How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      "Das solltest du wohl auch. So alt wie ich bin bräuchte ich deutlich mehr Nickerchen als nur alle fünf Stunden.", scherzte er mit einem breiten Grinsen und vor der Brust verschränkten Armen zurück.
      Wann hatte er das letzte Mal so mit jemandem gescherzt? Den meisten war sein dunkler Humor nicht geheuer und wenn doch, dann verstand man ihn sowieso kaum, wer würde schon verstehen warum er sich selber als alten Mann bezeichnete, wenn man nicht über seinen Fluch Bescheid wusste?
      Und Silver würde lieber tausend Tode sterben, als freiwillig und ohne guten Grund seine Umstände jedem auf die Nase zu binden.
      Alleine dass Landron mit diesem Wissen um die Welt streifte, auch wenn er nur wusste, dass er Leute in Asche verwandeln konnte, gefiel ihm ganz und gar nicht. Aber er versuchte nicht mehr länger darüber nachzudenken.
      "... wenn du das sagst.", zuckte er auch nur mit der Schulter. Er hatte keine Ahnung wie eine Hexe ihren Lebensunterhalt verdiente, zu seiner Zeit hatten sie sowieso abgeschieden von der Welt versteckt oder ihre Kräfte im Verborgenen gehalten.
      Aber mit den Magiesteinen... konnte man sicherlich ein gutes Sümmchen zusammen bekommen.

      Der Unsterbliche grinste ein wenig, als Neona Anstalten machte sich über sein Verhalten zu beschweren, zu seiner eigenen Überraschung sagte sie dann jedoch doch nichts und zog ihre Hand auch nicht zurück.
      Doch bevor er fragen konnte warum, setzten sie ihr Gespräch auch schon fort.
      "... bin ich wirklich so auffällig?", runzelte er die Stirn und schien das selber nicht so recht glauben zu wollen. Er zweifelte jedoch keine Sekunde daran, dass er ein Schönling war, auch wenn man den Untoten Teil nicht auf dem ersten Blick erkannte.
      Eine Maske zu tragen erschien ihm jedoch noch auffälliger.
      "Mhm... ich denke schon.", gab er sich letztendlich damit zufrieden in Sichtweite zu bleiben. Er konnte einfach nicht riskieren, dass man ihm den Schlüssel zu seinem Tod weg nahm. Und so wie es sich anhörte, könnten mehr als nur diese zwei hinter ihnen her sein.
      "... das ist gut.", nickte er, als Neona ihm mitteilte das Amulett versteckt zu haben. Dann mussten sie die Rothaarige am Leben lassen, wenn sie das Amulett wollten. Eine Sicherheit die ihn etwas entspannte.

      "Hah... nur weil du eine Frau bist? Schätzchen, daran hab ich gar nicht erst gedacht. Du lebst, ich... bleiben wir bei Untotem. Der Tod braucht keine Wärme.", zwinkerte er ihr belustigt zu, während er seine Tasche schulterte.

      Die Freude der Rothaarigen über Wurst und Käse zauberte dem Unsterblichen ein belustigtes Lächeln auf die Lippen. Es war eigenartig wie einfach die Lebenden zu begeistern waren. Gutes Essen, Wärme, ein angenehmer Schlafplatz... wann hatte er sich das letzte Mal über solch einfache Dinge gefreut?
      Sicherlich war es nicht länger her, als ihm lieb wäre.
      Mit einem Nicken nahm er das Stück Brot entgegen und Schnitt mit einem Messer, dass er ebenfalls in der Kleidung seiner Verfolger gefunden hatte - vor allem der Blonde schien eine Unmenge an Messer in seiner Kleidung versteckt zu haben. Ein Wunder, dass man stattdessen den schnellen Tod an ihm verschwendet hatte - Stücke von der Wurst und dem Käse ab, welche er Neona reichte, bevor er sein eigenes Stück Brot belegte.
      "... Glücksbringer? Hah... witzig. Gewöhn dich lieber nicht dran.", grinste er schief und konnte beim besten Willen nicht glauben als Glücksbringer bezeichnet zu werden. Sicherlich lauerte das Unglück schon. Er hielt sich jedoch zurück sie daran zu erinnern, dass dieses Glück dem Tod zweier Männer geschuldet war.
      Stattdessen biss er von seinem Abendessen ab, bevor er die Kleidung der Toten aus seiner Reisetasche fischte und begann diese Stück für Stück zu zerreißen, um sie im Feuer zu verbrennen.
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    • Neona

      Sie schnaubte belustigt, als er nicht ganz zu verstehen schien, wie auffällig seine Gestalt doch war. Sicher, es gab sicherlich schönere Gesichter in dieser Welt, aber Silvers Züge würden dennoch ungewollte Blicke auf sich ziehen. Besonders da es sicherlich seltsam erscheinen mochte, dass ein Mann mit seiner Gestalt eine zerlumpte Göre durch die Stadt begleitete. Zum Glück schien er aber dazu bereit, den nötigen Abstand zu wahren. Gleichzeitig glaubte Neona auch nicht daran, dass man versuchen würde sie vor hunderten Augen mitten auf einen Marktplatz anzugreifen, schließlich hatte man auch heute erst darauf gewartet, dass sie sich zu nah an eine Gasse herantraute. Zudem würde sie nun auch deutlich besser auf ihre Umgebung achten.
      "Nur weil du nicht ganz im Leben verankert sein magst, heißt das noch lange nicht, dass du nicht die Kälte der Nacht spüren kannst", stellte Neona nun fest, während sie den Heat-Stein in ihrer Tasche verschwinden ließ. "Ich habe keine Lust in der Nacht von deinem Zähneklappern wachgehalten zu werden", verkündete sie dann scherzhaft und hob warnend den Zeigefinger.

      "Danke." Sie neigte einmal dankend das Haupt bevor sie Wurst und Käse von ihm entgegennahm, bestaunte beides mit glänzenden Augen, bevor sie endlich ihr Brot damit belegte und einen großen Bissen wagte. Kaum machte sich der volle Geschmack in ihrer Mundhöhle breit konnte sie nicht anders als ein wohliges Summen von sich zu geben. Zwar hatte das ganze einen faden Beigeschmack, wenn man bedachte, dass es aus den Taschen der verstorbenen Männer stammte, aber anstatt diese Köstlichkeiten vergehen zu lassen, sollte sie sie lieber genießen, oder?
      "Hm. Du magst es vielleicht selbst nicht zu sehen, aber für mich bist du auf jeden Fall ein Glücksbringer", erklärte sie, nachdem sie mehrere Bissen vertilgt hatte und sich einen Schluck Wasser gegönnt hatte. "Zuerst hast du mir Hoffnung gemacht, endlich diesen elenden Fluch besiegen zu können, gestern Nacht hast du in dem Gasthaus durch dein Eingreifen ein Blutbad verhindert und heute hast du mir eventuell auch das Leben gerettet oder mich zumindest vor einer schmerzhaften Folter bewahrt." Sie hob grinsend die dick belegte Scheibe Brot in ihren Händen. "Zu guter Letzt hast du mir ein kleines Festmahl ermöglicht. So viel Glück habe ich sicher die letzten zehn Jahre nicht genießen können." Zufrieden mit ihrer Argumentation gönnte sie sich einen weiteren großen Bissen und kaute verträumt vor sich hin, beobachtete Silver schließlich dabei, wie er auch die letzten Beweise seiner beiden Opfer im Feuer verschwinden ließ. Ob er das immer so tat? Oder war er dieses Mal nur vorsichtig, weil er über die potenziellen weiteren Verfolger Bescheid wusste? Irgendetwas hinderte sie daran, ihn danach zu fragen. Einerseits war sie zunehmend an der düsteren Vergangenheit ihres Begleiters interessiert, zugleich wusste sie nicht, ob ihr gefallen würde, was er ihr erzählen würde. Ganz davon zu schweigen, dass er wahrscheinlich ungern über seine Vergangenheit reden wollen würde, besonders nicht mit einer Göre, die er kaum kannte.
      Nachdem auch die letzten Reste des festlichen Abendbrotes vertilgt waren, machte sich Neona daran ihren Schlafplatz weiter vorzubereiten. Sie entfernte lästige Steine und Stöcke, sammelte stattdessen Laub und weiches Gras zusammen, um ihre Unterlage zumindest ein wenig bequemer zu gestalten. Dabei sammelte sie auch genug Materialien für Silver zusammen. "Vielleicht ist es vernünftig, wenn wir eine Nachtwache einhalten", überlegte sie, während sie ihre neu erworbene Decke auf ihrem Schlafplatz ausbreitete. "Ich kann gerne die erste übernehmen, da ich daran zweifle bald einschlafen zu können." Eigentlich sollten die Ereignisse der letzten Stunden sie unendlich erschöpft und ermüdet haben, gleichzeitig wusste sie aber, dass sofort die Bilder der verstorbenen Männer durch ihre Gedanken jagen würden, kaum dass sie die Augen schloss. Statt also sinnlos wach zu liegen, würde sie über das Feuer wachen und eventuell ihre Gedanken etwas ordnen können.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche konnte sich das breite Grinsen nicht verkneifen, als er davor gewarnt wurde Neona auf gar keinen Fall im Schlaf zu stören, sollte ihm kalt werden. Und dann auch noch mit seinen Zähnen? Ob sie schon mal durch Zähneklappern am Schlafen gehindert wurde?
      "Sollte das passieren kannst du mich ja einfach um die Ecke bringen, dann hast du deine Ruhe. Oder ein Tritt reicht auch.", zwinkerte er ihr amüsiert zu, auch wenn er nicht daran glaubte, dass sie zu solchen Maßnahmen greifen würde, geschweige denn, dass er sie durchs Zähneklappern wecken würde. Er hatte ja jetzt eine Decke.

      Gedanken verloren lehnte sich Silver während ihrer Aufzählung zurück, schmeckte das belegte Brot kaum, während er über ihre Worte nachdachte.
      "Nun... wenn du das so sagst...", konnte er ihr da nicht widersprechen.
      "Du musst aber wirklich kein besonders glückliches Leben führen, wenn dir in den letzten zehn Jahres nichts besseres passiert ist, was?", neckte er sie mit einem Grinsen und verschlang sein Abendessen mit wenigen Bissen, bevor er fortfuhr, "Außerdem musst du dann wohl auch mein Glücksbringer sein... wobei, nein.", wischte er sich ein paar Krümmel aus dem Gesicht, bevor er sie mit ernsten Gesichtsausdruck anstarrte.
      "... du bist mein einziger Weg aus dieser Hölle.", waren seine Worte nicht einmal übertrieben. Während er ihr die Hoffnung zum Leben geschenkt hatte, konnte auch er mit ihr endlich Hoffnung auf den Tod fassen. Darauf diese Existenz nach so vielen Jahrhunderten endlich beenden zu können.
      Stumm sah er ihr dabei zu, wie sie sich um einen anständig Schlafplatz kümmerte und hob verwundert eine Augenbraue, als ihm bewusst wurde, dass auch für ihn einiges an Laub zusammen sammelte. Dabei sollte ihn ihre Freundlichkeit wahrscheinlich mittlerweile nicht mehr überraschen.
      "... von mir aus. Weck mich einfach, sobald du müde bist, den Rest der Wache kann ich dann übernehmen.", warf er weitere Fetzen an Kleidung ins Feuer.
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    • Neona

      Irgendwie wunderte sie sich nicht mehr darüber, dass er vorschlug, ihn zu töten, sollte sein Zähneklappern lästig werden. Zugleich machte es ihr ein weiteres Mal deutlich, wie selbstverständlich der Tod für ihn geworden war. Er hatte sicherlich keine Angst vor ihm - er wünschte sich eben diesen ja sogar herbei... Dennoch wer es entsetzlich, wie oft er diese Art von "Witzen" in der kurzen Zeit, die sie sich kannten schon gemacht hatte. Ob er deswegen auch nichts zu empfinden schien, wenn er andere Menschenleben auslöschte? Der Tod musste über viele Jahre beziehungsweise Jahrhunderte hinweg sein ständiger Begleiter gewesen sein...

      Es war schon fast amüsant zu beobachten, dass er ihre Worte noch immer nicht wirklich annehmen wollte, zugleich schien er kein passendes Gegenargument mehr zu finden, weswegen sie ihn einfach nur triumphierend anlächelte.
      "Hm... Es war sicher kein besonders 'glückliches' Leben, aber ich würde mich auch nicht als unglücklich bezeichnen", meinte sie nachdenklich und legte den Kopf in den Nacken, musterte den mittlerweile dunklen Himmel über ihren Köpfen, welcher von unzähligen funkelnden Sternen durchsetzt war. Seit dem Tod ihrer Eltern war ihr Leben sicher kein Zuckerschlecken gewesen, aber sie hatte es immer wieder aus kniffligen Situationen geschafft, sich mittlerweile eine gute Menge Geld angespart und war den dunkelsten Abgründen der Straßen erfolgreich entkommen. Zudem hatte es immer wieder schöne Momente in ihrem Leben gegeben, vor allem dann, wenn sie Zeit mit ihrem kleinen Bruder verbringen und gemeinsam mit ihm ihre Zukunft planen konnte.
      "Dein einziger Weg aus dieser Hölle, huh?", wiederholte sie Silvers Worte mit einem feinen Schmunzeln. "Klingt fast so, als wäre ich eine Art Engel, der dich aus den heißen Flammen der Unterwelt reißen soll." Sie kicherte belustigt, bevor sie die letzten Reste ihres Abendmals genüsslich vertilgte. "Vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein Todesengel..." Immerhin war ihr Ziel, dass der Braunhaarige sein Leben für sie gab.
      Nachdem sie alle Materialien zusammengesammelt und ihren Schlafplatz vorbereitet hatte, platzierte sie sich wieder direkt am Feuer und beobachtete Silver dabei, wie er Stück für Stück weitere Kleidungsreste in den Flammen verschwinden ließ. "In Ordnung, das mit dem Wecken kann ich mittlerweile ja schon ganz gut." Das feine Schmunzeln auf ihren Lippen hielt nicht lange an, während erneut düstere Gedanken durch ihren Kopf waberten. Minutenlang beobachtete sie einfach nur weiter stumm die tanzenden Flammen, bevor sie einmal lang die Luft einzog. "Hast du in der Vergangenheit jeden umgebracht, der von deinem Fluch erfahren hat?" Sie erinnerte sich daran, wie dringend er hatte Landron töten wollen, nur weil der Blondschopf seine tödliche Berührung mit ansehen hatte können. Dabei schien der junge Dieb nur davon auszugehen, dass der Untote ein besonders starker Magier war, außerdem zweifelte Neona daran, dass dieser elende Schürzenjäger irgendjemanden davon erzählen würde. Auch wenn Silver dass natürlich nicht wissen konnte, hatte sich der mörderische Ausdruck seiner Augen tief in ihre Erinnerung gebrannt. Hätte sie ihn nicht aufgehalten, hätte er keinen Moment gezögert... "Hat es in der Vergangenheit solch große Probleme bereitet, wenn jemand über deinen Fluch erfahren hat?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      "Engel oder nicht... ob du es mir glaubst oder nicht, aber ich werde dir unglaublich dankbar sein, sobald ich durch deine Hand... deinen Fluch sterben kann.", nickte er in Richtung ihrer verfluchten Hand und so ernst wie seine Stimme klang, schien er nicht mehr zu Scherzen aufgelegt zu sein. Neona mag nicht gerne töten oder andere Leute sterben sehen, das war ihm mittlerweile bewusst. Umso wichtiger war es ihm, dass die Rothaarige verstand, dass sie ihm damit einen Gefallen tat. Dass er den Tod wollte.
      Und sollte sie aus einem Gefühl von Schuld oder ähnlichem ihm diesen verwehren, würde er ihr das niemals verzeihen.
      "Offensichtlich.", kommentierte der Unsterbliche mit einem belustigten Schnauben. Sie war tatsächlich ganz gut darin einen Mann, der womöglich ein Jahrhundert geschlafen hatte, aufzuwecken, doch als sie seine Abneigung über das Wissen seines Fluchs ansprach, verflog der amüsierte Gesichtsausdruck sofort und Silver zuckte zusammen, als hätte sie ihn mit diesen Worten geschlagen.
      "... nicht immer... nicht jeden...", murmelte er nach einigen Momenten der Stille, bevor er nach einem Stock griff und damit Stofffetzen und Holz im Feuer zurecht schob. Vielleicht brauchte er auch nur etwas um seine Hände zu beschäftigen, während er nach den richtigen Worten suchte.
      "... lass es mich so sagen... es gibt Leute die eine Menge für Unsterblichkeit tun würden. Oder für Soldaten, die nicht sterben, aber mit einer Berührung töten können.", fühlte sich seine Zunge mit jedem Wort schwerer an, als er an Zeiten in seinem Leben erinnert wurde, die er lieber verdrängte. Er konnte nur hoffen heute Nacht nichts zu träumen.
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    • Neona

      Ihr Lächeln verschwand umgehend, als ihr der Ernst in seinen Worten bewusst wurde. Er schien sich den Tod wirklich mehr als alles andere zu wünschen. Auch wenn er das nun schon mehrfach deutlich gemacht hatte, fiel es ihr nach wie vor schwer zu begreifen, dass sich jemand so sehr nach dem Tod sehnte, während sie alles dafür gab, um weiter leben zu können. "Du... musst mir nicht dankbar sein, schließlich wird dein Tod ja mein Leben retten." Sie sollte also eher ihm dankbar sein. Allerdings schien ihm an seinem Tod ähnlich viel zu liegen, wie Neona an ihrem Leben. Also sollten sie damit quit sein, richtig?
      Sie erkannte den... Schmerz, die schlechten Erinnerung, die ihre Frage mit sich brachte. Sie befürchtete entsprechend, dass er ihr nicht antworten würde. Sie hätte es verstanden. Warum sollte er auch darüber reden wollen? Umso überraschter blickte sie auf, als er plötzlich zu reden begann. Sie wartete jedes seiner Worte geduldig ab, musterte die Bewegungen des Stockes im Feuer, betrachtete danach wieder die förmlich schmerzverzogenen Gesichtszüge des Braunhaarigen. "Es muss schrecklich gewesen sein", kommentierte sie wenig geistreich nach einigen Momenten des Schweigens. Sie wusste nicht genau, was sie sonst sagen sollte, sie wusste nicht, was richtig war. Aber sie verstand. Natürlich konnte sie es nicht nachempfinden, aber sie verstand. "Landron wird mit niemanden darüber reden", fühlte sie sich schließlich dazu verpflichtet zu sagen. "Er mag wie ein Plappermaul wirken, aber Dinge die er als interessant erachtet, behält er grundlegend für sich. Er erhofft sich damit einen Vorteil." Leider bedeutete das aber auch, dass er eventuell weitere Nachforschungen anstellen würde, aber bevor er damit zum Erfolg kam, hätten Neona und Silver ihr Ziel eventuell schon erreicht. "Ich werde mich natürlich auch davor hüten irgendetwas zu erzählen", versicherte sie mit einem milden Schmunzeln. "Schließlich will ich meine einzige Chance auf Überleben nicht vergraulen." Ihre Augen senkten sich wieder auf die wärmenden Flammen, das letzte Stück Stoff löste sich bereits in seine Einzelteile auf und wurde zum Teil von der Hitze der brennenden Luft in den Nachthimmel gehoben. "Du solltest schlafen. Ich möchte morgen den Tag durchwandern und wir werden dieses Mal nicht die gemütlichen Händlerswege nutzen können. Mit etwas Glück erreichen wir schon am Abend die Stadtmauern von Abrosa. Dort befindet sich auch unser Pferdehändler. Nachdem ich genug Geld auf dem Markt 'eingetrieben' habe, können wir also direkt zu ihm und unsere Weiterreise beschleunigen."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Sie hatte recht. Natürlich würde sein Tod im Gegenzug ihr Leben retten, sie würden beide bekommen was sie wollten und dennoch... er konnte sich nicht vorstellen, dass sie so sehr am Leben hing, wie er am Tod. Wie auch? Er hatte den Willen zum Leben schon lange verloren und hatte dennoch irgendwie weiter machen müssen, schlicht und einfach weil er nicht sterben konnte, nicht wirklich... wie oft hatte er versucht sich selbst mit einer Klinge zu töten, in der Hoffnung dieses Mal würde es funktionieren? Wie viele Todesarten hatte er ausprobiert, in der Hoffnung der Fluch hätte einen Makel? Wie oft hatte er gefleht endlich sterben zu dürfen?
      Wie weit würde Neona gehen um weiter leben zu dürfen? Er wusste es nicht. Und wenn ihre Reise von Erfolg gekrönt wäre, würde er es auch nie erfahren müssen.
      Er wird dankbar sein, sobald er endlich sterben darf. Dennoch schwieg er, nur um in das nächste problematische Thema katapultiert zu werden.
      "Ja... Ja das war es.", kommentierte er mit einem tiefen Seufzen und fuhr sich übers Gesicht, als könnte er damit die aufkommenden Erinnerungen fort wischen.
      "Heh... ich weiß nicht, ob ich mich damit besser fühle, wenn der Blondschopf sich einen Vorteil daraus erhofft... Rotkäppchen.", grinste er amüsiert und warf der Rothaarigen letztendlich einen Blck zu, den Spitznamen des Blonden für die Diebin mit Spott in der Stimme betonend.
      Als Neona betonte, dass auch sie nichts verraten würde, starrte er sie für einige Momente ungläubig an, bevor er lauthals zu Lachen begann.
      "Ahahaha... natürlich... wieso sollte ich überhaupt auf den Gedanken kommen, du könntest es jemandem verraten, wenn du mich brauchst?", beruhigte er sich langsam. Ihre Worte mögen beruhigend gemeint sein, aber umso amüsierter war Silver darüber. Dass sie das Gefühl hatte ihm dies versichern zu müssen... er musste wirklich ein schreckliches Gesicht gemacht haben, mh?
      "Mhmm... das sollte ich wohl, was? Abrosa... nein, da klingelt nichts.", warf er den Stock letztendlich ins Feuer, wünschte der Rothaarigen mit einem Nicken eine gute Nacht und legte sich in das Laub.

      Wie erwartet dauerte es Stunden, bis Silver den Schlaf fand, doch dieses Mal wünschte er sich er wäre einfach wach geblieben.
      Das erste woran er sich erinnern konnte war ein brennender Schmerz. Er konnte sich selbst Schreien hören, ein verzweifelter Schrei aus einer Kehle die Stundenlang nichts anderes getan hatte. Dann kam der Tod... nur um ihn wieder ins Leben zurück zu holen. Zurück zu den Schmerzen. Und Silver konnte nichts tun, außer es über sich ergehen zu lassen und mit einem lauten Schrei aus seinem Schlaf zu erwachen.
      Panisch setzte sich der Unsterbliche auf, schnappte nach Luft, war vollkommen verschwitzt, geplagt von Alpträumen und waren das... Tränen? Verdammte Scheiße...
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    • Neona

      Sie verkniff sich jegliche weitere Frage zu seinen Erfahrungen aus der Vergangenheit. Sein Gesichtsausdruck machte deutlich, dass die Erinnerungen alleine unfassbar schmerzhaft sein mussten und sie wollte ihn nicht unnötig damit konfrontieren. Mal ganz davon abgesehen, dass es sie nichts anging. Sollte ihr beider Ziel am Ende dieser Reise erreicht werden, würden sie sich nie wieder begegnen... und selbst wenn sie ihr Ziel nicht erreichten, würde es Neona sein, die den Tod fand.
      "Sie zuckte zusammen, als er den Spitznamen verwendete, den ihr Landron vor Jahren aufgedrückt hatte. "Lass das", grummelte sie unwillig. "Ist schon schlimm genug, dass dieser Idiot es nicht schafft, mich normal beim Namen zu nennen." Sie hatte es mittlerweile aufgegeben, Landron in dieser Hinsicht belehren zu wollen. Desto deutlicher sie zeigte, dass sie diesen Spitznamen verabscheute, desto häufiger schien der Mistkerl eben jenen über seine Lippen rollen zu lassen, also hatte sie beschlossen es einfach zu ignorieren. Leider hatte der Blondschopf in der Vergangenheit schon diverse andere Diebeskollegen mit diesem Spitznamen angesteckt, weswegen sie fast überall davon verfolgt wurde. Während Landron den Namen allerdings überwiegend zur eigenen Belustigung nutzte, schienen die anderen es als eine Art Beleidigung zu verstehen, um sie als schwach und unnütz abstempeln zu können. Das kleine Mädchen, dass ohne die Hilfe von anderen nicht für sich selbst sorgen konnte...
      Sein plötzliches Lachen traf sie vollkommen unerwartet und ließ sie sogar einmal erschrocken zusammenzucken. Gleichzeitig verstand sie nicht so wirklich, was an ihren Worten so lustig war. Er hatte natürlich recht damit, dass sie es sich mit ihm nicht verscherzen sollte, zugleich hatte sie aber auch nie versprochen sein Geheimnis zu hüten... War es also wirklich so unnötig diese Sache auszusprechen. Nun ja, solange er sich amüsieren und offenkundig den dunklen Gedanken und Erinnerungen abschwören konnte, sollte es ihr absolut recht sein. So entschloss sie sich letztendlich ein feines Lächeln aufzusetzen und nickte als er sich schließlich auf seinem Laubbett breit machte.
      Stille legte sich umgehend auf ihr kleines Lager und ihre Gedanken fingen unabwendbar zu kreisen an. Immer wieder erschienen die schmerzverzerrten Gesichter der verstorbenen Männer in ihrem inneren Auge. Immer wieder hörte sie deren dumpfe Schreie. Immer wieder fragte sie sich, ob sie es hätte verhindern können. Ob es richtig war, Silver auch den zweiten Mann töten zu lassen. Könnte man sie am Ende nicht auch als eine Mörderin bezeichnen? Sie hatte schon einmal getötet... mit eigenen Händen und einer Klinge... Doch damals war es anders gewesen, sie hatte keine andere Wahl gehabt... Dennoch hatte sie sich schon da so schmutzig empfunden, dass sie beinahe einen Monat lang nicht nach Hause gegangen war, aus Angst das Blut an ihren Händen könnte in Kobis Nase steigen.
      Als würden die endlos kreisenden Gedanken nicht schon lästig genug sein, setzte schließlich doch wieder das schmerzhafte Pulsieren ihres Males ein. Sie wusste, dass es sich in wenigen Minuten zu einer unerträglichen Qual potenzieren würde und ihr Blick huschte kurz zu Silver hinüber. Sein ruhiger Atem verriet, dass er schließlich eingeschlafen war. Ob seine Berührung zuvor wirklich den Schmerz ihres Fluches hatte dämmen können? Könnte sie einen ähnlichen Effekt erzielen, wenn sie ihn selbst berührte?
      Sie biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. Sie wollte ihn nicht wecken, außerdem würde sie diesen Anfall früher oder später ertragen müssen. Sie legte den Stock beiseite, mit welchen sie bis eben noch die Flammen am Leben gehalten hatte und erhob sich von ihrem Schlafplatz, wanderte ein Stück weit in das Dickicht des Waldes. Dort könnte niemand ihr schmerzhaftes Stöhnen hören.
      Sie wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, bevor sie endlich wieder aus der Dunkelheit zurück auf die Lichtung trat. Das Feuer war zu einer mild glimmenden Glut zusammengeschrumpft und Silver... Sie beschleunigte ihre Schritte, als sie glaubte seine von Schmerzen durchzogene Stimme zu vernehmen. Kaum erreichte sie das Lager, bestätigte sein Gesichtsausdruck und der Schweiß auf seiner Haut, dass er entweder wirklich gerade Schmerzen verspürte oder einen unfassbar schlimmen Albtraum durchlebte. "Silver." Sie hochte sich direkt neben ihn, legte ihre Finger um seine Schultern und rüttelte sanft an diesen. "Was ist mit dir? Wach a-" Bevor sie weiter reden konnte, durchschnitt sein Schrei auch schon die Stille der Nacht, bevor sein Kopf beinahe mit ihrem kollidierte, als er sich abrupt aufrichtete. Sie war vor Schreck beinahe umgekippt, konnte sich aber noch rechtzeitig fangen und fasste ihn nun besorgt ins Auge, ihre Hände noch immer an seinen Schultern. "Hast du Schmerzen? War es ein Albtraum?" Ihre Augen forschen in seinen, erkannten die Tränen in ihnen. Sie spürte das Zittern seines Körpers unter ihren Fingern, hörte seinen panisch gehenden Atem.
      Sie handelte, bevor sie wirklich darüber nachdenken konnte. Zog ihn näher an sich und legte einen Arm um seinen Rücken, den anderen Sanft auf seinen Schopf. "Es ist alles gut." Wie oft hatte sie in der Vergangenheit Kobi so beruhigt? Er war nur knapp ein Jahr alt gewesen, als ihre Eltern gestorben waren und dennoch schienen da immer wieder unterschwellige Erinnerungen einen Weg in seine Träume zu finden. So wie sie ihrem Bruder damals immer wieder sanft über den Rücken gestrichen hatte, so wanderten ihre Finger nun auch über Silvers Körper, während sie sich darauf konzentrierte so ruhig und tief wie möglich zu Atmen. Er sollte seine Atmung gege seine Brust spüren, sich daran orientieren und eine Möglichkeit finden sich selbst zu beruhigen.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche lachte kurz und leise in sich hinein, amüsiert über den grummeligen Ton der Diebin, als er den – anscheinend verhassten – Spitznamen über seine Zunge gleiten ließ, machte sich jedoch auch gleichzeitig eine mentale Notiz, diesen doch nicht mehr zu benutzen. Es erschien ihm irgendwie lächerlich, vor allem verstand er nicht einmal, woher dieser Spitzname kommen sollte. Etwa nur, weil sie rote Haare hatte?
      Keine Diebin die etwas auf sich hielt lief doch mit einem knallroten Tuch um die Schultern durch die Welt, das war doch viel zu auffällig.
      Mag sein, dass die Beiden nie besprochen haben seine Identität und damit seinen Fluch geheim zu halten, doch für Silver war es so selbstverständlich, dass er gar nicht erst darüber nachgedacht hatte, dass dies nötig wäre. Was unter Ich bin unsterblich und kann Lebewesen mit einer Berührung töten schrie nicht ganz groß nach Geheimnis? Womöglich war Silver es auch einfach nur gewohnt, dass man solche Dinge nicht herum erzählte. Wenn es doch jemand tat, war er jedes Mal überrascht.
      Trotz seines Alters lernte wohl auch er nicht wirklich dazu, was?

      Silver nahm die Stimme der Rothaarigen kaum war, wie durch einen Schleier glaubte er ihre Stimme zu hören, gleichzeitig war sein Verstand viel zu sehr damit beschäftigt den Albtraum zu verarbeiten, seinem Körper weiß zu machen, dass er in diesen Moment nicht wirklich starb, nicht dazu verdammt war höllische Schmerzen durchzuhalten.
      Er zuckte zusammen, als er plötzlich die Arme einer anderen Person um sich spürte die Panik in ihm wuchs und sofort legte er die Hände auf die Schultern der Gestalt, um diese wieder von sich weg zu stoßen, als er diese vier Worte hörte und realisierte, dass es Neona war. Fast hätte er aufgelacht, wenn er noch in der Stimmung dazu gewesen wäre.
      "Nichts ist gut...", antwortete er instinktiv, ließ die Hände jedoch sinken und machte keine Anstalten die Diebin von sich zu stoßen, stattdessen lehnte er die Stirn gegen ihre Schulter.
      Er ganz vergessen wie es war umarmt zu werden. Berührt zu werden. Und welch lindernde Wirkung eine solch einfache und simple Geste für Körper und Geist war. Alles in ihm schrie danach sich aus ihren Armen zu widen, sie von sich zu stoßen, bevor sie sich in Staub auflösen konnte... oder vielleicht war es auch einfach zu viel für einen Mann, der seit Hunderten von Jahren keine Menschenseele umarmt hatte.
      Gleichzeitig tat es gut... so unglaublich gut, dass er in ihren Armen versank und sich wünschte, dass sie ihn nicht mehr los lassen würde. Zumindest für den Moment.
      Seine Atmung stabilisierte sich und dem Untoten wurde bewusst, dass er nur schlecht geträumt hatte.
      "... ich denke es wäre nun Zeit zu tauschen, wie?", fügte er nach einigen Momenten der Stille hinzu.
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    • Neona

      Sie bemerkte die sich steigernde Anspannung in seinem Körper, war sich für einen Moment sogar beinahe sicher, dass er sie von sich schieben würde. Als er eben dies allerdings nicht tat und stattdessen sogar seine Stirn auf ihrer Schulter ablegte, setzte sie ihr behutsames Streichen über seinen Rücken fort. "Dann werden wir dafür sorgen, dass es besser wird", murmelte sie ruhig auf seine deprimierenden Worte. Sie wusste nicht, was in seinem Traum geschehen war, wusste nicht, welches Grauen ihn so hatte auffahren lassen... Aber ein Mann, der schon seit hunderten von Jahren über die Erde wandelte, ließ sich sicherlich nicht so einfach in diesen Zustand versetzen. Er hatte sogar geweint... Sollten es tatsächlich Erinnerungen aus einer schrecklichen Vergangenheit sein? Was wenn sie eben diese Erinnerungen mit ihren vorangegangen Fragen wachgerufen hatte? Sie kaute etwas verbittert auf ihrer Unterlippe herum, konzentrierte sich ansonsten aber weiter auf eine ruhige Atmung und die Bewegungen ihrer Hände auf seinem Rücken und Haarschopf. Als die Anspannung des Untoten fast vollständig aus seinen Gliedern entwischen zu sein schien und auch in seine Atmung wieder Ruhe eingekehrt war, stieß Neona einmal lang die Luft aus, ließ ihre Hände behutsam auf seinen Schultern nieder und schob ihn langsam wieder von sich. Dann musterte sie eingehend seine Züge, soweit das unter dem gedämpften Glühen des Lagerfeuers möglich war. Noch immer war ihm der Schreck des Traumes deutlich anzusehen und an seinen Wangen ließen sich immer noch die feuchten Spuren von Tränen erkennen, doch der unendliche Schmerz, der zuvor noch in seinen Augen zu brodeln schien, war erloschen. Zum Glück.
      "Bist du dir sicher, dass du nicht eher noch etwas Ruhe brauchst?", hakte sie besorgt nach. "Es wäre nicht die Erste Nacht, die ich wach bleibe und ich bin auch gar nicht so Müde." Das war eine kalte Lüge. Der Krampfanfall in ihrem Arm hatte ihr einiges an Kraft abverlangt und Erschöpfung in jedes einzelne ihrer Körperteile gepumpt. Anmerken ließ sich dies natürlich nicht, außerdem sollten ein paar Minuten der Ruhe genügen, damit sie wieder auf der Höhe war.
      Als sie glaubte, dass Silver wieder gänzlich seine Fassung zurück erlangt hatte, löste Neona sich endgültig von ihm, indem sie ihre Hände von seinen Schultern nahm und ein paar Zentimeter von ihm wegrutschte. "Tut mir im Übrigen leid, dich so ungefragt umarmt zu haben." Etwas verlegen glitt sie mit ihren Fingern über ihren Hinterkopf. "War... wahrscheinlich die Macht der Gewohnheit."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Untote konnte den spöttischen Laut, gefolgt von einem schiefen Grinsen, dass seine Augen nicht erreichte, nicht unterdrücken. Dafür sorgen, dass es besser wird? Das hatte er die letzten Jahrhunderte bereits versucht und war zahlreich daran gescheitert. Doch er wollte sich nicht in Gedanken vertiefen und sich stattdessen auf Neonas Wärme und das beruhigende Gefühl von ihrer Hand an seinem Rücken konzentrieren.
      Es war eigenartig, wirklich. Einerseitswusste er, dass er sich lieber zurück ziehen, sie von sich schieben wollte... doch der Teil, der viel zu lange einsam gewesen war, wollte nicht. Und auch wenn er wusste, dass seine Berührung sie nicht töten würde, schien sein Verstand es noch nicht ganz realisiert zu haben. Es war ein eigenartiges Gefühl sich von der Rothaarigen trösten zu lassen, während er es eigentlich besser wusste.
      Silver weigerte sich nicht, als er sachte von ihr geschoben wurde, ließ zu, dass sie ihn beobachtete und ihm wurde bewusst, dass seine Augen noch immer nass waren und machte sich schnell daran, die Tränen aus den Augen und von den Wangen zu reiben.
      Er war es nicht gewohnt Schwäche zu zeigen. Er fühlte sich dabei unwohl.
      „... Schlaf ist nicht die Art von Ruhe, die ich gerade brauche, du dagegen schon. Ich werde sowieso nicht mehr schlafen können.“, gab er mit einem tiefen Seufzer von sich und wünschte sich er hätte die ein oder andere Flasche Alkohol in der Stadt aufgetrieben. Damit hätte er den Schmerz ertränken können.
      Ohne jegliche Regung in seiner Mimik sah er ihr nach, wie die Diebin ein paar Zentimeter von ihm rutschte. Ob ihr die Angelegenheit wohl peinlich war?
      „... schon gut.“, gab er nur kurz angebunden zurück, wich ihrem Blick aus und rieb sich den Hinterkopf, als wüsste er nicht so recht, was er noch hätte sagen sollen.
      „... Gewohnheit... wie? Es... ich glaube... verdammte Scheiße.“, gab er einen genervten Laut von sich und fuhr sich genervt durchs Haar, als ihm einfach nicht die richtigen Worte über die Lippen kamen.
      „... danke.“, entschied er sich dann letztendlich doch für eines, bevor er sich erhob und die Distanz zum Lagerfeuer überbrückte, um sich vor dieses zu setzen und die Glut wieder zu entfachen, fest entschlossen den Rest der Wache zu übernehmen.
      Dabei war dem Untoten nichts ungewöhnliches an Neona aufgefallen, sie wirkte etwas erschöpft, ja, aber er nahm einfach an, dass sie müde war. Wie hätte er ahnen können, dass sie in dieser Nacht ihren eigenen Schmerzen hatte standhalten müssen?
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    • Neona

      Er schien ihren Worten nicht sonderlich viel Glauben zu schenken... wahrscheinlich mochte es daran liegen, dass er in seinem langen Leben schon zu oft enttäuscht wurde. Dennoch wusste sie nicht, wie sie ihn anders hätte trösten sollen und verkniff sich stattdessen jegliche weitere Worte der Aufmunterung.
      Mit einem milden Lächeln beobachtete sie später, wie er die letzten Spuren seiner Tränen aus den Augen und seinen Wangen wischte. Kobi hatte fast immer ähnlich gehandelt, immer behauptet, dass er doch schon ein großer Junge wäre und nicht weinen dürfe. Im Gegensatz zu ihrem kleinen Bruder mochte Silver zwar wirklich schon erwachsen, sogar uralt sein, aber jedem Menschen sollte es gegönnt sein, Schwäche zu zeigen. Tatsächlich beruhigte Neona dieser Anblick sogar ein wenig, da es den Untoten in ihren Augen deutlich menschlicher machte. Es war vor allem ein starker Kontrast zu dem seinen kalten mörderischen Handlungen des Vortages.
      Sie verzichtete darauf, ihn wegen seiner Tränen anzusprechen und sie fragte ihn auch nicht nach dem Inhalt seines Albtraumes, stattdessen nickte sie verstehend, als er darauf bestand nicht weiter schlafen zu wollen. Ihr selbst waren Albträume schließlich auch nicht fremd... Sie wusste also genau, wie schwer es dem eigen Kopf fallen konnte, nach solch einem schreckhaften Erwachen erneut Ruhe zu finden. "Okay. Sobald du aber müde werden solltest, weck mich einfach", verlangte sie schließlich.
      Der Umstand, dass er ihr verlegenes Hinterkopfkratzen mimte machte die Situation für sie nicht weniger unangenehm, doch zum Glück schien er ihr Handeln nicht übel zu nehmen. Gleichzeitig schien er reichlich Probleme zu haben, die passenden Worte zu finden, weswegen Neona ein paar mal nervös auf ihren Knien herumrutschte, darauf bedacht ihn nicht zu unterbrechen. Als er schließlich ein einfaches "danke" hervorbrachte, stutzte die junge Frau allerdings für einen Moment. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Zum Glück fand sie innerhalb weniger Sekunden ihre Fassung wieder und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. "Du musst mir dafür nicht danken, wirklich nicht. Das war wirklich eine meiner leichtesten Übungen", verkündete sie mit mildem stolz. Beinahe wäre sie Kobis Albträumen aus der Vergangenheit dankbar gewesen, immerhin hatte sie nur deswegen lernen können, jemanden so effektiv zu beruhigen.
      Als Silver sich schließlich neben das Lagerfeuer schob, erhob auch Neona sich von ihrem Sitzplatz und kehrte zu ihrem eigenen Nachtlager zurück, beobachtete wie er die Glut neu entfachte. Ein paar Minuten fokussierten ihre Augen alleine die frisch auflodernden Flammen und rieb dabei beiläufig etwas über ihr Fluchmal. Seltsamerweise war auch das letzte schmerzhafte Pulsieren aus dem Arm entschwunden und dem mittlerweile vertrauten Kribbeln gewichen, dass sie seit ihrem ersten Treffen mit dem Untoten begleitete. Lag es daran, dass sie ihn eben erneut berührt hatte? Sollte seine Nähe ihre Schmerzen wirklich dämpfen? Sie überlegte, ob sie ihn darauf ansprechen sollte, entschied sich letztendlich aber dafür, es auf den nächsten Tag zu verschieben. Die Schmerzen mochten zwar kein Problem mehr sein, aber die Erschöpfung in ihren Knochen war es sehr wohl. Also bettete sie ihren Kopf schließlich auf ihrem laubigen Lager und zog die Decke über ihren müden Kröper. "Weck mich, sollte irgendetwas sein", murmelte sie noch, bevor sie innerhalb von Sekunden in einen traumlosen Schlaf entschwand.

    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... mach ich.“, gab er Neona mit einem Nicken zu verstehen, dass er sich melden würde, sollte er müde werden, oder sollte etwas passieren, ersteres würde er aber wahrscheinlich nicht tun. Solange er keinen Alkohol oder sonst irgendetwas hatte, bei dem er sich sicher war, dass es ihn in einen tiefen, traumlosen Schlaf versetzen würde, würde er den Rest der Nacht kein einziges Auge mehr zu machen. Zumindest nicht freiwillig. Silver hatte das Gefühl, als ob diese Albträume, die Erinnerungen aus früheren Zeiten nur darauf warteten sich wieder zu melden, als müssten sie all die Jahrzehnte, in denen er nicht mehr daran gedacht hatte, nachholen um ihn zu quälen.
      Natürlich wusste der Untote, dass es eigentlich keinen Grund mehr gab an diese Zeiten zurück zu denken, an die Schmerzen, an die Hilflosigkeit... ein weiteres Mal würde er sich nicht mehr in eine solche Situation bringen lassen. Lieber würde er sterben. Immer und immer wieder.
      Und dennoch, obwohl er es eigentlich besser wusste, kroch ihm die Angst wieder in die Knochen, als er nur daran zurück dachte und trotz des aufflammenden Feuers konnte er das aufkommende Zittern nicht unterdrücken.
      Fest umklammerte der Unsterbliche sein Handgelenk, als könnte er damit das Zittern dazu zwingen aufzuhören, oder vielleicht brauchte er auch einfach nur etwas, woran er sich festhalten konnte. Silver schloss die Augen und nahm ein paar tiefe Atemzüge, erinnerte sich an den Rhythmus von Neonas Herzen an seiner Brust und konnte spüren, wie sich seine Schultern wieder entspannten.
      Mag sein, dass es für die Diebin eine ihrer leichtesten Übungen war – auch wenn sich der Untote fragen musste, wieso... sie musste wohl ein paar Menschen in ihrem Leben haben, die ihr wichtigen waren. Silver war sich nicht mehr sicher, ob er überhaupt noch wusste, wie das war. - dennoch war er ihr umso dankbarer dafür.
      Nicht nur, weil sie womöglich die einzige Person auf dieser Welt war, die es überhaupt riskieren konnte ihn an sich zu ziehen und zu trösten. Ob sie es getan hätte, wenn sie wüsste, welches Risiko sie damit einging? Wenn sie nicht vor seiner tödlichen Berührung sicher war? Wahrscheinlich nicht. Aber er würde es ihr auch nicht übel nehmen. Sie hätten sich sowieso nie kennen gelernt, wenn die Diebin sich nicht diesen Fluch eingefangen hätte. Und fast schon fühlte sich Silver schuldig bei dem Gedanken, wie er sie im alten Anwesen unbedacht berührt hatte. Aber auch nur fast.
      Der Rest der Nacht ging friedlich vorbei.
      Der Untote konzentrierte sich darauf das Feuer ein wenig am Laufen zu halten, die Wärme der Flammen tat gut und half dabei die innere Kälte zu vertreiben. Hin und wieder warf er der schlafenden Rothaarigen einen Blick zu, in anderen Momenten starrte er den Sternenhimmel an und vertrieb sich die Zeit damit an andere Zeiten zurück zu denken.
      An die Prüfungen des Waldes der Wunder, wie er von diesem immer und immer wieder ausgespuckt wurde, sich aber nicht unterkriegen ließ, bis er es endlich zu der Hexe geschafft hatte... er schloss seine Augen und versuchte sich daran zu erinnern, wie diese ausgesehen hatte. An die einzelnen Prüfungen, die sie durchstehen müssen, um zu ihr zu gelangen. Damit er Neonas Fluch auf sich nehmen und sterben konnte.
      Damit sie leben konnte.

      Am nächsten Tag erreichten die Beiden Abrosa zum späten Nachmittag. Die Stadt schien etwas größer zu sein, als jene in der sie vorher waren – der Untote hatte den Namen der Stadt bereits vergessen, wenn er sie überhaupt gewusst hatte – und auch deutlich reichlicher besucht zu werden, so dass die Beiden sich ein wenige gedulden mussten, um bis an die Stadttore zu gelangen.
      Silver fiel auf, dass eine gewisse Vorfreude in der Luft hing und sobald sie die Stadtmauer hinter sich gelassen hatten, glaubte der Untote auch zu wissen warum.
      Überall hingen rote Girlanden zwischen den Häusern, die Straßenlaternen waren mit Blumen geschmückt und auch sonst wirkte die Stadt, als würde sie sich auf ein Fest vorbereiten, auch wenn der Untote beim besten Willen nicht sagen konnte welches.
      Hätte er gewusst, dass sich die Stadt auf den Besuch einer Hexe vorbereitete, wäre er sofort wieder umgedreht und hätte die Stadt mit großen Schritten wieder verlassen.
      So aber folgte er Neona auf der Suche nach einem Gasthaus, in dem sie die nächsten paar Tage verbringen konnten.
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    • Neona

      Überraschender Weise gelang es ihr tatsächlich ohne weitere Unterbrechungen bis zum nächsten Morgen zu schlafen. Entsprechend ausgeruht fühlte sie sich auch, als sie schließlich erwachte und dankte zunächst Silver für seine Nachtwache, bevor sie sich beeilte ihr Lager zusammen zu räumen.
      Auf ihrem Weg nach Ambrosa achtete sie mehr denn je auf eventuelle Verfolger und achtete erneut darauf, dass sie öffentliche Wegen auswischen. Als sie schließlich die Stadttore erreichten und eben jene auch passierten, verlor sie ihren Fokus allerdings für einen Moment. "Soll hier etwa eine Parade stattfinden?", überlegte sie laut und begutachtete die festliche Gestaltung der Stadt. Das nächste große Fest würde erst im Sommer stattfinden, also konnte sie sich nicht vorstellen, dass das festliche Schmuckwerk etwas damit zu tun haben könnte. Blieb also nur noch, dass die Stadt einen besonders ehrenvollen Gast erwartete? Einen besonders hochrangingen Adligen eventuell? Vielleicht sogar jemanden aus der Königsfamilie? Die Neugierde legte sich bereits in Form von Fragen auf ihre Zunge, allerdings verzichtete sie vorerst darauf, irgendwelche Passanten anzuhalten und nutzte stattdessen das abendliche Dämmerlicht um sich ab und an ein wenig von Silver zu entfernen, damit sie in dem noch recht intensiven Treiben auf den Straßen ab und an ihre flinken Finger in die Taschen ihrer Mitmenschen wandern zu lassen. Die ausgelassene Stimmung der Stadtbewohner schien ausreichend Ablenkung zu bieten, weswegen Neona bereits ein paar Münzen reicher geworden war, als sie schließlich das Ziel ihres heutigen Tages erreichten. Das Gasthaus mit dem Namen "stinkender Kater" war ein beliebter Treffpunkt diverser zwielichtiger Gestalten, dennoch kam es hier drinnen nie zu großen Prügeleien. Grund dafür: Taron. Der stämmige Besitzer des Hauses war in der Lage jeden Unruhestifter mit einem Prankenhieb vor die Tür zu setzen. Wahrscheinlich war auch das der Grund, warum sich Kriminelle hier so gerne einfanden: sie mussten sich nicht vor ihres gleichen in Acht nehmen, obwohl sie alle beieinander saßen. Nachdem der alte Gasthausbesitzer auch Neona einmal vor einem aufdringlichen Rüpel an seiner Bar bewahrt hatte, war sie ebenfalls Stammkunde hier geworden, weswegen sie den starken Geruch von Alkohol, heißer Suppe und Schweiß schon fast als angenehm empfand.
      "Es mag nicht gerade schön und ansehnlich wirken, aber das Essen ist lecker und die Betten billig und weich", verkündete sie Silver mit einem feinen Lächeln, als sie das Gasthaus betraten. Sie musste dabei allerdings ihre Stimme etwas erheben, da eben diese sonst von ihrer Umgebung geschluckt werden könnte. Ein Großteil der Tische war besetzt, überwiegend Männer lachten, tranken, aßen und unterhielten sich angeregt miteinander. Neona erkannte viele Gesichter, mit einigen hatte sie sogar schon den ein oder anderen Diebstahl begangen. "Außerdem sollten wir hier keine nächtlichen Überfälle fürchten müssen."
      "Neona? Bist du das, Kleine?" Sie waren kaum an den Thresen getreten, um sich Zimmer zu organisieren, da wurde die junge Diebin von einer trällernden Stimme überrascht. Umgehend drehte sie sich zu deren Ursprung auf und begegnete hellbraunen Augen in einem runden Gesicht, welches von beinahe schwarzen langen Haaren umrandet wurde. "Du bist es wirklich." Die kleine pummlige Dame vor ihnen stellte die beiden Bierkrüge in ihren Händen auf dem nächstbesten Tisch ab und schloss Neona keine Sekunde später herzlich in ihre Arme. "Du hast dich ewig nicht blicken lassen, Kleine."
      Neona schmunzelte und erwiderte die herzliche Umarmung. "Freut mich auch, dich wieder zusehen, Karana." Diese Dame im mittleren Alter war tatsächlich die Tochter das Hauswirtes und damit ebenfalls eine lange Bekannte der Diebin mit der sie manchmal schon stundenlange Gespräche geführt hatte.
      Als sich beide Frauen voneinander lösten huschte Karanas Blick schließlich zu Silver hinüber und ihre buschigen Augenbrauen legten sich verwundert in Falten. "Kenne ich dieses hübsche Gesicht schon?"
      Neona schmunzelte und schüttelte den Kopf. "Nein, er ist... neu im Geschäft. Ein Partner für einen Auftrag." Sie hatte sich die Lüge bereits zurecht gelegt, bevor sie das Gasthaus betreten hatten.
      Dennoch wirkte ihr Gegenüber erst noch etwas misstrauisch, bevor sie schließlich nickte. "Du willst also einen Neuling einweisen, dabei hast du dich doch sonst immer vor solchen 'Lästigkeiten' gehütet." Neona zuckte zur Antwort einfach nur die Schultern und setzte ein schiefes Grinsen auf. Das schien fürs Erste auszureichen. "Nun gut, ich nehme an, ihr seid nicht hier, um Wurzeln zu schlagen. Setzt euch und ich bringe euch das Angebot des Tages." Sie deutete auf den Tisch an welchem sie zuvor die beiden Bierkrüge abgestellt hatte. "Die beiden Schätze hier gehen aufs Haus."
      "Du bist ein Engel, Karana", behauptete Neona und ließ sich umgehend in einen der knarzenden Holzstühle sinken, bevor sie sich das kühle Nass an die Lippen hob. "Wir brauchen auch Zimmer."
      Die Schwarzhaarige nickte verstehend. "Ich werde Vater bescheid geben." Mit diesen Worten entschwand sie in Richtung Tresen, an welchem Neona bereits schon die hoch aufragende Gestalt des alten Tarons ausmachen konnte. Wieder huschte ein kurzes Lächeln über ihre Lippen bevor sie zu Silver blickte. "Ich glaube es sollte in Ordnung sein, wenn wir uns zwei Zimmer nehmen, oder?" Sie hatte nicht vergessen, dass sie beschlossen hatten sich nicht mehr zu trennen. Aber Tarons Gasthaus war einer der sichersten Orte, den Neona kannte... außerdem wollte sie die Gerüchteküche nicht anfeuern, weil sie sich das Zimmer mit einem fremden Schönling teilte.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... ich dachte, du könntest mir das sagen.“, kommentierte Silver etwas verwirrt ihre Aussage, ob hier eine Parade stattfinden sollte. Er hatte eher mit irgendeinem Fest gerechnet und da sie in dieser Zeit lebte, hätte er erwartet, dass Neona wüsste, welches... oder war das ein Fest, dass nur in dieser Stadt statt fand?
      Zumindest schien die Diebin die ausgelassene Stimmung zu ihrem Gunsten zu nutzen, was dem Untoten ein leichtes Schmunzeln über die Lippen brachte, dass jedoch schon bald wieder erlosch und er konzentrierte sich darauf, sie nicht zu lange dabei zu beobachten, wie sie ihre Finger in fremden Taschen verschwinden ließ.
      Silver hasste Feste. Sie waren viel zu laut, viel zu fröhlich und vor allem viel zu voll. Viel zu viele Menschen, die ihn versehentlich berühren könnten, Finger die einen Streiften, Ellenbogen die einen zur Seite schubsten... er spielte gar mit dem Gedanken, sich vielleicht doch eine Maske zu besorgen, nur solange bis sie das Geld und die Pferde hatten, denn er konnte nicht riskieren, dass jemand sein Gesicht streifte.
      Instinktiv schob er seinen Kragen höher und wünschte sich einen Mantel mit Kapuze zu tragen, damit er sein Gesicht darunter verbergen könnte. Oder ein Schal. Irgendetwas, das noch mehr Haut verdeckte, als seine Kleidung es sowieso schon tat.
      Vielleicht hatten sie auch Glück und würden Ambrosa verlassen können, bevor das Fest richtig begann. Oder die Parade. Oder was auch immer das hier werden sollte.
      Erleichtert atmete der Untote aus, als die das Gasthaus betraten, das zwar nicht weniger voll war, aber hier konnte er sich wenigstens an einen Tisch flüchten und es war nicht so voll wie auf den Straßen.
      „Hast du das nicht schon über das letzte Gasthaus gesagt?“, erwiderte der Unsterbliche schmunzelnd und er begann einen Trend in Neonas Auswahl an Gasthäusern zu erkennen. Schmutzig, mit einem gerade noch aushaltbaren Geruch, gefüllt mit Leuten, die eindeutig wie Kriminelle aussahen, doch leckerem Essen und weichen und billigen Betten.
      Nicht, dass Silver sich beschweren wollte, er fand es nur amüsant und erwartete diese Aussage noch ein paar weitere Male auf ihrer gemeinsamen Reise zu hören.
      Nur das mit den nächtlichen Überfällen war neu. Hatte die Rothaarige ein so großes Vertrauen in die Sicherheit dieses Etablissements?
      Ein Blick durch die Schenke ließ den Untoten jedoch zu einem anderen Ergebnis kommen. Warum sollte es hier anders sein, als in der Taverne davor?
      Aus seinen Gedanken gerissen blickte er wieder auf, als er den Namen der Diebin vernahm und sogleich hob er eine Augenbraue, als er von der Fremden als hübsches Gesicht bezeichnet wurde, sagte jedoch nichts dazu.
      Silver hielt sich lieber im Hintergrund, im Versuch so wenig Aufmerksamkeit wie nur möglich auf sich zu ziehen, auch wenn das meistens – wie wohl in diesem Fall – einen gegenteiligen Effekt hatte und nickte Neona dankbar zu, als sie das Reden übernahm.
      Neu im Geschäft... was?
      Mit einem Seufzen ließ sich der Unsterbliche letztendlich auf den angebotenen Stuhl sinken und wirkte dankbar, als er den Bierkrug an sich zog. Bereits beim ersten Schluck konnte er spüren, wie sich seine Nerven wieder beruhigten und wenn sie das Geld dafür hätten – und die Pferde nicht wichtiger wären – würde er sich am liebsten an diesem Abend das Hirn weg saufen.
      „... bist du dir da sicher?“, blickte Silver auf und wirkte im Gegensatz zu Neona nicht gerade überzeugt, was die Sicherheit dieses Ortes betraf. Er war sich ziemlich sicher, das ein oder andere Augenpaar im Rücken zu spüren, was ihm überhaupt nicht gefiel.
      „Dieser Ort scheint mir nicht gerade sicher zu sein, als-“
      „Ohhh, wenn das nicht Rotkäppchen ist!“, wurde Silver von einer tiefen Stimme und einer Bärenpranke unterbrochen, die auf den Tisch hinunter sauste und diesen gar zum wackeln brachte.
      Der Untote zuckte sofort zusammen, obwohl dieser Mann ein wahrer Hüne war, hatte er ihn nicht einmal wahrgenommen, bis er was gesagt hatte.
      Die tiefe, raue Stimme gehörte zu einem Dieb, der Silver um mindestens zwei Köpfe überragte und wirkte, als hätte er Probleme durch die schmale Tür des Gasthauses zu kommen, doch trotz seiner furchteinflößenden Statur trug er ein breites Grinsen im Gesicht, was ihn geradezu ansprechbar machte.
      Mit der behaarten Brust, die er deutlich sichtbar trug und auch der gut gepflegte Bart erinnerte den Untoten an einen Bären. Hätte jemand Silver in diesem Moment gesagt, dass dieser Mann unter seinen Diebeskollegen nur als Bär angesprochen wurde, hätte er lauthals gelacht und das gute Bier verschwendet.
      „Lang nicht mehr gesehen! Wie geht’s Kobi? Das wird doch wohl nicht der junge Mann hier sein, oder?“, lachte der ältere Mann lauthals auf – Silver schätzte ihn auf mindestens vierzig, wenn nicht sogar älter – während eine Hand auf der Lehne des Unsterblichen ruhte, was diesen dazu brachte sich weiter nach vorne über den Tisch zu beugen. Der Kerl war ihm eindeutig viel zu nahe. Es war ihm unangenehm und er befürchtete, dass dieser Mann zu den Typ Mensch gehörte, die Fremde ohne Vorwarnung einfach berührten.
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    • Neona

      "Beim letzten Gasthaus habe ich nur gesagt, dass die Betten weicher als der Waldboden sind. Die Betten hier sind allerdings deutlich gemütlicher", berichtigte Neona mit erhobenen Zeigefinger und einem feinen Schmunzeln auf den Lächeln. "Außerdem kenne ich den Inhaber ganz gut, was unsere Chancen auf günstige Zimmer erhöhen könnte." Tatsächlich hatte Taron sie schon das ein oder andere Mal gänzlich kostenfrei hier übernachten lassen. Immer dann wenn sie spät in der Nacht, erschöpft und nicht selten verletzt vor seiner Türschwelle auftauchte. Karana hatte sie dann immer zusammengeflickt und sie mit Essen versorgt. Die beiden waren in Neonas Augen wirklich zu gut für diese Welt.
      Bei ihrem kurzen Gespräch mit Karana hielt sich der Untote wie gewohnt im Hintergrund und schien zum Glück auch nichts dagegen zu haben, wie sie ihn vorstellte. Stattdessen schien er sich über den kostenlosen Bierkrug noch mehr zu freuen, als es die junge Diebin tat. Warum nur wirkte er wie ein Mann, der seinen Kummer unter Alkohol ersticken wollte? Sie schüttelte bei dem Gedanken leicht den Kopf und konzentrierte sich lieber die Zweifel die Silver über die Sicherheit des Gasthauses äußerte. Sonderlich weit kam er damit allerdings nicht, als sie plötzlich ein weiteres Mal unterbrochen wurde. Allein der tief brummende Klang der ihr so vertrauten Stimme zauberte ein glückliches Lächeln auf ihre Lippen. "Bär!" Freudig sprang sie von ihrem Stuhl auf und drückte sich kurz an die Brust des Neuankömmlings. Dabei gelang es ihr nicht einmal ihre Arme komplett um seinen breiten Oberkörper zu legen, während ihr Kopf nicht einmal seine Schultern erreichte. Entsprechend musste sie auch ihren Kopf in den Nacken legen, als sie schließlich von ihm löste und zu seinem bärtigen Gesicht aufblickte. Sie hatte den alten Mann schon fast ein halbes Jahr nicht mehr gesehen, aber verändert hatte er sich zum Glück nicht. Die herzliche Aura, die ihn zu umgeben schien, erleuchtete noch immer den gesamten Raum und das breite Lächeln auf seinen Lippen strahlte eine Form von Geborgenheit aus, obwohl seine Bärenpranke selbst einen ausgewachsenen Mann sicherlich innerhalb von Sekunden aus dem Leben befördern könnte. Wenn sie ehrlich war, hatte Neona bei ihrer ersten Begegnung mit dem halben Riesen auch unfassbare Angst gehabt. Sie war damals immerhin gerade einmal 16 gewesen, unerfahren und halb ausgehungert. Bär hatte sie bei einem Diebstahl erwischt - sie hatte sich etwas Obst und Brot vom Markt ergattert, um ihren knurrenden Magen zu befriedigen. Sie hatte geglaubt, er wäre der Ladenbesitzer gewesen, und würde sie zu Tode prügeln. Stattdessen hatte er ihr in den folgenden Wochen und Monaten beigebracht, wie ein statt ein paar lausigen Äpfeln dutzende Geldbörsen beschaffen konnte. Neona wusste bis heute nicht genau, was den alten Dieb überhaupt dazu bewogen hatte, sie unter seine Fittische zu nehmen, aber sie würde ihm dafür wohl auf ewig dankbar sein.
      Wofür sie ihm allerdings absolut nicht danken konnte, war sein lautes Mundwerk. "Pst!", machte sie mit einem Zeigefinger vor dem Mund und ließ ihre Augen alarmiert durch das Gasthaus streifen. Glücklicherweise schien niemand an ihrem Gespräch interessiert zu sein... Silver hingegen hatte alles gehört. "Wie oft soll ich denn noch sagen, dass du diesen Namen nicht so laut sagen sollst...?" Sie stieß ein langes Seufzen aus und blickte zum Untoten hinüber. "Das ist Silver, er ist mein Partner bei einem neuen Auftrag", berichtete sie, in der Hoffnung, dass der Name ihres Bruder kein weiteres Mal fallen würde. Wie die meisten Menschen in ihrem Geschäft hatte Neona diverse Feinde und Kobi war ihr größter Schwachpunkt. Sollte auch nur einer ihrer Kontrahenten über seine Existenz Kenntnis erhalten... sie könnte es sich nie verzeihen. Zwar glaubte sie nicht, dass es ein Problem werden würde, sollte Silver von ihrem kleinen Bruder erfahren, aber sie hatte es für sich zu einer Regel gemacht, niemals über Kobi zu reden. Der einzige Grund, Warum Bär dennoch von ihm wusste, war seine aufmerksame Beobachtungsgabe. Schließlich war es recht seltsam, dass eine Diebin wie sie, sich kaum etwas leistete, obwohl sie immer wieder Unsummen an Geld zusammen stahl. Noch dazu hatte er verstanden, dass Neona besagtes Geld immer wieder in ihre Heimatstadt brachte, und hatte irgendwann eins und eins zusammen gezählt. Bevor er ihr also noch bis zu Kobis Waisenhaus hinterherspionieren könnte, hatte sie ihm einfach das Geheimnis offenbart und ihn um Stillschweigen gebeten. Zwar war sie sich sicher, dass Bär niemals jemanden von Kobi erzählen würde, aber Situationen wie eben diese waren schon öfter vorgekommen...
      Mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt, realisierte Neona erst spät, das Bärs herzliche und manchmal etwas aufdringliche Art Silver Unbehagen zu bereiten schien. Kurzerhand umgriff sie den breiten Oberarm des Hünen und zog ihn etwas vom Untoten weg und bedeutete ihm stattdessen sich neben sie zu setzen. "Wir haben uns sicher ein halbes Jahr nicht gesehen. Was sagst du, wenn ich dir zur Feier des Tages einen ausgebe, hm?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Aber auch, dass das Essen lecker ist.“, fügte der Untote mit einem Schmunzeln hinzu, bevor sie das Gasthaus betraten und bei dem Geruch war er sich nicht ganz so sicher, ob das Essen hier wirklich erträglich war. Aber das war er bei der letzten Gaststätte auch nicht gewesen und wurde daher positiv überrascht. Somit ließ er sich auch hier was das Essen betraf überraschen.

      Tatsächlich verschluckte sich der Unsterbliche an seinem Bier, als der große, haarige Mann tatsächlich als Bär gerufen wurde und musste sich ein paar Mal auf die Brust klopfen, um seinen Hustenanfall wieder in Griff zu bekommen.
      Er wischte sich mit dem Ärmel über den Mund, als er Zeuge von einer herzlichen Umarmung wurde. Bär drückte die kleinere Frau ebenfalls herzlich an sich und hob sie sogar für einen Moment hoch in die Lüfte, bevor er sie wieder sachte absetzte und ihr durchs Haar fuhr, als wäre sie noch ein Kind.
      Er konnte einfach nicht anders und erinnerte sich an das sechzehn jährige Mädchen, dass zwar Talent im stehlen hatte, jedoch eine führende Hand gebraucht hatte, um die Kanten und Ecken zu glätten. Der ältere Mann sah in Neona einen Rohdiamanten und auch deswegen nutzte er ihren Spitznamen Rotkäppchen, unter welchem sie sich Bekanntheit gemacht hatte, nicht mit der üblichen Geringschätzung in seiner Stimme, wie es die meisten seiner Diebeskollegen taten, in der Hoffnung eines Tages würde dieser Name mit Ehrfurcht in der Stimme gesagt werden. Oder gänzlich verschwinden. Es war unter der Diebesgesellschaft üblich sich Spitznamen zu geben und sich unter diesen anzusprechen. Einerseits gab es genug unter ihnen, die ihre wahre Identität lieber nicht offenbaren wollten, Freunde und Familie unter der Anonymität schützen wollten, denn nicht selten machte man sich als Dieb gefährliche Feinde. Auch deswegen hätte Bär es besser wissen sollen, anstatt die Rothaarige unter all den Anderen auf ihren kleinen Bruder anzusprechen, reagierte mit einem entschuldigenden Lächeln und kratze sich dabei am Hinterkopf, doch in Anwesenheit jener die er schätzte, vergaß er solche wichtigen Dinge hin und wieder. Manchmal könnte man behaupten, dass er etwas zu viel Vertrauen in jene hatte, die ihm nahe standen, immerhin waren sie noch immer Diebe und man wusste in diesem Geschäft nie, wann man einen Dolch im Rücken abbekam. Doch Bär sah es anders. Was für eine schreckliche Welt das doch wäre, wenn man niemandem Vertrauen könnte, nicht wahr?
      Immerhin schuf es auch eine gewissen Art von Gemeinschaft, wenn man sich gegenseitig Spitznamen gab, die einen beschrieben... oder von peinlichen Momenten berichteten, auch wenn der Name an sich einen coolen Klang hatte.
      So wurde Bär nicht nur so genannt, weil er groß und haarig war und genauso gefährlich wie einer dieser wilden Tiere sein konnte, sondern weil er sich vor Hunger einst mit einem Bären um einen Fisch gestritten hatte... und mit einem lauten Gebrüll das Tier verscheucht hatte. Eine Geschichte, die ihm manchmal peinlich war, während er sie an anderen Tage – mit ein paar alkoholischen Getränken intus – selber mit lauter Stimme erzählte, als wäre ihm da eine Heldentat gelungen.
      „Ahh... sorry, sorry...“, entschuldigte sich der großgewachsene Mann für sein zu lautes Mundwerk, bevor er Silver einen neugierig Blick zu warf.
      „Ein neuer Partner... was?“, musterte er den Untoten, was diesen dazu brachte seine Schultern nach oben zu ziehen. Offensichtlich mochte er es nicht, so tief gemustert zu werden.
      „Das Gesicht kenne ich noch gar nicht. Woher kommst du, Jüngling?“, schien Bär jedoch nichts vom Unbehagen des Anderen zu bemerken – oder er ignorierte es einfach geflissentlich – währen der sich das Kinn rieb und versuchte das Gesicht des Anderen zu deuten.
      „Kommst wohl aus dem Norden, was?“, warf er einfach ins Blaue. Zumindest konnte er sich sicher sein, dass Silver nicht aus der Gegend kam, oder zumindest noch nicht lange dem Diebesgeschäft nachging, denn sonst würde Bär sein Gesicht kennen, oder zumindest sein Name müsste ihm das ein oder andere Mal untergekommen sein.
      „Aber der Name passt schon mal! Silver, was? Wieso nicht gleich Gold?“, lachte der fröhliche Mann auf, bevor er von Neona zur Seite gezogen wurde und damit verhinderte, dass Bär dem Unsterblichen auch noch auf den Rücken oder die Schulter klopfte – Körperkontakt auf welchen dieser verzichten konnte.
      Selbstverständlich verwunderte es den großen Hünen, doch er konnte sich zusammen reimen, dass die Rothaarige ihre Gründe hatte und tat ihr stattdessen den Gefallen, sich auf dem Platz neben ihrem zu setzen. Der Stuhl knarzte kurz, als könne dieser gerade so das Gewicht des Muskelpackets tragen.
      „Einen Ausgeben, was? Da sag ich doch nicht nein, Neonalein. Nun? Was führt euch in diese Stadt? Ich hoffe doch ihr seid nicht hier, um die Hexe zu bestehlen? Ich musste es gerade noch ein paar Jungspunden ausreden. Es ist ja wirklich bemerkenswert, welches Selbstbewusstsein diese Leute haben, dennoch-“, schüttelte der bärtige Mann den Kopf, kam jedoch nicht mehr weit, als Silver ihn auch schon mit dem Wort „Hexe?“ unterbrach und plötzlich so kerzengerade saß, wie er nur konnte.
      Seinem Gesichtsausdruck war nur schwer abzulesen, was er gerade dachte, doch er wirkte wie ein Tier, das überlegte jeden Moment davon zu laufen.
      „Hm? Ja, Hexe, habt ihr etwa noch nichts davon gehört? Abrosa bekommt wichtigen Besuch, und dann ist es auch noch eine Hexe! Anscheinend hat sie dem König vor kurzem ihre Dienste angeboten-“
      „Wie heißt sie?“, wurde Bär ein weiteres Mal von dem Mann mit dem dunkel Blonden Haar unterbrochen, da ihn der Rest der Geschichte nicht interessierte, während der Hüne kurz die Augenbrauen zusammen zog, bevor er zu Lachen begann.
      „Du lässt wohl nicht gerne Leute aussprechen, was? Keine Ahnung wie die Frau heißt, man nennt sie nur die rote Hexe des Mondes.“, antwortete Bär trotz Silvers unhöfliche Art und der Blick dessen verdunkelte sich ein Stück.
      „... nicht die Hexe des roten Blutmondes?“
      „... die Hexe des roten Blutmondes? Wer soll das sein? Junge... du hast doch nicht etwa Ärger mit einer Hexe, oder?“, grinste Bär und beugte sich ein wenig über den Tisch, das Gespräch schien ihm in mehr zu interessieren, als noch Minuten davor.
      Silvers Griff um sein Getränk festigte sich, auch die andere Hand, die auf seinem Bein ruhte, ballte er zur Faust, während er darüber nachdachte, wie er diese Frage beantworten sollte, ohne zu viel zu verraten.
      „... ich habe es nicht so mit Hexen.“, entschied er sich für ein paar kryptische Worte und weigerte sich, mehr dazu zu sagen.
      „Neona, du hast recht. Wir sollten lieber getrennte Zimmer nehmen... dieser Ort scheint sicher genug zu sein.“, fügte er noch hinzu, bevor er einen tiefen Schluck von seinem Bier nahm.
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    • Neona

      Auch wenn seine Umarmung kurz sämtliche Luft aus ihrer Lunge presste, genoss Neona die Herzlichkeit des Hünen. Sie beschwerte sich auch nicht, als sie für einen Moment die Bodenhaftung verlor und stieß stattdessen nur ein amüsiertes Lachen aus. Irgendwie löste all das sogar fast schon eine Art Heimatsgefühl in ihr aus.
      Auch wenn Bär seinen Fehler einzusehen schien musterte Neona ihn noch etwas tadelnd, bevor sie ihren Blick kurz zu Silver schweifen ließ. Ob er überhaupt viel mitbekommen hatte? Wahrscheinlich interessierte es ihn aber auch einfach nicht, wer Kobi war. Ihr sollte das auf jeden Fall nur recht sein. "Pass das nächste Mal bitte besser auf", verlangte sie schließlich noch einmal an Bär gewandt und hielt sich dann schließlich beim Gespräch der beiden Männer zurück... Wobei sie dabei ein Déjà-vu zu empfinden begann. Wie auch zuvor bei Karana war dieses "Gespräch" wieder einmal reichlich einseitig. Bär durchlöcherte den Untoten mit mehreren Fragen ohne auch nur mit einer Antwort belohnt zu werden, Neona selbst verkniff es sich dabei ebenfalls etwas zu sagen. Solange Silver sich nicht dazu entschied selbst Details preisgeben zu wollen, würde sie ihn diese Entscheidung sicher nicht abnehmen. Immerhin war es in ihrer Branche nicht seltsam, dass sich Diebe in Geheimnisse hüllten und kaum bis nichts über ihre Person offenbarten. Jede Information zu viel konnte als eine Schwäche ausgelegt werden. Ein Umstand, den Neona sehr früh für sich gelernt hatte, sogar noch bevor sie das Waisenhaus verlassen und die dunklen Straßen der Stadt durchwandert hatte. Selbst Bär gegenüber behielt sie daher größtenteils Stillschweigen. Er wusste nichts von ihren Geldvorräten, von ihrer Vergangenheit als Tochter eines Schmuck-Schmieds und auch ihre genauen Zukunftspläne hatte sie ihm nie offenbart. Er wusste nur, dass sie irgendwann ein Leben für ihren Bruder und sich aufbauen wollte und auch das hätte sie nie preisgegeben, hätte der Hüne nie von Kobi erfahren. So gern sie Bär auch haben mochte... sobald sie ihr neues Leben begann, wollte sie ihrem Dasein als Diebin gänzlich den Rücken zukehren und damit auch all den Menschen, die sie hier kennen gelernt hatte. Nun, da sie wahrscheinlich auch noch vor ihren Verfolgern aus dem Land flüchten musste, hatte sich eben jener Entschluss mehr denn je gefestigt. eben deswegen hatte sie auch immer darauf geachtet einen gewissen emotionalen Abstand zu all ihren Diebeskollegen zu halten, dennoch wusste sie, dass sie Bär und auch ein paar wenige andere, wie Karana und Taron in Zukunft unheimlich vermissen würde. Ihre gemeinsame Zukunft mit Kobi war allerdings wichtiger, als dieser Kummer.
      Zum Glück ließ sich der Hüne widerstandslos von Silver entfernen und schien auch ihr Angebot bereitwillig anzunehmen. Umgehend reckte Neona den Arm in die Höhe und gab Karana mit einem Handzeichen zu bedeuten, dass sie einen weiteren Bierkrug herantragen sollte. Diese nickte verstehend und verschwand Richtung Tresen, während die junge Diebin bei den Aussagen ihres Sitznachbarn ihre Ohren spitzte. "Eine Hexe also?" Ihr Ton schien das exakte Gegenteil zu Silver zu bilden, der wenig begeistert wirkte. Was wenn es sogar die Hexe war, nach der sie suchten? Und selbst wenn nicht, was wenn sie trotzdem etwas an diesem Fluch ausrichten konnte? Silvers Anwesenheit schien die Auswirkungen ihres Fluchmales zwar gedämpft haben, dennoch wuchs es von Tag zu Tag weiter an. Sie wusste nach wie vor nicht, ob sie eine Reise bis zum Wald der Wunder überhaupt hätte überleben können, doch sollte die Lösung all ihrer Probleme nun vielleicht sogar zu ihnen kommen... Zudem schien silver diese Hexe eventuell sogar zu kennen, zumindest klang in Neonas Ohren "rote Hexe des Mondes" und "Hexe des roten Blutmondes" verdächtig ähnlich. Vielleicht hatte sich der Name in den vergangenen Hundert Jahren einfach etwas gewandelt? Auf jeden Fall schlug das junge Herz der Diebin umgehend etwas wilder, als Hoffnung und Vorfreude - schließlich war sie noch nie einer echten Hexe begegnet - sich in ihrer Brust breitmachten. "Wann genau soll die Hexe eintreffen?", wollte sie daher umgehen wissen und musterte Bär aus ungeduldigen Augen.
      Silver hingegen schien ihre Begeisterung nicht zu teilen. Er.. hatte es nicht so mit Hexen? Ob er in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hatte? Hatte es vielleicht sogar etwas mit der Hexe aus dem Wald der Wunder zu tun? Egal was es auch sein mochte, Neona hatte nicht vor, sich beirren zu lassen. Sie würde irgendwie einen Weg finden müssen, Kontakt mit der Hexe aufzunehmen. Sollte es tatsächlich eine Möglichkeit geben, diesen Fluch vorzeitig loszuwerden, musste sie die Chance dringend wahrnehmen.
      Die letzte Aussage des Untoten ließ die junge Frau allerdings kurz stutzten. Sein plötzlicher Sinneswandel kam zu plötzlich und unbegründet... Vielleicht mochte sie da etwas zu viel hineinzuinterpretieren, aber sie glaubte das es etwas mit der Hexe zu tun haben musste. Ob er die Nacht für sich allein sein wollte? Ob sie ihn später darauf ansprechen sollte? "In Ordnung", meinte sie nun aber nur nickend. Passenderweise erschien genau in diesem Moment Karana an ihrem Tisch und stellte einen prall gefüllten Bierkrug vor Bär ab. "Hier, mein Großer", meinte sie grinsend und klopfte dem Hünen einmal kräftig auf die Schulter. "Ich nehme an, dass ich dir gleich zwei Portionen bringen kann?", wollte sie wissen, bevor sie sich an Silver und Neona wendete. "Für euch auch das Tagesangebot?"
      Die Rothaarige nickte lächelnd. "Ja, bitte. Außerdem brauchen wir zwei Zimmer für die Nacht."
      "Natürlich", bestätigte Karana sofort. "Die Schlüssel kannst du dir später am Tresen abholen." Mit diesen Worten verabschiedete sie sich auch schon wieder vom Tisch, vor allem da in der Ferne schon die nächste durstige Kehle nach ihrer Aufmerksamkeit verlangte.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Ohhh, du bist ein wahrer Schatz, Karana!“, grinste der Hüne breit in die Richtung der Schwarzhaarigen, während er den Griff seines Krugs umschlang und es kaum erwarten konnte das Bier zu genießen, als ihm auch schon zwei Portionen angeboten wurden und mich einem milden und dankbaren Lächeln nickte er.
      „Und sag deinem Pops, dass das Essen wie immer hervorragend ist.“, fügte er hinzu, obwohl er es noch nicht einmal probiert hatte und wandte sich wieder den anderen Beiden zu, als die Angelegenheit um Essen und die Zimmer geklärt wurden, immerhin hatte er noch eine Frage zu beantworten.
      Daher grinste er breit, als Neona im Gegensatz zu Silver die richtige Reaktion zeigte, oder zumindest eine, die er eher erwartet hatte, immerhin erzählte man sich in den heutigen Tagen Geschichten über Hexen, als wären sie diese übernatürlichen, mächtigen Wesen, die vor ihrer Zeit schlicht und einfach missverstanden wurden. In manchen Kreisen dieses Landes erzählte man sich sogar Geschichten über gute Hexen, nur noch wenige pflegten noch die Gruselgeschichten von vor hundert Jahren zu erzählen, wobei der bärtige Hüne glaubte, dass der Untote eben aus solch einem Land kam. Wie sonst wäre sein Verhalten zu erklären?
      „Nun, ihre Kutsche wird morgen erwartet.“, beugte sich der Hüne näher zur Rothaarigen, „Wann genau ist schwer zu sagen, manche meinen sie kommt schon am frühen Morgen, andere beschweren sich über die schlechten Straßen und wetten darauf, dass sie erst am späten Nachmittag eintrifft.“, grinste er breit und während Neona sich über das Eintreffen der Hexe freuen mag, gefror das Blut in Silvers Adern, als er dieses Wort hörte. Morgen. Morgen?!
      Ruckartig erhob er sich von seinem Platz, das Bier des großen Mannes wäre wohl über den Tisch geschwappt, wenn Bär den Krug nicht im letzten Moment gehoben hätte und der Unsterbliche schaffte es einfach nicht, sein vor Panik schlagendes Herz zu beruhigen.
      „... Neona.“, brachte er letztendlich zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor, als bräuchte es alles an Willenskraft, dass er noch aufbringen konnte, nicht einfach aus der Tür zu rennen, „... können wir reden? Unter vier Augen.“, fügte er mit einem Blick zu Bär hinzu, welcher fragend eine Augenbraue hob.
      Der Untote verhielt sich alles andere als normal.
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    • Neona

      Mit einem zufriedenen Lächeln begutachtete sie die Interaktion zwischen Bär und Karana und freute sich bereits auf das heutige Festmahl. Sie mochte nicht wissen, was auf der heutigen Speisekarte stand, doch bisher hatte Taron sie immer wieder mit besonderen Köstlichkeiten überrascht, daran würde sich sicher nichts geändert haben.
      "Morgen schon?" Die Begeisterung in ihrer Stimme machte einen weiteren Satz nach oben. Umgehend schmiedete sie den Plan in den ersten Morgenstunden auf die Hauptstraße zu treten. Selbst wenn die Hexe erst deutlich später eintreffen sollte, dürfte das Getummel auf den Straßen ein wahres Fest für ihre diebischen Finger werden, außerdem dürfte sie die Ankunft der Hexe auf keinen Fall verpassen. Irgendwie musste sie eine Möglichkeit finden, mit ihr in Kontakt zu treten. Vielleicht lohnte es sich auch, Silver gut sichtbar zu platzieren? Sollten die rote Hexe des Mondes und der Untote sich tatsächlich kennen, würde das magische Wesen eventuell von selbst auf sie zukommen. Bevor sie ihre Pläne weiter schmieden konnte, wurde sie von dem plötzlichen kühlen Nass auf ihrem Schoß überrascht. "Hey!" Sie hatte nicht einmal bemerkt, wie sehr sich der Ausdruck in Silvers Gesicht verändert hatte, bevor er ruckartig aufgestanden war. Entsprechend hatte sie auch die Chance verpasst ihren Bierkrug vor seinen panischen Bewegungen zu beschützen. Zum Glück war das hölzerne Gefäß nicht gänzlich umgekippt, doch ein Teil des köstlichen Inhaltes war auf den Tisch bis hin zu ihren Beinen geschwappt. Sie sollte sich glücklich schätzen, dass sie zuvor schon einen großen Schluck getrunken hatte, ansonsten wäre ihre Hose sicherlich gänzlich durchnässt. "Was soll da-?!", wollte sie sich gerade empören, als der ernste Ausdruck in Silvers Augen ihre Stimme erstickte. Der verbissene Ton in seinen Worten, ließ auch den letzten Zorn in ihr versiegen und ersetzte ihn mit Besorgnis.
      Sie stieß einmal lang den Atem aus, stemmte sich an der Tischkante auf und nickte langsam. "In Ordnung. Lass uns in eines der Zimmer gehen." Im Vorbeigehen klopfte sie Bär auf die breite Schulter. "Sag Karana wir sind gleich zurück und sie soll unser Essen auf keinen Fall verschenken, ja?" Das milde Lächeln auf ihren Lippen war nur von kurzer Dauer. Sie hatte keine Ahnung, was Silver ihr zu verkünden hatte, aber es musste etwas Ernstes sein. Mit einem Händewink gab sie dem Untoten zu bedeuten, ihr zu folgen, während sie an den Tresen schritt. "Taron."
      Der Mann, der ihnen den Rücken zugekehrt über einer Feuerstelle hing, mochte nur ein wenig kleiner als Bär sein und obwohl er deutlich schmaler als eben dieser erschien konnte er ähnliche Kräfte entwickeln. "Wenn das nicht unsere dreckige Streunerin ist." Er hatte sich nicht einmal zu ihnen umgedreht, dennoch schien er genau zu wissen, wer ihn angesprochen hatte.
      Neona setzte ein feines Lächeln an. "Karana meinte, dass ich hier unsere Schlüssel abholen kann."
      Endlich drehte sich Taron zu ihnen um und offenbarte ein kantiges und vom Alter gezeichnetes Gesicht. Die Stahlblauen Augen und das weiße Haar stellten einen starken Kontrast zur braungebrannten Haut dar, ähnlich wie die einzelnen Bartstoppeln, die sich in unterschiedlicher Länge über sein Kinn verteilten. "Willst du schon aufs Zimmer. Ihr habt noch nichts gegessen."
      Neona hob ihre Reisetasche in die Höhe. "Wir wollen nur unser Gepäck abladen und sind dann gleich wieder da."
      Er musterte sie etwas misstrauisch, nickte dann aber schließlich, wischte sich die Finger an der grauen Schürze ab und beförderte zwei Schlüssel mit Holzanhänger unter dem Tresen an die Oberfläche.
      "Danke", meinte Neona und griff sich beide. "Bis gleich. Ich freue mich schon auf das heutige Festmahl."
      Taron winkte nur ab. "Beeil dich lieber, nicht dass euer Essen kalt wird, bevor ihr zurück seid."
      Sie erwiderte nur ein feines Lächeln, bevor sie Silver bedeutete ihr in den zweiten Stock zu folgen. Dort angekommen suchte sie nach ihrer Zimmernummer und schob sich hinein. Als sie beide den Raum betreten hatten, schloss sie die Tür. Umgehend versiegten die lauten Stimmen aus dem Gastraum im Erdgeschoss und Ruhe umfing sie. "Also, was wolltest du mir sagen?"