The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Oliver

      Sie mussten sich dringend angewöhnen, Shirts zum Wechseln mitzunehmen. Zwar war Olivers Darbietung nicht unbedingt die sportlichste, weil seine Bewegungen durch die Gitarre eh eingeschränkt waren, aber durch das Licht und die stickige Luft wurde es schnell wärmer auf der Bühne, als man denken sollte. Oliver zupfte an seinem Shirt, während er sich seinen Weg zu Jordan bahnte. Die Menschentraube hatte sich ein wenig aufgelöst und auf die Bar und die umliegenden Tische verteilt, während die Bühne umgebaut wurde, was nicht viel half - Oliver wurde trotzdem alle paar Meter angehalten, damit ein paar Zuschauer ihn um ein Autogramm, oder ein Foto baten, oder einfach mit ihm reden wollten. Er machte es lächelnd mit. Bei seinen ersten Shows hatte ihn das alles irgendwie ein bisschen überfordert, aber mittlerweile gehörte auch das irgendwie zur Routine.
      "War das eben Florin?", begrüßte er Jordan, als er ihn endlich erreichte. Er hatte zum Glück auf seinem Platz an der Bühne auf ihn gewartet und, dem Handy in seiner Hand nach zu urteilen, schon mal die ersten kleinen Fotos hochgeladen. Es war irgendwie jedes mal wieder ein wenig bedenklich ihm dabei zuzusehen, wie er sich offensichtlich viel zu viele Gedanken über die Beschreibung jedes einzelnen Bildes machte. Sie hatten Jordan nie darum gebeten, ihr Social Media Manager zu werden - irgendwie war er einfach in die Rolle reingerutscht, weil er sowieso bei jedem Konzert dabei war und Fotos machen konnte, aber er nahm die Rolle definitiv viel zu ernst. Er postete nichts, womit er nicht absolut zufrieden war. Wenn ihn auch nur ein kleines Detail störte, verbrachte er lieber Stunden damit, es auszubessern, als einfach damit zu leben.
      "Jepp", antwortete Jordan knapp, während er von seinem Handy aufsah. Er sah irgendwie noch ernster aus, als sonst. "Ich habe nicht gefragt, aber ich gehe davon aus, dass er mit Alexis hier ist."
      "Ah." Eigentlich hatte Oliver das Thema irgendwie vermeiden wollen. "Kann sein. Ich frage aber eigentlich, weil der Penner mich seit Wochen ghostet und dann plötzlich hier auftaucht, um mit dir zu reden."
      "Hast du ihm wieder so eine furchtbar dämliche Frage gestellt? Dann bin ich auf seiner Seite. Sorry." Jordan schaffte es nicht ganz, wirklich so auszusehen, als ob sein Verrat ihm leid tun würde. Dafür lächelte er wenigstens ein kleines bisschen.
      "Das sind überhaupt keine dämlichen Fragen. Das sind hoch-psychologische Ansätze." Oliver setzte ein gespieltes Schmollen auf, während er nach Jordans Hand griff. "Ich meine, wenn du ein Geist wärst-"
      "Nein."
      "Komm schon, würdest du-"
      "Bitte nicht. Ich hatte vor, heute nichts zu trinken. Bitte bring mich nicht dazu, meine Meinung zu ändern." Jordan verzog kurz das Gesicht, bevor er einen Schritt auf ihn zu ging und ihm einen Kuss auf die Wange drückte. "Aber ihr habt heute echt gut gespielt."
      "Danke. Das gleicht trotzdem nicht aus, dass du auf Florins Seite bist." Oliver grinste leicht, während er Jordan mit sich ein wenig von der Bühne weg zog. "Hast du gesehen, wo er hin ist? Ich muss mich ja wenigstens bei ihm beschweren."
      Jordan zögerte kurz, während er an Oliver vorbei sah, wahrscheinlich in die Richtung, in die Florin verschwunden war. "Müssen wir? Kannst du ihm nicht einfach nochmal eine Nachricht schreiben? Vielleicht ist er ja schon weg."
      "Joe." Oliver warf seinem Freund einen kurzen, ungewollt enttäuschten Blick zu. Jordan atmete sichtbar schwer ein und aus.
      "Ich hatte...einfach gehofft, dass wir Alexis aus dem Weg gehen könnten. Nur heute."
      Oliver öffnete leicht den Mund, während er seinen Freund ein wenig überfordert ansah. Jordan sah aufrichtig miserabel aus, was ihm ein kleines bisschen das Herz brach, aber...er machte sich vollkommen grundlos Sorgen. Alexis stand nicht auf ihn. Sie kannten sich von früher und arbeiteten zusammen, da stand man sich einfach irgendwann automatisch näher, nicht? Oliver war mittlerweile an Alexis' Art gewöhnt, Jordan war es nicht und das war das einzige Problem zwischen ihnen.
      "Wir sind immer noch befreundet, Joe. Komm schon, gib ihm noch eine Chance. Für mich?" Oliver lächelte ihm kurz entgegen. Jordan lächelte nicht zurück, ließ sich aber widerstandslos mitziehen, als Oliver in die Richtung ging, in die er eben geschaut hatte.
      Sie fanden Florin und Alexis am Rand des Pubs und Olivers Laune hob sich schlagartig, als er die beiden sah. Er ließ Jordan los, um Florin mit einem "Hey!" in eine viel zu enthusiastische Umarmung zu ziehen, bevor er ihn eine Armlänge von sich hielt und ein sehr ernstes "Du schuldest mir so viele Antworten" hinterher schob. Er wartete die Antworten nicht ab, bevor er sich zu Alexis drehte und ihn mit einem ähnlich freudigen "Hey!" begrüßte. Er versuchte nicht mal, ihn ebenfalls zu umarmen. Zum einen wusste er, dass Alexis es nicht so mit Nähe hatte, zum anderen wollte er Jordan, der genau an dem Punkt stehen geblieben war, an dem er seine Hand losgelassen hatte, keinen neuen Anlass geben, sich irgendwelche Gefühle zwischen ihnen einzureden.
      "Ich freu mich so, dass ihr gekommen seid!", versicherte Oliver strahlend. "Wie fandet ihr den Auftritt?"
    • Florin

      Alexis war immer ein wenig seltsam im Umgang mit anderen Erwachsenen gewesen, und Florin hatte nie wirklich herausgefunden, woran das lag, aber er leuchtete normalerweise auf, wenn er mit Kindern redete und wirkte so, als könnte er plötzlich etwas loslassen. Vielleicht war das diese typische Rolle von älteren Geschwistern, die alles etwas zu ernst nahmen und in Alexis Fall das Gefühl hatten, total erwachsen wirken zu müssen bis das irgendwann zu einem Stock im Arsch wurde. Aber Florin hatte ihn in den letzten drei Jahren ab und zu mal mit Oliver gesehen und üblicherweise wirkte er dann recht lebendig. Florin war sich sicher gewesen, dass es daran lag, dass die beiden sich ebenfalls schon kannten, seit sie Kinder waren. Alexis hatte sich damals von Florins Freunden zwar immer irgendwie ferngehalten, aber was wusste er schon. Es war nicht ganz einfach, jemanden zu durchschauen, der die Gefühlswelt von einem Stein hatte. Florin konnte nicht groß reden, er war selbst vielleicht ein wenig zu introvertiert, aber er wurde wenigstens gerade nicht kreidebleich.
      Er wurde so schnell von Oliver in eine Umarmung gezogen, dass er garkeine Zeit hatte, sich zu wehren, und klopfte ihm etwas überfordert auf die Schulter während er gedanklich völlig bei seinem sozial verkümmerten Bruder war. Bitte mach kein Drama. Bitte sei nicht peinlich. Florin hätte Oliver nie diesen Job empfehlen sollen. Wer hätte schon wissen können, dass das mit so viel Fremdscham einhergehen konnte? Eigentlich wäre es ihm ja egal, aber er mochte Oliver, und er mochte Jordan, und er wäre gerne noch lange mit den beiden befreundet.
      „Ah… Sorry. Kann ja nicht jeder konstant Arbeitszeitbetrug begehen“, erwiderte er trocken. Das war einfach sein Humor. Er stupste Alexis kurz an, um ihn anzuregen, an dem Witz teilzuhaben, weil er Olivers Arbeitgeber war, aber der befand sich wie‘s aussah geistig schon wieder in einem Paralleluniversum. Gott, er konnte Streits zwischen Vierjährigen schlichten aber fror dann ein, wenn es um sein eigenes Leben ging? Klar doch. Dafür schien Oliver aber eh ziemlich gut drauf zu sein, nur Jordan sah etwas grimmig aus.
      „Der Auftritt war super, man merkt richtig… dass du in der Musik aufgehst“ Alexis hatte stark angefangen, nach einem Blick zu Jordan dann aber die Hälfte seiner Worte verschluckt. Florin verengte kurz irritiert die Augen und versuchte, sein analytisches Denken auszuschalten um auf keine ungewollten Antworten zu kommen.
      „Wirklich gut. Die Leute waren super drauf, also ich denke, du hast deine Szene gefunden. Ab jetzt nurnoch Auftritte, wenn 20 Meter neben der Bühne massenhaft Alkohol verkauft wird“ Er nickte bestimmt. Dann wandte er sich an Jordan. „Du bist noch deren Social Media Manager, was? Wirst du mittlerweile bezahlt?“ Florin lächelte leicht. Auf seinen Bruder war bei Gesprächen echt kein Verlass.
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    • Oliver

      Alexis’ Begeisterung ließ Oliver kurz strahlen, bevor er Florin auf seine Anmerkung hin einen kurzen, gespielt eingeschnappten Blick zu warf. Wenigstens beruhigte es ihn ein wenig zu wissen, dass Alexis, der gerade so aussah, als ob er am liebsten verschwinden würde, bisher Spaß gehabt hatte.
      “Hey, wenn das funktioniert, gebe ich demnächst auch gerne einfach vor dem Konzert eine Runde an das komplette Publikum aus”, antwortete Oliver Florin lachend. Solange es irgendwie die Stimmung retten würde, war ihm eigentlich alles recht. Wahrscheinlich sollte er den selben Trick bei Jordan und Alexis ausprobieren, aber er hatte Alexis noch nie betrunken erlebt und Jordan trank generell nicht, also…könnte am Ende vielleicht auch alles einfach nur nach hinten losgehen.
      “Nein”, beantwortete Jordan Florins Frage. Er lächelte, aber es sah nicht sonderlich ehrlich aus. Mehr wie das typische Reporterlächeln, das er bei Interviews aufsetzte, die ihn nicht sonderlich interessierten. Einstudiert. “Ich verbuche das ganze einfach als gemeinnützige Arbeit für Hilfsbedürftige”, fügte er hinzu.
      “Ach komm schon, so schlimm war unser Instagram vorher nicht.” Oliver legte einen Arm um Jordan, um ihn ein kleines Stück näher zur Gruppe zu ziehen. Jordan bewegte sich widerwillig mit ihm, die Arme vor der Brust verschränkt.
      “Ihr habt euren eigenen Bandnamen falsch geschrieben.”
      “Das kann doch mal-”
      “In drei unabhängigen Posts.” Jordan löste sich aus seiner kleinen Starre, um stattdessen etwas entgeistert in Olivers Richtung zu sehen. “Ihr seid eine wirklich gute Band, aber euer Social Media Auftritt war grauenvoll.”
      “Habt ihr beide euch eben irgendwie gegen mich verschworen, oder so? Drei Minuten alleine und schon seid ihr beide gegen mich.” Es war witzig gemeint gewesen. Oliver konnte wirklich gut mit Kritik umgehen und es war eindeutig, dass Florin eben gescherzt hatte und sie alle wussten, dass ihre Internetpräsenz ein komplettes Chaos gewesen war, bevor Jordan übernommen hatte. Sein Herz setzte trotzdem einen Schlag aus, als er fühlen konnte, wie sich Jordan neben ihm wieder anspannte.
      “Ich würde dir nie so in den Rücken fallen. Ist eigentlich sonst eher so dein Ding, nicht?” Jordan lächelte nicht mehr. Er sah kurz ein wenig so aus, als ob er über seine eigenen Worte überrascht wäre, bevor sein Ausdruck dermaßen neutral wurde, dass es fast beängstigend war. Oliver hatte zumindest das Gefühl, dass sich sein Magen gerade im freien Fall befand, während seine Nervosität hochkochte. Er hatte wirklich gehofft, dass Jordan verstanden hatte, dass nichts zwischen ihm und Alexis lief, nur weil sie gut miteinander auskamen. Er wollte Alexis nicht als Freund verlieren. Er mochte seine leicht verschrobene Art.
      “Jordan-”, setzte Oliver leise an, bevor sein Freund ihm ins Wort fiel.
      “Sorry. Ich weiß nicht, wo das herkam. War ein langer Tag und hier drin gibt es kaum noch Luft.” Er fuhr sich kurz durch die hellbraunen Haare, während das aufgesetzte Lächeln sich den Weg zurück auf seine Lippen kämpfte. Sie mussten das definitiv ausdiskutieren, aber nicht jetzt und nicht hier. Oliver gab ihm einen kleinen Kuss auf die Schläfe und spürte, wie Jordan sich zumindest ein kleines bisschen entspannte.
      “Sollen wir kurz raus gehen?”
      “Nein, alles gut. Sorry.” Jordan räusperte sich kurz, bevor er zu Florin sah. “Wie kommt es eigentlich, dass du hier bist? Olli hatte erzählt, dass du eigentlich Karten für eine Band hast, die man sich nicht erst schöntrinken muss.” Das klang eher nach dem vollkommen normalen, neckenden Ton, den Jordan immer anschlug, wenn er Oliver mit irgendwas aufzog. Trotzdem hatte Oliver nicht das Gefühl, dass auch nur irgendwas ansatzweise gut war.
    • Alexis

      Alexis hatte das Gefühl, dass sein Gesicht alle paar Sekunden den Ausdruck so schlagartig wechselte, dass man sich als sein Gegenüber Sorgen machen könnte. Oder vielleicht machte Florins Blick ihn zusätzlich unsicher, was das betraf. Es war unmöglich, nicht wenigstens zu lächeln, wenn Oliver strahlte, oder über seine Witze zu lachen, und gleichzeitig spürte Alexis von Zeit zu Zeit Jordans Blick auf sich brennen. Er fühlte sich in jeder seiner Reaktionen dermaßen beobachtet, dass er sich zwang, möglichst neutral zu bleiben, aber… Er wollte Oliver nicht denken lassen, dass er für die Einladung nicht dankbar war. Das war alles zu kompliziert. Bis es dann plötzlich wieder sehr simpel wurde. Jordans bissiger Kommentar, der diesmal gegen Oliver gerichtet war, ließ Alexis seine Gesichtsmuskulatur sofort in den Griff bekommen. Er zwang sich in den Arbeitsmodus. Je neutraler, desto besser. Er konnte es Oliver nicht antun, dass Jordan ihm solche Dinge unterstellte, nur weil er selbst zu offensichtlich mit seinen unerwiderten Gefühlen war.
      Florin sah jetzt ebenfalls aus, als wäre ihm das Ganze zunehmend unangenehm. Er hatte eben noch versucht, Alexis Unfähigkeit auszugleichen, aber auf so etwas hatte er ganz offensichtlich auch keine Lust.
      "Ah. Ich hab's mir anders überlegt. Ich hab euch alle schon eine Weile nicht mehr gesehen", antwortete Florin ganz simpel auf Jordans Frage. Aber ob es wirklich so simpel war… Alexis hatte das Gefühl, dass sein Bruder sich nun doch auf seine Seite gestellt hatte und nur die halbe Wahrheit erzählte.
      "Ihr seid auch herzlich zum Event in unserem Restaurant eingeladen, aber ich fürchte, dass sich das vom Preis her nur noch für die lohnt, die ihr Geld nicht zählen können" Er lächelte knapp. "Es ist nächste Woche Samstag, also danach antworte ich dir wieder auf deine hochpsychologischen Ansätze", fügte er in Olivers Richtung hinzu.
      "Was, diese Fragen zwischen zwei ähnlich grauenvollen Dingen?", fragte Alexis, kurzzeitig amüsiert darüber, dass das wohl höchst durchdachte Charaktertests sein sollten.
      "Genau die", antwortete Florin.
      "Hm, ich schätze, man kann schon so einiges über jemanden lernen, der für immer lieber 15 Minuten zu allem zu spät kommen würde als 30 Minuten zu früh", meinte er und nickte. Das war zumindest ein besseres Thema als Jordans Fremdgeh-Vorwürfe.
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    • Oliver

      "Die Antwort so anzuteasern finde ich irgendwie noch schlimmer, als das Ghosten." Oliver hob dramatisch eine Hand an seine Stirn und hoffte, dass sich die Stimmung jetzt einfach von selbst einpendeln würde. Er wollte nicht jedes Wort überdenken nur, weil Jordan irgendwelche Wahnvorstellungen entwickelt hatte. Irgendwie...wünschte er sich, dass Jordan heute nicht mitgekommen wäre, was ein absolut grausamer Gedanke war, aber er konnte nicht anders. Alexis und Florin waren hier immerhin nicht das Problem.
      Gott, Jordan hatte gerade wahrscheinlich einfach zu viel Stress und Oliver war sofort genervt. Was für ein furchtbarer Freund war er eigentlich?
      "Genau!", pflichtete er Alexis bei, der offenbar verstanden hatte, wie tiefgreifend solche Fragen waren. Okay, vielleicht nicht so tiefenpsychologisch, wie Oliver immer behauptete, aber sie waren zumindest ein netter Zeitvertreib, oder nicht? Immerhin konnte man sich so einfach ein paar Gedanken zu Themen machen, mit denen man sich sonst nicht befasste. "Genau so gut wie die Frage, ob euch lieber immer nur ein kleines bisschen zu kalt, oder zu warm wäre."
      "Das ist überhaupt nicht vergleichbar. Pünktlichkeit ist wenigstens ein rationales Thema." Jordan warf ihm einen viel zu strengen Blick zu. Wahrscheinlich war es nicht ganz ernst gemeint, aber er schien immer noch damit zu kämpfen, sich selbst im Griff zu halten.
      "Es geht ja mehr um den Denkprozess, als um die Antwort", widersprach Oliver mit einem Lächeln. "Du könntest zum Beispiel sagen, dass dir lieber immer ein wenig zu kalt wäre, damit ich dich dann warmhalten kann." Er zwinkerte seinem Freund kurz entgegen, bekam allerdings nur einen kritischen Blick zurück.
      "Das macht überhaupt keinen Sinn. Wenn mir immer ein bisschen zu kalt wäre, wäre mir auch zu kalt, wenn du mich festhalten würdest. Sonst könnte ich ja auch immer einen Pullover, oder immer ein T-Shirt tragen und hätte das Problem gelöst."
      "Du denkst zu rational."
      "Deine Fragen sind einfach schlecht gestellt." Jordan zwang sich zu einem kleinen Lächeln, als er offenbar selbst bemerkte, dass das Thema langsam etwas zu ernst wurde.
      "Sind sie nicht. Mir wäre lieber immer ein bisschen zu warm. Kälte finde ich schlimmer und so kann man den Frostbeulen wenigstens ein bisschen Wärme abgeben. Wie sieht es bei euch aus?" Oliver sah zu Florin und Alexis, während Jordan neben ihm ein genervtes Seufzen ausstieß. Aber wenigstens blieb er bei ihm stehen. So schlimm konnte es also nicht sein, oder?
    • Alexis

      Irgendwie hatte Alexis Jordan bisher nur ein einziges Mal entspannt und sympathisch in seiner Nähe erlebt, und das war bei ihrem Kennenlernen gewesen. Parallel dazu schien er auch die Fähigkeit erlernt zu haben, Alexis Gedanken zu lesen und seither war jede ihrer Interaktionen irgendein Level von Unangenehm gewesen. Das war, bevor Alexis letzte Woche sein Date gecrashed hatte. Jetzt… spürte Alexis eine Abneigung gegen diesen Mann, die er nicht spüren sollte, weil er einzig und allein der Schuldige an Jordans Verhalten war. Alexis wollte sich nicht vorstellen, wie perfekt die Beziehung der beiden abseits von diesen Momenten sein musste, dass Oliver das alles einfach so aushielt.
      Florin seufzte neben ihm nachdenklich. Scheinbar nahm er diese Fragen irgendwie doch ziemlich ernst. „Hm… das ist beides furchtbar. Mir ist allgemein immer ziemlich kalt, also würde ich wahrscheinlich nehmen, dass mir etwas zu warm ist? Einfach, um mal was anderes zu erleben“, sagte er schließlich. „Und klarerweise würde ich immer lieber zu spät kommen. Ich will doch nicht bei jeder Kleinigkeit 30 Minuten meiner Lebenszeit verschwenden, indem ich irgendwo herumsitze und auf den Termin warte“
      Alexis schmunzelte. „Mir ist auch immer eher kalt, aber da bleibe ich lieber dabei. Und normale Menschen würden sich dazu entscheiden, immer eine halbe Stunde zu früh zu sein und einfach ein Buch dabei haben, oder so“ Er zuckte mit den Schultern.
      „Nerd“
      „Dieser Nerd ist der einzige Grund, warum du einen Schulabschluss hast“, meinte Alexis trocken.
      „Nerd“
      „Ihr stimmt mir zu, dass zu spät kommen einfach unhöflich ist und man besser immer zu früh dran ist, oder?“, fragte Alexis skeptisch und ignorierte seinen Bruder. Möglicherweise hatte er noch immer die Hoffnung, ein normales Gespräch mit Jordan führen zu können. Eigentlich würde er sich viel lieber erstmal bei ihm entschuldigen, aber er sollte sich in Olivers Beziehung nicht noch mehr unbeabsichtigt einmischen. Irgendwann demnächst würde er seine Freundschaft sowieso zerstören indem er sich öffnete, und dann konnte er sich noch immer entschuldigen. Aufrichtig.
      „Nerd“
      Alexis fiel ihm ins Wort: „Erklär mir mal, warum ihr noch Freunde seid?“ Er blinzelte Oliver lächelnd an.
      „Wow. Redest du so auch mit deinen Patienten?“
      „Du wirst bald jemandes Patient“, sagte Alexis und sah Florin warnend an. Er konnte so verdammt nervig sein, wenn er wollte.
      „Hah! Vergiss mal nicht, wer hier die Autoschlüssel hat“
      Dummerweise hatte Alexis darauf wirklich nichts mehr zu sagen. Nicht, weil Florin ihn abgeholt hatte — immerhin hatte Alexis seinen Bruder seine halbe Jugend lang umherkutschiert — sondern weil ihm wieder schlagartig bewusst wurde, dass er Florin angebettelt hatte, ihn zu diesem Konzert zu begleiten und der Puffer zwischen Jordan und ihm zu sein. Die Frage war allerdings, ob es das war, was Florin unter einem Puffer verstand. Nicht, dass er diesen Teil der Verabredung wirklich laut ausgesprochen hatte…
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    • Jordan

      "Weil ich die 45 Minuten auf Florin warten und dann verlangen würde, dass er zum Ausgleich was zu Essen ausgibt", beantwortete Oliver Alexis' Frage, warum er noch mit Florin befreundet war, mit einem Lachen. Nachdem Jordan eben kurz zu etwas wie Panik auf seinem Gesicht gesehen hatte, sah er jetzt wieder so gelöst aus, wie eh und je. Schlechte Stimmung blieb einfach nie lange an Oliver haften. Das war einer der Punkte, die ihn so unfassbar charmant machten.
      "Ich habe ja nichts gegen etwas Verspätung, aber immer 15 Minuten ist schon heavy. Es gibt ja auch coole Sachen, zu denen gehen will. Konzerte, oder Kino, oder so. Stell dir vor, du verpasst immer die ersten 15 Minuten von jedem Film!", fuhr Oliver fort. Er war offenbar voll und ganz in seinem Element. Früher hätte Jordan das unterhaltsam gefunden. Jetzt stand er neben ihm und fühlte sich so, als ob er gerade einen Film schauen würde.
      Er war nicht sonderlich begeistert gewesen, als Oliver ihm erzählt hatte, dass er Alexis zum Konzert eingeladen hatte. Oliver hatte ihn in seit dem Fiasko mit dem Essen so oft versichert, dass Alexis nicht auf ihn stand, dass es fast schon verdächtig klang. Nein, Jordan ging nicht davon aus, dass zwischen den beiden was lief, aber er konnte sich nicht mehr ganz so einfach selbst davon überzeugen, dass Oliver nicht merkte, dass Alexis auf ihn stand. Es war so ekelhaft offensichtlich. Und er stand hier und versuchte sich dazu zu bringen, ein normales Gespräch mit ihm zu führen. Je länger er darüber nachdachte, desto wütender wurde er eigentlich. Ging Oliver wirklich davon aus, dass Jordan ganz normal mit Alexis mitlachen würde, als ob der nicht auf seinen Freund stehen würde? Als ob er die letzten Tage an irgendetwas anderes hätte denken können als daran, wie lange Oliver und Alexis zusammen in der Praxis saßen?
      "Ich glaube, ich gehe doch kurz raus. Kommst du mit?", Jordan warf Oliver einen fragenden Blick zu und fühlte sich direkt noch ein wenig schlechter, als sein Freund zögerte.
      "Ich warte eigentlich nur darauf, dass Marcelinas Schlagzeug endlich abgebaut ist, dann müssen wir uns nochmal kurz mit dem Inhaber treffen", erklärte er mit kurzem Blick zur Bühne, die mittlerweile ziemlich leer aussah.
      "Ah. Natürlich." Jordan konnte die Enttäuschung in seiner Stimme kaum verstecken. Irgendwie wollte er das auch nicht. Oliver sollte genau wissen, wie beschissen er die Situation fand. Eigentlich war Abhauen die vollkommen falsche Reaktion, aber er konnte einfach nicht hier bleiben und so tun, als ob alles in Ordnung wäre. "Wir sehen uns", merkte er knapp an, während er sich wegdrehte und im Laufschritt die Tür ansteuerte.


      Oliver

      "Ich komme sofort nach!", rief Oliver Jordan noch hinterher, bevor sein Freund zwischen den Leuten verschwand. Er hatte keine Ahnung, ob er ihn noch gehört hatte. Er hoffte es.
      "Tut mir leid. Jordan ist im Moment irgendwie nicht gut drauf", entschuldigte er sich bei seinen beiden Freunden. "Er ist gestern Abend von seiner Agentur wegen irgendeinem Mord in Irland angerufen worden und hat die halbe Nacht mit Recherche verbracht. Ich glaube er ist einfach ein bisschen empfindlich." Was nichtmal die halbe Wahrheit war, aber hoffentlich ausreichen würde, damit Florin und vor allem Alexis nicht so ein schlechtes Gewissen hatten. Oder unangenehme Fragen stellten.
      "Wollt ihr was trinken? Die nächste Runde geht auf mich." Er deutete kurz zur Bar, an der Sameer immer noch mit seiner Freundin stand, offenbar ebenfalls darauf wartend, dass Marcelina mit ihrem Schlagzeug fertig war. Sie hatten nach den ersten zwei Auftritten beide begriffen, dass sie dabei keine Hilfe wollte und sich seitdem zurückgehalten. Sie konnte wirklich gruselig werden, wenn sie wütend war.
    • Alexis

      Das war absolut nicht der Grund. Womöglich trug der Schlafmangel dazu bei, dass Jordan schlecht drauf war, aber der Hauptgrund war ziemlich offensichtlich und die Tatsache, dass Oliver seinen Freund als empfindlich beschrieb, löste sogar in Alexis gerade etwas Ekel aus. Wenn Oliver ihn so verteidigte, musste er selbst wissen, dass Jordan noch immer sauer war. Offensichtlich auch auf ihn. Dass er ihm wieder nicht sofort hinterher lief, löste in Alexis eine seltsame Panik aus. Wusste er denn nicht, dass er seine eigene Situation noch schlimmer machte, jedesmal wenn er eine Sekunde länger mit Alexis verbrachte, anstatt mit Jordan? Es war unglaublich, dass die Beziehung der beiden überhaupt lange genug überlebt hatte, um an diesem Punkt anzukommen. Oliver schien furchtbar blind zu sein. Oh, vermutlich war er es wirklich. Immerhin hatte er drei Jahre lang nicht mitbekommen, wie Alexis für ihn empfand, zu seinem Segen. Dummerweise verstand Alexis Jordans Ärger und… dummerweise wollte er sich irgendetwas darauf einbilden, dass Oliver hier blieb, bei ihm blieb. Schon wieder.
      „Kommt vor. Du solltest ihn wirklich irgendwie für die zusätzliche Arbeit bezahlen“, schmunzelte Florin neben ihnen und war im Bunde jetzt der einzige, der den richtigen Grund für Jordans Verschwinden nicht kannte. Aber wenn es so weiter ging, würde er ihn demnächst erahnen.
      „Aber ich denke nicht, dass noch eine Runde schlau ist. Wir fahren morgen Vormittag beide unsere Großeltern besuchen“, fügte Florin zu Alexis Überraschung hinzu. Alexis bemühte sich, ihn nicht irritiert anzusehen, und wandte stattdessen den Blick ab und Richtung Bühne. Es war ihm nicht so unrecht, eine Ausrede zu haben, um nachhause zu fahren. Nur wollte er Oliver gleichzeitig auch nichts ausschlagen oder ihn alleine lassen. Darum war es vielleicht gut, dass Florin das für sie beide übernahm.
      „Das ist mein erstes Wochenende in 14 Tagen und mein letztes für die nächsten 14. Ich will es nicht als Zombie verbringen“ Florin lächelte sanft und klopfte Oliver schließlich verabschiedend leicht auf die Schulter.
      „Oh… Ja… Tut mir echt leid“, stieg Alexis endlich zaghaft ein. „Das Konzert war wirklich toll. Richte Jordan ein… schönes Wochenende von mir aus. Wir sehen uns am Montag?“ Alexis hatte seinen letzten Satz nur unabsichtlich als Frage gestellt. Aber er war sich mittlerweile tatsächlich nie ganz sicher, wann er Oliver womöglich zum letzten Mal sah. Es zog ihm die Brust zusammen. Aber irgendwann würde Jordan vermutlich zu ihm durchdringen, oder? Alexis musste seinen Entschluss, zu beichten, schneller fassen.
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    • Oliver

      Das lief gerade alles richtig, richtig schief. Oliver zwang sich zu einem kleinen Lächeln, während Florin ihm auf die Schulter klopfte. Er hatte sich den Abend anders vorgestellt. Nicht perfekt - das war selbst für ihn zu optimistisch - aber er hatte irgendwie darauf gehofft, dass Jordan zumindest ein kleines bisschen mitspielte. Wie sollte er ihn davon überzeugen, dass Alexis nicht auf ihn stand, wenn er sich wehrte, zu lange mit Alexis in einem Raum zu sein? Und wie sollte seine Freundschaft mit Alexis überleben, wenn Jordan ihm jedes mal ein schlechtes Gewissen machte, wenn er ihn traf?
      "Viel Erfolg bei deinem Event. Und mach dir keinen Stress wegen den ganzen unbeantworteten Nachrichten, die mich Nachts wachhalten." Oliver seufzte gespielt dramatisch, bevor er Florin zulächelte und sich schlussendlich zu Alexis drehte.
      "Bis Montag. Das wird schon wieder." Gott, er hasste es, dass Alexis so unsicher aussah. Er war immer schon eher in sich gekehrt gewesen und Oliver war so positiv überrascht gewesen, als sie sich durch den Job doch langsam angefreundet hatten. Das alles jetzt wegen so einem dummen Zwischenfall wieder zu verlieren kam ihm unfair vor. Am liebsten hätte er ihn in den Arm genommen. Er musste wirklich dringend mit Jordan reden.
      "Viel Spaß bei euren Großeltern", wünschte er, während er zum Abschied die Hand hob. Er sah ihnen hinterher, bis sie zwischen den Menschen verschwanden und steuerte schließlich selbst die Bar an.

      "Arbeit?" Oliver lächelte leicht, während er Jordan ein Glas Cola entgegen hielt. Sein Freund saß etwas abseits des Pubs auf einer leeren Bank und starrte auf sein Handy.
      "Mhm? Oh, ja, sicher." Jordan schob das Handy in seine Jackentasche, bevor Oliver auf das Display schauen konnte und nahm die Cola entgegen. Er sah nicht sonderlich glücklich aus. Okay, Jordan sah irgendwie nie sonderlich glücklich aus, das war irgendwie sein Ding, aber jetzt gerade sah er einfach nur fertig aus.
      "Willst du nicht wieder mit rein kommen? Es wird langsam-"
      "Ich übernachte heute bei meinen Eltern."
      "Was?" Oliver hatte das Gefühl, gerade von einem LKW angefahren worden zu sein. Nur eben auf emotionaler Ebene. Er sah vollkommen überrumpelt zu Jordan, der seinem Blick auswich und sich stattdessen auf das Glas in seiner Hand konzentrierte. Oliver bekam langsam mehr und mehr das Gefühl, die Kontrolle über sein Leben verloren zu haben. "Ich wollte eigentlich zuhause nochmal mit dir über alles reden. Ich hatte gedacht, dass wir uns auf dem Rückweg etwas zu Essen mitnehmen können, oder so." Panik setzte ein, während er sich neben Jordan auf die Bank setzte und eine Hand auf seinen Arm legte.
      "Ich will nicht reden. Das hat beim ersten Mal auch nichts gebracht. Ich- Ich brauche einfach etwas Abstand und Zeit, um nachzudenken." Jordan hob den Blick, um Oliver anzusehen. "Du nimmst mich überhaupt nicht ernst."
      "Natürlich nehme ich dich ernst! Ich glaube nur, dass du dich irrst", erklärte Oliver so ruhig, wie er konnte. Sie drehten sich irgendwie zeitgleich im Kreis und bergab.
      "Denkst du ernsthaft, dass Alexis zu irgendeinem Auftritt von einem eurer anderen Kollegen gegangen wäre? Oder dass er spontan mit einem anderen Kollegen essen gegangen wäre?"
      "Das ist was anderes. Wir kennen uns seit Ewigkeiten. Das versuche ich ja, dir zu erklären." Und alles würde so viel leichter sein, wenn Jordan das endlich verstehen würde.
      "Also ist er mit jedem seiner Kindheitsfreunde so eng, oder nur mit dir?" Jordan hielt den Augenkontakt, während Oliver den Mund öffnete und ihn wieder schloss, ohne eine Antwort gegeben zu haben. Er hatte keine Ahnung, wie eng er mit seinen anderen Kindheitsfreunden war. Er wusste nicht mal, ob er andere Freunde aus Kindertagen hatte, wenn er ehrlich war. Es waren im Moment immer nur Alexis, Florin und er.
      "Ich setz dich gleich zuhause ab, pack meine Sachen und fahr. Vielleicht solltest du dir auch etwas Zeit zum Nachdenken nehmen." Jordan nippte an der Cola, bevor er sich einen Ruck gab und aufstand. "Ich liebe dich, Olli, aber ich komme mir langsam einfach nur noch blöd vor." Er starrte ihn einen kurzen Moment lang an, bevor er sich wegdrehte und zurück zum Pub ging.
      Konnte diese Woche eigentlich noch beschissener werden?
    • Alexis

      „Will ich es wissen oder will ich es nicht wissen?“, fragte Florin nach einem genervten Seufzen als die Autotüren zugefallen waren. Gut, im Nachhinein betrachtet war es vielleicht ein wenig unsensibel gewesen, Florin als persönliches Schutzschild bei dieser Veranstaltung einzusetzen. Aber irgendwie war das doch die Aufgabe von Geschwistern.
      „Kommt darauf an, was du denkst, was es ist“, antwortete Alexis etwas kryptisch. Nach Jordans Ausbrüchen klang es schließlich immer ein wenig so, als hätte Oliver eine Affäre mit Alexis. Was nicht ferner von der Wahrheit sein könnte.
      „Du solltest dabei bleiben, deine eigenen Freundschaften zu zerstören und meine nicht mitreinziehen“, erwiderte Florin und startete den Wagen. Alexis runzelte beleidigt die Stirn.
      „Ich hab noch nie eine Freundschaft zerstört. Sie… verlaufen sich meistens einfach. Ich hab viel zu tun“
      „Red dir das gerne weiter ein“, murmelte Florin. „Schau, ich hab auch keinen riesigen Freundeskreis, aber ich bemühe mich um die Leute zumindest. Man wird seltsam, wenn man nicht sozialisiert. Und deine psychisch labilen Kinder zähle ich nicht als soziale Kontakte. Du hängst nur mit Kindern, Oliver, Mom und mir ab. Kein Wunder dass du zu jemandem geworden bist, der anderen den Freund ausspannt. Du-“
      „MOMENT MAL“ Alexis unterbrach Florin so laut, dass dieser vor Schreck einen leichten Slalom mit dem Auto hinlegte.
      „Hallo?!“ Florin wurde ebenfalls vor Schock laut. Alexis hatte grundsätzlich immer Angst, wenn sein Bruder ein Auto lenkte, weil er in seinen Augen einfach ein Zehnjähriger war, aber das war unheimlich. Durchatmen.
      „Ich spanne niemanden irgendwem aus. Unterstell mir sowas nicht. Jordan bildet sich ein, dass zwischen Oliver und mir etwas läuft, aber das tut es nicht“, stellte Alexis klar.
      „Bist du dir sicher? Was hat es dann mit dem schuldbewussten Blick auf sich?“ Florin war nicht grundlos skeptisch. Alexis hatte sich heute verhalten wie ein Reh im Scheinwerferlicht, was nicht untypischer für ihn sein könnte.
      „Das…“ Er wusste nicht wirklich, wie er darauf antworten sollte, wenn er in den drei Jahren kein einziges Mal laut ausgesprochen hatte, wie er fühlte. Kurz gesagt war es ihm peinlich. Und alles wurde immer etwas realer, wenn man es aussprach. Wobei… realer als jetzt konnte es kaum noch werden. „Ich hab möglicherweise irgendwie… nicht rein… platonische Gefühle für ihn, aber ich ignoriere das bestmöglich und Oliver weiß nichts davon. Du kannst es jetzt meinetwegen wissen, weil die Situation dank Jordans Hellseherfähigkeiten so ausgeartet ist, dass mir kaum mehr etwas anderes übrig bleibt, als es ihm zu sagen und ihn nie wieder zu sehen. Ich fühle mich schon schrecklich genug, ohne, dass mir jemand zusätzlich Schuldgefühle einredet. Ich will die Beziehung der beiden nicht manipulieren. Jordan hat einfach einen sechsten Sinn, oder so, und Oliver ist erschreckend dämlich“
      „Er ist wirklich dämlich“ Florin schwieg eine Weile, bevor er beschloss, den Rest doch noch zu kommentieren. „Okay, ich will damit wirklich nichts zu tun haben. Und was… zum Teufel stimmt eigentlich nicht mit dir, dass du ausgerechnet auf Oliver stehst? Den du schon als Grundschüler kanntest? Der mein Freund ist? Und dein Kollege? Ich dachte, du hattest vor, alleine zu sterben, so wie ich. Ich fühle mich seltsam verraten“
      „Glaub mir, es war keine Absicht“, murmelte Alexis leicht genervt.
      „Seit wann eigentlich?“
      „Hast du noch irgendetwas Konstruktives beizusteuern? Falls nicht, tu so, als wüsstest du von nichts und kümmer dich um deine eigenen Probleme. Ich löse das Problem sobald ich mich überwinden kann“
      „Das solltest du besser schnell tun. Zwischen den beiden sieht es nicht gut aus“
      Alexis seufzte tief. Das wusste er selbst. Und wenn die Beziehung der beiden endete, wäre es vollkommen seine Schuld. So oder so würde Oliver nie wieder ein Wort mit ihm wechseln. Vermutlich hatte er seine Gefühle deshalb so lange für sich behalten. Und weil er gehofft hatte, dass sie irgendwann verfliegen würden. Das Ganze konnte von Anfang an kein gutes Ende nehmen. Man verliebte sich eben nicht in Menschen, die in einer Beziehung steckten. Vor allem, wenn sie glücklich waren.
      „Du hättest andere Leute daten sollen, oder so. So funktioniert das doch, wenn man über jemanden hinwegkommen will“, griff Florin das Thema wieder auf. Witzig, dass das ausgerechnet von ihm kam. Soweit Alexis wusste hatte sein Bruder eine sehr unschuldige Beziehung in der Schulzeit geführt und danach nie wieder. Manchmal erzählte er unbeeindruckt von langweiligen Dates und davon, dass er die Leute nie wieder sehen wollte, und das war‘s.
      „Ich wollte niemanden daten. Ich bin nicht der Typ dafür“
      „Ich meine ja nur, jemand anderen kennenzulernen und die Möglichkeit schaffen-“
      „Weil das für dich auch so gut funktioniert?“
      „Hey, ich bin zufrieden mit meinem Lifestyle. Du bist derjenige, der immer so tut, als wäre alles in Ordnung, und dann fünfzig Mauern hochfährt um niemals einen Funken Emotion zu erleben. Ich bin fast überrascht, dass dir überhaupt etwas an irgendwem liegt“
      Alexis sah seinen Bruder von der Seite an und war tatsächlich ein wenig sprachlos. „… Mir liegt an vielem etwas“
      „Ja? Du bist echt gut darin, das zu verstecken“
      Aus irgendeinem Grund hatte Alexis gerade das Gefühl, bei etwas versagt zu haben. Er war sich nicht ganz sicher, wobei. Aber seine Familie bedeutete ihm viel. Florin bedeutete ihm viel, auch wenn sie alle nicht unglaublich viel Kontakt zueinander hatten. Die Kinder, die er therapierte, bedeuteten ihm auch viel. Ob er auf die auch emotionslos wirkte? Was, wenn sie dachten, dass sie ihm egal waren?
      Oh.
      „Mir liegt etwas an dir“, murmelte Alexis.
      „… Ich weiß. Aus irgendeinem Grund weiß ich das“
      „Gut“
      Wahrscheinlich sollte Alexis… das Gespräch mit Oliver gleich am Montag hinter sich bringen. Das Schweigen tat ihnen beiden nicht mehr gut.
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    • Oliver

      Oliver hatte das Gefühl, keine Sekunde geschlafen zu haben, als der Wecker ihn am Montagmorgen daran erinnerte, dass das Wochenende vorbei war und er einen Job hatte. Jordan hatte das komplette Wochenende bei seinen Eltern verbracht. Oliver hatte vergeblich versucht, ihn anzurufen und ihm ein paar Nachrichten geschrieben, auf die er nur knappe Antworten bekam. Es war ein furchtbar seltsames Gefühl. Natürlich waren sie beide schon alleine in der Wohnung gewesen - Jordan hatte ab und an Einsätze in anderen Städten und Oliver hatte mal ein Konzert etwas weiter weg, zu dem Jordan nicht mitkommen konnte - aber die letzten male hatte er wenigstens immer gewusst, wann sie wieder zusammen waren. Dieses mal blieb ihm nichts, als Hoffnung.
      Viel Schlimmer als Jordans Abwesenheit war die Tatsache, dass Oliver tatsächlich anfing, über die letzten Tage nachzudenken. Eigentlich hatte er das vermeiden wollen. Es war alles eindeutig gewesen, nicht? Jordan hatte sich in etwas hineingesteigert, das unmöglich wahr war und war plötzlich vollkommen eskaliert. Eigentlich sollte er sich Sorgen um ihn machen. Aber je länger Oliver nachdachte, desto mehr fielen ihm die ganzen kleinen Dinge auf, über die er sich sonst nie den Kopf zerbrochen hatte.
      Jordan hatte Alexis nie gemocht. Irgendwie hatte Oliver das schon immer gewusst, aber er hatte es einfach darauf geschoben, dass beide relativ ruhig waren und es so irgendwie nicht klick machen konnte - aber Jordan war sonst mit all seinen anderen ruhigeren Freunden gut klargekommen. Er hat vorher nie wirklich schlechtgeredet, oder so, aber er war nie sonderlich begeistert gewesen, wenn Oliver Alexis irgendwo hin eingeladen, oder von ihrem Arbeitsalltag geredet hatte. Er hätte wahrscheinlich viel früher versuchen sollen, die beiden irgendwie miteinander zu versöhnen.
      Oliver ging weiterhin nicht davon aus, dass Jordan recht hatte, auch wenn er zugeben musste, dass Alexis und er sich tatsächlich nahestanden. Wenn sie es nicht tun würden, gäbe es dieses Problem jetzt immerhin nicht. Wenn Alexis ihm komplett egal wäre, hätte er Jordan sofort versprochen, sich einen neuen Job zu suchen und ihn einfach nicht mehr zu sehen, aber das konnte er nicht. Er mochte Alexis. Sie kannten sich schon so lange und jedes mal, wenn er ihn lächeln sah, fühlte es sich wie ein kleiner Sieg an.
      Nichts von alledem half natürlich auch nur ansatzweise dabei zu entscheiden, was er tun sollte. Er wollte keinen von beiden verlieren, aber das schien vollkommen unmöglich zu sein. Eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte ihm zu, dass Alexis' Freundschaft über seiner Beziehung stand. Immerhin kannten sie sich länger und Florin war sein bester Freund. Aber er versuchte, diesen Gedanken zu unterdrücken. Ihm weiter nachzugehen fühlte sich furchtbar an. Er wusste selbst, dass er nie ein wirklich aufmerksamer Partner gewesen war, aber das schlechte Gewissen, das sich ihm jetzt aufdrängte verriet ihm, dass er einen neuen Tiefpunkt erreicht hatte.
      Vielleicht redete er sich auch einfach schonmal eine Trennung schön. Oliver hatte nicht das Gefühl, seine Beziehung mit Jordan je wieder auf das Level bringen zu können, das sie in ihren ersten Jahren gehabt hatte. Ein wenig Misstrauen würde jetzt immer mitschwingen, nicht? Er bekam Panik bei dem Gedanken, dass Jordan wieder vor der Tür stehen könnte, nur um ihm zu sagen, dass er Schluss machen wollte, aber irgendwie...Jordan konnte einen manchmal wirklich zum verzweifeln bringen.
      Oliver stieß ein kleines Seufzen aus, während er nach seinem Handy griff und hielt inne, als er eine Sprachnachricht von Jordan sah. Das war deutlich mehr, als das knappe 'Okay', 'Ja' und 'Nein', mit dem er sich in den letzten Tagen hatte begnügen müssen. Er zögerte kurz, bevor er sie abspielte.
      "Hey." Jordans sonst so melodische Radiostimme klang müde. Nicht ganz, wie er selbst. "Ich habe nachgedacht und...flipp jetzt nicht aus, okay? Es ist nur eine hypothetische Frage. Du stehst doch auf so dämliche hypothetische Fragen. Also..." Er konnte hören, wie Jordan tief einatmete, bevor er weitersprach. "Wenn ich dich gefragt hätte, ob du mich heiraten möchtest, hättest du mit gutem Gewissen 'Ja' sagen können? Ohne Zweifel, ohne irgendwas zu bereuen? Wie gesagt, es ist nur eine hypothetische Frage, ich habe noch nicht ernsthaft darüber nachgedacht, dich zu fragen, aber ich habe die letzten zwei Tage echt viel über unsere Zukunft nachgedacht und..." Ein paar Sekunden herrschte vollkommene Stille. "Ich hätte Ja gesagt." Jordan klang leiser, als vorhin. "Vor ein paar Wochen hätte ich ohne zu zögern Ja gesagt und wäre davon ausgegangen, dass du das auch tun würdest, aber ich bin mir mittlerweile nicht mehr so sicher und- Gott, das ist alles so dämlich. Du schläfst wahrscheinlich eh schon. Es tut mir leid, dass ich gegangen bin. Können wir darüber reden?"
      Oliver sah auf sein Handy, als ob es explodieren würde, wenn er sich bewegte. Er wäre gerne schockiert darüber, dass Jordan es ihm nicht zutraute, einen Antrag ohne schlechten Gewissen anzunehmen, aber irgendwie...hatte er Recht. Zumindest seit den letzten zwei Tagen. Irgendwas war zwischen ihnen zerbrochen, was sich nicht so einfach ignorieren ließ.
      Er hatte nicht realisiert, wie lange er auf sein Handy gestarrt hatte bis sein Blick auf die kleine Uhr in der Ecke des Displays fiel. Oliver zuckte zusammen als ihm bewusst wurde, dass er zu spät dran war. Jordans Stimme verfolgte ihn durch seine Morgenroutine. Er hatte keine Ahnung, wie er auf die Nachricht antworten sollte, ohne den Riss zwischen ihnen noch größer zu machen. Er hatte immer noch das leise 'ich bin mir mittlerweile nicht mehr so sicher' im Ohr, als er mit zehn Minuten Verspätung in der Praxis ankam. Er grüßte seine Kollegen mit einem gehetzten "Guten Morgen", ohne sie anzusehen, während er den Empfang ansteuerte, um den Pc zu starten. Sie hatten noch etwas Zeit, bevor die ersten Patienten kommen würden, aber die Zeit brauchten sie normalerweise, um alles herzurichten. Die letzte Woche war furchtbar gewesen und diese würde wahrscheinlich ähnlich schlecht weitergehen. Oliver hatte das furchtbare Gefühl, Urlaub zu brauchen. Auf dem Sofa liegen und die Decke anstarren zu können, kam ihm gerade wie ein absoluter Traum vor.
    • Alexis

      Alexis hatte am Montagmorgen den Entschluss gefasst, keinen Entschluss zu fassen. Erstmal abzuwarten. Vielleicht lief zwischen Oliver und Jordan plötzlich alles wieder glatt? Womöglich hatten sie sich ja noch ausgesprochen und alles war wieder in Ordnung. Alexis wollte nichts überstürzen und erstmal ganz nebensächlich fragen, wie Olivers Wochenende war, und herausbekommen, ob seine Beziehungskrise vorbei war. Und dann konnten sie ja so weiter machen wie bisher… Sie musste die Situation nicht unnötig… katastrophisieren.
      Das Unterfangen gestaltete sich nur etwas schwieriger, als Oliver sich verspätete und Alexis statt einem entspannten ‚Na wie war dein Wochenende?‘-Gespräch nur unruhig an einem Glas Wasser nippte und im Minutentakt durch die Tür seines Behandlungszimmers zum Empfang spähte um zu kontrollieren, ob Oliver endlich da war. Als es dann soweit war, lief Alexis schuldbewusst ins Zimmer zurück und stellte erstmal sein Glas ab. Er atmete tief durch und strich sich durch die Haare. Warum war er so nervös? Das würde ein… ganz normales… völlig lockeres Gespräch mit positiven Neuigkeiten werden.
      Er bemühte sich, möglichst locker aus der Tür zu kommen, diesmal aus der anderen… Er wollte schließlich nicht wirken, als würde er Oliver wirklich kontrollieren. Mit einem angestrengt netten Lächeln kam er zum Schalter.
      „Oh! Da bist du ja. Verschlafen?“, fragte er und lehnte sich etwas verkrampft an den Schalter. „Montage sind hart, hm?“ Gott, was redete er da? „Ähm… war dein Wochenende wenigstens noch erholsam?“
      Bei genauerem Hinsehen konnte Alexis sich die Frage wahrscheinlich selbst beantworten. Er schluckte. Olivers Äußeres sprach irgendwie für sich. Aber das… musste nicht wirklich etwas heißen. Vielleicht war auch einfach jemand gestorben? Nicht, dass das besser wäre, aber zumindest konnte Alexis sich recht sicher sein, dass er daran keine Schuld trug. Was eine furchtbare Art zu Denken war. Er war ein vollkommener Psychopath, wie es aussah.
      „Tut mir echt leid, dass wir nach dem Konzert so schnell gegangen sind. Florin war… übermüdet“ Wahrscheinlich stimmte das. Alexis hatte keine Lust, Oliver anzulügen, aber er konnte sich selbst einreden, dass das stimmte. Und es half Oliver vielleicht auch, sich weiterhin einzureden, dass Jordan bloß übermüdet gewesen war. Passierte eben. Sehr häufig.
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    • Oliver

      Oliver tippte das Passwort zweimal falsch ein, bevor er es endlich genervt schaffte, den PC zu entsperren und den heutigen Terminplan aufzurufen. Er scrollte kurz durch die Liste der Patienten, mit denen sie heute rechnen mussten, um einen kurzen Überblick zu bekommen und sicher zu gehen, dass er nichts vergessen hatte. Ein paar der Kinder die bei ihnen in Behandlung waren, hatten kleine Vermerke neben ihren Namen, wenn man auf irgendetwas achten musste - Geräusche, Gerüche, Bewegungen. Heute stand kein Name mit Vermerk auf der Liste. Zum Glück. Oliver sah auf die Namen, ohne auch nur einen einzigen davon richtig wahrzunehmen. Er war sich nicht ganz sicher, ob er es geschafft hätte, sich aktiv an irgendwelche Einschränkungen zu erinnern.
      Er wollte gerade den Desktop sperren und sich zumindest einen Kaffee holen, als Alexis vor ihm auftauchte. Alexis, der ihm mit seiner Art ein Lächeln auf die Lippen zauberte und wegen dem er gerade ein furchtbar schlechtes Gewissen bekam. Jordan hatte recht gehabt - Oliver hätte einen hypothetischen Antrag nicht ohne zu zögern annehmen können. Ein Leben mit Jordan würde bedeuten, Alexis auf lange Sicht aufzugeben und das hätte er irgendwie nicht gekonnt. Er mochte ihn und seine etwas unbeholfene Art. Alexis schaffte es irgendwie, Ruhe in ihn zu bringen, selbst, wenn er selbst unruhig war.
      “Morgen”, grüßte Oliver etwas verspätet, weil sein Kopf noch einen Schritt zurück im Bett mit der Sprachnachricht hing. “Ich hatte…Wochenende”, fügte er mit einem angespannten Lächeln hinzu, was wahrscheinlich zeitgleich vollkommen nichtssagend und absolut vielsagend war. Er wollte Alexis nicht noch weiter in den komischen Beziehungsstreit mit Jordan hineinziehen, auch wenn er eigentlich dringend jemanden brauchte, der alles, was in der letzten Woche passiert war, minutiös mit ihm durchging und analysierte. Nur halt niemanden, der selbst irgendwie in dem Chaos mit drin hing. Selbst Florin war zu nah dran und offenbar schon zu genervt, um ihn damit vollzuquatschen.
      “Jordan…braucht wohl noch ein bisschen Zeit zum Nachdenken, aber wir bekommen das irgendwie hin”, erklärte er mit weitaus mehr Optimismus, als er tatsächlich spürte. “Wie war es bei euren Großeltern?”
    • Alexis

      Es war garnicht leicht, sein eigenes Lächeln aufrecht zu erhalten, wenn Oliver aussah, als würde er sich zwingen, überhaupt hier zu sein. Normalerweise grinste er Alexis so freudestrahlend an, dass der Kontrast ein wenig erschreckend war. Und außerdem fühlte Alexis sich nun noch dämlicher. In die Illusion zu fliehen, dass Jordan und Oliver sich so schnell wieder einkriegten, war mehr als sinnlos. Er war für dieses Chaos verantwortlich und er musste es beseitigen, oder? Wenn Oliver so vor ihm saß und unter der Sache offensichtlich litt, könnte Alexis ihm später sowieso nicht mehr unter die Augen treten. Er konnte nicht tatenlos dabei zusehen, wie seine Beziehung wegen Missverständnissen zerbrach, für die Alexis selbst verantwortlich war. Also… warum war er so still? Warum sagte er nicht wenigstens, dass es etwas gab, worüber sie reden mussten? Warum konnte er sich nicht einmal jetzt überwinden und das Richtige tun?
      Alexis schluckte. "Tut mir leid", sagte er. Und wie es ihm leid tat. "Oh, es gab… ziemlich viel zu Essen und mein Kühlschrank ist mit Kohlrouladen gefüllt, die ich irgendwie… einfrieren muss, falls ich in den nächsten zwei Wochen noch etwas anderes essen will" Alexis hatte das Gefühl, einen Kloß im Hals sitzen zu haben. Er stieß sich wieder langsam vom Schalter ab. "Dann… geh es langsam an heute", sagte er schließlich. Aber das würde Oliver kaum helfen.
      Alexis wandte sich zum Gehen, seufzte aber am Weg und drehte wieder um. Er hasste sich jetzt schon dafür, aber… "Falls du über irgendetwas reden willst, bin ich da", sagte er, und spähte gerade so mit dem Kopf hinter der Ecke hervor, um Oliver ansehen zu können. "Als Freund oder als Psychologe, je nachdem" Er lächelte leicht. Gott, an Jordans Stelle hätte er sich jetzt erschossen. Erstmal ein paar Ohrfeigen, und dann ein Schuss direkt ins Gesicht. Er verdiente nicht weniger als das. Alexis wusste haargenau, welche Rolle er in Olivers Problemen spielte, und trotzdem wollte er ihm helfen. Nur nicht auf die eine Art, die tatsächlich helfen würde. Mit der Wahrheit.
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    • Oliver

      "Oh. Na wenigstens verhungerst du in den nächsten Wochen nicht." Großeltern waren irgendwie alle gleich, nicht? Olivers Großeltern hatten ihn auch immer mit genug Essen ausgestattet, um einen dreiwöchigen Schneesturm zu überleben. Jordans Großeltern waren...schwierig gewesen. Seine Eltern waren schon recht spießig, aber seine Großeltern schienen tatsächlich ein paar Jahrhunderte zurück zu liegen. Sie hatten ihre Beziehung als einen "Lebensstil" bezeichnet, den sie nicht unterstützen wollen, was einem wahrscheinlich alles über die vier verriet, was man über sie wissen musste. Sie hatten sie nicht sonderlich oft besucht. Er hatte Jordan davon abhalten müssen, auf der Beerdigung einer seiner Omas auf ihr Grab zu spucken. Zu viele Zeugen. Vielleicht würde er ein paar Pluspunkte bei ihm bekommen, wenn er nochmal mit ihm zum Friedhof fuhr.
      Oliver sah ruckartig auf, als Alexis ihm im gehen noch ein offenes Ohr anbot. Irgendwie ließ ihn das Lächeln, auch wenn es nicht wirklich viel an der Situation änderte. Annehmen konnte er das Angebot wahrscheinlich nicht. Er musste sich gleich erst Gedanken machen, wie er auf Jordans Nachricht antworten würde und danach kamen all die anderen Sorgen.
      "Danke. Wirklich. Ist nur ein bisschen viel los gerade." Er bemühte sich um ein besonders beruhigendes Lächeln, bevor er aufstand, um sich endlich den Kaffee zu holen, den er so dringend brauchte. Vielleicht konnte er Alexis einfach darum bitten Jordan zu sagen, dass er nicht auf ihn stand. Das würde wahrscheinlich nicht viel bringen, aber wenigstens hätte er es versucht, nicht? Ugh, nein, das war eine vollkommen bescheuerte Idee. Wahrscheinlich würde Jordan nichts anderes als einen Kontaktabbruch akzeptieren, oder so.
      Zurück am Platz stellte Oliver seine Tasse auf den kleinen Untersetzer neben dem Desktop und atmete tief durch, bevor er wieder nach seinem Handy griff, tippte, seinen Text löschte und neu anfing. Das würde ein unfassbar langer Tag werden.
    • Alexis

      Okay. Oliver hatte das Angebot zwar nicht direkt angenommen, aber das war wohl normal, und sie hatten später immer noch Zeit, um zu reden, falls er das wollte. Alexis hatte zwar keine Ahnung, wie er helfen sollte — mit Ausnahme einer einzigen logischen Option — und er war sich ziemlich sicher, sich damit gerade selbst in Aus zu schießen, weil er Oliver im Zuge eines solchen Gesprächs anlügen müsste, aber… Er konnte auch nicht anders, wenn er ihn so sah. Alexis hatte nie vorgehabt, seine Beziehung zu zerstören oder Oliver auf irgendeine Art mit seinen Gefühlen zu beeinflussen und schon garnicht, ihn zu belasten. Er hatte eben gedacht… solange er es nicht aussprach und keine Erwartungen hatte… Aber es brachte nichts, darüber jetzt noch nachzudenken.
      Alexis wappnete sich für einen anstrengenden Tag. Er musste schnellstmöglich seine Konzentration zurückholen und sich auf seine Patienten fokussieren, denn es gab eben noch mehr Menschen in unschönen Lebenssituationen und sein Job war es, bestmöglich zu helfen. Normalerweise hielt er sich selbst so gut aus Drama heraus, dass er nie das Problem gehabt hatte, bei der Arbeit beeinträchtigt zu sein. Heute machte er sich da schon eher Sorgen.
      Am Ende des Tages war jedoch alles glatt gelaufen. In den Gesprächen war es sowieso nahezu unmöglich, an etwas anderes zu denken. Er hatte zwei, drei Mal seinen Faden verloren, aber wenn das Kind darüber lachte war auch das kein Problem. Er musste sich selbst daran erinnern, dass er ein Mensch war. Manchmal irrte ihm durch den Kopf, was Florin zu ihm gesagt hatte… Dass er zu gut versteckte, wenn ihm etwas viel bedeutete. Tja, vielleicht musste er wirklich lockerer werden. Es gab nichts, das er mehr hasste, als einen negativen Einfluss auf andere zu haben.
      Alexis verabschiedete sich von seiner letzten Patientin, deren Mutter bereits im Wartezimmer auf sie gewartet hatte, um sie abzuholen, und deehte sich schließlich zum Empfang, um sich die Termine für den nächsten Tag anzusehen, bevor er Oliver helfen würde, den Stoß an regelmäßig angesammelten Datenblättern einzuscannen.
      „Emily ist schon gegangen?“, fragte er nebensächlich, als er sah, dass das Licht in die andere Richtung des Gangs zum Behandlungszimmer seiner Kollegin Dr. Emily Wilson bereits ausgeschalten war. Alexis teilte sich die Gruppenpraxis mit zwei Kollegen, aber Dr. Wilson und er waren die meiste Zeit zu zweit. Sie machte oft früher Feierabend. Alexis dagegen mochte es, später in den Tag zu starten, wenn es ging.
      Er schob sich an Oliver vorbei, um den PC kurz selbst zu bedienen und versuchte den kleinen Berührungen zwischen ihnen nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Er bekam eine Gänsehaut, wenn er spürte, dass der Stoff seines Pullover sich sanft bewegte, nachdem er Oliver gestriffen hatte. Er hatte definitiv Probleme.
      „Willst du früher gehen…? Ich kann alleine abschließen, kein Problem“, schlug Alexis leise vor, der dank seines schlechten Gewissens wahrscheinlich auch bald anfangen würde, Oliver Geld anzubieten.
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    • Oliver

      Oliver wusste nicht, wie oft er die Nachricht über den Tag hinweg geschrieben und gelöscht hatte. Deutlich öfter als er zugeben wollte, wahrscheinlich, was irgendwie schon für sich sprach. Er hatte noch nie so lange darüber nachdenken müssen, was er Jordan schreiben wollte. Selbst in ihrer Kennenlernphase war es einfacher gewesen, die richtigen Worte zu finden.
      Am Ende hatte er sich für die pure, ungefilterte Wahrheit entschieden. Was hätte er auch anderes tun sollen? Jede herzzerreißende Liebesbekundung hätte die Situation auf lange Sicht nur noch schlimmer gemacht. Sie hatten ein Problem in ihrer Beziehung und sie mussten beide ehrlich sein, um es aus der Welt zu schaffen, auf welchem Weg auch immer.
      "Mir geht es ähnlich, wie dir. Ich hätte Ja gesagt, ohne Zweifel oder Zögern, aber nach der letzten Woche weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. Du bist mir zu wichtig, um das so stehen zu lassen. Bitte lass uns drüber reden." Es war kurz und wahrscheinlich grauenvoll formuliert, aber Oliver hatte das ungute Gefühl, dass die Zeitspanne, die er zum Antworten gebraucht hatte, schon Antwort genug gewesen war. Je länger er gewartet hätte, desto schlimmer wäre es geworden. Jordan antwortete beinahe sofort mit einem schlichten "Okay", was alles heißen könnte. Oliver versuchte nicht zu sehr darüber nachzudenken, während er sich auf seine Arbeit konzentrierte, die einfach nicht enden wollte. Als die Praxis endlich leer war hätte er schwören können, eine komplette Woche lang hinter dem Tresen gestanden zu haben.
      "Nein, alles gut", lehnte er ab, als Alexis ihm anbot, schon mal zu gehen. "Ich glaube, ich brauche die Ablenkung noch einen Moment lang." Wenigstens schien zwischen ihnen irgendwie noch alles normal zu sein. Auch wenn es traurig war, dass er Alexis mit alledem belasten musste. "Jordan ist... am Freitag zu seinen Eltern gefahren und das Wochenende bei ihnen geblieben", begann er zögerlich. Das Thema komplett zu ignorieren war immerhin auch keine Lösung, oder? Und vielleicht tat es wirklich gut, darüber zu reden. Irgendwie.
      "Ich glaube, er ist mittlerweile auch irgendwie davon überzeugt, dass ich ihn nicht mehr richtig Liebe und-" Er seufzte, während er sich auf seinem Stuhl zurücklehnte. "Ich weiß nicht, was ich denken soll. Das ist alles so dämlich. Tut mir leid, dass er dich da irgendwie so mit reingezogen hat. Ich warte im Moment darauf dass er mir schreibt, wann wir endlich über das alles reden wollen. Bis dahin ist eine Routine vielleicht ganz gut." Er schob ein paar der Papiere auf dem Schreibtisch zusammen, ohne sie wirklich wegzuräumen. Er war sich nicht mal sicher, ob sie überhaupt zusammengehörten, oder ob er gerade mehr Chaos machte, als aufzuräumen.
      "Er hat mich gefragt, ob ich mir sicher über unsere Zukunft wäre und ich...ich bin es nicht mehr und das fühlt sich ziemlich beschissen an." Er versagte gerade auf voller Linie, nicht? Er war ein furchtbarer Freund. Er hätte das nie so weit kommen lassen dürfen. Er hätte es viel früher ansprechen sollen.
    • Alexis

      Alexis Herz sank einen Stock tiefer, als Oliver ihm aus dem Nichts erzählte, dass seine Beziehung jetzt wohl wirklich einen neuen Tiefpunkt erreicht hatte. Jordan hatte dieses kurze Treffen auf dem Konzert so zugesetzt, dass er nicht mit Oliver zuhause sein wollte? Dabei hatte Alexis kaum mit Oliver gesprochen und er… hatte wirklich versucht, den beiden aus dem Weg zu gehen. Er hatte eindeutig nichts dort verloren gehabt.
      Alexis ließ die Computermaus wieder liegen und drehte sich mit sorgenvoll verzerrter Miene zu Oliver. Er konnte sich keine Zukunft mehr mit seinem Freund vorstellen, mit dem er seit Jahren zusammen war? Alexis würde lieber ein paar verdiente Schläge einkassieren, als dabei zuzusehen, wie diese Beziehung zu Grunde ging. Das Schlimmste war, dass er genau wusste, dass er sich kein Stück an der Sache stören würde, wenn es nicht seine Schuld wäre. Würden die beiden sich trennen, weil sie sich einfach nicht mehr verstanden… Kein Problem. Alexis hätte trotzdem nie versucht, Oliver näher zu kommen. Aber wie sollte er Jordan das beweisen?
      Er gab sein Bestes, einen einigermaßen normalen Ausdruck zurück auf sein Gesicht zu bringen. "Hat… Jordan öfter Eifersuchtsprobleme?", fragte er und räusperte sich, sobald ihm die Worte über die Lippen gekommen waren. Was für ein Recht hatte er, das als 'Problem' zu beurteilen, wenn er einen absolut gerechtfertigten Grund dazu hatte? Das Gespräch war mehr als ironisch.
      "Wenn du noch eine Weile hier bleiben und auf eine Antwort warten willst, könntest du mir helfen, die Rechnungen zu sortieren", schlug Alexis schließlich leise vor. "Ich glaube, eine Mutter hat heute außerdem eine Packung Pralinen als Dankeschön mitgebracht. Ich hab kein Problem damit, die aufzumachen und vor den anderen morgen so zu tun, als hätten sie nie existiert" Was ein wirklich geringer Trost war, aber Oliver vertraute ihm und Alexis hatte das Pflichtbewusstsein, ihm helfen zu müssen, und… und vielleicht kamen sie doch noch auf ein anderes Gesprächsthema damit Alexis nicht den Blickkontakt vermeiden musste, jedesmal, wenn Oliver meinte, dass Jordan sich irgendetwas einbildete. Auch, wenn jede Sekunde die sie zusammen verbrachten, keinen positiven Einfluss auf das Problem haben würde.
      "Außerdem muss ich dich vom Schreibtisch wegbekommen, bevor du noch mehr von den Rezepten für morgen vermischt und dir die zehnfache Arbeit machst" Ein Grund war schnell gefunden.
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    • Oliver

      "Nein. Das ist ja das Bescheuerte an der Sache. Normalerweise interessiert er sich absolut nicht, was ich mit wem mache, solange ich nicht plötzlich spurlos verschwinde. Er macht nur Drama bei-" Okay, Alexis war eindeutig die falsche Person gewesen, um sich auszuheulen. Oliver stieß ein genervtes Stöhnen aus, während er sich durch die zartrosanen Haare fuhr. "Sorry. Ich weiß nicht, warum er so besessen von dir ist." Alexis jetzt noch ein schlechtes Gewissen für etwas zu verpassen, für das er absolut nichts konnte, war wirklich das Letzte, was Oliver wollte. Er sah wieder zu den Rezepten, die er bis gerade irgendwie fast wie Spielkarten gemischt hatte. Vielleicht brauchte er einfach Urlaub, bis er wieder geradeaus denken konnte.
      "Da steckt Methode hinter. Ich verrate dir nur nicht, welche", behauptete er mit einem schwachen Lächeln, während er die Rezepte von sich und den Stuhl zurückschob, um aufzustehen. "Außerdem finde ich es wirklich unfair, dass die Eltern immer nur euch bestechen, also nehme ich gerne ein paar Pralinen." Frustessen klang gerade sowieso irgendwie richtig gut. Vielleicht musste er am Ende des Tages noch bei Alexis einbrechen, um die Kohlrouladen aus dem Kühlschrank zu klauen. Was ein aufheiternder Gedanke war, aber ihnen wahrscheinlich beiden nicht weiterhelfen würde. Im Gegenteil, es würde Jordan nur neuen Stoff geben, um sich aufzuregen.
      "Lenk mich ab", schob er hinterher, während er nach seiner leeren Kaffeetasse griff, um sie in die Küche zu bringen und die Spülmaschine anzustellen. "Was hast du sonst noch so am Wochenende gemacht? Du warst ja sicher nicht nur bei deinen Großeltern." Er warf Alexis einen kleinen, fragenden Blick zu, während er langsam die Küche ansteuerte. Eigentlich konnte man sich wunderbar zwischen den Räumen unterhalten, aber Alexis war nie eine laute Person gewesen. Irgendwie machte es das einfacher, sich jetzt mit ihm zu unterhalten. Jordan konnte nicht ernsthaft erwarten, dass er diese Freundschaft aufgab.
    • Alexis

      Ich weiß es. Alexis dachte es sofort, als Oliver gestand, nicht zu wissen, wieso Jordan besessen von ihm war. Langsam fühlten sich dieses Gespräch und Alexis Schweigen wie ein Hintergehen an. Genau das hatte er eigentlich vermeiden wollen und doch hatte er Oliver geradezu darum gebeten, mit ihm über die Sache zu reden.
      Er gab noch einen mitfühlenden Blick bevor er sich herumdrehte und zur Küche ging. Oliver den Rücken zugekehrt nahm er sich die Freiheit für ein paar Sekunden all die verzweifelten Gesichtsausdrücke nachzuholen, die er krampfhaft zurückgehalten hatte. Der Themenwechsel kam ihm gelegen.
      Alexis setzte sich mit dem kleinen Stapel an Rechnungen und sortierte nach Datum, während Oliver den Geschirrspüler startete. „Nein“, antwortete er. „Florin und ich treffen uns alle zwei oder drei Wochen bei ihnen. Er war anschließend noch bei mir zuhause. Ich wohne ziemlich in der Nähe meiner Großeltern. Und am Sonntag hab ich ein paar E-Mail Terminanfragen beantworten und… eine Serie geschaut“ Gilmore Girls, mal wieder. Er suchte sich alle paar Wochen etwas Neues aus, das möglichst unaufregend und bloß kitschig war, weil er dann ziemlich gut abschalten konnte. Sein Seriengeschmack war exakt derselbe seiner Mutter. Florin konnte damit nichts anfangen. Im Gegenzug würde Alexis sich Abends nach der Arbeit mit seiner Tiefkühlpizza auch keinen Actionfilm nach dem anderen reinziehen wollen. Geschwister-Filmabende standen nicht wirklich zur Debatte wenn man kein kontinuierliches Seufzen von der Seite hören wollte.
      Alexis erinnerte sich an die Bitte, Oliver abzulenken. Er sah kurz auf… Und dann wieder auf die Rechnungen. „Momentan ist wirklich gutes Wetter um Wandern zu gehen. Macht dir das Spaß? Ich war nie der Typ für Indoor-Workouts, ich schaue mich lieber in einem Wald um… Ich dachte mir, wenn nächsten Montag schon Feiertag ist, sollte ich einen Ausflug machen und vielleicht sogar irgendwo übernachten. Um mal wieder rauszukommen. Vielleicht solltest du was Ähnliches probieren. Irgendwas entspannendes? Weißt du, wenn alles rundherum stressig ist, ist das nur noch mehr Grund, um sich Zeit für sich selbst zu nehmen“ Er schielte zu Oliver hoch, während er sortierte. „Vielleicht klärt sich nach etwas Abstand zwischen euch auch alles von selbst wieder, ihr sprecht euch aus und macht einen Ausflug zusammen, um euch, ähm… daran zu erinnern, warum ihr überhaupt zusammen seid“ Alexis war alles andere als ein Paartherapeut und er sollte sich definitiv raushalten um nicht noch mehr kaputt zu machen, als ohnehin schon, aber er wünschte Oliver wirklich, dass für ihn alles in Erfüllung ging, das er wollte. Auch, wenn er meinte, sich bei Jordan jetzt nicht mehr sicher zu sein… Sie brauchten vermutlich nur etwas Zeit zusammen — weit weg von Alexis — um sich daran zu erinnern, wieso sie in erster Linie schon so lange zusammen waren. Bestimmt.
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