a moon between us [by Akkubird & yuyuumyn]

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    • Als Jakuji anfing, sich an dem sich immer weiter auflösenden Kadaver des Mondes zu laben, drehte sich Ayumi bei seinem Anblick erneut der Magen um. Sie war gezwungen, den Blick für einen Moment abzuwenden.
      Sie konnte es nicht mit ansehen – wie er, Haruto, wie ein wildes Tier – was Dämonen ja durchaus waren – von einem anderen Dämon fraß.
      Wenn sie sich richtig an den Theorieunterricht erinnerte, wurden Dämonen tatsächlich stärker, wenn sie sich wie Kannibalen gegenseitig fraßen.

      Und genau so war es auch. Der Körper des Mondes war nun vollständig verschwunden. und Jakuji war wieder bei Kräften. Anders als Ayumi. Ihr menschlicher Körper kniete noch immer am Boden. Ihre Beine weigerten sich – noch – ihr zu gehorchen und sie wieder aufstehen zu lassen.
      Ihr Blick wanderte zu dem kleinen Messer – dem „geliehenen“ Messer –, das neben ihr auf dem Boden lag. Langsam griff sie danach und schloss ihre Finger sachte um den Griff. Als wäre das Messer eines der kostbarsten Dinge, die sie besaß. Vielleicht war es das auch. Denn dieses Messer war das Einzige, was ihr von Haruto – dem echten Haruto – geblieben war.
      „Jemand, der die Schwächeren schikaniert hat“, wiederholte Ayumi leise und schüttelte dann leicht den Kopf.
      „Das klingt ganz nach Shou… solche Typen wie ihn, die gibt es doch wirklich überall.“, murmelte sie und konnte nicht umhin, sich zu fragen, was wohl damals mit Shou geschehen war. Immerhin waren nur sie – und Haruto, beziehungsweise Jakuji – die einzigen, die den Angriff auf ihr Heimatdorf überlebt hatten. Obwohl sie das Wort „überlebt“ bei Jakuji nicht wirklich passend fand.

      Sie blieb einfach weiter auf dem Boden sitzen und hörte sich an, was Jakuji noch zu sagen hatte. Seine Worte trafen sie. Mehr, als sie zugeben würde. Auch wenn sie Freunde waren, hatte das Schicksal sie dazu gezwungen, unerbittliche Feinde zu sein.
      Also atmete sie noch einmal tief ein, bevor sie Jakuji fest in die Augen sah.
      „Und ich werde dich jagen, Jakuji. Ich werde ein Heilmittel finden. Ganz egal, wie lange es dauert. Und wenn ich es gefunden habe, werde ich dich zurückverwandeln. Mir ganz egal, ob du bis dahin einer der Monde bist.“, sagte sie entschlossen.

      „Und ich werde es sein, die Madou für all seine Taten zur Rechenschaft zieht. Die Tage seiner Macht werden sich dem Ende zuneigen – verlass dich darauf. Ich werde nicht aufgeben, selbst wenn es mich das Leben kostet.“

      Ihr Blick wanderte für einen Moment in den Himmel. Zu dem Sonnenaufgang, der sich mit jedem vergehenden Moment weiter drohend näher ankündigte. In der Ferne konnte sie Deigo ihren Namen rufen hören – aber sie antwortete ihm nicht. Noch nicht.
      Ihre Augen wanderten zurück zu Jakuji, und ihre Blicke trafen sich erneut in einem Stillen Moment.

      „Du solltest jetzt gehen, Haruto.“
    • Jakuji hatte das Messer, als sie es zuvor auf den Mond geworfen hatte, gar nicht wieder erkannt. Erst als er sah, wie sorgfältig sie das olle Ding behandelte, hinterfragte er den Wert dieses Gegenstandes. Ein weiterer Beweis dafür, dass ihre Worte mehr waren als leere Versprechungen. Als sie auf Shou zu sprechen kam, schüttelte der Dämon unterbewusst den Kopf. Soweit er sich erinnern konnte, was der kleine Feigling mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus der Stadt geflohen. Und dort wartete schon die Nachhut auf die Flüchtlinge. Es war ein Wunder, dass Ayumi den dort postierten Dämonen nicht in die Arme gelaufen war. Madou machte eben keine halben Sachen. Außer er sah einen tieferen Sinn dahinter.

      Jakujis direkte Ansprache, im Bezug auf seinen Dämonenstatus, verfehlten offensichtlich die erhoffte Wirkung. Sein Ziel war es gewesen ihr die schmerzhafte Wahrheit vorweg zu nehmen, dass es spätestens jetzt keinen Weg mehr zurück geben würde. Dass sie von nun an noch mehr Probleme haben würden, wenn sie sich wiedersehen sollten. Doch ihr Wille blieb, wie gewohnt, ungebrochen. Ihr Kampfgeist schien gerade noch mehr auf zu flammen. Der junge Dämon versuchte gefasst zu bleiben und entschloss sich keine weiteren Versuche zu unternehmen ihren Willen zu brechen. Sie würde wohl wirklich lieber sterben, als aufzugeben. Doch wenn sie an Madou heran wollte, musste sie zuerst seine Monde erledigen. Es überkam ihn ein Anflug von Wehmut, als ihm bewusst wurde, dass sie selbst eines Tages herausfinden würde, was er jetzt schon wusste.
      "Ich merke schon. Du wirst dich niemals ändern. Und das ist auch gut so." Antwortete er ihr mit leiser Stimme und ging dabei in die Knie, um ihr besser in die Augen sehen zu können.

      Sein Ziel war es eigentlich ihr auf zu helfen. Und eigentlich hätte er ihr noch gerne erklärt was in der Nacht passiert war. Jedoch störte das Rufen ihres Namens und der angekündigte Sonnenaufgang die geplante Abfolge. Vielleicht war es aber auch besser so. Der junge Dämon zögerte kurz, denn die Schwertkämpferin war noch immer wehrlos. Erst als er die Distanz der Rufe ungefähr eingeschätzt hatte, richtete er sich wieder auf.
      "Du solltest antworten. Ich kann jede Ablenkung brauchen. Bei der Helligkeit kann ich mich nicht mehr tarnen... Und da die Sonne aufgeht... Kann ich auch niemanden verschonen der sich mir in den Weg stellt." Riet der junge Dämon der Schwertkämpferin und wollte schon davon springen, da schien ihn doch noch etwas an Ort und Stelle zu halten.
      Er drehte sich noch einmal zu ihr um, denn es brannte ihm in der Brust sie schon wieder zurück lassen zu müssen. Ihr schon wieder solch üblen Dinge sagen zu müssen.
      "Wir sehen uns wieder. -Versprochen." Verabschiedete er sich mir einem Winken, genau so wie Haruto es damals getan hatte.

      Der Dämon wartete noch einen Moment ab, ob Ayumi ihre Leute nun zu sich rufen würde und verschwand dann durch die Gassen. Und keine Minute später wurde schon seine Sichtung bekannt gegeben. Man versuchte den Dämonen zwar in Kämpfe zu verwickeln, doch durch den Leib des Mondes hatte Jakuji so viel Energie übrig, dass er nach Möglichkeit auswich, die Angriffe parierte oder nur ein bisschen verstümmelte. Er redete sich ein, dass er dies nur tat um schneller aus der Stadt zu kommen. Doch ein kleiner Funke in seinem schwarzen Herzen animierte ihn dazu seine Drohung nicht wahr zu machen.

      Vielleicht gab es tatsächlich noch Hoffnung für die beiden Freunde?

      ...
    • Start der Hauptgeschichte

      Nach dem Lichterjubiläum in der Stadt Tatsumaki waren wieder einige Jahre vergangen – Jahre, in denen sich Ayumi und Jakuji kein einziges Mal wiedergesehen hatten.
      Vieles hatte sich verändert: Ayumi war von einem Teenager zu einer jungen Frau herangewachsen. Und nicht nur das – sie war keine Schülerin mehr - sie ist zur Säule geworden. Zur Säule des Eises und Schnees.
      Und dennoch… kein Tag verging, an dem sie nicht an Jakuji… und an Haruto… dachte.

      Neben ihrem Dienst zum Schutz der Menschheit hatte Ayumi ihr Wort gehalten: Sie forschte unermüdlich nach einem Heilmittel, mit dem man Dämonen wieder in Menschen verwandeln konnte. Doch bislang blieben all ihre Versuche erfolglos.
      Sowohl Meisterin Kagura als auch Daigo hatten mehr als einmal versucht, ihr klarzumachen, dass es zwecklos sei – dass es kein Heilmittel geben würde.
      Doch Ayumi war fest entschlossen. Sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben. Sie durfte die Hoffnung nicht aufgeben – für Haruto, für all die verlorenen Seelen, die gegen ihren Willen zu Dämonen gemacht worden waren. Und vielleicht auch ein wenig für sich selbst...

      ~~~

      Es war früher Nachmittag. Ayumi saß in der kleinen Stadt Mizukane in einem ebenso kleinen Ramen-Laden.
      Mit einem letzten Schlurfen und einem zufriedenen Seufzen stellte sie die dritte große, leere Schüssel auf den Tresen ab.
      Nachdem sie sich mit einer Serviette den Mund abgetupft hatte, legte sie das Geld samt einem ordentlichen Trinkgeld auf den Tresen und erhob sich von ihrem Platz.
      „Vielen Dank. Das war wirklich köstlich.“, sagte sie und wandte sich zum Gehen ab.
      „Vermeiden Sie es, nach Einbruch der Nacht alleine draußen herumzulaufen. Es könnten Dämonen unterwegs sein.“

      Der Besitzer des kleinen Ramen-Geschäfts starrte ihr mit geweiteten Augen und offenem Mund hinterher, bevor sein Blick langsam zu den drei leeren Schüsseln zurückwanderte.
      Wie hatte sie es geschafft, gleich drei Portionen zu verdrücken? Nicht einmal die Bauarbeiter, die in der Stadt ein neues Gebäude errichteten und während ihrer Pausen seinen Laden besuchten, hatten bisher so viel auf einmal geschafft!

      Ayumi warf keinen Blick zurück, während sie durch die Straßen von Mizukane schritt. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Sonne unterging – und mit dem Sonnenuntergang würden mit großer Wahrscheinlichkeit auch Dämonen auftauchen.
      Wo es Menschen gab, da gab es auch Dämonen. So war es schon immer gewesen – und so würde es bleiben, bis die Dämonenjäger-Organisation irgendwann einen Weg finden würde, Madou, dem Dämonenkönig, ein für alle Mal den Garaus zu machen.

      „Dieser verdammte Feigling…“, dachte Ayumi, als sie an ihn dachte.
      Mittlerweile war sie einfachen Dämonen weit überlegen und es brauchte kaum mehr als einen Wimpernschlag, um ihnen den Kopf abzuschlagen. Jedem getöteten Dämon nahm sie etwas Blut ab, das sie für ihre Forschung verwendete. Sie würde Heilmittel finden… ganz gleich wie – und mit welchen Mitteln auch immer.
    • Nach dem ungeplanten Sieg über den 6. abnehmenden Mond und dem ebenso ungeplanten Treffen mit Ayumi, hatte Jakuji nur noch wenige Wochen Zeit sein Dasein als gewöhnlicher Dämon zu verbringen.
      Auch wenn die Umstände seines Sieges, über Getsumaru, gerade bei den aufgehenden Monden für Diskussion gesorgt hatte, behielt Madou das das letzte Wort in allen Belangen.
      Der junge Dämon musste zwar ein paar Tage Folter über sich ergehen lassen, da er nicht genau das getan hatte, was man ihm aufgetragen hatte, doch die Wunden verheilten mit der Zeit. Sein Sieg wurde letzten Endes von Madou anerkannt. Allerdings bedeutete dies auch, dass er nun den Platz des 6. abnehmenden Mondes einnehmen musste. Nicht nur das. Auch dessen Aufgaben innerhalb der Hierarchie. Eine der Hauptaufgaben des 6. abnehmenden Mondes war zum Beispiel die Kontrolle der Freudenbezirke in diversen Städten. Da die Jäger allerdings immer stärker wurden, musste sich Jakuji erst einmal nur um die Problemfälle kümmern. Einer dieser Fälle war die Stadt Kanazawa, mit ihrem weitläufigen Vergnügungsvierteln und den darunter verborgenen Dämonischen Fleischfarmen.
      Um diese Aufgabe zu Stämmen, erhielt Jakuji eine offizielle Ernennung mit allem drum und dran. Madou, der Oberste, ernannte ihn zu einen der 12 Monden und flößte ihm dabei mehr von seinem eigenen Blut ein. Dies hatte zur Folge, dass Jakuji sein Potential um ein vielfaches steigern konnte. Außerdem war er nun in der Lage seine eigene Dämonenkunst zu kreieren.

      Über die Jahre sorgte er dafür, dass die Stadt Kanazawa von einem Drecksloch zu einem florierenden Ort für allerlei Dämonische Bedürfnisse werden konnte. Und das ohne dabei zu sehr das Aufsehen der Jäger zu erregen. Seine Taten blieben unter den Dämonen nicht unentdeckt und viel Neid traf ihn. Einige versuchte seinen Rang streitig zu machen, doch hielt er bis zum heutigen Tage jedem Angreifer stand. Viele fragten sich, weshalb er nicht versuchte weiter aufzusteigen. Selbst Madou begann eines Tages die mangelnde Wachstumsbereitschaft seines Musterknaben zu hinterfragen. Wie lange würde es Jakuji wohl noch schaffen seinen Mittelweg einzuhalten?


      ---


      Jakuji saß in seiner dunklen Kammer und studierte die Berichte, vom Abend davor. Es gab immer wieder Dämonen, die sich daneben benahmen. Dieses Mal waren es Stammgäste, die mitten in der Nacht einen Blutrausch hatten und zwei Menschen auf offener Straße angefallen haben. Das war ein ernst zunehmendes Problem, denn offiziell war Kanazawa frei von Dämonen. Jakuji selbst hatte die wichtigsten Leute hier bestochen und beteiligte sie großzügig an den Gewinnen.
      Bei einem so offensichtlich Angriff war es aber auch den wichtigsten Politikern nicht mehr möglich die Wahrheit zu vertuschen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Jäger auf den Vorfall aufmerksam werden würden.

      Der Dämon verließ genervt seine Kammer und wanderte durch einen der unzähligen Tunnel, die wie ein Spinnennetz unter der ganzen Stadt verliefen. Auf dem Untergrundplatz, ein großer Bereich, der wie ein Park organisiert war, erwartete man ihn bereits. Mit dabei die zwei Übeltäter vom Vorabend. "Ab, mit ihrem Kopf." Befahl Jakuji im vorbei gehen. Die Verschleierung der gestrigen Vorfälle würde nun seine ganze Aufmerksamkeit benötigen. Als er nach drei Schritten noch keine Köpfe rollen hörte, blieb er stehen und fragte, ohne den Blick zu den Beteiligten zu wenden: "Ja?" Seine Leute waren normalerweise nicht so zimperlich. "Aber... Die Beiden gehören zum Clan von..." Argumentierte einer der Wachen die verzögerte Hinrichtung. Jakuji schnaufte genervt. "Und alle kennen die Regeln: Kein Mensch wird außerhalb der gekennzeichneten Bereiche verletzt oder getötet." Zitierte er seine Politik. Auch wenn es nur ein schwacher Trost für sein sonstiges Handeln war, schützte er so hunderte Menschen in der Stadt vor unkontrollierten Angriffen.

      Ohne weitere Worte ging Jakuji weiter. Die Sonne würde bald unter gehen und die Politiker der Stadt erwarteten Anweisungen, wie sie mit dem Fall umgehen sollten. Es stand das Gerücht im Raum, dass Jäger auf dem Weg hier her waren. Das allein war noch kein Problem, denn die Gegend war gut gesichert und getarnt. Es kam immer mal wieder vor, dass Jäger die Stadt besuchten. Allerdings kamen diese nicht mit dem Vorhaben ein Dämonennest auszuheben und alles kritisch zu hinterfragen.
    • Das zwei Menschen mitten auf offener Straße in Kanazawa – einer Stadt, die offiziell als frei von Dämonen galt – angegriffen worden waren, blieb natürlich nicht lange unbemerkt.
      Die Nachricht erreichte schon bald das Hauptquartier der Dämonenjäger und wurde der Anführerin persönlich überbracht: Kagura Shirakawa.
      Sie biss die Zähne zusammen, als sie sich den Bericht ihrer Kontaktkrähe anhörte. „Ein Angriff in Kanazawa... und das, obwohl die Stadt angeblich frei von Dämonen ist... Zumindest ist es das, was uns die Politiker immer wieder aufs Neue versichern.“, murmelte sie - auch wenn mehr zu sich selbst.

      Dann wanderte ihr Blick langsam zu Hayate, der Säule des Windes, der mit gesenktem Kopf vor ihr kniete. „Was hältst du von der Angelegenheit, Hayate? Sprich.“, forderte sie ihn auf – ruhig, aber mit jener unmissverständlichen Autorität, die keinen Widerspruch duldete.
      Hayate blieb in seiner Haltung, hob jedoch langsam den Kopf, um seiner Meisterin direkt in die Augen zu blicken. „Wenn Ihr mich fragt, ist da etwas faul, Meisterin.“, sagte er mit ruhiger, ernster Stimme.
      „Ich fand es schon immer merkwürdig, wie sehr die Politiker versuchen, uns weißzumachen, dass es in Kanazawa keine Dämonenangriffe gibt. Keine Stadt ist frei von solchen Tragödien – dafür gibt es mittlerweile einfach zu viele dieser Bestien.“
      Kagura beobachtete ihn schweigend. Sie ließ seine Worte wirken, bevor sie langsam nickte und ihren Blick wieder abwandte.
      „So sehe ich das auch. Und wir können diesen Angriff nicht einfach ignorieren. Wir können uns glücklich schätzen, dass uns die Nachricht überhaupt erreicht hat – und sie nicht vertuscht wurde. Wir—“, plötzlich brach sie ab.

      Sie hielt sich eine Hand vor den Mund und begann zu husten. Hayates Augen weiteten sich, und er erhob sich sofort – doch Kagura hob die freie Hand, um ihn zurückzuhalten. Sie wollte keine Hilfe. Der Hustenanfall dauerte länger, als ihr lieb war.
      Als er endlich abklang, blickte sie in ihre Handfläche – auf das Blut, das sie darin zurückgelassen hatte.
      Bevor Hayate es sehen konnte, schloss sie die Hand rasch zu einer Faust und wandte sich wieder der Säule des Windes zu.
      „Ich möchte, dass du nach Kanazawa gehst und Nachforschungen anstellst. Halte dich bedeckt. Niemand soll wissen, wer du bist – oder warum du dort bist. Hast du verstanden?“
      Hayate, der wusste, dass er nichts anderes tun konnte, als dem Befehl seiner Meisterin Folge zu leisten und nickte langsam. „Verstanden, Meisterin Kagura. Ich werde mich umgehend auf den Weg machen.“
      Mit einer letzten Verbeugung verschwand er auch schon aus ihren Gemächern.

      Kagura blieb allein zurück. Langsam öffnete sie ihre Faust wieder und blickte auf das noch immer frische Blut in ihrer Handfläche.
      Sie wusste, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb. Und dass sie einen Erben finden musste, dem sie die Götteratmung lehren konnte – bevor es zu spät war.
    • Im Hauptsitz der Stadt, einem großen mehrstöckigen Gebäude, das weit über den Dächern der anderen Häuser lag, öffnete Jakuji eine große Tür. Dahinter befand sich ein großer Gastraum gefüllt mit allerlei wichtigen Personen.
      Darunter der Bürgermeister und seine Leute. Aber auch andere Funktionäre. Einer dieser war nur dafür da, um die Nachrichten die aus der Stadt drangen abzufangen und zu manipulieren. Außerdem hatte er die Aufgabe Meldungen über Dämonen zu relativieren und als Absicht eines Rufmordes gegen die Stadt zu ahnden. Dieses Mal hatte der Gute Mann aber seine Arbeit eindeutig vernachlässigt.

      Jakuji schloss sachte die Tür hinter sich und wartete einen Moment ab, bis alle beteiligten an ihre kleinen Tische gekniet waren.
      Es gab Snaks und Sake. Einer der Tische blieb frei, doch der Dämon hatte gar nicht vor sich zu setzen. Viel zu sehr plagte ihn die Wut.
      "Herr Hayashida. Sie und ihre Familie haben ein großes Haus uns 8% der Einnahmen aus 2/3 der Geschäftsanteile." Begann der Dämon mit ruhiger Stimme. Die Stimmung im Raum war gedrückter als sonst, denn allen war klar, dass sie nun Probleme bekommen könnten. Ein Räuspern durchbrach die Stille, doch Jakuji unterbrach die Versuche, die Herr Hayashida unternahm, Stellung zu nehmen. "8% und was bekomme ich? Eine Meldung über einen Vorfall den zwei minderbemittelte verursacht haben. Der auch noch in einer Zeitung zu finden ist, die ein auswärtiger Reporter mit Infos versorgt. Herr Hayashida. War es nicht ihre Aufgabe diesen Herrn im Auge zu behalten?" Die Stimme des Dämons schwang von ruhig zu äußerst zornig, aber dennoch beherrscht. Hayashida senkte betroffen den Kopf und entschuldigte sich mehrfach für sein Versagen. Dann herrschte wieder Stille. "Herr Hayashida... was gedenken Sie nun dagegen zu unternehmen? Was denken Sie werden die Jäger nun tun? Uns ignorieren? -Nein. Sie werden kommen und euch alles wegnehmen, was ich euch gegeben habe." Der Dämon zeigte abwechselnd auf die Beteiligten und schlug dann klangvoll die Hände zusammen. "Ihr werdet jetzt all eure Kontakte nutzen, egal was es euch auch kostet und diesen Mist in Ordnung bringen." Befahl Jakuji. Nun wieder gefasster.

      Bevor er den Raum verließ, blieb er nochmal in der Tür stehen und blickte zurück. "Ach ja. Und schickt die Spitzel los."
      Damit zog Jakuji die Türe hinter sich zu und machte sich auf den Weg ins größte Freudenhaus.
      Zuvor musste er sich allerdings noch seine weiße Maske und seinen roten Umhang an der Rezeption holen. Alle Bediensteten des Viertels trugen diese Kleidung. Egal ob Mensch oder Dämon. Das machte es deutlich leichter.
    • Hayate hatte sich ohne weiteres Umschweifen auf den Weg nach Kanazawa gemacht. Als er endlich ankam, war die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden und die Stadt in die Dunkelheit der Nacht getaucht. Doch Kanazawa schlief nicht. Im Gegenteil – auf den Straßen war noch überraschend viel los.
      Wie Kagura es ihm aufgetragen hatte, hielt er sich bedeckt und unauffällig. Er trug einfache Kleidung, wie ein gewöhnlicher Reisender, und sein Katana war dicht am Körper verborgen – so, dass er es im Notfall innerhalb von Sekunden ziehen konnte, sollte es zu einem unerwarteten Kampf kommen.
      Seine ganze Erscheinung fügte sich nahtlos in die Menge ein. Nichts an ihm erregte Aufmerksamkeit. Ein weiteres schlichtes Gesicht in einem Meer von Menschen.

      Während er durch die Straßen ging, versuchten ihn schöne Frauen in eines der vielen Freudenhäuser zu locken. Doch Hayate lehnte jedes Mal mit einem gespielten, schüchternen Lächeln ab und setzte seinen Weg unbeirrt fort.
      Ab und an fielen ihm Gestalten mit weißen Masken und roten Umhängen ins Auge. Sie wirkten nicht wie gewöhnliche Bürger – etwas an ihnen ließ ihn stutzig werden. Irgendetwas musste es mit ihnen auf sich haben...
      Während er weiter durch die nächtliche Stadt streifte, belauschte er die Gespräche der Passanten. Doch niemand sprach über den Angriff. Niemand. Nicht ein einziges Wort über Dämonen, über Gefahr – als wäre nie etwas passiert. Das war... merkwürdig. Zu merkwürdig.
      Als hätte man diejenigen, die etwas wussten, zum Schweigen gebracht.

      Er musste weiter ins Innere der Stadt vordringen. Irgendjemand musste ihm doch Informationen beschaffen können...
      Ein leises Seufzen entwich ihm. Es blieb ihm wohl keine andere Wahl. Noch einmal ließ er seinen Blick über die Straße gleiten – dann machte er sich auf den Weg zum größten Freudenhaus der Stadt.
    • Jakuji legte, wie geplant, die ortsübliche Dienstkleidung an, eher seinen Weg zum Freudenhaus aufnahm.



      Die Straße war an diesem Abend gut gefüllt. Die Menschen schienen das Drama vom Vorabend gut weg gesteckt zu haben. Oder aber die die etwas mitbekommen haben waren nun im Keller des "Sakura Yoru." Dies war der Name des größten Freudenhauses der Stadt.
      Entgegen der meisten Erwartungen lag der Fokus in diesem Etablissement nicht nur auf körperlichen Freuden. Es gab sowohl Glücksspiel, als auch Kulturvorstellungen in den oberen Stockwerken. Das Erdgeschoss und der 1. Stock waren allerdings für die einfachen Freuden reserviert.

      Um in besagten Keller zu gelangen, genügte es die richtigen Damen im Erdgeschoss passend einzuladen. Dadurch dass sie die Kunden mit sich nahmen bemerkte niemand, ob sie im Aufzug nach oben oder unten fuhren, denn dieser besaß keine Anzeige, welche seine Fahrtrichtung andeutete. Die Damen waren waren ausschließlich menschlich und wurden wie Künstler gefeiert. Hier ging es nicht ausschließlich darum einfache Dienste gegen Geld anzubieten. Es war die Exklusivität, die die Kunden dazu brachte hier ihr Geld liegen zu lassen. Jede Dame hatte ihre Schwerpunkte, wie zum Beispiel Musik oder Kunst. Jakuji selbst hatte irgendwann den Überblick verloren, da das Haus so schnell angewachsen war. Er meinte sich auch an eine Dame zu erinnern, die damit warb besonders weit in die Zukunft blicken zu können. Im Endeffekt war es ihm auch einerlei, solange alles seinen Ablauf hatte.

      Draußen vor der Tür befand sich ein kleiner Vorgarten, der einladend mit Laternen ausgeleuchtet war. Das umliegende Gelände wurde außerdem von Wachen beobachtet. Seit
      dem Vorfall letzte Nacht, war Vorsicht geboten. Noch so ein Fehler und es würde garantiert
      Probleme geben, wenn es sie nicht schon längst gab. Und in beiden Fällen war es gut ein paar Leute in der Hinterhand zu haben.

      Jakuji nahm sich viel Zeit, um die Menschen im Viertel genau zu beobachten, doch es schien alles ruhig zu sein. Es wurde getrunken, geredet und der Zulauf im Sakura Yoru war gut wie immer. Er schritt bedacht auf die große Eingangstüre zu und betrachtete die Wachen, die wie er eine Maske und ein Umhang trugen. Zwei von ihnen standen am Eingang und begrüßten die Menschen. Der Eingang der Dämonen lag außerhalb des Viertels und führte direkt in die Kellergeschosse.
      Beide Maskenträger zögerten für einen Augenblick, als Jakuji in seiner Verkleidung eintreten wollte, wünschten ihm dann aber viel Spaß und einen blumigen Abend.
      Der Weg des Dämons führte an die Bar des Erdgeschosses, denn dort bediente ebenfalls ein Maskenträger, der ihm nach einem seichten Wink mit der Hand, welche in einem weißen Handschuh verborgen war, einen zähflüssigen stark gewürzten Drink in roter Optik mischte. Neben dem leicht eisenhaltigen Geruch stieg dem Dämon der starke Alkohol und die Gewürze in die Nase, die der Masken-keeper gemischt hatte. "Wie hoch liegen heute die Kurse?" Wollte der Dämon wissen und nippte an seinem Getränk, woraufhin der Barkeeper in die Richtung eines jungen Geschäftsmannes blickte, der gerade den Erfolg der letzten Monate feierte. Es schien wirklich alles beim Alten zu sein und das kam dem Dämon sehr komisch vor. Dafür dass gestern erst zwei Menschen von Dämonen angegriffen wurden waren die Menschen hier viel zu entspannt. Also entweder war es ihnen egal solange sie saufen und andere Dinge tun konnten oder die Macht der Politik hatte alle unangenehmen Stimmen in den Keller gesperrt. Doch dazu würde er später noch kommen.
    • Je näher Hayate dem „Sakura Yoru.“ kam, desto mehr fielen ihm die Gestalten mit den weißen Masken und roten Umhängen auf.
      Auch am Eingang standen zwei von ihnen, die ihn begrüßten, als er an ihnen vorbeiging. Er erwiderte den Gruß mit einer leichten Neigung seines Kopfes, ehe er auch schon das imposante Gebäude betrat.
      Mittlerweile war er sich ziemlich sicher: Wenn die normalen Passanten hier nichts über den Dämonenangriff vom Vortag wussten… dann ganz sicher die Angestellten mit den weißen Masken und roten Umhängen. Irgendjemand musste doch irgendwas darüber wissen...
      Doch wie sollte er an Informationen kommen? Er konnte ja schlecht einfach auf einen von ihnen zugehen und nachfragen. Sie würden wohl kaum mit einem Gast über solche Angelegenheiten sprechen…

      Dann traf es Hayate wie ein Schlag und eine Idee formte sich in seinem Kopf. Natürlich – sie würden nicht mit einem Gast darüber sprechen… aber mit jemandem von ihnen ganz bestimmt...

      Als er das Freudenhaus betrat, ließ er seinen Blick aufmerksam über die verschiedenen Gesichter wandern – über die anderen Gäste und über die weißen Masken der Umhangträger. Er musste irgendwie an eine Maske und einen Umhang herankommen… - aber wie?

      Noch während er darüber nachdachte, wurde er bereits wieder von einer Dame angesprochen. Hayate antwortete mit einem höflichen Lächeln, achtete jedoch darauf, eine gewisse Distanz zu wahren.
      Als er aus dem Augenwinkel bemerkte, dass ein Maskenträger in einen eher abgelegenen Teil des Gebäudes verschwand, entschuldigte er sich bei der Dame und folgte dem Maskenträger unauffällig bis sie eine Kammer erreichten...

      ~~~

      Es vergingen einige Minuten bis Hayate die Kammer schließlich wieder alleine verließ – sein Gesicht verborgen hinter der weißen Maske, gekleidet in dem roten Umhang des Angestellten.
      Er war einen Schritt weiter, doch noch immer am Anfang seiner Aufgabe.
      Erneut ließ er seinen Blick aufmerksam durch den Raum schweifen. Jetzt musste er irgendwie das Gespräch suchen – und das, ohne aufzufallen...
      Als er sah, wie einer der Angestellten zum Aufzug ging, zögerte er keine Sekunde, folgte ihm unauffällig und stieg mit ein.

      Hayate wusste zwar nicht, wohin es ging, aber das war egal – solange er einen der Angestellten in ein unauffälliges Gespräch verwickeln konnte. Während der Aufzug – so fühlte es sich zumindest an – nach unten in den Keller fuhr, ließ er seinen Blick langsam zu dem anderen Maskenträger wandern.
      „Kaum zu glauben, dass das gestern passiert ist, oder?“
      Der andere blickte auf und richtete seinen Blick auf den verkleideten Hayate. „Wohl wahr… ich habe gehört, dass die beiden bestraft werden. Ob das Urteil wohl schon vollstreckt wurde?“, murmelte er und schüttelte dann leicht seinen Kopf. „Aber jetzt genug davon. Wir müssen weiterarbeiten, als wäre nie etwas passiert. Wenn uns jemand dabei erwischt, wie wir darüber sprechen, bekommen wir auch noch eine Strafe.“
      Der Aufzug kam im Keller zum Stehen und der Angestellte verließ ihn ohne ein weiteres Wort. Auch Hayate stieg aus und musterte wieder aufmerksam seine Umgebung. Er hatte es doch geahnt – es hatte wirklich einen Angriff gegeben. Und dass jemand den Angestellten verbot, darüber zu sprechen, überraschte ihn auch kaum. Hinter all dem musste mehr stecken, als man mit bloßem Auge erkennen konnte…

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    • Der Abend versprach also guten Umsatz. Und alles schien bisher ruhig zu verlaufen. So saß der Dämon noch an der Theke, bis er sein Getränk geleert hatte. Nun war es auch an der Zeit den Rest zu überprüfen. Jakuji ging zwischen den Gästen und Damen hindurch und betrat den Aufzug, welchen er nun in den Keller fahren ließ.

      Unten angekommen, blickte er in einen schwach beleuchteten Raum, der Abgänge in alle Richtungen besaß. Von hier aus war es möglich unter der halben Stadt zu wandeln ohne gesehen zu werden. Vorausgesetzt man kannte sich auch aus. Einige Gänge waren so angelegt, dass sie einen irre führen konnten. Andere wurden durch massive Türen geschützt, die Bezirke von Bezirken trennten.
      Vom Sakura Yoru aus konnte man ohne Probleme die Lagerflächen, die Mitarbeitergarderobe und die Ersatzgarderobe der Damen erreichen.
      Außerdem gab es einen gesicherten Zugang zum Tresor, in dem die Chips und Gewinne des Casinos gelagert wurden. Um an die sensibleren Einrichtungen zu gelangen, musste man sich orientieren und Zugang zum Türsystem der Katakomben haben. Ein Maskenträger war also auf seinen Arbeitsplatz beschränkt.

      Noch hatte niemand bemerkt, dass bereits eine Ratte unter ihnen war, daher ging Jakuji wie gewohnt seinen Rundgang. Zuerst wollte er prüfen, ob der Tresorraum verschlossen war. Die Maskenträger ignorierte er, wie gewohnt. Sie sollten ihre Arbeit machen und nicht quatschen. Jakuji wusste, dass sie heimlich miteinander sprachen, obwohl dies streng verboten war. Noch gab es keinen Zauber, der sie daran hindern konnte.
      Anschließend überprüfte er das Lager und die Umkleiden. Auf einem kleinen Block notierte er sich Stichpunkte zum Lagerbestand. Die Lagerhaltung der Lebensmittel und Getränke war zwar Sache des Zuständigen Dämonen, der das Sakura Yoru betreute, doch verschwanden gerne mal Flaschen aus den Regalen, deren Verschwinden Jakuji nicht länger ignorieren wollte.

      Als dies alles erledigt war, schon der Dämon seine Notizen in die Tasche und machte sich auf zur ersten Tunneltür, hinter der sich die nächst gelegene Blutbank befand. Der Tunnel war absichtlich sehr lang und dunkel, denn Dämonen konnten ohne Probleme ohne Licht auskommen.
    • Hayate fand sich in einem schwach beleuchteten Raum wieder, der Abgänge in alle Richtungen hatte. Großartig… der Keller schien ein ganzes Tunnelsystem zu sein, das sich unter der gesamten Stadt entlangzog.
      Wie ein riesiges Spinnennetz, in dem sich unvorsichtige Fliegen nur allzu leicht verfangen konnten, wenn sie nicht aufpassten.
      Unter seiner weißen Maske runzelte Hayate die Stirn. Wenn das nicht mehr als merkwürdig war, dann wusste er auch nicht weiter.
      Doch bevor er überhaupt etwas unternehmen konnte, öffneten sich erneut die Türen des Aufzugs und zwei weitere Maskenträger mit roten Umhängen traten heraus.

      Beide wirkten sichtlich panisch und kaum fiel ihr Blick auf Hayate, eilten sie mit schnellen Schritten auf ihn zu. „Hey! Du da!“, rief der vordere von beiden. „Hast du den Meister gesehen?!“
      Hayate antwortete nicht, blickte beide Maskenträger ruhig an und schüttelte als Antwort leicht seinen Kopf.
      Der zweite trat näher, die Stimme leiser, aber angespannt. „Wir haben Ryota gefunden… im Erdgeschoss. Bewusstlos. In einer Kammer hinter den Versorgungsleitungen! Ohne Maske und ohne Umhang! Jemand muss ihn überfallen haben!“
      Die beiden Maskenträger sahen einander nervös an, bevor sie wieder zu dem maskierten Hayate blickten.
      „Was ist nur passiert? Und vor allem... wer hat ihm die Sachen abgenommen?“, fragte er erste, auch wenn mehr zu sich selbst als zu Hayate.
      Hayate hielt den Blick gesenkt, reagierte nicht. In seinem Inneren arbeitete es fieberhaft – sie haben den Körper schneller gefunden, als es ihm lieb ist, aber vielleicht konnte er diesen Umstand auch zu seinem Vorteil nutzen und herausfinden, wer genau dieser "Meister" ist, von dem sie eben gesprochen haben...

      Der zweite Maskenträger runzelte die Stirn. „Wir müssen den Meister finden und ihn darüber informieren. Und das so schnell wie nur möglich - wenn wirklich jemand hier ist, der sich als einer von uns ausgibt…“
      Er brach seinen Satz ab. Er wollte gar nicht erst darüber nachdenken, wie wütend der Meister wohl werden würde, wenn er davon erfuhr. Aber er wusste, dass sie keine andere Wahl hatten, als ihm davon zu berichten.
      Er blickte wieder zu seinem Begleiter und dann zu Hayate "Du kommst mit uns! Desto mehr mehr wir sind, desto leichter finden wir vielleicht den Meister!", befahl er und verschwand mit dem anderen bereits schon in einen der Tunnel.

      Hayate blickte ihn einen Moment lang schweigend hinterher, bevor er ihnen dann langsam folgte und sich immer weiter in das Spinnennetz begab. Er wusste, dass er nun nur noch vorsichtiger sein musste. Ein falscher Schritt...eine falsche Bewegung...und die fette Spinne würde wissen, wo und wer er ist.
      Desto weiter sie in den Tunnel hinein liefen, desto dunkler wurde ist, was gleichzeitig auch dafür sorge, dass Hayates Sicht immer schlechter wurde. Doch wer war nicht ohne Grund die Säule des Windes. Er orientierte sich an seine Umgebung. An den leichten Windhauch, der durch den Tunnel wehte...an die Atmung der anderen beiden Maskenträgern. An alles, was ihm dabei half nicht die Orientierung zu verlieren, auch wenn er selbst nur noch dunkle Schatten und Umrisse erkennen konnte...
    • Jakuji hatte eben erst die große Tür hinter sich verriegelt und wollte zurück zum Casino, um abschließend seinen Mängelbericht zu verfassen, da konnte er aus den dunklen Gängen Schritte hören. -Schnelle Schritte. Das hatte meist nichts gutes zu bedeuten. Ein weiterer Angriff? Der Dämon biss genervt seinen Kiefer zusammen. Dieses Mal würde er die Übeltäter persönlich foltern und das Ganze als Hauptakt des Abends vermarkten.
      Die Schritte kamen schnell näher, es mussten seine Leute sein, denn jeder Fremde wäre ohne Führung längst in einem falschen Gang gelandet. Um das ganze abzukürzen, kam Jakuji den Dienern langsam entgegen und wartete dann, die letzten Meter ab.
      Es waren drei der Maskierten, aus dem Freudenhaus, die ihm plötzlich gegenüber standen.

      „Hey! Du da! [b]Hast du den Meister gesehen?![/b] Schoss der Erste direkt los und der Zweite setzte mit: „Wir haben Ryota gefunden… im Erdgeschoss. Bewusstlos. In einer Kammer hinter den Versorgungsleitungen! Ohne Maske und ohne Umhang! Jemand muss ihn überfallen haben!“ nach. Jakuji musste nicht lange überlegen, um 1 und 1 zusammen zu zählen.

      Gestern der Angriff und heute eine Infiltration. Das konnte nur einer der Jäger sein, der hier umher schlich und nach Beweisen suchte. Vielleicht war er noch unter ihnen? Aber ebenso groß war die Wahrscheinlichkeit, dass er bereits genug Beweise hatte, um seine Leute hier her zu holen. "Ich werde es dem Meister ausrichten." Entgegnete der Dämon mit ruhiger Stimme. Nun war keiner der Maskierten mehr vertrauenswürdig. Doch wenn der Spion noch hier war, war es besser ihn im Glauben zu lassen, dass seine Tarnung noch nicht aufgeflogen ist. Andererseits konnte auch einer dieser Maskierten hier der Spion sein und nur versuchen Unruhe zu stiften.
      Egal wie man es drehte oder wendete. Die Schlacht war nun nicht mehr zu retten. Der nächste Zug entschied nur noch darüber wie groß die Verluste ausfallen würden. Ohne den Schein der Tarnung, war die Stadt nun völlig wertlos.


      Jakuji drehte sich wieder um und ging zurück in die Richtung aus der er zuvor gekommen war. Als er etwas Abstand hatte, nutzte er seine Kräfte, um so schnell wie möglich durch die Gänge zu eilen. Die Zeit war knapp.
      Als er die große Türe wieder verriegelt hatte, hielt der Dämon inne.
      Sein ganzes Konstrukt würde nun zusammen brechen.
      Die Gedanken rasten, als der Dämon sich den Umhang und die Maske vom Körper riss und auf den Boden schmiss. Ein andere Dämon, der gerade das geerntete Blut verladen wollte, sah dies und starrte den grübelnden Jakuji fassungslos an. Ihre Blicke trafen sich, als Jakuji vom Boden wieder auf sah. Der Wagen voller Blut, den der andere Dämon vor sich her schob, beendete das Grübeln. "Gib das Signal zur großen Ernte! Bis zum Morgengrauen muss alles vernichtet sein!" Der andere Dämon nickte mit einem fragenden Gesichtsausdruck, denn so fassungslos hatte er seinen Meister nicht mehr gesehen, seit Madou selbst ihn für sein Versagen getadelt hatte. "Alles?" Fragte der andere Dämon nach und rechnete schon damit für seinen Ungehorsam bestraft zu werden. "Ja. Alles! Keine Gefangenen." Antwortete Jakuji gereizt und ging eilig weiter, um die Streitkräfte über seinen Schlachtplan zu informieren.

      Es war schade, dass die Fassade so leicht bröckeln konnte. Vielleicht wären ein paar wenige Angriffe auf die Bevölkerung wirkungsvoller gewesen, als eine scheinbar heile Welt? Nochmal würde dieses Konzept also ganz sicher nicht aufgehen.
      Doch das war auch nicht weiter tragisch. Die Ernten der letzten Monate waren so ausgiebig gewesen, dass er seine Soldaten sogar mit extra Rationen versorgen konnte und immer noch genug an die restlichen Truppen Madous abtreten konnte, damit diese für den Kampf gegen die Säulen gut genährt waren.
      Vorerst stand der Entschluss des Dämons fest. Falls es einen Kampf geben würde, so müsste ein Teil seiner Truppen kämpfen. Da der Standort allerdings seinen Nutzen verloren hatte, machte es keinen Sinn diesen um jeden Preis zu verteidigen. Es genügte also ein bisschen Kanonenfutter zu verstreuen, um den Jägern einen Sieg vorzugaukeln.
    • Nun hatte Hayate seiner Meinung nach wirklich genug gesehen und gehört. Es war mehr als eindeutig, dass es den Angriff gestern wirklich gegeben haben muss. Und noch viel wahrscheinlicher, dass sich noch immer Dämonen in der Stadt aufhielten.
      Aber warum, um alles in der Welt, haben die Politiker dann immer so eisern behauptet, dass es in Kanazawa keine Dämonenangriffe gibt? Das sie ja angeblich frei von Dämonen waren?
      Der Dämonenjäger-Organisation wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Politikern dieser Stadt ein wenig auf den Zahn zu fühlen...

      Hayate biss die Zähne unter der weißen Maske zusammen. Wenn der dritte Maskenträger, tatsächlich den "Meister" informieren gehen würde, blieb es nur noch eine Frage der Zeit, bis man herausfinden würde, dass er die Nadel im Heuhaufen war...oder das wichtige Beweise vernichtet werden würden.
      Er musste Verstärkung anfordern. Und das jetzt.

      Ohne eine weitere Sekunde oder auch nur ein weiteres Wort zu verlieren, wandte sich Hayate von den zwei anderen Maskenträgern ab und begab sich in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Er musste so schnell wie möglich aus diesem gesamten Tunnelsystem raus und seine Kontaktkrähe losschicken, damit die Verstärkung informiert wird.
      Er warf kein Blick zurück, aber er konnte die verwirrten Blicke der anderen zwei Maskenträger deutlich in seinem Rücken spüren.
      Nur wenige Augenblicke später erreichte er den Aufzug und fuhr mit diesem zurück in das Erdgeschoss.
      Dort schien noch alles genau so zu sein, wie es bei seiner Ankunft gewesen ist.
      Es wurde gelacht, getrunken und alte Männer machten den jungen Damen auf eine ziemlich erbärmliche Art und Weise den Hof. Ekelhaft.

      Leicht angewidert, verzog Hayate unter seiner Maske das Gesicht, bevor er sich aber wieder dazu Zwang, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Mit mit schnellen Schritten verließ er das "Sakura Yoru." Das er von den zwei Wächtern an der Tür dabei schief angeblickt wurde, ignorierte er völlig.
      Bevor sie auch nur die Möglichkeit hatten ihn anzusprechen, war er auch schon hinter der nächsten Ecke verschwunden. Prüfend ließ er nochmal seinen Blick umher wandern, ehe er sich dann seiner Maske und seines Umhangs entledigte und in die nächste Tonne warf, damit beides nicht so einfach wieder gefunden werden konnte.

      Mit einem leisen Pfiff rief er schließlich seine Kontaktkrähe zu sich, welche nur wenige Augenblicke später auf seinem ausgestreckten Arm landete und auf Hayates Befehl wartete.
      "Flieg zum Hauptquartier und berichte Meisterin Kagura, dass sich unsere Befürchtungen bestätigt haben. Ich brauche Verstärkung. Unverzüglich."
    • Jakuji hatte die Zeit genutzt, um seinen Schlachtplan vorzubereiten.
      Ein kleiner Teil seiner Streitkräfte ging an verschiedenen Tunnelausgängen in Position, um weitläufig auf der Stadt verteilt zu sein.
      Der Rest der Truppen war bereits dabei alles was nicht niet und nageltest war mitzunehmen und sich in eine eine andere Region des Landes zurückfallen zu lassen. Auf diese Art war konnte Jakuji einen Großteil der Beute wegschaffen und zeitgleich für Rückendeckung sorgen.
      Bis die Jäger einträfen wäre das Meiste auf jeden Fall erledigt.

      Bevor Jakuji selbst abreisen konnte, musste er noch einmal zurück zu den Politikern. Ihm war klar, dass die Feiglinge alles abstreiten würden, sobald die Jäger da waren. Dass sie ihren Kopf aus der Schlinge ziehen würden, wie Ratten, die auf den Leichen ihrer Kameraden schwammen um nicht ertrinken zu müssen. Der Dämon hatte sich nicht mal mehr die Mühe gemacht sich zu tarnen oder einen Tunnel zu benutzen. Die Menschen auf der Straße ergriffen schreiend die Flucht, als sie seine Gestalt auf der nächtlichen Straße erblickten. Der Wachmann des Regierungsgebäudes nahm seinen Job allerdings etwas zu ernst. Musste wohl ein neuer Mitarbeiter der Stadt sein, denn die meisten Beamten hier wussten eigentlich Bescheid. Der Wachmann versuchte mit seinem Schwert den Dämon zu verletzen, doch seine Klinge erreichte nicht einmal die Haut des selbigen. Eine kleine Bluthülle stoppte die Klinge und eine Druckwelle schleuderte den Menschen etwas zurück. In der Zeit war Jakuji bereits im Aufzug angekommen und fuhr hinauf in den obersten Stock.

      Dort angekommen wurde er zwar vom Empfang begrüßt allerdings waren die Politiker bereits auf der Flucht. Diese Feiglinge hatten wohl sein Kommen durch die Spitzel mitgeteilt bekommen. Der Dämon fuhr wieder ins Erdgeschoss zurück und verschaffte sich kurzerhand Zugang zu einem der Häuser, in dem der Gute Hayashida gerade seine Sache packte. Frau und Kind standen schon bereit zu gehen.
      "Guten Abend Herr Hayashida" Grinste Jakuji amüsiert und winkte dabei dem kleinen Mädchen frech zu. "Sie können noch nicht gehen. Eigentlich können sie gar nicht gehen. Sie wissen alles. Das macht sie leider zu einer potentiellen Gefahr für mich." Erklärte der Dämon, woraufhin die Frau in tränen ausbrach und ihr Kind in den Arm schloss. Wortlos trat Herr Hayashida vor den Dämonen und drehte ihm den Rücken zu, damit er Frau und Kind noch einmal sehen konnte. Seine Beine Zitterten und die Schweißperlen in seinem Nacken verrieten, dass er wusste was nun kommen würde.

      Jakuji lachte vergnügt, bevor er den Mann schnappte und mit ihm aus dem Haus ging. Das Schreien von Frau und Kind verhallte hinter ihnen, als sie die Straße herunter gegangen waren. Und als sich der Dämon sicher war, dass die Familie den Beiden nicht gefolgt war, lehnte er sich ganz Dicht an das Ohr des Herrn Hayashida und flüsterte: "Sie gehen jetzt zurück in ihr Büro und warten auf die Jäger. Sie verschaffen uns Zeit. Und dann können sie erzählen was immer sie wollen. Unser Deal ist damit beendet. Die Ware ist zerstört oder weggeschafft. Die Tunnel verschüttet. Man wird nicht mehr viel finden."
      Damit verschwand Jakuji und machte sich daran seine eigenen Unterlagen zusammen zu richten und einen Teil zu zerstören.

      Inzwischen hatte es sich herum gesprochen, dass ein weiterer Dämonenangriff stattgefunden hatte. Der Wachmann hatte seinen Vorfall gemeldet.
    • Als Ayumi und Daigo kurze Zeit später in Kanazawa ankamen, herrschte auf den Straßen bereits pure Panik. Der Bericht eines Wachmanns über einen weiteren Dämonenangriff hatte sich rasend schnell verbreitet. Die Menschen liefen durcheinander, blickten nervös umher und sprachen aufgeregt über das Geschehene.
      Daigo und Ayumi tauschten einen kurzen Blick, als plötzlich Hayate bereits wie aus dem Nichts vor ihnen auftauchte.
      „Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt.“, begann er ernst. „Es hat gestern einen Dämonenangriff gegeben. Und gerade eben noch einen – direkt vor meiner Nase, ohne dass ich es bemerkt habe. Das diese Stadt frei von Dämonen ist, ist eine einzige, gewaltige Lüge. Und da ist noch etwas: unter Kanazawa verläuft ein riesiges Tunnelsystem – und ich bin mir sicher, dass es nicht von Menschen erbaut wurde. Die ganze Stadt ist wie ein einziges großes Spinnennetz.“
      Er machte eine kurze Pause, dann fügte er leise hinzu: „Die eigentliche Frage ist: Warum haben uns die Politiker belogen? Und vor allem: Warum haben sie auch Meisterin Kagura in die Irre geführt?“

      Daigo biss die Zähne zusammen. Seine Finger krallten sich fester um den Griff seines Katanas. „Sie stecken mit den Dämonen unter einer Decke.“, zischte er voller Verachtung.
      Ayumis Augen weiteten sich. „Du glaubst wirklich, dass die Politiker mit Dämonen gemeinsame Sache machen? Aber… warum? Warum sollten sie ihre eigenen Leute - die Bewohner dieser Stadt - so bewusst in eine solche Gefahr bringen?“
      Daigo öffnete gerade den Mund, um zu antworten – doch Hayate kam ihm zuvor. „Menschen tun vieles für Geld und Macht, Ayumi. Viele Menschen - gerade in solchen Machtpositionen - interessieren sich nicht für das Wohl der anderen. Sie interessieren sich nur für sich selbst.“, sagte er ruhig, aber mit Nachdruck.
      Dann wandte er sich an Daigo: „Du bleibst hier und kümmerst dich um die Menschen – falls es noch zu einem weiteren Angriff kommt.“

      Sein Blick glitt zu Ayumi. „Und du kommst mit mir. Wir werden den Politikern hier ein wenig auf den Zahn fühlen.“

      ~~~

      Während Daigo sich darum kümmerte, die Menschen zu beschützen und sie gleichzeitig zu beruhigen, hatten sich Hayate und Ayumi auf den Weg zum höchsten Gebäude der Stadt gemacht – dem Sitz der Politiker.
      Niemand stellte sich ihnen in den Weg, was bei Hayates Gesichtsausdruck auch kaum verwunderlich war.
      Er sah aus, als würde er jedem den Kopf abreißen, der es auch nur wagte, ihn schief anzusehen.
      Auch Ayumi beschloss, dass es vielleicht besser war, erstmal den Mund zu halten – zumindest, bis sie bei den Politikern angekommen waren.

      Nach einer gefühlt endlosen Fahrstuhlfahrt erreichten die beiden Säulen schließlich das oberste Stockwerk – wo sie dem Bürgermeister höchstpersönlich gegenüberstanden. Er wirkte nervös. Was Hayate nur noch stutziger machte.
      „Ihre Stadt ist also frei von Dämonen, Herr Hayashida?“, fragte er mit gefährlich leiser Stimme und trat langsam auf den Bürgermeister zu. „Sie haben uns belogen. Was ich jedoch nicht ganz verstehe ist: warum? Warum haben Sie das getan? Sie schulden uns eine Erklärung. Und zwar sofort.“

      Ayumi folgte ihm schweigend. Sie mischte sich noch nicht ein – auch sie wollte wissen, was der Bürgermeister zu seiner Verteidigung zu sagen hatte.
    • Jakuji war bereits mit dem Großteil seiner Mannen abgezogen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sich für sein Versagen bei Madou rechtfertigen müsste. Der Gedanke daran brach den sonst so erfolgreichen Dämonenmond innerlich, denn diese Art der Bestrafung war besonders übel. Der Meister wusste ganz genau, wie er seine Schergen dazu bringen konnte zukünftig noch mehr Elan in ihre und Seine Arbeit zu legen.

      ---

      Im Büro des Bürgermeisters war es plötzlich sehr still geworden. Zuerst hatten sämtliche Telefone geklingelt, doch nun war es still. Herr Hayashida saß regungslos an seinem dicken Schreibtisch und starrte ins Leere. Er musste einfach nur abwarten und dann konnte er gehen. So war der Deal.
      Wie der Dämon es ihm vorher gesagt hatte, öffnete sich der Fahrstuhl und zwei Säulen betraten das Büro. Hayates direkte Konfrontation brachte den Politiker direkt in eine ungünstige Lage, was sich an seiner zunehmen nervösen Ausstrahlung widerspiegelte.
      Herr Hayashida antwortete nicht sofort auf die Frage, sondern warf einen kurzen Blick aus dem Fenster. Der Sonnenaufgang war in greifbarer Nähe und damit Herr Hayashida nur noch ein paar Minuten durchhalten. Und das tat er auch.


      Erst als am Horizont der erste Schimmer des neuen Tages zu erahnen war, konnte der Politiker erleichtert aufatmen. Seine Familie war nun sicher. So want er sich den beiden Jägern erneut zu um fixierte sich mit seinem Blick. Die Nervosität war einer Erleichterung gewichen.
      "Werte Säulen. Ich denke Sie haben die Situation völlig falsch interpretiert. Die Stadt selbst war bis vor einigen Tagen durchaus völlig frei von Dämonen und deren Machenschaften." Begann Herr Hayashida die Situation aufzuklären, spürte dabei aber, dass seine Ansprache nicht gerade besonders gut ankam. "Wir waren Opfer eines erpresserischen Komplotts, sodass die Meldung dieses Vorfalles eine Auslöschung der gesamten Stadt zu Folge gehabt hätte." Wechselte er seine Position, um nun den Sachverhalt etwas zu verdeutlichen, zog er einen Steckbrief aus seinem großen Schreibtisch. "Einer der 12, persönlich. Hat uns erpresst. Ich betone, dass wir keine Wahl hatten." Wiederholte er sich und deutete auf den Steckbrief, aus dem man entnehmen konnte, dass es Jakuji, der 6. absteigende Mond gewesen war.
      Bis Dato war Jakuji noch nie ernsthaft in Erscheinung getreten, da er mit seiner "unter dem Radar" Taktik bisher auch noch nicht aufgeflogen war. Herr Hayashida richtete sich auf und besah sich die beiden Säulen. "Außerdem wurden wir mit den Kräften dieses Dämons kontrolliert. Keiner von uns hat aus eigenem Willen gehandelt. Erst jetzt, da er verschwunden ist können wir wieder frei handeln." Erlärte der Politiker mit überzeugender Stimme und schlug dabei mit der Faust auf den Tisch.
      Dass das nicht stimmte und er und die Anderen sich die Taschen voll gemacht hatten, blieb nur zu vermuten. "Dieser Jakuji ist ein Monster. Er tötet ohne Vorwarnung und hat Spaß daran die wehrlosen zu foltern. Unter seiner Kontrolle starben unzählige Frauen und Kinder. Mit Mühe konnten wir verhindern, dass alle schwachen und kranken zu Nahrung verarbeitet wurde. WIR haben das Schlimmste verhindert." Dröhnte der Bürgermeister mit steigender Wut in der Stimme. Er war war schon ein guter Schauspieler, wenn es darum ging die Dinge zurecht zu drehen.
    • Mit jedem Wort, das Herrn Hayashidas Lippen verließ, weiteten sich Ayumis Augen ein klein wenig mehr. Sie konnte nicht fassen, was sie da hörte. Ihre Augen wurden noch größer, als der Bürgermeister ihnen den Steckbrief von Jakuji zeigte.
      Mit einer leicht zitternden Hand griff sie nach dem Steckbrief, um ihn sich noch ein wenig genauer anzuschauen.
      Sie konnte kaum glauben, dass es tatsächlich Jakuji gewesen war, der diese Stadt kontrolliert hatte. Das er – wie er es damals versprochen hatte – zu einem der zwölf Dämonenmonde geworden ist. Die absteigende Sechs, um genau zu sein...

      Doch da war noch immer eine Sache, die ihr bitter aufstieß: Wie der Bürgermeister es überhaupt wagen konnte, zu versuchen, Meisterin Kagura, die Säulen und die gesamte Dämonenjäger-Organisation für dumm zu verkaufen?! Das er so tat, als hätten er und die anderen Politiker rein gar nichts damit zu tun gehabt?! Es hätte Möglichkeiten gegeben, die Dämonenjäger um Hilfe zu bitten, ohne dass Jakuji etwas davon mitbekommen hätte! Sogar mehrere! – Alles, was er sagte, war nichts weiter als eine billige Ausrede. Sie glaubte kein einziges Wort davon.
      Was ihr am meisten zu schaffen machte – was sie allerdings nicht offen aussprechen durfte – war, dass dieser Bastard Jakuji als ein Monster bezeichnete. Das er angeblich ohne Vorwarnung tötete und Spaß daran hatte, Wehrlose zu foltern. Das glaubte sie keine Sekunde. Niemals hätte er Frauen und Kinder sterben lassen. Niemals. Dafür steckte noch immer zu viel Haruto in Jakuji.

      Diesmal war es Ayumi, die sprach – und sie trat mit einem bedrohlichen Schritt näher an den Schreibtisch des Bürgermeisters heran.
      „Wir haben die Situation völlig falsch interpretiert?“, fragte sie zunächst mit ruhiger Stimme, ehe sie nun im nächsten Moment ihre geballte Faust so fest auf den Schreibtisch schlug, dass das Holz nachgab und ein ordentlicher Riss entstand.
      „WIE KÖNNEN SIE ES WAGEN?!“, donnerte ihre Stimme durch das Büro, sodass man schon glauben konnte, das Glas der Fensterscheiben würde beben. Selbst Hayate weitete überrascht die Augen. „Für wie blöd halten Sie uns eigentlich?! Wie können Sie es wagen, sich hier als Opfer hinzustellen?! Zu behaupten, Sie hätten keine Wahl gehabt?!“, fuhr sie wütend ihn an.

      Sie umschloss den Griff ihres Katanas, doch bevor sie irgendetwas tun konnte, legte Hayate seine Hand auf ihre Schulter und drückte sie leicht zurück, sodass der Bürgermeister gezwungen war, nur Hayate anzublicken.
      „Herr Hayashida. Sind Sie sicher, dass Sie uns die gesamte Wahrheit erzählen?“, fragte er ruhig – obwohl man der Säule des Windes deutlich ansah, dass er längst wusste, dass dem nicht so war.
      „Denn wissen Sie was? Wir glauben Ihnen kein Wort. Welche Vorteile hatten Sie von der Herrschaft der absteigenden Sechs?“, fragte er nun selbst in bedrohlichem Ton und griff an sein eigenes Katana.
      „Sie fangen besser an zu reden... sonst werden wir wohl allen erzählen müssen, dass die Dämonen den Bürgermeister ermordet haben...und als wir in seinem Büro ankamen, ihm leider nicht mehr helfen konnten..."
    • Herr Hayashida wurde plötzlich ganz still. Ob es daran lag, dass er gerade darüber nachdachte die Wahrheit zu sagen oder eine neue Lüge zu erfinden war schwer zu sagen. Entweder würden ihn die Säulen erledigen oder die Dämonen. Die möglichen Szenarien waren absehbar schlecht für seinen weiteren Werdegang. "Achso..." Räusperte sich der Bürgermeister und schüttelte dabei seine Dokumente ordentlich auf dem Schreibtisch zusammen. "Ich habe nichts mehr zu sagen." Antwortete er mit gedrückter Stimme, als könne er die Klinge bereits am Hals spüren.

      ---

      Es vergingen ein paar Tage, bis Jakuji es geschafft hatte seine Leute zu koordinieren und unter zu bringen.
      Anschließend begab er sich zu einem Treffpunkt, an dem er auf die Ankunft seines Meisters warten musste. Die Zeit bis dahin erschien ihm endlos. Da der Meister jederzeit hätte auftauchen können, konnte Jakuji sich nicht besonders weit entfernen. Und hier gab es nicht viel. Keine Tiere, keine Menschen. Also nichts wovon sich ein Dämon hätte ernähren können.
      Die Sonne war allerdings das größere Problem, da er den Ort nicht verlassen durfte, musste er auch tagsüber draußen bleiben und sich in eine winzige Nische quetschen, um nicht vollkommen zu verbrennen.

      Und dann war es soweit. Madou persönlich erschien mitten in der Nacht, als wäre er einfach aus dem Nichts aufgetaucht.
      "Tzzz." Zischte dieser verächtlich, als der den völlig ausgemergelten Jakuji auf dem Boden sitzend sah. Jakuji rechnete schon damit eine der Bestrafungen zu erhalten, die sein letztes Bisschen Menschlichkeit angreifen sollten. Doch er wusste, dass er Madou gegenüber weder Angst noch Gewissen oder gar Mitgefühl zeigen durfte. Hier und jetzt musste er ein absoluter Dämon sein. "Ich habe versagt." Gestand der Dämon seinem Meister, welcher nun näher trat und seine Hand auf den Kopf des Mondes legte. "Wir hatten einen Rückschlag. Nichts weiter." Korrigierte Madou seinen Diener. Die Beiden blickten sich einen Moment lang stumm in die Augen. Es wirkte, als wolle der Meister die Gedanken seines Dieners lesen. Schließlich ließ er von Jakuji ab. "Du bist viel zu nachsichtig mit diesen Menschen. Viel zu... Verbunden. Das gefällt mir leider überhaupt nicht. Die anderen Monde könnten denken, dass ich dich bevorzuge." Sprach Madou und ging dabei etwas um den nun knienden Jakuji herum. "Ich werde es das nächste Mal besser machen." Gelobte der Dämonenmond senkte dabei sein Haupt.
      "Oh, da bin ich mir sicher... Und bis es soweit ist, wirst du dich vorerst um die Ausbildung der Neulinge kümmern, denn ich habe die abnehmende 5 auf deine Stadt angesetzt um das zu beenden, was du angefangen hast." Jakukji antwortete mit einem leisen. "Jawohl Meister Madou."
      Ihm wurde bewusst, dass diese Strafe mehrere Ebenen besaß. Zum einen die harte Wartezeit auf den Meister. Dann das Ausbilden der Neulinge, was bedeutete einfache Ziele für sie zu bestimmen. Bauern, Waisen Menschen die so abgelegen lebten, dass man ihr Verschwinden erst spät oder gar nicht bemerken würde. Und abschließend die abnehmende 5, die nun wohl sein Chaos beseitigen sollte.
      Jakuji wollte Einspruch einlegen und sein Chaos lieber selbst in die Hand nehmen, doch Madou nutzte seine Kräfte um ihn auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Gequält rang der Dämon nach Luft, als der Meister wortlos in der Dunkelheit verschwand.
      Nun hatte der Kampf ums Überleben begonnen. Durch die mangelnde Nahrung regenerierte sich der Dämonenkörper nur sehr sehr langsam und in ein paar Stunden würde die Sonne aufgehen. Das war dann wohl die letzte und finale Stufe.
      Der Nackte Überlebenskampf.
    • Seit dem Gespräch mit Bürgermeister Hayashida in dessen Büro in Kanazawa waren mittlerweile ein paar Tage vergangen. Natürlich hatten Hayate und Ayumi dem werten Herrn nichts angetan – so, wie sie es ihm eigentlich angedroht hatten. Stattdessen hatte Meisterin Kagura dafür gesorgt, dass er und die anderen Politiker verhaftet wurden und sich nun gemeinsam vor Gericht verantworten mussten.

      ~~~

      Als es langsam zu dämmern begann, öffnete Ayumi noch recht verschlafen die Augen und richtete sich langsam von ihrem Bett auf. Seit einer ganzen Weile – seit sie eine Säule ist, um genau zu sein – hatte sie es sich angewöhnt, die meisten Stunden am Tag zu schlafen und nicht in der Nacht. Für den Fall eines Hinterhalts durch Dämonen.

      Noch immer ging ihr die ganze Sache mit Jakuji nicht aus dem Kopf. Seit dem großen Lichterjubiläum in der Stadt Tatsumaki hatte sie ihren Freund nicht mehr gesehen. Und trotz des Versprechens, das sie sich damals gaben – sowohl auf dem Friedhof als auch während des Lichterjubiläums – kam Ayumi nicht umhin, sich zu fragen, ob sie überhaupt noch Freunde waren.
      Er ist ein Dämonenmond – er tötet Menschen. Sie ist eine Säule – sie tötet Dämonen.
      Es ist fast so, als hätte das Schicksal sie dazu verdammt, Feinde zu sein. Ganz egal, wie sehr sie auch dagegen ankämpften.

      ~~~

      Als der Abend langsam zur Nacht wurde, fand sich Ayumi erneut in der kleinen Stadt Mizukane wieder. Die Geschäfte waren geschlossen, und die letzten Einwohner traten den Heimweg an.
      Es war eine ruhige Nacht. Fast schon zu ruhig... und genau das ließ Ayumi stutzig werden. Sie ist nicht allein.
      Kaum hatte sie den Gedanken gefasst, bemerkte sie aus dem Augenwinkel einen Schatten... dann noch einen... und noch einen. Und ehe sie sich versah, war sie von einem Rudel Dämonen umkreist. Mehr, als sie an einer Hand abzählen konnte.

      Ein leises Seufzen entwich Ayumis Lippen – sichtlich unbeeindruckt von der Präsenz und der Überzahl der Dämonen, die wie wilde Tiere knurrten und fauchten.
      „Wenn wir eine Säule töten... gibt uns Meister mehr Blut“, knurrte einer, woraufhin die anderen wie im Chor zustimmend fauchten.
      Ayumi zog eine Augenbraue hoch und verengte leicht die Augen. Darum ging es diesen Bestien also... gut. Das bedeutete wohl, dass diese Dämonen nicht mit sich reden lassen würden. Und das bedeutete auch, dass sie ganz ohne schlechtes Gewissen ihre neueste Erfindung testen konnte.

      „Euer Meister...“, begann sie langsam, während sich ein breites Grinsen auf ihren Lippen ausbreitete, „…ist ein Feigling. Schwach und ohne Rückgrat.“
      Ihr provokantes Grinsen wurde nur noch breiter. „Er versteckt sich vor uns Dämonenjägern und schickt seine Schergen vor, weil er Angst hat. Angst vor dem Tod. Er ist nicht mehr als ein ängstliches Hühnchen.“

      Die Dämonen weiteten überrascht und dann wütend die Augen. Doch Ayumi wollte ihnen gar nicht erst die Chance geben, sie anzugreifen. Auch wenn sie als Säule ganz problemlos mit ihnen zurechtkommen würde.
      Aus einer kleinen, versteckten Tasche ihres Kimonos zog sie eine unscheinbare Kugel hervor, die sie mit einem kräftigen Schwung auf den Boden schleuderte. Die Hülle zerbrach, und aus der beschädigten Kugel trat langsam ein rotfarbener Rauch aus, der sich rasch über die Umgebung ausbreitete.

      Die Dämonen sahen sich verwirrt an – begannen dann aber laut zu lachen, da sie den Ernst der Lage, in der sie sich befanden, nicht erkannten. Doch das Lachen verging ihnen in dem Moment, als der Rauch ihre Haut berührte...

      Zischende Geräusche erfüllten die Stille – als würde etwas brennen. Die erste Dämonin schrie auf, als ihre Haut sich plötzlich rötlich verfärbte, Blasen warf – und schließlich wie glühendes Wachs zerfloss.
      Der Rauch begann, sich in ihre Lungen zu fressen. Sie japsten nach Luft, rangen röchelnd um Atem – doch ihre Stimmen versagten, als sich ihre Kehlen zuschnürten. Die Augen quollen hervor, dann begannen ihre Gesichtszüge zu zerfallen – wie Fleisch, das zu lange im Säurebad gelegen hatte.

      Ayumi beobachtete das Ganze mit regungsloser Miene. Der Rauch – eigens für Dämonen entwickelt – war für Menschen vollkommen ungefährlich. Für sie selbst nicht mehr als ein seltsamer Duft in der Luft.
      „Ihr hättet lieber weglaufen sollen...“, murmelte sie leise, drehte sich um und ging ohne einen Blick zurückzuwerfen davon.

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    • Jakuji konnte spüren, wie sein Körper versuchte seine Verletzungen zu heilen. Ein brennendes Gefühl hallte im Inneren seine Körpers wieder. So geschädigt und ausgezehrt war er sein ganzes Dämonen Leben noch nicht gewesen. Hilflos, wehrlos und schwach. Das waren die Worte, die sein Kopf ihn immer wieder hören und spüren ließ.
      Die sonst so kraft erfüllten Arme langen nutzlos auf dem schmutzigen Boden. Der Dämon versuchte den Kopf du heben, um das Ausmaß seiner Verletzungen zu überblicken, doch nicht einmal das gelang ihm. Seine Gedanken begannen zu kreisen. Erst dachte er an die Vergangenheit. An sein Leben als Mensch. Da hatte er sich genau so gefühlt. Schwach und hilflos. War er nicht genau aus diesem Grund auf den Deal mit Madou eingegangen? Wollte er wirklich ein Dämon werden um Unheil über alles und jeden zu bringen? Jakuji zuckte zusammen, als ein Stechen seinen Brust traf.
      Nicht ganz. Er hatte damals die Wahl zu sterben oder als Dämon weiter zu machen. Die Rache an den schäbigen Dorfbewohnern war nur ein kleiner Bonus. In dieser Nacht hatte er nur eine einzige Sache bereut: Dass er Ayumi nicht gefunden hatte.
      Jakuji spürte, wie eine überwältigende Müdigkeit seine Lieder zu presste. Die Erinnerungen an damals verblassten allmählich und der Dämon begann darüber nachzudenken, was er getan hätte, wenn er Ayumi nicht wieder getroffen hätte. Wenn sie nie mehr etwas voneinander gehört hätten.
      Für einen kurzen Moment nickte Jakuji weg, schreckte aber wieder auf, als er Ayumis Stimme hören konnte. Die junge Ayumi kniete plötzlich neben ihm und berührte die frische Wunde in ihrer Handfläche, woraufhin ihr Blick direkt in seine müden Augen zu starren schien. „Meinst du... wir werden wirklich für immer Freunde bleiben?“ Fragte sie den sterbenden Dämon. Jakuji zögerte und versuchte ihre Hand zu nehmen, hatte aber keine Kraft mehr übrig. Zum zweiten und vielleicht letzten Mal in seinem Leben, spürte er wie eine Träne aus Blut seine Wange streifte. "Ich verspreche dir für immer dein Freund zu sein." Dachte er sich, denn zum Sprechen fehlte ihm die nötige Kraft. Die Silhouette des Mädchens wandelte sich. Eine erbarmungslose kalte Klinge legte sich an seinen Hals. Ein Schauer durchdrang den fast leblosen Körper, als die Klinge sich ihren Weg in durch seinen Hals bahnte.
      Reflexartig packte Jakuji mit beiden Händen selbige und versuchte sie davon abzuhalten seinen Kopf abzutrennen. „Sind wir... denn überhaupt noch Freunde?“ Fragte die Silhouette und das Schwert schien von einem Moment auf den anderen kälter als alles was er je gespürt hatte. Die Kälte Kroch durch seinen Hals, bis in die Zehen und auch in den Kopf. Ein langsames Pochen hallte in seinen Ohren wieder, als die Klinge aus seinen Händen glitt und zum finalen Schlag ausholte. "Und jetzt... tu wozu du hier bist" Flüsterte Jakuji kaum hörbar und schloss die Augen, um auf den erlösenden Hieb zu warten.


      Doch der kam nicht.

      Stattdessen wurde das Pochen in seinem Ohr immer lauter. Die Kälte wich einer wohligen Wärme. Fühlte es sich so an zu sterben?

      Der Dämon riss die Augen auf. Am Horizont deutete sich bereits die Sonne an. Prüfend bewegte er einen Arm, dann ein Bein. Schließlich sah er an sich herunter. Madou hatte ihn wohl nicht nur zu Boden geworfen, sondern bei der Gelegenheit auch noch etwas mit seinem Blut angestellt. Aber warum? Vorsichtig setzte sich Jakuji auf und versuchte das Geschehene zu verarbeiten. Seine Brust tat weg. Nicht so wie üblich. Eher als hatte man versucht etwas mit Gewalt heraus zu reißen. Und da wurde es ihm klar. Madou hatte gar nicht vorgehabt ihn hier sterben zu lassen. Er wollte viel mehr das etwas stirbt. -Seine verbliebene Menschlichkeit.
      Aber was war stärker als die unbegrenzte Macht Madous? Warum konnte er ihm nicht seine letzten Fetzen Menschlichkeit heraus reißen?


      Jakuji richtete sich auf und schlich wie ein getretener Hund in den entfernten Wald. Seine Instinkte trieben ihn immer schneller voran. Hunger. Das Gefühl brannte im ganzen Körper. Aus einiger Entfernung konnte er Witterung aufnehmen. Menschen.
      Als er die Siedlung erreichte, war er bereits so im Rausch, dass das erste Haus seiner Gier erlag.
      Als die anderen Bewohner vom Radau aufgeschreckt wurden und zur Hilfe eilten, flüchtete der Dämon. Er flüchtete, bis die Sonne ihm keinen Ausweg mehr bot und er sich in einem kleinen Schrein niederlassen musste. Hier war er nun gefangen, bis die Nacht wieder herein brechen würde.

      ---

      In der Zwischenzeit hatte sich Kuoketsu auf den Weg in die Stadt gemacht, um sich selbst ein Bild zu machen. Seine Anwesenheit blieb erstmal unentdeckt, denn vorerst wollte er die Lage auskundschaften. Die wenigen Dämonen die hier noch ihr Unwesen trieben waren allen falls einfache Fußsoldaten. Keine Krieger. Jakuji hatte tatsächlich alle wichtige Ressourcen aus der Stadt geschafft. Die Säulen hatten auch schon ein Teil der Fußsoldaten erledigt. Ein kleiner Haufen von ihnen lag zerflossen auf dem Boden. Ein grässlicher Anblick, sogar für einen Dämonenmond.
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