How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      Die angespannten Schultern des Unsterblichen entspannten sich kaum merklich, als Neona diese Worte aussprach. Sie würde nicht abhauen. Selbst er realisierte erst jetzt, dass er doch mehr Angst davor gehabt hatte, als er erwartet hatte.
      Doch die Sorge und die Angst in ihrer Stimme ließ Silver auf andere Art und Weise aufhorchen, er hob eine Augenbraue, während Neona merklich mit sich selber stritt. Er? Wer? Finden? Etwa die Person, der sie eine Nachricht hinterlassen wollte?
      Doch anstatt nachzufragen, ließ er ihr Zeit, beobachtete, wie sie sich so fest in die Lippe biss, dass Blut von dieser tropfte. Wovor... hatte sie Angst? Ihm war durchaus bewusst, dass die Rothaarige keinen Grund hatte ihm zu vertrauen, doch er brauchte sie. Wieso nutzte sie diese Tatsache nicht aus? Niemals würde er es wagen jemandem, der ihr am Herzen lag, weh zu tun.
      Denn dann konnte er wohl kaum damit rechnen, dass sie ihm seinen Wunsch erfüllte. Selbst wenn sie dadurch sterben würde. Zumindest schien diese Person ihr mindestens so viel zu bedeuten, glaubte Silver in ihrem Gesichtsausdruck zu erkennen.
      „.... kleiner Bruder...“, murmelte der Blonde vor sich hin, als Neona ihm endlich den Grund für ihr eigenartiges Verhalten mitteilte. Sie hatte einen kleinen Bruder? Irgendwie konnte Silver ihre Sorge verstehen, ein kurzer Moment von Schmerz spiegelte sich in seinem Blick wieder... den auch er hatte eins ein kleines Geschwisterchen gehabt.
      „Keine Sorge. Wir werden ihn schon finden.“, wies er sein Pferd kurzerhand an umzudrehen und ließ dabei keine Zweifel, dass er ihr bei dieser Suche helfen würde.
      „Du hattest doch nicht wirklich vor, alleine nach ihm zu suchen, oder? Wie sieht er aus... ungefähr? Teilen wir uns auf, dann finden wir ihn schneller.“
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    • Neona

      Ungeduld peinigte ihre Brust während sie nervös auf seine Reaktion wartete, darauf hoffte, dass er sie endlich passieren ließ. Doch stattdessen... ritt er voran. "Du musst nicht..." Sie wollte erst protestieren. Ihr Leben lang hatte sie immer wieder lernen müssen, dass es mehr Nachteile als Vorteile mit sich brachte, andere in ihre Probleme mit einzubeziehen. Sie hatte gelernt, dass sie vor allem für sich selbst sorgen müsste, dass sie nicht darauf hoffen durfte, dass andere ihr helfen würden. Bär war eine der wenigen Ausnahmen in ihrem Leben, auf den diese Regel nicht zutraf. Silver hatte sie schon mehr Probleme bereitete, als sie es je wollte. Es war schon schlimm genug, dass er nun über die Existenz ihres Bruders bescheid wusste. Entsprechend war ihr erster Impuls seine Hilfe abzulehnen und doch versagte ihre Stimme mitten im Satz. Es ging hier um Kobi. Es war egal, wie sehr es ihren Prinzipien widersprechen mochte, aber im Moment war jede Form der Hilfe ein Segen. Mit den Konsequenzen konnte sie auch später noch umgehen, sobald sie ihren Bruder wieder sicher an ihrer Seite wusste. "...Danke." Ihre Stimme zitterte noch immer ein, während sie ihr Pferd dazu antrieb sich neben Silver zu schieben. Doch das Wissen über seine Unterstützung ließ auch warme Erleichterung über sie waschen. "Er ist 15 Jahre alt, aber tatsächlich bereits etwas größer und kräftiger als ich. Seine Haare sind kurz und ein wenig dunkler als meine. Früher hat man uns immer wieder gesagt, dass vor allem unsere ähnlichen Augen deutlich machen, dass wir Geschwister sind." Sie legte grübelnd Daumen und Zeigefinger ans Kinn, während sie weitere wichtige Merkmale ihres Bruders zusammensammelte. "Wahrscheinlich wird er ein altes graues Leinenhemd tragen und so wie ich ihn kennen wird er sich auch geweigert haben, dass neue Paar Lederhosen, das ich ihm geschenkt habe, auf dem Feld zu tragen." Dabei hatte sie diese extra organisiert, damit der Junge endlich vernünftig gegen Wind und Wetter geschützt war, aber er beharrte einfach darauf, dass die Hose zu wertvoll für die Feldarbeit war... "Ich wette er trägt eine dunkle und geflickte Stoffhose."
      Endlich passierten sie auch das Stadttor, bei welchem ihnen der Wachmann kurz verwunderten Blick schenkte, ansonsten aber keine Anstalten machte, sie aufzuhalten. Danach schlug Neona zielgenau den Weg zu den Feldern ein, welche sich östlich der Stadtmauern am Waldrand vor ihnen ausbreiteten. Schon aus der Ferne konnte die junge Diebin ein paar wenige Gestalten am Waldrand ausmachen, die zwischen den engen Bäumen und Sträuchern wild hin und her wuselten. Waren das die Waisenkinder, von denen Endris gesprochen hatte? Suchten sie noch immer nach ihrem Bruder? Sie sollte sich später unbedingt bei ihnen für diese Aufopferung bedanken.
      "Neona?" Ein Mädchen aus der Gruppe schien sie schließlich zu erkennen und schob sich aus dem Gestrüpp. Aufgrund ihrer schmalen und mageren Statur mochte die Kleine nicht älter als zehn Jahre erscheinen, tatsächlich würde sie aber wie Kobi im nächsten Jahr das Waisenhaus mit 16 verlassen müssen.
      "Kirstin. Konntet ihr Spuren finden?", wollte Neona ohne Umschweife wissen.
      Das Kopfschütteln der Kleinen, ließ das Herz der Diebin Richtung Magengrube sinken. "Warst du heute früh auch mit auf dem Feld?"
      Ein erneutes Kopfschütteln. "Aber keiner von den anderen hat etwas bemerkt. Niemand konnte sagen, wo und wann sie Kobi das letzte Mal gesehen hatten. Aber er muss nahe dem-" Plötzlich hielt die Kleine inne und starrte an Neona vorbei. Die Rothaarige folgte den grasgrünen Augen des Mädchens und begegnete Silvers Blick. Trotz der düsteren Situation huschte ein kurzes Lächeln über ihre Lippen. "Keine Sorge Kirstin, er ist... ein Freund." Sie wusste nicht ganz, wie sie den Unsterblichen vorstellen sollte und griff auf die kürzeste Erklärung zurück. "Ich... vertraue ihm, also sprich ruhig weiter."
      Kurz zögerte das Waisenmädchen noch, dann strich sie sich einmal durch das zerzauste und strohige Haar. "Kobi hat das Feldstück nahe des Waldes übernommen... Was wenn Sklavenhändler-"
      "Ich werde ihn finden." Trotz der wilden Panik und Angst in ihrem Herzen zwang Neona sich dazu ihre Stimme ruhig und besonnen klingen zu lassen. "Und du trommelst du anderen Kinder zusammen und kehrst ins Waisenhaus zurück."
      "Aber-"
      "Ich danke euch für eure Hilfe, aber wir wissen beide, dass die Erzieher euch für die lange Abwesenheit bestrafen werden. Außerdem dürft ihr nicht weiter in den Wald gehen."
      Neona konnte Kirstins Kiefer malen sehen. Sie wollte nicht gehen und zugleich wusste sie, dass sie nichts weiter unternehmen durfte. Die Wälder um Meridora waren zu dicht und unwegsam für die Kinder. Entsprechend war es ihnen verboten, diesen überhaupt zu betreten. Nicht zuletzt, da auch schon in der Vergangenheit immer wieder Kinder von Menschenhändlern aufgeschnappt wurden waren. Eine Sorge, die auch Neona zutiefst beunruhigte. Sie wusste nicht was schlimmer wäre: Kobi in den Fängen von Sklavenhändlern oder ihren Verfolgern zu wissen. "Ich werde ihn finden", versicherte Neona erneut mit fester Stimme.
      Dann endlich schien Kirstin sich geschlagen zu geben und nickte leise. Noch während die Kleine die anderen Kinder zusammentrommelte richtete sich Neona an Silver. "Das Gelände ist zu unwegsam für die Pferde. Wir werden zu Fuß suchen müssen", erklärte sie und stieg vom Rücken ihrer Stute, deren Zaumzeug sie an einem Ast festband. "Wahrscheinlich wird man Kobi wirklich durch den Wald geschleppt haben..." Alleine diese Vorstellung ließ einen neuen Kloß in ihrer Kehle wachsen. Sie musste ihn mühevoll hinunterschlucken, bevor sie weiter sprechen konnte. "Durch den Wald führen allerdings mehrere Schmugglerrouten, wahrscheinlich haben die Entführer diese gewählt. Zwei liegen weiter süd- und südöstlich von ihr, während eine dritte im Norden zu finden ist." Doch wenn sie sich aufteilten, würden sie nur zwei Wege kontrollieren können und es blieb einfach nicht genug Zeit die dritte Route aufzusuchen. Der neue Schmerz in ihrer Unterlippe - kaum dass sie eben diese erneut zwischen ihre Zähne saugte - schien ihre Sorgen nur noch zu intensivieren. Aber sie musste überlegt vorgehen. Welche Route würden die Entführer wählen? Wo würde man Kobi hinbringen wollen? Die Nordroute führte nach einigen Kilometern zum internationalen Pass. Eine Straße, die über das Tharin-Gebirge zum Nachbarreich führte. Eine Route die Neona in der Zukunft eventuell auch nehmen würde, sollte sie das Königreich wirklich verlassen wollen. Gleichzeitig war es eine bevorzugter Übergang den auch Sklavenhändler nutzen, um ihre "Ware" im Ausland auf den Markt zu stellen. Die anderen Wege führten zurück ins Landesinnere, wobei der Südpass irgendwann auf die Zentralstraße Richtung Hauptstadt lief. Sollte ihre Befürchtung wahr sein, und Kobi war in die Finger ihrer Verfolger gelangt, würden sie sicherlich zurück ins Landesinnere reisen, sollte es sich allerdings um Menschenhändler handeln...
      Verzweifelt fuhr sie sich durch das Gesicht. Selbst mit Silvers Hilfe würde sie nicht alle Pfade kontrollieren können, vor allem dass sich der Unsterbliche in der Gegend nicht auskannte. Außerdem müssten sie sich soweit aufteilen, dass sie im Falle einer Konfrontation alleine wären. Was sollte sie also tun? Könnte sie die Entführer selbst bezwingen? Vor einigen Minuten hatte sie noch nicht die Ruhe gehabt, sich diese Fragen überhaupt zu stellen. Sie hatte vor gehabt, allein nach ihrem Bruder zu suchen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt etwas würde unternehmen können. Wie naiv... Und dennoch blieb kaum eine andere Wahl. "Ich... Ich werde im Süden nach ihm suchen... Irgendetwas sagt mir, dass meine Verfolger hinter all dem stecken." Warum sonst hatte man gerade Kobi aus all den Kindern ausgewählt? Warum sonst war er gerade jetzt verschwunden? Und wenn es doch nur ein Zufall war und Sklavenhändler hinter allem steckten. "Ich..." Sie raufte sich die Haare. "Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll... Was wenn man ihn doch in den Norden verschleppt hat? Was..." Sie schüttelte den Kopf. "Ich muss ihn einfach so schnell es geht finden. Du... Kannst du auf dem Südöstlichen Pfad schauen, ich werde dir zeigen wo er ist." Sollten es wirklich Menschenhändler sein, wusste Neona zumindest wohin man ihren Bruder bringen würde. Sie wusste nicht, ob sie die richtige Entscheidung traf, aber ihr kleiner Bruder war stark und sie würde ihn zur Not einfach freikaufen können. Aus den Fängen ihrer Verfolger könnte sie ihn allerdings viel schwieriger lösen, deswegen musste das ihre Priorität werden.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Natürlich war sich Silver durchaus bewusst, dass er ihr nicht helfen musste. Aber was war die Alternative? Sich in der Herberge zurück ziehen und darauf zu warten, dass Neona es schon schaffte ihren kleinen Bruder alleine zu finden? Wer sagte ihm denn, dass sie ihn überhaupt in kürzester Zeit finden würde? Und Zeit hatten sie keine.
      Außerdem war da noch ein kleiner, überraschend menschlicher Teil in ihm, dass ihr schlicht und einfach helfen wollte.
      Er nickte nur, als sie sich bei ihm bedankte und er ließ sein Pferd ein wenig langsamer laufen, damit sie sich neben ihn einreihen konnte. Aufmerksam lauschte er der Beschreibung ihres kleinen Bruders, nickte hin und wieder, um ihr zu zeigen, dass er verstanden hatte und versuchte sich den Jungen in Gedanken vorzustellen.
      Also etwas größer als Neona, das Haar ein wenig dunkler... wahrscheinlich auch etwas kürzer? Die gleichen Augen und... ein Junge. Das müsste er doch hinbekommen. Wie viele Jungen konnten in der Gegend schon alleine umher laufen? Vor allem welche, die anscheinend in Gefahr waren?
      Erst als sie auf die Gruppe von Kindern trafen, die bereits nach dem Jungen suchten und er dem Gespräch mit Neona lauschte, wurde ihm bewusst, dass es hier wohl nicht nur darum ging, dass Kobi sich verlaufen hatte.
      Er nickte und tat es Neona gleich, als sie ihm mitteilte, dass sie ohne die Pferde weiter suchen sollten. Zumindest hieß das, dass auch Kobis Entführer zu Fuß unterwegs sein mussten.
      „... wir werden ihn schon finden.“, versuchte er ihr irgendwie in ihrer ganzen Panik Mut zu machen und legte gar – wenn auch etwas zögernd – die Hand auf ihre Schulter, wusste jedoch nicht so recht, ob es ihm gelang.
      „Lass uns erst einmal nach Spuren suchen. Fußspuren, Haare, vielleicht ein Stück abgetrenntem Stoff... irgendetwas wird sich doch finden lassen.“, fügte er hinzu und folgte der Rothaarigen, während er die Gegend aufmerksam betrachtete.
      „... sieh mal. Hier hat jemand versucht Spuren zu verwischen.“, stoppte der Unsterbliche und setzte sich in die Hocke, um den Waldboden besser betrachten zu können. Es waren zwar keine Fußspuren zu erkennen, aber der Boden war etwas... zu glatt um natürlichen Ursprungs zu sein.
      Wer auch immer vor kurzem hier entlang gewandert war, wollte nicht verfolgt werden.
      „... hier gibt es also Menschenhändler?“, stellte er letztendlich eine Frage, die ihm schon etwas länger auf der Zunge lag.
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    • Neona

      Erst ließ die hand auf ihrer Schulter sie kurz zusammenzucken, dann schien die ausgehende Wärme langsam auch beruhigend auf ihren angespannten Körper zu wirken. "Danke...", murmelte sie kaum hörbar und zwang sich dazu ruhiger zu atmen. Wer hätte gedacht, dass der Untote doch so mitfühlend und aufmerksam sein konnte. Sicherlich war zwar sein einziges Ziel, dass sie so bald wie möglich wieder ihre Reise antreten konnten, um seinen Fluch zu lösen, aber das war Neona egal. Schließlich hätte er sich auch dazu entschließen können, sie gewaltsam mit sich zu schleifen, anstatt gemeinsam nach ihrem kleinen Bruder zu suchen.
      Zum Glück schien sein Schädel im Gegensatz zu ihr, noch ruhige und besonnene Gedanken formulieren zu können und auch seine Augen waren deutlich aufmerksamer als ihre. Normalerweise hätten auch ihr die verräterischen Spuren auf dem Waldboden nicht entgehen sollen, aber Angst und Sorge mussten ihren Geist benebelt haben. "Du hast Recht." Hoffnung und Zuversicht machten sich in ihr breit. Sie waren also wahrscheinlich wirklich auf dem richtigen Pfad. Sie hockte sich neben ihn und ließ die Finger über den Waldboden gleiten. Egal wer hier seine Spuren verwischt hatte, musste es eilig gehabt haben. Neona selbst hatte in der Vergangenheit auch den ein oder anderen Verfolger abschütteln müssen und kannte diverse Techniken, um ihre eigenen Spuren zu verwischen. Die Männer hier waren sicherlich auch keine Amateure, doch wahrscheinlich hatten sie nur begrenzt Zeit gehabt, oder Kobi hatte ihnen das Leben so schwer gemacht, dass sie ihn schneller vom Waldrand entfernen mussten. "Es sollte einfach werden, dieser Spur zu folgen." Silvers überlegtes Vorgehen, ermöglichte es auch endlich der Rothaarigen etwas mehr Ruhe zu gewinnen und ihre Gedanken zu bündeln. Plötzlich erkannten ihre Augen immer mehr abgebrochene Zweige und weitere verwischte Spuren, die an einigen Stellen ausladender wirken, als an anderen.
      Kobi muss sich wirklich mit allen Mitteln gewehrt haben.
      Hoffentlich hatten sie ihm nichts getan... Was wenn sie ihn so lange geschlagen hatten, bis er sich endlich ergab? Sie versuchte die neu aufkommende Panik frühzeitig herunterzuwürgen. Sie musste besonnen bleiben und stattdessen einfach weiter den Spuren folgen. Mit allem anderen konnte sie sich auch noch auseinandersetzen, sobald sie ihren Bruder gefunden hatten.
      Bei Silvers Frage nickte sie langsam. "Ja. Zwar wurde der Handel von Menschen schon vor vielen Jahrzehnten verboten, aber viele unserer Nachbarländer haben da andere Gesetzte. Deswegen sind Menschenhändler vor allem nahe der Grenzen sehr aktiv... wie auch in dieser Gegend." Vor allem Waisenkinder wie ihr Bruder und Neona waren häufige Ziele, schließlich wurden sie deutlich weniger vermisst und gesucht. Eben deswegen hatte die Diebin auch immer wieder darauf bestanden, dass ihr Bruder sich in der Selbstverteidigung übte und hatte in der Vergangenheit regelmäßig mit ihm trainiert. Sie hatte sich von ihm versprechen lassen, nie alleine das Waisenhaus zu verlassen und verlangt, dass er nach Sonnenuntergang nicht mehr vor die Tür ging... Nie hätte sie erwartet, dass der Junge inmitten seiner Kameraden am frühen morgen aufgegriffen werden würde. Noch ein weiterer Grund um an der Theorie mit den Verfolgern festzuhalten. "Leider scheint das aktuelle Königshaus sich wenig für entführte Kinder an den Randregionen zu interessieren", berichtete Neona düster, während sie sich unter einem tief hängenden Ast hindurchduckte. "Daher haben sich die Vorfälle gehäuft... Einige böse Zungen behaupten sogar, dass ein paar junge Burschen und Mädchen innerhalb der Ländergrenzen an reiche Adlige verkauft werden..." Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie deren Schicksal nur aussehen mochte. Zugleich betete sie zu allen Göttern, dass Kobi niemals Teil dieser Opfer werden würde.
      "Da!" Neue Aufregung machte sich in Neonas Brust breit, als sie einen hellen Stofffetzen an einem nächsten Strauch finden konnte. Schnell griff sie den alten Leinen und musterte ihn im Schatten des Waldes. "Das muss Kobi gehören", schlussfolgerte sie, während sie den ausgeleierten und alten Stoff betrachtete. "Wir... sind wirklich auf dem richtigen Weg." Ein erleichtertes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie zu Silver aufschaute. "Danke, dass du mich begleitest. Ohne dich hätte ich wahrscheinlich nicht einmal die Ruhe gefunden, diese offensichtlichen Hinweise zu erkennen."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche nickte mit einem Lächeln, froh darüber, dass Neona sich langsam wieder beruhigte.
      Nachdem sie die ersten Spuren entdecken, schien es mehr und mehr zu geben, als wüssten seine Augen nun wieder, worauf zu achten gab und er fragte sich, ob diese Menschenhändler vielleicht gefunden werden wollten. Oder schlicht und einfach nicht erwarteten, dass ihnen jemand folgen würde.
      Immerhin schien es nicht das erste Mal gewesen zu sein, dass ein Kind entführt wurde.
      "Mhm... dieses Land scheint nicht gerade eines zu sein, in dem man gerne wohnt.", konnte sich Silver nicht daran erinnern, dass Neona jemals etwas Gutes über ihre Heimat zu sagen hatte.
      Aber wie auch, in einem Land wo Armut und Korruption anscheinend auf der Tagesordnung stand?
      Er nickte mit einem Lächeln, als sie den Stofffetzen fand.
      "Gerne. Vielleicht denkst du daran, bevor du das nächste Mal abhaust.", zwinkerte er ihr spielerisch zu, ehe er wieder ernst wurde und die Hand an die Lippen legte.
      "Wahrscheinlich sind sie nicht mehr weit, wir sollten leise sein.", fügte er hinzu, bevor sie auf leisen Sohlen mit schnellen Schritten dem Pfad folgten, der Untote dich hinter der Diebin.
      Es dauerte nicht lange, bis sie eine Gruppe von vermummten Männern einholten, die immer wieder stehen blieben um ihre Spuren zu verwischen.
      Schnell und unpräzise, wahrscheinlich hatte das bisher jedenfalls gereicht.
      Und wer lag da gefesselt und geknebelt über der Schulter einer der Männer? Der Haarfarbe nach musste es Kobi sein. Er wirkte wie jemand, der sich aus leibeskräften gewehrt hatte, jedoch die Energie dafür einfach nicht mehr übrig hatte.
      "Endlich gibt der Knirps mal Ruhe, wurde aber auch Zeit!", schnaufte einer der Männer genervt.
      "Du hättest mich ihn einfach schlagen lassen sollen!"
      "Wir kriegen ganz schön viel Geld für den Burschen, als ob ich zulasse dass du ihn verletzt! Die Ware muss unversehrt bleiben!"
      "Ach komm, als ob ich nicht weiß wie man jemanden schlägt, ohne sichtbaren Schaden zu verursachen... wäre in den nächsten Tagen eh verheilt."
      "Nix da! Und jetzt Lauf weiter, dieser verdammte Wald geht mir auf den Keks.", stellte der Mann sicher, dass der Junge auf seiner Schulter sicher lag und er ihn fest im Griff hatte, bevor sie ihren Weg fortsetzen.
      "... okay... hast du einen Plan?", erkundigte sich Silver flüsternd bei Neona, die die Szene aus dem Gebüsch heraus beobachtet hatten. Er wollte ihr überlassen, wie mit der Situation umzugehen war, immerhin ging es hier um ihren kleinen Bruder.
      Gleichzeitig behielt er einen aufmerksamen Blick auf die Rothaarige, nicht dass sie wieder emotional wurde und etwas dummes tat.
      Wäre das da sein Geschwisterchen gewesen, wäre er wahrscheinlich einfach hinein gestürzt.
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    • Neona

      Ein Land in dem man nicht gerne wohnt? Irgendwie war das etwas, dass es bisher noch nie in Neonas Gedanken geschafft hatte. Sicher: ihr Leben war sicherlich alles andere als rosig gewesen und sie verachtete die Adligen und das neue Königshaus für eine Vielzahl ihrer Taten, aber sie wusste nicht, ob das hinter den Landesgrenzen wirklich besser sein würde. Tubalda grenzte an insgesamt drei weitere Reiche, wobei es mit zwei verbündet war und mit dem dritten immer mal wieder in Auseinandersetzungen geriet. Besagtes drittes Reich - Iranduin - würde auch ihr Ziel für eine Flucht werden, sollte es soweit kommen. Selbst ein hochrangiger Adliger aus Tubalda würde hinter diesen Landesgrenzen keinen wirklichen Einfluss mehr haben, außerdem soll Iranduin angeblich Heimat vieler Gesetzloser sein. Wahrscheinlich war dort deswegen auch Menschenhandel noch eine häufig gesehene Sache. Neona wusste nicht, ob es besser für sie wäre, dort zu leben. Eventuell würde es sogar härter werden. Aber alles wäre besser, als weiter unter ihren Verfolgern leiden zu müssen und mit dem sicheren Tod zu rechnen.
      Bevor sie diese Zukunftspläne allerdings weiter verfolgen könnte, gab es wichtigere Dinge zu erledigen, wobei Silver ihr erneut klar zu machen schien, dass ihm ihr vorheriges Verhalten wenig zugesagt hatte. "Ich bin nicht 'abgehauen'", verteidigte sich die Diebin. "Ich... wollte dich nur nicht noch mehr in meine Angelegenheiten hineinziehen, als ich es schon getan habe." Außerdem fand sie es nach wie vor etwas--- gruselig, dass er mehr und mehr über sie zu erfahren begann, nachdem sie gefühlt ihr Leben lang alles und jeden von ihr ferngehalten hatte.
      Ihre Gedanken schoben sich schon bald in den Hintergrund, als der Untote deutlich machte, dass sie ihre Ziel bald erreicht haben mussten. Der Umstand, dass die Entführer in all der Zeit nur so wenig Strecke hatten zurücklegen können, machte deutlich, dass Kobi sich einerseits gut zur Wehr gesetzt haben musste und anderseits, dass die Männer wahrscheinlich nie diese Strecke abwanderten. Sollten es vielleicht wirklich einfache Menschenhändler sein, die normalerweise die kürzeste Route zur Landesgrenze wählten. Dass sie nun weiter Land einwärts wanderten... Hatte man sie eventuell eingekauft, um Kobi zu entführen? Damit war sich Neona schließlich sicher: Das hier hatte mit ihrem Auftraggeber zu tun. Das Gespräch, dass sie wenig später belauschen konnten festigte ihre Theorie nur noch mehr und auch wenn pure Wut in ihrer Magengrube entfachte, war sie zumindest erleichtert darüber, dass diese elenden Mistkerle ihren Bruder nicht weiter geschlagen hatten. Trotzdem ballte sie ihre Fäuste zu festen Bällen zusammen, während sie die Zähne so fest zusammenpresste, dass ein beißender Schmerz durch ihren Kiefer wanderte.
      Silvers Frage an ihrer Seite, ließ ihren beißenden Blick endlich von den Entführern zu ihrem Begleiter wandern. Hatte sie denn einen Plan? Nicht wirklich, aber bei der Anzahl an Gegnern würden sie dringend einen brauchen. "Wir brauchen eine Ablenkung", schlussfolgerte sie schließlich leise und kramte in ihrer Reisetasche. Die alte Zwille die sie wenig später aus den Untiefen ihres Gepäcks beförderte war eigentlich ihre Jagdwaffe, aber um nichtsnutzige Menschenhändler auszuschalten sollte sie auch gut taugen. "Wir sollten sie umrunden und sie von den Seiten aus attackieren... allerdings habe ich hiervon nur eine." Sie hielt demonstrativ die Zwille in die Höhe. "Wenn ich sie von einer Seite aus attackiere und ihre Aufmerksamkeit auf mich lenke... Meinst du du kannst meinen kleinen Bruder befreien?" Sie konnte selbst kaum glauben, dass sie diesem Mann mittlerweile so sehr vertraute, dass sie ihm sogar Kobis Rettung überließ. Doch er war stärker als sie und könnte den geschwächten Jungen zur Not auch einfach davon tragen. Sie wäre dafür schnell und agil genug, die Männer lange genug zu beschäftigen, ohne in ihre Fänge zu geraten. "Oder hast du eventuell einen besseren Plan?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche hob auf Neonas Worte hin eine Augenbraue. Sie wollte ihn nicht weiter in ihre Angelegenheiten ziehen? Als ob das möglich wäre. Sie sprach ja fast so, als könnte Silver einfach seiner Wege gehen, sobald das alles vorbei war, was ihm ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen zauberte, gefolgt von einem amüsierten Laut.
      Dabei wäre er am Ende dieser Reise tot. Selbst wenn er Neonas Geheimnisse verraten oder diese Informationen gegen sie verwenden wollen würde –worin er in diesem Moment nun wirklich keinen Sinn sah, was sollte er schon von einer einfachen Diebin wollen? - würde er es doch nicht tun können. Und das war schon gut so. Immerhin wollte er das so. Den Tod.
      „Neona.“, schüttelte er noch immer amüsiert den Kopf und betonte ihren Namen, sprach ihn besonders langsam aus, als bräuchte er für die folgenden Worte all ihre Aufmerksamkeit, „Ichbin deine Angelegenheit. Und du bist meine. Ob du das willst oder nicht, wir sind auf eine komische, eigenartige Art und Weise miteinander verbunden.“, zeigte er auf ihre Hand, wo sich das schwarze Mal verbarg, „Ich bin dein Leben und du bist mein Tod. Wir sind voneinander abhängig. Wie könntest du mich da noch tiefer in deine Angelegenheiten ziehen? Hast du Geheimnisse, die selbst mich verblüffen würden?“, folgte ein weiteres, kurzes amüsiertes Auflachen.
      Natürlich konnte sich Silver, der von einer Hexe zum ewigen Leben verdammt wurde, viele Leben hinter sich hatte und gar schreckliche Schmerzen ausgestanden hatte, kaum vorstellen, dass die rothaarige Diebin Dinge vor ihm verbarg, die ihn gar schockieren könnten.
      Sie hatte einen Bruder. Okay. Und? Gab es einen Grund, diese Tatsache vor ihm zu verbergen? War ihr Bruder ein Hexer? Teil einer großen Prophezeiung? Die Wiedergeburt eines Gottes? Der heimliche Sohn des Königs? Selbst wenn, Silver konnte es nicht egaler sein.
      Er hatte nur ein Ziel vor Augen und um dieses zu erreichen, brauchte er Neona. Er würde sich sogar einer Hexe stellen, wenn es bedeuten würde, dass sie ihm gab, was er wollte.
      „Was für Geheimnisse auch immer du verbirgst: ich werde sie mit in mein Grab nehmen.“, wurde das Grinsen des Unsterblichen ein Stückchen breiter und das Funkeln in seinen Augen barg einen Wahnsinn, den nur das ewige Leben hervorbringen konnte.
      „Selbst unter der größten Folter würde ich kein Wort verlieren. Man kann mich noch so oft töten... ich werde nichts tun, was dich vertreiben könnte.“, wich der Wahnsinn einer kalten Entschlossenheit. Lieber würde er die schlimmsten Momente seines Lebens wieder und wieder erleben.

      Silvers Blick ruhte für einen Moment auf der Zwille, während er sich den Plan – wenn man es den wirklich als einen Plan bezeichnen konnte, aber aus Erfahrung wusste er, dass die einfachsten Pläne meistens die besten waren – durch den Kopf gehen ließ, ehe er seinen Blick zurück auf die Gruppe von Männern richtete. Der Blondschopf zählte drei Männer. Damit sollte er umgehen können.
      Also nickte er.
      „Schaffst du es den Mann mit Kobi auf den Schultern von den anderen ein wenig zu trennen? Dann nehmen wir die Beine in die Hand und renne. Zumindest nehme ich an, dass es dir lieber ist, wenn ich meine Handschuhe anbehalte?`“, erkundigte sich der Unsterbliche mit einem schmunzeln.
      Wenn er ehrlich war, war er sogar ein wenig verblüfft, dass die Rothaarige ihm eine solche Aufgabe zutraute. Geflissentlich prüfte er noch einmal seine Handschuhe und Ärmel, ging sicher, dass kein einziges Stück Haut hervorblitzte.
      Er hatte es im Gefühl. Wenn er das hier vermasselt, dann war es das. Dann würde sie ihm niemals den Tod schenken.
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    • Neona

      Es war seltsam ihren Namen so aus seinem Mund zu hören. Wahrscheinlich war das aber genau sein Ziel, schließlich klebte sie ihm später förmlich an den Lippen. Er war also bereits ein Teil ihrer Angelegenheiten, ja? Sie ließ den Blick von seinem Gesicht auf den Boden vor ihren Füßen sinken. Wahrscheinlich hatte er recht mit seinen Worten. Sie waren beide auf eine recht einzigartige Art und Weise miteinander verbunden. Kurz huschte ihre Blick zu dem permanent kribbelnden Mal auf ihrer Handfläche. Der Umstand, dass es in der Nähe des Untoten deutlich weniger schmerzte sollte wahrscheinlich beweis genug für diese Verbindung sein. Genauso wie der Umstand, dass sie bei seiner Berührung nicht starb. Und doch... "Wenn ich sterbe, bevor wir unser Ziel erreichen... oder uns die Hexe nicht helfen kann... Dann wirst du meine Geheimnisse deutlich länger mit dir herumschleppen, als mir lieb gewesen wäre." Ein bitterer Unterton steckte in ihrer Stimme. Sollte diese Reise wirklich mit ihrem Tod enden, was würde dann mit Kobi passieren? Er mochte zwar ein intelligenter und aufgeweckter Junge sein, aber die Chancen eines Waisenkindes auf ein gutes Leben waren dennoch verschwindend ernüchternd. Neona konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ihr kleiner Bruder nach ihrem Tod ähnliche Dinge auf der Straße durchleben musste, die sie teilweise nur mit Glück überlebt hatte. Eben deswegen durfte sie jetzt noch nicht sterben. Sie hatte sich geschworen, für Kobi da zu sein... gleichzeitig war es wohl nicht das erste Mal, dass sie mit dem Gedanken konfrontiert worden war, was nach ihrem Tod wäre. Auch schon vor dem Fluchmal an ihrer Hand. Schließlich war sie öfter als gewollt in tödliche Situationen geraten und ihnen nur mit Mühe und Not entkommen.
      Als Silver plötzlich davon zu sprechen begann, selbst unter Folter keine Geheimnisse zu verraten geriet die junge Diebin kurz ins stocken. Sie glaubte ihm auf Anhieb, nicht nur, weil sie diesen durchdringenden Ausdruck in seinen Augen ausmachen konnte, sondern auch weil sie sich plötzlich an die Nacht seines Albtraumes erinnerte. Irgendetwas verriet ihr, dass er in der Vergangenheit immer wieder unermessliche Schmerzen durchlebt haben musste. Auch wenn eben dieser Umstand ihre Nackenhaare zu Berge stiegen ließ, war sie von seinen Worten ein wenig beruhigt. "Das möchte ich hoffen, ansonsten würde ich dich nach meinen Tod als rachsüchtiger Geist heimsuchen", versicherte sie mit warnend gehobenen Zeigefinger und einem feinen Lächeln. Es war erstaunlich, dass dieser Mann ihre Laune immer wieder auf die seltsamsten Weisen heben konnte... Vielleicht... Vielleicht könnte sie ihm wirklich mehr antrauen, als sie glaubte. Sollte sich innerhalb ihrer Reise tatsächlich herauskristallisieren, dass sie es nicht rechtzeitig schaffen würden... Neona könnte ihm eventuell sogar die Lagerplätze ihrer Ersparnisse anvertrauen. Sie war sich sicher, dass Silver nicht an irgendwelchen Schätzen und Geldern interessiert war. Also vielleicht könnte er ihrer statt das Geld zu ihrem Bruder bringen? Natürlich hoffte sie darauf, das eben dies niemals nötig werden würde. Allerdings wäre es mittlerweile wohl nur vernünftig, wenn sie auch mit dem schlimmsten rechnete.

      Er schien mit ihrem Plan einverstanden zu sein, noch dazu schien er verstanden zu haben, dass sie sich bei diesem Plan keine menschlichen Aschehaufen wünschte. Nicht nur, dass sie eben diese für ihren Geschmack in den letzten Tagen zu oft hatte sehen müssen, hier ging es auch noch um ihren Bruder. Was wenn die tödlichen Finger des Untoten auf der Suche nach den Entführern aus Versehen Kobi fanden? Selbst wenn es ein Versehen gewesen wäre, sie würde es ihm nie verzeihen können... Außerdem wäre in dieser Sekunde auch ihr Lebenswillen erloschen. Eventuell hatte Silver dies instinktiv verstanden und richtete seine Kleidung, auf dass neben seinem Gesicht kein Zentimeter Haut ans Tageslicht fand.
      "Wenn ich richtig ziele, sollte ich einen Sogar mit einem guten Schuss ohnmächtig bekommen", meinte Neona schließlich, während sie ihre alte Zwille auf ihre Funktionsfähigkeit prüfte. "Danach werden sie allerdings entsprechend alarmiert sein. Sei also bitte vorsichtig." Ihre Sorge lag dabei weniger darin, dass der Blondschopf verletzt werden könnte, sondern dass bei einem eventuellen Kampf einer seiner Handschuhe verrutschen könnte. Entsprechend lagen ihre Auge für mehrere Sekunden auf besagten Handschuhen, bevor sie schließlich einmal tief durchatmete und Silver ein weiteres Mal in die Augen blickte. "Sobald ich einen der Männer getroffen habe, wird der andere nach mir suchen wollen. Das sollte genügen, um Kobi aus den Fängen des letzten zu befreien. Gib mir ein Zeichen, sobald du erfolgreich warst, dann solltest du mit meinem Bruder in die Richtung fliehen aus der wir gekommen sind, ich werde folgen, sobald ich meine eigenen Verfolger abgeschüttelt habe." Mit diesen Worten gab sie Silver mit einem Fingerzeig zu bedeuten, dass sie ihren Plan in die Tat umsetzen sollten, und schlich wenig später in einem weiten Bogen um Kobis Entführer herum. Auf dem Weg hatte sie dabei mehrere kleine Steine vom Waldboden gesammelt, die ihr als Munition für die Zwille dienen würden. Sie wartete noch einige Momente, bevor sie eben diese in Position brachte, um sicher sein zu können, dass auch Silver auf der anderen Seite genug Zeit fand, um sich bereit zu machen. Dann zielte sie mit der Waffe auf die Schläfe eines Entführers, zog den Gummi bis zum Anschlag und hielt für eine Sekunde den Atem an. Mit einem leisen Zischen löste sich der Stein aus dem Geschoss, sauste zwischen den Bäumen vorbei und traf mit dumpfen Ton genau ins Schwarze.
      "Was zum...?!" Leider wurde ihre Hoffnung enttäuscht. Auch wenn ihr Opfer schwer ins Taumeln geriet und schwer aus der entstandenen Platzwunde zu bluten begann, war der Schlag offenkundig nicht heftig genug gewesen, ihn ins Land der Träume zu befördern. Stattdessen huschten seine zornigen Augen in ihre Richtung.
      "Was ist jetzt schon wieder?", knurrte einer seiner Kameraden, bevor er die Verletzung sehen konnte. "Was? Bist du gegen einen Baum gelaufen?"
      "Natürlich nicht! Ich wurde angeschossen." Sein Finger zeigte vage in die Richtung, in welcher sich Neona hinter dem Gebüsch verbarg.
      "Bist du dir sicher? Vielleicht ist auch nur eine schwere Eichel auf deinen Dickschädel geknallt."
      "Im Frühling?! Ich wurde definitiv angeschossen."
      Neona hatte keine Zeit sich weiterhin diese unnützen Diskussionen der Männer zu belauschen und belud ihre Zwille stattdessen erneut, zielte ein weiteres Mal auf den Schädel ihres Opfers. Als sie dieses Mal genau zwischen die Augen eben jenen Traf, stolperte er rückwärts und sackte schließlich wie erhofft in sich zusammen. Sie war sich nicht sicher, ob er wirklich ohnmächtig war, aber kampfunfähig war er alle mal.
      "Was?! Wer?!" Knurrend zog sein Kollege ein Kurzschwert aus seinem Waffenhalfter und stierte zielsicher in Neonas Richtung.
      "Sollen das etwa die anderen Waisenkinder sein? Sind sie uns etwa doch gefolgt?", wunderte sich der dritte Mann im Bunde, welcher noch immer den erschöpften Kobi über die Schulter trug.
      "Die Angriffe scheinen nur aus einer Richtung zu sein, also wird es wenn dann wohl nur eins dieser Rotzbälger sein", vermutete der Schwertträger. "Pass auf den Bengel auf. Ich kümmere mich darum." Endlich schien ihr Plan aufzugehen. Neona belud ihre Zwille erneut und zielte auf den näher kommenden Mann. Dieser schien mit dem Angriff aber bereits zu rechnen und wisch dem sausenden Steingeschoss geübt aus. Stattdessen wusste er nun genau, wo er die junge Frau suchen musste und kam unbeirrt auf sie zugelaufen. Umgehend sprang die junge Diebin aus ihrem Versteck und nahm reis aus. "Bleib hier, du Drecksbalg! Du entkommst uns sowieso nicht!" Neona lief unbeirrt weiter. Mittlerweile sollte sie genug Abstand aufgebaut haben, damit Silver unbehelligt Kobi befreien konnte.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Das... stimmt wohl.“, musste der Unsterbliche zugeben, dass er an diese Möglichkeit gar nicht gedacht hatte. Man sah ihm deutlich an, dass er sich keine Gedanken darüber gemacht hatte, was mit Neonas Geheimnisse passieren würde, wenn diese Reise kein gutes Ende nahm. Oder vielleicht wollte er auch schlicht und einfach nicht daran denken. Warum sollte er? Es war seine einzige Chance und die würde er nicht so einfach wieder los lassen.
      „... aber das wird nicht passieren.“, fügte er hinzu, wenn auch nicht mehr ganz so entschlossen wie zuvor. Viel mehr krallte er sich daran, dass nichts schief gehen würde. Dass nichts schief gehen durfte.
      Amüsiert schnaufte der Untote, als Neona ihm versicherte, als rachsüchtiger Geist wieder zu kommen, wenn sie ihre Geheimnisse doch verraten würde.
      „Da bringst du mich aber in Versuchung, immerhin hätte ich dann wenigstens etwas Gesellschaft.“, kommentierte Silver mit einem Grinsen und tatsächlich spielte er mit dem Gedanken, es auszuprobieren, sollte diese Reise nicht das Ende nehmen, dass sich die Beiden wünschten.
      Immerhin gab es einen Unsterblichen wie ihn, warum sollte es dann nicht auch Geister geben?

      „Keine Sorge. Ich werde keine Risiken eingehen.“, versicherte ihr der Blondschopf, während er methodisch seine Handschuhe richtete und prüfte, wie er es tausend Male zuvor bereits getan hatte.
      Er blickte auf, als sie ihm den weiteren Verlauf des Planes erklärte und nickte immer mal wieder, um ihr zu verstehen zu geben, dass er zuhörte.
      Als sie davon redete, nach zu kommen, wenn sie ihre eigenen Verfolger abgeschüttelt hätte, hob er eine Augenbraue.
      „Und wenn nicht?“, stellte er in den Raum, „Was, wenn du es nicht schaffst deine Verfolger abzuschütteln? Gibst du mir dann ein Zeichen?“
      Nicht, dass er an ihren Fähigkeiten zweifelte.... naja, irgendwie schon. Wenn er ehrlich war, wusste er nicht viel über ihre Fähigkeiten, nur, dass sie eine Diebin war. Sie konnte also nicht ganz so unfähig sein... aber der Gedanke daran, was in den Gassen der letzten Stadt passiert war, ließ ihn vorsichtig werden.
      „... solltest du nach zwanzig Minuten nicht mehr auftauchen, komme ich dich suchen. Verstanden?“, war es weniger ein Vorschlag, als mehr eine Feststellung. Immerhin brauchte er sie.

      Silver nickte der Rothaarigen zu, als sie ihm zu verstehen gab, dass sie den Plan in die Tat umsetzten würde und während sie einen Bogen um die Entführer machte, tat er es ihr gleich, nahm jedoch die andere Seite, dabei bedacht sich dem Mann mit Kobi auf den Schulter so nah wie nur möglich zu nähern, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
      Als er glaubte eine gute Position zu erhalten, verharrte er im Dickicht, wartete... und konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, als er den ersten Aufruf vernahm.
      Wie ein Raubtier blieb er in seinem Versteck, wartete geduldig auf seine Chance... die nicht lange auf sich warten ließ.
      Der verbliebene Menschenhändler begann Neona hinterher zu jagen, während der Mann mit Kobi auf den Schultern ihnen hinterher blickte, aber keine Gefahr zu spüren schien. Oder auch nur zu ahnen.
      Es musste bisher ziemlich einfach gewesen sein in diesen Wäldern an ihre Beute zu kommen, wie?
      Der Untote nutzte seine Chance, sprang aus dem Dickicht und entriss dem Menschenhändler seine Beute, welcher nicht damit gerechnet hatte, wodurch es umso einfacher war.
      „Was zum-?! Dreckssack, das ist meine Ware! Gib ihn mir wieder zurück!“, wurde er sogleich angeknurrt und sein Gegenüber verlor keine Zeit nun nach seiner Waffe zugreifen und damit den Unsterblichen zu attackieren... der zwar nicht hätte ausweichen müssen, es aber doch tat, weil es sich sonst weniger einfach rennen lassen würde.
      „Ware? Nennt man kleine Jungen heutzutage so?“, konnte er es sich nicht verkneifen den Menschenhändler zu provozieren – was seiner Erfahrung nach nur zu schlechten Entscheidungen führte – und nach ein paar weiteren geschickten Ausweichmanövern landete der Säbel seines Gegenübers in einem Baum und Silver nutzte sogleich die Chance um reiß aus zu nehmen.
      „Was zum... Arschloch! Sohn einer Hure! Bleib gefälligst hier!!“, wurde hinter ihm geflucht und verzweifelt an der Waffe gezogen, während der Blondschopf sich bereits einen Weg durchs Dickicht bahnte.

      Als er sich sicher war, dass sie nicht mehr verfolgt wurden, blieb er letztendlich stehen und setzte den Jungen in seinen Armen ab, lehnte den noch immer gefesselten Kobi gegen den nächstgelegenen Baum.
      „... warte bis deine Schwester wieder da ist, okay?“, flüsterte er ihm zu, ohne Anstalten zu machen, ihn von seinen Fesseln zu befreien. Er traute sich nicht so recht. Immerhin war er Neona wichtig, da wollte er ihn lieber nicht berühren, wenn es nicht sein musste. Er wirkte fast schon erleichtert darüber ihn nicht mehr tragen zu müssen.
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    • Neona

      Er schien beinahe vergessen zu haben, dass die Diebin im Gegensatz zu ihm alles andere als unsterblich war, dass sie mit jedem weiteren Tag ihrem Tode etwas näher kam... Nun, wenn sie könnte würde sie diesen Umstand auch lieber gänzlich verdrängen, doch der wiederkehrende Schmerz in ihrer Hand ließ ihr dazu nicht die Chance. Eventuell war es aber auch besser so. So konnte sie zumindest nie vergessen, wie wichtig es war, schnell ihr Ziel zu erreichen. Zwar hatte sie noch immer das Gefühl, dass sich das Mal seit ihrer Begegnung mit Silver langsamer ausbreitete, die tödliche Wirkung hatte es deswegen aber sicherlich noch lange nicht verloren.
      "Richtig... es darf nicht passieren", stimmte sie den Untoten leise zu. Sie durfte noch nicht sterben... sie konnte ihren Bruder nicht einfach so zurücklassen. Und auch Silver schien seinem eigenen Lebensende unendlich entgegen zu fiebern... sollte Neona am Ende nicht der gewünschte Schlüssel zu eben diesen Ziel sein, was würde er dann tun? Erneut hunderte Tode in einem zerfallenen Anwesen sterben, während er in einem ewigen Schlaf versank? Auch wenn sich die junge Frau zunehmend unwohl dabei fühlte, am Ende dieser Reise wahrscheinlich den Tod ihres Begleiters mit ansehen zu müssen, wünschte sie ihm noch weniger, erneut die Ewigkeit in stummer Einsamkeit verbringen zu müssen.
      Seine Antwort auf ihre Warnung entlocke ihr ein feines Schmunzeln. "Glaub mir, nach den ersten paar Jahren wirst du dir wünschen, mich nie gekannt zu haben. Ich werde dir keine Sekunde des Friedens gönnen. Geister müssen schließlich nicht mehr schlafen."

      Zufrieden beobachtete sie den Untoten dabei, wie er ein weiteres Mal den Sitz seiner Handschuhe kontrollierte. Zwar fühlte sie sich nach wie vor noch nicht wirklich wohl dabei, ihren kleinen Bruder in seine potentiell tödlichen Hände zu übergeben, aber die Alternative war um ein vielfaches unangenehmer. Gleichzeitig hatte sie in den vergangenen Tagen immer wieder beobachten können, wie geübt Silver darin war, seine tödliche Haut vor anderen Lebewesen zu verbergen, immerhin war sein Pferd unter ihm auch noch nicht in Staub zerfallen.
      Im Gegensatz zu ihr, schien der Untote der Diebin etwas weniger Vertrauen entgegenzubringen. Wirklich übel nehmen konnte sie es ihm dennoch nicht und nickte daher nur milde, als er beschloss innerhalb von zwanzig Minuten nach ihr zu suchen, sollte sie bis dahin nicht auftauchen. Sie war sich sicher, dass das nicht notwendig werden würde, aber sie machte sich auch nicht die Mühe dem Untoten eben diesen Umstand begreiflich zu machen. "In Ordnung, so lange du damit deinen Frieden hast", meinte sie stattdessen. "Viel Erfolg." Waren noch ihre letzten Worte, bis sie ihren gemeinsamen Plan in die Tat umsetzte.


      Kobi

      Er wusste nicht genau wie viel Zeit seiner Entführung vergangen war. Es mussten mittlerweile schon mehrere Stunden vergangen sein, seitdem man ihn mit einem gezielten Schlag auf den Hinterkopf fürs erste bewegungsunfähig machte, bevor er wenig später auch schon inmitten von drei Männern und im inneren des Waldes zu sich gefunden hatte. Er wusste nicht mehr genau, wie lang er gegen die Fesseln angekämpft und sich ab und an sogar aus dem festen Griff seiner Peiniger gewunden hatte. Er wusste nicht mehr, wie oft dieser Mistkerle den würgenden Knebel in seinem Mund hatten neu richten müssen, bevor Kobis Stimme zu rau und schmerzhaft wurde, um weitere Hilferufe auszustoßen. Interessanterweise hatte man ihm seit der Entführung auf dem Feld keine weiteren Schläge verpasst. Waren Menschenhändler schon immer so zimperlich gewesen? Kobi verstand, dass sie ihre "Ware" in einem guten Zustand behalten wollten, aber er zweifelte daran, dass diese Männer deswegen gänzlich auf Gewalt verzichten würden. Außerdem hatte der Junge den Gesprächen zwischen den Männern entnehmen können, dass sie es offenbar speziell auf den Rothaarigen abgesehen hatten. Warum? Was war an dem Waisenjungen so besonders, dass man ihn entführen musste? Und hatte er richtig herausgehört, dass es sich dabei um einen Auftrag handelte? Wer war dieser Auftraggeber und was wollte er von Kobi?
      Nach Stunden des Kämpfens - ohne Erfolg versteht sich - war pure Erschöpfung über den Körper des Jungen hereingebrochen und hatte es ihm im Anschluss sogar unmöglich gemacht, weiter über diese Fragen nachzudenken. Stattdessen gab er alles dafür nicht vor Erschöpfung einzuschlafen - trotz unkomfortabler Position - und behielt stattdessen den Weg genau im Blick, den die drei Männer mit ihm abwanderten. Zwar waren Kobis Hoffnungen mit jeder verstreichenden Stunde weiter gesunken, aber vielleicht fand sich doch noch irgendwie die Chance zur Flucht. In diesem Fall wollte er zumindest nicht ewig nach seinem Weg suchen müssen.
      Zu seinem eigenen Erstaunen bat sich nun aber eine gänzlich andere Chance auf Freiheit. Zuerst bemerkte er die plötzliche Aufregung unter den Männern nicht - zu schwer wog die Erschöpfung in seinen Gliedern - doch spätestens als einer der drei Entführer bewusstlos in sich zusammensackte und ein zweiter die Verfolgung auf den Angreifer aufnahm, weiteten sich Kobis Augen vor Erstaunen. Im Gegensatz zu seinem Träger konnte er dabei den blonden Mann aus dem Dickicht springen sehen, bevor der Menschenhändler überhaupt etwas bemerken konnte. Schneller als gedacht wechselte Kobi den "Besitzer". Unfähig, der Situation irgendetwas beizusteuern, blieb ihm fürs erste nichts übrig, als sich zu ergeben. Zumindest glaubte er nicht, dass der junge Mann, in dessen Armen sich der Rotschopf nun befand, ihm böswillig gesinnt war. Dennoch fühlte sich Kobi nicht recht wohl dabei, nutzlos mit ansehen zu müssen wie ein blitzender Säbel immer wieder in seine Richtung stach. Zum Glück schien sein neuer Träger recht geschickt zu sein und schaffte es nicht nur, den unentwegten Angriffen gekonnt zu entgehen sondern im passenden Moment auch noch Reißaus zu nehmen. Wer war der Kerl nur?
      Am liebsten hätte er diese Fragen umgehend gestellt, doch entgegen seiner Hoffnungen, wurde Kobi weder von seinen Fesseln noch dem elenden Knebel in seinem Mund befreit. Auch nicht als sie genug Abstand aufgebaut hatten und sein "Retter" vorsichtig gegen einen Baumstamm lehnte. Forschend und düster legten sich Kobis eisblaue Augen auf den Blondschopf. Wer war er? Und wenn er sich schon die Mühe machte, ihn aus den Griffeln elender Menschenhändler zu befreien, wieso konnte er ihn dann nicht auch diese schmerzhaften Fesseln lösen? Er wusste dass seine Beschwerden nur als ein gedämpftes Murmeln durch den Knebel drangen, aber dennoch wollte er seinem Frust zumindest ein wenig Luft machen. Zumindest bis zu dem Moment in dem der Fremde seine Schwester erwähnte. Umgehend veränderte sich der Ton seiner Stimme. Dieser Kerl kannte seine Schwester? War sie auch hier? Legte sie sich etwa mit den Menschenhändlern an? Nein! Sie war doch nicht etwa der Angreifer, dem der eine Entführer hinterhergejagt war?! Sorge und Angst machten sich in dem jungen Mann breit, während er mühevoll an seinen Fesseln rüttelte. Es war schon schlimm genug, dass seine große Schwester sich Tag für Tag in neue Gefahren stieß, nur um für ihn zu sorgen... nun legte sie sich also auch noch mit verdammten Menschenhändlern an?
      Er riss weiter an seinen Fesseln, machte dem Fremden mit Blicken und Knurren deutlich, dass er befreit werden sollte. Er konnte nicht schon wieder alles Neona überlassen. Warum musste sie sich nur immer wieder so in Gefahr begeben?


      Neona

      Zugegeben, ihr Verfolger war hartnäckig, aber ungeschickt. Immer wieder fluchte er laut hinter ihr auf, während er zum dutzenden mal über eine herausragende Baumwurzel stolperte oder sich in tief hängenden Ästen und Zweigen verhedderte, welche er daraufhin fluchend mit seinem Säbel beiseite schlug. Neona hätte ihn in kürzester Zeit abhängen können, hielt ihn aber absichtlich auf Sichtweite, auf dass er nicht auf die dumme Idee kommen konnte, zurück zu seinem Kollegen zu gehen. Erst nach einigen Minuten lockte sie den Mann zurück zum Ort des Geschehens, wollte kontrollieren, ob Silver erfolgreich gewesen war. Als sie nur einen laut zeternden Menschenhändler ohne Kobi entdecken konnte, ergoss sich pure Erleichterung über sie. Nun musste sie die Männer nur noch gekonnt abschütteln und Silver und Kobi finden. Noch beim Laufen bespannte sie ihre Zwille mit neuer Munition und war selbst ein wenig erstaunt als sie ihren knurrenden Verfolger zielgenau zwischen den Augen traf. Dieser hatte den Angriff aufgrund der anwachsenden Erschöpfung wahrscheinlich nicht einmal kommen sehen und taumelte umgehend ins Land der Träume. Die geschickte Diebin nutzte die Chance und duckte sich geschwind tiefer ins Dickicht, um am letzten verbliebenen Menschenhändler vorbei zuschleichen. Erst nachdem sie mehrere hundert Meter zwischen sich und den Mann gebracht hatte, nahm sie wieder eine erhöhte Laufposition ein und erhob ihre Stimme, ohne wirklich zu schreien und doch gut hörbar. "Silver? Kobi? Wo seid ihr?" Sie hatten keinen festen Treffpunkt, nur eine grobe Fluchtrichtung ausgemacht, weswegen ihr nichts anderes übrig blieb, als zu rufen und sich genau in der Umgebung umzusehen.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Das... wäre wirklich schrecklich.“, musste der Unsterbliche mit einem fast schon nervös Lächeln zugeben, immerhin gehörte der Schlaf zu den wenigen Dingen, die ihm in seinem Leben noch eine Art von Erlösung gaben... eine Pause vom Leben, wenn man es denn so nennen konnte.
      Also wollte er nichts tun, was Neona dazu verleiten konnte, als Geist wiederzukehren und der erste Schritt dazu war ihren kleinen Bruder zu retten.
      „Viel Erfolg.“, nickte er auch ihr zu, bevor er auf der anderen Seite des Dickichts verschwand.

      „Hey hey... beruhige dich, okay? Glaub mir, es ist besser, wenn wir hier erstmal in Ruhe und Frieden...“, wollte er den knurrenden und sich windenden Jungen mit einer Geste dazu beschwichtigen sich erst einmal in Geduld zu üben, als er auch schon die Stimme der Rothaarigen vernahm und mit dem Blick über der Schulter nach ihr suchte.
      „Wir sind hier!“, legte er die Hand an den Mund, damit seine Stimme weiter reichte und hob die Hand in die Lüfte, nachdem er sich aus der Hocke begeben hatte, um auf sie beide aufmerksam zu machen.
      Abgesehen davon, dass er Kobi auf gar keinen Fall berühren wollte – auf offensichtlichen Gründen - schien es keine gute Idee zu sein, die Fessel des Jungen zu lösen. Nicht, nachdem sich sein Verhalten von einem Moment auf den nächsten verändert hatte, als er seine Schwester erwähnt hatte.
      Ob der Rotschopf Neona noch weniger zutraute, als er selbst?
      „Siehst du? Ich hab ihn heil in Sicherheit gebracht. Bist du nicht froh, dass ich dir hinterhergejagt bin, anstatt dich diese Sache alleine lösen zu lassen?“, konnte Silver nicht anders, als es der Rothaarigen mit vor der Brust verschränkten Armen unter die Nase zu reiben, ehe er auf den noch immer gefesselten Kobi wies und sogleich ein paar Schritte zurück ging.
      Einerseits, um den Beiden Raum zu geben... andererseits aus offensichtlichen Gründen.
      Er behielt die Arme verschränkt, versteckte die Hände gar unter ihnen, als müsse er Angst haben, dass sie in einem ungünstigen Moment doch noch ausrutschen könnten.
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    • Neona

      Pure Erleichterung wusch über ihren Körper, kaum dass sie Silvers Ruf vernehmen konnte, gefolgt von der erhobenen Hand die zwischen Bäumen und Sträuchern hervorlugte. Sie legte umgehend ein schnelleres Tempo an und schlug sich zum Versteck der beiden durch. Den selbstgefälligen Kommentar des Untoten, mit dem sie begrüßt wurde, entgegnete sie mit einem milden Lächeln. "Sehr froh sogar", erwiderte sie ehrlich. "Ich... Danke. Ohne dich hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft. Also vielen Dank."
      Dann endlich glitt ihr Blick von Silver hin zu ihrem kleinen Bruder. Auch wenn man ihn nicht geschlagen haben mochte, sah der Junge reichlich mitgenommen aus. Erst wollte sie fragen, warum der Untote Kobi nicht von seinen Fesseln befreit hatte, in der nächsten Sekunde wollte sie ihm allerdings schon für seine vorausschauende Vorsicht danken. Entsprechend nickte sie dem Blondschopf noch einmal dankend zu, bevor sie sich vor ihren kleinen Bruder hockte, dessen Augen in einer Mischung aus Überraschung, Sorge und Zorn an ihr hafteten. "Lass mich das entfernen", meinte die junge Diebin ruhig und löste den Knoten an Kobis Hinterkopf auf das er endlich den Stoffballen in seinem Mund loswerden konnte.
      "Was machst du hier?!", war die erste Frage, die ihr entgegengeworfen wurde.
      Neona ließ sich vom zornigen Ton ihres Bruders nicht beirren und löste vorsichtig die Fesseln an seinem Handgelenk. Als sie die wunde Haut darunter erkannte, verzog sie frustriert das Gesicht. "Bist du noch irgendwo anders verletzt?"
      "Ich glaube nicht, dass das im Moment wichtig ist", grummelte Kobi. "Ich will wis-"
      "Natürlich ist das wichtig!", wurde der Rotschopf harsch von seiner Schwester unterbrochen. "Haben dich diese Männer irgendwo geschlagen? Hast du Schmerzen? Ist dir übel? Was wenn sie dir irgendwelche Drogen verabreicht haben."
      Der bis eben noch zornige Ausdruck im Gesicht des Jungen erlosch, während er beschämt den Kopf senkte. "Sie haben mir nichts gegeben... Und man hat mich nur einmal auf den Hinterkopf geschlagen, um mich vom Feld zu schleppen, ansonsten bin ich unverletzt."
      "Das heißt, du hast seither auch nichts gegessen oder getrunken?" Ein stummes Nicken war die Antwort, woraufhin Neona ihren Wasserschlauch hervorangelte. "Hier, trink." Während ihr Bruder ihrer Aufforderung folgte, machte die Diebin sich daran auch die Fesseln an den Knöcheln des Jungen zu lösen und musterte ihn dann erneut. Er wirkte unfassbar erschöpft, aber tatsächlich konnte sie neben den feinen Wunden an Handgelenken und Knöcheln keine weitere Verletzungen erkennen. Erneut machte sich Erleichterung in ihr breit.
      "Woher wusstest du, dass ich hier bin?"
      "Ich bin heute zurückgekommen und Endris hat mich über dein Verschwinden informiert. Die anderen Waisenkinder haben überall am Waldrand nach dir gesucht und mir entsprechende Tipps gegeben."
      Kobi nickte langsam bevor sein Blick an seiner Schwester vorbei zu dem Mann in ihrem Rücken wanderten. "Und wer ist er?"
      Neona folgte seinem Blick. "Er ist ein... Freund." Es fühlte sich seltsam an ihn so zu nennen, besonders vor ihrem Bruder, aber... Nachdem er ihr dabei geholfen hatte Kobi zu retten... Sie hatte Abstand zu ihm halten wollen. Hatte keine emotionale Bindung mit ihm aufbauen wollen und nun... nun stellte sie selbst fest, dass der Untote für sie zu einem Freund geworden war. Sie wusste zwar, dass er all dies weniger aus gutem Willen getan hatte, sondern nur um seine "Todesversicherung" nicht zu verlieren und doch schlummerte da tiefe Dankbarkeit in ihr. Sie wusste nicht einmal, wie sie sich jemals bei ihm revanchieren sollte.
      "Ein Freund?" Kobi wirkte wenig überzeugt und musterte Silver mit kritischem Blick. "Warum habe ich noch nie etwas von ihm gehört?"
      "Wir... kennen uns noch nicht sehr lange, aber wie du siehst, hätte ich dich ohne ihn nicht retten können." Kobis Blick schien sich nur noch mehr zu verdunkeln, als würde er Silver nicht trauen können. Neona hatte sich stets alle Mühe gegeben, ihr "Gewerbe" vor ihrem kleinen Bruder geheim zu halten, gleichzeitig glaubte sie, dass Kobi schon lange hinter ihr Geheimnis gekommen war und es ihr zu liebe nicht offenkundig aussprach. Vielleicht glaubte er, dass Silver einer ihrer Diebeskollegen sein könnte und zeigte daher entsprechendes Misstrauen. Sie könnte es ihm nicht verübeln, außerdem war es nötig, dass die beiden sich verstanden, schließlich würde sie sich in Zukunft kaum mehr begegnen. "Lass uns den Rest später klären, jetzt sollten wir erstmal von hier weg. Kannst du laufen?"
      Endlich wanderte Kobis Blick wieder zurück zu seiner Schwester, bevor er ein mildes Nicken zeigte. "Ich denke schon."
      "Okay." Neona schob ihre Schultern unter den Arm ihres kleinen Bruders. "Dann los." Mit einem Ruck half sie dem Jungen auf die Beine. Erst schien dieser noch etwas mit seinem Gleichgewicht zu kämpfen - wahrscheinlich waren seine Beine über die Stunden taub geworden - doch mit etwas Unterstützung schien er laufen zu können. "Lass uns verschwinden", meinte Neona nun auch an Silver gewandt und trat dann langsam den Rückweg an.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Ah... gern geschehen...?“, blinzelte der Unsterbliche etwas verwundert, überrascht über die ehrlichen Worte der Rothaarigen. Eher hatte er mit einer sarkastischen Erwiderung gerechnet, ehrlich gesagt wäre ihm das auch lieber gewesen, denn... er wusste nicht so recht, wie er auf ihren Dank reagieren sollte. Wann hatte sich das letzte Mal jemand bei ihm bedankt? Er tat doch seit Ewigkeiten nie etwas für andere, dass ihm selber nichts einbrachte.
      Zugegeben war es dieses Mal auch nicht unbedingt anders, immerhin konnte dadurch die Reise der Beiden weiter gehen und doch... schien Neonas Danke über die selbstverständliche Zusammenarbeit hinaus zu gehen. Das verwirrte ihn etwas.
      Silver versuchte das Grinsen über die ersten Worte des Jungen zu unterdrücken, schaffte es jedoch nicht so recht. Okay, vielleicht gab er sich auch nicht ganz so viel Mühe, wie er könnte, aber wer reagierte schon so darauf von seiner eigenen Schwester vor einer Entführung gerettet zu werden?
      Kinder waren wahrlich unberechenbar.

      „... mhm. Ein Freund.“, nickte auch der Untote mit vor der Brust verschränkten Armen. Das war wahrscheinlich die unkomplizierteste Art die Beziehung der Beiden zu beschreiben. Wer wollte auch schon den ganzen Kram über Flüche und Tod hören? Der kleine Bruder sicherlich nicht.
      Wieso schaute er ihn so an, als wäre er ein dahergelaufener Kerl, der seine Schwester hinters Licht führte? Ersteres mag vielleicht stimmen, aber er brauchte sie genauso sehr wie sie ihn.
      Mit einem Nicken stimmte der Blondschopf der Rothaarigen zu und folgte den Beiden aus dem Wald heraus, zurück zu den Pferden. Natürlich mit einem gewissen Sicherheitsabstand.
      „Wie ist der Plan? Bringst du den Jungen nach Hause, bevor wir weiter ziehen?“, erinnerte der Untote sie daran, dass sie eigentlich nicht geplant hatte, so lange zu bleiben. Und das sie keine Zeit hatten, Familienmitglieder zu besuchen, während er sein Pferd von dem Baum band.
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    • Neona

      Kurz glaubte sie deutliche Verwunderung in den Augen des Untoten zu sehen, direkt nachdem sie ihren Dank ausgesprochen hatte, doch sie hatte weder Zeit noch Muse sich weiter damit zu beschäftigen, war ihr Bruder im Moment deutlich wichtiger. Dennoch huschte kurz ein Gedanke durch ihre Hirnwindungen: Ist er Dank etwa nicht gewohnt?
      Zum Glück spielte Silver ihr Spiel mit und mimte ihren "Freund". Kurz zuvor hatte sie sogar noch überlegt, ihn als eine Art Kollegen oder Kameraden zu bezeichnen, aber beide Bezeichnungen missfielen ihr aus irgendeinem Grund. Sie passten vor allem nicht so wirklich in die Beziehung, die die beiden in der kurzen Zeit schon aufgebaut hatten. So hatte sie den Untoten - wenn auch ungewollt - innerhalb der letzten paar Tage näher an sich herangelassen, als auch nur einen ihrer Diebskollegen aus den letzten vier Jahren. Sie befürchtete immer noch ein wenig, dass sie all dies irgendwann bereuen könnte, aber die Umstände hatten leider nichts anderes zugelassen.
      Als ihr Bruder schließlich auf den Beinen und sie gemeinsam auf dem Weg aus dem Wald waren, konfrontierte Silver sie schließlich mit einer Frage, der sie selbst am liebsten ausgewichen, da sie noch keine wirkliche Antwort darauf kannte. "Nein, wir können ihn nicht nach Hause bringen... Sie wissen jetzt wo sie mich treffen können."
      "Wer ist 'sie'?" Sie spielte mit dem Gedanken, Kobis Frage einfach zu ignorieren, aber sie wusste, dass sie ihn dieses Mal nicht einfach zuhause abladen und vor seinen fragenden Augen würde flüchten können, also drehte sie langsam den Kopf in seine Richtung. "Diese Männer hatten es also wirklich speziell auf mich abgesehen, richtig? Sie wollten etwas von dir, habe ich Recht?"
      Sie liebte ihren Bruder und sein schlaues Köpfchen über alles. Manchmal jedoch würde sie sich wünschen, dass er nicht so einfach hinter ihre Fassade blicken könnte. "Es tut mir leid Kobi... Ich wollte dich da nicht mit reinziehen."
      "Nun, dafür ist es nun zu spät, meinst du nicht auch Schwesterherz?" Sie zuckte kurz bei seinen harschen Worten zusammen. "Eben deswegen solltest du mir einfach sagen, was hier passiert."
      "Ich... kann dir nichts genaueres sagen. Wichtig ist, dass diese Männer etwas von mir brauchen und ich kann es ihnen nicht geben, deswegen haben sie versucht dich als Druckmittel zu benutzen."
      Kobis Augen verengten sich zu dunklen Schlitzen. Neona wusste, dass er mehr wissen wollte. Er wollte wissen, wer genau hinter ihnen her war. Was sie genau von ihr wollten und warum sie es ihnen nicht geben wollte. Wahrscheinlich wollte er auch wissen, warum dieser ihm so fremde Mann ebenfalls in all diesem Chaos verwoben war.
      All diese Fragen mussten auf seiner Zunge brennen, doch zugleich kannte der junge Mann seine ältere Schwester besser als jeder andere. Er wusste, dass sie ihm nicht antworten würde und so drückten sich seine Lippen zu einem dünnen Strich zusammen.
      Neona dankte ihm gedanklich für seine Nachsicht und blickte auf dem unwegsamen Weg vor ihnen. "Du wirst uns fürs Erste begleiten", entschied sie schließlich. "Es gibt einen Ort an dem du unterkommen kannst." Als reisende Diebin hatte sie über die Jahre mehrere kleine Verstecke angelegt. Die meisten dienten ihr als verlässlicher Unterschlupf sollte sie - wenn bisher auch nur einmal vorgekommen - einmal zur Fahndung ausgeschrieben oder von anderen Feinden verfolgt und gesucht werden. Natürlich waren hin und wieder auch immer wieder Rückzugsorte dieser Art aufgeflogen, doch einige hatten sich auch nach all den Jahren noch als sicher erwiesen. Einer dieser Orte war passenderweise genau auf ihrem Weg. Tatsächlich hatte sie sowieso geplant, dort eine letzte Rast vor ihrem Antreffen am Wald der Wunder einzulegen. Wie es schien würde es etwas mehr als das werden.
      "Und was hast du vor, nachdem du mich dort zurückgelassen hast? Wenn diese Männer auf Entführungen zurückgreifen, werden sie sicherlich nicht so einfach von dir ablassen, selbst wenn du mich erfolgreich versteckt hast."
      "Darüber musst du dir keine Sorgen machen, das werde ich schon Regeln."
      "Keine Sorgen machen?!" Wenn man bedachte, dass er immer noch zu schwach war, um ohne ihre stützende Schulter aufrecht zu laufen, war sein aufgebrachtes Mundwerk schon laut genug, um durch den gesamten Wald zu hallen. "Das kann nicht dein verdammter Ernst sein! Neona, wann wirst du mir endlich-"
      "Schluss jetzt!" Ihre Stimme war lange nicht so laut, wie die ihres Bruders zuvor, dennoch durchschnitt sie die Luft wie kaltes Eis und ließ ihren kleinen Bruder umgehend stumm zusammenzucken. "Ich diskutiere nicht mit dir darüber. Du kannst mir hierbei am besten Helfen, indem du in Sicherheit bleibst. Vertrau deiner großen Schwester, ich werde das schon regeln."
      Kobi stieß ein langgezogenes Murren aus, verzichtete aber ansonsten auf weitere Proteste. Zumindest bis seine eisblauen Augen auf Silver trafen. "Dir soll ich vertrauen... während du mir offenkundig weniger vertraust als diesem neuen seltsamen 'Freund'."
      Neones Brust zog sich für einen Moment beklommen zusammen, vor allem als sie den unterschwelligen Schmerz in der Stimme ihres Bruders wahrnahm. Sie wollte seinen Worten widersprechen, ihm versichern, dass er falsch lag, denn das tat er. Es war nicht mangelndes Vertrauen, dass sie so handeln ließ, sondern pure Angst davor das letzte Familienmitglied zu verlieren, dass ihr noch geblieben war. In der aktuellen Situation wusste sie aber einfach nicht, wie sie all das formulieren sollte. Also schloss sie einfach den Mund und wanderte stattdessen weiter durch den Wald, ohne ein weiteres Wort zu sprechen.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... das kann nicht dein ernst sein.“, gab der Untote mit einem tiefen Seufzen von sich und fuhr sich durchs Gesicht. Ein Kind das die Beiden begleitete konnte er beim besten Willen nicht gebrauchen und dann sprach die Rothaarige es nicht einmal mit ihm ab?
      Er ließ die beiden Geschwister mit einem genervten Blick und den Händen in den Hosentaschen vergraben weiter streiten, bevor er sich wieder zu Wort wandte.
      „Hey, diesen Freundwürde sie eher von der Klippe werfen, als ihren kleinen Bruder. Ist dir eigentlich klar, wie gefährlich Wissen sein kann? Also sei ein braver Junge und hör auf die Älteren.“, warf Silver mit einem genervten Schnauben von sich und hoffte beim besten Willen, dass das irgendwie gut gehen würde.
      „Wie lange soll der Knirps uns denn begleiten?“, wollte der Unsterbliche wissen, der sich wohl darauf gefasst machen musste, in Zukunft deutlich wachsamer zu sein, als er es bisher gewesen war.
      „Wie auch immer, lass mich eine Regel ganz klar deutlich machen.“, fuhr er sich durchs Haar und warf nun einen ernsten Blick auf den Rothaarigen, „Komm mir nicht zu nahe. Halte am besten wenigstens ein paar Schritte Abstand von mir, okay? Glaub mir. Das ist besser für Beide von uns.“
      Das konnte ja heiter werden.
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    • Neona

      Sie war nicht sonderlich überrascht, dass Silver von ihrem Plan wenig begeistert war. Sie war es schließlich auch nicht. Wenn sie könnte, würde sie die beiden so weit von einander entfernt wissen wie möglich, schließlich wäre ihr kleiner Bruder nur eine einzige Berührung von seinem eigenen Tod entfernt, solange er in der Nähe des Untoten lebte. Die Gefahr die aktuell aber von ihren Vorfolgern ausging, machte ihr um einiges mehr Sorgen, weswegen ihr keine andere Wahl blieb. Entsprechend hatte sie sich erst gar nicht die Mühe gemacht, den Untoten um sein Einverständnis zu bitten. Kobis Sicherheit stand für die junge Frau an absolut erster Stelle, solange sie diese nicht gewährleisten könnte, würde sie sogar auf die Auflösung ihres tödlichen Fluches verzichten. Da der Untote ansonsten keine Widerworte anzubringen schien, musste ihm dieser Umstand zum Glück ebenfalls bewusst sein, dennoch stellte sich Neona darauf ein, früher oder später seinen berechtigten Zorn zu spüren zu bekommen.
      Silver hatte ihr mit seinen Worten definitiv zur Seite stehen wollen, doch Kobi hatte für den Blondschopf nur einen düsteren und vernichtenden Blick übrig. "Unwissen kann genauso gefährlich sein", knurrte er unzufrieden. "Vor allem wenn es auf mangelnden Vertrauen fußt." Sicherlich hatte er damit Recht, doch sobald Neona versuchen würde ihrem Bruder die Situation zu erklären, würde er nur noch mehr Fragen stellen. Früher oder später könnte er sogar die Sache mit ihrem Fluch herausfinden und sie wusste, dass Kobi sich danach bereitwillig in jede Gefahr für sie stürzen würde... Das tat er sicherlich auch jetzt schon zur Genüge. Sie wollte ihn nicht noch in mehr Probleme verwickeln. Zum Glück schien der Junge sich dennoch endlich geschlagen zugebe. Ob es nun an Silvers oder Neonas Worten liegen mochte, konnte die Diebin nicht mit Gewissheit sagen. Erleichtert war sie ohnehin.
      "Maximal fünf Tage, durch die Pferde wahrscheinlich eher vier, wenn wir Glück haben sogar nur drei. Danach sollten wir mein Versteck erreicht", meinte Neona ruhig. Sie wusste, dass Silver mit der neuen Begleitung unzufrieden sein musste. Sie war es auch. So froh wie sie über das Wiedersehen mit ihrem Bruder auch sein mochte... jeder weitere Moment in ihrer Nähe und auch der von Silver würde die Gefahren und Bedrohungen für den Jungen erhöhen. Einerseits wegen ihrer Verfolger, andererseits wegen der tödlichen Berührung ihres untoten Begleiters. Am liebsten hätte sie sich frustriert die Haare gerauft... Warum musste das Leben manchmal nur so unfair sein?
      Die "Regel" die Silver wenige Momente später gegenüber ihrem Bruder aufstellte, hatte auch Neona früher oder später anbringen wollen, nur wusste sie nicht, wie sie es gescheit erklären und formulieren sollte. Die Lösung des Untoten befand sie nicht gerade als sonderlich geschickt, aber was hatte sie auch anderes erwartet. "Ah. Sind wir etwa etwas Besseres als solch elende Waisenkinder wie wir?!"
      "Kobi, nicht!" Sie hatte mit solch einem Aufschrei schon gerechnet und ermahnte ihren kleinen Bruder mit einem beißenden Blick. Auch wenn immer noch Trotz in den eisblauen Augen des Jungen flackerte, schien er sich weitere Beschwerden zu verkneifen. "Bitte hör auf ihn, er hat seine Gründe."
      "Tz...", kam es nur noch von dem Rotschopf, welcher sich schließlich von der Schulter seiner Schwester abstieß. "Ich kann wieder alleine gehen."
      Sie wollte erst widersprechen - schließlich lief er noch immer reichlich wankend und unsicher - besann sich aber schließlich eines Besseren. Er war bereits gereizt genug, sie wollte nicht noch Schlimmeres provozieren.
      "Wir sind zurück", verkündete Neona einige Minuten später erleichtert, als sie warmes Tageslicht den Waldrand ankündigte. "Ich bin mir sicher, dass man noch nach dir suchen wird, aber wie haben keine Zeit für lange Abschiede."
      Kobi schien sofort zu verstehen. "Ich werde ihnen Bescheid geben, dass ich wohlauf bin und mit dir vorzeitig das Waisenhaus verlassen werde."
      "Danke, wir werden währenddessen die Pferde vorbereiten."
      Kobi nickte nur noch kurz und beschleunigte seinen Schritt - es war erstaunlich, wie schnell er wieder zu Kräften gekommen war - um schon bald den Waldrand zu erreichen. Neona nutzte die Chance, um sich schließlich zu Silver umzudrehen. "Es tut mir leid, dass ich dich da vorhin übergangen habe... Aber ich kann ihn nicht alleine hier lassen."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Silver rollte nur mit den Augen, als Kobi ihn wissen ließ, dass auch Unwissen gefährlich sein konnte.
      "Was weißt du schon? Du bist doch nicht mal alt genug um auf eigenen Beinen zu stehen.", kommentierte er genervt, ließ das Thema damit aber Ruhen... fürs erste.
      Er glaubte nicht, dass Neona ihm aus mangelndem Vertrauen heraus nichts verriet, höchstens vielleicht aus mangelndem Vertrauen seinen Fähigkeiten gegenüber, was sollte ein Junge in seinem Alter schon gegen eine Fluch und mit Magie ausgestatteten Verfolgern unternehmen?
      "Du konntest dich ja nicht mal alleine vor den Menschenhändlern schützen.", stichelte er dann dennoch, in der Hoffnung der Junge würde sich dadurch zurücknehmen. Der Unsterbliche hatte wohl vollkommen vergessen wie aufbrausen und unvorsichtig junge Leute sein konnten.
      "Nicht doch.", gab er zurück, als man ihm vorwarf sich als etwas besseres zu sehen und fuhr sich mit der Hand durchs Haar, ohne den Rothaarigen eines Blickes zu würdigen, was ihn zwar arrogant wirken ließ, aber vor allem wollte Silver abweisend wirken, "Ich habe nur die Angewohnheit Männern - und auch Jungen - instinktiv einen Dolch rein zu rammen, wenn sie zu nahe kommen.", gab er mit einer solchen Ernsthaftigkeit von sich, dass man meinen könnte, er wäre kurz davor wirklich eine Klinge zu ziehen.
      Und das alles nur, um Kobi auf Abstand zu halten. Wie er es viele Jahre lang auch mit anderen getan hatte.
      Und ob Silver seine Gründe hatte. Würde er den Rothaarigen zu Asche verwandeln, würde Neona es ihm nie verzeihen, egal ob es ein Versehen war oder nicht.

      Zunächst antwortete Silver nicht, als Neona ihn ansprach und beobachtete weiterhin Kobi wie er langsam Richtung Waisenhaus verschwand, ehe er ein tiefes Seufzen von sich gab, als würde er die Luft raus lassen.
      "... schon gut. Bringen wir es nur schnell hinter uns. Und sollte er mich doch berühren... mach mich nicht dafür verantwortlich.", machte der Untote klar, während er sein Pferd vom Baum band. Er wirkte noch immer angespannt, wenn auch etwas weniger als zuvor.
      Erst jetzt merkte er, wie angenehm es gewesen war mit Neona alleine zu reisen. Mit einer Person, bei der er nicht mit offenen Augen schlafen musste, nicht auf jede einzelne Annäherung achten, nicht ständig zurückweichen und eine bestimmte Menge an Schritten zurück bleiben musste... Wie sagte man so schön? Man weiß erst was man hat, wenn man es nicht mehr hat.
      "Pass einfach auf ihn auf.", fügte er etwas milder hinzu, während er sein Pferd zu einem Bach in der Nähe führte.
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    • Neona

      Die nächste Tage würden wohl kein Zuckerschlecken werden... Warum befürchtete sie nur, dass sie Kobi immer wieder davon würde abhalten wollen, Silver an die Kehle zu springen. Dummerweise gab sich der Untote aber auch nicht sonderlich viel Mühe damit die Wogen zu glätten... Zumindest waren seine Kommentare nicht sonderlich geeignet, um ihren kleinen Bruder zu besänftigen. Müsste ein Mann seines biblischen Alters nicht eigentlich erwachsener sein?
      Als Silver ihn damit stichelte, sich nicht einmal gegen Menschenhändler verteidigen zu können, grummelte Kobi zumindest nur wütend vor sich hin. Wahrscheinlich weil er diesen Worten nicht wirklich widersprechen konnte. Doch als Silver behauptete jeden ihm zu nahe kommenden Mann instinktiv zu erdolchen, wurde umgehend wieder aufbrausend. "Und mit diesem Mistkerl reist du umher?!", fuhr er seine Schwester an. "Das kann nicht dein Ernst sein!"
      Neona warf einen kurzen Entschuldigenden Blick zum Untoten hinüber. Einerseits hatte er die Sache mit diesem Kommentar eigenhändig verschlimmert, gleichzeitig verstand sie auch, warum er solche extremen Wege ging.
      Kobi schien ihren Blick leider zu bemerken und seine Frustration schien sich zu verstärken. "Zu deiner Information, ich will dich am liebsten auch nie wieder in meiner Nähe wissen", beschimpfte er nun wieder Silver. "Dafür hältst du dich und deinen angeblichen Dolch aber auch gefälligst von meiner Schwester fern."
      Neona unterdrückte ein Seufzen. Ob Silver ihr wohl glauben würde, sollte sie ihm erklären, dass der Junge ein absoluter Engel, mit einem Herz aus Gold sein konnte? Schließlich hatte er es nicht umsonst geschafft praktisch alle Kinder des Waisenhauses unter sich zu vereinen und praktisch eine Art Held für sie zu werden. Auch für Neona war ihr kleiner Bruder ein wahrer Held, der ihr immer wieder versuchte zur Seite zu stehen und sich gleichzeitig alle Mühe gab, ihr nicht im Weg zu stehen. Manchmal machte die junge Diebin eben das aber besonders traurig, schließlich hatte der 15-jähirge seine Kindheit so ausleben können, wie es ihm zugestanden hätte. Aktuell verhielt er sich aber tatsächlich wie ein aufgebrachtes Kind, auch wenn er wahrscheinlich versuchte stark und erwachsen zu wirken, während er sich breitschultrig vor seiner älteren Schwester aufbaute. Erneut brachte Neona nur einen entschuldigenden Blick zustande.

      Entsprechend war es wirklich erleichternd, als Kobi schließlich in Richtung Waisenhaus verschwand und Silver und sie alleine zurückließ.
      "Ich werde mit allen Mitteln verhindern, dass er dich je berühren wird." Und wenn sie dafür die nächsten Nächte kein Auge zubekommen würde, wäre ihr das auch recht. Sollte ihrem Bruder am Ende doch irgendetwas zustoßen... Wahrscheinlich könnte sie sich selbst nie wieder verzeihen. Und Silver wäre sie sicherlich auch keine Hilfe mehr. Wofür sollte sie denn auch noch weiter leben, nachdem ihr kleiner Bruder nicht mehr war? Wahrscheinlich war sich Silver diesem Umstand ebenfalls bewusste, weswegen Neona sich sicher war, dass auch der Untote alles dafür geben würde, den Jungen auf einem gesunden Abstand zu halten.
      Sie folgte ihm zunächst schweigend, als er sein Pferd zum Saufen an einen Bach führte und nickte dann schließlich langsam. "Ich werde ihn nicht aus den Augen lassen", versprach sie. "Außerdem werde ich noch einmal mit ihm reden. Du hast es nicht verdient, so von ihm behandelt zu werden. Nicht nachdem du ihn gerettet hast." Eigentlich war Kobi auch offen dazu in der Lage seine Dankbarkeit auszudrücken, doch gegenüber dem Untoten schien der Junge wirklich nur Abneigung aufbringen zu können. Gut... Silver hatte dazu allerdings auch seinen Teil beigetragen. "Und... es ist auch am besten, wenn du seine Kommentare einfach nur ignorierst. Solltest du versuchen, ihm Konter zu bieten wird es den Jungen nur noch weiter aufstacheln." In einem Versuch sich selbst zu beruhigen, strich sie sanft über den Hals ihres saufenden Pferdes, welches ihre Handlung mit einem zufriedenen Schnauben zu akzeptieren schien. "Ich weiß, dass das im Moment unglaubwürdig sein mag, aber er ist ein guter Junge, mit dem es sich eigentlich gut reden lässt... Er ist heute nur sehr aufgebracht, es ist viel passiert und..." Sie fuhr sich durch die wirren Haare und schüttelte den Kopf. "Ich werde auch alles dafür geben, damit ihr euch nicht allzu lange aushalten müsst, schließlich ist das auch in meinem Interesse."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      "Keine Sorge. Mein Dolch hat nichts für Frauen übrig.", gab er mit einem amüsierten Lächeln von sich, "Außerdem ist deine Schwester viel zu geschickt, um sich davon treffen zu lassen."
      Silver war fast schon stolz auf sich, wie schnell er den Jungen dazu gebracht hatte ihn zu hassen. Hoffentlich hielt er sich auch an seine Worte und hielt sich fern von ihm.
      Auch wenn der Unsterbliche bei dem Temperament des Jungen ein wenig befürchtete mit einer Faust ins Gesicht zu rechnen... was leider nur für einen fatal enden würde. Vielleicht sollte er sich doch eine Maske besorgen... zumindest solange Kobi bei ihnen war. Er würde zwar auffallen wie ein bunter Hund, aber das Leben des Jungen war deutlich wichtiger.

      "... noch einmal mit ihm reden?", hob der Untote ungläubig eine Augenbraue, "Neona. Ich will nicht, dass dein kleiner Bruder mich mag, ganz im Gegenteil. Wenn er mich hasst, wir er eher auf der Hut sein und sich von mir fern halten. Es gibt keine Grund nochmal mit ihm zu reden.", fügte er mit einem Seufzer hinzu, bevor er sich wieder seinem Pferd zu wandte.
      "Ich brauche seine Dankbarkeit nicht. Es ist mir auch egal, ob er eigentlich ein guter Junge ist oder nicht. Mir ist nur wichtig, dass er sich von mir fern hält und wir ihn so schnell wie nur möglich wieder absetzen.", stellte Silver klar, während er den Sattel seines Pferdes prüfte.
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    • Neona

      Sie glaubte zu wissen, warum Silver die Feindschaft zu ihrem Bruder nur noch weiter befeuerte, doch wenn das so weiter ging, müsste sie noch eine Prügelei zwischen den beiden befürchten... Also legte sie beschwichtigend eine Hand auf die Schulter ihres Bruders, bevor der zu einem weiteren giftigen Kommentar ausholen konnte. Zwar schien der Junge erst wenig bereit, klein beizugeben, doch der Ausdruck ihn ihren Augen, musste ihn letztendlich doch überzeugt haben. Murrend schüttelte er ihre Hand von seiner Schulter ab und stampfte daraufhin schweigend durch den Wald.

      "Mein Ziel ist es ja auch nicht, dass ihr euch mögt", stellte Neona kopfschüttelnd klar. Sollte Kobi irgendwann Gefallen am Untoten finden, könnte dessen Ableben dem Jungen immerhin unnötigen Kummer bereiten. Es war schon schlimm genug, dass die Diebin sich auf eben jenen wohl langsam einstellen müssen würde. Zwar hatte sie versucht emotionalen Abstand zu Silver zu halten, aber mittlerweile konnte sie nicht mehr verneinen, dass sie ihn als einen guten Kameraden, wenn nicht gar als einen Freund betrachtete. "Aber der Junge hat sich schon ein einigen Schlägereien beteiligt. Zwar hat er die wenigsten selbst angezettelt, aber solltest du ihn jemals genug provozieren, dass er..." Sie schüttelte den Kopf. Sie müsste solch eine Situation mit allen Mitteln verhindern und wenn sie sich zwischen die beiden stellen müsste. "Deswegen will ich mit ihm reden. Er soll nicht jedes deiner Worte als einen Angriff werten... Im Gegenzug: würdest du bitte davon absehen, ihn weiter zu provozieren? Ich verspreche dir, dass er sich auch so von der fernhalten wird, solange du ihn vernünftig darum bittest. Abgesehen davon werde ich ihn ebenfalls darum bitten." Kobi mochte auch bei Silver sicherlich nicht den besten ersten Eindruck hinterlassen haben, aber der Junge konnte eigentlich erstaunlich mitfühlend und aufrichtig sein. Solange er verstand, dass Silver niemanden in seiner unmittelbaren Nähe ertragen konnte und wollte, würde Kobi aus eigenen Stücken Abstand halten, auch ohne nach den Gründen zu fragen. "Und ich will natürlich auch nicht, dass ihr euch anfreundet, im Gegenteil. Aber ich will auch nicht ertragen, wie ihr euch in den nächsten Tagen ununterbrochen beleidigt."