a moon between us [by Akkubird & yuyuumyn]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • „Jetzt nimmt er mir auch noch meine Arbeit weg…“
      Das war wohl der erste Gedanke, der Emiko durch den Kopf schoss, als Kaoru die Schüsseln und Stäbchen einsammelte – nur um sie im nächsten Moment bereits abzuspülen.
      Sie schnaubte leise, war aber insgeheim froh, dass er – ohne sie zu verraten – auch ihre Schüssel geleert hatte.
      Also konnte sie ihm das gerade noch mit zusammengekniffenen Augen verzeihen.
      Sie verstand selbst nicht, was los war… aber seit Kaorus Ankunft am Vortag reagierte sie auf einmal viel intensiver – selbst auf die kleinsten Dinge.

      Mit einem leisen Seufzen erhob sie sich schließlich von ihrem Platz – doch dann hörte sie seinen Kommentar.
      Ihre Augen zuckten zu Kaoru – und verengten sich abermals gefährlich.
      „Jetzt reicht’s!“, schoss es ihr durch den Kopf.
      Mit schnellen, stampfenden Schritten stürmte sie zum Besen in der Ecke, schnappte sich diesen – und donnerte los:
      „Jetzt aber raus! Das Training wartet nicht! RAUS AUS MEINER KÜCHE!“

      Ayumi, zunächst überrascht, weitete leicht die Augen – doch dann brach sie in schallendes Gelächter aus.
      „Also Emiko! Was ist denn plötzlich in dich gefahren?“, fragte sie belustigt und zog beide Augenbrauen fragend hoch.
      Emiko erstarrte. Hastig versteckte sie den Besen hinter ihrem Rücken. „I-ich … ich muss die Wäsche machen gehen!“, nuschelte sie und machte auf dem Absatz kehrt.
      Dabei huschte sie so schnell aus der Küche, dass sie beinahe wieder mit dem Türrahmen kollidierte.

      Ayumi versuchte, ihr Lachen zu unterdrücken – vergeblich. Gerade als Säule sollte sie vielleicht ein wenig mehr Autorität ausstrahlen…
      aber meistens fühlte sie sich selbst kaum wie eine.
      Also atmete sie durch, richtete den Blick auf den Garten und nickte in dessen Richtung.
      „Komm. Wir fangen an. Bevor Emiko noch etwas Schlimmeres holt als einen alten Besen.“

      Mit einem Grinsen auf den Lippen trat sie hinaus ins Freie.

      ~~~

      Kohane hatte gerade wieder beherzt in das Fleisch gebissen, als sie bei der Frage ihres Lehrmeisters inne hielt.
      War das eine Herausforderung? Oder doch eher eine Provokation?
      Zunächst sagte sie nichts. Kaute in aller Ruhe zu Ende, schluckte herunter – während das Blut des Tieres ihr über das Kinn lief
      und an ihrem Mund klebte.

      Für einen winzigen Moment spielte sie mit dem Gedanken, das halb angesabberte Stück Fleisch in ihrer Hand einfach gegen seinen Kopf zu pfeffern. Doch dann erinnerte sie sich an seine Drohungen… und verwarf die Idee lieber wieder. Ihr Kopf fühlte sich auf ihren Schultern
      eigentlich ganz wohl.
      Außerdem war es schlicht Verschwendung, kostbares Essen einfach wegzuwerfen.

      Also verdrehte sie demonstrativ die Augen und zuckte mit den Schultern. „Sorgen? So’n Quatsch. Mir ist mein eigener Arsch immer noch am nächsten.“, murrte sie leise, sah ihm dabei aber nicht in die Augen.
      „Und natürlich würde ich diesen riesigen Hirsch auch ganz alleine schaffen.“
      Sie machte eine kurze Pause, biss erneut ins Fleisch und wandte das Gesicht demonstrativ ab – damit er nicht sah, dass sie bei ihrer ersten Aussage - bezüglich ihres Hinterteils - vielleicht doch ein kleines bisschen geflunkert hatte.

      „Aber es bringt halt nichts, wenn du hier halb verhungerst rumstehst, oder?“, brummelte sie noch – diesmal schon deutlich leiser.
    • Um ein Haar hätte Kaoru darüber nachgedacht sich ernsthaft gegen einen Besen zu verteidigen. Das auf brausende Temperament der jungen Angestellten stellte ihn erneut vor eine ungewohnte Herausforderung. Da sich jedoch keinerlei Absicht spüren ließ, ihn wirklich zu verletzen, zuckte seine Hand nur einmal kurz, reflexartig, in Richtung, der spiegel glatt polierten, Klinge, die an seine Hüfte hing.
      Kurz darauf brach Ayumi, Kaoru konnte es nicht begreifen, in Gelächter aus. Dies wiederum ließ Emiko gerade zu erstarren und fluchtartig den Raum verlassen.

      Noch immer etwas irritiert von der Situation, sorgte die Aussage seiner Lehrerin nicht gerade für Besserung. Ok. Das Training würde weiter gehen. Doch der andere Teil ihres Satzes bereitete ihm doch etwas Kopfzerbrechen. "Ihr habt Emiko-Chan doch keine Waffen überlassen? Das wäre... ein untragbares Risiko... Für jeden der dieses Haus betritt." Sprach der Junge seine Befürchtungen aus und schob zur Sicherheit den Messerblock, der auf der Ablage stand, hinter eine große Schale, so dass man die Messer nicht sofort erkennen konnte, wenn man den Raum betrat. Schließlich folgte er brav nach draußen ins Freie.

      Mittlerweile war es schön hell und sonnig. Ein paar Wolken, die am Himmel vorbei zogen, verdeckten kurzzeitig das sonst so warme Sonnenlicht und spendeten damit etwas Schatten. Da Kaoru nicht genau wusste, was sie jetzt veranstalten würden, blieb er einfach hinter seiner Lehrerin und wartete auf weitere Instruktionen. Zur Sicherheit blieb er auch aufmerksam genug, um einen möglichen Stein-Angriff abzuwehren. Bei ihr konnte man nie wissen. Und Emiko war mindestens ebenso unberechenbar. Die Beiden konnten glatt Mutter und Tochter sein...

      ---

      Die junge Dämonin amüsierte ihn immer mehr. "Mmmhhhh... Dein Arsch interessiert hier niemanden." Murmelte Jakuji, wobei er bemerkte wie sie seinen Blicken aus wich. Sie sollte jetzt einfach genug essen, um ihre Präsenz in den Griff zu bekommen und nicht aus Hunger auf die Leute los zu gehen. Also musste alles rein, was rein ging. "Das hört sich für mich nach Blödsinn an. Wie soll der Hirsch überhaupt rein passen? Das sind sicher 2 Menschen, wenn nicht 3?" Stachelte er sie an und nahm, prüfend, mit ausgestreckten Händen maß vom Tier und andeutungsweise von Kohane. Der Hirsch war bestimmt die doppelte Masse der kleinen Dämonin.

      Als sie dann ihr anfängliches Angebot so umformulierte, dass es eine Notwendigkeit wurde, dass Jakuji ebenfalls etwas essen musste, schmollte dieser etwas in sich hinein.
      "Also gut." Stimmte er schließlich zu und riss sich mühelos eine Keule aus dem Tier. Ohne zu zögern, zerbiss er Fleisch, Knochen und Fell. Im Vergleich zu seiner eigenen Entwicklung, schmeckte das Tier fast schon muffig, alt. So saßen sie da, zwei Gestalten im Mondlicht, sich labend an einem Tierkadaver. Ein Bild, dass wohl den ein oder anderen Jägersmann in den Wahnsinn getrieben hätte.

      Mit Abschluss dieses Gedankens, kontrollierte Jakuji den Stand des Mondes. Bis zur Station war es noch ein kleiner Marsch durch den Wald, doch er wusste wie schnell Kohane unterwegs war. Das hatte sie ihm schließlich schon bewiesen. Wahrscheinlich war sie sogar etwas schneller als er selbst, zumindest auf gerader Strecke. Ohne ihr groß Druck zu machen, stand er auf und lehnte sich an einen Baum.
      In Gedanken hoffte er darauf, dass Kohane es schaffen würde so lange ihre Aura zu unterdrücken, bis sie an einem sicheren Ort in der Stadt waren. Er wusste, dass sie kaum Übung hatte, doch jeder Tag der Verging war ein Tag, an dem er keine Ahnung hatte ob Ayumi überhaupt noch am Leben war. Seine Sorgen konnte er nicht komplett verbergen. Die Unruge stand ihm ins Gesicht geschrieben, auch wenn er darauf geachtet hatte die "schattige" Seite des Baumes zu benutzen, damit der Mond nicht alles offenbarte.
    • Ayumi lachte amüsiert, als sie Kaorus Frage hörte und gerade noch sehen konnte, wie er den Messerblock hinter einer großen Schale versteckte. „Nein, nein… also zumindest hat sie kein Katana.“, antwortete sie, während sie beim Laufen den Zeigefinger nachdenklich ans Kinn legte.
      „Aber glaub mir: Wenn man ein bisschen kreativ wird, kann fast alles zu einer Waffe werden.“
      Sie blieb kurz stehen, sah bedeutungsvoll in die Ferne und fuhr dann mit einem leichten Zwinkern fort: „Rein theoretisch könnte sie dir einen Stuhl hinterherwerfen… vielleicht sogar einen ganzen Tisch.“
      Ayumi warf ihm einen belustigten Blick über die Schulter zu. „Also ist der Messerblock wahrscheinlich noch dein kleinstes Problem.“,
      fügte sie hinzu – ein deutlicher Seitenhieb auf seine vorherige Aktion.

      Wenig später erreichten sie ein freies Feld. Ayumi blieb stehen, ließ ihren Blick aufmerksam schweifen und drehte sich dann zu Kaoru um.
      „Gut. Wie ich dir bereits gesagt habe, möchte ich mit dir ganz von vorne beginnen.“
      Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sprach mit ruhiger Stimme weiter: „Ich habe zwar schon viel Positives über dich gelesen, aber es ist für mich am einfachsten, ein Training zu entwickeln, wenn ich deine Fähigkeiten mit eigenen Augen sehe.“

      Eine kurze Pause. Dann stellte sie ihre nächste Frage – gezielt, aber geduldig: „Also – was würdest du sagen: Welcher deiner Sinne ist der stärkste? Siehst du besonders gut? Hörst du feiner als andere?“
      Sie wartete ruhig auf seine Antwort.

      Ayumi hatte längst entschieden, Kaoru nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch auszubilden. Denn Dämonen zu töten war nur ein Teil. Verstehen, wie sie denken, leben – und entstehen – konnte einem im Ernstfall das Leben retten.

      ~~~

      Kohane verzog das Gesicht zu einer genervten Grimasse, als sie die Worte ihres Lehrmeisters hörte. Sie drehte sich zu ihm um, schnaubte verächtlich und fauchte: „Das ist kein Blödsinn! Ich hab schon mal einen ganzen Elch alleine verputzt!“
      Ihre violetten Augen funkelten trotzig. „Falls du's nicht weißt: So ein Ding ist deutlich größer als dieser jämmerliche Hirsch hier!“
      Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, biss sie demonstrativ ein weiteres großes Stück aus dem noch dampfenden Fleisch in ihren Händen.

      Die Zeit verging, und erst als Kohane das Gefühl hatte, gleich aus allen Nähten ihres Kimonos zu platzen, ließ sie sich mit einem zufriedenen Seufzen zurücksinken und legte sich eine Hand auf den Bauch.
      Vom Hirsch war kaum mehr übrig als ein Haufen blanker Knochen. Und an denen herumzuknabbern? Nein danke. Dafür war sie dann doch zu satt – und zu faul.

      Mit dem Ärmel wischte sie sich die letzten Blutreste vom Mund und warf einen Blick hinüber zu ihrem Lehrmeister, der sich an einen Baum gelehnt hatte. Kohane musterte ihn schweigend. Ihr Blick blieb an seinem Gesicht hängen – irgendetwas daran wirkte... anders.
      Sie legte leicht den Kopf schief. Ein fremder Ausdruck. Einer, den sie so noch nie bei einem Dämon gesehen hatte.
      Es war keine Angst. Zumindest keine offene. Aber es war nah dran. Irgendetwas in seinen Augen… etwas Menschliches.

      Neugierig legte sie nun den Kopf zur anderen Seite, um seine Mimik noch besser zu erkennen.
      „Hast du Höhenangst?“, fragte sie schließlich geradeheraus, während sie sich wieder aufrichtete und sich mit ein paar lockeren Klopfern
      die Erde vom Kimono schlug.
    • Die Worte seiner Meisterin zehrten etwas am Gemüt des jungen Mannes. ...Stühle, Tische?... Kaoru wusste, dass er wahrscheinlich locker gegen einen Stuhl ankommen könnte, jedoch war es die Vorstellung eines übertriebenen Angriffes, der ihn nachdenklich stimmte. Emiko schien im Moment nicht Herr über ihre Sinne zu sein.

      Trotz allem, konzentrierte er sich schnell wieder auf das Training, als Ayumi ihm eine gezielte Frage stellte. Sie wusste nun bereits, dass seine Wahrnehmung etwas anders funktionierte. Doch als er über seine restlichen Sinne nachdachte, kam ihm keiner besonders vor. Er hatte weder den Eindruck gut sehen oder hören zu können. Zumindest nicht besser als die Menschen, die er bisher kennen gelernt hatte.
      "Sensei, nach meiner Einschätzung, befinde ich mich auf dem Durchschnitt." Antwortet er vorschnell, mit gewohnt kühler Stimme. Wie er seinen Satz beendet hatte, bemerkte er, dass es beim Sehen nicht nur darum ging Bilder zu erkennen. "...Es... gelingt mir relativ leicht Muster in Dingen zu erkennen. Und... Sie zu... kopieren... Das... Ist eine Form des Sehens? Oder eine Mischung aus Sehen und verstehen?" Analysierte er sich selbst. So sehr hatte er noch nie über das nachgedacht was er tat. Er tat es einfach. Oder hatte es ohne darüber nachzudenken von seinem ehemaligen Lehrer beigebracht bekommen.

      ---

      Jakuji reagierte etwas verzögert auf die Frage seiner Schülerin. Es war nicht die Höhe vor der er Angst hatte. Er hatte Angst davor zu hören, dass die Säule des Eises bereits von einem der anderen Monde aufgespürt wurde. Noch bestand die Chance ihre Aufenthaltsort zuerst heraus zu finden und genügend Falschinformationen zu streuen, um ihre Spur auch weiterhin im leeren verlaufen zu lassen.
      "Angst ist etwas für Schwächlinge." Zitierte er Kohane und bemühte sich ihre Stimme ebenfalls zu imitieren. Sein Blick galt daraufhin erst seiner Schülerin und anschließend dem Knochenhaufen. Das musste dann wohl ausreichen. Der Rest würde sich später zeigen.

      "Wir werden den Wald durchqueren und in eine Siedlung gehen, in der eine menschliche Luftschiffstation betrieben wird. Mit etwas Glück schaffen wir noch den Nachtflug zu bekommen." Erklärte der Dämonenmond, ohne sich vom Baum weg zu bewegen, jedoch deutete er schon eine Richtung an. "Kurz vor der Siedlung legen wir noch einmal eine kleine Pause ein, damit zu dich vorbereiten kannst. Bis dahin sollte das Tier seine Wirkung zeigen." Beendete er seine Instruktion und bereitete sich darauf vor los zu laufen. "Bleib einfach in meiner Nähe. Wir können es uns nicht leisten, dass du einen Umweg nimmst." Befahl die absteigende 6 und wartete darauf, dass seine Schülerin ihm das Zeichen zu los laufen gab. Mit vollem Magen würde das sicher eine kleine Herausforderung werden, doch es gab leider keinen anderen Weg.
      Vor der Siedlung würde er noch einmal mit ihr üben und dann entscheiden ob es das Risiko wert war oder nicht.
      Als das Signal, von ihrer Seite kam, liefen sie, wie geplant, los.
      Die Zeit war knapp. Jakuji hatte allerdings auch etwas Reserve für das Training eingeplant. Zur Nut musste er dieses deutlich verkürzen.
    • Geduldig hörte sich Ayumi die Antwort ihres Schülers an. Dann legte sie wieder nachdenklich ihren Zeigefinger ans Kinn.
      „Hm...“, summte sie leise. „Ja, ich schätze, das könnte man durchaus als eine Form des Sehens betrachten.“
      Sie tippte sich erneut sachte gegen das Kinn und plötzlich schien ein Gedanke in ihr aufzublitzen.
      „Du nimmst von Dämonen die Absicht wahr – die Absicht zu töten oder zu verletzen...“, murmelte sie mehr zu sich selbst als zu Kaoru.
      „Deshalb hast du vorhin den Stein nicht abgewehrt – weil ich dir nicht wirklich schaden wollte. Weil meine Absicht keine feindliche war.“

      Sie hielt inne. Ein neuer Gedanke formte sich. „Aber was, wenn ich etwas bei mir trage...etwas, das einem Dämon gehört? Etwas, das mit echter Tötungsabsicht behaftet war?“
      Ihre Augen hellten sich auf. „Vielleicht könnten wir so eine Art Illusion erzeugen – eine fühlbare Absicht. Eine Präsenz, die dich zum Reagieren zwingt.“
      Dann richtete sie sich wieder ganz auf und sah Kaoru an. „Planänderung. Komm mit – ich möchte dir etwas zeigen.“
      Mit einer Handbewegung bedeutete sie ihm, ihr zu folgen. „Du solltest wissen, dass ich bereits zweimal gegen Dämonenmonde gekämpft habe.“
      Ihr Ton blieb ruhig, fast beiläufig. „Das erste Mal war ich in deinem Alter. Damals war es die Absteigende Sechs. Und erst vor ein paar Tagen die Absteigende Fünf. Leider konnte er entkommen.“
      Sie seufzte leise – doch dann zuckte ein schelmisches Grinsen über ihr Gesicht. „Aber ich habe es immerhin geschafft, ihm das hübsche Gesicht ein bisschen zu ruinieren. Jetzt sieht er aus wie ein verbrannter Frosch."

      Mit leichtem Schwung bog sie mit Kaoru um das Hauptgebäude und ging auf ein kleineres, angrenzendes Gebäude zu.
      Als sie die Tür öffnete, deutete sie ihm hinein. „Das hier ist mein Labor.“
      Der Raum war kühl, funktional – mit Regalen voller Fläschchen, manche davon beschriftet, andere nicht. Ein Tisch, auf dem verschiedenste Instrumente lagen.
      „Ich tüftle hier schon seit einer ganzen Weile an einem Gift, das in der Lage ist, eine größere Menge Dämonen auf einen Schlag zu töten.“
      Sie klang beinahe stolz. „Besonders nützlich, wenn man in der Unterzahl ist. Und weißt du was? Ich bin an etwas dran, das sich schon mehr oder weniger als erfolgreich herausgestellt hat.", sagte sie und ging auf den Tisch zu.

      Ayumis Hand glitt langsam zu einer roten Spinnenlilie. Ihre Finger berührten vorsichtig die seidigen Blütenblätter.
      Einen Moment lang sagte sie nichts – nur das sanfte Rascheln der Blume im Luftzug war zu hören.
      Dann wandte sie sich Kaoru zu und hielt ihm die Blume hin, damit er sie nehmen konnte. „An was denkst du...wenn du diese Blume siehst?“

      ~~~

      Kohane verzog das Gesicht zu einer genervten Grimasse, als ihr Lehrmeister sie nachäffte. Doch trotz allem zuckten ihre Mundwinkel unweigerlich nach oben. Ein Grinsen. Nicht nur aus Trotz – sondern aus Vorfreude.
      Denn in ihrem Kopf formte sich bereits ein Plan, wie sie ihm später eine Retourkutsche verpassen könnte. Natürlich ohne dabei den Kopf zu verlieren.

      Sie rannte neben ihm her und hielt sich mit ihrem Tempo noch merklich zurück. Wenn sie gewollt hätte, hätte sie längst vor ihm davonziehen können. Aber sie wollte den alten Mann ja nicht überfordern.
      „Genau! Angst ist für Schwächlinge!“, rief sie mit ihrem üblichen, viel zu selbstsicheren Grinsen.
      „Und ich lach der Angst regelmäßig ins Gesicht!“
      Dann warf sie einen herausfordernden Blick in die Dunkelheit des Waldes und brüllte laut hinaus: „Hörst du mich?! Ich lach dir ins Gesicht! Ha! Ha! Haaa!“

      Ein Moment, der in der Luft hängen blieb. Ein Ruf, frech, trotzig – und doch... fast wie ein Echo.
      Denn ohne es zu wissen, sprach Kohane die Worte einer längst vergangenen Stimme nach. Jemandem, den sie nie gekannt hatte. Jemandem, der heute eine Säule ist – und der einst dieselben Worte rief, mit demselben Feuer, an der Seite eines Jungen namens Haruto.

      Oder vielmehr...Jakuji.
    • Kaoru ließ seiner Sensei Raum, um ihre Gedanken zu sammeln, denn die Fragen die sie stellte klangen eher, als würde sie laut denken. Ob sie das tat, um Kaoru das Gefühl zu geben eingebunden zu sein oder einfach nicht darüber nachdachte, konnte er so nicht sagen. Jedenfalls war es wohl nicht erforderlich auf jede kleine Äußerung eine Antwort zu geben. Er nickte also nur, wenn sie etwas sagte, dass Sinn ergab.

      "Ihr habt solch einen Gegenstand, Sensei?" Murmelte der Junge etwas skeptisch, denn er war sich nicht sicher wie gefährlich ein solcher Gegenstand sein könnte. Nicht für ihn. Ihr Plan könnte durchaus funktionieren. Jedoch hatte Kaoru ein ungutes Gefühl dabei sich von jemandem in eine vermeintlich harmlose Verteidigungslage bringen zu lassen.
      Wie aufgefordert, folgte der Junge seiner Lehrerin und behielt seine Bedenken erstmal für sich. Sie war schließlich eine Säule und würde schon wissen was sie tat. Auf dem Weg begann Ayumi etwas vor sich hin zu erzählen und Kaoru hing mit einer gewissen Begeisterung an ihren Lippen. Er wusste zwar, dass die Säulen viel drauf hatten, doch so etwas hatte er bisher noch nicht gehört. "In meinem Alter? Das ist... Unglaublich. Und sogar die absteigende 5.... Berichten zufolge soll er in der Lage gewesen sein gleich mehrere Dämonenjäger auf einmal in Schach gehalten zu haben." Antwortete Kaoru, wie ein Junge, der gerade eine Superheldengeschichte gehört hatte. Die Berichte zu den Monden hatte er förmlich studiert. Primär jedoch nur um herauszufinden welcher dieser Bastarde für den Tod seiner Familie verantwortlich war. Doch leider war keiner der Berichte dabei hilfreich.

      In einem kleinen Nebengebäude angekommen, präsentierte die Säule dem Schüler ihr Labor. Fasziniert und ehrfürchtig, trat Kaoru ein und musterte alles ganz genau. Nie im Leben hätte er geglaubt, dass Ayumi zu solchen Dingen in der Lage wäre. Sie wirkte so unscheinbar, fast schon naiv. Und dann sowas. Damit hatte sie ihn nun wirklich überrascht. In keinem der Berichte stand etwas davon, daher ging er davon aus, dass die Säulen wohl auch geheime Dinge trieben, von denen niemand wissen durfte. Völlig buff, folgte er ihr an den Tisch und vergaß dabei zu nicken. Er kam sich vor wie in einem Film, bei dem der Superheld seinem Handlanger die Geheime Geheim Höhle mit den Superwaffen zeigte.
      Ehe er überhaupt in der Lage war sich zu all dem zu äußern, wurde ihm eine Blume vorgehalten. Dieses Mal wurde auch eine direkte Frage formuliert, die er auch beantworten wollte. Noch immer etwas überwältigt von der ganzen Sache hier, beäugte der Junge die Blume und rieb sich nachdenklich am Kinn, ehe er die Pflanze in die Hand nah um etwas hin und her drehte, so dass sich der Blütenkelch um die eigene Achse drehen konnte. "Sie erinnert mich an Emiko-Chan."

      Was er damit meinte, war allerdings im Bezug auf seine Blume, die er ihr an sie Tür geheftet hatte. Vor lauter Geheimlabor hatte er nicht mehr über seine Worte nachgedacht und errötete etwas, als ihm die Tragweiter seiner Worte bewusst wurde. "An die Blume die ich Emiko-Chan heute Morgen gefaltet habe!." Versuchte er sich zu retten und wedelte leicht mit der Blume in seiner Hand. Da ihm just in dem Moment bewusst wurde, dass auch diese Worte nicht besser waren, blickte er schweigend zu Boden, damit man seinen hoch roten Kopf nicht direkt sehen konnte.

      ---

      Sie waren schon ein gutes Stück weit gekommen, als Kohane ihre Kohane Dinge tat. Sie versuchte wohl erneut ihre Furchtlosigkeit zu bekräftigen. Im ersten Moment fand Jakuji dies auch noch sehr amüsant, denn er hatte sie gezielt etwas geärgert und sie war wieder darauf angesprungen. Er hatte einfach das Gefühl, dass sie diese Art der Lockerung ab und zu nötig hatte.
      Auch wenn sie im Bezug auf dieses Thema manchmal etwas über reagierte.

      Gerade als die absteigende 6 dachte er hätte ihr -Kohane sein- überstanden, vernahm er die Worte: „Hörst du mich?! Ich lach dir ins Gesicht! Ha! Ha! Haaa!“ Dieser Wortlaut und die Aussprache. Als hätte ihm jemand ein Stück seiner Erinnerung heraus gerissen und ins Gesicht geworfen. Kaum hatten die Worte der jungen Dämonin ihre Wirkung entfaltete, griff sich der Dämonenmond an die Brust. ...Ayumi... Das ist nur meine Schuld... Die Erinnerung an seine Kindheit war nicht besonders schön, doch dies war ein besonders tiefgreifende, denn an diesem Tag verlor Haruto seine Menschlichkeit und Ayumi ihre ganze Familie. Und schließlich verloren sie sich gegenseitig.
      Mit einem Mal, nahm das Stechen, in der Brust des Dämonen, Überhand. Er konnte es sich nicht erklären, denn Worte waren nun mal nur Worte. Was konnten sie ihm schon anhaben? Einige Minuten versuchte Jakuji seinen Frust und den ganzen Schmerz hinunter zu schlucken, doch das Stechen hatte sich bereits zu einem brennen weiter entwickelt.

      Plötzlich stoppte Jakuji seinen Lauf und blieb an Ort und stelle stehen. Er musste durchatmen und bei der Sache bleiben. Das zumindest redete er sich ein. "Geht gleich weiter..." Schnaufte Jakuji betroffen und biss schmerzhaft die Zähne zusammen. Wieso in Madous Namen hatte sie genau die Stelle seines Körpers getroffen, die er nicht mit seiner Blutmagie schützen konnte?
      Angestrengt vor Schmerz, ging der Dämonenmond auf die Knie und schloss dabei die Augen. Er versuchte sich an der Wiedersehen zu erinnern. Das Gefühl noch nicht gänzlich alles verloren zu haben. Noch gab es einen Weg sie zu retten, jedoch nicht, wenn er hier im Wald sah und nicht weiter kam.

      Als schließlich auch noch seine Narbe in der Hand heiß wurde, konnte er nicht mehr anders. Er musste dieses Gefühl irgendwie raus lassen, ehe es ihn noch komplett auffraß. Seinen Zorn hier heraus zu lassen war jedoch keine Option, denn die Siedlung war nicht mehr weit. Man würde ihn sicher hören oder spüren. Außerdem würde Kohane womöglich ebenfalls darunter leiden.
      Mit wackligen Beinen, richtete sich die absteigende 6 vom Boden auf und ging einfach weiter. Jeder Schritt fühlte sich an, als hätte man ihm einen Zentner Beton an die Füße gegossen.

      Schließlich stoppte er erneut und sah in den dunklen Wald. In Gedanken hatte er es geschafft sie zu retten. Sie lagen sich in den Armen und weinten gemeinsam über die Freude ihres Sieges.
    • Ayumi biss sich fast die Zunge ab. Nur mit Mühe unterdrückte sie den Drang, zu erwähnen, dass sie bei ihrem ersten Kampf gegen die damalige Absteigende Sechs nicht allein gewesen war.
      Wer wusste schon, welche Konsequenzen es hätte, wenn herauskäme, dass sie damals gemeinsam mit einem Dämon gekämpft hatte?
      Zwar ist es ihr Katana gewesen, das damals Getsumaru enthauptet hatte...doch ohne Jakuji? Ohne Jakuji wäre sie niemals lebend aus diesem Kampf hervorgegangen.
      Ein Dämon... und eine Jägerin. Verbunden durch eine Vergangenheit, die niemals vergehen würde. Nicht durch Zeit. Nicht durch Blut. Nicht einmal durch Tod.

      Doch sie sprach kein Wort darüber. Sie lächelte nur – ruhig, fast stolz – als Kaoru seine Beobachtungen über die Absteigende Fünf äußerte.
      „Ja, das ist richtig.“, sagte sie sanft. „Du hast dich also bereits über die Dämonenmonde informiert? Das wird unseren Theorieunterricht deutlich erleichtern.“
      Ein anerkennendes Nicken folgte.

      Sie beobachtete ihn, wie er sich langsam in ihrem Labor umsah und das Glänzen in seinen Augen ließ sie unwillkürlich lächeln.
      „Beeindruckend, oder?“, fragte sie mit einem gewissen Stolz in der Stimme.
      Als sie ihm die rote Spinnenlilie reichte, verfolgte sie aufmerksam seine Reaktion. Doch als er Emiko erwähnte, blinzelte Ayumi überrascht – hatte sie das richtig gehört?

      Sie beobachtete, wie Kaoru sich augenblicklich in seiner eigenen Erklärung verhedderte und unterdrückte ein Lachen nur mit Mühe. Wie gerne hätte sie ihn ein bisschen geneckt – doch sie wollte ihn nicht verschrecken.
      „Ist schon gut, Kaoru-kun.“, sagte sie schließlich mit einem milden Lächeln und winkte beschwichtigend mit der Hand.
      „Ich verstehe schon, wie du das meinst. Ich hab auch gar nichts gehört. Und ehrlich gesagt schon wieder vergessen, was du gerade gesagt hast. Mein Gedächtnis lässt manchmal wirklich zu wünschen übrig... und keine Sorge – ich habe nicht vor, Emiko-chan etwas zu sagen. Nicht, das noch wirklich unsere guten Möbel herum geworfen werden.", sprach sie und zwinkerte ihm kurz zu.

      Dann wurde sie wieder ernst – ihr Tonfall senkte sich leicht.
      „Die Blume, die du da in den Händen hältst, ist eine rote Spinnenlilie. Sie symbolisiert den Tod – in vielen alten Legenden soll sie auf den Pfaden wachsen, die Seelen ins Jenseits führen.“
      Sie trat an ein Regal und griff nach einem kleinen Glasfläschchen, in dem winzige Nadeln befanden.
      „Aber diese Blume ist nicht nur ein Symbol. Ich habe herausgefunden, dass ihre Wirkstoffe Dämonen ernsthaft schaden können.“

      Sie hielt ihrem Schüler nun das Glas entgegen und wartete drauf, dass er es in die Hand nahm.
      „Das hier sind Blutnadeln der Absteigenden Fünf. Er hat mich kurz vor seiner Flucht mit ihnen angegriffen. Ich hatte wirklich Glück, dass er keine lebenswichtigen Organe getroffen hat.“
      Ihre Stimme war ruhig und sachlich - fast so, als spräche sie nur über das Wetter. Sie sah von den Blutnadeln wieder in sein Gesicht.
      „Ich habe sie aufgehoben, um mit ihnen zu experimentieren.“

      ~~~

      Die junge Dämonin blieb abrupt stehen, als ihr Lehrmeister plötzlich innehielt, angestrengt schnaufte – und dann auf die Knie sank.
      „Meister Jakuji!“, entfuhr es Kohane erschrocken.
      Ohne zu zögern drehte sie um und rannte zurück. Man müsste wirklich ein kompletter Idiot sein, um nicht zu erkennen, dass der Dämonenmond nicht wegen Erschöpfung stehen geblieben war.
      Etwas anderes hatte ihn in die Knie gezwungen. Etwas Tieferes. Etwas, das selbst sie – noch – nicht begreifen konnte.

      Ihre violetten Augen huschten sofort prüfend durch die Umgebung. War es ein Hinterhalt? Ein Angriff? Doch so sehr sie sich auch konzentrierte – sie spürte nichts. Keine Präsenz. Kein fremdes Qi.
      Nur das Flattern von Vögeln in den Ästen und das Rascheln von Mäusen im Unterholz.

      Als sie endlich bei ihm ankam, hatte sich der Dämonenmond bereits wieder aufgerichtet und Bewegung gesetzt, nur um kurz darauf plötzlich erneut stehen zu bleiben.
      Kohane nutzte sofort den Moment. Mit einem plötzlichen Schritt stellte sie sich ihm entschlossen in den Weg und breitete die Arme aus, um ihn den Weg zu versperren. Sie blickte in seine Augen, welche aber nicht zurückblickten. Sie waren in die Ferne gerichtet und er schien komplett in seinen Gedanken versunken zu sein.

      Kohane hob zögernd die Hand und zog sie im selben Atemzug wieder zurück. Der Impuls war da... aber die Unsicherheit ebenso.
      „Meister Jakuji...?“, fragte sie leise, fast vorsichtig. „Was ist mit Euch...? Geht es wieder...? Sollten wir... eine Pause machen...?“

      Ihre Stimme war ruhig, fast ungewohnt weich. Fast so, als hätte sie Angst, dass er im nächsten Moment erneut zusammenbrechen würde.
    • Der noch immer leicht verlegene Kaoru hob langsam den Blick, zurück ins das Gesicht seiner Lehrerin. Ihr Worte waren ungewohnt mild, fast schon fürsorglich. Zeitgleich beunruhigte es ihn, dass eine einfache Blume das Mobiliar des Anwesens gefährden könnte. Doch um dem peinlichen Moment aus dem Weg zu gehen, schaffte sie es zeitnah die Aufmerksamkeit aus etwas anderes zu lenken. So musste Kaoru sich gar nicht weiter zu seinen verworrenen Aussagen äußern.

      Vorsichtig nahm er das Glas aus ihren Händen und ließ ihre Erklärungen noch einmal auf sich wirken. Die Blume, die sie ihm zuvor gegeben hatte, steckte er sich in die Hemdtasche seines Kimonos, um das Glas sicher in beiden Händen halten zu können. Wortlos schwenkte der Junge die Nadeln im Glas hin und her. Es wunderte ihn, dass die Blutmagie des Dämons noch immer Bestand hatte, obwohl die Nadeln bereits längere Zeit vom Ursprung getrennt waren. "Und ihr habt euch bereits vollständig davon erholt?" Fragte er in einem sachlichen Tonfall und kam dabei nicht umhin den körperlichen Zustand seiner Meisterin, mit einem Blick von oben nach unten, zu prüfen.


      "Es wirkt auf mich, als wären diese Nadeln nicht primär dazu gedacht einen Angreifer zu töten. Acus punctura zielt auf die Meridiane im Körper ab und soll den Fluss des Qi verbessern. In diesem Fall schließe ich darauf, dass die absteigende 5 das Ziel hatte eure Körperenergie zu behindern und euch kampfunfähig zu machen. -Ihr hattet äußerst viel Glück." Erklärte er selbstsicher und hielt anschließend inne, da er sich doch eigentlich vorgenommen hatte still zu bleiben und keine Konflikte zu provozieren.
      Doch irgendwie hatte sein Plan schon nach einem Tag auf voller Länge versagt. Zu Interessant war es hier in einem geheimen Labor voller Geheimnisse zu stehen.

      Kaoru setzte das Glas vorsichtig auf den Tisch zurück, ehe er langsam durch das Labor schritt. Zum einen wollte er sich alles in Ruhe ansehen und zum Anderen brauchte er etwas Zeit zum nachdenken. Es schien, als wolle die Säule eine dieser Nadeln benutzen um seine Sinne zu stimulieren. Er selbst konnte nicht direkt sagen ob das so funktionieren würde oder nicht, denn Erfahrung hate er damit nicht.
      "Ihr möchtet nun also diese Nadeln, anstatt der Steine auf mich abfeuern?" Erkundigte sich der Schwertkämpfer, als er gerade eines der Glasgefäße prüfte, die im Labor herum standen. -Richtig cool!
      Im Zweifel war nicht abzusehen, welche Nebenwirkungen ein Treffer dieser Nadeln auf eine Nicht-Säule haben würde. Auch wenn sie inaktiv waren, hatte Kaoru schon von Fällen gelesen, in denen Menschen mit Dämonenblut in Kontakt gekommen waren und dabei selbst zu Dämonen wurde.

      ---

      Die absteigende 6 blickte weiter in die Leere des Waldes, als ihn eine bekannte und zugleich ungewohnte Stimme erreichte. Der Druck in seiner Brust schien nicht mehr schlimmer zu werden, dennoch brannte sein ganzer Körper. Die Gestalt der kleinen Dämonin, die sich vor ihm aufgebaut hatte, wirke wie ein Teil seines Traumes. Schwarz auf Schwarz, lag ihre Silhouette auf dem Dunkel des Waldes. Nur der Mond, der schwach durch die Bäume schien, erhellte hier und da ein paar Stellen am dunklen Waldboden.

      "Nur eine alte Wunde, die immer wieder... aufplatzt, du kennst das ja..." Erklärte der Dämon, als er sich wieder etwas gefangen hatte. Allmählich senkte sich auch wieder die Temperatur seines Körper, wobei der Druck in der Brust nur allmählich besser wurde. Hatte die Stimme der jungen Dämonin etwas damit zu tun gehabt? Irgendwie hatte er den Eindruck, dass sie plötzlich ganz beruhigend auf ihn gewirkt hatte. Eine seltsame Fähigkeit für einen Dämonen, wie er fand.
      Und auch wenn er Kohane gerne seine Geschichte erzählt hätte, um sie vielleicht auf seine Seite zu ziehen, musste er runter schlucken.
      "Wolltest du mich gerade umarmen? Na komm schon, nicht so schüchtern. Ich beiß dir die Ohren ab." Scherze Jakuji, um sich noch etwas Zeit zu verschaffen.
    • Ayumi beobachtete ihren Schüler schweigend, während er die Nadeln in dem kleinen Glas betrachtete. Ihr Blick war ruhig – aber wachsam.
      Als Kaoru schließlich fragte, ob sie sich von den Verletzungen der Absteigenden Fünf erholt hätte, nickte sie leicht.
      „Ja. Ich atme, ich kann gehen, und ich habe noch alle Gliedmaßen – das ist wohl alles, was nach einem solchen Kampf zählt.“, sagte sie mit einem Anflug von trockenem Humor und lehnte sich leicht gegen den Tisch hinter sich.

      Als er seine Theorie äußerte, hörte sie aufmerksam zu – und nickte dann langsam. „Daran habe ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht…“
      Sie zögerte. „Ich hatte... andere Dinge im Kopf.“ - Jakuji. Der Todeshauch. Und ein Heilmittel, das vielleicht nie existieren würde. Aber vor allem Jakuji... und Haruto.
      „Wie du siehst...“, fuhr sie schließlich mit einem leichten Schulterzucken fort, „...sind wir Säulen nicht unfehlbar.“
      Ihr Blick senkte sich wieder auf das Gläschen in seiner Hand.
      „Während des Kampfes habe ich mit einer meiner Atemtechniken den Sonnenaufgang verborgen.“, erklärte sie. „Erst, als die ersten Sonnenstrahlen auf den Boden fielen, habe ich sie aufgehoben.“

      Dann deutete sie auf die rote Spinnenlilie, die Kaoru sich in die Brusttasche gesteckt hatte. Ihre Stimme wurde nun um einiges ernster.
      „Ich möchte, dass du sie behältst. Sie kann dir im Notfall das Leben retten.“
      Wieder hielt sie für einen Moment inne, bevor sie schließlich weiter erzählte: „Ich hatte damals ein einzelnes Blütenblatt unter meiner Zunge versteckt. Ich wusste, dass er einen direkten Angriff blocken würde. Also habe ich gewartet, bis sich das Blatt teilweise aufgelöst hatte… dann habe ich einen Angriff angetäuscht und... ihm ins Gesicht gespuckt.“

      Ein kleiner Moment Stille. Dann fuhr sie sich mit verlegenem Lächeln durch das Haar.
      „Hat ihm ordentlich die Haut weggeätzt. Leider nicht so effektiv, wie ich es mir erhofft hatte… es war einfach zu wenig.“
      Sie beobachtete, wie Kaoru sich langsam im Raum bewegte, wie seine Gedanken zu arbeiten begannen und lächelte schwach, als er die etwas falsche Schlussfolgerung zog.
      „Oh – nein, nein.“, sagte sie schnell, hob beide Hände zur Beruhigung. „Ich meinte nicht, dass ich die Nadeln auf dich werfen werde.“
      Sie schmunzelte. „Zumindest nicht in nächster Zeit.“

      Dann wurde sie wieder etwas ernster. „Ich werde lediglich eine davon bei mir tragen. Wenn deine Wahrnehmung wirklich auf die Tötungsabsicht eines Dämons reagiert, dann sollte sie durch die Aura dieser Nadel aktiviert werden. Vielleicht hilft er uns, deinen besonderen Sinn zu verstehen… und zu schärfen.“

      ~~~

      „Eine alte Wunde...“, der Gedanke kam Kohane unwillkürlich – und mit ihm ein Schatten von Besorgnis, den sie nur schwer verbergen konnte. Sie kannte solche Wunden. Zu viele davon trug sie selbst. Doch über keine sprach sie gern. Und schon gar nicht freiwillig.
      Ihr Blick blieb auf Jakuji gerichtet, während er sich langsam wieder zu fassen schien.

      Und dann – als hätte jemand einen Schalter umgelegt – verzog sich Kohanes besorgter Ausdruck zu einer schmollenden Grimasse.
      Sie blies laut Luft durch die Nase, verschränkte die Arme vor der Brust und war kurz davor, wieder nach irgendetwas zu greifen und es ihrem Lehrmeister an den Kopf zu werfen. Aber sie hielt sich zurück. Ein seltenes Wunder. Sie wusste es mittlerweile besser.

      Umarmen?“, fragte sie ungläubig und mit hochgezogenen Brauen, als hätte er ihr gerade etwas völlig Absurdes vorgeschlagen.
      „Ich umarme nicht! Niemals! Und niemanden!“
      Sie stemmte ihr Kinn nach oben, reckte demonstrativ die Nase in die Luft und wurde dabei so rot im Gesicht, dass es selbst im Dunkeln kaum zu übersehen war. Zur zusätzlichen Verteidigung hob sie beide Hände über ihre Ohren, die sie schon gerne behalten wollte.

      Dass sie gar nicht genau wusste, wie sich eine Umarmung überhaupt anfühlte behielt sie für sich. Denn was man nicht kennt, kann man schließlich auch nicht vermissen.

      Oder?
    • Der Schüler neigte minimal den Kopf, als seine Lehrerin zugab, dass sie die Waffen des Gegner noch gar nicht richtig analysiert hatte. Sicherlich hatte sie dafür ihre Gründe, doch für Kaoru ergab das keinen Sinn. Zuerst nicht. Denn die Säule erklärte, dass auch sie nicht fehlerfrei war. Ihre Worte klangen ruhig und aufrichtig. Sie schien nicht, als würden ihre Fehler sie besonders stark belasten.
      Als sie direkt im Anschluss von ihrem Kampf mit der absteigenden 5 berichtete, schob Kaoru die Gedanken über Fehler ganz weit nach hinten. Viel mehr interessierte ihn, was Ayumi zu berichten hatte.

      Besonders gut fand er die Täuschung, die sie dabei zum Einsatz brachte. Die Ausführung des Gegenangriffes hingegen, wirkte auf ihn zwar durchführbar, jedoch auch sehr speziell. "Wie ekelhaft..." Murmelte der Junge leise, um die Erzählung nicht zu behindern. Und fast hätte er seine Fassade erneut verloren, als die Lehrerin davon berichtete, wie das Gesicht des Dämons von dem Sekret aus Speichel und der Blume verbrannt wurde.

      Auf seine Rückfrage, bezüglich der Nadel und der Steine, beruhigte sie ihn etwas damit, dass sie diese lediglich bei sich tragen wolle. Doch nun war er sich sicher, dass es auch die Möglichkeit gab angespuckt zu werden. Da erschien es ihm angenehmer von einer Dämonennadel gestochen zu sein, als von einer anderen Person angespuckt. "Sensei. Lasst uns bitte direkt beginnen." Antwortete der Schüler entschlossen. Es kam ihm nicht mehr vor, als würde er irgend ein Schüler sein. Er fühlte sich plötzlich, wie ein ernst genommener Dämonenjäger.

      Kaoru wartete brav ab, um zu sehen ob seine Lehrerin ebenfalls bereit war, um ihr anschließend zu folgen und ihren Anweisungen nach zu kommen.

      ---

      "Komm wieder runter." Antwortete Jakuji, der sich allmählich wieder gefangen hatte. Seinen Kopf etwas in den Nacken gelegt, versuchte er den Mond am Himmel zu fixieren. "Du verstehst auf keinen Spaß. Da haben wir dann wohl noch etwas gemeinsam." Stellte der Dämon mit einem tiefen Schnaufen fest. Die Gedanken an Ayumi waren noch immer nicht völlig verklungen. Das würden sie wohl niemals sein, doch der Hass und die Wut über ihren Verlust, war wieder dem Vorsatz gewichen wenigstens ihr Leben zu retten, solange es noch möglich war.

      Schließlich fiel sein Blick auf auf den Hals seiner Schülerin, den sie zuvor noch stolz nach oben gereckt hatte. Auch sie hatte ein leidiges Schicksal erlitten, dass man nicht einfach so vergessen konnte. Doch machte sie das wirklich zu verbündeten? Hatte sie jemals eine Person um sich, die sich für sie aufgeopfert hätte? Bestimmt nicht. Ohne Ayumi wäre Jakuji, oder Haruto, ein blutrünstiges Monster ohne Herz geworden.
      Ohne weitere Worte, want er seinen Blick ab und begann langsam weiter zu gehen, damit Kohane Zeit hatte zu folgen. Er musste um jeden Preis dieses Luftschiff erreichen. "Hey. Ich kann den Scheiß von damals auch nicht vergessen. Niemand kann das." Gestand der Dämonenmond seiner Schülerin, ohne ihr nur einen Blick zu widmen. "Die größte Schwäche und die größte Stärke, die ich besitze..." Fügte er hinzu und lief dann in vollem Tempo weiter.

      An dem Ort, an dem er geplant hatte eine kleine Pause einzulegen, gingen sie vorbei. Zu viel Zeit hatte sein kleiner Anfall verbraucht. Dafür verschaffte der übersprungene Zwischenstopp genug Zeit, damit er Kohane auf die anstehende Prüfung vorbereiten konnte.
      In einem guten Abstand zur Siedlung, bremste er seine Schülerin mit einem Handzeichen aus.
      Sie befanden sich auf einer alten Grabruine, von der Jakuji nur zu gut wusste, wie sehr diese von Menschen gemieden wurde. Vorerst wortlos, kramte er die Masken und Umhänge aus seinem Beutel und reichte einen Satz an Kohane weiter.
      "Hoffentlich stehst du auf Rollenspiele..." Murmelte er und kleidete sich schon mal ein. "Wir sind Scouter aus dem "Sakura Yoru". Die Dienstkleidung sollte noch passen." Erklärte er, mit dumpfer stimme, was ihn dazu brachte die Maske wieder abzunehmen, auch um seine Schülerin besser zu erkennen. "Wir sind auf der Suche nach neuen Talenten. Niemand sollte Fragen stellen, weshalb wir nachts auf den Straßen wandern und uns in zwielichtigen Gegenden herum treiben." Fügte er hinzu und wartete erstmal ab.
    • Auch wenn die Worte ihres Schülers nur gemurmelt gewesen waren, hatte Ayumi sie dennoch gehört. Doch sie kommentierte sie nicht, sondern unterdrückte lediglich ein leises Kichern.
      „Not macht erfinderisch. Das wird er irgendwann selbst lernen müssen.“, dachte sie sich und stemmte dann die Hände in die Hüften, als ihr Schüler verkündete, dass er bereit sei.

      „Gut, gut. Dann werden wir ohne weitere Umschweife mit deinem ersten praktischen Training beginnen. Heute Abend widmen wir uns dann der Theorie.“, sagte sie, ergriff erneut das Glas mit den Blutnadeln, das Kaoru zuvor auf dem Tisch abgestellt hatte, und fuhr fort: „Folge mir. Es geht wieder nach draußen.“
      Sie führte ihn zurück auf den Trainingsplatz, nicht unweit davon war Emiko gerade dabei, frisch gewaschene Wäsche auf einer Leine aufzuhängen.

      Unauffällig – zumindest in Emikos Welt unauffällig – beobachtete diese den Schüler und seine Lehrmeisterin, wie sie den Trainingsplatz betraten.
      In der Mitte des Platzes angekommen, blieb Ayumi schließlich stehen und drehte sich zu dem jungen Dämonenkämpfer um.
      „Gut, es wird Zeit, deine Sinne zu trainieren. Und da das Sehen dein stärkster Sinn ist…“, begann sie, hielt dann einen Moment inne, nur um diabolisch zu grinsen,
      „…werden wir dir diesen Sinn jetzt erst mal nehmen, damit du dich auf all deine anderen konzentrieren musst.“
      Sie holte ein Tuch hervor und reichte es Kaoru. „Hier – verbinde dir damit die Augen.“

      Dann wandte sie den Blick zu Emiko. „Emiko! Kommst du bitte her? Ich brauche dich für das heutige Training!“
      Emiko ließ vor Schreck beinahe die frisch gewaschene Wäsche fallen und weitete die Augen.
      „H-huh?!“, fragte sie, hängte das letzte Wäschestück hastig auf und ging dann zögernd zu den beiden hinüber.
      „M-mich?“, fragte sie, warf Kaoru nur einen flüchtigen Blick zu, bevor sie Ayumi ansah.

      Diese grinste noch immer und nickte. „Ganz richtig! Du wirst nämlich Kaoru angreifen, während ich seine Bewegungen genau beobachte.“
      Sie deutete auf eine Kiste, in der sich mehrere kleinere Bälle befanden, und wandte sich dann wieder Kaoru zu.
      „Kaoru, du wirst versuchen, den Bällen auszuweichen. Ich gebe Emiko gleich eine der Blutnadeln – nicht zum Werfen, keine Sorge – nur damit du eine faire Chance hast, deine Sinne zu fokussieren. Aber! Du wirst zunächst nur mit deinem Körper ausweichen, nicht abwehren. Das Abwehren mit einem Holzschwert kommt erst, wenn ich sicher bin, dass du das hier gut meisterst. Also – lass auch dein Katana stecken, verstanden?“

      Währenddessen wanderte Emikos Blick zwischen der Kiste mit den Bällen und Kaoru hin und her. Schließlich blieb ihr Blick wieder an Kaoru hängen und in ihren Augen begann es gefährlich zu glitzern.
      Fast schon wie... Vorfreude?

      ~~~

      „Warum eigentlich nicht?“, fragte sich die junge Dämonin in ihren eigenen Gedanken.
      Warum war es nicht möglich, die Vergangenheit als Mensch einfach zu vergessen? Gerade dann, wenn sie nur von Schmerz und Leid gezeichnet gewesen war?
      Zwar war sie nun um einiges stärker, und einfache Menschen konnten ihr längst nicht mehr einfach so etwas antun – sie konnte sich sogar mit ausgewachsenen Grizzlybären anlegen, wenn sie Lust darauf hatte – aber dennoch… es frustrierte sie, dass die Vergangenheit wohl immer ein Teil von ihr bleiben würde.

      Doch was ihr Lehrmeister im Zusammenhang mit „Stärke“ meinte, verstand Kohane nicht wirklich.
      Abgesehen von ihrer Stimme – die eigentlich der Grund dafür war, dass sie schlussendlich zum Dämon geworden war – hatte sie nichts Nennenswertes aus ihrer Zeit als Mensch vorzuweisen. Was meinte ihr Lehrmeister dann also mit Stärke?

      An der alten Grabruine ließ Kohane ihren Blick neugierig hin und her wandern.
      Ob sie hier wohl irgendwo noch ein komplettes Skelett finden würde, mit dem man jemanden - Jakuji - erschrecken konnte?
      Als ihr Lehrmeister ihr dann jedoch eine Maske und einen Umhang reichte, musterte die junge Dämonin beide Kleidungsstücke mit einem kritischen Gesichtsausdruck.
      „Das Sakura Yoru?“, fragte sie verwirrt, zog die Augenbrauen hoch und ließ ihren Blick wieder zurück zu ihrem Lehrmeister wandern.

      „Noch nie davon gehört.“, sagte sie, während sie sich bereits daran machte, den Umhang anzuziehen.
      „Was macht man da? Was für Talente suchen wir denn?“, fragte sie und wartete mit großen, fragenden Augen auf eine Antwort.
    • Der Dämonenjäger folgte artig, seiner Lehrerin, hinaus auf den Trainingsplatz. Dort waren die Beiden jedoch nicht völlig alleine. Emiko, die gerade die Wäsche aufhing, war ebenfalls anwesend. Unauffällig beantwortete er den unauffälligen Blick des Mädchens, konzentrierte sich schließlich wieder auf das Wesentliche. Die Diskrepanz zwischen ihnen würde er heute Abend in Ruhe nochmal versuche zu klären. Es konnte ja nicht sein, dass die Möbel von Ayumi-Sensei wegen ihm in Gefahr waren.

      Am Zielort angekommen, zögerte Kaoru für einen Moment. ...Die Augen verbinden? Wenn es denn sein muss... So fügte er sich in sein Schicksal und nahm das Tuch, um seine Augen zu verbinden. Keine Sekunde, nachdem seine Finger einen festen Knoten geknüpft hatten, rief Ayumi ihre Helferin herbei. Der Junge ließ es sich nicht anmerken, doch sein Herz begann plötzlich schneller zu klopfen. Was wenn etwas schief gehen würde? War Emiko überhaupt in der Lage zu kämpfen?

      Seine Sorgen blieben nicht lange offen, denn Ayumi erklärte sogleich die Regeln dieser Aufgabe. Etwas erleichtert, nickte der Junge in die Richtung, aus der die Stimme ihm Anweisungen gegeben hatte. Es wäre wohl einfacher gewesen seine natürlichen Verteidigungsmuster einzusetzen, doch sah er es als kleine Challenge nicht zu viele Treffer von Emiko einzustecken. Diese würde wahrscheinlich alles daran setzen ihm den Ärger von vorhin heim zu zahlen. Doch das war okey. Besser hier, als drinnen.

      Mit verbundenen Augen, ging Kaoru eine kleinen Kreis und sprang ein mal auf und ab, ehe er sagte: "Gut. Ich bin bereit." Die Körperhaltung, die er eingenommen hatte, erinnerte wenig an einen Kämpfer. Es sah eher aus, als hätte er gestern zu viel getrunken und jetzt Mühe aufrecht zu stehen.

      ---

      Jakuji wollte schon damit beginnen ihre Aura anzusprechen, als Kohane noch ein paar Rückfragen zu den Rollen hatte.
      Er kam einen Moment ins Stolpern, da er die letzte Jahre so in seiner Welt gelebt hatte, hatte er völlig vergessen, dass es auch Dämonen gab die nicht alles über ihn und seine Geschäfte wussten. "Das Sakura Yoru ist ein Freudenhaus, man hat dort Spaß. Wenn du gefragt wirst, dann sind wir auf der Suche nach schönen Frauen und Männern, die gerne etwas Geld verdienen möchten." Erklärte Jakuji mit ruhiger Stimme und einem leicht belustigten Gesichtsausdruck. "In Echt möchte ich mit dir ein paar Bekannte besuchen und vielleicht ein paar Gefallen einfordern gehen. Und es wäre ungünstig, wenn jemand wüsste, dass wir auf dem Weg sind. Sagen wir... Diese Bekannten sind meist etwas schüchtern und gehen... Besuch... lieber aus dem Weg." Offenbarte er ihr sein Vorhaben.

      Die absteigende 6 schloss demonstrativ seine Augen. Wenige Sekunden später, war schon nichts mehr von seiner dämonischen Aura zu spüren. "Wenn du Sonst noch Fragen hast, dann frag. Ich warte so lange, bis ich deine Aura nicht mehr fühlen kann." Kündigte er an und blieb unverändert stehen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Sie musste es selbst schaffen, fragen oder eine andere Lösung finden.
    • Ayumi beobachtete ihren Schüler für einen Moment und legte dann leicht den Kopf schief, als sie die Haltung sah, die er eingenommen hatte. Nun gut… sie wirkte nicht wirklich stabil, aber sie würde es fürs Erste unkommentiert lassen. Zunächst wollte sie – ohne ihn sofort zu korrigieren – sehen, was er wirklich draufhatte.

      Ihr Blick wanderte wieder zu Emiko, die Kaoru ebenfalls mit einem undefinierbaren Ausdruck musterte.
      „Emiko.“, sagte die Säule schließlich. „Komm bitte her.“
      Sie winkte die Bedienstete näher zu sich heran.
      Emiko, die eigentlich schon ziemlich scharf darauf gewesen war, sich die kleinen Bälle zu schnappen und einem gewissen Schüler entgegenzupfeffern, hielt inne.
      „Uh… ja, natürlich, Ayumi.“, nuschelte sie zögerlich und trat ein paar Schritte näher.
      Die Säule nahm vorsichtig eine der Blutnadeln aus dem Glas und steckte sie in das kleine Brusttäschchen ihres Kimonos.
      „Damit Kaoru auch eine faire Chance hat...-“, begann sie mit einem wissenden Lächeln,
      „-...trägst du eine der Blutnadeln bei dir, damit er deine Angriffe vorausahnen kann – wenn er sich gut genug konzentriert.“
      Dann senkte sie ihre Stimme zu einem kaum hörbaren Flüstern, das Kaoru nicht mehr erreichen konnte.

      Emiko nickte langsam, als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Auf leisen Sohlen begab sie sich zu der Kiste mit den kleinen Bällen, nahm zwei davon heraus – und näherte sich dann noch vorsichtiger Kaoru.
      Langsam schlich sie um ihn herum, wie ein Raubtier, das sich darauf vorbereitete, seine nichtsahnende Beute anzuspringen.
      Als sie sich schließlich auf seiner rechten Seite befand, holte sie aus und warf den ersten Ball – gezielt auf seine Schulter.

      Ayumi beobachtete derweil alles aufmerksam vom Rand aus. Während sie jede Bewegung ihres Schülers analysierte, konnte sie nicht umhin, sich zu fragen, was genau Kaoru und Emiko eigentlich wirklich voneinander hielten...

      ~~~

      Aufmerksam hörte sich die junge Dämonin die Erklärung ihres Lehrmeisters an und zog dabei nur noch mehr ihre Augenbrauen zusammen.
      „Ein Freudenhaus? Was soll denn bitte an so einem Haus freudig sein? Werden die Frauen und Männer dort drin dafür bezahlt, irgendwelche Spiele zu spielen? So was wie Fangen oder Verstecken?“, fragte Kohane und sah Jakuji mit unverhohlener Verwirrung an.
      „Geld dafür bekommen, um Spiele zu spielen… die Menschen haben es wirklich einfach.“, murmelte sie und schüttelte leicht den Kopf, bevor sie sich die Maske etwas genauer ansah.
      Als Jakuji dann erwähnte, dass seine Bekannten Besuch lieber aus dem Weg gehen, begann wieder ein verschlagenes Glitzern in Kohanes Augen aufzublitzen.

      „Ach so?… Und du willst Gefallen bei ihnen einlösen? Haben sie Schulden bei dir?“, fragte sie neugierig, setzte sich die Maske auf und begann schon jetzt in vorfreudiger Manier mit den Fingern zu knacken.
      „Müssen wir sie dazu zwingen, den Gefallen auch wirklich einzulösen? Das kann ich übernehmen! Ich bin gut im Einschüchtern, weißt du?“, sagte sie und hob überheblich das Kinn.

      Doch dann bemerkte sie, worauf ihr Lehrmeister eigentlich gerade wartete.
      „Uh… ach ja.“, murmelte sie und begann sich zu konzentrieren – wie vorhin bei der Jagd – um ihre Präsenz so gut wie es ihr eben möglich war zu verschleiern.
    • Erst hatte Kaoru die beiden Damen des Hauses noch zusammen sprechen hören, dann war es auf einmal ganz still.
      Mit größter Mühe, versuchte er die Position der Nadeln zu lokalisieren, doch seine Sinne schlugen, wie er erwartet hatte, nicht an. Ihn selbst störte das im Moment eher weniger. Wichtiger war es nun auch die ankommenden Bälle zu achten. Seine Ohren lauschten in die Umgebung, doch der dumme Wasserfall war viel zu Laut, als dass er die Schritte von Emiko hätte richtig deuten können.
      Es blieb ihm wirklich nichts andere übrig, als zu warten und sehr sehr feinfühlig auf die Umgebung zu achten.
      Insgeheim hoffte er darauf, dass Emikos Emotionen seine Wahrnehmung zusätzlich triggern würden. Denn anders als Ayumi, die ihm keinen Besen über ziehen wollte, hatte Emiko ein deutlich höheres Aggressionen Potential.

      Der Dämonenjäger atmete konzentriert ein und aus, sammelte all seine Energie und wartete. Mit einem Mal, glaubte er eine winzige Menge dämonischer Mordlust zu verspüren, die sich ihm schnell aus relativ kurzer Distanz nährte. Reflexartig glitt eine seiner Hände zum Schwert, drehte dann aber, zusammen mit dem ganzen Körper ab. Auch der Hauch seiner Atemtechnik lag bereits in der Luft, wurde jedoch nicht vollständig ausgelöst. Im Endeffekt hatte der Schwertkämpfer seinen Oberkörper gedreht und einen kleinen Schritt zurück gesetzt, so dass er nur minimal seinen eigentlich Standpunkt verändern musste. Seine Haltung wurde, im Moment des Ausweichens, deutlich kontrollierter, verlor dann wieder an Spannung.

      Kaoru presste nachdenklich die Lippen zusammen. Er wusste nicht, ob ihn der Ball gestreift hatte oder nicht. Oder wie viele Bälle noch folgen würde. Daher blieb er bei der Sache und wartete auf den nächsten Angriff.

      ---

      Jakuji war sich nicht sicher, ob seine Schülerin ihn gerade auf den Arm nehmen wollte oder nicht. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie so uninformiert war. "Die spielen nicht nur, sie verkaufen auch ihre Körper für Geld." Erklärte er und versuchte dabei ruhig zu bleiben.

      Ihr Angebot klang recht verlockend, doch es wäre dem Dämonen lieber nicht gleich einen ganzen Häuserblock, mit einer Kohane Bombe zu zerstören. Sondern bedacht vorzugehen. "Werden wir sehen. Wenn wir kämpfen, dann nur mit unseren Fäusten. Es darf nicht aussehen wie ein Dämonenangriff." Bemühte er sich ihren Ehrgeiz etwa zu zügeln.

      Als die junge Dämonin ihre Präsenz verbarg, achtete der Dämon genau darauf, wie stabil sie diesen Zustand halten konnte. Das Tierblut zeigte bereits seine Wirkung. Es war nicht perfekt, doch durchaus annehmbar. Nur eine Sache musste er nun noch testen. Blitzschnell, stieß die absteigende 6 nach vorne und versetzte seiner Schülerin einen kräftigen Ruck, sodass sie etwas das Gleichgewicht verlieren würde, jedoch ohne sie unnötig zu verletzen oder zu Poden zu werfen.
      Er achtete darauf, ob sie ihren Fokus beibehielt oder sich dabei vergaß.
    • Emiko zog leicht genervt die Augenbrauen zusammen, als der von ihr geworfene Ball sein Ziel verfehlte. Ayumi hingegen beobachtete die Situation aufmerksam und deutete Emiko mit einem Nicken an, weiterzumachen.
      Emiko blickte von Kaoru zu Ayumi und nickte entschlossen zurück, um zu zeigen, dass sie die Anweisung der Säule verstanden hatte.

      Wieder schlich sie wie eine Wildkatze – oder eher wie ein wildgewordenes Frettchen – um Kaoru herum.
      Diesmal näherte sie sich von seiner linken Seite. Sie war gerade schon dabei, mit dem Ball auszuholen, hielt dann aber inne.
      "Wäre ein Angriff von der gleichen Seite nicht zu offensichtlich?", fragte sie sich und kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe. Schließlich entschied sie sich, ihre Taktik zu ändern.

      Leise setzte sie sich erneut in Bewegung, konnte es jedoch nicht verhindern, dass ihre Geta-Schuhe gelegentlich gegen kleinere Kieselsteine stießen.
      Nach einem kurzen Moment befand sie sich hinter Kaoru und betrachtete den Ball in ihren Händen.
      "Der Ball ist nicht wirklich hart… es würde ihn also nicht verletzen, wenn ich auf seinen Hinterkopf ziele…", dachte sie, schüttelte dann aber rasch den Kopf, um diesen Gedanken wieder loszuwerden. Warum...machte sie sich überhaupt Gedanken darüber?

      Sie richtete ihren Blick wieder auf Kaoru, holte aus – und warf diesmal mit klarer Absicht auf seinen Hinterkopf.

      ~~~

      Kohane guckte nun noch blöder aus der Wäsche. „HÄ?!“, fragte sie und verzog ihr Gesicht unter der Maske zu einer Grimasse.
      „Die verkaufen ihre Körper, um sich fressen zu lassen?!“, schlussfolgerte sie geschockt und kam nicht umhin, sich zu fragen, wer denn bitte so blöd sein konnte, sich freiwillig fressen zu lassen. Außerdem bekam man dann doch das Geld gar nicht mehr?!

      Sie nickte nur abwesend und in Gedanken verloren, als ihr Lehrmeister sagte, dass sie nur mit den Fäusten kämpfen würden. Zwar passte ihr das nicht wirklich, aber sie würde es nicht laut vor ihm aussprechen. Viel lieber wollte sie wissen, warum man sich freiwillig fressen lassen wollte?!

      Doch eine Antwort bekam sie nicht mehr, denn ihr Lehrmeister stieß plötzlich blitzschnell vor und versetzte ihr einen kräftigen Ruck.
      Untypisch für Kohane quietschte sie erschrocken auf und stolperte ein paar Schritte zurück, bevor sie sich wieder fangen konnte.
      Ihre Präsenz geriet anfangs gefährlich ins Schwanken, doch nach einem kurzen Moment schaffte sie es, diese wieder zu stabilisieren.
      „Für was war das denn?!“, fauchte sie ihn empört an und stampfte ihm bereits wieder entgegen.

      „Jetzt bin ich dran!“, verkündete sie und hob ihre Arme, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
    • Erneut wartete der Junge darauf einen Ball zu spüren, der ihn treffen sollte. Dieses Mal lies dieser etwas länger auf sich warten, als der Letzte. Im Rauschen des kleinen Wasserfalls, war es ihm, wie zuvor auch schon, nicht möglich die ganzen Geräusche am Boden richtig zu deuten. Seine Ohren waren wohl nicht dafür gemacht.

      Als Emiko den Ball zum Wurf ansetzte, konnte Kaoru bereits spüren, wie eine undefinierbare Mischung aus gegensätzlichen Energien den kleinen Ball erfüllte. So war die Richtung, aus der der Ball kommen würde, bereits bekannt. Dies wiederum ließ den Schwertkämpfer seinen Körper in die Richtung des Mädchens drehen. Dabei nahm seine Haltung eine deutliche Kampfpose ein. Erneut musste er aktiv seine Hand davon abhalten zum Schwert zu greifen. Seine Atmung, die eindeutig auf die Dämonische Absicht reagierte, hielt er dieses Mal nicht zurück. Schließlich hatte niemand gesagt, wie er den Bällen ausweichen sollte. "Fünfte Form – Leere Reflexion..." Murmelte der Junge, als der Ball die Hand des Mädchens verlassen hatte.

      Im Angesicht der Tatsache, dass er noch immer nichts sehen konnte, was äußerst schlecht war, wenn man sich sehr schnell an anderen Punkt bewegen wollte und man dies erst realisierte, wenn es zu spät war, orientierte er sich an der einzigen Position, die ihm blieb. Der Ursprung des Balles, also Emiko. Viel mehr die kleine Nadel, die er nun erstaunlicherweise doch etwas wahrnehmen konnte. Vielleicht hatte die Energie in der Nadel nur eine Weile gebraucht um stimuliert zu werden?

      An Kaorus ursprünglicher Position änderte sich optisch erst einmal nicht viel. Dafür erschuf seine Atemtechnik ein perfektes Abbild seiner selbst, sodass der Ball tatsächlich den Hinterkopf seines Doppelgängers traf, dann aber einfach hindurch flog.
      Zeitgleich war sein eigentlicher Körper auf die kleines Nadel zu gesprintet, die sich in Emikos Täschchen befand. Er tauchte neben Emiko auf, als der Ball gerade den Boden, vor den Füßen seines Doppelgängers berührt hatte. Man konnte, wenn man ihn beobachtet hatte, darauf schließen, dass seine Bewegung einen Umweg genommen hatte, um nicht ins Kreuzfeuer anderer Projektile zu gelangen, die eventuell zusätzlich auf den Doppelgänger abgefeuert wurden.

      Ein leichter Windhauch folgte seinem plötzlichen Erscheinen, neben Emiko-Chan, als Kaoru sein Schwert gerade wieder zurück in die Scheide schob, denn auf dem Weg war es ihm irgendwie, zur Hälfte, heraus gerutscht.
      Etwas gestresst von der Tatsache, dass er seine Schwerthand nicht gänzlich unter Kontrolle hatte, versuchte Kaoru dennoch locker zu wirken. Zeitgleich löste sich das Spiegelbild auf. "Möchtest du mir etwas mitteilen?" Flüsterte er leise, dem Mädchen zu, denn irgendwie verletzte es ihn, dass sie es geschafft hatte seine Verteidigung aktiv zu triggern.
      Seiner Meinung nach konnte dies nur den Schluss zu lassen, dass sie bereit war ihn auch zu verletzen.

      ---

      Jakuji war sich nicht sicher, ob Kohane ihn einfach auf den Arm nehmen wollte, weshalb ihre Frage, zum Körper fressen, erst unbeantwortet blieb.
      Der kleinen Ruck, den sie erlitten hatte, schien ihr nur sehr wenig aus zu machen. Was, wie der Dämon fand, eine sehr gute Leistung war. Jemand der nicht darauf bedacht ist, dämonische Präsenz aktiv aufzuspüren, würde dieses Schwanken vielleicht gar nicht einordnen können.
      Ihrer Reaktion zu Folge, hatte er sie sehr kalt erwischt, was ihm irgendwo etwas Leid tat, denn anscheinend hatte sie nicht damit gerechnet ohne Grund von ihm angegriffen zu werden. Eine Art Vertrauen?

      Gerade wollte er die Dämonin für ihre Leistung loben und weiter ziehen, da setzte sie zum Gegenangriff an.
      Zuerst öffnete Jakuji die Augen und starrte nur ungläubig drein, als der kleine Dämon mit den Händen auf ihn zu kam. Anstatt sie aber weg zu stoßen, ließ er sie einfach in sich hinein laufen. Dabei nutzte er seine Hände, um die Ihren in dem Moment von seinem Körper zu lenken, an dem sie den meisten Druck hatten, sodass Kohane, falls sie nicht schnell genug reagieren würde, einfach in ihn hinein laufen würde. "Das war ein Test. Und er war in Ordnung. Dein Kopf soll schließlich bleiben wo er ist." Erklärte der Dämon seiner Schülerin.

      "Auf dem Weg in die Siedlung erkläre ich dir das Sakura Yoru." Versuchte er sie zu beschwichtigen und war bereits ihr einmal kurz auf den Rücken zu klopfen, falls sie tatsächlich in ihn hinauf laufen würde. Also eine Umarmung-Light-Version.

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    • Emiko wollte sich gerade noch über ihren kleinen Erfolg – und darüber, dass sie Kaoru somit die Nummer mit dem Tee beim Frühstück heimzahlen konnte – freuen, als der Ball geradewegs… durch den Hinterkopf des Schülers flog?
      Die junge Bedienstete weitete überrascht ihre Augen, doch bevor sie auch nur die Chance hatte, weiter zu reagieren, spürte sie plötzlich einen leichten Windhauch neben sich und dann: „Möchtest du mir etwas mitteilen?“

      „Wuaaa!“, quietschte sie vollkommen erschrocken auf und holte reflexartig mit ihrer flachen Hand aus.
      Aber bevor ihre Handfläche Kontakt mit Kaorus Wange aufnehmen konnte, schloss sich plötzlich sanft Ayumis Hand um das Handgelenk der jungen Bediensteten. „Emiko, nicht...“, sagte sie ruhig.

      Emiko zuckte überrascht zusammen und sah schuldbewusst zwischen Ayumi und Kaoru hin und her. „Ich-… ich wollte nicht… wirklich!– Ich-… ich hab mich nur erschrocken, weil er so plötzlich einfach neben mir stand… ich wollte ihm nicht wirklich wehtun…“, nuschelte sie leise - schon fast panisch, und mit jedem Wort wurde ihre Stimme vor Scham ein klein wenig leiser. "...es tut mir leid."

      Ayumi nickte leicht und löste ihre Hand wieder von Emikos Handgelenk, woraufhin diese ihre Hand sofort zurückzog und schuldbewusst auf den Boden schaute. "Das weiß ich Emiko. Mach dir keine Gedanken, es ist alles gut."
      Die Säule, die Kaoru bis eben ganz genau beobachtet hatte, wandte sich währenddessen wieder ihrem Schüler zu und nickte anerkennend. „Kaoru, das hast du gut gemacht. Du kannst die Augenbinde wieder für einen Moment abnehmen.“, sagte sie – und man konnte deutlich aus ihrer Stimme heraushören, dass sie beeindruckt von seiner Atemtechnik gewesen ist.

      ~~~

      Kohane schnaubte beleidigt, als ihr Lehrmeister schließlich erklärte, dass es sich bei der Aktion von gerade eben lediglich um einen Test gehandelt hatte. „Was für ein blöder Test…“, knurrte die junge Dämonin leise unter ihrem Atem und zog die Hände, mit denen sie ihn gerade eigentlich ebenfalls schubsen wollte, wieder langsam zurück.

      Nichtsdestotrotz zuckten ihre Mundwinkel ein klein wenig zu einem stolzen Grinsen – auch wenn sie den Test für unnötig empfunden hatte, war sie doch ein klein wenig stolz darauf, dass sie ihn bestanden hatte.
      Dann jedoch sah sie seine Bewegung, zuckte unwillkürlich leicht zusammen und schaute ihn mit einem misstrauischen Gesichtsausdruck an, was er aber durch die Maske natürlich nicht wirklich sehen konnte.
      „Was wolltest du gerade machen?“, fragte sie und beobachtete ihn nun aufmerksam. "Gerade mit deiner Hand...was wolltest du tun?", fügte sie hinzu, um ihre Frage noch zu verdeutlichen.
    • Der Schwertkämpfer verharrte weiter in seiner Position, denn viel mehr als die gesprochenen Worte, hatte er nicht vernommen. Was auch immer gerade passiert war, es wurde wohl im richtigen Moment von Ayumi vereitelt.
      Erst als Emiko etwas von "Wehtun" stammelte, horchte der Junge kurz auf. Hatte sie ihn aus Schreck versucht anzugreifen? Wundern würde es ihn nicht, bei ihrer unkontrollierten Art.

      Wie befohlen, nahm er seine Augenbinde ab und blinzelte etwas gegen das helle Licht. Anschließend verneigte er sich leicht vor seiner Lehrerin und antwortete: "Danke für euer Lob, Sensei." Bevor er sich wieder aufrichtete und seinen Blick über den Boden des Geländes gleiten ließ. Auf einem unebenen Untergrund mit mehr Hindernissen hätte seine Technik wahrscheinlich keine Wirkung gehabt, solange seine Augen verbunden waren. Aber wer konnte schon ohne etwas zu sehen die Umgebung wahr nehmen?

      Auf Emiko wollte er fürs Erst nicht weiter eingehen. Zu Groß war die Gefahr, dass er durch seine aktuelle Stimmungslage mehr Öl ins Feuer goss, als es nötig war. "Möchtet ihr fortfahren?" Fragte Kaoru zielstrebig und wartete auf die Antwort.

      ---

      Die absteigende 6 zuckte gekünstelt mir den Achseln. "Ach je, für einen Moment sah es aus, als wolltest du mich auch schubsen. Da hab ich Lust auf ein Paar Ohren bekommen..." Antwortete er und setzte seine Maske auf, um endlich weiter zu kommen. Sein Plan war wohl nicht ganz aufgegangen. Gerne hätte er gesehen, wie die kleine Dämonin so richtig die Fassung verloren hätte. Etwas Wut wäre nicht schlecht gewesen, den Schreck hatte er bereits geprüft.
      "Sonst noch irgendwelche Unklarheiten? Die Zeit wird knapp, das Luftschiff wartet nicht auf uns." Drängte er und ging schon mal los, ohne einen weiteren Blick nach hinten zu werfen, ob sie ihm folgte.

      Ein paar Minuten Später, hatten Jakuji den Wald verlassen und blickte, von eine Anhöhe, hinunter auf besagte Siedlung. Von hier sah man schon das riesige Luftschiff, in das bereits die ersten Gäste eingelassen wurde. Die Siedlung selbst war ca. 500m vom Waldrand entfernt. Der Dämon betrachtete erst alles ganz genau, um potentielle Jäger auszuschließen. Das wiederum würde Kohane etwas Zeit verschaffen, falls sie noch nicht gefolgt war.

      Im Anschluss trabte Jakuji, gelassen wie ein Wandersmann, den kleinen Weg entlang und steuerte damit direkt auf das Haupttor der Siedlung zu, an dessen Eingang nur eine Wache mit einem bronzenen Blashorn und einem Wachhund saß.
    • Ayumi überlegte für einen Moment, als sie Kaorus zielstrebige Frage hörte, und nickte dann langsam.
      „Ja, du scheinst noch genug Kraft zu haben. Wir machen noch ein bisschen weiter.“, sagte sie, blickte kurz zu Emiko – und dann wieder zurück, als ihr plötzlich ein Einfall kam.
      „Ich weiß schon, wie wir weitermachen.“, sagte sie entschlossen und fixierte Kaoru erneut mit ihrem Blick.
      „Es war beeindruckend, wie du dich Emiko trotz verbundener Augen nähern konntest.“, begann sie und erklärte direkt weiter:
      „Der Hintergrund, warum wir gerade jetzt am Anfang deine Sinne trainieren, ist folgender, Kaoru: Dämonen – gerade die intelligenteren unter ihnen oder jene mit einem höheren Rang – werden dich und deine Kampftechnik ganz genau beobachten. Wenn sie bemerken, dass du dich besonders auf deine Augen verlässt, werden sie versuchen, dir die Sicht zu nehmen.“
      Sie machte eine kurze Pause.
      „Merk dir immer eines: Dämonen kämpfen nicht fair. Und das solltest du auch nicht. Deshalb ist es wichtig, dass du lernst, auch ohne deine Augen kämpfen zu können.“
      Einen Moment lang schwieg sie, ihr Blick glitt erneut zu Emiko, die noch immer mit gesenktem Kopf stand, bevor sie wieder zu Kaoru sah.
      „Wenn du dich perfekt ohne deine Augen orientieren und verteidigen kannst, gehen wir zu den anderen Sinnen über. Aber zunächst –“, sagte sie und wandte sich wieder an Emiko:
      „Emiko. Würdest du dich bitte im Wald verstecken?“, fragte sie mit ruhiger Stimme und wartete geduldig auf eine Antwort.

      Emiko hob schlagartig den Kopf und weitete überrascht die Augen.
      „Wie bitte?“, fragte sie, als hätte sie Ayumi gerade nicht richtig verstanden.
      „Bitte geh dich im Wald verstecken.“, wiederholte die Säule mit einem leichten Lächeln.
      „Kaoru wird in zehn Minuten versuchen dich zu finden. Keine Sorge – seine Augen bleiben verbunden. Such dir ein gutes Versteck. Du darfst es während des Spiels wechseln, wenn du merkst, dass er dir zu nah kommt. Wegrennen ist auch erlaubt.“

      Emiko blickte nun ziemlich blöd aus der Wäsche.
      „Was für eine Art von Spiel soll das denn sein?!“, dachte sie nur. Immer wieder öffnete und schloss sie den Mund, als wüsste sie nicht, was sie sagen sollte.
      Schließlich brachte sie doch ein paar Worte hervor: „Muss ich wirklich als Versuchskaninchen herhalten? Kann das nicht jemand anderes machen? Ich muss doch noch die Körbissuppe machen…“
      Doch Ayumi grinste nur und schüttelte den Kopf. „Die Suppe kann warten. Bitte, Emiko. Ich brauche dich dafür.“, sagte die Säule und setzte ihren besten Welpenblick auf.

      Emiko biss die Zähne zusammen, erkannte aber schnell, dass sie wohl keine andere Wahl hatte.
      „N-na gut… dann werde ich mich jetzt verstecken gehen…“, nuschelte sie fast schon nervös, warf Kaoru noch einen kurzen Blick zu, bevor sie schließlich in den nahgelegenen Wald lief.

      Ayumi sah Kaoru wieder an. „Ich nehme an, du hast deine nächste Aufgabe bereits verstanden? In zehn Minuten wirst du in den Wald gehen und versuchen, Emiko nur anhand der Blutnadel zu finden, die sie bei sich trägt. Deine Augen wirst du dir dafür wieder verbinden. Du wirst dich nicht nur darauf konzentrieren müssen, Emiko zu finden, sondern auch, dich auf unebenem Gelände zu orientieren.“

      ~~~

      Kohane weitete unter der Maske ihre Augen und hielt sich fast schon panisch die Hände über die Ohren.
      „Wenn du auch nur daran denkst, mir eins meiner Ohren abzubeißen, werde ich dir ganz andere Dinge abbeißen, hörst du?! Ganz andere Dinge!“, fauchte sie und dachte daran, dass es für ihn bestimmt nervig sein musste, die Hälfte seiner Finger abgebissen zu bekommen.

      Doch als ihr Lehrmeister dann ohne ein weiteres Wort losging, lief sie ihm hastig hinterher.
      „E-ey, warte doch!“, jammerte sie und erinnerte sich dann aber daran, dass sie sich in der Nähe der Siedlung befanden. Sie senkte ihre Stimme, die manchmal – sehr oft – einfach viel zu laut war. Gerade in Momenten, wenn sie – oft versehentlich – ihre Blutdämonenkunst einsetzte.
      Schnell holte sie ihn ein und lief nun neben ihm her. Der ihr gegebene Umhang und die Maske saßen wie angegossen. Nur die Kapuze zog sie sich noch über den Kopf, um ihre eher ungewöhnlichen silbernen Haarspitzen zu verstecken.

      Das Thema Sakura Yoru hatte sie schon wieder vollkommen beiseite geschoben. Erst recht, als sie den Wachhund bemerkte, der regungslos neben der Wache saß.
      Ihre Augen begannen zu funkeln, und sie zog leicht an dem Ärmel ihres Lehrmeisters, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen.
      „Schau mal… ein Hund.“, flüsterte sie schon fast aufgeregt.
    • Aufmerksam hörte der Schüler dabei zu, als Ayumi ihm von den stärkeren Dämonen erzählte. Auch wenn er bereits wusste, dass sie nicht fair waren, schluckte er seine Ungeduld hinunter und versuchte bei der Sache zu bleiben. Je mehr Ayumi erzählte, desto weniger Lust hatte er darauf mit verbunden Augen durch den bekackten Wald zu gehen. Ihre Argumente klangen schlüssig, doch das änderte nicht wirklich viel an seiner Einstellung. Folgsam, wie er sein wollte, nickte er ihren Worten immer wieder zu.
      Emiko schien ebenfalls keine Lust darauf zu haben, sich im Wald zu verstecken. Und da sie die Erlaubnis bekam weg zu laufen und ihren Standort nach Belieben zu wechseln, konnte es sich Kaoru nicht mehr verkneifen etwas genervt aus zu atme. Damit war der Tag nun wohl besiegelt. Er würde wie ein Trottel durch den Wald laufen und sich die Nase platt hauen.

      "Wie ihr wünscht..." Stimmte er dennoch zu. Dann würde sie eben den ganzen restlichen Tag warten müssen. Eine solche Fähigkeit zu lernen war nichts, was ein Mensch in wenigen Stunden meistern würde. Zwar hatte sein damaliger Lehrer ihm die Grundlagen mit auf den Weg gegeben, doch war Kaoru stets damit beschäftigt gewesen seine Atemtechnik zu perfektionieren. Die Grundlagen der Wahrnehmung, wie man bereits gesehen hatte, waren für ihn eher ein lästiges Übel, als eine Bereicherung.

      Bevor sich Kaoru die Augen verband, entledigte er sich seiner Schuhe und seine Kimonos. Die dünne Stoffhose und das Hemd, die er noch trug, krempelte er sorgfältig nach oben. Den Kimono faltete er ordentlich zusammen und legte diesen, zusammen mit den Schuhen, an eine kleine Holzbank. Als dies soweit erledigt war, kehrte er zu Ayumi zurück und verband seine Augen, ganz wie sie es wollte.

      Es schien, als wolle Kaoru noch etwas sagen, doch ging er statt dessen direkt los. Blind und leicht genervt von den dummen Steinen, die ihn in seine sauberen Füße stachen. Zum Glück hatte er sich wenigstens den Weg in den Wald einprägen können, sonst wäre er nach wenigen Schritten bereits in den kleinen Bach gefallen. Am Waldrand, den er durch die Wurzeln unter seinen Füßen identifizieren konnte, hielt der Junge inne und versuchte die Nadel zu orten. Ein schwacher, kaum spürbarer Impuls. Erneut seufzte er tief, denn das Mädchen hatte sich wohl wirklich versteckt.

      Mit den Händen voraus, tastete sich der Schwarzhaarige durch das Unterholz. Dabei schlugen seine Füße, Knie, Hände und sogar die Schultern immer und immer wieder gegen diverse Hindernisse. "So ein Dreck." Murmelte er, als seine Füße in einem Gestrüpp aus Dornen landeten. Dennoch ging er einfach weiter, sodass seine Beine von den kleinen Dornen regelrecht zerschnitten wurden. Im Dunkel seiner Selbst, konzentrierte er sich einfach weiter auf den Ursprung der Nadel.

      Die Hindernisse kamen und gingen. Und ebenso verging die Zeit. Wie viel davon, konnte Kaoru nicht sagen, doch es musste eine ganze Menge sein. Ob es überhaupt noch hell war? Egal. Er konnte so oder so nichts sehen. Einmal über einen Stein gestiegen, sich das Knie angeschlagen und in etwas schleimiges getreten, konnte er seinen nächsten Anfall nur mit viel Mühe unterdrücken.
      Es schien auch so, als würde er der Nadel überhaupt nicht näher kommen. Klar, denn immer wenn er in ihrer Nähe war, rannte Emiko wahrscheinlich voller Freude in die nächste beschissene Ecke, voller Dornen und Schnecken. Er hoffte zumindest dass es Schnecken waren und keine Bärenkacke.

      ...Wie war das nochmal?... Konzentration auf...Dinge...Puh... Fokus... auf... Nein... Oder? Ich kotz gleich... Versuchte er eine Lösung für ein Problem zu finden. Da ihn das nicht weiter brachte. Atmete er eine Weile vor sich hin, ohne sich zu bewegen. Hörte auf die Geräusche in der Umgebung und versuchte sein Inneres wieder in Einklang zu bringen. Seine Wahrnehmung war anderes, seine Organe durchschnittlich. Es erschien ihm sehr unwahrscheinlich auf diesem Weg Erfolg zu haben. Nicht ohne mehrere Monate durch diesen beschissenen Wald zu irren. Und bevor er es schaffen würde, blind zu kämpfen, hätte sein Gehirn den ganzen Wald kartographiert.

      ---

      Jakuji schüttelte nur nachdenklich den Kopf. Sie wusste nichts über Bienchen und Blümchen, wollte ihm aber Dinge abbeißen? Irgendwie ergab das alles wenig Sinn.

      Plötzlich hallte die Stimme der kleinen Dämonin hinter ihm, doch ein kurzer Blick über die Schulter hatte ihr wohl verraten, dass es hier nicht mehr angebracht war so auffällig zu sein.

      Unten, am Eingang der Siedlung, Kohane hatte tatsächlich aufgeholt, zog es plötzlich an Jakujis Kimono. Verwirrt blieb er stehen und betrachtete seine maskierte Begleiterin, die wohl Gefallen an dem Hund gefunden hatte. Die Wache Scherte sich recht wenig um die Beiden maskierten, denn es war üblich, dass Mitarbeiter von Freudenhäusern ihr Gesichter verdeckten, um im Privaten Umfeld nicht geächtet zu werden. "Du hattest eben einen Hirsch." Flüsterte Jakuji zurück und sah kurz um Wachmann hinüber, der nur abwinkte.
      "Nein. Der Hund bleibt hier. Ihr dreckigen Bordellbetreiber und eure kranken Spielchen. Schleicht euch zum Dämonen!"Schimpfte er stämmige Mann und stand, die Faust drohen angewinkelt, von seinem Stuhl auf, der in einer kleinen Nische am Tor stand.

      Jakuji packte Kohane am Arm und zog sie wortlos in Richtung des Luftschiffes. An der Station angekommen, warf er zwei Münzen in eine kleine Schale und erhielt dafür zwei Tickets.
      Das Luftschiff stand bereits über ihnen und war, durch einen kleinen Turm mit Platform, mit dem Boden verbunden. An einem eisernen Drehkreuz, kontrollierte ein weiterer Mitarbeiter die Karten und wies die Beiden an der Treppe, nach oben, zu folgen.
      Oben auf der Plattform, ein ähnliches Spiel. Die Karten wurden kontrolliert und es wurden ihnen die Plätze zugewiesen.

      Die absteigende 6 versuchte so wenig wie nur möglich zu sprechen, um Fragen aus dem Weg zu gehen. Erst als sie an den Plätzen saßen, lehnte er sich zu seiner Schülerin hinüber. "Bist du schon mal geflogen? Falls dir schlecht wird... schluck es runter..." Flüsterte Jakuji und lehnte sich entspannt zurück.
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