Das Biest in dir... [Shio & Nimue]

    • Ian

      Ich sah ihr nach, als sie urplötzlich aufstand und davon eilte, wie ein Blitz. Gefolgt von ihrem kleinen Wiesel. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Ich krümmte mich förmlich auf dem Boden zusammen. "Nicht doch…" Die Dunkelheit übermannte mich und ich konnte nicht verstehen warum das gerade passiert ist. Hab ich etwas falsches gesagt? Fühlt sie nicht das selbe wie ich.. oder habe ich sie einfach nur überfordert? Ich wusste es nicht, hatte keine richtige Antwort von ihr bekommen. Noch ein Stich in meinem Herzen gefolgt von plötzlich stechenden Kopfschmerzen. "Nicht jetzt", stöhnte ich auf.
      Meine Gedanken spielten verrückt, alles war durcheinander. Tränen liefen mir über die Wangen. Dann versuchte diese Stimme wieder in meinem Kopf zu dringen. Ich schlug mir mit der Hand gegen den Kopf. Versuchte die Tränen wegzuwischen. Doch es gelang mir nicht das alles zu unterbrechen.
      ´Ich hab es dir doch gesagt das das sie dich durchschauen wird. Da hast du es. Sie will dich nicht. Du hast sie nicht verdient´
      "Sei still!" Ich schrie so laut auf, sodass die Vögel sich erschreckten und von den Bäumen wegflogen. Ich hielt mir die Hand vor dem Mund. Ich muss mich zusammen reißen. Muss widerstehen. Er darf nicht gewinnen. Dieses Mal nicht.
      Ich erinnerte mich an die Worte von meiner Mum und atmete langsam ein und aus.
      Langsam konnte ich mich wieder aufrichten, strich mir das Moos von meiner Kleidung ab und wischte die restlichen Tränen weg. "Es wird eine einfache logische Erklärung dafür geben", flüsterte ich beruhigend zu mir.
      ´Denk was du willst. Früher oder später wird sie dich hassen. Für das was du bist. Ein Monster!´
      Ich hielt mit den Kopf mit meinen Händen, der Druck war immer noch präsent, aber mein Kopf hämmerte nicht mehr so stark. "Sie wird es nie erfahren. Niemals. Dann wird alles gut werden." Ich sprach mir Mut zu und dieser Mut beflügelte mich. Ich löste meine Hände von meinem Kopf, mein Blick wurde wieder klarer und ich suchte den Waldrand nach ihr ab. Noch war sie nicht zu sehen.
      Genügend Zeit um mich weiter zu beruhigen. Ich trank einen Schluck von meinem Wasser und versuchte meinen Atem und Herzschlag weiter zu beruhigen.
      Dann hörte ich etwas rascheln und hob meinen Kopf an und sah sie, wie sie auf mich zu lief. Mein Herzschlag wurde wieder schneller. Ich sprang förmlich auf und blickte ihr in ihre Ozean blauen Augen. Sie entschuldigte sich für ihren plötzlichen Aufbruch. Ich musste es dabei belassen, auch wenn ich ihr das nicht ganz abkaufte. Doch ich wollte sie nicht noch weiter verunsichern, nicht nachhaken. Ich zog sie daher in eine Umarmung und legte meinen Kopf auf ihren. "Bitte mach das nie wieder mit mir." Ich drückte sie so fest an mich um ihr zu zeigen das ich sie nie wieder los lassen wollte. Der Duft von Vanille stieg mir in die Nase. Wir blieben noch ein paar Minuten so stehen, dann löste ich mich wieder von ihr und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen der voller Sehnsucht, Liebe und ein Hauch von Verzweiflung war.
      Ich zog sie mit mir auf den Boden sodass sie auf meinem Schoß landete. Ich strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und sah sie liebevoll an. "Tut mir leid wenn ich etwas falsches gesagt habe… das wollte ich nicht."
      Alles was ich wollte ist das sie glücklich ist.
    • Annalena

      Ich spürte den festen Griff seiner Arme, die mich hielten, als wollten sie mich nie wieder loslassen. Sein Herzschlag dröhnte gegen mein Ohr, ein schneller, lebendiger Rhythmus, der mich langsam wieder in der Realität ankerte. In unserer Realität. "Ich denk dran und mach es nie wieder. Versprochen." Und wieder Kuss… Oh Gott!! Dieser Kuss… so war ich noch nie zuvor geküsst worden… Als er mich schließlich langsam los ließ und mich auf seinen Schoß zog, fühlte ich mich noch immer etwas benebelt und gleichzeitig so unendlich geborgen.
      Seine Entschuldigung versetzte mir einen kleinen Stich. Er dachte, er hätte etwas falsch gemacht, dabei war er das Einzige, was sich in diesem Moment absolut richtig anfühlte. Ich legte meine Hände an seine Wangen, suchte seine Augen und ließ die letzte Unsicherheit von mir abfallen. Ich wollte, dass er die nackte, unverfälschte Wahrheit hörte... ganz ohne Magie, einfach nur ich. "Du hast überhaupt nichts Falsches gesagt, Ian", begann ich leise, und mein Lächeln wurde trotz meiner Angst so ehrlich, wie es nur sein konnte. "Ganz im Gegenteil. Du hast meine Welt nicht komplett auf den Kopf gestellt... du hast sie einfach heller gemacht. Leichter. Als hätte jemand plötzlich das Licht angemacht und ich hätte vorher gar nicht gewusst, wie bunt die Welt um mich herum eigentlich ist." Ich hielt kurz inne, während meine Daumen sanft über seine Haut strichen. "Seit du hier in Forks bist, fühlt es sich an, als hätte ich ein Puzzleteil gefunden, von dem ich nicht einmal wusste, dass es mir fehlt. Oder vielleicht wusste ich es irgendwo tief drin doch, aber ich hätte nie gedacht, dass es sich so anfühlen würde, wenn es endlich da ist. Mein Leben lang wollte ich eigentlich nur aus Forks raus, aber jetzt... jetzt mag einfach da sein, wo du bist." Ich lehnte meine Stirn gegen seine und schloss für einen Moment die Augen, um seinen Atem auf meiner Haut zu spüren. "Ich schätze so sehr, wie einfühlsam und geduldig du mit mir und all dem Chaos um mich herum umgehst. Das ist nicht selbstverständlich. Du bist so viel mehr, als alle anderen denken, Ian. Du bist nicht nur der Typ, der die Schule aufmischt. Du siehst Dinge, die andere einfach übergehen... und ich liebe das. Am liebsten würde ich jede Sekunde in deinen Armen liegen oder dich küssen, weil sich dort alles so sicher genau richtig anfühlt." Genau wie gerade eben. Ich musste bei den bloßen Gedanken Lächeln wie ein Honigkuchenpferdchen. "Ich dachte früher schon mal, ich wüsste, wie es ist, verliebt zu sein. Aber das mit uns ist anders. Es ist tiefer. Es fühlt sich an, als hätte es schon immer genau so sein sollen, egal wie lang oder kurz wir uns kennen, als hätte mein Herz dich schon lange vor unserem ersten Treffen wiedererkannt. Du bedeutest mir unendlich viel, Ian, und ich will nirgendwo anders sein als genau hier." Ich legte meine Arme um seinen Nacken, vergrub meine Finger in seinem dunklen Haar und zog ihn sanft zu mir hinunter. Als sich meine Lippen auf seine legten, war es kein vorsichtiges Tasten mehr. Es war ein Kuss, in den ich alles legte, was ich gerade gestanden hatte: die Dankbarkeit dafür, dass er mein Licht war, die Sehnsucht nach dieser Sicherheit, die nur er mir gab, und das tiefe Versprechen, dass ich nirgendwo anders sein wollte. Es war ein Kuss, der meine Worte besiegelte und den letzten Rest meiner Angst vor der Magie und dem Schicksal für diesen Augenblick einfach auslöschte. In seinen Armen fühlte ich mich zum ersten Mal nicht wie eine Hexe, die vor ihrem Erbe floh, sondern einfach wie ein Mädchen, das endlich seinen Platz gefunden hatte.
    • Ian

      Ihre Worte brannten sich tief in mein Herz hinein und ich konnte nicht glauben was hier gerade passierte. Vor ein paar Minuten dachte ich, ich hätte einen Fehler gemacht und sie für immer verloren. Doch jetzt war es anders. Sie schüttete mir ihr Herz aus und ich fühlte mich plötzlich wie der glücklichste Mensch auf Erden. Ich strich sachte über ihren Rücken, nur um sicher zu gehen das ich nicht doch träume. Dass das hier real war. Ihr Kuss auf meinen Lippen versiegelte ihre gesagten Worte und ließ alles um uns herum für diesen Augenblick wieder still stehen.
      Als wir uns lösten sah ich ihr wieder in die Augen. Sie wirkte jetzt noch schöner als sonst. Ich biss mir auf die Lippe und drückte sie noch näher an mich. Freudentränen traten mir in die Augen. Ich ring nach den richtigen Worten, wollte dieses Glück nicht zerstören.
      Ich räusperte mich, weil ich das Gefühl hatte das meine Stimme versagen könnte.
      "Du machst mich gerade echt sprachlos.." Ein Lächeln breitete sich über meinem ganzes Gesicht aus. "Ich kann deine Worte genau so zurück geben. Weißt du ich hatte echt Angst hier nach Forks zu kommen. So ganz alleine ohne das ich jemanden kannte. Doch ich habe bei unserer ersten Begegnung schon gemerkt das du was besonderes bist. Deine Art und Weise wie du mich am ersten Tag schon an die Hand genommen hast und mich vor der Horde von Schülern gerettet hast, war beeindruckend. Und auch die Tage danach waren bis jetzt einfach schön. Zeit mit dir zu verbringen erfüllt mich und ganz egal welche Steine uns in den Weg gelegt werden, wir werden alles zusammen überstehen. Wir sind ein unschlagbares Team und ich wünsche mir nichts sehnlicher als das du glücklich bist." Ich strich ihr sachte über ihre Wange. "Ich bin es auf jeden Fall und ich würde sooo gerne die Zeit vor drehen, indem ich wieder mehr Zeit mit dir verbringen kann. Schließlich möchte ich dir meine Kochkünste zeigen und was ich sonst noch so auf Lager habe." Einen Augenblick sagte niemand etwas von uns. Dann lehnte ich meine Stirn wieder an ihre. "Seit ich dich kenne fühlt sich Forks auch wie ein zu Hause für mich an. Und ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen ohne dich an meiner Seite zu wissen." Ich zog sie noch einmal in eine Umarmung, weil ich wusste das sie bleiben würde. Irgendwo in der Ferne rauschte der Wind durch die Bäume. Doch hier zwischen uns fühlte sich alles so ruhig an.
      Nachdem wir uns wieder gelöst hatten betrachte ich Annalena für einen Moment und mir wurde bewusst das wir jetzt ein richtiges Paar sind. Mit allem was dazu gehörte. Dann schoss mir eine leichte Röte ins Gesicht. Das wir verliebt sind und zusammen sind bedeutete nun auch das es früher oder später dazu kommen wird das wir.. bei den Gedanken daran schluckte ich merklich. Ich lächelte diese Gedanken schnell weg. Ich sah ihren eindringlichen Blick auf mir. "Ähm.. wir sollten nichts überstürzen.. wir lassen uns Zeit okay? Ich will jeden einzelnen Moment mit dir genießen.. nichts überstürzen.." Mir wurde plötzlich warm.. Viel zu warm. Die Wärme die von ihr ausging machte die Sache nicht besser. Ich atmete gleichmäßig weiter und versuchte mich zu kontrollieren.
    • Annalena

      Ich spürte, wie Ians Wärme auf mich überging, und plötzlich fühlte ich mich in der Zeit zurückversetzt. Es war genau wie neulich auf seiner Couch, bei unseren zweiten Netflixabend, der eigentlich so gewöhnlich hätte sein sollen. Die gleichen intensiven Gefühle, seine unmittelbare Nähe und dieses seltsame Phänomen, dass die Zeit plötzlich endlos wirkte ... als wäre die Welt um uns herum eingefroren. Wie in einer Schneekugel oder ... den Bernstein in Ians Augen... M-Moment mal! Habe ich das etwa getan? Habe ich unwissentlich die Zeit angehalten? Ich checkte kurz etwas nervös ob ich nicht doch die Zeit beeinflusst hatte. Ich suchte nach dem typischen magischen Flimmern oder einer unnatürlichen Stille, doch als ich das ferne Rauschen der Blätter hörte, atmete ich erleichtert aus. Nein, das war kein Zauber. Das war einfach nur die Zweisamkeit mit Ian, in der ich gerade wieder hoffnungslos versank. "Genau das war der Plan... irgendwie. Weil ich dir das schuldig war", neckte ich ihn. Dann wurde mein Blick wieder etwas weicher.
      Ich deutete mit dem Finger unschuldig auf mich selbst und begann dann hell zu lachen. "Ähm... wenn ich mich zurückerinnere, habe ich an dem Tag eigentlich grottenschlechte Laune gehabt. Aber... du hast mir leid getan. So als Futter für die Meute. Das hat niemand verdient, nicht mal der Neue aus der Großstadt... schon gar nicht jemand wie du." Ich hielt inne und strich über den Stoff seiner Jacke, während ich ihm ein Geständnis machte, das ich bisher für mich behalten hatte. "Ich...ich weiß es seit dem Moment, als wir uns bei dem Stadtrundgang durch diese enge Gasse gezwängt haben. Seitdem bin ich einfach nicht mehr von dir losgekommen. Und ich... ich will es auch gar nicht." Es war fast eine Woche her und doch fühlte es sich an wie mein halbes Leben. Bei der Erwähnung seiner Talente zog ich eine Augenbraue hoch und grinse ihn breit an. "Moment mal. Kochkünste? Und was sonst noch? Oh Ian... Fußballstar, Hobby-Koch und unentdeckter Gitarrenmeister... was kannst du denn noch alles? Du hast mich doch schon rumgekriegt, als du mich letztens so verschlafen angeblinzelt hast. Du musst mich wirklich nicht weiter beeindrucken." Ich lehnte mich wieder fest an ihn und genoss die friedliche Ruhe, die nur durch das Pochen unter seinem Shirt unterbrochen wurde. Mein Ohr lag genau über seinem Herzen. Irgendwie hatte ich eine Art Deja Vu. "D-Du bist... wieder nervös?", fragte ich leise und sah zu ihm auf, wobei ich ihn verliebt anfunkelte. Dann fiel der Groschen. "Oh. Oh!" Seine Verlegenheit wegen des 'Überstürzens' war so entwaffnend, dass ich am liebsten wieder losgekichert hätte. "Wir lassen uns Zeit. Zumindest so lange, bis die Glocke klingelt. Unsere Pause ist nämlich fast wieder vorbei."
    • Ian

      Sie war einfach zuckersüß wie sie mich anschaute. Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen sie in meinem Leben zu haben und sie hatte vollkommen recht damit das wir die restliche Zeit genießen sollten, eh wir wieder zurück in die Schule mussten.
      Wir hielten diesen Moment noch für ein paar Minuten fest, genoßen unser kleines Picknick, bis uns das erste klingeln der Glocke wieder zurück in das hier und jetzt holte.

      Die restlichen Tage gingen relativ schnell vorbei. Wir verbrachten jede freie Minute, die wir hatten, zusammen und so langsam bekamen es auch der letzte Schüler mit das wir nun zusammen waren. Ein unzertrennliches Team. Wir liefen jeden Tag Hand und Hand in die Schule und nach Hause. Die Nachmittage verbrachte ich meistens mit den Jungs um die Zeit einfach zu überbrücken, bis ich Annalena wieder zu mir nach Hause einladen durfte. Wir küssten uns in den Pausen und zwischen den Stunden, bis unsere Lippen weh taten. Es fühlte sich unbeschreiblich gut an, sie an meiner Seite zu wissen und seit dem Tag von unseren Liebesgeständnissen war mein innerer Dämon plötzlich ruhig geworden. Fast als wäre ich ein ganz normaler Junge.
      Auch das Fußballtraining lief super und ich lief zur Höchstform auf.
      Trotzdem lag etwas an dem Tag in der Luft und die Blicke von Tristan sprachen Bände.
      Es war Freitag, das letzte Training für die Woche. Tristan hielt mich nach dem Training am Arm fest bevor ich in die Umkleide gehen konnte. Die Jungs blieben ebenso abrupt stehen. Max, Tommy und Kyle, sind mir die letzte Zeit sehr ans Herz gewachsen, doch ich wollte sie nicht mit in die Sache hineinziehen. Mit meinem Blick wies ich sie an, weiter zu gehen.
      Tristan ließ meinen Arm wieder los und ich verschränkte die Arme vor der Brust und drehte mich zu ihm um. "Was willst du?" Ein schelmisches Grinsen glitt über seine Lippen und er funkelte mich an. "Ich wollte dich nur daran erinnern das wir nächste Woche ein Spiel haben und ich werde dir zeigen wer hier der bessere Spieler von uns beiden ist. Dann wird deine kleine Liebelei mit dieser Annalena Hood ganz schnell zu Bruch gehen.. Sie wird sehen was du für ein Loser bist." Er hielt kurz inne und sprach dann weiter. "Und glaub mir ich werde dabei kein bisschen Rücksicht nehmen." Ich zog eine Augenbraue nach oben und musterte ihn. "Du überschätzt dich ganz schön, Tristan." Er lachte trocken und ging einen Schritt auf mich zu und beugte sich zu mir runter. Ja er war ein paar Zentimeter größer als ich und muskulöser gebaut, aber das schüchterte mich nicht ein. "Und du unterschätz mich, Ian Black." Das Funkeln in seinen Augen hätte mich früher verunsichert, doch heute nicht mehr. Ich hatte keine Angst vor ihm. Er machte sich größer als er eigentlich war und das ist irgendwie traurig. "Was das Spiel angeht, es ist nur ein Spiel mehr nicht."
      Sein Blick wurde wütender. "Für dich vielleicht. Für mich ist es mehr. Schließlich sind dort auch College Coaches die zuschauen. Und wer weiß vielleicht winkt dort das ein oder andere Stipendium für später." Darum ging es ihm also. "Wenn das so ist musst du dich halt ins Zeug legen. Sie wollen nur dein Talent sehen. Ob wir gewinnen oder verlieren ist ganz egal." Ich sprach ruhig zu ihm, damit er nicht noch mehr gereizt wird. Sein wütender Blick verrutschte für einen Moment. Doch er fing sich schnell wieder. Also steckte doch mehr dahinter als nur dieses kleine Machtspiel? "Wie dem auch sei ich werde herausstechen und dann kannst du einpacken."
      Ich stöhnte auf, das war mir echt zu viel des Guten. "Wie auch immer." Ich ging einen Schritt zur Seite und wollte zum Gehen ansetzen. Doch ich blickte nochmal über die Schulter. "Und was Annalena angeht. Lass sie daraus." Ich konnte hören wie er schnaubte. Wenn er ihr nur ein Haar krümmt dann kann er was erleben und wird dieses Spiel nächste Woche nicht antreten. Dafür würde ich sorgen.
      "Keine Sorge Sunnyboy sie wird von ganz alleine vor dir weglaufen."
      Seine Worte halten noch nach, als ich in Richtung Umkleide ging. Vor einigen Tagen hätte ich mir die Worte zu Herzen genommen, doch jetzt war es nur dummes Geschwätz von jemanden der einsam ist. So schätze ich ihn ein. Er versteckt sich hinter seiner Fassade und spielte eine Rolle. Doch innerlich zerbricht er. Mich sollte es nicht interessieren, aber ich war trotzdem neugierig. Vielleicht zeigt er mir eines Tages eine andere Seite von sich oder er schikaniert mich weiter. Es blieb abzuwarten was passiert.
      Mein Blick auf die Uhr verrät mir das ich schon längst Annalena hätte treffen sollen. Sie wartete sicherlich schon an der Brücke auf mich. Mit meiner Sportasche über der Schulter lief ich den Weg von der Schule zur Brücke. Fast schon außer Atmen kam ich auf sie zu gelaufen. Mein Herz machte einen Sprung. Wie schön sie wieder aussah. "Ann." Ich lächelte und winkte ihr zu. Ja sie hat mir vor ein paar Tagen angeboten sie doch auch Ann zu nennen und das mache ich seitdem auch nur noch.
      Ich blieb vor ihr stehen und zog sie in einen stürmischen Kuss. "Gott hast du mir gefehlt", murmelte ich gegen ihre Lippen. Sie schmeckte süß wie Honig und ihr Vanilleduft kitzelte mir in der Nase. "Wollen wir? Ich muss dringend unter die Dusche und dann koche ich uns etwas leckeres."
      Ihr Hausarrest war zum Glück vorbei und heute war der erste richtige Nachmittag, den wir wieder zusammen verbringen konnten. Es war schön und aufregend zu gleich. Endlich hatte ich das Mädchen meiner Träume wieder ganz für mich.
    • Annalena

      Die Tage meines Hausarrests waren eine bizarre Mischung aus hormonellem Höhenflug und magischem Drill. Während ich in der Schule jede Sekunde mit Ian aufsog, seine Hand in meiner, das Kribbeln seiner Küsse auf meinen Lippen spürte, sah mein Abendprogramm deutlich düsterer aus. Ich verbrachte Stunden damit, die Grundlagen der Magie zu büffeln. Mein Verhältnis zum Grimoire war... kompliziert. Ich hatte mehrfach versucht, das Ding loszuwerden: Ich schmiss es aus dem Fenster aber es lag fünf Minuten später auf meinem Kopfkissen, versuchte es in der Badewanne zu ertränken doch das Wasser perlte einfach ab, als wäre es aus Plastik, ch versuchte es zu zerschneiden aber dabei zerlegte ich lediglich die Scheren im Haus und hielt sogar ein Feuerzeug an die Ecken doch diese glitten einfach über den Ledereinband als wollten sie es streicheln. Das Buch hatte daraufhin nur ein gehässiges, rauchiges Lachen von sich gegeben und die Schrift auf den Seiten kurzzeitig in "Netter Versuch, kleines Hexlein" geändert.
      Doch so sehr es mich nervte, ich machte zumindest Fortschritte. Die alte, vergilbte Schrift las ich inzwischen fast fließend. Ich lernte, dass Magie vor allem Fokus und Wille war. Ich musste mir das Ergebnis vor meinem geistigen Auge glasklar vorstellen. Da ich aber noch eine Anfängerin war, brauchte ich oft noch holperige, sich reimende Sprüche, und meine Zauber waren ... gelinde gesagt... unpräzise. Einmal wollte ich eine Kerze anzünden und setzte stattdessen fast Logans Zimmerpflanze in Brand.
      Apropos Logan: Je kompetenter ich wurde, desto entspannter wurde er. Er sah mich nicht mehr nur als tickende Zeitbombe, sondern fast schon als... nun ja, ich als Kleinkind lernte, nicht ständig über meine eigenen Füße zu stolpern. Unterstützt von Grandma, Ink und Logan rückte das Ziel näher, auch wenn diese blöde magische Prüfung in drei Monaten über die Grundlagen der Magie wie ein dunkler Schatten über meinem Liebesglück hing.
      Dazu kam mein normales Leben: Als stellvertretende Schülersprecherin organisierte ich den Spendenlauf, was mich fast wahnsinnig machte. Auch mit Tessas Hilfe. Sogar mit Lake sprach ich jetzt mehr als fünf Wörter am Stück. Wir schrien uns zwar immer noch an, aber die Intervalle dazwischen wurden länger. Also war das wohl auch ein Fortschritt, würde ich mal sagen.

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      Endlich war die Klassensprechersitzung vorbei. Logan führe Tessa aus und Ian und ich hatten an meinen ersten Tag in Freiheit so ziemlich das Selbe vor. Im Old Oak hatte ich mit heute und Morgen vorsorglich auch frei genommen. Alles war perfekt bis auf der Kaffee-Fleck auf meiner Bluse aber das war kein Problem, wenn man plötzlich eine Nachwuchshexe war!
      Um diese Zeit war niemand mehr im Schulgebäude aber dennoch erzog ich mich lieber in eine der Mädchentoiletten. Sicher ist sicher! "Also gut, du blödes Buch, zeig, was du kannst", murmelte ich. Ink, mein Hermelin, hatte mir das Grimoire bereits aus der Tasche gezerrt und hielt es auf der Seite für Änderungszauber bereit.
      Ich fixierte mein Spiegelbild, hob den Finger und rezitierte meinen mühsam entworfenen Reim:"Der Spruch gereimt, mein Wunsch bestimmt, das Outfit wechselt und gewinnt!" ZACK. Blaues Licht flackerte. Ich starrte auf mein letztes Halloween-Kostüm. "Nein... zu auffällig und unpassend."Erneuter Fokus. ZACK. Pailletten-Jogginghose in Neongrün. "Oh Gott, nein! Zu viel 80er-Disco!" Das Grimoire lachte gehässig rund ich rollte genervt mir den Augen.
      Ein letzter Versuch. Ich visualisierte Stil, Eleganz und Funktionalität. ZACK. Ein heller Blitz hüllte mich ein.Als ich die Augen öffnete, lächelte mir eine junge Frau entgegen, die genau wusste, was sie wollte: Ein hochgeschlossenes weißes Top, perfekt kombiniert mit einem schwingenden, rot-braun karierten Faltenrock. Ein schmaler Ledergürtel betonte meine Taille, während die weiche, kamelbraune Strickjacke lässig über meine Schultern fiel. Schwarze blickdichte Strumpfhosen und derbe Lederstiefel mit süße Schnallen gaben dem Look den nötigen Kontrast. "Ja! Das ist es!", jubelte ich. Doch mein Gesicht und die Haare wirkten im Neonlicht noch zu blass. Ich blätterte hastig weiter. "Lass uns variieren, Ink." Ich deutete auf meine platten Strähnen:"Glanz und Schwung in jeder Strähne, wie ich sie mir im Geiste ersehne. Locken fallt nun weich und fein, so soll mein neues Styling sein!"
      Ein goldener Schimmer hüllte meinen Kopf ein, meine Kopfhaut kribbelte angenehm. Sofort schob ich den nächsten Vers hinterher, während ich mir auf die Wangen tippte:"Farbe auf die blassen Wangen, lass den Blick am Auge fangen. Ein Hauch von Rose, zart und rein – zieh den Zauber in mein Antlitz ein!" Ein glitzernder Nebel sank auf meine Haut. Als er sich lichtete, schnalzte Ink begeistert. Mein Haar fiel in glänzenden Wellen über die Strickjacke, mein Teint strahlte wie nach einem Waldspaziergang und meine blauen Augen leuchteten tief und klar. Ein Hauch von hellrosa Lippenstift rundete alles ab. Ich strich mir eine perfekte Locke aus der Stirn. "Na sieh mal einer an. Langsam gefällt mir das mit den Zaubern.", hauchte ich stolz. "Das ist perfekt." Ich drehte mich einmal im Kreis, genoss das Mitschwingen des schweren Stoffs und wusste: Mit diesem Look würde ich Ian definitiv den Atem rauben.

      Ich kontrollierte zum dritten Mal nervös die Uhrzeit auf meinem Handy. Eigentlich hätten wir uns längst hier treffen sollen. Der Wind, der unter der Brücke hindurchzog, ließ meinen karierten Rock leicht um meine Beine spielen. "Ob ich mich in der Zeit geirrt habe?", murmelte ich leise vor mich hin. Ich tippelte nervös auf meinen Füßen hin und her während mir ein verlockender Gedanke durch den Kopf schoss. Vielleicht sollte ich mich doch heimlich an Zeit-Zauber herantrauen? Nur ein klitzekleiner Spruch, um die Minuten vorzuspulen oder ihn direkt wieder zu sehen... Das war ohne die bestandene Prüfung für eine Anfängerin wie mich zwar verboten aber... hier ging es um Ian! Doch genau in dem Moment, sah ich ihn.
      Meine Augen weiteten sich und fingen augenblicklich an vor Freude zu funkeln. Mein Herz stolperte, als ich sah, wie er mit seiner Sporttasche über der Schulter auf mich zulief. Ich spürte, wie meine Wangen glühten, und ich fing an, aufgeregt mit beiden Armen zu winken. "Ian!", schrie ich seinen Namen über des gesamte Schulgelände, unfähig, mein breites Grinsen zu unterdrücken. Der wunderbarste Mensch in ganz Forks und Umgebung war endlich da. Und ich konnte es kaum erwarten wieder... ganz allein mit ihm zu sein. N-naja so allein wie es mit den Grimore und einen magischen Vertrauten nun mal ging aber die würde ich auch noch los werden!
      Ehe ich mich versah, landete ich in seinen Armen. "Woah! W- mhhm...", mein Satz brach augenblicklich ab, als seine Lippen meine trafen. Es war ein so stürmischer Kuss, der mir sofort alle Sinne vernebelte. Für eine Hexe war das eigentlich brandgefährlich, weil mein Fokus in alle Richtungen davonflatterte, aber Ian war nicht nur unglaublich süß, einfühlsam und geduldig, sondern auch ein verdammt guter Küsser. In diesem Moment vergaß ich alles das Grimoire, die blöde Prüfung und das Chaos der letzten Tage.
      Als wir uns keuchend lösten, lachte ich neckisch und strich mir eine Locke aus dem Gesicht. "N- Na toll. Jetzt muss ich auch gleich duschen", prustete ich, während ich den Duft von ihm einatmete. "Aber eigentlich rieche ich gerne nach dir. Das bedeutet schließlich, dass wir zwei zusammengehören." Ich griff nach seiner Hand, verschränkte meine Finger fest mit seinen und wir schlenderten beschwingt in Richtung seines Zuhauses. Ich genoss das Gefühl, seine Hand zu halten, ohne dass uns jemand dabei beobachtete oder Logan eine blöde Bemerkung machte. "Und übrigens", sagte ich und sah ihn von der Seite her mit blitzenden Augen an, "du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dabei zusehe, wie du Chaos in deiner Küche verbreitest? Nein, nein, mein Lieber. Nach meinem Zwangsarrest nutzen wir jede Minute aus. Und das bedeutet: Wir kochen zusammen, ist das klar?"
    • Ian

      Ich konnte ihr nicht widerstehen und nickte zustimmend zu. "Okay." Mein Lächeln über meinen Lippen wurde breiter und nichts und niemand konnte uns nun aufhalten. Der Weg bis zu meinem Haus liefen wir in aller Ruhe und ich genoss die Zeit mit ihr an meiner Seite. Ihre Hand in meiner war warm und ein Kribbeln ging durch meinem Körper. Zu Hause angekommen wühlte ich den Schlüssel aus meiner Tasche heraus und öffnete die Tür und hielt sie Ann auf. "Bitte sehr die Dame." Ich trat hinter ihr herein, stellte meine Sporttasche auf den Boden ab und zog meine Schuhe aus. Den Schlüssel legte ich wieder auf die Kommode. Einen Augenblick lang betrachtete ich Ann einfach nur. Ich freute mich riesig das sie wieder hier sein durfte und das wir alle Zeit der Welt hatten. Schließlich war Freitag und sie durfte länger Draußen sein. Ich zog sie wieder in meine Arme und küsste sie, dieses Mal zärtlicher, sanfter. Als ich mich wieder von ihren Lippen löste, zog ich sie in das Wohnzimmer. "Also fühl dich wie zu Hause. Der Kühlschrank ist gefüllt mit allem was das Herz begehrt und an Getränken habe ich auch eine gute Auswahl da." Ich gab ihr noch einen flüchtigen Kuss. "Ich spring nur fix unter die Dusche." Ich zeigte mit meinen Daumen in Richtung Badezimmer. Dorthin verschwand ich anschließend auch. Die Dusche tat gut und ich versuchte mich zu beeilen, denn ich wollte keine Minute ohne Ann sein. Ich rubbelte mir mit einem Handtuch meine Haare trocken und schlüpfte in eine Jogginghose und einem einfachen weißen Shirt. Ich ging zurück zum Wohnzimmer wo meine Augen sogleich nach ihren suchten. Sie sahs auf dem Sofa, hatte sich ein Getränk geschnappt und ließ ihre Beine baumeln. Sie war entzückend und wunderschön zu gleich. Mein Herz machte einen Sprung. Ich räusperte mich und sie sah zu mir auf. "Ich wäre soweit und bereit zum Kochen." Ich lächelte ihr zu und machte mich auf dem Weg zu der offenen Küche. Aus einer Schublade zog ich zwei Schürzen heraus und half ihr dabei ihre umzulegen und zuzubinden. "Süß." Ein Schmunzeln zupfte an meinen Mundwinkeln. Ich hauchte ihr einen Kuss auf ihre Wange. "Ich habe mir überlegt eine Lasagne zu machen. Als Vorspeise Bruschetta und als Nachtisch Mousse au Chocolat." Ich grinste sie an. "Mit deiner Hilfe wird es sicherlich ein 5 Sterne Menü." Ich zwinkerte ihr zu. Anschließend holte ich die erforderlichen Sachen aus dem Kühlschrank und breitete sie auf der Arbeitsfläche vor uns aus, zeigte ihr wo sie alles in der Küche finden konnte. "Möchtest du mit dem Bruschetta beginnen? Dann würde ich mich schon mal an die Soße für die Lasagne machen." Währenddessen machte ich über mein Handy ein wenig Musik an. Denn mit Musik ging alles schneller und leichter von der Hand. Wir teilten uns die Arbeit auf. Ich begann damit die Möhren und die Selleriestangen zu waschen, abzutupfen und klein zu schneiden. In einer Pfanne erwärmte ich das Olivenöl und lies das Gemüse kurz anbraten. Anschließend fügte ich das Hackfleisch hinzu, würze das Ganze und löschte es nach dem Braten mit passierten Tomaten, gab noch ein paar Gewürze hinzu und legte den Deckel drauf. Die Soße muss nun eine Weile köcheln, damit sie ihr Aroma entfalten konnte.
      Ich beobachtete Ann wie sie geschickt das Bruschetta zubereitete. Ich holte ein paar Teller und Besteck aus dem Schrank und stellte sie auf den Tisch. Natürlich durften Kerzen nicht fehlen. Ich stellte sie ebenfalls auf den Tisch und zündete sie an. Ich sah zu wie sie die Bruschetta auf einem kleinen Tablett drapierte und mit einem Basilikumblatt dekorierte. "Sieht lecker aus." Ich nahm das Tablett von der Arbeitsfläche und stellte es auf den Tisch. Wir zogen vorerst unsere Schürzen aus und ich zog den Stuhl vom Tisch zurück, sodass sich Ann setzen konnte. Aus einem weiteren Schrank holte ich zwei Gläser und stellte sie vor uns hin. "Also die Dame wie wäre es mit einem leckeren süßlichen Weißwein Jahrgang 1980?" Ich nahm die Flasche aus dem Kühlschrank, schnappte mir den Korkenzieher und öffnete die Flasche in Handumdrehen, bis der Korken ein Plop von sich gab. Wie ein Kellner schnappte ich mir ein weißes Handtuch, legte es auf meinem Arm und nahm die Flasche wieder in die Hand. Ich ging um Ann herum und schenkte ihr einen Schluck ein. Dann schenkte ich mir auch einen Schluck ein und stellte die Flasche auf den Tisch. Ich nahm auf dem Stuhl ihr gegenüber Platz und griff nach dem Glas und hob es an. "Auf einen schönen Abend und auf uns." Wir stießen unsere Gläser an und ich trank einen Schluck von dem Wein. Die kühle Flüssigkeit lief meinen Hals hinunter und er schmeckte wirklich lecker. Das Glas stellte ich wieder vor mir hin und betrachtete das Mädchen meiner Träume. Das Kerzenlicht umspielte ihr Gesicht und ließ ihre Augen so richtig leuchten. Ich griff über den Tisch nach ihrer Hand und unsere Finger verschränkten sich miteinander. "Du glaubst gar nicht wie glücklich ich gerade bin." Mein Lächeln erreichten sogar meine Augen, so sehr war ich froh darüber das sie wieder bei mir sein durfte. Ich hatte es im Gefühl das der Abend unvergesslich werden wird.

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    • Annalena

      Ich streifte meine Lederstiefel und die Strickjacke bereits im Flur ab. Meine Tasche, in der das Grimoire und der mittlerweile tief schlafende Ink steckten, stellte ich in eine Ecke und sandte ein kurzes, stummes Stoßgebet zum Himmel, dass die beiden dort auch blieben. Dieser Abend sollte nur uns gehören.
      Den zärtlichen Kuss im Wohnzimmer genoss ich mit geschlossenen Augen. Er fühlte sich an wie eine wortlose Liebeserklärung an. Als Ian in Richtung Bad verschwand, rief ich ihm lachend hinterher: "Rutsch nur nicht aus!" Während das Wasser rauschte, kuschelte ich mich auf die Couch, nippte an meinem Getränk und summte leise "Fly Me to the Moon" vor mich hin. Auch wenn ich keine Ahnung hatte wie ich darauf kam. Wahrscheinlich wegen den erstklassigen Blick auf seinen Plattenspieler.
      Als er schließlich frisch geduscht in Jogginghose zurückkehrte, konnte ich mir ein Kichern nicht verkneifen. "Sicher? Das wissen deine Haare aber nicht so ganz", neckte ich ihn. Ich stand auf und ordnete liebevoll seine noch feuchten Haare, bevor ich mir in die Schürze helfen ließ. Ein kleines, freches Grinsen zuckte über meine Lippen, als er mich 'süß' nannte. "Also… objektive Bewertung? Fehlanzeige, du Casanova in Jogginghose. Ich könnte wahrscheinlich eine Schnecke auslutschen und du würdest mich trotzdem noch süß finden."
      In der Küche stellte ich mich dann demonstrativ an meine Aufgabe, zumindest für ganze… zwei Minuten. Danach begann ich, ihn nach allen Regeln der Kunst zu ärgern. Ich stibitzte ein Stück Tomate, rempelte ihn ganz 'aus Versehen' mit der Hüfte an und strich ihm schließlich eine Spur Mehl an die Wange, als ich 'nur kurz vorbeiwollte'.
      "Ups." Mein unschuldiger Blick hielt exakt zwei Sekunden, bevor ich grinste. Zwischendurch summte ich wieder leise vor mich hin und tanzte einen halben Schritt zur Musik, während ich das Bruschetta vorbereitete aber mein Blick wanderte immer wieder zu ihm. Zu der Art, wie er sich bewegte. Zu diesem konzentrierten Ausdruck. Gefährlich.
      Als alles schließlich auf dem Tisch stand, ließ ich mich auf den Stuhl sinken. Ich beobachtete ihn, wie er mir einschenkte; dieses kleine Schauspiel mit dem Handtuch brachte mich zum Schmunzeln. Ich nahm das Glas, hielt es einen Moment und blinzelte ihn dann leicht überrascht an, bevor ein schiefes Lächeln über meine Lippen huschte.
      "Auf die wiedererlangte Freiheit", sagte ich feierlich, bevor wir anstießen. Ich verschränkte meine Finger noch fester mit seinen, als er mir sagte, wie glücklich er sei. "Doch, ich kann es dir glauben", hauchte ich und sah ihm tief in die Augen. "Denn... ich glaube, mir geht es ganz genauso." Das war einer dieser Augenblicken in denen selbst eine Nachwuchshexe wie ich wusste, diesen Moment konnte kein Zauber besser machen. Er war einfach zu perfekt, viel zu einzigartig, einmalig und genau deshalb magisch. "
    • Ian

      Ihre Worte waren Balsam für meine Seele. Ich strich zärtlich mit meinen Daumen über ihren Handrücken und lächelte sie weiterhin an. "Ich bin froh das dein Onkel so gnädig mit uns war. Schlimmer wäre es gewesen er hätte den Kontakt die ganzen zwei Wochen komplett verboten." Bei dem Gedanken daran wurde mir plötzlich anders. Ich brauchte diesen täglichen Kontakt zu ihr, denn wenn ich den nicht gehabt hätte, dann wäre ich schon längst nicht mehr der Selbe. Mein Dämon hätte die Überhand gewonnen und ich wäre im Selbstmitleid versunken. Zum Glück wendete sich alles zum Guten und wir sitzen nun gemeinsam an dem Tisch und genießen den Abend. "Ich wünsche dir einen gute Appetit" Ihre Hand drückte ich nochmal kurz, bevor ich sie los ließ.
      Ich nahm mir ein Bruschetta von dem Tablett und biss hinein. "Mhmm. Es schmeckt sehr lecker." Sie hat es wirklich gut gemacht. Das Brot war perfekt getoastet und die leichte Knoblauchnote war genau abgestimmt. Die Säure von dem Tomaten umrundete das Ganze noch. Ich fühlte mich wie ausgehungert und schlang das eine Stückchen schnell runter. "Tut mir leid, aber ich war die letzte Zeit eher faul was das kochen anging. Sowas leckeres gab es seit unserem letzten Netflixabend nicht mehr." Ich musste darüber schmunzeln. "Ich erinnere mich gerne an den Abend zurück, als wir zusammen auf dem Sofa lagen, du mit deinem Kopf auf meiner Brust. Du konntest meinen Herzschlag ganz genau hören. Denn zu dem Zeitpunkt hast du mich schon mehr wie nervös gemacht.." Ich trank einen Schluck von meinem Wein und hielt das Glas noch zwischen meinen Fingern fest. "Und dann bist du auf mir eingeschlafen. Du sahst so friedlich und glücklich aus und da habe ich gemerkt wie viel du mir eigentlich bedeutest. Das ich dich nie wieder gehen lassen möchte." Ein Lächeln glitt über meine Lippen. "Es war für mich der schönste Abend in meinem Leben. Besser gesagt der schönste Tag." Wir hatten ja nicht nur eine schöne Zeit bei mir zu Hause. Davor zeigte ich ihr schon meine Gefühle während ich im Café mit der Gitarre das eine Lied sang. "Das Lied ´Perfect´ von Ed Sheeran war an dem Tag nur für dich bestimmt. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie nervös ich war. Doch dieses Lied sollte meine Gefühle für dich ausdrücken und dir sagen wie wunderschön und perfekt du für mich bist." Ich war verliebt in sie und egal was für Hürden noch auf uns zukommen, ich war nicht mehr alleine. Ich hatte Ann an meiner Seite. In meinen Gedanken zeigte ich meinem Dämon den Mittelfinger und ich hoffte ganz sehr das er nicht wieder aus mir herausbricht.
      Wir hielten noch ein bisschen Smalltalk, aßen die restlichen Bruschettas und ich stand zwischenzeitlich auf um mich wieder um die Lasagne zu kümmern. Die Soße war fast fertig und ich machte mich an die Béchamelsoße. Sobald ich alles fertig hatte raspelte ich noch den Käse mit der Käsereibe und schichtete die Lasagne. Anschließend stellte ich sie in den vorgeheizten Ofen und stellte mir einen Timer am Handy. "Möchtest du noch den Nachtisch machen?" Ein sanftes Lächeln glitt über mein Gesicht.
    • Annalena

      Ich biss in das Bruschetta und schloss für einen Moment die Augen. Es schmeckte fantastisch, viel besser als alles, was ich mir in den letzten zwei Wochen zwischen Tür und Angel in den Mund geschoben hatte. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir es zusammen zubereitet hatten, mit einer Prise Chaos und ganz viel Liebe.
      Während Ian sprach, spürte ich, wie die Wärme in mein Gesicht stieg. Ich wusste nicht genau, ob es der Wein war, der angenehm prickelte, oder seine Worte, die mich mitten ins Herz trafen. Da saß er, der Junge an dem ich mein Herz bereits vielfach verloren hatte, im weichen Schein der Kerzen, und schüttete mir so ehrlich sein sein Eigenes aus, dass mir fast schwindelig wurde. Dass er bei unserem Netflixabend so nervös gewesen war... und dass das Lied im Café nur für mich bestimmt war. "Also... Doch nicht nur Wahrheit oder Pflicht aus Langeweile?" Eigentlich war es mir bewusst, sein Bilck war damals eindeutig gewesen. Und trozdem war es bis zu diesem Moment immernoch viel zu schön um wahr zu sein. Um die aufkommende Rührung ein wenig zu überspielen und die Situation aufzulockern, setzte ich ein schelmisches Grinsen auf. "Also Ian... ganz ehrlich? Mit einem Ring oder damit, dass du theatralisch auf die Knie gehst, hätte ich ja gerechnet", neckte ich ihn und beobachtete vergnügt, wie sich sein Gesichtsausdruck veränderte. "Aber dass diese Art von Liebeserklärung so schnell kommt, überrumpelt mich fast."
      Sein Blick daraufhin war so unfassbar süß, dass ich am liebsten um den Tisch gelaufen wäre, um ihn zu küssen. Aber ich hielt mich zurück, nippte an meinem Wein und versuchte, wieder einen kühlen Kopf zu bekommen. "D-das reicht jetzt aber auch für heute", fügte ich lachend hinzu, während ich mir eine Locke aus der Stirn strich. "Am Ende werde ich noch viel zu überheblich, wenn du mich weiter so mit Komplimenten überschüttest." Ein kleines, schiefes Lächeln schlich sich auf meine Lippen. "Aber nur, damit du’s weißt…", fügte ich leiser hinzu, meine Finger fanden wieder ganz automatisch seine, verschränkten sich sanft mit seinen, "du bist nicht der Einzige, der sich an diesen Abend erinnert." Mein Daumen strich leicht über seinen Handrücken. "Ich glaub… ich hab da angefangen, dich wirklich zu verlieren." Ich wagte nur einen kurzen und ehrlichen Blick zu ihm herüber. Dann grinste ich wieder leicht um die Schwere zu brechen. "Also pass lieber auf, was du noch alles sagst… sonst muss ich mir echt überlegen, wie ich da noch mithalten soll." Ich beobachtete ihn dabei, wie er aufstand, um die Lasagne zu schichten. Die geschmeidigen Bewegungen, mit denen er die Soße vorbereitete, hatten fast etwas Meditatives. Als er den Timer stellte und mich mit diesem sanften Lächeln fragte, ob ich den Nachtisch machen wolle, sprang ich motiviert auf. "Mousse au Chocolat? Darauf kannst du dich verlassen", verkündete ich und krempelte die Ärmel meiner Strickjacke hoch. "Aber beschwer dich nicht, wenn ich die Schüssel hinterher alleine ausschlecke. Das gehört zum Privileg der Köchin." Ich schnappte mir die dunkle Schokolade und den Schneebesen. Während ich begann, die Eier zu trennen, warf ich ihm einen vielsagenden Blick zu. "Du hast ja vorhin dein Ed Sheeran Cover erwähnt... wenn die Lasagne im Ofen ist, schuldest du mir noch einen Tanz in dieser Küche. Ganz ohne Publikum, nur wir zwei. Abgemacht?"
    • Ian

      Bei ihrer Aussage das sie die Schüssel am Ende auslecken durfte musste ich kichern. Ich beobachte wie sie geschwind die Mousse au Chocolat zubereitete, als hätte sie das schon tausend Mal gemacht. Ich lehnte an der Küchenzeile und sah ihr dabei zu. An den Anblick könnte ich mich gewöhnen. Wie sie hier in meiner Küche stand, mit ihren Hüften zur Musik hin und her wippte und dabei noch so bezaubernd aussah. Ihre Worte von vorhin gingen mir dabei nicht aus dem Kopf. Mir war durchaus bewusst das ich mich sehr schnell in sie verliebt hatte, aber wer konnte das bei so einem Mädchen nicht? Ich wollte so viel Zeit wie es geht mit ihr verbringen, ihr nahe sein und sie für immer festhalten. Das sie sich einen Tanz passend zu dem Song wünschte, ließ mein Herz wieder höher schlagen. Ich wartete ab bis sie mit dem Nachtisch fertig war und dieser im Kühlschrank verstaut wurde. Ich half ihr noch mein Abwasch von den restlichen Sachen und als sie den Schneebesen abtrocknete, stellte ich mich hinter sie. Meine Hände legten sich behutsam auf ihre Hüfte und ich wiegte in dem Takt mit ihr mit, zu dem Song der gerade aus meinem Handy trällerte. Ich sah wie sie das Geschirrtuch zur Seite legte und ich zog sie näher an mich, sodass ihr Rücken an meiner Brust war. Meinen Kopf beugte ich bis zu ihren Ohr herunter. Ich strich mit meinen Lippen darüber. Mein Atem kitzelte an ihrem Ohr. "Ich kann dir leider nicht versprechen das ich so gut tanzen kann, aber ich werde es versuchen." Ich löste meine Hände von ihr und griff nach meinem Handy auf der Arbeitsplatte. Ich wählte den Song `Perfect´ aus und sah sie an, während das Lied anfing zu spielen. Ich hielt ihr die Hand hin. "Darf ich um diesen Tanz bitten?" Mein Gesicht strahlte dabei. Ihre Hand in meiner fühlte sich so gut und vertraut an. Ich wirbelte sie einmal herum und zog sie dann an mich heran. Meine Hand wanderte wieder an ihre Hüfte und unsere Körper verschmolzen miteinander. Langsam bewegten wir uns zum Takt des Liedes. Alles um uns herum schien still zu stehen. Es gab im Moment nur sie und ich, wie wir beide im Kerzenlicht in meiner Küche eng umschlungen tanzten. Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn und wir tanzten weiter. Ich wünschte mir das dieser Moment niemals enden wird.
    • Annalena

      Ich hielt unwillkürlich den Atem an, als ich Ians Arme um meine Taille spürte. Mein Herz machte einen regelrechten Sprung gegen meinen Brustkorb. Als erst sein warmer Atem und dann seine Lippen ganz zart mein Ohr streiften, stellten sich meine Nackenhaare auf eine Weise auf, die mich Schaudern ließ, er hatte zielsicher meine empfindlichsten Stellen gefunden. Ich spürte, wie die Hitze erneut in meine Wangen schoss, und mein Puls raste plötzlich, als wollte er mit dem Takt der Musik um die Wette eifern. Ich sah ihn eine ganze Weile in die vom Kerzenlicht und Glückseeligkeit schimmernden Augen. Auf seine Aussage, sein Tanztalent betreffend musste ich wieder schmunzel. "Sag bloß, ich habe tatsächlich etwas gefunden, in dem du nicht unverschämt gut bist?", neckte ich ihn leise. "Aber keine Sorge, das wird schon. Sieh es einfach als Übung für den nächsten Prom."
      Als die ersten Töne von 'Perfect' erklangen, entwich mir ein leises Seufzen. "Ach Ian... du verdammt... süßer Träumer.", murmelte ich fast ehrfürchtig. Ich legte meine Hand in seine und ließ mich von ihm führen.
      Mit ihm zu tanzen fühlte sich an, als würde die Schwerkraft ihre Bedeutung verlieren. Es war kein prunkvoller Ballsaal mit kristallenen Kronleuchtern, wie in den Märchen, die Grandma mir früher vorgelesen hatte, wenn ich mich als kleine Prinzessin in den Armen eines Prinzen träumte. Unser Ballsaal war eine offene Küche, die nach Lasagne duftete, und mein Prinz trug eine Jogginghose statt einer goldenen Rüstung. Doch während wir uns im warmen Kerzenlicht wiegten, wurde mir klar: Genau so hatte ich es mir immer vorgestellt. Es war nicht wie im Märchen ... -es war besser, weil es echt war. Es war einfach perfekt. Ich schmiegte meinen Kopf für eine Weile an seine Schulter, schloss die Augen und genoss die Geborgenheit in seinen Armen. Die Welt draußen existierte nicht mehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit löste ich mich ein Stück um ihn wieder in die Augen schauen zu können. "Ian?", hauchte ich leise seinen Namen. Ich hielt kurz inne, lauschte dem festen, beruhigenden Schlag seines Herzens unter dem Shirt, bevor ich weitersprach. "Danke", murmelte ich und sah langsam zu ihm auf, meine Augen direkt in seine gerichtet. "Ich bin... wirklich unheimlich froh darüber, dass es dich in meinem Leben gibt." Vielleicht war ich ja doch eine jener Prinzessinnen aus den alten Büchern ...nur dass mein Prinz mich nicht aus einem Turm gerettet, sondern mich mit einem einzigen Lächeln und einem verschlafenen Blinzeln wachgeküsst hatte. "Ehrlich gesagt... kann ich es mir kaum mehr ohne dich vorstellen."
    • Ian

      Ihr Nähe und ihre Wärme fühlten sich so unbeschreiblich gut an. Für mich war das der schönste Augenblick in meinem ganzen bisherigen Leben. Mein Herz war voller Liebe für dieses Mädchen. Es schlug nur für sie und daran wird sich nichts ändern.
      Als sie plötzlich meinen Namen sagte, blickte ich in ihre wunderschönen Augen. Ich lauschte ihren Worten und mein Herz schlug noch viel schneller als vorher. Mein Grinsen ging über mein ganzes Gesicht. Ich löste eine Hand von ihr und strich ihr zärtlich über ihre Wange. „Das kann ich nur so zurückgeben.“ Ich legte meine Lippen sanft auf ihre. Der Kuss besiegelte alles gesagte. Wir standen noch eine Weile einfach so da und ich genoß jeden Augenblick mit ihr, bis das Lied zu Ende ging. Dann lösten wir uns wieder von einander. Ich drückte ihr noch einen Kuss auf die Stirn und ließ sie wieder los. „Ich hoffe das ich wir irgendwann später mal so richtig miteinander tanzen.“ So eng umschlungen zu tanzen war für mich natürlich auch ganz schön, aber ich würde so gerne mit ihr übers Parkett schweben. Sie in einem schönen Kleid und ich in einem Anzug. Ich schweifte mit meinen Gedanken ab. Das Klingeln meines Timers riss mich aus den Gedanken. Ich ging zum Backofen und stellte ihn aus. Zwei Teller nahm ich aus dem Schrank und stellte sie auf die Arbeitsplatte. Mit einem Handschuh gewappnet holte ich die dampfende wohlriechende Lasagne aus dem Ofen und stellte sie ab. Ich teilte das Essen auf den Tellern auf und servierte sie an unserem Tisch. „Ich hoffe die schmeckt dir auch so gut wie mir dein Bruschetta. Lass es dir schmecken.“ Ich lächelte ihr zu und fing an zu probieren. Meine Geschmacksknospen explodierten. Sie schmeckte wirklich gut und ich war ein klein bisschen stolz auf mich. Ich beobachtete Ann dabei wie sie sich die erste Gabel in den Mund schob.
    • Annalena

      Ich weiß ich wiederhole mich, aber ... bei jeden seiner Küsse schmolz ich dahin. "Ich kann es immer noch nicht so ganz glauben aber... dass hilft.", flüsterte ich leise während meine Augen immer mehr in seinen versank. Das schrille Piepsen des Timers riss uns beide aus der sanften Melodie von Ed Sheeran, und ich musste unwillkürlich lachen, als die Seifenblase unseres perfekten Moments platzte. Ian drückte mir noch einen zärtlichen Kuss auf die Stirn, bevor er sich dem Ofen widmete. Er war so ein Bilderbuch-Romeo... M-moment mal! Ian war mein Bilderbuch-Romeo! Oh man muss ich Glück haben! "Ich nehm dich beim Wort, Ian Black", rief ich ihm hinterher, während ich mich wieder an den Tisch setzte und meine Serviette zurechtlegte. "Lass dir etwas einfallen, wenn du mich zu Prom ausführen willst." Der Duft, der kurz darauf aus dem Ofen strömte, war einfach göttlich. Als Ian die dampfende Lasagne vor mir abstellte, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Die goldgelbe Käseschicht war perfekt gebräunt und die würzige Tomatensoße blubberte noch ganz leicht am Rand. "Bon appétit" Das Essen sah nicht nur gut aus, sondern roch auch noch himmlich. Doch als ich Ians gespannten Blick sah stoppte ich in der Bewegung und blinzelte etwas verwundert. "Ähm... A-alles in Ordnung- Oh! Achso." Ich schob mir die erste Gabel in den Mund und schloss genussvoll die Augen. Die Kombination aus der cremigen Béchamel, dem würzigen Fleisch und den perfekt gegarten Nudelschichten war eine absolute Geschmacksexplosion. Es schmeckte nach Zuhause, nach Geborgenheit und nach einem verdammt talentierten Koch in Jogginghose. Ich grinste ihn über den Kerzenschein hinweg an und spürte, wie die wohlige Wärme in meinem Bauch sich ausbreitete. Es war der erste Abend seit Langem, an dem ich mich nicht wie die fleißige Schülersprecherin oder die Hexe in Ausbildung fühlte. Ich war einfach nur ein Mädchen, das mit seinem Freund zu Abend aß. "Apropos Parkett und Kleider", fing ich vorsichtig an und nippte an meinem Wein. "Nächste Woche ist ja der Spendenlauf, den wir seit Monaten organisieren... und danach gibt es diese kleine After-Run-Veranstaltung in der Turnhalle. Es ist kein Ball, aber... hättest du Lust, dort mein offizielles Plus-Eins zu sein?"
      Ich genoss jeden Bissen, bis der Teller restlos leer war. Die Lasagne war so gut, dass ich beinahe den Rand abgeleckt hätte, aber ich wollte vor meinem Casanova dann doch noch ein Fünkchen Haltung bewahren. Ich legte die Gabel beiseite, lehnte mich satt und glücklich zurück und beobachtete Ian, der ebenfalls sichtlich zufrieden mit seinem Werk war. "Ian, ohne Witz, das war das beste Essen seit Ewigkeiten", schwärmte ich und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Ich schob meinen Stuhl zurück und stand auf, während ich bereits nach meinem leeren Teller griff. "Komm, lass mich dir kurz beim Aufräumen helfen. Wenn wir das schnell erledigen, können wir den Nachtisch gleich im Wohnzimmer genießen." Ich zwinkerte ihm verschmitzt zu und deutete mit dem Kopf in Richtung Sofa. "Ich dachte mir, wir schnappen uns eine einzige Schüssel vom Mousse au Chocolat und zwei Löffel. Wir machen es uns auf der Couch so richtig gemütlich eng umschlungen. Was hältst du davon?" Gemeinsam wirbelten wir durch die Küche. Es dauerte nicht lange, bis das Geschirr in der Maschine verschwunden und die Arbeitsplatte wieder sauber war. Ich holte die kühle, fluffige Schokocreme aus dem Kühlschrank, schnappte mir zwei Löffel und wir verschwanden im Wohnzimmer. Dort ließen wir uns in die weichen Polster sinken. Ian zog mich sofort eng an seine Seite, sodass ich mich halb auf seinen Schoß und halb gegen seine Brust kuscheln konnte. Mein Rücken schmiegte sich an ihn, während sein Arm fest um meine Taille lag. Die Schüssel balancierte ich auf meinen Knien. "Na los, probier mal", sagte ich und hielt ihm den ersten Löffel der dunklen, cremigen Mousse hin. Es war der perfekte Abschluss für diesen Abend. Während wir uns abwechselnd fütterten und die Löffel im Kerzenschein klirrten, genoss ich das Gefühl seiner Nähe und den sanften Herzschlag in seinem Rücken. Alles fühlte sich so leicht an, so richtig.
    • Ian

      Natürlich würde ich mir etwas einfallen lassen, damit sie mit mir zum Prom gehen würde. Und wenn ich ihr den Hof mache. Ganz egal. Dieser Tanz am Ende unserer Schulzeit gehörte nur uns beiden. Als sie den Spendenlauf erwähnte, schluckte ich gerade den nächsten Happen hinunter. "Beim Spendenlauf kannst du mich ruhig ebenfalls eintragen. Ich würde das wirklich gerne mitmachen und danach können wir gerne zusammen zu dieser Abendveranstaltung gehen. Gibt es einen speziellen Dresscode für Abends und wie soll der Spendenlauf vonstatten gehen?" Nachdem wir unsere Teller leer gegessen hatten, machte mir Ann ein Kompliment über das Essen. Ich lächelte sie verlegen an. "Schön wenn es dir geschmeckt hat." Ich trank mein Glas Wein aus und schnappte mir ebenfalls meinen Teller und wir räumten zusammen die Küche auf. Ich wischte den Tisch noch ab, als Ann den Nachtisch aus dem Kühlschrank holte und kurze Zeit später saßen wir gemeinsam auf dem Sofa. Ihre Nähe war so berauschend und ihr Vanilleduft war unvergleichlich. Als sie mir den ersten Löffel hinhielt, musste ich sofort lächeln. "Ich bin gespannt wie es schmecken wird." Sie führte mir den Löffel in den Mund und ich schmeckte die Mousse au Chocolat. Ich war überrascht wie gut sie schmeckte. "Wirklich lecker." Ich beobachtete sie einen Moment, wie das Kerzenlicht in ihren Augen tanzte. Sie wirkte entspannt und das war ich auch. Die zwei Wochen waren wirklich hart ohne sie. Das Haus hier fühlte sich so einsam und leer an, das ich meistens nur noch zum Schlafen hier war. Die restliche Zeit verbachte ich mit Sport, den Jungs oder ganz für mich alleine. Doch nun fühlte sie das Haus wieder mit Leben. Ich schlang meine Hände noch fester um sie und zog sie näher heran. "Ich könnte mich an das Ganze hier wirklich gewöhnen." Ich vergrub mein Gesicht in ihren Haaren. "Jeden Abend so mit dir zu verbringen wäre ein Traum", murmelte ich gegen ihren Kopf. Ich seufzte. "Aber ich weiß auch das das nicht immer möglich ist. Sonst springt mir dein Onkel demnächst noch aufs Dach oder Logan und Tessa geben noch eine Vermisstenanzeige über dich auf." Letzteres war nur aus Spaß gesagt und ich musste leicht lachen. Auch wenn Logan mich immer noch mit einer gewissen Skepsis ansah, schien Tessa Feuer und Flamme für unsere Liebe zu sein. Doch vor Lake hatte ich Respekt. Ich war gespannt wann ich das erste Mal auf ihn treffen werde. Ich hob meinen Kopf wieder an und nahm noch einen Löffel von dem Nachtisch entgegen. "Mhm- du sag Mal wäre es für dich in Ordnung wenn wir ein Bild von uns Beiden machen würden? Als Erinnerung an den Abend und ich könnte dich immer wieder ansehen." Ich klimperte mit meinen Wimpern und sah sie dabei süß an.
    • Annalena

      Ich musste unwillkürlich kichern, als Ian so charmant mit den Wimpern klimperte. Dieser Blick war illegal, das wusste er ganz genau. "Ein Foto?", wiederholte ich schmunzelnd und spürte, wie mein Herz bei seinen Worten über den gemeinsamen Alltag ganz weich wurde. "Nachdem du mich so schamlos mit Lasagne bestochen hast, kann ich dir wohl kaum einen Wunsch abschlagen."
      Ich stellte die Schüssel mit den Nachtisch für das Foto vorsichtig auf den Tisch, während Ian sein Handy zückte. "Aber wehe, ich sehe darauf aus wie ein erschrockenes Eichhörnchen!", drohte ich spielerisch, rückte aber sofort noch ein Stück näher an ihn heran. Ich bettete meinen Kopf an seine Schulter, eine Hand flach auf seiner Brust, wo ich seinen ruhigen Herzschlag spüren konnte.
      Das Display leuchtete hell auf und spiegelte sich in unseren Gesichtern. Ian hob das Handy, wir sahen beide hinein er mit diesem stolzen, glücklichen Lächeln und ich mit einem Gesichtsausdruck, der wahrscheinlich mehr verriet, als mir lieb war. Ein kurzes Klicken, ein heller Blitz, und der Moment war für immer eingefangen. "Zeig mal her!", verlangte ich neugierig. Er hielt mir das Display hin. Auf dem Bild wirkten wir so... richtig. Die Schatten des Kerzenlichts im Hintergrund, meine Locken, die über sein weißes Shirt fielen, und dieser Ausdruck von absoluter Glückseeligkeit in unseren Augen. "Oh Ian...", hauchte ich leise. "Das ist wunderschön. Schickst du mir das?" Ich sah ihn wieder an, mein Gesicht nur Zentimeter von seinem entfernt. "Damit ich auch etwas habe, das ich anstarren kann, wenn Logan mich mal wieder mit Hausaufgaben oder Trainingseinheiten im Wald nervt." Oh nein! Hatte ich das gerade wirklich ausgesprochen?! Aber ich...- "Wegen den Lauf. Wir gehen wieder... laufen für den Spendenlauf. Im Wald. Zu zweit ist es motivierender." Ich hasste es Ian zu belügen aber die Alternative wäre ihn von allem zu erzählen und damit in Gefahr zu bringen.
      Ich sah ihn ernst an, wobei ich eine Strähne aus seiner Stirn strich. "Was den Spendenlauf angeht: Es gibt keinen strengen Dresscode für die Party danach, aber die meisten werfen sich zumindest ein bisschen in Schale. Nichts Übertriebenes, aber... da es eine der wenigen Veranstaltungen für uns Jugendliche hier sind ...hübsch halt." Ich hielt kurz inne. "Und mach dir keinen Kopf wegen der Scouts oder des Laufs. Du musst niemandem etwas beweisen. Für mich bist du sowieso schon dercChampion. Nämlich mein Champion." Ich kuschelte mich wieder fest an ihn und genoss die Stille des Hauses. "Aber sag mal... wenn wir schon beim Thema Erinnerungen sind... hast du eigentlich schon mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn wir hier fertig sind? Also... nach der Schule?"
    • Ian

      Ihr Kichern war fast schon ansteckend, doch ich grinste sie nur wieder an. "Keine Sorge, du bist wunderschön, ganz egal wie du aussiehst. Du hast mich schließlich auch schon mit verschlafener Miene und verstrubbelten Haaren gesehen." Ich stupste ihr an die Nase und dann nahm ich mein Handy in die Hand und wir rückten uns in Position. Es sollte nicht zu gestellt aussehen, einfach ganz natürlich. Nur wir zwei im Schein der Kerzen.
      Die Kamera war eingeschaltet und ich drückte ab. Sofort wollte Ann das Foto sehen. Ich hielt ihr das Handy selbstverständlich hin und sah wie sehr sie sich darüber freute. "Das mache ich sofort." Ich öffnete unseren Chat und schickte ihr das Foto von uns.
      "So erledigt." Ich küsste ihr auf die Wange. Das sie plötzlich so über ihre eigenen Wörter stolperte, ließ mich verwirrt blinzeln.
      "Wenn das so ist, dann können wir auch zu Dritt Laufen gehen, wenn ihr noch üben möchtet. Ich gehe jeden Tag vor der Schule Joggen, also würde mir das nichts ausmachen, wenn ihr mit dabei wärt." Wenn ihr der Lauf so wichtig ist, dann würde ich sie bei allem was sie vor hat unterstützen. Ganz egal was es ist. ihre klitzekleine Berührung auf meiner Stirn, als sie mir die Strähne zur Seite strich, ließ kleine Blitze durch meinen Körper jagen. Ich notierte mir ihre Worte im Kopf. ´Nichts übertriebenes, hübsch, in Schale werfen´
      "Okay ist notiert. Dann schaue ich Morgen was mein Kleiderschrank so hergibt." Ich wusste das ich irgendwo noch ein schlichtes Hemd und eine schwarze Stoffhose hatte. Als sie dann die Scouts erwähnte klingelte es wieder in meinem Kopf. "Erinnere mich bitte nicht daran." ich seufzte auf, denn sofort schossen mir Tristans Worte wieder in den Kopf. Ich konnte sehen wie sie mich musterte. "Ach nur Tristan.. Er hat mir nach dem Training aufgelauert und mir wieder leere Drohungen gemacht. Er hat Angst das ich ihm irgendwas wegnehme. Ich habe ihn erklärt das sein Können gefragt ist auf dem Feld und nichts anderes. Aber dieser Kerl ist einfach so verbissen. Er denkt ich würde ihm alles nehmen, seit ich ihm Team bin." Ich schüttelte den Kopf. Es war nie mein Ziel nach Forks zu kommen um die Träume von anderen zu zerstören. Ich hatte schließlich andere Gründe warum ich hier her gezogen bin. Nichts davon war jetzt wichtig. Ich wollte keinen Gedanken an Dingen verschwenden die mich runterziehen. Ann war jetzt alles was zählte.
      "Dein Champion? Der bin ich gerne für dich." Ich lachte und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und zog sie wieder in meine Arme. Mein Blick lag ruhig auf ihr, während mein Herz fast einen Salto machte.
      Ihre nächste Frage überraschte mich und brachte mich fast aus dem Konzept. Ich schluckte kaum merklich und musste jetzt ganz genau überlegen was ich sagte. "Um ehrlich zu sein habe ich noch nicht groß darüber nachgedacht. Denn wir wissen nicht was bis dahin alles passiert. Ich vermisse zwar meine Heimat, aber ich weiß nicht ob ich wieder komplett dahin zurück gehen würde." Das war nicht gelogen, denn ich wusste nicht was die Zukunft bringt. Schließlich hatte ich noch eine harte Zeit vor mir. Und ob ich in L.A. mit meiner Wolfserscheinung auf so viel Begeisterung stoße, war fraglich. Eher unmöglich..
      Ich strich Ann sanft über den Kopf. "Aber eines weiß ich ganz sicher. Ich würde dir überall hin folgen, ganz egal was du für die Zukunft geplant hast." Ich drückte sie nun enger an mich.

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    • Annalena

      Ooookay, dann musste ich wohl jetzt Logan davon überzeugen wirklich mit mir frühmorgens durch den Wald zu laufen. Verdammt, das machte er doch niemals. "Wenn du wirklich jeden Morgen vor der Schule joggen gehst... dann schuldest du mir ab Montag ein Lauftraining. Aber erwarte nicht, dass ich um sechs Uhr morgens schon druckreife Sätze bilde."
      Ich spürte, wie mein Herz bei seinen Worten einen schweren, glücklichen Schlag tat. Überall hin folgen. Das klang so absolut, so unerschütterlich, dass mir für einen Moment die Worte fehlten. In einer Welt, in der sich für mich gerade alles veränderte von meinen Genen bis hin zu der Tatsache, dass mein gesamtes Leben plötzlich per Reim steuerbar war, war er der einzige feste Anker.
      "Überall hin?", wiederholte ich leise und sah zu ihm auf. "Das ist ein ziemlich großes Versprechen, Ian. Sogar für einen romantischen Träumer wie doch." Ich schmunzelte, doch mein Blick blieb ernst und voller Zuneigung. Dass er Tristan so locker abtat, beruhigte mich ein wenig, auch wenn ich wusste, wie giftig dieser Kerl sein konnte. Aber hier, in Ians Armen, fühlte sich an als würde alles was nicht in der Reichweite seiner Couch war, einfach nicht mehr existieren.
      Ich legte meinen Kopf wieder an seine Schulter und zeichnete mit dem Finger kleine, unsichtbare Muster auf seinen Arm. "Ich weiß auch noch nicht, wo die Reise hingeht. Grandma sagt immer, das Schicksal hat seine eigenen Pläne, egal wie sehr wir versuchen, sie vorzuzeichnen." Ein kurzes, melancholisches Lächeln huschte über mein Gesicht. "Aber der Gedanke, dass du dabei bist... egal ob in Forks, L.A. oder am Ende der Welt... der macht die Zukunft viel weniger gruselig." Ich spürte, wie er mich noch enger an sich drückte, und genoss die Stille, die nur vom leisen Knistern der fast heruntergebrannten Kerzen unterbrochen wurde. Ich lehnte mich vor und gab ihm einen langen, sanften Kuss, der nach Schokolade und dem süßen Wein schmeckte. "Danke für diesen Abend, Ian. Er war... magisch." Und ich wusste mittlerweile genau wovon ich da sprach. Ich spürte, wie die Zeit in diesem abgedunkelten Wohnzimmer ihre Bedeutung verlor. Der letzte Rest der Mousse war verputzt, und die Schüssel stand mittlerweile vergessen auf dem Couchtisch, während ich mich enger in Ian kuschelte. Seine Hand strich in langsamen, beruhigenden Bewegungen über meinen Oberarm, und ich konnte spüren, wie sich jeder Muskel in meinem Körper entspannte. Die Melodie von vorhin hallte immer noch in meinem Kopf nach, so klar und fest verankert wie das Gefühl seiner Arme um mich. Ganz leise, fast nur ein Hauch, begann ich die Melodie von Perfect vor mich hin zu summen.
    • Ian

      Mir entwich ein leises, warmes Lachen aus meinem Mund . Es war kaum mehr als ein Atemzug an ihrem Haar. „Sechs Uhr morgens ist doch gar nicht so schlimm. Ich mache das seit Jahren nicht anders. Bin es also gewohnt“, murmelte ich vor mich hin. „Aber glaub mir es ist auch so befreiend und man hat seine Ruhe. Niemand ist auf den Beinen und Forks wirkt zu dieser Uhrzeit wie ein kleines verschlafenes Örtchen. Es ist schön wenn die ersten Vögel zwitschern.“
      Ich drehte den Kopf leicht, meine Stirn lehnte sich gegen ihre. „Überall hin, ganz egal wohin und der Weg führt“, sprach dann leiser, aber fester zur ihr. „Ja es ist ein großes Versprechen. Vielleicht sogar ein bisschen verrückt.“ Ein schwaches Schmunzeln huschte über meine Lippen. „Aber ich meine es wirklich ernst.“
      Meine Augen folgten gedankenverloren den Mustern, die sie auf meinen Arm zeichnete. „Deine Grandma hat wahrscheinlich recht, wir lasse es einfach auf uns zukommen“, fügte ich nach einem Moment hinzu.
      Als sie mich küsste, erwiderte ich es ohne zu zögern, sanft, aber mit einer Tiefe, die mehr sagte als Worte es könnten. Als sie sich wieder lösten, blieb ich noch einen Moment nah bei ihr.
      Sie bedankte sich bei mir für den Abend und ich lächelte sie sanft an. „Ann ich habe zu danken, das ich ihn mit dir verbringen durfte.“ Ihre Nähe fühlte sich so gut an und ich genoss jede Minute mit ihr in meinen Armen.
      Als sie anfing völlig leise Perfect zu summen, stimmte ich kurze Zeit später leise mit ein. „Well, I found a woman, stronger than anyone I know. She shares my dreams, I hope that someday, I'll share her home.
      I found a love to carry more than just my secrets. To carry love…“
      Wir waren im Einklang und unsere Stimmen passten so gut zusammen. Ich hauchte ihr einen Kuss auf den Kopf. Alles war an dem Abend perfekt und ich hoffe das wir noch viele solche Abende verbringen werden. Denn so durften alle Tage enden.
    • Annalena

      Ians Stimme vibrierte so tief und warm in seiner Brust, während er die Zeilen mitsang, dass ich eine Gänsehaut bekam, die absolut nichts mit der kühlen Abendluft zu draußen tun hatte. Es war dieses eine Gefühl, wenn alles um einen herum verstummt und nur noch der Rhythmus von zwei Herzen übrig bleibt, die denselben Takt gefunden haben. To carry love... Ich schmiegte mein Gesicht noch ein Stück fester in die Beuge seines Halses, als er mir den Kuss auf den Kopf hauchte. Seine Stimme klang so sicher, so voller Überzeugung, dass ich für einen Moment wirklich glaubte, wir könnten die ganze Welt allein mit diesem Lied und diesem Abend auf Abstand halten. Keine Prophezeiungen, keine dunklen Vorahnungen nur wir beide auf diesem Sofa. "Wow... aber... ich glaube für eine gute Acapella Band reicht es noch nicht. Aber vielleicht... spielen wir ja mal zusammen.", flüsterte ich während mein Summen langsam in ein zufriedenes Seufzen überging. "Wenn das so weitergeht, gewöhne ich mich wirklich noch daran, jeden Abend so zu beenden." Ich spürte, wie meine Augenlider immer schwerer wurden. Die Erschöpfung der letzten zwei Wochen, die Anspannung durch den Hausarrest und das ständige Üben mit dem Grimoire fielen endgültig von mir ab. Hier, in seinem sicheren Griff, fühlte ich mich das erste Mal seit meiner Ankunft in Forks nicht wie eine Fremde in meinem eigenen Körper.
      "Einfach perfekt", murmelte ich schläfrig. Ich wusste dass es Zeit zu gehen war. Ich wusste es wirklich. Aber es war mir noch niemals zuvor so schwer gefallen.
      Ich war gerade dabei, endgültig in dieses wohlige Halbdunkel zwischen Wachen und Schlafen wegzudämmern, als ein scharres, kratzendes Geräusch aus dem Flur die Stille zerschnitt. Zuerst versuchte ich es zu ignorieren, mich noch enger an Ians warme Brust zu kuscheln, doch dann folgte ein unmissverständliches Poltern. "Was zur...", murmelte ich schläfrig, doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
      Ein leises, aber sehr forderndes Zischen hallte durch das Wohnzimmer, und nur Sekunden später tauchte eine kleine, flinke Gestalt im Türrahmen auf. Ink. Er war wohl aus der Tasche geschlüpft und hatte offensichtlich beschlossen, dass die Zeit der romantischen Zweisamkeit offiziell abgelaufen war. Mit einem Satz sprang er auf die Couch und landete mit aufgeplustertem Fell direkt zwischen uns, wobei er Ian einen misstrauischen Blick aus seinen Knopfaugen zuwarf und aufgeregt mit dem Schwanz peitschte. "Ink! Nein!", zischte ich und versuchte, den kleinen Kerl zu bändigen, bevor er seine Krallen in Ians Polster schlagen konnte.
      Ich stieß ein kapitulierendes Seufzen aus und sah zu Ian auf, während Ink demonstrativ anfing, an einer Ecke der Sofadecke zu zerren. "Ich glaube, das war mein Weckruf. Mein kleiner Aufpasser ist der Meinung, dass meine Ausgangssperre zwar vorbei ist, ich es aber nicht übertreiben sollte." Ich strich Ink über den Kopf, was er mit einem triumphierenden Schnattern quittierte. "Ich sollte wohl wirklich gehen, bevor er aus reinem Frust anfängt, deine Couch fachgerecht zu ruinieren. Er kann ziemlich nachtragend sein, wenn man ihn vergisst." Ein wehmütiges Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als ich mich langsam aus Ians Armen löste, auch wenn jede Faser meines Körpers dagegen protestierte. "Aber das mit dem Joggen morgen früh... das steht trotzdem, Champion. Auch wenn Ink wahrscheinlich versuchen wird, dir in die Hacken zu beißen."