a moon between us [by Akkubird & yuyuumyn]

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    • Emiko schwieg, während sie nach einem Waschlappen griff, diesen in das warme Wasser tauchte und erstmal damit begann, vorsichtig den Schlamm und Dreck zu entfernen, damit dieser nicht gleich in die offenen Verletzungen gerät.
      Erst dann griff sie nach einer Pinzette und blickte etwas besorgt zu Kaoru hinauf. "Kaoru-kun... das könnte jetzt vielleicht ein bisschen picksen... bleib einfach entspannt und atme tief durch, okay?", sprach sie ruhig und griff dann vorsichtshalber an seine Wade um sein Bein mit überraschend viel Kraft ruhig zu halten.

      Während er sprach, begann sie sich etwas auf ihrer Unterlippe herum zu kauen. Zum einem aus Konzentration und zum anderen, weil sie über seine Worte nachdachte.
      "Aber wenn es sich nicht falsch anfühlt meine Hilfe anzunehmen?...warum...warum verstehe ich ihn einfach nicht so gut, wie ich ihn gerne verstehen möchte?", dachte sie, ließ ihn aber weiter sprechen, als sie nach und nach vorsichtig jede einzelne Dorne erstmal aus seinem linken Bein zog.

      Das Kauen auf der Unterlippe wurde nur noch schlimmer desto mehr Kaoru weiter sprach. Nicht das sie es nicht hören wollte, was er zu sagen hatte - im Gegenteil! Sie wurde nur gerade von seinen Worten und von ihren eigenen Gefühlen, die sich unaufhaltsam immer weiter in ihr aufbauten - ziemlich überrumpelt.

      "Aber...aber warum hast du denn versagt?...du hast mir das Leben gerettet... und ich-...", begann sie als, ihr plötzlich etwas bewusst wurde und sie leicht zusammen zuckte. "Und ich...habe mich nicht einmal richtig bei dir bedankt...oh nein, ich blöde Pute...", sprach sie, pausierte in ihrer Arbeit und blickte zu Kaoru hoch um ihm direkt in die Augen blicken zu können. "Ich danke dir vom ganzen Herzen, dass du mir das Leben geredet hast, Kaoru-kun.", sprach sie - diesmal nicht genuschelt sondern mit klarer Stimme - und verbeugte sich in ihrer bereits sitztenden Haltung.
      "Und ich mag es...wenn du redest...", sprach sie, aber diesmal wieder genuschelt und deutlicher Röte im Gesicht.

      ~~~

      Noch immer kaute Kohane auf dem süßen Teig herum und schenkte der Stimme neben ihnen zunächst kaum Beachtung, da ihr Blick noch immer durch die Menschenmenge glitt.
      Dass Jakuji schon wieder „vergessen“ hatte, worüber sie eigentlich gerade gesprochen hatten, erleichterte sie allerdings zunehmend.

      Erst, als ihr Lehrmeister sich plötzlich tief vor dem blonden Mann verneigte und diesen dann auch noch als „Meister“ bezeichnete, richtete sie ihre Augen auf das Geschehen.
      Kaum hatte sie es getan, spürte sie auch schon den leichten, aber nicht wirklich schmerzhaften Tritt gegen ihren Knöchel, den Jakuji ihr versetzt hatte.

      Unter ihrer Maske hatte sie ihre Augenbrauen noch einen Moment verwirrt zusammengezogen, bevor sie plötzlich verstand, was vor sich ging, und es hastig ihrem Lehrmeister gleich tat. Sie verbeugte sich ebenfalls – und gerade, oder vielleicht besonders wegen des gewaltigen Rangunterschiedes, noch etwas tiefer als Jakuji vor dem blonden Mann.
      Kaum zu glauben, dass Kohane tatsächlich gewisse Anstandsregeln besaß, oder?

      "Ist das wirklich… Meister Madou? Wo kommt er nur so plötzlich her? Warum konnte ich nicht spüren, dass er sich nähert? Und was macht er hier?", schoss es Kohane durch den Kopf.
      Selbst ihre Gedanken waren kaum mehr als ein leises Flüstern im Wind – vielleicht aus der Angst heraus, der Meister könnte sie lesen.

      Kohane war wirklich froh, dass ihr Gesichtsausdruck unter der Maske verborgen war und sie nicht zum Sprechen aufgefordert wurde. Ihre sonst so große Klappe wäre in diesem Moment wohl ungewohnt kleinlaut gewesen.
      Erst, als sich der Meister – dessen Namen sie in dieser Situation niemals laut aussprechen würde – verabschiedete und mit seiner Begleitung verschwand, richtete sich Kohane aus ihrer Verbeugung wieder auf.

      Da sie ihn nicht mehr sehen konnte, wanderte ihr Blick zurück zu Jakuji. Unweigerlich dachte sie an seine Worte:
      „Werkzeug… Kanonenfeuer..."
      Und obwohl sie sich eigentlich über den bestätigenden Blick des Meisters hätte freuen sollen, tat sie es nicht.
      Stattdessen trat sie einen Schritt näher an Jakuji heran und zog sachte an dem Ärmel seines Kimonos.
      „Meister Jakuji?… Habe ich uns Ärger bereitet?“, fragte sie mit einer unsicheren Stimme, die wieder einmal völlig untypisch für sie war.
    • Der Schwertkämpfer wollte es sich nicht anmerken lassen, doch der Waschlappen brannte wie Feuer, in den vielen kleinen Verletzungen. Zum Glück war er gut genug abgelenkt und schaffte es so die plötzlichen Stiche etwas aus zu blenden. Als Emiko die Hand an seine Wade legte, vermutlich um ein plötzliches Zucken abzufangen, spürte er ihren kräftigen Griff. Im ersten Moment warnte ihn sein Nervensystem vor einer akuten Bedrohung, doch dies verging von einem auf den anderen Moment, als der kräftige Griff eine geringe Wärme mit sich brachte. Kaoru war selbst überrascht, dass eine Berührung solch eine Wirkung haben konnte.
      Zeitgleich spürte er eine gewisse Unruhe, die mit zunehmender Hitze im Gesicht einher ging. Die kleinen Dornen, die sie entfernte, nahm er kaum noch wahr.

      Schon während seiner Erzählung war ihm aufgefallen, dass das Mädchen etwas unruhiger geworden war. Erst dachte er, dass er sie mit seinem Gerede wieder einmal auf die Palme gebracht hatte und wollte lieber wieder schweigen, doch es kam anders. Seine Pflegerin bedankte sich, äußerst förmlich, für ihre Rettung. Hätte sie ihn nicht so fest am Bein gehalten, wäre er womöglich noch vom Stuhl gefallen. Als sich ihre Blicke trafen, kam es dem Jungen so vor, als würden sich ihre Augen ineinander verlieren.
      Es wäre ihm nicht möglich gewesen das zu beschreiben, was er in dem Moment alles im Kopf hatte. Sein Bauch zuckte förmlich und sein Herz legte noch einmal ein Ganz zu.

      Beide Teenager saßen da, mit hoch rotem Kopf und zwischen ihnen ein Knistern, dass nur sie hören konnten. Aus einem Impuls heraus, atmete Kaoru einmal ganz tief durch. Die Luft fühlte sich auf einmal so schwer an. "Das... Also... Ich sagte doch, dass du mir nichts schuldig bist Emiko-Chan." Beteuerte er leise seine Aussage von zuvor, doch sein Mund war plötzlich so trocken, dass die Worte nicht so recht heraus wollten.

      Auf ihre letzte Aussage hin, verschlug es ihm die Sprache. Was genau meinte sie damit? Egal was er zu ihr gesagt hatte, sie war fast immer an die Decke gegangen? Oder... War genau das der Grund für ihre übermäßige Reaktion gewesen? Der Blick in ihr knallrotes Gesicht ließ ihn zusätzlich etwas zögern, denn er war sich sehr sicher, dass sein Kopf demnächst platzen würde.
      Ganz langsam neigte der junge Mann seinen Oberkörper nach vorne, um ihr etwas näher zu kommen. Das Ganze fühlte sich für Kaoru so unecht an, dass es fast schon gruselig war.
      Noch langsamer, als er sich nach vorne geneigt hatte, wanderte seine Hand in Richtung ihres Gesichts, bis er einen Zeigefinger aus streckte um vorsichtig, nur mit der Fingerspitze, eine ihrer Haarsträhnen zurück, hinter ihr Ohr zu strich. Dabei war er äußerst behutsam und achtete darauf, dass die Fingerspitze nicht zu sehr ihr Gesicht streifte. Doch als er an ihrem Ohr angekommen war. Strich er dieses ganz leicht. "Vielen Dank, dass du mich verarztest." Bedankte er sich mit einem sanften Flüstern und einem leichten Schwingen in der Stimme. Wenn er es nicht besser wüsste, hätte er schwören können seinen Herzschlag, der bis in seinen Hals pulsierte, beim reden hören zu können.

      Da ihre Gesichter nun nicht mehr weit voneinander getrennt waren, galt sein Blick, nach dem zurück streichen der Haarsträhne, wieder ihren Augen. Er wollte nur noch einen Augenblick dieses Moments auskosten, bevor er wieder vorbei sein würde. Eine Erinnerung schaffen, die er hoffentlich den rest seines Lebens nicht bereuen würde.

      ---

      Jakuji blickte seinem Meister eine Weile nach, als einfach wieder gegangen war, als hätte nur einen alten Freund besucht. Dem Dämon war klar, dass Meister Madou nichts einfach nur so tat. Dies war vielleicht nur eine zur Schaustellung seiner Fähigkeit oder sogar eine Warnung. Was ihm viel mehr Sorgen machte, war dieser Termin, den er erwähnt hatte. Warum sollte er einen wichtigen Termin erwähnen? Nur als Vorwand, um wieder gehen zu können? Oder war das ein Versuch Jakuji zu einer unüberlegten Handlung zu drängen.

      Plötzlich zupfte es an seinem Kimono. Kohane, die er in dem Moment völlig vergessen hatte, ergriff das Wort. Sie fragte nach ihrem Anteil an dieser Situation und schien eine Antwort haben zu wollen. Die absteigende 6 atmete etwas tiefer ein und hielt kurz die Luft an, ehe er Antwortete: "Nein. Ich denke das war nur eine Reaktion auf unseren Überraschungsbesuch. Um zu demonstrieren, dass wir jederzeit und überall von ihm erreicht werden können." Mutmaßte Jakuji und deutete anschließend auf die verbleibenden Spieße. "Komm, deine Spieße werden kalt." Ermutigte er sie weiter zu essen. Um aufzugeben war es nun schon zu spät. Nach dem Essen mussten sie so schnell wie möglich an Informationen kommen. Über die Säule des Eises und die aktuellen Ereignisse zwischen den Dämonen. Es konnte ihm niemand etwas nachreden, wenn er sich seinen Anteil an Wissen abholen wollen würde. Schließlich war er einer der Dämonenmonde und hatte ein Anrecht darauf.
      Es wäre ihm nur lieber gewesen, wenn niemand davon gewusst hätte. Doch wäre es töricht zu denken, dass Meister Madou nicht 1 und 1 zusammen zählen könne. Schließlich war er nicht so begabt im Rechnen, wie Kohane.
    • Stille. Das einzige was Emiko noch wahrnehmen konnte war ihr eigener Herzschlag, der wie ein immer stärker werdendes Erdbeben in ihrer Brust bebte.
      Die Worte die Kaoru sprach kamen kaum zu ihr durch und hörten sich eher an, wie als würde er durch dickes Glas zu ihr sprechen.
      Ihre Augen weiteten sich nur noch mehr, als Kaoru sich so dicht zu ihr vorbeugte und ihr dann... mit seinem Zeigefinger eine Haarsträhne hinter ihr Ohr strich.
      Zwar erwähnte Kaoru erneut, dass Emiko ihm nichts schuldig sei, aber sie sah es anders. Er hatte ihr immerhin das Leben gerettet! - dann war es doch das mindeste, dass sie zum Dank für ihn tun konnte, oder nicht?
      Wahrscheinlich würden sie sich bei diesem Thema niemals einig werden, weshalb Emiko gar nicht erst versuchte noch einmal mit ihm zu diskutieren.
      Nicht jetzt und schon gar nicht in einer Situation wie dieser...

      Wo kam diese Nähe nur so plötzlich her? Warum tat er dies plötzlich, obwohl er noch vorhin ihre Hand abgewiesen hatte? Warum fiel es ihr nur so schwer, den jungen Dämonenjäger zu verstehen? Und warum...fühlte sich das alles hier - auf eine Art und Weise, die sie selbst nicht ganz verstand - nur so richtig an?
      Ihre Gesichter waren so nah, dass sich ihre Nasenspitzen berühren würden, wenn einer von beiden sich dazu entschloss, sich nur noch ein klein wenig weiter vorzubeugen.
      "Kaoru-kun...", sprach Emiko leise, wusste aber selbst nicht wirklich, was sie gerade eigentlich sagen wollte. Ob sie einfach nur seinen Namen aussprechen wollte? Oder dieser Situation einfach nur irgendwie gerecht werden wollte?

      Langsam atmete sie tief durch, damit kein weiterer zittriger Atemzug ihre Lippen verließ. Noch langsamer legte sie die Pinzette zur Seite und hob ihre Hand an, die in die Richtung seiner eigenen Hand wanderte.
      Ein weiterer Herzschlag verging und dann... hackte sie vorsichtig ihren Zeigefinger mit dem des Dämonenjägers ein.
      Vermutlich könnte man dies, als eine leichtere Art vom Händchen halten bezeichnen...
      "Gern geschehen, Kaoru-kun...", antwortete sie mit leiser Stimme, als hätte sie Angst die Stille zwischen ihnen zu stören.

      ~~~

      Kohane hörte sich schweigend die Mutmaßung ihres Lehrmeisters an und nickte dann ganz langsam, während sie sich darauf konzentrierte ein Schaudern zu unterdrücken. "Das wir jederzeit und überall von ihm erreicht werden können...", wiederholte sie seine Worte leise und verzog unter ihre Maske etwas unbehaglich ihr Lippen.
      "Ein beunruhigender Gedanke, findest du nicht auch?", fragte sie, bevor ihr Blick schließlich wieder auf ihre Spieße fiel.
      Die hatte sie ja schon wieder fast vergessen...

      Anstatt weiter zu diskutieren oder in dieser Situation noch weitere Fragen zu stellen, nickte sie einfach nur schweigend und nahm sich einen weiteren Spieß von dem noch immer großen Stapel, welchen sich sich gleich wieder unter die Maske schob.
      Wirklich hungrig war sie nun nicht mehr. Das flaue Gefühl in der Magengrube vermieste ihr den süßen Teig. Aber Jakuji hatte sie nun extra für sie gekauft, daher würde sie diese auch aufessen.
      "Willst du auch noch welche?... ich schaff sie nicht alle allein... und dann können wir gleich weiter gehen. Weg von hier..."
    • Kaoru realisierte erst gar nicht, dass Emikos Hand bereits auf dem weg zu seiner eigenen war. Viel zu sehr hatte er sich darauf konzentriert diesen unverhofften Moment zu genießen. Plötzlich spürte der Junge, wie sein Zeigefinger sanft umschlossen wurde. Ein Kurzer Blick seinerseits bestätigte, dass das Mädchen seinen Finger mit ihrem umschlossen hatte.
      Zuerst zögerte er und nutzte die Zeit, um ihr noch ein Mal in die Augen zu blicken. Schließlich erwiderte er, mit seinem ebenso sanften Druck, an ihrem Finger.

      Kaoru atmete einige Male, etwas abgehackt ein und aus, denn er befürchtete erneut, dass er jeden Moment vom Stuhl rutschen könnte. Ansonsten war es einfach nur still. Die ganze Szene wirkte, als wären die beiden Teenager eingefroren. Eine ganze Weile hielt sich dieser Zustand, denn er wollte nicht der Erste sein, der die kleine Verbindung auflöst. Langsam ließ er seinen Daumen über den eingehakten Finger des Mädchens Gleiten, um ihr nicht das Gefühl zu geben, dass er sich aus Unbehagen aus ihrem Griff lösen wollte. Ganz langsam öffnete er seinen Zeigefinger und zog dabei seine Hand zurück. Dabei ließ er den Finger des Mädchens zwischen seinem Daumen und dem eben noch eingehakten Zeigefinger hindurch gleiten, als wolle er diesen bis zum letzten Moment spüren.

      Das Gesicht des Jungen glühte förmlich und war noch immer nicht weit von dem des Mädchens entfernt. Fast unscheinbar, war er ihr noch etwas näher gekommen, fast so, als wolle er ihr einen Kuss auf die Stirn geben. Doch soweit kam es nicht. Kaoru unterband diesen Impuls. Seine Vernunft ließ dies nicht zu. Egal wie schön dieser Moment auch war, er wollte ihn nicht durch unangebrachte Handlungen zerstören.
      So lehnte er sich langsam zurück, bis er wieder aufrecht sitzen konnte und Emiko, wie ein Honigkuchenpferd, ansah.
      Noch einmal vergingen gefühlt Stunden, bis er sich wieder in der Lage fühlte zu sprechen. Doch mehr als ein hilflos geflüstertes: "Emiko-Chan..." , was wohl als Antwort auf den Ausspruch seines Namens zu werten war, brachte der Junge nicht heraus.

      ---

      "Beunruhigend ist gar kein Ausdruck dafür." Beantwortete er ihre Frage nachdenklich, doch war es gut, dass die Dämonin nun ihre eigenen Erfahrungen sammeln konnte, denn Jakuji hatte die ganze Zeit den Eindruck, dass sie sich der Bürde, die man als Dämonenmond trug nicht bewusst war.

      Auf ihr Angebot hin, nahm er sich ebenfalls ein paar Spieße, denn beim Kauen ließ es sich besser nachdenken. Wie würde es nun weiter gehen? Als die Spieße schließlich ihren Weg in die Mägen der Dämonen gefunden hatten, verschränkte Jakuji seine Arme vor der Brust und verabschiedete sich vom netten Mann am Stand, der die ganze Zeit nur fragend drein geblickt hatte, als die merkwürdige Szene mit Madou stattgefunden hatte. Hier kannte man den Edelmann unter einem anderen Namen. Mit einer großen ehrwürdigen Familie und einem ehrenhaften Amt. Er hatte Jakujis Idee plump kopiert und sogar noch auf die Spitze getrieben, indem er sich eine menschliche Gestalt an eignete. Eine Technik, die Jakuji in all den Jahren nicht verstehen und reproduzieren konnte. Doch dafür hatte er es geschafft die Macht der Präsenz zu verstehen und möglicherweise noch ein paar andere, elementare Bausteine, seiner Macht.

      "Als nächstes gehen wir ins Pfandhaus." Erklärte Jakuji und warf nochmal einen Blick auf den Verkäufer, der allerdings gerade mit neuen Kunden sprach. Schade. Er hatte eigentlich vermutet, dass dieser Mann Teil des Informationsnetz war. Doch anscheinend hatten sich hier ein paar Dinge geändert.

      Die absteigende 6 wartete, bis seine Schülerin bereit war und führte sie dann einmal quer durch die noblen Teile der Stadt. Erst als man deutlich spüren konnte, dass man nun in einem Teil angekommen war, indem die Arbeitsschicht lebte, bog der Dämon auf einen kleinen Platz ein. Die Gegend erschien nicht unbedingt viel schlechter, als die der Nobelleute. Lediglich die Anzahl der Großraum Gebäude hatte sich verändert. Die prunkvollen Höfe waren deutlich kleiner geworden und die Menschen hatten die Lichter in den Häusern gelöscht, da sie am nächsten Tag früh heraus mussten. Generell waren hier fast keine Menschen mehr unterwegs. Doch das Pfandhaus, welches an den kleinen Platz grenzte, warb mit einem 24h Service. Das Schild dafür baumelte, mit Kreide geschrieben, an einer langen Kette im Wind.

      Der Lehrer führte seine Schülerin bis durch die Eingangstür und sagte noch im herein gehen: "Nichts anfassen."
      Eine kleine Glocke signalisierte dem Betreiber, dass eben neue Kundschaft eingetroffen war. So dass dieser nun aus einem der viele Regale heraus trat und die beiden Maskierten erschrocken ansah. "Wie...kann ich helfen?" fragte er zögernd, doch als Jakuji seine Maske leicht anhob, schlug der Mann die Hände zusammen. "Meister Jakuji! Willkommen. Ich werde euch natürlich direkt ankündigen." Sagte der Verkäufer erfreut und wollte schon los gehen, als Jakuji ihn leicht an der Schulter packte. "Immer noch ein guter Schauspieler. Wer war es dieses Mal?" Erkundigte sich der Dämon beim Verkäufer, der erst einmal in sich hinein schmunzelte und schließlich auf Kohanes Maske deutete. "Das Sakura Yoru arbeitet unter neuer Leitung. Das wissen allerdings nur die Einheimischen. Daher war es keine Herausforderung euch ausfindig zu machen. Eure reizende Begleitung hat den Verdacht nur bestätigt, als sie einem unserer Männer fast den Kiefer weg, geohrfeigt hat. Der Gute hat nun eine Zeit lang Urlaub, also kein Grund persönlich zu werden. Geschäft ist eben Geschäft." Prahlte der Verkäufer und deutete auf eine schmale Tür, hinter der sich der Zugang zum Keller befand. "Nach Ihnen?" Bot er mit übertriebener Höflichkeit an und schlüpfte dabei, wie ein sich windender Aal, hinter die Beiden Dämonen.
    • Ganz langsam ließ Emiko ihre Hand wieder sinken. Ihr Gesicht glühte mindestens genauso stark wie das von Kaoru.
      So schnell wie der Moment gekommen war… so schnell – viel zu schnell – war er auch schon wieder vorbei...
      Ein weiterer zittriger Atemzug entwich ihren Lippen, während sie einfach weiter zu ihm hinaufsah.
      Immer wieder öffnete sie ihren Mund, um etwas zu sagen – versuchte fast schon verzweifelt, in einer Situation wie dieser die richtigen Worte zu finden. Aber das war leichter gedacht als getan.
      „Ich–…“, begann sie leise, wobei ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern war. „…ich sollte mich wohl weiter um deine Verletzungen kümmern, Kaoru-kun…“, sprach sie schließlich und griff langsam wieder nach der Pinzette.
      Doch nicht, ohne vorher noch einmal auf ihren Zeigefinger zu blicken – jenen Finger, den Kaoru eben noch sanft gehalten hatte.
      "Kaoru-kun..."

      „Hast du Schmerzen?… wir haben hier verschiedene Medizin, die ich dir geben kann… dann sollte es auch gleich wieder besser werden…“, nuschelte sie und entfernte in ein paar geübten Handgriffen die restlichen Dornen aus seinen Beinen, die sie sorgfältig in eine kleine Schale legte.
      Abermals wanderte ihr Blick zu Kaoru hinauf und ihre Augen weiteten sich leicht, als sie endlich die Farbe in seinem Gesicht so richtig bemerkte. „Kaoru-kun… du bist ja ganz rot im Gesicht… hast du Fieber?“, fragte sie besorgt und hob bereits die Hand, um sie auf seine Stirn zu legen.
      Doch im letzten Moment zog sie sie hastig wieder zurück und griff stattdessen nach einem sauberen Lappen, den sie in kaltes Wasser tauchte und ihm behutsam auf die Stirn legte.
      „Gut… das war heute wohl wirklich genug. Ich werde morgen mit Ayumi reden, damit sie dich fürs Erste vom Training befreit. Wenigstens für morgen.“, sagte sie mit einer plötzlichen Bestimmtheit, die man von ihr wohl niemals erwartet hätte.

      ~~~

      Kohane konnte nicht anders, als unter ihrer Maske leicht die Augen zu verdrehen, als ihr Lehrmeister sie darauf hinwies, im Pfandhaus nichts anzufassen.
      „Jaja, ich bin kein kleines Kind, weißt du?“, grummelte sie leise vor sich hin – mehr zu sich selbst als zu dem Dämonenmond.
      Als dann der – aus ihrer Sicht ziemlich schmierige – Verkäufer aus den Regalen trat, zog sie die Augenbrauen nur noch tiefer zusammen.
      „Was ist das denn für ein schräger Vogel?“, dachte sie und verfolgte aufmerksam die Interaktion zwischen ihm und ihrem Lehrmeister.

      Doch als der Verkäufer schließlich auf Kohanes Maske deutete und sie zusätzlich noch als „reizende Begleitung“ bezeichnete, musste sie sich ernsthaft zusammenreißen, dem Typen nicht sofort an die Kehle zu springen.
      „Aber auch nur fast. Der Fettsack kann froh sein, dass er noch all seine gelben Zähne im Mund hat!“, zischte sie dann doch zurück, bevor ihr Blick fast schuldbewusst zu Jakuji huschte.
      „Entschuldigung…“, murmelte sie ihm zu, ehe ihr Blick wieder zu dem Verkäufer wanderte, der sich inzwischen hinter die beiden gestellt hatte.

      „Was für ein schmieriger Fisch…“, knurrte sie schließlich so leise, dass man ihre Worte nicht richtig verstand, sondern nur erahnen konnte, was sie gesagt hatte, während sie schon auf die schmale Tür zuging, auf die er eben gedeutet hatte.
    • Im ersten Moment konnte Kaoru gar nicht realisieren, dass Emiko weiter seine Dornen entfernen wollte. Doch als sie die Pinzette in der Hand hielt, stimmte er mit einem leichten Nicken zu und ließ sie weiter ihren Job erledigen. Als dies erledigt war, der Junge hatte sie extra nicht weiter dabei beobachtet, sprach sie plötzlich seinen roten Kopf an. Eine unangenehme Feststellung ihrerseits, denn er hatte gehofft, dass das Brennen in seinem Gesicht nur die Anstrengung des Tages war.
      Peinlich berührt hob er leicht die Hände. "Alles in Ordnung. Ich halte das schon aus." Dennoch kam die prüfende Hand des Mädchens seiner Stirn bedrohlich nahe. Als er jedoch seine Augen geschlossen hatte, überraschte ihn ein feuchtes Tuch, anstatt einer kleiner kleinen Hand.
      Etwas enttäuscht, legte er seinen Kopf in den Nacken und wischte mit dem Tuch einmal kräftig durchs Gesicht.

      Erst jetzt realisierte Kaoru, dass er noch immer schmutzig war und dass Emiko auch einen total roten Kopf hatte. So hob er, mit beiden Händen, jeweils mit den Zeigefingern, das Tuch etwas an. So konnte er mit etwas Mühe Blickkontakt zu Emiko aufbauen, ohne selbiges Tuch, dass ihn gerade so schön kühlte, abzunehmen. "Dein Kopf ist aber auch sehr rot, Emiko-Chan. Hast du denn Fieber?" Gab er die Frage zurück und verengte dabei leicht die Augen.

      Als Emiko dann beschloss, denn es klang nicht wie eine Option, ihn für morgen freistellen zu lassen, richtete sich Kaoru plötzlich auf. "Nein. Bitte nicht. Was soll ich sonst den ganzen Tag treiben? Ich bin top Fit. Siehst du." Verhandelte er mit der Angestellten und trat demonstrativ von einem Bein auf das Andere. Natürlich brannten die vielen kleinen Wunden und müde war er auch, doch vor Ayumi eine Solche Schwäche zu zeigen war keine Option. Eher würde er den Schmerz aushalten. Nach seiner kleinen Show Einlage, betrachtete Kaoru einmal seine Kleidung, dann sah er das Mädchen wieder an. "Vielen Dank, aber würdest du dich jetzt bitte umdrehen? Ich muss dieses Blut los werden... es... Stinkt und... ist ekelhaft..." Bat er sie und der einst so stille Moment schien einfach verschwunden zu sein.

      ---

      Jakuji blickt einmal kritisch zu Kohane, als diese ihren Mund nicht mehr halten konnte. Doch weder der Dämon, noch der Verkäufer schienen sich besonders daran zu stören. Es war wohl allen bewusst, dass die Dämonin mehr Schaden hätte anrichten können. Da der Mann noch lebte, hatte niemand einen großen Verlust erlitten.
      Ohne weitere Zeit zu vergeuden, trat Jakuji in den kleinen Kellergang ein, dessen Stufen einen tiefen Gang hinunter führten. In einem unterirdischen Lager angekommen, setzte der Dämon seine Maske ab und verstaute diese im Mantel. Anschließend folgte er dem freien Gang, in dem keine Kisten standen, bis zu einem kleinen Tisch aus Holz, an dem er Platz nahm und eine Laterne entzündete.

      Kurz darauf traf der Verkäufer aus einen völlig anderen Richtung auf. Es war, als hätte er sich erst in Luft aufgelöst, doch hatte er nur unbemerkt einen anderen Gang benutzt.
      "Gib mir alles, was du über die Säulen hast." Sagte Jakuji direkt, woraufhin der Ladenbesitzer und den Kopf zu Seite legte. "Also, es ist so... Die Protokolle sind heute Abend schon reserviert. Der Meister selbst hat sie heute bei mir abgeholt." Gestand der rundliche Mann und wollte schon einen Schritt zurück treten, doch die Jakuji hielt seinen Handgelenk schneller. "Und... Wo sind diese Protokolle heute reserviert?" Fragte der Dämon nach, ohne dabei den Blick von Tisch zu nehmen, doch seiner Stimmlage war zu entnehmen, dass er nicht erfreut war dies zu hören. "Im Versammlungsraum der Oberfamilie. Der Meister möchte selbst eine Auswertung durchführen. Höchste Priorität." Antwortete der nun schwitzige Mann sehr schnell. "Und... die Originale?" Erkundigte sich der Dämon weiter, wobei sein Blick nun den des Mannes traf. "Ja, Ja. Die Sind natürlich hier." Gestand der Mann hektisch, woraufhin der Dämon seine Hand los ließ. "Wunderbar. Dann brings sie mir doch einfach und während ich lese, wird Kohane mit dir ein paar Dinge zum Schreiben holen." Wies Jakuji ruhig an, sah dabei auch kurz zu seine Schülerin, als wolle er aus ihrer Reaktion heraus lesen, ob sie überhaupt lesen und schreiben konnte.
    • Als Kaoru die Gegenfrage stellte, hätte Emiko schwören können, dass sie noch röter wurde – wenn das überhaupt noch möglich war. Mittlerweile hätte sie wohl jeder Tomate Konkurrenz machen können.
      „I-ich habe kein Fieber! Das musst du dir einbilden! Und überhaupt ist hier drin doch auch total schlechtes Licht!“, rechtfertigte sie sich hastig und winkte schon mit der Hand ab, als wollte sie das Thema sofort beenden.

      Doch als Kaoru gegen ihre Entscheidung zu protestieren begann, warf sie ihm einen Blick zu, der mehr sagte als tausend Worte. Ein Blick, der wohl selbst einem Dämon das Blut in den Adern gefrieren lassen würde.
      „Du wirst – zumindest morgen – deine Beine nicht weiter belasten. Ende der Diskussion. Du hast heute wirklich genug getan. Und da wird mir auch Ayumi zustimmen.“, sagte sie wieder mit fester Stimme, hielt dann kurz inne und überlegte. „Wenn du morgen unbedingt etwas machen möchtest, dann kannst du mit mir in die Stadt gehen und die Einkäufe erledigen. Wir müssen langsam aber sicher unsere Vorräte auffüllen... und ich brauche eine neue Haarschleife.“

      Als er sie schließlich bat, sich umzudrehen, tat sie es sofort – peinlich berührt bis in die Haarspitzen. „O-oh, ja, natürlich, Kaoru-kun! … V-vielleicht sollte ich dich jetzt auch besser allein lassen. Ich- ich habe immerhin auch noch genug zu tun!… Ich- ähm… ich wollte ja noch die Körbissuppe machen... und uhm... mein Kimono ist auch zerrissen... das muss ich dann auch wieder flicken...“, nuschelte sie unbeholfen vor sich hin.

      Als sie merkte, wie sehr sie ins Plappern geraten war, wollte sie am liebsten im Erdboden versinken. „B-bis später, Kaoru-kun! O-oder gute Nacht!“, brachte sie schließlich hervor und hastete eilig aus dem Herren-Gemeinschaftsbad.

      ~~~

      Wieder schweigend folgte Kohane ihrem Lehrmeister in den unterirdischen Keller.
      „Immer diese Geheimnistuerei...“, murmelte sie fast schon genervt in Gedanken, wagte es aber nicht, diesen Gedanken laut auszusprechen.
      In ihrer Welt machte das nämlich keinen Sinn: Je mehr man etwas geheim hielt, desto auffälliger wurde es. Aber wenn man etwas absichtlich auffällig machte, wirkte es unauffällig. Macht Sinn, oder? Zumindest in Kohanes Logik.

      Neben ihrem Lehrmeister blieb sie schließlich stehen, als er sich an den Holztisch setzte. Sie selbst nahm jedoch keinen Platz – und auch ihre Maske behielt sie zunächst noch auf. Gerade deshalb war sie ganz froh, denn als Jakuji nach den Säulen fragte, weiteten sich unter der Maske überrascht ihre Augen.
      Warum wollte er alles über die Säulen wissen? Wegen ihrer Ausbildung? Oder hatte es einen anderen Grund? Plante er vielleicht einen Angriff, um noch weiter in die Gunst des Meisters zu gelangen? Sollte sie ihn fragen? Und warum hatte sich ausgerechnet heute auch der Meister selbst die Schriften beansprucht?

      Als sie die unterschwellige Anweisung von Jakuji hörte, nickte Kohane langsam und nahm schließlich doch die Maske vom Gesicht.
      Sofort funkelten ihre violetten Augen den Verkäufer warnend an, während sie ihn mit einem knappen Nicken aufforderte, seinen viel zu runden Körper in Bewegung zu setzen.

      „Du hast Meister Jakuji gehört. Hol die Originale – und besorg mir etwas zum Schreiben.“, sagte sie kalt, fügte dann aber mit einem schelmischen Grinsen hinzu: „Und keine Tricks... sonst bist du derjenige, der heute seinen Kiefer verliert. Verstanden?“
    • Der Junge blickte das Mädchen wie versteinert an, als dieses ihm keinen Spielraum mehr ließ, zu argumentieren. So wie es aussah, würde ihn wohl weder Ayumi noch Emiko am morgigen Tag trainieren lassen. Selbst wenn Ayumi dies nicht wort wörtlich und in Person gesagt hatte, schätzte Kaoru die Wahrscheinlichkeit, falls Emiko tatsächlich Einfluss darauf nehmen würde, sehr hoch ein, dass Ayumi ihr zustimmen könnte. So akzeptierte er, wenn auch leicht geknickt, sein Schicksal.

      Doch anstatt die harten Worte so stehen zu lassen, brachte die Angestellte einen alternativen Vorschlag. Kaoru war zuerst nicht besonders begeistert, da er nicht der Mensch war, der gerne einkaufen ging, doch noch weniger Lust hatte er unnütz im Anwesen zu sitzen. "Gut..." Stimmte er fast schon trotzig zu, denn sein Innerstes wollte viel lieber weiter diskutieren. Doch seine Vernunft war stark genug diesen Impuls zu unterdrücken.

      Schließlich sah er der Angestellten kurz nach, bis diese die Türe hinter sich zu zog. "Aber Emiko-Chan... die Kle.." Murmelte der Junge, der eigentlich die blutigen Lumpen nicht einfach ins Bad werfen wollte. Einen Augenblick wartete Kaoru noch ab, um sicher zu gehen, dass Emiko auch nicht zurück kehren würde. Doch als ihre Schritte immer leiser wurden, riss er sich schnell die Kleidung vom Körper und warf diese in einen der Leeren Eimer. Nachdem er einen Schwall kaltes Wasser ergänzt hatte, um zumindest die Chance zu erhöhen die Flecken wieder los zu werden, begann er seinen Körper ausgiebig und gründlich zu reinigen.

      Nach getanen Arbeit, wickelte er sich eines der freien Tücher um die Hüften und schlich zurück in sein Zimmer. Dort angekommen, schaffte er es noch die Blume von der Tür zu nehmen und sich für die Nacht zu kleiden, sein Bett zu richten und das Licht zu löschen. Heute Abend brachte er keine Minute, um in einen tiefen Schlaf zu fallen.

      Am nächsten Morgen erwachte der Schwertkämpfer deutlich später, als er es sonst tat. Die Sonne knallte ihm, durch das kleine Fenster, voll ins Gesicht. Unbeholfen, wie er es selten am frühen Morgen war, entwich ihm ein murrendes brummen. Jede Bewegung, die er benötigte um aus dem Bett zu steigen und sich anzuziehen, schien wie in Zeitlupe abzulaufen. Seine Augen waren noch immer schwer und die Schritte unbeholfen, als er die kleine Papierblume an die Tür steckte. Im Anschluss öffnete er sein Fenster und atmete einige Male tief durch. Es war ihm, als hätte er gestern eine großen Krug Sake getrunken und die ganze Nacht getanzt. Die Realität war noch nicht vollständig greifbar.

      ---

      Jakuji beäugte seine Schülerin, als diese dem Ladenbesitzer eine Ansage machte. Anders als Jakuji, kannte Kohane den guten Mann noch nicht so lange. Sie waren zwar keine Freunde, doch herrschte eine gewisses Maß an Professionalität zwischen den Parteien. Der Mann sah Kohane einen ganzen Moment an, als diese ihre Maske abgesetzt hatte, als wolle er mit seinem Blick ihre nicht vorhandene Seele auf die Probe stellen. Schließlich lächelte er sanft und sah anschließend zu Jakuji. "Wie ihr wünscht."
      Damit verschwand der Ladenbesitzer für eine weile, so dass Jakuji Zeit hatte sich um seine Schülerin zu kümmern.

      "Kohane, dieser Mann ist nicht unser Feind. Seine Dienste sind Teil eines Abkommens zwischen Meister Madou und den 12 Monden. Es ist immer ratsam diesen Schlangen nicht den Rücken zu kehren, da stimme ich dir zu. Aber im Endeffekt würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden, wenn du ihm den Kiefer raus haust." Erklärte der Dämon ruhig und lehnte sich dabei entspannt im Stuhl zurück, den Blick weiter auf seiner Schülerin ruhend. "Lenk ihn einfach ab. Ich will nicht, dass er meine Reaktionen auf die Dokumente studiert." Offenbarte er ihr seinen Plan, da sie wohl überhaupt nicht begriffen hatte, was er ihr zuvor angedeutete hatte. Was wiederum das sanfte Lächeln des Ladenbesitzers erklären würde, der einfach nur Mitleid mit ihrem begrenzten Geist hatte.

      Kurz darauf brachte der Mann die Dokumente, die er Jakuji ordentlich auf den Tisch legte. Im Anschluss zog er einen weiteren Tisch herbei, auf dem er Tinte, Feder und Papier bereits stellte. Ein einfaches kleines Fass, welches er aus einer zugestellten Ecke heraus rollte und aufstellte, bot er Kohane als Sitzplatz an.
      In der Zeit konnte Jakuji bereits die uninteressanten Akten überspringen und die Säule des Eieses ausfindig machen, doch ließ er die Akte so liegen, als hätte er sie ebenfalls achtlos überflogen. " Daigo Akeboshi - die Säule des Feuers..." Begann der Dämon sein Diktat und las anschließend ein paar der vermerkten Eigenschaften und mögliche Aufenthalte vor. Zeitgleich gab er sich Mühe die Akte der Eissäule unauffällig zwischen die des Feuers zu schieben, so dass er diese zeitgleich überfliegen konnte.

      Als erstes fiel ihm auf, dass die Säule des Eises weiblich war. Das allein reichte schon, um ihn einen Augenblick inne halten zu lassen, doch dann diktierte er munter weiter, um die Beschreibung ihres Aussehens zu überfliegen. Dieses Mal hatte sich der Dämon im Griff, doch eine unsagbare Unruhe kribbelte plötzlich in seinen Gliedmaßen, als er seine Erinnerung mit dem Text auf dem Papier abglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ayumi diese Säule verkörperte war von einer einfachen Vermutung zu einer über 80%igen Wahrscheinlichkeit heran gewachsen. Sie hatte sich mit Kuroketsu angelegt, der wiederum Madou auf den Plan gerufen hatte. Glücklicherweise stand noch nichts über einen möglichen Aufenthaltsort in der Akte. Auch gab es noch keinen aktiven Befehl sie zu töten.

      Etwas erleichtert, beendete Jakuji sein Diktat und sah die beiden Anderen ernst an. "Habt ihr das jetzt mitgeschrieben? Das ist echt wichtig?" Erkundigte er sich, da er nicht den Eindruck hatte, dass Kohane mitgekommen war, doch der eigentliche Plan war noch immer den Ladenbesitzer so weit zu überfordern, dass er keine Zeit fand Jakuji zu beobachten.
    • Am nächsten Morgen beobachtete Emiko, wie die Sonne langsam hinter den Bergen aufging und golden auf das Anwesen herabfiel. Ihr frisch gewaschenes Haar hing in sanften Wellen über ihre Schultern bis hinunter zu ihrem unteren Rücken.
      „Ich brauche dringend eine neue Haarschleife... so kann ich unmöglich arbeiten...“, dachte sie seufzend, als in diesem Moment auch schon die Hausherrin die Küche betrat.
      „Guten Morgen, Ayumi.“, wünschte Emiko freundlich und schenkte ihr ein kurzes, wenn auch noch immer erschöpftes Lächeln.
      Doch es dauerte nicht lange, bis die Neugier sie packte. „Hast du... hast du gestern noch etwas herausgefunden?“, fragte sie, während sie einen Becher nahm und der Säule frischen Tee eingoss.

      Ayumi war – wie eigentlich jeden Morgen – recht blass im Gesicht. Wieder war es derselbe Albtraum gewesen. Schon wieder. Doch wie immer sprach sie nicht darüber, sondern erwiderte das Lächeln, nahm den Tee entgegen und bedankte sich mit einem leisen Nicken.
      „Guten Morgen, Emiko.“, erwiderte sie und trank erst einmal einen großzügigen Schluck.
      Erst nach einem Moment antwortete sie mit einem leisen Seufzen auf die Frage der jungen Bediensteten: „Nein. Ich bin mir noch immer nicht sicher, was den Bären dazu veranlasst hat, dich – oder euch – anzugreifen. Und bis ich Genaueres weiß, bleibt die Regelung bestehen: Niemand betritt den Wald ohne meine Erlaubnis – und schon gar nicht alleine.“

      Sie trank einen weiteren Schluck, stellte den Becher ab und sah sich in der Küche um. „Wo ist eigentlich Kaoru?“
      Emiko erschrak so sehr bei der Erwähnung seines Namens, dass sie beinahe die Teekanne fallen ließ. „K-Kaoru-kun?“, wiederholte sie und unweigerlich blitzten die Erinnerungen an das gestrige Geschehen im Herren-Gemeinschaftsbad vor ihrem inneren Auge auf.
      „E-er ist vermutlich noch in seinem Zimmer.“, brachte sie hastig hervor und wandte den Kopf ab, damit Ayumi ihre plötzlich glühenden Wangen nicht sehen konnte.
      „Ich... ich wollte sowieso noch mit dir sprechen. Du solltest ihn – zumindest heute – vom Training befreien, damit er seine Beine nach den gestrigen Verletzungen nicht gleich wieder zu sehr belastet. Außerdem... könnte ich gut Hilfe beim Einkaufen gebrauchen... Zum Theorieunterricht kannst du ihn dann ja wiederhaben.“, nuschelte sie und nahm selbst schnell einen Schluck Tee.

      Ayumi hob eine Augenbraue und betrachtete sie still, bevor sie schließlich langsam nickte. „In Ordnung... aber nur für heute, verstanden? Die Dämonen warten nicht.“, sagte sie ernst, stellte den Becher ab und musterte Emiko noch einen Moment länger. Dann aber huschte ein Grinsen über ihre Lippen. „Nur zum Einkaufen, ja?“

      Emiko verschluckte sich heftig und spuckte die Hälfte ihres Tees hustend wieder aus.

      ~~~

      Kohane verzog ihr Gesicht zu einer leichten Grimasse. „Wenn dieser Mann nicht unser Feind ist, warum hat er dann die Augen einer Schlange? Und warum dieses schleimige Lächeln wie eine Nacktschnecke?“, fragte sie – diesmal jedoch bei weitem nicht so großmäulig, wie es sonst der Fall war.
      Als ihr Lehrmeister dann meinte, sie solle den besagten Ladenbesitzer einfach ablenken, ging der jungen Dämonin langsam ein Licht auf.
      „Warum sagt er das denn nicht gleich? Und wieso will er überhaupt, dass der Schleimbolzen nicht sieht, wie er auf die Dokumente reagiert? Es sind doch einfach nur die Säulen... oder etwa nicht?“

      Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als der besagte Ladenbesitzer mit den Dokumenten zurückkehrte. Sie musterte ihn noch einmal kritisch, bevor sie sich wortlos auf das ihr angebotene Fass setzte.
      Wenig später dämmerte ihr, dass auch sie mitschreiben sollte. Kohane zog die Augenbrauen zusammen und kaute sich genervt auf die Unterlippe. „Verfluchte Scheiße... ich kann doch gar nicht schreiben... oder lesen...“, dachte sie und hätte sich lieber auf direktem Weg in die Hölle schicken lassen, als das nun zuzugeben.

      Also griff sie nach der Feder, tunkte sie in viel zu viel Tinte und schob den Ärmel ihres Kimonos hoch. Wie sollte sie nebenbei eigentlich noch den Ladenbesitzer ablenken?! Wäre es nicht einfacher, ihn einfach bewusstlos zu schlagen?!
      Ein leises, kaum hörbares Schnauben entwich ihrer Nase, während sie plötzlich einen Einfall hatte. Anstatt aufzuschreiben, könnte sie die gesagten Worte doch einfach aufmalen. Das wäre viel leichter!

      Also machte sie sich gleich an die Arbeit und zeichnete ein männliches Strichmännchen, das in Flammen stand und mit einem Schwert herumwedelte.
      Aus dem Augenwinkel musterte sie den Ladenbesitzer, überlegte kurz und fragte dann völlig aus dem Zusammenhang gerissen: „Verkaufst du eigentlich auch Tiere? Frösche? Oder Kröten?“
      Als sie die Frage ihres Lehrmeisters hörte, blickte sie kurz zu ihm und nickte. „Jap, mitbekommen!“, meinte sie nur und fügte noch ein paar Details zu ihrer Zeichnung hinzu. Dass eine Säule jedoch Feuer speien konnte, war vielleicht ein wenig... unrealistisch.
    • Nachdem die Frische Luft seinen Kreislauf wieder etwas in Schwung gebracht hatte, band sich Kaoru sein Schwert um und hielt inne. Würde er heute wieder abgeholt werden? Wohl kaum. Emiko schien sich wirklich Sorgen zu machen und würde ihn wohl bis heute Abend hier liegen lassen, damit er sich ja genug ausruhen konnte.
      Mit langsamen Schritten, sie Glieder fühlten sich noch sehr steif an, tapste der Junge durch das Anwesen und steuerte auf die Küche zu, in der Hoffnung etwas zu Essen zu finden. Doch kurz bevor er eintreten wollte, hörte er bereits die Stimmen von Ayumi und Emiko.

      Gerade als er herein kam, begann Emiko ihren Tee auf den Tisch zu spucken. Heute war dieser wohl besonders kräftig?
      Kaoru sah zu Ayumi und verneigte sich leicht: "Guten Morgen, Sensei." Begrüßte er sie mit leiser Stimme und want sich schließlich Emiko zu, bei der er sich ebenfalls kurz verneigte. "Guten Morgen Emiko-Chan." Begrüßte er ebenso ruhig das Mädchen. Da er wusste, dass ihm ein Besen drohte, wenn er hier aufwischen wollen würde, setzte sich der Junge wortlos an den Küchentisch und stützte die Arme auf, gut zwischen Emiko und Ayumi hin und her blicken zu können.
      Dieses Mal war er klüger. Dieses Mal sagte er nichts und tat nichts. Er wartete einfach wie es nun weiter gehen würde.
      Außerdem hatte er eh grade das Gefühl erneut in einem sehr ungünstigem Moment erschienen zu sein.

      ---

      Jakuji musste sich beherrschen, als der Blick des Ladenbesitzers ihm verriet, dass Kohane alles getan hatte, jedoch nichts aufgeschrieben, was für ihn Sinn ergab. Auch die Kontextlose Rückfrage, bezüglich der Frösche, brachte den rundlichen Mann etwas aus dem Konzept. "Meerkatzen und Eulen..." Antwortete der Mann etwas genervt, als er den Feueratem begutachtete. Ihm wäre es neu gewesen, wenn ein Mensch so etwas absurde können würde. Mit einem angewiderten Ausdruck und einem abwertenden Zischen, wollte der Mann sich erneut Jakuji zu wenden, doch dieser hatte bereits alles zusammen gepackt und war aufgestanden.

      "Sehr gut." Lobte der Dämon seine Schülerin, als seine Augen das Gemälde auf dem Tisch erblickten. "Ich denke damit schaffen wir es." Fügte er hinzu und deutete auf einen Klecks Tinte, der von der Feder auf das Blatt getropft war und wie eine kleine Explosion wirkte. Der rundliche Mann räusperte sich etwas nachdenklich, stimmte schließlich aber zu.

      Der Dämonenmond nahm seiner Schülerin das Blatt weg und schob es in den Stapel aus Akten, was dem Mann allerdings etwas aufschrecken ließ. "Nicht, die Tinte ist noch zu frisch, ihr verschmiert alle Originale!" Beklagte er sich, doch rein zufällig war das Blatt in der Akte der Eissäule gelandet und hatte diese völlig getränkt. Zum Glück, für Jakuji, hatte Kohane so viel gekläckert, dass das Blatt gut durchgeweicht war. Zufrieden überreichte Jakuji dem Ladenbesitzer die Akten und deutete an zurück in die Stadt zu wollen.

      Das weitere Vorgehen musste er in einer ruhigen Ecke mit seiner Schülerin besprechen. Doch hier waren sie nun erst einmal fertig.
      Der Dämon ging schon mal hinauf in den Laden, wobei seine Maske den Weg zurück in sein Gesicht fand. Oben angekommen, blickte er eine Weile nachdenklich durch die Scheiben der Eingangstüre, als würde dort die Lösung für seine Probleme warten.
    • Ayumi blickte auf, als Kaoru den Raum betrat – und sofort errötete Emiko im Gesicht nur noch stärker.
      Die Säule hatte große Mühe, ihr amüsiertes Grinsen zu verbergen und ein leises Lachen zu unterdrücken. „Guten Morgen, Kaoru. Hast du gut geschlafen?“, fragte Ayumi und versuchte dabei eisern, die Ernsthaftigkeit einer Säule zu bewahren.

      Ihr Blick wanderte kurz zu Emiko, die sich noch immer hustend die Hand vor den Mund hielt und hektisch mit ihrer freien Hand den Tisch sauber wischte.
      Dann sah Ayumi wieder zu ihrem Schüler zurück und bot ihm eine Tasse Tee an. „Emiko hat bereits mit mir gesprochen. Ich befreie dich heute vom praktischen Training. Heute Abend erscheinst du jedoch pünktlich zum Sonnenuntergang in meinem Labor – dort werden wir endlich den Theorieunterricht nachholen, den wir gestern versäumt haben. Denn auch Wissen ist Macht.“
      Ihr Blick wurde dabei etwas weicher. „Wie geht es deinen Beinen mittlerweile? Ich vertraue darauf, dass Emiko sich gut um dich gekümmert hat, aber nichtsdestotrotz ist sie keine Heilerin. Soll ich jemanden herbestellen?“


      Währenddessen hatte Emiko endlich den Tisch von den Spuren des ausgespuckten Tees befreit und auch ihren Husten unter Kontrolle gebracht. Dennoch achtete sie darauf, ihr Gesicht möglichst von Kaoru und Ayumi abzuwenden.
      "Guten Morgen, Kaoru-kun...", nuschelte sie üblich leise unter ihrem Atem.

      ~~~


      Kohane konnte nicht anders, als hämisch unter ihrem Atem zu grinsen, als sie die Reaktion des Ladenverkäufers genau bemerkte. Wenn sie schon immer in einer Sache gut gewesen war, dann definitiv darin, anderen Leuten auf die Nerven zu gehen – egal ob unbeabsichtigt oder mit voller Absicht.

      „Meerkatzen? Was machen die denn am Land, wenn es Meerkatzen sind?“, fragte sie und legte den Kopf schief. Ob sie die Frage ernst meinte oder nicht, war wohl schwer einzuschätzen – gerade bei Kohanes oft ziemlich seltsamen Gedankengängen.

      Als dann das Lob ihres Lehrmeisters folgte, streckte die junge Dämonin stolz die Brust heraus und warf dem Ladenbesitzer einen Blick zu, der ungefähr so viel aussagte wie: „Das hättest du nicht gekonnt, hab ich Recht?“

      Zufrieden stand sie wieder vom Fass auf und verstand nicht wirklich, warum der Ladenbesitzer so panisch wegen der Originaldokumente wurde.
      Immerhin war es doch nur Papier, oder? Man konnte doch immer noch einmal an die Informationen kommen. Außerdem konnten sich Informationen schließlich auch ändern.

      Schweigend folgte sie Jakuji wieder nach oben – nicht jedoch, ohne dem Ladenbesitzer über die Schulter noch einmal die Zunge herauszustrecken.
      Oben angekommen setzte auch sie wieder ihre Maske auf, zog die Kapuze tief ins Gesicht und beobachtete ihren Lehrmeister für einen Moment, wie er nachdenklich durch die Scheiben der Eingangstür blickte.

      Die Gelegenheit nutzte sie, um selbst noch einmal durch den Laden zu streifen – vielleicht gab es ja doch noch etwas Interessantes zu entdecken.
      Dass sie eigentlich „nichts anfassen“ sollte, hatte Kohane natürlich längst wieder völlig ausgeblendet.

      Und so dauerte es nicht lange, bis sie etwas fand, das ihre Aufmerksamkeit weckte. Mit diebischen Fingern verschwand es geschickt unter ihrem Kimono – nur um wenig später wieder neben Jakuji aufzutauchen, als wäre nie etwas gewesen.
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