Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • Lewis schien genauso viel Spaß an diesem Ort zu haben, wie Santi. Diese Tatsache beflügelte ihn auf eine ganz neue Weise.
      Er tanzte mit Lewis, tanzte mit den Leuten in ihrer direkten Umgebung. Aber schlussendlich zog es ihn immer wieder zurück zu dem Streuner, der ihn zwischenzeitlich beinahe schon als Stripperpole benutzte. Santiago beschwerte sich nicht. Er wehrte sich auch nicht, als der Streuner ihn an sich zog und ihn mit genug Schwung küsste, als seien sie zwei Planeten, die aufeinandertrafen. Beinahe instinktiv schlang er seine Arme um den schlanken Körper, presste jeden Zentimeter von Lewis an sich.
      Die Drinks waren beinahe vergessen - aber nur beinahe. Während sie weiter tanzten, sich von der Musik und der Stimmung treiben ließen, navigierte Santiago sie irgendwie doch durch den Raum bis rüber zur Bar. Dort wurde passenderweise gerade einer der heiß begehrten Barhocker frei, und Santi verschwendete keine Zeit. Er setzte sich direkt und zog Lewis ungeniert auf seinen Schoß - seine "Rache" für den Klaps auf den Hintern. Nicht, dass er sich darüber beschweren würde.
      "Bestell was großes - auf Ex! Wer schneller trinkt!" forderte Lewis.
      "Ich weiß was besseres!" gab Santi zurück und wandte sich der Barkeeperin zu.
      Da es hier drin so unendlich laut und verbale Kommunikation beinahe unmöglich war, hatte irgendjemand die brillante Idee gehabt, die Cocktailkarte mit Bildern auf den Tresen zu drucken. Beziehungsweise auf Bildschirme zu werfen, die unter dem Gläsernen Bartresen vor sich hin plakatierten.
      Santi deutete auf einen goldenen Drink, der in einem Shotglas serviert wurde, und hielt vier Finger in die Höhe. Dann deutete er auf einen tropisch wirkenden Blick, der in einem großen Glas serviert wurde, und hielt zwei Finger in die Höhe. Die Barkeeperin nickte und machte sich an die Arbeit. Hinter der Bar standen vier Leute - einer von ihnen war nur dafür da, die Zutaten für die Drinks aufzufüllen, damit die drei Mixer ihrer Arbeit ungehindert nachgehen konnten. Selbst die Barkeeper hier veranstalteten eine Show mit ihren Jonglier-Skills. Santi ergriff Lewis' Kinn, küsste ihn kurz, dann wandte er das Gesicht des Streuners der Barkeeperin zu, die gerade loslegte, ihre Shots zuzubereiten. Es war ein Spektakel.
      Als vier kleine Shotgläser vor ihnen standen, alle gefüllt mit einem Drink, der sich Liquid Gold nannte, drückte Santi dem Streuner eines der Gläser in die Hand, bevor er sich selbst eins nahm.
      "Damit scheißt du morgen im wahrsten Sinne des Wortes Gold," brüllte er über den dröhnenden Bass hinweg, bevor er mit Lewis anstieß, das Glas an seine Lippen ansetzte, und dann den Kopf in den Nacken warf.
      Liquid Gold war ein hochprozentiger Shot mit einer winzigen, versteckten Fruchtnote. Das Gold in dem Drink war essbar, aber unverdaulich, weswegen es genauso rauskam, wie es reinging.
      Santi stellte sein Glas umgedreht auf den Tresen zurück und griff nach seinem zweiten Shotglas.
      "Mund auf, callejero!" forderte er von Lewis, bevor er ihm den Shot in den Mund schüttete.
      Das letzte Shotglas kippte er weg wie sein erstes. Im gleichen Moment wurden ihre großen Drinks serviert. Santi schob Lewis von seinem Schoß und griff sich sein Glas. Da die Tanzfläche kein sicherer Weg für ihre Drinks war, zog er Lewis am Rand des Raumes entlang bis sie die VIP Lounge wieder erreichten, wo sich Santiago auf das gepolsterte Ledersofa sinken ließ.
      Er liebte diesen Ort. Hier gab es keine Angst. Niemand in diesem überfüllten, stickigen Raum fürchtete sich vor irgendwas. Es gab nichts, in das seine Magie ihre Zähne hätte schlagen können, wenn sie denn gewollt hätte. Gesättigt wie sie war, und an diesem Ort, konnte sich Santiago endlich normal fühlen, wenn auch nur für ein paar Stunden. Das würde er sich nicht nehmen lassen. Im Gegenteil.
      Er suchte den Augenkontakt mit Lewis, dann griff er in die Tasche seiner Jacke, die neben ihm lag. Er förderte eine kleine Plastikbox zu Tage, die Schwarzlichtfarbe enthielt. Er drückte sie Lewis mit einem Grinsen in die Hand, dann zog er sich sein Shirt über den Kopf und enthüllte seine Tattoos. Viele von ihnen waren nur feine Outlines mit Dot Shading, was ihn zu einem wandelnden Malbuch machte.
      Noch immer grinsend lehnte sich Santi zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Und ja, vielleicht spannte er seine Muskeln auch ein bisschen an, als er Lewis' Blick sah.


    • Santiago wusste etwas besseres und er hatte auch etwas besseres, wie er mit vier goldenen Shots - zwei für jeden - präsentierte. Lewis hatte zwar keine Ahnung, was Liquid Gold sein sollte, aber der Name und das Bild sahen spannend genug aus, dass es genau sein Ding sein würde. Er machte es sich derweil auf Santiagos Schoß redlich bequem, der zwar groß genug war, um auch Platz zu finden, ihn aber trotzdem gleichzeitig gegen den Tresen presste. Das machte Lewis ganz und gar nichts aus, der schon zugedröhnt genug war, um seine Umgebung gar nicht mehr als solche wahrzunehmen. Es war viel eher eine Abfolge von Bildern, in denen er mittendrin steckte.
      Die Shots wurden ausgeteilt, die Männer prosteten sich zu und kippten das Zeug herunter, das im Hals glühte und ein prickelndes Gefühl im Magen aussandte. Lewis hatte Santiagos Worte für einen Scherz gehalten, weshalb er hellauf lachte, bevor der andere ihm das zweite Shotglas vor den Mund hielt. Da legte er den Kopf weit in den Nacken und streckte die Zunge aus, um den zweiten Shot zu empfangen. Er prickelte mindestens genauso sehr wie der erste und machte ihn diesmal im Kopf ganz schwummrig.
      Genau das war ja auch das Ziel gewesen. Lewis grinste seinen Begleiter und gleichzeitig die pulsierenden Bäume in seinem Blickfeld an.
      Sie schnappten sich ihre beiden verbliebenen Drinks, ließen die Bar hinter sich und kämpften sich zurück zur Lounge durch, was nun mit zwei Shots und einer Line intus wesentlich kniffliger war. Wieder war es Santiago, dessen Hand Lewis niemals los ließ und ihn erfolgreich zur anderen Seite des Raumes mitzog.
      Sie fanden zurück zu ihrer kleinen Sitznische, wo sie ihre Getränke abstellten, als Santiago schon eine kleine Box zum Vorschein brachte. Lewis beobachtete ihn neugierig dabei, als er die Schachtel verheißungsvoll öffnete und sie ihm in die Hand drückte, bevor er sich ein Stück aufsetzte und sich das Shirt über den Kopf zog. Seine vielen geschmeidigen Tattoos kamen zum Vorschein und als der Mann sich mit einem Grinsen zurücklehnte und die Arme hinter dem Kopf verschränkte, klickte es bei Lewis erst. Der machte ein völlig euphorisches Gesicht, als er die Intention begriff und setzte sich gleich selbst auf.
      "Echt?!"
      Der Blick des Mannes sagte schon alles aus. Da lachte Lewis begeistert und saß im nächsten Moment schon rittlings in seinem Schoß, mit Farbe bewaffnet. Auch, wenn der andere es anstandslos zuließ, hätte er Lewis wohl niemals aufhalten können. Der war viel zu begeistert von der Gelegenheit, seine prächtigen Muskeln zu bemalen, als dass er sich davon hätte abbringen lassen können.
      Also war er in den nächsten zehn Minuten damit beschäftigt, Santiagos beide Arme in künstlerische - fand er zumindest - Landschaften zu verwandeln, ehe er auch auf seine Brust zu kritzeln begann und weiter abwärts wanderte. Seinen Rücken wollte er sich für später aufheben. Santiago hielt ihn nicht auf, höchstens wenn er ihn beim Bemalen kitzelte, was Lewis mit voller Absicht tat. Es war zwar düster in der Krypta, aber hell genug, dass er einen herrlichen Ausblick darauf hatte, wie Santiagos Muskeln unter seinen Fingern sich bewegten und zuckten. Er war jetzt schon völlig scharf darauf.
      Unterhalb seines Bauchnabels, in ein Geflecht aus Haaren, das weiter abwärts führte, schrieb er lachend und glucksend in seinem langsam berauschten Zustand: EIGENTUM VON LEWIS mit einem Pfeil nach unten. Danach warf er die Farbe beiseite, kletterte wieder nach oben auf seinen Schoß und drückte sich an den von ihm verewigten Körper. Das gefiel ihm. Goliath, der von David zu Fall und gebrandmarkt worden war.
      Er küsste ihn, knapp aber leidenschaftlich auf eine Weise, wie sie nur Drogen richtig ausdrücken konnten, bevor er sich nach hinten lehnte und sein Hemd aufriss. Mittlerweile war es ganz schön heiß dort unten geworden und er war froh, dass er die Hitze so einfach ein wenig lindern konnte.
      "Pass auf!"
      Er lehnte sich zurück zum Tisch, bis er sein Glas zu fassen bekam, und rutschte auf Santiagos Schoß zurecht. Verheißungsvoll grinste er ihn an, dann lehnte er sich zurück, stützte sich mit einer Hand auf seinem Knie ab, setzte das Glas an seinen Lippen an, warf den Kopf zurück und kippte es in vier riesigen Schlucken hinab. Der Drink floss ihm gleich in die geöffnete Kehle, leerte sich in Rekordzeit von dem Glas und schwappte auch über seinen Mundwinkel, rann über sein Kinn, seinen Hals, seine Brust hinab. Wenigstens war er schön kühl. Lewis trank aus, knallte das Glas zurück auf den Tisch und schüttelte den Kopf, dass seine Haare nur so flogen. Für ein paar Sekunden drehte sich alles und er konnte gar nichts sehen als seine verfluchten Bäume, dann hatte er sich wieder einigermaßen gefangen.
      "Fuck!"
      Er krallte sich an Santiagos Schulter fest, dann lachte er.
    • Es war nicht das erste Mal, dass Santiago jemandem erlaubte, seine Tattoos auszumalen. Deswegen hatte er die kleine Box ja überhaupt erst. Er war mal mit einer Flugbegleiterin auf einen Rave gegangen. Sie war schon eingedeckt gewesen in die bunten Neonfarben und dann, auf dem Rave, hatte sie die Entscheidung getroffen, dass Santiago zu langweilig aussah. Also hatte sie ihn einfach angemalt. Er hatte irgendwie Gefallen daran gefunden, wie er im Dunkeln unter dem Schwarzlicht leuchtete. Wenn er also jemanden mit in einen Club nahm, in dem er die Möglichkeit für solche Spielereien hatte, dann bot er seinen Begleitungen die Option an. Es war ja auch irgendwie ziemlich heiß.
      Der Meinung schien auch Lewis zu sein, als er lachend eine Warnung an den Rest der Partygänger auf seinen Unterleib schrieb. Santi schielte an sich hinab, grinste als er die Buchstaben sah und erwiderte dann den Kuss. Er wollte mehr, wollte den Kuss vertiefen, doch Lewis hatte andere Pläne.
      Die Aussicht hätte kaum besser sein können. Santi beobachtete ganz genau, wie sich Lewis Kehlkopf auf und ab bewegte, während er seinen Longdrink in einen Shot verwandelte.
      "Allerdings," erwiderte er auf den Fluch von Lewis hin.
      Er schlang einen Arm um Lewis Hüfte und beugte sich vor, um die entwischten Tropfen des Cocktails auf Lewis Oberkörper mit seiner Zunge einzufangen. Er leckte Lewis über den schlanken Bauch und die kräftige Brust, wobei er definitiv nur ganz aus Versehen über einen von Lewis Nippeln leckte, bevor er sich seinen Weg Lewis' Hals hinauf suchte.
      "Das machst du doch mit Absicht," beschuldigte er Lewis grinsend, bevor er den Streuner in einen weiteren Kuss verwickelte.
      Mit dem Arm, den er um Lewis Hüften gewickelt hatte, drückte er ihn enger an sich, drückte ihn an seinen Schritt. Wenn jetzt noch irgendwelche Zweifel daran bestanden, was Santiago heute Nacht noch machen wollte außer feiern, dann war Lewis wirklich ein absolut hirnloser Idiot. Aber Santi war sich ziemlich sicher, dass Lewis ganz genau wusste, wohin sie diese Nacht noch führen würde.
      Er stand auf und hob Lewis auf den Tisch, als er den Kuss löste. Er griff sich seinen eigenen Drink und grinste. Dieses Spiel konnten zwei spielen.
      Santi zwinkerte Lewis zu, dann setzte er seinen eigenen Drink an. In langen, großen Zügen leerte er seinen eigenen Cocktail, ohne auch nur einen Tropfen entkommen zu lassen oder den Blickkontakt zu Lewis zu brechen. Er blinzelte ja nicht einmal. Er stellte das Glas weg und beugte sich über Lewis, bis dieser fast auf der Tischplatte liegen musste, und küsste ihn erneut. Seine nun freie Hand legte er dem Streuner an den Hals.
      "Der gehört heute Nacht mir," raunte er an Lewis Ohr, gerade laut genug, dass er ihn über den Lärm im Club hören konnte, und drückte leicht zu.


    • Lewis hätte gar nicht herunter fallen können, dafür hatte Santiago viel zu schnell den Arm um ihn geschlossen. Darauf folgte aber auch gleich schon die Zunge des Mannes, die in einer Spur seinen Körper hinauf fuhr, eine feste, unnachgiebige Berührung, in die Lewis sich ganz von alleine rollte. Seine Sinne mochten zwar von verschiedenen Drogen beeinflusst sein, aber er spürte doch mit größter Klarheit, wie die Zunge einen seiner Nippel erwischte. Das Gefühl zog direkt in seinen Unterleib.
      "Das machst du doch mit Absicht."
      Santiago konnte das Grinsen in seinem Gesicht nicht sehen, aber Lewis spürte, wie dümmlich es war, als er sich in dem starken Arm des Mannes lang streckte, damit er jeden einzelnen verlaufenen Tropfen einfangen konnte. Absicht? Als ob.
      "Niemals!", rief er zurück, nur um gleich seinen Atem von Santiagos Lippen abgeschnitten zu bekommen. Dabei presste der Mann ihn gegen sich, woraufhin Lewis diesmal mit voller Absicht seine Hüfte kreisen ließ, um die Reibung zu erzeugen, die sie beide ganz eindeutig herbei sehnten. Er konnte ihn fast schon unter sich wachsen spüren und das war wohl fast das heißeste, was er diesen ganzen Abend erlebt hatte.
      Aber auch nur fast, denn kurz darauf wurde er auf die Tischplatte gehoben und lehnte sich zurück, die Beine weit um Santiago gespreizt, während der nach seinem Glas griff. Er zwinkerte nur, was Vorwarnung genug gewesen war, bevor auch er das Glas an seinen Mund hob und zu exen begann. Und wie er das tat; nicht ein Tropfen ging daneben und dabei hielt er diesen Blick, diesen scharfen, hypnotisierenden Blick unentwegt auf Lewis gerichtet, der sich wie im siebten Himmel fühlte. Scheiße, war das heiß. Er hatte wirklich gedacht, dass Santiago erst diese Farb-Nummer und dann die Nummer mit der Zunge nicht mehr toppen könnte, aber dabei hatte er sich gewaltig geirrt. Der Mann setzte noch einen obendrauf und Lewis war fast steif genug, dass er sich mit ihm in die nächstbeste Toilette hätte verkrümeln können.
      Da legte dieser Traum von einem Mann auch noch die Hand an seinen Hals und raunte mit so tiefer Stimme in sein Ohr, dass sie in Lewis' ganzem Körper widerhallte. Der musste sich wirklich auf die Lippe beißen, denn sein Gestöhne wäre zwar in dem Lärm untergegangen, aber ein bisschen Würde musste er sich ja dann doch noch ersparen. So schnell wie der Abend voranschritt, würde er die noch früh genug verlieren.
      "Fuck, man."
      Ganz von selbst drückte er sich ihm entgegen, womit sie dem Pärchen vom früheren Abend alle Ehre machten. Es war Lewis aber sowas von egal, ganz schamlos rieb er sich an ihm, als der sie wieder in einen Kuss verwickelte. Oh, wie sehr er es sich schon herbeisehnte, wenn sie diese Gruft hinter sich lassen würden.
      Davor wartete aber noch eine zweite Runde auf der Tanzfläche auf sie, bei der Lewis zum einen gar kein Gespür für seine Umgebung mehr hatte, die in seinem Gesichtsfeld zu einer einzigen Masse zusammengewachsen war, und bei der er zum anderen nicht mehr darauf achtete, irgendwas zu verschleiern. Sein offenes Hemd flatterte ihm nach, wenn er sich um dieses lebendige Neonschild drehte, das seinen eigenen Angaben nach seins war. Viel zu oft nutzte er das Gedränge der Masse aus, um sich an Santiago zu pressen, ihn herumzuführen oder seine Hände auf seinen Körper zu drücken. Er hatte ihm vorher gezeigt, was er begehrte, und Lewis würde es ihm geben. Er würde ihn regelrecht damit überschütten.
      Sie nahmen weitere Shots und Lewis zog noch eine Line, womit er völlig zugedröhnt war. Er konnte kaum richtig oben von unten unterscheiden, hatte weder Gespür für seinen Körper, noch für die Leute um ihn herum und war völlig verloren von den Sinneseindrücken, die ihn von allen Seiten überschwemmten. Allen voran Santiago und dessen heißer, bemalter Körper. Selbst in seinem Rausch war er wie ein Neonschild, an das Lewis sich nur halten brauchte, um zum Höhepunkt seines Rauschs zurückzufinden.
      Nur die Bäume waren etwas, die selbst seinen Rausch beeinflussten, weil sie sich ständig wieder auf und ab bauten und ihn mit ihren Bewegungen und dem pulsierenden Etwas in ihnen völlig wahnsinnig machten. Nach Stunden der Party machten sich seine vertrauten Kopfschmerzen bemerkbar, die immerhin lange gebraucht hatten, aber letzten Endes doch gekommen waren. Er musste sich viel an Santiago halten, nichtmal nur, weil sich ihm alles drehte, sondern weil die Bäume ihm regelrecht die Sicht verschleierten. Die meiste Zeit war er fast wie blind.
      Da lehnte er sich an seinen Begleiter, seinen Kumpel, seinen Fuckbuddy, seinen Komplizen, als sie wieder an ihrer Nische angekommen waren und lallte mit größter Anstrengung:
      "Deine Sonn'nbrille! Gib mir deine Sonn'nbrille!"
      Santiago gab sie ihm und nach zwei Anläufen setzte Lewis sie sich vor die Augen. Damit sah er in der dunklen Krypta quasi gar nichts mehr - was auch völlig Sinn und Zweck gewesen war. Benebelt grinste er Santiago an.
      "Den Weg muss' du find'n, Süßer, ich seh' nich's mehr!"
    • Santiago ging sicher, Lewis nicht mehr aus den Augen zu lassen, nachdem dieser seine zweite Line gezogen hatte. Der Streuner ließ sich wirklich gehen. Santi hatte nicht direkt was dagegen, sie hatten ja schließlich einen Grund zu feiern, aber er wusste auch, wann jemand vielleicht einen Gang runterschalten sollte. Er selbst passte seinen Alkoholkonsum an, um noch genug bei Verstand zu sein, um sie beide sicher in ein Bett verfrachten zu können.
      Oder zumindest mal zurück zu ihrem Sitzplatz. Er reichte Lewis seine Sonnenbrille, und als dieser vergebens versuchte, sie sich aufzusetzen, half er ihm dabei. Er wusste nicht, warum es ihn auf einmal nach dem Accessoire verlangte, aber Lewis Handlungen jetzt noch zu hinterfragen wäre vermutlich sinnlos.
      "Den Weg muss' du find'n, Süßer, ich seh' nich's mehr!"
      "Jup. Du hattest genug," erwiderte Santi und griff sich den Rest von Lewis Drink.
      Seinen eigenen hatte er schon leer getrunken und beschlossen, sich nicht noch einen zu holen. Jetzt leerte er das letzte Bisschen von Lewis Drink, um zu verhindern, dass der Streuner es tat. Er legte Lewis einen Arm um die Taille, um ihn an Ort und Stelle zu halten, während er mit seiner freien Hand einen Uber bestellte. Er gab die Adresse des Gebäudes gegenüber an.
      "Dann lass mich mal den Weg finden," meinte er und zog Lewis auf die Füße.
      Sein Shirt ließ er einfach liegen, das war leicht zu ersetzen. Seine Jacke klemmte er sich vorerst unter den Arm. Sein neues Missionsziel war es, Lewis in einem Stück aus der Krypta und aus dem Club zu bekommen. Er musste den Streuner halb tragen, aber der wog so wenig, dass er das mich Leichtigkeit schaffte, selbst mit dem wenigen Platz, den er hatte. Ein Hoch auf gesicherte Laufwege und Fluchtkonzepte in öffentlichen Räumlichkeiten.
      Auf dem Weg nach draußen winkte er umständlich den beiden Türstehern zu, die nur grinsend den Kopfschüttelten. Mit Lewis, der sich an ihn klammerte wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring, überquerte Santi die Straße. Er setzte Lewis auf einem Straßenpöller ab, um in seine Jacke schlüpfen zu können. Hier draußen fiel ihm erst so richtig auf, dass seine Sonnenbrille viel zu groß für Lewis war. Der Streuner sah aus wie eine schlecht ausgeführte Version eines Lady Gaga Looks.
      Er ergriff Lewis' Hände, schlang sie sich um die Hüften.
      "Alles okay?" fragte er. "Du ziehst die Augenbrauen zusammen, als ob dich irgendwas stört."


    • Auf dem Weg nach draußen legte Lewis sein Leben in Santiagos Hände, weil er wirklich gar nichts sehen konnte. Mit dem Schwindel alleine wäre es schon schwierig gewesen, aber mit der Blindheit und den Bäumen, die trotzdem noch vor ihm waberten, war ihm quasi jegliche Orientierung genommen. Da fand er es auch nicht schlimm, sich mit seinem ganzen Körper gegen das Muskelpaket zu lehnen.
      Die kühle Nachtluft erfrischte seinen Kopf, wenngleich das im Moment auch nichts brachte. Ganz wenig konnte er hinter der Sonnenbrille ausmachen, weshalb er gleich auf den Boden starrte, kaum als er eine Straße erkennen konnte. Das beförderte aber den Schwindel und so hing er mehr an Santiago, alsdass er selbstständig lief.
      Der andere lieferte ihn bei einer Sitzgelegenheit ab, wo er sich gleich nach vorne lehnte und die Ellbogen auf den Knien abstützte. Wenn er die Augen schloss, sah er seine bewegenden Bäume, und wenn er sie öffnete, sah er das und das gedämpfte Straßenlicht. Beides keine sehr gute Kombination, wenn einem noch dazu schwindelig war.
      "Alles okay? Du ziehst die Augenbrauen zusammen, als ob dich irgendwas stört."
      "Ha... ja. Ich hab' nur..."
      Er grinste in sich hinein.
      "Ich seh' den Wald vor lauder Bäum'n nich'. HAH!"
      Er lachte und verlor dabei die Sonnenbrille, woraufhin er gleich wieder aufhörte.
      "Oh. Scheiße. Sorry."
      Er hätte sie aufgehoben, womöglich, wären da nicht lauter Bilder in seinem Gesichtsfeld gewesen, die sich verschoben und verrenkten, um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Stattdessen hob er die Hände und presste die Handballen auf seine Augen.
      "'S gleich wieder weg. Sicher. Ich muss nur... fuck, ich darf nur nich's seh'n, sonsd fängt's wieder an. Brings' du uns ins Hotel? Ich vertrau dir, man. Wenn ich die Aug'n aufmach wird's schlimmer."
    • Da hatte wohl jemand zu hart gefeiert.
      Santiago hob seine Sonnenbrille vom Boden auf und setzte sie Lewis wieder auf.
      "Versuch du dich zu entspannen, callejero. Ich bring uns schon wohin, wo's ruhiger ist. Weniger Input hilft, richtig?"
      So viel hatte Santi in ihren bisherigen Interaktionen gelernt. Je mehr visuelle Information zur Verfügung stand, desto genauer funktionierte Lewis' Magie. Zumindest vermutete er das. So wie der Streuner auf die Kameras bestanden hatte, und wie er immer auf den Boden seiner Mietwagen gestarrt hatte, wann immer er ihn gefahren hatte.
      Er legte Lewis eine Hand in den Nacken und platzierte den Kopf des Streuners an seiner Schulter. Auf diese Weise konnte er sicherstellen, dass Lewis nicht einfach von dem Pöller fiel, zeitgleich blockte er ein paar dieser visuellen Informationen.
      Dankenderweise erschien ihr Uber nicht zu lange danach und Santi verfrachtete Lewis auf den Rücksitz. Er nannte dem Fahrer die Adresse eines Hotels hier in der Nähe, in dem Santiago immer mal wieder eingecheckt hatte, wenn er jemanden im Spirit's Crypt abgeschleppt hatte. Santiago hielt Lewis an sich gedrückt, rieb ihm sanft über den Rücken, auf dass sein Magen sich benahm (genau aus diesem Grund hatte er auf das Abendessen vorher bestanden) und half Lewis, sein Sichtfeld zu beschränkten. Irgendwie schafften sie es zum Hotel, ohne dass sich der Streuner übergab - sehr zur Freude des besorgten Uber Fahrers.
      Santiago beeilte sich, Lewis durch die Eingangshalle zu schleusen. Das Hotel war daran gewöhnt, noch spät Zimmer zu vergeben, daher ging das Einchecken schnell und es dauerte nicht lange, da schob Santi den Streuner schon durch die Tür und in Richtung eines gemachten Bettes. Kaum hatte er den Streuner da geparkt, sah er sich im Raum um. Das Zimmer war klein. Der Kleiderschrank war in die Wand eingearbeitet und hatte zwei vollverspiegelte Schiebetüren. Die runden Nachttische hatten keine Schubladen. Zwischen dem Fußende des Bettes und dem Tisch, der an der Wand stand war vielleicht ein Meter Platz. Ein Fernseher hing an der Wand. Es gab einen Balkon.
      Santiago überließ Lewis einen Moment sich selbst, um aus dem Fenster zu sehen und den Balkon zu sichern. Als er wusste, dass der leer und die Balkontür abgeschlossen war, zog er die cremefarbenen Vorhänge zu. Danach checkte er den Kleiderschrank - der war auch leer. Genauso wie das winzige Badezimmer.
      Sobald Santiago wusste, dass das Zimmer sicher war, ging er zu dem Minikühlschrank, der sich unter dem Schreibtisch versteckte, und holte eine Flasche Wasser heraus, die er Lewis hin hielt.
      "Trink," forderte er den Streuner auf.
      Er ließ keine Widerrede zu. Der Streuner hatte heute Abend nur Alkohol konsumiert, er brauchte was anderes. Santi gab sich erst zufrieden, als Lewis mindestens die halbe Wasserflasche geleert hatte. Dann ging er vor Lewis und dem Bett in die Hocke und musterte ihn. Er glaubte nicht, dass Lewis sich zu viel reingezogen hatte. Es war nur eine unglückliche Mischung als Alkohol, Drogen und Magie, diagnostizierte Santi.
      "Wie geht's dir?" fragte er pflichtbewusst.


    • Lewis nickte fleißig und lächelte verträumt. Auf Santiago konnte man sich verlassen. Sie hatten bisher zwar nur einen Hookup gehabt, aber Lewis war in seinem benebelten Zustand der festen Überzeugung, dass der Mann ihn weder am Straßenrand liegen lassen würde, noch im Hotelzimmer umbringen und ausrauben würde. Was sollte er auch großartig stehlen - dieselben Goldbarren, die auch er hatte? Das brachte ihn zum Kichern, als er den Kopf gegen Santiagos Schulter lehnte. Es mochte sich ihm alles drehen, aber der Mann war standhaft, hielt ihn fest und bot ihm einen Stützpunkt in dem Wirrwarr vor seinen Augen.
      Lewis seufzte fast entspannt.
      Im Auto drehte sich dann nicht nur alles um Lewis herum, sondern auch in ihm drin. Er war ernsthaft froh darum, dass der andere seinen Drink leergetrunken hatte - was er ihm in dem Moment aber sehr übel genommen hatte - denn sonst hätte er unlängst die Grenze zwischen Rausch und Übelkeit überschritten. Selbst mit Santiagos gleichmäßiger Hand in seinem Rücken, die ihn beständig weiter streichelte, hätte er in diesem Auto seine Markierung hinterlassen. So gab er nur eine Reihe von “ugh”s und langgezogenen “mmh”s von sich, während er sich ganz an seinen Stützpunkt lehnte. Es war immernoch ein sehr scharfer und hübscher Stützpunkt.
      Als sie im Hotel ankamen, war die Hälfte seiner Bäume schon wieder verschwunden und durch Santiagos Vorsicht - der Mann sei gesegnet - sprossen auch keine weiteren hervor. Lewis konnte sich orientieren und dann auch getrost die Sonnenbrille absetzen, kaum hatten sie sich ins Zimmer zurückgezogen. Dort wartete ein frisches Bett auf ihn, auf das er sich gleich fallen ließ, um dann zum Kopfende zu kriechen und sich hinzusetzen. Seine Übelkeit und der Schwindel hatten sich schon wieder zurückgezogen, auch wenn er noch immer alles unstet sah. Trotzdem konnte er doch beobachten, wie die massige Gestalt von Santiago durch das Zimmer marschierte, durch das Fenster blickte, den Kleiderschrank inspizierte und ins Bad ging, ohne es zu benutzen.
      Lewis blinzelte. Ihm musste da ganz eindeutig etwas entgehen, was für Santiago völlig verständlich war, wenn er so zielgerichtet herum stolzierte. Wenn er es sich recht überlegte, war der andere Mann auch nur halb so weggehämmert wie Lewis, was diesen Unterschied vermutlich erklären könnte.
      "Was machs' du da?"
      Er betrachtete ihn mit leicht zusammengekniffenen Augen, als er da wieder zum Bett zurückkam. Die Flasche nahm er ohne zu murren entgegen und versuchte sie auf Ex zu trinken, was nicht ganz so gut funktionierte wie mit Alkohol. Bei der Hälfte verlor er das Interesse und stellte sie weg - Santiago fing sie auf, weil sie sonst umgefallen wäre.
      "Wie geht's dir?"
      Der Mann saß neben ihm in der Hocke und sah aus geweiteten, bernsteinfarbenen Augen zu Lewis auf. Der musste unweigerlich grinsen; der Anblick des Mannes auf seinen Knien vor ihm war schon recht ansehnlich, wenn er da nicht so scheiß fürsorglich gewesen wäre. Außerdem fiel ihm auf, dass diese unnatürlichen Augen ziemlich hübsch waren.
      "Mir ging's nie besser, man."
      Er lehnte sich zu ihm runter. Aus Lewis' Sicht veranstaltete er das auf eine sexy, einvernehmliche Weise, aber in Wahrheit sah es so aus, als hätte er im Sitzen das Gleichgewicht verloren. Er schaffte es aber durch höchste Expertise, nicht vom Bett und auf den Mann zu fallen, als er sein Kinn ergriff und daran zu sich zog.
      "Gans besonders, wenn mich so ein scharfer Kerl wie du abschlebbt. Fuck, darauf hab' ich schon seid letstem Mal gewartet. Seid Wochen schon. Komm endlich her, Goliath."
      Er zog ihn an seinem T-Shirt zu sich rauf, wo er ihn verheißungsvoll angrinste, losließ und seine geschmeidigen Muskeln lang streckte, als er sich unter ihm räkelte. Seit dem Club hatte er sich nicht die Mühe gemacht, sein Hemd wieder zuzuknöpfen.
      "Mach mit mir was du willsd, calle... callej... ugh. Ich will deinen Schwans, man."
    • Santiago ignorierte die Frage nach dem, was er da tat, als er sicherging, dass niemand im Raum auf sie wartete. Er war sich ziemlich sicher, dass es seine Berufsparanoia war, die ihn da leitete, und nicht seine Magie. Die rührte sich nämlich nicht, nicht wirklich zumindest, nachdem sie noch immer von dem Kerl aus der Notaufnahme gesättigt war.
      Er streckte die Hände aus und hielt Lewis an den Schultern fest, als dieser vom Bett zu fallen drohte. Halt, stopp, versuchte er, ihn zu küssen? Himmel, der Streuner war so unkoordiniert, es war schwer zu sagen, was genau er eigentlich vorhatte, wann immer er sich bewegte.
      "Komm endlich her, Goliath."
      Er ließ sich von Lewis auf das Bett ziehen. Hauptsächlich, weil er keine Lust hatte, dass der Mann vom Bett herunter in seine Arme purzelte. Hier war nicht genug Platz, um das irgendwie elegant zu lösen und Santi war sich ziemlich sicher, dass er sich in diesem Szenario den Kopf an der Fensterscheibe hinter sich angeschlagen hätte.
      Jetzt kniete Santi auf allen Vieren über dem Streuner, der nicht nur betrunken, nicht nur high, sondern auch so rollig wie ein Kaninchen war. Na toll.
      Es war ja nicht so, dass Santiago keine Lust hatte. Er hatte den ganzen Abend darauf gewartet, Lewis endlich in ein Hotel schleifen zu können, um genau hier zu enden. Allerdings hatte er sich das ein bisschen anders vorgestellt. Weniger zugeballert. Weniger gehetzt.
      "Mach mit mir was du willsd, calle... callej... ugh. Ich will deinen Schwans, man."
      "Callejero. Und so, wie du gerade drauf bist, kriegst du gar nichts. Man."
      Santiago stand auf und schlüpfte aus seiner Jacke, die er über die Rückenlehne des Stuhls am Schreibtisch legte. Er blickte über die Schulter zu einem sehr enttäuschten Lewis. Er wirkte beinahe wie ein kleines Kind, das keinen Lolli an der Kasse bekam.
      "Ich mag meine Partner zurechnungsfähig. Du kannst also entweder ein Nickerchen machen, oder du kommst jetzt mit mir unter die Dusche. Es wird eine kalte Dusche, damit du wieder ein bisschen klarer denken kannst. Deine Entscheidung. Aber in deinem Zustand mache ich gar nichts mit dir."


    • Lewis erstarrte in seinen Bewegungen, denn: Hatte er da gerade richtig gehört? Hatte er da gerade ernsthaft richtig gehört? Santiago sagte Nein zu ihm? Weil er... so drauf war?
      Wie war Lewis denn drauf? Er war betrunken und richtig, richtig zugedröhnt. Er konnte immer noch nicht so richtig sehen, auch wenn es sich nach und nach alles besserte. Wenn er sich bewegte, schien sein Gehirn in seinem Kopf herumzuschwappen und ihm gleich aus den Ohren zu laufen. Er war unkoordiniert; klar, er war ja auch richtig hinüber. Es war ja auch eine lange Nacht gewesen.
      Aber deswegen Nein zu sagen? Das machte hinten und vorne keinen Sinn. Wieso sollte jemand nicht mit ihm Sex haben wollen, wo er doch alles mit ihm hätte machen können? Wirklich alles. Er hätte sich ja kaum wehren können, wenn er etwas nicht gewollt hätte; nicht, dass sowas überhaupt jemals vorgekommen wäre.
      Aber Santiago meinte es wirklich ernst, denn ohne ein weiteres Wort stieg er vom Bett und schälte sich aus seiner Jacke. Lewis setzte sich ruckartig auf, so empört, wie er war.
      "'S das ech' dein ernst?"
      Es war sein ernst, denn Santiago wollte seine Partner zurechnungsfähig. Zurechnungsfähig. Was für ein Unsinn war das denn jetzt?
      "Weiß' du eigentlich, wie viel'... wie viel' Leude jetz' gern in deinen Schuhen wär'n?! 'Ne ganse Menge! Nich's von wegen zur'chnungsfähig, da scheiß ich drauf! Dann behald eben deinen Schwans für dich, auch in Ordnung!"
      Seine kleine Schimpftirade hatte aber keinerlei Auswirkung auf den Mann, denn der kehrte einfach um und verschwand im Bad. Das war die zweite Sache, die Lewis kaum fassen konnte; erst verweigerte er ihm den Sex, dann zog er einfach ins Bad ab, als wäre nichts. Empört und wütend und frustriert warf er sich auf die Seite mit dem Rücken zum Bad und zog sich eine Decke über die Schultern. Es war die Tagesdecke, aber das war ihm auch egal. Decke war Decke.
      Im Bad ging kurz darauf die Dusche an. Lewis starrte böse die Wand an, während er sich dazu entschloss, dass er einfach schlafen würde und das solange, bis er sich entweder aus dem Staub machen konnte oder Santiago sowieso schon weg wäre. Vielleicht würde der das Hotelzimmer sowieso verlassen, weil Lewis nicht zurechnungsfähig genug für ihn war. Was für ein Schwachsinn.
      Er starrte also weiter die Wand an, während er darüber nachdachte, wie Santiago wirklich gehen würde und ihn zurücklassen würde. Eigentlich hatte er keine Probleme mit sowas, es war ja schließlich gang und gebe, aber irgendetwas störte ihn bei dem Gedanken, was er nicht genau benennen konnte. Es schien auch in Verbindung mit Santiagos scheiß Moralität zu sein, aber das konnte Lewis ebenso wenig benennen. Im Grunde lief es auch alles aufs selbe hinaus.
      "Fuh... Fick dich du elendiger... ugh."
      Er rollte sich aus dem Bett und konnte nichts dafür, dass der Boden unter ihm gerade dann wackelte, als er die Füße aufzusetzen versuchte. Fluchend kam er hoch und wankte ins Badezimmer hinüber. Es war nicht abgeschlossen.
      "Du kannsd mich mal", verkündete er lauthals über das Brausen der Dusche hinweg. "Du mit deinem scheiß... Moral... Gesülze... ständig."
      Er nestelte an seiner Hose und zwängte sich schließlich so aus ihr heraus. Das Hemd musste er nur von den Armen gleiten lassen.
      "Du bis' scheiße nett, das is' richtig... widerlich. Wie so'n... scheiß Priester."
      Er trat an die Dusche und riss die Tür auf. Der Dreckskerl duschte wirklich eiskalt, wie die ersten Tropfen bereits vermittelten. Lewis verschränkte fröstelnd die Arme vor der Brust und sagte etwas kleinlauter:
      "Mach mal Platz."
    • Das eisige Wasser der Dusche war geradezu Balsam nach der stickigen Hitze des Clubs. Santiago genoss es so, wie andere eine heiße Dusche nach einem langen Tag genießen würden. Er stand einen langen Moment einfach nur da und ließ das Wasser über seinen verschwitzten Körper laufen. Dann begann er, die Farbe von seinen Tattoos zu schrubben.
      Santiago erwartete nichts. Er kannte Lewis nicht gut genug, um einschätzen zu können, wie der Streuner reagieren würde. Er hatte alle Erwartungen aus dem Fenster geworfen, als er mit Lewis in seinen Armen den Club verlassen hatte. Sollte der Kerl sich tatsächlich dazu entscheiden, seinen Rausch einfach auszuschlafen, dann würde sich Santi die Zeit hier im Hotelzimmer vertreiben und sichergehen, dass Lewis nicht an seinem eigenen Erbrochenen erstickte, und am Morgen würde er sich dann aus dem Staub machen - nachdem er den Streuner zu einem Frühstück gezwungen hatte. Santiago war nicht rücksichtslos genug, um jemanden, der so dicht war, einfach zurückzulassen.
      Doch dann ging die Tür auf. Ein Grinsen konnte er sich nicht verkneifen, als er das Gemurmel des Streuners hörte. Lewis' Worte stimmten nicht mit dem überein, was er sagte, aber das schien öfter der Fall zu sein. Der Streuner redete viel, sagte aber oft nur sehr wenig - oder das Gegenteil, wenn man auf seine Körpersprache achtete.
      Bereitwillig machte Santiago Platz in der Dusche, als der Streuner sich zu ihm zwängte. Viel Platz war in der Dusche nicht. Wie auch schon das Schlafzimmer war das Bad winzig. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand, damit Lewis sich umdrehen und die Tür wieder schließen konnte.
      "Oh Herr, vergib ihm seine Schuld, seine Sünden, seine Fehler. Du bist die ewige Liebe, nimm ihn wieder an dein Herz und halte ihn fest in deiner Gnade. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für diesen Sünder jetzt und in der Stunde seines Todes. Amen."
      Santi bekreuzigte sich. Er war nicht wirklich religiös, aber er war in einer religiösen Gegend aufgewachsen. Er nahm das ernst genug, um die Religion nicht zu beleidigen und sich nicht mit voller Absicht in Blasphemie zu werfen, aber es spielte nur eine kleine Rolle in seinem Leben. Klein Genug, dass sich so einen Scherz erlaubten konnte, ohne hinterher ein schlechtes Gewissen zu haben. Hin und wieder fragte er sich aber schon, was der christliche Gott mit seiner unsterblichen Seele anzufangen gedachte.
      Ohne zu fragen griff Santiago wieder nach der vom Hotel gestellten Duschgel-Flasche und begann damit, Lewis von Schweiß und umgeschütteten Alkohol zu befreien. Er gab sich keine Mühe, das besonders sexy zu machen. Er wusch Lewis, weil der Streuner dreckig war, ganz einfach. Sobald er Lewis eingeseift und abgewaschen hatte, wandte er seine Aufmerksamkeit dem Unfall, den Lewis eine Frisur nannte, zu. Kopfschüttelnd massierte er das Shampoo in die Kopfhaut des Streuners.
      "Du solltest was mit deinen Haaren anstellen," kommentierte er. "Mehr als sie dir nur aus dem Gesicht zu pusten. Die haben eine gute Struktur, eine hübsche Farbe. Mit einem ordentlichen Schnitt und ein bisschen Liebe kann man da viel machen."
      Auf der anderen Seite hatte es ja schon was, dieser no-care-look, den Lewis an den Tag legte. Es passte eben zu seinem Image als Streuner.
      Sobald er Lewis Haare auch ausgespült hatte, drehte er das Wasser ab und schob Lewis aus der Dusche. Er wickelte den Streuner in ein Handtuch ein, kümmerte sich um ihn, ohne dass der fragte. Santiago ließ schlicht keine Widerrede zu. Er parkte Lewis auf der Toilette und trocknete sich selbst schnell ab. Er verbrachte einen Moment damit seine Haare ein bisschen in Form zu bringen, auch wenn die von allein genauso trockneten, wie sie trocknen sollte. Völlig nackt wandte er sich dann wieder Lewis zu und stemmte die Hände in die Hüften.
      "Fühlst du dich besser?" fragte er. "Oder willst du doch ein Nickerchen machen? Ich pass auch auf, dass du nicht erstickst während du schläfst."


    • "Oh Herr, vergib ihm seine Schulde, seine Sünden..."
      "Oh, is' das jetz' dein scheiß ernst?"
      "... seine Fehler. Du bist die ewige Liebe, nimm ihn wieder..."
      "Am Arsch mit deiner ewigen Liebe."
      "... an dein Herz und halte ihn fest in deiner Gnade."
      "Deiner was?"
      "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für diesen Sünder jetzt und in der Stunde seines Todes. Amen."
      "Fick dich."
      Santiago bekreuzigte sich auch noch, als ob der es wirklich nötig hatte mit seinem offensichtlich gewalttätigen Beruf, und dann war die Sache auch schon gegessen. Lewis stand zitternd mit verschränkten Armen vor ihm und mühte sich damit ab, ihn mit dem bösartigsten Blick der Welt zu traktieren. Hoffentlich würde er daran verrecken.
      Natürlich verreckte der Kerl nicht, sondern begann kurz darauf einfach, Lewis zu waschen. Der dachte für einen Augenblick, dass der Mann ihn doch noch begrabschen wollte, was ja durchaus Sinn machte, aber dafür war der ganze Waschvorgang dann viel zu zeremoniell. Santiago hielt sich nicht allzu lange an bestimmten Stellen auf, sondern wusch ihn einfach überall, auch unter den Achseln und die Füße. Das war die nächste Sache, die Lewis aufrichtig irritierte, auch wenn er sich mittlerweile schon hätte daran gewöhnen können, dass Santiago verwirrender als sein eigenes zugedröhntes Hirn war. Wenn der Kerl doch noch scharf auf ihn gewesen wäre, bittesehr. Aber was sollte das denn werden?
      Dann fuhr er aber weiter damit fort, ihm auch die Haare einzuseifen, und Lewis' Gedanken gingen mit einem Mal allesamt flöten, als Santiago mit kräftigen Fingern seine Kopfhaut massierte. Es linderte zwar die Kopfschmerzen nicht, die seine eigenen Bäume verursacht hatten, aber es tat etwas damit und Lewis...
      "Ohhh..."
      Der schloss die Augen und ließ sich nach vorne sinken, bis er den Kopf auf Santiagos Schulter ablegen konnte. Dem machte das kein bisschen etwas aus, auch nicht, dass Lewis die Arme um seinen kräftigen Leib schlang. Das war gut. Das war wiiiirklich gut.
      "Du solltest was mit deinen Haaren anstellen. Mehr als sie dir nur aus dem Gesicht zu pusten. Die haben eine gute Struktur, eine hübsche Farbe. Mit einem ordentlichen Schnitt und ein bisschen Liebe kann man da viel machen."
      "Mhhhhh-hmmmm..."
      Er hörte gar nicht richtig zu; irgendwas wegen seiner Frisur. Das Wasser war längst nicht mehr so kalt und wenn er es sich genau überlegte, war es sogar recht angenehm hier drin. Sogar wirklich angenehm. Lewis vergaß glatt seinen Ärger, der ihn überhaupt hier herein gebracht hatte.
      Santiago spülte ihn auch noch ordentlich ab, lotste ihn hinaus und wickelte ihn in einem Handtuch ein. Das war jetzt durchaus ziemlich warm und wohltuend. Gänzlich widerstandslos und ohne zusätzliche Beleidigungen, ließ Lewis sich auf der Toilette absetzen, während Santiago sich selbst herrichtete. Mittlerweile war seine Sicht etwas aufgeklärt, wodurch er eine hübsche Show von spielenden Muskeln beobachten konnte. Santiago war ein hübscher Mann, nicht nur ein rattenscharfer, sexy Goliath. Wenn das Licht richtig fiel, dann gab es ebenmäßige Gesichtskonturen wieder, passend zu einem fast perfekten Körper. Lewis musterte ihn von oben bis unten und wieder bis oben, während er vollständig vergessen hatte, dass er vor einer halben Stunde noch sauer auf ihn gewesen war. Wer könnte denn schon so jemandem wütend sein?
      "Fühlst du dich besser? Oder willst du doch ein Nickerchen machen? Ich pass auch auf, dass du nicht erstickst während du schläfst."
      "Es geht mir gut. Mir ist auch nicht mehr so schlecht. Wenn doch, pass ich auf, dir direkt ins Gesicht zu kotzen."
      Santiago sah ihn an und Lewis schenkte ihm dafür ein selbstzufriedenes Grinsen. Vielleicht sollte er es nicht zu weit treiben bei dem Mann, der ihn gerade vollständig gewaschen hatte, ohne ihn auch nur einmal anzufassen. Wobei Lewis definitiv nichts dagegen gehabt hätte.
      "Aber vielleicht, äh..."
      Er rieb sich die Augen. Seine Bäume waren mittlerweile alle verschwunden und solange Santiago hier in diesem Zimmer keine Kettenreaktionen auslöste, war er auch sicher. Eine Sache weniger, um die er sich Gedanken machen musste.
      "... Legen wir uns hin? Nicht, dass es dann... wiederkommt oder... anfängt oder so..."
      Sein Kampfeswille von vorhin war verpufft. Stattdessen genoss er jetzt die Wärme, die von dem Handtuch ausging und ihn einlullte. Und natürlich, verdammt sollte der Mann sein, hatte Santiago rein gar nichts dagegen einzuwenden. Er brachte ihn sogar zurück zum Bett, nackt, wie sie beide waren, zog die Tagesdecke runter und schlug die Decke zurück. Lewis musste sich wieder zudecken lassen und dann war der andere auch schon bei ihm, genau wie beim letzten Mal, und zog ihn in seine Arme. Da schnaubte er trotzdem ein bisschen, einfach nur weil es blöd war. Wer kuschelte schon freiwillig?
      Mit der Zeit wurde es aber warm unter der Decke und es lag an der Liegeposition ganz allein - wirklich! - dass Lewis sich umdrehte, um seinerseits die Arme um den Mann zu legen und sich an ihn zu schmiegen. Er seufzte und ließ sich dann eine ganze Weile lang gefallen, dass es warm und gemütlich so war. Immerhin hatte er in dieser Nacht schon so einigen Unsinn erlebt, da konnte er auch noch mehr Unsinn oben drauf klatschen.
      Auch jetzt machte Santiago keinerlei Avancen und langsam rappelte sich Lewis' eingerostetes Gehirn wieder auf. Er dachte nach und das erste, was ihm in den Sinn kam, war:
      "Warum wolltest du nicht? Ich meine, warum du wirklich nicht wolltest, erzähl' mir nichts von deiner blöden Zurechnungsfähigkeit. Ich dachte, du wärst scharf auf mich. Jetzt doch nicht mehr?"
    • Kalte Duschen und ein bisschen Hingabe konnten so einiges ausrichten, das wusste Santiago. Er behielt sein "Ich hab's dir ja gesagt" für sich, weil er hier keinen Punkt hatte klarstellen wollen. Es war ihm wirklich nur darum gegangen, dass Lewis wieder zu einer Person wurde und nicht weiterhin wie vergammelter Pudding durch die Gegend wankte.
      "Sehr zuvorkommend vor dir," erwiderte er.
      Und als Lewis dann danach fragte, ob sie sich einfach zusammen hinlegen könnten, da Lächelte Santiago. Er half Lewis auf die Füße und ging mit ihm zum Bett, wo er die Tagesdecke herunterriss und unordentlich zusammenlegte. Er parkte das Teil auf dem Schreibtisch, dann verfrachtete er Lewis ins Bett und deckte ihn ordentlich zu, bevor er sich hinter ihn legte und ihn sanft in die Arme nahm. Wie auch schon beim letzten Mal strich Santi ihm sanft über die Arme, den Bauch, und die Brust, gab Lewis' zentralem Nervensystem etwas beständiges, auf das es sich konzentrieren konnte.
      Irgendwann machte Lewis Anstalten, sich umzudrehen. Santi löste seinen Griff und ließ ihn machen. Sobald es sich Lewis wieder bequem gemacht hatte, schloss er ihn wieder in die Arme. Es war angenehm, einfach nur so mit jemand anderem in einem Bett zu liegen. Santiago fand es entspannend, gerade nach der Nacht, die sie bisher gehabt hatten. Einfach ein bisschen Ruhe zu haben, schadete nicht.
      "Warum ich nicht wollte? Musst du das wirklich fragen?"
      Er betrachtete Lewis und ja, der meinte seine Frage doch tatsächlich ernst. Dann sollte er auch eine ehrliche Antwort bekommen.
      "Ich kann dir nichts anderes sagen, als das, was ich dir bereits gesagt habe. Du bist heiß, es gibt für mich keinen Grund, dich von der Bettkante zu stoßen. Und ja, mein Plan war es, hierher zu kommen und dir den Verstand rauszuvögeln. Aber zum Sex gehören immer mindestens zwei und wenn du dich so weit abgeschossen hast, dass du kaum noch bei Bewusstsein bist, dann will ich nicht mit dir schlafen. Wenn du keine eigenen Entscheidungen treffen kannst, wenn du mir nicht glasklar mitteilen kannst, wenn du dich unwohl fühlst, dann ist das für mich ein Nein. Wenn ich meine niederen Bedürfnisse immer noch befriedigen will, dann kann ich das tun, aber dafür muss ich dich nicht benutzen wie ein billiges Spielzeug."
      Er zuckte ein bisschen umständlich mit den Schultern.
      "Ich weiß, dass ich außerhalb des Gesetzes arbeite. Aber ich habe immer noch Grenzen. Ich respektiere dich zu sehr als Person, um dich so zu missbrauchen."
      Für ihn war das klar. Selbst in solchen Nächten, in denen er jemanden dafür bezahlt hatte, mit ihm intim zu werden, hatte er diese Person immer mit Respekt behandelt, wie es ihm seine mamá beigebracht hatte.
      "Ich nenn dich zwar ständig einen Streuner, aber die trete ich ja auch nicht. Ist dir das so fremd? Dass dich jemand mit ein bisschen Respekt behandelt?"


    • Lewis hörte sich in aller Ruhe an, was Santiago zu sagen hatte, und dann dachte er in aller Ruhe darüber nach. Dass der Mann eine Schraube locker sitzen hatte, das war ja wohl klar. Wer legte denn schon wert darauf, ob der andere sich richtig ausdrücken konnte? Er war noch bei Bewusstsein gewesen und er wäre ja wohl irgendwie in der Lage gewesen, Nein zu sagen. Auf mehr kam es doch immerhin nicht an, nicht wahr?
      Aber Santiago blieb ganz ernst bei seinen Worten und irgendwie konnte Lewis sich schon vorstellen, dass er seine Argumente dagegen nur weiter entkräftet hätte. Er war also im Grunde wirklich nur ein scheiß Moralapostel, während er auf der Arbeit ahnungslosen Wachmännern die Fresse polierte.
      Irgendwie spannend. Wäre er doch nur im Bett genauso rücksichtslos.
      "Du bist richtig merkwürdig", nuschelte er Santiagos Brust an. Er wusste nicht, wie er es anders hätte ausdrücken können.
      Dann lehnte er sich ein Stück zurück, damit der andere den entrüsteten Gesichtsausdruck sehen konnte, den er extra nur für ihn produzierte.
      "Mir ist das nicht fremd. Bei dir hört sich das so an, als würde ich mich ständig vergewaltigen lassen. Das ist es nicht, klar? Ich lass mir nur gerne das Hirn rausvögeln, bis ich nicht mehr oben und unten unterscheiden kann. Und das geht nunmal am besten, wenn der andere keine Hemmungen hat und nicht alle paar Minuten fragt, ob das denn okay ist. Dafür gibt's doch safewords, nicht? Wenn ich nicht gewollt hätte, hätte ich schon gesafeworded. Das hat also gar nichts mit Respekt zu tun."
      Daraufhin schmiegte er sich wieder an ihn und ließ sich doch gefallen, dass Santiago wieder damit fortfuhr, über seinen Rücken zu streichen. Dabei lag es ganz allein an seiner unbequemen - eigentlich gar nicht - Position, weshalb er das eine Bein über Santiagos Hüfte warf und sich mit vollem Körpereinsatz an ihn kuschelte. Der Kerl hatte ja auch viel zu viel Körper, um das einfach ungenutzt zu lassen.
      "... Das ist schon ganz nett", nuschelte er nach einer Weile.
    • "Soweit ich mich erinnere, habe ich dir ziemlich erfolgreich das Hirn rausgevögelt, ohne dich permanent danach zu fragen, ob es auch okay ist," gab Santiago unbeeindruckt zurück.
      Er würde Lewis nicht vorschreiben, wie er sein Leben zu leben hatte oder wie gesund beziehungsweise ungesund seine Beziehungen waren. Der Mann war erwachsen und konnte machen, was er wollte. Aber wenn er was mit Santi machen wollte, dann musste er eben auch akzeptieren, dass Santi ihn mit mehr Respekt behandeln würde als seine üblichen Partner. Das war ja wohl kaum Santiagos Problem.
      Es kehrte wieder Ruhe ein, als sich Lewis wieder einfach nur an ihn kuschelte. Santi war mehr als bereit, seine kleinen, trägen Streicheleinheiten fortzusetzen. Es schien Lewis nicht zu stören, dass er das tat - ganz im Gegenteil sogar. Santi genoss es auch. Normalerweise mochte er es nicht, einfach so angefasst zu werden. Noch so eine alltägliche Erfahrung, die seine Magie für ihn ruiniert hatte. Aber wenn er dann einmal die Gelegenheit hatte, jemanden zu berühren (ohne dem dabei die Knochen zu brechen), dann nutzte er das schamlos aus. Körperliche Nähe und Berührungen waren, so unpraktisch das auch sein mochte, eine seiner Love Languages.
      Lewis kuschelte sich noch enger an ihn und Santi ließ ihn.
      "Das ist schon ganz nett," nuschelte der Streuner an seiner Brust.
      Santi brummte bestätigend.
      "Das ist es allerdings."
      Der Arm, auf dem er lag, fing langsam an, zu kribbeln, weswegen sich Santi auf den Rücken rollte - und Lewis gleich mit sich zog, sodass der Streuner einfach auf seiner Brust lag. Santi genoss den Druck eines anderen Körpers auf dem seinen. Er ließ seine Finger träge über Lewis' Wirbelsäule wandern. Er berührte jeden Wirbel einzeln, tippte sie mit seinen Fingerspitzen an, bevor er die Hand in einer durchgängigen Bewegung wieder nach oben zog. Lewis' Haut war weich, glatt, warm. Dafür, dass sich dieser Kerl so oft zudröhnte, war er überraschend gut in Form. Lewis sollte nicht so attraktiv sein. Das war ja fast schon gemein.


    • Lewis ließ sich seine Streicheleinheiten gefallen, bis ihm die Augen zufielen. Und selbst dann begleiteten sie ihn noch in seine Träume hinein, mit denen er tief und fest und vor allem wohlig schlief. Es war auf eine ganz andere Weise berauschend, auf einem so sexy Mann einschlafen zu können und sich dabei auch noch streicheln zu lassen. Lewis fühlte sich wie im Paradies.
      Dann holte die Realität ihn ein und er schlug gegen frühen Morgen die Augen auf, taumelte aus dem Bett und schaffte es gerade noch rechtzeitig ins Badezimmer, um seinen Magen zu entleeren. Der drehte sich in mindestens fünf verschiedene Richtungen, während Lewis alles aus ihm rauskotzte, was ihm nur zur Verfügung stand. Es war viel. Er saß eine ganze Weile lang vor seinem neuen Freund und Begleiter, der Toilette, bevor er sich aufrappeln konnte und so lange seinen Mund ausspülte, bis er davon nicht mehr würgen musste. Dann kam er zurück ins Zimmer geschlichen, nur um zu sehen, dass Santiago seine Augen weit geöffnet hatte.
      Oh. Sorry, ich wollte dich nicht aufwecken.
      Er kam zurück ins Bett gekrochen und rollte sich dort stöhnend und ächzend zu einer Kugel zusammen. Sein Kopf machte bei der ganzen Sache gar nicht gut mit.
      Wieso bist du eigentlich so scheiß munter? Du hast bestimmt genauso viel getrunken wie ich”, brummte er missmutig.
    • Wie es Santiago erwartet hatte, schlief Lewis ein paar Minuten später ein. Ihm brach dabei kein Zacken aus der Krone, er nahm das sogar als ein kleines Kompliment. Menschen waren zu vorsichtig, zu ängstlich, um einfach so neben einem praktisch Fremden einzuschlafen. Sicher, Lewis war komplett fertig, aber die Art, wie er da einfach entspannt auf ihm lag, verriet Santi, dass er gut schlief. Der Mann fühlte sich sicher in seinen Armen.
      Irgendwann in der Nacht schob er Lewis von sich hinunter und ersetzte seinen Körper mit einem der Kopfkissen, damit der Streuner nicht aufwachte. Irgendetwas sagte Santi, dass der Streuner den Schlaf gut gebrauchen konnte.
      Santiago schlüpfte in seine Jacke und, nachdem er sichergegangen war, dass Lewis nicht spontan an seinem eigenen Mageninhalt ersticken würde, verließ das Zimmer - er brauchte ein Shirt. Da er sich in dieser Gegend auskannte, war es für ihn leicht, einen 24-Stunden Alles-Mögliche-Laden zu finden. Er kaufte sich dort ein billiges, eingepacktes T-Shirt, eine Packung Zigaretten, einen Sportdrink und ein paar Aspirin. Gute Vorbereitung war oft ausschlaggebend für ein gutes Missionsergebnis.
      Zurück im Zimmer räumte er erst einmal ein bisschen auf, indem er Lewis Klamotten aus dem Badezimmer aufsammelte und sie ordentlich auf dem Schreibtisch zusammenlegte. Das tötete aber nur ein paar Minuten, also schlüpfte er zurück zu Lewis ins Bett - der sich gleich wieder an ihn kuschelte - und las ein Buch auf seinem Smartphone.

      Santi sah auf die Uhr, als Lewis fluchtartig im Badezimmer verschwand. Es war kurz vor sieben.
      Er setzte sich im Bett auf und legte sein Smartphone beiseite. Er hatte seiner Mutter eine Zusammenfassung von dem Buch geschickt und ein paar seiner Gedanken gleich mit dran gehängt. So gesehen hatte er einen sehr unkonventionellen Buchclub mit ihr. Tatsächlich las er auch regelmäßig die Bücher, die seine Mutter mit ihren Freundinnen las. Er war sehr beliebt bei den alten Damen.
      "Oh. Sorry, ich wollte dich nicht aufwecken. Wieso bist du eigentlich so scheiß munter? Du hast bestimmt genauso viel getrunken wie ich."
      Santi deckte Lewis wieder zu.
      "Ich habe mir aber keine Drogen reingezogen und darauf geachtet, genug Wasser zu trinken," gab er schlicht zurück. "Aspirin was zu trinken stehen neben dir auf dem Nachttisch. Mir egal, ob du den Drink magst oder nicht, du brauchst die Nährstoffe."
      Er deutete über Lewis hinweg auf besagten Nachttisch.
      "Du hast mich nicht geweckt, keine Sorge," meinte er dann ein wenig sanfter. "Du kannst niemanden wecken, der gar nicht geschlafen hat."


    • Lewis brummte ein bisschen missmutiger, nur weil Santiago ihm vorhalten musste, es übertrieben zu haben. Und dann hinterher nicht für sich selbst gesorgt zu haben. Sein Problem, wenigstens hatte Lewis einen sehr schönen Abend hinter sich.
      Er starrte mindestens genauso missmutig das Aspirin auf dem Nachttisch an, dann setzte er sich doch auf. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er auf Aspirin scheißen können. Für sich tat er sowas ganz bestimmt nicht. Aber dieser andere Kerl hatte doch tatsächlich irgendwo Aspirin aufgetrieben und auch noch dafür gesorgt, dass Lewis gestern noch etwas getrunken hatte, was ihm vermutlich jetzt einen ganz anderen Albtraum ersparte, weshalb er es wenigstens für ihn tun wollte. Er wollte ja nicht undankbar sein. Es war sogar eine ganz süße Geste, hielt man sich vor Augen, dass Lewis den Mann gestern noch beleidigt hatte. Mehrfach.
      Er nahm sich also das Glas und kippte Wasser sowie Medizin runter. Den Sportdrink daneben rührte er noch nicht an, im Moment fürchtete er, ihn gleich auf dem selben Weg wieder verlieren zu können.
      Danach wandte er sich mit einem Ausdruck milder Verständnislosigkeit zu dem anderen um. Hatte der gerade wirklich gesagt, er hätte nicht geschlafen?
      Wie, nicht geschlafen? Ist das Bett zu unbequem? Sag halt was, dann penn ich nicht gerade direkt auf dir ein. Hast du nur schlecht geschlafen oder echt gar nicht?
    • Santi lächelte und stand auf. Er ging um das Bett herum, griff sich Lewis' Wasserglas und füllte es auf. Sich selbst schenkte er auch ein Glas ein. Mit dem Glas bewaffnet machte er den halben Schritt zur Balkontür rüber und warf einen Blick nach draußen. Natürlich war da immer noch niemand, der darauf wartete, in ihr Zimmer einzubrechen und sie beide umzubringen.
      "Ich habe nicht geschlafen," stellte er noch einmal klar. "Das tue ich relativ selten. Das hat nichts mit dem Bett zu tun und auch nicht mit dir. Tatsächlich war es sogar eigentlich ganz bequem. Du hast genau das richtige Gewicht für sowas."
      Er zuckte mit den Schultern.
      Der Alptraum des Typen aus der Notaufnahme konnte gar nicht so furchtbar werden wie der von mehreren Soldaten, aber Santiago wollte sich dem einfach nicht stellen. Es spielte keine Rolle, wovor er selbst Angst hatte, wenn es um seine gestohlenen Alpträume ging. Wovor auch immer sich der Mann gefürchtet hatte, Santiago würde diese Angst teilen, sobald er die Augen schloss.
      "Irgendjemand musste ja darauf aufpassen, dass du dich nicht aus Versehen selbst umbringst. Du hast so tief geschlafen, hin und wieder musste ich nachsehen, dass du noch atmest."
      Er warf noch einen Blick auf die Uhr seines Smartphones. Seine Uhr lag bei seiner Jacke und seinem noch nicht ausgepackten Shirt, gleich neben dem Stapel von Lewis' Klamotten und der gefalteten Tagesdecke.
      "Es ist erst sieben. Wir haben also noch drei Stunden bis Check-Out. Wenn du willst, kannst du dich nochmal hinlegen."


    • Lewis wusste mit dieser Angabe immer noch nichts anzufangen. Wie, er hatte nicht geschlafen? Aus Santiagos Mund klang das so, als würde er auf die Nachspeise nach seinem Abendessen verzichten. Oder im Umkehrschluss, als würde er relativ selten zu ihr greifen. Was beides völlig schwachsinnig war, da es hier nicht um Essen, sondern um Schlaf ging.
      "Was ziehst du da für eine merkwürdige Kur ab? Nicht schlafen? Und das nach gestern?"
      Lewis hatte wie ein Stein geschlafen - wortwörtlich, wenn man dem anderen Mann glauben schenken konnte. Und das war auch nötig gewesen, denn sonst wäre er an diesem Tag sicher wie eine Leiche gewandelt.
      Nur Santiago schaffte es irgendwie, nicht zu schlafen, trotzdem viel zu trinken und mindestens doppelt so fit zu sein wie Lewis. Was schon ziemlich unfair war.
      "Es ist erst sieben. Wir haben also noch drei Stunden bis Check-Out. Wenn du willst, kannst du dich nochmal hinlegen."
      Lewis rieb sich die Augen. Er hätte nichts dagegen gehabt, sich wieder zurück ins Bett zu hauen, am besten so, wie sie in der Nacht zuvor eingeschlafen waren. Denn obwohl sein Nacken davon steif geworden war, auf dem menschlichen Kissen zu schlafen, hatten es doch die Streicheleinheiten und Santiagos warmer Körper wieder mehr als wett gemacht. Eigentlich hätte er gar nichts dagegen gehabt, einfach den Rest des Tages im Bett zu verbringen.
      Aber sie mussten in drei Stunden schon raus und außerdem gab es da noch eine andere Sache, die ihn daran störte, sich einfach wieder hinzuhauen.
      "Nein. Wenn du nicht schläfst, dann schlafe ich auch nicht. Geteiltes Leid ist... immernoch dasselbe Leid, aber zumindest ohne schlechtes Gewissen. Ich lass dich doch nicht drei Stunden lang hier allein rumsitzen, wenn du das sowieso schon die ganze Nacht gemacht hast. Was hast du überhaupt angestellt? War dir nicht langweilig?"
      Er stand auf und zog sich auch an, wobei das ziemlich langsam vonstatten ging. Ihm war immernoch speiübel, aber sein Magen war schon vollständig ausgeleert, weshalb er vermutlich nicht auch noch den Boden vollsaute. Trotzdem spritzte er sich das Gesicht mit kaltem Wasser ab, um sich ein bisschen zu erden, und starrte dann in sein Spiegelbild, während ihm vage in Erinnerung kam, was Santiago in der Vornacht über seine Haare gesagt hatte. Er gab ein Jay-Schnauben von sich, dann kämmte er sich mit den Fingern durch seine Strähnen. Das brachte rein gar nichts, weshalb er es auch gleich wieder bleiben ließ. Keine Ahnung, wieso er es überhaupt versucht hatte.
      "Gehen wir."
      Er schnappte sich Santiagos Sonnenbrille, bevor der es tat, und setzte sie gegen das kommende Tageslicht auf. Seinen Sportsdrink nahm er auch noch, nicht, weil er ihn unbedingt wollte, sondern weil er die Geste dahinter mochte.
      "Du bist mir faktisch gesehen noch ein Frühstück schuldig. Aber ich bezahle, die Nacht hat dich sicher schon längst wieder arm gemacht."
      Dabei grinste er trotzdem, denn sie beide wussten, dass das bei ihrem kommenden Vermögen wohl nicht so einfach war.

      Sie checkten aus und weil Lewis keine Autofahrt überstehen würde - nichtmal nur wegen der Bewegung, sondern auch wegen seinen Bäumen - bestand er darauf, dass sie zu Fuß gingen. Das taten sie für etwa 20 Minuten, bis sie an einem Waffle House vorbeikamen, wo Lewis stehenblieb.
      "Ooh. Waffeln."
      Damit war der Ort für ihr Frühstück entschieden.
      Am Tisch bestellte er sich aber als allererstes einen Kaffee, den er erst einmal runterkriegen wollte, bevor er sich am Essen versuchte. Es war keine Überraschung, dass auch Santiago einen bestellte, wobei Lewis sich aber daran erinnerte, dass er vor einigen Tagen im Diner in der Nacht auch einen getrunken hatte.
      "Machst du das häufiger? Mit dem nicht schlafen?"
      Er nickte zu seinem Kaffee.