How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      Belustigt zogen sich die Mundwinkel des Unsterblichen ein wenig nach oben, als Neona sich nach seiner Frage an ihrem Bier verschluckte und ihn mit diesem fast schon geschockten Blick anstarrte. Für gewöhnliche Menschen mag diese Bitte wohl eigenartig klingen, verdammt nochmal, selbst in seinen Ohren klang es unglaublich komisch, wenn auch aus anderen Gründen, aber obwohl der Untote sich nichts sehnlicher als seinen Tod wünschte, konnte er sich diese letzte Chance nach menschlicher Nähe und Wärme schlicht und einfach nicht entgehen lassen.
      Wenigstens war er dieses Mal so höflich nachzufragen, anstatt einfach nach ihrer Hand zu greifen. Silver fand, dass er das eigentlich ganz gut machte.
      Er ignorierte auch geflissentlich die Blicke, die ihnen hin und wieder rüber geworfen wurden.
      Für einen Moment wirkte es, als würde er darüber nachdenken, ob er noch warten konnte, bevor der Unsterbliche nickte und einen weiteren Schluck von seinem Bier nahm.
      Dabei erschien ihm die Frage ziemlich lächerlich. Wenn er etwas konnte, dann war es zu warten.
      Letztendlich erhielten die beiden ihr warmes Essen und ließen die Kellnerin wissen, dass sie das Zimmer mit zwei Betten nehmen würden.
      „... ich hoffe das Essen schmeckt besser, als es aussieht.“, kommentierte er, während er in der Speise herum stocherte.
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    • Neona

      Zum Glück schien er ihrer vorläufige Ablehnung akzeptieren zu können. Sie glaubte nicht wirklich daran, dass er sich ähnlich wie sie an den neugierigen Blicken ihrer Mitmenschen gestört hätte. Also hatte sein Verständnis einzig und allein mit ihrer Bitte zu tun. Sie war ihm ehrlich dankbar, dass er ihre Grenzen so kompromisslos akzeptierte. Auch schon zu Beginn ihres Aufeinandertreffens hatte er das getan, auch wenn er da deutlich unwilliger gewirkt hatte. Hatte er nicht Neona zuvor als zu nett bezeichnet? Er selbst schien durchaus auch ein alter Gentlemen zu sein. Einen Umstand den sie mit einem kurzen Schmunzeln in ihrem Kopf abspeicherte.
      "Danke", meinte sie schließlich nur und wendete sich wenige Minuten später begierig dem warmen Inhalt der Holzschale zu, die man vor ihrer Nase platzierte.
      Sie konnte die Skepsis ihres braunhaarigen Begleiters verstehen. Die dickflüssige Suppe, gefüllt mit buntem Gemüse und vereinzelten Fleischbrocken, mochte besonders aufgrund ihrer bräunlichen Farbe nicht sonderlich schmackhaft wirken, aber wenn sich seit ihrem letzten Besuch nichts an der Rezeptur geändert hatte... Beherzt tunkte die junge Frau ihren Löffel in den Brei, der eigentlich eine Suppe sein sollte, und schob ihn sich hungrig in den Mund. "Es ist noch genauso gut wie damals!", äußerte sie begeistert und schaufelte direkt den nächsten Löffel zwischen ihre Kiemen. Das zarte Fleisch zerging auf der Zunge. Die weichen Karottenstückchen hatten den Geschmack der liebevoll gewürzten Suppe aufgesaugt, im Gegenzug dazu wirkten die Erbsen und Frühlingszwiebeln noch knackfrisch zwischen ihren gierigen Zähnen. Die dickflüssige Konsistenz hatte angeblich etwas mit zerstampften Kartoffeln zu tun und waren der Hauptgrund dafür, dass ein Teller von diesem Zeug reichte, um den Hunger eines halben Bären für einen tag lang zu stillen. Ähnliche Effekte setzten auch bei Neona ein, kaum dass sie den Inhalt ihres Teller zur Hälfte verschlungen hatte, dennoch plante sie nicht, auch nur einen Bissen zu verschwenden und kämpfte auch die letzten Reste mühevoll ihren Rachen hinunter.
      "Die nächsten Tage brauche ich nichts mehr zu essen", verkündete sie schließlich zufrieden und platzierte ihre Hand auf ihren prall gefüllten Magen, ein seelisches Lächeln auf den Lippen. Doch mit dem Sättigungsgefühl kam auch die Müdigkeit und entlockte der jungen Frau ein ausgiebiges Gähnen. Erschöpft ließ sie ihren Kopf in Silvers Richtung rollen. "Wenn du magst, kannst du dir noch etwas Nachschlag holen, für eine Portion reicht unser Geld gerade noch", erklärte sie und legte dem Braunhaarigen fünf Taler auf den Tisch - der Preis für einen Teller dieser Zaubersuppe. "Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall schon einmal unser Zimmer aufsuchen." Mit diesen Worten kämpfte sie ihren schweren Körper aus dem knarzenden Holzstuhl und steuerte die Treppe zum ersten Stock an, in welchem auch die Gästezimmer zu finden waren. Den Schlüssel hatte man ihr bereits ausgehändigt.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Zweifelnd hob der Unsterbliche eine Augenbraue, als Neona verkündete, dass der Brei noch genauso gut schmeckte wie damals und dabei zusehen musste, wie sie die Speise fast schon verschlang.
      Eigentlich war Silver auch nicht besonders wählerisch, wenn es um Essen ging - er hatte schon deutlich schlimmeres zu sich nehmen müssen - dennoch fiel es ihm schwer den Worten der Rothaarigen zu glauben, bis er letztendlich einen Löffel voll aus der Schüssel zu sich nahm... und feststellen musste, dass sie gar nicht so Unrecht hatte.
      Schmeckte besser als Erde. Daran erfreuen konnte er sich jedoch, zumindest nicht so sehr wie seine neue Begleiterin... und er vermisste es fast schon wegen gutem Essen so aus dem Häuschen zu sein.
      "... zugegeben, nicht schlecht.", kommentierte er letztendlich während er geflissentlich - und in einem deutlich langsameren Tempo als Neona - den Brei Löffel zu Löffel verschlang.
      Es entlockte ihm ein Laut zwischen amüsiert und spöttisch, als die Rothaarige verkündete die nächsten Tage nichts mehr Essen zu müssen. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass das eine Übertreibung war.
      Den Mund voll mit Essen und kauend nickte er ihr zu, als sich vom Tisch erhob und das Zimmer aufsuchte.
      Kaum war sie verschwunden nahm er einen der Münzen zwischen Zeigefinger und Daumen. Das Material schien noch das selbe wie vor hundert Jahren zu sein, genauso wie der Name, doch die Prägung hatte sich wie selbstverständlich verändert. Während eine Seite einfach nur einen eingeprägten Kreis zeigte, war auf der anderen Seite ein Tier zu erkennen, dass er nicht so recht erkennen konnte. Womöglich war es ein fantastisches Tier das nicht wirklich existierte und musste das Wappentier der derzeitigen Königsfamilie sein. Oder aber die Prägung war so schlecht gemacht, dass das eigentliche Tier nicht mehr zu erkennen war.
      Jedenfalls waren an den Rand der Münzen die Initialen des regierenden Königs eingeprägt, also war diese Münze wahrscheinlich nicht besonders lange im Umlauf. Oder der amtierende König war schon recht alt.
      Wieso Silver das alles überhaupt auffiel? Weil sich solche Dinge alle paar Jahrhunderte änderten und es gehörte zum Leben eines Unsterblichen auf solche Details zu achten. Man konnte es auch als Gewohnheit bezeichnen.
      Gerade als der Münze wieder auf den Tisch legte und sich wieder seinem Essen zuwand, fiel ihm auf wie ein anderer Mann sich gerade von seinem Platz erhob und Richtung Treppe ging, wo Neona gerade noch verschwunden war.
      Wahrscheinlich war das nichts außergewöhnliches, die Kellnerin hatte sie immerhin wissen lassen, dass es keine zwei Zimmer mehr gab, und doch... hatte Silver ein absolut schlechtes Gefühl dabei.
      Schnell beendete er sein Mal, stopfte sich die Taler wieder in die Hosentasche und Schritt die Treppe mit lautlosen Schritten hinauf.
      Und die Tür die der Fremde gerade öffnete, war ganz sicher nicht seine eigene.
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    • Neona

      Die alte Holztreppe knarzte hell unter ihren Füßen, während sie den Weg zum ersten Stock auf sich nahm. Dort angekommen begegnete ihr ein langer und dunkler Flur. Nur vereinzelten Öllampen an den Wänden schenkten genug Licht, damit die junge Frau ungestört ihren Weg zum Zimmer finden konnte. Eben jenes befand sich fast am Ende des schmalen Flures. In die Holztür war die Nummer 9 eingraviert worden, die gleiche Nimmer die auch auf der Plakette an ihrem Schlüssel zu finden war.
      Der Raum, den sie Momente später betrat war alles andere als groß. Die beiden Betten, zwischen welchen sich auch das einzige Fenster befand, nahmen einen Großteil des gesamten Platzes ein, der Rest wurde von einem kleinen Rundtisch mit zwei Stühlen und einer niedrigen Kommode am Zimmerrand ausgefüllt. Eine große von der Decke hängende Öllampe hüllte ihre Umgebung in einen flackernden Schein. Zu Neonas Überraschung hatte man auf dem kleinen Tisch an der Tür einen Waschzuber platziert. Das Wasser in dem Bottich war zwar schon lange kalt, aber zumindest sauber. Daneben ruhten zwei frische Leinentücher, mit dem man sich abtrocknen konnte. "Soll das etwa der Grund für die gestiegenen Preise sein?" Sie wusste nicht, ob sie das wirklich besänftigen würde können, aber wenn sich die Möglichkeit schon bot, sollte sie sich zumindest den Dreck der vergangenen Tage vom Gesicht waschen. Da sie nicht wusste, wann Silver ihr aufs Zimmer folgen würde, verzichtete sie vorerst auf eine gründliche Körperreinigung, stattdessen rieb sie sich das kalte Nass über die Gesichtspartien, den Nacken, Schultern und Arme. Der Dreck der sich wenig später im Zuber wie auch im weißen Leinentuch erkennen ließ, machte deutlich, dass die junge Frau bald ein gründlicheres Bad gebrauchen könnte. "Wenn ich mich recht erinnere, lässt sich unweit von hier eine passendes Flussufer finden", überlegte sie laut und legte die gebrauchten Leinen über die Stuhllehne.
      Dann ließ sie sich endlich erleichtert seufzend auf eines der Better fallen. Wie erwartet, waren die Matratzen kein bisschen weicher geworden, aber im Gegenzug zum harten Erdboden fühlten sie sich wie fluffige Wolken an. Es kostete sie einiges Selbstbeherrschung, um nicht direkt an Ort und Stelle in einen tiefen Schlaf zu versinken. Sie musste noch auf Silver warten. Auch wenn sie sich immer noch etwas seltsam dabei fühlte, hatte sie ihm zugesagt, dass er ihre Hand halten durfte...
      Angestrengt blinzelte sie dem flackernden Licht über ihrem Kopf entgegen, bis sie endlich das leise Knarzen der Tür vernahm. "Du bist schneller gekommen als erwar-" Ihre Stimme gefror in ihrer Kehle, als sie ihren Kopf langsam zum Zimmereingang drehte. "Wer bist du?!" Innerhalb einer Sekunde war sie hellwach und vom Bett aufgesprungen, die Hand kampfbereit um den Dolch an ihrem Rücken platziert. "Was willst du in diesem Zimmer?" Sie musterte den fremden Eindringling genauer. Er war einer der Gäste gewesen, die sie zuvor näher gemustert hatten. War er selbst ein Dieb? Glaubte er sie bestehlen zu können? Oder hegte er andere Pläne? Egal was es auch sein mochte, Neona glaubte nicht daran, dass es etwas Gutes war. Entsprechend zückte sie ihren Dolch schließlich kampfbereit und fixierte den Fremden düster.
    • Fremder & Silverius 'Silver' Magnus

      „Kein Grund gleich aufzustehen, bleib doch liegen Süße.“, grinste der Fremde Neona süffisant an und breitete dabei die Arme zur Seite aus, als würde er damit zeigen wollen, dass er selber nicht bewaffnet war, aber der Ausdruck in seinen Augen machte deutlich, dass er nicht einfach zum Plaudern in ihr Zimmer gekommen war.
      Seine Blick blitzte zu dem Dolch, den Neona nun kampfbereit in der Hand holte und er zog die Augenbrauen zusammen, offensichtlich nicht erfreut von diesem Anblick.
      „Komm schon... als ob du mit dem Ding umgehen kannst. Mach es uns doch nicht unnötig schwer, ich werde auch nett sein, versprochen.“, machte er sich über sie lustig und beendete seinen Satz mit einem Lachen... das ihm im nächsten Moment im Hals stecken blieb.
      „... willst du sehen, ob sie mit demDing umgehen kann?“, raunte Silvers Stimme unheilvoll neben seinem Ohr, während dieser die Hände des Eindringlings wie ein Schraubstock mit einer Hand gepackt hielt, während die andere um den Hals des Mannes lag, fest genug um ihn an Ort und Stelle festzuhalten.
      „Was zum-?! Solltest du nicht unten sein und Suppe essen?!“, beschwerte sich der Kerl, als wäre das einzige Problem an dieser Situation, dass er erwischt wurde und wand sich in Silvers Griff, doch dieser hielt ihn fest und drückte seinen Arm sogar ein Stückchen fester um seine Schultern.
      Der Blick des Unsterblichen begegnete Neonas und eine einfache Frage war in diesem zu sehen.
      Was nun?
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    • Neona

      Es war immer wieder erstaunlich... Offenkundig konnte sie in noch so lausige und locker liegende Kleidung gehüllt sein, Männer wie diese ließen sich leider von nichts entmutigen. Ihre Finger schlossen sich fester um den Dolch in ihrer Hand, während sie den Kerl vor sich genauer musterte. Er war eindeutig angetrunken, was es einerseits einfacher machen sollte, ihn aus dem Tritt zu bringen, andererseits waren Betrunkene oft unberechenbarer als alles andere. Dennoch war sie sich sicher, es mit ihm aufnehmen zu können, schließlich war das nicht ihre erste Auseinandersetzung dieser Art. Zudem war sie bewaffnet.
      "Bleib fern von mir, oder du wirst es bereuen", grummelte sie missmutig und analysierte bereits die Punkte, die sie als erstes attackieren wollte, als plötzlich ein Schatten hinter dem Fremden aufragte.
      Neona riss erstaunt die Augen auf, als sie Silvers düstere Stimme durch den Raum rollen hörte. Auch sie hatte gedacht, dass er noch mit seiner Suppe beschäftigt war... Hatte er etwa das Vorhaben des Fremden erkannt und war ihm gefolgt? Um sie zu schützen? Sie schüttelte milde den Kopf. Nein, er wollte nicht sie schützen, sondern dass was die junge Frau verkörperte. Den Weg zu seinem lang ersehnten Tod.
      Doch egal was auch der Grund gewesen sein mochte, sie war ihm dankbar für sein Einschreiten. schließlich hätte diese ganze Situation in einem kleinen Blutbad enden können und die Gasthausbesitzer hätten sie in Folge dessen eventuell wieder vor die Tür gesetzt. Aber nun könnte Neona das Ganze hoffentlich etwas "friedlicher" lösen.
      Ein schmales Lächeln setzte sich auf ihre Lippen, als sie endlich auf den bewegungsunfähigen Eindringling zuschritt. "Du wolltest wissen, ob ich mit dem Ding umgehen kann?", fragte sie mit einem belustigten Sing-Sang in der Stimme. Mit jedem weiteren Schritt auf ihn zu, ließ sie die Klinge in ihrer Hand wandern, drehte sie gekonnt zwischen den Fingern, warf sie von links nach rechts, machte deutlich, dass das lange nicht das erste Mal war, dass sie diese Waffe verwendete. Dann endlich, als kaum ein Meter zwischen ihnen lag, hob sie das silberne und scharfe Metall an die Kehle des Fremden, drückte es leicht gegen seine Haut. Nicht fest genug, um ihn zum bluten zu bringen, doch die kleinste Bewegung würde dickflüssiges Rot seine Kehle hinabwandern lassen. "Was ist dir lieber? Eine Vorführung meiner 'Künste' oder deine Geldbörse?" Es war keine wirkliche Frage, schließlich hatte ihre freie Hand letzteres schon geschickt aus seiner Hosentasche stibitzt. Dem Gewicht nach zu urteilen, war ihr aufdringlicher Eindringling nicht sonderlich vermögend, aber Neona würde sich nicht beklagen. "Das nehme ich als Entschädigung für deinen Einbruch." Sie zog die Klinge von seiner Kehle, allerdings nicht ohne einen kleinen Schnitt zu hinterlassen, der ihm für die nächsten Tage in Erinnerung bleiben sollte. "Ich hoffe wir sehen uns nie wieder."
      Sie gab Silver mit den Augen zu bedeuten, dass er den Kerl gehen lassen sollte. Sie wusste, dass ihr untoter Begleiter sicher dafür sorgen könnte, dass dieser Mistkerl vom Erdboden verschwand und nie wieder einer Frau zu nahe kommen könnte... allerdings wollte sie nicht mit ansehen, wie ein Mensch vor ihren Augen in Asche zerfiel. Gleichzeitig wollte sie von dem Braunhaarigen niemals verlangen, dass er jemanden tötete.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... hah. Sehr witzig. Als ob diese kleine Klinge mir Angst machen könnte.“, grinste der angetrunkene Mann mit einem selbstgefälligen Lächeln auf den Lippen, welches jedoch seine Nervosität nicht vollständig verstecken konnte und der Unsterbliche konnte das Zittern seines Gefangenen spüren, was ihm ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen trieb.
      Egal welches Zeitalter, egal welches Land, solche Menschen würde es einfach immer geben: man musste sich stärker geben als man war. Wie lächerlich. Und unglaublich gefährlich.
      Denn anhand der Art und Weise wie Neona den Dolch in ihren Händen hin und her warf, nur um es geschickt wieder aufzufangen machte deutlich, dass sie diese nicht das erste Mal in ihren Händen trug und deutlich damit umzugehen wusste.
      Normalerweise würde Silver ein solches Verhalten als Taschenspielertricks bezeichnen, nur weil man einen Dolch werfen und wieder auffangen konnte, musste das noch immer nicht bedeuten, dass man diese Klinge auch im Ernstfall nutzen konnte, doch anhand der Haltung, die die Rothaarige vor seinem Auftreten angenommen hatte, verwarf er diesen Gedanken schnell.
      Dem Angetrunkenen schien das Spektakel jedoch mehr Angst zu machen, vor allem als ihm die Klinge an den Hals gehalten wurde.
      „Was zum-! Das ist meins!“, wollte er sich sogleich lauthals beschweren, als ihm die Geldbörse abgenommen wurde, bereute die kleinste Bewegung jedoch sofort, als die Klinge sich in sein Fleisch schnitt und er gab einen verängstigten Laut von sich.
      „I-ist ja gut... kannst du haben...“, fügte er kleinlaut hinzu in der Hoffnung, dass man ihn dann gehen ließ und als Silver der stummen Aufforderung in Neonas Augen folgte, zögerte er keine Sekunde lang die Beine in die Hand zu nehmen und aus dem Zimmer zu rennen.
      Man konnte ihn die Treppe hinunter stürmen gerade zu hören.
      „... und? Ich hoffe doch wenigstens dass man damit das Zimmer bezahlen kann.“, erkundigte sich der Unsterbliche nach ihrer Beute und fuhr sich durchs Haar, während er auf den Beutel in der Hand der Rothaarigen zeigte.
      „Du meintest zwar, dass man es als Frau nicht leicht hat... aber ist ein Angriff in einem Gasthaus nicht etwas... übertrieben? Passiert dir das öfters?“, fügte er hinzu.
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    • Neona

      Wäre die Situation nicht so lästig, hätte sie wahrscheinlich amüsiert aufgelacht, kaum dass Angst in den Augen des Fremden aufflammte. Zumindest hatte sie aber etwas Geld aus dem Ganzen herausschlagen können, weswegen sie nicht vorhatte sich zu beschweren.
      "Nun, jetzt gehört es mir", meinte sie mit einem breiten Grinsen, als sich der Kerl über ihre diebischen Finger beschwerte.
      Zunächst schien er wirklich noch den Willen zu haben, für seine Geldbörse zu kämpfen, das Blut das wenig später seine Kehle entlangtropfte schien diesen Willen allerdings schnell versiegen zu lassen. Wenige Sekunden später folgten ihre Augen auch schon dem feigen Eindringling, als dieser die Beine in die Hand nahm und aus dem Zimmer sprintete. Hoffentlich warteten in der Taverne keine weiteren Freunde, mit denen er sich gemeinsam später rächen könnte...
      Diese Gedanken beiseite schiebend, hob Neona ihren Blick zu Silver. "Das mit Sicherheit", meinte sie zuversichtlich und warf einen Blick in den Geldbeutel in ihren Händen. Wie erwartet ließen sich nur Taler darin entdecken und kein einziges Silberstück. Trotzdem war es mehr als genug, um ihr Zimmer für mehrere Nächte zu buchen. "Theoretisch hätten wir jetzt sogar genug Geld für zwei Zimmer, wenn dir das lieber ist", schlug sie vor. Sie hatte nach wie vor keine Probleme damit, sich einen Raum mit ihrem untoten Begleiter zu teilen, vor allem da sie dadurch umso mehr Geld sparen könnten, aber vielleicht dachte der Braunhaarige anders darüber.
      Seine nächste Frage ließ sie nachdenklich die Stirn kraus ziehen. "Hmmm... Ich weiß nicht genau, was für dich genau oft ist, aber selten passiert es sicher nicht. Und Gasthäuser sind tatsächlich zum Teil berüchtigt für solche Übergriffe. Die Schlösser an den Türen lassen sich einfach knacken und den Tavernenbesitzern ist alles egal, so lange man ihnen die Miete bezahlt und nichts kaputt macht. Natürlich kommt es auch auf das Gasthaus an sich an. In teuren Unterkünften wird es sicher seltener zu solchen Situationen kommen." Sie zuckte mit den Schultern und platzierte den ergatterten Geldbeutel neben ihren eigenen unter dem Kopfkissen. "Die meisten Frauen würden aber wahrscheinlich nie alleine in solch einer Unterkunft übernachten oder sie lernen sich selbst zu verteidigen." Sie präsentierte ihren Dolch mit einem schmalen Lächeln, bevor sie diesen ebenfalls unter das Kopfkissen wandern ließ, nur um sich eine Sekunde später müde auf die steife Matratze sinken zu lassen. "Früher habe ich mich überwiegend als ein Junge verkleidet, auch wenn es ein paar Ekelpackete, die selbst daran Gefallen zu finden scheinen. Heute versuche ich durch meine zerlumpte Kleidung und verschmutzen Wangen so 'unappetitlich' wie möglich zu wirken. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich erfolgreich ist." Wenn sie ehrlich war, war sie vor allem in ihrer Vergangenheit oft in recht brenzliche Lagen geraten. Einmal war ein Mann ihr sogar bis zu ihrem Unterschlupf gefolgt... Ein Unterschlupf, den sie fern ab von neugierigen Augen versteckt hatte, entsprechend wäre aber auch niemand in der Nähe gewesen, der ihre Schreie hätte hören können. Sie konnte bis heute nicht ganz verstehen, wie sie es damals aus den schmerzhaften und fesselnden Händen dieses Kerls geschafft hatte, aber dieser Tag war auf jeden Fall der Grund dafür gewesen, dass sie von da an nur noch bewaffnet durch die Städte zog.
      Ein Gähnen spaltete ihre Lippen... Sie wollte nichts lieber, als ihren Kopf auf das schmale Kissen sinken zu lassen und die Augen zu schließen. Aber sie hatte Silver etwas versprochen. Also richtete sie ihren Rücken noch einmal etwas gerade auf und hob ihre gesunde Hand in seine Richtung. "Wie abgemacht."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... nicht nötig.“, lehnte der Unsterbliche das Angebot mit einem Kopfschütteln ab, „Desto mehr Geld wir sparen können, desto schneller können wir weiter.“, fügte er hinzu und wenn er ehrlich war, war es ihm schlicht und einfach egal, ob er ein eigenes Zimmer hatte oder es sich mit einer weiteren Person teilen musste.
      Da Neona vor seinen Berührungen sicher war, musste er sich auch in dieser Hinsicht keine Gedanken machen, also sah der Untote die Angelegenheit pragmatisch.
      „Berüchtigt... wie?“, wiederholte er mit einem Blick auf die noch immer offene Tür, bevor er auf diese zu schritt um sie zu schließen, „... vielleicht wäre es dann doch das beste, wenn wir uns das Zimmer einfach teilen... obwohl du meine Hilfe wahrscheinlich nicht gebraucht hättest, wie?“, warf Silver einen Blick über seine Schulter und beobachtete, wie Neona diesen gerade unter ihrem Kopfkissen verstaute.
      Ob sie ihn wohl auch zu spüren bekommen würde, wenn er auf die Idee käme sie zu wecken? Der Untote machte sich eine Notiz es nicht darauf ankommen zu lassen.
      „Hast es wohl nicht leicht.“, musste der Braunhaarige feststellen und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen an die Wand neben der Tür, während er die Rothaarige betrachtete und sich dabei vorstellte, wie sie wohl in Männerkleidung aussehen würde, musste aber feststellen, dass die Lumpen an ihrem Körper wohl sowieso nicht direkt einem Geschlecht zugeordnet werden konnten. Es ließ sich wohl besser mit Hemd und Hose statt Kleid klauen, wie?
      Als der Unsterbliche beobachtete, wie seine Begleiterin sich erhob und ihm die Hand ausstreckte, hob er fragend eine Augenbraue und wollte sich gerade überlegen, ob er irgendetwas hatte, dass sie zurückverlangen konnte... vielleicht die Taler, die er nicht für die zweite Suppe ausgegeben hatte?
      Gerade schob er die Hand in die Hosentasche und wollte die Münzen hervorholen, als Neonas Worte ihn zusammenzucken ließen und er blickte wieder auf. Achja... er hatte sie ja darum gebeten, nicht wahr? Sicherlich wäre es ihm früher oder später wieder eingefallen, eher früher als später, dennoch häte er nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet die Rothaarige ihn darauf ansprechen würde.
      Mit einem Nicken, ohne ein weiteres Wort zu sagen, überbrückte er die Distanz zwischen den beiden mit wenigen Schritten, doch anstatt sich einfach die Hand an die Wagen oder gegen das Gesicht zu drücken, wie er es im verfallenen Anwesen getan hatte, starrte er für einen Moment darauf, als müsse er sich mental zunächst auf das vorbereiten, was nun kam.
      Mit einem Seufzer ging er letztendlich auf die Knie, damit er ihre Hand besser betrachten konnte und zog sich die Handschuhe von den Händen, bevor er ihre mit den seinen umschlang.
      „... deine Hand ist... warm.“, schien er das Gefühl zu haben, etwas dazu sagen zu müssen. Es war ein eigenartiges Gefühl nach so vielen Jahrhunderten die Wärme eines anderen Menschen so nahe zu spüren, sie mit den Händen greifen zu können, ohne dass sie in nur wenigen Sekunden verschwand. Er konnte ihre Wärme tatsächlich spüren. Die Wärme eines Menschen.
      Fast wäre er gewillt zu glauben, dass der Fluch endlich sein Ende hatte. Aber auch nur fast.
      „... wäre es in Ordnung, wenn ich sie noch etwas länger halte?“, erkundigte er sich wie ein Gentleman und schien sich nicht so recht davon lösen zu können.
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    • Neona

      "Ja, ich wäre sicher auch ohne deine Hilfe mit ihm fertig geworden", bestätigte sie mit einem Schulterzucken. "Trotzdem bin ich dir für dein Einschreiten dankbar. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Situation alleine so gut und vor allem ohne großes Blutvergießen hätte meistern können. Daher: Danke, dass du dem Mistkerl gefolgt bist." Sie setzte ein sanftes Lächeln auf und neigte einmal dankend den Kopf vor dem Braunhaarigen. Er musste wahrlich ein gutes Gespür haben, wenn er bemerkt hatte, dass der Kerl von eben etwas düsteres plante. Ob das etwas mit seiner langen Lebenserfahrung zu tun hatte? Was auch immer der Grund sein mochte, solange er diese Instinkte auch die restliche Reise über verwenden würde, dürfte er ein sehr wertvoller Begleiter werden.
      "Die wenigsten haben es leicht in dieser Welt", meinte Neona mit einem Schulterzucken. "Vor allem wenn man kein Geld und Eltern hat." Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie sich selbst und ihre Situation bedauert hatte. Aber in dieser Welt konnte man auf kein Mitleid hoffen. Jeder war schon genug damit beschäftigt, sich selbst über Wasser zu halten, da war ein zerzaustes Waisenkind nur eine unnötige Last. Hätte sie damals nicht schnell ihr eigenes Selbstmitleid über Board geworfen, wäre ihre heutige Situation sicherlich deutlich düsterer. "Eigentlich kann ich mittlerweile nicht mehr wirklich beschweren. Ich bin stark und erfahren genug, um mich um mich selbst zu kümmern. Ich kann mich selbst beschützen und habe mir mittlerweile fast genug zusammengespart, um ein neues Leben beginnen zu können", verkündete sie zuversichtlich, bevor ihre Augen sich auf die schwarze Haut ihrer linken Hand legte. "Alles was mich noch aufhält ist dieser elende Fluch... Schließlich muss ich am Leben sein, um in die Zukunft blicken zu können, nicht war?" Sie unterdrückte ein Seufzen und fuhr sich einmal durch die wirren Haare. Hoffentlich würde ihre Reise mit dem Untoten auf fruchtbaren Boden stoßen... Sie durfte jetzt noch nicht sterben.
      Für einen Moment schien der Braunhaarige zu zögern, als sie ihm ihre Hand entgegenstreckte. Oder hatte er etwa schon vergessen, was sie zuvor noch besprochen hatte. Dann jedoch überbrückte er die Distanz zwischen ihnen mit wenigen Schritten, starrte auf ihre Hand. Neona musterte ihn verwundert, wagte es sich aber nicht, etwas zu sagen, oder ihre Hand wieder sinken zu lassen. Vielleicht steckte da immer noch Sorge in ihm, dass seine Berührung für sie tödlich sein könnte? Wenn sie ehrlich war, fürchtete auch sie sich ein wenig davor... Aber sie hatte es ihm versprochen, nicht war?
      Sie stieß erschrocken die Luft aus, als der Untote vor ihr plötzlich auf die Knie sank und schließlich seine unbehandschuhten Finger um ihre legte. Zuerst musterte sie ihn etwas dabei, wie er seine Haut über ihre wandern ließ... als wäre es etwas seltsam Intimes. Dabei hielt er doch nur ihre Hand in seinen...
      "Lebende Menschen haben die Angewohnheit, warm zu sein", kommentierte sie wenig später seine Feststellung mit einem belustigten Unterton. Gleichzeitig glaubte sie zu verstehen, wie besonders dieses Gefühl für ihn sein musste. Alles Lebendige verwandelte sich unter seiner Berührung in Staub. Menschliche Wärme musste also mittlerweile absolut fremd für ihn sein. Sie bemerkte, dass er im Vergleich zum ersten Mal erstaunlich zurückhaltend und vorsichtig war. Offenbar hatte hielt er sich an ihre Grenzen und auch seine vorsichtige Frage entlockte ihr ein feines Lächeln. "Ja, das wäre in Ordnung. Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst. Allerdings..." Ohne ihm ihre Hand zu entziehen, ließ sie sich auf das Bett sinken. "Ich bin müde... Wenn es dich also nicht stört, würde ich jetzt schlafen wollen." Ein langgezogenes Gähnen kam über ihre Lippen. "Sobald du... 'fertig' bist, da drüben steht ein Waschzuber, falls du dich vorm schlafen gehen noch etwas erfrischen willst." Sie nickte in die Richtung des Bottiches. "Das Wasser ist zwar kalt und ich habe es auch schon benutzt, aber es sollte noch sauber genug sein."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „.... kein Problem.“, nickte er ihr entgegen und musste sich fragend, wann sich das letzte Mal jemand bei ihm bedankt hatte und wann er das letzte Mal diesen Dank angenommen hatte. Zu einem früheren Zeitpunkt in seinem Leben musste er wohl noch die Nähe und das Zusammensein mit Menschen gesucht haben, auch wenn er sie nicht berühren konnte und eine bloße Gefahr für diese darstellte, aber der Gedanke an ein Leben in Einsamkeit war einfach zu schrecklich gewesen, um sich damit anzufreunden.
      Es hatte sogar die ein oder andere Person gegeben, die mit leuchtenden Augen versucht hatte ihm beim Brechen seines Fluches zu helfen. Er musste bei einer besonders abstrusen Erinnerung den Kopf schütteln. Eine junge, naive Frau hatte tatsächlich geglaubt den Fluch mit einem Kuss lösen zu können, wie in einem dieser abstrusen Märchen für Kinder. Sie hatte ihn überrascht... und mit ihrem Leben gezahlt. Nichts, woran sich der Unsterbliche gerne erinnerte, also vergrub er diese Erinnerung wieder tief in seinem Hinterkopf, wo diese ihn nur in seinen Träumen heimsuchen konnte.
      Doch irgendwann... irgendwann hatte er verstanden, dass er sich nur auf sich alleine verlassen konnte, um einen Weg zu finden, diesen verdammten Fluch endlich los zu werden und zu sterben. Er hatte verstanden, dass er nur eine Gefahr für andere war und andere eine Gefahr für ihn, auf mehr als auch nur eine Art und Weise.
      Wie ironisch, dass er nun doch auf die Hilfe einer anderen Person angewiesen war... wobei er es nicht unbedingt so nennen würde. Immerhin waren sie beide aufeinander angewiesen.
      Er, um zu sterben und sie, um zu leben. Eine pragmatische Verbindung, nichts weiter. Und es half nicht gerade, dass ihre Wärme die einzige war, die er spüren konnte.
      „Mhmmm... welch Glück dass du dann einen gefunden hast, der freiwillig für dich stirbt, was?“, scherzte er mit einem Grinsen und vor der Brust verschränkten Armen und ließ das ganze romantischer Klingen, als es eigentlich war, ein Umstand der ihn sehr amüsierte.
      Silver mag vor diesem Fluch ein einfaches Leben gehabt haben, natürlich konnte er es nicht nachvollziehen wie es war ohne Eltern aufzuwachsen, aber er erinnerte sich auch nicht gerne an die Zeit mit seinen Eltern und seiner Familie, die Tatsache, dass er diese nie wieder sehen würde, dass dieser Fluch sie voneinander getrennt hatte, schmerzte schlimmer als jeder Tod, den er hatte durchmachen müssen.
      Aber er verstand, wie es war sich ohne Geld und Verbindungen durchschlagen zu müssen, wie es war mit Nichts von Null aus anfangen und sich etwas neues aufbauen zu müssen. Wie viele Leben hatte er denn nun gelebt? Er wusste es nicht, an das meiste erinnerte er sich gar nicht mehr. Das menschliche Gehirn war nicht dazu gedacht so lange zu leben und so viele Erinnerungen anzusammeln, da war er sich sicher.
      Dennoch hatte er einen großen Vorteil gegenüber Neona: Zeit.
      Selbst wenn dieser Fluch sie nicht erwischt hätte, hätte sie deutlicher weniger Zeit um sich ein anständiges Leben aufbauen zu können, während er die Ewigkeit hatte.
      Außerdem war da noch der Umstand, dass ihr als Frau in diesem Zeitalter weniger Türen und Chancen offen standen als ihm.
      Aber was sie mit ihrem Leben anstellte, sollte ihn eigentlich nicht kümmern. Immerhin würde er nichts davon miterleben.
      Auf dem Boden kniend strich Silver sachte mit dem Daumen über die weiche Haut von Neonas Händen. Es war deutlich, dass das die Hände einer jungen Frau waren, die ihr gesamtes Leben lang hart gearbeitet hatte und stets eine Waffe in der Hand getragen hatte. Aber es kümmerte ihn nicht. Die weichen Hände einer Adeligen waren nichts wert, wenn er sie nicht berühren konnte.
      Mittlerweile machte er sich auch nichts aus solchen Dingen.
      Gedankenversunken, das Gefühl unter seinen Fingerspitzen und die Wärme ihrer Hände genießend, als müsste er Jahrhunderte nachholen, betrachtete er ihre Hände und sein Verstand schien noch immer Probleme damit zu haben zu realisieren, dass das hier gerade echt war und keiner dieser seltenen, guten Träume.
      Doch dieses Mal würde er nicht aufwachen und sich nach etwas sehnen müssen, was er nicht haben konnte. Wenn auch nur für kurze Zeit, konnte er Neonas Hände halten. Nur Schade, dass es viel zu spät war, um in ihm noch den Wunsch zum Leben zu wecken.
      Doch selbst wenn, wenn er leben wollte, würde Neona sterben. So oder so konnte er nicht haben was er wollte, wie ein schrecklicher Wink des Schicksals.
      „... nun... zumindest habe ich davon gehört.“, scherzte er zurück, deutlich machend, dass er keine Möglichkeit gehabt hatte sich dessen sicher zu sein.
      Hätte ihm irgendjemand gesagt, dass der Menschheit mittlerweile kaltes Blut durch die Venen floss, würde er es einfach glauben müssen.
      „... wie? Du vertraust mir ganz schön viel, was? Und wenn ich deine Hand die ganze Nacht über nicht los lasse?“, gab er mit einem amüsierten Laut von sich, als die Rothaarige verkündete, dass sie schlafen würde. Tatsächlich juckte es ihm wirklich in den Fingern einfach die ganze Zeit über in dieser Position auf dem Boden sitzen zu bleiben, doch er wusste, wenn er sich nicht zusammen riss, würde er es sich zur Gewohnheit machen nach ihren Händen oder mehr zu greifen... und eigentlich sollte er andere Prioritäten haben.
      Nachdem er es sich also lange genug an ihrer Wärme und der menschlichen Nähe erfreut hatte, Zeuge davon wurde wie Neona trotz seiner Nähe einschlief und ihre Hand etwas kälter wurde, legte er vorsichtig ihre Hand neben ihr auf das Bett und wandte dem Waschzuber einen Blick zu.
      Wahrscheinlich war es wirklich keine schlechte Idee sich frisch zu machen.
      Mit einem Seufzen erhob sich der Unsterbliche vom Boden und begann dabei sein Hemd aufzuknöpfen. Die Handschuhe hatte er ja bereits abgelegt und sauber und ordentlich legte er die Kleidungsstücke auf dem einzigen Stuhl in diesem Raum ab, bevor er eines der Handtücher nahm und in das noch einigermaßen saubere Wasser tunkte, um seinen Oberkörper zu säubern.
      Dabei betrachtete er seine Haut, die noch immer so aussah wie vor hunderten von Jahren, womöglich mag sogar viel länger vergangen sein.
      Seine jugendliche Haut wies keinerlei Narben auf, auch wenn Silver vor seinem inneren Auge die zahlreichen Verletzungen und Wunden sehen konnte, die er sich in seinem langen Leben zugesetzt hatte. Ein gebrochener Arm da, zahlreiche Schnitte hier, verbrannte Hände da... doch nichts.
      Der Geist mag gezeichnet sein, der Körper erinnerte sich jedoch nicht an den Schmerz. Wahrscheinlich sollte er dafür dankbar sein, sich darüber freuen.
      Doch das tat es nicht. Er hatte so viel erlebt... es war ein eigenartiger Anblick, dass man nichts davon sehen konnte.
      Mit einem Seufzen beendete er seine nächtliche Säuberung, legte wieder Hemd und Handschuhe an und prüfte noch einmal, ob Fenster und Türen abgeschlossen waren, bevor er sich in sein eigenes Bett legte... morgen würden sie den ersten Schritt wagen, der ihn in seinen Tod führen würde: genug Geld zusammen zu sammeln, um ihre Reise fortführen zu können.
      Wann war er das letzte Mal so ungeduldig gewesen? Wann hatte er das letzte Mal das Gefühl gehabt, zu wenig Zeit zu haben? Es war fast schon aufregend.
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    • Neona

      Sie setzte bei seinem seltsam kitschigen Kommentar ein schmales Lächeln auf. "Richtig. Du bist wohl der erste Mensch, der freiwillig sein Leben für meines aufgeben würde", meinte sie schulterzuckend. Für Außenstehende mochte das wohl absolut romantisch wirken, aber nur so lange sie nicht wussten, dass Silver sich nichts mehr als den eigenen Tod wünschte. "Aber selbst, wenn deine Ziele nicht so ehrwürdig sein mögen, wie du es klingen lassen willst, bin ich dir auch dafür sehr dankbar." Letztendlich musste sie ihm wohl sogar dafür danken, dass er ihr überhaupt zugehört hatte, als sie ihn unverhofft aus seinem Schlaf geholt hatte. Er hätte schließlich genau so gut beschließen können, dass ihr Fluch die Mühe nicht wert war und es sich stattdessen mehr lohnen würde, weiterhin in einem ewigen Schlaf zu versinken. Zum Glück schien der Untote aber noch nicht genug in seinem eigenen Frust und Lustlosigkeit versunken zu sein, um diese Chance verstreichen zu lassen. Auch Neona hatte nicht vor, diesen kleinen Hoffnungsschimmer einfach verglimmen zu lassen. Selbst wenn nicht sicher war, dass sie am Ende beide ihre Flüche würden brechen können, sie mussten es einfach versuchen.
      Immer wieder wurde ihr Arm von einer leichten Gänsehaut überzogen, wenn der Braunhaarige andächtig über ihre Hand fuhr. Ob sie sich bald schon daran gewöhnt haben würde? Sie konnte es nur hoffen, schließlich bezweifelte Neona, dass dies das letzte Mal sein würde, dass Silver sie um diesen Gefallen bitten würde. Zugleich konnte sie kaum fassen, dass es wirklich einen Menschen geben konnte, der so... verträumt ihre Hand betrachten konnte. Es hatte zwar in der Vergangenheit immer wieder diverse Männer gegeben, die sich gewisse Gefälligkeiten von ihr erhofft hatten, aber so gut wie niemand von denen hatte sie als einen eigenen Menschen betrachtet... Niemand von ihnen hatte ihr einen wirklichen Wert zugesprochen. Silver hingegen der Wärme ihrer Haut im Moment allerdings mehr Wert zuzusprechen als allem anderen. Wie mochte es wohl sein, viele Jahrzehnte, nein, Jahrhunderte auf die Wärme anderer Lebewesen verzichten zu müssen. Sie würde sicherlich niemals in der Lage sein, dieses Gefühl nachzuempfinden. Gleichzeitig war sie dafür im Moment sowieso viel zu müde.
      "Solange es nur dir Hand ist, ist mir das eigentlich recht egal", murmelte sie leise. "Glaub aber nicht, dass ich es nicht bemerken würde, solltest du etwas anderes versuchen." Sie musterte ihn streng zwischen müden Augenliedern. "Ich habe einen leichten Schlaf. Wenn du irgendetwas versuchen solltest, bekommst du meinen Dolch zu spüren." Um ihre Aussage noch etwas zu bekräftigen, ließ sie die freie Hand und das Kopfkissen gleiten und umschloss den Griff der scharfen Klinge. Zugleich musste sie aber auch zugeben, dass er durchaus recht hatte: Sie vertraute ihm mehr, als sie zugeben wollte. War es, weil er bisher so offen über sich geredet hatte? War es, weil er ihre Grenzen respektierte und sie um ihre Erlaubnis gebeten war? Oder lag es daran, dass er sowieso ihr letztes Ticket für ein Weiterleben war? Sollte sie ihn vergraulen oder er sich irgendwie gegen sie stellen, wäre ihr Leben sowieso verwirkt. Warum sich also noch große Gedanken über ihre Sicherheit machen? Außerdem war er ihr zuvor zu Hilfe geeilt, als ihr dieser Mistkerl versucht hatte, sich an ihr zu vergreifen. Auch wenn ihr erster Eindruck von Silver nicht der beste gewesen sein mochte, musste sie mittlerweile zugeben, dass er kein schlechter Mensch war.
      Er hielt noch ihre Hand umgriffen, als sie schließlich im Land der Träume versank. Irgendwie fühlte sich das warme Gefühl um ihre Finger mittlerweile sogar recht beruhigend an. Es erinnerte sie an die Zeit, in der sie sich ein Bett mit ihrem kleinen Bruder geteilt hatte und seine Hand hielt, damit er besser einschlafen konnte. Auch damals war Neonas schon von zahlreichen Schicksalsschlägen geprägt gewesen und dennoch war es irgendwie einfacher gewesen. Selbst wenn sie ihm Waisenhaus schlecht behandelt wurden, mussten sie zumindest nicht um Essen und ein Dach über dem Kopf bangen...

      Am nächsten Tag verließen sie gemeinsam nach einem spärlichen Frühstück das Gasthaus. Wie erhofft war Neona direkt bei den ersten Sonnenstrahlen aufgewacht und hatte ihren untoten Begleiter zur Eile angetrieben. "Vor allem am frühen Morgen, wenn Händler ihre Waren aufstellen und Stände aufbauen, sind sie helfen Händen nicht abgeneigt", hatte sie erklärt. Entsprechend hatte sie Silver direkt ins Zentrum der Stadt geleitet, auf dessen Marktplatz wie erwartet lauter Trubel herrschte.
      Ein paar Markschreier versuchten bereits mit lauter Stimme auf sich aufmerksam zu machen. Vor allem ein Großteil der Lebensmittelhändler, welche in der Stadt auch ansässig waren, hatten sich schon an den begehrtesten Plätzen gesammelt und konkurrierten um potentielle Kunden. Auch Silver und Neona hatte man mehrmals anlocken wollen, doch die junge Frau schenkte den lauten Rufen keine Aufmerksamkeit. Ihr Ziel befand sich etwas abseits der zentralen Stellplätze, dort wo mehrere Händler neben voll beladenen Karren standen und ihre wenigen Hilfskräfte zur Eile anhielten.
      "Wie es scheint haben wir heute besonders viel Glück", stellte sie bald schon mit einem zufriedenen Grinsen fest und beschleunigte ihre Schritte. "Ein Möbel-Händler." Sie hielt geradewegs auf einen etwas dicklicheren Mann mittleren Alters zu. Auf seinem Kopf thronte ein breiter Hut, an welchem eine lange Feder aufgeregt auf und ab wippte. Links und rechts neben ihm standen sogar zwei prall gefüllte Karren mit diversen Möbeln: Schränke, Tische, Stühle aber auch Kerzenständer und Teppiche. "Nicht nur, dass er besonders vermögend aussieht, Leute wie er brauchen meist besonders viele starke Hände."
      Desto näher sie kamen, desto deutlicher ließ sich die gereizte Stimme des Händlers vernehmen. "Seid gefälligst vorsichtig damit! - Hey! Weißt du wie viel das Wert ist Junge?! Pass auf! - Wenn ihr euch nicht langsam etwas beeilt, ist der Markplatz vollgestellt, bevor ihr überhaupt alle Waren abgeladen habt."
      Neona beobachtete mitleidig die beiden Buben, die jeweils auf einem der Karren standen und mühevoll versuchten, die schweren Möbelstücke abzuladen. So dünn und schmal wie sie wirkten, zweifelte Neona nicht daran, dass der Händler sie einfach von der Straße gelesen hatte. Allerdings schien er auch einen seiner eigenen Männer mitgebracht zu haben, wahrscheinlich hatte dieser auch den zweiten Karren gefahren. Dieser stand neben den Wägen und nahm die heruntergereichten Möbelstücke entgegen. Im Gegensatz zu den beiden Buben konnte er dabei deutlich mehr Muskelmasse aufweisen und ignorierte geflissentlich die strengen Kommentare seines Vorgesetzten.
      "Könnt Ihr noch eine helfende Hand gebrauchen?"
      Zuerst drehte sich der Federhut begeistert in ihre Richtung. Doch kaum vielen die Augen des Händlers auf ihr schmales Gesicht, verdüsterte sich seine Miene zunehmend. "Zisch ab, Göre. Du wirst hier nicht gebraucht! Es ist schon schlimm genug, dass ich diese beiden Nichtsnutze bezahlen muss."
      Neona setzte ein breites Lächeln auf, unbeirrt von den harschen Worten ihres Gegenüber. "Oh, ich rede nicht von mir." Sie machte eine ausladende Handbewegung zu Silver an ihrer Seite. "Ich bin mir sicher, er könnte eine gute Unterstützung für Euch sein."
      Prüfend wanderte der Blick des Händlers über Silver. "Hast du genug Kraft, um einen Schrank vom Karren zu stemmen, Junge?", knurrte er skeptisch.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Dank mir mit meinem Tod.“, gab er mit einem breiten Grinsen von sich, der dunkle Unterton des Gesprächs amüsierte ihn zusehends und wahrscheinlich hätte er sogar laut aufgelacht, wenn er sich in diesem Moment nicht wichtigeren Dingen zugewandt hätte.
      Noenas Dank hatte in seinen Ohren keine große Bedeutung, es waren nur Worte, mehr nicht und es wäre ihm tatsächlich lieber, wenn sie ihm danken würde. Weil er diesen Dank nicht verdient hatte. Auch wenn sie über den Eigennutz seiner Taten hinwegsehen konnte, er konnte es nicht. Er war sich bewusst, dass er sich selber am nächsten stand und schämte sich auch nicht dafür, aber umso deutlicher wollte er seiner Umgebung deutlich machen, dass er verdammt nochmal ein Egoist war und sich niemand um ihn kümmern sollte.
      So würde niemand versuchen sich ihm zu nähern. So würde niemand versuchen ihn zu berühren, sowohl im übertragenen, als auch im wörtlichen Sinne.
      So würden sie alle Abstand von ihm halten und es würde zu keiner Tragödie kommen.
      Vor allem mit der Rothaarigen konnte er sich eine Freundschaft nicht leisten. Keiner von den Beiden konnte es. Denn Silver war sich deutlich bewusst – und er zweifelte keine Sekunde daran, dass auch Neona sich dem bewusst war – dass am Ende dieser Reise einer von ihnen sterben musste. Und der Unsterbliche hoffte mit fast schon klopfendem Herzen – er hatte ganz vergessen, dass sein Herz das überhaupt noch konnte – dass er das sein würde.
      Letztendlich lachte er doch leise auf, als seine Begleiterin ihm versicherte, er würde ihren Dolch zu spüren bekommen, wenn er etwas anderes berührte, als ihre Hand.
      „Keine Sorge, auf diese Erfahrung verzichte ich gerne.“, zwinkerte er ihr zu, auch wenn er sich sicher war, dass ein Stich mit einem Dolch ihn nicht wirklich aufhalten würde. Er würde nur ein wenig bluten.
      Wobei... wenn die Rothaarige so viele Jahre alleine auf der Straße, als Diebin, überlebt hatte, dann wäre sie sicherlich schlau genug ihn ohne zu zögern sofort zu töten und dann das Weite zu suchen. Und dann? Sie brauchte ihn. Aber zu ihrem Glück brauchte er sie auch, also beendete er damit das Gedankenspiel, schüttelte langsam den Kopf und wandte sich lieber wieder ihrer Hand zu.
      Dieses lange Leben hatten seinem Verstand auf mehr als nur eine Weise nicht besonders gut getan.

      Am nächsten Morgen fiel es dem Unsterblichen tatsächlich schwer aufzustehen, er schien sich daran gewöhnt zu haben einfach nicht mehr aufzustehen und sich einfach danach zu sehnen wieder einzuschlafen. Sicherlich war er am vorherigen Tag nur so früh aufgestanden, weil er gar nicht erst richtig geschlafen hatte. Umso anstrengender war es für Silver von der Rothaarigen dazu gedrängt zu werden aufzustehen, grummelte genervt vor sich und bedauerte sogar, dass er sie nicht einfach mit einer Berührung zum Verstummen bringen konnte, ergab sich jedoch seinem Schicksal und schon bald waren sie draußen auf den Straßen.
      Der Untote prüfte noch einmal, ob seine Kleidung auch richtig saß, kein Knopf fehlte und kein unnötiges Stück Haut zu sehen war, als Neona auch schon ihr Ziel fand.
      Er warf ihr einen Seitenblick zu, bevor er ihrem Blick folgte und ein alles andere als erfreutes Gesicht bei dem Anblick der Möbel machte. Na toll. Das würde anstrengend werden.
      Dennoch folgte er ihr und beschleunigte seine Schritte, wenn auch ein paar Sekunden später als sie, und überließ ihr einfach das Reden, während er seinen Blick über die Gegend schweifend ließ, als ihm ein Kommentar ein belustigtes Grinsen auf die Züge zauberte.
      „Junge... was?“, murmelte er vor sich hin und konnte es kaum glauben, dass er so genannt wurde. Er war deutlich älter als dieser gutbetuchte Mann, wusste aber auch, dass er ihm das nicht unbedingt auf die Nase binden musste.
      Also räusperte er sich kurz und versuchte sich darauf einzustellen sich von seiner besten Seite zu zeigen. Immerhin hing der weitere Verlauf ihrer Reise davon ab.
      „Aber selbstverständlich kann ich das! Ich mag vielleicht nicht so aussehen, aber ich kann ihnen versprechen, dass ich an harte, körperliche Arbeit gewöhnt bin. Ich bin zwar mehr an schweren Mehl- oder Reissäcke gewöhnt, aber Möbel habe ich auch schon Mal von A nach B getragen.“, gab er mit seinem freundlichsten Lächeln von sich und richtete sich dabei auf, als wäre er bei einem Vorstellungsgespräch für eine überaus wichtige Stelle und das Selbstbewusstsein war ihm deutlich anzusehen.
      Zu seinem Glück sah er auch noch gerade im richtigen Moment, als einem der Jungen die Arme zu schwer wurden und diesem die Hände von einer besonders gut verarbeitet aussehenden Kommode rutschte und schon war Silver zur Stelle und fing das Möbelstück auf, bevor es zu Boden fallen und Schaden nehmen konnte.
      Verdammte Scheiße, vielleicht hätte er doch nicht so lange schlafen und sich aushungern sollen. Doch obwohl er spüren konnte, dass er nicht in seiner Höchstform war, konnte er jedoch sicher sein, dass er nützlicher sein würde als diese dünnen Jungen.
      Vorsichtig stellte er das Möbelstück nun wieder ab, bevor er sich selbstsicher dagegen lehnte.
      „Also?“
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    • Neona

      Sie war nicht wirklich überrascht gewesen, als Silver heute morgen recht unwillig das Bett hinter sich hatte lassen wollen. Schließlich war er Aufstehen an sich wahrscheinlich nicht mehr wirklich gewohnt. Dennoch ließ sie sich nicht abwimmeln, schließlich durften sie nicht zu spät auf dem Markt sein. Zugleich war der Untote noch deutlich einfacher zu motivieren, als es ihr kleiner Bruder zuweilen war. Entsprechend hatte sie auch nicht vor, sich zu beschweren, solange das Ganze nicht zur Gewohnheit wurde.
      Tatsächlich hatte sie sich sogar gefragt, ab wann er entschieden hatte, ihre Hand beiseite und sich selbst ins Bett zu legen. Erstaunlicher Weise hatte sie nichts von beiden mitbekommen. War sie etwa so müde gewesen? Vertraute sie ihm doch mehr als erwartet? Oder hatte es was mit diesem elenden Fluch zu tun? Immerhin schien dieser unentwegt an ihrem Leben zu saugen, es sollte also auch nicht weiter verwunderlich sein, wenn er sie zuweilen in eine halbe Ohnmacht versetzte... Eine gruselige Vorstellung, wenn man bedachte welche Gefahren diese Welt für eine tief und fest schlafende Diebin bereithielt. Zum Glück blieb ihr wenig Zeit, um sich über diese Gedanken lange Sorgen zu bereiten, schließlich mussten sie endlich voran kommen.
      Und so beobachtete sie nun hoffnungsvoll die Unterredung ihres Begleiters mit dem Möbelhändler. Auch sie musste kurz schmunzeln, als Letzterer Silver als einen "Jungen" bezeichnet hatte. Gut, er mochte äußerlich maximal aussehen wie zwanzig, aber sein wahres Alter schien ganze Generationen überdauert zu haben. Ob er deswegen so genau wusste, wie man sich vernünftig "verkaufte"? Der vermögende Händler vor ihnen schien auf jeden Fall erstaunt über sein Selbstbewusstsein zu sein. Wenn der Braunhaarige nun auch noch seine Worte wahr machen konnte, sollte dieser erste Tag recht ertragreich werden.
      Wenig später staunte sie nicht schlecht, als Silver eine beeindruckende Reaktionszeit bewies und eine Kommode vor dem harten Pflasterstein rettete. Sie pfiff einmal anerkennend und setzte dann ein zufriedenes Grinsen auf.
      Der Federhut schien einige Sekunden zu brauchen, bevor er die Situation gänzlich verstanden hatte, dann riss er endlich einladend die Arme auf und lachte einmal schallend auf. "Du scheinst es ja wirklich ernst gemeint zu haben, Junge." Dann reckte er Silver die Hand entgegen. "Du bist für heute eingestellt. Ich werde dich gebührend entlohnen, solltest du mir auch über den Markttag beiseite stehen und die Karren meiner Kunden beladen. Und heute Abend kannst du uns beim Zusammenpacken helfen."
      "30 Silberstücken", mischte sich Neona nun ein und stellte sich neben den Händlersmann. Wie erwartet stierte sie dieser umgehend abschätzig und zornig an.
      "Was glaubst du wer du bist, Kleine, dass du mit mir versuchst zu verhandeln?", knurrte er düster.
      Neona zuckte nur mit den Schultern. "Wir sind ein Team und wenn ich mit dem Angebot nicht einverstanden bin, wird er Euren Wünschen nicht entsprechen", verkündete sie mit fester Stimme und erwiderte den starren Blick ihres Gegenübers.
      Dieser schien zunächst noch unwillig. Wahrscheinlich spielte er mit dem Gedanken, Neona wegjagen zu lassen, gleichzeitig wussten sie beide, dass er auf Silvers Hilfe angewiesen war, wenn er bald seinen Stand aufgebaut sehen wollte. "5 Silberstücke."
      Neona lachte kopfschüttelnd. "Ist das Euer Ernst? 25 Silberstücken."
      "10."
      Sie musterte ihn schweigend, warf dann einen Blick auf die fast noch gänzlich beladenen Karren, setzte erneut ein feines Grinsen auf. "25 Silberstücken."
      Sie mochte es sich einbilden, aber für einen Moment glaubte sie, dass die Feder an seinem Hut zornig zuckte, wie die Schwanzspitze eines genervten Katers. "15 Silberstücken und kein Stück mehr."
      Wieder musterten sich beide mehrere Sekunden lang. Auch die Buben auf den Karren hatten ihre Arbeit seit geraumer Zeit pausiert, nun da ihr herrischer Arbeitgeber seine Schimpftiraden eingestellt hatte. Schließlich zuckte Neona mit den Schultern. "Silver, anscheinend ist deine Hilfe hier doch nicht erwünscht. Wir sollten an anderer Stelle Ausschau hal-"
      "17 Silberstücken! Das ist mein letztes Angebot!", viel ihr Federhut ins Wort.
      Sie musste sich tatsächlich anstrengen, um das schelmische Grinsen nicht zu offensichtlich zu machen. Wieder zögerte sie eine Sekunde und versuchte in der Mimik ihres Gegenübers zu lesen. Sie glaubte zu erkennen, dass sie alles ausgereizt hatte, was sie konnte. Sie würde nicht mehr aus ihm herauspressen können. "Deal."
      Ein erleichtertes Aufatmen drang über seine Lippen, als sich die Rothaarige endlich dazu entschloss einzuschlagen. "Eine Hälfte jetzt, den Rest bekommt dein Kollege nach getaner Arbeit."
      Sie nickte verstehend. "In Ordnung." Dann schob sie sich kurz an dem Händler vorbei und stellte sich nah neben Silver. "Ich hoffe ich kann darauf vertrauen, dass du deinen Job gut machst. Während du hier rackerst, werde ich mich auf dem Markt etwas 'umsehen'."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Mit einem breiten Grinsen, das jedoch seine Augen nicht erreichte, und vor der Brust verschränkten Armen badete der Unsterbliche in seinem Erfolg, als der Händler ihn aufnahm wie einen lange verlorenen Sohn. Offenbar hatte er mit seinen bisherigen Angestellten nicht so viel Erfolg gehabt... der stämmige Kerl alleine reichte wohl nicht, um den Stand ordentlich aufzubauen und wenn Silver seinen Blick über den Markt schweifen ließ, stellte er fest, dass er sowieso schon etwas spät war.
      Doch als ihm die Hand entgegen gehalten wurde, starrte der Braunhaarige diese an, als wüsste er nicht so recht, was er damit anfangen sollte und zog nach einigen Moment die Augenbrauen zusammen. Ob er es sich leisten konnte, unhöflich zu sein und diesen Handschlag auszuschlagen? Wohl kaum. Der Kleidung und dem Verhalten des Händlers nach zu urteilen gehörte er zu der Sorte, die respektiert werden wollten. Und da gehörte wohl ein Handschlag dazu.
      Also unterdrückte der Untote ein Seufzen, setzte ein fast schon gequältes Lächeln auf und tat seinem Gegenüber den Gefallen seine Hand zu schütteln, so schnell und kurz wie nur möglich, bevor er sogleich seine Handschuhe wieder richtete. Man wollte ja sicher gehen, dass sie nicht verrutschten. Doch das der Händler noch stand wo er war, bewies, dass die Handschuhe einwandfrei waren.
      Wieder hielt er sich zurück und verkniff sich ein erleichtertes Seufzen. Ein Toter... wenn man die Opfer seiner Berührungen überhaupt so nennen konnte, wäre ihnen alles andere als eine Hilfe.
      Als Neona sich einmischte und mit den Verhandlungen begann, bestätigte Silver ihre Worte mit einem Nicken. Sie waren ein Team. So sehr sich seine Nackenhaare bei dem Gedanken auch aufstellten, entsprach das durchaus der Wahrheit und er hatte wirklich nicht vor seine Arbeitskraft anzubieten, wenn die Rothaarige mit der Bezahlung nicht zufrieden war.
      Sicherlich war es kein Wunder, dass sich die Federspitze auf einen solch hohen Preis einließ, immerhin schien es ihm wirklich an zuverlässigen Arbeitern zu mangeln, dennoch hob er anerkennend eine Augenbraue, während Neona mit dem älteren Mann verhandelte, der wirkte, als würde er sie am liebsten nur verjagen... was ihm ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht zauberte.
      Man verhandelte wohl wirklich nicht gerne mit Frauen, was?
      Ob der Kerl bei dem Verhalten überhaupt eine Frau Zuhause hatte? Silver bezweifelte es.
      „Natürlich werde ich einen guten Job machen, wofür hältst du mich denn? Gib nur nicht alles auf einmal aus.“, ließ der Unsterbliche es mit einem Grinsen so aussehen, als würde Neona währenddessen auf dem Mark einkaufen gehen und kaum hatte er die Hälfte seiner Bezahlung erhalten, überließ er diese auch schon der Rothaarigen.
      An dieser Stelle würden wohl die meisten ihre Ärmel hochziehen und sich an die Arbeit machen, bei Silver jedoch blieben die Ärmel wo sie waren, viel mehr zog er sie sogar noch ein Stück weit nach unten, bevor er zu den Anderen herüber schlenderte und einem der Jungen bedeutete, die andere Seite der Kommode zu packen, damit diese sie gemeinsam vollständig vom Karren tragen konnten. Der Unsterbliche lächelte nicht mehr. Wozu auch? Dieser Job brauchte sein Lächeln nicht.
      Also strengte er sich an ein Möbelstück nach dem Anderen an die richtige Stelle zu hieven, ließ sich nicht anmerken, wenn seine Muskeln zu streiken begannen und war fast schon erleichtert, als sie endlich fertig waren und nun nur darauf warten mussten, dass ein Kunde etwas kaufte um beim verladen zu helfen.
      Ob Neona wohl mehr verdienen würde als er?
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    • Neona

      Ihr entging das kurze Zögern des Untoten nicht, bevor er schließlich die Hand des Händlers schüttelte. Ob er trotz der Handschuhe Sorgen hatte? Ob ihn solche Sorgen immer begleiteten, wenn er sich in der Nähe von anderen Menschen aufhielt? Außerdem: Würde die Arbeit in diesen Klamotten nicht anstrengend werden? Die Frühlingssonne mochte noch einigermaßen wenig Hitze ausstrahlen, dennoch würde die harte körperliche Arbeit Silver sicher ins Schwitzen bringen...
      Sie bemerkte, dass sie sich erneut um Dinge Gedanken machte, die sie eigentlich nicht zu interessieren brauchten. Sie schüttelte leicht den Kopf und beschloss stattdessen sich auf das angenehme Gewicht des Geldes in ihrer Hand zu konzentrieren. "Keine Sorge, ich werde versuchen mich zu zügeln", antwortete sie dem Braunhaarigen mit einem Grinsen und winkte ihm wenig später zum Abschied. "Ich hole dich heute Abend wieder ab." Mit diesen Worten wendete sie sich gänzlich von ihm ab und wendete sich dem Marktplatz zu. Innerhalb der letzten paar Minuten hatte sich eben dieser noch einmal deutlich mehr gefüllt. Hunderte Menschen tummelten sich an verschiedenen Ständen. Neonas aufmerksame Augen hatten gelernt, solche Menschenmengen in kurzer Zeit nach wertvollen Geldquellen abzusuchen und so erspähte sie innerhalb von Sekunden fein gefertigte Lederschuhe die gemütlich an ihr vorbeischlenderten. Das restliche Outfit des Trägers war unscheinbar, vielleicht hatter er geglaubt, damit vor diebischen Fingern sicher zu sein. Die junge Frau wusste allerdings genau, das solch ein Schuhpaar nur zu edlen Nobelmännern oder wohlhabenden Händlern gehören konnte. Also nahm sie unauffällig die Verfolgung auf, wartete bis der Mann in der Schlange vor einem Stand halt machte und nutzte die eng stehenden Menschen als Entschuldigung, um sich eng an ihm vorbei zu drängen. Bevor er nicht an dem Stand selbst angekommen war, würde er wahrscheinlich nicht einmal bemerken, dass er nichts mehr zum Bezahlen bei sich trug. Grinsend begutachtete grinsend ihre Beute. Vier Silberstücken direkt beim ersten Opfer? Vielleicht war heute ihr Glückstag. Zufrieden ließ sie den Inhalt des Beutels in ihre eigene Geldbörse fallen, bevor sie sich dem nun leeren Lederbeutel entledigte und nach ihrem nächsten Opfer Ausschau hielt.
      Nach wenigen Stunden war ihr eigener Geldbeutel so prall gefüllt, dass das Gewicht deutlich an ihrer Hüfte zog. Leider hatte ein Großteil der restlichen Beute nur noch aus Talern bestanden, dennoch sollten sie insgesamt auf mindestens fünfzehn Silberstücken kommen. Kein schlechter Anfang, wenn sie Silvers Lohn mit einrechnete. Mit etwas Glück sollten sie in zwei bis drei Tagen genug zusammenbekommen können. Allerdings galt es zuvor auch etwas des gewonnen Geldes zu verwerten. Bevor sie aber als tatsächliche Kundin den Markt betreten wollte, zog sie sich erst einmal in eine abgelegene und unbeobachtete Gasse zurück und förderte aus ihrer Hosentasche einen noch vollkommen leeren Geldbeutel hervor. Diesen füllte sie mit einigen ergatterten Talern, bevor sie den prall gefüllten Lederbeutel um ihren Bauch schnallte. Das locker sitzende Hemd sollte ein gutes Versteck sein, im Gegenzug zu ihrer Reisetasche, die man ihr im schlimmsten Fall entreißen könnte. Zudem würde der kleinere Geldbeutel weniger verdächtig scheinen, wenn sie später eigene Waren einkaufte.
      Eine gute weitere Stunde später hatte sie diverse Essenvorräte: Trockenfleisch, Brot wie auch Äpfel eingekauft, wie auch zwei Decken, die zwar nicht sonderlich dick aber zumindest größer als der Lumpen war, den sie sonst mit sich herum schleppte. So sollten zukünftige Nächte im Freien erträglicher werden. Nachdem sie alles sicher verstaut hatte, beschloss sie noch einmal nach Silver zu sehen. Ob er gute Arbeit leistete oder war der knurrige Möbelhändler mittlerweile damit beschäftigt auch den Untoten zu tadeln? Neugierig machte sie sich auf den Weg zum besagten Stand.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Mit einem Nicken verabschiedete der Untote die Diebin und blickte ihr einige Momente nach, bevor er mit ein paar unhöflichen Worten daran erinnert wurde, dass er hier zum arbeiten war und langsam mal anfangen sollte, also wandte er sich letztendlich um und half einem der Jungen die Kommode sicher vom Wagen zu laden. Wie lächerlich es war, dass er als einer von ihnen angesehen wurde, wie er fand. Diese Jungen hatten offensichtlich noch nicht viel von der Welt gesehen, womöglich mag das hier sogar einer ihrer ersten Jobs sein, so ungeschickt wie sie sich beim tragen der Möbel anstellten, oder sie waren schlicht und einfach einfachere Jobs gewöhnt.
      Doch was Silver vor allem ins Auge fiel, war die Tatsache, dass sie noch immer diesen Funken in ihren Augen hatten. Sie lebten. Und wollten leben. Dafür arbeiteten sie auch, während der Untote aus dem entgegengesetzten Grund arbeitete. Welch amüsanter Gedanke, wie er fand.
      „F-Frauen... nicht wahr?“, hob er letztendlich eine Augenbraue, als der Junge auf der anderen Seite der Kommode wohl versuchte ein Gespräch anzufangen, dabei schien er recht nervös zu sein, ja, geradezu schüchtern. Woher hätte er auch wissen sollen, dass es sein Blick war, der seinen Gegenüber so einschüchterte? Als wüsste der Junge im Gegensatz zum Federhut, dass er nicht einer von ihnen war, dass er nicht der Jugend angehörte oder zumindest anders war als sie.
      „... wie meinst du das?“, verdunkelte sich Silvers Blick. Nicht, weil ihn das Gesprächsthema störte, sondern weil es ihn störte überhaupt ein Gespräch führen zu müssen. Er hatte keine Interesse an solcherlei Dinge, schon lange nicht mehr. Vor allem nicht mit Leuten, die kaum etwas erlebt hatten, worüber es sich zu reden lohnte.
      „N-naja... müssen immer unser Geld ausgeben, nicht wahr?“, versuchte es der Junge offenbar nochmals, auch wenn der Unsterbliche nun wirklich nicht aussah, als würde er weiter reden wollen. Welch jugendlicher Eifer, nicht wahr?
      „Was glaubst du denn, wofür ich arbeite?“, gab er letztendlich grinsend zurück und der überraschte Ausdruck im Gesicht seines Gegenübers erfreute ihn. Wie er es mochte anderen gegen den Kopf zu stoßen. War etwas neues, im Gegensatz zu den immer gleichen Gesprächen, von denen es viel zu viele in seinem langen Leben gegeben hatte.
      „N-naja... für Essen...?“, versuchte es der Jugendliche ein weiteres Mal, als die beiden die Kommode vorsichtig und sicher beim Stand des Händlers abstellten.
      „Darauf kann man auch schon mal verzichten.“, hielt er dagegen und seinem Ausdruck nach zu urteilen hatte er auch den letzten Funken an Interesse an diesem Gespräch verloren, während der Junge ihn anblinzelte, als wäre Silver ein Verrückter.
      Wahrscheinlich war er das auch. Aber nicht auf die Art und Weise, wie der Junge wohl glaubte.
      Der Rest der Arbeit verlief recht still, tatsächlich hatten sie weder den Atem noch die Zeit ein weiteres Gespräch zu führen, während sie vom Händler immer und immer wieder grob dazu getrieben wurden schneller zu arbeiten, denn die Möbel mussten um den Stand drapiert werden, bevor die Massen an Kunden ankommen würden, doch die Beschimpfungen des Federhuts prallten an dem Untoten ab. Er hatte schon schlimmere, wüstere Beschimpfungen gehört.
      Während die Jungen anfingen ihre Hemden aufzuknöpfen oder gar abzulegen – der einzige feste Angestellte des Händlers trug bereits leichte Kleidung, so dass es ihm nicht besonders viel ausmachte – als zu schwitzen begannen.
      Silver dagegen schien sich stur dagegen zu sträuben, selbst als ihm das Hemd bereits an der Brust klebte und sein Kinn hinunter tropfte. Er machte einfach weiter. Hievte schwere Möbel, trug sie gemeinsam mit den anderen oder alleine von A nach B und schien dabei nicht müde zu werden, oder besser gesagt er ignorierte geflissentlich den Schrei nach einer Pause seiner Muskeln.
      Er konnte auch Pause machen, sobald er tot war.
      Und das Geld würde seinem Ziel ein Stückchen näher bringen. Er hatte Neona immerhin versprochen anständig zu arbeiten, nicht wahr? Welch lächerlicher Gedanke.
      Und doch... wurde er das Gefühl nicht los, dass ein Paar Augen aus der Menge ihn zu beobachten schienen.

      Währenddessen hing ein anderes Paar an Augen an der Rothaarigen, beobachteten wie sie geschickt einen Geldbeutel nach den Anderen an sich riss und hing auch weiterhin an jedem ihrer Schritte, als sie ihre Beute versteckte und sich stattdessen unter die Kunden mischte.
      Wartend. Lauernd. Auf den einen einzigen Moment wartend, als sich plötzlich eine Hand nach dem Handgelenk der Rothaarigen streckte, als diese zu nahe an eine dunkle Gasse heran kam und hinein gezerrt wurde, bevor sie auch nur einen Laut von sich geben konnte.
      Eine starke Hand hielt ihre Handgelenke wie in einem Schraubstock gefangen, als wüsste der Besitzer dieser bereits, wie gefährliche ihre Hände sein konnten, während eine andere Hand ihren Kopf gegen die nächstgelegene Wand drückte.
      Neona konnte einen heißen Atem an ihrem Nacken spüren. Dann, eine Stimme an ihrem Ohr.
      „Komm schon, mach es uns nicht schwerer als es sein muss. Das Artefakt. Wo ist es?“, knurrte ihr die Stimme direkt ins Ohr und ob die Rothaarige diese nun erkannte oder nicht: es war einer der Männer, die Neona den Auftrag zum Stehlen des Artefakts überbracht und den Kontakt zum eigentlichen Auftraggeber hergestellt hatten. Welcher offensichtlich für diesen arbeitete.
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    • Neona

      Trotz der vorangeschrittenen Stunde herrschte noch reges Treiben auf dem Markt. Die besten Waren mochten mittlerweile schon verkauft sein, aber dafür war nun der Moment gekommen, in dem man besser den Preis herunter handeln konnte. Nur so war es Neona selbst gelungen, relativ wenig für ihre ergatterten Waren ausgeben zu müssen. Entsprechend zufrieden schlängelte sie sich durch die Menschenmassen zum Rand des Marktes, um den lauten Raufen der Marktschreier entgehen zu können. Außerdem müsste sie so nicht fürchten, dass jemand im Trubel versuchte, ihre Tasche zu entwenden. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass eine gänzlich andere Gefahr dort auf sie warten könnte. Man hatte sie bereits in die Finsternis einer düsteren Seitengasse gezerrt, bevor sie sich der Hand um ihren Arm überhaupt bewusst werden konnte. Ein kleiner erschrockener Laut trat über ihre Lippen, bevor dieser von einem schmerzvollen Ächzen geschluckt wurde, als man sie harsch gegen eine Ziegelwand presste.
      Sie hatte nicht einmal die Chance erhalten, das Gesicht ihres Angreifers zu erkennen. Was wollte er von ihr? Hatte er etwa gesehen, wie sie ihr gestohlenes Geld versteckt hatte? Wollte er an den Geldbeutel unter ihrem Shirt? Sie versuchte sich aus dem eisernen Griff zu winden, der ihre schmalen Handgelenke schmerzhaft zusammenpresste. Keine Chance. Währenddessen trommelte wilde Pein durch ihren Schädel, während dieser mit Nachdruck gegen das kalte Gestein gedrückt wurde. Erst der heiße Atem in ihrem Nacken ersetzte all dieses Unwohlsein mit blanker Furcht... Was wenn es sich hierbei nicht um einen Dieb handelte, sondern einen Widerling, der ganze andere Ziele verfolgte...?
      Erst als die knurrige Stimme ertönte, wurde ihr bewusste, welches Spiel hier tatsächlich gespielt wurde. Sie kannte dieses Raunen. Sie hatte mit dem Besitzer dieser Stimme schon einmal geredet. Sofort schoss ihr das Bild einer markanten Narbe durch den Kopf, die über die ganze linke Wange verlief und sogar einen Teil der Unterlippe spaltete. Das war einer der Gefolgsleute ihres Auftraggebers! Er hatte ihr die genauen Informationen zum Anwesen des Grafens gegeben und auch was sie genau zu besorgen hatte. Nur hatten sie alle dabei ausgelassen, dass dieses elende Artefakt einen tödlichen Fluch in sich trug.
      "Ich habe mich schon gefragt, wann ihr endlich auftauchen würdet." Neona gab sich alle Mühe entspannt zu klingen, während sie deutlich subtiler als zuvor versuchte ihre Handgelenke aus seinem Griff zu drehen. Sie glaubte nicht daran, dass sie damit Erfolg haben würde, aber vielleicht könnte sie den Kerl damit zumindest langsam etwas mürbe machen. Leider konnte sie sich daran erinnern, dass die vernarbte Wange, die ihr gerade in den Nacken hauchte ein halber Riese war... Kein Wunder also, dass er ihre Hände so einfach fixieren konnte. Gleichzeitig machte das ihr Entkommen um so schwieriger.
      "Ihr habt von Anfang an gewusst, dass mich das Teil töten würde, richtig? Eben deswegen habt ihr eine billige Diebin von der Straße engagiert, anstatt auf eure eigenen ausgebildeten Leute zurückzugreifen." Dieser Gedanke war ihr bereits in dem Moment gekommen, in dem sich das schwarze Mal schmerzhaft über ihrer Handfläche verteilt hatte. Sie war für diese Männer mehr als nur entbehrlich gewesen... wahrscheinlich hätte man sie bei der Übergabe das Artefakts sogar noch schneller ausgeschaltet, als es der Fluch je könnte. "Aber am Ende scheint ihr doch nicht schlau genug gewesen zu sein, um das Versteck einer kleinen Diebin aufspüren zu können. Zumindest weiß ich jetzt, das euch dieses Artefakt wichtig genug ist, um mich zu beschatten." Wenn man sie hier aufgespürt hatte, war man ihr dann schon die ganze Zeit über auf den Fersen gewesen? Wussten diese Männer, dass Silver und sie gemeinsam unterwegs waren? Und wenn ja, würde man den Untoten dann auch versuchen anzugreifen? Sie hatte ihm nicht deutlich gemacht, dass sie mit Verfolgern rechnete. Sie hatte ihm nicht einmal gesagt, dass sie das tödliche Artefakt nie an ihren Auftraggeber überreicht hatte. Sie hatte keine wirkliche Sorge davor, dass man ihm ernsthaft würde schaden können, schließlich war er ein Untoter, der sicher gut auf sich selbst achten könnte. Aber gleichzeitig wollte sie ihn auch nie in ihre Probleme ziehen... also nicht mehr, als sie es eh schon getan hatte. Diese Männer waren hinter ihr her, sie wollte nicht verantwortlich dafür sein, wenn Silver deswegen angegriffen wurde. Vor allem da sie fürchtete, dass dies zu späteren Problemen zwischen dem Untoten und ihr sorgen könnte. Sie musste also einen Weg finden ihn zu warnen, bevor es zu spät war. Dafür musste sie allerdings erst einmal aus diesem Schraubstock entkommen.
      "Ich kann dir auf jeden Fall versichern, dass ich nicht dumm genug bin, das Artefakt an meinem Körper zu lagern, sollte das deine Hoffnung sein", versicherte sie mit ruhiger Stimme und trat zur gleichen Zeit gegen das Schienbein ihres Angreifers. Sie erwartete nicht, dass dies ausreichen würde, um sich freiwinden können, aber es sollte genug Ablenkung schenken, damit sie ihren Schädel ein wenig weiter zur Seite drehen konnte. Kaum kamen dabei ihre Lippen mit seinen Fingern in Kontakt rammte sie auch schon kraftvoll ihre Zähne in das Fleisch des Mistkerls.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Mit einem Seufzen setzte der Untote den Stuhl auf dem Wagen des Kunden ab, bevor er sich vor Erschöpfung den Nacken rieb. Nicht nur das. Er wurde das stechende Gefühl von einem Augenpaar einfach nicht los, so sehr er auch versuchte diesen Umstand zu ignorieren. Wie nervig.
      Sein Gefühl sagte ihm eindeutig, dass irgendetwas nicht stimmte. Sicherlich wäre die einfachste Erklärung ein Dieb der es auf seine Silberstücke abgesehen hatte, aber warum ausgerechnet ihn, wenn neben ihm ein reicher Händler stand? Sollten die Blicke nicht eher auf diesen gerichtet sein? Nein, stattdessen waren sie starr auf Silver gerichtete und er war sich sicher, dass das nichts gutes bedeuten konnte.
      Mit geschickten Knoten machte er den Stuhl am Wagen fest, damit dieser bei der Weiterreise nicht umkippen oder fallen konnte, bevor er von dem Wagen stieg und dem Käufer dabei ein mehr oder weniger freundliches Nicken entgegen brachte, bevor er sich mit vor der Brust verschränkten Armen wieder neben den Stand des Händlers stellte.
      Als ihm mit einem Mal ein Wasserschlauch gereicht wurde, zuckte der Unsterbliche nicht nur zusammen und wich einen Schritt zurück, sondern hob verwundert eine Augenbraue, bevor er den Angestellten des Händlers erkannte.
      „... du kannst jetzt Pause machen.“, brummte dieser, also würde er sich genauso ungern wie dieser mit ihm unterhalten.
      „... danke...“, gab Silver etwas zögerlich von sich und griff nach dem Schlauch, bevor er diesen an seinen Lippen setzte und erst als der erste Tropfen Wassern seine Lippen erreichte, wurde ihm bewusst, wie durstig er eigentlich war. Kein Wunder, immerhin schwitzte er bei der Arbeit und trug im Gegensatz zu den Anderen noch sein Hemd.
      Mit einem dankbaren Nicken reichte er den Schlauch wieder an den halben Riesen – dabei bedacht nicht einmal versehentlich seine Fingerspitzen zu berühren, trotz der Handschuhe – bevor er sich in Bewegung setzte und mit erhobener Hand bedeutete, dass er einen Spaziergang machen und dann wieder zurück kommen würde.

      Seine Füße führten ihn direkt in die dunklen Gassen, durch welche er mit einer Hand in der Hosentasche schlenderte, als müsse er sich vor nichts und niemanden fürchten... und mal ehrlich, stimmte das nicht auch irgendwie? Man konnte ihn durchaus als lebensmüde bezeichnen, wie er ohne Furcht vor einem Messerstich durch das Halbdunkel schlenderte, in dem sich wer wusste schon wer und was alles verbergen konnte. In einer großen Stadt wie dieser war mit fast allem zu rechnen.
      Auf der anderen Seite war er das ja auch. Lebensmüde. Und obwohl Silver nicht unbedingt sterben wollte, war es ihm ein Stückweit auch einfach egal. Außerdem war der Untote sich sicher, dass er schon damit fertig werden würde – selbst wenn er dabei eine Verletzung einbüßen müssen würde.
      Womit der Unsterbliche jedoch nicht gerechnet hatte, war Magie.
      Gerade schlenderte er noch gemütlich durch die Gassen, blickte sich sporadisch nach einem möglichen Verfolger um – den Gedanken, dass es vielleicht Neona sein könnte, die nach ihm sehen wollte, hatte er schon lange verworfen – als er im nächsten Moment einen stechenden Schmerz in seinem Hinterkopf spürte und mit weit offenen Augen nach vorne kippte.
      Er hatte nicht einmal die Zeit einen Gedanken nach der Frage, was passiert war, zu verschwenden, da verloren seine Augen auch schon an Glanz und er wurde von der Stille des Todes umarmt.

      Silver konnte nicht mehr hören wie sich stumme Schritte näherten und spüren, wie eine leicht zitternde Hand nach ihm ausgestreckt wurde und selbst als sich zwei Finger an seine kühler werdende Haut legten, bekam er nichts davon mit. Wie auch? Er war tot. Wenn auch nicht für besonders lange.
      „Was zum... von wegen Untoter!“, grummelte eine genervte Stimme, ein Mann dessen Hand nun nicht mehr zitterte, nachdem er sich sich selbst davon überzeugt hatte, dass der Mann den er gerade mit einer magischen Schusswaffe getötet hatte, keinen Puls mehr besaß.
      Er ärgerte sich den Gerüchten über den Untoten auch nur für eine Sekunde lang glauben geschenkt zu haben und noch mehr ärgerte er sich darüber eine der kostbaren Magiesteine an einen Mann verschwendet zu haben, der sicherlich genauso gut an einem Messerstich gestorben wäre.
      Der Fremde schnitt dem Toten ein paar Strähnen vom Haar, bevor er sich grummelnd und leise fluchend entfernte, während er den Magiestein in seiner Waffe auswechselte.

      So bekam er nicht mit, wie die Brust des Toten sich nach weniger als einer Minute wieder zu heben und senken begann, der Tote wieder nach Luft rang und sich aufsetzte, die Hand an den Kopf haltend mit einem Ausdruck, als hätte er die schlimmsten Kopfschmerzen seines Lebens.
      „Was zum... verdammte Scheiße.“, fluchte er leise und sein Blick galt dem Schatten – das letzte was er von seinem Verfolger sah, bevor dieser um eine Ecke bog.

      Bei Neona...

      „Hah... das Füchslein scheint schlauer zu sein als es aussieht, wie?“, gab der halbe Riese, der sich ihr damals als Harun vorgestellt hatte, ein belustigtes Schnauben von sich und auch wenn Neona es in ihrer Situation nicht sehen konnte, war ihm anzuhören, dass er seinen vernabten Mundwinkel nach oben zog. Er schien die junge Frau nicht ernst zu nehmen, war vollkommen davon überzeugt, dass sie in der Falle steckte und es nur eine Frage der Zeit war, bis sie ihm das Artefakt übergeben oder ihm dessen Aufenthaltsort verraten würde. Es machte ihm jetzt schon Freude darüber nachzudenken, wie er sie zum reden bringen könnte.
      Doch sobald die Diebin es wagte ihn auch noch in ihrer Position zu verhöhnen, zogen sich seine Mundwinkel wieder nach unten und er fasste ihre Handgelenke fester, ihr mit dem Schmerz zu verstehen gebend, wer hier das sagen hatte. Und das war in seinen Augen nicht sie.
      „Hör mal, du elende Ratte...“, knurrte er wütend, doch weiter kam er nicht, als ihm plötzlich ein Schmerz durchs Bein fuhr und bevor er diesen überhaupt verarbeiten konnte, schrie er auch schon auf, als sich die Zähne der jungen Frau in seinen Fingern verbissen.
      „Du verdammte-! Das wird dir noch Leid tun!“, knurrte der halbe Riese und griff nach ihren Haaren, um ihren Kopf von seinen Zähnen zu ziehen und gab dabei ihre Hände frei, ohne groß darüber nachzudenken.
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    • Neona

      Die aufkeimende Wut ihres Angreifers machte sich in dem stechenden Schmerz ihrer Handgelenke bemerkbar, allerdings bekam sie schon bald ihre Chance zur Rache. Männer wie er reagierten in Rage immer unüberlegt und so huschte ein kurzes Schmunzeln über ihre Lippen, als sich die Finger um ihren Handgelenken lösten und sich stattdessen schmerzhaft in ihren Haaren vergruben. Sie unterdrückte ein schmerzvolles Stöhnen und ließ stattdessen ihre freie Hand zum Dolchgriff wandern. Es war etwas schade drum, da ihre Haare auch so schon nicht sonderlich lang waren, aber im Moment gab es wichtigeres... So trennte sie kurzerhand die straffen Strähnen in seinen Fingern von ihrem Haarschopf und hoffte darauf, vielleicht noch seine Hand zu erwischen. Als ihr Kopf endlich frei war, rammte sie die kalte Klinge in den Arm, der sie an die Wand pinnte und stieß im gleichen Moment ihren Angreifer von sich, auf dass sie aus ihrer beengten Situation fliehen konnte. Jetzt hatte sie auch die Chance sich zu dem Narbengesicht umzudrehen. Sie wusste nicht einmal mehr genau wie er hieß... Harun vielleicht? Fest stand allerdings, dass er dank seiner Körpergröße und der muskulösen Gestalt noch immer reichlich bedrohlich aussah.
      "Sobald ich euch sage, wo das Artefakt zu finden ist, werdet ihr mich töten", stellte Neona trocken fest und hob den Dolch in eine Abwehrhaltung. "Selbst wenn mich dieser Fluch sowieso dahinraffen sollte, werde ich zumindest mit dem Wissen sterben, dass ihr Mistkerle nie euer Ziel erreichen konntet."
      Sie hatte sich in den vergangenen Tagen schon mehrfach gefragt, was eben dieses Ziel sein sollte. Sie wusste nicht genau, was die Funktion des Artefaktes war, aber es musste mächtig und wichtig sein, wenn jemand solch einen tödlichen Fluch auf das Medaillon legen musste, um es zu schützen. Wie alt mochte es wohl sein? Und wann hatte man es mit diesem Fluch umhüllt? Vielleicht mochte es sogar schon älter sein, als ihr untoter Begleiter?
      Egal wie interessant diese Gedankengänger aber sein mochten, im Moment musste sie sich auf andere Dinge konzentrieren. Sie glaubte nicht, dass ihr riesiger Angreifer sie einfach gehen lassen würde, zugleich durfte er sie auch nicht töten. Allerdings könnte Neona gerne auf die alternative Folter verzichten. Außerdem müsste sie nach Silver sehen... Wenn man sie hier aufgespürt hatte, würde er sicherlich auch zur Zielscheibe werden.
      Sie hob ihre Klinge höher. Sie hasste Töten und sie wollte niemanden ernsthaft verletzten. Trotzdem hatte es in ihrer Vergangenheit einmal eine Situation gegeben, in der ihr keine Wahl geblieben war... Sie hatte in ihrer Vergangenheit schon einmal getötet... Musste sie es heute wieder tun? Ihre Dolchspitze zielte bereits in Richtung Kehle des Narbengesichtes. Sie wusste, dass sie schnell und geschickt genug war, ihn innerhalb einer Sekunde tödlich zu verwunden, aber... Sie senkte die Klinge wieder, richtete sie auf seinen Oberkörper. Auch eine Bauchwunde könnte ihn umbringen, aber er hätte noch eine Chance. Vielleicht war es naiv und überheblich das Leben dieses Mannes wahren zu wollen. Aber vielleicht lag es daran, dass sie selbst so verbissen an ihrem Leben hing und es mit allen Mitteln beschützen wollte, dass sie selbst nicht für das Ende eines anderen Menschen verantwortlich sein wollte. Schließlich wollte doch jeder am Leben bleiben, richtig? Nun ja, fast jeder...
      Sie wartete geduldig darauf, dass ihr Gegenüber wieder nach ihr packte. Sobald sich die Chance bot, würde sie sich unter seiner Hand hindurchducken und den Dolch in seine Seite rammen. Danach hieß es nur noch rennen und nach Silver suchen.