Das Biest in dir... [Shio & Nimue]

    • Ian

      Ich sah sie verlegen an. War das zu viel oder war das genau richtig? Doch ihre Aussage brachte mich zum Grinsen. Nein das hier war definitiv kein Film oder eine Serie. Das war echt. Und dieses verdammte Herz hörte einfach nicht auf wie verrückt zu schlagen.
      Wir liefen weiter bis wir an den Punkt angekommen waren wo wir uns jetzt für heute verschieden würden. Ich war nicht bereit dafür. Ich wollte nicht das sie geht. Ich wollte ihre Hände weiter halten. Es ging nicht. Sie musste nach Hause.
      Der Abschied fühlte sich wie ein Stich ins Herz an. Ihre Lippen auf meiner Wange machten die Sache natürlich nicht besser. Sofort schoss mir die Röte ins Gesicht und ich lächelte sie verlegen an. Meine Hände steckte ich wieder in die Hosentaschen. „Gute Nacht Annalena.“ Ich lächelte ihr zu. Ich wartete noch darauf bis sie im Nebel verschwand und kehrte um. Am liebsten würde ich ihr hinterher laufen, doch irgendetwas hinderte mich daran.
      Ich lief die Straßen zurück zu meinem Haus.

      Stille. Ich war umgeben von Stille. Das Haus war leer und ihr Lachen halte nicht mehr durch mein Wohnzimmer. Ich atmete tief ein und aus. Plötzlich waren die Schmerzen wieder da und ich warf mir noch eine Schmerztablette ein. Ich setzte mich aufs Sofa und legte mich anschließend hin. Das Sofa und das Kissen wo sie angelehnt war rochen nach ihr. Ich vergrub mein Gesicht in dem Kissen so konnte ich ihren Duft noch intensiver riechen und verinnerlichen. Wer weiß wann ich ihr wieder so nah sein werde wie heute. Wenn nicht ständig diese doofen Gedanken in meinem Kopf herumschwirren würden, wäre alles einfacher.
      Ich hinterfragte alles. Einfach alles. Ich bin gerade mal ein paar Tage hier und Zettel schon eine Schwärmerei an. Kann das richtig sein? Ich grübelte noch eine ganze Weile über alles nach und kam zu keinem richtigen Ergebnis. Vielleicht half mir eine Mütze Schlaf um klarer zu denken.
      Ich erhob mich vom Sofa und ging ins Bad wo ich mich fertig für die Nacht machte.

      Ich träumte die Nacht von Annalena. Wie wir zusammen viele weitere Netflix Abende verbrachten und ich ihr ein 5 Sterne Menü beim dritten Abend servierte. Alles war perfekt. Nur sie und ich. Doch dann verwandelte sich der schöne Traum in einen Alptraum. Ich sah sie vor mir mit Wunden am ganzen Körper. Ihr Körper zitterte. Ich wollte sie berühren doch sie schrie mich an und ihr liefen Tränen über die Wangen. Ich hob meine Hände und sah Klauen, größer als man es sich nur vorstellen kann. Ich sprang vom Sofa auf und sah mich im Spiegel an. Ich hatte mich verwandelt und ihr wehgetan. Sie sahs vollkommen verängstigt auf dem Sofa. Ich versuchte mich zu entschuldigen, doch sie kauerte sich vor Schmerz zusammen.

      Ich wachte mitten in der Nacht schweißgebadet auf. Es war nur ein Traum ein verdammter Traum. Mein Herz schlug schneller, mein Atem war außer Kontrolle. Ich versuchte mich zu beruhigen. „Reiß dich zusammen. Du wirst ihr nie so weh tun“, sprach ich zu mir selbst. Ich wandte jegliche
      Techniken an um meinen Puls zu senken und meine Atmung zu kontrollieren.
      Es dauerte etwas. Anschließend ging ich duschen und legte mich wieder ins Bett. An Schlaf war kaum noch zu denken.

      Der nächste Morgen brach allmählich an und ich wollte eigentlich Joggen gehen, doch die Schmerzen waren weiterhin unerträglich. Ich betrachtete mich im Spiegel und man konnte mir ansehen das ich nicht gut geschlafen habe. Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, doch das half nichts. Ich schleppte mich in die Küche, machte mir Frühstück und packte meinen Rucksack für die Schule. Es wird ein harter Tag werden, das spürte ich bis in die Knochen und ich hoffte inständig das ich nicht wieder diesen halbstarken Idioten begegnen werde.
    • Annalena

      "Aauustsch!" Der Boden war genauso hart und kalt wie jeden verdammten Morgen. Ich blinzelte benommen das morgendliche Licht an, das durch die Vorhänge sickerte. Warum musste mein Unterbewusstsein mich auch genau in dem Moment aus dem Bett werfen, als Ian im Traum gerade dazu ansetzen wollte, mir die Haare aus der Stirn zu streichen und mir so langsam nähr kam...? In meiner Traumwelt war alles wieder so perfekt gewesen, wie am gestrigen Abend ganz ohne den Nebel von Forks und ohne die drückende Stille dieses Hauses. Ich rappelte mich auf und rieb mir die verschlafene Stirn. Das Kribbeln von gestern Abend war noch da und würde wohl so schnell auch nicht mehr weg gehen. Er mochte mich wirklich. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf schaffte ich es sogar, die morgendliche Routine im Bad in Rekordzeit zu absolvieren.
      In der Küche empfing mich das leise Klappern von Geschirr. Die Haushälterin war bereits am Werk und warf mir einen vielsagenden Blick zu, als ich mir eine Tasse schnappte. "Ich habe dem Herrn nichts gesagt", murmelte sie, ohne die Arbeit zu unterbrechen. "Ich verstehe, wie einengend seine Strenge sein kann, Miss Hood. Aber glauben Sie mir, er braucht nur etwas Offenheit und Geduld, um zu erkennen, dass er im Grunde ein guter Mann ist. Er ist einfach... furchtbar unbeholfen." Ich nippte an meinem Kaffee und zog eine Augenbraue hoch. "Unbeholfen ist ein schönes Wort für jemanden, der Regeln wie Gesetzestexte behandelt. Aber danke. Ich weiß das zu schätzen." Ein kleiner Sieg für den Hausfrieden, dachte ich mir, während ich meine Tasche schulterte.
      Draußen auf dem Weg zur Schule dauerte es nicht lange, bis Logan neben mir auftauchte. Er schlurfte nicht wie sonst, sondern wirkte seltsam aufgekratzt, fast schon angriffslustig. "Na, wo warst du gestern Abend?" fragte er ohne Umschweife und schaute mich von der Seite an. "Grandma hat mich bei meiner Date-Night mit Tessa völlig fertig angerufen. Sie war außer sich vor Sorge, weil ihre Lieblings-Enkelin sie eiskalt versetzt hat. Musst du ausgerechnet dann abtauchen, wenn ich versuche, mal einen Abend nicht der Sündenbock der Familie zu sein?" Mich traf der Schlag. Verdammt! Unsere Grandma. "Oh Gott, Logan, das hatte ich völlig vergessen", stammelte ich und spürte, wie ich ein schlechtes Gewissen. "Ich... ich war in Gedanken ganz woanders. Ich werde sie nach der Schule sofort anrufen." Logan blieb stehen und musterte mich mit diesem Blick, den er immer aufsetzte, wenn er glaubte, eine Story gewittert zu haben. Wobei er sich vermutlich auch Sorgen machte. "In Gedanken woanders, hm? Gestern warst du noch auf Kriegspfad wegen Lake und seinem Reinlichkeitsfimmel, und heute wirkst du, als hätte dich das Glück geküsst." Er trat einen Schritt näher, seine Stimme wurde leiser. "Lass mich raten. Dieser geheimnisvolle Fußballspieler? Hat es irgendwas mit Ian zu tun?" Ich presste die Lippen zusammen und starrte stur geradeaus auf das Schulgebäude. Leider war er der Wahrheit viel zu sehr auf der Spur. "Ich war einfach immernoch sauer auf Gott und die Welt und beschäftigt, Logan." Er lachte kurz auf, aber es klang nicht so unbeschwert wie sonst. "Ann, ich hab dir gesagt, du sollst vorsichtig sein. Ich seh dir das doch an der Nasenspitze an." Er wurde ernst, sein Blick suchte meinen. "Egal wie unfair alles mit Lake scheint... Du weißt, wie er ist. Wenn der Wind davon bekommt, dass du dich mit dem Typen triffst, den hier keiner kennt und wegen den du es auf einmal so richtig drauf an legst ...dann ist hier Weltuntergang." Er hatte leider einmal mehr recht. "Ich pass auf, Logan. Wirklich." Aber wie sollte ich ihm erklären, dass genau dieser 'Ärger' das Einzige war, was sich in dieser Stadt gerade richtig anfühlte? "Das hoffe ich für dich", brummte er und klopfte mir sacht gegen den Arm, bevor wir auf den Parkplatz einbogen.

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    • Ian

      Der Weg bis zur Schule zog sich heute. Mir tat alles weh und ich hatte heute Nachmittag wieder Training. Ich wusste nicht ob ich das aushalte. Vielleicht sollte ich doch dem Trainer über den Vorfall gestern informieren. Nein das war dumm. Diese Typen warteten nur darauf mich wieder in die Pfanne zu hauen.
      An der Schule angekommen lief ich über den Hof und natürlich wer hätte es gedacht standen die Typen direkt neben der Treppe zum Eingang des Gebäudes und rauchten Zigaretten. "Na sieh mal einer an. Das du dich immer noch hier her traust. Ich dachte schon du machst blau." Sein schelmisches Grinsen brachte mich beinahe zur Weißglut, aber ich ignoriere ihn. "Wo willst du hin?" Er hielt mich am Rucksack fest und ich stolperte ein paar Schritte zurück. "Ich hab dich was gefragt!" Er baute sich vor mir auf. Na schön wenn er es darauf anlegt dann bitte. Ich baute mich ebenfalls vor ihm auf. Mein Blick verdunkelte sich, meine Pupillen waren beinahe schwarz, ich gab ein Knurren von mir. Ich sah wie er mich nervös anschaute, auch die anderen Jungs schauten mich an. "Es wäre besser wenn ihr mich in Ruhe lasst." Meine Stimme klang rauer als sonst. Die Typen sahen sich an und nickten. "Jo Mann es ist alles gut. Ähm wir sollten verschwinden." So schnell wie die ihre Zigaretten ausgedrückt haben und in die Schule verschwanden, konnte keiner gucken.
      Ich beruhigte mich wieder und einige Schüler klatschten in die Hände. "Endlich hat jemand es ihnen Mal gezeigt. Die haben es nicht anders verdient." Diese Typen scheinen auch anderen Schülern aufzulauern. Ein schlaksiger Kerl mit Brille kam auf mich zu. "Danke. Niemand hat es bisher geschafft das die sich beinahe in die Hose gemacht haben. Hast du Lust nachher mit uns in der Pause abzuhängen?" Er drehte sich zu seinen Mitschülern um die mir zaghaft zuwinkten. Ich lächelte ihn an. "Gerne doch." Sie sahen mich gerade als Held, doch ich wusste das diese Typen nicht klein bei gaben. Eines Tages werden sie mir wieder auflauern. Doch dann Gnade ihnen Gott.

      Ich unterhielt mich noch einen Moment mit der Gruppe bis mein Blick auf Annalena fiel. Sie sah glücklich und zufrieden aus. Anscheinend war sie rechtzeigt zu Hause und konnte einer Standpauke entgehen. Ihr Blick traf meinen und ich lächelte ihr zu. "Entschuldigt mich bitte, wir sehen uns nachher." Ich wartete bis die beiden zu mir aufschlossen. "Guten Morgen." Ich nickte Logan zu und Annalena.. mein Herzschlag erhörte sich wieder. Wie sollte ich es jetzt anstellen ohne mich zu blamieren oder was falsches zu machen. Ich tat das einzig richtige was mir in den Sinn kam und gab ihr eine Umarmung. Sofort hatte ich ihren Duft in meiner Nase, ich spürte ihre Wärme.. es kam mir alles so vertraut vor. Ich räusperte mich da ich Logans Blick auf mir spürte. "Ich hoffe ihr habt gut geschlafen und seit bereit für den heutigen Tag?" Ich versuchte die Stimmung aufrecht zu erhalten. Verlegen blickte ich Annalena weiterhin an.
    • Annalena

      Ich beobachtete Logan von der Seite, während wir über den Parkplatz schlenderten. Er wirkte immer noch unruhig, was bei ihm meistens bedeutete, dass er entweder zu viel Kaffee oder zu viele Sorgen im Kopf hatte.
      "Ann, tu mir einen Gefallen", fing er plötzlich an und rieb sich den Nacken. "Wenn Tessa dich heute anspricht .... und sie wird das, dann beruhig sie bitte." Ich hob verwundert eine Augenbraue an. "Beruhigen? Was ist los? Wieso sollte ich-?" Mein Cousin schnaubte leise und schenkte mir ein schiefes Lächeln. "Weil Grandma sie gestern ziemlich kühl behandelt hat." Er verzog das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen. "Sie hat Tessa durch die Blume gefragt, ob sie sich sicher ist, ob sie wirklich in unsere Familie passt. Und du weißt, wie sie ist. Tessa denkt jetzt, Grandma könnte sie nicht ausstehen." Ich blieb irritiert stehen und sah ihn ungläubig an. "Was? Das ist doch Unsinn."
      "Für dich vielleicht." Logan fuhr sich fahrig durchs eh schon viel zu wilde Haar. "Aber du weißt doch, wie Grandma ist. Als ehrenvolles Familienoberhaupt hat sie einfach einen genauen Plan für uns alle. Vielleicht will sie uns ja Gutes… aber viele ihrer Ansichten sind nun einmal sehr veraltet." Ich schwieg einen Moment, während in meinem Kopf unweigerlich Lake aufblitzte. Seine Regeln. Seine Strenge. Dieses ständige Bedürfnis nach Kontrolle. Ich hasste es, dass ich die Parallele überhaupt sah, denn Grandmas Strenge hatte sich für mich immer anders angefühlt. Liebevoll auf ihre ganz eigene, herbe Art. Und doch war sie es gewesen, die über meinen Kopf hinweg entschieden hatte, dass mein Patenonkel mein Vormund wird. Ohne Diskussion. "Ich rede mit Tessa", sagte ich schließlich leise. Logan musterte mich noch einen Moment, dann nickte er sichtlich erleichtert. "Danke." Ich wollte noch etwas sagen, ihn mit einen Witz aufheizen doch da bemerkte ich, wie Ian sich von einer kleinen Gruppe löste und auf uns zukam. Mein Herz reagierte schneller, als ich es wollte. Die Atmosphäre veränderte sich augenblicklich. Der graue Morgen von Forks schien für einen Herzschlag an Gewicht zu verlieren. Ian wirkte heute Morgen anders. Die Kombination von der blässlichen Haut und den dunklen Augenringen verrieten auch ohne Worte das er kaum ein Augen zu getan hatte. Doch als er mich sah, hellte sich sein Gesicht auf eine Weise auf, die mir fast den Atem raubte.
      Bevor ich auf seine Begrüßung reagieren konnte, trat er einen Schritt vor und zog mich in eine Umarmung. Inmitten des Trubels auf dem Schulhof fühlte ich seine Wärme und roch diesen ganz eigenen Duft, der nur von Ian aus ging. Ich spürte Logans prüfenden Blick wie ein Brennglas auf meinem Rücken, aber ich konnte nicht anders. Ich lehnte mich für eine Sekunde gegen Ian und ließ die Welt um uns herum einfach verblassen. Ich löste mich langsam aus der Umarmung, ließ meine Hand jedoch einen Herzschlag länger an seinem Ärmel liegen, als es rein freundschaftlich nötig gewesen wäre. "Guten Morgen", erwiderte ich leiser, als ich eigentlich beabsichtigt hatte.
      Logan räusperte sich theatralisch und unterbrach die Stille. "Ich sehe schon. Die Sonne geht auf, die Vögel zwitschern. Ganz großes Kino." Ich verdrehte die Augen und schenkte ihm einen warnenden Blick. "Logan." Er hob abwehrend die Hände während er sein klassisches schiefes Grinsen aufsetzte. "Hey, ich sag ja schon gar nichts mehr. Bevor ich jetzt allerdings in meinen persönlichen Vorhof zur Hölle verschwinde... auch bekannt als Physikraum, sollte ich wohl noch einmal meinen Engel im cremefarbenen Strickkleif bewundern." Ich blinzelte verwirrt. "Engel im creme-… was?" Er deutete auf das Auto von Tessas Mutter aus der seine Freundin gerade austieg. "Tessa natürlich." Er zuckte mit den Schultern, als wäre das die logischste Sache der Welt. "Ja ja... Liebe macht blind." Er klopfte mir kurz winkernd gegen den Arm, warf Ian einen letzten, schwer zu deutenden Blick zu und murmelte ein knappes: "Benimm dich." Dann verschwand er in der Menge in Richtung meiner besten Freundin. Ich beobachtete noch wie er sie in seine Arme schloss und sie sich gerade küssen wollte, als mir klar wurde was mein Cousin da gerade gemeint hatte. "Es... also... d-das mit Liebe hat er gesagt. Nicht ich." Wenn ich irgendwelche Gefühle gestehen wollte, sofern die wirklich nötig war, dann würde ich es schon schön selber machen! Außerdem.... konnte ich wirklich schon über so etwas sprechen wenn ich diesen mysteriösen Jungen aus der Großstadt kaum kannte? Ich fühlte mich eindeutig zu Ian Black hingezogen. Das konnte und wollte ich nicht leugnen aber das.... - ich seufzte erleichtert... ,da hatte dieser Quatschkopf wohl wieder einen wirklich dämlichen Witz gemacht. "Tut mir leid, er ist machmal echt ein Blödman." Mit einen verlegenen Lächeln schob ich mit eine Haarsträhne hinter das Ohr. Ich sah zu Ian auf und bemerkte nun erst richtig die dunklen Schatten unter seinen Augen und das leichte Zittern seiner Hände, das er mühsam zu verbergen suchte. "Geht es dir gut?" fragte ich leise, und diesmal gab es keinen Logan, der meine Besorgnis hätte belächeln können. "Ich meine... nach gestern Abend. Du siehst aus, als hättest du kaum ein Auge zugetan."Plötzlich war es still zwischen uns. Die anderen Schüler strömten an uns vorbei, doch es fühlte sich an, als stünden wir in einem luftleeren Raum.
    • Ian

      Ich sah Logan verdutzt an, als er diesen Spruch los lies. Ich wusste nicht ob er mich mochte oder nicht. Das musste ich noch herausfinden. Sein Blick durchbohrte mich und ich versuchte cool zu bleiben. Wusste er etwa mehr als ich?
      Mein Blick folgte ihm bis er bei seiner Freundin ankam und sie in seine Arme schloss. Das ist wahre Liebe..
      Annalena stammelte gerade etwas vor sich hin und ich schenkte ihr wieder meine volle Aufmerksamkeit. Sprach sie gerade etwas von Liebe? Nein.. das habe ich wohl missverstanden. Und nach dieser Nacht sollte ich sie nicht noch tiefer in mein Herz lassen, auch wenn das mein sehnlichster Wunsch ist. "Nein schon gut. Ich wäre ebenfalls skeptisch wenn ich meine Cousine bei einem schier fremden Typen stehen lassen würde. Also kein Thema. Er macht sich sicherlich einfach Sorgen." Ich schenkte ihr ein müdes Lächeln.
      Ihr besorgniserregender Blick entging mir nicht. Ich fuhr mich sachte durch meine Haare. "Ich hab nicht gut geschlafen. Irgendeinen Mist geträumt und die Schmerzen kamen plötzlich wieder.. ich.." Ich sah sie an, sah ihr in ihre blauen Augen. Mir fehlten die Worte und ich wusste nicht wie ich es sagen sollte ohne das ich wie ein Creep rüber kam. Ich löste den Blick wieder weil ich es sonst nicht ausgehalten hätte. Ich lief ein paar Schritte auf und ab und versuchte meine Gedanken zu sortieren.
      Kurzerhand blieb ich stehen und sah sie wieder an. "Ach verdammt", murmelte ich vor mich her.
      Bis ich einen Schritt auf sie zu machte und ihre Hände in meine nahm. "Hör zu.. der Weg nach Hause war einsam, aber als ich zu Hause angekommen bin, fühlte es sich noch einsamer an, denn du warst nicht mehr da.. Ich weiß das hört sich vielleicht merkwürdig an und du hältst mich jetzt sicherlich für einen Idioten, aber du hast mir verdammt noch mal gefehlt. Dein Lachen, deine Anwesenheit.. Alles war plötzlich weg und eine unangenehme Stille durchbrach das Haus." Mein Blick wurde weicher, mein Herzschlag immer höher.
      "Ich weiß nicht was da zwischen uns passiert ist.. und um ehrlich zu sein macht es mir etwas Angst. " Ich dachte an meinen Traum zurück.
      "Keine Sorge ich werde dich nicht wieder ignorieren, aber ich weiß nicht wie wir jetzt weiter machen sollten? Wie stehst du zu der Sache? Vielleicht habe ich mir das auch nur alles eingebildet und du empfindest nicht so." Ich hielt ihre Hände weiterhin fest. Das uns hier jemand so sehen konnte war mir in diesem Augenblick sowas von egal. Sollen sie doch reden.
    • Annalena

      Für eine ganze Weile machte ich das, was ich immer tat. Ich beobachtete und hörte genau zu. Doch plötzlich war da... diese Pause. "...Du?" wiederholte ich so leise wie ein Atemzug. Ich sah ihn an und für einen Moment war da nichts anderes als dieser Blickkontakt, so intensiv, dass er mir fast den Boden unter den Füßen wegzog. Es war, als würde er versuchen, in mir zu lesen, während er gleichzeitig mit sich selbst rang. Schließlich entschied Ian sich, neben mir auf und ab zu laufen. Ich beobachtete jede seiner Bewegungen, während ich selbst nicht ganz wusste, wohin mit mir. Unwillkürlich begann ich mit meinen Fingern an dem Druckknopf meiner Tasche zu spielen ehe ich mir mir nachdenklich auf die Lippe biss. Sollte ich es dabei belassen? Etwas sagen? Oder nachbohren? Andererseits, was konnte ich schon sagen? Ian würde doch ohnehin...?!
      Mein Herz stolperte, als er den Schritt auf mich zumachte und meine Hände in seine nahm. Seine Finger waren warm, trotz des kühlen Morgens, und ich spürte das leichte Zittern, das von ihm auf mich überging. Da war er wieder... dieser Schneekugelmoment.
      Ich verlor mich in seinen bernsteinfarbenen Augen. Dieses warme Gold, das im grauen Morgenlicht von Forks beinahe unnatürlich wirkte, schien nun noch weicher zu werden, fast glühend, während er mich ansah. Wie von selbst verschränkte ich meine Finger fester mit seinen, suchte diesen direkten Kontakt, als müsste ich mich vergewissern, dass er wirklich hier war. Es war, als würde er mich nicht nur ansehen, sondern wirklich sehen. Und das traf mich tiefer, als ich es je erwartet hätte.
      Um die drückende Intensität zwischen uns ein wenig aufzulockern, schenkte ich ihm ein schiefes Grinsen. "Was? Du bildest dir ein, dass ich dich so sehr mag, dass ich es wage, dein Essen zu klauen?", neckte ich ihn leise, doch meine Stimme zitterte ein wenig.
      Dann wurde ich wieder ernst. Denn es war mir enrst. "Ich... ich mag dich, Ian. Deine Anwesenheit macht Forks irgendwie... ein Stückchen heller. Ich weiß auch nicht..."
      Na großartig, das Kribbeln in meinem Bauch war auch wieder da. "Wir müssen nicht heute schon wissen, wo das hinführt.", fügte ich hinzu, während mein Blick fest an seinem hängen blieb. "Aber ich würde gern herausfinden, was das ist." Ein schrilles, unbarmherziges Läuten durchschnitt die Luft. Das war dann wohl schon das Vorklingeln. Ich schreckte leicht aus meinen Gedanken auf und bemerkte erst jetzt, wie leer der Schulhof geworden war. Die letzten Schüler verschwanden gerade hastig im Gebäude und ließen uns in einer seltsamen Isolation zurück. "Wir müssen wohl...", setzte ich an und räusperte mich kurz, um meine Stimme wiederzufinden. "...wirklich los. In die Klasse. Bevor wir beide noch mehr Ärger bekommen, als wir ohnehin schon riskieren." Ich schenkte ihm ein letztes, weiches Lächeln, das hoffentlich all das ausdrückte, was ich gerade nicht in Worte fassen konnte.
    • Ian

      Ihre Worte waren wie Balsam für meine Seele und ich war sehr froh das sie dem ganzen eine Chance gibt. Auch wenn keiner von uns weiß wohin sich das Ganze entwickeln wird. Sie lebt schließlich in ihrer Welt und ich muss mich mit meinen inneren Dämonen auseinandersetzen. Doch vielleicht gibt es irgendwo dazwischen eine kleine Lücke, die nur Platz für uns beide hat.
      Das Klingeln der Schulklingel entging mir ebenfalls nicht und ich war ein wenig traurig das dieser Moment zwischen uns gleich ein Ende hatte. "Ja.. das sollten wir wohl.." Ich schenkte ihr ebenfalls ein liebevolles Lächeln und lies ihre Hände los. Ich spürte immer noch ihre Wärme auf ihnen.

      Die Unterrichtsstunden fühlten sich heute weniger schlimm an, wie die Tage davor. Denn ich dachte immer wieder an sie und konnte immer wieder einen Blick auf sie im Klassenzimmer erhaschen. Sobald sich unsere Blicke trafen, so lächelte ich ihr zu. Gedankenverloren kritzelte ich die Notizen des Unterrichtes auf meinen Block. In den Pausen gesellte ich mich zu den Jungs von heute Morgen. Sie strahlten mich an als ich auf die zu kam. "Da ist ja unser Held." Ich lachte. "Naja Held kann man nicht sagen, aber ich kann solche Typen wie die nicht ausstehen." Ich setzte mich auf die Bank in der Cafeteria und gönnte mir ein kühles Softgetränk. Mein Blick ging durch die Reihen und ich konnte von hier aus Logan, Tessa und Annalena ausmachen. Ich winkte ihnen zu.
      Die restliche Pause verbrachte ich mit Smalltalk und ich fand heraus das einer der Jungs auch beim Fußball mitspielt. Doch anscheinend eher auf der Ersatzbank wartet. "Vielleicht können wir ja zusammen trainieren, dann zeige ich dir ein paar coole Tricks." Sofort sprang er auf und seine Augen leuchteten. "Ich hatte schon Angst das du denkst ich wäre ein Looser. Du hast es wirklich drauf und bist eine Bereicherung für unser Team." Ich lächelte ihn an. "Danke das ist schön zu hören." Die Klingel lies die Pause zu Ende gehen und ich verabschiedete mich von den Jungs.
      Die nächsten Stunden zogen sich dieses Mal ein wenig und ich musste später noch länger bleiben, weil ich den Stoff aufholen musste. Dafür gab es extra zwei Sonderstunden in der Woche, die ich mitnehmen musste. Auch wenn ich verdammt müde und kaputt war. Mein Körper sehnte sich nach Ruhe und einer Mütze Schlaf, davon hatte ich die Nacht ja nicht so viel.
      Zum Glück durfte ich mir Kopfhörer in die Ohren stecken, denn wir bekamen den Unterrichtsstoff per Ausdruck und mussten uns selbst ein paar Notizen machen und in den Büchern nachlesen. Neben mir waren es noch 4 andere Schüler die an den Stunden teilnahmen.
      Ich konnte mich Anfangs noch sehr gut konzentrieren, aber langsam wurde ich müde und ich schlief mit Musik in den Ohren ein. Mein Kopf legte ich auf meine Arme. Natürlich träumte ich in der Zeit auch wieder von Annalena...
    • Annalena

      Ich saß zwei Reihen schräg vor ihm. Eigentlich war es der perfekte strategische Abstand, um sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Und doch erwischte ich mich dabei, wie mein Blick immer wieder wie von einem Magneten angezogen zu ihm wanderte. Zu der Art, wie er nicht über seinem Block brütete. Wie er manchmal innehielt, den Stift absetzte und den Kopf ganz leicht schräg legte, als würde er einer Melodie lauschen, die nur er hören konnte.
      Einmal, nur ein einziges Mal, drehte er sich halb um und unsere Blicke trafen sich. Es war nur eine Sekunde. Dieses kleine, fast schon private Lächeln, das er mir schenkte, ließ mein Herz diesen unvernünftigen kleinen Hüpfer machen. Oh man... Konzentrier dich, Annalena.
      In der Mittagspause saßen wir wie immer an unserem Stammplatz: Logan, Tessa und ich.
      "Also." begann ich und klappte mein Notizbuch mit einer Bestimmtheit auf, die ich absolut nicht fühlte. "Der Spendenlauf ist in drei Wochen. Wir brauchen noch zwei Streckenposten und jemanden, der die Getränkestation am Ziel koordiniert, bevor das Ganze im Chaos versinkt."
      Tessa nickte eifrig, während sie an ihrem Salat pickte. "Ich kann meine Cousine fragen. Und vielleicht die Mädels aus dem Kunstkurs für die Plakate? Die könnten etwas Farbe in die Sache bringen."
      Ich drehte zufrieden eine Haarsträhne um meinen Finger. "Perfekt", sagte ich, froh über das vertraute Terrain. Listen. Planung. Dinge, zu lösen die nichts mit meinen eigenen Gefühlschaos zu tun hatten... "Moment mal." Tessas Blick wanderte plötzlich zwischen mir und dem anderen Ende der Cafeteria hin und her, dorthin, wo eine Jungen des Fußball-Teams saß. "Hab ich irgendeine wichtige Memo verpasst? So eine Art Sonderausgabe der Schülerzeitung?" Ich blinzelte unschuldig. "Was für eine Memo?" Sie zog eine Augenbraue hoch und legte den Kopf schief. "Na die, in der steht, dass zwischen dir und dem Neuen offenbar..." Sie machte eine vage, fast schon funkenartige Kreisbewegung mit dem Finger in der Luft. "...eine ganze Starkstromleitung glüht." Mein Herz setzte kurz aus. Logan lehnte sich genüsslich zurück, verschränkte die Arme und grinste wie ein Raubtier, das gerade fette Beute gemacht hatte. "Oh, glaub mir, Tessa, du hast gar nichts verpasst. Ich durfte das Live heute Morgen schon begutachten. Ich hätte dir schon früher was gesagt aber... wir waren ja... beschäftigt." Dieser Idiot redete sich um Kopf und Kragen, ich wollte nichts darüber wissen und schon gar nicht weiter aufgezogen werden. "Logan.", zischte ich und versuchte ihn unter dem Tisch zu treten.
      Er ignorierte mich eiskalt. "Und nur mal so nebenbei: Vielleicht war er ja auch der Grund, warum wir gestern statt gemütlich Pasta zu essen, plötzlich zum verhörartigen Pflichtbesuch bei unserer Grandma antanzen mussten, weil unsere Ann im Dienste der Nächstenliebe unterwegs war." Ich schwöre ich schummeln eines Tages Babyfotos von ihm auf die Witzeseite! Aber der Schaden war schon angerichtet. Jetzt half auch der beste Racheplan nichts. Tessa riss die Augen auf und sah mich fassungslos an. "Ann! Ernsthaft?" Ich sprang hektisch auf. "Das war nicht-!" Ich brach ab und merkte, wie meine Wangen unaufhaltsam wärmer wurden. "Das war reiner Zufall. Es war eine Notsituation und damn... habe ich... die Zeit vergessen."
      Logan lachte trocken. "Sicher. Reiner kosmischer Zufall mit strahlenden Augen und einem breiten Kreuz. Passt genau in dein Beuteschema, was?" Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, aber innerlich wusste ich, dass gegen dieses Grinsen kein Kraut gewachsen war. "Wir planen jetzt weiter", sagte ich entschlossen und klappte mein Notizbuch etwas lauter zu als nötig, um das Thema zu begraben. "Spendenlauf. Fokus. Keine Ablenkungen mehr." Ich setzte mich wortlos wieder hin und versuchte mich zu beruhigen indem ich die Hälfte meines Mittags runter schlang. Doch selbst während ich über Laufzeiten und Sponsorenverträge referierte, spürte ich seinen Blick manchmal quer durch den lärmenden Raum. Und jedes Mal reagierte mein Puls schneller, als vorher.
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      Der Nachmittag im Old Oak Roast war wie immer erfüllt vom Duft nach frisch gemahlenen Bohnen und warmem Gebäck. Das gedämpfte Licht, das dunkle Holz und das leise Klirren von Porzellan ... das war mein sicherer Hafen. Hier hatte ich die Fäden in der Hand. Hier wusste ich, wer welchen Kaffee trank und wie viel Trinkgeld ich zu erwarten hatte. "Judy! Ein Cappuccino, extra groß!" rief ich routiniert in Richtung der dampfenden Maschine, während ich ein Tablett mit sicherer Hand balancierte. Routine war mein bester Freund. Lächeln, Bestellung aufnehmen, hinbringen, kassieren, Wechselgeld, Und das ganze wieder von vorne. Manchmal machte ich sich die Bestellungen aber heute war ich im Service. Ich war gerade dabei, mir eine lose Haarsträhne mit dem Handrücken aus dem Gesicht zu schieben, als die Tür aufging. Ein Schwall kalter Luft drang herein, begleitet von einer Geräuschkulisse, die so gar nicht in die gemütliche Atmosphäre passte. Tiefes Lachen, schwere Tritte.
      Und dann sah ich ihn. Ian. Inmitten einer Gruppe von Jungs vom Team. Er wirkte in dieser Umgebung fast schon deplatziert groß, aber gleichzeitig völlig natürlich. Mein Herz schlug sofort einen schnelleren Takt an, noch bevor mein Verstand überhaupt Bestellung aufnehmen! denken konnte.
      Ich zwang mich zu meiner professionellsten Miene, als ich an ihren Tisch trat. "Willkommen im Old Oak Roast. Was darf's sein, meine Herren?" Einer der Jungs beugte sich grinsend vor. "Ist das hier der Laden, in dem unser Star-Spieler Stammgast wird?"
      Ich hob eine Augenbraue und schenkte ihm mein trockenstes Lächeln. "Nun... viele Alternativen zum Rumhängen gibt es in Forks nicht und Star-Spieler bekommen hier genau denselben Kaffee wie alle anderen." Mein Blick glitt wie von selbst zu Ian. Nur einen winzigen Moment länger, als es der Service erforderte. "Und wehe, jemand bestellt etwas mit Sojamilch und drei Sorten zuckersüßem Sirup", fügte ich hinzu, während ich meinen Blick kurz von Ian abwand um drohend in die Runde zu schauen. "Dann verlieren wir hier jeglichen Respekt vor dem Sport." Ein leises Lachen ging durch die Runde. Hoffentlich hatte es jetzt jeder verstanden. Als ich mich vornahm, die Bestellung aufzunehmen, beugte ich mich ein Stück näher zu ihm... gerade so weit, dass meine Worte in dem allgemeinen Gemurmel der Gruppe untergingen. "Also", murmelte ich so leise, dass nur er es hören konnte, während meine Augen in sein Bernstein tauchten, "Ignorierst du mich jetzt professionell vor deinen Fans oder darf ich dir später wieder dein Essen klauen?" Meine Finger strichen beim Entgegennehmen der speckigen Speisekarte ganz leicht über seinen Handrücken. Es war nur ein flüchtiger Hauch, kaum mehr als eine Berührung der Haut, aber es fühlte sich an wie ein elektrischer Schlag. Ein Versprechen für später, wenn die Zuschauer weg waren.
      Als ich mich wieder aufrichtete, war da dieses Kribbeln wieder stärker als der stärkste Espresso, den wir hier servierten.

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    • Ian

      „Mr Black? Hallo hören sie mich?“ Ich spürte ein Rütteln an meinem Arm. Langsam öffnete ich die Augen. „Hm ja?“ „Mr. Black die Stunde ist vorbei sie können gehen.“ Ich schreckte hoch und ein Zettel von den Notizen klebte an meiner Wange und löste sich langsam ab. Ich sah die Lehrerin entschuldigend an. „Tut mir leid.“ „Schon in Ordnung. Seien sie das nächste Mal einfach aufmerksamer.“
      Ich nickte ihr zu. Ich packte meine Sachen ein und verlies die Schule.
      Draußen auf dem Schulhof warteten schon die Jungs von vorhin. „Da ist er ja! Wir dachten schon du kommst nie da raus. Wir wollten dich eigentlich fragen ob du nachher mit uns ins Old Oak Roast gehen möchtest?“ „Ja gerne.“ „Super wir treffen uns dann gegen halb 4?“ Ich willigte ein und schleppte mich nach Hause.
      Dort angekommen lies ich mich auf dem Sofa fallen. Jetzt nur nicht einschlafen.
      Ich döste dennoch ein paar Minuten und schaute dann auf mein Handy. Es war schon bald 15 Uhr. Stöhnend erhob ich mich und stieg unter die Dusche.
      Frisch geduscht und gekleidet schnappte ich mir meine Sachen und lief los.

      Die Jungs warteten schon vor der Tür des Cafés auf mich und ich begrüßte sie. Wir traten ein und ein lecker Duft gemischt aus Kaffee und Gebäck umspielte meine Nase. Wir nahmen Platz und dann schreckte ich kurz zusammen. Mein Blick ging automatisch zu ihr. Ich hatte ganz vergessen das sie hier arbeitet. Nervös schaute ich wieder weg und ich hätte Max für den Kommentar eben eine runter braten können. Stammgast hier zu sein? Bei ihr? Okay so ganz abwegig ist die ganze Sache ja nicht. Schließlich hab ich wieder diese verdammte Herzrasen. „Ich nehme einen Cappuccino und einen Kuchen den du empfehlen kannst.“
      Ihre Augen, ihre Geste und ihr Humor lassen alles um mich herum vergessen.
      Mein Blick blieb wieder an ihr hängen.
      Ihr spürte ihren Atem und konnte ihren unvergleichlichen Duft einatmen und sofort kribbelte mein ganzer Körper.
      Ich lief leicht Rot an. „Ähm sicher.“ Mir hat es die Sprache verschlagen. Doch dann realisierte ich was sie gesagt hatte. Sie will wieder zu mir kommen? Mein Blick huschte von ihr auf meine Hand und ich sah ihr perplex hinterher.
      Max wackelte mit seiner Hand vor mein Gesicht rum. „Erde an Ian.“ Die Jungs lachten, weil mein Gesicht wirklich zum schießen aussah. „Was denn?“ Ich senkte meinen Blick und merkte wie rot ich eigentlich geworden bin. „Na sieh mal einer an dich hat es ganz schön erwischt.“ „Was nein.. ich.. hört auf so einen Blödsinn zu erzählen.“ Die Jungs grinsten vor sich hin.
      Die Bestellung wurde serviert und ich lächelte ihr zu.
      Warum zog sie mich so an?
      Ich lies meinen Blick durch das Café gleiten und war überrascht viel viel Ausstattung es besaß. Neben Billardtischen, Dart und Spielautomaten gab es auch eine Bühne mit Instrumenten. „Sagt mal spielt hier ab und zu ne Band?“ Max sah mich an. „Es treten immer wieder Schüler auf, aber so ne richtige Band gibt es nicht. Ab und so gibt es hier auch Karaokeabende.“ Interessant wie ich fand. Die anderen Jungs grinsten mich an und Kyle konnte sich den nächsten Kommentar nicht verkneifen. „Du willst wohl der netten Kellnerin ein Liedchen trällern.“ Ich bewarf ihn mit meinem Keks den es zum Cappuccino dazu gab. „Spinner“, sprach ich lachend zu ihm.
      Aber eigentlich war die Idee nicht schlecht. Auf der Gitarre zu spielen hab ich ewig nicht mehr gemacht und vielleicht gefällt es dem ein oder anderen ja doch. Ich werde es mir jedenfalls überlegen, der Nachmittag war noch jung.
    • Annalena

      Während ich zurück zum Tresen ging ließ ich meinen Blick über die Inneneinrichtung gleiten, über die kleine Bühne in der Ecke, auf der alte Lichterketten locker um das Mikrofon gewickelt waren, die Billardtische mit den leichten Flecken, den Automaten aus einen ganz anderen Jahrzehnt und die fast kaputte Jukebox in der Ecke. Das Old Oak Roast war kein schickes Innenstadtcafé. Es war gemütlich-chaotisch. Ein bisschen zu laut, ein bisschen zu warm. Aber es lebte. Und gerade wirkte es noch ein Stück lebendiger."Alles okay bei dir, Ann? Du wirkst so... abwesend", raunte mir Judy zu, während ich versuchte, eine neue Bestellung in die Kasse einzutippen. "Nur der übliche Nachmittags-Wahnsinn", log ich und schenkte ihr ein viel zu breites Lächeln. "Soll ich dir helfen die Bestellungen fertig zu machen?" Sie schüttelte den Kopf. "Nein nein. Außerdem ist Louis gleich mit den Besorgungen zurück." Ich seufzte leise. Dann musste ich jetzt wohl weiter professionell sein. Als Judy mir die Bestellungen bereit stellte atmete ich noch einmal tief durch. Ein... und aus... ein... und aus.... Schließlich schnappte ich mir das Tablett, als könnte ich mich dahinter verstecken, bevor ich zurück zu Tisch sieben ging. Ich balancierte ein Tablett mit Cappuccino, zwei Softdrinks, einen Protein-Milchshake, einen belegten Bagel und einem Stück Apfelkuchen durch das Café, als ich schon von Weitem dieses typische Jungs-Gelächter hörte. Ich stellte die Tassen vor ihnen ab. "Ein Cappuccino", sagte ich betont neutral und stellte die Untertasse vor Ian. "Und ein Stück Apfel-Zimt-Kuchen." Den hatte ich erst heute mit Judy gebacken. Ich spürte seinen Blick auf mir, dieses warme Bernstein, das regelrecht auf meiner Haut brannte. Als ich die Tasse vor ihm platzierte, achtete ich peinlich genau darauf, professionell zu wirken, doch meine Hand zitterte ganz leicht. Ian wirkte so verloren in seinem Starren, dass ich unwillkürlich innehalten musste. Ich beugte mich ein Stück tiefer, so als würde ich nur die Kuchengabel zurechtrücken, doch in Wahrheit suchte ich die Nähe, die uns der volle Raum eigentlich verbot. Der Duft von frischem Espresso vermischte sich mit seinem vertrauten Geruch nach Regen und Wald. Für einen Wimpernschlag verharrte ich so nah bei ihm, dass ich die aufsteigende Wärme seines Körpers spüren konnte. "Lass es dir schmecken", flüsterte ich, und mein Blick huschte kurz zu seinen Lippen, bevor ich wieder in seine Augen sah. Ich richtete mich wieder auf, aber mein Blick blieb einen Moment länger auf Ian hängen. Dieses leichte Chaos in seinen Augen, als würde sein Kopf versuchen, mit seinem Herzen Schritt zu halten es war fast... süß. Fast. Die anderen Spieler kicherten wie eine Gruppe Zehnjähriger. Ich hob eine Augenbraue. "Wenn hier jemand einen Lacher auf meine Kosten plant, kostet der nächste Kaffee doppelt." Erst mein bekloppter Cousin und jetzt das! Aber hierfür wurde ich wenigstens bezahlt. "Keine Sorge." grinste einer munter weiter, "wir genießen nur die Show." Ich verschränkte die Arme locker vor der Brust. "Show? Jungs, ihr seid hier in einem Café. Nicht in einer Telenovela." Auch wenn es sich durchaus manchmal so anfühlte. "Also wenn ihr Nichts weiter bestellen wollt..." mit diesen Worten wundert ich ab und kümmerte mich um die umliegenden Tische.
    • Ian

      Eine Telenovela war das sicher nicht. Mir kam es vor wie in einem Traum. Ein Traum aus dem ich nicht mehr aufwachen möchte.
      Die Jungs amüsierten sich auf meine Kosten. Ich warf ihnen einen strengen Blick so. Plötzlich waren sie ruhig und widmeten sich ihren Getränken. Ich gönnte mir einen Bissen von dem Apfel-Zimt Kuchen. Meine Geschmackskosten explodierten in meinem Mund. Er war wirklich köstlich.
      Ich genoss jeden Bissen und die Jungs hielten sich auch zurück.
      Nachdem wir fertig waren machten wir uns dran und spielten eine Runde Billard. Es hat wirklich Spaß gemacht. Wir zogen uns dann wieder an unseren Tisch zurück. Max haute sachte auf den Tisch. „So was haltet ihr davon eine Runde Wahrheit oder Pflicht zu spielen? Um sich einfach besser zu lernen.“
      Ich blickte ihn an und musste schmunzeln. „Aber bitte keine Mutproben oder sonst etwas und die Klamotten bleiben an“, sprach Kyle. Wir waren uns einig wir schrieben Wahrheit oder Pflicht auf Zetteln und legten sie in die Cap von Max.
      Kyle fing an einen Zettel zu ziehen. „Wahrheit.“ Tommy der 4. Kerl im Bunde überlegte sich eine Frage. „Lass mich mal überlegen. Was würdest du machen, wenn du einen Tag lang ein Mädchen wärst?“ Kyle zog eine Augenbraue hoch. Ich musste mir das Lachen verkneifen. Er nippte an seiner Cola. „Gute Frage. Ich würde glaube stundenlang Shoppen gehen, mir die Haare und Nägel machen lassen.“ Die Jungs sahen sich an und lachten los. „Ich hätte jetzt etwas anderes erwartet aber gut.“ „Max halt die Klappe. Ich denke nicht so zweideutig wie du.“ Kyle boxte ihm sanft in den Arm und zwinkerte ihm zu.
      Tommy war als Nächstes dran. „Pflicht.“
      Max sah sich um. „Ich möchte das du dem Mädchen an dem Tisch beim Fenster sagst wie schön sie ist.“ Tommy schluckte. „Du meinst dieses Mädchen?“ Ich blickte auch zu dem Tisch und sah ein blondes Mädchen, welches sich gerade mit einem anderen Mädchen unterhielt. Tommy lief rot an. „Jetzt komm schon ich weiß das du in sie verschossen bist. Also jetzt ist die perfekte Chance.“ Max lächelte ihn an. Tommy schluckte nochmal und stand zögerlich von seinem Platz auf. Wir drei schauten ihm hinterher. Er brauchte zwar ein bisschen aber dann nahm er wirklich allen Mut zusammen und sprach das Mädchen an. Er war verlegen und nervös aber er hatte sich getraut.
      Mit hoch roten Kopf setzte er sich schnell wieder an den Tisch. „Fuck…“ Wir blickten ihn erwartungsvoll an. „Sie will morgen mit mir zu Mittag essen.“ Max haute ihn sanft auf den Rücken. „Na also geht doch.“ „Ich hab mir fast in die Hose gemacht… Aber ich glaube ich habe diesen Anstupser gebraucht. Sonst hätte ich mich nie getraut.“
      Wir stimmten ihn alle zu. Jetzt war Max an der Reihe, der zog Wahrheit. Ich überlegte nicht lange. „Was ist das Peinlichste was dir je passiert ist?“
      „Nun das ist nicht schwer. Mir ist einmal beim Sport die Hose gerissen. Dem Trainer war es egal, ich musste das ganze Spiel so durchziehen. Und natürlich waren da auch ein paar Mädels dabei die zugeschaut haben. Es war sehr unangenehm. Aber ich habe es gekonnt überspielt.“
      Ich stellte es mir bildlich vor und lachte laut auf.
      „Ehhh das ist nicht lustig. Na warte mal sehen was du ziehen wirst Ian.“
      Mein Lachen verstummte. Ich zog einen Zettel und faltete ihn auseinander.
      Mein Blick sprach Bände. „Pflicht.“

      „Mist ich hätte gerne eine Wahrheit von dir gehört. Aber wie dem auch sei dann lass mich mal nachdenken.“ Mein Blick wanderte automatisch zu Annalena. Plötzlich schlug mein Herz wieder höher, ich trommelte nervös mit den Fingern auf dem Tisch herum. Max blickte sich im Café um und dann drehte er sich abrupt zu mir um. „Ich hab es.“ Mein Herz sprang beinahe heraus. Warum war ich so aufgeregt? Hatte ich etwa Angst davor Annalena gegenüber zu treten? Oder sie wohl möglich zu… küssen? Ich biss mir auf die Lippe, bei dem Gedanken daran und versuchte mich wieder auf Max zu konzentrieren. „Ich möchte das du auf diese Bühne gehst und etwas für alle hier spielst.“ Ich sah ihn überrascht an und ich glaube ganz Forks hat gehört wie mir ein Stein von Herzen gefallen ist. Ein großer Felsbrock, trifft es wohl eher. Ich atme tief aus. Max legte seinen Arm um mich. „Das mit der Kellnerin schaffst du schon alleine.“ Ich lief rot an. Konnte er etwa meine Gedanken lesen oder war es so offensichtlich?
      Nachdem ich mich ein wenig beruhigt hatte und auf der Toilette war, machte ich mich auf dem Weg zur Bühne. Ich kündigte mich nicht an oder machte sonst wie auf mich aufmerksam. Nein ich setzte mich auf den Hocker, schnappte mir die Gitarre und fing an zu spielen. Ich lies meine Finger über die Saiten gleiten und stimmte ‚Perfect‘ von Ed Sheeran an.
      Wie von selbst ertönte die Melodie und ich fing an zu singen.
      Ich blendete alles um mich herum aus. Ich war nur ein Junge der Gitarre spielt. Ich war in einer Bubble und genoss es. Es fühlte sich so an als hätte ich nie aufgehört zu spielen.
      Als der letzte Ton erklang, schaute ich dann auf und sah in fröhliche Gesichter. Ein Applaus ging durch das Café was mich selbst lächeln lies. Auch die Jungs jubelten und klatschten.
      Ich stellte die Gitarre ab und meine Augen suchten automatisch nach Annalena.
    • Annalena

      Ich stand hinter der Theke, ein Glas noch halb poliert in meiner Hand, während die ersten Töne von Perfect durch das Old Oak Roast schwebten. Erst dachte ich, irgendeine Playlist wäre angesprungen, die Jukebox war immerhin fast defekt und einen Live-Act hatten wir für heute auch nicht. Nicht an einem x-beliebigen Mittwoch. Doch als ich unbewusst den Klängen zur Bühne folgte, sah ich Ian. Es klang würde er etwas erzählen, das er eigentlich für sich behalten wollte ...und es trotzdem teilte. Mein Blick blieb an seinem Gesicht hängen. An diesem konzentrierten Ausdruck. An der leichten Falte zwischen seinen Brauen. Und dann... mitten im Refrain hob er den Kopf. Seine Augen schauten sich um und fanden meine eigenen. Ich wusste nicht, ob er es absichtlich tat. Aber als sich unsere Blicke trafen, traf mich die Bedeutung der Worte mit voller Wucht. "Darling, you look perfect tonight." Meine Finger sanken langsam mit dem Glas nach unten, bis ich es einfach auf die Theke stellte. Um mich herum wurde es stiller. Selbst das Klirren von Geschirr ebbte ab. Gäste drehten sich um. Gespräche verstummten. Und ich spürte, wie mein Herz sich enger Mein Atem stockte. Hitze stieg mir in die Wangen. Nicht, weil das ganze Café uns sehen konnte. Sondern weil es sich in diesem Moment anfühlte, als würde er nur für mich singen. Ich schluckte, legte eine Hand unbewusst an meinen Hals. Mein Herz schlug so laut, dass ich fast Angst hatte, jemand könnte es hörn. Er war nicht nur der Neue oder der Junge mit den bernsteifarbenen Augen.... Ian war.... -?! Judy stieß mich mit ihren Arm von der Seite an. "Er ist gut", flüsterte sie mit einem wissenden Grinsen. "Fast so gut wie du, wenn du ddie Instrumente einer Mutter rausholst." Ich nickte nur abwesend. Musik lag mir im Blut, ein Erbe meiner Eltern, das ich meistens gut unter Verschluss hielt .... außer Louis stand mal wieder ohne Act da und sah mich mit diesem flehenden Hundeblick an. Doch was Ian da oben machte, war anders. Es war kein bloßes Einspringen; es war ein Geständnis in Moll und Dur. Als der letzte Ton verhallte, setzte der Applaus ein. Die Jungs an seinem Tisch johlten, Louis pfiff anerkennend durch die Zähne, und ich merkte erst jetzt, dass ich die ganze Zeit den Atem angehalten hatte. Ian stellte die Gitarre vorsichtig ab und hob den Kopf. Seine Augen suchten das Café ab, ignorierten das Johlen seiner Freunde, bis sie an mir hängen blieben. Da war es wieder dieses warme Leuchten. Ich löste mich aus meiner Starre und merkte, wie ein zittriges, aber ehrliches Lächeln über mein Gesicht huschte. "Nicht schlecht, Sunnyboy", murmelte ich leise, während ich mir die Kanne mit frischem Kaffee schnappte und zielstrebig auf die Bühne zuging.
      Ich blieb am Rand des Podiums stehen und sah zu ihm hoch. "Sag mal", begann ich scherzhaft und senkte die Stimme, während ich ihn amüsiert musterte. "Wolltest du nicht eigentlich nach Forks ziehen, um ein ruhiges, ganz normales Leben als Highschool-Schüler zu führen? Erst der Star auf dem Rasen und jetzt das? Du ziehst verdammt viel Aufsehen auf dich für jemanden, der eigentlich unter dem Radar fliegen wollte."
    • Ian


      Mein Blick traf ihren und ich konnte ihr funkeln in den Augen sehen. Ihr Lächeln verriet mir das sie es gefühlt hat, genau wie ich es gefühlt habe als ich das Lied gespielt und gesungen habe.
      Sie kam auf mich zu ohne irgendwo Halt zu machen.
      Ich sah zu ihr hinunter und mein Herz machte einen Satz. Verlegen fuhr ich mir durch die braunen Haare. Ich ging von der Bühne um ihr näher zu sein.
      „Das war nicht so geplant.“ Mein Blick ging automatisch zu dem Jungstisch. Die fühlten sich sofort ertappt und tuschelten. Ich schüttelte den Kopf und wandte mich wieder ihr zu.
      „Wir haben eine Runde Wahrheit oder Pflicht gespielt und ich durfte mein Talent unter Beweis stellen. Was die Jungs natürlich nicht wussten ist das ich vor vielen Jahren schon Gitarre gespielt habe. Und anscheinend habe ich es nicht verlernt.“
      Ich strich ihr eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich geh dann wieder zu den Jungs. Wir sehen uns später.“ Ich lächelte sie an und machte mich auf den Weg zurück zum Tisch. Einige Leute jubelten immer noch und auch die Jungs freuten sich über meinen Auftritt. „Wow ich hätte nicht gedacht das du so ein Talent dafür hast.“ sprach Max völlig beeindruckt zu mir. „Tja ist mein geheimes Talent.“ Ich fühlte mich gut, sogar sehr gut. Ich konnte nicht nur die Menschen hier drinnen erreichen, sondern auch Annalena. Das machte mich noch viel glücklicher als so schon.
      Tommy lehnte sich zu mir rüber. „Ich denke die Kellnerin hast du ebenso beeindrucken können wie den Rest hier im Café.“ Ich lies mir nichts anmerken. Sie sollten denken was sie wollten. Ich wusste genau was ich wollte und das war nur sie.
      Auch wenn wir uns noch nicht so gut kennen so haben wir einfach diese eine Verbindung zu einander und ich möchte herausfinden was da zwischen uns passiert. Auch auf die Gefahr hin das ich sie eines Tages verletzen könnte.. Doch ich wollte diese negativen dunklen Gedanken nicht wieder in meinen Kopf lassen. Ich sollte es genießen und mir nicht den Kopf zerbrechen. Zum Nachdenken und Grübeln war später noch genug Zeit.

      Ein paar Softdrinks später verabschiedeten sich die Jungs nach und nach von mir. Max war der letzte von den Jungs. Er legte sachte eine Hand auf meiner Schulter ab. "Wir sehen uns morgen in der Schule und viel Spaß noch mit der Kellnerin." Er grinste mich frech an. "Dir auch einen schönen restlichen Tag. Bis morgen." Ich lächelte ihn an. Max bezahlte unsere Rechnung noch vorne an der Bar und lies die kalte frische Luft von Forks für einen Moment wieder nach drinnen.
      Ich blieb an meinem Platz sitzen, bis der letzte Gast das Café verließ und ich mit Annalena alleine war.
      Dieses verdammte Herz fing plötzlich wieder an wie wild zu schlagen. Ich sah mich im Café um und es war wirklich keiner mehr da außer sie und ich. Ich rückte meinen Stuhl zurück und schnappte mir meinen Becher und ging zur Bar und stellte ihm auf den Tresen ab.
      Ich sah wie sie aufräumte und lehnte mich über den Tresen. "Kann ich dir irgendwie helfen? Ich meine dann bist du schneller von deinen Pflichten befreit." Ein sanftes Lächeln glitt über meine Lippen.
    • Annalena

      Ich hob skeptisch eine Augenbraue. Das hatte ich jetzt echt nicht erwartet. Wahrheit oder Pflicht? Ich konnte nicht anders, als laut los zu kichern. "Habt ihr Jungs eigentlich chronische Langeweile beim Training? Wahrheit oder Pflicht? Ernsthaft, Ian? Ihr führt euch auf wie eine Gruppe Zwölfjähriger auf ihrer ersten Klassenfahrt." Während ich so herzlich lachte, blieb mein Blick an ihm hängen. Er stand dort auf dem Podium, nur einen Schritt von mir entfernt, und das warme Licht der Bühnenstrahler fing sich in seinem Haar, während die restliche Beleuchtung des Cafés bereits gedimmt war. Er wirkte in diesem Moment wie der Mittelpunkt der Welt. Verlegen fuhr er sich mit der Hand durch seine braunen Haare, ein kleiner, unsicherer Reflex, der so gar nicht zu dem selbstbewussten Sportler passte, den sonst alle in ihm sahen. ....Gott, er war wirklich süß. Ein Teil von mir wollte einfach nur stehen bleiben und ihn anstarren, dieses perfekte Chaos in seinen Augen aufsaugen und den Moment einfrieren. Wie in eine Schneekugel. Es fühlte sich an, als würde ich in einem dieser Liebesromane stecken, die Judy so gerne las, nur dass der Protagonist hier direkt vor mir stand und nach einer Mischung aus Regen und Wald roch. Dann hob er die Hand. Ganz langsam. Mein Atem stockte, als seine Fingerspitzen meine Wange berührten. Er schob mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und strich sie mir behutsam hinter das Ohr. Er hielt inne, seine Finger verweilten an meiner Schläfe, und sein Blick wurde so intensiv, dass ich das Gefühl hatte, er könne direkt in meine Seele sehen. Die Welt um uns herum hörte auf zu existieren.Gefährlich! Du solltest doch aufpassen Annalena! schrie eine Stimme in meinem Kopf. Wenn ich jetzt nicht wegsah, würde ich die Kontrolle verlieren. Ich würde das Tablett fallen lassen und vielleicht etwas tun, das ich morgen bereuen würde ....oder auch nicht. Mit klopfendem Herzen und viel zu heißen Wangen löste ich mich aus der Starre. "Ich... ich muss den Kaffee nachschenken", murmelte ich hastig, mehr zu mir selbst als zu ihm. Ich wandte mich abrupt ab und flüchtete mich in die Sicherheit der Routine. Ich steuerte die Tische in der Nähe an, schenkte mechanisch nach und konzentrierte mich mit aller Kraft auf den schwarzen Strahl in den Tassen, während ich spürte, wie sein Blick mir immer noch wie eine warme Berührung im Nacken folgte.

      Ich hatte eine ganze Weile noch genug zu tun um mich abzulenken. Doch langsam nach und nach leerte sich der Gastraum. Schlussendlich war da nur noch Ian. Louis kam aus der Küche geschlendert, den Arm locker um Judys Taille gelegt. Die beiden sahen uns mit einem Blick an, der so voller Belustigung steckte, dass ich am liebsten unter dem Tresen abgetaucht wäre. "Du, Ann?", begann Louis und grinste Ian breit an. "Judith und ich wollten eigentlich noch die Abrechnung machen, aber wir haben uns umentschieden. Wir vertrauen dir den Schlüssel an." Judy kicherte und knuffte Louis sacht in die Seite. "Genau. Wir wollen ja nicht stören. Können wir dich mit deinem persönlichen Minnesänger allein lassen? Es ist ja wohl mehr als offensichtlich, dass der junge Mann hier nur auf dich wartet und du offensichtlich auch nicht gerade unglücklich darüber bist." Erst meine Freunde und nun meine Cheffs? Das war gar nicht gut. "Louis! Judith!", zischte ich, und ich spürte, wie mir die Hitze bis in die Haarspitzen stieg. "Das ist... wir..." Wenn ganz Forks glaubte zu wissen was mit uns los war, obwohl wir es noch nicht einmal so recht wussten, dann wusste es auch bald Lake. "Spar dir die Erklärung.", unterbrach mich Louis zwinkernd, während er sich seine Jacke schnappte. "Schließ einfach ordentlich ab, wenn ihr fertig seid mit... was auch immer ihr hier noch vorhabt... aber lasst das Old Oak ganz. Viel Spaß euch beiden!" Mit einem vielsagenden Blick verschwanden die beiden durch den Vorderausgang, und das vertraute Klingeln der Türglocke ließ uns in einer plötzlichen, fast schon greifbaren Stille zurück. Ich sah Ian an, der noch immer mit diesem sanften Lächeln über dem Tresen lehnte. "Toll. Jetzt halten mich meine Chefs offiziell für die Heldin einer Romanze", murmelte ich, aber ich konnte das Lächeln nicht mehr unterdrücken. "Also.... Wenn du wirklich helfen willst, dann stell da drüben die restlichen Stühle hoch. Je schneller wir hier raus sind, desto eher kannst du mir verraten, ob du außer Ed Sheeran noch mehr Geheimnisse versteckt hast." Ich atmete tief durch und begann, den Bereich hinter dem Tresen sauber zu machen. Ich schnappte mir ein sauberes Tuch und wischte über die glänzende Oberfläche, während ich versuchte, mein rasendes Herz zu beruhigen. Ganz unbewusst, fast ohne es zu merken, fing ich an, eine Melodie zu summen. Es war Whatever von Walk off the Earth, ein Song, den ich liebte, weil er so unbeschwert war. Erst war es nur ein tiefes Summen in meiner Kehle, das im Rhythmus meiner kreisenden Handbewegungen auf dem Tresen mitschwang. Doch die Musik in meinem Kopf wurde lauter, vertrieb die Nervosität und die Hitze in meinen Wangen. Während ich die Siebträgermaschine abwischte, fing ich schließlich an, leise zu singen, kaum mehr als ein Flüstern. Ich vergaß für einen Moment, dass Ian noch immer da war. Mein Körper bewegte sich im Takt, und meine Stimme wurde einen Hauch fester, klarer. "When you're with me, nowhere I'd rather be, yeah-yeah. Whatever, whatever you wanna do. Down for whatever as long as it's you. Ba-ba-dum, ba-ba-dum, ba-ba-dum, yeah-yeah." Ich hielt inne, als ich ein leises Klappern von Stühlen hörte, und sah zu Ian zurück. Ich spürte, wie die Hitze, die gerade erst abgeklungen war, mit voller Wucht zurückkehrte. Um mich zu retten, griff ich nach dem Schlüsselbund, den Louis mir dagelassen hatte, und ließ ihn demonstrativ zwischen meinen Fingern klimpern. "Ich bin mit Musik aufgewachsen, Ian. Das ist wie... wie Fußball für dich. Man kann es nicht einfach abstellen." Wenn ich so tat als wäre es ganz normal beruhigte ich mich sicherlich schneller wieder. Ich sah mich noch einmal um. "Ich glaube... wir sind mit den Pflichtteil so gut wie fertig." Für einen kurzen Augenblick hielt ich inne. Ich traute mich nicht danach zu fragen ob und wie der Abend weiterging. Aber ich wollte auf keinen Fall das er endete.
    • Ian

      Die grinsenden Gesichter von Louis und Judy waren nicht zu übersehen. Ich ein Minnesänger? Nun das war ich keineswegs.. Ich wollte ja auch nicht um ihre Aufmerksamkeit buhlen.. oder etwa doch? Nein es war nur ein harmloses Spiel was die Jungs und ich betrieben haben. Mehr nicht. Auch wenn mein Herz jetzt wieder schneller schlug.
      Ihr Blick traf meinen und ich sah ihr wieder in ihre wunderschönen blauen Augen. Die so blau wie das Meer waren.. in die ich immer tiefer versank. Ich stellte mich wieder aufrecht hin und nickte ihr zu. "Wird gemacht." Ich sah sie überrascht an. Ob ich noch mehr Geheimnisse habe? Ja.. die habe ich in der Tat und ich glaube nicht das du mein größtes Geheimnis wissen willst... "Finde es heraus." Meine Augen verdunkelten sich etwas. Ich sollte meine Aufgabe erledigen um mich abzulenken. Ich ging durchs Café und stellte nach und nach die restlichen Stühle auf die Tische. Dann hörte ich ein leises Summen was sich zu einem leisen Singen entwickelte. Mein Blick ging zu Annalena, die ihr Tuch über die Theke schwang und ein wenig hin und her tänzelte. Ich schüttelnde lächelnd den Kopf und stellte die letzten Stühle nach oben. Ich fühlte mich ertappt als ich ihr wieder zuhörte, denn sie schien es bemerkt zu haben. Ich wandte mich wieder zu ihr und klatschte in die Hände. "Das war nicht schlecht und du brauchst dich dafür auch in keiner Weise zu schämen oder sonstiges. Du hast Talent und deine Stimme ist wunderschön." Mir stieg die Röte ins Gesicht. Ich trat näher an sie heran und nahm ihr den Schlüssel aus der Hand. "Du brauchst nicht so nervös in meiner Gegenwart zu sein. Es reicht schon wenn es einer von uns ist."
      Ich blickte mich um und es schien soweit alles in Ordnung zu sein. Ich beugte mich zur ihr runter und hauchte ihr ins Ohr. "Schnapp deine Sachen und wir verschwinden von hier." Auch ich nahm meine Jacke und zog sie an. Ich warte drauf das Annalena zu mir aufschloss und gab ihr die Schlüssel wieder damit sie absperren konnte. Draußen war es schon wieder Dunkel und ein kalter Wind wehte.
      Ich nahm ihre Hand in meine und zog sie mit mir. Schnellen Fußes liefen wir vom Old Oak Roast durch die Straßen von Forks zu meinem Haus zurück. Für mich stand es außer Frage das sich unsere Wege beim Café getrennt hätten. Nein ich wollte sie um mich haben. Ich wollte das sie mein Haus wieder mit Leben und ihrem Lachen füllt.
      Ich hielt die gesamte Zeit weiter ihre Hand fest, auch als ich die Tür aufschloss. Sofort umhüllte uns warme Luft. Ich schlüpfte aus meinen Schuhen und aus meiner Jacke und wartete darauf das Annalena das Selbe tat. Ich zog sie an der Hand nach Drinnen und führte sie zum Sofa. "Setzt dich doch schon mal." Schnell besorgte ich uns etwas zu Trinken und machte uns wieder ein leckeres Essen in der Mikrowelle warm. Ich stellte die Getränke und Besteck vor ihr auf den Tisch und füllte die Teller mit Essen. Ich stellte die Teller vor uns auf den Tisch und schaltete den Fernseher ein. Mein Blick ging zu ihr und ich sah sie amüsiert an. Ich erhob mein Getränk. "Auf einen schönen zweiten Netflix Abend mit leckerem Essen." Ich stieß mit ihr an. "Guten Appetit." Dieses Mal durfte sie sich etwas aussuchen was wir uns anschauen konnten und so setzte ich mich in den Schneidersitz hin, nahm den Teller auf einen Kissen auf meinen Schoß und aß brav meine Portion. Meine Augen huschten immer wieder zu ihr rüber und dieses Mal war ich schneller und schnappte mir mit meiner Gabel etwas von ihrem Teller. Es war wieder ein unbeschwerter Moment zwischen uns und es fühlte sich einfach unbeschreiblich an.
      Nachdem wir aufgegessen haben, räumte ich das Geschirr ab und machte uns zur Abwechslung ein paar Kerzen an. Ich dimmte das Licht etwas und machte es mir wieder auf dem Sofa bequem. Ich blickte Annalena an und musterte sie wieder. Sie war von Kopf bis Fuß einfach perfekt. Für mich jedenfalls. Und es gab schon genug Mädchen in meinem Leben denen ich über den Weg gelaufen bin, aber keine war so wie sie.. Keine hat mein Herz vom ersten Tag an so verzaubert, wie sie..
      "Komm her." Ich tippte neben mich und zog sie dann mit dem Rücken an meinen Körper, sodass sie sich an mich kuscheln konnte. Ich rückte mich so zurecht das sie bequem halb auf mir lag. Mein Herz schlug unkontrolliert schnell und mir war es egal ob sie es hören konnte. Ich strich ihr sanft über ihre Haare und sah neben dem fernsehen immer wieder zu ihr hinunter.
    • Annalena

      Die kalte Nachtluft von Forks biss in meine Wangen, doch seine Hand in meiner war warm. Viel zu warm. Ich hätte sie loslassen können. Wirklich. Vielleicht beim Abschließen, vielleicht beim ersten Häuserblock. Oder beim zweiten oder den nächsten oder den übernächsten...Tat ich aber nicht. Eventuell, weil ich wissen wollte, wohin das hier führte. Wahrscheinlich aber, weil ich die Art mochte, wie seine Finger sich ganz selbstverständlich mit meinen verschränkten. Als wir vor seinem Haus standen, zögerte ich einen winzigen Moment. Nicht weil ich noch glaubte, dass es ein Fehler wäre. Eher, weil mir bewusst wurde, dass ich diese Schwelle schon einmal überschritten und dass sich seitdem etwas grundlegend verändert hatte. Drinnen schlug uns wohlige Wärme entgegen. Ich schlüpfte aus meinen Schuhen, hängte meine Jacke auf und fuhr mir kurz auflockernd durch die Haare, um die Kälte loszuwerden. "Du führst mich hier ganz schön selbstverständlich rein", murmelte ich leise, mit einen frechen Lächeln auf den Lippen. "Nicht mal eine dramatische Einladung." Aber ich ließ mich von ihm zum Sofa ziehen, auch wenn es mir schwer fiel dort sitzen zu bleiben. Gerade da ich bis vor kurzen selbst Tische bedient hatte. Ich war generell nicht der Typ der lange still sitzen konnte. Es schien Ian jedoch gerade lieber so, also versuchte ich auch mich auf seinen charmanten Rund-Um-Service einzulassen. Als er in der Küche hantierte, lehnte ich mich daher zurück und ließ meinen Blick durch den Raum wandern. Da war das Bücherregal was ich eingeordnet hatte und der alte Plattenspieler.... Es fühlte sich weniger fremd an als beim ersten Mal. Fast vertraut. Fast... zu vertraut. "Mikrowellen-Gourmetküche?", rief ich neckend in seine Richtung. "Ich hoffe, du hast wenigstens die Teller hübsch angerichtet." Als er mit den Tellern zurückkam, hob ich anerkennend eine Augenbraue. "Hmmm... Na gut. Bestanden. Aber für ein saftiges Trinkgeld reicht es noch nicht." Dieser Spruch käme wahrscheinlich viel cooler rüber wenn ich dabei nicht so süßlich kichern musste. Jedoch konnte ich mich wieder zusammenreißen, als mit mein Gastgeber plötzlich ein Getränk reichte und mich wieder einmal vollends aus den Konzept brachte. Etwas perplex blinzelte ich ihn an. "Zweiten? Seit wann führst du Buch darüber? Auf Abend Nummer zwei, du süßer Statistik-Streber." Kaum hatte ich meinen Teller wieder in Position gebracht, spürte ich Bewegung neben mir. Plötzlich war seine Gabel auf meinen Teller. "Ian! Du hast nicht ernsthaft gerade- ... mutig. Wirklich mutig." Ich sah ihn ungläubig an. "Das war mein Part. Du hast gerade das Naturgesetz romantischer Couch-Abende gebrochen." Ich konnte diesen süßen Jungen einfach nicht böse sein. Das strengte ich mich wirklich an. Also entschied ich mich dazu bewusst langsam mit meiner Gabel erst ein, dann zwei Bissen aufzuspießen und sie in einen Zug in meinen Mund zu stecken. Als wir schließlich mit dem Essen fertig waren, ließ ich es mir nicht nehmen auch irgendetwas zu tun. Irgendetwas, das meine Gedanken beschäftigte. Mein Puls war noch immer ein kleines bisschen zu schnell. Deshalb sammelte ich die Gläser ein und brachte sie in die Küche, wo ich sie kurz abspülte und umgedreht auf den Abtropfgitter stehen ließ.
      Als ich zurück ins Wohnzimmer trat, war es ruhiger geworden. Der Fernseher lief zwar noch, aber leise. Das flackernde Licht tanzte über die Wände, mischte sich mit dem warmen Schein der Kerzen. "Du weißt schon, dass das hier gefährlich wird, wenn du dir so Mühe gibst" sagte ich halb im als Scherz, halb ehrlich. Ich blieb neben dem Sofa stehen. Für einen Moment war ich unsicher, wohin mit meinen Händen, also schüttelte ich mir durchs Haar und sah zum Fernseher, als wäre das mein ursprüngliches Ziel gewesen.
      Ich blieb dort bis er neben sich auf das Sofa tippte. Mein Puls beschleunigte sich sofort. Ich zögerte nicht lange, vielleicht zu kurz, und setzte mich direkt neben Ian. "Ohh..." Als er mich mit dem Rücken an sich zog, entwich mir ein leiser Atemzug. Ich spürte seinen Herzschlag durch den Stoff seines Shirts hindurch. Schnell. Unruhig. "Du bist... genauso nervös wie ich", murmelte ich leise, ohne aufzusehen. Ich traute mich einfach nicht. Daher lehnte ich meinen Kopf 'einfach' leicht gegen seine Schulter, während ich spürte, wie seine Finger durch mein Haar strichen. Diese zarte, langsame Bewegung ließ eine Gänsehaut über meine Arme laufen. Der Fernseher flimmerte im Hintergrund, doch ich bekam kaum etwas davon mit. Ich schluckte. "Weißt du, was das Gefährliche an dir ist?", fragte ich nach einer Weile leise. Meine Finger spielten gedankenverloren mit dem Saum seines Shirts. "Du tust so, als wäre das hier alles ganz selbstverständlich." Ich drehte den Kopf ein Stück, sodass ich zu ihm hochsehen konnte. Unsere Gesichter waren jetzt näher. Viel näher als jemals zuvor. "Als wäre es normal, dass jemand in mein Leben platzt, mir Liebeslieder vorsingt, mich einfach an die Hand nimmt…", mein Blick wanderte kurz zu seinen Lippen, nur einen Herzschlag lang, dann wieder zu seinen Augen. "…und es sich plötzlich genau richtig anfühlt." Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern."Wenn das hier ein Traum ist", murmelte ich leise, "dann weck mich nicht." Die Welt da draußen, der Regen, die Schule, sogar die neugierigen Blicke von Louis und Judy, die Komentare von Logan und Tessa alles war verschwunden. Es gab nur noch das sanfte Licht der Kerzen und diesen Jungen, der mich ansah, als wäre ich das Einzige, was er in dieser dunklen Stadt jemals finden wollte.
    • Ian

      "Du hast Recht vielleicht bin ich nervös und das liegt ganz alleine an deiner Anwesenheit." Ich strich weiter über ihren Kopf und mein Herzschlag beruhigte sich kein bisschen. Ich beachtete den Fernseher schon gar nicht mehr. Meine ganze Aufmerksamkeit war auf sie gerichtet. Auf das Mädchen was in meinem Armen liegt. Die Kerzen um uns herum erfüllten den Raum weiter mit Wärme und Geborgenheit. Ich spürte ihren Blick auf mir. Ihre Nervosität, die immer größer wurde. Ich atmete langsam aus und schaute ihr tief in die Augen. Meine Augen verdunkelten sich und ich musste mich zusammen reißen. "Du nennst es gefährlich", flüsterte ich ihr zu "Das Gefährliche ist nicht das ich in dein Leben geplatzt bin. Sondern das ich nicht vorhabe wieder zu verschwinden." Mein Daumen strich ihr über die Wange. "Weißt du was das Gefährliche an dir ist?" Mein Blick huschte zu ihren Lippen und dann wieder zurück zu ihren Augen. "Das du mir das Gefühl gibst angekommen zu sein und glaub mir wenn das ein Traum ist, dann halte ich dich solange fest, damit wir beide nicht aufwachen." Ich wollte nicht das dieser Traum endet. Ich sah es in ihren Augen, dieses Flackern, dieses Funkeln und genau das brachte mich beinahe um den Verstand. Ich wollte mich nicht von ihr lösen oder sie gehen lassen. "Du bringst alles durcheinander", murmelte ich leise und ließ meine Stirn gegen ihre sinken. "Meine Pläne die ich geschmiedet habe, meine Ziele die ich mir gesetzt habe und mich. Du bringst mich durcheinander, Annalena. Du stellst mein Leben gehörig auf den Kopf." Mein Herz schlug immer schneller gegen meine Rippen, als würde es herausspringen wollen oder ihr für immer gehören. Vielleicht trifft ja beides zu. Meine Finger glitten zärtlich von ihrer Wange zu ihrem Nacken. Sanft, prüfend, als müsste ich mich selbst davon überzeugen das sie wirklich hier ist. Das sie real ist und nicht gleich wieder verschwand sobald ich blinzelte. "Hör zu ich habe keine Ahnung was ich hier eigentlich tue." Meine Stimme war rauer und brüchiger geworden. "Aber ich weiß, dass ich genau hier sein will. Mit dir." Meine andere Hand wanderte an ihre Taille und ich zog sie unbewusst noch näher an mich heran. Ich spürte ihren warmen Atem auf meinen Lippen und sie war nur noch wenige Millimeter von meinen entfernt. Ich spürte wie mein Atem stockte, für einen kurzen Augenblick. Nicht aus Unsicherheit, sondern ich erkannte, dass dieser Moment alles verändern konnte. Meine Finger an ihrer Taille spannten sich leicht an. "Du hast absolut keine Ahnung was du mit mir machst", flüsterte ich gegen ihre Lippen. Meine Stirn lehnte immer noch an ihrer und ich strich sanft mit meiner Nase über ihre. "Ich war mir immer so sicher bei dem was ich tue, aber jetzt bin ich so unsicher, wie noch nie." Mein Blick suchte ihren und ich sah wieder dieses Funkeln, dieses vorsichtige Hoffen. Und ich wusste wenn ich jetzt einen Rückzieher machen würde, würde ich es bereuen. Meine Hand in ihrem Nacken zog sie ein bisschen näher an mich heran, damit sie ebenfalls entscheiden konnte, ob sie das auch wollte. Ich möchte nichts überstürzen, sondern ihr das Gefühl geben das ich sie und ihre Entscheidungen respektiere. Leise flüsterte ich ihr zu. "Ich habe Angst, Annalena.. Nicht vor dir, sondern davor, wie wichtig du mir jetzt schon geworden bist." Meine Lippen streifen ihre. Es war kaum mehr als eine kleine Berührung. Es fühlte sich an wie ein Versprechen was ich ihr geben wollte. Dass sie keine Angst haben muss das ich verschwinden werde. Denn das hatte ich nicht vor. Nein, ich bleibe wenn dann richtig ohne einen Rückzieher zu machen. Ich spürte ihre Wärme unter meinen Händen und ich konnte ihren Duft riechen. Es fühlte sich zum ersten Mal gut und richtig an die Kontrolle zu verlieren.

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    • Annalena

      Hier lag ich nun und realisierte, dass mein Traum von gestern Nacht gerade wahr wurde, während Ians Worte mich durchdrangen wie warmer Regen auf ausgetrockneten Boden. Dieser romantische Spinner hatte ja gar keine Ahnung, dass er sich nicht um Kopf und Kragen murmeln musste, damit ich ihm meine ganze Welt zu Füßen legte. Ich spürte seine Stirn an meiner, seinen Atem auf meinen Lippen, aber auch seine Unsicherheit, die so ehrlich war, dass sie mir den Boden unter den Füßen wegzog.
      Ehrlich gesagt verstand ich nur die Hälfte von dem, was er da gerade flüsterte. Mein Herz hämmerte mittlerweile so ohrenbetäubend laut, dass es jedes andere Geräusch im Raum schluckte. Ich war zu keinem klaren Gedanken mehr fähig. Die rationale Annalena hatte sich längst in die hinterste Ecke meines Bewusstseins zurückgezogen und den Schlüssel weggeworfen. In diesem atmosphärischen Augenblick gab es kein Gestern und kein Morgen, nur das flackernde Kerzenlicht und die Hitze, die von ihm ausging. Ich hob die Hand und legte ihm sanft einen Finger auf die Lippen, um den Redeschwall zu stoppen. "Ian..." hauchte ich seinen Namen, kaum mehr als ein Seufzen, das in der Stille des Raumes verhallte. Mehr nicht, sonst wäre der Moment verraucht und er hatte ja schon genug gesagt.
      Meine Lippen fanden seine. Sie waren weich, ein wenig rau von der Kälte draußen, und sie schmeckten nach der Zitronenlimonade, die wir gerade erst getrunken hatten. Die körperliche Nähe war berauschend. Ich spürte die harten Muskeln unter seinem Shirt, die Wärme seiner Haut und den Duft nach Wald, Regen und einer ganz eigenen, maskulinen Note, die nur ihm gehörte. Seine Brust hob und senkte sich gegen mich. Seine Wärme drang durch jeden Stoff, als gäbe es keine Barriere zwischen uns. Meine Finger krallten sich in sein Shirt, nicht aus Unsicherheit, sondern weil ich mich vergewissern musste, dass er real war. Dass das hier kein Traum wie gestern Nacht war, aus dem ich gleich hochschrecken würde. Ich küsste ihn, bis mir die Lunge brannte, bis die Welt vor meinen Augen zu verschwimmen begann und ich mich schließlich leise keuchend von ihm lösen musste, nur um überhaupt wieder Luft zu bekommen.
      Ich sah ihn liebestrunken an, ein verspieltes, fast schon berauschtes Lächeln auf den Lippen, unfähig, auch nur eine Silbe herauszubringen. Wer hätte das gedacht?
      Meine Augen wanderten über jeden Zentimeter seines Gesichts, ich wollte diesen Augenblick so fest halten, wie er mich gerade hielt. Ich prägte mir alles ein: die kleinen Fältchen um seine Augen, die Art, wie das Kerzenlicht in seinem bernsteinfarbenden Blick tanzte und den Schatten, den es auf seinen markanten Wangenknochen brach. Die leichte Rötung auf seinen Wangen verriet mir, dass ich ihn genauso aus der Fassung gebracht hatte wie er mich. Seine Lippen waren leicht feucht und zitterten kaum merklich. Ein paar Strähnen seines Haares waren durcheinander geraten ... wegen mir(ups).
      Schließlich richtete ich mich mit einer fließenden Bewegung auf. Ich fuhr mir durch mein eigenes Haar, schüttelte es leicht zurück und atmete noch einmal tief ein, bevor ich mich drehte und mich rittlings auf seinen Schoß setzte. Meine Knie schmiegten sich an seine Hüften, meine Arme glitten ganz von selbst um seinen Nacken. Meine Finger verschränkten sich dort, spielten nervös miteinander, obwohl ich versuchte, souverän auszusehen. Ich beugte mich ein kleines Stück näher. "Du bist gemein", flüsterte ich bittersüß, während meine Stirn fast wieder die seine berührte. "Mir solche Vorwürfe zu machen… und keinen Deut besser zu sein." Ein freches Grinsen stahl sich auf mein Gesicht, während meine Daumen sanft über seine Nackenlinie strichen. "Du hast dich in mein Leben geschlichen und alles auf den Kopf gestellt, ohne auch nur einmal um Erlaubnis zu fragen. Und das Schlimmste daran?" Ich hielt inne, mein Blick suchte seinen und diesmal wich ich nicht aus. "Ich würde dich nicht mal aufhalten, wenn ich könnte." Ich lächelte schwach. Es war mehr ein Zittern, das irgendwo zwischen Überforderung und Glück steckte. Ich ließ meine Stirn wieder gegen seine sinken. Unsere Nasen streiften sich leicht, mein Atem vermischte sich mit seinem. "Ich mag es nämlich", gestand ich schließlich. "Dieses Durcheinander. Dieses Nicht-Wissen. Dieses Herzklopfen, das einfach nicht aufhört. Du hast zwar nicht gefragt, aber vielleicht hätte ich sowieso Ja gesagt." Ich lehnte mich ein Stück zurück, nur weit genug, um ihn ganz ansehen zu können. Mein Blick wurde viel zu schnell, viel zu weich sobald ich diesen durch und durch berauschenden Jungen ansah. "Also beschwer dich nicht, wenn ich jetzt bleibe. Wenn ich mich genauso dreist in deinem Leben breit mache. Denn ich habe nicht vor, das hier halb zu machen." Meine Lippen schwebten wieder gefährlich nah über seinen. Für einen HHerzschlag lang blieb alles still. Kein Wind, kein Fernseher, kein einziger Gedanke in meinen Kopf. Ian und ich. Ich konnte nicht anders, diesmal küsste ich ihn langsamer. Bewusster. Ohne die Dringlichkeit von eben, weil ich fürchtete den richtigen Moment zu verpassen. Als ich mich wieder löste, blieb ich dicht bei ihm. "Siehst du...?", hauchte ich mit einem leichten Lächeln, "Wir sind beide schuld." Ich wusste zwar immer noch nicht genau, wohin das mit uns führte, aber solange Ian derjenige war, der mich an der Hand hielt, war mir der Weg völlig egal.
    • Ian

      Mir war nicht mehr bewusst was ich alles zu ihr gesagt hatte, irgendwann hatten meine Worte aufgehört, Sinn zu ergeben. Ich dachte nicht darüber nach, sondern lies es einfach geschehen. Ihr Finger auf meinen Lippen fühlte sich warm an. Ihr Blick war vollkommen auf mich gerichtet. Das Flüstern meines Namens bereitete mir Gänsehaut. Ich könnte schwören das mein Herz gerade ausgesetzt hat.
      Und dann küsste sie mich.. Für einen winzigen Moment war ich überrascht darüber, doch ich lies es geschehen. Meine Augen schlossen sich.
      Ihre Lippen waren warm, entschlossen und sie zögerte kein Bisschen. Ihre Finger spürte ich in meinem Shirt, wie sie mich festhielt, als könnte ich einen Rückzieher machen. Meine Hand an ihrer Taille zog sie automatisch noch näher an mich heran. Die Zitronenlimonade auf ihren Lippen schmeckte zuckersüß. Das flackernde Licht der Kerzen, das ich selbst durch meine geschlossenen Augen wahrnahm, störte mich nicht. Ihr Atem, brachte meinen Rhythmus durcheinander. Ich küsste sie zögerlich zurück.
      Unsere Lippen lösten sich voneinander und sie musterte mein Gesicht aufmerksam, dass ich fast versucht war meinen Blick zu senken. Nicht weil mir das unangenehm war oder ich irgendetwas davon bereue, nein einfach weil mich noch nie jemand zu vor so angesehen hat, wie sie. Jede kleine Regung, jede Unsicherheit und jegliche Emotion konnte sie in meinem Gesicht sehen.
      "Du bringst mich um den Verstand", murmelte ich beinahe heiser. "Deine Blicke machen mich wahnsinnig."
      Ich schloss für einen kurzen Moment wieder meine Augen. Ich prägte mir ihren Geruch ein, als würde er mich an diesen besonderen Moment für immer erinnern. "Weißt du ich habe Angst gehabt das ich mir das alles einbilde, das ich der einzige bin der hier den Verstand verliert." Meine Augen öffneten sich wieder und ich konnte fühlen wie meine Wangen wärmer wurden.
      Ich beobachtete sie wie sie sich aufrichtete und ihre Haare zurechtrückte. Doch als sie sich ohne zu zögern auf meinen Schoß setzte, vergaß ich für einen kurzen Augenblick wie Atmen funktioniert. Ihre Knie an meinen Hüften, ihre Arme um meinen Nacken schlossen mich vollkommen ein. Ihr kleines verräterische Spiel mit ihren Fingern, zeigte mir wie nervös sie wirklich war. Auch wenn sie versuchte souverän zu sein und das machte mich wahnsinnig.
      Ich zog eine Augenbraue nach oben und ein schiefes Grinsen legte sich auf meine Lippen, auch wenn mein Puls vollkommen außer Kontrolle war. "Ich bin gemein?", murmelte ich leise zu ihr. "Du bist diejenige die mir die Luft zum Atmen raubt." Mein Körper reagierte sofort auf ihre Berührung an meinen Nacken. Ich schluckte. Ihr Geständnis das sie mich nicht aufhalten würde, selbst wenn sie es könnte, traf mich tiefer als ich erwartet hatte. Das Zittern in ihrem Lächeln, war vollkommen echt. Sie spielte kein Spiel mit mir. Sie wollte es genau so wie ich es wollte. Meine Hände legten sich fester an ihre Taille. Mein Blick suchte ihren. "Ich bin nicht in dein Leben geschlichen, ich bin förmlich hineingestolpert, und ich bereue keinen einzigen Moment."
      Ein sanftes Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als sie mir bestätigte das sie nicht vor hat, halbe Sachen zu machen.
      Ihr Kuss fühlte sich nun anders an als davor. Ich spürte förmlich wie entschlossen sie war.
      Als sie sie von mir löste und gestand das wir beide Schuld an der Sache haben. Zog ich sie noch näher an mich heran, sodass kein Raum mehr zwischen uns blieb. Die Hitze strömte durch meinen ganzen Körper. Ich stupste ihre Nase mit meiner an. "Und das du bleibst, liegt nicht daran das du dich in mein Leben einnistest, sondern weil ich dich hier haben will."
      Ich strich ihr zärtlich über ihre Wange. "Ich rede zu viel, oder?" Ein leichtes Grinsen umspielte meine Lippen.
      Mein Herz klopfte wieder schneller. Dieses Mal küsste ich sie, stürmischer, forschender, als zuvor. Ich drückte ihren Körper gegen meinen und ich wollte einfach nicht das dieser Traum jemals endet.

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    • Annalena

      Nach diesen intensiven Augenblick war das zarte Gefühl von seinen Fingern auf meiner Wange so beinah überwältigend. Seine Fingerkuppen waren wie ein leises Versprechen auf meiner Haut, und als er mit diesem unverschämt charmanten Grinsen murmelte, ob er zu viel rede, wollte ich ihm eigentlich sagen, dass seine Stimme das Einzige war, was ich gerade hören wollte. Doch Ian gab mir keine Chance für eine ehrliche Antwort. Sein nächster Kuss war kein vorsichtiges Tasten mehr, er war stürmisch, forschend und irgendwie etwas besitzergreifend. Irgendwann wandelte die stürmische Leidenschaft in einen sanften Ausklang. Wir lösten uns nicht voneinander, sondern sanken gemeinsam tiefer in die Kissen, bis das anfängliche Prickeln einer schweren, glücklichen Müdigkeit wich. Ich kuschelte mich in seinen Arm, meinen Kopf auf seiner Brust, und lauschte seinem Herzschlag, der allmählich ruhiger wurde. In dieser schläfrigen, glückstrunkenen Geborgenheit driftete ich weg, während der Regen von Forks leise gegen die Scheiben trommelte. Ich fühlte mich sicher, angekommen und vollkommen high von seiner Nähe, bis ich mit dem sanften Rauschen seines Atems im Ohr schließlich in einen tiefen Schlaf glitt. Als ich am nächsten Morgen die Augen aufschlug, brauchte ich eine Sekunde, um zu realisieren, dass das hier kein Traum war. Das Licht des frühen Tages blitze durch die Vorhänge und tauchte das Zimmer in ein weichen Schein. Und da war er... Ian. Direkt vor mir. So nah bei ihm zu sein, seine zerzausten Haare zu sehen und die vertraute Wärme zu spüren, fühlte sich surreal an. Der Junge, in den ich hoffnungslos verliebt war, war das Erste, was ich heute sah. Allein der Gedanken reichte aus um mir beinah wieder die Sinne zu rauben. Ich löste mich nur ungern aus der wohligen Wärme, aber ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass die Zeit in Forks leider nicht stehen geblieben war. Im Badezimmer angekommen, starrte mir ein ziemliches Chaos aus dem Spiegel entgegen. Meine Haare waren vom gestrigen Abend völlig zerzaust... ein direktes Resultat von Ians Fingern, die darin vergraben gewesen waren. Ein unwillkürliches Grinsen stahl sich auf meine Lippen bei dem Gedanken daran, wie er mich angesehen hatte. Mit geübten, fast schon mechanischen Griffen bändigte ich das Durcheinander. Ich entschied mich für etwas Verspieltes, das trotzdem hielt: Ich flocht mir zwei lockere, freche Pancake Braids. Ich begann direkt an den Schläfen und zog die Windungen der Zöpfe anschließend vorsichtig auseinander, bis sie groß und flach wirkten, eben wie kleine Pfannkuchen. Ein paar einzelne, lockere Strähnen ließ ich absichtlich herausfallen, um mein Gesicht einzurahmen. Es sah mühelos und süß aus, genau die richtige Mischung aus 'frisch fertiggemacht' und 'ich bin gerade erst aus Ians Armen aufgestanden'. Ein kurzer Spritzer kaltes Wasser, ein wenig Lippenpflege, und ich fühlte mich bereit für die Welt da draußen, auch wenn mein Inneres immer noch Purzelbäume schlug. Ich kehrte ins Wohnzimmer zurück, wo Ian immer noch wie ein gestrandeter, aber extrem gut aussehender Fußballer auf dem Sofa lag. Er wirkte so friedlich, dass es fast ein Verbrechen war, ihn zu stören. Ich trat an ihn heran und beugte mich über ihn, sodass die Enden meiner Zöpfe leicht seine Wangen streiften. "Hey, Romeo. Aufwachen." raunte ich und rüttelte ihn sanft an der Schulter. Ich konnte nicht widerstehen und drückte ihm einen federleichten Kuss auf die Nasenspitze. "Wir haben zwar die erste Stunde frei, aber wenn wir nicht vollkommen den Anschluss verlieren wollen, müssen wir auch langsam in die Gänge kommen." Wenn er nicht langsam aufstand konnte ich den Drang nicht wiederstehen, wieder neben ihn zu krabbeln. "Außerdem habe ich langsam Hunger." Ich musste schmunzeln, hielt aber sofort für einen Herzschlag inne als ich seinen Blick kreuzte. Schlussendlich lächelte ich verlegen und zwirbelte eine der losen Strähnen um meinen Zeigefinger. "Ich habe mir gedacht, wir könnten Frühstück bei der kleinen Bäckerei am Marktplatz holen. Die haben nicht nur die beste heiße Schokolade der Welt sondern auch göttliche Zimtachnecken." Ich sah ihn mit schräg gelegtem Kopf an, während er sich langsam aufrichtete und sich verschlafen mit einer Hand durch die Haare fuhr. Das Grinsen, das er mir schenkte, ließ meine Knie schon wieder weich werden, noch bevor der Tag richtig angefangen hatte. "Bevor du jetzt ins Bad verschwindest und versuchst, wieder wie ein zivilisierter Mensch auszusehen.", fing ich an und biss mir amüsiert auf die Unterlippe, "Kann ich mir einen von deinen Hoodies leihen? Ich... ich brauche etwas Gemütliches und Warmes für den Weg zur Bäckerei." Während er sich schließlich aufraffte und im Badezimmer verschwand, schlich ich rüber. Es dauerte nicht lange, bis ich fündig wurde. Da hing er ein tiefroter Oversize-Hoodie aus schwerem, weichem Stoff. Ich zog ihn mir über den Kopf und versank förmlich darin. Der vertraute Duft nach seinem Duschgel und diesem Hauch von Wald und Regen umhüllte mich sofort wie eine warme Umarmung. Ich trat vor den großen Spiegel und betrachtete das Ergebnis. Er war mir natürlich viel zu groß, die Ärmel schluckten meine Hände komplett. Aber ich wusste mir zu helfen. Mit geübten Handgriffen krempelte ich die Ärmel weit hoch, bis meine Handgelenke frei waren, und steckte den dicken Saum vorne locker in den Bund meiner High-Waist-Hose. Ich schnappte mir meinen schmalen, schwarzen Gürtel und fixierte den Look so, dass der Hoodie lässig über den Bund schoppte. Es sah überraschend modern und irgendwie elegant aus, ein perfektes Zusammenspiel zu meinen locker geflochtenen Pancake Braids. Ich strich den Stoff glatt und konnte mir ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen. "Eigentlich ist Rot ja total meine Farbe....", murmelte ich mein Spiegelbild an. Das dunkle Rot ließ meine Haut strahlen und bildete einen tollen Kontrast zu den rot-brauen Strähnen, die aus meinen Zöpfen fielen. Als Ian aus dem Bad kam, bereits etwas wacher und mit diesem glitzernden Etwas in den Augen, merkte ich, wie ich unter seinem Blick wieder verlegen wurde, und zupfte nervös an dem weichen Stoff an meiner Taille. "Steht mir, oder?", fragte ich frech, um meine Unsicherheit zu überspielen, und drehte mich einmal im Kreis, wobei meine Zöpfe leicht mitwippten. "Betrachte es als Leihgabe auf unbestimmte Zeit. Und jetzt los, Sunnyboy! Wenn wir uns nicht beeilen, schnappt uns jemand die letzten Zimtschnecken vor der Nase weg."