Janon Müntzer & Beni Darkwood
"Oha...Ich glaub ich komme gleich!~"
Fasziniert beobachtete Beni Oscars Verwandlung. Es glich dem wundersamen Schauspiel eines Falters, der sich aus seinem Kokon befreit. Obwohl Beni eine solche Magie bereits am eigenen Leib erfahren hatte, war ihm völlig unbegreiflich, wie Oscar das bewerkstelligte. Ihm fehlte noch das tiefere Verständnis für diese Kräfte, doch Oscar vollzog den Wechsel mühelos. Seine Gefährten waren schlichtweg herausragend begabt. Ein leichtes Kratzen am Kopf verriet jedoch Benis aufkeimende Verwirrung, als sein Blick auf die Blitzzeichen an der Stirn des Feuerwächters fiel. Moment mal … Hatte er sich geirrt? Seit wann existierte ein Blitzwächter? Die Gestalt strahlte dieselbe feurige Hitze aus wie das Feuerkätzchen, nur leuchtete sie in kräftigem Orange statt in tiefem Rot.
Mhm...Wird schon seine Richtigkeit haben? Korbos wird...bestimmt staunen! Ich muss Oscar gleich mit nach Hause nehmen!

"Gebe ich einen coolen Feuerwächter ab??"
Der wilde, fokussierte Ausdruck in Oscars Gesicht wischte jedoch alle offenen Fragen aus Benis Kopf. Diese eiserne Entschlossenheit … so standhaft war eben nur ein echter Feuerwächter. Mit einem breiten Grinsen hob Beni die Hand an die Schläfe und salutierte spielerisch wie ein Matrose vor seinem Kapitän. „Du siehst mega heiß aus!“, rief er Oscar enthusiastisch entgegen, um dessen neues Selbstvertrauen und die unglaubliche Gabe regelrecht zu befeuern.

Beni hielt einen respektablen Abstand zu Oscar, dessen blaues Feuer unkontrolliert durch die Luft zuckte, während er sich selbst in das Getümmel der Achims stürzte. Geschickt entriss er einem seiner Gegner eine Filmklappe und schlug sie dem Clown krachend auf den Schädel. Der grüne Schleim spritzte gegen Benis Gesicht, der angewidert das Gesicht verzog. Ein brutaler Kampf auf Leben und Tod – nichts weckte die eigenen Lebensgeister so sehr wie das. Besonders dann, wenn Oscar in einen wahren Zerstörungsrausch verfiel. Es dauerte nur wenige Sekunden nach seiner Verwandlung, bis sämtliche elektronischen Geräte um sie herum detonierten und Janon endlich das ersehnte Feuer bescherten.
"Wohhaa, Wohaaa, scheiße! Das tut weh ! Aber MANN Ich LIEB es hahh! Fuck!!~~♥"
Zunächst stimmte er lauthals in Oscars Lachen ein. Seite an Seite mischten sie diese lächerlichen Clowns dermaßen auf, dass ihnen die Lust auf jeden weiteren Zirkus verging. Doch als Beni wenig später einen erneuten Blick auf seinen Freund warf, bemerkte er besorgt eine massive … Überladung? Verdammt. War es normal, dass er derart überhitzte? „Ey … Osi …“, setzte Beni an, erkannte jedoch sofort, dass seine Worte nicht mehr zu ihm durchdrangen. Der Kerl war völlig abgetreten, als wäre soeben seine letzte funktionierende Gehirnzelle in Flammen aufgegangen. Es wäre eine absolute Katastrophe, seinen Feuerwächter auf der Stelle wieder zu verlieren. Er musste sich schleunigst etwas einfallen lassen, um ihm das Leben zu retten.
Ich kann Lord Korbos doch nicht erzählen, dass ich Mal einen Feuerwächter HATTE...

Das Chaos, das Oscar und Beni angerichtet hatten, entfachte ein infernalisches Feuer, das gierig das gesamte Set verschlang. Der Erdwächter achtete dabei gar nicht auf die Zwei wie sie das angestellt hatten, ihm war nur das Ergebnis wichtig gewesen! Janon genoss den Anblick des panisch fliehenden Publikums fast schon ein wenig zu sehr. Selbst in der Realität war dies eine seiner absoluten Lieblingsszenen gewesen – dicht gefolgt von der, in der er den Kameramann verprügelt hatte. Doch im Moment zählte nur eins: Er musste einen Ausweg finden. Zeit aufzuwachen von diesem elenden Albtraum!
Das Dumme war nur, dass er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte, wie er damals entkommen war. Nicht einmal, ob er sich hier noch mit Achim angelegt hatte. Aber spielte das überhaupt eine Rolle? Wenn dies alles hier ein Traum war – und es war zweifellos seiner –, dann galten hier seine Regeln...auch wenn er noch lernte hier die Kontrolle zu erhalten. Es war so als teilte er sie zusammen mit seinem Vater. Seine Fantasie musste ihm einen Weg bahnen. Solange er nicht die Kontrolle verlor und irgendetwas Abartiges erschuf, musste sich doch eine Tür manifestieren. Ihm kam das Bild von Serena in den Sinn, die mit nichts als einem Messer Wände niedergerissen hatte, um Achim zu erreichen. Er musste genau das tun – nur dass es diesmal darum ging, mit den anderen vor diesem albtraumhaften Clown zu fliehen.
Er ließ seine Kräfte spielen und Pflanzen aus dem Boden brechen, die peitschend gegen die Wände krachten. Doch das Feuer lachte nur darüber und fraß das Grünzeug augenblicklich auf. Wie ein Besessener drosch er auf die Mauern ein, bis sich endlich aus dem Nichts eine Tür abzeichnete. Quer über das Holz prangte in großen Buchstaben ein einziges Wort: Yuhan. Sein wahrer Name. Der Name, den er in seiner Kindheit begraben hatte. Seltsamerweise erfüllte ihn das mit tiefer Zuversicht. Bevor der beißende Rauch ihnen endgültig die Luft abschnüren konnte, stand der Ausgang offen vor ihnen. Ein Grinsen stahl sich auf Janons Gesicht, als er langsam die Augenmaske abnahm.

"LEUTE! DER AUSGANG IST OFFEN! HAUT ALSO ENDLICH AB!"
Der Duft der Freiheit lag greifbar in der Luft, verborgen hinter den verkohlten Überresten des Sets. Dieser Ausweg war mehr als nur eine Flucht vor dem Traum – es war die Flucht vor seinem Vater. Ein berauschendes Gefühl der Macht durchströmte ihn; ein kurzes, trockenes Lachen entwich seiner Kehle. Am liebsten hätte er einfach alles hinter sich gelassen. Gierig fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen. Wie war das damals in der Realität eigentlich abgelaufen? Als das Set in Flammen stand und alle panisch geflohen waren? Sein Vater war den Flammen offensichtlich unbeschadet entronnen, doch in Janons eigenem Gedächtnis klaffte eine Lücke. Wie genau war er selbst damals herausgekommen? Wie entstand überhaupt das Feuer, irgendetwas hatte Brad verbockt gehabt. Es war in einem Strudel versunken, zu dem er nicht hineingreifen konnte. Was solls. Umso verzweifelter sehnte er sich danach, dem alten Mann wenigstens hier, in diesem Albtraum, endgültig den Rücken zuzukehren. Mit langsamen, fast schon triumphierenden Schritten hielt er auf die Tür zu. Jeder Schritt ließ die Bilder der Vergangenheit ein Stück weiter verblassen. Sobald er aufwachte, würde sich diese innere Tür schließen und er könnte alles wieder verdrängen. Dann wäre all dieser Scheiß ungeschehen. Draußen, im echten Leben, würde er wieder der starke, unantastbare Mann sein. Niemand konnte ihm etwas anhaben. Und sein Vater... sein Vater existierte einfach nicht.

Suchend glitt Benis Blick durch den Raum, bis er einen kleinen, massiven Tisch entdeckte. Ohne zu zögern, packte er ihn und hob ihn als improvisierten Hitzeschild schützend vor seinen Körper. Er setzte seine Kraft frei, um gegen einen Bullen wie den Feuerwächter überhaupt anzukommen.
"OSIII! ZEIT HAIER ZU MACHEN!"
Er nahm Anlauf und rammte das Möbelstück mit all seiner Kraft gegen Oscar. Mit einem dumpfen Knall schleuderte er den Blitzwächter aus der Gefahrenzone, sicher hinter dem Holz verborgen, um nicht selbst von den sengenden Flammen verschlungen zu werden. Wie ein Güterzug lief er genau zur Tür bis er den Feuerwächter einfach hineindrängte.
Oscar taumelte durch den Türrahmen, doch dahinter befand sich kein Boden mehr. Ihn erwartete das reine Nichts, das nur von einem blendend hellen Licht durchbrochen wurde. Beni blickte seinem fallenden Freund noch einen Moment hinterher, ehe er den Tisch beiseiteschleuderte. Mit einem strahlenden Lächeln wandte er sich den anderen zu, die hinter der dichten Flammenwand kaum noch auszumachen waren.
„Wir werden uns in der realen Welt wiedersehen, ALS BITCH! Ich werde euch alle finden!!“ Mit diesem Abschiedsgruß sprang er durch das Portal und stürzte ebenso in die Tiefe wie Oscar. Doch auf seinem Gesicht lag nichts als pures Glück. Dieser verrückte Trip war ein unglaublicher Urlaub gewesen, auf dem er wahre Freunde gefunden hatte.

Beinahe hätte Beni ihn mitgerissen, als er dicht an den Tisch heranwich, doch dem Erdwächter gelang es im letzten Moment auszuweichen. Mit einem schweren Seufzen blickte Janon den beiden Männern nach, die als Erste in die Schlucht hinabstiegen. Hah, okay. Er hätte sie ohnehin nicht gezwungen mitzukommen. Dass sie nun von selbst gingen, war eigentlich perfekt. Und doch ließ ihn genau diese Erkenntnis erstarren. Seine Muskeln verkrampften sich. Es war, als versuchte sein Verstand gewaltsam etwas zurückzudrängen – ein dumpfes Pochen kündigte bereits Kopfschmerzen an. Fluchend biss er sich hart auf die Unterlippe. Scheiße. Er hatte ein Versprechen gegeben. Wenn er jetzt einfach verschwand, war Liam absolut nicht geholfen. In seiner aktuellen Verfassung würde er den Ausgang niemals alleine finden. Janon durfte ihn nicht im Stich lassen. Er hatte geschworen, einmal nicht an sich selbst zu denken. Sich nicht an die erste Stelle zu setzen, sondern ihn. Er hatte versprochen, sein Held zu sein.
„LAUF WEG!!“
Die Stimme hallte über das Set, verzweifelter, als er sie jemals gehört hatte. Es klang wie sein Vater. Aber das... das durfte nicht sein Vater sein. Es musste Liam sein. Mit zittrigen Fingern schob Janon sich die Maske auf die Stirn und starrte in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Durch das Chaos hindurch entdeckte er Stan, der noch immer in Wyatts Körper gefangen war. Was sich dort vor seinen Augen abspielte, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Eine so gewaltige Gänsehaut überzog seinen Körper, dass ihm buchstäblich der Atem stockte. Er hatte diese verdammten Erinnerungen doch verbrennen wollen! Diese brutalen, widerlichen Bilder seiner eigenen, erbärmlichen Vergangenheit. Doch Wyatt dort drüben mit Achim zu sehen... es war haargenau wie damals. Obwohl das Set in Flammen stand, hatte dieser naive Idiot von Schauspieler damals nur nach einer helfenden Hand gesucht. Nach der Hand von Janons Vater. Doch der hatte ihn eiskalt als Lockvogel missbraucht und beinahe in den sicheren Tod geschickt.

Es was wie damals, wenn er nicht einschritt würde Wyatt im Feuer sterben.
"Wo willst du denn hin, mein süßes Blümchen?~"

Wie fremdgesteuert setzten sich Janons Beine in Bewegung. Er durfte nicht tatenlos zusehen, sonst würden ihn die Schuldgefühle bis an sein Lebensende auffressen. Abgesehen davon stand es allein ihm zu, Wyatt für dessen grenzenlose Naivität eine ordentliche Tracht Prügel zu verpassen! Zwei der Achims hatten Wyatt bereits eingekesselt. Sie wanden sich um ihn wie Schlangen, während widerlicher, grüner Schleim aus ihren leeren Augenhöhlen quoll. Es war ein absolutes Horrorszenario, doch Janon blendete den Ekel völlig aus. Der brennende Zorn in ihm war stärker. Mit einem brutalen Ruck packte er den ersten Achim am Hinterkopf und riss ihn gnadenlos nach hinten weg. Dem zweiten demonstrierte er seine Boxer-Qualitäten, indem er ihm mit einem gewaltigen Haken voll ins Gesicht zimmerte.
„Du bist ja genauso bescheuert wie Wyatt! Haste dir etwa auch sein Hirn einverleibt?! Wenn du nicht als zerfetztes Stück Fleisch enden willst, dann setz dich in Bewegung und sieh gefälligst nicht zurück!“, brüllte er Stan außer sich vor Zorn an. Im nächsten Moment bekam er unvermittelt ein Mikrofon gegen den Kopf geschmettert – der Achim, den er gerade noch weggeschleudert hatte, war wieder auf den Beinen. Janon taumelte und sah für den Bruchteil einer Sekunde Sterne. Doch... es ließ ihn völlig kalt. Dieser Schlag war ein Witz im Vergleich zu den Hieben seines Vaters, die er jahrelang hatte einstecken müssen. Diese Typen waren keine echte Bedrohung; nichts, was ihm ernsthaft Sorgen bereiten konnte. Verächtlich spuckte er das Blut auf den dreckigen Boden. Das gefährliche Aufblitzen seiner bernsteingelben Augen machte unmissverständlich klar: Er würde hier kurzen Prozess machen.
„Deine einzige verdammte Aufgabe ist es von hier zu verschwinden! Ich kümmere mich um Liam!“ Mit einem rauen Stoß beförderte er Stan in Richtung Ausgang, damit der Typ sich endlich in Bewegung setzte.

Janon wischte sich fahrig über die Lippen und ballte die Hände zu harten Fäusten. Dieser Kampf würde nicht lange dauern, denn wenn es darauf ankam, kannte Janon keine Gnade. Er packte den ersten Achim und schleuderte ihn mit voller Wucht gegen den zweiten – direkt in die lodernden Flammen. Mit rasendem Puls starrte er in das Feuer und sah zu, wie die beiden Kreaturen in der Hitze zu einer grotesken Masse verschmolzen und qualvoll verendeten. Jetzt blieb nur noch eine Sache zu tun. Liam.
...
.....
Erst in diesem Moment nahm er den riesigen, aufgerissenen Schlund wahr – eine klaffende Leere, bereit, alles zu verschlingen, was ihr zu nahe kam. Achim... nein, Liam stand genau davor. Er schien kurz davor, völlig zu zerbrechen. Wehrte Liam sich da gerade mit letzter Kraft gegen seinen Vater? Janons Herzschlag beschleunigte sich dramatisch. Obwohl das Feuer den Raum lichterloh brennen ließ, kroch die nackte Angst in Janon hoch, sobald er in diese unergründliche Finsternis starrte. Es weckte die Erinnerung an damals, als er sich als Einziger strikt geweigert hatte, dieses Zirkuszelt zu betreten – doch das hier war noch tausendmal schlimmer. Was, wenn dieser Schlund ihn einsaugte und er nie wieder das Tageslicht sah? Die Angst schnürte ihm die Kehle zu. Aber... er konnte Liam unmöglich bei Achim zurücklassen. Während er in die Dunkelheit starrte, traf ihn eine grausame Erkenntnis wie ein Schlag: Hätte er sich seinem Vater von Anfang an gestellt, statt wegzulaufen... wären all diese Männer dann verschont geblieben? Wenn Janon nicht so verzweifelt versucht hätte, seine eigene Vergangenheit zu verdrängen? Litt Liam jetzt nur Höllenqualen, weil er Janons Liebe genauso ernst nahm wie die von Achim? Weil er die beiden sogar... miteinander verglich?
"Liam...", wisperte er sanft, er schritt langsam zu dem Mann, den er am meisten fürchtete. Doch...es war das Einzige Mal, in dem es sich richtig anfühlte. Wie könnte er denn...sein Babe je zurücklassen? Ohne ihn...wäre er doch selbst niemals herausgekommen, selbst wenn er noch mit einem halben Fuß drinstand.

„Liam... es wird Zeit, dass du dich von meinem Vater löst. Diese Rolle passt überhaupt nicht zu dir“, rief Janon laut genug, um den Lärm des Feuers zu übertönen. Er riss sich die schwarze Maske komplett vom Kopf. Einen Moment lang starrte er das Stück Stoff in seinen Händen an, dann fiel seine Entscheidung. Diese Maske, die eigentlich seine Freiheit symbolisieren sollte. Die dafür stand, dass er endlich die Regie über sein eigenes Leben führte und nicht mehr nach der Pfeife seines Vaters tanzte. Ohne zu zögern warf er sie in die lodernden Flammen. Bei Liams Anblick fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Diese Maske hatte sich auf seiner Haut nie richtig angefühlt. Er hatte sie sich noch gar nicht verdient. Sie aufzusetzen war nur eine weitere Lüge gewesen. Genauso, wie er sich die ganze Zeit selbst belogen hatte. Er hatte sich eingeredet, die Tür zu diesem verdammten Kinderzimmer schon längst hinter sich zugeschlossen zu haben. Doch die Wahrheit war eine andere: Egal, wie viele Jahre vergangen waren – die Dunkelheit fraß noch immer an ihm.
„Mir ist da gerade etwas klar geworden... Ich bin ein verdammter Idiot. Nur wegen mir... bist du überhaupt erst zu Achim geworden. Einfach nur, weil ich versucht habe, dich auf seinen Platz zu drängen... Ha... haha...“ Die bittere Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Er hatte in diesem Albtraum eine unverzeihliche Sünde begangen. Nur um sich selbst zu schützen, hatte er seinem Freund Liam unsagbaren Schmerz zugefügt – und das alles nur, weil Liams Liebesgeständnis ihn an damals erinnert hatte. Dabei hätte er es besser wissen müssen. Liam und Achim hatten nicht das Geringste miteinander gemein. Janon hätte ihn einfach abweisen können, aber... er war schlichtweg zu feige gewesen, sich erklären zu müssen. Die Wahrheit über Achim auszusprechen. Wann immer er das Wort ‚Liebe‘ auch nur hörte, krampfte sich sein Magen zusammen, als hätte man ihm pures Gift gespritzt. Aber... das gab ihm nicht das Recht, Liam so leiden zu lassen. Eine tiefe Wehmut überkam ihn bei dem Gedanken, was er ihm angetan hatte.
"Nein, Liam. Du könntest meine Liebe niemals ersetzen. Eine Liebe zwischen uns käme viel zu spät. Egal wie sehr du es auch versuchst, es gibt keinen Platz für dich in meinem Herzen...Ich würde dich nur verletzten. Dieses beschissenes Aussehen beweist es nur zu gut."

Ihm war vollkommen bewusst, dass seine Worte für eine so zerbrechliche Seele wie Liam viel zu hart klangen, doch er wusste sich schlichtweg nicht anders zu helfen. Irgendwann würde Liam es schon begreifen. Aber in diesem Moment musste Janon vor allem eines akzeptieren: Nur ER allein besaß die Macht, seinen Freund aus diesem Sumpf aus Finsternis und Schmutz herauszuziehen. Also tat er etwas völlig Unfassbares. Er zwang sich mit eisernem Willen dazu, nach Achims Hand zu greifen. Er hielt sie fest und strich sogar sanft darüber, während er leise weitersprach. Ein winziges, fast schon zerbrechliches Lächeln stahl sich dabei auf seine Lippen.
"Du bleibst mein Babe...denn hast du und er absolut nichts gemeinsam...Ich...habe keine Ahnung was je in mich gekommen war, dass ich daran gezweifelt habe. Liam...Ich mag dich...und genau deswegen möchte ich, dich vor mir und meiner Liebe beschützen."
Er schlang die Arme um seinen Vater und hielt ihn so fest, wie er es noch nie in seinem Leben getan hatte. Der Druck dieser Umarmung sollte bis tief ins Innere dringen, damit Liam sie spüren konnte. Er wollte ihn verzweifelt zurückhaben. Er musste ihn aus diesem Albtraum befreien. Sein wild pochendes Herz presste sich gegen Achims Brust, während Janon langsam die Augen schloss. Was auch immer nun geschehen würde – er nahm sein Schicksal an. Er richtete all seine Gedanken auf Liam. Er sah sein süßes Lächeln vor sich, diese leuchtend gelben Augen und das ungezähmte, rote Haar. Er dachte an diesen skeptischen und doch so unwiderstehlichen Blick. Eine Wärme, die sein Vater niemals ausstrahlen könnte. Doch da war noch so viel mehr... Und für einen winzigen Moment wurde sein schweres Herz ein kleines bisschen leichter, während er anfing, so hingebungsvoll über Liam zu sprechen.
"Achja...Ich bin dir noch drei Dinge schuldig, die ich an dir liebe, richtig?... Habs in deinen Augen gesehen, wie sehr dich meine Antwort mit dem Pfirsichhintern abgefuckt hat, haha! Ich habe mich damals zurückgehalten, damit du es nicht in den falschen Hals kriegst...Aber lass mich dir doch hineindrücken, an was ich damals gedacht hatte:
Du bist zuckersüß, ein Ebenbild von Schönheit, selbst in den lumpigsten Kleidern und den muffigsten Mülltonen. Ich mochte es schon immer wie du dich nicht unterkriegen lässt, obwohl du genauso in einem tiefen Loch von Scheiße gesteckt hattest wie ich. Deine Stärke war dir immer förmlich anzusehen - sie war ehrlich und knallhart, obwohl du sooo schmächtig warst. Ich hatte schon immer Respekt vor dir. Du wolltest etwas in deinem Leben verändern und hast dich sogar gegen dem Gesetz gestellt - erst du hattest mir überhaupt gezeigt, dass man...Nicht genau das machen muss, was Erwachsene von dir verlangen. Du hast gezeigt wie ich Kämpfen kann, dass ich auch eine Chance habe aus dem Loch herauszukommen. Durch dich habe ich verstanden, dass ich ebenfalls so viel stärker sein kann.
Zwar hast du auch schreckliche Seiten...Aber zugleich...weiß ich, dass ich es einfach schätzen sollte, dass so jemand Starkes wie du immer noch an einer Seite eines ängstlichen Kindes sein möchte."

Dann geschah etwas zutiefst Mystisches. Wie eine schwerelose Seele ohne Körper gelang es Janon, Liam aus Achims Gestalt herauszuziehen, während er ihn schützend in den Armen hielt. Es war ein bizarrer, unwirklicher Anblick, doch auf Janons Gesicht breitete sich ein glückliches Lächeln aus. Er küsste ihn innig auf die Stirn. Es war eine Geste wie ein Abschied, in der jedoch unendlich viel mehr mitschwang. Schließlich ließ er ihn los. Ganz langsam strichen seine Finger über Liams, bis sich ihre Hände endgültig voneinander lösten. Janon trat einen Schritt zurück, nahm Abstand von ihm und wandte sich wieder seinem Vater zu. Der alte Mann stand nur noch da wie ein leeres Gefäß – wie ein System, das nach einem Absturz erst wieder mühsam hochfahren musste.
"Ich habe dich manipuliert, dir nie Chancen gegeben an meinen Worten zu zweifeln und dich mit meiner angeblichen Stärke angelogen, damit du immer nur das Beste von mir denkst. Ich war derjenige, der dich an mich binden wollte, weil ich einen Ausweg aus dieser Liebe gesucht habe. Aber...Es ist unmöglich. Ich habe es jetzt verstanden, meine Angst wird nie verschwinden, einfach ersetzen klappt nicht. Es ist absolut unmöglich ein vernünftiges Leben zu führen....ich werde auf ewig ein Gefangener sein."
Nun begriff er endgültig, wo sein wahrer Ausweg lag. Es war nicht die rettende Tür. Es war dieser riesige, finstere Schlund, der ihn erneut verschlingen wollte. Die Hand seines Vaters griff langsam nach seiner Schulter. Seine Augen waren dabei völlig weiß und leer, als befände er sich in einer tiefen Bewusstlosigkeit. Janon wich nicht zurück. Er ließ die Berührung zu, während er seine letzten Worte an Liam richtete. Mit einem schwachen Winken verabschiedete er sich von ihm, in der inständigen Hoffnung, dass Stan ihn sicher nach draußen bringen würde. Denn Janon... war hier noch lange nicht fertig. Plötzlich wurde Janons Blick...komplett scharf und unheimlich. Die gelben Augen leuchteten hell, wie der einer Raubkatze. Ein breites Sichelgrinsen formte sich in seinem Gesicht.
"...Solange dieses Monster noch lebt werde in der Dunkelheit verrotten. Ich bin an ihm gebunden, deswegen brauche ich keinen Ausgang zu suchen, noch habe ich es nicht geschafft. Wenn ich dieses Monster mit meinen eigenen Händen umbringe, dann...werde ich erst frei sein. Selbst wenn ich mit ihm draufgehe. Das wird es wert sein! Es ist...mein Schicksal...meine Sünde, weil ich zu oft selbst zugesehen habe...zu oft feige war...Aber ich werde es schaffen ein noch schlimmeres Monster zu werden...denn nur ein schreckliches Monster kann ein anderes Monster vergiften. Dabei ist es mir scheiss egal, wie viele Leute wegen mir noch leiden werden...solange ich meine Rache erhalte!"

"Yuhan, die Flammen sind stark - was hast du nur angerichtet?! Ich kann nicht zulassen dich noch einmal wegen einem Brand zu verlieren."
Die Stimme seines Vaters neben ihm klang flehend, seine Augen wirkten noch immer blind. Der Griff um Janons Schultern verfestigte sich, während eine verzweifelte Hand ihm über den Nacken strich, fast so, als wollte man eine Katze beruhigen. Janon wandte sich ab. Er sah Liam nicht mehr an, doch selbst als ihn die Dunkelheit wieder gänzlich verschluckte, verschwand das sanfte Lächeln nicht von seinen Lippen. Er mochte feige sein, er mochte schreckliche Angst haben, doch all das war nichts Neues für ihn. Daran war er gewöhnt. Irgendwann... würde er den Weg endgültig in die Freiheit finden. All das verdankte er Liams Geschenk, das dieser ihm vor Jahren überreicht hatte. Janon besaß nun die nötige Stärke. Er musste nur noch widerstandsfähiger werden, um sich der echten Realität eines Tages stellen zu können. Ganz egal, wie lange es dauern würde. Bis es so weit war, würde er hier in der Dunkelheit ausharren. Verspielt streckte er die Zunge heraus, um zu zeigen, dass bei ihm alles gut war.
"Jetzt verpisst euch endlich, bevor wir noch in die nächste Szene geschleudert werden und ihr mit Mason verstecken spielen dürft. Es ist meine Geschichte, nicht eure. Ihr wart nie die Figuren dieses Stücks gewesen. Aber für den beschissenen Einsatz...bedanke ich mich."

...
...
"...Ohne euch wäre ich wohl nicht so weit gekommen."
...
....
.....
In einem New Yorker Krankenhaus lagen drei Jungs nun schon seit Tagen auf einer Überwachungsstation im Koma. Die Ärzte standen vor einem absoluten Rätsel; es glich einer bizarren Anomalie. Rein physisch erfreuten sich die drei bester Gesundheit, ihre Körper wiesen keinerlei Schwächen auf. Und doch erwachten sie aus völlig unerklärlichen Gründen nicht. Was die Situation noch unheimlicher machte: Sie blieben vollkommen fit. Trotz der Bettlägerigkeit bauten sie nicht ein Gramm Muskelmasse ab. Es wirkte fast so, als hätte jemand kurzerhand die Pausetaste für ihren Geist gedrückt. Diese Umstände stifteten im gesamten Krankenhaus Verwirrung und versetzten Familien und Freunde in tiefe Unruhe. Alle waren blind für die Wahrheit – alle, bis auf Brad und Russell. Für die beiden stand felsenfest, dass diese Männer das Opfer eines Hexenfluchs geworden waren. Unglücklicherweise war ihnen die Art dieses Zaubers völlig fremd. Sie zogen sogar andere Hexer zurate, aber... niemand konnte sich auch nur den geringsten Reim darauf machen.

„Travis ist doch allen Ernstes den Arzt holen gegangen... nur weil dieser Oscar da drüben ein Geräusch gemacht hat. Ich sag's dir, der hat einfach nur einen fahren gelassen“, raunte Brad, während er neben Janons Bett in aller Seelenruhe einen Apfel schälte. Das war bei jedem seiner Besuche so: Er schälte das Obst, nur um es im Anschluss genüsslich selbst zu verspeisen. Er hatte auch immer eine Schachtel von Janons Lieblingszigaretten in der Tasche. Manchmal hielt er sie ihm beinahe provokant direkt vor das schlafende Gesicht, in der absurden Hoffnung, ihn allein mit dem Geruch aus dem Koma zu reißen. Aber nichts passierte. Das Krankenhaus hing Brad allmählich meilenweit zum Hals heraus, ganz zu schweigen von Travis' täglichem Geflenne. Sicher, der Typ machte sich unfassbare Sorgen um Janon, das war schon verständlich. Schließlich machte Brad sich insgeheim ja auch so seine Gedanken.

„Mag sein, aber er meinte auch, Liam und Janon hätten sich bewegt. Travis hat für so etwas den absoluten Katzensinn. Vielleicht wachen sie ja tatsächlich zusammen auf? Die Idioten haben schließlich lang genug gepennt. Ich hab allmählich echt keine Lust mehr, jeden Tag hier aufzukreuzen, nur damit Travis sich nicht den ganzen Tag um ihn verrückt macht“, erwiderte Russell, der es sich auf der Fensterbank bequem gemacht hatte. Die beiden hielten sich dicht an Janons Bett auf. Sie hatten sogar schon heimlich einen magischen Kreis darunter gezogen, in der Hoffnung, ihn so endlich aus dem Schlaf zu reißen – aber Fehlanzeige. Trotzdem beschlich auch Russell langsam das untrügliche Gefühl, dass es bald so weit war.

„Seit Janon im Koma liegt, habe ich übrigens auch diesen großen Kerl nicht mehr gesehen. Irgendwie vermisse ich diesen Dax. Hoffentlich ist er nicht wieder zurück ins Ausland. Schade um die großen Titten.“
"Oha...Ich glaub ich komme gleich!~"
Fasziniert beobachtete Beni Oscars Verwandlung. Es glich dem wundersamen Schauspiel eines Falters, der sich aus seinem Kokon befreit. Obwohl Beni eine solche Magie bereits am eigenen Leib erfahren hatte, war ihm völlig unbegreiflich, wie Oscar das bewerkstelligte. Ihm fehlte noch das tiefere Verständnis für diese Kräfte, doch Oscar vollzog den Wechsel mühelos. Seine Gefährten waren schlichtweg herausragend begabt. Ein leichtes Kratzen am Kopf verriet jedoch Benis aufkeimende Verwirrung, als sein Blick auf die Blitzzeichen an der Stirn des Feuerwächters fiel. Moment mal … Hatte er sich geirrt? Seit wann existierte ein Blitzwächter? Die Gestalt strahlte dieselbe feurige Hitze aus wie das Feuerkätzchen, nur leuchtete sie in kräftigem Orange statt in tiefem Rot.
Mhm...Wird schon seine Richtigkeit haben? Korbos wird...bestimmt staunen! Ich muss Oscar gleich mit nach Hause nehmen!

"Gebe ich einen coolen Feuerwächter ab??"
Der wilde, fokussierte Ausdruck in Oscars Gesicht wischte jedoch alle offenen Fragen aus Benis Kopf. Diese eiserne Entschlossenheit … so standhaft war eben nur ein echter Feuerwächter. Mit einem breiten Grinsen hob Beni die Hand an die Schläfe und salutierte spielerisch wie ein Matrose vor seinem Kapitän. „Du siehst mega heiß aus!“, rief er Oscar enthusiastisch entgegen, um dessen neues Selbstvertrauen und die unglaubliche Gabe regelrecht zu befeuern.

Beni hielt einen respektablen Abstand zu Oscar, dessen blaues Feuer unkontrolliert durch die Luft zuckte, während er sich selbst in das Getümmel der Achims stürzte. Geschickt entriss er einem seiner Gegner eine Filmklappe und schlug sie dem Clown krachend auf den Schädel. Der grüne Schleim spritzte gegen Benis Gesicht, der angewidert das Gesicht verzog. Ein brutaler Kampf auf Leben und Tod – nichts weckte die eigenen Lebensgeister so sehr wie das. Besonders dann, wenn Oscar in einen wahren Zerstörungsrausch verfiel. Es dauerte nur wenige Sekunden nach seiner Verwandlung, bis sämtliche elektronischen Geräte um sie herum detonierten und Janon endlich das ersehnte Feuer bescherten.
"Wohhaa, Wohaaa, scheiße! Das tut weh ! Aber MANN Ich LIEB es hahh! Fuck!!~~♥"
Zunächst stimmte er lauthals in Oscars Lachen ein. Seite an Seite mischten sie diese lächerlichen Clowns dermaßen auf, dass ihnen die Lust auf jeden weiteren Zirkus verging. Doch als Beni wenig später einen erneuten Blick auf seinen Freund warf, bemerkte er besorgt eine massive … Überladung? Verdammt. War es normal, dass er derart überhitzte? „Ey … Osi …“, setzte Beni an, erkannte jedoch sofort, dass seine Worte nicht mehr zu ihm durchdrangen. Der Kerl war völlig abgetreten, als wäre soeben seine letzte funktionierende Gehirnzelle in Flammen aufgegangen. Es wäre eine absolute Katastrophe, seinen Feuerwächter auf der Stelle wieder zu verlieren. Er musste sich schleunigst etwas einfallen lassen, um ihm das Leben zu retten.
Ich kann Lord Korbos doch nicht erzählen, dass ich Mal einen Feuerwächter HATTE...

Das Chaos, das Oscar und Beni angerichtet hatten, entfachte ein infernalisches Feuer, das gierig das gesamte Set verschlang. Der Erdwächter achtete dabei gar nicht auf die Zwei wie sie das angestellt hatten, ihm war nur das Ergebnis wichtig gewesen! Janon genoss den Anblick des panisch fliehenden Publikums fast schon ein wenig zu sehr. Selbst in der Realität war dies eine seiner absoluten Lieblingsszenen gewesen – dicht gefolgt von der, in der er den Kameramann verprügelt hatte. Doch im Moment zählte nur eins: Er musste einen Ausweg finden. Zeit aufzuwachen von diesem elenden Albtraum!
Das Dumme war nur, dass er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte, wie er damals entkommen war. Nicht einmal, ob er sich hier noch mit Achim angelegt hatte. Aber spielte das überhaupt eine Rolle? Wenn dies alles hier ein Traum war – und es war zweifellos seiner –, dann galten hier seine Regeln...auch wenn er noch lernte hier die Kontrolle zu erhalten. Es war so als teilte er sie zusammen mit seinem Vater. Seine Fantasie musste ihm einen Weg bahnen. Solange er nicht die Kontrolle verlor und irgendetwas Abartiges erschuf, musste sich doch eine Tür manifestieren. Ihm kam das Bild von Serena in den Sinn, die mit nichts als einem Messer Wände niedergerissen hatte, um Achim zu erreichen. Er musste genau das tun – nur dass es diesmal darum ging, mit den anderen vor diesem albtraumhaften Clown zu fliehen.
Er ließ seine Kräfte spielen und Pflanzen aus dem Boden brechen, die peitschend gegen die Wände krachten. Doch das Feuer lachte nur darüber und fraß das Grünzeug augenblicklich auf. Wie ein Besessener drosch er auf die Mauern ein, bis sich endlich aus dem Nichts eine Tür abzeichnete. Quer über das Holz prangte in großen Buchstaben ein einziges Wort: Yuhan. Sein wahrer Name. Der Name, den er in seiner Kindheit begraben hatte. Seltsamerweise erfüllte ihn das mit tiefer Zuversicht. Bevor der beißende Rauch ihnen endgültig die Luft abschnüren konnte, stand der Ausgang offen vor ihnen. Ein Grinsen stahl sich auf Janons Gesicht, als er langsam die Augenmaske abnahm.

"LEUTE! DER AUSGANG IST OFFEN! HAUT ALSO ENDLICH AB!"
Der Duft der Freiheit lag greifbar in der Luft, verborgen hinter den verkohlten Überresten des Sets. Dieser Ausweg war mehr als nur eine Flucht vor dem Traum – es war die Flucht vor seinem Vater. Ein berauschendes Gefühl der Macht durchströmte ihn; ein kurzes, trockenes Lachen entwich seiner Kehle. Am liebsten hätte er einfach alles hinter sich gelassen. Gierig fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen. Wie war das damals in der Realität eigentlich abgelaufen? Als das Set in Flammen stand und alle panisch geflohen waren? Sein Vater war den Flammen offensichtlich unbeschadet entronnen, doch in Janons eigenem Gedächtnis klaffte eine Lücke. Wie genau war er selbst damals herausgekommen? Wie entstand überhaupt das Feuer, irgendetwas hatte Brad verbockt gehabt. Es war in einem Strudel versunken, zu dem er nicht hineingreifen konnte. Was solls. Umso verzweifelter sehnte er sich danach, dem alten Mann wenigstens hier, in diesem Albtraum, endgültig den Rücken zuzukehren. Mit langsamen, fast schon triumphierenden Schritten hielt er auf die Tür zu. Jeder Schritt ließ die Bilder der Vergangenheit ein Stück weiter verblassen. Sobald er aufwachte, würde sich diese innere Tür schließen und er könnte alles wieder verdrängen. Dann wäre all dieser Scheiß ungeschehen. Draußen, im echten Leben, würde er wieder der starke, unantastbare Mann sein. Niemand konnte ihm etwas anhaben. Und sein Vater... sein Vater existierte einfach nicht.

Suchend glitt Benis Blick durch den Raum, bis er einen kleinen, massiven Tisch entdeckte. Ohne zu zögern, packte er ihn und hob ihn als improvisierten Hitzeschild schützend vor seinen Körper. Er setzte seine Kraft frei, um gegen einen Bullen wie den Feuerwächter überhaupt anzukommen.
"OSIII! ZEIT HAIER ZU MACHEN!"
Er nahm Anlauf und rammte das Möbelstück mit all seiner Kraft gegen Oscar. Mit einem dumpfen Knall schleuderte er den Blitzwächter aus der Gefahrenzone, sicher hinter dem Holz verborgen, um nicht selbst von den sengenden Flammen verschlungen zu werden. Wie ein Güterzug lief er genau zur Tür bis er den Feuerwächter einfach hineindrängte.
Oscar taumelte durch den Türrahmen, doch dahinter befand sich kein Boden mehr. Ihn erwartete das reine Nichts, das nur von einem blendend hellen Licht durchbrochen wurde. Beni blickte seinem fallenden Freund noch einen Moment hinterher, ehe er den Tisch beiseiteschleuderte. Mit einem strahlenden Lächeln wandte er sich den anderen zu, die hinter der dichten Flammenwand kaum noch auszumachen waren.
„Wir werden uns in der realen Welt wiedersehen, ALS BITCH! Ich werde euch alle finden!!“ Mit diesem Abschiedsgruß sprang er durch das Portal und stürzte ebenso in die Tiefe wie Oscar. Doch auf seinem Gesicht lag nichts als pures Glück. Dieser verrückte Trip war ein unglaublicher Urlaub gewesen, auf dem er wahre Freunde gefunden hatte.

Beinahe hätte Beni ihn mitgerissen, als er dicht an den Tisch heranwich, doch dem Erdwächter gelang es im letzten Moment auszuweichen. Mit einem schweren Seufzen blickte Janon den beiden Männern nach, die als Erste in die Schlucht hinabstiegen. Hah, okay. Er hätte sie ohnehin nicht gezwungen mitzukommen. Dass sie nun von selbst gingen, war eigentlich perfekt. Und doch ließ ihn genau diese Erkenntnis erstarren. Seine Muskeln verkrampften sich. Es war, als versuchte sein Verstand gewaltsam etwas zurückzudrängen – ein dumpfes Pochen kündigte bereits Kopfschmerzen an. Fluchend biss er sich hart auf die Unterlippe. Scheiße. Er hatte ein Versprechen gegeben. Wenn er jetzt einfach verschwand, war Liam absolut nicht geholfen. In seiner aktuellen Verfassung würde er den Ausgang niemals alleine finden. Janon durfte ihn nicht im Stich lassen. Er hatte geschworen, einmal nicht an sich selbst zu denken. Sich nicht an die erste Stelle zu setzen, sondern ihn. Er hatte versprochen, sein Held zu sein.
„LAUF WEG!!“
Die Stimme hallte über das Set, verzweifelter, als er sie jemals gehört hatte. Es klang wie sein Vater. Aber das... das durfte nicht sein Vater sein. Es musste Liam sein. Mit zittrigen Fingern schob Janon sich die Maske auf die Stirn und starrte in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Durch das Chaos hindurch entdeckte er Stan, der noch immer in Wyatts Körper gefangen war. Was sich dort vor seinen Augen abspielte, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Eine so gewaltige Gänsehaut überzog seinen Körper, dass ihm buchstäblich der Atem stockte. Er hatte diese verdammten Erinnerungen doch verbrennen wollen! Diese brutalen, widerlichen Bilder seiner eigenen, erbärmlichen Vergangenheit. Doch Wyatt dort drüben mit Achim zu sehen... es war haargenau wie damals. Obwohl das Set in Flammen stand, hatte dieser naive Idiot von Schauspieler damals nur nach einer helfenden Hand gesucht. Nach der Hand von Janons Vater. Doch der hatte ihn eiskalt als Lockvogel missbraucht und beinahe in den sicheren Tod geschickt.

Es was wie damals, wenn er nicht einschritt würde Wyatt im Feuer sterben.
"Wo willst du denn hin, mein süßes Blümchen?~"

Wie fremdgesteuert setzten sich Janons Beine in Bewegung. Er durfte nicht tatenlos zusehen, sonst würden ihn die Schuldgefühle bis an sein Lebensende auffressen. Abgesehen davon stand es allein ihm zu, Wyatt für dessen grenzenlose Naivität eine ordentliche Tracht Prügel zu verpassen! Zwei der Achims hatten Wyatt bereits eingekesselt. Sie wanden sich um ihn wie Schlangen, während widerlicher, grüner Schleim aus ihren leeren Augenhöhlen quoll. Es war ein absolutes Horrorszenario, doch Janon blendete den Ekel völlig aus. Der brennende Zorn in ihm war stärker. Mit einem brutalen Ruck packte er den ersten Achim am Hinterkopf und riss ihn gnadenlos nach hinten weg. Dem zweiten demonstrierte er seine Boxer-Qualitäten, indem er ihm mit einem gewaltigen Haken voll ins Gesicht zimmerte.
„Du bist ja genauso bescheuert wie Wyatt! Haste dir etwa auch sein Hirn einverleibt?! Wenn du nicht als zerfetztes Stück Fleisch enden willst, dann setz dich in Bewegung und sieh gefälligst nicht zurück!“, brüllte er Stan außer sich vor Zorn an. Im nächsten Moment bekam er unvermittelt ein Mikrofon gegen den Kopf geschmettert – der Achim, den er gerade noch weggeschleudert hatte, war wieder auf den Beinen. Janon taumelte und sah für den Bruchteil einer Sekunde Sterne. Doch... es ließ ihn völlig kalt. Dieser Schlag war ein Witz im Vergleich zu den Hieben seines Vaters, die er jahrelang hatte einstecken müssen. Diese Typen waren keine echte Bedrohung; nichts, was ihm ernsthaft Sorgen bereiten konnte. Verächtlich spuckte er das Blut auf den dreckigen Boden. Das gefährliche Aufblitzen seiner bernsteingelben Augen machte unmissverständlich klar: Er würde hier kurzen Prozess machen.
„Deine einzige verdammte Aufgabe ist es von hier zu verschwinden! Ich kümmere mich um Liam!“ Mit einem rauen Stoß beförderte er Stan in Richtung Ausgang, damit der Typ sich endlich in Bewegung setzte.

Janon wischte sich fahrig über die Lippen und ballte die Hände zu harten Fäusten. Dieser Kampf würde nicht lange dauern, denn wenn es darauf ankam, kannte Janon keine Gnade. Er packte den ersten Achim und schleuderte ihn mit voller Wucht gegen den zweiten – direkt in die lodernden Flammen. Mit rasendem Puls starrte er in das Feuer und sah zu, wie die beiden Kreaturen in der Hitze zu einer grotesken Masse verschmolzen und qualvoll verendeten. Jetzt blieb nur noch eine Sache zu tun. Liam.
...
.....
Erst in diesem Moment nahm er den riesigen, aufgerissenen Schlund wahr – eine klaffende Leere, bereit, alles zu verschlingen, was ihr zu nahe kam. Achim... nein, Liam stand genau davor. Er schien kurz davor, völlig zu zerbrechen. Wehrte Liam sich da gerade mit letzter Kraft gegen seinen Vater? Janons Herzschlag beschleunigte sich dramatisch. Obwohl das Feuer den Raum lichterloh brennen ließ, kroch die nackte Angst in Janon hoch, sobald er in diese unergründliche Finsternis starrte. Es weckte die Erinnerung an damals, als er sich als Einziger strikt geweigert hatte, dieses Zirkuszelt zu betreten – doch das hier war noch tausendmal schlimmer. Was, wenn dieser Schlund ihn einsaugte und er nie wieder das Tageslicht sah? Die Angst schnürte ihm die Kehle zu. Aber... er konnte Liam unmöglich bei Achim zurücklassen. Während er in die Dunkelheit starrte, traf ihn eine grausame Erkenntnis wie ein Schlag: Hätte er sich seinem Vater von Anfang an gestellt, statt wegzulaufen... wären all diese Männer dann verschont geblieben? Wenn Janon nicht so verzweifelt versucht hätte, seine eigene Vergangenheit zu verdrängen? Litt Liam jetzt nur Höllenqualen, weil er Janons Liebe genauso ernst nahm wie die von Achim? Weil er die beiden sogar... miteinander verglich?
"Liam...", wisperte er sanft, er schritt langsam zu dem Mann, den er am meisten fürchtete. Doch...es war das Einzige Mal, in dem es sich richtig anfühlte. Wie könnte er denn...sein Babe je zurücklassen? Ohne ihn...wäre er doch selbst niemals herausgekommen, selbst wenn er noch mit einem halben Fuß drinstand.

„Liam... es wird Zeit, dass du dich von meinem Vater löst. Diese Rolle passt überhaupt nicht zu dir“, rief Janon laut genug, um den Lärm des Feuers zu übertönen. Er riss sich die schwarze Maske komplett vom Kopf. Einen Moment lang starrte er das Stück Stoff in seinen Händen an, dann fiel seine Entscheidung. Diese Maske, die eigentlich seine Freiheit symbolisieren sollte. Die dafür stand, dass er endlich die Regie über sein eigenes Leben führte und nicht mehr nach der Pfeife seines Vaters tanzte. Ohne zu zögern warf er sie in die lodernden Flammen. Bei Liams Anblick fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Diese Maske hatte sich auf seiner Haut nie richtig angefühlt. Er hatte sie sich noch gar nicht verdient. Sie aufzusetzen war nur eine weitere Lüge gewesen. Genauso, wie er sich die ganze Zeit selbst belogen hatte. Er hatte sich eingeredet, die Tür zu diesem verdammten Kinderzimmer schon längst hinter sich zugeschlossen zu haben. Doch die Wahrheit war eine andere: Egal, wie viele Jahre vergangen waren – die Dunkelheit fraß noch immer an ihm.
„Mir ist da gerade etwas klar geworden... Ich bin ein verdammter Idiot. Nur wegen mir... bist du überhaupt erst zu Achim geworden. Einfach nur, weil ich versucht habe, dich auf seinen Platz zu drängen... Ha... haha...“ Die bittere Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Er hatte in diesem Albtraum eine unverzeihliche Sünde begangen. Nur um sich selbst zu schützen, hatte er seinem Freund Liam unsagbaren Schmerz zugefügt – und das alles nur, weil Liams Liebesgeständnis ihn an damals erinnert hatte. Dabei hätte er es besser wissen müssen. Liam und Achim hatten nicht das Geringste miteinander gemein. Janon hätte ihn einfach abweisen können, aber... er war schlichtweg zu feige gewesen, sich erklären zu müssen. Die Wahrheit über Achim auszusprechen. Wann immer er das Wort ‚Liebe‘ auch nur hörte, krampfte sich sein Magen zusammen, als hätte man ihm pures Gift gespritzt. Aber... das gab ihm nicht das Recht, Liam so leiden zu lassen. Eine tiefe Wehmut überkam ihn bei dem Gedanken, was er ihm angetan hatte.
"Nein, Liam. Du könntest meine Liebe niemals ersetzen. Eine Liebe zwischen uns käme viel zu spät. Egal wie sehr du es auch versuchst, es gibt keinen Platz für dich in meinem Herzen...Ich würde dich nur verletzten. Dieses beschissenes Aussehen beweist es nur zu gut."

Ihm war vollkommen bewusst, dass seine Worte für eine so zerbrechliche Seele wie Liam viel zu hart klangen, doch er wusste sich schlichtweg nicht anders zu helfen. Irgendwann würde Liam es schon begreifen. Aber in diesem Moment musste Janon vor allem eines akzeptieren: Nur ER allein besaß die Macht, seinen Freund aus diesem Sumpf aus Finsternis und Schmutz herauszuziehen. Also tat er etwas völlig Unfassbares. Er zwang sich mit eisernem Willen dazu, nach Achims Hand zu greifen. Er hielt sie fest und strich sogar sanft darüber, während er leise weitersprach. Ein winziges, fast schon zerbrechliches Lächeln stahl sich dabei auf seine Lippen.
"Du bleibst mein Babe...denn hast du und er absolut nichts gemeinsam...Ich...habe keine Ahnung was je in mich gekommen war, dass ich daran gezweifelt habe. Liam...Ich mag dich...und genau deswegen möchte ich, dich vor mir und meiner Liebe beschützen."
Er schlang die Arme um seinen Vater und hielt ihn so fest, wie er es noch nie in seinem Leben getan hatte. Der Druck dieser Umarmung sollte bis tief ins Innere dringen, damit Liam sie spüren konnte. Er wollte ihn verzweifelt zurückhaben. Er musste ihn aus diesem Albtraum befreien. Sein wild pochendes Herz presste sich gegen Achims Brust, während Janon langsam die Augen schloss. Was auch immer nun geschehen würde – er nahm sein Schicksal an. Er richtete all seine Gedanken auf Liam. Er sah sein süßes Lächeln vor sich, diese leuchtend gelben Augen und das ungezähmte, rote Haar. Er dachte an diesen skeptischen und doch so unwiderstehlichen Blick. Eine Wärme, die sein Vater niemals ausstrahlen könnte. Doch da war noch so viel mehr... Und für einen winzigen Moment wurde sein schweres Herz ein kleines bisschen leichter, während er anfing, so hingebungsvoll über Liam zu sprechen.
"Achja...Ich bin dir noch drei Dinge schuldig, die ich an dir liebe, richtig?... Habs in deinen Augen gesehen, wie sehr dich meine Antwort mit dem Pfirsichhintern abgefuckt hat, haha! Ich habe mich damals zurückgehalten, damit du es nicht in den falschen Hals kriegst...Aber lass mich dir doch hineindrücken, an was ich damals gedacht hatte:
Du bist zuckersüß, ein Ebenbild von Schönheit, selbst in den lumpigsten Kleidern und den muffigsten Mülltonen. Ich mochte es schon immer wie du dich nicht unterkriegen lässt, obwohl du genauso in einem tiefen Loch von Scheiße gesteckt hattest wie ich. Deine Stärke war dir immer förmlich anzusehen - sie war ehrlich und knallhart, obwohl du sooo schmächtig warst. Ich hatte schon immer Respekt vor dir. Du wolltest etwas in deinem Leben verändern und hast dich sogar gegen dem Gesetz gestellt - erst du hattest mir überhaupt gezeigt, dass man...Nicht genau das machen muss, was Erwachsene von dir verlangen. Du hast gezeigt wie ich Kämpfen kann, dass ich auch eine Chance habe aus dem Loch herauszukommen. Durch dich habe ich verstanden, dass ich ebenfalls so viel stärker sein kann.
Zwar hast du auch schreckliche Seiten...Aber zugleich...weiß ich, dass ich es einfach schätzen sollte, dass so jemand Starkes wie du immer noch an einer Seite eines ängstlichen Kindes sein möchte."

Dann geschah etwas zutiefst Mystisches. Wie eine schwerelose Seele ohne Körper gelang es Janon, Liam aus Achims Gestalt herauszuziehen, während er ihn schützend in den Armen hielt. Es war ein bizarrer, unwirklicher Anblick, doch auf Janons Gesicht breitete sich ein glückliches Lächeln aus. Er küsste ihn innig auf die Stirn. Es war eine Geste wie ein Abschied, in der jedoch unendlich viel mehr mitschwang. Schließlich ließ er ihn los. Ganz langsam strichen seine Finger über Liams, bis sich ihre Hände endgültig voneinander lösten. Janon trat einen Schritt zurück, nahm Abstand von ihm und wandte sich wieder seinem Vater zu. Der alte Mann stand nur noch da wie ein leeres Gefäß – wie ein System, das nach einem Absturz erst wieder mühsam hochfahren musste.
"Ich habe dich manipuliert, dir nie Chancen gegeben an meinen Worten zu zweifeln und dich mit meiner angeblichen Stärke angelogen, damit du immer nur das Beste von mir denkst. Ich war derjenige, der dich an mich binden wollte, weil ich einen Ausweg aus dieser Liebe gesucht habe. Aber...Es ist unmöglich. Ich habe es jetzt verstanden, meine Angst wird nie verschwinden, einfach ersetzen klappt nicht. Es ist absolut unmöglich ein vernünftiges Leben zu führen....ich werde auf ewig ein Gefangener sein."
Nun begriff er endgültig, wo sein wahrer Ausweg lag. Es war nicht die rettende Tür. Es war dieser riesige, finstere Schlund, der ihn erneut verschlingen wollte. Die Hand seines Vaters griff langsam nach seiner Schulter. Seine Augen waren dabei völlig weiß und leer, als befände er sich in einer tiefen Bewusstlosigkeit. Janon wich nicht zurück. Er ließ die Berührung zu, während er seine letzten Worte an Liam richtete. Mit einem schwachen Winken verabschiedete er sich von ihm, in der inständigen Hoffnung, dass Stan ihn sicher nach draußen bringen würde. Denn Janon... war hier noch lange nicht fertig. Plötzlich wurde Janons Blick...komplett scharf und unheimlich. Die gelben Augen leuchteten hell, wie der einer Raubkatze. Ein breites Sichelgrinsen formte sich in seinem Gesicht.
"...Solange dieses Monster noch lebt werde in der Dunkelheit verrotten. Ich bin an ihm gebunden, deswegen brauche ich keinen Ausgang zu suchen, noch habe ich es nicht geschafft. Wenn ich dieses Monster mit meinen eigenen Händen umbringe, dann...werde ich erst frei sein. Selbst wenn ich mit ihm draufgehe. Das wird es wert sein! Es ist...mein Schicksal...meine Sünde, weil ich zu oft selbst zugesehen habe...zu oft feige war...Aber ich werde es schaffen ein noch schlimmeres Monster zu werden...denn nur ein schreckliches Monster kann ein anderes Monster vergiften. Dabei ist es mir scheiss egal, wie viele Leute wegen mir noch leiden werden...solange ich meine Rache erhalte!"

"Yuhan, die Flammen sind stark - was hast du nur angerichtet?! Ich kann nicht zulassen dich noch einmal wegen einem Brand zu verlieren."
Die Stimme seines Vaters neben ihm klang flehend, seine Augen wirkten noch immer blind. Der Griff um Janons Schultern verfestigte sich, während eine verzweifelte Hand ihm über den Nacken strich, fast so, als wollte man eine Katze beruhigen. Janon wandte sich ab. Er sah Liam nicht mehr an, doch selbst als ihn die Dunkelheit wieder gänzlich verschluckte, verschwand das sanfte Lächeln nicht von seinen Lippen. Er mochte feige sein, er mochte schreckliche Angst haben, doch all das war nichts Neues für ihn. Daran war er gewöhnt. Irgendwann... würde er den Weg endgültig in die Freiheit finden. All das verdankte er Liams Geschenk, das dieser ihm vor Jahren überreicht hatte. Janon besaß nun die nötige Stärke. Er musste nur noch widerstandsfähiger werden, um sich der echten Realität eines Tages stellen zu können. Ganz egal, wie lange es dauern würde. Bis es so weit war, würde er hier in der Dunkelheit ausharren. Verspielt streckte er die Zunge heraus, um zu zeigen, dass bei ihm alles gut war.
"Jetzt verpisst euch endlich, bevor wir noch in die nächste Szene geschleudert werden und ihr mit Mason verstecken spielen dürft. Es ist meine Geschichte, nicht eure. Ihr wart nie die Figuren dieses Stücks gewesen. Aber für den beschissenen Einsatz...bedanke ich mich."

...
...
"...Ohne euch wäre ich wohl nicht so weit gekommen."
...
....
.....
In einem New Yorker Krankenhaus lagen drei Jungs nun schon seit Tagen auf einer Überwachungsstation im Koma. Die Ärzte standen vor einem absoluten Rätsel; es glich einer bizarren Anomalie. Rein physisch erfreuten sich die drei bester Gesundheit, ihre Körper wiesen keinerlei Schwächen auf. Und doch erwachten sie aus völlig unerklärlichen Gründen nicht. Was die Situation noch unheimlicher machte: Sie blieben vollkommen fit. Trotz der Bettlägerigkeit bauten sie nicht ein Gramm Muskelmasse ab. Es wirkte fast so, als hätte jemand kurzerhand die Pausetaste für ihren Geist gedrückt. Diese Umstände stifteten im gesamten Krankenhaus Verwirrung und versetzten Familien und Freunde in tiefe Unruhe. Alle waren blind für die Wahrheit – alle, bis auf Brad und Russell. Für die beiden stand felsenfest, dass diese Männer das Opfer eines Hexenfluchs geworden waren. Unglücklicherweise war ihnen die Art dieses Zaubers völlig fremd. Sie zogen sogar andere Hexer zurate, aber... niemand konnte sich auch nur den geringsten Reim darauf machen.

„Travis ist doch allen Ernstes den Arzt holen gegangen... nur weil dieser Oscar da drüben ein Geräusch gemacht hat. Ich sag's dir, der hat einfach nur einen fahren gelassen“, raunte Brad, während er neben Janons Bett in aller Seelenruhe einen Apfel schälte. Das war bei jedem seiner Besuche so: Er schälte das Obst, nur um es im Anschluss genüsslich selbst zu verspeisen. Er hatte auch immer eine Schachtel von Janons Lieblingszigaretten in der Tasche. Manchmal hielt er sie ihm beinahe provokant direkt vor das schlafende Gesicht, in der absurden Hoffnung, ihn allein mit dem Geruch aus dem Koma zu reißen. Aber nichts passierte. Das Krankenhaus hing Brad allmählich meilenweit zum Hals heraus, ganz zu schweigen von Travis' täglichem Geflenne. Sicher, der Typ machte sich unfassbare Sorgen um Janon, das war schon verständlich. Schließlich machte Brad sich insgeheim ja auch so seine Gedanken.

„Mag sein, aber er meinte auch, Liam und Janon hätten sich bewegt. Travis hat für so etwas den absoluten Katzensinn. Vielleicht wachen sie ja tatsächlich zusammen auf? Die Idioten haben schließlich lang genug gepennt. Ich hab allmählich echt keine Lust mehr, jeden Tag hier aufzukreuzen, nur damit Travis sich nicht den ganzen Tag um ihn verrückt macht“, erwiderte Russell, der es sich auf der Fensterbank bequem gemacht hatte. Die beiden hielten sich dicht an Janons Bett auf. Sie hatten sogar schon heimlich einen magischen Kreis darunter gezogen, in der Hoffnung, ihn so endlich aus dem Schlaf zu reißen – aber Fehlanzeige. Trotzdem beschlich auch Russell langsam das untrügliche Gefühl, dass es bald so weit war.

„Seit Janon im Koma liegt, habe ich übrigens auch diesen großen Kerl nicht mehr gesehen. Irgendwie vermisse ich diesen Dax. Hoffentlich ist er nicht wieder zurück ins Ausland. Schade um die großen Titten.“
S̶͙̽m̷͔̑ḭ̸̸̸̸̸̶̵̴̵̞͖̝͔̖̝͕͆̈́ͤ͛ͪ͊ͭ̒ͦͫ̊ͮ͆̚͢͜͢͝l̵̵͓͕̋ͮ͂ê̷̸̷̴̵̲̼̰̭̞ͤ̽ͧ̋ͦ͂ͫ̃ ̶̳̃l̴͇̇_̷̶̷̷̴̴̝͕̲̣̭̾ͩͥͤ̎ͧ͂ͧ̒̕͝ͅí̶̙_̷̴̵̷̷̴̖͎̱̲͉͐ͭ͌ͣͬ͋ͫ̕̚͢͝ͅk̵̸̴̷̸͉̜̠̙̮̍ͧ͛ͥ̔ͬͭ̋͠ě̴̷̷̸̷͍͎͇̲ͭͯ̓ͥ͑ͮ̀͜͠ ̸̳͐y̶̶̶̸̻͍̱͖ͦ̀̓ͪ̇͢͝o̴̴̶̶̵̸̵̶̧̡̦̠̝͔͕̎ͧͨ͐ͪ̈́ͧͮ͊ͩ̍ͭ̓͝͝ͅu̷̶̴̜̤̩̔ͮ̀ͭ͝ ̴̖̌ṁ̴̷̷͚͉͇ͧͤ̾͘_̸̟̈́ę̸̵̸̢̭́̋ͥ͊͢ȧ̵̴̖̝ͬ̍ṋ̸̵̸̶̢̙͍̂ͤͦ̃ͪ̀͝ ̶̥̉i̴̳͛t̴̴̶̛̪̬̖ͪ͛̍͢!̸̶̵̶̘͚̰̪̊ͯ̏ͥ̉̍͢

































































































