ganz alleine hier. Er hatte nichts woran er sich festhalten konnte, außer die Gelegentlichen Reize aus der realen Welt, ein Geruch, das Knistern des Feuers, oder eine Hand auf seiner Stirn, aber all das rückte mehr und mehr in unerreichbare Ferne. War das nicht jedoch genau das was er wollte? Endlich zu sterben? Er wäre die Schmerzen los, die Einsamkeit und er würde niemandem mehr zur Last fallen. Der Willen die Schmerzen weiterhin auszuhalten schwand, er konnte wohl einfach aufhören gegen die unsichtbaren Ketten anzukämpfen, die seinen Brustkorb zerdrücken wollte, er könnte einfach aufhören zu atmen und die letzten Bande die ihn irgendwie noch mit der Welt der Lebenden verband durchtrennen...

      Wie lange er wohl in diesem Zustand war? Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit... wenn er versuchte die Augen zu öffnen, dann war er nicht sicher, ob das was er war tatsächlich real war, oder ob seine Augen in Wahrheit immer noch geschlossen waren und sein Gehirn ihm nur einen Streich spielte. Stimmen... da waren Stimmen, die so weit entfernt klangen. Er hatte beinahe Angst genauer hin zu hören, vielleicht waren es die Geister seiner Vorfahren, die ihn zu sich riefen und ihm nur glauben machen wollten, dass der Ausgang da direkt vor ihm lag. Dennoch, alles war besser als dieser Zustand und die Einsamkeit, die ihm nur noch bewusster wurde, außerdem, wer sollte denn auf all die Leute in Fhaergus acht geben, wenn er nun einfach aufgab...? Er hätte Nayantai dasselbe geraten, dass er kämpfen sollte, sich erholen sollte, damit er sein Volk eines Tages retten konnte. "Nayantai...", murmelte er, vielleicht konnte Rain so stark sein wie er, das hier war nichts weiter als eine vorübergehende Krankheit, wie die vielen Winter zuvor, nichts, das Rain endgültig in die Knie zwingen konnte. Wenn der Wolf den Kerker des Königs überlebt hatte, dann konnte Rain, auch wenn er nur ein Lamm war, zumindest das hier aushalten. Selbst jetzt vermochte er noch sich daran zu erinnern, wie der verletzte Wolf sich sogar noch gewehrt hatte, als sein Körper an seine Grenzen gestoßen wurde...

      Aber warum?, hallte es in Rains Kopf in gebrochener Sprache wieder. Warum Rain ausgerechnet jetzt an Nayantai dachte? Er hatte keine Ahnung, der Wolf hatte so viele Fragen, die Rain ihm nicht beantworten konnte. "Er sagt manchmal deinen Namen..." Diese Stimme klang klarer, gehörte einer Frau. Hörte er etwa die Stimme des Wolfes? Erst jetzt bemerkte Rain, dass die Fragen gar nicht an ihn gerichtet waren. War Nayantai hier, oder war das nur ein weiterer Traum...? Rains Lider waren schwer, er zog die Augenbrauen zusammen, erst dann öffnete er langsam die Augen, blinzelte um zu erkennen was vor ihm lag. Ein leichtes Stöhnen entwich ihm, obwohl der Raum kaum beleuchtet wurde, kam er Rain viel zu hell vor. Seine Augen wollten am Liebsten wieder zu fallen, aber er erlaubte es sich für den Moment nicht. Sein Hals fühlte sich trocken an, seine Lippen waren spröde, aber immerhin war er wach, glaubte er zumindest. Durch die große Silhouette des Wolfes direkt neben sich war er nicht ganz sicher, was machte er hier?
    • War man erst krank, so fühlte man sich wie in seinen Körper gesperrt, so, als ob man sich nicht mehr bewegen sollte, oder gar etwas anderes tun konnte, außer sich darauf zu konzentrieren, zu überleben oder einfach aufzugeben und zu schlafen. Was auch immer die Entscheidung Rain's war, Nayantai konnte ihn wohl eher weniger darin beeinflussen, geschweige denn ihm dabei helfen, seine Krankheit zu überwinden. Allgemein fühlte er sich eher so, als hätte Sara ihn nur hierher gebracht, damit Rain nicht alleine war, sondern doch jemanden hatte, an den er sich klammern konnte - unverständliche Worte waren es, die sie ihm an den Kopf warf. Sein Name? Sara wusste doch, wie er hieß, also konnte sie das wohl kaum meinen - aber was dann? Nun, den Namen, den der Blonde in seinem Schlaf vor sich hin nuschelte war auch der seine. Meinte Sara das? Nayantai murrte, verstand nicht, wieso man ausgerechnet an ihn dachte - hatte Rain Niemanden, der ihn sonst durch den Kopf schwirren konnte? Wiederum türmten sich Fragen auf, die er nicht aussprechen wollte, deren Antwort er momentan ohnehin nicht erhalten würde, weil Rain eher so aussah, als wäre er eine Porzellanpuppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, jeden Augenblick zu zerbrechen und seine Scherben überall zu verteilen. "Ich weiß trotzdem nicht, wie ich ihm helfen soll - oder ob ich das überhaupt kann", seufzte er, wusste, dass all diese Kommunikation nichts brachte und schüttelte den Kopf, als er sich wieder zu dem Schaf umwandte, das seinen Namen gewispert hatte.

      Rain schien es nicht anders zu gehen als ihm vor ein paar Tagen, er war müde, so müde, dass er sich nicht aus der Traumwelt kämpfen konnte, in der er sich wiederfand und so müde, dass sein Körper schon längst aufgegeben hatte, seinem Geist zu erlauben, wieder an die Oberfläche zu dringen. Das Lamm schien sich jedoch dagegen zu wehren, schien sich der Krankheit doch nicht unterwerfen zu wollen, nachdem er scheinbar tagelang kaum wach gewesen war - Nayantai streckte die Hand nach ihm aus, wischte Haarsträhnen aus seinem Gesicht, die vor lauter Schweiß an seiner Stirn beinahe schon festgeklebt schienen. "Hm? Wie geht es dir?", wollte er wissen, wusste aber noch immer nicht, wohin mit sich oder mit dem Lamm. Rain war zwar wach, aber was half ihm das, wenn er vermutlich Schmerzen hatte, die ihn früher oder später wieder in die Knie zwingen würden? Nichts, es war reine Folter, dass Rain überhaupt wach war. "Brauchst du etwas?"
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    • Erst die Stimme des Wolfes machte ihn auch tatsächlich real, ließ Rain daran glauben, dass der Wolf wirklich gerade neben ihm saß und er keine Einbildung war und die unverständlichen Worte konnte auch nur der Wolf aussprechen, niemand sonst in diesem Anwesen. Rain war sich nicht ganz sicher, ober er nun tatsächlich froh darüber sein sollte nur noch verletzlicher und schwächer als er es ohnehin schon war, vor dem Wolf im Bett zu liegen. Er brauchte einen langen Moment um die Worte des Wolfes in seine eigene Sprache zu übersetzten, er machte es ihm nicht gerade leicht. Er lächelte, schüttelte leicht den Kopf, aber bereute die Bewegung sofort wieder, ihm wurde schwindelig und sein Nacken dankte es ihm ebenso nicht. Er wusste nicht, wie lange er sich nicht gerührt hatte, aber alles fühlte sich verdammt steif an. "Tut mir Leid...", kam es heiser von ihm, den Rest musste der Wolf sich denken, Rain hatte nicht die Kraft dazu, ihm zu erklären was er sagen wollte. "Wie lange...?", fragte er, warf auch einen kurzen Blick zu Sara, die bei der Tür stand und auf den Boden blickte, als ginge es sie nichts an, was vor ihr geschah. Rain hatte ein ungutes Gefühl in seinem Magen, er war sich nicht sicher, ob er wissen wollte, wie lange er hier schon lag und er hatte das Gefühl, Nayantai war nicht die ganze Zeit über hier gewesen. Vermutlich war es besser so, ihm war bestimmt langweilig.

      Rain nahm etwas Kraft zusammen, um sich mühsam auf die Seite zu rollen. Er seufzte ein wenig erleichtert, es fiel ihm so leichter zu atmen und sein Rücken brauchte eine Pause von der immer gleichen Position. Leicht fiel ihm das Atmen trotzdem nicht, seine Lunge schmerzte und rasselte bei jedem Atemzug und fast jedes Luftholen war am Ende von einem leichten Husten begleitet. Er wandte seinen Blick zu dem Wolf, der über ihm thronte und ihn ansah. Ob er sich Sorgen machte? Rain wollte noch nie, dass sich andere um ihn sorgten. Seine Hand suchte langsam nach der des Wolfes, die neben ihm auf der Matratze lag, langsam schob er seine Finger über die vernarbte Haut. Den Rücken zur Tür gewandt glaubte er kaum, dass Sara es sehen konnte, aber in Anbetracht der Situation, war das vermutlich auch schon egal. "In ein paar Tagen... geht es mir besser...", lächelte Rain dem Wolf aufmunternd zu, auch wenn er wohl nicht so glaubwürdig klang, wie er es gerne wollte. Es war schon komisch, wie er eben noch aufgeben wollte und nun die bloße Sorge in dem Gesicht eines anderen ihn dazu veranlasste, es doch nicht zu tun.
    • Nayantai war, auch wenn er es selbst nicht wirklich glauben wollte, noch immer dabei, zu atmen und Rain anzustarren, der sich wohl noch mehr mit dieser Krankheit herumplagte, als Nayantai es jemals würde, wenn er sich auch etwas ähnliches einfangen würde. In diesem Fall glich Rain wahrhaft einem Lamm, so zerbrechlich wie er war. Der Wolf hingegen war es, der ihm dabei nicht sonderlich helfen konnte und der lediglich wusste, dass die Zeit zwar alle Wunden heilen sollte, aber das hier keine Wunde war, die man einfach so in Ruhe lassen konnte, ohne zu riskieren, dass man ihr zum Opfer fiel und den Pflanzen demnächst von der anderen Seite aus dabei zusah, wie sie wuchsen. "Dich trifft keine Schuld", seufzte der Wolf, der sich all das nicht weiter anhören wollte. Nein, Rain konnte nichts dafür, dass er schlussendlich krank geworden war und jetzt litt - aber eine Entschuldigung mehr oder weniger half den beiden auch nicht. Rain sollte sich erholen und keine Sorgen um ihn oder jemanden machen, sondern nur um sich selbst. "Wie lange?", fragte Nayantai und überlegte. Die letzten Tage hatte er gar nicht erst gezählt, daran gedacht hatte er auch recht wenig, er hatte eigentlich nur herum geschmollt und sich damit abgefunden, dass er eigentlich nur Dreck war, den man wieder weggeworfen hatte. Wolfsprinz hin oder her, Nayantai glaubte fast, er hatte seinen Stolz verloren, sah aber verwirrt zu Sara, die hoffentlich die Frage beantwortete, die Rain soeben gestellt hatte, während seine Augen danach wieder zu der Leiche wanderten, die der junge Fürst vermutlich darzustellen versuchte.

      "Ich habe keine Ahnung", antwortete er Rain wahrheitsgemäß, sah er ihn doch jetzt gerade wieder zum ersten Mal in ein paar Tagen, die in seiner eigenen Erinnerung so schwammig waren, dass sich die Tage miteinander vermischten. Aber was nun? Rain drehte sich, wandte sich und Nayantai wusste gar nicht erst, wieso Sara ihn überhaupt hierher gebracht hatte. "Überanstreng' dich nicht, Rain", sagte der Wolf, der eigentlich nicht wirklich wusste, was man in solch einer Situation tat. Auf das Beste hoffen? Nein, sich vermutlich einfach davonstehlen, sobald der Kranke wieder eingeschlafen war, weil man ihm sowieso nicht helfen konnte und nicht einmal dieselbe Sprache sprach wie dieser, mit der er ihn eventuell hätte aufmuntern können. "Brauchst du noch etwas?" Wieso fragte er ihn überhaupt solche Dinge? Genau sagen konnte Nayantai auch das nicht, strich dem Adeligen jedoch lieber sanft über den Rücken, als wollte er ihm sagen, dass er nirgendwo hingehen würde.
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    • "Fünf Tage, Herr.", murmelte Sara von der Tür aus, nachdem der Wolf sie so fragend angeblickt hatte. Vielleicht hatte er die Frage gar nicht verstanden. Rain jedoch konnte kaum glauben, dass er einfach so fünf Tage seines Lebens verpasst hatte, er konnte aber auch nicht sagen, dass die Zeit ihm kürzer vorgekommen wäre. Das letzte an das er sich klar erinnern konnte, war dass er aufgewacht war und Nayantai nicht mehr neben ihm gelegen hatte, so wie er es von ihm gewollt hatte. Er wollte sich nur etwas ausruhen und daraus wurde fast eine ganze Woche. Es war nicht so, als kannte Rain all das nicht schon, die Müdigkeit, das Fieber, die Schmerzen, aber trotzdem würde er sich wohl niemals daran gewöhnen. Jedes Jahr hatte er die Hoffnung, dass das Schicksal ihn verschonte, aber bisher war das noch nie vorgekommen. Was hatte sich sein Vater auch dabei gedacht, bei offener Tür, im kalten Winterwind etwas erklären zu wollen, das Rain bis heute nicht verstand... aber wütend auf irgendjemanden zu sein brachte Rain auch nicht weiter.

      Nayantais Hand auf Rains Rücken tat gut, gab dem Kranken etwas auf das er sich konzentrieren konnte, etwas das ihm keine Schmerzen bereitete. Zufrieden seufzte er, aber er wollte den Wolf keinesfalls dazu nötigen auf ihn aufzupassen. Vielleicht konnten sie sich ja trotz der Situation ein wenig unterhalten, damit Rain nicht darüber nachdachte, dass er tot besser dran wäre. Er konzentrierte sich weiter auf die Hand auf seinem Rücken und ließ seine Finger sich ebenfalls eine Beschäftigung suchen, die darin bestand sanft über die Kontur von Nayantais Narbe zu streichen und sich die Form einzuprägen. Rain merkte erneut, wie sehr er sich nach jemandem sehnte, der ihn wie einen gleichwertigen Menschen behandelte, der nicht davor zurück scheute ihn einfach zu berühren, zu umarmen, oder zu trösten. Auch wenn es sich mit dem Wolf noch weniger geziemte, als würde Sara Rain in den Arm nehmen, so war doch nur der Wolf derjenige, der nichts auf solche unnützen Regeln hielt und für Rain da war. Auch Sara war er dennoch dankbar, denn sie musste diejenige gewesen sein, die ihn hier her gebracht hatte, obwohl sie wusste, dass sie dafür großen Ärger bekommen konnte, vor Allem solange Rain sich nicht in der Lage sah, das Kommando in diesem Anwesen wieder zu übernehmen.

      "Haben Wölfe... Götter?", fragte er etwas aus dem nichts, dachte an seine eigenen, die ihn hassen mussten. Jeder betete für ihn, das sagten sie zumindest und doch... War es ein Segen, dass er so krank auf die Welt gekommen war? War es ein Segen, dass er bisher noch jede Krankheit überlebt hatte? Viele glaubten das, aber Rain war wütend auf die Götter, die eher diejenigen waren die seit seiner Geburt versuchten ihn umzubringen, wenn es sie denn gab. Er seufzte leicht, Nayantai hatte die Frage bestimmt nicht verstanden, aber wie sollte er das auch erklären? "Wen... bittet ihr um Hilfe, wenn... jemand nicht sterben soll, oder... zurückkehren soll?", versuchte er es erneut, träge und müde und dennoch wollte er es wissen. Enebish... es wäre ein passender Name für einen Bruder gewesen, selbst wenn Rain noch lebte, zumindest hatte er Nayantais Erklärung damals so verstanden...
    • Fünf Tage hatte er also damit zugebracht, nichts zu tun, außer in seinem Selbstmitleid zu versinken und zu hoffen, Rain hatte ihn doch noch nicht vergessen und weggeworfen - fünf ganze Tage wurde er von ein und demselben Traum geplagt, der sich so anfühlte, als würde er schlussendlich wirklich dafür sorgen, dass sich seine Lungen mit Rauch füllten und sein Verstand benebelt wurde. Jetzt saß er jedoch hier, an Rain's Seite und wusste nicht, wieso er überhaupt so von ihm gedacht hatte, schien er doch die letzten fünf Tage mit nicht mehr verbracht haben, als zu leiden. Fühlte sich das Schaf überhaupt in seiner eigenen Haut wohl? Wieso lebte er überhaupt noch und schaffte es, sich mühsam zu winden, dem Wolf seine Aufmerksamkeit zu schenken, wenn er vermutlich dabei gewesen war, die Schwelle zu übertreten, die ihn an diese Welt band? Nayantai wusste es nicht, aber in dieser Hinsicht schien Rain stärker zu sein als er - er klammerte sich an sein Leben, an diese Welt und wollte von der Krankheit, die ihn befallen hatte, nicht wissen. Er selbst hatte schon zu oft, zu schnell aufgegeben und ließ sich nur schwer sagen, dass er genau das nicht tun sollte, war er doch verdammt dazu, eines Tages in Flammen aufzugehen und seinen letzten Atemzug ganz alleine zu tätigen. Würde Rain, der sich wohl damit ablenkte, in dem er seine Hand berührte und über die Narbe strich, einfach aufgeben, so glaubte Nayantai fast, es würde ihn traurig stimmen. Warum es das tat, konnte er nicht ganz sagen, als bliebe ihm das Wissen über seine eigene Gefühlswelt verwehrt, aber es fühlte sich einfach nicht richtig an, wenn Rain ausgerechnet jetzt aufgeben würde.

      "Götter?", wiederholte er, unwissend. Hm, was konnte Rain damit nur meinen? Eine Antwort ereilte ihn prompt, aus einem trockenen Mund, der wohl lieber gut daran getan hätte, wenn er geschlossen wäre oder sich zumindest etwas Medizin einflößen ließe, aber nein, Rain auf solche Dinge hinzuweisen, das war nichts, wofür Nayantai Zeit oder Lust hatte. Das Lamm wusste es sicher am besten. "Ah", meinte der Wolf, als es anscheinend 'klick' in seinem Kopf gemacht hatte. "Götter, huh?", wollte er nochmals wissen, fing dann allerdings an, zu grübeln. Wolfsgötter wurden von den Schafen nicht verehrt, Nayantai hatte schon seit Monaten nicht mehr gebetet, glaubte nicht, dass ihn auch nur irgendein Gott aus seiner Misere befördern könnte und doch saß er da, sah zu, wie Rain sich an die letzten Fetzen dieser Realität klammerte, während er vermutlich gar nicht mehr wollte. "Tyasis", antwortete er knapp, als er dem Lamm weiterhin behutsam über den Rücken strich. "Die Göttin der Gnade", denn in diesem Fall war Rain weder tot, noch schien er sonderlich lebendig zu sein. "Warum fragst du?" Ein Lamm war in den Armen eines fremden Gottes wohl eher weniger willkommen, vor allem, wenn es ausgerechnet sein Volk war, der die Wölf abschlachtete und ihre toten Körper vorführte, als wären sie Ansichtsstücke. Nayantai wusste selbst nicht, ob er noch an Götter glauben sollte, vor allem an die Gnade, die man ihm versprach, wenn er es tat, hatte er sie doch nie erhalten - aber vielleicht war es eben Rain, der sich an einen fremden Gott zu klammern vermochte - was auch immer ihm helfen sollte, es war dem Wolf recht.
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    • "Tyasis...?", wiederholte Rain, schielte zu dem Wolf auf der neben ihm saß. Warum er fragte, das war einfach zu beantworten, auch wenn er weder an die einen, noch die anderen Götter glaubte. Früher hatte er es getan, wie es ihm beigebracht wurde, hatte jeden Abend gebetet, meistens nicht für sich, aber das hatte alles nichts genützt. Entweder es gab die Götter der Schafe nicht, oder sie waren Rain ohnehin nicht wohlgesonnen. "Wenn... meine eigenen Götter mir nicht helfen können... dann vielleicht deine...", antwortete er und sah, dass er nicht in diesem Moment seinen letzten Atemzug tat, als Beweis an, das seine Götter nur jemandes Fantasie entsprungen waren, der etwas brauchte, an das er sich klammern konnte. Es täte Rain vielleicht gut dasselbe zu tun, aber er konnte sich nicht selbst so belügen. Scheinbar, war die Frage doch nicht so einfach zu beantworten, womöglich fragte er nur, weil er Nayantais Stimme hören wollte. Nur dieser... naja, er war nicht gerade sehr redselig.

      Rain lächelte, auch wenn der Rest seines Körpers angespannt war und krampfhaft versuchte die Position zu halten, die am wenigsten Schmerzen bedeutete. Er war jetzt gerade nicht unglücklich, trotz all dem, viel lieber amüsierte er sich über das Dilemma, dass er sich genau den Falschen ausgesucht hatte, der ihm eine Geschichte erzählen sollte. "Erzähl mir... von deinen Göttern.", bat er, lächelte immer noch und drückte die Hand, die sich unter seinen Fingern befand leicht. "Und... lass mich dir nicht alles aus der Nase ziehen... zu sprechen... ist anstrengend...", fügte er an, als wären eben diese Worte nicht schon viel zu viel gewesen. Er war nicht sicher, ob Nayantai verstand wonach Rain sich sehnte und ob er überhaupt Lust hatte diese Bitte zu erfüllen. Die Wahrheit war, Rain hatte das Gefühl nicht mehr lange wach bleiben zu können, aber er wollte nicht alleine zurück in diese Dunkelheit... umgeben von Stimmen, die gar nicht mehr existierten. Er wollte sich lieber an einer realen Stimme festklammern, auch wenn er die Worte gar nicht verstehen konnte, er wollte einen Weg zurück wissen, einen Pfad, um hier bleiben zu können. Er war... noch nicht fertig, da war so Vieles, das er nicht wusste, nie getan hatte, bereute... er wollte noch nicht... gehen...
    • "Tyasis", wiederholte er mit standhafter Stimme, doch jetzt war nicht der Zeitpunkt, damit er einem kränklichen Schaf ein paar Worte seines Volkes beibringen konnte - es gab so viele Dinge, die sie sich für später aufheben konnten, die hier und jetzt nichts verloren hatten. Rain erkundigte sich nach einem Hirngespinst, war vermutlich jedoch nur froh, dass er doch einige Momente wach verbringen konnte, musste sich aber wahrscheinlich auch gleichzeitig verteufeln, dass er einen Weg aus seinen Träumen gefunden hatte. So war es besser, redete Nayantai es sich ein, wusste, dass zu viel Schlaf schlussendlich auch bedeuten würde, dass Rain irgendwann nicht mehr den Drang dazu verspürte, aus seiner Traumwelt zu erwachen, sondern immer weiter in ihr versank, bis die Schwärze das arme Lamm nicht mehr freigeben wollte. Das konnte selbst ein Wolf nicht befürworten. "Meine?", der Wolf hatte also richtig geraten, zumindest glaubte er es, wenn er genau über die Worte Rain's nachdachte. Ja, vermutlich half ihm einfach der Glauben daran, Götter würden sich um ihr Volk kümmern, oder um die, die sich gerade in einer Notlage befanden, aber das wollte Nayantai gerade nicht anschneiden - Stress und Wut war das Letzte, das ein Kranker brauchte. Tyasis mochte die Göttin der Gnade sein, aber wenn sie es schon nicht bewerkstelligen konnte, über ihr eigenes Volk Gnade walten zu lassen, damit es weiterhin leben konnte, warum dann ein Aussätziger? "Die Antwort findest du wohl erst, wenn du es versuchst", doch selbst wenn, Götter existierten nicht mehr, waren Einbildungen derjenigen, die glaubten - die niemals aufhören würden, zu glauben. Der Prinz der Wölfe war es jedoch, der eben das aufgegeben hatte, der wusste, dass er lediglich Taten etwas bewerkstelligen konnten und Worte viel zu oft auf taube Ohren trafen.

      Rain dabei zuzusehen, wie er sich selbst ein Lächeln aufzwang und versuchte, ihm damit zu vermitteln, dass es ihm gut ging, war jedoch etwas, das Nayantai nicht sehen wollte - hier und jetzt war kein Platz für derartige Gesten, für Einbildungen, die lediglich dafür sorgten, dass der Unmut in ihm wuchs. "Rain ... du ... du solltest nicht ... ah", nein, er würde dem Lamm nicht widersprechen, stattdessen drehte er sich mehr zu dem Schaf, damit er nun seitwärts auf dessem Bett saß und zu ihm sehen konnte, mit seiner freien Hand über dessen Schläfe streichen konnte, während er die vernarbte Hand, die beinahe schon umklammert wurde, von seinem Rücken nahm, weiter nach oben zog. Die Position konnte nur unbequem sein, so glaubte er zumindest - stattdessen strich er mit ihr über einen der beiden Arme. "Du verstehst mich aber nicht - kein Wort davon", entgegnete er, als er die Worte des Blonden endlich vollends vernommen hatte und wieder aufsah, in seine müden, halboffenen Augen blickte. "Du solltest dich ausruhen", murmelte der Wolf, der ihm erneut widersprach, obwohl er sich vorgenommen hatte, es nicht zu tun. Aber es war ausgerechnet das, was das müde Lamm von ihm wollte - die Hilfe, die er annehmen und haben wollte. "Nun gut. Aber nur, wenn du kein Wort mehr von dir gibst und dich überanstrengst" Dann würde er Rain eben seine beiden Ohren abkauen, bis er schlief, auch, wenn er kein Wort über Tyasis verstand, oder auch irgendeinen anderen Gott. "Tyasis ist, wie ich vorhin meinte, die Göttin der Gnade - sie kümmert sich um Leute wie dich. Die, die weder tot noch lebendig zu sein scheinen, sich auf einem schmalen Grad bewegen - sie sollte dafür sorgen, dass du unbesorgt am anderen Ende wieder ankommst, wo auch immer sich dieses befindet. Solltest du es schaffen, zu überleben, dann hat Tyasis Gnade über dich walten lassen und übergibt dich an deinen Gott zurück, Ione, den Gott des Lebens. Sollte sie dich allerdings nicht begnadigen und du von diesem schmalen Pfad, auf dem du wanderst, abkommen, dann fällst du in tiefe Dunkelheit, dort, wo es keine Götter mehr gibt. Alleine und verlassen ... so wie ich mich jetzt fühle, aber ich bin noch in einem Stück und noch durchaus lebendig, zerfrisst dich schlussendlich die Schwärze, bist du den Verstand verlierst ... aber das wäre kontraproduktiv. Meine Mutter meinte immer, wenn man nicht an Tyasis und Ione glaubt, dann lebt man nicht lange", Nayantai schluckte und stoppte, sah wieder zu Rain, wusste nicht, was er noch alles sagen sollte, schwieg jedoch für den Moment. War der Fürst wirklich eingeschlafen?
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    • Rain war froh, dass der Wolf da war, dass er bei ihm war, einfach nur hier. Er wusste nicht warum und er war zu müde, um sich darüber Gedanken zu machen. Ebenso war er zu müde, um daran zu denken, dass niemand sie so sehen durfte, dass es nur noch mehr Grund zur Sorge bedeutete, für alle, die davon wussten und teils vermutlich schon den Wolf für Rains Zustand verantwortlich machten, obwohl es ihm doch schon zuvor so ergangen war. Heute war Rain all das jedoch egal, er war egoistisch, dachte nur an sich und nahm alles was ihm helfe konnte dankend an, ohne zu hinterfragen, ob das auch richtig war. Er fand, er hatte sich das verdient und half es ihm, so hatte doch jeder irgendwie gewonnen. Mehr als den Geschichten über die Götter der Wölfe zu lauschen war ja auch nicht dabei und davon verstand er ohnehin kein Wort, es konnte also kaum schaden. Natürlich waren da auch die rauen Hände, die Rain ebenfalls zu helfen suchten, ihm über den kalten Arm strichen und trotz der wärme die der Wolf eigentlich immer ausstrahlte, kühl wirkten, als die Finger über seine Schläfe strichen. Angenehm kühl... der Wolf hatte wohl immer die richtige Temperatur.

      Rain nickte noch einmal, lächelte trotzdem, denn er war wirklich froh, dass er nun eine Geschichte zu hören bekam und dass es ihm ein wenig besser ging, wenn der Wolf da war. Er würde nichts mehr sagen... hätte sich vielleicht nur noch wünschen können, seinen Kopf auf Nayantais Schoß legen zu können, aber so war es auch in Ordnung. Er schloss die Augen und lauschte den Worten des Wolfes. Er versuchte gar nicht seinen Kopf anzustrengen und die Wörter zu verstehen, die Stimme reichte und vermutlich hätte er die Sprache der Schafe im Moment auch nicht verstanden. Sobald er die Augen geschlossen hatte, driftete er schon wieder in den Schlaf, einen ruhigeren Schlaf als zuvor. Er fühlte sich, als würde ihn jemand heraus ziehen können, wenn es Zeit war wieder aufzuwachen... er musste keine Angst haben in der Dunkelheit zu ertrinken...
    • Zu viel - so fühlte es sich zumindest an. Nayantai konnte sich nicht entsinnen, im letzten Jahr so viele Worte auf einmal über seine Lippen kommen zu lassen, geschweige denn hätte man es ihn freiwillig tun lassen. Das letzte Mal, als er seinen Mund derartige geöffnet hatte, hatte er den General verflucht, der ihn vor den König führte, ihn zu Boden stieß und knebelte, als er ein Mundwerk nicht zügeln konnte. Schön anzusehen war er wohl nicht gewesen, war er voller frischer Wunden, voller Dreck und durchnässt, hungernd und am verdursten und doch noch aufmüpfig genug, um dem König in sein Gesicht zu spucken, ihn eine Made zu nennen und dafür die ersten Peitschenhiebe zu kassieren. Nun aber wollte Rain beinahe schon alles über ihn, über die aussterbenden Nomaden wissen, die Thria bewohnten und sich mit ihrer letzten Kraft gegen Adrestia zu wehren schienen. Rain schlief nun allerdings bereits und Nayantai nahm die Hände von ihm, nachdem er festgestellt hatte, dass das Schaf wirklich kein Wort mehr von sich geben konnte. "Gute Nacht, Rain", murmelte er leise, bevor er aufstand und zu Sara sah, die sich noch immer an der Tür befand - er hätte etwas sagen können, aber sie verstand ihn noch weniger als Rain es tat, weswegen er ihr nur zunickte und sich seinen Weg aus dem Raum bahnte, zurück dorthin, wo man ihn geholt hatte. Eigentlich hätte er mehr Zeit in Rains Zimmer verbringen können, aber was hielt ihn darin noch auf? So würde er sich nur anstecken, wenn auch gleich er die Nähe zu dem Lamm vermisste - etwas, das Nayantai sich wohl oder über eingestehen musste. Die Wachen waren noch immer nicht wieder auf ihren Posten, der Wolf war müde, verschwand hinter der Tür und verbrachte die restlichen Stunden des Tages damit, Löcher in die Luft zu starren, die Landschaft dort draußen zu beobachten und etwas in Enebish's Buch zu stöbern, bevor er es darauf ankommen ließ und anfing, sich wieder zu strecken und seine Gliedmaßen wenigstens etwas zu dehnen. Schmerzen hatte er mittlerweile keine mehr, nur das unangenehme Ziehen, das ihm wohl noch eine Weile erhalten bliebe, bis die Naht gezogen und seine Wunde gänzlich verheilt war. Es dauerte jedoch auch nicht lange, bis die Dunkelheit ihn selbst in den Schlaf lullte, den er sich ersehnt hatte - bis er einschlief und diese Welt wieder vergessen konnte.

      Wieder klammerte sich das fremde Schaf an sein Bein, zog sich mit zittrigen, blutverschmierten Händen an seinem Hosenbein hoch, griff nach seinem Oberteil, zerrte an ihm - dieses Mal trat Nayantai ihn, mehrmals in sein Gesicht, bis er lediglich das Knarzen von Knochen und das Nachgeben von Fleisch verspürte, bevor er sich endlich losreißen konnte und gen Feuer lief, das viel zu lange seine Augen und Lungen in diesem Traum verpestet hatte. Schreie wurden lauter, Rufe nach Hilfe evidenter - das Feuer kesselte ihn ein, verletzte ihn jedoch nicht, ging gar nicht erst auf ihn über, weil er dort, in den lodernden Flammen in dieser Siedlung nicht starb. Wohin mit ihm? Woher kamen die Schreie? Nervös fasste er sich an den Hals, an den Talisman, der mit einem dicken Band um diesen gebunden war, von dem lediglich ein blutrotes Holzplättchen baumelte, an das er sich klammerte. Wohin? Woher? Wieso hatte er diese Halskette? Wo war er hier überhaupt? Ein Blick auf die Zelte, die noch einigermaßen den Flammen trotzten, verriet ihm nicht viel - er nahm die Beine in die Hand, bahnte sich seinen Weg in eines von ihnen, konnte aber nicht viel mehr als verkohlte Körper und Einrichtung finden, die von den Flammen bereits verschluckt worden waren. Auch das nächste Zelt offenbarte sich ihm nicht, keines von ihnen tat es, egal wie lange er nach einer Antwort suchte. "Nayantai!", rief eine verzerrte Stimme, so weit entfernt von ihm, so unbekannt. Der Wolf sah sich um, sah nicht mehr als das Orange der flackernden Flammen um sich herum und das Schwarz des Todes, der ihn umgab. "Nayantai!", die Stimme klang erfüllt von Schmerz, verloren, rief weitaus unverständlichere Wörter nach seinem Namen, triefte vor Angst - und er wusste nicht, wo sie war. Ein ungutes Gefühl beschlich den Wolf, der seine Hand wieder gen Hals wandern ließ, als er durch den Traum stapfte, der ihm so viel mehr offen legen zu wollen schien, als seine Hirngespinste. Seinen eigenen Namen hörte er irgendwann nicht mehr, stattdessen stand er vor einem Zelt, um das die Flammen zu tanzen schienen, das dafür jedoch noch so aussah, als wäre es in einem Stück. Mit mulmigem Gefühl in der Magengegend betrat er es, sah eine schluchzende Frau in der Mitte, die aufgegeben hatte, sich vor den Flammen davonstehlen zu wollen und ihr Schicksal akzeptiert hatte. "Wieso?", fragte sie, erhoffte sich aber scheinbar keine Antwort. "Warum ich, Nayantai?" Was meinte sie damit? "Warum nicht du?", die Stimme klang heiser, rußig. "Wieso nicht wir beide?" Wer zum Teufel war diese Frau? Wenn er sie so anstarrte, so kam sie doch der Gestalt im Wasser ziemlich ähnlich, die ihn schlussendlich attackiert und ertränkt hatte. "Warum? Warum? Warum?", fragte sie erneut, als sie ihren verbrannten Körper vor lauter Schmerz hin und her wog, weiterschluchzte und endlich aufgehört zu haben schien, ihn Dinge fragen zu wollen, glaubte der Prinz zumindest. "Wieso trägst du sie noch?", schluchzte die Stimme, klagte bitterlich, als die Flammen ihren Körper stahlen. "Warum Nayantai? Du hättest uns helfen sollen ... aber stattdessen lässt du uns sterben, verbrennen ... und du trägst sie trotzdem, während du mir dabei zusieht", flehte die Stimme, deren entstellte Besitzerin ihm immer näher kam, den Kopf gesenkt, die Tränen auf den Boden tropfend. Die Geister dieser Welt mussten ihn hassen, wenn sie ihn schon in seinen Träumen jagten. Ihre verbrannte Hand griff nach ihm, riss an dem Talisman um seinen Hals, bevor sie ihn ansah - ein leeres, vergessenes Gesicht. "Liebst du mich überhaupt?", fragte die aufgelöste Stimme, deren Besitzerin vor ihm zerbröckelte. Wer zum Teufel ...

      Schweißgebadet wachte der Wolf auf, der erst einmal feststellen musste, dass er sich nicht länger in seinem Traum befand. Draußen war es noch dunkel, sein Körper verweigerte ihm weiteren Schlaf, weswegen er sich zur Tür schlich, an der sich anscheinend keine Wachen befanden - den Moment nutzte der Wolf, um sich in Rain's Gemächer zu stehlen, nur, damit er nach dem Rechten sehen konnte, seine Hand kurz auf die heiße Stirn des Lammes legen konnte, und ihn wieder zudeckte, damit er nicht fror. Nachdem er das Lamm für eine gefühlte Ewigkeit beobachtet hatte und drohte, selbst in dem großen Sessel einzuschlafen, in den er sich gesetzt hatte, stand er auf und ging den Weg wieder zurück zu seinem Zimmer, verschwand hinter der Tür und versuchte, sich anderweitig zu beschäftigen. Die nächsten drei Nächte ging es ihm nicht anders, wiederholten sich doch die Träume und sein Verhalten, wenn es um Rain ging - mit dem feinen Unterschied, dass er es beim dritten Mal nicht mehr schaffte, wirklich von dem Sessel aufzustehen, in den er sich gesetzt hatte. Sein müder Körper hatte es noch geschafft, ihn zu Rains Bett zu tragen, vor diesem zu knien und den Kopf auf einen kleinen Teil an der Bettkante auf seine Arme zu legen, bevor er schlussendlich eingeschlafen war. Als die Sonne ihn weckte, war es bereits zu spät, sich von seinem Platz zu rühren - denn nicht er war derjenige, der sich bewegte, sondern etwas in dem Bett vor sich - ausgerechnet jetzt, wo er einen traumlosen Schlaf hatte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain bekam nicht viel von dem mit, was die folgenden Tage brachten, aber es ging ihm besser und besser, er fühlte sich nicht so alleine und er hatte keinen Grund schon aufzugeben, im Gegenteil. Wenn es so weit wäre, dass er sterben musste, dann war es eben so, aber solange er sich in der Lage sah sich dagegen zu wehren, wollte er das zumindest für diese Krankheit tun. Vermutlich jammerte er die meiste Zeit nur zu viel, fraß in sich hinein wie frustriert er war und am Ende, brauchte es nichts weiter als einen Freund, der ihn im Leben hielt und ihn davon abhielt sich zu seiner Familie zu gesellen. Dieser Freund war zwar ein Wolf, aber Rain wollte glauben, dass es egal war, solange er nicht zu früh abtrat. Oft fragte er sich, ob es ein Leben nach dem Tod überhaupt gab, oder ob die schwarze Leere sich einfach unendlich fortsetzte, ihn verschluckte und keine Spur von ihm hinterlassen würde. Er hatte mehr Angst zu sterben, als er sich selbst eingestehen wollte.

      Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als er das nächste Mal die Augen aufschlug und auch wahrnehmen konnte, was um ihn herum passierte. Die Zimmerdecke begrüßte ihn, rot beleuchtet von der Morgensonne, die sich ihren Weg hoch in den Himmel bahnte. Rain fühlte sich besser, war sicher, die Krankheit dieses Mal wieder überwunden zu haben. Er hatte sogar hunger, hatte er doch bestimmt tagelang nichts essen können. Zugegeben, er war immer noch erschöpft, sein ganzer Körper schmerzte, teils wohl auch, weil ihm die Bewegung fehlte und sein Kopf tat ebenso weh, aber das ließ sich mit einem Glas Wasser hoffentlich beheben. Rains Blick wanderte auf seine Seite, von der aus ein tiefes Atmen ausging. Ein dunkler Schopf langer Haare lag da neben ihm, schlief, wie lange Nayantai wohl schon hier war? Hatte er darauf gewartet, dass Rain wieder aufwachte? Rain richtete sich etwas auf, lehnte sich hinten gegen das Bett, er wollte nicht mehr liegen. Anschließend hob eine schwache Hand und legte sie sanft auf den Kopf des Wolfes, er wollte ihn nicht wecken, aber die Position konnte nicht bequem sein, musste dem Wolf am Ende mehr Schmerzen bereiten, als Rains Körper ertragen musste. Trotzdem sagte er nichts, strich nur über die festen, dunklen Haare und war selbst noch dabei vollends aufzuwachen.
    • Die Behauptung, er hatte die letzten Tage ruhig geschlafen, war etwas, das Nayantai sich selbst nicht glauben würde, wenn er es sich erzählen würde - immer wieder wiederholte sich der gleiche Traum, als gäbe es dahinter nichts mehr, als wäre er schlussendlich gegen eine Wand gerannt und er sollte schließlich herausfinden, wer die junge Frau war, die sich an ihn klammerte, als hänge ihr Leben davon ab, die ihn verteufelte und für ihren Tod verantwortlich machte. Jetzt schlief er allerdings, so nah an Rain, dass dieser jedwede schlechten Gedanken einfach einzunehmen schien - Nayantai schlief im schwarzen Nichts, das sich für ihn geöffnet hatte, sah vermutlich müder aus, als er es sich eingestehen wollte. Wahrhaft aufwachen wollte er nicht, wollte sich weiter in dieser leeren Welt aufhalten, die auch ihn eingeholt hatte, aber die Bewegungen auf dem Bett, auf dem sein Kopf lag, zwangen ihn beinahe dazu, all das hinter sich zu lassen und sich einzugestehen, dass die Welt vor ihm auch noch ein Ort war, der durchaus existierte und in der er eigentlich wandeln sollte. Nayantai murrte, als Rain seine Haare wohl einmal zu viel berührte und fing langsam an, die müden Augen wieder aufzuschlagen, die angesichts der Sonne unangenehm brannten, so dass er seine Hände nahm, um über diese zu wischen, die Müdigkeit aus seinem Körper verbannen wollend. Brummend sah der Wolf schließlich zwischen seinen Händen hervor, zu Rain, der offensichtlich wach war.

      "Guten Morgen", winselte der Wolf schon beinahe benommen, der es nicht wagte, sich zu rühren, sondern wieder die Augen schloss und den Kopf auf die Seite drehte, als würde er dadurch nicht die Schmerzen in seinem Nacken wahrnehmen, die er aufgrund der ungemütlichen Position hatte, in der er sich befand. "Hast du ... gut geschlafen?", murmelte Nayantai vor sich hin, gähnte aber gleich danach auch wieder. Nein, auch wenn Rain wach war, der Wolf wirkte eher so, als hätte er weder die Lust noch die Kraft dazu, auf seinen zwei Beinen zu stehen, sich aufzusetzen und die unbequeme Position zu ändern. Sollte er zurück in sein Bett kriechen? Dann war er umsonst hierher gekommen, das glaubte er zumindest. Was fragte man an dieser Stelle noch? Hatte er überhaupt Fragen für Rain, die er einigermaßen verständlich formulieren konnte? Eine müde Hand streckte sich nach der des Blonden aus und umklammerte das Handgelenk, tat aber nicht mehr als das, war ihr Besitzer doch damit beschäftigt, bereits vor sich hin zu dösen und diese Welt wieder zu vergessen. Nayantai als Schlafmütze zu beschreiben, wäre eine Untertreibung.
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    • Der Wolf schien langsam aufzuwachen, schien aber im Moment müder zu sein als Rain selbst, wenn das überhaupt möglich war. Obwohl Rain eigentlich nicht mehr müde zu sein schien, er hatte genug geschlafen und sein Rücken dankte ihm die Tatsache, dass er über eine Woche hier gelegen haben musste nicht gerade. "Guten...Morgen?", wiederholte Rain die Worte des Wolfes, versuchte die Aussprache einigermaßen hin zu bekommen und stellte fest, dass seine Stimmbänder wohl erst wieder ein bisschen warm laufen mussten, bis sie einen halbwegs angenehmen Ton produzieren konnten. Er schluckte, sein Hals war trocken. Er sah zu dem Wolf hinunter, dem es scheinbar nicht unbedingt besser ergangen war als Rain, dem wenigstens nicht aufgefallen war, wie die Zeit an ihm vorbei gerauscht war. Die müde Hand schloss sich um Rains Handgelenk und der Atmen des Wolfes veränderte sich bereits wieder, trotzdem ließ es Rain nicht darauf beruhen. Er rutschte auf dem Bett ein wenig zur Seite, nutzte die freie Hand und strich dem Wolf über seine Wange, damit er die Augen wieder aufmachte. "Wenn du schon hier schläfst, dann leg dich wenigstens ins Bett.", lächelte er, hatte ihm Platz neben sich eingeräumt, in dem ohnehin riesigen Bett.

      Rain konnte nicht behaupten, dass er gerade Gesellschaft wollte. Nicht, weil er niemanden sehen wollte, sich mit niemandem unterhalten wollte, oder das Interesse an einer gemeinsamen Zeit verloren hätte, sondern weil er sich schlicht und einfach ziemlich ekelhaft fühlte. Er wollte ein Bad nehmen, etwas Essen, ein wenig zu Kräften kommen, dann würde er sich hoffentlich auch wieder etwas wohler in seiner Haut fühlen. Zudem wollte er aufstehen, seinen Körper ein wenig Bewegung verschaffen und die Steifheit aus seinen Gelenken schütteln, die ihn sich fühlen ließ, als wäre er ein alter Mann. Er schlug die Decke zurück, teils als Einladung für Nayantai und teils um selbst danach aufzustehen. Wie auf Stichwort hörte er ein leises Räuspern an der Tür, das auf sich aufmerksam machen wollte. Sara stand dort, lächelte, offensichtlich erfreut darüber, dass ihr Herr sich besser fühlte. "Ich lasse ein Bad ein.", flüsterte sie beinahe schon und als ob sie Rains Gedanken gelesen hätte, kurz darauf verschwand sie wieder. Rain war sich ziemlich sicher, dass sie dafür gesorgt hatte, dass Nayantai sich überhaupt hier herein schleichen konnte, jetzt würde wohl er selbst wieder übernehmen, bestimmt fiel es keinem auf, wenn der Wolf nicht in seinem Zimmer war und Rain wollte ihm noch danken. Zuerst aber schien der Wolf ein wenig Schlaf nötig zu haben, er hoffte nur er hatte nicht die ganze Zeit neben Rain gewartet, dass er aufwachte, aber warum sollte er das auch tun?
    • Traumlos oder nicht, der Wolf könnte durchaus eine ruhige Nacht vertragen in der ihn seine Träume nicht malträtierten, in der er nicht aufwachen musste und feststellen durfte, dass all das nicht mehr als seine eigene Einbildung war, dass er glaubte, nicht mehr er zu sein, sondern einfach nur der Schoßhund eines Adeligen, der die Wölfe verraten hatte und nicht verschleppt worden war. Aber da waren sie wieder, die Konturen des unkenntlichen Traumes, der Geruch von Feuer, der alles einnahm und sich in ihm festsetzte. Bevor sich jedoch etwas manifestieren konnte, schlug er die Augen wieder auf, hatte die kalte Hand Rains auf seiner Wange und blinzelte ein paar Mal, sah zu ihrem Besitzer auf und versuchte, genau zu verstehen. Sein Kopf fühlte sich an, als hätte man ihn mit Watte gefüllt, seine Gedanken waren nicht klar und sein Herz pochte in seiner Brust, nicht aber, weil die Berührung Rains ihn in Verlegenheit brachte, sondern weil er nicht ganz verstand, wieso er überhaupt hier eingeschlafen war. "Zu dir?", fragte der Wolf, der jedoch nicht weiter herumfackelte und seinen leicht schmerzenden Körper erhob, von Rain für den Augenblick abließ und sich streckte, herzhaft gähnte und sich auf das Bett zu Rain legte. "Ich habe ... grauenhaft geschlafen. Immer ... wieder ... derselbe Traum", nuschelte er, als er sich an den Arm des Schafes klammerte und sein Gesicht dagegen drückte. Schlafen wollte er, nicht mehr, aber das war zu diesem Zeitpunkt nicht sehr produktiv, hatte das Lamm vor sich doch endlich aus der finsteren Hölle gefunden, in den ihn eine Krankheit gesperrt hatte. "Geht es dir gut?", fragte Nayantai, ließ schließlich von dem Arm ab und setzte sich auf, auch wenn er sich bemühen musste, die Augen offenzuhalten.

      Dennoch lud die warme Decke, die Rain über ihn gelegt hatte, noch mehr dazu ein, weiter zu schlafen und zu hoffen, nicht wieder in der gleichen, verfluchten Traumwelt zu landen, die der Wolf schon nicht mehr sehen konnte. Sich wieder auf den Rücken sinken lassend, vernahm er nur am Rande, dass Sara überhaupt hier war und dass er sich gerade an Rain kuschelte. "Weißt du ... es war so schrecklich ... langweilig ... ohne dich", murmelte der Wolf in den Stoff von Rains Gewand, an das er sich gerade drückte. Außerdem glaubte er beinahe, dass Rain es war, der es allein durch seine Anwesenheit schaffen konnte, ihn so sehr davon abzulenken, dass er nicht mehr diesen verdammten Albtraum hätte, der sich immer wieder schemenhaft in einer eigengrauen Welt abspielte, als wäre er durchaus wahr gewesen und Nayantai verdrängte die Realität nur, weil er keine Zeit fände, sie zu verarbeiten. "Ich sollte vielleicht ... nicht so ... viel ... reden ..." Ein kurzes Brummen ging von der müden Gestalt aus, die vermutlich Rain mit seinem Kissen verwechselte, als er die Arme um ihn legte. Das hier sollte gar nicht stattfinden, nie und nimmer, doch war der Wolfsprinz es leid geworden, alleine zu sein.
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    • "Ein Traum...?", fragte Rain, der die Bedeutung des Wortes nur erraten konnte, aber er glaubte zu verstehen. Wenn Träume es waren die den Wolf plagten, jetzt nachdem es ihm körperlich zumindest ein bisschen besser ging, dann hieß das vielleicht nur, dass er bereit war zu sich selbst zurück zu finden. Was auch immer er vor und in dem Kerker erlebt hatte, vermutlich wollte ein Teil von ihm sich nicht daran erinnern, Rain jedoch fühlte sich auch nicht in der Position danach zu fragen, schließlich kannte er den Wolf nicht und wusste auch nicht, ob es ihn nicht nur verletzte, wenn alte, seelische Wunden aufgerissen wurde, von denen Rain nichts verstehen konnte. Alles was mit dem Wolf zusammenhing ging Rain eigentlich nichts an und in naher Zukunft würde es ohnehin keine Rolle mehr spielen. Auch wenn der Wolf sich an Rain klammerte, als wolle er seine Hilfe, der Blonde wusste nicht, wie er ihm helfen sollte. Rain konzentrierte sich lieber auf die Frage des Wolfes, die viel einfacher zu beantworten war.

      "Mir geht es besser, das Fieber scheint überwunden.", lächelte Rain, nickte, brauchte aber vielleicht trotzdem noch ein paar Tage Ruhe, um wieder mit dem Wolf durch das Anwesen spazieren zu können. Rain wollte eigentlich gerade aufstehen, als der Wolf sich wieder an ihn kuschelte, mit ihm unter eine Decke lag, als wäre es das normalste der Welt. Rain sollte es langsam besser wissen, fand sich in der selben Lage wieder, wie schon ein paar Tage zuvor, in dem Wissen, das zumindest Sara gleich wieder kommen würde, die ohnehin schon viel zu viel gesehen hatte. "Langweilig... ohne mich?", fragte Rain amüsiert, der nur nicht anfing zu lachen, weil ihn die Nähe des Wolfes gerade auf zu vielen Ebenen ablenkte. Es war so vieles, das über ihn hereinbrach, sobald der Wolf erneut seine Nähe suchte und ihm jedes Mal noch einen Schritt näher zu kommen schien. Das Kribbeln in seiner Magengegend konnte er nicht deuten, konnte nicht sagen, ob es etwas gutes, oder etwas Schlechtes war, ob es tatsächlich mit dem Wolf zusammenhing oder nicht. "Wieso solltest du nicht reden?", fragte Rain lächelnd, drückte sich jedoch wieder ein wenig aus der Umarmung, auch wenn er das Gefühl hatte, der Wolf brauchte die Nähe dringend.
      "Ich will dir zuhören... egal was du zu erzählen hast.", wisperte er, als wäre Nayantai ein Kind, das beruhigt werden musste und Rain selbst hatte auch noch etwas zu sagen, aber im Moment war es ihm einfach viel zu unangenehm in den vollgeschwitzten Klamotten in Nayantais Armen zu liegen, warum auch immer ihn die Tatsache überhaupt interessierte. Plötzlich gefiel ihm auch der Gedanke nicht, dass der Wolf ihn krank in seinem Bett liegen gesehen hatte, geplagt von hohem Fieber, er musste furchtbar ausgesehen haben, tat es bestimmt noch. Es war der falsche Moment, um einfach zu verschwinden, jedoch auch nicht der Richtige, um in den Armen des Wolfes zu liegen, zumal dies nicht das erste sein sollte, das ein Schaf tat, wenn es gerade erst aufgewacht war. "Hast du mich... etwa vermisst?", fragte Rain etwas verblüfft, immer noch verwundert darüber, was den Wolf dazu brachte so gar nicht so zu handeln, wie die Geschichten es ihm zu schrieben. Wie sollte er nun mit dieser Situation umgehen, die sich bestimmt nicht einmal der kreativste Kopf hätte ausdenken können. "Ich... weißt du ich... will dich nicht kränken aber... hm... nachdem du zwei Tage lang geschlafen hast, hab ich dich ein Bad nehmen lassen, weißt du noch...? Bei wir war es nun... eine Woche...ohne ein richtiges Bad? Ich... naja stört dich das denn nicht?"
    • Nun lagen sie also beide hier, in einem warmen Bett - und Nayantai war es egal, würde er sich jetzt anstecken, dafür schien er viel lieber an dem Lamm zu kleben, das ihn gerade zu sich in sein Bett gebeten hatte. Vermutlich war es eine Bestätigung für ihn, dass Rain ihn nicht hasste, nicht vergessen hatte, sondern einfach nur ignorierte, weil er selbst krank gewesen war und nicht anders konnte. Dafür wollte der Wolf jetzt nicht mehr loslassen, auch wenn er sollte. "Ein Albtraum." Ob das Lamm diese Art von Träume auch hatte? Bestimmt. Aber Rain träume vermutlich nicht vom Tod seines eigenen Volkes, von seinem Versagen, von Tod. Nur, wovon träumte er dann? Von nichts? Auch das war etwas, das Nayantai ihn gar nicht erst fragen konnte, weil er sich nicht die Mühe machen wollte, etwas zu ergründen, das er nicht verstehen würde. Seine eigenen Träume waren es, die ihn plagten, nie wieder loslassen wollten - Nayantai wusste, dass er eben diesen Ballast noch mit sich herumschleppen würde, bis er erschöpft und ausgelaugt auf den Boden fiel, endlich aufgab, verstehen zu wollen und einfach für sich selbst entschloss, dass es nicht mehr viel brachte, wenn er das zu ergründen versuchte, was sein Gedächtnis ohnehin nicht freigeben wollte. Womit hatte man ihn nur bestraft? Zumindest ging es Rain wieder besser, das war noch immer das Wichtigste. "Das ... freut mich ...", aber wieso eigentlich? Rain war noch immer nicht mehr als ein Schaf, als sein Feind, und doch klammerte Nayantai sich an ihn, wollte ihn augenscheinlich gar nicht mehr loslassen und hoffte darauf, dass er es auch gar nicht mehr müsste. Nur, warum? Wiederum fragte er sich, ob er das hier überhaupt tun durfte.

      "Mhm, ohne dich ... ist ... es ziemlich ... langweilig", Nayantai murmelte und nuschelte die meisten Worte der ohnehin so unverständlichen Sprache teilweise schon so sehr, dass er gar nicht mehr wusste, was er selbst wirklich sagte, ob er nicht etwas ganz anderes aussprach, als er eigentlich meinte. Rain war dennoch der Letzte, dem es auffallen würde, sprach Nayantai etwas anders aus, als er es eigentlich sollte. Viel lieber schwieg er dann doch, versuchte sich der Schwärze hinzugeben, die ihn langsam einnehmen wollte und doch war es sein Herz, das sich anfühlte, als würde es ihm noch zum Halse herauskriechen, wenn er Rain reden hörte. "Wieso ... wieso was?" Richtig verstanden hatte er die Frage anscheinend nicht, die man an ihn gerichtet hatte, stattdessen konnte er lediglich mutmaßen, was genau Rain ihn gefragt hatte - aber konnte man es ihm verübeln? Er lag da, irgendwo im Halbschlaf, versuchte auf andere Gedanken zu kommen und doch wollte man, dass er redete. Wann hatte er jemals schon so viel geredet? "Mhm, du solltest ... mh", was sollte Rain? Auch das schien sich ihm nicht mehr zu offenbaren, während sich der sonst so gefährlich Wolf lieber - wie in Trance - an den jungen Fürsten schmiegte, als wäre ihm loslassen gar kein Begriff mehr. Wenn er Rain schon so lange nicht bei sich wissen durfte, dann zumindest jetzt. "Dich ... vermisst? Ja", und das war nur die Wahrheit, die er sich schließlich eingestehen musste. Nayantai war, wenn man den Wolf zumindest so betrachtete, ein wirres Desaster, das nicht ganz wusste, wo ihm der Kopf stand, während er sich immer wieder zusammen riss um nicht sofort wegzunicken. "Bad?", ein Bad hörte sich gut an, aber Rain meinte damit wohl etwas anderes. Wollte er vielleicht ...? Lange genug geschlafen hatte er dafür. "Mh, willst du denn? Dann muss ich mir ein anderes Kissen suchen", raunte er unzufrieden, ließ aber von Rain ab, nur um kurze Zeit später seinen schweren Kopf auf dessen Brust zu deponieren.
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    • "Wenn du willst, kannst du mir von dem Traum erzählen...", murmelte Rain, musterte das wenige was er von Nayantai sah, der sich immer noch an ihn klammerte. Vielleicht half es ihm ja, von dem Traum zu sprechen, um selbst zu verstehen, was er bedeuten sollte. Albträume... Rain hatte nur einen, einen in dem er in der Dunkelheit des Todes versank, langsam darin erstickte, alleine und am Ende war nichts mehr da, keine Welt, kein Licht und auch nicht seine tote Familie, niemand und gar nichts war dort an diesem Ort, der ihn eines Tages zu sich holen würde. Daran musste er nicht vieles deuten und es brachte auch nichts, er hatte Angst zu sterben und alleine zu sein... vielleicht hatte er sich deshalb ein paar Tage zuvor noch so an den Wolf geklammert, wie der Wolf es nun bei ihm machte.

      "Hm... ich schätze, mir wird hier alleine auch manchmal ziemlich langweilig, also verstehe ich das.", lächelte Rain, schüttelte den Kopf, da Nayantai nicht alles verstand, das er gesagt hatte, es war nicht wichtig. Ob sie sich irgendwann ganz normal unterhalten konnten? Vermutlich fehlte ihnen dazu die Zeit... Der Wolf würde nicht für immer hier bleiben und dass er sagte, er habe Rain in den paar Tagen vermisst, das würde nicht anhalten, sobald er zu seinem Volk zurück gefunden hatte. Hier war er ganz alleine, in einer fremden Welt, es war nur natürlich, dass er sich nach einem freundlichen Gesicht sehnte, das zufälligerweise Rain war. Es stimmte Rain traurig, aus Gründen die er nicht benennen konnte und doch war es seiner Meinung nach die Wahrheit. Ein Wolf der nicht eingesperrt, gebrochen und alleine gewesen wäre, der hätte Rain schon längst zerfleischt und keinen weiteren Gedanken mehr an ihn verschwendet.

      "Ein Bad, ja. Ich beeile mich auch.", murmelte er, wollte nicht seinen Gedanken nach hängen, jetzt wo er endlich wieder wach war. Der Wolf ließ ihn tatsächlich für einen Moment los, doch entschied sich schnell wieder um, legte seinen Kopf auf Rains Brust. Rains ohnehin angeschlagene Lunge war dem Druck nicht gerade gewachsen, er unterdrückte ein Husten und legte vorsichtig eine Hand auf Nayantais Schulter. "Du... erdrückst mich...", keuchte er entschuldigend, wollte den Wolf nicht mit diesen Worten aufscheuchen, aber es war die Wahrheit. Er hatte diese Krankheit nicht überlebt, nur um jetzt vom Gewicht des Wolfes erdrückt zu werden. Der Gedanke war fast schon komisch und Rain seufzte amüsiert. "Wie bringe ich dich nur dazu... mich los zu lassen, hm? Ich sollte mich waschen, etwas essen, das Bett sollte gemacht werden und vermutlich... sollte ich ein paar Befehle geben... du machst es mir schwer und... du bist schwer. Ich werde auf dem Weg zum Bad... und zurück... schon nicht sterben. Ich komme wieder, versprochen. Vielleicht..." Rain war eine Idee gekommen, aber er verwarf sie mit geröteten Wangen gleich wieder, das war... auch wenn es schon einmal... Nayantai war ein Wolf, aber es schien, als würde er ihn ohnehin nicht so schnell los werden... das wollte er auch gar nicht. Er hatte seine Nähe gespürt, während er an das Bett gefesselt war und kaum einen klaren Gedanken hatte fassen können... seine Nähe war wichtig für ihn gewesen, hatte ihm geholfen und er wollte den gefallen gerne erwidern. "Du... könntest heute Nacht hier bleiben... wenn... wenn es dir mit deinen Träumen hilft.", murmelte er, ohne noch einmal genau darüber nachzudenken, was er da gerade gesagt hatte, das hätte er vielleicht besser getan.
    • Aber warum sollte er das tun? Rain verstand den Wolf weder, noch konnte er ihm dabei helfen, zu ergründen, was genau falsch mit ihm war und woher diese Träume überhaupt kamen. "Ich weiß ... nicht einmal wo ... ich anfangen ... sollte ...", murrte der Wolf, der alsbald jedoch wieder gähnte und nicht so recht wusste, wie er es überhaupt schaffte, nicht wieder sofort einzuschlafen. Nun lag er also hier, sollte sich seine Sorgen von der gepeinigten Seele sprechen, war sich aber gar nicht erst sicher, wo er damit anfangen sollte. Nayantai brummte. "Feuer. Unendlich viel davon. Und eine Frau, die kein Gesicht hat, die mich verteufelt und mich wirre Dinge fragt", fing er an, zu faseln und glaubte, irgendwo in seinem Hinterkopf, nochmals die schmerzverzerrte Stimme zu hören, die seinen Namen hochwürgte und ihm weiß machen wollte, dass er mit ihr in diesem vermaledeitem Zelt verbrennen sollte. "Ich weiß nicht, wer sie ist und ich weiß nicht einmal, wo ich in diesem Traum wirklich bin, aber es fühlt sich alles so real an ... als hätte ich irgendetwas vergessen." Was er vergessen hatte, das konnte er noch immer nicht sagen - würde er es irgendwann überhaupt wissen und erraten können? Hörte sich eher unwahrscheinlich an, auch, wenn es sich vor seinem inneren Auge schon mehrmals abgespielt hatte. Nayantai fühlte sich plötzlich ach so verloren. Dafür schien er jetzt wieder hellwach zu sein, die Unbehaglichkeit seinerseits machte sich in seinem Körper breit. "Langweilig ...", pflückte er lediglich aus Rains Satz, als wolle er sich das Wort einprägen - aber wozu?

      Nayantai nahm eher unfreiwillig den Kopf von Rain's Brust, wusste aber, dass es vermutlich nicht sehr angenehm für ihn sein dürfte, wenn jemand wie er einfach so auf ihm herumlag und ihn einfach so benutzte, wie er wollte, zumal das Lamm gerade erst aus einem langen Schlaf erwacht war und eine Krankheit besiegt hatte, die ihn hätte töten können - etwas, das Nayantai gar nicht bewusst war. "Tut mir leid, das war nicht meine Absicht", seufzte er und klopfte sich selbst noch ein paar Mal auf die Wangen, nachdem er sich aufgesetzt hatte, damit er die Müdigkeit schließlich vollends aus seinem System vertrieb und wieder zu einem gewohnten Tagesablauf zurückkehren konnte, der daraus bestand, auf Rain zu warten. Dass Rain schon Pläne schmiedete, wie er ihn loswurde - nicht auf die Art, die er befürchtete - belustigte ihn trotzdem ungemein, konnte sich nicht helfen und grinste einmal, bevor er sich selbst aus dem Bett bewegte und zu Rain's Seite wanderte. "Hier? In deinem Bett?", fragte er etwas unglaubwürdig. Konnte er das überhaupt tun? Nayantai wusste es nicht, war das Meiste, das er bis jetzt getan hatte doch nur eine Neckerei nach der Anderen um Rain anzufeinden, ihn eventuell anzuekeln und doch ging er darauf ein. Vielleicht redete der Wolf sich hier auch etwas ein. "Findest du allein ins Badezimmer, oder soll ich dir helfen?", neckte er und streckte eine Hand zu dem Lamm aus, das bestenfalls danach greifen wollte um zumindest wieder auf die eigenen Beine zu kommen. Wenn es sein musste, dann könnte Nayantai ihn auch gerne tragen, es würde zumindest dabei helfen, sich wieder daran zu gewöhnen, das ein oder andere schwere Ding zu schleppen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain verstand nicht was Nayantai ihm sagte, aber es war auch nicht wichtig, viel wichtiger war es vielleicht, dass Nayantai aussprach was ihn quälte, um es so vielleicht realer zu machen und ergründen zu können, was seine Träume bedeuteten. Jedoch schien er vielleicht noch nicht bereit dazu, schien etwas zu bemerken, oder eine Tür aufgestoßen zu haben, die besser verschlossen geblieben wäre. Rain wusste nicht, wieso er das Gefühl hatte, dass er dem Wolf helfen musste, wieso er glaubte, es wäre auch sein Problem, wenn es den Wolf so beschäftigte. Vielleicht wollte er ihm nur danken, dafür, dass er ihm geholfen hatte, weil er einfach nur da gewesen war und vielleicht wollte er einfach dasselbe für ihn tun, da sein und zuhören... oder reden wenn er es wünschte, aber Rain redete vermutlich meistens zu viel. Er war immer schon mitfühlend gewesen, aber, bei dem Wolf war es anders, er wusste nicht warum, es kümmerte ihn mehr als es sollte, was mit ihm war.

      Als Rain von der Last auf seinem Körper befreit wurde, atmete er erst einmal durch und sah anschließend dem Wolf zu, wie er einmal um das Bett herum ging. Die Stimmung hatte sich schlagartig geändert, er war wieder wacher und stellte Rain fragen, die ihm wohl die Röte ins Gesicht treiben sollten, was sie erfolgreich taten. Wieso eigentlich? Viel eher sollte Rain den Wolf in seine Schranken weisen, der hier nichts wert war, jedoch... Rain war es nicht gewohnt, dass so mit ihm gesprochen wurde und es war eine willkommene Abwechslung. "Ich... finde alleine ins Bad.", sagte er, hob dabei eine Augenbraue, er war nicht sicher, wieso der Wolf die Frage überhaupt gestellt hatte und worauf er hinaus wollte, vielleicht wollte er wirklich einfach nur nicht alleine sein, nicht einmal für eine halbe Stunde. Trotz der Fragen griff er nach der Hand die ihm angeboten wurde und kämpfte sich auf die Beine, er hatte das Gefühl, er war noch nicht wieder ganz fit und nahm die Hilfe gerne an. "Und ja... hier, in meinem Bett... wieso lässt du mich das extra wiederholen...", murmelte Rain weiter, glaubte es macht dem Wol bestimmt Spaß und glaubte aber nicht, dass er sich nichts anhören musste, wenn er dem Wolf das erlaubte, eine Hälfte von ihm sagte ihm ohnehin schon, dass er das besser nicht getan hätte. Die Nächte jedoch in denen Nayantai hier war, waren so viel angenehmer gewesen... ruhiger... vielleicht lag es daran, dass es ihm einfach besser ging, aber es war bestimmt eine Überprüfung wert.
      "Du... bleibst hier, okay? Sonst schicken sie dich zurück und ich bin zu müde um zu diskutieren... wenn ich... naja krank bin, dann sind alle hier etwas empfindlich und da es kurz nachdem du hier ankamst passiert ist... naja, es tut nichts zur Sache. Warte einfach hier, ja?" Rain lächelte, und nahm seine Hände aus Nayantais, bevor dieser ihn wieder zu sich zog, oder etwas anderes tat, aus dem Rain sich erst einmal heraus reden musste.