About gods and demons (Nimue & Kiba)

    • Das winzige Beben, das durch meine Hand schoss, als er seinen Kopf ganz leicht gegen meine Handfläche drückte, war schlimmer als jedes Donnergrollen draußen vor dem Fenster. Mein Herz machte einen regelrechten Satz. Er suchte meine Nähe? Daiki, der stolze, sture Daiki, der sich sonst eher von einen Chimäre aufschlitzen ließ, als Schwäche zuzugeben. Dass er sich jetzt so haltlos an meine Hand schmiegte, sagte mir mehr über seinen Zustand als jedes Fieberthermometer es je könnte. Es musste ihm wirklich miserabel gehen, wenn das 'stolze Breitschwert' plötzlich so zahm wurde.
      "Ich bleibe." flüsterte ich, und ich hoffte inständig, dass er das wilde Hämmern in meiner Brust nicht bemerkte. "Aber nur, wenn du aufhörst so rum zu zetern." Die Kälte meines nassen Oberteils wurde jedoch llangsam wirklich verdammt unangenehm. Wenn ich jetzt krank wurde, wer sollte dann die Suppe rühren? Ich sah mich im halbdunklen Zimmer um. Es war kahl, fast schon spartanisch, aber auf seinem Stuhl lag das weiße Hemd seiner Schuluniform. Ich schlich hin, während er mit geschlossenen Augen gegen die Erschöpfung ankämpfte. Zumindest dachte ich das. Ich riskierte noch einen letzten prüfenden Blick über meine Schulter ehe Ich ihm den Rücken zu drehte und versuchte mit klammen Fingern die Knöpfen meiner durchnässten Bluse zu öffnen. Ich bewegte mich fast lautlos, schälte den kalten Stoff von meiner Haut und schlüpfte schnell in sein Hemd. Es war viel zu weit, der Stoff noch ein wenig steif von seinen Schweiß. Aber deshalb roch es nach ihm. Wie das T-Shirt gestern. Nach diesem herben, warmen Duft, der mir jedes Mal fast den Verstand raubte. Das kühle Leinen auf meiner nackten Haut ließ mich kurz zusammen zucken, doch bald breitete sich eine wohlige Wärme aus. Es war, als würde er mich halten. Ich krempelte die viel zu langen Ärmel hoch und kehrte zu seinem Futon zurück. Vorsichtig, fast schon in Zeitlupe, legte ich mich flach auf den Boden, direkt neben seinen Futon. Der Holzboden war kühl und hart, aber das war mir völlig egal. Ich drehte mich auf die Seite, so dass ich mein Gesicht seinem zuwandte. Jetzt waren wir auf Augenhöhe. Sein schwerer, heißer Atem streifte meine Wangen, und der Duft von Kräutertee und ihm wurde so intensiv das ich hoffe gleich nicht wieder etwas furchtbar Dummes zu tun. "Ich bin hier, Daiki." flüsterte ich in die Dunkelheit. So wie er damals... an meinen Bett gewacht hatte. Ganz behutsam schob ich meine Hand über den Rand des Futons, bis meine Fingerspitzen seine Hand berührten, die halb unter der Decke hervorlugte. Ich umschloss sie nicht fest, ich legte meine Hand einfach nur sacht auf seine. Seine Haut brannte regelrecht, aber er zog sich nicht zurück. Dort lagen wir nun. Eine Göttin in einem viel zu großen Schulhemd auf dem blanken Boden und ein kranker Ayakashi, der im Fieber leise Sachen vor sich hin murmelte die sonst nicht zu ihm passten. Es war absurd. Es war völlig unvernünftig. Und wahrscheinlich würde ich morgen jeden einzelnen Knochen in meinem Körper spüren. Aber als ich sah, wie sich seine Züge im Halbschlaf endlich glätteten, weil er spürte, dass er nicht allein war, breitete ssich Erleichterung in mir aus. Ich beobachtete das sanfte Heben und Senken seiner Schultern, bis meine eigenen Augenlider schwer wurden. "Weißt du... Du bist so ein Idiot.", hauchte ich ein letztes Mal gegen die Dunkelheit, während ich mich noch ein Stück näher an den Rand seines Futons kuschelte. "Aber... ich schätze... du bist mein Idiot." Das Haus gab ein tiefes, fast schon schnurrendes Knacken von sich, als wolle es uns beide zudecken. Und während der Regen draußen unermüdlich gegen die Scheiben trommelte, glitt ich langsam in einen traumlosen Schlaf, die Hand fest an der seinen.

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    • Ich bekam nicht mehr viel mit, weil mir vor Erschöpfung die Augen zu vielen. Ich hörte noch, wie sie sagte, dass sie bei mir bleiben würde. Ich brummte leise zustimmend. Und ich hörte ein Rascheln. Ich wusste nicht, was es war, aber ich war auch zu müde, um nachzusehen. So gut es ging, atmete ich durch dir Nase, teilweise auch durch den Mund. Trotzdem konnte ich nun endlich einschlafen. Ich wusste, sie war jetzt sicher. Ihr konnte nichts mehr passieren. Aus irgendeinem Grunde hatte mich dieser Gedanke, als sie draußen war, wach gehalten.

      Nach einiger Zeit und ein bisschen Schlaf machte ich müde blinzelnd meine Augen auf. Vor mir war niemand mehr zu sehen. War Phila gegangen? Schließlich hatte ich sie nur gefragt, ob sie blieb, bis ich eingeschlafen bin. Ich seufzte und wollte den Schlaf aus meinen Augen reiben, als mich ein Gewicht daran hinderte, meinen Arm zu bewegen. Verwirrt sah ich nach unten und entdeckte Phila in meinen Armen an meine Brust geschmiegt. Mein Atem stockte und mein Herz schlug so sehr, dass es fast explodierte. Ich musste sie im Schlaf an mich gezogen haben oder sie selbst ist unter die Bettdecke gekrochen. Ich hatte das Bedürfnis zu fliehen, doch konnte ich mich nicht bewegen.
      "Was, äh? Ph-Phila. Wach auf.", sagte ich leise und schluckte. Was machten wir denn hier? Das.... das war keine gute Idee. Ich bin doch eine Waffe. Ein Schwert. Wir durften uns gar nicht so nah sein.
      "Phila, wach endlich auf.", sagte ich nochmal etwas nachdrücklicher. Als sie dann endlich die Augen öffnete und sich aufrichtete, wusste ich, was da gestern noch geraschelt hatte. Ich weitete die Augen und rutschte rücklings nach hinten an die Wand. Mein Hemd rutschte ihr ein wenig von den Schultern und ihre Beine entblösten sich beim Verrutschen der Decke und des weißen Stoffs, den sie anhatte. Ich schluckte schwer. Wurde das jetzt zur Gewohnheit bei ihr, dass sie meine Sachen trug. Ich hab das Shirt gestern kaum ertragen. Mein Hemd, das..... Mir war heiß. Das Fieber war wohl noch nicht weg. Und aus meiner Nase tropfte Blut.

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    • Das erste, was ich wahrnahm. Ich fühlte mich so sicher und geborgen wie schon lange nicht mehr, fast so, als wäre ich in Wolken gebettet. Verschlafen kuschelte ich meine Nase tiefer in das weiche Kissen vor mir .... doch das Kissen atmete(?). Und es schlug. Ein regelmäßiger, kräftiger Herzschlag direkt unter meinem Ohr. Da war.... Daikis Stimme. Sie klang immer noch rau, aber viel panischer, als ich es gewohnt war. Mühsam zwang ich meine Augenlider nach oben. Das Licht von Draußen drang fahl durch das Zimmer und beleuchtete die Situation, in der ich mich befand. Ich lag nicht mehr auf dem harten Holzboden. Irgendwann in den letzten Stunden, entweder hatte ich mich im Schlaf zu ihm hochgezogen oder er hatte mich im Fieberwahn wie ein Stofftier an sich gepresst, war ich unter seiner Decke gelandet. Ich klebte förmlich an seiner Brust und mein Kopf lag auf seinem Brustkorb. "Mh… was…?" murmelte ich benommen und blinzelte ihn an. Als mein Verstand endlich registrierte, dass ich in den Armen meines Begleiters aufgewacht war, schoss mir das Blut so schlagartig in die Wangen, dass ich dachte, ich müsste auf der Stelle verglühen.
      Ich richtete mich hastig auf, doch das war ein Fehler. Das viel zu große Schulhemd, das ich gestern Nacht in der Dunkelheit übergestreift hatte, rutschte mir prompt von der einen Schulter. Da die Decke beim Aufsetzen nach unten geglitten war, saß ich nun da... in seinem weißen Hemd, mit nackten Beinen, die Haare völlig zerzaust. Daiki reagierte, als hätte ich ihn mit einem Blitz getroffen. Er rutschte so hastig rückwärts gegen die Wand, dass die Dielen unter uns fast schon schockiert aufschrien. Sein Blick war völlig aufgelöst, seine Augen riesengroß, während er mich anstarrte, als wäre ich eine Erscheinung aus einer anderen Welt. "D-Daiki! Es ist nicht so, wie es aussieht!" platzte es aus mir heraus, während ich verzweifelt versuchte, das Hemd wieder über meine Schulter zu ziehen und gleichzeitig meine Beine unter dem Stoff zu verstecken. "Du hast… ich meine, ich wollte nur…"
      Ich brach ab. Mein Herz raste fast so schnell wie seins. Er sah mich an, als würde er gleich in Flammen aufgehen. Sein Gesicht war nicht mehr nur fiebrig rot, es war tiefpurpur. Und dann passierte es. Ein kleiner, roter Tropfen löste sich aus seiner Nase und fiel auf das Laken. Dann noch einer "Oh nein... Dein Fieber!" rief ich erschrocken, völlig vergessen war gerade meine eigene Scham. Ich krabbelte auf den Knien auf ihn zu, ohne zu merken, dass das den Anblick für ihn wahrscheinlich nur noch schlimmer machte. "Geht es dir wieder schlechter? Deine Nase blutet!" Ich griff nach dem Saum des Hemdes ... seines Hemdes, um ihm das Blut abzutupfen, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne. Mein Gott, Phila, denk nach! Ich trug seine Sachen, saß in seinem Bett und kroch gerade auf ihn zu wie eine Raubkatze auf ihre Beute. Kein Wunder, dass sein Körper völlig streikte. "Gaaaaaanz ruhig bleiben." sagte ich, mehr zu mir selbst als zu ihm, und versuchte, meine göttliche Fassung wiederzufinden, die irgendwo zwischen den Bettlaken verloren gegangen war. "Ich… ich hole nur schnell ein frisches Tuch. Und die Suppe! Ich bringe dir die Suppe." Ich sprang fast schon vom Futon, wobei das Hemd gefährlich flatterte. Ich wagte es nicht, ihn noch einmal anzusehen. Wenn er wüsste, wie sehr mir das Herz bis zum Hals schlug, weil er mich im Schlaf so fest an sich gezogen hatte… "Bleib sitzen! Rühr dich nicht!" befahl ich mit einer Stimme, die viel zu hoch klang, um autoritär zu sein, und flüchtete fast schon aus dem Zimmer. Das Haus gab beim Verlassen des Raumes ein kurzes, trockenes Knacken von sich, ich hätte schwören können, dass es mich gerade ausgelacht hat.
      Ich sollte ihm wirklich erklären, dass das mit dem Hemd eine rein praktische Entscheidung war. Aber erst, wenn mein Gesicht nicht mehr die Farbe einer reifen Tomate hatte.
      In der Küche angekommen, lehnte ich mich erst einmal mit dem Rücken gegen die kühle Vorratstür und presste die flachen Hände gegen meine glühenden Wangen. "Bei allen Göttern, Phila, reiß dich zusammen." flüsterte ich und starrte auf meine nackten Zehen, die unter dem Saum von Daikis Hemd hervorguckten. Das Hemd. Sein Hemd. Es war immer noch warm von seiner Körperhitze und roch so intensiv nach ihm, dass mir ganz schwindelig wurde. Ich sollte es lieber ausziehen. Sofort. Also eilite ich in mein Zimmer und um meine eigene, langweilige Kleidung anzulegen. Als ich wieder in die Küche kam riss mich ein lautes, forderndes Brodeln vom Herd aus meinen Gedanken.
      "Oh nein, die Suppe!" rief ich und hechtete zum Topf. Die Brühe war ordentlich eingekocht, der Duft von Huhn und Kräutern füllte den Raum... wenigstens etwas, das heute Morgen funktionierte. Mit zittrigen Fingern griff ich nach einer Kelle.
      Er hat mich festgehalten, schoss es mir wieder durch den Kopf, während ich die Suppe in eine Schale füllte. Er hat mich im Schlaf an sich gezogen. Ein Löffel klapperte laut gegen das Porzellan, weil meine Hand so zitterte. War das nur der Instinkt, nach etwas Warmem zu greifen? Oder war es… mehr? Und dann das Nasenbluten! War sein Fieber wirklich wieder gestiegen oder war er einfach nur so überfordert von meinem Anblick wie ich von seinem? "Hör auf dich lustig zu machen!" zischte ich die Wand an, als das Haus ein besonders rhythmisches, fast schon amüsiertes Knacken von sich gab. "Das ist mein Ernst!" Das Haus antwortete mit einem Klappern der Fensterscheiben, was verdächtig nach einem Kichern klang. Daiki brauchte die Suppe. Und er blutete! Ich würde einfach so tun, als wäre das alles völlig normal. Ich schnappte mir das Tablett, ein frisches Tuch für seine Nase und eine Schale mit der dampfenden Suppe. Mit tiefem Luftholen balancierte ich alles zurück zur Treppe. Vor seiner Tür hielt ich kurz inne. Ich stieß die Tür mit dem Ellbogen auf und trat ein. Daiki saß immer noch an die Wand gepresst da, und ich mied es tunlichst, ihm direkt in die Augen zu sehen, während ich das Tablett auf dem Boden neben seinem Futon abstellte. "Hier." sagte ich, und ich war stolz darauf, wie fest meine Stimme klang, auch wenn sie eine Oktave zu hoch war. "Die Suppe ist fertig. Und hier ist das Tuch für… na ja, für dein Gesicht. Dass das Fieber so plötzlich umschlägt, hätte ich nicht gedacht." Ich kniete mich wieder neben ihn. "Geht es wieder?" fragte ich leise und wagte es doch, ihn anzusehen.

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    • Es war zu spät. Ich spürte, wie Flüssigkeit aus meiner Nase lief und nachdem Phila das sah, erschrak sie und kam auf mich zugekrabbelt. Das war echt zu viel für mein kleines Herz. Ich drückte mich noch mehr an die Wand (im Ernst, es passte nicht mal mehr ein Blatt dazwischen) und ein Schauer lief über meinen Rücken. Ich kniff meine Augen zu, denn etwas anderes war gar nicht möglich. Es war wie ein Unfall. Man wollte nicht hinsehen, konnte aber nicht anders. Ich wartete, dass irgendwas passierte. Doch es passierte gar nichts. Ich hörte nur, wie sie ein Tuch und dir Suppe holen wollte und sich Schritte von mir entfernten. Nackte Füße, die über die Holzdielen des Hauses liefen und den Raum verließen.
      Vorsichtig sah ich durch einen kleinen Schlitz, um zu prüfen, ob sie noch da war. Aber das Zimmer war leer. Ich atmete laut durch und versuchte mich zu entspannen und mein Herz ruhiger werden zu lassen. Ich fuhr mir einmal mit dem Handrücken durch mein Gesicht, um mir das Blut von der Nase zu wischen. Jetzt sah es wohl noch schlimmer aus als vorher. Meine Wange wird blutverschmiert und mein Handrücken hatte ebenfalls Spuren. Ich seufzte laut und lehnte meinen Kopf an die Wand. Wie war sie bitte schön in mein Bett gekommen? Ich weiß gar nichts mehr, was gestern abend passiert war. War überhaupt noch was passiert? Ich hatte wirklich nen Filmriss. Und das dieses Hemd. Sie sah so klein und zierlich in meinem Hemd aus. Ein Filmchen spielte sich vor meinen Augen ab, wie sie am Wasser eines Sees spielte. Sie hatte mein Hemd an. Und sie lachte. Mit der Zeit benetzte das Wasser den weißen Stoff und er fing an, durchsichtig zu werden. Ich sah ihr vom Ufer aus zu. Nachdem sie genug hatte, kam sie zu mir gekrabbelt, inzwischen war sie pitschnass und das Hemd-
      Mein Kopfkino wurde unterbrochen, als ich erneut Schritte hörte. Phila kam mit einem Tablett zurück und sie trug... ihre eigenen Sachen. Gott, was sendete mir mein Kopf auch für Bilder? Heilige Scheiße, ich sollte mich besser mal abkühlen. Doch statt kalter Dusche, gab es jetzt erstmal die Suppe. Und ein Tuch für mein Gesicht. Ich nahm es an und wischte mir damit mein Gesicht und meine Hand sauber. Immerhin war es angenehm kühl.
      "Äh... Danke. Ich denke, es geht mir schon besser.", murmelte ich leise und fing an, die Suppe zu essen. Ich hatte nicht wirklich Hunger. Aber da Phila sie nun extra gekocht hatte, aß ich sie auch.
      "Es tut mir leid, dass du dir meinetwegen Sorgen gemacht hast. Ich.... es kommt nicht wieder vor."
    • Ich schluckte schwer. "Sag so was nicht", erwiderte ich leise. Ich rutschte ein winziges Stück näher, gerade so viel, dass ich nicht mehr wie eine Fremde im Raum wirkte. "Dass ich mir Sorgen mache, gehört wohl dazu, wenn man... wenn man zusammenlebt. Das lässt sich nicht einfach abstellen, Daiki." Puh, gerade noch gerettet. Hoffentlich hinterfragt er das jetzt einfach nicht... Um es schlussendlich nicht vollends zu versauen beobachtete ein einfach schmunzelnd, wie er fast schon pflichtbewusst seine Suppe löffelte. Wahrscheinlich wollte er einfach nur so schnell wie möglich fertig sein, um die Situation zu beenden. "Und wehe, du lässt die Pastinaken drin. Ich habe sie extra klein geschnitten, damit du nicht meckern kannst." Ich beobachtete ihn von der Seite. Das Fieber schien tatsächlich etwas gesunken zu sein, aber diese seltsame Spannung zwischen uns wollte nicht verschwinden. Dabei... war es so schön gewesen. Wie konnte ein so eigentlich furchteinflößender Ayakashi nur so friedlich und… ja, fast schon niedlich aussehen, wenn er krank war? Ich sehnte mich in diesem Augenblick bereits wieder zu dem Moment zurück, in dem ich an seiner Brust aufgewacht war. Auch wenn ich vor Scham fast gestorben wäre.
      Es war wirklich selten aber mit jeden Mal wieder wurde mir bewusster wie gerne ich es doch hatte wenn Daiki mich in den Arm nahm. Wenn mich sein Geruch ganz leicht umspielte, ich seine Wärme spürte um mich wahrnehmen konnte. Dann war ich einfach geborgen und glücklich auch wenn mein Herz in seiner Nähe viel zu aufgeweckt schlug.... wollte ich das alles am liebsten sofort wiederhaben. Aber ich presste die Lippen zusammen und unterdrückte den Drang, ihm einfach die Hand auf den Arm zu legen. Ich konnte das niemals laut aussprechen. Niemals. Vielleicht hielt er mich für naiv oder einfach nur für eine freundliche, etwas überbesorgte Göttin. Und das war okay. Wenn ich ihm sagen würde, was dieses Herzklopfen wirklich bedeutete, würde ich diesen stolzen Krieger vielleicht nur verunsichern. Oder schlimmer noch: ihn fortjagen. Und das wäre das Einzige, was noch schrecklicher wäre als mein eigenes Gefühlschaos. "Schmeckt es denn wenigstens?", fragte ich stattdessen, um die Stille zu füllen, und versuchte, so klangvoll und unbeschwert wie möglich zu klingen. "Oder ist es dir zu gesund? Ich könnte morgen auch wieder was... Fettigeres und Kaffee machen, wenn du wieder auf den Beinen bist." Ich lächelte ihn an, ein kleines, vorsichtiges Lächeln, während ich insgeheim hoffte, dass er nicht bemerkte, wie sehr ich gerade darum kämpfte, nicht schon wieder rot zu werden.
    • Sie beschwichtigte meine Entschuldigung. Dafür, dass sie halb ausgerastet war, als sie erkannt hatte, dass ich krank war, war sie jetzt aber ziemlich locker. Wo kam die Einstellung denn jetzt her? Wahrscheinlich hat sie bemerkt, dass es ihr peinlich war, wie sie reagiert hat und tat nun so, als wär das alles gar nicht so schlimm gewesen. Tse....
      Ich konzentrierte mich weiter auf die Suppe, als sie die ekligen Pastinaken ansprach. Was war ich? Ein Kanickel? Ertappt zuckte ich zusammen und sah beschämt zur Seite.
      "Sie schmecken aber nicht. Ich bin morgen eh wieder fit. Das war schon immer so. Wenn ich denn überhaupt krank war.", moserte ich und löffelte tatsächlich alles auf. Ich will wirklich nie wieder krank werden. Das ist ja ätzend.
      "Sie ist okay. Ich bin eben kein Suppenfan.", antwortete ich und sah sie an. Sie sah aus, als würde sie etwas von mir erwarten. Ich überlegte krankhaft, doch viel mir nichts eln, was ich ihr jetzt geben könnte.
      "Also ähm.... du brauchst dir wirklich keine Sorgen um mich machen. So ein bisschen Fieber bringt mich nicht um. Früher hab ich sie einfach ausgeschwitzt und geschlafen und dann war auch alles wieder gut. Ich penn einfach noch ne Runde und dann kann ich morgen auch wieder zur Schule gehen. ", versuchte ich, um ihr zu zeigen, dass das gar nicht so schlimm war, wie sie dachte. Gott, dass ich mal so einem Satz sagen würde. Als ob ich unbedingt in dir Schule wollte. Doch ich musste wirklich zugeben, dass mir hier echt langweilig war. Mir fehlte irgendwie.... Die Action.
      "Ich werde mich jetzt aufs Ohr hauen. Wenn du unbedingt willst, kannst du ja hier bleiben. Ich werde dich nicht aufhalten."
    • Ich beobachtete ihn dabei, wie er fast schon trotzig die letzten Reste der Suppe hinunterwürgte und dabei die Pastinaken mit einem Gesichtsausdruck verspeiste, als würde er Gift schlucken. Seine Prognose, dass er morgen sowieso wieder fit sei und das alles eigentlich gar nicht so schlimm wäre, klang so typisch nach ihm, dass ich mir ein Schmunzeln wirklich verkneifen musste. Er wollte eben unter keinen Umständen als schwach gelten, nicht einmal vor mir. Typisch Daiki. Als er dann meinte, dass er kein Suppenfan sei und sah mich dabei so erwartungsvoll an, dass ich fast wieder aus dem Takt geraten wäre. Gott, warum musste er auch immer so schauen? Als wüsste er ganz genau, dass mein Herz dann frei drehte. "Naaaa gut, wenn das stolze Breitschwert meint, es ist morgen wieder einsatzbereit, dann will ich mal nicht widersprechen. Die Schule wird sich sicher freuen, dich wieder in der letzten Reihe schlafen zu sehen." Er klang schon wieder viel mehr nach dem Daiki, den ich kannte auch wenn er dann fast schon beiläufig hinzufügte, dass ich ruhig bleiben könne, wenn ich das denn unbedingt wolle. Er würde mich jedenfalls nicht aufhalten.
      Diese indirekte Einladung war alles, was ich hören musste. Es war seine Art zu sagen, dass er meine Nähe doch ganz gerne mochte, auch wenn sein Stolz ihm niemals erlauben würde, es deutlicher auszuspielen.
      "Meinetwegen.", antwortete ich leise und versuchte, meine Stimme so neutral wie möglich zu halten, während mein Herz innerlich einen Freudentanz aufführte. "Wenn du mich schon so charmant bittest, dann bleibe ich eben noch ein bisschen. Ich muss ohnehin über ein paar Dinge nachdenken." Ich lehnte meinen Kopf gegen die Wand und beobachtete, wie er sich wieder in seine Decke kuschelte. Es war seltsam. Ich war todmüde, mein Kleid war zerknittert und eigentlich wartete unten ein ganzer Berg Abwasch auf mich. Aber in diesem Moment gab es keinen Ort, an dem ich lieber gewesen wäre. "Schlaf gut, Daiki", flüsterte ich, als ich sah, wie seine Augenlider schwer wurden. Ich zog die Knie an und legte mein Kinn darauf ab, während ich den Blick nicht von ihm abwenden konnte. Vielleicht war ich naiv. Vielleicht war ich auch einfach nur unsterblich in meinen eigenen Ayakashi verliebt. Aber solange er mich nicht wegschickte, war mir das eigentlich völlig egal. Die Stunden verstrichen, und das Licht im Zimmer wandelte sich langsam von einem fahlen Grau in ein sanftes, gedämpftes Gold. Daiki schlief nun tief, und das Pfeifen in seiner Nase war einem gleichmäßigen, beruhigenden Rhythmus gewichen. Ich saß immer noch an derselben Stelle, den Rücken gegen die Wand gelehnt, und beobachtete, wie sich seine Schultern unter der schweren Decke hoben und senkten. Es war seltsam. Wenn man uns so sah, würde niemand darauf kommen, dass wir eine "göttliche Herrin" und ihre "Waffe" waren. Eigentlich sollten wir über Strategien nachdenken oder die Runen im Keller studieren, aber hier saß ich nun und hütete den Schlaf eines Ayakashi, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Meine Gedanken wanderten zurück zum Anfang. Damals war alles so klar gewesen. Ich wollte einfach nicht, dass er sein Leben so einfach weg warf. Wir waren uns beide Fremd und nicht einmal so richtig sympathisch gewesen aber es gab klare Rollen. Wann genau war diese Grenze eigentlich verschwommen? War es das erste Mal, als er mich Phila genannt hatte? Oder war es der Moment, als er an meinem Bett gewacht hatte? Ich sah auf meine Hände, die locker auf meinen Knien ruhten. Ich wollte diesen stolzen Kämpfer unter keinen Umständen verunsichern. Wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass dieses Haus sich nur deshalb wie ein Zuhause anfühlte, weil er darin herumpolterte und sich über meinen Tee beschwerte, würde er wahrscheinlich sofort wieder flüchten wollen. Das Haus gab ein tiefes, fast schon nachdenkliches Knacken im Dachstuhl von sich. Es fühlte sich an, als würde es mir zustimmen. "Ich weiß", flüsterte ich kaum hörbar in den Raum. "Ich bin wohl wirklich ein bisschen naiv." Aber was war die Alternative? Ihn nur als Werkzeug zu sehen? Das fühlte sich mittlerweile so falsch an wie ein Kleid, das drei Nummern zu klein war. Ich wollte seine Wärme spüren, ich wollte dieses heftige Herzklopfen, auch wenn es mich manchmal fast um den Verstand brachte.
      Ich lehnte meinen Kopf gegen die Wand und schloss für einen Moment die Augen. In der Stille des Zimmers fühlte ich mich ihm so nah wie nie zuvor, selbst ohne Berührung.
    • Ich merkte schon. Sie nahm mich nicht ernst, was meine Gesundheit anging. Dabei konnte sie mir ruhig mal was glauben, wenn ich ihr was erzählte. Tse. Sie wird schon sehen, dass es mir morgen besser ging.
      "Wenn ich schlafe, dann weil die Schule so verdammt langweilig ist...", brummte ich und kuschelte mich ein.
      Phila ging tatsächlich nicht weg und blieb neben mir sitzen. Die Sicherheit, dir sie ausstrahlte, ließ mich schnell wieder einschlafen und so verging der Tag wie im Flug. Ich konnte mich gut ausruhen und so langsam verschwand das Fieber. Dachte ich zumindest. Denn als ich aufwachte, sah ich meine Herrin an der Wand gelehnt und vor sich hindöste. Es sah irgendwie unbequem aus. Ich betrachtete ihre langen Haare, die wie fließendes Wasser über ihre Schulter gleiteten. Die Augen sahen zwar entspannt aus, aber dafür war der ganze Körper irgendwie steif... Sie wird es nicht gewohnt sein, so lange da so zu sitzen. Bei mir war es etwas anders. Als ich mit Castor unterwegs war, gab es öfter Situationen, in denen man unbequem schlafen musste. Für mich war das völlig okay. Deswegen auch dieses Futon hier. Ich glaubte nicht, dass Phila jede Nacht in so einem Futon verbringen konnte. Trotzdem war es hier alle Male bequemer und wärmer. Ich schluckte. Ich erinnerte mich daran, wie sie heute morgen an mich gekuschelt da lag. Sie sah zufrieden aus. Vielleicht hat sie mit ihrer Lanze auch öfter gekuschelt. Ob sie das vermisste? Ob sie ihr altes Leben vermisste? Vielleicht.... konnte ich ihr etwas von ihrem alten Leben geben. Nur würde das bedeuten..... Hitze stieg in mein Gesicht. Das ich das hier echt bringen würde. Aber das würde ich auch nur bei ihr erlauben. Sie ist die einzige Ausnahme. Ich sah verlegen zur Seite und seufzte lautlos. Ich war doch nicht mehr ganz dicht. Zum Glück sieht das hier aber niemand. Nicht auszudenken, was meine Teamkameraden sagen würden, wenn sie mich kuschelnd mit Phila erwischen würde. Und das Haus würde auch niemand verstehen. Warnend sah ich nach oben.
      "Halt bloß die Klappe.", sagte ich leise und warf dem Haus nochmal einen bösen Blick zu, ehe mich wieder an den Zwerg richtete.
      "Phila. Wach auf.", brummte ich leise, um sie nicht zu erschrecken.
      Zögernd hob ich die Decke an, um sie ins Bett zu lassen und ihr die Möglichkeit zu geben, sich an mich zu kuscheln.
      "Aber das wird nicht zur Gewohnheit.", warnte ich.

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    • Als er dann meinen Namen brummte, schlug ich blinzelnd die Augen auf. Er wirkte immer noch ein wenig zerzaust, aber der fiebrige Glanz in seinen Augen war diesem typischen, leicht defensiven Funkeln gewichen. Ich wollte gerade ansetzen, mich zu entschuldigen, weil ich wohl doch eingenickt war, als er etwas tat, das mich völlig aus der Fassung brachte. Er hob zögernd die schwere Decke an. Ein unausgesprochenes Angebot, das so gar nicht zu seinem sonstigen 'Breitschwert-Gehabe' passte. Ich schluckte schwer. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Wollte er mich... wirklich bei sich haben? Was war nur in ihn gefahren? Lag es an seinen Fieber? Aber sein Blick, so verlegen er auch bei Seite sah, wirkte völlig klar. Ich starrte auf die angehobene Bettdecke, als wäre sie ein heiliges Artefakt. Mein Atem stockte. Ich wusste, wie viel Überwindung es diesen stolzen, sturen Ayakashi kostete, mir so ein Angebot zu machen. Er, der sonst lieber im Alleingang gegen ein ganzes Dutzend von Anomalien antreten würde, als zuzugeben, dass er Nähe brauchte, oder dass er wollte, dass ich sie bekam.
      Ich zögerte. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, so dass ich fast Angst hatte, er könnte es hören. Sollte ich wirklich? War das nicht zu viel? Ich wollte ihn nicht bedrängen, nicht dafür sorgen, dass er sich morgen vor Scham am liebsten auf irgendein Dach abhauen wollte. "Daiki, ich...", setzte ich an, doch ich kam nicht weiter. Das Haus schien meine Unentschlossenheit gründlich satt zu haben. Gerade als ich einen vorsichtigen Schritt zurückweichen wollte, gab es unter meinem Fuß ein verräterisches, lautes Knack. Eine der Dielen hob sich mit einer Kraft an, die für ein einfaches Stück Holz fast schon unglaublich war. Ich verlor völlig das Gleichgewicht, stolperte nach vorne und landete mit einem unterdrückten Aufschrei direkt auf dem Futon... und zwar... passgenau in Daikis Armen. Die Wucht des Sturzes drückte mich förmlich gegen seine Brust. Die Wärme, die von ihm ausging, traf mich wie ein Schlag. Mein Gesicht landete genau in der Beuge seines Halses, und für einen Moment war ich so erstarrt, dass ich mich nicht einmal traute, zu blinzeln. "...Verräter", murmelte ich leise in Richtung des Fußbodens, während ich spürte, wie die Hitze in meine Wangen schoss. Dieses Haus wusste es doch besser. Es kannte meine Gefühle und Gedanken besser als jeder Andere. Das hier war grausam...und unbeschreiblich schön zugleich. Dieses Gebäude war wirklich der schlimmste Kuppler der Weltgeschichte.
      Nun lag ich also hier. Aber Daiki ließ mich nicht los. Und ich? Ich merkte, wie sich meine ganze Anspannung in Luft auflöste, sobald ich seinen vertrauten Geruch wieder in der Nase hatte. Es war zwecklos, dagegen anzukämpfen.
      Ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter, entspannte ich mich. Ich schob meine Hand vorsichtig über seine Taille und krallte mich ein klein wenig in den Stoff seines Shirts, das ich ja immer noch trug. Es fühlte sich so unglaublich richtig an, dass ich fast vergessen hätte, wie wir überhaupt hier gelandet waren. "...Na gut.", hauchte ich, mein Gesicht immer noch halb in seinem Hals vergraben, um das triumphierende Funkeln in meinen Augen zu verbergen. "Aber nur, damit du nicht wieder auskühlst. Oder das Fieber wieder kommt. Rein medizinisch gesehen, natürlich. Das Haus scheint ja auch der Meinung zu sein, dass ich hierbleiben muss." Ich spürte das leichte Beben seines Brustkorbs,vielleicht ein Lachen, vielleicht auch nur ein Seufzen und schloss die Augen. In diesem Moment war mir das Warum völlig egal. Ich war bei ihm. Und allein das reichte um diesen Augenblick als glücklichsten Moment meines Lebens zu bezeichnen.
    • Ich hielt die Bettdecke hoch. Kühle Luft berührte meinen warmen Körper. Es tat kurze Zeit gut. Doch würde ich gern die Decke wieder runter machen. Doch Phila kam nicht. Sie zögerte. Wollte sie etwa doch nicht? Vielleicht hatte ich das alles falsch interpretiert. Vielleicht wollte sie lieber gehen. Doch dafür hätte sie doch auch einfach nein sagen können.
      "Nun komm schon, es wird kalt und mein Arm wird schwer.", moserte ich wieder. Sie wollte was sagen. Erwähnte meinen Namen. Also lehnte sie doch ab....? Doch das Haus schien anders entschieden zu haben und schwupps löste sich eine Holzdiele vom Boden und schleuderte Phila direkt in meine Arme. Ich fing sie auf, doch prallte ihr Körper auch auf meinen Bauch.
      "Uff!", mir entwischte ein Laut aus meinem Mund, doch blieb sie auch brav in meinen Armen liegen. Es dauerte einen Moment, bis sie sich regte und ich konnte ein leises Murmeln hören. Ihr Atem streifte über das Mal, dessen Stelle an der Haut sich eine Gänsehaut bildete. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich unterdrückte ein lautes Aufseufzen. Ob es wirklich so eine gute Idee war? Doch konnte ich jetzt keinen Rückzieher machen. Immerhin hatte ich mit der ganzen Sache angefangen und ihr das Angebot gemacht. Und da in der Ecke zu sitzen und zu dösen, das.... sah irgendwie unbequem aus.

      Aus dem steifen Brett wurde langsam eine bequeme Phila und ihr Körper entspannte sich langsam. Ich legte einen Arm unter meinen Kopf, während der andere immer noch ihren zarten Körper festhielt, ehe ich wieder die Augen schloss. Ich behielt sie auch geschlossen, als sie mir sagte, dass sie aus rein medizinischen Zwecken hier lag. Ich schnaufte leise.
      "Na klar. Rein medizinisch.", murmelte ich, "Nur bitte lass uns beide angezogen." Das letzte rutschte mir raus, bevor ich merkte, was ich da eigentlich gesagt habe. Peinlich berührt biss ich mir auf die Lippe. Dummkopf...
      Ich schniefte leise und dabei zog ich ihren Duft in meine Nase. Sie roch nach Blumen und auch ein bisschen nach was Süßlichem. Ich kam mir vor, als stünde ich in einem Blumenfeld, was über und über mit hellen, lilanen Blumen bestückt war. Wieder stieß die Hitze in mein Gesicht. Ich musste aufhören , an solche Sachen zu denken. Ich sollte... einfach weiterschlafen.
    • Ich spürte, wie mein ganzer Körper unter seiner Berührung zu kribbeln schien. Dass er mich aufgefangen hatte, ohne zu zögern, obwohl ich so unelegant auf ihm gelandet war, ließ mein Herz endgültig Achterbahn fahren. Das Alles war schon chaotisch genug. Ich hatte es gerade geschafft meinen Atem zu regulieren und wollte mich gerade bei ihn bedanken doch dann kam dieser Satz. Dieser eine Satz, der mich fast wieder aus dem Bett katapultiert hätte. Ich erstarrte mitten in der Bewegung, als ich gerade dabei war, mein Gesicht noch ein Stück tiefer in sein Kissen zu vergraben. Mein Gesicht glühte so hell, dass ich wahrscheinlich die Dunkelheit das ganze Haus hätte erleuchten können. Er hat das nicht wirklich gesagt, oder?! "Daiki!" Ich boxte ihm einmal kurz, aber entschieden gegen die Schulter, wobei ich peinlich genau darauf achtete, sein Mal am Hals nicht zu sehr zu streifen ... meine Finger kribbelten ohnehin schon genug von der bloßen Nähe. Er war so ein Trottel. Ein wunderbarer, komplizierter, fiebernder Trottel. Ohhh... Ich war so rettungslos in diesen grummeligen Kerl verknallt, dass es fast schon peinlich war. "Rein medizinisch, erinnerst du dich?", murmelte ich wieder, diesmal mit einem deutlichen Lächeln in der Stimme, das ich gegen seine Brust drückte. "Und medizinische Handlungen bei Erkrankungen finden in diesem Haus grundsätzlich voll bekleidet statt. Also entspann dich, Lulatsch." Ich atmete tief ein und nahm seinen Geruch auf, während ich spürte, wie sich etwas an meinen Haaransatz sanft bewegte. Ein viel zu wohliger Schauer lief über meinen Rücken. Es war, als würde die Welt draußen mit all ihren Pflichten und Gefahren einfach aufhören zu existieren. Hier drinnen gab es nur das gleichmäßige Schlagen seines Herzens und die schwere Decke, die uns beide einhüllte. "Schlaf jetzt einfach", raunte ich ohne mich zu trauten zu ihm rauf zu sehen. "Ich verspreche, ich klaue dir nicht die Decke. Aber für dein Schnarchen übernehme ich keine Verantwortung." Das Haus gab ein letztes, tiefes und fast schon erleichtertes Seufzen in den Balken von sich, als hätte es nur darauf gewartet, dass wir endlich aufhören. Mein Gott, Philomena, hättest du nicht wenigstens so tun können, als wäre dir das alles egal? Aber nein, stattdessen lag ich hier und versuchte meine Fassung wieder zu erlangen während mein Herz mir bis zum Hals hämmerte. Ich war mir sicher: Morgen würde er wieder den Unnahbaren spielen und ich würde so tun, als wäre absolut gar nichts passiert. Ich legte meinen Kopf wieder auf seine Brust und versuchte, meine Atmung seinem Rhythmus anzupassen, auch wenn mein Puls immer noch wie ein aufgeschrecktes Kaninchen raste.. Schlafen sollte ich jetzt eigentlich auch... aber hier so zu liegen, wenn ich den Schlag seines Herzens hören, Daikis Geruch und Wärme um mich hatte... wie war da nur an Schlaf zu denken?!
    • "Ich werde dich das nächste Mal daran erinnern, wenn du Krankenschwester spielst, Zwerg.", murmelte ich schläfrig. Ich ging nicht auf diesen kleinen Boxer ein, weil er auch nicht besonders stark war und dementsprechend auch nicht weh tat. Allerdings musste ich zugeben, dass mir unser Wortgefecht Spaß machte. Es machte Spaß, sich mit ihr zu streiten, mit ihr zu diskutieren und sie zu ärgern. Ich durfte so sein, wie ich war, ohne, dass sie mich verurteilte. Das tat wirklich gut zu wissen.
      Ich schlief langsam ein und Phila sollte Recht bekommen. Die Decke blieb an Ort und Stelle und so schlummerten wir bis zum nächsten Morgen in diesem Bett. Ob ich letztenendes doch geschnarcht hatte, wusste ich nicht. Will ich mal nicht hoffen.
      Doch inzwischen war nicht nur ein Teil der Decke runter gerutscht, sondern auch ich war eine Etage tiefer gesunken. So wie Phila sich in meine Arme und an meine Brust gekuschelt hatte, war ich es jetzt, der den Kopf zwischen ihre Arme gelegt hatte. Mein Gesicht lag an ihrem Hals und somit war es angenehm warm an meinen Ohren. Meine Arme lagen locker an der Taille und meine Beine quetschen sich jetzt noch irgendwie unter die Decke. Da diese Decke sowie das Futonbett nur für eine Person ausgelegt war, war es auch recht eng. Da keiner irgendwie auf den Holzdielen liegen wollte (war ja kalt) hatten wir die ganze Zeit zusammengekuschelt auf der Matte gelegen.
    • Zuerst war da dieser Geruch. Ihr Götter... Eine Mischung aus kühlem Metall, Leder und dieser ganz eigenen, maskulinen Note, die mich sofort wie die schwere Decke einhüllte. Ich war noch im Halbschlaf, irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit gefangen. Leise murrend kam ich zu mir. Das Erste, was ich direkt vor meiner Nase sah, war kein Kissen. Es war ein tiefblauer, störrischer Haarwirbel, der in alle Richtungen stand. Genau das Chaos auf seinem Kopf, über das ich mich sonst immer heimlich aufregte. " ...Dai...ki... ", murmelte ich geistesabwesend und wie mit einen schwachen Atemzug seinen Namen. Noch völlig verpeilt und halbwach, halbverpennt, hob ich unbewusst die Hand. Meine Fingerspitzen strichen federleicht über sein Haar und versuchten, die widerspenstigen Strähnen ganz sanft zu ordnen. Es fühlte sich in diesem Moment so natürlich. Als wäre es das Normalste von der Welt. Doch dann schaltete sich endlich mein Verstand ein. Sekunde mal! Ich erstarrte mitten in der Bewegung, die Finger noch halb in seinem Haar vergraben. Mein Herz machte einen Satz, der mich fast den Atem kostete. Ich blinzelte hektisch und sah an mir herunter... und was ich da sah, ließ mein Gesicht augenblicklich knall rot anlaufen. Daiki hatte seinen Kopf tatsächlich an meinen Hals vergraben, sein Gesicht drückte fest gegen meine Haut, und seine Arme hielten meine Taille so umschlungen, als hätte er Angst, ich würde mitten in der Nacht weglaufen. Ich spürte jede seiner Atembewegungen, jede Faser seines Körpers, der so dicht an meinem klebte, dass kein Blatt Papier mehr dazwischen gepasst hätte.
      Panik brach in mir aus. Ich hatte ihn gerade gestreichelt! Ich hatte seinen Namen gehaucht! Und ich lag hier auf seinen Futon, während er mich praktisch als persönliches Kopfkissen benutzte! Mein Gott, Philomena! Ich wagte kaum zu atmen, meine Augen waren weit aufgerissen und starrten wie gebannt auf die Zimmerdecke. Mein Puls hämmerte so laut in meinen Ohren, dass ich sicher war, er müsste davon aufwachen... wenn er nicht längst wach und in Schockstarre verfallen war. Das Haus gab ein langes, knarzendes Geräusch von sich, das verdächtig nach einem unterdrückten Lachen klang. Ganz ruhig bleiben, befahl ich mir selbst, während ich versuchte, meine Hand in Superzeitlupe von seinem Kopf zurückzuziehen. Nicht bewegen. Vielleicht merkt er es nicht. Vielleicht kannst du dich einfach in Luft auflösen.
    • Ich schlief. Wie ein Baby. Schön warm. Weich. Alles ist perfekt. Doch irgendwie.... war etwas anders als sonst. Mein Kissen bewegte sich. Es strich durch meine Haare. Es war ein schönes Gefühl. Als würde man auf mich aufpassen. Ähm... mein Kissen bewegte sich?
      "Was ist denn los?", murmelte ich leise mit tiefer Morgenstimme und regte mich. Ich hob vorsichtig meinen Kopf und sah Phila direkt in die Augen, die mich immer an einen Opal erinnerten. Mein Hirn brauchte einen Moment, um zu verstehen, was hier überhaupt los war, ehe ich merkte, wie die Hitze in meinen Kopf stieß. Man konnte mir wahrscheinlich förmlich ansehen, wie mein Gesicht einer Tomate glich. Als wären wir von ihrem Vater erwischt worden, löste ich mich von ihr und setzte mich auf. Wann bitte war ich nachts in ihre Arme gerutscht? Sie war doch erst in meinen. Ich hatte eher damit gerechnet, dass ich mich irgendwann umdrehen und ihr den Rücken kehren würde. Und dann würde sie gehen, weil sie die Schnauze voll hatte. Sofort war zumindest meinen Plan. Ist nur leider nicht aufgegangen.
      "W-Warum bist du noch da? Ich schwöre dir, das war mit Sicherheit keine Absicht. Ich dachte, ich bin allein im Bett.", versuchte ich mich rauszureden. Ich wollte wirklich keinen Ärger machen.
      Beschämt sah ich zur Seite und kratzte mich am Haaransatz. Ich musste zugeben, dass es wirklich schön war. Zu schön. Was stimmte mit mir nicht, dass es mir gefiel, in der Nacht zu kuscheln? Nähe war für mich immer ein Fremdwort. Etwas, was ich nie zulassen konnte. Ich wollte weder angefasst oder umarmt oder sonst was werden, noch wollte ich das bei wem anders tun. Trotzdem war ich grad derjenige, der sich nun in ihre Arme gekuschelt hatte.
      "Äh, ich..... ich habe geschwitzt. Ich sollte besser duschen gehen.", wich ich allem gekonnt aus, hob dir Decke an, um aufzustehen und sie dann Phila wie eine Kapuze über den Haarschopf zu legen. Ich war mir nicht sicher, was sie letztenendes anhatte. Aber bevor ich wieder irgendwelche Überraschungen erlebte, deckte ich sie lieber zu.
      Aus Angewohnheit zog ich mir mein Shirt über den Kopf, ehe ich an meiner Hose nestelte, als ich abrupt inne hielt. Die ließ ich wohl besser an. Mit einem kurzen Blick zum Zwerg, huschte ich durch die Tür hindurch.

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    • Das war's. Mein Todesurteil. Als er den Kopf hob und mich mit dieser tiefen, rauen Morgenstimme fragte, was los sei, hätte ich am liebsten die Zeit angehalten und mich direkt in den Keller teleportiert. Seine Augen fixierten meine.... dieser Blick.....Götter dieser Blick..., der sich anfühlte wie ein elektrischer Schlag und für einen Moment herrschte absolute Funkstille in meinem Kopf.
      Dann passierte alles gleichzeitig. Daiki realisierte die Lage, wurde so rot wie eine überreife Tomate und schreckte von mir hoch, als hätte ich ihn mit kochendem Wasser übergossen. Ich saß da, die Haare wahrscheinlich völlig zerzaust, die Finger noch in der Luft, wo eben noch sein Kopf gewesen war. Er stammelte erschrockrn etwas vor sich hin und sah dabei so dermaßen beschämt aus, dass ich diese Macht beinah wieder bereute. "Ich... du hast... das Haus hat...", stammelte ich zurück, doch kein vernünftiger Satz wollte aus meinen Mund kommen. Was sollte ich auch sagen? 'Hey, dass du mich bei dir in deinem Bett hast schlafen lassen fand ich wirklich toll' Sicher nicht! Bevor ich auch nur tief einatmen konnte, war er schon im Fluchtmodus. Er brabbelte irgendwas von Duschen und Schwitzen, packte die Decke und warf sie mir wie einen Sack über den Kopf. Dunkelheit. Ich hörte nur noch das Rascheln von Stoff ....hat er gerade wirklich sein Shirt ausgezogen? Mir wurde warm,viel zu warm.
      "Daiki, ich...", fing ich unter der Decke an, doch da hörte ich schon, wie er fast schon panisch aus dem Zimmer huschte. Ich zog mir die Decke vom Gesicht und starrte auf die leere Tür. "W-was war das denn eben?" Mein Herz hämmerte als wäre ich wie eine Wahnsinnige einen Marathon gelaufen. Die Stelle an meinem Hals, wo sein Gesicht gelegen hatte, brannte immer noch vor Wärme. Er dachte ernsthaft, ich würde ihm Vorwürfe machen? Dass er sich rausreden musste, als hätte er ein Verbrechen begangen, versetzte mir einen kleinen Stich. Dabei war ich es doch, die ihn gerade noch gekrault hatte wie einen Welpen! "Daiki...Lulatsch...Du Idiot...", flüsterte ich in den leeren Raum, während ich mir mit beiden Händen über das glühende Gesicht fuhr. Wie er mich gerade angesehen hatte.. "Ein verdammter, süßer Idiot." Ich ließ mich zurück in die Kissen fallen, die jetzt alle nach ihm rochen. Er dachte wirklich, es wäre ihm peinlich? Er hatte ja keine Ahnung, dass ich am liebsten die Zeit zurückgedreht hätte, nur um noch fünf Minuten länger so dazuliegen. Aber nein, er musste ja flüchten, als wäre ich eine drohende Naturkatastrophe.
      Das Haus gab ein besonders lautes, hölzernes Knacken von sich, das fast wie ein hämisches Grinsen klang. Nicht das jetzt auch noch! "Und du hältst jetzt erst recht die Klappe!", rief ich wütend gegen die Decke, während ich versuchte, meine flatternden Nerven irgendwie wieder unter Kontrolle zu bringen. Ich musste hier raus, bevor er aus der Dusche kam, sonst würde ich vermutlich auf der Stelle zu Staub zerfallen.
      Ich huschte aus dem Zimmer, meine nackten Füße patschten leise auf dem Holzflur. Ich musste in die Küche. Wenn ich so tat, als würde ich schon seit Stunden hocheffizient Frühstück vorbereiten, konnte ich das Desaster von eben vielleicht als fiebertraumähnliche Halluzination abtun. In der Küche angekommen, krallte ich mich an der Arbeitsplatte fest und starrte auf die Kaffeemaschine. Ich griff nach den Eiern und der Pfanne. Ich würde das jetzt durchziehen. Ich würde so tun, als wäre absolut gar nichts passiert. Auch wenn ich genau wusste, dass ich bei seinem Anblick gleich wieder rot anlaufen wie eine Warnsignalleuchte.
    • Endlich unter der Dusche, lief mir das warme Wasser über den Kopf und suchte sich den Weg über meinen Körper nach unten zum Abfluss. Ich atmete einmal durch, um wieder runterzukommen. Ich wusste nicht, was in letzter Zeit mit mir los war. Ich.... war ihr viel zu nah. Ich bin nur eine Waffe. Und sie eine Göttin. Sie sollte such wenn dann, lieber einen anderen Gott suchen, dem sie so nah sein konnte. Aber doch nicht mich. Ich war nicht mal richtig krank. Glaubte ich jedenfalls.
      Ich fuhr mir langsam übers Gesicht, ehe ich anfing, den Schweiß abzuwaschen. Nach dem Duschen schlich ich mit Handtuch um die Hüfte gewickelt wieder in mein Zimmer. Durch einen Türspalt sah ich nach, ob Phila sich noch im Raum aufhielt. Als ich jedoch einen leeren Raum umd ebenso ein leeres Bett vorfand, atmete ich erleichtert aus und ging rein. Ich zog mich an, packte das Futon zusammen und folgte dann dem leckeren Duft von Eiern und Speck, sowie Kaffee, der mich promt zur Küche führte. Bevor ich jedoch eintrat, überlegte ich, wie ich ihr nun gegenübertreten sollte. Die Entscheidung war wahrlich keine einfache. Ich denke, erstmal so tun, als wäre gar nichts passiert, wäre das Beste. Vielleicht tat sie es ja genauso.
      Ich atmete einmal durch, um mich aufzuraffen und ging dann durch die Tür in dir Küche.
      "Ähm... morgen.", sagte ich und setzte mich an den Tisch.
      "Du hast schon Frühstück gemacht?", fragte ich und biss mir kurz auf dir Unterlippe. So zu tun, als wäre nichts passiert, ging ja mal voll in die Hose...
    • Ich stand mit dem Rücken zur Tür und starrte so konzentriert auf die Pfanne. Mein Herz raste immer noch, und jedes Mal, wenn ich das ferne Rauschen der Dusche hörte, zuckte ich unwillkürlich zusammen. "Ganz ruhig, Philomena...", flüsterte ich mir selbst zu. "Du bist eine Göttin. Du hast Haltung. Du hast... verbrannte Butter!" Hektisch kratzte ich am Pfannenboden herum, als ich Schritte auf dem Flur hörte. Das Holzknarren verriet ihn sofort. Ich versteifte mich, das Pfannenwendemesser fest umklammert, als die Küchentür aufging. Ich hörte das kurze Zögern in Daikis Stimme, dieses fast unmerkliche Beißen auf die Unterlippe. Gott, er versuchte es wirklich. Er versuchte so zu tun, als hätten wir nicht gerade noch Arm in Arm die Matratze geteilt. "Ja, sieht man doch, oder?", antwortete ich viel zu schnell und viel zu laut. Ich wirbelte herum, die Pfanne immer noch in der Hand, und versuchte ein lässiges Grinsen aufzusetzen, das wahrscheinlich eher wie eine Grimasse aussah. "Ich dachte, nach deiner dramatischen Flucht ins Badezimmer könntest du eine Stärkung gebrauchen. Bevor du wieder behauptest, du seist kerngesund und könntest Bäume ausreißen." Ich stellte die Pfanne mit einem etwas zu lauten Knall auf den Untersetzer und wagte es endlich, ihn anzusehen. Er wirkte frisch geduscht, die Haare noch feucht und zum Glück für meinen Blutdruck, wieder vollständig angezogen. "Setz dich einfach.", sagte ich und deutete mit dem Pfannenwender vage auf den Stuhl. "Kaffee ist auch fertig. Und nein, ich habe keine Gemüse für extra Vitamine reingemischt, falls du das fragen wolltest." Ich schenkte ihm eine Tasse ein, wobei meine Hand nur ganz minimal zitterte. Dann starrte ich in meine Kaffeetasse, als befände sich darin die Lösung für den Weltfrieden, während ich spürte, wie Daiki sich am Tisch niederließ. Die Luft in der kleinen Küche war so aufgeladen, dass ich fast damit rechnete, dass gleich Funken von den Schränken sprühen würden. Und ganz ehrlich... ich würde dieses Spektakel unseren Zuhause auch zutrauen. "Hast du... hast du gut geschlafen?", plapperte ich los, bevor mein Verstand auch nur die Chance hatte, die Notbremse zu ziehen. Ich hätte mir auf der Stelle die Zunge abbeißen können. Phila, ernsthaft?, ermahbte ich mich innerlich. Frag ihn doch direkt, ob er die Stelle an deinem Hals bequem fand! Das war zu viel! Ich wirbelte zurück zum Herd, um die Pfanne unnötig laut unter das Wasser zu halten. Das Zischen des Dampfes übertönte für einen Moment das heftige Hämmern meins Puls."Ja, das Haus hat wohl die Heizung etwas zu gut gemeint", log ich glatt weg und konzentrierte mich voll und ganz auf das Schrubben, als hinge mein Leben davon ab. "Kommt vor bei alten Gebäuden." Ich spürte DaikisBlick im Rücken. Mir war klar, dass es nichts brachte. Ich konnte nicht einfach so tun als wäre Nichts geschehen und doch hielt ich krampfhaft daran fest. "Hier, iss was ", sagte ich, etwas sanfter diesmal, und schob ihm den Teller mit dem Speck und den Eiern hin. Ich setzte mich ihm gegenüber, hielt aber die Tischkante fest, damit meine Hände nicht schon wieder anfingen zu zittern. "Du musst zu Kräften kommen. Ich will nicht, dass du morgen im Unterricht umkippst." Zumal doch auch irgendwann das Spiel war... war das heute? Oder Morgen? Apropos! - "Ich... ich muss mich noch fertig machen!", rief ich über die Schulter, während ich schon in Richtung Badezimmer flitzte. "Iss gefälligst auf! Und wage es nicht, ohne mich loszugehen!" Wobei Daiki ohne mich wahrscheinlich lieber hier bleiben statt freiwillig das Schulgebäude betreten würde.
      Ich knallte die Badezimmertür hinter mir zu und lehnte mich einen Moment keuchend gegen das kühle Holz. Mein Spiegelbild sah aus, als hätte ich gerade einen Marathon hinter mir zerzauste Haare, glühende Wangen und dieser völlig aufgelöste Blick. "Reiß dich zusammen, Philomena!" Ich fing damit an, mir hastig kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. In Rekordzeit bürstete ich meine Haare, bis sie wieder wie flüssige Seide über meine Schultern fielen, und schlüpfte in meine Schuluniform, die ich zum Glück gestern noch ins Bad gerettet hatte. Ich nestelte an den Knöpfen, wobei meine Finger immer noch leicht zitterten. "Rein medizinisch... von wegen", murmelte ich grimmig in den Spiegel, während ich versuchte, den verräterischen Glanz in meinen Augen zu ignorieren. Nur wenige Minuten später riss ich die Tür wieder auf und stürmte zurück in die Küche. "Fertig!", verkündete ich und versuchte so zu tun, als wäre ich die Ruhe selbst, obwohl ich immer noch außer Atem war. .....Was für ein verrückter Morgen.....
    • Sie.... wirkte dezent gestresst. Ich zuckte zusammen, als mir laut antwortete. Ja, eigentlich war es eher eine rhetorische Frage. Klar konnte ich sehen, dass sie Essen kochte. Aber war ich solange unter der Dusche, dass sie sich schon ums Essen kümmern konnte? Nja. Blöde Frage....
      Als sie meine Flucht ansprach, färbten sich meine Wangen in einen Rosaton und ich sah beschämt zur Seite. Musste sie das so sagen? Hätte sie es nicht einfach anders sagen können? Oder noch besser weglassen können?
      "Ich bin fit genug.", maulte ich, als ich ein zweites Mal zusammen zuckte, weil sie die Pfanne auf den Tisch knallte. Was zum Henker? Die benahm sich ja noch komischer als sonst.
      Ich setzte mich vorsichtig, um sie nicht zu verschrecken (Man weiß ja nie) Sie starrte in ihren Kaffeebecher. Ihre Hände zitterten und ich war zu verblüfft, um mich zu bewegen. Wie gelähmt saß ich da. Ich brauchte einen kurzen Moment, ehe ich anfangen konnte zu essen. Ich musste zugeben, dass ich ihr durchaus zugetraut hatte, dass sie mir irgendwelche Vitamine unterjubelte, aber ich hätte sie unter diesen Umständen auch gegessen. Denn sie machte mir grad wirklich Angst mit ihrem Verhalten. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie wieder normal wäre.
      Ich nippte vorsichtig an meinen heißen Kaffee, als sie mich auch noch fragte, wie ich geschlafen habe. Ich zog erschrocken Luft ein und verschluckte mich dabei so sehr an meinen Kaffee, dass er mir fast durch die Nase wieder nach draußen lief. Schnell stellte ich die Tasse auf den Tisch und klopfte mir mit der Faust auf die Brust, um den Husten so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Klappte eher semigut. Doch irgendwann hatte ich mich wieder gefangen und sah ihr irritiert zu, wie sie die Pfanne lautstark sauber machte. Wenn sie ihren Ayakashi umbringen wollte, hätte sie das auch gerne in der Nacht machen können, wenn ich schlafe. Das Haus hätte ihr sicherlich geholfen, meine Leiche loszuwerden. Das laute Zischen machte eine Antwort auch unmöglich. Hatte ich gesagt, dass ich im Schlafzimmer schon überfordert war? Das war gelogen. Jetzt war ich überfordert. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
      Das Essen war fertig und der leckere Duft stieg in meine Nase. Essen.... Zu Kräften kommen. Für das Spiel.... ja.
      Ich fing langsam an zu essen, als sie wie von der Tarantel gestochen aufsprang und loszischte.
      "Tse. Als ob ich freiwillig wieder in die Schule gingen.", murmelte ich und aß nun endlich in Ruhe auf.
      Als ich fertig war mit allem, wartete ich in der Eingangshalle vor der Haustür auf Phila, die mich ja nun drum gebeten hatte, bloß nicht ohne sie zu gehen. Sie kam runtergeschossen und war perfekt fertig angezogen. Ich seufzte leise und öffnete die Tür.
      "Gehen wir.", murmelte ich und ging los. Das kann noch ein anstrengender Tag werden mit uns beiden....
    • Ich musste der Tatsache wohl ins Auge sehen... ich wollte so sehr dass 'alles wie immer' war, dass unser Morgen alles andere als 'alles wie immer' war.
      Das Schulgelände brummte vor Leben. Stimmen, das ferne Knallen von Spinden und das Scharren von Hunderten Schuhen legten sich wie eine Wand aus Lärm über den Hof. Ich straffte die Schultern und hob das Kinn ein Stück höher, während wir das Tor passierten. Niemand durfte auch nur ahnen, was für ein emotionales Trümmerfeld mein Morgen gewesen war.
      Ein paar Mitschüler nickten uns zu, andere starrten etwas zu offensichtlich. Klar, wir hatten gestern beide gefehlt und tauchten jetzt im Doppelpack auf – das war Futter für die Gerüchteküche, das ich gerade so gar nicht gebrauchen konnte. Ich starrte stur geradeaus und tat so, als wäre die Luft um mich herum wahnsinnig interessant.
      Doch kaum hatten wir die schwere Eingangstür hinter uns gelassen, spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. "Philomena!"
      Ich erstarrte. Diese Stimme... Ich drehte mich langsam um und sah direkt in Elises Augen, die vor purer Neugier fast Funken sprühten. Sie musterte mich kurz, dann wanderte ihr Blick völlig ungeniert an mir vorbei zu Daiki, der hinter mir stand. Dann sah sie mich wieder an. Ihr Mund verzog sich zu diesem speziellen Lächeln, bei dem ich normalerweise sofort die Flucht ergreifen wollte. "Sag mal... Wo warst du gestern?", schoss sie ohne Umschweife los. Ihre Augen wurden schmaler. Sie machte eine kurze, übertramatische Pause. Dann neigte sie den Kopf und deutete mit einem vielsagenden Kinnnicken in Daikis Richtung. "Und zufällig hat er auch gefehlt." Sie sah zwischen uns hin und her, als würde sie in ihrem Kopf gerade ein Puzzle zusammensetzen. Ich spürte, wie ich mich das etwas anspannte. "Es gab... Angelegenheiten. Meiner Familie und so. Ich darf nicht drüber reden." , antwortete ich. Meine Stimme klang viel zu kontrolliert. Elise blinzelte langsam ehe sie eine Augenbraue hochzog. "Aha." Dieses eine Wort triefte nur so vor Bedeutung. "Angelegenheiten...", wiederholte sie gedehnt und verschränkte die Arme vor der Brust. "Interessant. Wirklich interessant." Sie trat einen halben Schritt näher und senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Wispern, das sicher trotzdem jeder im Umkreis von drei Metern hören konnte. "Und diese Angelegenheiten hatten zufällig auch mit ihm zu tun?" Mein Herz machte einen unkontrollierten Satz. Sie hatte ja keine Ahnung... Ich räusperte mich hastig und bemühte mich um meine Disziplin. "Elise.", sagte ich mit einem warnenden Unterton. "Du interpretierst da Dinge hinein. " Sie grinste jetzt so breit, dass es fast schon weh tat. "Oh, ich interpretiere gar nichts, Schätzchen." Ihr Blick huschte wieder zu Daiki. "Ich stelle nur fest." Doch plötzlich wurde ihr Lächeln weicher, fast schon ehrlich. "Ich hab mir Sorgen gemacht, Philomena." Die Worte verblüfften mich doch etwas. Immerhin war es nur ein Bild was der Nebel uns einredete. "Du fehlst normalerweise nicht einfach so ohne Grund." Ich atmete langsam aus. "Es war... ein langer Tag.", sagte ich schließlich und wich ihrem Blick ein Stück aus. Elise musterte mich noch einmal ganz genau, als würde sie abwägen, wie viel sie mir heute noch entlocken konnte. Dann seufzte sie theatralisch. "Na gut." Aber dieses verdammte Funkeln in ihren Augen war sofort wieder da. "Aber später erzählst du mir alles." sie machte eine kurze Pause, in der sie mich fast schon herausfordernd ansah. "Oder zumindest genug, damit meine Fantasie nicht völlig mit mir durchgeht." Ich schloss kurz die Augen und unterdrückte ein Seufzen. Oh ja, das würde definitiv ein verdammt langer Schultag werden. "Du bist unmöglich."
    • Kaum waren wir im Schulgebäude angekommen, wurden wir auch schon belagert von diesem einen Mädchen, welche sich Philas Freundin nannte. Tse. Natürlich.... das kaufte ihr doch keiner ab, wenn sie das so erzählte. War doch klar, dass sie fragten. Und Elise wird sicherlich nicht die Einzige sein. Ich sollte mir also schleunigst eine gute Ausrede einfallen lassen. Obwohl ich auch einfach die Wahrheit sagen könnte. Nur dann würden alle eins und eins zusammen zählen und alle wissen, was los ist. Also doch lügen. Was ging sie das überhaupt alle an? Phila hielt jedenfalls dicht. Als Elise immernoch weiter drauf rum ritt, verdrehte ich die Augen und ging an den beiden Mädchen vorbei. Ich hatte keine Lust, mir ihr Mädchengeschafel mit anzuhören. So wie sich hier einige anhörten, ging es wohl auch bei den beiden um Jungs, Nägel und höchstwahrscheinlich auch dieser Ball. Ich seufzte leise. Als der Zwerg mir erzählte, dass wir da nicht hingehen brauchten, hatte sie sich irgendwie merkwürdig verhalten.... Als verberge sie etwas. Wollte sie insgeheim doch hin? Dann aber sicherlich nicht mit diesem Vollpfosten, der sie in meiner Gegenwart angebaggert hatte. Eine Furche bildete sich auf meiner Stirn. Allein der Gedanke an den ließ meine Laune drastisch sinken. Diese Dreistigkeit war wirklich unglaublich.
      "Oi, Daiki!", rief eine Stimme und Augenblicke später legte sich ein Arm um mich. Immernoch genervt sah ich zu meinem Teamkollegen rüber.
      "Wir hätten dich gestern beim Training gebrauchen können. Wir wollen das am Freitag gewinnen.", sagte er mit einem leichten vorwurfsvollen Unterton. Als ob wir da verlieren würden. Immerhin war ich ein Ayakashi. Aber das wusste er natürlich nicht. Ich brummte leise.
      "Wir verlieren schon nicht. Diese Stäbchen von Gegner können gegen uns gar nicht gewinnen.", sagte ich ziemlich sicher. Skeptisch sah er zu mir rüber. Beließ es aber dabei, nachdem ich ihm fest in die Augen sah.
      "Also gut. Wenn du das sagst.", meinte er und löste sich von mir.

      Und so wie es vorausgesagt hatte, waren wir ziemlich gut dabei. Es war Freitagmittag und das Spiel lief wie erwartet. Wir waren um eine Länge voraus und alle waren super konzentriert. Wir waren uns sicher, dass wir gewinnen würden. Ich dribbelte den Ball, lief auf den Korb zu und! dunkte ihn. Yeah. Wieder zwei Punkte. Meine Gegner kommen bei mir sowieso nicht hinterher. Grinsend sah ich sie an. Sie hatten den Ball. Sie zögerten nicht und liefen sofort zum Korb. Ich war jedoch schneller und konnte ihnen mit Leichtigkeit den Ball abnehmen, nur um ihn dann wieder zum Korb zu dribbeln und einen Drei-Punkte-Wurf hinzulegen. Ich grinste siegessicher. Dann ging es weiter. Wieder schnappte ich mir den Ball. Doch dieses Mal erkannte ich im Augenwinkel, wie sich Chris Phila wieder näherte. Dieser Mistkerl gab einfach nicht auf. Leider war nun auch meine ganze Konzentration verschwunden. Ich knurrte, als ich ihn sah, doch er sah nur grinsend zu mir herunter. Dem Schlag ich jeden Zahn einzeln raus!
      "Daiki! Pass auf!", rief einer meiner Teamkameraden und passte mir den Ball zu. Ich fing ihn gerade so auf, blieb aber stehen. Eine Sekunde später hörte man den lauten Piepton, der das nächste Viertel einleitete. Fünf Minuten Pause für alle.
      "Mann, Daiki, das hätte ein Punkt werden können! Konzentrier dich aufs Spiel!", motzte Ed und nahm mir den Ball wütend aus der Hand, doch ich ignorierte ihn. Ich sah immer noch wütend zu Chris.
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