a moon between us [by Akkubird & yuyuumyn]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Ayumi konnte noch immer nicht ganz fassen, dass ihr Experiment wirklich geglückt ist. Sie hatte es tatsächlich geschafft, ein ganzes Rudel Dämonen zu vernichten, ohne auch nur ein einziges Mal ihre Hand an ihr Katana zu legen.
      Es war ein Durchbruch – nicht nur für sie, sondern für die gesamte Organisation der Dämonenjäger. Vor allem in Situationen, in denen sie in der Unterzahl waren. Aber... würde es auch gegen stärkere Dämonen wirken? Gegen Dämonenmonde? Gegen den Dämonenkönig Madou?
      Je länger sie darüber nachdachte, desto klarer wurde ihr: Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Sie musste es ausprobieren. Ganz einfach.

      Ihr Blick wanderte nachdenklich zum Himmel. Hauptbestandteil des Rauchs war Higanbana – die rote Spinnenlilie, auch „Totenblume“ genannt. Für Menschen nur ein Symbol. Für Dämonen... tödlich.
      Wenn sie die Konzentration des Wirkstoffs im Rauch nur weiter erhöhen würde... dann könnte er vielleicht sogar stark genug sein, um einen Dämonenmond zu vernichten. Vielleicht – mit etwas Glück – sogar den Dämonenkönig selbst.

      Ayumi runzelte die Stirn, während ihr Blick vom Himmel auf eine einzelne, tiefrote Spinnenlilie fiel, die sie vorsichtig zwischen den Fingern hielt. Ihre Gedanken kreisten. Ihre Erfindung brauchte einen Namen. Einen Namen, der die Dämonen schon bald in Angst und Schrecken versetzen würde.
      „Shien... Todeshauch...“, murmelte sie schließlich leise unter ihrem Atmen und strich mit ihren Fingerspitzen sanft über die roten Blütenblätter.

      Ein leiser Hauch von Stolz mischte sich in ihre Stimme – aber auch Hoffnung. Denn wenn sie in der Lage war, so etwas zu erschaffen... dann war vielleicht auch ein Heilmittel in greifbarer Nähe. Dann konnte sie Haruto zurückholen. Zurückverwandeln. So, wie sie es ihm geschworen hatte. Sie musste nur weiter experimentieren – und an ihrer Freundschaft festhalten.

      Ihre Gedanken schweiften zurück zu jenem verhängnisvollen Tag auf dem Friedhof. Ihr Blick fiel auf die tiefe Narbe in ihrer rechten Handfläche – eine ständige Erinnerung an das Versprechen, das sie Jakuji – nein, Haruto – gegeben hatte. An das, was sie verband.
      Freundschaft. Hoffnung. Schmerz.

      Ob ihre Namen wohl noch immer in die Rinde des alten Baumes eingeritzt waren?

      ~~~

      Gerade als Ayumi sich entschloss, weiterzuziehen, hielt sie plötzlich inne. Ihre Dämonenjäger-Instinkte meldeten sich, als sie deutlich eine neue, starke Präsenz in der Stadt spürte. Eine, die vorher nicht da gewesen ist.
      Instinktiv griff sie nach dem Griff ihres Katanas. Auch ihre andere Hand schloss sich fester um die Blüten der roten Spinnenlilie.

      Das war kein gewöhnlicher Dämon... dafür war die Präsenz viel zu überwältigend. Das konnte nur einer der Dämonenmonde sein.
      Ihre Augen huschten zurück auf die rote Spinnenlilie. Noch bevor der Gedanke zu Ende gedacht war, zog sie bereits eine der Blüten ab und schob sie unter ihre Zunge. Den Rest ließ sie wieder in der geheimen Tasche ihres Kimonos verschwinden, bevor sie auch schon zurück in die Stadt lief. Dem Ort entgegen, an dem sie zuvor die unzähligen Dämonen erlegt hatte...
    • Jakuji schloss die dünne Holztüre hinter sich, so dass die Sonne ihm nichts mehr anhaben konnte. Der kleine Schrein hatte einen Altar und sonst nur kleine Öffnungen durch die etwas Luft herein gelangen konnte. Der Dämon suchte sich alles was er fand zusammen, um die Öffnungen ebenfalls von innen abzudichten. Als dies erledigt war, saß er eine ganze Weile vor dem Altar und dachte darüber nach, was die letzten Stunden passiert war. Der Dämon winkelte die Beine an und legte anschließend seinen Stirn auf die Knie, wobei die Pranken das Gesicht verdeckten. Vielleicht war Madou gar nicht grenzenlos mächtig? Damals hatte er ihm sein eigensinniges Herz nicht nehmen können und jetzt auch nicht. War es also nur ein Versuch gewesen Jakujis Willen zu brechen und dadurch den Verrat an Ayumi das letzte Bisschen Menschlichkeit in ihm abzutöten? Der Dämon schlug wütend gegen den Altar, sodass der Aufprall die dumpf widerhallte.
      Wenn er jetzt aufgeben würde, hätte der ganze Schmerz ein Ende. Bis zum ersten Treffen mit Ayumi hatte er keine dieser Probleme gehabt. Kein Gewissen, keine Reue... und schon gar keine Brustschmerzen.

      Wütend und gebrochen gleichzeitig, kauerte sich Jakuji wieder ein und dachte darüber nach was er nun tun sollte. Ob er Ayumi davon erzählen sollte? Ob ihr das dabei helfen würde ein Heilmittel zu finden? Was wenn Madou genau darauf wartete? Er würde sie ohne zu zögern aus dem Weg räumen und damit wohl auch seinen Willen brechen.

      ---

      Kuroketsu beugte sich zu den Verflossenen hinunter und nahm prüfend eine Fingerspitze ihres Gewebes auf, welches er dann zwischen Zeigefinger und Daumen verreib. Für gewöhnlich lösten sich die Körper der Dämonen anderes auf. Diese hier schienen eher zersetzt worden zu sein. Wie von einer Art säure. Prüfend nahm der Dämonenmond einen weiteren Finger der Suppe und tippte damit gegen seine Zungenspitze. Ein widerlicher Geschmack trieb ihm den Speichel in den Mund. Diese Dämonen waren definitiv nicht einfach nur gestorben. Jemand oder etwas hatte sie förmlich zersetzt. Das Fleisch und das Blut war nicht mehr heraus zu schmecken.
      Angewidert spuckte der Mond aus. Diese Information musste er um jeden Preis weiter geben. Doch zuerst galt es noch heraus zu finden wer diese Dämonen so zugerichtet hatte.
      Kuroketsu stand eine Weile da und atmete ganz ruhig ein und aus. Seine Sinne waren scharf genug auch wenn der Haufen stinkender Suppe am Boden es nicht einfacher machte Witterung aufzunehmen.
      Auf und ab bewegte sich der Brustkorb des Mondes, als ein Windstoß eine Priese von etwas her wehte, was ihm bereits auf der Zunge gelegten hatte.
      Der Dämonenmond setzte sich langsam und bedächtig in Bewegung. Es war gut möglich, dass der Angreifer bereits auf ihn lauerte, doch das war kein Problem. Viele Jäger waren dem Irrglauben verfallen, dass ein schneller Erstangriff den Sieg bedeutet. Meistens scheiterten sie noch bevor die Klinge überhaupt den Körper berührt hatte.
    • Mit dem Blütenblatt der roten Spinnenlilie unter der Zunge rannte Ayumi immer weiter – der Präsenz des Dämonenmondes entgegen. Je weiter sie lief, desto stärker wurde die Präsenz.
      In all ihrer Zeit bei den Dämonenjägern hatte sie nur ein einziges Mal gegen einen der Dämonenmonde gekämpft. Damals, beim großen Lichterjubiläum in der Stadt Tatsumaki. An der Seite von Jakuji... allein hätte sie es wohl nicht geschafft, die einstige Absteigende Sechs zu besiegen. Sie mussten zusammenarbeiten – so wie früher, als sie noch Kinder waren und stets füreinander einstanden.
      Hätte die Absteigenden Sechs damals dem Dämonenkönig berichtet, was er gesehen und gehört hatte... wären sie beide – vor allem Jakuji – wären in gewaltige Schwierigkeiten geraten. Madou hätte kurzen Prozess gemacht... dem war Ayumi sich sicher.

      Doch das lag Jahre zurück. Sie ist längst kein gewöhnliches Mitglied der Dämonenjäger mehr. Sie ist eine Säule – die Säule des Eises und Schnees. Und sie hatte ihre eigene Waffe erschaffen: den Todeshauch. Es ist an der Zeit zu zeigen, was wirklich in ihr steckte.

      Schließlich – noch aus der Ferne – entdeckte sie ihn: den Dämonenmond. Er war mindestens zwei Köpfe größer als sie, doch Größe hatte noch nie einen Kampf entschieden.
      Langsam kam Ayumi zum Stehen, den Blick fest auf den Dämonen gerichtet und noch einige Meter von ihm entfernt. Ihre Finger schlossen sich erneut entschlossen um den Griff ihres Katanas.
      Sie würde nicht unüberlegt auf ihn zustürmen. Unüberlegte Angriffe waren ein Todesurteil. Und vielleicht... vielleicht konnte sie durch ihn etwas über Jakuji erfahren – ohne dass es auffiel...

      "Welcher der Monde bist du?", fragte sie dann mit lauter und fester Stimme.
    • Kuroketsu musste nicht all zu lange suchen, denn sein Angreifer kam ihm sogar entgegen. Was ihn allerdings zuerst erfreute, brachte ihn dann wiederum zum nachdenken. Was hatte diese Jägerin dazu getrieben so Zielstrebig auf ihn zu zu gehen? Sie hatte wohl keine Angst und das obwohl sie seine Aura sehr wohl spüren konnte. Er war sich sicher, dass sie diejenige sein musste, die diese Dämonen in Suppe verwandelt hatte. Der Dämonenmond blieb stehen und sah sich in aller ruhe um. Sie waren alleine. Keine weiteren Dämonen, keine weiteren Jäger. Es war noch genug Zeit, bis die Sonne auf ging. Fürs Erste war die Zeit nicht das Problem.

      Ihre Entschlossenheit spiegelte sich nicht nur in der körperlichen Haltung. Nein, auch ihre Worte waren scharf und stabil, wie ihr Schwert. Der Dämonenmond atmete einige Male tief durch, als hätte sie mit ihrer lauten Art seine Ruhe gestört.
      Schließlich ließ er die Arme locker am Körper herab hängen und rotierte die Schulterten in kreisenden Bewegungen nach vorne und hinten.
      "Da ich heute nichts mehr vor habe, können wir gerne ein kleines Spiel daraus machen, wenn du schon so anfängst." Antwortete der Mond in einem neutralen Tonfall. Zeit war seine größter Vorteil, denn je mehr er davon hatte, desto einfacher war der Kampf. Warum sollte er also einfach angreifen, wenn er auch warten und sich vorbereiten konnte?
      "Ich bin die absteigende 5. Jetzt bin ich dran: Was hast du mit den Schergen der absteigenden 6 angestellt? So was ekelhaftes gehört verboten." Beantwortete er ihre Frage und ging dabei leicht in die Knie und schüttelte anschließend die Füße aus. Dann lächelte er die Jägerin mit seinen spitzen Zähnen an und erschuf zwei blutige Schwerter, die einfach aus seinen Händen zu kommen schienen. Die Klingen ließ er einmal Kreisen und begab sich in einen stabilen Stand. Die Haltung ließ darauf Schließen, dass er nicht vor hatte aktiv anzugreifen. Anders verhielt es sich mit den Klingen. Diese brodelten und spuckten, als würden sie nach Blut und Tod verlangen. Ihre Aura schwang indessen sachte mit den Pulsation des Blutes.
    • Ayumi beobachtete den Dämonenmond – die Absteigende Fünf – aufmerksam. Ihre Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, als sie sah, wie er aus dem Nichts zwei blutige Schwerter erschuf.
      "Blutdämonenkunst...", dachte sie, und ihr Blick wurde noch wachsamer.

      „Ein Spiel?“, fragte sie und verengte die Augen. Vielleicht war das gar nicht schlecht. Genau so konnte sie an Informationen kommen. Vielleicht sogar über Jakuji. Doch wenn sie Antworten wollte, wusste sie, dass sie auch seine Fragen würde beantworten müssen.
      "Also gut...spielen wir dein kleines Spiel."
      Sie nahm eine lockere Haltung ein und beobachtete den Dämonenmond genau. Schon immer hatte sie auf Schnelligkeit und Präzision gesetzt – nicht auf rohe Kraft oder Gewalt.

      „Sowas Ekelhaftes gehört verboten?“, wiederholte sie mit einem leichten Kopfschütteln. „Das sagst du doch nur, weil es sich bei den Opfern um deine Art handelt – um Dämonen. Wären es Menschen gewesen, die ihr regelmäßig wie Vieh abschlachtet, wäre es dir völlig egal gewesen. Also wag es nicht, mir hier mit irgendeiner Moral zu kommen.“
      Ihr Blick glitt prüfend über seine Haltung, seine Waffen, seine Stellung.
      „Sie wurden von etwas hingerafft, das ich den Todeshauch getauft habe. Meine eigene Erfindung.“, sagte sie ruhig – ohne mehr preiszugeben. „Ich bin wieder dran.“

      Einen Moment hielt sie inne. Sie überlegte genau, was sie fragen konnte, um an Informationen über Jakuji zu kommen. Sie musste klug vorgehen – der Dämonenmond durfte auf keinen Fall etwas von ihrer Verbindung mitbekommen.
      „Wenn es die Schergen der Absteigenden Sechs waren... warum bist dann du hier? Wo steht die Absteigende Sechs?“, fragte sie schließlich und trat langsam, vorsichtig näher – immer auf der Suche nach einer Lücke, einem guten Angriffspunkt.
    • Kuroketsu zuckte sachte mit den Achseln, als sein Moral in Frage gestellt wurde. Eigentlich wollte er nur wissen womit er es zu tun haben würde. Mit dem Namen alleine konnte er jedoch nur sehr wenig anfangen. Es war jedoch ein Anfang. Und den Entwickler hatte er gleich dazu gefunden. "Bravo." Antwortete der Dämon in einem ironischen Tonfall.
      Ihre Frage kam zwar etwas verzögert, doch sie kam. Außerdem beobachtete er auch wie sie versuchte näher zu kommen.
      Jeder Zentimeter den sie näher kam, pulsierten die Klingen in den Händen des Dämons schneller. Ansonsten verblieb der Mond unbeirrt in seiner Haltung. "Das kann dir nur Meister Madou sagen." Beantwortete Kuroketsu belustigt die Frage. "Aber vielleicht gebe ich dir einen Tipp, wenn du mir auch einen gibst; Was sorgt dafür, dass sich Dämonen auflösen?"

      Mit seinen Augen fixierte er die junge Jägerin. All zu lange würde das Spiel bestimmt nicht mehr gehen. Sie wartete nur auf den richtigen Moment, genau wie er. Es würde wohl ein recht kurzer aber sehr intensiver Kampf werden. Ein paar Randinformationen musste er allerdings noch aus ihr heraus locken. Ob sie mit der absteigenden 6 eine offene Rechnung hatte? Eigentlich schade, dass er dafür keine Frage verschwenden konnte. Zu sehr hätte ihn interessiert wie der Heimscheißer Jakuji es geschafft hatte ein Säule gegen sich aufzubringen. Schließlich hatte er sich hier nur der Hintern breit gesessen und abkassiert.
    • Ayumi biss die Zähne leicht zusammen, als sie den ironischen Tonfall der Absteigenden Fünf hörte. Doch sie entschloss sich, nicht darauf einzugehen – nichts sollte ihre Konzentration stören.
      Die Antwort, die sie vom Dämon erhielt, gefiel ihr ganz und gar nicht. Was hatte dieser verdammte Bastard mit Jakuji gemacht?
      Hatte er ihn dafür bestraft, dass die Stadt nicht mehr unter seiner Kontrolle stand? Oder hatte er ihm womöglich etwas noch Schlimmeres angetan?

      Ihre Kiefermuskeln spannten sich sichtbar an. Der Druck ihrer zusammengebissenen Zähne ließ ihren gesamten Kiefer arbeiten, während dunkle Szenarien durch ihren Kopf rasten. Keines davon gefiel ihr. Und doch war sie sich sicher: Jakuji lebte. Wäre es anders – sie würde es wissen. Wie genau, wusste sie nicht. Aber sie würde es spüren. Ganz tief in sich. Daran zweifelte sie keine Sekunde.

      „Ein Tipp, hm?“, murmelte sie, während sie zwei bedachte, leichtfüßige Schritte nach vorn trat. „Also gut.“
      Ihr Blick glitt kurz zu den Waffen des Dämons – prüfend, lauernd – ehe ihre Augen wieder seinen suchten. „Ich gebe dir einen Tipp...“, sagte sie – und überlegte einen Moment, wie sie ihre Worte wählen konnte, ohne zu viel preiszugeben.
      Dann fand sie es: „...es heißt, manche Blüten öffnen sich nur im Angesicht des Endes. Eine davon trägt nicht meinen Namen – aber dafür meine Handschrift.“

      Im nächsten Augenblick holte sie tief Luft. „Schneeatmung, dritte Form... lautlose Weite.
      Kaum hatte sie gesprochen, senkte sich eine dichte, nebelhafte Schneelandschaft über die Umgebung.
      Ayumis Präsenz löste sich darin auf – verschwunden in wirbelnden Flocken, lautlos und nicht zu orten. Nur ihre Stimme blieb, diffus, wie aus der Ferne.

      „Jetzt bin ich wieder dran. Gib mir den Tipp, den du erwähnt hast. Was hat euer Meister mit der Absteigenden Sechs gemacht?"
    • Die absteigende 5 beobachtete ganz genau wie sich die junge Schwertkämpferin den Kopf zerbrach. Sie schien wohl tatsächlich etwas von der absteigenden 6 zu wollen. Doch was war es nur? Die Neugier war groß, doch die Mission war viel wichtiger. Als er schließlich seinen Tipp bekam, war er nicht unbedingt klüger als vorher. Das sie ihm nicht direkt eine Antwort auf seine Frage gab, sondern ein kleines Rätsel darauf formte, ärgerte den Dämon nicht einmal. Im Gegenteil. Er liebte es sich den Kopf über solche Dinge zu zerbrechen.
      Langsam aber sicher wurde die Sache interessanter. Sie kam erneut näher und setzte ihre Fähigkeiten ein um sich zu tarnen.

      "Wie originell." Kommentierte der Dämonenmond ihre Handlung und die Hingabe das Spiel weiter zu spielen. In diesem Moment verließen sich wohl beide Seiten auf die Kraft ihrer Fähigkeiten und ihr Können. Die blutigen Schwerter des Dämonen wandelten sich in zwei ebenso blutige Sai. Selbst wenn er selbst nicht wusste wo die Jägerin war, vertraute er auf seine Instinkte. Auf die Aura seiner Waffen und die Kunst seine Gegner mit einem einzigen Konter aus dem Weg zu räumen.
      In der Stille des Schneegestöbers, ließ der Dämon seine Halswirbel knacken und hob anschließend seine Waffen, um sich im richtigen Moment mit seiner scharfen Aura zu verteidigen.

      "Unter den Dämonen heißt es, die absteigende 6 hätte ein schwaches Herz. Eine Altlast, die vom Meister... beseitigt wurde." Sprach die absteigende 6 herablassend, wenn gleich er die Kampfkraft und das Handelsgeschick der absteigenden 6 immer respektiert hatte. Noch immer konnte Kuroketsu nichts erkennen. Eigentlich schade, denn er hätte liebend gerne gesehen wie die Schwertkämpferin auf seine Aussage reagiert. Ob es ihr nur darum ging herauszufinden ob die absteigende 6 besiegt wurde. Diese Chance hatte er nun wohl verpasst.

      "Ich spüre, dass du nicht mit Geduld gesegnet bist. Jammerschade. Ich war gerade dabei Spaß zu haben. Dann werde ich der absteigenden 6 schöne Grüße von dir ausrichten, wenn ich dabei zusehe wie er seine eigenen Überreste vom Boden aufsammelt. Von wem darf ich bestellen?" Provozierte der Dämonenmond und war bereit zurück zu schlage.
      Die Aura seiner Klingen veränderte sich schlagartig. Das pulsieren stoppte. Es lag absolute Ruhe in ihm und seinen Waffen.
    • Ayumi konnte nicht anders, als leicht die Augen zu verdrehen, als sie hörte, auf welche Art und Weise der Dämonenmond ihre Tarntechnik kommentierte. Doch sie entschloss sich, sich davon nicht beirren zu lassen.
      Vielleicht war es genau das, worauf der Mond wartete. Aber sie ist kein unvorsichtiges, kleines Lamm. Und das würde er gleich auf die harte Tour lernen müssen.

      Lautlos bewegte sie sich durch die wirbelnden Schneeflocken, ohne auch nur einen Moment lang ihre Präsenz freizugeben. Dann kam endlich der Tipp des Mondes – und für einen Augenblick weiteten sich Ayumis Augen.
      "Was…?", dachte sie.
      Jakuji habe ein schwaches Herz? Eine Altlast? Aber Haruto hatte nie ein schwaches Herz gehabt! Das hätte sie gewusst! Was hatte dieser verdammte Mistkerl mit ihm gemacht? Und inwiefern war es… beseitigt?

      Sie zog die Augenbrauen zusammen. Noch ergab das für sie alles keinen Sinn. Die Puzzlestücke passten nicht.
      Doch dann kamen die nächsten Worte des Mondes – und Ayumi spürte, wie Wut in ihr hochstieg. Wie konnte dieses Stück Scheiße es wagen?! Und noch mehr ärgerte sie sich darüber, dass sie sich überhaupt von seinen Provokationen aus der Fassung bringen ließ.
      Aber sie durfte ihre Deckung nicht aufgeben. Noch nicht.
      Also beobachtete sie ihn weiter – schweigend, lauernd. Als das Blütenblatt der roten Spinnenlilie sich unter ihrer Zunge auflöste und die Aura der Waffen ihres Gegners plötzlich ruhiger wurde, sah sie ihre Chance.
      "Jetzt oder nie."

      Plötzlich – ohne Vorwarnung – schnellte sie aus den dichten Schneeflocken hervor. Sie täuschte einen Angriff an, doch anstatt ihr Katana zu heben, spuckte sie ihm mitten ins Gesicht.
      Im Todeshauch hatte sie nicht die volle Konzentration der roten Spinnenlilie verwendet. Doch das, was sie ihm jetzt entgegenwarf, war die volle Dosis…und vielleicht auch ein bisschen Speichel.
    • Ohne irgend ein winziges Anzeichen, schnellte die Schwertkämpferin aus ihrer Deckung heraus. Instinktiv reagierte Kuroketsu mit der Ziel ihren Angriff zu parieren. Doch just in der Sekunde, als sie eigentlich hätte zuschlagen sollen, spuckte sie ihm einfach mitten ins Gesicht. Zum Glück war seine Dämonenkunst schnell genug, um eine Barriere zu bilden, doch diese wurde von der Speichelmischung allmählich aufgelöst und musste sich immer wieder regenerieren.
      Den Schmerz, den der Dämon dabei verspürte, erinnerte ihn daran wie lange es her war, dass überhaupt etwas seine Haut berühren konnte.
      Angst oder gar Panik verspürte er dennoch nicht. Etwas irritiert war er allerdings schon, denn damit hatte er überhaupt nicht gerechnet.
      Trotz allem war er sich sicher, dass sie nicht ewig in ihrem Schneesturm verbleiben konnte und spätestens dann würde er sie mit seiner tödlichen Präzision erledigen. Noch immer brannte das ekelhafte Gemisch in seinem Gesicht, sodass er es am liebsten abgewischt hätte.
      Insgeheim hoffte er darauf, dass sie nicht noch mehr von diesem Zeug dabei hatte. Und dass ihr Schneesturm bald enden würde.
      Doch auch ein guter Konter würde sie wahrscheinlich schwer verletzen.

      Daher nahm der Dämon wieder Haltung an und wartete auf den richtigen Moment. Beim nächsten Mal würde sie nicht so einfach auf ihn spucken können.
    • Wieder verborgen in den dichten Schneeflocken, beobachtete Ayumi genau die Wirkung des Konzentrats auf den Dämonen. Doch leider blieb die erhoffte Reaktion aus. Zwar wurde der Mond verletzt, aber nicht so, wie sie es gerne gewollt hätte. Wahrscheinlich lag es daran, dass es zwar eine volle Dosis gewesen ist – aber zu wenig in der Menge.

      Sie fluchte stumm und umfasste den Griff ihres Katanas fester. Sie hatte noch weitere Blütenblätter dabei, aber sie würde kaum die Zeit haben, sie erneut auf diese Weise einzusetzen. Vor allem jetzt, wo der Dämon aufgeschreckt war – wie ein Reh, das das Raubtier wittert.

      Seine Verteidigung war stark. Also musste auch sie ihre Strategie anpassen. Seine Blutwaffen… sie schienen irgendwie mit ihm selbst verbunden zu sein. Wenn sie die Waffen zerstörte, konnte sie womöglich auch ihn verletzen.
      Noch immer verborgen, holte sie zwei weitere Blütenblätter hervor und strich sie in einer fließenden Bewegung über die Klinge ihres Katanas, um diese in den Blütensaft zu hüllen.

      Sie atmete tief ein – spürte, wie die kalte Luft ihre Lungen füllte – und hielt diesen Moment kurz fest.
      Schneeatmung, vierte Form – Brechendes Eis“, hauchte sie beim Ausatmen – kaum mehr als ein Flüstern.
      Dann startete sie ihren nächsten Angriff. Nicht von hinten, sondern frontal.
      Mit einem kraftvollen Schnitt, der an das Zerbersten einer gefrorenen Wasseroberfläche erinnerte, schlug sie zu.
      Diese Technik hatte ihr bereits oft gute Dienste geleistet, um selbst starke Verteidigungen zu brechen. Doch auch wenn sie angriff – sie konnte nicht leugnen, dass die Blutwaffen des Dämonen ihr Sorgen bereiteten.
      Sie durfte auf keinen Fall unvorsichtig werden. Und noch weniger durfte sie sich erlauben, diesen Mond zu unterschätzen.
    • Kuroketsu musste nicht lange warten, bis ein weiterer Angriff auf ihn zu kam. Dieses Mal schien die Kämpferin frontal anzugreifen. Aus dem Nichts brach sie mit ihrem Schwert durch den eisigen Sturm. Hätte dem Dämon das Gesicht nicht so gebrannt, wäre er wohl etwas offensiver in die Sache rein gegangen. Allerdings konnte er nicht wissen wie viel sie noch von ihrem Zeug übrig hatte, was ihn wiederum defensiver agieren ließ. Trotzdem, oder gerade deswegen, konterte er ihren Schwerthieb mit seinen beiden Waffen. Der Aufprall der Klingen war so heftig, dass es den Dämon ein ganzes Stück nach hinten drückte. Es erstaunte ihn, dass eine Frau so einen Druck auf die Klingen bringen konnte. Außerdem konnte er spüren, dass seine Waffen unter der Wucht des Angriffes mehrmals neu geformt werden mussten, was es schwieriger machte sie so zu kontrollieren, dass er ihren Angriff richtig gegen halten konnte. Nun hatte er sie allerdings genau da wo er sie haben wollte, auch wenn die blutigen klingen ungewöhnlich stark unter dem Kontakt ihres Schwertes verschlissen, legte er noch mehr Energie in deren Stabilität und Regeneration.

      Kuroketsu setzte einen Fuß nach hinten und stemmte sich gegen die kraftvolle Attacke der jungen Frau. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte es so ausgesehen, als würde ihr Schwert die blutigen Klingen durchdringen. Doch jetzt, nachdem er seine Leistung etwas hoch gefahren hatte, konnte er sie abwehren. "Aderfluss..." Flüsterte der Dämonenmond mit einem sicheren Lächeln auf den Lippen. Woraufhin die Klingen begannen kleine Nadeln aus Blut zu verschießen. Normalerweise blockierte er die Waffe des Gegners, sodass dieser entweder loslassen oder einstecken musste. Da die Jägerin allerdings ihr Schwert repariert hatte, war es ihm wichtiger die Form und Stärke der eigenen Waffen zu stärken, als einen Überraschungsangriff aus dem Mund zu riskieren.

      Die Nadeln schossen aus kurzer Distanz auf die Schwertkämpferin zu und Kuroketsu war sich sicher, dass sie deswegen nicht in die Knie gehen würde. Vielleicht schaffte sie es sogar dem Großteil des Angriffes auszuweichen, doch selbst wenn sie sich in den Schneesturm zurück ziehen würde, wäre sie nicht vor der Art dieses Angriffes sicher.
      "Man nennt mich nicht umsonst das blutige Bollwerk. Selbst seine beschmutzte Klinge kann mich nicht verletzten." Kommentierte er ungefragt das Geschehen. Wenigstens ihren Namen hätte er noch gebraucht, doch daszu gab es auch Spitzel und Informanten.
      Das Gesicht des Mondes brodelte indessen munter weiter und er wartete erneut auf einen Angriff aus dem Hinterhalt. Bereit sie beim nächsten Mal gleich richtig zu parieren.
    • Ayumis Augen weiteten sich leicht, als sie das geflüsterte Wort des Mondes hörte. Sie hatte es nicht ganz verstanden, doch sie wusste – was auch immer es gewesen war, es konnte nichts Gutes bedeuten.
      Kaum hatte sie diesen Gedanken gefasst, wurde er auch schon bestätigt. Winzige Nadeln schossen aus den Klingen seiner Waffen – und Ayumi blieben nur Bruchteile von Sekunden, um zu reagieren.

      Sie sprang mit einem großen Satz von dem Dämon zurück und schaffte es gerade noch, mit ihrem Katana ihre lebenswichtigen Körperteile zu schützen.
      Dennoch trafen einige der Nadeln ihre Arme und Beine. Sie verzog das Gesicht, sog scharf die kalte Luft ein. Ihre Atemtechnik – Lautlose Weite – verlor ihren Effekt, und sie damit auch die Möglichkeit, sich wieder in den dichten Schneeflocken zu verbergen.
      „Verdammt…“, fluchte sie leise.

      Ohne die Absteigende Fünf aus den Augen zu lassen, betrachtete sie die Nadeln, die in ihrem Körper steckten. Für einen Moment überlegte sie, sie einfach herauszuziehen. Doch sie verwarf den Gedanken sofort wieder. Zu hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass die Nadeln Widerhaken hatten – dass sie sich damit nur noch tiefer verletzen würde.
      Also schluckte sie den Schmerz hinunter. So, wie sie es schon lange gelernt hatte.

      Ihre Finger schlossen sich fester um den Griff ihres Katanas, um einen weiteren Angriff zu starten. Doch dann spürte sie plötzlich etwas völlig Unerwartetes: die sanfte Berührung von Sonnenstrahlen auf ihrer Haut.
      Sie hob den Kopf – und ihre Augen weiteten sich, als sie sah, wie in der Ferne die Sonne aufging. Ihre Atemtechnik hatte es bis jetzt verborgen gehalten.

      Langsam breitete sich ein Grinsen auf ihren Lippen aus. Ihr Blick wanderte zurück zu der Absteigenden Fünf.

      „Du solltest weglaufen…“, sagte sie leise.
      „Und richte deinem Meister aus: Ich werde mir seinen Kopf holen – und ihn für all das büßen lassen, was er der Menschheit angetan hat.“
    • Die absteigende 5 war sich sicher, dass der nächste Angriff sein letzter sein würde. Der Kampf war zwar nicht nach Plan verlaufen, doch sah es jetzt wieder deutlich besser aus. Gerade als er sich dazu bereit machen wollte seine tödliche Präzision einzusetzen, lichtete sich der Schneesturm und ein unsäglicher Schmerz durchfuhr den Körper des Dämonen. Die Auseinandersetzung hatte eindeutig zu lange gedauert. Die Sonne war bereits im Begriff den Horizont zu übersteigen.
      Trotz allem, biss der Dämon die Zähne zusammen und ließ sich seine Qual nicht anmerken.
      "Touché" Entgegnete er ihrem Spott. Für mehr Worte blieb keine Zeit mehr. Die wenigen Sonnenstrahlen waren bereits dabei die schützende Haut aus Blut zu durchdringen. Immer schneller begannen die regenerativen Kräfte Kuroketsus zu schwinden. Zum Glück hatten seine blutigen Nadeln ihr Ziel erreicht. So würde sie ihn zumindest nicht mehr verfolgen können. Warum sonst sollte sie ihn aus dieser Lage entkommen lassen?
      Der Dämon ließ seine Waffen verschwinden und sah dabei die Säule noch einen Moment an, als würde er ihr Gesicht in seinem Gedächtnis einbrennen wollen. Sie sollte ruhig sehen wie seine Haut verbrannte. Keiner der anderen Monde hatte bisher die Stärke bewiesen auch nur einen einzigen Sonnenstrahl auszuhalten.
      Ohne weitere Umschweife, zog sich der Mond letztendlich zurück. Dampfend und triefend, verschwand er zwischen den Häusern und versuchte einen sicheren Ort zu erreichen, um nicht doch noch dem Tageslicht zum Opfer zu fallen.
      Die Sonne war weit davon entfernt den Tag einzuleiten, doch auch ein winziger Sonnenstrahl konnte einen schwachen Dämonen mit Leichtigkeit auslöschen.

      Kuroketsu erstattete, wie angekündigt, einige Tage später, Bericht bei seinem Meister. Über den Zustand der Stadt und ebenso über seinen eigenen. Madou war sich sicher, das die Säule von der die Rede war, ein dezentes Problem darstellen könnte. Das Rätsel um die geheimnisvolle Waffe war auf die Schnelle auch nicht zu lösen, da der menschliche Name der Säule des Eises bisher keinem Dämonen bekannt war, außer Jakuji, der jedoch erst später von diesem Vorfall erfahren sollte. Madou beschloss einen minimal verstärkten Fokus auf die Säule des Eises zu legen, um ihr Geheimnis schnellstmöglich zu lüften.

      Jakuji war indessen bereits an seinem neuen Einsatzort tätig und wurde beauftragt die neuen Dämonen mit erhöhtem Potential auszubilden. Madou verfolgte damit den Plan neben den Monden und den gemeinen Dämonen eine Art Elitetruppe zusammen zu stellen. Bisher hatte jeder Mond seine ganz persönlichen Offiziere ausgebildet und eingesetzt. Nun sollte aber eine ganze Hand voll dieser "Offiziere" ausgebildet und als eigene Einheit einsatzfähig gemacht werden. Jakuji schien Madou wohl durch seine bisherigen Erfolge mit der Stadt für diesen Job geeignet. Auch wenn es für Jakuji und die Monde im ersten Moment wie ein Bestrafung aussah.

      In einer unbestimmten Nacht, als Jakuji gerade dabei war sich auf eine neue Schülerin vorzubereiten, die von Madou persönlich zu ihm geschickt wurde, öffnete sich die Tür zu seinem Ausbildungsbüro. Im Rahmen stand ein vertrautes Gesicht.
      Jakuji hob den Blick und rollte etwas mit seinem durch gesessenen Stuhl zurück. "Ich habe kein Interesse." Begrüßte er die Gestalt, wie einen lästigen Verkäufer, der ihm einen Staubsauger anzudrehen versuchte. Doch die Gestalt ließ sich davon nicht beirren und trat ein.
      "Hallo Jakuji. Ich sehe du wurdest, befördert." Begrüßte ihn die Gestalt mit einem hämischen Unterton. Doch Jakuji ließ sich den Schmerz dieser Worte nicht ansehen, auch wenn sie ihn tief trafen. Nicht sein Herz, sondern seine Ehre war es die unter solchen Worten litt.
      Nachdem der Ausbilder einmal tief Luft geholt und seine Papiere zusammen geschoben hatte, richtete er sich auf und musterte seinen Besucher von oben bis unten. "Kuroketsu, wie ich sehe wurdest du ganz schön frittiert. Auf die alten Tage oder so?" Kommentierte Jakuji seine Beobachtung. Die absteigende 5 hatte sich immer damit gerühmt unantastbar zu sein und nun stand er da wie ein verbrannter Vogel, den man im Backofen vergessen hatte. "Pass auf mit wem du dich anlegst." Drohte die 5 der 6 "Lass stecken. Ich hab kein Bock noch weiter befördert zu werden." Beruhigte er den anderen Mond. "Was willst du? Ich habe zu tun." Drängte Jakuji und deutete auf seine imaginäre Uhr am Handgelenk, woraufhin Kuroketsu amüsiert grinste. "Ich wollte dir nur eine Frage stellen: Was hast gerade du mit der Säule des Eises zu tun?" Dem Grinsen der absteigenden 5 konnte Jakuji entnehmen, dass diese Säule für seinen Zustand verantwortlich sein musste, denn er grinste nicht wie Jemand der Freude hatte. Es war eher dieses verrückte Grinsen. "Keine Ahnung was du von mir willst? Ich hab mich immer in meinem Loch versteckt. Wie ein Feigling. Und noch nie gegen eine Säule gekämpft." Antwortete Jakuji genau mit den Worten, die Kuroketsu verwendet hatte um ihn vor allen bloß zu stellen. Kuroketsu tippte sich mit dem Zeigefinger auf die veräzte Stelle in seinem Gesicht und brummte dabei nachdenklich, als versuche er dadurch seine Erinnerung zu verbessern. "Ahh, Es kam mir nur seltsam vor, dass sie wissen wollte was der Meister mit dir angestellt hat. Es schien als hättet ihr noch eine Rechnung offen und sie hatte Angst der Meister wäre ihr zuvor gekommen." Erklärte sich die absteigende 5 mit nachdenklicher Mine.

      Jakuji dachte eine ganze Weile über die Worte Kuroketsus nach. Dieser beäugte ihn gespannt. Stille herrschte plötzlich im Büro. Nur der Wind der leise durch die offene Tür herein zog, sorgte für etwas mildes Rauschen. Dann kam es ihm: Die einzige Jägerin mit der er zu tun hatte, war Ayumi. Doch woher sollte sie wissen, dass Jakuji nun die absteigende 6 war? War sie nun also zu einer der Säulen geworden? Das würde alles nur noch schwieriger machen... Wenn Ayumi tatsächlich gegen die absteigende 6 gekämpft hatte, dann war sie... "Du hast sie doch eh erledigt. Warum verschwendest du meine Zeit!" Brüllte Jakuji Kuroketsu an und deutete schweren Herzens auf die Tür. "Raus hier!"

      Ein beklemmendes Gefühl der Hilflosigkeit spannte den Brustkorb des Dämonen immer fester zusammen. Er konnte hier nicht mal weg, um nachzusehen ob Ayumi lebte oder nicht. Kuroketsu kicherte nur leise, ehe er dann antwortete: "Die Säule des Eises hat eine Waffe entwickelt, die Dämonen auflösen kann. Wir sollen herausfinden was es damit auf sich hat und eine wirksame Gegenmaßnahme entwickeln. Meister Madou lässt dir ausrichten, dass du erst deiner Neusten Aufgabe nachkommen sollst. Was auch immer das sein soll." Mit diesen Worten schritt Kuroketsu aus dem Büro. Noch bevor sein Körper die Türe verlassen hatte, blieb er noch einmal stehen. "Schon seltsam, dass du so ausrastest obwohl du doch sonst so gefasst bleibst... Naja. Ich werde es einfach das nächste mal aus ihr heraus kitzeln, wenn ich ihr langsam, Scheibe für Scheibe, die Nase abschneide." Meinte Kuroketsu in einem belustigten und dennoch düsteren Tonfall. Anschließend verließ er die Gegend um seiner Aufgabe nachzukommen.

      Jakuji trat ebenfalls aus dem Büro und verfolgte den Abflug des anderen Dämonen, bis dieser in der Nacht verschwunden war. Er hatte sie also nicht getötet. Wenn es wirklich Ayumi gewesen war, und dafür sprachen ein paar Indizien, dann war sie nun bekannt. Der Meister würde sie nicht in Ruhe lassen, bis er das hatte was er wollte. Der Dämon blickte zurück in sein Büro. Dieser Kuroketsu. Wahrscheinlich hatte er seine Vermutungen bereits mit Meister Madou geteilt und nur deshalb durfte Jakuji nicht selbst auf die Suche nach der Säule des Eises gehen.
      Nachdenklich und betroffen, setzte sich der Dämon wieder an den Schreibtisch und schob mit einem abwertenden schnaufen einen Brief zur Seite, in dem ihm eine Kohane zugeteilt wurde. Wie sollte er es denn nun schaffen auch nur einen Fuß in die Welt zu setzen, wenn er dieses Balg den ganzen Tag mit sich herum schleppen musste? Er wollte doch einfach nur die Gewissheit, dass Ayumi nicht die Säule des Eises ist und dass sie nicht in Gefahr war.
    • Mit einem tiefen Seufzen setzte Ayumi die leere Ramen-Schüssel ab und ließ ihren Blick erneut über die Verbände an ihren Armen wandern, bevor sie die Ärmel ihres Kimonos wieder herunterzog, um sie zu verbergen.
      Daigo, die Säule des Feuers, saß entspannt neben ihr und schlürfte seine eigenen Nudeln. Als er bemerkte, dass Ayumi ihre Essenspause einlegte, zog er leicht eine Augenbraue hoch und ließ für einen Moment von seiner Schüssel ab.
      „Bist du etwa schon satt? Das war doch gerade mal deine zweite Schale.“, stellte er fest und blickte seine ehemalige Schülerin fragend an.

      Ayumi zögerte mit ihrer Antwort. Sie vertraute ihrem alten Lehrmeister, wusste, dass sie mit ihm über fast alles reden konnte, was ihr auf dem Herzen lag. Fast alles.
      Denn es gab ein Thema, über das sie mit ihm nicht sprechen konnte: Haruto. Oder besser gesagt… Jakuji.
      Kein Tag verging, an dem sie sich keine Sorgen um ihren besten Freund machte. Kein Tag, an dem sie nicht fürchtete, dass Madou ihm etwas antun könnte. Also schwieg sie darüber – und nahm stattdessen ein anderes Thema, das ihr ohnehin ebenfalls Kopfzerbrechen bereitete.

      „Daigo… ich bin nicht sicher, ob ich wirklich dazu gemacht bin, eine Lehrmeisterin zu sein. Ich… ich komme doch manchmal kaum mit mir selbst klar. Wie um alles in der Welt soll ich es dann schaffen, jemandem etwas beizubringen?“
      Sie senkte leicht den Blick. "Was hat sich Meisterin Kagura nur dabei gedacht?", fragte sie und suchte wieder die Augen des anderen.
      Daigo blinzelte überrascht – und im nächsten Moment brach er in schallendes Gelächter aus. So laut, dass sich sämtliche Köpfe im kleinen Ramen-Restaurant zu ihnen umdrehten.
      Ayumis Augen weiteten sich erschrocken. Mit einer hastigen Handbewegung versuchte sie, ihm klarzumachen, dass er viel zu laut war. Doch entweder bemerkte Daigo es nicht – oder es interessierte ihn schlicht nicht, was andere dachten.
      Mit dem Zeigefinger wischte er sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel und klopfte Ayumi mit seiner freien Hand – vielleicht ein wenig zu kräftig – auf die Schulter.
      Das ist es also, was dich bekümmert?“, fragte er amüsiert und schüttelte den Kopf.
      Ayumis Wangen liefen knallrot an, ihre Augen weiteten sich noch mehr. „D-das ist gar nicht komisch! Warum lachst du mich aus?! War zu viel Chili in deinem Ramen, oder ist dir das Zeug zu Kopf gestiegen?!“, fauchte sie zurück – was Daigo nur noch lauter lachen ließ.

      Erst nach einem ganzen Moment beruhigte er sich, schüttelte erneut den Kopf und wollte etwas sagen – doch Ayumi kam ihm zuvor.
      „Ich bin nicht bereit dazu.“, murmelte sie.
      Daigo sah sie einen Moment schweigend an. Sein Blick wurde ein wenig ernster, aber das Lächeln blieb. „Ayumi… du bist zu streng mit dir selbst. Ich kenne dich gut – ich war dein Lehrmeister, vergiss das nicht. Ich sehe es in deinen Augen. Du bist bereit. Meisterin Kagura hat dich nicht ohne Grund für den Jungen ausgewählt. Sie weiß immer, was sie tut. Sie macht keine Fehler.“
      Er schwieg kurz, als würde er die richtigen Worte suchen. „Warum siehst du es nicht einfach als Chance, hm? Nicht nur für deinen Schüler. Auch du kannst daran wachsen.“
      Wieder hielt er inne – dann breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Erinnerst du dich an den Tag, an dem ich dein Lehrmeister wurde? Was haben wir damals als Erstes gemacht?“, fragte er mit einem verschmitzten Funkeln in den Augen.
      Ayumi seufzte leise und grummelte: „Wir waren Ramen essen. Genau wie jetzt.“
      Daigos Grinsen wurde breiter. Er zog abwartend eine Augenbraue hoch, als würde er auf eine bestimmte Reaktion warten.

      Ayumi seufzte erneut und sah von ihrer Schüssel auf zu ihm. „Dann… dann werde ich mir die dritte Schale Ramen wohl bis heute Abend aufheben. Bis ich ihn bei Meisterin Kagura abhole.“
      Das war offenbar genau das, was Daigo hatte hören wollen.
      Wieder erschütterte sein bebendes Lachen das kleine Restaurant – und Ayumi wollte in diesem Moment nichts lieber, als im Erdboden zu versinken.

      ~~~

      Irgendwo in einem verlassenen Lagerhaus in der Nähe des Hafens thronte Kohane auf einer der hohen Kisten, während sie mit einem schiefen Grinsen auf die drei anderen jüngeren Dämonen herabblickte.
      Sie schlug eines ihrer Beine über das andere und zog die Augenbraue hoch, als ihr Blick auf die Wunden ihrer Kompanen fiel – Spuren eines offensichtlich verlorenen Kampfes gegen andere Dämonen.

      Es war nicht ungewöhnlich, dass sich jüngere Dämonen zu kleinen Gangs zusammenschlossen und untereinander Revier- und Machtkämpfe austrugen. Natürlich waren sie dabei fest davon überzeugt, dass weder Meister Madou noch die Monde davon etwas wussten.
      „Ihr…“, begann Kohane leise, und ihr Grinsen wurde noch breiter, gefährlicher. „Ihr habt sie also in unserem Revier jagen lassen, hm? Ihr habt zugelassen, dass sie euch die Beute unter der Nase wegstehlen?“ Ihre Stimme war beinahe belustigt.
      Doch Benkei und die anderen beiden Dämonen wussten, dass sie ihre Antwort mit Bedacht wählen mussten.

      Benkei – der Mutigste unter ihnen – räusperte sich und trat einen Schritt vor. „E-Es tut mir leid, Kohane. Aber die Bande von Doji war diesmal einfach in der Überzahl, das nächst—“
      Er kam nicht weit. Kohanes scharfer Tonfall schnitt ihm das Wort ab.
      Sie fixierte Benkei. Ihre Pupillen hatten sich zu katzenartigen Schlitzen verengt. Langsam stützte sie die Unterarme auf ihr Knie und beugte sich leicht vor.
      „Wie war das?“, fragte sie, ihre Stimme so schneidend wie ein Messer. „Wie kannst du es wagen, meinen Namen ohne meine Erlaubnis auszusprechen?“

      Benkei erstarrte, seine Augen weiteten sich. Er registrierte sofort seinen Fehler und verbeugte sich hastig, wieder und wieder. „E-Es tut mir leid, Anführerin!“, stammelte er – seine Stimme bebte, durchdrungen von Angst vor der Strafe, die ihn erwarten konnte.
      Als Kohane die Panik in seinen Augen sah, legte sich langsam wieder ein breites Grinsen auf ihre Lippen – eines, das mit Freundlichkeit nichts zu tun hatte.
      „Es wird dir richtig leidtun, wenn du dich jetzt nicht zusammenreißt und die Sache mit diesem Stinker oder wie auch immer er heißt klärst. Habt ihr mich verstanden?“

      Sowohl Benkei als auch die beiden anderen Dämonen verbeugten sich tiefer. Ihre Blicke fest auf den Boden geheftet.
      „Jawohl!“, riefen sie im Chor.
      Kohane stieß ein leises Kichern aus – leise, gefährlich, fast verspielt. „In meiner Abwesenheit erwarte ich regelmäßige Berichte. Ich will weiterhin wissen, was in meinem Revier passiert, kapiert?“, stellte sie klar – eine deutliche Anspielung auf ihre Ausbildung bei der Absteigenden Sechs.

      Sie lehnte sich wieder zurück und betrachtete die drei von oben herab, ihre Augen funkelten gefährlich.
      „Und nun – zischt ab. Tut, was ihr tun müsst.“
    • Kaoru, verließ gerade den Hautsitz der Dämonenjäger. Wie einige Tage zuvor, von Meisterin Kagura angeordnet, hatte sich der junge Dämonenjäger auf den Weg gemacht um die Meisterin persönlich zu treffen. Die Gründe die man ihm im Vorhinein genannt hatte, waren alles andere als reizvoll. Kaoru hatte es schon schwer gehabt die Prüfungen so abzulegen, dass man ihn nicht direkt wieder raus warf. Und nun hatte er eine Einladung zur Meisterin höchst selbst erhalten. Es war nicht unbedingt der Respekt der ihm im Bezug zu dieser Person fehlte. Im Gegenteil, wie auch die anderen Dämonenjäger hatte er sehr viel Respekt vor ihr. Allerdings war diese Frau für ihn der Inbegriff von unangenehmen Abläufen und strengen Normen. Sie und die Säulen.

      Geknickt und etwas geschockt, ließ sich der Junge auf einer Steinbank nieder. Womit hatte er das verdient? Erst den Stress mit der Aufnahmeprüfung und jetzt das? Er sollte einer der Säulen als Lehrling zugeteilt werden. Er? Der gerade so die Norm erfüllt hatte um überhaupt ein Dämonenjäger zu werden. Gebeten und gebettelt hatte er vor der Meisterin, dass sie ihn einfach wie jeden Anderen auch hinaus in die Welt lässt. Doch es half alles nichts. Diese Frau war wie ein Fels. Mit seiner Mitleidsnummer stieß er nur auf massiven Granit.
      Unwissentlich zog Kaoru eine Grimasse, als ihm ihr Urteil noch einmal durch den Geist ging. Irgendwas mit Potential und Verantwortung... bla bla bla... Natürlich hatte er eine Pflicht und eine Aufgabe. Diese wollte er auch gerne erfüllen. Doch eigentlich am liebsten alleine und schon gar nicht unter Dauerbeobachtung.


      In seinen Händen zerknüllt, befand sich der kurze Brief, den die Meisterin ihm ausgehändigt hatte, wie einem Gefangenen das Urteil.
      Er würde sich nicht widersetzen, den Mist einfach durch halten. Durchhalten war seine Stärke. Anpassung war seine Stärke. Nicht auffallen und schnell wieder frei sein. Der junge Jäger entknüllte den kleinen Papierball und las noch einmal den Treffpunkt nach, an dem er sich nun einfinden sollte, bis seine Lehrmeisterin ihn abholen kommen würde. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, doch ändern konnte er nun auch nicht mehr.
      Ein kräftiges und Atmen, gefolgt von einem missmutigen Brummen, begleiteten die Aufwärts Bewegung Kaorus, als dieser die Bank zurück ließ und hinunter in die Stadt ging. Es dauerte ein paar Schritte, doch dann fand er wieder zu seiner üblichen Haltung zurück. Aufrecht, ordentlich und freundlich.

      In der Stadt angekommen, fand er sich am angegebenen Treffpunkt ein. Eine kleine Straße voller Menschen. Rings herum nur Fressbuden und Stände. Was hatte sich die Meisterin nur dabei gedacht? Wie sollte er in diesem Getümmel irgendwen finden? Und wie sollte er gefunden werden? Trotz seiner Skepsis, ließ sich Kaoru nicht aus der Ruhe bringen. Geduldig, Und steif wie ein Brett, stand er da und beobachtete die vorbeiziehenden Leute. Es roch nach Essen und Rauch. Wagen klapperten über die teilweise kaputte Straße.


      ---

      Wie vom Meister befohlen, hatte sich Jakuji auf den Weg gemacht seine Schülerin abzuholen. Die Begeisterung des Dämonen hielt sich sehr in Grenzen. Erst sollte er ganz viele Rekruten ausbilden und jetzt nur noch einen. War das nun eine erneute Abstufung seiner Kompetenz innerhalb der Dämonen? Mürrisch und grübelnd nahm der Dämon Kurs auf den angegebenen Treffpunkt.
      Eine alte Farm mitten in einem ländlichen Gebiet. Jakuji war sich sicher, dass es auch einfach ein Treffen in der Stadt getan hätte oder direkt an der Trainings Unterkunft. Aber der Meister war wohl ein Freund von mystischen Begegnungen.

      Mit gedämpften Schritten, ging der Dämon auf die einladend verfallene Hütte zu. Das Dach war kaputt und die Zäune längst abgefault. Insgesamt ein richtig trostloser Ort. Doch eben auch sehr abgelegen und ruhig.
      Er war früh dran. Daher vertrieb er sich die Zeit damit darüber nachzudenken wie er es schaffen konnte in Ayumis Nähe zu kommen ohne ihr oder seiner Schülerin zu schaden.
    • Ayumi konnte das flaue Gefühl in ihrem Magen nicht leugnen, als sie sich schließlich auf den Weg machte, um ihren ersten Schüler abzuholen.
      Daigo hatte ihr bis zuletzt gut zugeredet. Dennoch war sie sich immer noch nicht sicher, ob sie wirklich bereit für diese Verantwortung war. Daigo war schon immer ein entspannter Lehrmeister gewesen. Aus seinen Schülern war jeder etwas geworden – sie selbst sogar eine Säule! Aber…

      Sie schüttelte leicht den Kopf, um sich aus ihren Gedanken zu reißen. Sie konnte an der Situation ohnehin nichts ändern. Also musste sie einfach ihr Bestes geben – und vielleicht hatte Daigo ja recht: Vielleicht würde auch sie an dieser Aufgabe wachsen.
      Ein wenig ruhiger geworden, atmete sie zufrieden den Duft der verschiedenen Spezialitäten ein, die von den Straßenständen herüberwehten.

      Es war viel zu lange her, dass sie vorhin mit Daigo Ramen gegessen hatte. Elegant bewegte sie sich durch die Menschenmengen – unauffällig, aber vollkommen wachsam. Für die erfahrene Jägerin dauerte es nicht lange, bis sie eine Präsenz spürte, die sich von der der anderen Menschen unterschied. Das konnte nur ihr neuer Schüler sein.

      Sie ging weiter und entdeckte schon bald den Jungen. Er schien bereits auf sie zu warten.
      Ayumi wollte geradewegs auf ihn zugehen, hielt dann jedoch für einen Moment inne. Das hier war vielleicht die perfekte Gelegenheit, ihm direkt etwas beizubringen. Lautlos verschwand sie wieder in der Menge und tauchte kurz darauf hinter ihm auf – ohne auch nur den geringsten Laut von sich zu geben.
      Jetzt war sie sich sicher: Das hier war Kaoru. Die Ausstrahlung, die Haltung, das Katana…

      Langsam beugte sie sich vor und flüsterte leise: „Lektion Nummer Eins: Achte nicht nur auf dämonische Präsenz… Denn auch nicht alle Menschen sind uns Dämonenjäger wohlgesonnen.“

      ~~~

      Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen beobachtete Kohane, wie Benkei und die beiden anderen Dämonen wie verschreckte, ängstliche Kaninchen aus der alten Lagerhalle rannten.
      Ein leises Kichern entwich ihren Lippen, bevor sie sich genüsslich streckte und in einer eleganten Bewegung von der hohen Kiste glitt.
      Der Vollmond würde bald seinen höchsten Punkt erreichen. Bis dahin musste sie am Treffpunkt sein, den Meister Madou ihr genannt hatte – dort sollte sie die Absteigende Sechs treffen. Ihren neuen Lehrmeister.
      Kohane verstand immer noch nicht so recht, warum ausgerechnet sie von einem der Monde trainiert werden sollte. Immerhin hatte sie gerade viel zu viel Spaß an den aktuellen Revierkämpfen. Aber gut… sie würde sich einem Befehl von Meister Madou nicht widersetzen.

      Mit einem letzten Blick über die verlassene Lagerhalle verließ sie schließlich das Gebäude und verschwand schon kurz darauf in den dunklen Schatten der Nacht.


      Nach einiger Zeit fand Kohane sich auf dem Gelände einer alten, verfallenen Farm wieder. Aufmerksam ließ sie ihren Blick umherschweifen. Sie war allein. Abgesehen von einer mächtigen Präsenz, die aus der halb zerfallenen Hütte strömte.
      Ihr neuer Lehrmeister war offenbar bereits da...
      Für einen Moment blieb Kohane einfach stehen, reglos. Dann stahl sich langsam ein schelmisches Grinsen auf ihre Lippen.

      Vielleicht… sollte sie gleich mal testen, wie gut einer der Monde wirklich war...

      Kurzerhand verschleierte Kohane – so gut es ihr möglich war – ihre Präsenz und kletterte leise auf das kaputte Dach. Elegant und lautlos wie eine Katze. Von hier oben konnte sie durch eine der zerbrochenen Öffnungen ganz genau auf ihn hinabblicken: Die Absteigende Sechs.
      Kohane legte den Kopf schief, ihr schelmisches Grinsen wurde breiter.
      In ihrer Hand hielt sie eine rostige alte Metallschale, die sie irgendwo im Dreck auf dem Farmgelände aufgetrieben hatte.
      Darin: ein eklig-schleimiger Mix aus matschigem Moos, vermoderter Dachpappe und… irgendetwas, das definitiv mal lebendig gewesen war.
      Sie hatte mit einem Stock darin herumgestochert, bis die Masse genau die richtige glitschige Konsistenz hatte. Perfekt.

      Lautlos pirschte sie über das bröckelnden Dach. Unten, direkt unter einer offenen Stelle, stand der Mond. Ohne zu zögern, drehte sie die Schale – und ließ den glitschigen Albtraum einfach kippen.
      Ein feuchtes Platsch! - Direkt auf Kopf und Schultern.
      Kohane biss sich heftig auf die Lippe, um nicht laut loszuprusten. Ihre Schultern zitterten vor unterdrücktem Lachen. Bäuchlings lag sie auf dem Dach, die Hände vor den Mund gepresst, Tränen in den Augen.
      „Oh mein Gott… oh mein Gott… er sieht aus wie ein nasser Frosch—“, dachte sie.
    • Kaoru blickte weiterhin auf das Geschehen in der Straße. Die Menschen traten an ihm vorbei, als wäre er gar nicht anwesend. Keine Blicke, die seine Augen trafen. Keine Grüße, kein Kopf nicken. Nur das durcheinander der Gesellschaft. Vor Langeweile hatte der Junge damit begonnen auf den Zehenspitzen sachte auf und ab zu wippen. Er hoffte schon darauf einfach vergessen worden zu sein und mit dieser Ausrede zurückkehren zu können.
      Gerade hatte sich dieser wunderschöne Gedanke manifestiert, da quatschte ihn aus dem Nichts eine Dame an. Er musste zugeben, dass er sich im ersten Moment erschrocken hatte, doch seine Körperhaltung blieb unverändert und sein Gesicht gewohnt kühl, als er seinen Körper in ihre Richtung drehte. Sein Blick traf ihre Augen, denn sie waren annähernd gleich groß.
      Fast schon automatisch, trat Kaoru einen Schritt zurück und verbeugte sich höflich. "Mizuhane Kaoru. Ich freue mich Sie kennen zu lernen. Vielen Dank für diese Wertvolle Lektion, Lehrmeisterin." Sprach der Junge sauber und gut getaktet, ehe er sich wieder aufrichtete. Sie konnte eigentlich nur die Lehrmeisterin sein. Wer sonst würde Jungs auf der Straße ansprechen und sie vor dem Tod warnen.
      Nun konnte er die Säule in Ruhe weiter mustern. Ihre Kleider ihre Haltung und ihr Schwert. Dann sah er ihr wieder direkt in die Augen wartete auf ihre Worte. Gut, sie hatte sich an ihn ran geschlichen, wie ein Bär an den Honig. Die Lektion war also mehr Achtsamkeit? Und wo sollte er die her holen? Beim Laden um die Ecke?


      ---

      Jakuji ging etwas auf und ab, denn eine Lösung für sein Problem war nicht in Sicht. Dafür war ein anderes Problem bereits auf dem Gelände eingetroffen. Der Dämonenmond stoppte seinen Denkergang und lauschte in die Umgebung. Er konnte deutlich vernehmen, wie jemand versuchte seine Aura zu unterdrücken. Durch den rapiden Wechsel in der Atmosphäre, war es ein leichtes die verbleibenden Reste aufzuspüren und zu orten. Auch wenn das Mädchen leise genug war, wusste Jakuji, dass sie bereits auf dem Dach der Hütte saß.

      Wollte sie ihn angreifen? Das wäre dann wohl ein Grund ihr ohne Vorwarnung den Kopf ab zu reißen und ein Problem weniger zu haben.

      Anstatt eines Angriffes, kam etwas geflogen. Reflexartig aktivierte der Dämonenmond seine Blutmagie und hüllte seinen Oberkörper in eine pulsierende Hülle aus Blut, die den Schleim auffing und an ihm herunter gleiten ließ.
      Kurz darauf ertönte ein kindisches Gelächter, was den Mond dazu brachte direkt durchs Dach nach der Quelle des Übels zu packen.
      Mit einer tiefen Knie beuge, katapultierte sich der Dämon durch die restliche Decke des Daches, direkt unter der Dämonin. Kurz bevor er die Decke erreichte, nutze Jakuji den Schwung, um die junge Dämonin mit einem kräftigen Hieb in den ungedeckten Rücken zu treffen, wobei das Dach, auf dem sie eben noch gelegen hatte, zerbrach. Holzsplitter, Ziegel und die Dämonin flogen umher. Jakuji beschleunigte noch einmal sein Tempo, indem er den Rückstoß nutzte, um zurück zum Boden zu gelangen und erneut in die Höhe zu gleiten.
      Dieses Mal packte er die winzige Dämonin direkt aus dem Flug, am Hals und hielt sie am ausgestreckten Arm, bis sie wieder am Boden waren. Dort ließ er sie nicht etwas los, sonder hob sie, wie ein Stück Fleisch, auf seine Augenhöhe, ehe sein fester Griff immer mehr den Umfang ihres Halses verringerte. "War das eine Herausforderung?" Fragte Jakuji die Schülerin mit ernstem Blick und kalter Stimme. Da wo sie her kam war sie vielleicht mit diesem Verhalten durch gekommen, doch einen Dämonenmond anzugreifen,ohne die Etikette einzuhalten wurde hart bestraft. Die Hand um ihren Hals schloss sich immer fester und fester. Erst als er das Gefühl hatte ihr gleich den Kopf anzureißen, stoppte Jakuji und sah ihr tief in die Augen. "Du bist ja noch wach? Gib lieber auf bevor ich ernst machen muss." Riet er ihr und schüttelte sie sachte hin und her.
      Zeitgleich kroch eine Neuronales Geflecht aus Blutigen Synapsen über den Arm des Dämonen und schloss den Kopf der jungen Dämonin darin ein.
      Wo hatte der Meister diese Göre nur aufgegabelt? Und warum musste sie ihn unbedingt angreifen? Nun musste sie die Suppe auch auslöffeln.
      Neben dem starken Druck auf den Hals hatte die Kleine nun auch noch mit den Auswirkungen des Brain fog zu kämpfen. Der Dämonenmond hilt sich sehr stark zurück, doch trotz der mildernden Umstände würde sie sehr darunter zu leiden haben.
    • Ayumi hätte wohl nicht damit gerechnet, von ihrem Schüler auf so eine überhöfliche und fast schon steife Art begrüßt zu werden.
      Bei Daigo und ihr ist das damals ganz anders abgelaufen. Aber gut… sie hatte Daigo auch schon vorher gekannt.
      Immerhin ist es Daigo gewesen, der sie an jenem Tag gefunden und in Sicherheit gebracht hatte, nachdem sie aus ihrem Heimatdorf geflohen war. Von Anfang an hatten sie eine ganz andere Verbindung zueinander gehabt. Er ist wie ein großer Bruder für sie geworden.
      Vielleicht… vielleicht würde sie es ja schaffen, ein ähnliches Verhältnis zu ihrem eigenen Schüler aufzubauen.

      Einen Moment lang reagierte Ayumi kaum. Sie starrte ihren Schüler etwas überrumpelt an, völlig aus der Bahn geworfen von dessen formeller Haltung. Dann hob sie langsam die Hände und lachte peinlich berührt.
      „H-hey, kein Grund, so förmlich zu werden!“, sagte sie und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Du wurdest mir zwar von unserer Meisterin als Schüler zugeteilt… aber bitte, nenn mich einfach nur Ayumi, in Ordnung?“, bat sie, bevor sie wieder eine aufrechte Haltung einnahm.

      „Wir werden morgen mit deiner Ausbildung beginnen. Aber für heute sollten wir uns einfach erst einmal besser kennenlernen.“, sagte Ayumi mit ruhiger Stimme. „Ich möchte mehr über dich erfahren. Auch, um das Training optimal auf dich anpassen zu können.“
      Für einen Moment schwieg sie. Die Straße war noch immer erfüllt von den verschiedensten Düften der köstlichen Speisen, die an den Ständen verkauft wurden.

      „Hast du Hunger?“, fragte sie schließlich. „Vielleicht sollten wir noch etwas essen, bevor wir uns auf den Weg zu meinem Anwesen machen.“

      ~~~

      Gerade noch hatte die junge Dämonin den Spaß ihres Lebens. Doch hatte sie die Situation, in die sie sich bringen würde, eindeutig völlig falsch eingeschätzt.
      In einem Moment lag sie noch kichernd auf dem Dach – und im nächsten flog sie bereits durch die Luft, nur um sich kurz darauf in den Klauen der Absteigenden Sechs wiederzufinden.
      Ihre Augen rissen sich weit auf – nicht vor Angst, sondern aus Überraschung. Und aus Ärger. Sie hatte zu spät reagiert. Zu langsam. Das wurmte sie fast mehr als die Situation selbst.

      Sie keuchte nach Luft, als sich die Hand ihres neuen Lehrmeisters immer fester um ihren Hals schloss. Instinktiv griffen ihre Hände nach seiner Faust, ihre Finger versuchten vergeblich, seine zu lockern. Zusätzlich zappelte sie mit den Beinen, doch auch das brachte nicht viel.
      Sie verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse und erwiderte den Blick der Absteigenden Sechs mit derselben sturen Mimik wie immer.

      Während das Atmen ihr zunehmend schwerer fiel, ließ auch ihre Konzentration nach – und eine dumpfe Verwirrung begann sich in ihrem Kopf auszubreiten.
      „Das…“, keuchte sie schließlich und starrte ihm trotzig in die Augen, „war… doch… nur… ein… Streich.“, sagte sie brüchig und rau.
      „Verstehst… du… keinen… Spaß?“, fragte sie noch provozierend, auch wenn ihre Stimme kaum mehr war als ein heiseres Flüstern.

      Doch der Luftmangel und die Wirkung seiner Blutdämonenkunst forderten ihren Tribut. Ihre Kräfte schwanden. Sie gab den Versuch auf, seine Hand von ihrem Hals zu reißen – auch das hilflose Strampeln ihrer Beine stoppte. Schließlich ließ sie ihren Körper einfach schlaff hängen. Ein stummes Zeichen der Kapitulation.
    • Kaoru starrte seine neue Lehrmeisterin unentwegt an, als diese sichtlich mit seinen Formalitäten zu kämpfen hatte. Sie erschien ihm zuerst wie der Art Mensch, der großen Wert auf Normen und Etiketten zu legte. So wie es aussah, hatte er sich da ein bisschen Verschätzt. Die Frau schien eher unsicher und unbeholfen. Etwa eine Taktik um ihn aus der Reserve zu locken? "Jawohl, Ayumi-Sensei." Bestätigte er ihre Aufforderung und lockerte dann seinen Blick, als sie ihm sagte sie würden erst morgen mit den Training beginnen.
      Hatte sie ihm nicht eben erst eine Lektion erteilt? Die Widersprüche und ihre unsichere Haltung machten es Kaoru schwer eine klaren Gedanken zu fassen.
      Ehe sich der Junge weiter in den eigenen Gedanken verstricken konnte, schlug seine Meisterin ihm eine Art Kennenlernessen vor.

      Grundsätzlich lehnte er es nicht ab Nahrung in Gesellschaft aufzunehmen. Nur die Umstände waren andere als er es sonst gewohnt war. Trotzdem musste er dem Ganzen eine Chance geben. Irgendwie saßen sie beide im gleichen Boot und die Meisterin wäre wahrscheinlich auch nicht sehr glücklich darüber, wenn sie mitbekommen würde, dass er die Säule des Eises hatte abblitzen lassen. "Wenn ihr das Wünscht." Stimmte er ihrem Vorschlag zu musterte daraufhin einen Moment lang stumm die Läden und Stände.
      Die Auswahl war ungemein vielfältig. Gegrillte Spieße, Suppen und frisches gekochtes Gemüse mit Reis. Irgendwie schien es ihm so, dass Meisterin Kagura mit diesem Treffpunkt bereits eine gewisse Vorbereitung für die Säule geleistet hatte. "Sensei. In Anbetracht der Lage und dem Vorhaben, würde ich Ramen vorschlagen." Vielleicht schaffte es wenigstens das Ramen ihn ein wenig von den Strapazen des Tages abzulenken.

      ---


      Jakuji rollte genervt mit den Augen, als die Göre endlich damit aufgehört hatte zu zappeln. Ja, sie war nicht gerade schwach. Einem anderen Jung-Dämon wäre vermutlich einfach der Kopf geplatzt. Dennoch verhielt sie sich wie ein kleines Kind. Spaß? Jakuji hatte noch nie Spaß als Dämon. Er hat all die Dinge nur, weil er sonst nichts mit seinem Dasein anzufangen wusste. Die Rache die er damals erhalten hatte, kostete ihn mehr als nur seinen schwachen menschlichen Körper.
      Der Dämon löste seine Hand von ihrem Hals, sodass sie wie ein nasser Sack zu Boden ging. Anschließend nahm er mit seinen, im Verhältnis, riesigen Klauen ihren Körper auf und brachte sie ein paar Meter weiter. Dort befand sich ein alter, aus Stein auf gemauerter und halb zerfallener Brunnen. An dessen Wand, lehnte er ihren Körper in eine Aufrechte Position an und hielt Ausschau nach einem Eimer Wassern. Leider wurde Jakuji nicht fündig. Außerdem hatte der Brunnen keine Kurbel mehr und das Seil war ebenfalls nicht zu finden. Ein genervtes Seufzen verließ die Lippen des Dämons, als er vor Kohane in die Knie ging und ihr eine kräftige Ohrfeige verpasste. "Hey!" Rief er ihr zu. Gestorben war sie jedenfalls nicht, denn ihre Aura war nach wie vor spürbar. "Hattest du Spaß?" Fragte er müde lächelnd und machte sich bereit ihr noch eine Ohrfeige auf die andere Seite zu verpassen, falls sie so tat, als ob sie ihn nicht hören konnte.