Bound by Fire and Fate [Royal&Yumi]

    • "... ich bin doch nur um die 400 Jahre alt... Außerdem zählen die 300 doch nicht, ich hab ja nur geschlafen...", rieb sich Drawager verlegen den Nacken, als der junge Drachenwandler ihn unverblümt als alt bezeichnete. Und so alt fühlte er sich gar nicht. Er war sogar eher einer der jüngeren Drachen. Ob Drachenwandler eine andere Lebensspanne hatte? Er traute sich jedoch nicht so recht zu fragen. Es war doch unhöflich zu fragen wann jemand sterben würde.

      "... das ist Enigmas Schuppe, nicht wahr?", beantwortet Drawager Alphinauds Frage und starrte die weiße Schuppe an. Er kannte nur einen Drachen mit weißen Schuppe. Und nur einen Drachen der wusste, auf wen er warten sollte... derjenige, der ihm gesagt hatte, dass er sich schlafen legen soll.
      Xyla nickte.
      "Wenn ich mich richtig erinnere, ist das genau der Name, den du damals genannt hast. Ein faszinierender Drache, wirklich, ich würde ihn oder sie nur zu gerne selber einmal treffen.", lächelte die Hexe, aber dazu würde es in nächster Zeit sicherlich nicht kommen. Die Drachen hatten ihre eigene Krise zu überwinden.
      "... wird seine Schuppe uns zu ihm führen?", blickte Drawager auf, entschlossen da er nun ein klares Ziel vor Augen hatte.
      "Mhmmm... das weiß ich nicht. Ob es nun Enigma ist oder jemand anderes, zumindest wird die Schuppe euch dorthin führen, wo ihr als nächstes hin müsst. Mehr kann ich nicht sagen.", zuckte sie mit den Schultern, da erklang Drawagers Magen wieder. Er hatte fast vergessen, dass er Hunger hatte und der Tee half dabei kaum.
      "... aber wieso bleibt ihr nicht erstmal zum Essen?", fügte die Hexe daraufhin mit einem amüsierten Lächeln hinzu. Sie hätte daran denken müssen, dass ein dreihundert Jahre langer Schlaf Hunger erzeugte. Aber solche Dinge besprach man eben doch lieber beim Tee.

      ~~~

      "Mhmmm... etwas persönliches... was?", überlegte der Rothaarige, doch das musste er nicht besonders lange tun. Es gab etwas, dass Alphi ständig mit sich herum getragen hatte, seit er ein kleiner Junge war.
      "... mh? Wie gierig, du willst auch noch etwas dafür haben deiner Lieblingsperson einen Gefallen zu tun?", neckte Callisto ihn mit einem Grinsen und legte ihm die Hände an die Wangen, um ihn zu sich runter zu ziehen und ihm einen Kuss auf die Lippen zu drücken.
      "Sei dir versichert dass ich weiß wie ich meine Dankbarkeit zu zeigen haben.", flüsterte er gegen seine Lippen, als er sich wieder löste.
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    • Weiter verfolgte Alphinaud das Gespräch, bevor er selbst wieder auf die schneeweiße Schuppe blickte.
      "Enigma...", wiederholte er in seinen Gedanken. "Woher wusstest du nur, dass ich derjenige sein werde, der Drawager finden wird?" - doch was auch immer der Grund dafür sein wird, sie werden es mit Sicherheit bald herausfinden.

      Aber dann wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Drawagers Magen ein weiteres Mal zu knurren begann. Er konnte nicht anders, als wieder leicht zu schmunzeln und blickte wieder zu Xyla. "Vielen Dank für die Einladung, ich hoffe wir machen euch nicht zu viele Umstände."

      Ryuki - der bis gerade ebenfalls auf die schneeweiße Drachenschuppe gestarrt hatte - hob seinen Blick, als Xyla die beiden einlud zum Essen zu bleiben.
      Vielleicht sollte er sich lieber um das Abendessen kümmern... bevor Drawager und Alphinaud noch etwas mit dem Magen bekommen würden...
      Seine Gedanken wanderten zu Sora und für einen Moment blickte er zu den Treppen, die zu den oberen Zimmern führten. Ob er wohl bald wieder aus der Geisterwelt zurückkommen würde? Der Kampf gegen den Orden der silbernen Ketten, hatten ihm ganz schön zugesetzt...

      "Ich mach das Abendessen.", sagte er schließlich, eher zu Xyla und stand von seinem Stuhl auf. Er kam nicht umhin sich zu fragen, was sie alles noch für Geheimnisse hatte von denen er nichts wusste.

      - - -

      Ein etwas breiteres Lächeln zog sich über Zerathyns Lippen, als er seine Hand hob und diese sanft an Callistos Kinn legte. "Hmm... ist das so?", fragte er herausfordernd und strich mit seinem Daumen sanft über die Unterlippe des anderen Mannes.
      Aber dann löste er sich - wenn auch etwas widerwillig. Erst mussten sie sich um Callistos kleines Problemchen kümmern... und wenn er endlich zum König gekrönt wurde, hatten sie auch mehr Zeit für... die süßeren Seiten im Leben.

      „Nun gut.“, sagte er schließlich, nahm das Amulett ab und legte es Callisto um den Hals. Anschließend richtete er ihm den Kragen und strich dabei mit den Fingerspitzen sanft über seinen Hals.
      "Dieses Amulett-", begann er, wobei seine Stimme einen etwas ernsteren Ton annahm. "- beinhaltet Victors Seele. Mit diesem Amulett kannst du ihn kontrollieren und ihn zurückrufen, wie es dir gerade passt.", erklärte er und blickte wieder zu Victor. "Zeig ihm dein Fluchmal."
    • "Du bist aber höflich.", entgegnete Xyla Alphinaud mit einem Lächeln, ehe sie den Kopf schüttelte, "Natürlich bereitet ihr uns keine Umstände. Immerhin habe ich es vor 300 Jahren versprochen... und etwas zu Essen gehört zur Gastfreundschaft einfach dazu."
      Nickte sie, während sie begann das Teegeschirr abzuräumen... Naja, ihre Schattenhände übernahmen die Arbeit.
      "Oh... bist du dir sicher? Ich kann das auch übernehmen.", blickte sie verwundert zu Ryuki, doch Ryuki schien sich sicher zu sein, dass er das übernehmen würde.
      Drawager nickte nur dankbar, ehe er wieder auf die Schuppe starrte. Als würde er einen alten, langjährigen Freund wiedersehen. Und vielleicht würde er das auch. Bald.
      Er streckte die Hand nach ihr aus und sobald er sie berührte... hatte er das unbändige Gefühl nach Süden zu müssen. Ob Enigma wohl bereits alles gesehen hatte, was von nun passieren würde?
      "... möchtest du es einmal halten?", hielt Drawager Alphi die Schuppe entgegen.

      ~~~

      Callisto war fast schon enttäuscht, als Zera sich wieder von ihm löste, aber er konnte genauso geduldig sein. Meistens.
      "Mhmmm... eine Seele?", gab er verwundert von sich und betrachtete das Amulett, das in seinen Augen ziemlich gewöhnlich aussah. Vor allem für etwas, dass eine Seele beinhalten sollte.
      Er blickte auf als Victor wie geheißen seinen Kragen aufknöpfte und sein Fluchmal Preis gab. Eine schwarze Linie die sich um seinen gesamten Hals wand. Wie eine enganliegede Kette. Oder ein Halsband.
      Ein wenig verwundert darüber, dass sein Meister das Amulett jemand anderem gab, war er zwar schon, aber er zeigte es nicht. Und akzeptierte es einfach. Dafür wurde er immerhin erschaffen.
      "Oh? Damit dein Spielzeug dir nicht weg läuft?", erkundigte sich Callisto interessiert und betrachtete das Fluchmal. Er war immer wieder fasziniert von den Künsten seines gelegentlichen Liebhabers.
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    • Ryuki erstarrte und weitete seine Augen, als Xyla ihm anbot, dass sie das Kochen übernehmen könnte. Er drehte sich zu ihr um und schüttelte hastig seinen Kopf. "Oh nein, nein, ist schon gut! Ich mach das lieber!", sagte er, drehte ihr dann aber auch schon wieder den Rücken zu, damit sie seine roten Wangen nicht sehen konnte.
      Zwar hatte Sora ihr schon - mehr als einmal - ganz unverblümt gesagt, dass sie nicht kochen kann, doch war es für ihn kein Grund das ebenfalls zu machen.
      Also hing er ohne ein weiteres Wort einen mit Wasser befühlten Topf über die Kochstelle und begann dann mit einem scharfen Messer Kartoffeln und Karotten klein zu schneiden.

      Alphinaud sah den Jungen für einen Moment verwirrt an, als dieser so drastisch das Angebot von Xyla ablehnte. Aber gut... vielleicht kochte einfach nur sehr gerne?
      Er sah wieder zu Drawager und folgte dessen Blick auf die Drachenschuppe. "Gerne.", sagte er dann mit einem Lächeln und nahm sie ihn vorsichtig mit beiden Händen ab.
      Was für ein aufregender Tag es doch war... nicht nur, dass er herausgefunden hatte, dass es noch Drachen gab (und sogar nun einen echten Drachen als Gefährten hatte)... sondern durfte er auch eine echte Drachenschuppe in den Händen halten.
      "Du und Enigma...standet ihr euch nah?", fragte er dann neugierig.

      - - -

      „Ganz genau.“, bestätigte Zerathyn. „Obwohl er es nicht könnte, selbst wenn er wollte.“, fügte er hinzu.
      Ein letztes Mal strichen seine Fingerspitzen sanft über den Hals des Anderen, bevor er sich leicht vorbeugte und ihm mit einem kaum hörbaren Lächeln in der Stimme zuflüsterte: „An deinem Hals würde mir ein Halsband auch sehr gut gefallen...“

      Er richtete sich wieder auf und lächelte so, als hätte er nicht gerade... das gesagt.
      "Ich überlasse dir Victor, bis er deinen Neffen für dich aus der Welt geschafft hat. Danach nehme ich ihn zurück, damit er nach dem Wächter der Drachen sucht. Wenn er-", er stockte, als plötzlich die Flammen im Karmin aufloderten und Skylar mit ihrem Familiar an der Seite heraus trat.

      "Du hast die Königsfamilie getötet!", ihre Augen waren nicht auf ihren Bruder fixiert. Sondern auf Callisto.
      Ein genervtes Seufzen entwich Zerathyn. Seine Schwester hatte schon immer ein schlechtes Timing gehabt... und steckte ihre Nase nur allzu gerne in Sachen ein, die sie nichts angingen.
      Dennoch würde er ihr niemals etwas zu leide tun... oder zulassen das jemand anderes das tat. Ganz egal um wem es sich handelte."Skylar.", begann er, doch sie unterbrach ihn direkt.
      "Nein!", sagte sie und ihre lodernden Augen fanden erneut den zukünftigen König. "Wie konntest du das nur tun?! Sie waren deine Familie!"

      Kiri saß in seiner Fuchsform an ihren Füßen. Seine Ohren aufgestellt, entdeckte er Safran auf dem Schreibtisch und augenblicklich stellte sich sein Fell in alle Richtungen auf.
    • Für einen Moment blickte Xyla Ryuki verwundert hinterher, ehe sie mit den Schultern zuckte und sich stattdessen dem Abwasch der Tassen widmete. Nicht, weil es dringend war, sondern um ihren Gästen etwas Platz zu schaffen.

      "... mh? Ja... ich denke schon...", murmelte Drawager und versuchte dabei sich Erinnerungen wach zu rufen.
      "... man weiß nie so recht, was er denkt, weißt du? Die meiste Zeit über ist Enigma nicht... nun... wie soll ich es sagen... in der Gegenwart?", legte der Drache den Kopf schief, "Die Zukunft sehen zu können ist wirklich ein Segen... aber er kann es sich nicht aussuchen wann. Einmal hat er mich ausgelacht, dass ein Apfel auf meinem Kopf gelandet ist... zwei Minuten, bevor es überhaupt passiert ist.", fügte er mit einem Seufzen hinzu, das jedoch schnell einem nostalgischen Lächeln wich.
      "Ich hoffe wirklich, dass wir sie finden können... nicht nur Enigma. Ich... vermisse sie. Alle.", seufzte er ein weiteres Mal und blickte hinüber zu Ryuki, der sich dem Kochen widmete.
      "Wenigstens hat mein Volk weiter gelebt... Wenn auch in anderer Form.", wenn er nur wüsste.

      ~~~

      Dem Rothaarigen wich ein Schauer über dem Rücken, die gute Art, als er die Worte des Schwarzhaarigen realisierte und blickte mit leicht geröteten Wangen auf.
      "Du... dafür bin ich dir noch nicht dankbar genug...", murmelte er und wandte den Blick ab, konnte den Gedanken daran jedoch nicht so recht verjagen.
      Die Flammen und die Stimme einer Bekannten konnten es dann doch.
      Callisto seufzte tief und legte die Hand an die Hüfte, als er gegenüber Skylars Anschuldigungen stand. Sie waren nicht falsch, aber was ging sie das eigentlich an? Er machte sich nicht einmal die Mühe den Unschuldigen zu spielen. Eine Hexe zu belügen war nie eine gute Idee... oder einen Hexer. Das wusste er bereits.
      "... hast du irgendwelche Beweise, dass ich es war?", streckte er nur gelassen die Hand zur Seite aus. Er war nicht gerade in der Stimmung ihr zu erklären, warum sie eben nicht deine Familie waren. Zumindest nicht so, wie Zerathyn und Skylar eine waren. Was ihn manchmal ziemlich eifersüchtig machte. Mehr, als wenn Zerathyn mit einem anderen Liebhaber auftauchen würde.

      Währenddessen regte sich etwas auf dem Schreibtisch des baldigen Königs. Safran, der es sich dort gemütlich gemacht und etwas gedöst hatte, setzte sich auf.
      Sein Schwanz bewegte sich gemächlich von einer Seite zur anderen, seine Ohren stellten sich auf... und da war er auch schon. Sein liebstes Spielzeug.
      Elegant sprang er vom Tisch - ließ dabei ein paar Dokumente zu Boden gleiten - und näherte sich dem Elend das an Skylars Füßen saß. Genau. Diesem Ding das wagte sich ebenfalls einen Familiar zu nennen.
      "Nah? Versteckst du dich wieder bei deinem Frauchen?", grinste die Katze amüsiert und schlug verspielt gegen eines von Kiris Ohren.
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    • Alphinauds Lächeln wurde etwas schwächer, als er hörte, wie Drawager über Enigma und die anderen Drachen sprach. Er spürte diesen unendlichen Drang Drawager zu trösten... ihm gut zuzureden... ihm zu helfen...

      Nach einem Moment der Stille, legte er seine Hand auf den Unterarm des Drachen und drückte sanft zu. "Hey... es wird einen Grund haben, warum das Schicksal mich zu dir geführt hat... warum ausgerechnet ich dich finden sollte. Wir werden deinem Volk helfen. Wir werden sie alle retten. Das verspreche ich dir.", sagte er und fügte dann durch ihre gedankliche Verbindung hinzu: "Das verspreche ich dir bei meinen Leben."

      Derweil hatte Ryuki das Gemüse geschnitten und in den Kochtopf gegeben. Das Gespräch zwischen Alphinaud und Drawager hatte er dennoch aufmerksam verfolgt. Er konnte sich noch nicht alles genau zusammenreimen, aber... er verstand, das er selbst seinen eigenen Stamm damals nicht helfen konnte. Er ist doch viel zu jung gewesen...
      Alte Erinnerungen stiegen in Ryuki auf, und seine Hände begannen zu zittern, während er verschiedene Gewürze in den Kochtopf gab.
      Sie zitterten so sehr, dass ihm versehentlich eines der Gewürzgefäße aus den Händen glitt und klirrend zu Boden fiel.
      Hastig beugte er sich hinunter, um die Scherben aufzusammeln, schnitt sich dabei jedoch versehentlich in den Finger.

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      Skylar biss ihre Zähne zusammen. Sie hatte keine Beweise dafür, dass Callisto es war, der das Königspaar ermordet hat. Und ohne Beweise, würde ihr niemand glauben. Erst recht nicht, wenn Callisto Gefolgsleute hinter sich hatte, die ihm immer den Rücken stärken würden. Verdammt nochmal!
      "Noch nicht.", gab sie zurück und ihr Blick fiel auf Victor. Augenblicklich erkannte sie, dass er ein Werk ihres Bruders war. Dann wanderte ihr Blick auf das Fluchmal und ihre Augen weiteten sich vor entsetzen, bevor sie zu Zerathyn blickte. "Das ist nicht dein Ernst."

      Zerathyn seufzte daraufhin nur und schüttelte leicht seinen Kopf. "Er ist nur eine Puppe, Skylar. Ein Werkzeug, ein Bluthund... ein Sklave.", antwortete er, legte seinen Arm um Callistos Taille und zog ihn dichter an seine Seite. "Warum kümmerst du dich nicht um deine eigenen Angelegenheiten, kleine Schwester? Das hier geht dich nichts an."

      Skylar trat langsam näher an Victor heran, um ihn genauer zu betrachten. "Ich werde niemals mit ansehen, wie unrecht getan wird!", antwortete sie mit scharfen Unterton und streckte vorsichtig ihre Fingerspitzen nach dem Fluchmal aus. Vielleicht konnte sie es... irgendwie auflösen?

      Kiris kompletter Körper spannte sich an, als Safran auf ihn zu kam und ihm mit einen seiner Pfoten gegen sein Ohr schlug. Er schlug nicht zurück, aber zeigte dafür leicht seine Reißzähne. "I-ich verstecke mich n-nicht! I-ich passe auf sie auf!", gab er schwach zurück und sprang auf einen nah stehenden Sessel, um etwas Distanz zu gewinnen.
    • "... danke.", erwiderte Drawager mit einem Lächeln, auch wenn sich dieses eine Wort viel zu klein anfühlt für alles, was er in diesem Moment fühlte. Also nutzte er ihre gemeinsame Verbindung um Alphinaud seine Dankbarkeit spüren zu lassen. Er wusste nichts über diesen Elben außer seinem Namen und doch wusste er, dass es einen Grund haben musste, wieso er hier war. Wieso er es war, der ihn geweckt hatte. Mit ihm einen Pakt eingegangen war.
      Gerade wollte Drawager nach seinen Beweggründen fragen, warum Alphinaud überhaupt hier war. War er auf Reisen? Was war mit seinen Freunden und seiner Familie?
      Doch gerade als er den Mund aufmachte hörte er das Klirren von Glas und blickte auf. Kurze Zeit später roch er Blut.
      Die Hexe war nirgends zu sehen - wahrscheinlich war sie gegangen, als er gerade nicht aufgepasst hatte - daher erhob er sich um den Jungen zu helfen. Auch wenn Ryuki kein echter Drache war... ein Teil von ihm fühlte sich für ihn verantwortlich.
      "Hey... alles okay? Lass mich helf-.", wuchsen Schuppen auf seiner Hand, die es ihm erleichterten die Scherben aufzuheben, ohne sich zu schneiden. Doch als er die Tränen in den Augen des Jungens sah, stockte er.
      "... ist es so schlimm?"

      ~~~

      "Du hättest ja wenigstens anklopfen können.", seufzte der Rothaarige und schüttelte den Kopf, während er sich von Zera an sich ziehen ließ. Was wäre gewesen, wenn Callisto und Zerathyn sich... etwas Zweisamkeit gegönnt hätten? Die Puppe und die Katze war eine Sache, aber von der Schwester des Hexers überrascht zu werden wollte er nun wirklich nicht.

      Victor bewegte sich nicht. Er stand noch immer da wie vorher, eine Hand am Kragen um sein Fluchmal offen zu legen, noch immer dem Befehl folgend es zu zeigen. Er wusste nicht recht, was er tun sollte, als Skylar sich näherte. Er betrachtete sie, dann blickte er zu seinem Meister und zurück zu der jungen Frau, als dieser nichts sagte.
      Er spürte ihre Fingerspitzen an seinem Hals... Nichts. Das Fluchmal blieb wo es war. Während Victor noch immer versuchte zu verstehen was hier geschah.

      "Ohhh, tust du das? Ja? So ein kleines Ding wie du? Das muss doch selber aufpassen nicht gefressen zu werden!", schnappte Safran spielerisch nach Kiris Schwanz als dieser zum Sessel floh.
      Mit funkelnden Augen und wenigen Sätzen war Safran auch schon wieder bei dem Fuchs und bevor dieser wieder abhauen konnte, verwandelte sich Safran in seine menschliche Gestalt und schnappte sich Kiri, hielt ihn fest an seinen Körper.
      "Du bist doch gerade mal so zum wärmen gut.", grinste er breit.
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    • Erst jetzt bemerkte Ryuki, wie sehr doch seine Augen brannten... und das ihm bereits die ersten Tränen über die Wangen liefen.
      "I-ich...", stotterte er, brachte jedoch kein richtiges Wort hervor und schüttelte nur leicht seinen Kopf.
      Auch Alphinaud hatte sich bereits von seinem Stuhl erhoben und stand einen Augenblick später an Drawagers Seite.
      "Du hast dich verletzt.", stellte er fest, ließ seinen Blick über die Küche wandern und griff dann nach einem sauberen Küchentuch, welches auf der Küchenzeile lag.
      Nachdem er es mit frischem Wasser etwas angefeuchtet hatte, drückte er es vorsichtig auf die Handflächen des jungen Drachen, um die Blutung - der glücklicherweise nur kleinen Schnitten - zu stoppen.
      Auch der Elb bemerkte nun die Tränen im Gesicht des Jungen und blinzelte überrascht. Das waren nicht einfach nur ein paar einfache Tränen... in seinen Augen lag tiefste Trauer und Schmerz. Und der Prinz konnte nur erahnen, was wohl der Grund dafür sein könnte.

      Doch bevor er fragen konnte, entwich den Lippen von Ryuki schon bereits ein leises Schluchzen. "U-und... wenn ihr es nicht schafft den anderen Drachen zu helfen?... w-was ist wenn du dann auch alleine bist? S-so wie ich?", fragte er leise. Die zweite Frage war eindeutig an Drawager gerichtet. Denn auch wenn Ryuki jetzt Xyla, Anarxia und Sora hatte... seine Stamm hatte er nicht mehr.

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      Skylar ignorierte die Frage des Elbs. Ihre vollkommene Konzentration lag auf dem Wesen vor ihr und dem Zauber mit dem sie das Fluchmal aufheben wollte.
      Doch als sie es versuchte... funktionierte es nicht. Ihre Augen weiteten sich überrascht und sie versuchte es ein zweites Mal. Doch wieder hatte sie keinen Erfolg. Langsam ließ sie ihre Hand wieder sinken und blickte zu Zerathyn und Callisto.

      Zerathyn strich mit seiner Hand sanft über Callistos Taille und lächelte nur zufrieden. "Siehst du, Schwesterchen? Mein Victor ist ein guter Junge. Er will dieses Leben so wie es ist. Du brauchst dich nicht weiter einmischen."
      Skylars Hände ballten sich langsam zu Fäusten und ihre Augen verengten sich. "Red nicht so einen Scheiß.", zischte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen. "Er "will" kein anderes Leben, weil du ihn genauso erschaffen hast. Aber wenn er eine wirkliche Wahl bekommen könnte, ganz ohne deinen Einfluss... dann weißt du genauso gut wie ich, dass er sich anders entscheiden könnte!"

      Sie hielt inne, als sie plötzlich wieder an die Worte erinnerte, die gefallen sind, als sie durch den Karmin gekommen ist. "Moment Mal..." Langsam lösten sich ihre Augen von ihrem Bruder und fixierten den Elb. "Dein Neffe ist noch am Leben... der rechtmäßige König ist noch am Leben... er ist der Beweis für das was du getan hast! Er wird zu deinem Untergang!"

      Kiris Augen weiteten sich, als Safran plötzlich seine menschliche Form annahm und sich ihn packte. "IEK! W-was machst du da? L-lass mich sofort wieder runter!", quietschte er und ganz unfreiwillig nahm er auch seine menschliche Form.
      Er zappelte in Safrans Umklammerung und versuchte sich wieder aus dieser zu befreien.
    • "So... wie du...", wiederholte Drawager und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen.
      "Du meinst... die Drachenwandler auch...?", wollte er es nicht direkt aussprechen und in seinen Augen spiegelte sich der selbst Schmerz. Der Junge war doch gerade einmal 16... und er hatte sein gesamtes Volk verloren?
      "... ich... ich muss es schaffen...", ballte er entschlossen die Hand zur Faust, denn obwohl er sich nicht daran erinnerte der Wächter der Drachen zu sein, so spürte er doch noch immer die Verantwortung die damit auf seinen Schultern lag. Er musste die Drachen zurück bringen. Koste es, was es wolle.
      "... Doch wenn nicht...", wollte er gar nicht daran denken, doch... der Junge verdiente eine Antwort, "... werde ich mit dem weiter leben, was ich habe. Meinen Erinnerungen. Und dem Wissen alles getan zu haben, was ich konnte. Ich... es wird nicht einfach sein...", murmelte er den letzten Satz und streckte die Hand aus, um Ryuki die Tränen vom Gesicht zu wischen, "... aber irgendwie müssen wir doch weiter leben, oder? Das sind wir denen, die es ermöglicht haben schuldig, meist du nicht?", versuchte er es mit einem aufmunternden Lächeln.
      "Auch für die nächste Generation, nicht wahr? Auch wenn du dafür noch etwas zu jung bist.", konnte er sich das Grinsen nicht verkneifen.
      "... und ich bin nicht alleine. Ich... Alphi und ich haben einen Pakt geschlossen. Egal was passiert... wir sind aneinander gebunden. Machen... machen Drachenwandler das auch?", rieb er sich verlegen den Nacken. Was für ein toller Drachenwächter er doch war, wusste nicht mal etwas über seine entfernten Artgenossen.

      Victor verstand es nicht. Seit langem zeigte sich mal wieder eine Emotion auf seinem Gesicht: Verwirrung. Warum sollte er jemals ein anderes Leben als dieses haben wollen? Er war doch dafür erschaffen worden, oder nicht?

      Callisto dagegen hatte ganz andere Sorgen. Von denen nicht mal Zeras Hand an seiner Taille ablenken konnte.
      "Was zum-? Das hast du gehört?!", knirschte er genervt mit den Zähnen und sah seinen Plan zum ersten Mal ins wanken geraten. Skylar war eine Hexe verdammt. Eine mächtige Hexe die einfach ein- und ausgehen konnte wo sie wollte! Er war sich zwar sicher, dass sie nicht so mächtig wie Zera war, aber eine Hexe wollte er trotzdem nicht zum Feind haben. Vor allem Zerathyns Schwester nicht. Er wäre nur wütend, wenn er ihr weh tun würde.
      "... Hör lieber auf deinen Bruder. Misch dich nicht in Angelegenheiten ein, die dich nichts angehen."

      "Nichts da! Du bleibst schön hier! Jetzt sei ein guter Junge und halt still.", kicherte Safran belustigt und hielt Kiri weiterhin in seinen Armen, auf seinem Schoß, egal wie sehr er herum zappelte. Auch wenn es zu nerven begann. Er wollte ihn noch ein bisschen ärgern, als beuge er sich nach vorne und leckte ihm über den Hals. Als würde er sein Fell putzen.
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    • Ryukis Schluchzen wurde mit jedem Wort, dass von Drawager gesprochen wurde ein wenig leiser, bis er ihn nur noch mit großen Augen anblickte.
      Die Worte des anderen Drachen gingen Ryuki tief unter die Haut. Doch auf eine gute Weise... sie erreichten genau den Teil seines Herzens, der all die Jahre auf diese Worte gewartet hatte, um endlich den letzten Rest seiner Vergangenheit heilen zu können.

      "... aber irgendwie müssen wir doch weiter leben, oder? Das sind wir denen, die es ermöglicht haben schuldig, meist du nicht?" - hallten die Worte Drawagers durch seinen Kopf. Ein letztes Schniefen und ein zittriger Atemzug, bevor Ryuki schließlich nickte. "J-ja... ja, du hast Recht... sie sollen ihr Leben nicht umsonst gegeben habe... sie hatten einen Grund einen zu beschützen.", sagte er leise und schaffte es dann sogar zu einem leichten Lächeln.

      Aber als er Drawagers nächsten Worte hörte, wurde er zunächst etwas verlegen und danach nachdenklich. Sein Blick wanderte für einen Moment zwischen Drawager und Alphinaud hin und her, bevor er wieder auf dem Drachen hängen blieb. "Ob wir Drachenwandler auch mit jemanden einen Pakt schließen?", fragte er und dachte für einen ganzen Moment nach. "Die Ältesten haben manchmal am Feuer darüber gesprochen... aber unser Stamm lebte zurückgezogen und wir blieben immer unter uns... glaubst du, dass ich trotzdem jemals mit jemanden einen Pakt schließen kann?... und wie weiß ich, dass es auch die richtige Person ist?"

      Alphinaud beobachtete den Umgang zwischen Drawager und Ryuki mit einem leichten Lächeln. Es war erstaunlich, wie schnell Drawager es geschafft hatte, ihn wieder zu beruhigen. Doch er musste zugeben, dass er genau die richtigen Worte gefunden hatte.
      Besser hätte der Prinz es selbst wohl kaum hinbekommen.
      Während er die beiden Drachen miteinander sprechen ließ, wanderten seine eigenen Gedanken zurück zur seiner Kindheit und zu einem Tag, denn er stets gut in Erinnerung behalten hatte. Aber jetzt? Hinterließ er nur noch einen bitteren Beigeschmack...

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      Viele Jahre zuvor...

      Es war eine stürmische Nacht, die sich über das Königreich Eryndor gelegt hatte.
      Ein junger Elb – ein blondhaariger Prinz, nicht älter als zehn Jahre – irrte barfuß durch die langen Korridore des Palastes. Seine nackten Füße klatschten leise auf den kalten Steinboden.
      Bei jedem Blitz und jedem Donnerschlag zuckte er ein wenig mehr zusammen, während ihm ein leises Wimmern über die Lippen kam.
      „O-onkel? O-onkel, wo seid Ihr?“, rief er in die Dunkelheit.

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      Auch Zerathyns Blick verdunkelte sich. Wenn Skylar wirklich gehört hatte, dass Callistos Neffe noch am Leben ist... dann hatten sie nun wirklich ein Problem. Reichte es nicht schon, dass sie sich ständig in seine Angelegenheiten einmischte?
      "Skylar.", begann Zerathyn ein weiteres Mal. "Ich warne dich. Misch dich nicht in Dinge ein, die dich nichts angehen.", wiederholte er genau das, was Callisto eben bereits schon einmal ausgesprochen hatte, und verstärkte dabei seinen Griff an der Hüfte des Elben.

      Aber Skylar lachte nur verächtlich. "Und ob es mich etwas angeht!- ich mache es zu meiner Angelegenheit! Was wollt ihr dagegen tun? Mich angreifen?!", ein triumphierendes Lächeln zog sich über ihre Lippen. Sie wusste genau, das Zerathyn sie niemals angreifen würde... oder zulässt, dass jemand anderes es tun würde.

      In dem Moment, als Kiri Safrans feuchte Zunge an seinem Hals spürte, erstarrte er für einen langen Augenblick. Seine Augen hatte er in seinem ganzen Leben noch nie so weit aufgerissen.

      Und dann...

      „IIIIIIEK! Bist du vollkommen verrückt geworden?!“, quietschte Kiri. Noch bevor er überhaupt begriff, was er da tat, drehte er ruckartig den Oberkörper zur Seite und verpasste Safran eine ordentliche Kopfnuss.
      Er hatte endgülig genug davon, immer und immer wieder von Safran geärgert zu werden.
    • "Nun... für uns Drachen ist es auch eher selten geworden, einen Pakt zu schließen...", murmelte Drawager vor sich hin und kratzte sich den Kopf, während er nachdenklich zu Alphinaud blickte.
      Ihre Situation war etwas... besonders. Sie kannten sich kaum, um ehrlich zu sein wusste Drawager nichts von Alphinaud.
      Unter normalen Umständen hätten sie sicherlich keinen Pakt geschlossen, zumindest nicht so schnell... aber wenn Enigma sich sicher war, dass sie für einander bestimmt waren, dann vertraute er auf den weissagenden Drachen.
      Außerdem war es nötig, um sein Volk zu retten. Aber nichts davon beantwortete die Frage des Jungen.
      "Nun... Wenn es so weit ist, wirst du es wissen. In dir steckt doch noch immer Drachenblut, nicht wahr? Deine Instinkte werden dir schon sagen, wenn es das richtige ist.", lächelte er und stubste Ryukis Nase, "Hab es nur nicht zu eilig. Einen Pakt kann man nur einmal im Leben schließen."

      ~~~

      Viele Jahre zuvor...

      Callisto konnte nicht glauben, was er in Begriff war zu tun. Aber er tat es trotzdem. Denn obwohl es das nicht sollte, so lag ihm doch etwas an dem Jungen seines Bruders. Und als er das weiche Ding auf dem Markt gesehen hatte... konnte er einfach nicht anders, als es zu kaufen.
      Also kniete er sich neben die Tür, in jenem Zimmer, in dem er Alphi ständig Geschichten am Kamin erzählte und streckte seine Hand aus... so dass das Drachenkuscheltier das einzige war, dass der verängstigte Junge sah.
      "Hab keine Angst, Alphi! Wir Drachen beschützen dich vor dem Donner!", gab er von sich, obwohl es ihn schon etwas verlegen machte. Zum Glück sah das keiner.

      ~~~

      Etwas verwundert blickte Callisto - der Callisto der Gegenwart - zu Zerathyn auf. Natürlich wusste er, dass Zera ihn mochte - mal mehr, mal weniger - immerhin fanden sie seit Jahrhunderten immer mal wieder zueinander. Dennoch hätte er nicht erwartet, dass er seine Schwester so ansehen würde. Nicht, wenn es nicht um seine Pläne, sondern die von Callisto ging. Und irgendwie wurde ihm dabei warm ums Herz... ein Gefühl das er schnell wieder verscheuchte. Gerade gab es wichtigeres. Wie brachte er diese Hexe dazu sich nicht einzumischen?
      "... Skylar. Komm schon. War ich nicht immer nett zu dir? Kannst du mir nicht einfach diese eine Sache lassen?", seufzte der Elb. Bei Zerathyns Schwester war er wirklich am Ende mit seinem Latein. Er konnte wohl nur eines tun: Alphi vor der Hexe finden.

      "Hehe, komm schon, stell dich nicht so an-.", wollte Safran Kiri gerade wieder mit einem breiten Grinsen verspotten, da spürte er auch schon die harte Kopfnuss, die ihn erstmal verstummen ließ. Er konnte fast spüren, wie sich seine Stirn rot verfärbte. Endlich ließ er von dem Fuchs Familiar ab, schubste ihn geradezu von seinem Schoß und blickte sich panisch nach einem Spiegel um. Da er keinen fand versuchte er seine Stirn in der Reflektion des Fensters zu betrachten.
      "Du verdammte... fühlst du dich denn gar nicht schlecht dabei so ein hübsches Gesicht anzugreifen?!", gab er anklagend von sich, als hätte Kiri gerade eine schwere Sünde begangen. Was er in Safrans Augen auch getan hat.
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    • Ein leises Kichern entwich Ryuki, als Drawager ihm gegen die Nase stupste und der Gedanke selbst irgendwann einen Pakt mit jemanden zu schließen klang... aufregend und ein wenig beängstigend zugleich.
      Wenn er sich wirklich eines Tages dazu entschließen würde einen Pakt zu schließen... hieß es dann, dass er Xyla, Anarxia und Sora verlassen musste?

      Sein Blick ging für einen Moment zu Alphinaud, bevor er wieder zu Drawager blickte. "Nur ein einziges Mal?", fragte er und legte nachdenklich seine Hand an sein Kinn. "Ja, dann sollte man sich wirklich sehr sicher sein...", wieder huschten seine Augen für einen kurzen Moment zu Alphinaud. Dieser schien komplett in seinen eigenen Gedanken versunken zu sein.
      Fast schon verschwörerisch senkte Ryuki seine Stimme: "Wie bist du dir bei Alphinaud so sicher gewesen?", fragte er und fügte dann noch ein wenig leiser hinzu: "Ist es, weil du ihn schön fandest?"

      - - -

      Für einen Moment stockte Alphinaud beim Anblick des Drachenkuscheltiers der Atem. Seine Augen wurden groß und die Tränen versiegten. Er blinzelte mehrmals, doch seine Hände zitterten noch immer leicht vor Anspannung.
      Draußen tobte der Sturm unvermindert weiter. Der Wind peitschte durch die Bäume und der Regen prasselte wie tausend Trommeln gegen die großen Fenster.
      Mit dem Ärmel seines Nachthemdes wischte sich der junge Prinz über die Augen. Seine Stimme war leise und leicht heiser.
      „W-wirklich?“, fragte er mit kaum hörbarer Stimme. „A-auch vor den Blitzen?“

      - - -

      Skylars Augen wanderten wieder zu Callisto, und sie zeigte mit einem anklagenden Finger auf ihn.
      „Du warst nur nett zu mir, weil du es sein musstest. Nicht, weil du es wolltest. Du hattest gar keine andere Wahl.“, sagte sie. Um ihren Worten mehr Nachdruck zu verleihen, nickte sie mit dem Kinn in Richtung ihres Bruders.
      Ihr Blick blieb schließlich wieder an Victor hängen – der Kreation ihres Bruders. Sie wusste, dass Zerathyn ein mächtiger Hexer war. Natürlich wusste sie das. Wenn sie dem rechtmäßigen Thronerben also wirklich helfen wollte, musste sie Alphinaud schneller finden, als Victor es tat.
      Doch wo sollte sie nur anfangen zu suchen? Das Attentat lag bereits zwei Wochen zurück. Mittlerweile konnte der junge Elb überall sein.

      Zerathyn folgte dem Blick seiner Schwester. Nun breitete sich auf seinen Lippen ein leichtes Lächeln aus.
      „Ganz recht, Skylar. Vergiss nicht, dass mein Victor ein Bluthund ist. Ich habe ihn eigens erschaffen, um bestimmte Personen für mich aufzuspüren. Von seinen übermenschlichen Kräften und seiner geheimen Fähigkeit ganz zu schweigen.“

      Skylar hielt inne. Er hatte ihm eine geheime Fähigkeit gegeben? Das war nicht gut. Gar nicht gut.
      „Was für eine Fähigkeit?“, fragte sie.
      Zerathyn zuckte jedoch nur leicht mit den Schultern. „Tick, tack, tick, tack, Schwesterchen. Die Zeit läuft gegen dich.“

      Kiri landete mit einem leisen „Oof!“ auf dem Boden, als Safran ihn von seinem Schoß schubste.
      Hastig richtete er sich wieder auf und strich seine Kleidung glatt, während er beobachtete, wie sehr sich der andere Familiar um sein Aussehen sorgte.
      „Ich hab ehrlich gesagt schon hübschere Kartoffeln gesehen...", murmelte er als Antwort und huschte wieder dicht an Skylars Seite.
    • "... mh?", beugte sich Drawager näher an den Jungen heran, als er ihm etwas in Ohr flüstern wollte, lief jedoch sofort rot an und warf Alphinaud einen Seitenblick zu, als Ryuki sein Aussehen ansprach.
      Zugegeben, Alphi sah gut aus, er war geradezu eine Schönheit, selbst für Elben Standards... a-aber darum ging es doch überhaupt nicht bei einem Pakt!
      "Du... du solltest dich nicht auf das Aussehen konzentrieren. Es ist wichtig was hier drinnen ist, okay?", flüsterte er ihm zu und tippe dabei auf sein Herz, hoffend dass Alphi nicht mitbekam, worüber sie sprachen. Er schien gerade sowieso in seiner eigenen, kleinen Welt zu sein.
      Dabei hatte er eigentlich keine Ahnung wie es in Alphinauds Herz aussah... und obwohl er sich mit ihrer gemeinsamen Verbindung sicherlich schnell herausfinden könnte, weigerte er sich, ohne die Erlaubnis des Elben in seinem Herzen herum zu wühlen. Das gehörte sich einfach nicht!
      Also nahm er sich vor das so schnell wie nur möglich nachzuholen.
      "... bei mir und Alphi ist es etwas komplizierter... also nehm dir nicht ein Beispiel an uns, okay? Und lass dir Zeit. Du bist doch noch so schrecklich jung."
      Ob Drachenwandler überhaupt eine ähnliche Lebensspanne wie Drachen hatten?

      ~~~

      "Natürlich, natürlich! Vor allem vor den Blitzen! Nun komm her und lass mich dir ganz viele Geschichten über Drachen erzählen!", bewegte Callisto das Kuscheltier, als würde es eilig Nicken, ehe er ihm damit bedeutete her zu kommen. Dann konnte er dieses lächerliche Schauspiel auch endlich beenden.

      ~~~

      "Nun...", konnte der Rothaarige ihr nicht widersprechen. Wer war schon gemein zu der kleinen Schwester seines Liebhabers? Vor allem wenn diesem seine Schwester wichtig war? Es war nicht so, dass er jemals gemein zu ihr sein wollte, er hatte nicht einmal darüber nachgedacht. Ganz so wie es Skylar sagte: er hatte nie wirklich eine Wahl gehabt. Aber wer war auch schon unhöflich zu Hexen?
      Außerdem hat er auch immer einen gewissen Abstand zu ihr gehalten. Weil... genau deswegen. Weil sie nie mit seinen Plänen einverstanden gewesen wäre.
      Er hatte stets versucht sie davon fern zu halten... und nun spazierte sie einfach durch die Flammen und hörte alles mit! Wie unfair war das denn!

      "Das ist...", beugte sich Victor leicht nach vorne und wollte die Frage auch schon beantworten, daran gewöhnt Befehle zu Folgen und Fragen zu beantworten, ehe er sich im letzten Moment stoppte und sich fragte, ob sein Meister überhaupt wollte, dass er es ihr verriet.
      Also blickte er auf zu Zerathyn... ehe ihn seine Seele daran erinnerte, dass der Elb nun sein Meister war und er den Blick auf diesen richtete.
      Aber eigentlich war es egal. Beide sahen ihn mit diesem warnenden Blick an und Victor ging ein paar Schritte zurück, um sich nicht mehr einzumischen.

      "... hah?", klang Safrans Stimme dieses Mal alles andere als erfreut, als er sich zu dem Familiar umdrehte. Und wenn Blicke töten könnten, dann wäre Kiri sicherlich bereits tot umgefallen.
      "... sag das nochmal.", kam er auf ihn zu, mit einem Gesichtsausdruck der deutlich zeigte, dass er es lieber nicht wagen sollte. Und damit ihm Kiri dieses Mal nicht entwischen konnte, stellte er ein Bein auf seinen buschigen Schwanz.
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    • Ryuki - welcher Drawagers Reaktion genau beobachtet hatte - zog seine Augenbrauen zusammen und legte leicht seinen Kopf schief.
      "Aber warum wirst du dann so rot im Gesicht? Und warum wirst du so nervös? Findest du ihn denn nicht schön?", fragte er komplett unverblümt.
      Für einen Moment blickte auch er wieder zu dem Elben, welcher noch immer tief in seinen eigenen Gedanken versunken war. Was ihm gerade wohl durch den Kopf ging?
      Er sah wieder zu Drawager hinauf, als dieser auf sein Herz tippte. "Ja schon, aber... warum ist es denn bei dir und Alphinaud komplizierter? Ist es bei euch so wie bei Xyla und diesem komischen Vampir? Kennst du Hokrux? Er mag mich nicht besonders, weißt du... ich hab ihn mal versehentlich fast mit Knoblauch getötet... Anarxia hatte aber auch Schuld an dem Vorfall."

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      Ein letztes Schniefen entwich dem jungen Prinzen, bevor er sich endlich wieder beruhigte und sich in die Arme seines Onkels und des Kuscheltiers warf.
      Die Tränen waren getrocknet und das zittern seines zierlichen Körpers hatte aufgehört. Ein Moment verstrich. Dann ein weiterer.
      Und schließlich Sprach er mit leiser Stimme. "Onkel?... wenn ich irgendwann König bin, dann möchte ich nach den Drachen suchen..."
      Für einen Moment hielt er inne, bevor er dann mit großen Augen zu ihm aufsah. „Aber wenn ich König bin... was seid Ihr dann?“

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      Skylar biss ihre Zähne zusammen und ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie liebte ihren Bruder vom ganzen Herzen. Und auch Callisto hasste sie nicht.
      Aber nichtsdestotrotz durfte - nein, wollte und konnte - sie das nicht zulassen. Sowohl die Pläne ihres Bruders, als auch die Pläne Callistos. Sie musste etwas dagegen tun.
      "Kiri, verabschiede dich von deinem Freund, wir müssen los.", sagte sie ohne ihren Blick von den beiden Männern abzuwenden.

      Zerathyn lächelte derweil nur berechnet und seine Hand strich erneut über den Hüftknochen des Elben.
      Dann sah er wieder zu Victor und sein Blick wurde kälter. Eine stille Warnung lag in seinen Augen. Zwar trug gerade Callisto das Amulett mit Victors Seele. Aber er ist noch immer sein Schöpfer.
      Und er war sich sehr sicher, dass sein seine Schöpfung sich ihm niemals wiedersetzen würde.

      Kiri zuckte leicht zusammen und konnte es gerade noch so ein Quietschen verhindern, als Safran ein Bein auf seinen Fuchsschwanz abstellte.
      "I-ich uh...", stotterte er sichtlich eingeschüchtert von Safrans tödlichen Blick. Das seine Meisterin gerade zu ihm gesprochen hatte, hatte er dabei kaum mitbekommen. "I-ich wollte damit nur sagen, uh... das Kartoffeln auch Dellen haben können... und Kartoffeln sind oft sehr hübsch und schmecken zudem gut... und sie sind nicht gemein."

      Endlich wanderten auch Zerathyns Augen zu seinem Familiar und dem seiner Schwester. Langsam atmete er aus, beinahe schon amüsiert.
      „Safran, mach dein Spielzeug nicht kaputt.“
    • "... was?! I-ich meine... doch... doch, natürliche finde ich ihn schön...", murmelte Drawager mit geröteten Wangen und wagte nicht so recht irgendjemandem ins Gesicht zu sehen. Das war doch peinlich. Wie konnten Kinder so unverblümt solche Sachen von sich geben?!
      "... mhm? Fast mit Knoblauch...? ... Nein. Ich... ich glaube bei uns ist es nicht so kompliziert. Es ist kompliziert... aber auf eigene Art und Weise...", wusste er nicht so recht, was er mit Ryukis Worten anstellen sollte. Oder wovon dieser überhaupt sprach. Sollte er nachfragen? Wollte er überhaupt hören wie ein kleiner Junge fast einen Vampir getötet hatte... und dann auch noch ausversehen? Und wer war nun Anarxia?
      "Also... Nein. Ich kenne keinen Hokrux.", fügte er hinzu.
      "Nun...", räusperte sich der Drachen und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden, er hatte beschlossen es einfach frei heraus zu sagen, "Enigma... der Drache dem die weiße Schuppe gehört... hat vorausgesehen, dass mich jemand aus meinem Schlaf wecken und ich mit dieser Person einen Pakt eingehen soll, um... um die Drachen zu retten.", schluckte er schwer bei dem Gedanken an seine Schwestern und Brüder, wo sie wohl gerade waren? Ob sie schliefen wie er es getan hatte?
      "... jedenfalls habe ich mit Alphi einen Pakt geschlossen, ohne ihn zu kennen. Also nimm dir an uns kein Beispiel.", seufzte er und es war ihm peinlich das zugeben zu müssen.
      Da hielt er dem Jungen eine Rede, dass man nur mit dem oder der richtigen einen Pakt schloss... und dann hielt er sich selber nicht mal daran. Dabei war der Elb der Richtige. Er konnte es spüren. Und doch... war das keine Entscheidung, die man beim ersten Treffen traf. Aber im Gegensatz zu ihm hatten andere Zeit.

      ~~~

      "... mh?", Callisto zuckte bei diesen Worten zusammen.
      Du wirst niemals König werden. Weil ich König werde, hätte er ihm am liebsten zugeflüstert, aber natürlich könnte er das nicht tun. Nicht nur, weil das seine Pläne bedrohen würde.
      "Nun... zum Onkel des Königs?", schlug der Rothaarige daher vor und trug den jungen Prinzen zu einem Sessel, wo er es sich gemütlich machte, mit dem Jungen und seinem neuen Kuscheltier auf dem Schoß.
      "Außerdem muss doch jemand auf das Reich und den Thron aufpassen, während unser junger König nach den Drachen sucht, nicht wahr?"

      ~~~

      "Hmpf! Kartoffeln sind hässlich und dreckig! Aber was hab ich auch anderes erwartet? Natürlich weißt du wahre Schönheit nicht zu schätzen.", gab sich Safran auf die Worte seines Meister mit einem schnauben zufrieden und wandte sich demonstrativ mit verschränkten Armen von Kiri ab. Vergleicht ihn einfach mit einem Kartoffel... Dieses verdammte Spatzenhirn! Nächstes Mal wird er ihn umso mehr ärgern! Jawohl!

      Callisto ließ ein tiefes Seufzen von sich, als die Hexe endlich verschwand und schmiegte sich wie nach Trost suchend näher an Zerathyn heran. In nächster Zeit würde er wohl Feuer meiden.
      "... und du bist dir sicher, dass er Alphi vor deiner Schwester finden kann?", warf er Victor einen prüfenden Blick zu. Er sah weder besonders stark, noch besonders schlau aus, aber da er aus Magie entstand konnte das wohl auch sicherlich täuschen.
      Ach ja... etwas, das Alphi oft in Händen gehalten hatte, was? Da wusste er sofort, was er Victor in die Hände drücken würde. Und es war wohl besser sich zu beeilen... aber Zera war gerade einfach viel zu bequem, um sich zu entfernen. Noch fünf Minuten...
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    • Ryuki atmete beinahe erleichtert auf, als Drawager sagte, dass er Hokrux nicht kannte.
      „Sei froh, dass du ihn nicht kennst. Die Fledermaus ist anstrengend und hat eine furchtbare Attitüde.“
      Er schüttelte den Kopf, während ihm ein leichter Schauer über den Rücken lief. Wenn jemand Hokrux noch weniger leiden konnte als er selbst, dann waren es definitiv Anarxia und Sora.
      Auch wenn die beiden sich sonst oft in die Haare bekamen – sobald es um Hokrux ging, waren sie ausnahmsweise ein eingespieltes Team.

      Für einen Augenblick warf der junge Drachenwandler einen prüfenden Blick auf den Kochtopf, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf den älteren Drachen richtete.
      Gespannt hing er an dessen Lippen, als er von dem Drachen Enigma und dem Pakt mit Alphinaud erzählte.
      „Dann war dein Pakt mit Alphinaud eine Prophezeiung von Enigma?“, fragte er erstaunt.
      Auch er setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und rückte ein Stück näher an Drawager heran. Offensichtlich hoffte er darauf, noch mehr über die Prophezeiung zu erfahren.

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      Einen ganzen Moment lang sagte Alphinaud nichts und dachte über die Worte seines Onkels nach. Schließlich nickte er langsam und drückte sein neues Kuscheltier fest an seine Brust.
      „Ja, Onkel! Ihr werdet bestimmt gut auf das Königreich aufpassen, während ich fort bin.“, sagte er schließlich und kuschelte sich mit einem zufriedenen Lächeln an ihn.
      Nach einem Moment zog er jedoch besorgt die Augenbrauen zusammen.

      „Onkel...?“, begann er leise. „Meint Ihr, dass ich es schaffen werde, die Drachen zu finden und zurückzubringen?“, fragte er mit kaum hörbarer Stimme und sah mit hoffnungsvollen Augen zu ihm auf.

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      Kiri atmete zittrig, aber erleichtert aus, als Safran endlich von ihm abließ.
      „Hässlich und dreckig... vielleicht bist du dann doch mehr Kartoffel als Familiar...“, murmelte er gerade laut genug, dass alle Anwesenden es hören konnten.
      Selbst Zerathyn hob bei diesem unerwarteten, wenn auch leise gemurmelten Spruch leicht die Augenbrauen. Noch nie zuvor hatte es jemand gewagt, so mit seinem Familiar zu sprechen. Geschweige denn, ihn als Kartoffel zu bezeichnen.

      Bevor jedoch jemand darauf reagieren konnte, wurde Kiri bereits von Skylar in die karminroten Flammen des Karmins geschoben und verschwand.

      Sie selbst folgte ihrem Familiar jedoch nicht sofort, sondern blieb mit einem schelmischen Grinsen und einem verdächtigen Glitzern in den Augen vor dem Karmin stehen.
      Zerathyn gefiel dieser Ausdruck in den Augen seiner kleinen Schwester ganz und gar nicht. Kein bisschen. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Dafür kannte er Skylar viel zu gut.

      Skylar öffnete langsam die Hand, die sie bis eben noch zur Faust geballt hatte, und enthüllte einen kleinen Lichtkäfer. Mit einem sanften Pusten ließ sie ihn in das Studierzimmer fliegen und verschwand dann ebenfalls mit einem Zwinkern in den Flammen des Karmins.

      Der kleine Lichtkäfer schwirrte gemächlich durch das Studierzimmer. Für einen kurzen Moment geschah... nichts.
      Dann teilte sich der Käfer. Aus einem wurden zwei. Aus zwei vier. Vier wurden acht.
      Innerhalb weniger Herzschläge schwirrten Dutzende kleiner Lichtkäfer kreuz und quer durch den Raum und tauchten das Studierzimmer in ein warmes, goldenes Licht.

      Zerathyn schloss langsam die Augen.
      "...Skylar."
      Das war alles, was er noch sagte. Im nächsten Augenblick explodierte der erste Lichtkäfer mit einem lauten Puff!
      Dann der nächste. Und noch einer.
      Plötzlich wurde das gesamte Studierzimmer von einem regelrechten Feuerwerk aus bunten, ungefährlichen Flammen erfüllt.
      Bücher flogen aus den Regalen, Pergamente wirbelten durch die Luft, Tintenfässer kippten um und mehrere Stühle wurden quer durch den Raum geschleudert.
      Obwohl keine der Explosionen jemanden verletzen konnte, verwüsteten sie das Zimmer innerhalb weniger Sekunden vollkommen.

      Noch bevor die erste Druckwelle sie erreichte, legte Zerathyn schützend beide Arme um Callisto und zog ihn eng an sich.
      Funken tanzten um sie herum, während Holzsplitter und Pergamente durch die Luft flogen.
      "..."
      Nach einer Weile wurde es still. Langsam hob Zerathyn den Kopf. Sein Blick glitt über das, was einmal sein ordentliches Studierzimmer gewesen war.
      Schließlich atmete er tief aus.

      "... ich werde sie enterben."
    • "... ist das so?", gab Drawager mit einem amüsierten Lächeln von sich. Dieser Junge musste diese... Fledermaus, wie er ihn nannte, wirklich verabscheuen. Ob er dem Jungen irgendetwas getan hatte? Er wusste nicht recht viel über Vampire, eigentlich gar nichts, er war noch nie einem über den Weg gelaufen. Waren diese Wesen nicht nachtaktiv?

      "... genau. So könnte man es wohl nennen. Eine Prophezeiung.", nickte der Drache, das war wohl die perfekte Bezeichnung. Dennoch war es an ihnen der Zukunft Form zu geben... Bei dem Gedanken, wie oft Drawager zwischen tiefer Verzweiflung und gleißender Hoffnung gewechselt hatte, während er versucht hatte die Zukunft der Drachen zu sehen, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Es war nicht leicht einen Freund in solch einem Zustand zu sehen. Der weiße Drache hatte wahrlich eine unglaubliche Kraft... zu einem großen Preis.
      Eigentlich hatte Drawager nicht vor gehabt mehr zu erzählen, doch Ryuki blickte ihn so gespannt an... dass er seinen Kopf anstrengte, was er nun noch hinzufügen könnte.
      "Nun... Alphi ist dazu bestimmt mir dabei zu helfen die Drachen zu retten.... vor einer großen, dunklen Bedrohung...", versuchte er es wichtig klingen zu lassen, aber er konnte sich beim besten Willen nicht an die Bedrohung erinnern. Er wusste nur, dass sie wie ein Schatten bereits über dem Schicksal der Drachen gelegen hatte, bevor Drawager sich für einen langen Schlaf entschieden hatte.
      "... die ich leider vergessen habe.", seufzte er letztendlich und kratzte sich den Kopf. Warum hatte Enigma nicht voraus sehen können, dass Drawager alles vergessen würde? Dann hätte er sich vorher alles genau aufgeschrieben.

      ~~

      "Natürlich werde ich das.", nickte Callisto mit einem perfekten Lächeln. Er würde wirklich gut auf das Königreich aufpassen. Sobald es ihm gehörte.
      Eine Schande, dass Alphi das nicht mehr erleben würde... aber da war wohl nichts zu machen, fuhr der Rothaarige dem Jungen Elben durchs Haar, während er Gedanken nach ging, die er ihm niemals verraten würde.
      "... mh? Natürlich. Wenn es jemand schaffen kann, dann du.", nickte er, doch das war gelogen. Wenn selbst Zerathyn die Drachen nicht finden konnte, warum sollte es ein junger Prinz können, der nichts von der Welt dort draußen wusste? Ausgeschlossen. Nicht mal in 600 Jahren. Aber für den Moment... ließ er den Jungen träumen.

      ~~~

      Bei diesen Worten drehte sich Safran sofort mit geweiteten Augen und geballten Fäusten zu dem Fuchs Familiar um, doch noch bevor er die Worte richtig verarbeiten konnte, wurde Kiri auch schon ins Feuer geschoben. Was sollte das?! Safran war wunderschön, verdammt nochmal!
      "... mh?", waren die Augen des Schwarzhaarigen auf den Käfer fixiert, während es gemächlich durch das Zimmer flog. Dem Instinkt einer Katze folgend schlug der Familiar gegen das Tier... aus dem plötzlich zwei wurden. Verwunderte starrte Safran auf seine Hand, doch bevor er annehmen konnte, dass es sein Werk sein könnte, teilte sich das Insekt weiter... und Safran verwandelte sich lieber ganz schnell in eine Katze. Was auch immer das war, damit wollte er lieber nichts zu tun haben.
      Gerade wollte er aus dem Zimmer flüchten, da explodierten die Käfer auch schon und mit einem kreischen sprang der Kater hinaus. Das war viel zu laut für seine empfindlichen Ohren!

      "Was zum-?!", entkam es dem Elben ehe er sich in Zerathyns schützenden Armen fand... und sich kurzerhand an ihn klammerte, als ginge es hier um sein Leben. Er hatte doch gewusst, dass mit den Hexen nicht zu spaßen war! Ein Stuhl flog über ihre beiden Köpfe und verfehlten sie nur knapp, landete jedoch direkt gegen Victors Gesicht, der nur ganz perplex blinzelte und ansonsten keine Regung zeigte.
      "... sie ist deine Schwester, nicht deine Tochter.", schnaubte Callisto dagegen und blieb noch eine ganze Weile so, mit dem Gesicht gegen Zeras Brust gedrückt.
      "... Zera. Ich weiß du magst deine Schwester, sehr sogar... und es ist nicht so, dass ich den Fähigkeiten deines Spielzeugs nicht vertraue... aber wird das hier wirklich gut ausgehen? Was soll ich denn ausrichten, wenn sich eine Hexe gegen mich stellt?", seufzte der Rotschopf. Er mag zwar ambitioniert sein, aber eben auch realistisch. Nicht, dass er seinen Traum König zu sein aufgeben würde. Niemals. Er brauchte nur... einen Plan. Einen Ausweg. Und vielleicht so einen Käfer, um ihn an Skylar zurück zu schicken.
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    • Ryuki hörte gespannt zu und auch ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, als Drawager von einer großen, dunklen Bedrohung sprach.
      Nun hing der junge Drache wirklich an den Lippen des älteren.
      Er rutschte näher, seine Augen wurden größer und dann... fiel sein Gesicht, als Drawager offenbarte, dass er vergessen hatte, um was es sich bei dieser großen, dunklen Bedrohung handelte.
      "Oh..", kam es leise von ihm.

      Ein Moment der Stille folgte und dann plötzlich... womit wohl niemand in diesem Moment gerechnet hat, stand Ryuki auf, griff nach einer Pfanne und schlug diese einmal kräftig auf Drawagers Hinterkopf.
      "Kannst du dich jetzt wieder erinnern?", fragte er mit einer Unschuld, die wohl nur er in diesem Moment aufbringen konnte.
      Als hätte er den Wächter der Drachen nicht gerade mit einer verdammten Pfanne geschlagen.

      Alphinaud wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er plötzlich das laute BONK hörte.
      Er riss seinen Kopf in die Richtung von Drawager und Ryuki, woraufhin seine Augen sich sofort weiteten.
      Hatte der Junge etwa gerade... seinen Drachen mit einer Bratpfanne geschlagen?!
      Sofort war er auf den Beinen und an Drawagers Seite. "Hey, ist alles in Ordnung?!", fragte er und blickte dann zu Ryuki mit einem entsetzten Blick.
      "Warum hast du das gemacht?"

      Ryuki deutete nur auf Drawagers Hinterkopf. "Mir wurde beigebracht, dass ein Schlag auf dem Hinterkopf beim Denken helfen kann. Ich wollte nur, dass er sich wieder erinnert.", antwortete er und nickte, um seine Aussage selbst du bestätigen.

      - - -

      Verwüstung... das Studierzimmer war definitiv nicht mehr in demselben Zustand wie vor seiner Ankunft.
      Sein Blick wanderte kurz zu der Tür, durch die Safran in seiner Katzenform verschwunden war.
      Großartig...
      Warum hatte er nur das Gefühl, dass er das alles mit teuren Geschenken bei seinem verwöhnten Familiar wiedergutmachen musste?

      Ein tiefes Seufzen entwich dem Hexer und für einen Moment strich er mit seiner Hand durch das rote Haar des Elben, der sich immer noch in seinen Armen befand.
      Er antwortete nicht sofort, sondern drückte seine Lippen gegen Callistos Haaransatz.

      Dann löste er sich langsam von ihm, griff stattdessen nach dem Kinn des Elben und hob dessen Kopf an, sodass sich ihre Blicke trafen.
      „Dann dürfen wir keine Zeit mehr verlieren. Noch haben wir die Oberhand. Hol den Gegenstand deines Neffen.“, sagte er bestimmt, beinahe wie ein Befehl.
      Mit einer deutlich dunkleren Stimme fügte er schließlich hinzu: „Und selbst wenn meine Schwester deinen Neffen vor Victor finden sollte... heißt das noch lange nicht, dass er lebend hier ankommt.“

      Aus dem Blick und der Stimme des Hexenmeisters wurde deutlich, dass er bereits verschiedene Notpläne durchging.
      Einer düsterer als der andere...
    • "Warum sollte sich irgendjemand an etwas erinnern wenn... Moment.", rieb sich Drawager den schmerzenden Hinterkopf - zum Glück waren Drachen hart gebaut, sonst würde er sicherlich bluten - als er sich tatsächlich an etwas zu erinnern schien.
      "Ein... ein Mann...", murmelte er, hatte jedoch nicht mehr als einen Schemen, einen Schatten vor Augen und je stärker er versuchte sich deutlicher zu erinnern, desto größer wurden die Kopfschmerzen. Vielleicht lag das aber auch nur an dem Schlag mit der Pfanne.

      ~~

      Callisto blickte auf und starrte für eine Weile in Zerathyns Augen. Ließ sich seine Worte durch den Kopf gehen. Er hatte recht. Es würde noch so viele Möglichkeiten geben Alphi ins Grab zu befördern, ohne dass seine Schwester dabei zu Schaden kommen musste, nicht wahr? Ein Glück hatte er nicht nur eine Hexe gegen sich, sondern auch einen Hexer an seiner Seite. Wobei er sich fragte, ob Skylar ihn und seine Pläne in Ruhe gelassen hätte, wenn Zera gar nicht erst hier wäre. Was für ein lächerlicher Gedanke. Callisto wusste, dass wenn er die Wahl hätte, sich immer wieder für den dunklen Hexer entscheiden würde.
      Also packte er den Kragen des Schwarzhaarigen und zog ihn zu sich runter, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu drücken.
      "Du hast Glück, dass du so gut aussiehst.", fügte er ohne jeglichen Kontext hinzu, bevor er sich umdrehte und Victor bedeutete ihm zu folgen.
      In Alphis Zimmer angekommen brauchte er nicht lange um das Drachenkuscheltier zu finden. Wie immer saß es ordentlich auf dem Bett des Prinzen.
      Callisto griff danach und für einen Moment betrachtete er das Stofftier nur. Es sah alt aus. Wurde hier und da geflickt. Eindeutig etwas, dass Alphi ständig in den Händen gehalten hatte.
      Wer hätte gedacht dass das Geschenk, dass er dem jungen Prinzen in einem Moment der Schwäche geschenkt hatte, nun zu seinem Vorteil wurde?
      "... hier. Nimm das und finde damit meinen Neffen, Alphinaud... muss ich dir erklären, wie er aussieht?", hob der Elb die Augenbraue, da er nicht so recht wusste wie seine Fähigkeiten als Bluthund funktionierten, doch Victor schüttelte den Kopf.
      "Solange ich das hier habe... werde ich ihn erkennen.", erklärte er kurz und knapp und blickte auf das Kuscheltier in seinen Händen hinab.
      "... gut. Und wenn du ihn findest... töte ihn. Lass seine Leiche verschwinden. Niemand darf erfahren, dass der Junge nicht am selben Tag wie seine Eltern verstorben ist."
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    • Alphinauds Augen weiteten sich, als er Drawagers Worte hörte.
      "Ein Mann?", fragte er und kniete sich vor dem noch immer am Boden sitzenden Drachen, um auf seiner Augenhöhe sein.
      Auch Ryuki hatte seine Augen geweitet. "Es hat funktioniert!", sagte er aufgeregt und holte bereits ein weiteres Mal mit der Pfanne aus.
      Doch diesmal schloss der Prinz noch rechtzeitig seine Hand um das Handgelenk des Jungen, um den zweiten Schlag zu verhindern.
      "Ryuki... ich weiß deinen Einsatz sehr zu schätzen... aber ein Schlag reicht erstmal, okay?"
      Ryuki wurde nun etwas rot im Gesicht und nickte. "Oh.. ja natürlich. Tut mir leid, Drawager.", sagte er und ließ die Pfanne wieder sinken.

      Alphinaud lächelte, ließ von ihm ab und sah wieder zu dem älteren Drachen. "Was für ein Mann, Drawager? Weißt du seinen Namen? Wie sieht er aus?", drängte der Elb nach mehr Informationen.

      - - -

      Ein leichtes Grinsen zog sich über die Lippen, des Hexenmeisters, als er von Callisto am Kragen runter gezogen und geküsst wurde.
      Ah... wie sehr er diesen Elben doch liebte... wenn sie nicht gerade eine Pause in ihrer Beziehung einlegten.

      Im nun unbewohnten Gemach des Prinzen lehnte er sich gegen eine Wand und verschränkte seine Arme vor seiner Brust, während er die Interaktion zwischen seinem Liebhaber und seiner Kreation beobachtete.
      Sein Blick fiel für einen Moment auf das Kuscheltier. Ein Drache... wie ironisch und fast schon amüsant.
      "Er hat das alte Ding also immer noch gehabt, hm?", fragte er stieß sich von der Wand ab und kam neben Callisto zum stehen.

      "Callisto, soll Victor dir noch einen Beweis für den Tod deines Neffen mitbringen?... ich weiß, dass du dann sicherlich besser schlafen kannst."