How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche gab einen tiefen Seufzer von sich und rieb sich den Nacken, bevor er dem Jungen folgte. Konnte er nicht für einen Moment still sein? Woher sollte er denn wissen, wohin Neona verschwunden war? Es war seine Aufgabe, seine Schwester da raus zu holen, nicht Silvers.
      Doch er behielt diese Worte für sich und folgte dem Jungen einfach, bevor dieser in eine Seitengasse gezogen wurde und die beiden Rotschopfe wieder vereint waren.
      Er hob eine Augenbraue aufgrund der Wut der Diebin, war ihre Hilfe also gar nicht nötig gewesen?
      "... was wenn? Du wurdest erwischt. Wir wollten dich nur da raus holen... aber anscheinend hast du unsere Hilfe nicht wirklich gebraucht, was?"
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    • Neona

      Sie hatte nicht einmal lange warten müssen, um ihren kleinen Bruder wenige Minuten später in einer Seitenstraße aufzugabeln. Dieser wirkte über die plötzliche Begegnung mit seiner Schwester reichlich verwundert, aber sie konnte auch deutliche Erleichterung in den hellen Augen erkennen, die ihren eigenen so ähnlich waren. Silver hingegen schien beinahe beleidigt über Neonas anklagende Worte. Sie stieß ein langgezogenes Seufzen aus. "Es tut mir leid, dass ich so lange auf mich habe warten lassen... aber ich wäre dort auch alleine wieder rausgekommen." Das sagte sie mit dem Selbstbewusstsein einer erfahrenen Diebin und ohne jeglichen Zweifel in der Stimme. "Doch wenn man euch geschnappt hätte..." Sie schüttelte den Kopf. Es wäre sicher nicht unmöglich, die beiden aus einer ähnlichen Lage wie ihrer zu befreien, aber es wäre eine neue Situation für sie. Sie war es gewohnt alleine zu arbeiten und sich allein um sich selbst kümmern zu müssen. Sie konnte schon gar nicht mehr zählen, wie oft sie schon aufmerksamen Wachen in die Hände gelaufen war und wie oft sie sich aus solchen Lagen wieder hatte befreien müssen. Doch noch nie hatte sie selbiges für jemand anderen ermöglichen müssen. Die Vorstellung, dass dieser andere heute ihr Bruder hätte werden können ließ einen kalten Schauer über ihren Rücken wandern. "Bitte macht sowas nie wieder."
      "Aber was wenn du beim nächsten Mal keinen Weg alleine raus findest?" Zorn und Frust legten sich über Kobis Gesicht, während er mit Nachdruck die schmalen Schultern seiner Schwester umklammerte. "Was, wenn sie dir das nächste mal wirklich die Hand abschlagen."
      "Dann werde ich mit dem Ergebnis leben müssen. Aber zumindest werde ich nicht ertrage müssen, dass meinem Bruder das gleiche Schicksal droht."
      Fassungslosigkeit überschwemmte das helle blau seiner Augen, während der Rotschopf verbittert den Kopf zu schütteln begann. "Das kann nicht dein Ernst sein..."
      Er wollte noch mehr sagen, doch Neona schob in aus der Gasse, zurück auf die Straße. "Wir haben jetzt keine Zeit dafür. Ich bin mir sicher, dass man bereits die Straßen nach mir absuchen wird. Wir müssen zurück zu den Pferden und diesen Ort schnellstmöglich verlassen."
      Ihr Blick huschte kurz zum Untoten, in der Hoffnung, dass er nicht auch noch Beschwerde einlegen würde, dann konzentrierte sie sich wieder darauf ihren kleinen Bruder vor sich her zuschieben.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Wäre sie das? Der Unsterbliche zweifelte nicht an den Fähigkeiten der Diebin, wahrscheinlich war das nicht mal das erste Mal, dass sie erwischt worden war und dennoch gefiel es ihm überhaupt nicht, sie einfach ihrem Schicksal zu überlassen, einfach Däumchen zu drehen und darauf zu vertrauen, dass sie schon irgendwie klar kommen würde.
      Wahrscheinlich würde sie das auch. Aber was wenn nicht? Egal wie klein dieses was wenn war, solange es existierte, würde Silver nicht einfach warten können. Hatte er nicht schon viel zu lange gewartet? Er hatte es satt.
      „Wenn man uns geschnappt hätte? Wenn man uns geschnappt hätte, wären wir schon irgendwie wieder da raus gekommen.“, erwiderte der Untote wütender, als er es eigentlich vorgehabt hatte.
      „Ich glaube nicht, dass ich das sage... aber dein Bruder hat recht. Neona. Du hast mir etwas versprochen, oder nicht? Bevor wir das Ende unserer Reise erreicht haben, darfst du nicht sterben, hast du das verstanden? Mir ist egal was danach kommt... aber bis dahin werde ich nicht einfach warten und darauf vertrauen, dass du schon wieder zurück kommst. Weil, wenn du es nicht tust...“, ballte er die Hand zur Faust und hielt sich zurück. Wahrscheinlich hatte er schon viel zu viel gesagt, aber wie konnte er nicht? Hörte sie sich eigentlich selber zu?
      „Außerdem... genauso wenig, wie du willst, dass dein Bruder in der selben Situation landet, will er dich in dieser sehen. Nicht nur du wirst mit diesem Ergebnis leben müssen.“, beendete er das Gespräch mit einem Raunen und ging mit langen Schritten an den Beiden vorbei.
      Verdammt nochmal, was war denn bitteschön los mit ihm?! Er hatte nicht vor, so wütend zu werden, so... genervt! Immer wieder fuhr er sich durchs Haar und es lag nicht nur daran, dass er Neona brauchte, um seinen Fluch los zu werden. Wie sie sprach... als wäre sie alleine auf der Welt.
      Dabei war sie das nicht. Im Gegensatz zu ihm... im Gegensatz zu ihm konnte sie ihren kleinen Bruder in die Arme schließen. Im Gegensatz zu ihm hatte sie ihn noch. Auch er würde mit diesem Ergebnisleben müssen. Damit, seine Schwester zu verlieren.
      „Wenn du willst, dass wir dir vertrauen, könntest du uns auch etwas vertrauen schenken, weißt du?“, fügte er mit einem Schnaufen hinzu, während sie das Dorf verließen.

      Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, in der Hauptstadt um genau zu sein, begann sich eine Gefahr zu entwickeln, die die Beiden noch vor große Herausforderungen stellen könnte, die ihrer Reise im Weg stehen könnten, doch fangen wir von vorne an.
      Die rote Hexe des Mondes hatte ihre kleine Parade durch das Land hinter sich, sich hinter geschlossenen Türen mit Adeligen und wichtigen Persönlichkeiten unterhalten, den ein oder anderen Zauber als Gefallen gewirkt und nun war sie am Höhepunkt angekommen: dem Schlosssaal, eingeladen von der königlichen Familie persönlich.
      Nie im Leben hätte sie sich jemals ausgemalt hier zu stehen. Nicht, nachdem sie von den Menschen immer nur gejagt und ausgeschlossen wurde, bis sie sich dazu entschieden hatte, den Spieß umzudrehen und zur Jäger zu werden.
      Und nun? Verfolgte sie deutlich höhere Ziele, indem sie ihre Macht mit etwas mehrte, was sie zuvor nicht besessen hatte: Einfluss. Beziehungen. Die Möglichkeit die Fäden im Hintergrund zu ziehen.
      Zu diesem Zweck trug sie ihr schönstes, blutrotes Kleid mit dem schwarzen Tüll und Akzenten zur Schau, ihr Hals wurde von einem schwarzen Amulett geschmückt, dass vor Macht nur so strotzte und mehr war, als nur ein einfaches Schmuckstück.
      Mit einem Glas Wein in der Hand ließ sie ihren Blick über den Saal schweifen. Nun denn... wem sollte sie zuerst Honig ums Maul schmieren?
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    • Neona

      Kurz zuckte sie merklich zusammen, als Silver ungewohnt laut und zornig wurde. Sie hatte ihn schon mehrfach frustriert, genervt, ja sogar ängstlich erlebt. Aber so aufgebracht wie jetzt...? Sei wusste nicht einmal mehr, was sie sagen sollte. Traute es sich nicht ihn zu unterbrechen, geschweige denn Widerworte zu geben. Sollte das nur sein, weil sie sein einziges Ticket auf seinen erlösenden Tod war. Lag diese Wut alleine in seinen eigenen Zielen verwurzelt, oder sollte er sich wirklich Sorgen um sie gemacht haben...? Sie schüttelte den Kopf. Nicht nur, dass ihr dieser Gedanke abwegig erschien, sie wollte ihn auch einfach nicht erlauben. Wenn sie Silver noch mehr zum Teil ihres Lebens werden ließ, würde es ihr umso schwerer fallen Abschied zu nehmen.
      Interessanter weise schien sogar Kobi reichlich verblüfft darüber, dass der Untote sich auf seine Seite stellte und schien sich selbst dabei zu ertappen zustimmend zu nicken. Wäre die Situation nicht so unpassend, hätte Neona es beinahe lustig gefunden, wie der Junge unzufrieden mit sich selbst mitten in der Bewegung innehielt und Silver mit seinem üblichen grimmigen Blick bedachte.
      Letztendlich presste die junge Diebin die Zähne zusammen und stieß zwischen ihnen zischend Luft aus, während sie gemeinsam den Ort hinter sich ließen. "Du hast recht", gab sie leise zu. "Ich sollte euch mehr vertrauen, aber..." Ihre Hand legte sich behutsam auf den Wuschelkopf ihres Bruders. "Ich wüsste nicht, was ich tun würde, sollte Kobi etwas zustoßen. Immerhin bin und bleibe ich einmal seine große Schwester." Er hatte niemanden mehr, außer ihr. Und sie hatte niemanden mehr, außer ihn. All die Jahre nach dem Tod ihrer Eltern, hatte sie nur für ihn gelebt. Jeder Diebstahl, jede Gefahr in die sie gesprungen war, alles war für ihn und ihre Zukunft gewesen. Was wenn all das auf einmal hinüber wäre. Was wenn ihrem Bruder etwas zustoßen würde? Sollte Neona jemals etwas passieren, bevor sie genug Reichtümer für sich und ihren Bruder zusammen sammeln konnte, hatte sie dennoch ein Sicherheitsnetzt für Kobi aufgespannt. Sie würde ihm genug vermachen, damit er sich ein eignes Leben würde aufbauen können. Doch andersherum... natürlich hätte Neona genug Geld, aber ohne ihren Bruder war all das nichts wert... ihr Leben wäre nichts mehr wert.
      "Glaubst du etwa, du bist mir weniger wichtig?" Sie hatte nicht einmal realisiert, dass in den Augen des Rotschopfes ein Film aus feinen Tränen aufgestiegen war. "Ich brauche dich doch genauso, Neona. Also bitte... tu nie wieder so, als wäre dein Leben weniger wert als meines."
      Sie schluckte schwer und musste kurz sogar selbst gegen die Tränen ankämpfen. Wann hatte Kobi sie das letzte Mal so angesehen? So verzweifelt, so ratlos...? War sie dafür verantwortlich? "Tut mir leid, kleines Brüderchen." Erneut strichen ihre Finger durch seine roten Haare. "Tut mir leid." Sie wusste nicht genau wofür sie sich entschuldigte. Dafür, dass sie Kobi solche Sorgen gemacht hatte, oder weil sie genau wusste, dass sie beim nächsten Mal trotzdem nicht anders handeln würde?
      Sie drehte sich zum noch immer scheinbar leise murrenden Untoten und neigte kurz ihr Haupt vor ihm. "Auch bei dir muss ich mich entschuldigen." Sie schüttelte leicht den Kopf. "Schon alleine weil ich mich habe schnappen lassen. Tut mir leid, dass ich unvorsichtig war."


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      Graf Doluda

      Er hasste Veranstaltungen dieser Art. Nicht, weil er den teuren Wein, die zahlreichen Köstlichkeiten und festlichen Gewänder verschmähen würde. Nein. Er hasste es einfach, immer und immer wieder ehrfürchtig sein Haupt vor diesen hochnäsigen Idioten senken zu müssen. Die Königsfamilie war eine Sache, aber die Anzahl an Herzogen und Kurfürsten war eine andere. Noch dazu spielte sich sogar Landgraf Lagan auf, als würde er über ihm stehen, dabei war ihr Status nicht nur ebenbürtig, Doluda hatte darüber hinaus sogar deutlich größere Ländereien, als dieser elende Royalist (jemand der der Königsfamilie treu untergeben ist) zu bieten. Zumindest wurde der reich geschmückte Festsaal auch von genug Adelsfamilien bevölkert, die ihm treu untergeben waren und ihn den ganzen Abend über mit Schmeichellein zu umgarnen versuchten. Doluda schenkte ihnen nur wenig Aufmerksamkeit, schließlich gab es nur einen Grund warum er seine prächtigen Ländereien verlassen und den Weg ins königliche Kapital angetreten hatte. Die rote Hexe des Mondes. Sie war der Grund für die heutigen Festlichkeiten und die Ursache für den ungewöhnlich hohen Ansturm an Adelshäusern. Auch er zählte natürlich dazu. Schließlich war sie einer der mächtigsten, wenn nicht gar die mächtigste Magierin die das Königreich aktuell zu bieten hatte. Sie auf der eigenen Seite zu wissen, würde Doludas Pläne wahrscheinlich um einiges erleichtern.
      Seitdem die wunderschöne Frau den Saal betreten hatte, lagen alle Augen auf ihr. Auch Doluda, trotz seines vorangeschrittenen Alters von 46 Jahren, konnte sich dem betörenden Antlitz der Hexe nicht entziehen. Dennoch verzichtete er darauf, sich ihr direkt zu nähern. Lieber beobachtete er sie. Brachte in Erfahrung, was sie genau hier wollte. Warum genau, sollte eine Hexe, die sich bisher aus Politik und den Geschicken des Landes herausgehalten hatte, plötzlich zum Königshaus einladen lassen. Graf Doluda war sich sicher: auch sie hatte Ziele, die sie hier verfolgte und vielleicht konnte er sie dabei unterstützen. Natürlich nur bei der richtigen Gegenleistung.
      Als der Trubel um die schöne Frau endlich ein Ende zu finden schien, zupfte der Adlige sein hellblaues Jackett zurecht und lief stolzen Schrittes - seinen edel verzierten Gehstock an der rechten Seite - auf die junge Frau zu. "Ich hoffe Ihr konntet den heutigen Abend bisher genießen." Zuvor hatte er sich von einem der Bediensteten ein Weinglas aushändigen lassen, welches er der roten Hexe mit einer höflichen Verbeugung entgegenstreckte. "Landgraf Doluda von Isridia", stellte er sich ausladend vor. "Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie lange ich diesem Moment schon entgegen gebannt habe. Euch endlich einmal persönlich zu begegnen."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Ein weiteres, genervtes Schnauben folgte, während der Untote mit den Händen tief in den Hosentaschen vergraben die rührende Szene vor sich betrachtete. Etwas regte sich tief in seinem Herzen, war das etwa... Schuld? Eifersucht? Oder schlicht und einfach pure Frustration? Einst hatte auch er ein kleines Geschwisterchen gehabt. Und er hasste es, sich bei dem Anblick der Beiden an sie zu erinnern. Und was noch viel wichtiger war: sich daran zu erinnern, dass es seine Schuld war, dass sie nicht mehr da war.
      Wäre sie an einem natürlichen Tod gestorben, hätte er sich vielleicht damit abfinden können. So aber schüttelte er den Kopf und versuchte diese Erinnerungen von sich zu stoßen, sie schlicht und einfach wieder zu vergessen. Er hatte keine Familie und würde niemals wieder eine haben.
      Es wäre besser, wenn er so tat, als wäre er alleine auf der Welt. Lange würde er sowieso nicht mehr auf dieser Wandeln müssen, wenn alles nach Plan ginge.
      „Lass es einfach nicht nochmal geschehen. Und wenn doch: finde dich damit ab, dass ich dich da raus wieder raus holen werde. Ob du willst oder nicht. Lieber lasse ich mir eine Standpauke von dir gefallen, als... als du weißt schon.“, fügte er genervt hinzu und fuhr sich ein weiteres Mal durchs Haar, das bereits vollkommen zerzaust war.
      Schnell schaffte es die kleine Gruppe zurück zu den Pferden und sammelte ihre vier Sachen zusammen, um sich aus dem Staub zu machen.
      Nachdem sie einige Stunden geritten und genug Abstand zwischen sich gebracht hatten, wurde es Zeit für eine Pause und da sie keine Zeit gehabt hatten ihren Proviant aufzufrischen, mussten sie mit dem auskommen, was sich im Wald finden lässt.
      Während Silver etwas Feuerholz sammelte, stolperte er über eine Gruppe von Pilzen, die essbar aussahen, also sammelte er sie ein und kehrte damit zurück zum Lager.
      „Das muss wohl heute unser Mittagessen sein.“, verkündete er.

      Die rote Hexe des Mondes

      „Oh, welch angenehmer Gentleman.“, erwiderte die Hexe mit einem amüsierten Lächeln und nahm das Glas Wein entgegen, an welchem sie sogleich nippte. Man brachte hier wahrlich vorzüglichen Wein dar.
      „Grad Doluda... ich habe bereits von ihnen gehört. Sie sollen die größten Ländereien aller Landgräfe haben, stimmt das?“, erkundigte sie sich und es war schwer einzuschätzen, ob das eine Frage aus Höflichkeit, ein Lob war oder etwas anderes dahinter steckte.
      „Oh, ich kann es mir durchaus vorstellen. Aus welchem Grund freut ihr euch so sehr mich zu sehen? Sicherlich wollte ihr euch nicht nur an meiner Schönheit laben?“, funkelten ihre Augen auf und es war deutlich, dass welchen Gefallen auch immer er von ihr wollte, dieser nicht billig kommen würde.
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    • Neona

      Ihren Bruder mochte sie endlich einigermaßen besänftigt haben, doch der Untote wirkte noch immer leicht angesäuert. Zwar wusste sie, dass ihr aktuelles Überleben für ihn wahrscheinlich höchste Priorität haben musste, aber nachdem doch alles gut gegangen war... warum war er dann immer noch so zornig? Sie hatte nicht den Willen, weiter darüber zu diskutieren und entschloss sich einfach dazu, verstehend zu nicken.

      Es war vor allem Kobis grummelnder Magen, der Neona einige Stunden später dazu verleitete ihre Reise erneut zu pausieren. Abgesehen davon hatten sie mittlerweile mehr als genug Strecke zwischen sich und die letzte Stadt gebracht und auch ihr Magen könnte gut und gerne etwas zu Essen vertragen. Da sie nach all dem Chaos heute morgen schlecht noch Proviant hatte organisieren können, mussten sie darauf zurückgreifen, was die Natur zu bieten hatte, weswegen Silver kurzerhand ein paar Pilze zusammensammelte. Hätten sie etwas mehr Zeit, wäre die junge Diebin auch auf Jagd gegangen oder hätte kleinere Schlingfallen in der Nähe verteilen können, doch das musste wohl bis heute Abend warten. Stattdessen suchte auch sie den Waldboden ab, sammelte diverse Geschmacksgebende Kräuter zusammen und buddelte hier und da eine essbare Wurzel zu Tage. "Lass uns damit einen einfachen Eintopf machen", meinte sie und nahm dankend die Pilze vom Untoten entgegen. "Das sollte uns für den restlichen Tag gut stärken können." Da sie bereits einiges an Zeit verloren hatten, würden sie auch einen Großteil der kommenden Nacht durchreiten müssen, ein Umstand der Kobi sicherlich wenig gefallen würde, so wie er gerade schon wieder erschöpft und müde seine schmerzenden Oberschenkel zu massieren versuchte. Es blieb ihnen aber wohl kaum eine andere Wahl.
      Innerhalb kurzer Zeit hatte die junge Frau eine kleine Feuerstelle zusammengebaut und ihren kleinen Reisetopf - gefüllt mit Wasser aus einem nahegelegenen Bach - darauf platziert. Während sie darauf warten musste, dass das Wasser zu kochen begann, wanderte Neonas Blick kontrollierend zu ihrem kleinen Bruder. Noch immer lagen seine Hände auf seinen Oberschenkeln, drohten aber jeden Moment herunter zu rutschen, da der Junge bereits eingeschlafen war. Sie musterte eine Zeit lang den ruhigen Atem des Rothaarigen, bevor sie sich endlich an Silver wendete. "Der Fluch ist gewachsen..." Sie schälte ihre rechte Hand aus einem der alten Handschuhe, die sie seit gestern trug - mit der Entschuldigung es fürs Reiten zu brauchen - und präsentierte dem Braunhaarigen das Schwarze Mal, dass mittlerweile nicht nur ihre Handfläche in dunkles Schwarz färbte, sondern auch damit begonnen hatte, sich um ihr Handgelenk zu legen. "Es ist innerhalb weniger Stunden passiert, noch während ich in diesem elenden Käfig gesteckt hatte." Alleine die Erinnerung an den zugehörigen Schmerz ließ einen Schauer über ihren Körper wandern.


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      Graf Doluda

      Der Umstand, dass sie ihm gegenüber aufgeschlossen und freundlich auftrat, bestätigte seinen Verdacht. Die Hexe war nicht ohne Grund hier. Sie wollte Kontakte aufbauen. Verfolgte ihr eigenes Ziel. Diese Gewissheit festigte sich umso mehr, als er realisierte, dass die rote Hexe sich über ihn informiert hatte.
      "Wie ich sehe, seid Ihr gut informiert, Milady", nickte er anerkennend. "Und Ihr habt recht. Meine Ländereien übertrumpfen sogar die einiger Kurfürsten und Herzoge hier", machte er deutlich. "Entsprechend streckt sich mein Einfluss auch in die höheren Ebenen des Adels aus und auch in diverse andere Bereiche." Sie hatte deutlich gemacht, dass ihre Hilfe kein billiges Unterfangen werden würden, doch er hatte nie vor gehabt an den Kosten zu sparen, egal wie diese auch aussehen mochten. "Ich habe mir sagen lassen, dass Ihr ein erstaunliches Talent dafür besitzt, verschollene Gegenstände zu finden?"


    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... was?!“, konnte sich der Unsterbliche bei dem Anblick gerade noch so beherrschen, dass er das einfach Wort nur zischte, ohne Kobi zu wecken und griff bereits nach Neonas Handgelenk, um einen besseren Blick auf das schwarze Mal zu werfen.
      Es war tatsächlich gewachsen und nicht gerade wenig.
      „Verdammt... wenn es in dieser Geschwindigkeit weiter wächst...“, zerzauste er sich entnervt das Haar und warf einen missmutigen Blick in Richtung ihres Rothaarigen Bruders.
      „... können wir ihn nicht einfach im nächsten Dorf lassen? Neona... wir wissen nicht, wie viel Zeit dir noch bleibt. Wir müssen uns beeilen. Du kannst ihn doch einfach später wieder aufsammeln... meinst du nicht?“, versuchte er sie irgendwie dazu zu überreden ihren Umweg abzubrechen und einfach ihre Reise zur Hexe weiter fortzusetzen. Er durfte dieses Ticket in den Tod nicht verlieren. Auf gar keinen Fall.

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      Die rote Hexe des Mondes

      „Aber selbstverständlich. Eine Hexe hat ihre Mittel und Wege an Informationen zu kommen.“, erwiderte sie mit einem geheimnisvollen Lächeln und der Gewissheit, dass sie diese Wege nicht so einfach verraten würde. Sie wollte, nein, musste machtvoll rüber kommen. Denn wenn Adelige etwas wollten, dann war es Macht. Und eine Möglichkeit diese zu mehren.
      Und... verlorene Gegenstände? Nun, das klang doch recht interessant, nicht wahr?
      Es musste etwas besonders sein, wenn man ausgerechnet eine Hexe um Hilfe bitten wollte.
      „Mhmmm... wahrlich erstaunlich. Ihr müsst wissen, als Hexe verstehe ich nicht unbedingt viel über dieseweltliche Welt.“, ließ sie mit einem Lächeln durchsickern, wie er sich bei ihr revanchieren konnte. Einfluss war genau das, was der roten Hexe fehlte.
      „Oh, aber natürlich! Es wäre mir ein leichtes verlorene Gegenstände zu bergen... wie ich sehe, müssten wir uns einmal im geheimen unterhalten, werter Graf.“, reichte sie ihm ihre Hand. Der Abend versprach doch noch interessant zu werden.
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    • Neona

      Hatte sie vor wenigen Stunden wirklich noch geglaubt, dass der Untote so etwas wie Sorge ihretwegen empfinden könnte? Gerade machte er ihr mehr als nur deutlich, dass dies nur etwas mit seinen eigenen egoistischen Zielen zusammenhängen konnte. Sie konnte seine Gedanken beinahe in seinen Augen ablesen und fühlte sich umgehend nur noch wie ein Gegenstand, den er einzig und allein für seine eigenen Ziele benötigte. Ein Gegenstand der so einzigartig war, dass er sich vor dessen Zerstörung fürchtete...
      Sie hätte sich am liebsten selbst ohrfeigen wollen. Schon alleine der Umstand, dass Silvers Verhalten pure Enttäuschung in ihr auslöste, machte deutlich, dass sie ihn näher an sich heran gelassen hatte, als sie es jemals hätte sollen. Zumindest konnte sie froh sein, noch rechtzeitig aus ihrer Illusion zu erwachen. Hätte sie sich noch ein wenig mehr mit ihm angefreundet, hätte sie es wohl kaum so gut verkraften können.
      Sie verbarg ihre Mimik hinter ihren zotteligen Haaren, während sie den Kopf senkte und langsam die brodelnde Brühe vor sich rührte. "Nein." Ihre Worte erklangen kalt und fest. "Entweder wir bringen Kobi an einen sicheren Platz, oder du wirst den Rest dieser Reise ohne mich machen müssen."
      Sie konnte nicht einmal behaupten, seine Sorgen nicht zu verstehen. Ihr lag auch nichts ferner, als noch vor dem Erreichen ihres Ziels an diesem elenden Fluch zu sterben. Sie wolle leben, unbedingt sogar. Und sie wusste besser als jeder andere, dass ihre Zeit immer mehr dahin schwand... Verdammt! Sie glaubte sogar in dieser Sekunde das Mal wachsen zu spüren. Doch... dieses Leben, ihr Leben hatte sie vor allem ihrem Bruder geschworen. Sollte ihm etwas zustoßen, wäre ihr auch dieser tödliche Fluch an ihrer Hand egal. "Wenn nichts dazwischen kommt sollten wir vielleicht schon morgen Abend mein Versteck erreichen", redete sie weiter und schob ihre pulsierende Hand zurück in den Handschuh, ohne dem Untoten eines weiteren Blickes zu würdigen. "Wenn es dich beruhigt, können wir in den Tagen danach pausenlos durchreiten, solange wie es die Pferde mitmachen. Aber solange ich meinen Bruder nicht sicher wissen kann, ist mir egal, wie sehr mich dieser Fluch auffrisst oder wie sehr du auf deinen Tod hoffst." Sie hatte bis eben versucht, ruhig und neutral zu klingen. Doch sie wusste, dass in ihren letzten Worten ein bitterer Unterton mitschwang.


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      Graf Doluda

      Das Ganze lief sogar deutlich besser, als er erwartet hatte. Die Hexe machte in ihren Worten deutlich, was sie sich von ihm erhoffte und schien ebenfalls dazu bereit, dafür seinen Auftrag anzunehmen. "Es freut mich, dass wir uns so gut verstehen." Er machte sich nicht die Mühe, sein zufriedenes Lächeln zu verbergen und winkte bereits einen seiner Begleiter herbei. "Ist der Raum noch immer vorbereitet?"
      "Natürlich, Mylord." Der junge Mann nickte eifrig und ließ seine Augen kurz zur Hexe wandern. Deludo konnte deutlich erkennen, dass eine Mischung aus Gier und Zuneigung in den Augen seines Angestellten schlummerten. Wer konnte es ihm verübeln, die rote Hexe war schließlich eine wahre Augenweide. Doch Doludas Interesse an Frauen unterlag seinem Verlangen nach Erfolg und Macht. Beides könnte ihm die rote Hexe allerdings vielleicht bieten, wenn er sich nur vernünftig anstellte.
      "Wie es der Zufall so will, habe ich bereits vor den Festlichkeiten einen der zahlreichen Privaträume im Palast für mich bereitstellen lassen. Wenn Ihr möchtet, können wir uns umgehend dahin zurückziehen." Wie ein wahrer Gentleman bot er der Hexe seinen Arm an, um sie zu besagten Raum zu führen.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Natürlich.
      So schnell wie die Panik in ihm aufgestiegen war, so schnell entspannte er seine Gesichtszüge auch wieder, strahlte pure Indifferenz aus und ließ ihr Handgelenk los, als hätte er sich gerade an ihr verbannt. Nicht, weil es ihm plötzlich egal war, natürlich war es ihm nicht, aber was hatte er sich nur dabei gedacht Neona darum bitten seinen Umstand über den ihren zu stellen? Auf dieser Welt war letztendlich jeder auf sich alleine gestellt, vor allem er, und das hier war nichts weiter als eine zweckgebundene Partnerschaft.
      Natürlich war der Rothaarigen ihr Bruder wichtiger, als ihr eigenes Leben oder diese Reise. Hätte er sich das mit der rührenden Szene von vorhin nicht denken können?
      Er hätte einfach die Klappe halten sollen. Stattdessen hatte er offensichtlich die Person, die er dringender als alles andere brauchte, erzürnt. Den Rest dieser Reise ohne sie machen müssen?
      Der Unsterbliche konnte das amüsierte Schnauben, dem es an jeglicher humorvoller Freude fehlte, nicht unterdrücken. Wie witzig. Wirklich. Mit diesen Worten verdammte sie ihn im Grunde dazu, weiterhin zu Leiden, für immer, wenn ein solcher Glücksgriff kein zweites Mal auftauchen würde – und Silver bezweifelte stark, dass er ein zweites Mal so viel Glück haben würde.
      Sollten sie ihr Ziel nicht erreichen, könnte Silver genauso gut wieder schlafen gehen. Vielleicht sollte er sich auch einfach vergraben? Dann würde ihn zumindest so schnell keine wieder aufwecken.
      „Verstehe... dir ist es also egal, wie? Natürlich ist es das... wieso sollte dich das auch interessieren?“, fügte er mit einem Schnauben und einem Lächeln auf den Lippen hinzu, dass seine Augen nicht erreichte und auch er wandte seinen Blick lieber dem Feuer zu.
      „Wahrscheinlich sollten wir das... desto schneller wir unser Ziel erreichen, desto besser. Nun denn... passt gut auf deinen Bruder auf. Ich leg mich kurz hin, esst ohne mich. Weck mich erst wieder, wenn wir weiter reisen.“, war dem Unsterblichen jeglicher Hunger vergangen und er erhob sich kurzerhand, um sich wieder von den anderen Beiden zu entfernen und angelehnt an einen Baum zu schlafen. Das brauchte er nun dringend, wirklich. Es gab doch nichts besseres... außer vielleicht etwas Alkohol. Aber davon hatten sie ja nichts da, leider.
      Er hätte wirklich ein paar Wertsachen verstecken sollen.

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      Die rote Hexe

      „Man könnte fast meinen, dass ihr mit dieser Antwort gerechnet habt.“, erwiderte die rote Hexe mit einem Grinsen und einem funkeln in den Augen, während sie nach dem Arm des alten Mannes griff und sich in eine etwas privatere Atmosphäre führen ließ.
      Obwohl es ihr wirklich unangenehm war, so freundlich, gar zuvorkommend, mit den Menschen umzugehen, ließ sie sich das keine Sekunde lang anmerken, im Gegenteil, sie gab sich sogar Mühe so zu tun, als würde es sie interessieren, wonach dieser alte Mann suchte.
      Was konnte es denn schon sein? Ein alter Ehering? Ein uneheliches Kind, das man aus den Augen verloren hat? Ein gestohlenes Schmuckstück? Was auch immer es war, mit ein bisschen Magie war es ein leichtes für die weißhaarige Hexe Dinge sowie Personen zu finden.
      „Nun denn... was genau soll ich für sie denn finden, werter Graf?“, war sie des Wartens leid und kam direkt zum Punkt, nachdem die Tür hinter den Beiden geschlossen waren und ließ ihre Hand sogar langsam von seinem Arm streifen. Als ob sie das wirklich nötig hätte. Aber es war immer eine gute Idee, einen guten Eindruck zu hinterlassen, nicht wahr?
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    • Neona

      Interessanter Weise schien Neonas Antwort in dem Untoten eine ähnliche Resignation auszulösen, als sich soeben auch in ihr breit gemacht hatte. Nicht nur das, seine Worte klangen in ihren Ohren schon beinahe vorwurfsvoll, als könne er die Ausmaße ihrer egoistischen Einstellung nicht fassen. Dabei schien er ebenfalls einzig und allein seine eigenen Ziele im Auge zu haben. Neona verzichtete allerdings darauf, ihm diesen Umstand bewusst zu machen und konzentrierte sich weiter auf die Zubereitung des Eintopfes. Versuchte die Worte des Untoten zu ignorieren und spürte trotz allem Schuldgefühle in sich aufsteigen. Nein, es war ihr nicht egal... So hatte sie das alles nicht gemeint. Aber... das Wohlergehen ihres Bruders war nun einmal wichtiger. Bedeutete das, dass sie unfassbar egoistisch war? Vielleicht, aber sie konnte ihre Gefühle deswegen nicht einfach ändern. Silvers Schicksal war ihr deswegen lange nicht egal, aber in diese Welt erhielt man nur selten die Chance, sich für beides gleichermaßen zu entscheiden.
      Da ihr Geist mittlerweile aber schon beinahe genauso müde war, wie ihr Körper verzichtete sie darauf, ein weiteres Wort mit Silver zu wechseln. Sie glaubte nicht daran, dass dies in der aktuellen Situation viel bringen würde, wahrscheinlich würden sie sich nur noch mehr verletzten. So versuchte sie ihn auch nicht zu stoppen, als er sich schließlich von der Feuerstelle entfernte und gegen einen Baumstamm lehnte. Der Umstand das in dieser Sekunde prompt das Mal an ihrer Hand wieder verstärkt zu pulsieren begann war damit nur noch die Kirsche auf der Torte. Sie versuchte den Schmerz in den hintersten Winkel ihrer Gedanken zu schieben und würzte ihr kleines Süppchen fertig.
      "Kobi." Wenige Minuten später rüttelte sie sanft an der Schulter ihres Bruders. "Kobi, wach auf. Du solltest etwas essen."
      Es dauerte einige Sekunden, bevor der Junge endlich die schweren Lider hob und seine Schwester aus eisblauen Augen musterte. "Habe ich etwa geschlafen."
      "Nur kurz", erwiderte sie mit einem feinen Lächeln. "Iss. Danach ruh dich noch ein wenig aus, wir werden bald wieder aufbrechen."
      Der Rotschopf verzog das Gesicht kurz etwas missmutig. Ihm schien der Gedanke, zurück auf den Pferderücken zu müssen, wenig zu gefallen.
      Das Schmunzeln auf ihren Lippen schwand umgehend, als sie sich zum Untoten umdrehte. Noch immer lehnte er gegen den Baumstamm, die Augen geschlossen. Sie wusste nicht, ob er wirklich eingeschlafen war, außerdem hatte er deutlich gemacht, dass er nicht gestört werden wollte und doch... Mit einer prall gefüllten Holzschale lief sie langsam auf ihn zu, platzierte den dampfenden Eintopf neben ihn und begab sich dann endlich zurück zum Feuer, um sich auch etwas zu gönnen. Sie hatte durchaus schon besser gekocht, aber in Anbetracht ihrer begrenzten Möglichkeiten schmeckte es gar nicht mal so schlecht. Vor allem belebte es ihren müden Körper genügend, um - mit der Hilfe ihres Bruders - Besteck und Schalen, wie auch den Topf abzuwaschen und alles wieder Reisebereit in ihrer Tasche zu verstauen.
      "Wir sind aufbruchsbereit", vertönte sie schließlich in Silvers Richtung und ließ hoffnungsvoll den Blick zur Schale schwenken. Vielleicht hatte er ja doch noch etwas gegessen.

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      Graf Doluda

      Sie war direkt und offenkundig kein Freund langem Geredes. Ihm sollte das nur recht sein. "Setzt Euch." Mit einer ausladenden Bewegung deutete er auf einen der prunkvollen Sessel im Raum. Insgesamt war das recht kleine Zimmer wenig imposant eingerichtet. Das hohe Fenster war durch Vorhänge verhangen, keine Bilder an den Wänden, keine Vitrinen und nur einfacher Laufteppich unter ihren Füßen. Dafür waren der schwere Eichentisch im Zentrum und die vier darum verteilten Sessel umso eindrucksvoller. Doluda ließ sich direkt ihr gegenüber auf einen dieser sinken und lehnte sich langsam vor, platzierte die Ellenbogen auf seinen Knien.
      "Vor wenigen Wochen wurde mir ein sehr wichtiges Familienerbstück entwendet", begann er schließlich. "Die Göre, die es an sich gerissen hat schafft es leider immer wieder meinen Männern zu entkommen. Zu allem Übel haben wir vor wenigen Tagen sogar den Kontakt zu zwei meiner Leute verloren. Das Mädchen glaubt wahrscheinlich, mich mit ihrer erstohlenen Beute erpressen zu können, dabei realisiert sie gar nicht, wie wichtig mir dieses Objekt doch ist." Natürlich hatte er nicht vor, der Hexe die volle Wahrheit zu sagen. Er rechnete auch kaum damit, dass sie wirklich ehrlich mit ihm sein würde. Hier ging es nicht um gegenseitiges Vertrauen, sondern um eine reine Zweckgemeinschaft zum gegenseitigen Vorteil. "Solltet Ihr die kleine Göre für mich aufspüren und einfangen können, wäre ich Euch sehr verbunden. Im Gegenzug biete ich natürlich das vielschichtige Netzwerk meiner Verbindungen innerhalb dieses Reiches an." Er winkte seinem Assistenten zu, welcher bis eben schweigend an der Tür verharrt hatte. Umgehend zog der Mann ein Pergament hervor, auf welchem sich die Zeichnung einer jungen Frau wieder finden ließ. "Das hier ist die elende Diebin. Besonders auffällig sind ihre roten Haare. Außerdem hat sie einen jüngeren Bruder, doch auch der ist gestern aus heiterem Himmel verschollen." Tatsächlich war er außer sich gewesen, nachdem man ihm gestern Abend berichtete, dass seine angeheuerten Menschenhändler sich mit schlechten Nachrichten zurückgemeldet hatten. Doluda - beziehungsweise seine Männer - hatte dafür gesorgt, dass er in Zukunft nie wieder etwas von diesen Nichtsnutzen hören müsste. "Was meint Ihr. Seid Ihr in der Lage sie zu finden?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Natürlich war der Unsterbliche in nur wenigen Momenten, nachdem er sich gegen den Baum gelehnt und es sich einigermaßen bequem gemacht hatte, eingeschlafen.
      Obwohl es kein bequemes – wenn auch eingefallenes, altes und schimmeliges – Sofa war, hatte er Jahrzehnte an Erfahrung und Übung in nur wenigen Sekunden einzuschlafen und wieder dort hin zu sinken, wo er sich am wohlsten fühlt: in einen traumlosen Schlaf.
      Dennoch wachte er wieder auf, als er eine Präsenz neben sich spürte und hörte wie etwas neben ihm abgestellt wurde. Erst als er sicher war, dass die Person sich wieder entfernt hatte – natürlich war es Neona, wer hätte es auch sonst sein können? Kobi? Sicherlich nicht. - öffnete er ein Auge, um einen Seitenblick auf das zu werfen, was ihm großzügigerweise gegeben wurde.
      Er konnte sich das Seufzen nicht verkneifen, als er den Eintopf sah.
      Konnte sie ihn nicht einfach wie das Arschloch das er war behandeln und ihn verhungern lassen? Da musste er sich ja fast schon schlecht fühlen, dass er so kalt und abweisend geworden war.
      Aber auch nur fast. Eigentlich gehörte das ja schon irgendwie zu seinem Charakter... auch wenn er feststellen musste, dass er sich Neona gegenüber bisher noch nicht so verhalten hatte. Weil er sie brauchte? Wahrscheinlich.
      Kurz schloss Silver wieder die Augen und überlegte einfach wieder schlafen zu gehen, aber einerseits war es Schade um das Essen und andererseits wollte er nicht verhungern. Würde er wahrscheinlich sowieso nicht, er war schon deutlich länger ohne Essen ausgekommen, aber Verschwendung war es dennoch.
      Also warf er einen weiteren Blick auf die beiden Rotschopfe – welch idyllisches Bild, Bruder und Schwester am Lagerfeuer mit einer gemeinsamen Mahlzeit... es waren wohl immer die kleinen Momente die man am meisten vermisste, was? - und griff nach Schüssel und Besteck, als er sich sicher war, dass ihn niemand beachtete.
      Der Unsterbliche aß so schnell wie er konnte, als hätte er Angst erwischt zu werden, bevor er wieder in den Schlaf glitt... nur um in kürzester Zeit wieder aufgeweckt zu werden. Na toll. Da machte er es sich mal wieder gemütlich und man ließ ihn nicht mal ein Jahrzehnt schlafen.
      Wahrscheinlich war er der einzige, der diesen Gedanken amüsant fand, bevor er sich erhob, wortlos Schüssel und Besteck nahm und sich zu den anderen Beiden begab.
      „Einen Moment, dann können wir los.“

      Obwohl Silver fest in Begriff gewesen war Neona beim Wort zu nehmen und den Weg bis zu ihrem Versteck so lange wie nur möglich durchzureiten, stellte sich das als großes Problem heraus. Als wirklichgroßes Problem. So groß, dass sich der Unsterbliche sicher war, dass man es nicht einfach umreiten konnte und wenn doch, würde es die Beiden... nein, die Dreiviel zu viel Zeit kosten.
      Und seit gestern wusste er, dass sie diese Zeit vielleicht nicht mehr hatte.
      Aber was dieses Problem denn nun?
      Ganz einfach, etwas, dass sich schon seit Jahrzehnten der Menschheit in den Weg stellte, ob nun metaphorisch oder wörtlich gesehen: eine Mauer.
      Eine zu beiden Seiten gehende, lange Mauer. Und nein, es waren keine Stadtmauern, sondern Mauern die sich links und rechts von den Stadtmauern aus erstreckten, als würde irgendein gelangweilter – und wahrscheinlich auch viel zu reicher – Stadtherr oder Adeliger darauf bestehen dass man unbedingt seine Stadt besuchte. Oder Stunden lang an seiner Mauer entlang lief.
      Silver konnte nicht einmal erkennen, wo genau diese Mauern aufhörten.
      Dieses Mal seufzte er ganz eindeutig.

      Da sie nun einmal durch die Stadt mussten– zu gerne hätte Silver ein Gespräch mit dem Verrückten geführt, der sich dieses Bauwerk ausgedacht hatte – hatten sie beschlossen auf dem Weg durch den Markt doch noch Proviant zu besorgen.
      Neona begründete das vor allem damit, dass ihr kleiner Bruder einen kleinen Vorrat brauchte, damit er sich in ihrem Versteck... naja,verstecken konnte.
      Und obwohl es Sinn machte, linderte es die mürrische Stimmung des Unsterblichen nicht. Vielleicht hatte er zu wenig geschlafen, vielleicht war er auch nur mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden, wer wusste das schon? Oder vielleicht war es einfach seine Art und es fiel gar nicht auf, wie er den beiden Rotschopfen einfach hinterher dackelte und die Geschäfte und den Einkauf den Beiden überließ.
      Ihm fiel auf wie anhänglicher Kobi seit der Sache mit Neonas Gefangenschaft geworden war... oder vielleicht war er schon die ganze Zeit so gewesen und es war ihm einfach nicht aufgefallen.
      Fest stand, dass der Junge keine Sekunde von der Seite seiner Schwester wich und zuerst fiel dem Unsterblichen auch nicht auf, als sich plötzlich jemand an seine Seite gehängt hatte.
      Was ungewöhnlich genug war, immerhin gehörte er zu den aufmerksamsten Menschen der Welt, wenn es um die Präsenz anderer Leute ging.
      Doch sobald er es merkte, gab er ein zischen von sich und ging einen Schritt zur Seite, die junge Frau ließ seinen Arm jedoch nicht los.
      „Was zum-?!“, wollte er sich gerade lauthals beschweren, als sich die junge Frau auch schon kleinlaut zu Wort meldete.
      „Bitte nicht. Bitte... bitte verhaltet euch normal. Ich muss es nur unbemerkt aus der Stadt schaffen, bitte... ich... ich würde auch einen Teil eurer Einkäufe zahlen...“, klang die junge Frau wirklich kläglich, wie sie fast schon flehte und Silver entspannte sich wieder und tat so, als wäre alles normal, um ja keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen... zu seiner Überraschung konnte er aus dem Augenwinkel sehen, wie eine Gruppe von Soldaten sich an ihnen vorbei durch die Menschenmenge drängte, offensichtlich nach etwas suchend.
      Und es war wirklich nicht leicht für den Unsterblichen so zu tun, als wäre nichts dabei, dass eine junge Frau an seinem Arm hing.
      „Kannst du dich nicht wenigstens an jemanden anderen Klammern? An einen der Rotschopfe vielleicht?“, zischte er ihr leise entgegen. Wenn sie nicht aufpasste, könnte ihr etwas deutlich schlimmeres blühen, als von diesen Soldaten gefunden zu werden.
      Die junge Frau blinzelte verwirrt, als wüsste sie nicht so recht, was das Problem war.

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      Die rote Hexe

      Mit elegant verschränkten Beinen setze sich die Hexe auf den prachtvollen Sessel, genoss diesen kleinen Luxus sichtlich und stütze den Kopf an der Hand ab, während sie auf die Bitte des alten Mannes wartete.
      Ihr war bereits aufgefallen, dass er offenbar kein Interesse an ihren weiblichen Reizen hatten – zumindest nicht so sehr wie der Bedienstete, den er nach dem Zimmer gefragt hatte – also versuchte sie es gar nicht erst.
      Was auch immer er suchte schien wichtig genug zu sein, um seine Kontakte anzubieten. Ein Familienerbstück also. Natürlich. Sie war nicht dumm genug zu glauben, dass das wirklich alles war. Wahrscheinlich war irgendetwas damit verbunden. Tradition, Macht, ein Versprechen, was auch immer es war, es interessierte sie eigentlich nicht.
      Es wird ja wohl kaum ein magisches Artefakt sein, nicht wahr? Und selbst wenn, würde sie es spätestens merken, sobald sie es in der Hand hielt und konnte ihre Meinung dann auch immer noch ändern.
      „Es ist wahrlich ein Jammer, welch Unglück euch passiert ist. Ich nehme an dieses Familienerbstück ist schon seit Ewigkeiten in eurem Besitz? Hat es eurer Großmutter gehört? Nun, was auch immer es ist, ich bin mir sicher ich kann diese Göremit Leichtigkeit aufspüren.“, lächelte sie und ließ ihren Blick über das Pergament schweifen.
      Ein wirklich hässliches Ding, mit diesen kurzen Haaren... oder war das heute etwa so in Mode? Das würde sie nie verstehen.
      „Ein Bruder also... selbstverständlich kann ich sie finden! Mit Magie ist alles möglich, mein Lieber.“, grinste sie siegessicher, „Aber verratet mir doch erst mal den Namen dieser Göre, habt ihr womöglich etwas, das ihr gehört? Ein Stofffetzen oder ähnliches? Oder womöglich vom Bruder...?“, verdunkelte sich ihr Ausdruck für nur einen Augenblick, ehe sie sich daran erinnerte, ein aufrichtiges Lächeln tragen zu müssen.
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    • Neona

      Kurz huschte ein feines Lächeln über ihre Lippen, als sie die geleerte Schüssel in Silvers Händen erblickte. Zwar schien er noch immer nicht sonderlich gut auf sie zu sprechen zu sein, aber zumindest hatte er sich nicht wie ein trotziges Kind für einen Hungerstreik entschieden.
      Dennoch hielt sich Neona zurück und versuchte ihn nicht weiter auf die Sache anzusprechen. Einerseits, weil sie glaubte den mürrischen Untoten damit nur noch weiter zu vergraulen, andererseits weil auch sie sich seit ihrer letzten Unterredung zunehmend unwohl in seiner Nähe fühlte. Dabei war es allein ihrem naiven Charakter zu verdanken, dass seine Worte sie dermaßen verletzen konnten... Entsprechend beschloss sie wieder etwas Abstand zwischen sich und den Braunhaarigen zu bringen. Sie konnte es sich sowieso nicht leisten, eine emotionale Bindung zu dem Untoten aufzubauen. Entsprechend wäre es wohl am Besten, diese Reise so bald wie möglich hinter sie zu bringen.
      Leider stellte sich diesem Plan eine gewaltige Mauer entgegen. Neona konnte sich nicht entsinnen, dass dieses Ding vor zwei Jahren schon hier gewesen war, zumindest nicht in dieser Größe. Ja, sie konnte sich daran entsinnen, dass dieser narzisstische Schlossherr seine an Wahnsinn grenzenden Pläne in die Welt posaunt hatte und auch zugleich mit den Bauarbeiten beginnen wollte, aber die Diebin hatte das Vorhaben als über ambitioniert und unerreichbar abgestempelt gehabt. Sie wollte gar nicht wissen, wie viele Gelder und Arbeitskraft in diese Mauer geflossen sein mussten... Wie viele Männer hatten sich wohl beim Bau halb zu Tode geschuftet, um kaum genug Lohn zum Leben zu erhalten? Und alles nur, damit der Stadtherr nicht nur seinen Reichtum und Macht demonstrieren konnte, sondern wahrscheinlich auch hohen Wegzoll einfordern konnte. Entsprechend war Neona nicht einmal sonderlich verwundert, als man am Stadttor pro Person ein Silberstück verlangte. Noch nie hatte sie solch einen hohen Wegzoll zahlen müssen, wenn sie nicht so unter Zeitdrück ständen, wäre sie daher wahrscheinlich einfach um die Mauer geritten. Allerdings war dafür keine Zeit, außerdem müssten sie noch einige Vorräte aufstocken, mit welchen sich Kobi in nächster Zeit selbst versorgen konnte. Und Neona müsste wohl anscheinend auch den Vorrat in ihrem Geldbeutel aufstocken.
      Erstaunlicher Weise hatte sie das Thema bisher problemlos umschiffen können, aber nachdem die junge Frau in der letzten Stadt gefangen genommen worden war, müsste ihr Bruder vollständig im Bilde sein. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass der Rotschopf sie jeder Zeit zur Rede stellen würde, aber er hatte sie bisher kein einziges Mal zu ihren diebischen Fingern befragt. Glaubte er etwa, dass sie unschuldig gefangen genommen worden war, oder... Vielleicht hatte er es schon von Anfang an gewusst. Einen Umstand den sie tatsächlich auch schon zuvor schon befürchtet hatte.
      So oder so wollte Neona trotzdem nicht vor seinen Augen stehlen, weswegen sie fürs erste ihre wenigen Geldvorräte auf dem Markt verteilte, bis Silver sich unerwartet laut zu Wort meldete. Angespannt und jeder Zeit für den Kampf bereit, drehte sich die junge Diebin zügig zum Untoten und blinzelte verwundert, als sie die junge Dame an dessen Arm hängen sah.
      Kurz überlegte sie, Silver zu fragen, woher er sie kannte, doch seine erschrockene und wenig glückliche Miene machte eben jene Frage überflüssig. Er hatte die Frau noch nie in seinem Leben gesehen.
      Neona wusste, dass die Dame Probleme bedeuten musste. Auch sie hatte die Soldaten in der Nähe schnell bemerkt und war sich sicher, dass sie nach ihr suchten. Aber da Neona aktuell sowieso etwas knapp bei Kasse war, wollte sie ungern das Angebot der hübschen Frau ausschlagen. Da auch Silver bereit schien, das Spiel mitzuspielen, legte die Rothaarige umgehend ihr bestes Schauspielerlächeln auf und löste sich aus ihrem dünnen Kapuzenmantel "Meine Güte, dir muss doch kalt sein, in diesen dünnen Klamotten." Sie war nicht zufrieden darüber, dass ihre auffällig roten Haare den Schutz ihrer Kapuze verlassen hatten, aber im Moment hatte man es schließlich nicht auf die Diebin abgesehen. Sie zog die junge Frau sanft an der Hand vom angespannten Silver fort und näher an sich heran, bevor sie den Mantel gekonnt um sie legte. Lehnte sich dabei nah an ihr Ohr. "Wenn das hier funktionieren soll, dann wirst du unseren gesamten Einkauf übernehmen müssen", säuselte sie ihr leise zu, bevor sie sich in der nächsten Sekunde wieder lächelnd aufrichtete. Dabei ignorierte sie den offenkundig ungläubigen Blick ihres Bruders an ihrer Seite. Zumindest schien der Junge schon bald zu verstehen, welches Spiel sie hier spielten. "Wir sollten wohl endlich nach Hause, bevor du dir noch den Tod hier draußen holst." Neona zog die Kapuze tiefer in das Gesicht der Fremden und gab ihrem Bruder mit einem nicken zu bedeuten, sich schützend auf die andere Seite der Frau zu schieben. Auf diese Weise sollten die Stadtwachen sie auf keinen Fall mehr auffinden können.
      Zum Glück schien Kobi schnell zu begreifen und legte sogar lachend seinen Arm um die junge Frau. "Meine Schwester hat recht. So schnell wie du jedes Mal zu frieren beginnst, sollten wir keine Zeit verlieren", lachte er und schob sich gemeinsam mit der Fremden selbstsicher durch die Menschenmassen.
      Neona spürte ein warmes Gefühl von Stolz in ihrer Magengrube aufsteigen. Offenkundig lag das Schauspielertalent auch in den Adern ihres kleinen Bruders. Bevor sie ihm und der Fremden folgte, nickte sie Silver noch einmal bestätigend zu.
      Zum Glück schafften sie es innerhalb kürzester Zeit vom lauten Marktplatz in eine schmale und unbeobachtete Seitengasse. Dort angekommen lehnte sich Neona erneut zur Fremden vor. "Ich sage das nur ungern, aber ich werde ganz gern vorab bezahlt. Also wenn wir dir hier raus helfen sollen, muss ich wohl auf mindestens eine Anzahlung bestehen. Außerdem glaube ich, dass wir verdienen zu erfahren, warum Soldaten nach dir suchen. Schließlich möchte ich ungern in einen Schlamassel gezogen werden, der uns potenziell den Hals kosten könnte."
    • Neu

      Silverius 'Silver' Magnus

      Während der Untote ein offensichtlich erleichtertes Seufzen von sich gab – und noch einmal seine Schulter und seinen Arm auf Löcher jeglicher Art prüfte, man konnte nie vorsichtig genug sein – wirkte die junge Frau etwas verwundert, als Neona sie von dem Unsterblichen zog und sie stattdessen in den Mantel der Rothaarigen kleidete. Jedoch schien sie recht schnell zu verstehen, dass die Beiden zu dem Blondschopf gehörten und nickte einfach nur, als die Diebin von ihr mitteilte, dass sie schon den ganzen Einkauf zahlen musste.
      Welche andere Wahl hatte sie groß? Sie zog einen Geldverlust den Soldaten sichtlich vor.
      Überhaupt nicht erfreut über den Verlauf ihres kleinen Abenteuers nickte auch Silver der Rothaarigen zu und folgte den Dreien in eine der Seitengassen, darauf bedacht die Fremde möglichst mit seinem Körper von neugierigen Blicken abzuschirmen.
      Eigentlich sollte er sich freuen, immerhin waren sie knapp bei Kassen, aber sein Gefühl sagte ihm, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Und er hatte gelernt auf dieses Gefühl zu hören.
      Als die Fremde also ihre Geschichte mit den Worten „Ich bin eine Hexe“ begann, verschluckte sich Silver an seiner eigenen Spucke und begann zu husten.
      „N-nunja... eigentlich eher ein Hexenlehrling...“, spielte die junge Frau nervös mit ihren Fingern.
      „Ich bin vor ein paar Monaten in die Stadt gekommen, aber seitdem lässt mich der Stadtherr nicht mehr gehen... also... ähm... bräuchte ich wirklich dringend eure Hilfe hier wieder raus zu kommen! Bitte! Ich... ich zahle euch auch eure ganzen Einkäufe!“, konnte man die Verzweiflung in ihrer Stimme deutlich hören.
      „Ah! Eine Anzahlung... ja? Moment... moment...“, suchte sie daraufhin ungeschickt in ihren Rocktaschen, ehe sie einen prallgefüllten Beutel mit Münzen hervorholte und diesen Neona entgegen hielt.
      „... reicht das...?“, erkundigte sie sich hoffnungsvoll.
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