The Waves of Fate [Rheira&Tristale]

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    • Arien Darkbloom

      Arien grinste sie frech an, fast so wie er es in der Bar getan hatte. Zwar hatte Arien einen Deal mit seinem Dad keine Studentin oder Studenten an der Uni flach zu legen, was aber nicht bedeutete das er nicht flirten durfte. Zumal das zwischen ihm und Faith vor Ironie nur so strotzte. Sie beide machten sich einen Spaß daraus einander auf den Keks zu gehen. Das hatte also nichts mit Romantik zu tun, also brach er keine Vereinbarung mit seinem Dad. Win-Win also. Er konnte mit Faith herumalbern, die offenbar mehr Spaß verstand als die meisten an dieser beschissenen Uni. "Nun, wenn es dir so egal wäre, würde es dich ja nicht so ärgern. Ich hab das Thema längst abgeschlossen, aber du reitest immer noch auf den Weibern rum.", grinste Arien amüsiert, als er sich dann zu ihr gebeugt hatte, nah vor ihrem Gesicht und aufgrund ihrer Antwort provokant lächelte. "Eben man kann gar nicht anders als mir perfekten, anständigen und steht vorzeigbaren Studenten hinterher zu schmachten. Ich weiß du tust es auch." Natürlich war das eine Anspielung darauf, wie falsch sein Verhalten hier war. Faith wusste inzwischen das dieses Bild an der Uni, welche alle von ihm hatten ein so gigantisches Lügenkonstrukt war. Arien war fast stolz was für ein guter Schauspieler er war. Gleichzeitig hasste er sich dafür und er hasste dieses beschissenen Laden hier. Als er sich ein wenig von der Hellhaarigen entfernt hatte, setzte er wieder seine perfekte Fassade auf, da sie genug Leute wieder beobachteten. Er wollte wieder in seine Bar und das nicht aus alkoholischen Gründen, wie man anhand der Aussage komplett falsch verstehen konnte. Tatsächlich trank der Barkeeper in der Bar am wenigsten von allen und Arien war da keine Ausnahme. Er hatte Faith angeboten sie zu ihrem Hörsaal zu bringen, was irgendwie merkwürdig war. Arien hasste die komplette Studentenschaft hier, aber wollte tatsächlich mit ihr noch ein wenig Zeit verbringen. War es so überfällig gewesen, das jemand in sein Geheimnis eingeweiht wurde? Lag es an ihr? "Wow, du hasst diesen Studienzweig wirklich.", antwortete der Hellhaarige belustigt und strich sich durchs Haar, während sein Blick auf die riesige Wanduhr an dem Unigebäude wanderte. Eigentlich war diese riesige goldene Uhr mit dem römischen Ziffern ziemlich gut gewählt und verlieh der Uni einen historischen Flair. "Ich hab noch ein wenig Zeit bevor ich zum Studienrat muss. Meine Lesung ist erst heute Mittag, aber ich hab ein Meeting mit den Studiensprechern der jeweiligen Fachrichtungen. Meine Motivation hält sich also stark in Grenzen pünktlich zu sein."

      Jade Rhea Summer
      Sie wusste das sie voll ins Schwarze getroffen hatte. Allein sein Gesichtsausdruck sprach Bände und so freundlich wie Hawke war, richtete er sich tatsächlich nach jemanden, weshalb er diese Reise nicht antreten konnte. Jade konnte beim besten Willen nicht verstehen, warum Hawke auf andere kalt wirkte. Sie hatte einmal ein paar Mädchen über ihn sprechen hören, die ihn attraktiv fanden, aber Angst hatten ihn anzusprechen. In Jades Augen war er der freundlichste Mensch überhaupt. Das hatte sie wohl auch leichtsinnig werden lassen, denn das ging sie alles überhaupt nichts an und sie verleitete den Schwarzhaarigen nun auch noch zum Lügen, denn sie glaubte ihm kein Wort. Allerdings würde sie mitspielen. Sie wollte ihn nicht verärgern, darum lächelte sie.
      "Ah, natürlich. Ich würde auch gern nebenher arbeiten, aber vielleicht ist es gerade ganz gut, dass ich es nicht muss, sonst hätte ich es jetzt sicher auch schwerer mit der Entscheidung." Sie kam seiner stummen Bitte nach das Thema zu wechseln. Sie wollte Zeit mit ihm verbringen und das ging nicht, wenn sie ihn verärgerte. Also sie ihm berichtete, das ihr Dozent vom Fahrrad gefallen war und sie deswegen noch Zeit hatte, sah sie seine Belustigung, die er versuchte zu unterdrücken. Jade musste nun selbst leicht lachen. "Ja, kann man so sagen." Als Hawke sie darauf ansprach, ob sie auch zur Bibliothek wollte, lächelte sie erneut und nickte. "Erraten." Ein wenig unsicher blickte sie nun auf ihre Schuhe, als wären diese das interessanteste was sie heute gesehen hatte.
      "Uhm....willst du mich begleiten?"


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith legte dramatisch eine Hand aufs Herz, während sie mit gespielter Ernsthaftigkeit sagte: „"Oh Mann, du hast mich wirklich erwischt." Dann grinste sie breit, ihre Augen funkelten vor purem Schalk. "Ich bin schon unsterblich in dich verliebt, seit ich dich das erste Mal gesehen habe. Und natürlich studiere ich nur Jura, um dir näherzukommen. Ganz großes Kino, oder?" Sie lachte leise in ihren Becher, schüttelte dann leicht den Kopf über sich selbst.
      "Und wow – es hat ja sogar funktioniert!" Sie hob triumphierend die Augenbrauen, als würde sie Arien zu ihrem ausgeklügelten Masterplan gratulieren. "Wir wären so ein perfektes Paar. Findest du nicht?" Ihre Stimme triefte förmlich vor ironischer Übertreibung, und doch lag ein ehrliches Lächeln auf ihren Lippen.
      Man konnte ihr ansehen, wie sehr sie sich über das Gespräch amüsierte – wie albern und gleichzeitig befreiend es war, einfach mal so herumzublödeln. Die Vorstellung, wie ihr Vater reagieren würde, wenn sie wirklich mit Arien zusammenkäme, ließ sie kurz auflachen. Der würde vermutlich sofort sämtliche familiären Brücken abbrennen und sie exmatrikulieren lassen, so schnell könnte sie gar nicht schauen.
      Als sich das Gespräch etwas senkte, wurde Faiths Miene für einen Moment ernster. War es wirklich so offensichtlich, wie wenig sie ihr Studium mochte? Vermutlich. Sie fühlte sich heute ohnehin zu müde, um sich noch groß zu verstellen. Ihre Schultern sanken leicht, als sie sagte: "Er liegt mir nicht unbedingt." Ihre Finger umklammerten den warmen Becher ein bisschen fester, beinahe wie zur Selbstberuhigung.
      Egal, wie sehr sie sich bemühte, das Interesse an Jura zu erzwingen – es fühlte sich einfach nicht richtig an. Aber das durfte sie ja niemandem sagen, oder? Nicht mal sich selbst, manchmal.
      Faith warf Arien einen schrägen Seitenblick zu, nippte an ihrem Kaffee und verzog leicht das Gesicht – noch immer zu heiß. "Dein Plan für heute klingt ehrlich gesagt fast genauso trocken wie meiner", murmelte sie, leicht amüsiert. Dann beugte sie sich verschwörerisch ein Stück zu ihm hinüber: "Wenn ich die Wahl hätte, würde ich heute einfach durchbrennen. Irgendwohin, wo’s keine Paragrafen gibt… oder Kaffee nur nach hinten raus schmeckt, nicht vorne heiß."
      Ihre Finger trommelten sachte gegen den Becher. Vielleicht war es nur ein müder Tag. Oder vielleicht… war sie einfach bereit, endlich mal das auszusprechen, was sie schon eine ganze Weile verdrängte.


      Hawke Li-Winslow
      Hawke schob die Hände tief in die Tasche seiner Lederjacke, den Blick fest auf den Weg gerichtet, als wolle er allein durch das Gehen den Gedanken an England davonlaufen. Nein, er wollte jetzt wirklich nicht darüber nachdenken – nicht über seine Familie, nicht über all das, was an diesem 'Ausflug' dranhängen würde. Vielleicht musste er ja gar nicht mit. Vielleicht war England ohnehin nur Dauerregen, kalter Tee und ein anstrengende Studenten. Und Uni hatten sie dort ja sowieso – also was sollte daran bitte besonders sein?
      "Ja, manchmal ist das schon anstrengend", sagte er auf Jades vorherige Bemerkung hin und versuchte, entspannt zu klingen. "Aber ohne Job geht’s bei mir halt nicht." Seine Stimme war ruhig, fast schon beiläufig – dabei arbeitete es hinter Stirn und Blick deutlich mehr, als er jemals zugeben würde. Und sie musste das auch nicht wissen. Niemand.
      Der Gedanke an den Fahrradunfall des Dozenten holte ihn zum Glück aus der Grübelfalle. Die Vorstellung war einfach zu skurril, um nicht zu schmunzeln – wie aus einem dieser überdrehten Zeichentrickfilme, die seine kleine Schwester liebte. Er sah ihn schon in Zeitlupe fliegen, Aktentasche wirbelnd, während überdramatische Soundeffekte ertönten.
      Das Jade zugab erst in die Bibliothek zu wollen überraschte Hawke nicht, das sie allerdings fragte ob er sie begleiten wollte, schon. "Klar", antwortete er knapp. "Ich brauch sowieso noch ein Buch… und irgendeine Form von Motivation, die mir erklärt, warum ich so früh schon wach bin."
      Ein paar Schritte gingen sie schweigend nebeneinander her. Es war kein unangenehmes Schweigen – eher so eins, das Raum ließ. Für Gedanken, für stilles Einvernehmen.
      "Weißt du", meinte Hawke dann plötzlich, ohne sie anzusehen, "wenn England wirklich so langweilig wird, wie ich’s mir gerade einrede… dann gehst du mit mir nachmittags ein Guinness trinken. Einverstanden?"
      Sein Blick glitt zu ihr. Nicht fordernd – eher wie jemand, der hofft, dass jemand anderes Ja sagt, bevor er es sich selbst ausredet.
    • Arien Darkbloom

      Gespielt eifrig nickte Arien auf ihre geheuchelten Worte. Sich selbst beweihräuchernd im Scherz, grinste er sie an und seine Augen blitzen ähnlich wie die von Faith herausfordernd, verspielt und irgendwie auch vor Amüsement. "Siehst du? Schön, dass du es einsiehst.", antwortete er und seufzte theatralisch. "Was bin ich auch perfekt. Ihr armen Damen könnt ja überhaupt nichts dafür." Er rollte mit den türkisblauen Augen. Herrje er war wirklich ein begnadeter Schauspieler, mal ehrlich er würde sich seine Rolle selbst glauben, wenn er nicht wüsste, dass er wahrscheinlich der geborene Lügner war. Das sollte allerdings kein Talent sein auf das man stolz ist. Im Gegenteil, Arien verabscheute sich selbst jeden Tag für jedes geheuchelte Wort, dass seine Lippen verließen und für jede Minute, welche er hier mit Leuten verschwendete die er nicht leiden konnte. Dieser Morgen war seit Langem der erste Beginn des Tages - abgesehen vom Wochenende und Semesterferien - die er nicht zum kotzen fand und das Bedürfnis hatte seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Er hatte wohl wirklich jemanden gebraucht, dem er sich anvertrauen konnte an der Uni. Allerdings war seine Angst verraten zu werden immer zu groß gewesen. Selbst wenn er wusste, dass niemand dem perfekten Lügengerüst das er als Topstudent geschaffen hatte misstrauen würde. Es stand einfach zu viel auf dem Spiel. Nun er konnte auch nicht wissen, ob er Faith oder dieser Bobby vertrauen konnte, allerdings hatte er hier doch klar die Oberhand. Vielleicht wollte ein kleiner Funken in ihm einfach an die kleine Ashenvale glauben.
      Als der Hellhaarige die Kleinere auf ihr absolutes Desinteresse zu Jura ansprach, wirkte sie einen Moment erstaunt ertappt. Überraschte sie es wirklich so sehr? Für ihn war es förmlich als würde man ihm eine Werbereklame ins Gesicht schlagen. Sie wirkte deutlich kleiner und zierlicher, als sie die Schultern so hängen ließ. "Und....du kannst Daddy nicht überreden Modedesign zu machen? Ich hab gesehen wie du Liviana angehimmelt hast. Aber ich kann es verstehen, dein Alter ist stur wie meiner. Wo hast du Schwierigkeiten?", Sein Blick wanderte zu seinem Handy, welches in seiner Jeanshosentasche vibrierte. Sein Display schrie ihn förmlich mit zig Nachrichten an. Darunter auch, warum er noch nicht bei der Besprechung ist. Das Meeting war offiziell erst in einer halben Stunde. Was sollte bitte das Theater? Genervt stöhnte er und fuhr sich durch das Haar. "Glaub mir, nichts würde ich lieber tun, als jetzt zu verschwinden. Die gehen mir bereits jetzt alle schon tierisch auf den Sack." Einen Moment hatte er sich vergessen und räusperte sich. Verdammt, das war nur Faiths Schuld. Er durfte sich hier nicht so entspannen. " Ich muss los. Leider kann ich das Meeting nicht schwänzen.", brummte er alles andere als glücklich. Einen Moment hielt er inne bevor er los musste, grinste dann aber frech und beugte sich zu der Kleineren.
      "Ich gebe dir gerne später Nachhilfe, damit meine ich nicht deine Paragraphen. Ich hab heute Abend Dienst." flüsterte er ihr ins Ohr, löste sich von ihr und hob die Hand. Auf seinem Gesicht kein provokantes Grinsen mehr, sondern das perfekte strahlende Studentengesicht. "Wir sehen uns Faith."

      Jade Rhea Summer

      Jade ging nicht weiter auf das Thema ein. Sie hatte hier eine Wunde aufgerissen, die sie nicht hätte anrühren dürfen und sie würde garantiert nicht auch noch Salz streuen. Allein das sie Hawke hatte zum Lügen zwingen müssen, deprimierte sie ungemein. Es ging sie schließlich nichts an und dann hatte sie ihn in eine unangenehme Lage gebracht. Glücklicherweise schien der Dunkelhaarige äußerst nachgiebig mit ihr zu sein. Er hatte ohnehin sehr viel Geduld mit ihr. Allein das er eine so ruhige Stimme besaß, brachte auch sie ins Gleichgewicht. Etwas das in Anbetracht ihres Lebens verdammt schwierig war. Sein Studiengang passte wirklich zu ihm. Das Jade ihn mit der Fahrradgeschichte aufgemuntert hatte, war fast als hätte die Rothaarige im Lotto gewonnen. Sie freute sich so sehr über sein leichtes Lächeln, dass ihr Herz einen verräterischen Hüpfer machte. Sie fühlte sich wirklich wie frisch in der Pubertät. Es war so peinlich, sie hatte das Bedürfnis irgendwo zu versinken - möglichst tief.
      Hawke hatte ihr verkündet, dass er noch in die Studienbibliothek wollte und als er zustimmte sie zu begleiten, konnte sie nicht anders als ihn so strahlend anzusehen, als hätte sie gerade erfahren, dass ihr Lieblingsbuch verfilmt wurde. Man ließ mal außer Acht, das eine Buchverfilmung leider oft grottig war. In diesem Fall war es perfekt! Er war perfekt!
      ...
      Sie wollte vor Scham am liebsten in den perfekt angelegten Teich ihres Studienparks springen. Als sie beide schweigend nebeneinander hergingen, war es alles andere als unangenehm, abgesehen von ihren peinlichen Gedanken.
      Mit Hawke war selbst das Schweigen angenehm. Keine Forderung, keine Rechtfertigung, es war ruhig, angenehm, fast ein wenig Kräftesammelnd.
      Erst seine tiefe Stimme ließ sie perplex aufblicken und sogar anhalten. "Soll das heißen du kommst mit?", ihre goldenen Augen wurden groß, ehe sie ihn aus Affekt am Handgelenk schnappte und lächelte.
      "Natürlich mache ich das! Versprochen!"
      "Was ist versprochen?"
      Der Klang der Stimme ließ sie sofort gefrieren. Als wäre sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht gewichen und alles Leben verschwunden, hatte sie das Handgelenk von Hawke los gelassen. Sie spürte zwei Arme um ihren zierlichen Körper, nicht einmal mehr fähig den Schmerz zu spüren, denn allein diese Berührung verursachte.
      "Hi Süße." Killian hatte sie von hinten umarmt. Früher hätte sie alles dafür getan. Nun aber wusste sie nicht mehr was sie fühlen sollte und das diese Geste ausgerechnet vor Hawke war, ließ etwas in ihr zerbrechen.
      Sie spürte seinen Kuss auf der Wange, ehe er seinen Blick auf Hawke richtete.
      "Oh, du bist doch derjenige der meine Freundin am Abend Heim gebracht hat? Vielen Dank für deine Hilfe! ich war leider nicht Zuhause, sonst hätte ich niemals zugelassen, dass sie bei so einem Mistwetter das Haus verlässt, schon gar nicht allein. Ich bin dir echt was schuldig." daraufhin ließ er Jade los und reichte Hawke die Hand.
      "Killian Parker."


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, als sie den Kopf schüttelte und dabei spielerisch die Augen verdrehte. "Du spinnst", meinte sie amüsiert, während ein breites Grinsen ihre Lippen zierte. Ihre Augen funkelten leicht – nicht aus Ernst, sondern weil sie selbst kaum glauben konnte, wie albern und gleichzeitig irgendwie charmant dieses Gespräch war.
      Wäre da nicht der neidische Blick einer Studentin gewesen, der ihr im Augenwinkel auffiel, hätte sie das Ganze vielleicht wirklich nur als Unsinn abgetan. Doch offenbar sahen einige das anders. Manche dieser Mädchen schienen sich mit voller Überzeugung auszumalen, wie es wäre, mit Arien über den Campus zu flanieren – als sei das ein Platz, den man sich erkämpfen müsste. Ein bisschen absurd… und irgendwie lächerlich.
      Doch als das Thema einen anderen Ton annahm, schlich sich unbemerkt ein Schatten über Faiths Miene. Ihre Haltung wirkte kurz angespannter, die Schultern ein klein wenig tiefer, der Blick verlor für einen Moment den Glanz. Und als Arien dann auch noch Modedesign erwähnte – ihren geheimen kleinen Traum –, vergrößerten sich ihre Augen wie in einem Reflex. War sie wirklich so durchschaubar?
      Sie hatte doch gerade erst angefangen zu studieren, und schon konnte sie es nicht mehr verstecken, dass sie sich fehl am Platz fühlte? Vor Lydia hätte sie das vielleicht zugegeben, mit ihr konnte sie so etwas teilen. Aber Arien? Sie kannten sich kaum – und doch traf er da etwas in ihr, das sie krampfhaft unter Verschluss hielt.
      "Das ist was völlig anderes", sagte sie schnell, begleitet von einer wegwischenden Handbewegung, als könne sie das Thema einfach mit einem Lächeln aus der Luft schütteln. Als wäre es nicht wichtig. Nicht echt.
      Stattdessen lenkte sie das Gespräch in eine lockere Richtung, sprach davon, einfach zu schwänzen, und fand Zustimmung. Arien fluchte leise, was ihr ein kurzes Lachen entlockte. Immerhin gehörte so ein Wortschatz nicht zu dem perfekten Arien, den hier alle kannten.
      "Das glaub ich dir sogar", murmelte sie, und ihr Ton war dieses Mal fast ein wenig verschwörerisch.
      Als er dann meinte, dass er losmüsse, obwohl er noch Zeit hatte, zog sie kurz fragend die Augenbrauen hoch. Doch noch bevor sie etwas sagen konnte, verlangsamte Arien seine Schritte – und blieb schließlich stehen.
      Faith hielt ebenfalls inne. Einen Moment lang wusste sie nicht, was er vorhatte, als er sich leicht zu ihr vorbeugte. Erst wusste sie nicht recht zu reagieren, bis sie seine Stimme nah an ihrem Ohr hörte. Worte die nur für sie bestimmt waren.
      Ein breites Lächeln legte sich auf ihre Lippen, ihre Wangen hoben sich leicht, ein warmes Funkeln huschte über ihr Gesicht. Mit einem leisen Lachen antwortete sie: "Oh, auf die Nachhilfe freu ich mich."
      Und ja – sie tat es wirklich. Eigentlich hatte sie für heute Abend gar nicht geplant, nochmal in eine Bar zu gehen. Aber das Angebot war einfach zu verlockend – der gestrige Abend hatte schließlich mehr Spaß gemacht, als sie je erwartet hätte.
      "Bis dann", verabschiedete sie sich mit einem kleinen Lächeln von Arien, ehe sie sich auf den Weg Richtung Bibliothek machte. Ihre Schritte waren leicht, fast beschwingt – und als hätte sie es geahnt, entdeckte sie schon von Weitem Lydia, wie sie vor dem Eingang stand und ihr gut gelaunt zuwinkte. Sie hatte wohl noch einen erfolgreichen Abend gehabt.

      Hawke Li-Winslow
      Hawke wusste selbst nicht so recht, was ihn geritten hatte. Kaum waren ihm die Worte rausgerutscht, bereute er sie auch schon. Ein Guinness in England – mit Jade. Wirklich? Er wusste ja nicht einmal, ob er den verdammten Trip überhaupt antreten würde, und jetzt klang es, als hätte er schon ein Date in einem kleinen Pub mit Kaminfeuer ausgemacht. Großartig, Hawke. Ganz großartig.
      Warum hatte er nicht einfach weitergehen können, als er sie gesehen hatte? Stattdessen stand er jetzt hier, halb gefangen in seinem eigenen Kopf, während Jade ihn mit diesen großen, leuchtenden Augen ansah, als hätte sie nur auf genau diesen Moment gewartet. Und dann auch noch dieser Griff an seinen Arm – vertraut, warm, irgendwie nah. Es war nicht unangenehm. Ganz und gar nicht. Es war sogar schön.
      Verflucht, das machte alles nur komplizierter.
      Er räusperte sich kurz, hob eine Hand und fuhr sich durch das dunkle Haar, das heute sowieso schon etwas durcheinander war. "Also... falls alles klappt. Wenn sich die Dinge regeln lassen und das wirklich durchgeht", sagte er mit einem schiefen Lächeln, das halb Entschuldigung, halb Verlegenheit war. Seine Stimme war ruhig, fast schon sanft, aber man konnte darin den Versuch hören, ihre Euphorie ein kleines bisschen zu bremsen – ohne sie zu zerbrechen.
      Trotzdem wich sein Blick für einen Moment aus. Er mochte es nicht, wenn sich jemand zu sehr auf ihn freute, wenn er selbst noch nicht wusste, ob er liefern konnte. Aber als er ihre Hand wieder an seinem Arm spürte und den hoffnungsvollen Ausdruck in ihren Augen einfing, flackerte ein kleines, ehrliches Lächeln über seine Lippen.
      "Ich geb dir Bescheid, sobald ich’s weiß, okay? Versprochen", fügte er leise hinzu, dann zwinkerte er ihr zu – leicht gespielt, aber ehrlich genug, dass man ihm glaubte, dass er es wirklich versuchen wollte.
      Vielleicht war’s ja gar nicht so dämlich gewesen. Nur... eben sehr Hawke.
      Das spontane, fast schon elektrisierende Gespräch mit Jade war noch nicht einmal richtig verklungen, da holte ihn die Realität auf überraschende Weise ein.
      Eine dritte Stimme – männlich, tiefer als seine – unterbrach ihre kleine Blase aus leichtem Geplänkel und unterschwelliger Spannung. Hawke blinzelte, als spürte er erst jetzt, dass Jades Hand auf seinem Arm gelegen hatte, die nun plötzlich stocksteif wurde und ihn im nächsten Moment losließ, als hätte sie sich verbrannt. Bevor er überhaupt richtig reagieren konnte, spürte er, wie sich die Dynamik veränderte: Ein Kerl tauchte aus dem Nichts auf, schlang von hinten einen Arm um Jade, als gehöre sie ganz selbstverständlich zu ihm.
      Hawke stand still. Kein Wort. Kein Zucken im Gesicht. Nur sein Blick war etwas zu lange an Jade hängengeblieben. Er kannte sie kaum, aber das hier? Das hatte er nun wirklich nicht kommen sehen. Eine Beziehung?
      Er schob die Gedanken beiseite. Für jetzt jedenfalls.
      Als sich die fremde Stimme direkt an ihn richtete, hob Hawke den Blick, ließ sich nichts anmerken. Routine. "Kein Ding, ich hatte ohnehin denselben Weg", sagte er ruhig.
      "Hawke", stellte er sich knapp vor, während er dem anderen mit einem kurzen, festen Händedruck begegnete.
      "Du studierst auch hier?", fragte er Killian. Er hatte den Kerl noch nie gesehen.
    • Arien Darkbloom

      ~ Einige Zeit später ~

      Er hatte das Bedürfnis seinen Kopf gegen den Tisch zu schlagen. Das würde er zum einen nicht tun, weil der Tisch viel zu dreckig war und er irgendwo eine äußerst schlechte Zeichnung ihres Dekans entdeckt hatte, zum anderen war ihm sein Kopf dafür zu schade und außerdem saßen seine Haare heute extrem gut. Allerdings konnte er es einfach nicht fassen, dass er nur wegen einem solch bescheuerten Thema allen ernstes aus dem Bett geschmissen wurde. Arien wollte das komplette Studienkomitee bestehend aus ihm, Liviana, der Schnarchnase die ihren Mund nicht aufbekam und dem aktuellen Studiensprecher sowie der Vorsteherin der Studienzeitung (er dachte sowas gab es nur an Schulen) einfach nur schütteln und sie anschreien, was zur Hölle mit ihnen nicht stimmte.
      Es ging um die Werbung für den Campus auf der typischen Studienmesse. Es war jedes Jahr der gleiche Müll und es lief immer direkt gleich ab, warum musste man hierfür bitte ein Meeting einberufen? Wozu? Sie standen dort an ihrem beschissenen Stand, vor einem blöden Plakat das jedes Jahr gleich dämlich aussah und bequatschten irgendwelche Schulabgänger und heuchelten ihnen vor, dass sie natürlich auf ihre Uni kamen. War ja nicht so, als wäre der Notenschnitt hier nicht sauschwer zu erreichen, aber hey wer streut nicht Hoffnung um sie dann eiskalt niederzuschmettern?
      "Arien, ist alles in Ordnung?" hakte die Zeitungssprecherin mit den blonden Engelslocken nach, die ihn anfunkelte und viel zu nah mit ihrem verfluchten Stuhl saß. Jedes Mal wenn er wegrutschte, rutschte sie hinterher. Es war ein Albtraum.
      Er konnte sich doch sicherlich juristisch rausboxen, wenn er sie einfach erschlug oder?
      "Alles in Ordnung. Danke für deine Sorge.", lächelte Arien charmant, woraufhin sie strahlte und sich bei ihm am Arm einhakte. "Was hältst du von unserer Idee?"
      Er hatte überhaupt nicht zugehört.
      "Wir wissen doch alle, dass sich unserer Arien nur an den Stand zu stellen braucht und die Damen kommen reihenweise. Interessanterweise waren das letzte Mal auch sehr viele Männer dabei." entgegnete Liviana fast ein wenig schnippisch. Was sollte denn der Unterton?
      Er stellte sich gedanklich vor wie ihre Extensionssträhnen vom Kopf fielen.
      "Ich meine mich zu erinnern, dass du auch sehr beliebt warst.", lächelte Arien sanft, woraufhin sie ihn mit geröteten Wangen ansah. "Natürlich. Aber wir müssen dich etwas abschirmen. Vielleicht solltest du dieses Jahr nicht mitkommen."
      Großartige Idee!
      Liviana konnte eine echte Heilige sein!
      "Schwachsinn, dann kommt doch kein Schwein an unseren Stand. Arien ist unser Aushängeschild und selbst wenn es nur daran liegt, dass ihn alle vögeln wollen." brummte der Studiensprecher gelangweilt.
      Wow, welch Wortgewalt.
      In der Regel fand Arien diese Art der Unterhaltung witzig, aber nicht wenn es darum ging, dass er sich eventuell vor dieser beschissenen Veranstaltung drücken konnte.
      "Wie kannst du...", begann Liviana erbost. Arien konnte schon sehen wie ihr Gesicht sich langsam vor Wut rot färbte.
      Schnell erhob er sich.
      "Ich möchte niemanden Schwierigkeiten machen und vertraue euch meine geliebten und kompetenten Kommilitonen blind, dass ihr diese Veranstaltung wundervoll gestalten werdet. Liviana ist eine herausragende Anführerin und wir das fantastisch machen. Bitte entschuldigt mich, ich habe ganz vergessen, dass der Dekan mit mir noch wegen der Geschichte mit England sprechen wollte."
      Wie viele Lügen hatte er jetzt in diesen Satz gepackt?
      Während alle anderen etwas einwenden wollen, strahlte ihn Liviana glücklich an. Machte sie da einen Kussmund?
      Er musste verschwinden!
      Der Hellhaarige war zwar nicht unsportlich, aber er würde nicht behaupten, dass er zur sportlichen Sorte Mann gehörte, aber das er so schnell aus dem Raum geflüchtet war, war fast rekordverdächtig.

      Jade Rhea Summer

      Sie hatte übertrieben! Sie hatte vollkommen übertrieben. Entschuldigend sah sie zu ihm, erinnerte dabei wahrscheinlich an einen Welpen der aus Versehen den Lieblingspantoffel seines Herrchens geknappert hatte. "Entschuldige bitte. Natürlich, du musst erst deine Angelegenheiten klären. Ich weiß wie schwierig das ist. Ich wollte nicht so übertreiben.", antwortete sie ihm mit sanfter und ehrlicher Stimme. Sie freute sich wirklich, wenn er mitkommt und sie wollte ihn an seiner Seite haben. Jade wusste auch nicht so recht, weshalb sie an seiner Seite fast schon aufblühte. Der Rotschopf kannte Hawke doch nicht einmal wirklich, gerade einmal ein paar Tage und verhielt sich so unangemessen, dass sie sich am liebsten vor Scham im Teich des Studiengartens ertränkt hätte. Die Fische würden das allerdings nicht begrüßen, also sollte sie das lieber sein lassen.
      Sie konnte ihm ansehen, dass sie ihn damit total überrumpelt hatte und doch wollte er es versuchen und gab sich so eine Mühe nett zu ihr zu sein.
      Sicherlich hatte Hawke zahlreiche Verehrerinnen...
      Gerade als ihr bewusst wurde, dass sie ihn sogar fest hob und los lassen wollte, ertönte eine ihr leider viel zu vertraute tiefe Stimme und ein starkes Paar Arme schlang sich um ihren zierlichen Körper, wohl wissend wie groß ihre Schmerzen waren und wie viele Blessuren unter der Kleidung bereits ihren Körper verunstalteten.
      Killians Stimme war tief, aber melodisch und hatte einen warmen Klang. Es war zum verrückt werden wie warmherzig und charismatisch er nach außen wirkte. Jade hätte sich nicht im Traum ausmalen können, dass es sich bei ihm um einen narzisstischen Psychopathen handelte.
      Sie liebte ihn ...oder?
      Ihr ganzer Körper hatte sich angespannt, als Killian und Hawke sich unterhielten. Jade war speiübel und sie hatte das Gefühl, dass wenn sie die beiden nicht irgendwie trennte, sie das nicht überleben würde. Konnte jemanden heiß und kalt gleichzeitig sein? Jade versuchte das Zittern ihrer Hände zu verstecken indem sie die zierlichen Finger in den Taschen ihres übergroßen Kapuzenpullovers vergrub. Dort krallte sie sich ihre Nägel in die Handinnenfläche.
      "Freut mich Hawke." lächelte der Dunkelhaarige sanft und nickte auf die Frage hin. "4 Semester Fotografie. Bist du im Jahrgang von Jade?" fragte er interessiert und legte einen drückte die Rothaarige weiterhin an sich. "Schön das du Freunde gefunden hast Süße."
      "M...mein Unterricht beginnt....Entschuldigung, ich muss los."
      Das würde ihr später teuer zu stehen kommen, aber sie konnte die Situation nicht mehr ertragen.
      "Oh..natürlich. Ich hol dich später ab.", lächelte Killian, ließ sie aus der Umarmung und küsste ihr auf die Stirn. "Bis später."
      "Bis später....", ihr Blick wanderte zu Hawke. Nicht mehr mit der Freude oder der Wärme in den feurigen Augen wie zuvor. Ihre Augen hatten einen leblosen Glanz angenommen. "Wir sehen uns sicherlich irgendwann auf dem Campus wieder. Bis dann...."
      So schnell sie unter den Schmerzen laufen konnte, welche sie gerade komplett ausgeblendet hatte, machte sie sich auf den Weg.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Der Kaffeebecher hätte auch gleich als Deko auf dem Tisch stehen können – Wirkung: kaum spürbar. Faith kämpfte mit jeder Zeile, mit jedem unscheinbaren Paragraphen und jedem Blick auf den immer leerer werdenden Bildschirm ihres Laptops. Trotz des bitteren Koffeinkicks, der längst verflogen war, blinzelten ihre Augen viel zu schwer für diese Uhrzeit.
      Nach zehn Minuten war der Kaffee Geschichte – das Interesse am Lernstoff gleich mit. Statt sich weiter mit Allgemeinen Verwaltungsrecht herumzuschlagen, schob sie den Wälzer beiseite, klappte den Laptop zu und zog ihr Tablet aus der Tasche. Ihre Finger umfassten vertraut den weißen Stift, der fast wie von selbst begann, Linien aufs Display zu zaubern. Linien, die langsam aber sicher zu einem Kleid wurden – elegant, mit fließendem Stoff und einem Hauch Extravaganz, ganz im Stil von Lydias neuem Blog-Thema 'Modern Asia trifft Tradition – Wie junge Designer asiatische Mode neu interpretieren'.
      Natürlich hätte Lydia selbst zeichnen können. Sie studierte Modedesign und war talentiert. Aber Faith mochte es, Teil ihrer kreativen Welt zu sein – viel lieber als Teil des Paragraphendschungels, durch den sie sich aktuell quälen sollte. Ihr Plan, in der Bibliothek zu lernen, hatte sich ohnehin schon aufgelöst, als sie Lydia am Eingang entdeckt hatte – strahlend wie immer, mit der typischen 'Du wirst nicht glauben, was passiert ist'-Energie.
      Noch bevor sie den ersten Satz im Gesetzbuch lesen konnten, war Faith mitten in der Zusammenfassung von Lydias gestrigem Abend: der Typ war gut – deutlich besser als ihr letzter Reinfall. Der da hatte sich verhalten wie ein hyperromantischer Teenager auf Hormonüberschuss und war später so klammerig geworden, dass selbst Faith Mitleid bekam. Kurz zumindest. Dann wurde es unheimlich.
      Nachdem sich das Redebedürfnis gelegt hatte, versuchten sie es doch mit ein bisschen Disziplin. Zumindest theoretisch. Während Lydia ihre Skizze ausarbeitete, kritzelte Faith still weiter – der Stoff des Kleides nahm Form an, ebenso wie ihr Wunsch, nie wieder Juraunterlagen sehen zu müssen.
      Ein Gähnen schlich sich über ihre Lippen, als ihr Blick zum Paragrafenbuch schweifte. Dieses Monstrum lag da wie ein Mahnmal. Nein. Sie brauchte dringend noch einen Kaffee. Dringender als irgendeine Fallprüfung.
      Und Lydia? Die war natürlich sofort dabei – nicht nur wegen des Koffeins, sondern weil ihr plötzlich einfiel, dass sie sich gestern doch nicht eingebildet hatte, Arien hinter dem Tresen gesehen zu haben.
      "Jetzt sag schon – das war doch wirklich Arien, oder?", fragte sie mit einem Grinsen, das mehr wissen wollte, als sie vorgab.
      Faith hatte gewusst, dass sie sich von Lydia keine Ausflüchte leisten konnte. Ihre Freundin hatte ein verdammt gutes Gedächtnis – und noch bessere Menschenkenntnis. Deshalb hatte es auch keinen Sinn gemacht, zu lügen. Sie hatte ihn schließlich mit eigenen Augen gesehen. Und wer weiß, vielleicht lief sie ihm beim nächsten Barbesuch ja erneut über den Weg.
      Also erzählte Faith ihr vom Rest des Abends – von den Gesprächen mit ein paar Stammgästen, vom viel zu lauten Lachen an der Theke, vom klirrenden Glas und der kalten Fahrt durch die Nacht. Nur einen Namen ließ sie konsequent aus. Nicht weil sie es nicht wollte, sondern weil er es nicht wollte. Kein Wort darüber, wer da hinter dem Tresen gestanden hatte – so, als wäre er nur eine zufällige Figur in einer gut geschriebenen Nacht gewesen.
      "'Du darfst es niemandem sagen." Ihr Ton war leise, fast verschwörerisch. Und Lydia nickte, nicht überrascht, nur interessiert. Faith vertraute ihr, ihre Freundin würde kein Wort verraten.
      Und jetzt stand sie wieder hier. Die Luft in der Cafeteria roch nach überröstetem Kaffee und zu süßem Gebäck, die Schlange bewegte sich in ihrem üblich zähen Tempo, und Faith reihte sich ein.
      "Ich kann heute aber nicht mit, ich treff mich später wieder mit Liam", meinte Lydia, ihr Ton so beiläufig wie der vielsagende Blick, den sie dazu warf.
      Faith grinste wissend. "Na dann wünsch ich dir... viel Spaß", erwiderte sie und betonte das 'viel' mit einem dezenten Hauch Ironie.
      Lydia lachte leise, und während sie den nächsten Fünf-Punkte-Plan für den armen Kerl ausbreitete, genoss Faith für einen Moment genau das: dieses einfache, banale Miteinander. Keine Erwartungen, keine Masken, keine Gedanken an Paragraphen oder verschlossene Bars oder unausgesprochene Dinge.
      Als sie ihren Becher entgegennahm, war der Kaffee genau so heiß wie nötig und gerade bitter genug, um sie in den Hörsaal zu tragen. Schritt für Schritt, tief eingeatmet – und mit einem kaum sichtbaren Lächeln auf den Lippen. Lydia begleitete sie noch, bevor sie sich dem trockenen Thema 'Allgemeines Verwaltungsrecht' nun doch widmen musste.

      Hawke Li-Winslow
      Was auch immer da gerade seine Lippen verlassen hatte, er hätte den Mund halten sollen. Er hätte einfach die Klappe halten sollen. Dann wäre er jetzt nicht in dieser verzwickten Lage, in der sein eigenes Versprechen wie ein Stein auf seiner Brust lag. Er hatte es nur gut gemeint. Ehrlich. Aber jetzt stand er da, mit einer halben Zusage zu einem Trip, von dem er selbst nicht wusste, ob er ihn überhaupt antreten würde.
      Sein Blick glitt flüchtig zur Seite, der Nacken spannte sich leicht an, als er versuchte, Worte zu finden, die das Gesagte ein wenig rückgängig machten – nicht zu offensichtlich, nicht zu hart, aber ehrlich genug, damit Jade nicht in einer Illusion hängen blieb.
      "Kein Ding. So lange Zeit kann ich mir mit meiner Antwort auf den Trip ja auch nicht lassen", meinte er, ein Hauch von Unsicherheit blitzte in seinem Lächeln auf.
      Und ja – so war es. Die Uhr tickte. Die Entscheidung würde nicht ewig auf ihn warten. Irgendwann war die Chance verpasst, und eigentlich… eigentlich wollte er sie ja ergreifen. Es wäre gut für ihn. Für seinen Lebenslauf. Für alles. Aber: Da war noch etwas anderes. Etwas, das schwerer wog. Seine Familie. Seine Mutter. Und das Gespräch, das er immer weiter aufschieben wollte.
      Doch bevor er weiterdenken konnte, wurde ihr Gespräch abrupt unterbrochen – von einer dritten Stimme, die plötzlich ganz selbstverständlich in ihre kleine Welt platzte.
      Es war ein seltsamer Moment – nicht dramatisch, aber irgendwie… falsch getaktet. Und während er den Typen flüchtig musterte, wanderte sein Blick unweigerlich immer wieder zu Jade.
      Etwas in ihr war anders. Kein Lächeln, keine Begrüßung, keine Geste, die Vertrautheit verriet. Nur ein stummes Stehen, wie festgefroren. Hawke konnte nicht sagen, ob sie sich gestritten hatten – aber wenn das hier Liebe war, dann fühlte sie sich seltsam leer an.
      Killian – so stellte er sich vor – war höflich, fast ein bisschen zu glatt. Auf die Frage, ob er auch hier studierte, wollte Hawke gerade antworten, doch Jade kam ihm zuvor. Plötzlich wollte sie gehen. Jetzt? Einfach so?
      Gerade noch hatte sie von freier Zeit gesprochen, von Bibliothek und Ausfallen der Vorlesung. Kein Blick, kein Zögern, nur diese eilige Verabschiedung, die nicht zu dem passte, was sie eben noch geteilt hatten. Hawke spürte, wie es innerlich ratterte – aber er sagte nichts. Wenn Jade ging, dann hatte sie ihre Gründe. Und auch wenn jeder Teil in ihm nachfragte, wusste er, dass es nicht an ihm war, das jetzt infrage zu stellen.
      Stattdessen nickte er ihr bloß knapp zu und sah ihr kurz nach, als sie flüchtete. Ihm war der Glanz in ihren Augen aufgefallen, denn er war verschwunden, als hätte jemand das Licht gedimmt. Was auch immer eben noch leicht und flüchtig zwischen ihnen geschwebt hatte, war nun verflogen.
      "Ich sollte auch los", sagte er, ruhig. "Hab noch einiges zu erledigen. Hat mich gefreut, dich kennenzulernen."
      Es war weder kühl noch überschwänglich – nur genau das Maß an Distanz, das nötig war, um auszusteigen, ohne eine Szene zu hinterlassen.
      Dann ging er. Lockerer Schritt, aber innerlich etwas schwerer als zuvor. Nicht schnell, nicht langsam – einfach weg von der Szene, in der sich etwas verschoben hatte.
      Etwas, das vielleicht nichts mit ihm zu tun hatte, aber in ihm nachhallte.
    • Arien Darkbloom

      ~ Am Abend in der Bar ~

      Arien konnte nicht mit Gewissheit sagen, ob er sich vor dieser lächerlichen Veranstaltung mit dem noch viel erbärmlicheren Stand hatte drücken können, aber wenigstens war er nicht vor Langeweile in diesem sinnlosen ´Meeting´, was eine echte Beleidigung für dieses Wort war, zu Grunde gegangen. Die Elitestudenten, zu denen er tatsächlich auch zählte, schafften es jede noch so gleiche Debatte dermaßen zu zerfleischen, das keine Ibuprofen der Welt die Kopfschmerzen danach halbwegs in den Griff bekam. War er also stolz, dass er sich heldenhaft vom Acker gemacht hatte? Und wie!
      Jetzt war er wieder in seinem Metier und ganz ehrlich? Er genoss die dröhnende Rockmusik aus diesen Boxen, welche garantiert aus dem letzten Jahrhundert stammten und die betrunkenen Gespräche seiner Gäste. Hier fühlte er sich mehr Zuhause als irgendwo sonst auf dieser Welt. Nun hier im Pandemonium und in seinen Videospielen, vorzugsweise Rollenspiele, in denen er - wer hätte es gedacht als Schurke mit Dolch und Bogen - die Welt rettet. Ein wenig widersprüchlich, aber das war selbst Ariens reales Leben.
      Arien spürte plötzlich den Blick von Vincent auf sich, dieser war gerade in die schon gut gefüllte Bar gekommen, ein wenig später als sonst, da er noch etwas zu erledigen hatte und wurde direkt von allen freudig begrüßt. Er war mit dem Motorrad hergefahren, was die fette Lederjacke erklärte, die aufgrund der staatlichen Größe des Barbesitzers nicht bulkig an ihm aussah, obwohl seine Schulter an einen riesigen Eichenkleiderschrank erinnerten, seine Beine zierte ebenfalls eine Lederhose und unter seinem Arm hielt er einen mattschwarzen Motorradhelm.
      "Du siehst aus wie einer dieser Bubis aus den Musikvideos, auf das die Mädels aktuell so abfahren."
      Was für eine Begrüßung.
      Arien blickte an sich hinunter. Während er in der Uni zwar Klamotten trug, die er zwar mochte, konnte er sich dort nicht so austoben wie er es gerne hätte. Da er in der Bar tun konnte was er wollte, hatte er hier seine Piercings in den Ohren, trug sein helles Haar wilder und weniger perfekt gestylt und hatte auch andere Kleidung.
      Heute hatte er sich für schwarzes Shirt mit goldenem Tribalaufdruck entschieden, dazu eine lockere schwarze Hose, welche ebenfalls Goldelemente in dem Stil aufwies. An den Seiten hingen goldene Gürtelschnallen als Dekoration. Die Hose saß oben lockerer und verlief an den Beinen schmal. Dazu weiße Boots, welche zu seinem silbergrauen Mantel passten, der bereits im Hinterzimmer in der Garderobe hing.
      "Ich kann nichts dafür das du alt bist.", begrüßte ihn Arien mit einem Grinsen, was Vincent erwiderte.
      "Ich hab dein Mädchen draußen gesehen. Sieht süß aus, verarsch sie nicht, hörst du?"
      "Mein Mädchen?"
      "Die Kleine vom letzten Mal mit der du verschwunden bist. Aus deiner Uni? Wie viele hattest du bitte seit gestern, dass du dich nicht mehr erinnerst?"
      Nun dämmerte Arien, wenn Vincent meinte und er rollte die türkis blauen Augen.
      "Sie ist nicht mein Mädchen, alter Mann. "
      "Natüüüürlich nicht."
      "Natüüürlich fürn Arsch."
      Dafür erntete er einen Klapps auf dem Hinterkopf, was ihn grummeln ließ.
      "Ari-Hase! Bier!" grollte es aus der hinteren Ecke.
      Vincent gluckste. "Ari-Hase."
      "Ihr könnt mich alle mal."




      Jade Rhea Summer

      Um sie herum ertönte Jazz-Musik. Sie hasste Jazz. In einem schneeweißen langärmlichen Kleid mit Rundhalsausschnitt und einer schwarzen blickdichten Strumpfhose, saß sie mit gelockten langem roten Haar auf einem königsblauen Samtsofa in einer Lounge. Ihre goldschimmernden Augen zierte ein perfekt geschwungener schwarzer Eyeliner, getuschte Wimpern und ein glitzernder weißsilberner Liedschatten. Jade hatte sich früher sehr gern geschminkt, inzwischen diente es tatsächlich nur noch als Schutzmauer, damit sie sich nicht noch elender fühlte. Es war eine entspannte Studentenbar, für Leute die sich extrem cool hielten und jeder damit angab, entweder überragende Noten oder viel zu viel Kohle zu haben. Killian trieb sich gerne in dieser Bar herum, da er aufgrund seines leider extrem beeindruckenden Charismas große Beliebtheit genoss. Nicht in dem Stil wie es Arien Darkbloom tat, denn Killian bis aufs Blut hasste, aber der Brünette war alles andere als unbeliebt.
      Sein Arm lag um Jade, während er sich bei einem Wodka on the rocks in der Hand, welche eine interessant geschnittene Orangenschale als Deko auf den Eiswürfel im Glas besaß und unterhielt sich angeregt mit anderen Leuten aus seinem Studienjahrgang. Jade diente lediglich als hübsche Dekoration, wie sie es meistens tat.
      Allerdings war es heute ein überraschend ruhiger Tag gewesen. Die Rothaarige hatte unglaubliche Angst nach dem Abschied von Hawke gehabt, dass Killian ausrasten würde, allerdings tat er es nicht.
      Er war ausgesprochen freundlich zu ihr, hatte sich für sein Verhalten von gestern entschuldigt und ihr einen riesigen Strauß roter Rosen gebracht.
      Das tat er immer, wenn er etwas von ihr wollte und offenbar war es dieses Mal, damit sie als seine hübsche Freundin dem perfekten Bild das Killian verkörpern wollte entsprach.
      Ihre Gedanken wanderten unmittelbar zu Hawke, welchen sie so unhöflich hatte stehen lassen.
      Erst hatte sie den Schwarzhaarigen so belagert und dann war sie einfach abgehauen, aber ihr blieb nur die Flucht. Sie hätte nicht bei Killian bleiben können, nicht wenn Hawke sie so sah und nicht mit all der Angst im Rücken.
      "Killian, deine Freundin ist eine echte Schönheit.", gluckste ein blonder Kerl mit stechend grünen Augen, der Jade zweideutig angrinste. Killian drückte der Rothaarigen einen Kuss auf die Wange. "Nicht wahr? Finger weg, ich teile nicht."
      "Puh."
      Die beiden Kerle lachten, was Jade absolut nicht komisch fand.
      Sie wollte hier einfach nur weg, weit weit weg...


      ღ For my lovely Warlock ღ

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    • Charilynn Faith Ashenvale
      Die Vorlesungen hatten sich heute wie zäher Kaugummi gezogen und Faith hatte jede einzelne Minute davon gespürt. Noch bevor die Professorin das letzte Wort ausgesprochen hatte, war sie aufgestanden und in Richtung Wohnheim verschwunden, ohne auch nur einmal zurückzublicken. Kaum in ihrem Zimmer angekommen, war sie aufs Bett gefallen wie ein Sack Kartoffeln und hatte sich nicht mehr bewegt. Einfach daliegen. Decke anstarren. Nichts denken. Nichts müssen.
      Währenddessen saß Judith – endlich mal wieder daheim – vor ihrem Spiegel am Schreibtisch. In Unterwäsche, puderte sie sich mit einer fast schon theatralischen Eleganz die Wangen in leicht rosa, als würde sie sich für ein Magazinshooting vorbereiten. Ihre blonden langen Haare glänzten im Licht, ihr Eyeliner war perfekt gezogen, und das schwarze Slipdress, das sie für den Abend herausgelegt hatte, sah aus, als könnte es Geschichten erzählen. Judith war der Inbegriff von 'Ich weiß, wie ich wirke' – nur verpackt in zu lautes Lachen und einen übertrieben lockeren Ton, der nie ganz verriet, was in ihr vorging.
      "Bist du fertig?", fragte Faith irgendwann und setzte sich mit einem Seufzer an den Tisch, während Judith ihr großzügig Platz machte und dabei wie selbstverständlich ihre Parfümflasche zur Seite schob, ohne mit dem Reden aufzuhören.
      Faith schmunzelte. Das hier war genau das, was sie jetzt brauchte. Nicht noch ein Abend allein mit ihren Gedanken. Keine Fallanalysen, keine Rechtsprechung. Nur Musik, Stimmengewirr, das leise Klirren von Gläsern – und vielleicht ein bisschen Tanzen. Irgendwo in ihr kribbelte es bei der Vorstellung. Früher hatte Faith getanzt – mit ganzem Herzen, vom Kinderballett bis zu Hip Hop und klassischen Walzer. Es war ihr Ausgleich, ihr Rückzugsort gewesen. Bis ihr Vater beschlossen hatte, dass Empfänge und Karrierevorbereitung wichtiger waren. Danach blieb keine Zeit mehr fürs Tanzen. Kein Platz für Leichtigkeit. Nur Erwartungen.
      Sie trug wie immer nicht viel Make-up aber zu einem erfolgreichen Abend gehörte nun mal Makeup, perfekt gemachte Haare und ein geiles Outfit.
      "Hast du etwa ein Date?", fragte Judith neugierig mit halb erhobener Braue.
      "Nein, ich geh bloß in eine Bar."
      "Mit Lydia?"
      "Nee. Die hat andere Pläne. Ich treff mich mit einer... anderen Freundin", sagte Faith, während sie sich konzentriert den Lippenstift auftrug.
      Judith hob eine Braue und wiederholte mit einem neckischen Unterton: "Mit einer anderen Freundin. Ein süßer Kerl würde so gut an deiner Seite aussehen."
      Faith verdrehte nur die Augen und schob ihr mit einem schiefen Grinsen einen vielsagenden Blick zu. "Ich hab keine Zeit für einen Freund."
      "Tut mir leid." Judith hob die Hände entschuldigend. "Ich vergaß – du hast ja ein Ehrenabkommen mit deinem großartigen Vater zu erfüllen."
      Ihre Stimme klang locker, ein bisschen spöttisch vielleicht, aber nicht boshaft. Trotzdem traf es Faith. Ganz kurz. So ein kleiner, stichelnder Stich, den sie sofort weglächelte. Judith wusste nicht wie wenig Spaß ihr Studium ihr wirklich machte.
      "Wie läuft’s eigentlich mit Levin?" fragte sie schnell, um das Thema loszuwerden.
      Und wie erwartet: Judith ließ sich nicht zweimal bitten. Sie sprudelte los – von seinem Versuch, Pasta selbst zu machen bis zu seiner neuesten Angewohnheit, Sprachnachrichten mit dem Wort 'Jooo' zu beginnen. Faith hörte halb zu, lächelte still vor sich hin – und konzentrierte sich wieder auf ihr Make-up.
      Nur noch ein bisschen Wimperntusche. Dann war sie bereit.

      Und so fand sich Faith vor der Bar wieder – schlicht, aber mit einer Aura, die Bände spricht. Sie trägt ein ärmelloses schwarzes Top, das an den Seiten mit raffinierten Cut-outs versehen ist. Der Stoff schmiegt sich leicht an, betont ihre Haltung – aufrecht, aber entspannt. Dazu trägt sie hochgeschnittene, schwarze Cargo-Hosen, die mit mehreren Taschen, Schnallen und dezenten Riemen nicht nur praktisch wirken, sondern auch etwas Rebellisches ausstrahlen. An ihren Füßen schwarze Combat-Boots mit dicker Sohle und festen Schnürsenkeln – fest im Boden verankert, wie ein Statement. Ihre Haare trägt sie glatt und offen, sie fallen ihr locker über die Schultern. Make-up? Dezent und perfekt abgestimmt: warme Brauntöne auf den Lidern, dazu ein dunkler Nudeton auf den Lippen, der elegant, aber unaufdringlich wirkt.
      Faith hatte ihre Lederjacke locker um die Hüften gebunden, als sie vor der Bar stehen blieb. Der Barbesitzer, Vincent wenn sich Faith richtig erinnerte, betrat vor ihr die Bar. So in diesen Motorradklamotten sah er ziemlich cool aus.
      Schnell tippte sie noch eine Nachricht auf ihrem Handy an Lydia, bevor sie die Bar betrat.
      Kaum drückte sie die Tür, brandete ihr sofort der Gitarrenriffs entgegen. Laut, ehrlich, ein bisschen roh. Sie stockte für einen Moment. Hier war alles anders. Kein Gestelze, kein Flüstern in Designerjacken – nur Musik, Stimmen und Echtheit. Kein Wunder, dass er hier war.
      Und da war er auch schon.
      Arien. Hinter der Bar, wie selbstverständlich, das helle Haar leicht zerzaust und lässige, echt abgefahrene Klamotten. Der gleiche Arien – und doch ganz anders. Inmitten all der Lichter und Stimmen wirkte er plötzlich freier, ungeschliffener. Und verdammt, dieser Look stand ihm besser, als das was er in der Uni tragen würde. Der gelassene Anblick entlockte ihr ein Lächeln, und sie ging auf die Bar zu. §Ich hab gehört, ich bekomm hier ziemlich gute Cocktails?"

      Hawke Li-Winslow
      Die Bar lag mitten in der Stadt, versteckt hinter einer geschniegelten Glasfassade, die mit goldenen Lettern den Namen 'Le Nouveau Cercle' trug. Schon der Eingang wirkte wie eine stille Warnung: Hier kommt nur rein, wer weiß, wie man sich benimmt – oder zumindest so aussieht.
      Hawke blieb einen Moment stehen, die Hände tief in den Taschen, während seine Augen die Umgebung abschätzten. "Und das soll Spaß machen?" murmelte er und warf Lina einen skeptischen Blick zu.
      "Es ist stilvoll, nicht spaßig", konterte sie, ihr Lächeln spitz und rempelte ihn mit der Schulter leicht an. Ihre Lippen waren dunkelrot geschminkt, ihre Stimmung dafür umso heller.. "Und ich will dich mal in einer Umgebung sehen, in der man nicht nach jedem zweiten Drink jemanden prügeln sieht."
      Hawke verzog kurz den Mund, ließ aber den Kommentar unkommentiert. Stattdessen schob er sich die Ärmel seiner schlichten, schwarzen Jacke hoch. Dunkle Tinte zeichnete sich auf seinen Unterarmen ab – scharf, elegant, in klaren Linien. Die beiden Ringe an seinen Fingern reflektierten das Licht der Straßenlaternen: ein dunkler, matter Bandring, und einer mit schlichter Gravur. Kontrastprogramm zum glatt gebügelten Look, der hier offenbar Standard war.
      "Du wirst das überleben", warf Ethan ein und rückte sich seine teure Jacke zurecht. "Wir kennen da jemanden an der Bar. Der mixt Drinks, als wär’s Kunst. Und du wirst dich schon nicht in Champagner auflösen."
      Kaum betraten sie die Bar, umfing sie gedämpfte Musik, leises Stimmengewirr – ein Raum voller glitzernder Gläser, fake Designeranzüge und Parfum, das zu teuer war, um ehrlich zu duften. Der Boden glänzte, der Marmor blitzte, und der Blick, den der Barkeeper ihnen zuwarf, als sie auf ihn zusteuerten, war höflich, aber leicht abschätzend.
      Hawke ließ die Schultern kreisen, schob die Jacke ein Stück zurück und ging wortlos weiter.
      Die Haare zerzaust, als hätte er sich gerade erst durch einen Sturm oder seine eigenen Gedanken gekämpft – im starken Kontrast zu den makellosen Frisuren der Gäste um ihn herum, deren Stylings teurer aussahen als sein gesamter Wochenbedarf. Doch gerade das machte ihn auffällig. Seine dunklen Strähnen fielen ungezähmt in die Stirn, einige standen leicht ab, als hätten sie sich schlicht geweigert, sich einem Stil zu unterwerfen.
      Er fiel auf – ohne es zu wollen. Er passte hier nicht rein. Aber irgendwie war genau das sein Vorteil.
      Der Klang des Saxophons füllte die Luft wie dichter Nebel, vibrierte zwischen schweren Samtvorhängen und glänzenden Gläsern, während Hawke gedankenverloren den Blick durch den Raum gleiten ließ. Gespräche mischten sich mit dem Takt der Musik, ein gedämpftes Lachen hier, das Klicken eines Feuerzeugs dort.
      Und dann – wie ein greller Pinselstrich inmitten gedeckter Farben – fiel ihm etwas ins Auge.
      Scharlachrot.
      Unmöglich zu übersehen. Selbst in dieser Kulisse, in der alles auf Understatement ausgelegt war, stachen die Haare hervor wie ein Signal.
    • Arien Darkbloom

      Zu den Klängen von Måneskin, einer italienischen Band von der Arien am Rande erwähnt großer Fan ist, mixte Arien seiner Getränke hinter der Bar, nach dem er eine Runde lang erst einmal sein Umfeld beleidigt hatte. Diese Sticheleien gehörte zu seinem Abend und den Leuten so natürlich dazu wie die starken Bässe, die den Boden vibrieren ließen. Niemand war aufgrund etwas rauerer Umgangsformen verärgert. Es gab hier kein unnötiges Gezicke und Streitereien wurden meistens in Alkohol ertränkt. Natürlich gab es hier die ein oder andere Schlägerei, welche aber direkt von Vincent unterbunden wurde. Arien erinnerte sich gut an seine Anfangszeit, in denen sein Chef Leute aus der Bar geworfen hatte und ihn das noch schockiert hatte. Jetzt schloss er Wetten mit Vincent ab, wie weit er die Leute werfen konnte. Geraucht wurde in der Bar schon lange nicht mehr und doch trugen die schweren Lederjacken den Geruch von kalten Rauch in den Raum, die Damen mit ihren Parfüms überdeckten dies meist ziemlich gut. Hier herrschten so viele Gerüche, aber keiner war unangenehm, es machte einen gewissen Charme aus. Genauso wie das ein oder andere knutschende Paar in den dunkleren Ecken der Bar.
      Die frisch polierten Gläser hinter ihm glitzerten mehr als jeder teure Kronleuchter bei ihm Daheim und die verschiedenen Alkoholflaschen mit den verrücktesten farbigen Inhalten waren eine eigene Kunstform. Er liebte das tiefe Rot einer Red Moscow Mule, die an ein aristokratisches Vampirgetränk erinnerte und jedem Gothic-Fan das Herz höher schlagen lies, ebenso wie das fast chemische Blau des Blue Lagoon, das an irgendeine Superhelden-Substanz erinnerte. Arien konnte bislang leider noch nicht fliegen und einen Laserstrahlen-Blick konnte er auch noch nicht verschießen. Ein Jammer, aber vertretbar. Zumal er den Cocktail ohnehin nicht mochte, geschmacklich, nicht aufgrund seiner Existenz. Die frischen Eiswürfel, die er in das Bad vor sich eingefüllt hatte knisterten aufgrund des kurzen Kontakts mit Wärmer und gaben damit deutlich produktivere Geräusche von sich, als der Lockenkopf vor ihm, der ihm schon seit 10 Minuten das Herz ausschüttete, weil seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hatte.
      Arien hoffte ja die Frau konnte schnell und lang genug Rennen, um von dem Typen wegzukommen.
      Die meisten Barkeeper würden jetzt in Ruhe zuhören, höflich nicken und nebenher ein schickes Glas polieren. Arien polierte zwar ein Glas, aber hörte schon seit einer halben Stunde nicht mehr zu, nachdem er seinen Senf dazu abgegeben hatte.
      Der Hellhaarige war nicht für seine Freundlichkeit hier bekannt, das wusste jeder, aber dennoch liebten sie ihn für seine ehrliche und sarkastische Art, für sein wahres Ich. Naja und für seinen verflucht guten Geschmack was Alkohol anging.
      Selbst Vincent, der deutlich höflicher und freundlicher war als Arien hatte es mit dem Kerl aufgegeben und ihn einfach jammern lassen, während er sich an einen Tisch gesetzt hatte, an dem wohl alter Biker-Freunde saßen.
      Aus den Augenwinkeln erkannte er aber wie er plötzlich zur Tür blickte und jemanden ansprach.
      "Hey Kleines, schön das du wieder da bist. Unsere Diva ist an der Bar, wenn du ihn suchst."
      Arien blickte auf und da sah er sie.
      Süß, wie Vincent sie beschrieben hatte, wäre nicht das Wort, dass Arien einfallen würde, eher ein ´wow´.
      Faith sah in diesen fast bikerartigen Klamotten verdammt gut aus und hatte damit exakt den Geschmack des Hellhaarigen getroffen.
      Ja, er gab es ja zu, dass sie gerade ziemlich scharf aussah.
      Er war auch nur ein Kerl. Bedeutete ja nicht, dass er sie deshalb ansprang.
      "Hey Ari-Hase, deine Freundin ist da.", ärgerte ihn Vincent direkt in mehreren Aspekten und alles in Arien schrie danach ihm ein ´Fuck you´entgegen zu brüllen, aber auch wenn Vincent extrem locker drauf war, ging das doch ein wenig zu weit und so schluckte er jegliche Beleidigung hinunter und sah sie zu der Hellhaarigen, die sich zu ihm an die Bar setzte und ansprach.
      "Verdammt richtig gehört.", begrüßte er sie schnurrend. "Entschuldige bitte Vinc, er hat heute ziemlichen Spaß daran mir auf den Keks zu gehen."
      "Du hast eine Freundin?", der Lockenkopf hob seinen Kopf vom Bartresen, komplett verheult und mit einer Rotznase, die den Platz wo er gelegen hatte direkt eingesaut hatte.
      "Ey, die scheiße wischt du selbst auf!", murrte Arien angeekelt, was den Typen null interessierte.
      "Das ist so unfair! Nur weil du gut aussiehst, bekommst du so eine Süße ab." Als er die Hand nach Faith ausstrecken wollte, verfinsterte sich das Gesicht von Arien schlagartig, den jetzt war der Spaß vorbei.
      Er hatte sich direkt über den Bartresen gebeugt und packte sein Handgelenk.
      "Der Spaß ist vorbei. Verschwinde aus der Bar und wenn du sie auch nur einmal anrührst, sie auch nur nochmal ansiehst, breche ich dir jeden einzelnen Knochen in deinem erbärmlichen Körper."
      Vincent war sofort zur Stelle, man hat direkt laut den Stuhl vernommen der zurückgeschoben wurde, selbst seine ganzen Biker-Freunde hatten sich erhoben und auch einige aus der Bar, die solch ein Verhalten nicht duldeten. Wenn man die Gruppe so sah, bekam man schon echt Schiss, um es mal sehr treffend auszudrücken. Meistens waren diese harten Rocker die nettesten Leute der Welt, man durfte sie nur nicht verärgern.
      "Meine Gäste und mein Barkeeper werden nicht belästigt. Verschwinde aus meiner Bar. Du hast Hausverbot. Entweder gehst du von alleine oder ich helfe nach." ein solcher Riese wie Vincent war extrem einschüchternd, weshalb der Typ mit einigen Beleidigungen die Bar verließ.
      "Das tut mir sehr Leid. Arien gib dem Mädchen ein Getränk aufs Haus." Vincent lächelte entschuldigend zu Faith und folgte dem Störenfried nach draußen, damit er auch ja draußen blieb.
      Arien seufzte schwer.
      "Was für ein Start in den Abend. Das kommt hier so gut wie nie vor. Sorry, geht es dir gut?", erkundigte sich Arien bei der armen Faith, die sich nicht mal vor 5 Minuten hingesetzt hatte.


      Jade Rhea Summer

      Sie wusste nicht das wie viele Saxophon-Solo sie jetzt schon gehört hatte, seit sie ihren Weg in die Jazz-Bar, welche seit einer Weile leider absoluter Trend unter den Snob-Studenten geworden war. Für sie klang absolut jedes Stück gleich und immer derselbe Takt ließ sie langsam aber sicher wirklich Migräne bekommen. Da Jade keinen Alkohol trank, konnte sie sich das ganze Drama nicht einmal schön trinken. Alles hier in dieser Bar war für Jade zu viel. Sie mochte vielleicht optisch in diesen Laden passen, mental war sie aber ganz weit davon entfernt. Sie kam nicht aus einer solchen Gesellschaftsschicht, von der Killian um jeden Preis Teil sein wollte. Natürlich mochte sie schicke Kleider, ein fast schlossartiges Ensemble, aber all das hier war so falsch wie das Lächeln in den Gesichtern der Leute die hier ein und ausgingen. Die Frauen mit ihren schweren Parfüms und den Markenhandtaschen, die sich in weiteren überteuerten Kleidern an Kerle ranschmissen die nach Geld von Daddy aussahen und Typen die sich als reich ausgaben oder auch waren und alle hier unter ihrem Niveau befanden war keine Welt von der Jade Teil sein wollte. Killian kam nicht aus reichem Elternhaus, demnach war alles mit dem er sich brüsten konnte eben solche Bars und Lokale, die nach Prestige schrien. Veranstaltungen wie sie ein Darkbloom besuchte waren da nicht drin und das war sicherlich auch der Grund weshalb ihr Freund den Hellhaarigen so hasste: Neid und Eifersucht. Eigenschaften die Killian so gefährlich machten, wie ein scharfes Skalpell.
      In Sachen Charisma stand er ihm aber nicht nach und so wickelte er jeden um den Finger, wirklich jeden. Die Leute hier hingen an seinen Lippen und mitten drin war Jade, die sich wünschte der fette Kronleuchter an der Decke würde sie einfach unter sich begraben.
      "Wir haben früher doch auch immer alles geteilt.", schnurrte plötzlich der Blonde, der sich nun ebenfalls neben Jade gesetzt hatte und so saß die Rothaarige zwischen ihnen beiden. Seine Hand lag auf den übereinander geschlagenen Beinen von ihr, woraufhin sie sich versteifte.
      "Bitte nimm deine Hand von mir.", kam es leise von Jade und sie wünschte sich ihr Selbstvertrauen von früher zurück. Sie musste lauter sein.
      "Killian hat sicher nichts dagegen.", flüsterte er in ihr Ohr und blickte dann zu seinem Freund. Killian war aber bereits im Gespräch mit einem Typen in Anzug und es interessierte ihn tatsächlich nicht.
      Jade war fassungslos...
      Die Hand wanderte weiter nach oben.
      "Kil....Killian...."Jade versuchte ihren Freund zu alarmieren.
      "Jetzt nicht Süße, einen Moment." höflich, sanft, aber desinteressiert weil er gerad einen reichen Gesprächspartner hatte.
      Jade konnte nicht anders und stand ruckartig auf.
      "Warte.", als der Blonde, dessen Namen sie nicht einmal kannte, ihr Handgelenk schnappte, verzog sie vor Schmerz das Gesicht.
      Mit einem Ruck hatte er sie an sich gezogen, die Hand an ihrem Gesäß, wo sie definitiv nicht hingehörte.
      Irgendetwas in Jade musste Kraft gefunden haben, denn sie hatte noch ihr Getränk in der Hand, ein einfach Glas Wasser, was aber ausreichte um ihm dies direkt ins Gesicht zu kippen.
      "Was zum....Killian, deine Freundin ist komplett irre."
      Jade hatte den Moment genutzt und war aus der Bar gerannt, kurz darauf fing ihr Blick aber den jungen Mann ein, der gerade in die Bar gekommen war.
      Hawke.
      Es war nur ein kurzer Moment, ein sich kreuzender Blick in Zeitlupe, aber Jade hatte fluchtartig die Bar verlassen, bevor ihr entweder Killian oder dieser Typ folgen konnte.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith wusste genau, was sie tat. Wie sie sich kleidete, wie ihre Taille ganz nebenbei in Szene gesetzt wurde oder ihre Beine beim Gehen den richtigen Schwung bekamen – das war kein Zufall. Sie war vielleicht keine Modedesignerin, aber sie konnte mit Stoffen umgehen, als hätte sie’s im Blut. Mode - lassen wir dieses Thema lieber.
      Mit einem leichten Lächeln drehte sie den Kopf, als sie Vincents Stimme hörte, und nickte ihm kurz zu. "Danke." Dann schnappte sie sich die Stimmung, die Musik – und lief direkt weiter zur Bar.
      Ihr Blick streifte kurz über den Raum, bevor er ganz natürlich bei Arien landete – und der sah definitiv, dass sie sich Mühe gegeben hatte. Mit einem breiten Grinsen ließ sie sich auf dem Barhocker nieder, ein Bein locker über das andere geschlagen.
      "Warum? Der wirkt ganz entspannt. Aber glaub mir, Ari-Hase, das hab ich nicht vergessen." Der Ton neckend, die Augen kurz funkelnd – ja, das saß.
      Doch noch bevor sie weitermachen konnte, ertönte von der Seite eine Stimme. Fremd, leicht nuschelig, und ziemlich sicher falsch in der Annahme, dass sie mit Arien zusammen war. Schon wieder. Faith drehte sich langsam, blinzelte kurz verwundert – und da saß er: verheult, völlig aufgelöst, das Gesicht ein einziges Chaos. Und alles, was an Flüssigkeit nicht mehr drin blieb, sammelte sich jetzt auf der Tischplatte. Arien fluchte. Verständlich. Faith verzog kurz das Gesicht – Igitt
      Sie sagte erstmal nichts. Beobachtete nur. Vielleicht aus Reflex, vielleicht auch, weil sie nicht wusste, was da gerade ablief. Aber dann – ganz langsam – wanderte diese fahrige Hand in ihre Richtung. Ohne zu stoppen.
      Sie brauchte einen Moment bis sie realisierte was gerade passierte und wich nach hinten aus, der Hocker quietschte, ihre Hand schon halb erhoben. Ob sie ihm eine klatschen sollte?
      Musste sie nicht.
      Arien war schneller. Ruckartig über die Bar gelehnt, seine Hand schloss sich fest um das Handgelenk des Typen.
      Faith atmete einmal tief durch und sah ihm einen Moment lang einfach nur zu.
      Für einen Moment war alles gleichzeitig zu laut und plötzlich ganz still in ihrem Kopf. Faith hatte sich zurückgelehnt, während ihr Blick dem Schauspiel vor ihr folgte – starr, wachsam, bereit, falls Arien doch loslassen und sie ihm doch die flache Hand ins Gesicht schlagen musste. Doch das tat er nicht. Er hielt den Typen mit einem eisernen Griff fest, kühl und fest, fast schon ruhig, aber mit einem Ausdruck im Gesicht, der keinen Zweifel daran ließ, dass hier eine Grenze überschritten worden war.
      Vincent tauchte neben ihnen auf und es dauerte nicht lange, da hatte der Kerl auch schon Hausverbot und wurde aus der Bar begleitet.
      Als sich die Tür hinter ihnen schloss, atmete sie das erste Mal wieder richtig aus.
      Ihr Blick glitt zu Arien, aber sie sagte nichts. Noch nicht. Stattdessen hob sie langsam eine Augenbraue, als wollte sie gerade herausfinden, ob sie nun erleichtert oder beeindruckt war. Vielleicht beides.
      Sie strich sich das Haar zurück. Unangenehm.
      "Na das nenn ich Service.", sagte sie leise, fast beiläufig. "Mir geht's gut, ist ja nichts passiert. Danke.".
      Das war definitiv eine dieser Situationen, bei denen einem erst später auffällt, wie schräg das Ganze eigentlich war – ein wenig unangenehm, leicht bizarr, fast surreal. Aber hey, nichts passiert. Nur dieser kurze Moment, in dem man einmal durchatmet.
      Faith rutschte wieder normal auf ihren Hocker, eine Haarsträhne fiel ihr ins Gesicht, die sie mit einem kleinen Lächeln beiseite strich. "Ich habe Freigetränk gehört.".

      Hawke Li-Winslow
      Zwischen all den Stimmen, dem Klirren der Gläser und dem schweren Klang des Jazz, war es ausgerechnet der blaue, viel zu überladene Samt, der Hawkes Blick schnell einfing. Dieses Sofa – ein regelrechter Thron inmitten der Bar – war so absurd. Und dort, scheinbar mühelos elegant, saß sie. Jade.
      Er erkannte sie sofort. Die roten Haare, die nicht zu übersehen waren. Direkt daneben ihr Freund der einen Arm so beiläufig um sie gelegt hatte, als würde das reichen, um Besitzansprüche zu markieren. Doch was er nicht bemerkte, oder vielleicht einfach ignorierte: Der Typ, der sich von der anderen Seite näherte, viel zu nah, mit einem Blick, der kein Gespräch suchte, sondern eine Reaktion. Und nicht die gute Art.
      Wie konnte der Typ das nicht sehen? Hawkes Stirn legte sich in Falten. Sie saßen praktisch nebeneinander. Man musste nicht mal genau hinsehen, ein Seitenblick hätte gereicht.
      Er folgte Lina und Levin zur Bar, irgendwie automatisch, aber sein Blick blieb wie festgetackert an der Szene hängen. Jades Körperhaltung sprach Bände. Die angespannte Schulter, die kaum merkliche Bewegung ihrer Lippen – er verstand kein Wort, aber er sah genug, um zu wissen: sie wollte das nicht.
      "Hawke, was willst du trinken?" Linas Stimme klang wie durch Watte. Irgendwas sagte Levin auch, aber er nahm es nur am Rand wahr. Alles in ihm schrie danach, einzugreifen – unabhängig davon, wer sie war. Niemand sollte das einfach durchgehen lassen. Kein Mann, keine Frau, kein Mensch.
      Doch bevor er sich in Bewegung setzen konnte, geschah es. Jade fuhr hoch, plötzlich entschlossen und kippte dem Typen ihr Getränk mitten ins Gesicht. Was es war, konnte er nicht erkennen. Flüssig, kalt – und absolut verdient.
      Dann drehte sie sich um, rannte los, und in dem Moment kreuzte sich ihr Blick mit seinem. Nur eine Sekunde, ein Bruchteil davon vielleicht, aber genug, um alles in ihm in Bewegung zu setzen.
      Hawke zögerte kurz. Nur ganz kurz. Dann wandte er sich wortlos ab, ließ seine Freunde einfach zurück – und folgte ihr.
      "Jade? Warte!", rief er ihr nach, kaum hatte er die Bar verlassen. Es dauerte nicht lange bis Hawke sie eingeholt hatte.
      "Geht's dir gut?".

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    • Arien Darkbloom

      Bei dem Kosenamen ´Ari-Hase 'zog sich etwas in ihm zusammen. Das war in etwas wie Nägel auf einer alten Schultafel, absolut unangebracht und furchtbar eklig. Dementsprechend hatte der Hellhaarige auch sein Gesicht verzogen. "Weißt du, ich kann dir heute auch einfach gar nichts zum Trinken bringen.", brummte Arien und hatte gute Lust sie mit einem der Eiswürfel zu attackieren. Einfach weil sie es verdient hatte. Den Gedanken konnte er aber aufgrund eines Gastes, wobei man diesen wohl wirklich nicht so bezeichnen konnte, nicht zu ende spinnen. Alkohol konnte entweder Zungen lockern, Atmosphären entspannen oder aber das Schlimmste im Menschen zum Vorschein bringen. Dieser Typ war ein Paradebeispiel für Letzteres und das Mädchen tat gut daran, dass sie sich von diesem Trottel entfernt hatte. Hoffentlich war sie weit genug entfernt. Die ganze Geschichte ging sogar soweit, dass sowohl Arien als auch Vincent eingreifen mussten und Arien musste dieses Mal nicht einmal raten, wie weit der Typ aus dem Laden geflogen war. Er hörte das Scheppern der Mülltonnen. Offenbar hatte sich dieser Halbstarke eingebildet, er hätte gegen jemanden wie Vincent eine Chance. Mal im Ernst, der Sack war eine einzige Naturgewalt und ganz gleich wie frech der Barkeeper auch war, er wäre niemals so dumm sich mit ihm anzulegen, er würde haushoch verlieren. Als sein Chef den Laden wieder betrat, erntete er jubeln und klatschen. Ey, wo war bitte sein Applaus? Banausen. Dennoch, solche Szenen kamen zwar früher öfter vor und sie hatten hier einen doch fragwürdig zwielichtigen Ruf, aber es war lange nicht mehr vorgekommen, dass sich jemand so aufgeführt hatte. Das warf das Pandämonium in einen echt scheiß Licht und das hatte sein Baby...okay Vincents Baby nicht verdient.
      Faith hatte sich ziemlich tapfer geschlagen, aber ganz egal war es ihr nicht. Arien konnte förmlich das Ausatmen hören und musste ihr doch hoch anrechnen, dass sie jetzt keine Szene machte. Das taten die meisten Frauen, weshalb der Barkeeper lange Zeit tatsächlich nur mit Kerlen ausgegangen war, auch wenn er sich für beide Geschlechter interessierte. Nachdem er aber mit einer echten männlichen Diva etwas gehabt hatte, war der Unterschied der Geschlechter tatsächlich außer körperlich in diesem Jahrhundert nicht mehr vorhanden. Zickig konnten sie alle sein und wie...
      "Auch wenn ich dir keine Getränke mehr servieren wollte, sollte ich wohl dieses Freigetränk spendieren, mh?", antwortete Arien grinsend. Er wollte Faith nicht weiter darauf ansprechen. Wenn sie sagte, es war alles in Ordnung, dann glaubte er ihr. Er gehörte nicht zu den Leuten, die anderen etwas aus der Nase zogen. Er fragte einmal und wenn er keine Antwort bekam, dann ließ er es gut sein.
      Wozu sollte man auch hundertmal nachfragen? Dazu hatte der Jurastudent weder die Zeit noch die Nerven. Wenn man mit ihm reden wollte, würde man es schon tun und wenn nicht, dann ließ man es eben. In diesem Punkt war er doch erstaunlich leicht gestrickt.
      "Was möchtest du Trinken?" Arien reichte ihr eine Karte. Die meisten Leute in der Bar hatten ihre Stammgetränke und nutzten die Karte nicht wirklich. Was eigentlich ein echter Jammer war. Die Karte war wirklich schön geworden.
      Sie war mattschwarz und das Papier fühlte sich sehr hochwertig an, hatte sogar eine Art Beschichtung. Der Name Pandämonium war in blutroten Lettern geschrieben, welche so geprägt waren, dass sie herausstachen und das Logo der Bar, eine Art goldene Raute mit zwei weißen Vampirzähnen in der Mitte schimmerte beinahe.
      Die Karte selbst war allerdings mit weißen Buchstaben für die Lesbarkeit versehen. Ein guter Freund von Arien, der als Grafiker arbeitete, hatte sich da echt Mühe gegeben.

      Jade Rhea Summer

      Jades Gemütszustand glich wie es meistens der Fall war einer einzigen Achterbahn. Sie hatte Achterbahnen immer gehasst (genauso wie Clowns, wobei sie der felsenfesten Überzeugung war das selbst Clowns Clowns nicht mochten, aber das war ein anderes Thema). Sie glaubte Killian zu lieben, aber vielleicht war all das nur eine Abhängigkeit, weil sie nicht allein sein konnte. Vielleicht weil er ihr Retter gewesen war und sie sich wie eine Verräterin vorkam, würde sie ihn nicht mehr lieben. Sie konnte nirgendwo hin und hatte niemanden auf der Welt und die wenigen Menschen die sie gehabt hatte, hatte Killian erfolgreich vertrieben.
      Doch warum blieb er bei ihr? Warum schlug er sie an einem Tag und an einem anderen schloss er sie in die Arme? Diese Psychospiele machten sie Wahnsinnig. Sie hatte keine Kraft mehr. Jade konnte und wollte nicht mehr und nun war sie ihm auch einfach nur noch egal.
      Es interessierte ihn nicht, dass ein anderer Mann sie berührte und es interessierte ihn nicht, dass sie das nicht wollte.
      Und dann war auch noch Hawke in diesem Laden gewesen, der genauso so wenig zu ihm passte wie der Schuppen zu Jade passte.
      Sie hatte sich noch nie in ihrem ganzen Leben so erbärmlich gefühlt.
      Ob sie stolz sein sollte, dass sie nicht einmal mehr die Kraft hatte zu weinen?
      Sie hatte lange nicht mehr geweint, nicht einmal unter Schmerzen. War es biologisch möglich, dass man Tränen aufbrauchen konnte?
      Die Rothaarige war so müde, so unendlich müde.
      Erst als sie die Tür dieser verfluchten Bar aufgerissen hatte, welche genauso falsch war wie all die Leute die dort meinten sie wären etwas besonderes konnte sie wieder atmen.
      Die kalte Nachtluft schlug ihr entgegen und sie rannte. Rannte unter all den Schmerzen.
      Leider war sie nicht so schnell deshalb. Als echte Sportkanone hätte sie niemand so schnell einholen können, aber sie hatte keine Kraft mehr und mit geprellten Rippen sich überhaupt so bewegen zu können hätte einen erbärmlichen Orden einbringen können.
      Die vertraute Stimme die plötzlich ertönte allerdings, war schlimmer als jeder Schlag den sie hätte erleiden können.
      Sie wollte Hawke so sehr sehr, gleichzeitig aber auch nicht.
      Er sah sie in diesem erbärmlichen Zustand, er sah sie ständig so furchtbar jämmerlich, dass Jade sich nur noch wünschte einfach nur in Luft aufzugehen.
      Sie blieb langsam stehen, trotz ihres Sprints nicht außer Atmen.
      Lange sah sie ihn einfach nur an.
      "Bestens.....es war nur furchtbar stickig da drin und.......ich hasse Jazz."


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith konnte genau sehen, wie sehr Arien sich über ihren Gefallen an dem Spitznamen freute. Nämlich überhaupt nicht. Ein amüsiertes Funkeln huschte über ihr Gesicht, ihre Augen blitzten schelmisch auf, als sie sich auf seinem Unbehagen regelrecht ausruhte. Natürlich konnte sie es sich nicht verkneifen, weiter darauf herumzureiten.
      Doch genau in dem Moment, in dem sie gerade ansetzen wollte, um nachzulegen, passierte etwas völlig Unerwartetes. Für einen kurzen Moment war alles durcheinander. Faith's Stirn legte sich in tiefe Falten, sie zog die Augenbrauen zusammen, versuchte einzuordnen, was da gerade vor sich ging. Hatte dieser Kerl sie wirklich anfassen wollen und das, obwohl er dachte, sie sei Ariens Freundin? Das war nicht nur dreist, das war einfach strohdumm.
      Bevor sie überhaupt richtig reagieren konnte, war er auch schon von Vincent aus der Bar eskortiert worden. Faith blieb reglos auf ihrem Hocker sitzen, starrte mit großen Augen zur Eingangstür, als er verschwand. Ein kollektives Aufatmen im Raum, gefolgt von einem überraschend herzlichen Applaus für Vincent, als der zurückkehrte. Erst dann wandte sich Faith langsam wieder zu Arien, setzte sich wieder ordentlich auf den Hocker und atmete tief durch.
      Unangenehm war’s gewesen, keine Frage. Aber der Typ hatte sie nicht berührt, nichts weiter war geschehen. Der Schreck saß dennoch tief. Immerhin hatte Arien sofort eingegriffen und Vincent ebenso schnell reagiert. Ihre Schultern sanken einen Hauch nach unten, als sich der Adrenalinspiegel langsam legte.
      Mit einem frechen Grinsen, das deutlich machte, dass sie sich vom Vorfall nicht den ganzen Abend verderben lassen würde, drehte sie sich etwas zu ihm. "Du hast mich förmlich angefleht, hierher zu kommen.", sagte sie mit leichtem Naserümpfen, ihre Stimme trug diese verspielte Schärfe. "Also schuldest du mir ohnehin einen Drink."
      Als Arien ihr die Karte reichte, nahm sie sie schmunzelnd entgegen, ihr Blick streifte neugierig das außergewöhnlich designte Cover. "Okay, das sieht schon mal fancy aus", murmelte sie anerkennend und klopfte mit ihren schwarz lackierten Fingernägeln leise und rhythmisch auf den Tresen, während sie die Auswahl durchging.
      Im Augenwinkel beobachtete sie Arien. In Gedanken sagte sie sich selbst, dass sie eigentlich hatte früher ins Bett gehen wollen. Die Woche hatte gerade begonnen, und sie saß schon wieder in einer Bar, diesmal alleine. Oder? Nicht wirklich. Irgendwie war sie doch nur hier, weil Arien heute Dienst hatte … Diese Erkenntnis ließ ihre Lippen für einen Moment leicht schief lächeln. Irgendwie war das doch dämlich.
      Bevor sie sich in ihren eigenen Gedanken verlieren konnte, reichte sie ihm die Karte wieder zurück. "Überrasch mich. Aber ohne Minze. Ich hasse Minze." Ein Grinsen zuckte über ihre Lippen. "Du wirkst so, als wärst du ziemlich überzeugt von deinen Barkeeper-Skills. Also zeig, was du drauf hast."

      Hawke Li-Winslow
      Hawke hatte schon geahnt, dass der Abend nicht sein Ding werden würde, allein schon, als seine Freunde den Ort vorschlugen. Doch dass er ausgerechnet sie wiedersehen würde? Jade. Und dann auch noch das mit ansehen musste? Er war innerlich kurz stehen geblieben, während draußen die Musik wummerte und Menschen lachten, als wäre nichts gewesen. Aber er hatte es gesehen. Ganz sicher.
      Er war ihr hinterher, nicht rennend, aber mit spürbarer Unruhe in den Schritten. Vielleicht hatte er sich verguckt? Vielleicht war es halb so wild? Doch als sie sich umdrehte und ihn ansah, wusste er, dass er sich nicht geirrt hatte. Das Gefühl in seinem Bauch bestätigte, was seine Augen gesehen hatten.
      Er blieb kurz stehen, schnappte nach Luft, nicht weil ihm die Puste ausging, sondern weil seine Gedanken wie wild durcheinanderpurzelten. Seine eisblauen Augen lagen ruhig auf ihren, aber in seinem Kopf tobte ein kleines Chaos. Er kannte sie ja kaum, sie hatten nie wirklich viel miteinander zu tun gehabt - aber das, was er gesehen hatte, konnte er nicht einfach ignorieren.
      "Was redest du da eigentlich?" platzte es aus ihm heraus, seine Stirn legte sich in Falten, und er sah sie an, als würde er auf eine ehrlichere Version ihrer Worte warten. "Ich hab doch genau gesehen, was passiert ist… oder hab ich echt komplett daneben gelegen?"
      Sein Blick war fest auf sie gerichtet, leicht gerunzelte Stirn, der Kiefer angespannt. Nicht aus Wut - aus dieser Mischung aus Sorge und Unsicherheit. Er verschränkte die Arme, mehr als Schutzschild für sich selbst, während er versuchte, aus ihren Augen zu lesen, ob sie ihm jetzt die Wahrheit sagen würde.
    • Arien Darkbloom

      Es dauerte keine 5 Minuten da war wieder der gewöhnliche Gang in ihrer bescheidenen Bar eingekehrt. Es war laut, es war schräg und die Leute hatten ihren Spaß. Ganz so wie es eben sein sollte. Niemand ließ sich lange die Stimmung von so einem Vorfall vermiesen. Meistens tat man es ungefähr so ab, wie eine lästige Fliege und betrank sich mit Alkohol. Es würde diesen Abend nicht anders laufen, dafür würde Arien als Barkeeper dieser Spinner schon sorgen. Faith hatte glücklicherweise keinen so großen Schock erlitten und setzte direkt an den Hellhaarigen weiter zu ärgern. Warum ihm das so Spaß machte wusste er selbst nicht. Vielleicht weil er all die Arschkriecher an der Uni nicht leiden konnte? Weil außerhalb dieser Bar jeder eine scheiß Angst vor seinem Dad hatte? Faith steckte mehr oder weniger in der selben Situation wie sie nur mit dem Unterschied, dass Arien seinen Charakter fakte und Faith ihr Interesse an Jura. Lügner verstanden sich also offenbar untereinander. Welch Ironie.
      "Ich dich angefleht? Du warst doch diejenige die sich förmlich an mich gehängt hat und beim Duft von Freiheit direkt high wurde.", konterte Arien belustigt und hatte ihr die Karte gereicht, welche sie offenbar direkt für ihr Design bewunderte.
      "Die alte Karte sah scheiße aus."
      "Das hab ich gehört Rotznase!"
      "Ziemlich gute Ohren für so einen alten Mann."
      "Zwing mich nicht aufzustehen."
      "Soll ich den Gehstock holen?"
      Ein Lachen raunte durch die Bar. Seine Neckereien mit Vincent waren hier ziemlich legendär und berühmt berüchtigt. Glücklicherweise verstand sein Chef eine Menge Spaß, solange Arien es nicht übertrieb. Wer würde sonst so eine freche Klappe dulden? Er hatte mit dieser Bar wirklich das große Los gezogen.
      Vincent hatte das volle Haar zurückgeworfen, grinste nur amüsiert "Bring mir was zu Trinken kleiner Scheißer."
      Arien erwiderte das freche Grinsen und folgte trotz seiner frechen Art sofort der Anweisung seines Chefs. Ganz gleich wie sarkastisch und barsch der Hellhaarige wirkte. Vincent war wahrscheinlich einer der wenigen Menschen vor denen er einen riesen Respekt hatte und - nicht das er es je zugeben würde - Bewunderung mitschwang.
      Faith hatte ihm während Arien das Bier zapfte verkündet, dass sie überrascht werden wollte, solange es keine Minze war.
      "Das mit der Minze merke ich mir. Vielleicht stecke ich mal was davon in deine Schultasche.", grinste er amüsiert, schnappte sich 6 Krüge Bier oder wie Vincent es nannte ´flüssiges Gold ´und transportierte es gekonnt zum Tisch seines Chefs.

      Jade Rhea Summer

      Jade war fast schon stolz, dass sie in den hohen Schuhen und dem schmerzenden Körper immer noch so sprinten konnte. Naja sprinten konnte man es bei einer Sportskanone wie der Rothaarigen nicht nennen, aber selbst mit Handicap würde ihr ihr Freund niemals folgen können. Dieser war ungefähr so sportlich wie ein Sack Kartoffeln. Nicht das er sich überhaupt die Mühe machen würde ihr nachzulaufen. Wahrscheinlich würde ihr Zuhause ohnehin nur ein Donnerwetter drohen, weil sie ihn blamiert hatte. Zuhause...Jade konnte dieses Wort dafür nicht verwenden, aber wie sollte sie es sonst nennen? Sie hatte nie ein Zuhause.
      Derjenige der ihr gefolgt war, war natürlich nicht Killian gewesen sondern jemand anderes. Jemand bei dem ihr Herz einen merkwürdigen Hüpfer machte und den sie ansah wie einen der Helden ihres Lieblingsromans.
      Hawke hatte seine Freunde stehen lassen und war ihr gefolgt? Wieso? Warum kümmert er sich eigentlich so um sie?
      Als er die Rothaarige fragte, ob alles in Ordnung war hatte sie gelogen. Ihr Blick war nicht warm und hell wie sonst wenn sie ihn ansah, sondern leblos, glanzlos und leer.
      Hawke glaubte ihr natürlich nicht, warum auch? Aber wieso sorgte er sich so um sie?
      "Nein, es geht mir nicht gut Hawke. Erinnerst du dich an unser Gespräch heute Morgen? Du hast mir auch nicht die Wahrheit mit London gesagt.", sie lächelte sanft. "Du kannst genauso wenig darüber sprechen, wie ich hierrüber reden kann."
      Sie machte ein paar Schritte von ihm weg.
      "Danke für deine Sorge, aber das bin ich überhaupt nicht wert." ihr Lächeln war traurig und als sie ihn ansah, wünschte sie sich, sie hätte ihn so viel früher kennengelernt.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith hatte nicht vor, sich den Abend verderben zu lassen, erst recht nicht von irgendeinem dahergelaufenen Idioten, der meinte, sich daneben benehmen zu müssen. War ja eh nichts passiert. Also konzentrierte sie sich wieder auf das, was den Abend eigentlich ausmachen sollte: ein bisschen gute Gesellschaft, ein paar amüsante Sprüche und ein Drink.
      Sie verschränkte spielerisch die Arme und warf Arien einen halb gespielten, halb ernst gemeinten Blick zu. "Oh bitte, jetzt verwechselst du mich aber mit diesen schrägen Schnepfen aus der Uni." Sie schnaubte leise und schüttelte amüsiert den Kopf. "Schon ein bisschen verletzend, ehrlich gesagt. Und Freiheit kann ich auch ganz ohne dich genießen, weißt du?" Sie zuckte mit den Schultern, hob dabei leicht die Brauen und schob dann grinsend hinterher: "Nur Motorradfahren nicht. Dafür brauch ich dich irgendwie dann doch."
      Als sie die Getränkekarte annahm, konnte sie nicht anders, als eine kleine anerkennende Bemerkung über das ziemlich stylische Design fallen zu lassen. Und keinen Moment später flogen dann auch schon ein paar Sprüche zwischen Arien und Vincent hin und her, locker, lässig, in einem Ton, der mehr nach Familie als nach Arbeitskollegen klang.
      Faith lehnte sich leicht zurück, stützte den Ellbogen auf dem Tresen ab und verfolgte das Ganze mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. Ihre Mundwinkel zuckten unübersehbar. Auch die Gäste ringsum schienen sich bestens zu amüsieren, Gelächter mischte sich unter das Hintergrundrauschen der Musik. War wohl einfach so in diesem Laden.
      Wenn sie jemals überlegt hätte, wie Arien außerhalb der Uni so drauf ist, dann ganz sicher nicht so. Auf diesen steifen Veranstaltungen ihres Vaters war er immer zurückhaltend, höflich, fast schon langweilig. Gut, sie hatte eigentlich nie etwas mit ihm zutun gehabt, aber er hatte eben so gewirkt. Und jetzt? Jetzt war er… na ja, richtig sympathisch. Locker, witzig. Unerwartet charmant, wenn man es so nennen will. Je nachdem was man unter charmant definiert.
      Kaum hatte Faith ihm die Karte wieder in die Hand gedrückt und mit einem vielsagenden Grinsen gemeint, er solle sie einfach überraschen.
      "Du willst mir Minze unterschieben?" Faith hob eine Braue, lehnte sich leicht nach vorne, die Hände locker auf dem Tresen. "Ist das jetzt deine Idee von einem Liebesbrief, oder hast du einfach seltsame Hobbys?" Sie lachte leise und funkelte ihn dabei neckend an.
      Bevor Arien sich an ihren Drink machte, kümmerte er sich erst noch um Vincent und ein paar andere durstige Gäste. Faith lehnte sich leicht zur Seite, das Kinn auf eine Hand gestützt, und beobachtete das Schauspiel mit einem angedeuteten Lächeln.
      Sie musste es ihm wirklich lassen, der Typ konnte was. Gestern hatte er ihr schon überraschend gute Cocktails gemixt, und heute balancierte er seelenruhig sechs Krüge Bier gleichzeitig, als wären sie nicht mehr als ein paar harmlose Wassergläser. Keine zittrige Hand, kein nervöser Blick, nur diese lässige Selbstverständlichkeit, als hätte er das mit dem Gleichgewicht irgendwann in einem früheren Leben perfektioniert.
      Faiths Augen folgten ihm, während er durch die Menge manövrierte, als würde sich der Trubel einfach automatisch teilen, nur damit er ungehindert durchkam. Sie schnaubte leise und schüttelte grinsend den Kopf. Wenn er jetzt stolpert… dachte sie sich. Dann wär das ne Story, die ich ihm für den Rest seines Lebens unter die Nase reiben würde.

      Hawke Li-Winslow
      Hawke war kein Held. Zumindest keiner, der sich absichtlich in Dinge einmischte, die ihn nichts angingen. Aber das da drinnen? Das konnte er einfach nicht ignorieren. Er hatte wirklich nur helfen wollen. Hätte er früher die Bar betreten, hätte er das ganze Schauspiel von Anfang an mitbekommen, hätte er keine Sekunde gezögert. Und wäre der Typ noch einen Schritt weiter gegangen… ja, dann hätte er sich eingemischt. Ganz sicher sogar.
      Er versuchte immer noch, sich selbst einzureden, dass ihr Freund es vielleicht einfach nicht richtig eingeschätzt hatte. Vielleicht hatte er tatsächlich nicht gesehen, was passierte. Aber das war eine Lüge, an der er sich selbst die Zähne ausbiss. Sie hatte direkt neben ihm gesessen. Es war unübersehbar gewesen. Selbst mit Sonnenbrille und schlechtem Gewissen hätte man das nicht ignorieren können.
      Als Jade dann plötzlich auf England zu sprechen kam, traf es ihn wie aus dem Nichts. Einen kurzen Moment lang blieb er einfach stehen, blinzelte leicht, als müsste er sicherstellen, dass er sie richtig verstanden hatte. Dass sie das Thema tatsächlich angesprochen hatte.
      Seine Lippen öffneten sich ganz leicht, als wollte er etwas sagen, doch es kam nichts. Seine Augen verengten sich ein wenig, nicht aus Wut, eher aus Überraschung und ja, vielleicht sogar einem Hauch Verletzlichkeit. Er hatte wirklich gedacht, sie hätte es nicht bemerkt. Und noch weniger, dass sie sich trauen würde, es ihm direkt ins Gesicht zu sagen. Das war sein Ding. Sein Thema. Etwas, das tief genug saß, um es gut unter Verschluss zu halten. Das ging sie einfach nichts an und war nicht vergleichbar mit dem, was gerade geschehen war.
      Dass sie jetzt damit kam, als wäre es vergleichbar mit dem, was gerade geschehen war, das stieß ihm auf. Nicht wütend, aber es hinterließ diesen faden Beigeschmack. Zwei völlig verschiedene Dinge, zwei völlig unterschiedliche Ebenen. Und dennoch prallten sie gerade ungewollt aufeinander.
      "Du musst es mir auch nicht erklären." Seine Stimme war ruhiger als noch zuvor, aber deutlich. Kein Groll, kein Vorwurf. Eher ein stiller Schlussstrich unter eine Konversation, die er gerade nicht führen konnte. Er blickte sie kurz an, ein leichtes Zucken ging durch seine Augenbraue, als würde er noch etwas sagen wollen, vielleicht sogar etwas Nettes, aber stattdessen drehte er sich leicht weg.
      "Aber nachdem, was ich da drin gesehen hab, brauchst du es nicht zu leugnen. Und weißt du.. das musst du nicht entscheiden," sagte er leise, aber bestimmt. "Wenn ich mir Sorgen mache, dann, weil ich's nicht einfach abschalten kann."
      Er zuckte leicht mit den Schultern, ließ die Arme wieder sinken. "Vielleicht willst du keinen, der sich einmischt. Versteh ich. Aber zu sagen, dass du das nicht wert bist? Das ist Mist, Jade."
    • Arien Darkbloom
      Es lag eine Leichtigkeit in ihren Unterhaltungen, gepaart mit Sarkasmus und Humor. Keiner nahm den anderen wirklich zu ernst und auch wenn sie über alles Mögliche sprachen, war es doch nichts intensives, nichts intimes und nichts das alte Wunden aufkratzte. Zumindest nicht aus Ariens Sicht und genau das machte es so angenehm. Es war ein gemütliches Miteinander, ohne zu tiefe Bedeutung und darum fühlte man sich leicht dabei. "Du fängst schon wieder mit den Weibern an?", Ariens Grinsen wurde breit. "Es stört dich also doch. Die kleine Faith ist eifersüchtig. Aww, keine Sorge ich bin heute nur dein Barkeeper. Naja deiner und der dieser Suffköpfe hier." Natürlich verarschte er sie nur. Ehrlich gesagt interessierte es ihn weder was Faith über die Mädchen oder ihn dachte, noch interessierte es ihn was die Mädels an der Uni über ihn dachten. Als Faith davon sprach, dass sie auch ohne ihn Freiheit spüren konnte, sah er sie nicht gerade so an, als würde er ihr auch nur ein Wort glauben. Bis die Kleine aus dem Nest ihres Vaters ausbrach würde noch viel Zeit vergehen müssen und Arien weiterhin ein extrem schlechter Einfluss. Der Hellhaarige konnte sich nicht vorstellen, dass sie zuvor schon Nächte unter der Woche durchgemacht hatte oder ein wenig mehr trank als sie sollte, geschweige den das sie sich alleine mit einem Kerl in der Bar traf. Nun er konnte sich auch irren. Ihre Freundin war schließlich ziemlich leicht zu haben, was er nicht verurteilte. Sexuell war Arien schließlich auch extrem aufgeschlossen.
      Während er sich nebenher ein kleines bereits gewohntes Wortgefecht mit Vincent lieferte, hatte Faith sich die Karte angesehen und verlauten lassen, das sie keine Minze mochte. Die nächste Worte allerdings, ließen Arien eine Augenbraue heben.
      "Also wenn du das mit einem Liebesbrief definierst, hast du ja ziemlich üble Erfahrungen gemacht....oder einen kranken Fetisch, ich bin mir nicht ganz sicher." er nahm gespielt ein wenig Abstand. "Muss ich mir Sorgen machen? Bist du am Ende eine kleine Perverse? Ich bin schockiert!" Belustigt schnappte sich der Hellhaarige ein bis zur Perfektion poliertes Glas - ja, er war verflucht penibel was seine Bar anging - und machte sich daran ein Getränk für Faith zu zaubern, von dem er glaubte, dass es gut passen könnte.
      Nachdem er erst einmal die Saufköpfe mit Bier versorgt hatte, sonst würde er keine Ruhe mehr haben.
      Der Cocktail den er seiner aktuellen Kundin zubereitete, strahlte regelrecht den Sommer aus. Selbst ohne die Bestandteile zu kennen schrie er förmlich, dass er auf Fruchtbasis basierte und wäre er nicht mit Alkohol getränkt, könnte man ihn glatt für gesund halten. Ein Cocktail in der Farbe des Sonnenuntergangs, in starkem gelb-orange. Die Eiswürfel beinahe versteckt und das Glas verziert mit einer Orangenscheibe.
      "Ein Golden Dawn."

      Jade Rhea Summer

      Sie hatte etwas gesagt, das ihn traf. Auch wenn Hawke es nicht aussprach und nicht unbedingt zeigte, konnte sie es an seinen Augen erkennen. Sie hatte ihn verletzt und Jade fühlte sich elender als sie es ohnehin schon tat. Es war ein Selbstschutz, etwas das sie unbewusst leider trainiert hatte. Aus Angst jemanden nah zu kommen, stieß sie die Person weg, sobald auch nur durchzublicken war, dass Jades Leben einem einzigen Scherbenhaufen, nein einem Minenfeld glich. Wahrscheinlich verstand er nicht, weshalb sie das sagte, wahrscheinlich würde er es auch nie verstehen.
      Allerdings hätte jemand wie Hawke auch niemals in ihr Leben treten dürfen. Sie hatte ihn nicht verdient und vielleicht verdiente sie einfach gar nichts mehr.
      Die Stimme von Hawke war ruhig als er mit ihr sprach, während die Rothaarige ihn einfach nur leblos anblickte. Würde er sich von ihr abwenden?
      Wenigstens hatte sie in der winzigen Zeit mit Hawke einen kleinen Lichtschimmer gehabt, auf den sie sich am Tag freuen konnte. Ihre zufälligen Begegnungen, ihre kleinen Gespräche, all das hatte Jade so viel bedeutet. Ihm natürlich nicht. Mal ehrlich, warum auch? Er kannte sie nicht einmal und für ihn war sie ein Mädchen wie jedes andere auch.
      Das er ihr gerade zur Hilfe kam lag nicht an ihr, sondern daran, dass der Dunkelhaarige einen wundervollen Charakter besaß.
      Er hatte sich ein wenig von ihr abgewendet, was Jade bitter lächeln ließ. Es war besser so...
      Doch seine nächsten Worte ließen sie aufblicken, verwirrt, verletzlich, ängstlich und doch....hoffend.
      "Warum......warum bist du so nett zu mir? Du kennst mich gar nicht und doch....", sie biss sich auf die Unterlippe. "Du bist so nett.....du darfst nicht so nett zu mir sein....ich verdiene das nicht."
      Sie durfte jetzt nicht anfangen zu heulen, dann war sie wirklich so erbärmlich wie sich fühlte.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith zog nur leicht die Augenbrauen hoch, als Arien sie mal wieder durch den Kakao zog – natürlich mit diesem süffisanten Grinsen. "Eifersüchtig? Süß, dass du glaubst, ich hab Zeit, mir Gedanken über deine Fanbase zu machen. Das überlass ich den Mädels, die im Nebenfach Arienologie studieren.". Vermutlich konnten manche von denen wirklich ein Abschluss machen. Oder würden es tun, hätten sie die Möglichkeit.
      Sie lehnte sich zurück, streckte die Beine aus und kreuzte sie locker am Knöchel. Freiheit? Ja, vielleicht spielte sie den Part noch nicht in Vollzeit, aber unterschätzen ließ sie sich deshalb noch lange nicht.
      Ihr Blick wanderte kurz zu den Suffköpfen, wie Arien sie nannte, die sich lautstark unterhielten, und wieder zurück zu ihm.
      Faith konnte gar nicht anders, als kurz die Lippen aufeinanderzupressen, damit ihr Grinsen nicht völlig eskalierte. "Ari-Hase, bitte… ich bin empört. Eine kleine Perverse? Ich bevorzuge die Bezeichnung 'kreativ in der Wortwahl'." Sie deutete dramatisch auf ihre Brust, als müsste sie sich gleich theatralisch an den Kragen fassen.
      Bevor Arien sich Faiths Cocktail widmete, brachte er zuerst die Bestellung zum größeren Tisch.
      Sie beobachtete, wie er mit beinahe übertriebener Sorgfalt ihren Cocktail zusammensetzte, der schon beim bloßen Anblick nach Urlaub schrie. Golden Dawn. Klingt fast wie eine poetische Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag, dachte sie, und griff nach dem Glas, als würde sie damit genau das einläuten wollen.
      "Na wenn ich davon nicht sofort gute Laune kriege, dann weiß ich auch nicht." Sie hob ihr Glas ein Stück, warf ihm einen kurzen, neckischen Blick zu und nahm einen Schluck – süß, fruchtig. Der schmeckte verdammt gut.
      Dann lehnte sie sich entspannt auf dem Hocker zurück, ihre Finger spielten am Strohhalm, als würde sie jeden Zug überlegen.
      "Der ist echt gut.", nickte sie ihm anerkennend zu.
      "Ich freu mich schon total auf England. Wie ist es bei dir?".

      Hawke Li-Winslow
      Für einen Moment schwieg Hawke. Nicht, weil ihm nichts einfiel, ganz im Gegenteil. Da war viel, das ihm durch den Kopf ging, aber nichts davon ließ sich leicht in Worte fassen. Stattdessen betrachtete er Jade einfach. Dieses aufgewühlte Gesicht, die Stimme, die zu bröckeln drohte, ihre Augen, die so viel mehr sagten als sie jemals aussprechen würde.
      Er verschränkte die Arme, lehnte sich leicht gegen die Hauswand, nicht abweisend, eher... geerdet. Ruhig.
      "Ich bin nicht nett, Jade", sagte er schließlich, mit dieser rauen Ruhe, die man fast überhören konnte. "Zumindest nicht einfach so. Und schon gar nicht zu jedem."
      Sein Blick blieb auf ihr, weich, aber nicht mitleidig.
      "Vielleicht kenn ich dich nicht. Vielleicht werd ich nie alles verstehen, was bei dir los ist. Aber ich seh dich." Ein kurzes Innehalten. "Und manchmal... reicht das. Dass man jemand sieht. Dass man’s nicht ignoriert."
      Er holte langsam Luft, senkte kurz den Blick, als müsste er die nächsten Worte sorgfältig sortieren.
      "Du musst nichts verdienen, um behandelt zu werden, als wärst du’s wert." Seine Stimme war fester jetzt, klarer. "Ist nicht deine Aufgabe, dich zu rechtfertigen. Das Leben hat dir schon genug aufgebürdet, oder?"
      Dann ein sanfter Zug um seine Mundwinkel, fast ein Lächeln.
      "Ich bin nicht hier, um die Heldnummer zu spielen. Aber wenn’s stressig oder kompliziert wird, hau ich ganz sicher nicht einfach ab und ignoriere, was ich gesehen hab.".
    • Arien Darkbloom
      "Arienlogie. Klingt gut." säuselte der Hellhaarige amüsiert und schenkte ihr dieses typische neckische Grinsen. Es war ein Grinsen, welches seinem Charakter entsprach, seinem wahren Charakter. Nicht dieses aufgesetzte perfekte Ich, welches er tagtäglich in der Uni präsentierte und welches er so sehr verabscheute. Abgesehen von seinen zugegeben verflucht guten Noten, war nichts an dem was er am Tag präsentierte auch nur im entferntesten echt. Er hasste die Uni, er hasste die Leute die dort zur Uni gingen - abgesehen von seiner Kantinendame. Niemand hasste seine Kaffeefrau - und doch musste er mit einem charmanten Lächeln, perfekten Auftreten und vorbildlichen Verhalten seinen Ruf als Musterstudent und Aushängeschild präsentieren. Hier am Abend, in dieser Bar, hier war er echt. Die lässigen Klamotten, der ganze Schmuck, seine Piercings, seine Angewohnheit konstant zu fluchen, sein Sarkasmus, sein freches Grinsen. Das war er, das und er hatte es Faith präsentiert.
      Er bereute es direkt wieder, als sie ihn mit diesem absurden Kosenamen ansprach. "Zwing mich nicht in deinen Cocktail zu spucken. Glaub mir, das tue ich." brummte der Hellhaarige und wandte ihr den Rücken zu, damit er seine Arbeit machen konnte. Was schnappte die Göre auch diese Worte von den ganzen Suffköpfen auf?
      Noch immer grummelnd präsentierte er ihr seine Kreation eines sonnigen Golden Dawn. Ein Kunstwerk im Glanz. Das war er, ein Künstler. Ein Künstler mit jede Menge Alkohol.
      Als Faith davon trank, konnte er ihr bereits im Gesicht ablesen, wie zufrieden sie war. Das war es, dass er an seiner Arbeit so liebte. Er konnte es kaum erwarten endlich seine eigene Bar zu besitzen, auch wenn er das Pandämonium vermissen würde.
      Arien grinste zufrieden aufgrund ihrer Worte, ehe sie sich bei ihm nach England erkundigte.
      "Sehr. Ich kann es kaum erwarten die Pubs dort zu besuchen. Vielleicht verraten mir die Barkeeper den ein oder anderen Trick. "antwortete Arien ihr ehrlich. Es war amüsant, dass er sich auf die Pubs freute, aber nicht weil er selbst etwas trank, sondern lernen wollte. Allerdings etwas lernen für das er sich wirklich interessierte, wofür er brannte.
      "So wie die anderen beiden reagiert haben, fahren wir beide wohl allein."

      Jade Rhea Summer

      Jade biss sich so fest auf die Unterlippe, dass sie den Geschmack von Eisen im Mund schmeckte. Es kostete sie so viel Überwindung sich vor Hawke zusammen zerreißen. Er kannte sie nicht und sie kannte ihn nicht. Sie durften sich nicht so nah sein, er durfte sie nicht so sehen. Sie musste weg von ihm...
      Warum war er nur so nett zu ihr? Warum versuchte er diesen Scherbenhaufen in dem sie sich befand zusammen zu basteln? Warum kümmerte sich jemand wie Hawke um einen Niemand wie sie? Ein Kerl wie er konnte jede haben. Nicht, dass sich der Schwarzhaarige je für sie interessieren würde. Jade war hübsch, aber sie war meilenweit von ihrem alten Selbst entfernt. Im Gegensatz zu früher war sie abgemagert, wo war ihr sportlicher Körper hin, auf den sie so stolz war? Blaue Flecke und andere Blessuren zierten ihren Körper wie manche Leute Tattoos besaßen. Ihre Seele glich einem einzigen Schlachtfeld. In ihr tobte kein Krieg sondern ein Massaker.
      Und doch war sie feige. Zu feige, um einfach aufzugeben. Die Rothaarige klammerte sie sich so sehr an einem Hoffnungsstrahl, der nicht vorhanden war, dass nicht einmal mehr Selbstmitleid fand. Sie empfand für sich selbst kein Mitleid, nur noch Abscheu. Abscheu, dass sie es so weit hatte kommen lassen. Das sie so schwach geworden war.
      Als Hawke seine Stimme erhob und beteuerte nicht nett zu sein, wollte ihm Jade vehement widersprechen, aber er fuhr fort und die Rothaarige blieb still und hörte zu.
      Er sah sie....
      Er versuchte sie anzulächeln...
      Er wollte kein Held sein und doch war er es.
      Und Sie? Sie versuchte alles daran zu setzen, jetzt nicht zu weinen.




      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      "Natürlich", meinte sie mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. Sie war selbst von sich überrascht das ihr sowas dummes eingefallen war und hätte es ja gern auf den Alkohol geschoben, wäre praktisch gewesen. Aber heute hatte Abend hatte sie noch keinen Tropfen getrunken.
      Dass sie ausgerechnet hier gelandet war, in dieser Bar, gegenüber von Arien, der mit geübten Handgriffen Cocktails mischte, fühlte sich immer noch seltsam an. Nicht falsch, aber eben... nicht geplant. Vieles hatte sie sich anders ausgemalt. Mit anderen Menschen, in anderen Farben. Doch Realität hatte ihre eigenen Wege, und manchmal waren sie nicht so schlecht.

      Was sie sich aber auf keinen Fall nehmen lassen würde, war sein Kosenamen. Der hatte einfach dieses gewisse Etwas. Ein bisschen Ironie, ein bisschen Zärtlichkeit – und genau die richtige Dosis Charme, um ihn damit aufzuziehen. Sie liebte diesen kleinen Machtmoment, wenn er auf ihre Spitzfindigkeiten nur halb genervt reagierte.
      "Oh, mach ruhig", grinste sie, während sie sich auf dem Hocker etwas nach vorne lehnte. "Ich bin mir sicher, ich kann den in der Uni für ordentlich Geld weiterverkaufen. Tu dir also keinen Zwang an."
      Der Gedanke, wie sich die verrückten Mädels darauf stürzen würden, war herrlich grotesk. Ein bisschen eklig vielleicht – aber gerade deshalb so komisch, dass sie leise vor sich hin lachte.
      Während Arien ihr den Cocktail mixte, den sie lieber trinken als verkaufen wollte, ließ sie ihren Blick über ihn wandern. Und als er ihr das Glas mit einem lockeren Schwung vorsetzte, staunte sie nicht schlecht. Ein Schluck – und zack, geschmacklich eine kleine Offenbarung.
      Deshalb sagte sie ihm auch sofort anerkennend wie gut sie ihn fand und zog erneut an ihrem Strohhalm.
      Auf ihre Frage hin erntete sie eine Antwort von ihm, mit der sie schon fast gerechnet hatte "Na, während du lernst, probiere ich eben alle Kreationen für dich durch. Rein aus Selbstlosigkeit, versteht sich. Einer muss sich schließlich opfern."
      "as er vermutete das sie wohl beide alleine fahren würden, nickte Faith seufzend . "Ja, bisher sieht es ganz danach aus."
      Sie zuckte mit den Schultern, stützte den Ellbogen auf die Theke und meinte mit einem verschmitzten Seitenblick:
      "Aber vielleicht gar nicht schlecht für dich? Ich mein, so ganz inkognito hier in Pubs abzuhängen statt vorbildlich zu lernen… Da würden sich die Leute bestimmt wundern."

      Hawke Li-Winslow
      Er hatte sie nicht berühren müssen, um zu spüren, wie fest sie sich zusammenhielt. Die Art, wie sie auf die Lippe biss, wie ihr Blick ausweichend war.
      Hawke wusste nicht, woher dieser Impuls kam, sich zwischen sie und all das Chaos zu stellen, das sie so offensichtlich mit sich herumtrug. Vielleicht war es dieses Blitzen in ihren Augen. Dieses Flackern, das noch da war, obwohl alles andere in ihr aussah wie Trümmer. Hawke hatte keine Ahnung, was genau mit ihr passiert war, denn da war noch mehr als nur dieser Vorfall eben. Aber er sah genug, um zu wissen, dass ihr Inneres nicht einfach nur bröckelte. Es war zermahlen, zerschmettert. Und trotzdem war sie hier. Stand ihm gegenüber. Schaute ihm in die Augen. Atmete. Und das allein war mehr Stärke, als sie sich vermutlich selbst je zutrauen würde.
      Er war kein Retter. Kein Held. Gott, er war oft genug gescheitert, um zu wissen, wie wenig seine Absicht zählte, wenn jemand sich entschieden hatte, sich selbst nicht mehr zu mögen.
      Aber als sie da saß und versuchte, nichts fühlen zu lassen, spürte er etwas, das blieb.
      "Jade..." Seine Stimme war rau. Tief. Echt. "Ich weiß, du denkst, du musst weg von mir. Aber ich bleib einfach hier, okay?". Er sprach ruhig, nicht eindringlich. "Nicht um dich zu überreden. Nicht um dich zu ändern."
      Sein Blick war fest, aber weich.
      "Ich bleib hier, weil du’s vielleicht irgendwann brauchst, ohne alles erklären zu müssen."

      Und egal, ob sie weinte oder nicht – das war nicht wichtig.
      Wichtig war, dass sie zuhörte. Noch da war. Noch kämpfte.
      Und das musste reichen.
    • Arien Darkbloom
      Bei der Vorstellung wie Faith seinen Speichel verkaufen würde, verzog er angewidert das Gesicht. Allein der pure Gedanke jagte ihm eine scheiß Gänsehaut über den Körper und instinktiv schüttelte er sich. "Irgh. Ich weiß nicht ob du gruselig, eklig oder profitgeil bist und die Vorstellung, dass das jemand kauft ist noch gruseliger." Da er hier aber noch zu arbeiten hatte und nicht weiter mit ihr Smalltalk betreiben konnte, zumindest nicht nur, machte er sich parallel daran die Bestellung aufzunehmen und Getränke vorzubereiten. Da sollte noch mal einer behaupten, dass Männer nicht gut im Multitasking waren. Aus den Augenwinkeln beobachtete er aber immer wieder wie sie vergnüglich an ihren Cocktail nippte und sehr zufrieden dabei wirkte. Das wiederum streichelte sein Ego. Nicht, dass sein Ego dies nötig hätte, das war ohnehin schon groß genug. Dennoch freute er sich und das durfte er auch. Arien gab gut und gerne zu, dass er sich gerade in puncto seiner Barfähigkeiten sehr über Lob und Anerkennung freute. Nebenher keifte er natürlich seine Kundschaft an, dass er kein verfluchter Kellner war und sie ihr Zeug selbst holen sollten und er rügte Vinc, dafür das sie immer noch keine Kellner hatten. Sie alle lachten, hatten ihren Spaß und der heimliche Inkognito-Musterstudent blühte auf. Während er mit leeren Biergläsern hantierte, die er in die Spülmaschine räumte und einer Dame gerade ein Glas Wein eingoss, unterhielt er sich mit Faith über England.
      "Nun, es könnte mich nicht weniger interessieren, ob die beiden mitkommen oder nicht.", antwortete Arien ganz der echte unfreundliche Kerl, der er in Wahrheit auch war und reichte der zugegeben sehr süßen Blondine ihr Weinglas, welches sie lächelnd annahm und schnell zu ihren Freunden huschte. "Ich hab gedanklich schon damit gespielt, mich raus zu schleichen und jedes Mal ganz schlimme Probleme zu haben, wenn gemeinsame Aktivitäten anstehen." nachdenklich stützte er sich mit den Armen an der Bar ab. "Sowas wie...ich löse mich bei Regen auf und in England regnet es ständig. Ich wäre sicherlich ungemein kreativ gewesen." Plötzlich ging mit einem Rums die Bartür auf und ein ziemlich besoffener Kerl torkelte herein, sehr attraktiv mit seinem pechschwarzen Haaren und den eisblauen Augen, aber so betrunken, dass sich sein Kumpel der ihm hinterher trottete bei allen entschuldigte, die sein Kumpel anrempelte. Dabei strich er sich immer wieder komplett überfordert über den blonden Lockenkopf. Lockenköpfchen blickte erst Vincent entschuldigend an und dann zu Arien. Wären Arien und Vincent nebeneinaher gestanden hätte man sie synchron seufzen sehen.
      "Arien." brummte Vinc, woraufhin der Hellhaarige erneut genervt stöhnte und die Tür an der Seite der Bar hochklappte und einen Moment die Bar verließ.
      "Arien es tut mir so leid, aber er wollte dich unbedingt sehen.", seufzte der arme Lockenkopf überfordert, ehe sich der attraktive aber viel zu betrunkene Kerl direkt auf Arien stürzte, kaum hatte er ihn erblickt.
      "Ariiiiii....." kurz darauf wurde Arien abgeknutscht. Nicht das Arien etwas dagegen hätte von hübschen Männern geküsst zu werden, aber nicht wenn sie wie seine komplette Bar rochen. Genervt schob er den Schwarzhaarigen von sich.
      "Nicki, was ist es dieses Mal? Wo ist Chris?"
      "Er hat Schluss gemaaacht.", heulend versuchte er Arien zu umarmen, woraufhin dieser einen Schritt zur Seite machte und den Blonden ansah.
      "Machen sie nicht jede Woche einmal Schluss?"
      "Ja, aber ich denke dieses Mal ist es ernst..."
      Arien seufzte genervt. "Kommt mit.", daraufhin verfrachtete er sie an die Bar.
      "Faith, dieser Dichtsack ist Nicolas."
      Nic schniefte und blickte zu ihr. "Du kannst Nicki sagen."
      Arien ignorierte dies und machte mit der Vorstellung weiter. "Der arme Tropf ist Rob."
      Rob reichte Faith freundlich die Hand. "Entschuldige bitte das Drama. Ich wusste einfach nicht wohin mit ihm....wir wollten euch beide nicht stören."
      "Du störst nicht." antwortete Arien und deutete dann auf Nicki. "Der schon."
      "Du bist grausam....." Nicki wischte sich mit der Serviette vor sich die Tränen aus dem Gesicht. "Lauf weg vor ihm. Der sieht nur heiß aus, aber ist sooo fies."
      "Sie weiß das ich fies bin. Hör auf meine Kundschaft zu belästigen."
      "Siehst du!"
      Rob blickte seufzend zu Faith und entschuldigte sich mal wieder für seinen Kumpel mit einem geflüsterten. "Es tut mir echt leid...."

      Jade Rhea Summer

      Jade wusste, dass ihr Freund ihr niemals nachlaufen würde. Sie könnte hier ausgeraubt oder gar erschlagen werden, es würde ihn nicht sonderlich kümmern. An der Uni würde er natürlich all das ausnutzen und den armen Freund spielen, den man trösten musste. Er gierte förmlich nach Aufmerksamkeit. Was Jade betraf, konnte es Killian kaum egaler sein.
      Die Rothaarige brachte kein Wort mehr heraus, während Hawke so sanft und liebenswürdig mit ihr sprach. Alles in ihr schrie danach zu verschwinden, abzuhauen und wenn sie den Mut hätte, endlich die Freiheit zu suchen um all das zu beenden. Aber sie konnte nicht. Ihre Beine bewegten sich genauso wenig wie ihr Mund und gerade kämpfte sie viel zu sehr damit nicht komplett in Tränen auszubrechen. Sie presste sich ihre Hände auf den Mund, während sie in den Augenwinkeln bereits Tränen verdrückte.
      Hawke wollte bei ihr bleiben.
      Was war mit seinen Freunden? Sie hatte ihm den kompletten Abend versaut.
      Das war aber nicht das Schlimmste, denn je mehr sie ihm zuhörte, je länger sie diesen außergewöhnlichen Mann ansah, desto mehr erkannte sie, dass sie für ihn schwärmte.
      Sie kannte Hawke noch nicht wirklich und natürlich waren das keine tiefen Empfindungen, aber sie fühlte sich dennoch wie ein kindischer Teenager, der seinen ersten Schwarm hatte.
      Und er? Er hatte einfach nur Mitleid, weil er viel zu nett war.
      Mit zitternden Händen, die sie an ihren Mund gepresst hatte, versuchte sie sich über die Augen zu reiben. Hoffentlich sah sie jetzt nicht aus wie Edward Munchs der Schrei, wenn sie jetzt ihr Make-up verwischte. Aber war das wichtig?
      Vor ihm hatte sie sich schon genug so sehr blamiert, dass sie immer noch nicht verstand, warum er nicht einfach weglief.
      "Danke.......", flüsterte sie gebrochen. Sie hatte kaum Kraft in der Stimme, versuchte alles daran zu setzen nicht zu weinen und konnte ihn nicht einmal mehr ansehen. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet, als wäre die Ameise die vorbeilief jemand der ihr beantworten konnte, was sie jetzt tun sollte.
      "Ich...will dir nicht noch mehr den Abend ruinieren....deine Freunde warten doch....."
      Sie war erstaunt, dass sie überhaupt noch sprechen konnte...oder stammeln.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith lachte herzhaft, das war einfach zu herrlich absurd. Statt weiter darauf einzugehen, ließ sie dieses Thema mit Ariens verstörten Vorstellungen und Gedankengängen beruhen.
      Sie zog am Strohhalm ihres Cocktails, ließ die kühle Süße auf der Zunge zergehen und beobachtete dabei mit einem halb belustigten, halb skeptischen Blick, wie Arien zwischen Barkunst und Kellnerbeleidigungen jonglierte. Multitasking war für ihn offenbar keine Herausforderung, sondern eine Bühne. Und natürlich war sie Zuschauerin in der ersten Reihe – mit Getränk und direktem Blick auf die Show.
      "Du löst dich also bei Regen auf?" wiederholte sie und lehnte sich ein wenig vor, als könnte sie besser hören, ob er das wirklich ernst meinte. Ihre Lippen verzogen sich zu einem Grinsen, das irgendwo zwischen Belustigung und leichter Faszination hing. "Soll ich dir ein spezielles Bar-Poncho besorgen? Vielleicht mit Glitzer – fürs Ego, falls es wider Erwarten doch mal nass wird."
      Sie kicherte, nahm einen weiteren Schluck und ließ den Blick durch die Bar schweifen. Menschen lachten, tranken, lebten. Und mittendrin stand Arien, dieser wandelnde Widerspruch. Und sie. Sie war selbst ein schrecklich riesiger Widerspruch
      "Du bist unmöglich", murmelte sie leise, fast wie ein Kommentar zu sich selbst.
      Dann sah sie ihn wieder an, lockerer jetzt, mit der Art von Wärme in der Stimme, die man nur Leuten schenkt, die einen unerwartet in gute Laune versetzen.
      "Aber wenn du dich rauszwingst, während ich da drüben ganz brav meinen Tee schlürfe und Uni-Seminare überstehe, dann will ich’s wenigstens vorher wissen. Nur, damit ich dich nicht aus Versehen am Zebrastreifen einsammele, wenn du dich grade in Dunst verwandelst."
      Ein Zwinkern, ein letzter Schluck – und ein Ausdruck, der leise sagte: Ich freu mich drauf. Auf das Chaos. Auf England.
      Gerade als sie noch zu etwas ansetzen wollte, schlug die Bartür auf und scheinbar betrat das Drama persönlich die Bar.
      Faith sah dem Chaos vor ihr mit einer Mischung aus leichter Faszination und stiller Belustigung zu. Die Szene war absurd genug, um sie von ihrem Cocktail ablenken zu lassen. Ein Kerl mit dem Trunkenheitspegel einer vollgesogenen Barserviette, klammerte sich verzweifelt an Arien, als wäre er der letzte funktionierende Gedanke in seinem benebelten Gehirn. Dass er allerdings nicht mal eine Sekunde zögerte und direkt zu Arien wankte, um ihn abzuknutschen, ließ Faith kurz verwundert blinzeln. Hatte sie nicht gerade gehört das er weint weil seine Beziehung vorbei ist? Und nun hing er bereits mit einer Intensität an Arien, als wäre der sein langjähriger Seelentröster. Zumindest hatte er es versucht.
      Sie zog die Augenbrauen leicht hoch. Das war mehr als nur überemotionaler Alkoholüberschuss – es wirkte beinahe wie ein gut einstudiertes Theaterstück, in dem die Rollen plötzlich getauscht wurden. Gerade noch 'verlassen und am Boden zerstört', jetzt schon 'festklammern und schmeicheln' bei einem völlig anderen Protagonisten? Faith war irritiert – nicht nur von Nickis blitzschnellem Szenenwechsel, sondern auch von den Gesprächen, die folgten.
      Zwischen Servietten, Liebeskummer und sarkastischen Bemerkungen wirkte alles seltsam choreografiert. Nicki jammerte, Rob entschuldigte sich permanent, und Arien war der Fels inmitten dieses sentimentalen Tsunamis. Und trotzdem... irgendetwas in der Dynamik fühlte sich für Faith komisch an. Vielleicht war es die Selbstverständlichkeit, mit der Nicki sich Zugang zu Arien suchte – oder das unterdrückte Augenrollen des Blonden, der schon jetzt aussah, als hätte er für zwei Leben genug entschuldigt.
      Faith nahm einen langen Schluck, ihre Gedanken wirbelten genauso chaotisch wie die Szene vor ihr. Es war, als hätte jemand die Romantik eines Shakespeare-Dramas in eine Happy-Hour-Episode gequetscht – übertrieben, unübersichtlich und seltsam persönlich. Und irgendwie – faszinierend genug, um nicht wegzusehen. Wenn das so weiter ging, dann war ihr Cocktail schneller leer als ihr lieb war.
      Damit hatte sie heute Abend nun wirklich nicht gerechnet. Faiths Blick wanderte einen Moment lang irritiert zwischen den drei Männern hin und her – von dem heulenden Schönling, über den überforderten Rob mit dem Lockenkopf, bis zu Arien selbst.
      Als Rob ihr höflich die Hand reichte, reagierte sie automatisch, fast mechanisch, mit einem Lächeln und stellte auch sich höflich vor – obwohl ihr innerer Kompass gerade versuchte, die Beziehungsgeografie zu entziffern. Beide waren auf ihre Weise süß, keine Frage. Aber was genau hier zwischen ihnen allen ablief? Faith konnte es beim besten Willen nicht einordnen.
      Faith warf Rob einen Blick zu, der irgendwo zwischen Mitgefühl und subtiler Ironie pendelte. "Ich weiß ja nicht, ob du mir nicht sogar am meisten leid tust," sagte sie ehrlich, während ihr Glas leicht gegen die Theke klackte. "Du bist wie der Typ in romantischen Filmen, der alles abbekommt – die Tränen, die Umarmungen, die Entschuldigungen – aber nie das Popcorn." Ihr Ton war weich, aber mit einem Hauch spitzem Humor. "Wenn du gleich noch die Gläser polierst und Nicki die Stirn abtupfst, kriegst du von mir ein Freigetränk. Und ein Handtuch für deine Moral."
      Sie zwinkerte ihm zu, dann sah sie zu Arien. "Und wenn du das hier auch noch mit einem Cocktail meisterst – dann nehme ich das nächste mit doppelt Rum. Zur Sicherheit."
      Ja, sie war irritiert. Ja, es war Chaos. Aber verdammt, es war auch irgendwie großartig.

      Hawke Li-Winslow
      Hawke stand ruhig neben ihr, sein Gewicht leicht verlagert, Hände in den Taschen. Die Nacht war mild, aber sie wirkte trotzdem kühl auf der Haut – vielleicht wegen der Stille zwischen den Sätzen, oder weil ihre Schultern sich unter dem Gewicht des Unsagbaren so eng zogen, dass sie kaum noch zu atmen schien.
      Er spürte nicht nur ihr beben, sondern auch die Kraft, mit der sie es verbarg. Jeder Atemzug war ein kleiner Kampf, jedes Blinzeln ein Versuch, nicht einfach zusammenzubrechen. "Du musst gerade gar nichts tun, Jade." Seine Stimme war sanft, nicht weil er versuchte, sie zu beruhigen – sondern weil er wusste, dass etwas Lautes nur noch mehr verschrecken würde. "Du ruinierst gar nichts. Und meine Freunde – wenn sie mich wirklich kennen, dann wissen sie, dass ich gerade genau da bin, wo ich sein will.".
      Er schob sich ein Stück näher, nicht viel, gerade genug, um ihr die Wahl zu lassen. Keine Berührung, keine Geste, die mehr wollte, als sie geben konnte.
      "Ich versteh, dass du gerade in dir drin festhängst. Und wenn du meinst, du solltest mich wegschicken... dann sag's und ich geh.".

      Er wartete. Die Raucher lachten leise am Eingang, irgendwo klirrten Gläser. Doch hier draußen, wo zwei Menschen einfach nur standen – mit zu vielen Gedanken –, war alles für einen Moment still genug, um gehört zu werden.
      "Nein, weißt du was?" er schüttelte leicht den Kopf und warf einen belustigten Blick zur Bar zurück. "Lass uns einfach woanders hingehen. Die da drin? Katastrophe. Ich war kaum zwei Minuten da und hatte schon genug von all den Typen, die glauben, man könnte sich mit Rolex und flachen Sprüchen 'ne Persönlichkeit kaufen."
      Mit einem sanften Grinsen zog er sein Handy aus der Tasche. "Ich schreib Lina und Ethan, dass sie nachkommen – zu viert ist es eh cooler. Lina wirst du lieben. Die ist für jeden Spaß zu haben und sagt selten nein zu verrückten Ideen."
      Dann sah er sie an, ganz entspannt, mit diesem typischen ‚Komm, lass uns was draus machen‘-Lächeln auf den Lippen.
      "Also, was meinst du? Neue Bar, bessere Musik, bisschen mehr Luft zum Atmen?".