Between Fangs and Claws [Kürbis vs Dämon]

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    • "Freiheit?" Cal grunzte. "Wir haben nur einfach nicht jeden Zentimeter unseres Territoriums mit irgendwelchen Hoch- und/oder Parkhäusern vollgestellt. Der Boden muss atmen. Und Wölfe müssen rennen."
      Er grinste, zeigte dabei seine Zähne. Die meisten seiner Art konnten als vollkommen menschlich durchgehen, und größtenteils tat er das auch. Was nicht viele außerhalb der Rudel wussten: je stärker die Blutlinie, desto ausgeprägter der Wolf auch in menschlicher Form. Für Cal hieß das, dass seine Eckzähne ein bisschen massiger waren. Nicht fein und spitz zulaufend wie bei den Blutsaugern, sondern eine kleinere Version der Fangzähne, die er als Wolf hatte. Menschen heutzutage staunten und nannten es cool. Er nannte es nervig, wenn er sich damit einmal mehr die Lippe aufbiss, weil er natürlich die dumme Angewohnheit hatte, auf seiner Lipper herumzukauen, wenn er sich angestrengt konzentrierte.
      Als sie seinen großen, schwarzen SUV erreichten, hielt er der Prinzessin freundlicherweise die Beifahrertür auf.
      "Ins Naturschutzgebiet kann ich dich aber nicht mitnehmen. Das ist so tief im Territorium, da kriegen wir beide Ärger, wenn man dich erschnüffelt. Ein Freund hat eine nette Dachterrasse. Hier in der neutralen Zone."
      Cal kletterte in den Fahrersitz und reihte sich in den Verkehr ein. Von den Clubs wegzukommen war um diese Uhrzeit recht einfach, sie kamen also gut voran. Dusty brauchte zwanzig Minuten zum Club, sie brauchten nur knapp über zehn, um davon wegzukommen.
      Cal parkte direkt vor der Wohnung in der Einfahrt, in der normalerweise Dustys Jeep stand. Sie waren keine Viertelstunde vom Stadtzentrum entfernt und doch war die Stimmung so nahe am Territorium des Rudels ganz anders. Viel entspannter. Es war ein Wohnviertel. Darüber hinaus gaben sich die Leute hier Mühe, ihre Balkone zu dekorieren; man sah hier und da einen kleinen Garten; am Straßenrand gab es alle paar Meter einen ordentlichen, gesunden Baum; und die Straße runter gab es sogar ein Hochbeet mit Wildblumen, um Insekten auf die Sprünge zu helfen. Der Einfluss des Rudels war deutlich zu sehen, auch wenn das hier eigentlich noch immer neutraler Boden war. Wenn Cal alles richtig machte, würde dieser Teil bald schon sein Territorium sein.
      Cal tippte den Sicherheitscode zu Dustys Wohnung ein - der Junge war gut mit Technik, was ihm schon vor einer Weile einen Platz im Rudel gesichert hatte, auch wenn er das noch nicht wusste - und nahm die Eisprinzessin mit nach oben in die eigentliche Wohnung. Das Erdgeschoss war ein, passenderweise, ein Technikladen. Noch von der alten Schule, wo man auch den ältesten Retrokram noch repariert bekam von Leuten. Damit führte Dustys Haustür direkt zu einer Treppe und sonst nichts.
      Oben angekommen, zog Cal seine Stiefel aus und kickte sie neben drei Paare Sneaker, die alle in unterschiedlichen Stadien des Zerfalls waren. Ein normaler Anblick für einen Den, erst recht von einem Wanderer. Sein Weg führte ihn direkt zum Kühlschrank, wo er zwei Bier fand, dann kletterte er im Wohnzimmer aus dem Fenster auf die Feuerleiter. War die Wohnung dafür konzipiert worden? Nein. Dusty hatte aber einen Hocker vor dem Fenster platziert, um es leichter zu machen, einfach weil er es so oft machte. Was die billige Lichterkette, die um das Treppengeländer gewickelt war, deutlich bewies.
      Das Dach war genauso wenig als Terrasse gedacht gewesen, als man dieses Gebäude gebaut hatte, aber auch das hatte Dusty herzlich wenig interessiert. Er hatte das meiste aus dem Dach herausgeholt: Er hatte ein Gerüst gebaut, an dem noch mehr Lichterketten hingen (alle solarbetrieben, natürlich) und das im Zweifelsfall auch ein Sonnensegel halten konnte; er hatte wetterfeste Teppiche ausgelegt; in einer Ecke stand ein ordentlicher Grill für BBQs; es gab eine gemütliche Sitzecke mit Möbeln, die er auf dem Sperrmüll und in Secondhand-Läden gefunden hatte.
      Cal hielt auf das alte Sofa zu und ließ sich der Länge nach drauffallen. Er öffnete beide Bierflaschen mit einem gezielten Schlag gegen die Kante eines alten Tisches, der eigentlich bloß eine gigantische Kabelrolle war. Bis heute fragte sich Cal, wie Dusty das Ding eigentlich hier hochbekommen hatte. Der Mann war ziemlich crafty.
      "Entspannt genug?" fragte er und reichte der Eisprinzessin, ohne aufzustehen, das zweite Bier, auch wenn sie damit wahrscheinlich nicht viel anfangen konnte.


    • “Ich schiebe die Verantwortung auf meine Vorfahren.” Ilya zuckte ein wenig mit den Schultern bei seiner Einschätzung. Sie war ganz richtig. Anders als die Wölfe gaben die Vampire recht wenig auf Natur. Aber genau das war das, was sie so einschränkte. Überall waren Menschen, Vampire. Es gab keine Ecke, in der sie einfach mal runter kommen konnte. Schließlich erkannte man sie überall und das kam mit einer gewissen Erwartungshaltung.
      Ilya sah ihm dabei zu, wie er lachte. Schicke Zähne. Nicht so menschlich, wie sie erwartet hatte. Eher wie die von richtigen Wölfen. Ah. Vermutlich waren sie das auch. Nur geschrumpft.
      Mit einem Nicken, das wohl als dankbares Zeichen reichen musste, stieg sie in den SUV ein. Ein gentleman also. Mit der aufgehaltenen Tür. Nicht schlecht. Sie hatte definitiv nicht so viel Entgegenkommen von ihm erwartet. Vor allem nicht weil er wusste wer sie war. Vielleicht dachte er aber auch, sie hatte mehr Einfluss als sie eigentlich hatte?
      Während sie in ihren eigenen Gedanken versank bekam sie kaum mit, wie der Wolf sie durch die Stadt fuhr. Die Wohnung die sie betrat sah wohnlich aus. Generell war die Atmosphäre eine ganz andere.
      Ilya atmete tief durch. Es stank nicht. Nicht nach Lügen und Drogen. Nicht nach Beton und Abgasen. Während das Revier der Vampire eher einer hoch industriellen Stadt galt, war das hier urbaner. Schöner, in jedem Maße.
      Ohne Kommentar folgte sie dem Mann auf die Dachterasse. Nicht schlecht. Das Dach war wohl eigentlich nicht dafür konzipiert, aber es kam gut zusammen. Nicht luxuriös wie sie es gewohnt war, aber heimlich. Gemütlich. Nicht voll von Sofas die zwar gut aussahen aber nie im Leben bequem waren.
      Nicht voll von gehässigen Blicken in jeder Ecke.
      Zum ersten Mal in ihrem Leben ließ Ilya ihre Schultern ein wenig sacken. Dankbar nahm sie das Bier an, stieß zu gutem Zweck noch mit ihm an, bevor sie nickte.
      “Perfekt. Danke für den Ausflug.” Antwortete sie, auch wenn ihre Augen schon gen den dunklen Nachthimmel gingen. Hier war die Lichtverschmutzung definitiv nicht so schlimm wie bei ihr zu Hause. Da konnte man die Sterne kaum ausfindig machen.
      “Was schulde ich dir hierfür?” Fragte sie schließlich. Naiv war sie ja auch nicht. Alles kam für einen Preis. Und den jungen Wölfen ein paar Runden Bier auszugeben kam ihr zu günstig vor, bei dem Aufwand den er betrieben hatte.


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    • Cal grinste, nippte an seinem Bier.
      "Zu aller erst kannst du dich hinsetzen. Du machst mich nervös, wenn du da einfach nur so rumstehst."
      Er gestikulierte zu den restlichen Sitzgelegenheiten: zwei alte Sessel, noch ein altes Sofa, eine ganze Arme an unterschiedlich geformten und gefärbten Sitzkissen. Er wartete, bis sie sich auch tatsächlich hingesetzt hatte.
      Wahrscheinlich hätte er sich hier nicht so sehr entspannen sollen, wie er es gerade tat, aber das heir war viel eher sein Ding als ein Club im Herzen der Stadt. Da war es schwer, sich nicht zumindest ein bisschen zu entspannen. Erst recht, wenn man bedachte wie bequem diese Couch war.
      "Ein Wolf hat dir einen Gefallen getan. Wär' nett, wenn du das nicht vergisst, wenn ein Wolf mal einen Gefallen braucht."
      Cal zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich sollte er versuchen, mehr aus der Eisprinzessin heraus zu kitzeln. Verdammte Politik.
      "Damit kann ich leben. Aber wenn du lieber keinen Schuldschein hättest, darfst du gern meine Neugierde befriedigen: Wer gibt bei euch eigentlich den Ton an? Von dem was ich immer so höre, sollten das die Alten unter euch sein, richtig? Und dann gibt's da dich, die heilige Prinzessin. Wie organisiert ihr das? Das hab ich mich immer schon gefragt. Ich krieg immer nur Gerüchte zu Ohren."


    • „Gerüchte sind wahrscheinlich freundlicher als die Wahrheit.“
      Sie sprach leise, nicht weil sie etwas verbergen wollte, sondern weil es keine Geschichte war, die man laut erzählen musste. Ihr Blick glitt über die Dachkante, suchte den Himmel, der zu nah an den Lichtern der Stadt klebte.
      „Zwölf im Hohen Rat. Fünf im Senat.“ Ihre Stimme war nüchtern, als würde sie Zahlen nennen, keine Personen. „Mein Vater führt den Rat. Meine Mutter führt den Senat. Und verhandelt mit dem Vatikan, wenn sie nicht gerade jemandem den Verstand aus dem Kopf diskutiert.“
      Ein bitteres Lächeln zuckte über ihre Lippen. Kurz. Fast elegant.
      „Und dann bin da noch ich.“ Sie hob die Bierflasche, musterte sie gegen das Licht, als würde sich darin irgendwas lohnen. „Reinblütig. Hübsch. Präsentabel. Eine politische Figur. Kein Mensch. Kein Jäger. Nur ein Aushängeschild, das man irgendwo hinstellen kann, wenn’s gut aussieht.“
      Es war keine Klage. Kein Selbstmitleid. Nur ein leises Eingeständnis, das sich so selten Luft machen durfte.
      „Ich hab kein Mitspracherecht. Nicht wirklich. Bin zu jung, zu schwach, zu höflich.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Gegen jemanden über 300 trittst du nicht an. Nicht in Kraft, nicht in Technik. Nicht mal in Argumenten. Und wenn du’s versuchst, kommst du halt nicht mehr zur nächsten Sitzung.“
      Ihre Stimme senkte sich ein wenig, rutschte ins Sarkastische. „Aber man lässt mich in Ruhe. Weil ich bei den Erschaffenen so eine gewisse... Wirkung habe.“ Sie sah ihn jetzt direkt an. „Unpraktisch, wenn man plötzlich hört, dass die Kleine mit einem Blick alles vergessen lässt, was man ihr vorwerfen wollte.“
      Ein kurzer Schluck. Kalt. Nutzlos. Wie immer.
      „Ich wohne in einem Haus, in dem jede Wand zu hören scheint. Ich hab ein Zimmer, in dem nie jemand was fragt. Und einen Namen, der mehr Türen öffnet als ich es je dürfte.“
      Wieder dieses fast schon feine, blutrote Lächeln.
      „Also ja. Ich genieße das hier. Ein bisschen zu sehr vielleicht.“


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    • Hoher Rat, Senat, Vatikan... und Cal hatte immer gedacht, sich mit den ältesten Vertretern der stärksten Blutlinien im Rudel herumschlagen zu müssen sei anstrengend. Und die wechselten regelmäßig, da Wölfe nicht länger lebten als Menschen. Wäre ja noch schöner, wenn Cal sich das die nächsten hundert Jahre antun müsste.
      Was aber viel interessanter zu erfahren war, war die Tatsache, dass die Eisprinzessin nur auf dem Papier eine starke Verhandlungsposition hatte. Cal mochte sich nicht gern mit Politik herumschlagen, aber er wusste doch genug, um das als wichtige Information zu erkennen.
      "Klingt absolut öde," kommentierte er schlicht, aber wahrheitsgemäß. "Ich hätte schon längst jemandem in die Hand gebissen. Gibt nichts schlimmeres, als an die Leine gelegt zu werden."
      Er schüttelte sich theatralisch, aber Erinnerungen an seine Jugend sprudelten dann doch hoch. Jeder Wolf musste da durch, und jeder Wolf hasste es.
      "Kannst du nicht, keine Ahnung, einen Haufen Geld deiner Eltern abzwacken und einfach verschwinden? So als Reinblütige und so müsstest du doch mit Leichtigkeit ein paar der anderen Vampire dazu überreden können, dir zu helfen?"
      Würde es was bringen, die Eisprinzessin aus der Stadt zu kriegen? Vielleicht. Würde die Vampire mit Sicherheit ablenken...


    • „Glaub mir, ich hab’s versucht.“
      Ein schiefes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, während sie die fast leere Bierflasche zwischen den Fingern drehte. „Bin nicht zum ersten Mal abgehauen. Deshalb hab ich ja auch meine persönlichen Schatten auf Schritt und Tritt.“
      Sie machte eine vage Geste über die Schulter, irgendwo in die Dunkelheit hinein, wo wahrscheinlich gerade zwei sehr gestresste Vampire versuchten, diskret die Nerven zu behalten. Allein der Gedanke entlockte ihr fast ein zufriedenes Schmunzeln.
      „Wenn ich eins gelernt hab, dann das hier: Man legt sich besser nicht mit Vampiren an, die älter sind als die Straßen dieser Stadt.“
      Die Flasche war leer. Natürlich. Ilya seufzte leise, stellte sie neben sich ab und lehnte sich ein wenig zurück, als würde sie der Nacht zuhören wollen.
      „Sie reißen dir nicht gleich den Kopf ab. Nicht direkt. Erst nehmen sie dir alles, was du willst. Dann lassen sie dich zusehen, wie du dich selbst zerlegst. Viel... eleganter.“
      Ein kurzer Blick zur Seite, halb wachsam, halb müde. „Also dachte ich mir, ich setz mich ein paar Jahrzehnte auf die Ersatzbank. Warte, bis ein paar von denen genug Staub angesetzt haben. Vielleicht ist dann mehr Spielraum.“
      Sie sprach es beiläufig aus, als wäre das ein ganz normaler Lebensentwurf.
      Doch ihre Stimme wurde trockener, als sie den nächsten Satz hinterherschob.
      „Und morgen... darf ich in euer Revier.“
      Eine Pause. Als würde sie selbst noch mal überprüfen, ob sie das nicht falsch verstanden hatte.
      „Allein.“
      Eigentlich sollte sie das alles hier nicht erzählen. Aber der Mann, dessen Namen sie immer noch nicht erfragt hatte schien nett genug. Und wirklich Konsequenzen würde es eh nicht geben. Außer er machte eine 180°Wende und biss ihr den Kopf ab.
      „Sie hätten mir auch gleich einen Holzpflock ins Herz rammen können.“
      Ein Schulterzucken, fast gelangweilt, obwohl ihr Magen sich bei dem Gedanken zusammenzog. Auch wenn ihr Leben jetzt nicht so unglaublich interessant war hatte sie jetzt nicht vorgehabt die 30 nicht zu knacken.
      „No front, aber... ich hab noch nie davon gehört, dass ein Vampir bei euch lang genug überlebt hat, um davon erzählen zu können.“


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    • "Und morgen... darf ich in euer Revier. Allein."
      Shit. Shit shit shit shit. Er sollte sich morgen mit Ilya Crowley treffen?! Das hätte ihm sein Onkel ruhig verraten können!
      "Sie hätten mir auch gleich einen Holzpflock ins Herz rammen können. No front, aber... ich hab noch nie davon gehört, dass ein Vampir bei euch lang genug überlebt hat, um davon erzählen zu können."
      Ruhig bleiben, Cal, kein Grund zur Panik.
      "Sowas passiert halt, wenn man ungefragt ins Territorium eines Rudels eindringt," meinte er entspannter, als er sich fühlte, und zuckte mit den Schultern. "Wenn du eingeladen wurdest stehen die Chancen gut, dass du auch wieder gehen darfst. Solange du das Territorium nicht bedrohst, natürlich. Wir nehmen das persönlich, wenn jemand unser Land als deren Land beansprucht."
      Er breitete die Arme aus, setzte ein Lächeln auf.
      "Ich hab dich noch nicht umgebracht, das ist doch schonmal was. Und ich verrat dir was: ich hab auch nicht vor, dich umzubringen, so lange du mir keinen Grund gibst. Hätte ich doch eh nichts von."
      Er musterte sie kurz, wie sie dasaß ganz in weiß und unendlich schön, wie man es von Vampiren gewöhnt war. Sollte er..?
      "Warum schicken die dich in unsere Ecke der Stadt? Muss doch irgendeinen Grund haben, oder? Kann mir nicht vorstellen, dass sie ihre tolle Prinzessin auf's Spiel setzen, nur weil sie dich nicht mögen."


    • Ilya beobachtete ihn mehr aus den Augenwinkeln als dass sie ihn direkt ansah. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er so offen mit ihr umging.
      Aber hey, man nahm was man bekommen konnte. Und wenn ein offensichtlich hoher Wolf ihr offen gegenüber war? Das war doch schon mal nicht schlecht.
      “Ich nehm dich beim Wort. Hatte nicht vor direkt abzuleben, weißt du. Irgendwelche Tips wie ich mich zu verhalten hab? Oder reicht es wenn ich einfach nicht versuche einen von euch anzuzapfen.” Das Lächeln war etwas gezwungen, aber was soll’s. Die letzte Aussage war natürlich ein Witz. Sie hatte nicht vor sich mit den Wölfen anzulegen. Außerdem wusste sie auch nicht, wie gut das Blut von Wölfen überhaupt schmeckte. Hatte es auch nicht wirklich vor herauszufinden.
      Stattdessen reagierte sie auf seine nächste Frage.
      “Würd ich auch gern wissen. Sie wollen mir morgen früh die Details geben. Irgendwas wegen Politik, den Menschen und China. Scheint als würden sich die Wesen vom Osten einmischen wollen.”


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    • "Respektiere das Land, respektiere die Wölfe mit Autorität, das ist eigentlich schon alles," erwiderte Cal, ohne zu zögern.
      Für einen Moment stellte er sich vor, wie einfach diese ganzen Politik-Dinge doch sein könnten, wenn sie sich auf diese Weise hier abspielten: mit Offenheit und Respekt, anstelle von Ego und Machthunger. Aber Nein, es wurde erwartet, dass man sich gegenseitig auf den Sack ging.
      "Irgendwas wegen Politik, den Menschen und China. Scheint als würden sich die Wesen vom Osten einmischen wollen."
      China?! Wann war das denn bitte eine internationale Debatte geworden!? Sein Onkel hatte ihm doch gesagt, dass es nur darum ging, Territorien zu besprechen und mal die Fühler auszustrecken, um schlussendlich mehr Platz zu bekommen. China?!
      "Was wollen die denn von uns? Die Wölfe haben keine Deals mit denen. Wüsste auch nicht, was wir von den wollen könnten."
      Wusste sein Onkel davon? Oder war das ein Problem, das die Vampire ihm morgen vor die Füße legen wollten wie ein Welpe, der seinen ersten Schmetterling erlegt hatte?
      Cal bemühe sich, ruhig zu bleiben und das ganze entspannt zu nehmen. Heute war er einfach nur irgendein Wolf - er war sich ziemlich sicher, dass die Eisprinzessin keine Ahnung hatte, mit wem sie da eigentlich gerade rumhing, und er hatte keine Intention, sich als er selbst zu outen, wenn er nicht musste - der zufällig einer Vampirin ausgeholfen hatte. Das hier war eine Unterhaltung, die sie mit irgendjemandem führte. Er war unwichtig, praktisch ein One Night Stand nur eben für Gedanken anstatt Sex.
      "Weißt du schon, mit wem du dich triffst? Die werden wohl kaum das halbe Rudel für einen Vampir schicken."


    • “Ja China. Keine Ahnung. Ich weiß nicht mal, ob’s Menschen oder vielleicht alte Geister sind.” Ilya zuckte mit den Schultern, auch wenn sie das erste Mal, als sie davon hörte, genauso entgeistert war wie er. Schließlich waren sie hier im Westen. Keiner von den Vampiren hatte deals mit denen. Und eigentlich hatten die auch keine Grundlage um hier in ihrer Stadt etwas anzufangen.
      Aber ihr Vater hatte das Ganze schon länger beobachtet. Und wenn der Senat und der Rat sich bewegte? Dann war etwas dahinter.
      “Also soweit ich weiß soll ich zu Calder Ridley. Euren Rudelführer. Die Informationen sind wohl zu sensibel. Aber das weißt du nicht von mir.” Ilya gab ihm ein schiefes Grinsen.
      “Bin nur das Opferlamm. Für den Fall dass er denkt, dass ich Lüge, bin ich eine gute Absicherung. Er kann mich nicht umbringen ohne Konsequenzen und ohne Ergebnisse kann ich auch nicht nach Hause kommen.” Es war wirklich verflucht. Nicht, dass sie Calder irgendwas unterstellte. Sie kannte den Mann ja nicht. Aber die Situation selber? Auf die hatte sie ja so was von keinen Bock.
      “Dementsprechend stelle ich mich darauf ein, ein bisschen länger bleiben zu müssen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Wie auch immer das als Reinblütige aussehen soll. Lächeln und winken vielleicht? Auf jeden Fall hab ich absolut keine Lust dafür verantwortlich zu sein was in der Politik abgeht. Deswegen wollte ich ein bisschen Freiheit vorher haben.”


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    • Die Tatsache, dass die Eisprinzessin ihm gerade mehr über das Treffen, das sie morgen haben würden, verraten hatte, als sein eigener Onkel, sollte Cal irgendwas sagen. Tat es aber nicht. Er kaute immer noch auf der Info herum, dass die Vampire diesem Treffen aus einem ganz anderen Grund zugesagt hatten, als er gedacht hatte. Interessant.
      "Ich kann dir versichern, dass dich kein Wolf umbringt, nur weil du lügst," versicherte er ihr.
      Er war nicht ganz sicher, warum er wollte, dass sie sich um sowas keine Sorgen machte. Ihm sollte es doch eigentlich egal sein, ob die Eisprinzessin lebte oder nicht - solange er nicht derjenige war, der sie umbrachte. Aber irgendwie fühlte es sich unfair an, sie mit all diesen Sorgen zu belasten und ihr nicht einmal den Grund dafür zu nennen. Vampire waren echt zugeknöpfte Arschlöcher.
      "Kann verstehen, dass du da nochmal einen draufmachen willst. Würde mir auch stinken, wenn man mich einfach so als Geisel an Vampire übergeben würde. Aber hey, sieh's positiv: wir haben den Platz, um mal die Beine auszustrecken. Das hier," er machte eine Geste, mit der er die Dachterrasse meinte, "ist nichts gegen unsere Gärten."
      Er leerte sein Bier und stellte es auf den Kabeltrommel-Tisch. Dann rutschte er ein bisschen tiefer auf dem Sofa, bis sein Nacken auf der Armlehne lag; seine Beine baumelten frei über der anderen.
      "Erwarten die echt von dir, dass du einfach bei uns rumhängst? Kann mir nicht vorstellen, dass unsere Leute zu sowas Ja sagen würden. Nichts für ungut, aber jeder Vampir in unserem Territorium ist eine Bedrohung. Aus mehreren Gründen."


    • “Erwarten? Vermutlich nicht. Ich hab eher das Gefühl, dass sie erwarten, dass Calder wutentbrannt mich mit nem Arm weniger zurück schickt und sie darauf hin eine bessere Verhandlungsbasis haben. Aber das ist nur eine Vermutung meinerseits.” Ilya lehnte sich ein wenig mehr zurück. Gärten hm? Das hörte sich tatsächlich entspannter an als ein Club und ein Casino nach dem anderen.
      “Wie gesagt. Ich bin auf dem Papier mehr wert, als in echt. Wenn ich tot bin haben sie einen Grund zu reagieren. Wenn ich lebe haben sie einen Grund mich zu nutzen.” Diesmal seufzte sie schon gar nicht mehr sondern sah wieder in den Himmel.
      “Und während ich vielleicht eine Gefahr bin, bin ich noch lang nicht so gefährlich wie die Älteren Vampire. In einem reinen Kräftemessen überwältigen mich vermutlich sogar deine Kinder.”


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    • "Ich bin nicht der Vater dieser Jungwölfe! Bis vor ein paar Jahren war ich noch einer von ihnen!" schnaufte Calder.
      Das nur ein weiterer Kommentar, der ihn daran erinnerte, dass er eigentlich auch den Job seines Onkels übernehmen sollte.
      "Dein hübscher Rat, Senat, was auch immer hat sich ganz schön verkalkuliert, weißt du das? Wie gesagt: niemand wird dich in der Luft zerreißen, solange du niemandem auf die Füße trittst. Und dich benutzen... könnte schwierig werden, wenn du in unserem Revier steckst, oder?"
      Cal schwang die Beine von der Lehne und setzte sich auf.
      "Ich mein, denk mal drüber nach: ins Revier kommt deinesgleichen nur wenn eingeladen. Kommunikation muss durch bestimmte Kanäle laufen. Heißt, deine Leute kommen nicht so einfach an dich ran. Die wollen dich benutzen für was auch immer, aber in dem Moment bist du ihr einziger Ansatzpunkt mit uns für was auch immer sie wollen. Du kannst denen alles Mögliche erzählen und sie haben keine Möglichkeit, das zu prüfen, weil kein Wolf mit ihnen reden wird."
      Was zum Geier machte er hier?! Warum bot er einer Vampirin - der Eisprinzessin! - Zuflucht in seinem Territorium an?!


    • “Vielleicht nicht leiblich, aber am Ende passt du ja doch auf sie auf.” Ilya schmunzelte ein bisschen bei der Klarstellung.
      “Empfindlich? Keine Lust auf Kinder?” Sie erwartete keine Antwort darauf. Zumindest keine ernste. Es fiel ihr einfach nur auf.
      Als sie ihm so zuhörte, wurde ihr ein wenig warm um ihr kaltblütiges Herz. Waren alle Wölfe so nett?
      “Aber danke für die Worte.” Ilya tat das einzige, was ihr übrig blieb bei so viel Ehrlichkeit. Ehrlich zurück sein. Zumindest soweit es ihr möglich war.
      “Das nimmt mir einiges an Sorgen. Aber so wie du von eurem Revier redest, hört sich das ja eher nach einem Paradies für mich an. Was machst du, wenn ich nicht mehr gehen will?” Das Lächeln von ihr war nahezu spitzbübisch. Sie merkte, dass er das nicht einfach so sagte. Dass er nicht einfach etwas anbot nur um ihr ein bisschen Frieden zu geben. Den Grund dahinter? Nichtig. Den Rest würde sie eh morgen sehen.
      “Ich denke ich sollte bald zurück kehren. Bevor gewisse Vampire noch die halbe Stadt umdrehen.”


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    • "Wenn du nicht mehr gehen willst? Hm... Schätze, dann hab ich fünf Jungwölfe und eine Jungvampirin, auf die ich aufpassen muss."
      Cal zuckte mit den Schultern.
      Der Gedanke daran, eine Vampirin - eine reinblütige, politisch wichtige Vampirin - praktisch ins Rudel aufzunehmen sollte ihm mehr Angst einjagen. Es sollte ihn nervös machen. Oder er sollte irgendwelche coolen politischen Schachzüge planen, mit denen er von den Vampiren bekommen konnte, was er wollte. Aber alles, woran er denken konnte, war, dass die Eisprinzessin ihn an einen seiner Streuner erinnerte.
      Sie erinnerte ihn an Dusty, wie er damals mit breitem Grinsen direkt am Rand seines Territoriums gecampt hatte, bis sich Cal dazu herabgelassen hatte, mit ihm zu reden. Dusty hatte ihm seine gesamte Gesichte offen präsentiert - dass er der Sohn eines Rudelführers war, der entmachtet wurde; dass er die Wahl zwischen gehen und sterben hatte und sich für gehen entschieden hatte; dass er es als Wanderer versucht hatte, aber lieber sässig sein wollte - und seinen Wunsch, unter Cal's Führung zu leben, genauso offen geäußert.
      Sie erinnerte ihn an Violet, wie sie vor nicht einmal drei Monaten mit eingezogenem Schwanz bei ihm aufgetaucht war und gefragt hatte, ob sie bleiben könne, bis sie herausfinden konnte, was sie machen wollte. Bis heute hielt sie sich weitestgehend vom Rudel fern, ließ sich nicht an irgendwen binden. Sie war wild, unabhängig, aber selbst solche Wölfe brauchten hin und wieder einen Den, in dem sie einfach mal bleiben konnten, ohne ständig über die Schulter blicken zu müssen.
      Ilya Crowley mochte vieles sein - reinblütige Vampirin, mächtige Politikerin, Eisprinzessin, Schachfigur - aber sie war vor allem eins: ein Streuner. Von dem, was sie Cal bisher erzählt hatte, gab es nichts und niemanden, an den sie gebunden war, den sie wirklich liebte, der sie liebte. Sie war im freien Fall. Nur war der auf einen goldenen Käfig beschränkt.
      "Ich denke ich sollte bald zurück kehren. Bevor gewisse Vampire noch die halbe Stadt umdrehen."
      "Hm? Oh, ja, vielleicht. Ich mein, theoretisch sind wir noch in der neutralen Zone, du kannst also tun und lassen was du willst."
      Cal stand auf und schnappte sich die beiden leeren Bierflaschen, bevor er sich so ausgiebig streckte, dass sein Rücken kurz knackte.
      "Autsch. Brauchst du ein Taxi irgendwo hin? Vorzugsweise irgendwo hin, wo man mir nicht gleich den Kopf abreißen will, nur weil ich ein Wolf bin."


    • "Ein Taxi klingt gut."
      Sie richtete sich langsam auf, klopfte sich mechanisch den unsichtbaren Staub von der Hose, als müsste sie das einfach tun, um sich von diesem Moment zu lösen. Mehr ein Instinkt, als dass sie es wirklich nötig hätte. "Aber ich komm klar." Ihr Blick wanderte kurz über das Dach, die Lichterketten, den improvisierten Freiraum, der ihr für diese eine Nacht mehr gegeben hatte, als sie sich eingestanden hätte.
      "Sag mir nur, wohin ich’s bestellen soll."
      Sie zog das Smartphone aus der Jacke, entsperrte es mit einer Bewegung, die deutlich mehr Gewohnheit als Aufmerksamkeit zeigte. Interessanterweise waren ihre Babysitter noch nicht auf die glorreiche Idee gekommen einfach das Stück Technik in ihren Händen zu benutzen um sie zu orten. Vielleicht hatten sie zu viel Angst ihren Eltern zu erzählen, dass man sie verloren hatte oder so. Ein leichtes Schmunzeln entglitt ihr, als sie sich die Gesichter vorstellte, wenn sie alleine wieder zurück kehrte. Naja. Das war sowieso unausweichlich.
      "Danke für den Ausflug. Das werd ich nicht vergessen, Fremder."
      Ein Hauch neckisch in der Stimme, ohne den Stolz zu verlieren. Ohne zu fragen. Schließlich hatte er seinen Namen nicht angeboten und sie hatte nicht vor, ihn zu jagen. Wenn er ihn ihr geben wollte, würde er es tun. Irgendwann sah man sich sowieso wieder. Zumindest im langen Leben der Vampire. Sie wartete die Richtung ab, in der sie das Taxi rufen sollte, ehe sie ihr Handy wieder hob und den Dienst bestellte, der sogar für Vampire diskret genug war.
      "Falls ich morgen nicht wieder rauskomme, schenk deinen Kindern noch ein Bier von mir." lächelte sie, die Eventualität dass er vermutlich noch einmal betonen würde, dass es nicht seine Kinder waren, schon fast greifbar.


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    • Cal gab ihr die Adresse von dem Haus an der Ecke der Straße während er die leeren Bierflaschen zu einer kleinen Gruppe anderer, leerer Bierflaschen stellte. Dusty hatte nach der letzten Party noch nicht aufgeräumt. Das war vor drei Tagen gewesen, was machte dieser Wolf denn bitte die ganze Zeit? Ach, egal.
      "Danke für den Ausflug. Das werd ich nicht vergessen, Fremder."
      Cal lächelte schief, als er sich zu der Vampirin wieder umwandte. Er hatte ihr tatsächlich nie seinen Namen verraten. Und, so wie es schien, hatte sie keine Ahnung, wer er war. Sie hatte es nicht rausgefunden. Nicht, als er die Jungwölfe angeleitet hatte, nicht als er Dusty einfach so aus seiner eigenen Wohnung geworfen hatte. Für sie war er einfach nur irgendein Wolf, der in der Rangordnung ordentlich dastand. Das würde morgen noch lustig werden.
      "Keine Ursache," antwortete er.
      "Falls ich morgen nicht wieder rauskomme, schenk deinen Kindern noch ein Bier von mir."
      Cal schnaubte, rollte mit den Augen. Da hatte er sich ja in was reingeritten. Super.
      "Vielleicht gebe ich denen einfach so noch ein Bier von dir aus, einfach nur, weil du immer wieder darauf zurückkommst."
      Er nahm die Eisprinzessin zurück mit nach unten und begleitete sie auch bis an die Ecke, an der ihr Abholservice gleich auftauchen würde. Nicht, weil er Angst hatte, dass sie irgendwas überfallen könnte, sondern weil sich das so gehörte. Dort verabschiedete er sich dann von ihr, ohne ihr jemals zu sagen, wer er eigentlich war. Er verschwand einfach zurück in den Schatten der Straße, verließ ihr Sichtfeld. In Wahrheit blieb er, bis sie ins Auto gestiegen war. Er konnte nicht verneinen, dass diese Frau interessanter war, als sie sein sollte.

      "Ilya Crowley, Linden. Die verdammte Eisprinzessin! Wusstest du das?!"
      "Natürlich wusste ich das nicht! Aber ändern kann ich jetzt auch nichts mehr. Es wurde ganz klar festgelegt, dass einer von denen und einer von uns kommt. Kein Rudel, keine Aufpasser."
      Cal wanderte eine weitere Runde über die Terrasse seines Onkels. Er spielte mit dem Fangzahn um seinen Hals, drehte ihn zwischen seinen Fingern hin und her, hin und her. Er hatte die ganze Nacht damit verbracht, sich den Kopf über seinen abendlichen Ausflug zu zerbrechen. Natürlich hatte er seinen Onkel sofort in Kenntnis gesetzt, aber der war ein gesunder Schläfer und hatte sich erst am Morgen gemeldet.
      "Was soll ich denn überhaupt mit der besprechen, hm? Ich hab keine Ahnung von China! Was lebt da eigentlich für Zeug?"
      "Eine ganze Menge, fürchte ich," meinte Cora, Lindens Frau, als sie mit einem Tablett voller Waffeln nach draußen kam.
      Sie stellte das Tablett auf dem Tisch ab und reichte ihrem Mann seinen Kaffee, der ihn dankend annahm.
      "Könnte also alles Mögliche sein, über das sie mit mir reden will? Wird ja immer besser."
      Cal grummelte vor sich hin und lief noch eine Runde. Er wollte gerade zu einer weiteren ansetzen, als Cora ihn stoppte und auf einen der Gartenstühle zwang, wie sie es immer tat. Sie bedeutete ihm, etwas zu essen, und er nahm sich eine Waffel. Beim ersten Bissen bemerkte Cal erst, wie hungrig er eigentlich war.
      "Die Zwillinge?" fragte er mit vollem Mund.
      "Im Bett, schlafen ihren Kater aus. Irgendjemand hat für eine Nacht voller Freibier gesorgt," antwortete Cora.
      Cal zuckte mit den Schultern.
      "Ich schlage vor, du machst alles so, wie gestern. Lass sie reden. Lass sie ihren Punkt machen und ihre Optionen vorschlagen, dann entscheidest du. Und wenn du nicht weiter weißt, dann kannst du dich jederzeit bei mir melden."
      Cal kaute auf seiner Waffel herum. Klang nicht so schwer, das sollte er hinkriegen. Es sei denn...
      "Was wenn..."
      "Wenn was? Was hast du angestellt?"
      "Nichts! Zumindest nicht direkt."
      Er begegnete dem skeptischen Blick seines Onkels, dann dem seiner Frau.
      "Ich hab ihr vielleicht die Idee gegeben, dass sie im Revier bleiben könnte, wenn sie sich vor ihren furchtbaren Eltern verstecken will."
      Cals Onkel seufzte schwer und fuhr sich mit der Hand über die Augen. Seine Frau musste sich beherrschen, nicht loszulachen.
      "Cal, deine Liebe für Streuner in allen Ehren, aber was, im Namen der großen Wölfin, hast du dir dabei gedacht?!"
      "Dass sie verloren wirkt und einen Platz gebrauchen könnte, an dem man ihr einfach mal zuhört und sie wie eine Person behandelt?"
      "Ich fange langsam an, meine Entscheidung, dich zu diesem Treffen zu schicken, zu bereuen, weißt du das?"
      Cal zuckte entschuldigend mit den Schultern. Vor ein paar Jahren noch hätte er einen viel größeren Anschiss bekommen, und er hätte die Ohren angelegt, den Schwanz eingezogen und sich auf den Rücken geworfen, damit es aufhörte. Aber er war kein Jungwolf mehr. Und sein Rang verhinderte, dass ihm sein Onkel gerade den Marsch blies.
      "Ich dachte, dass wenn wir die Eisprinzessin hier haben, wir den Informationsfluss besser kontrollieren können. Sie mag ihre Leute nicht besonders, so wie's aussieht. Was, wenn wir sie auf unsere Seite ziehen können?"
      "Er hat Recht, Linden," schaltete sich Cora wieder ein. "Selbst wenn sie wieder geht, wenn sie uns nicht als Feind ansieht, könnte das einige Türen öffnen."
      Sein Onkel ließ sich das durch den Kopf gehen. Cal konnte die Zahnräder sehen, wie sie sich drehten, während er sich eine weitere Waffel in den Mund stopfte.
      "Ich wusste doch, dass du mehr zwischen den Ohren hast, als eine halbwegs hübsche Visage," sagte Linden schließlich mit einem Lächeln.
      Cal grinste breit, stolz auf sich.

      Am Abend saß Cal auf einer Bank in einem Pavillon, der mitten auf einer Wiese stand. Der Park war hübsch, für Naturliebhaber gedacht. Es gab einen kleinen Spielplatz aus Holz für Kinder, ein paar Wanderwege, ein paar Blumenbeete. Ein nettes Plätzchen und komplett einsehbar von weit weg. Am Rande des Parks standen ein paar von Cals Wölfen bereit, sollte er sie brauchen. Ilya stand es offen, das gleiche mit ihren Blutsaugern zu tun, sobald sie hier auftauchten. Der Deal war einfach: eine Person pro Seite verhandelt, bis zu drei dürfen von der Außenlinie zusehen. Zugang zum Revier war an maximal vier Vampire vergeben worden. Der Weg zwischen neutraler Zone und diesem Pavillon war geräumt worden - nicht ein ziviler Wolf befand sich auf der Route, die den Vampiren gegeben worden war. Stattdessen patrouillierten mehr von Cals Wölfen die Strecke, um sicherzugehen, dass sich die Vampire auch an die Strecke hielten.
      Cal war hier seit Sonnenuntergang. Er sah ihn sich irgendwie gern an. Hatte er schon immer getan. Als Welpe hatte er dafür auf der Terrasse seines Onkels gesessen. Als Jungwolf war er dafür auf dessen Dach geklettert. Mittlerweile stand er meistens auf Dustys Dachterrasse. Heute Abend hatte er ihn hier genossen, eine Hand am Fangzahn, der um seinen Hals herum baumelte.
      Das hier war, was seine Mutter getan hatte. Jahrelang. Sie hatte sich mit den Vampiren getroffen und Deals ausgehandelt, die einen jahrelangen Frieden aufrechterhielten. Sie hatte mit anderen Rudeln gehandelt. Sie hatte sich um ihre Leute gekümmert, ihnen Sicherheit gegeben. Cal konnte nur hoffen, dass er ihr gerecht wurde.
      Er ließ von seiner Halskette ab, als er Vampir roch. Kurz darauf erblickte er in der Ferne eine Figur, die sich ihren Weg über die Wiese suchte.


    • lya
      Das Anwesen lag im Dunkeln, als sie zurückkehrte. Nur ein paar vereinzelte Lampen warfen blasses Licht über den auf Hochglanz polierten Marmor der Auffahrt. Und trotzdem spürte sie es: das gespannte Warten. Natürlich. Was auch sonst. Kaum hatte sie die schwere Tür aufgestoßen, standen sie schon da. Zwei Diener, steif wie Statuen. Und hinter ihnen der wahre Wächter dieser Nacht. Ihr Vater.
      Sein Blick war wie kaltes Blei, als sie ihm in die Augen sah. Silberne Augen, die Farbe, die ihre Augen wohl irgendwann im Alter annehmen würden.
      "Wo warst du?" Kein Gruß. Keine Floskeln. Nur das Knurren eines Mannes, der es nicht gewohnt war, die Kontrolle zu verlieren. Als hätte er jemals wirklich Kontrolle über sie gehabt. Ilya streifte sich die Sonnenbrille von der Nase, ließ sie achtlos an einem der Tische liegen und begegnete ihm mit einem Tonfall, der süßer kaum hätte sein können.
      "Luft schnappen." Er machte einen Schritt auf sie zu, die Marmorfliesen knirschten leise unter seinen Schuhen.
      "Du hast deine Begleiter abgehängt. Den ganzen Senat kompromittiert. Weißt du überhaupt, was du uns angetan hast?"
      Sein Ärger, sein Machtanspruch, alles perlte an ihr ab wie Regen am Fensterglas. Statt zu antworten, strich sie sich ruhig eine Strähne ihres weißen Haars hinters Ohr, als hätte sie ihn gar nicht gehört. Er knurrte. Wirklich knurrte. Doch bevor er mehr sagen konnte, hob Ilya die Hand. Langsam, fast elegant. Und doch war die Wirkung durchschlagend.
      "Wenn dir so viel an mir liegen würde," sagte sie ohne Hohn aber nicht ohne Spott, "dann würdest mich ja kaum den Wölfen zum Fraß vorwerfen." Der Raum erstarrte. Selbst die Diener, trainiert, nichts zu sehen, nichts zu hören, wagten kaum noch zu atmen. Ihr Vater öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Weil es keine Antwort gab. Keine Entschuldigung. Keine Ausrede. Ilya ließ ihn einfach stehen und verschwand in den Fluren, während der kalte Marmor ihre Schritte verschluckte. Eine Nacht noch.
      Eine letzte Nacht, bevor sie das Opferlamm offiziell auf die Wiese führen würden.

      Am nächsten Morgen
      Ilya hatte kaum geschlafen. Nicht, weil sie nervös gewesen wäre, nicht im eigentlichen Sinne, sondern weil Vampire nicht schlafen mussten. Biologisch gesehen konnten sie es, aber es war eben kein Muss. Für die einen reine Zeitverschwendung, für die anderen ein Augenblick Ruhe. Aber es änderte nichts an dem, was kommen würde. Und sie hatte Recht behalten.
      Der Hohe Rat war versammelt. Zwölf Vampire in edelster Kleidung, deren uralte Gesichter von jahrhundertelanger Langeweile geprägt waren. Und der Senat: fünf Gestalten, darunter ihre Mutter, deren kaltes Lächeln wie in Stein gemeißelt wirkte. Sie wollten alles sehen. Alles kontrollieren. Selbst ihr schwarzes Kleid, sündhaft teuer, maßgeschneidert, eine Waffe aus Seide, wurde von zwei aufgedunsenen Gestalten auf versteckte Waffen und Mikrofone untersucht. Lächerlich. Wenn sie jemand umbringen wollte, dann doch bitte auf die gute alte Art.
      "Die Verhandlungen betreffen den expandierenden Einfluss östlicher Wesenheiten," erklärte man ihr, als sie in einem endlosen Saal Platz nehmen musste, der mehr nach Grabmal als nach Regierungssitz aussah.
      "Vor allem im Bereich der kontrollierten Substanzen. Drogen, die Menschen... und Vampire... befallen. Wir müssen verhindern, dass ihre Seuche unsere Stadt erreicht." Ilya nickte stumm. Politisches Gerede. Drohende Gefahren. Und irgendwo zwischen all den Worten war klar. Sie wurde geschickt, weil sie verzichtbar war. Wertvoll, ja. Aber verzichtbar. Hatte keine eigene politische Macht. Keinen Einfluss über ihre bloße Existenz hinaus.
      Und wenn sie starb? Dann hatte man einen neuen Grund, gegen die Wölfe oder die Fremden vorzugehen. Ein kluger Zug. Eiskalt.
      Aber anstatt sich aufzulehnen, richtete sich Ilya auf. Sie setzte die Maske auf, die man ihr von Geburt an antrainiert hatte. Die der stolzen Eisprinzessin. Sie zog die Schatten ihrer Ahnen über ihre Schultern und erhob sich mit der Anmut eines Opfertiers, das zu stolz war, um die Angst zu zeigen. Als sie schließlich in der Limousine saß, die sie zum Treffpunkt bringen würde, strich sie sich noch einmal die makellose schwarze Seide über die Beine. Ein Atemzug. Dann lächelte sie.
      Und das Lächeln war so perfekt, dass selbst der Tod es nicht hätte hinterfragen können. Wenn sie sich jetzt zumindest etwas Mut vor dem Treffen antrinken könnte.

      Die Limousine glitt lautlos aus der letzten Kurve und kam zum Stehen. Das Motorengeräusch verstummte, der Wagen schien regelrecht den Atem anzuhalten. Ein letzter Moment der Stille, bevor das Theater begann. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Klicken. Miklas war es, natürlich. Der blonde, drahtige Vampir stand schon bereit, makellos wie immer, sein Gesicht so ausdruckslos wie eine Statue. Nur die dunkelroten Augen glommen leicht, als er ihr die Hand entgegenstreckte. Ilya zögerte keine Sekunde. Sie legte ihre Finger mit der Selbstverständlichkeit in seine, wie es von ihr erwartet wurde, und ließ sich elegant aus dem Wagen helfen. Jeder ihrer Bewegungen war Perfektion: fließend, anmutig, völlig kontrolliert. Wie man es von ihr erwartete.
      Die Sonne war längst untergegangen, aber die Luft roch nach Sommerhitze und schwerem Gras. Über die Wiese hinweg konnte sie den Pavillon sehen, angestrahlt von vereinzeltem Licht, das eine kleine Bühne aus ihm machte.
      Und dort, mitten im Bild, stand er. Sie erkannte ihn sofort, noch bevor ihr Verstand den Namen zuordnen konnte. Sein Haar war zerzaust wie am Abend zuvor. Dieselbe lässige Art, als gehöre ihm der Ort, auf dem er stand. Dieselbe selbstverständliche Kraft, die ihn umgab wie eine zweite Haut.
      Ihre Augen weiteten sich einen Hauch, kaum sichtbar, aber genug, dass Miklas sie mit einem Seitenblick musterte.
      Was machte er bitte hier?


      ♪♫•*¨*•.¸¸사랑햡니다¸¸.•*¨*•♫♪

    • Cal hatte sich gestern ein bisschen davon abgehalten, es zu bemerken, aber heiliger Mond sah die Eisprinzessin gut aus. Gestern war sie ja schon attraktiv gewesen, in ihrem business-casual Outfit, aber das Kleid, das sie heute anhatte... Wow. Einfach nur wow. Cal war niemand, der offen starrte, aber er erlaubte es sich, während Ilya sich langsam über die Wiese bewegte. Waren solche High Society Fetzen sein Ding? Nein. Änderte nichts daran, dass Ilya sowas verdammt gut tragen konnte. Er fragte sich, ob sie von der Sorte war, die ihre Kleidung wie eine Waffe auswählte. Er hatte mal gehört, das manche Leute das machten. Der ganze Symbolismus dahinter war eine Sprache, die Cal nicht sprach und die er auch nicht wirklich lernen wollte. Unter Wölfen war es egal, was man anhatte. Praktisch und bequem ging oft vor. Das 'kleine schwarze' gab es nur zu besonderen Anlässen und selbst dann eigentlich nur, wenn nicht-Wölfe anwesend waren. Als Beispiel, Cal trug schlammgrüne Cargohosen, ein Paar mitgenommene Stiefel, und ein einfaches T-Shirt. Bequem, praktisch, nichts, was er vermissen würde, sollte er sich plötzlich von seinen Klamotten trennen müssen. Ilyas Kleid würde da wohl mehr wehtun, sollte es auch nur einen Fleck abkriegen. Trotzdem, sie sah verdammt gut aus.
      Aber da war noch was. Ihr Gesichtsausdruck. Er war eisig, wie er es von der Eisprinzessin erwartete, aber da war noch was. Die Maske der kalten Gleichgültigkeit war nicht perfekt. Ihre Augen verrieten sie, wie Cal bemerkte, als sie den Pavillon erreichte. Er lächelte schief.
      "Calder Ridley," stellte er sich endlich vor - nur ein paar Stunden zu spät - und reichte ihr die Hand.


    • Ilya

      Damit hatte sie nicht gerechnet. Das war, vielleicht, aber ihre eigene Schuld. So wie der Herr mit den jungen Wölfen umgegangen war. Wie er sie erkannt hatte, obwohl sie nichts über sich selber preisgegeben hatte. Okay, das war eine Lüge. Ihre weißen Haare und ihre Augenfarbe gaben alles über sie Preis, wenn man wusste wie Vampire agierten. Weiße Haare waren ein Zeichen von Reinheit und silberne Augen ein Zeichen des Alters von reinblütigen Vampiren. Bei Verwandelten wie Miklas blieben sie dunkelrot. Ilya's Augen waren immer noch rosa. Manchmal sogar rot, wenn sie zu viel Hunger hatte. Das war sicherlich genug für jeden Wolf um sie zu erkennen. Trotzdem.
      Calder hatte sie eindeutig an der eigenen Nase herum geführt. Absichtlich oder unabsichtlich, es hinterließ einen bitteren Geschmack auf ihrer Zunge. Wie alt gewordenes Blut.
      Ilya's Lippen verzogen sich zu einem kalten Lächeln, als sie seine Hand schüttelte, als hätte sie nicht einen halben Abend mit ihm verbracht. Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie einiges an Fragen und Kommentaren verbarg. Ließ sich nicht anmerken, dass dies nicht das erste Mal war, dass sie ihn sah. Miklas und ihre anderen Begleiter waren dafür zu trainiert, zu aufmerksam. Ihre anfängliche Reaktion konnte sie weg erklären. Sowas wie 'er sah halt gut aus', oder so. Das war nicht mal eine Lüge, selbst wenn er aussah als würde er gerade aus dem Wald kommen. Hm. Vielleicht tat er das auch? Er roch zumindest noch mehr nach Natur als gestern.
      "Ilya Crowley." bot sie ihm an, die Stimme geschult wie immer. Nicht so wie gestern Abend, wo sie einmal im Leben sie selbst war. Nein hier unter ein paar Duzend Augen und ihrer eigenen Brut? Hier konnte und würde sie sich keinen Fehler erlauben. Ohne zu zögern folgte sie dem Mann, mit dem sie vor nicht einmal 24 Stunden noch ein kaltes Bier geteilt hatte, in Richtung Pavillon. Das, was sie zu erzählen hatte war immerhin nicht für andere Ohren gedacht, auch wenn hier alle vermutlich durch drei Wände hören konnten. Die Tatsache, dass am Ende gar keine Wände zwischen ihnen und ihren Beobachtern waren? Klassisch Wolf. Natürlich.
      Immerhin waren sie soweit ab vom Schuss, dass sie normal reden konnten, ohne dass die vielen Wölfe und Vampire etwas mitbekommen würden.
      "Calder also." Ilya's Stimme war immer noch eisig, aber ein kleines Fünkchen Amüsanz schwang mit. Anders wusste sie auch nicht auf die Absurde Situation zu reagieren. Zumindest nicht, ohne beleidigt zu wirken.


      ♪♫•*¨*•.¸¸사랑햡니다¸¸.•*¨*•♫♪

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