The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Caleb

      "Ich habe Rücklagen, falls das Konto dich nicht überleben sollte." Auch wenn Calebs eigene Zuversicht gerade ein wenig abgenommen hatte. Vielleicht hatte er Richard ein wenig zu sehr angespornt. Sein Kontostand war wahrscheinlich höher, als Richard dachte, aber niedriger als die Zahl, auf die Richard korrigieren würde, wenn er ihm sagen würde, dass er mehr drauf hatte, als er dachte. Aber sein Kontostand war nicht seine einzige Anlage. Er würde nur ungerne Aktien, oder Immobilien verkaufen müssen nur, weil Richard in einen Kaufrausch verfiel.
      "Bis jetzt hat der Spaß eigentlich immer signifikant weniger Kleidung beinhaltet, aber vielleicht überraschst du mich ja." Bis jetzt konnte er sich zumindest nichts schlimmeres vorstellen, als stundenlang im Laden zu sitzen und nach Kleidung zu suchen. Er selbst war mehr der Online-Shopper, einfach, weil man online zuhause bleiben konnte. Kleidung war generell ein furchtbares Thema gewesen, weil sie irgendwie voraussetzte, dass man sich mit seinem Körper auseinandersetzte und es gab nichts, was Caleb weniger gerne tat. Er brauchte dabei kein Publikum.
      "Sag nur Bescheid, falls wir- ich noch einen zusätzlichen Schrank brauche. Ich habe keine Ahnung, wo das nächste Möbelhaus ist." Hatte er Richard überhaupt Platz in seinem Schrank gemacht? Vielleicht sollte er das nachholen. Er wollte die Woche sicher nicht aus dem Koffer leben, ganz davon abgesehen, dass es genug Kleidung gab, die man besser aufhängte, wenn man nicht unnötig bügeln wollte. Ganz davon abgesehen, dass er den schrittweisen Einzug von Richard in sein Leben irgendwie nett fand. Es half zumindest dabei sich vorzustellen, dass die Beziehung etwas Dauerhaftes war. Caleb versuchte trotzdem nicht zu breit zu lächeln, während er sich bei Richard unterhakte.

      Es gab tatsächlich eine Sache, die schlimmer war, als stundenlang shoppen zu gehen - stundenlanges Shoppen, nachdem man gerade gegessen hatte. Calebs Motivationslevel, überhaupt irgendwas zu tun war ziemlich tief am Boden, als sie das Restaurant verließen und wieder zurück zur Einkaufsstraße gingen. Es war immer noch recht belebt. Männer und Frauen in allen Altergruppen huschten von Laden zu Laden und musterten die Schaufenster, bevor sie entschieden reinzugehen, oder es in einem anderen Geschäft zu versuchen. Die meisten hielten bereits ein paar Tüten mit übergroßen Markenaufdrucken in der Hand, einige wenige schienen sich die Tüten sogar hinterhertragen zu lassen.
      "Hast du einen Plan, wo du zuerst hin willst?", fragte Caleb, während er die Straße entlang sah. Die meisten gängigen Marken reihten sich hier aneinander, ab und an durchbrochen von kleinen Cafés oder Kunstläden. Er hatte das furchtbare Gefühl, dass Richard sich hier sehr wohl fühlen würde.
    • Richard

      "Du hast recht. Dir zuliebe kann ich versuchen, mir nur noch Muscle Shirts zu kaufen. Ich will dir nicht die Aussicht verwehren", antwortete Richard schmunzelnd. Er war nur froh, dass Caleb endlich regelmäßig zugab, was der große Vorteil an ihrer Beziehung war, und dass dieser wenig oder keine Kleidung beinhaltete.
      Caleb holte ihn allerdings relativ schnell zurück in seine Angstspirale, als er den Schrank ansprach. Also… bekam er einen eigenen Schrank, oder wie? War das ein Scherz gewesen? Oder eine Einladung? Sie hatten darüber noch nie gesprochen, bevor sie hergekommen waren. Genau genommen sprachen sie auch jetzt nicht wirklich darüber, aber… Vielleicht war die Tatsache, dass sie in Calebs tatsächlicher Heimatstadt waren, ein Auslöser für das alles. Natürlich ließ Richard mal eine Zahnbürste, Unterwäsche und ein paar T-Shirts bei seinem Freund zuhause, und umgekehrt. Das diente alles der Praxis. Aber… ein Schlüssel und ein Schrank waren wirklich etwas anderes.
      "So weit wird es schon nicht kommen, ich hab zuhause noch genug Platz", sagte er also ausweichend und damit schlossen sie das Thema, ob es nun ernst gemeint war oder nicht, wieder ab. Jeder anderen Person hätte Richard längst ins Gesicht gesagt, dass es niemals infrage kommen würde, dass er mit irgendjemandem zusammen lebte. Aber er war sich nicht sicher. Darum wollte er nicht darüber nachdenken.

      "Arbeiten wir uns vor", meinte Richard schließlich als sie wieder an der Einkaufsstraße ankamen. Es machte vermutlich keinen großen Unterschied, wo sie anfingen. Preislich. Und auch anderweitig. Entweder fand er etwas, das ihm gefiel, oder eben nicht, aber mit der Marke hatte das kaum etwas zu tun. Er hatte keine spezielle Vorliebe für einen Stil. Hauptsache, es sah gut an ihm aus.
      …Richard hatte jedoch wirklich unterschätzt, wie man in manchen Geschäften bedient wurde. Die Frage 'Brauchen Sie Hilfe?' war gewöhnungsgemäß obligatorisch, aber nicht hier. Dass Richard überhaupt gewagt hatte, zu fragen, ob es Kleidung in seiner Größe gab – was ziemlich häufig ein Problem war – brachte ihm ein amüsiertes Kichern ein und zwei sehr hilfreiche Angestellte die anfingen, ihm Dinge in die Hand zu drücken.
      "Bei der Figur müssen Sie sich garkeine Sorgen machen, wir haben eine eigene Abteilung für spezielle Maße. Wenn Sie Probleme haben, Anzüge ohne Maßkonfektion zu finden, sind Sie hier gut aufgehoben, aber natürlich bieten wir auch individuelle Schnitte oder Anpassungen an. Wie gesagt, ich bin mir trotzdem sehr sicher, dass wir kein Problem haben werden, etwas passendes zu finden" Okay, jetzt waren sie schon 'wir'. Und wer hatte etwas von Anzügen gesagt? Richard würde jedoch lügen, wenn er sagen würde, die versteckten Schmeicheleien würden bei ihm keinen Anklang finden. Wenn die Dame so überzeugt war, für seinen perfekten Körper perfekte Kleidung zu finden, würde er sich gerne einkleiden lassen. Caleb konnte dann ja…
      Richard hatte keine Zeit, den Gedanken zu beenden, bevor er bei einer großen Kabine ankam, vor der seinem Freund ein paar Sitzmöglichkeiten angeboten wurden. Nur, nachdem er ein paar Mal fast überredet wurde, ebenfalls etwas anzuprobieren.
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    • Caleb

      Jepp, das war sein Albtraum. Caleb zwang sich zu einem kleinen Lächeln, während er jegliches Angebot für irgendwelche Hemden und Anzüge ablehnte, das die Verkäuferinnen ihm machen wollten. Er hatte das Gefühl, erst wieder richtig atmen zu können, als er endlich auf der Couch vor den Umkleiden saß und einen Kaffee in die Hand gedrückt bekam, den er mit einer physikalisch vollkommen unmöglichen Menge an Zucker füllte. Jetzt mussten nur die beiden Damen noch verschwinden und dann könnte er halbwegs entspannen. Irgendwie wurde Verkaufspersonal sofort unsympathischer, wenn es deinen Freund mit Komplimenten überschüttete. Caleb hatte das ekelhafte Bedürfnis, wieder nach Richards Hand zu greifen, um zu demonstrieren, dass sie sich die Schmeicheleien sparen konnten. Er umklammerte stattdessen die Tasse mit beiden Händen. Er wusste, dass es sich dabei größtenteils um eine Verkaufstaktik handelte, aber wirklich helfen tat das Wissen irgendwie nicht.
      Seltsamerweise war es abgesehen von dem kleinen Anflug an Eifersucht tatsächlich irritierend unterhaltsam, Richard beim Shoppen zuzuschauen. Es gab kaum ein Outfit, was ihm nicht stand, solange er zu knallige Farben vermied. Caleb beschränkte sich trotzdem auf kleine Kommentare und ein einziges Veto bei einer wirklich furchtbaren Hose. Richard schien die Zeit seines Lebens zu haben und irgendwie hob das Calebs Laune gleich mit. Er hatte keine Ahnung, wann er das letzte mal mit jemanden Kleidung gekauft hatte. Wahrscheinlich mit Niamh, aber das musste Jahre her sein und war nie so nett gewesen, wie die kleine Show, die Richard bot.
      "Der sieht gut aus", merkte er an, als Richard mit einem hellgrauen Anzug aus der Kabine kam. Nicht ganz so ausgefallen, wie der Rest, aber er brachte seine Augen irgendwie zum strahlen. Caleb stellte seine Kaffeetasse auf den kleinen Designer-Beistelltisch neben dem Sofa und stand auf, um Richards Kragen zu richten. Nicht ganz so befriedigend, wie seine Hand zu halten, oder ihn direkt zu küssen, aber so sehr wollte er den Gefühl von Eifersucht nicht nachgeben. "Auch, wenn ich keine Ahnung habe, wofür du einen Anzug brauchst", schob er hinterher und trat einen Schritt zurück, um ihn zu mustern. Gut, der Deal war immerhin nicht gewesen, dass Richard sich Sachen holen würde, die er wirklich brauchte. Zumindest war der Stapel an Kleidung, der sich in der Kabine sammelte, noch nicht ganz so hoch, wie Caleb befürchtet hatte. Aber sie waren ja auch erst im ersten Geschäft.
    • Richard

      Richard hatte tatsächlich die Zeit seines Lebens. Er sah verdammt gut aus. Vielleicht war es das Licht, die Positionierung der Spiegel, die Kleidung selbst… Vielleicht sah er heute auch einfach bloß umwerfend aus. Egal was es war, es brachte ihn durchgehend zum Grinsen, wenn er ein weiteres Kleidungsstück auf den 'Kaufen'-Stapel legen konnte. Er genoss es, aus der Kabine zu kommen, und in Calebs Augen ablesen zu können, was er mochte, was ihm weniger gefiel, und was er ihm vermutlich am liebsten vom Leib reißen würde, weil es zu gut aussah.
      "Mhmm…", stimmte Richard mit einem Brummen zu, als Caleb den Anzug kommentierte und an seinem Kragen herumzupfte. "Ich brauche immer Anzüge. Hast du eine Ahnung, wie oft ich vor Gericht bin? Aber die Hosenbeine sind ein, zwei Zentimeter zu kurz. Wenn er dir gefällt, musst du die netten Leute hier nur dafür bezahlen, dass sie ihn anpassen" Er grinste und beugte sich vor besagten netten Leuten noch zu Caleb herunter, um ihn zu küssen. Hoffentlich ließ das die Komplimente nicht aufhören.
      "Ich glaube den Pullover von eben gibt es in ein paar Farben. Creme, weiß, schwarz… ich mochte den, also nehme ich alle. Du kriegst noch keine Angst, oder? Wehe du läufst mit deiner Geldtasche davon" Er kniff Caleb in die Hüfte und ging schließlich wieder zurück in die Kabine, um die letzten paar Outfits anzuprobieren, die man ihm zusammen gestellt hatte, und beschloss bei jedem zweiten Stück, dass es mit auf den Stapel musste. Der Service war klasse, die Kleidung wurde nämlich sogar für ihn zur Kasse getragen, was ihm beinahe ein wenig leid tat. Und letztlich schafften sie es, zwei volle Taschen zurückzubekommen. Was… so ziemlich das Ende ihres Shopping Trips bedeutete. Richard hatte keine Lust, noch mehr zu tragen, zu waschen, zu falten und einen Platz dafür zu finden. Netterweise hatte er Caleb jederzeit an seiner Seite um ihn wieder auszubeuten.
      Als sie wieder hinausgingen, drehte Richard seinen Freund sogleich in die andere Richtung herum. "Wir gehen nicht weiter, wir gehen zurück zum Auto. Das war genug für heute. Ich hab noch nie so viel auf einmal gekauft", sagte er. "Außerdem brauche ich eine Runde Schlaf nach dem ganzen Essen" Er schielte zu Caleb herunter, und lehnte sich schließlich nochmal zu ihm herab, um ihn zu stoppen und ihn zu küssen. "…Danke. Ich freue mich schon auf mein Geburtstagsgeschenk", sagte er schmunzelnd. Und auf die nächsten Tage, um die Einkaufsstraße vielleicht doch noch richtig zu erkunden.
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    • Caleb

      Die leicht irritierten Blicke der beiden Damen als Richard ihn küsste fühlten sich beinahe ein bisschen zu gut an. Das Problem war schlicht, dass Caleb jetzt kurz das Verlangen unterdrücken musste, Richard einfach in die Umkleidekabine zu folgen. Wahrscheinlich war es das Lächeln. Richard sah viel zu gut aus, wenn er lächelte. Caleb musste ihm dringend mehr auf die Nerven gehen.
      Caleb sah nicht zu genau auf die Zahl, die die Kasse am Ende ausspuckte. Er registrierte, dass sie sich irgendwo im Fünftausenderbereich bewegten - was ungefähr so viel war, wie ein Familienessen, wenn sein Dad sich dazu entschloss, den wirklich guten Wein zu bestellen - und zog seine Karte durch, ohne zu zögern. Er gab selten so viel auf einmal aus, aber im Moment bewegten sie sich noch deutlich unter dem Level, das er Richard zugetraut hatte. Obwohl er schonmal festgestellt hatte, dass die meisten Leute nicht wussten was sie machen sollten, wenn man ihr Limit aufhob. Zu viel Auswahl war manchmal auch nicht gut.
      "Wenn du die nächsten Tage so weiter machst, gibt es rein physisch gar nichts mehr, was ich dir noch zum Geburtstag kaufen könnte", behauptete er trotzdem amüsiert, während er Richard eine Tüte abnahm und nach seiner Hand griff. "Irgendwann bleiben nur noch Designerhandtaschen und überteuerte Haustiere über und ich sehe dich irgendwie mit keinem von beiden." Er lächelte leicht.
      Irgendwie lief der Tag bis jetzt entspannter ab, als er gedacht hatte. Er freute sich sogar darauf, sich gleich an Richard zu kuscheln und ein-zwei Stunden die Augen zu schließen. Nicht, dass er in der kurzen Zeit tatsächlich schlafen könnte, aber es tat seltsam gut, nichts zu tun, wenn Richard in der Nähe war. Obwohl sich sein Schlafrythmus in der letzten Woche tatsächlich ein bisschen gebessert hatte. Caleb wachte immer noch regelmäßig mitten in der Nacht auf, dachte zu viel nach und kam nicht mehr problemlos in den Schlaf, aber das Verlangen, stattdessen aufzustehen und irgendwas zu tun, hatte abgenommen. Ein mal war er sogar tatsächlich nochmal eingeschlafen. Kleine Schritte und das beängstigende Gefühl, dass er ohne Richard nicht lebensfähig war.
      "Wenigstens haben wir essenstechnisch eine Grundlage für heute abend", merkte er an, während sie wieder ins Auto stiegen. "Denkst du, wir bekommen es hin, dass die Trinkrechnung genau so hoch wird, wie die von den Klamotten?"
    • Richard

      "Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen, je nachdem wohin wir gehen. Ich kann jedenfalls eine ganze Bar leer trinken und bin wahrscheinlich noch immer nicht richtig betrunken, also könnten wir es sowohl in einer Rooftop Bar als auch in einem x-beliebigen Pub hinbekommen, die Rechnung zu sprengen" Er hatte zumindest noch nie versucht, so viel zu trinken, um einen neuen Preisrekord aufzustellen. Wer machte sowas auch? Da lohnte es sich eher, sich ein paar gute Flaschen Wein zu kaufen und mit nachhause zu nehmen.
      Die Fahrt zurück zu Calebs Wohnung war schön. Ihnen wehte kühle Luft entgegen, sie hatten ein paar ruhige Stunden zum Schlafen in Aussicht und den Abend verplant. Außerdem würde Richard sofort die Waschmaschine anschmeißen, wenn sie zurück waren, damit er die Woche schonmal seine neuen Sachen tragen konnte. Wenn schon, denn schon. Vielleicht ging es sich sogar noch bis heute Abend aus, wenn Caleb einen Trockner besaß, was… er ziemlich sicher tat.
      Richard tat genau das, was er vorgehabt hatte. Er nahm eine schnelle Dusche, zog sich eine kurze Stoffhose an, warf die Maschine an, und legte sich schließlich aufs Sofa, um in der Zwischenzeit zu schlafen. Was ziemlich langweilig wäre, wenn er nicht Caleb neben sich liegen hätte. Er hatte sich grauenvollerweise angewöhnt, seine Nase in Calebs Haaren zu vergraben, wenn die Position es erlaubte. Und wenn nicht, dann brachte er sie in eine Position, die es erlaubte. Er hatte das Gefühl, dass es ein Warnsignal war, wenn man jemandes Geruch auf einmal unglaublich entspannend fand, aber es war zu verführerisch um sich darüber viele Gedanken zu machen.
      Richard war nie jemand gewesen, der sonderlich auf Kuscheln stand, und darum ging es ihm auch nicht so richtig. Er wollte nur… die Gewissheit haben, dass Caleb noch immer neben ihm lag? Er hatte herausgefunden, dass er es hasste, wenn er Nachts aufwachte, und Caleb aufgestanden war. Richard wollte ihn festhalten und an ihm riechen wie ein riesiger Psychopath. So richtig schlimm war das eigentlich erst in der letzten Woche geworden.
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    • Caleb

      Man sagte, dass man etwa drei Wochen brauchte, bis etwas zur Routine wurde. Caleb hatte das Gefühl, dass dieser Zeitraum deutlich zu hoch angesetzt war. Er duschte nach Richard, der offenbar so begeistert von seiner neuen Kleidung war, dass er sie sofort in die Waschmaschine warf, und legte sich danach zu ihm aufs Sofa, den Kopf auf seiner Brust, den Blick aufs Meer gerichtet. Das Kuscheln war bisher die wahrscheinlich unerwartetste Wendung ihrer Beziehung gewesen. Irgendwie hatte es sich im Laufe der letzten Woche einfach ergeben und jetzt hatte Caleb das Gefühl, dass etwas fehlte, wenn er nicht irgendwann in Richards Armen lag und seinem Herzschlag lauschte, während er seinen Gedanken nachhing, oder durch sein Handy scrollte. Ihm fehlte noch eine Position, in der er lesen konnte, während Richard schlief, dann wäre alles perfekt. Er musste dringend ein Shirt klauen, bevor Richard nächste Woche wieder zurück in London sein würde.

      Offenbar war die Kombination aus dem Flug und dem Einkaufsbummel doch tödlicher gewesen, als Caleb gedacht hatte. Er hatte nicht bemerkt, dass er eingeschlafen war und benötigte einen Moment um sich zu orientieren, als er aus irgendeinem Traum hochschreckte, an den er sich schon Sekunden später nicht mehr erinnern konnte. Sein Handy war ihm irgendwann aus der Hand gerutscht und auf den weichen Teppich vor dem Sofa gefallen. Die Sonne stand merklich tiefer.
      Caleb strich sich ein paar verirrte Haare aus dem Gesicht, bevor er ein wenig hoch rutschte, um Richard einen Kuss auf den Unterkiefer zu drücken und sich anschließend vorsichtig aus seiner Umarmung zu befreien. Er war ziemlich gut darin geworden, sich vorsichtig aus Richards Griff zu winden. Er hatte ihn bisher nur einmal versehentlich getreten, als er abgerutscht war, aber sonst gönnte er ihm die paar Extraminuten Ruhe, bevor er ihn irgendwann doch wach schüttelte.
      Caleb selbst nutzte die Zeit, um ins Schlafzimmer zu gehen und sich ein neues Hemd anzuziehen, bevor er nach kurzem Zögern tatsächlich ein kleines bisschen Platz in seinem Schrank freiräumte. Nicht genug für Richards komplette Kleidung, aber ausreichend viel, um sich keine Beschwerden über Falten anhören zu müssen.
      Nach einem letzten Blick in den Spiegel - und etwas Haarspray - ging Caleb zurück ins Wohnzimmer, diesmal um sich über Richard zu lehnen und ihm einen richtigen Kuss zu geben. “Wenn wir nicht langsam aufbrechen, können wir auch direkt vom Sofa ins Schlafzimmer gehen”, informierte er ihn mit einem kleinen Lächeln und drückte einen weiteren Kuss knapp unter Richards Ohr.
    • Richard

      Als Caleb Richard aufweckte, als wäre er Dornröschen, war es schon beinahe dunkel draußen. Caleb hatte recht, bei dem Tempo konnten sie auch direkt ins Bett gehen. Also setzte Richard sich mit einem Gähnen auf und streckte sich, dehnte seine Arme, und schüttelte den Schlaf ein wenig ab. Er hatte zu tief geschlafen und deutlich zu lang. Er brauchte erstmal einen Kaffee.
      Richards Blick fiel auf Caleb, der sich mit ihm wieder aufgerichtet hatte. Er sah gut aus. Hatte er sich schon fertig gemacht? Er roch nach irgendetwas… Haarspray?
      Richard schmunzelte. Für einen Moment hätte er sich fast verleiten lassen, doch noch ins Schlafzimmer weiterzuziehen, nur nicht um zu schlafen. Caleb anzusehen wirkte manchmal fast so gut wie Kaffee.
      "Okay, ich beeile mich, du bist ja anscheinend schon fertig", sagte er und stand auf, um sich in der Küche um den Kaffee zu kümmern, der letztlich doch ein bisschen notwendig war, wenn er jetzt den ganzen Abend wach und motiviert bleiben wollte. Immerhin hatten sie noch was vor, wenn sie wieder zurück kamen.
      Richard trank seinen Kaffee und zog sich parallel an, machte sich die Haare, trug ein wenig Aftershave auf. Er wusste noch immer nicht genau, wohin sie gingen. Caleb hatte einen Pub angekündigt, aber Richard konnte seit dem Mercedes nichts mehr einschätzen.
      "Wir gehen zufuß, meintest du?", fragte er als er zurück ins Wohnzimmer kam und sich noch eine Uhr anlegte. "Bist du dir sicher, dass der Weg dir betrunken nicht einfach kurz vorkam? Vielleicht sollten wir ein Taxi nehmen" Nachdem sie die Rechnung mit Getränken sprengen wollten, konnte Richard jedenfalls nicht anbieten, selbst mit Calebs Auto zu fahren. Mit ein paar alkoholfreien Bier und Wasser würden sie kaum auf hundert Pfund kommen.
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    • Caleb

      “Es sind knappe fünfzehn Minuten Fußweg. Ich bin oft genug nüchtern und angetrunken hin und her gegangen, um mir ganz sicher zu sein”, bestätigte Caleb. Im Zweifelsfall hatte der Rückweg eher länger gedauert, weil er sich im angetrunkenen Zustand schon mal in der Straße geirrt hatte, aber das musste er Richard ja nicht unbedingt auf die Nase binden.
      “Wir müssen größtenteils einfach nur die Straße runter. Irgendwann kommt man an einem Club vorbei und dann folgt ein paar Häuser weiter der Pub. Es gibt relativ viele Leute, die Nachts zwischen den beiden hin und her pendeln.” Caleb selbst hatte das nicht unbedingt vor. Die Party mit Richard war unterhaltsam gewesen, aber Feiern waren trotzdem nicht unbedingt sein Hobby. Die Pub/Bar-Atmosphäre war ihm da deutlich lieber.

      Das O'Reillys war am oberen preislichen Ende eines Pubs angesetzt. Man hatte versucht, das typische rustikale Flair eines kleinen Eck-Pubs einzufangen, aber die hölzernen Möbel waren zu gut verarbeitet, um wirklich zu überzeugen. Außerdem ließen die mattschwarzen Akzente und das indirekte Licht die Inneneinrichtung schlicht zu modern wirken, um ein wirklich gemütliches Gefühl zu vermitteln. Trotzdem war Caleb gerne hier. Zum einen, weil er sich durch die Nähe das Taxi sparen konnte, zum anderen, weil die Getränke nicht mit Wasser gestreckt wurden. Außerdem war hier immer was los.
      Caleb erkannte auf Anhieb eine handvoll Leute. Wenn man den selben Pub oft genug besuchte, lernte man irgendwann zwangsläufig die anderen Stammgäste kennen. Es war eine seltsame Art von Beziehung. Man war nicht befreundet, war sich aber auch nicht fremd und kannte seltsam spezifische Details, aber versagte bei generellen Fragen. Er kannte Keira und Brian, die zusammen an einem Tisch im hinteren Teil des Pubs saßen. Er wusste, dass sie zusammen wohnten, dass sie zwei Katzen hatten und eine Vorliebe für Ballett teilten, aber er hatte keine Ahnung, ob die beiden Freunde, Geschwister oder ein Pärchen waren. Er kannte Valentin, der an der Bar saß und sich mit Finn, dem Barkeeper, unterhielt. Er wusste, dass Valentin Steine hören konnte und einen Freund hatte, wusste aber nicht, was er beruflich tat, um sich die Drinks leisten zu können. George, der alleine an einem Tisch saß und auf einen Fernseher starrte, der tonlos irgendwelche ästhetischen Aufnahmen von Partys spielte, hatte keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern und hatte Caleb bis heute nicht seinen Nachnamen verraten. Es war eine seltsame Beziehung, irgendwo zwischen zu vielen und zu wenigen Informationen.
      Er ignorierte die andern Stammgäste und zog Richard mit sich zu einem der Tische am Rand. “Weißt du schon, was du für den Einstieg willst?”, fragte er, während er Richard die etwas abgegriffene Karte entgegen schob, die auf dem Tisch lag. “Und wie ist bisher dein Fazit zum ersten Tag?”
    • Richard

      "Schick", kommentierte Richard, als sie den Pub betraten. Er erwischte sich dabei, zu erkennen zu versuchen, was dieses zu Calebs liebstem Lokal machte, abgesehen von der Nähe zu seiner Wohnung. Es war sauber, geräumig, modern, und doch charmant und etwas düster wie man es von Pubs gewohnt war. Sie besetzten einen kleinen Tisch an den hinteren Fenstern des Pubs, und Richard ignorierte die Karte. Er wusste, was er trinken würde, immerhin gab es bestimmt keine experimentelle Cocktail-Kollektion oder so etwas.
      "Ich nehme ein Guinness, nur für dich", sagte er. "Später bestelle ich zum Spaß vielleicht einfach das teuerste, das sie haben. Was meinst du, was das ist? Irgendein Whiskey-Longdrink?" Er trank so gut wie alles, daran würde es also nicht scheitern.
      "Ich glaube, wir müssen die Woche nochmal in die Einkaufsstraße am Strand, aber… sonst überlasse ich dir, was wir machen. Ich hab erstaunlich viel Spaß daran, nur bei dir aus dem Fenster zu starren" Er lächelte. Er war sich sicher, dass das Ganze als erholsamer Urlaub durchgehen würde, auch wenn er ab und zu arbeiten musste, einfach, weil Caleb ihn genug von dieser Realität ablenkte. Er fühlte sich wie im Urlaub. Mehr wollte er garnicht. Hauptsache er konnte es so lange wie möglich rauszögern, in London wieder ins Büro zu kommen. Und er mochte es viel zu sehr, jede Sekunde mit Caleb zu verbringen. Er hatte zwar seit ihrem ersten Treffen gewusst, dass sie eine merkwürdig gute Chemie hatten, die ihre Zeit zusammen alles andere als langweilig machte, aber… Es war trotzdem immernoch ein wenig überraschend. Jeden anderen hätte Richard wohl mittlerweile vier Mal angeschrien und er wäre längst wieder am Heimweg. Geschweige denn würde er es schaffen, eine ganze Woche in jemandes Wohnung zu bleiben, vor allem wenn der Eigentümer der Wohnung auch da war. Eigentlich machte diese Situation ihm mit jedem Tag mehr Panik, aber es war gleichzeitig schwierig panisch zu sein, wenn man Spaß hatte.
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    • Caleb

      "Irish Whiskey. Selbstgebrannt", bestätigte Caleb, als Richard überlegte, was das teuerste Getränk auf der Karte wäre. "Ich hab ihn genau einmal probiert und kann mich an die zwei Tage davor und danach nicht erinnern. Ich weiß nicht, was genau sie da reinmischen, aber ich bin beeindruckt, dass sie das Zeug über der Theke verkaufen dürfen." Caleb zog wenig begeistert die Nase kraus, stand auf und steuerte die Theke an, um kurze Zeit später mit zwei Guinness zurück zu kommen.
      "Ich hatte das Fenster extra einbauen lassen", erklärte er, während er ein Glas in Richards Richtung schob. "Davor gab es zwar zwei große Fenster, aber die waren irgendwie unbefriedigend. Warum sollte ich in einem Haus am Meer wohnen, wenn ich das Meer kaum sehen kann?" Caleb zuckte kurz mit den Schultern. Die Fensterwand war wirklich eine seiner leichtesten Entscheidungen gewesen. Der Mieter über ihm hatte kurze Zeit später nachgezogen, das ältere Pärchen unter ihm schien sich mit der beschränkten Sicht abgefunden zu haben. "Der Sonnenaufgang über dem Meer sieht fantastisch aus. Vielleicht schaffen wir es noch, den zu sehen, bevor du wieder weg musst. Nur wahrscheinlich nicht Morgen." Er lächelte leicht, hob sein Glas und stieß kurz mit Richard an. Sie würden morgen wahrscheinlich nicht richtig ausschlafen können, aber vor Sonnenaufgang wach zu sein wäre wohl glatter Selbstmord. Aber sie hatten ja noch ein paar Tage, die sie bis zur letzten Sekunde ausnutzen mussten. Er musste ja irgendwie dafür sorgen, dass Richard ihn vermissen würde, wenn er in London war und Caleb hier bleiben musste.
      "Sonst findet man fast an jeder Ecke einen Pub und hier ums Eck ist irgendwo ein kleines Kino. Auch wenn ich keine Ahnung habe, was überhaupt aktuell läuft. Aber auf jeden Fall bekommen wir die Zeit irgendwie rum." Hoffentlich mit etwas weniger Shopping, als Richard lieb war.
    • Richard

      Richard lachte. "Vier Tage Erinnerungslücke… Sicher, dass man dir nichts reingemischt hat? Oder bist du einfach absolut nicht trinkfest? Wir haben ziemlich oft miteinander getrunken, aber ich kann mich nicht erinnern, dass du auch nur ein einziges Mal richtig betrunken warst. Falls du dich bisher zurückgehalten hast, ist heute dein Tag. Wir wollten ja sehen, wie weit wir mit den Ausgaben kommen" Er war sich zwar nicht sicher, ob es intelligent war, sich zu betrinken, wenn man Medikamente nahm und allgemein ein bisschen… instabil war, aber es wäre bestimmt nicht das erste Mal, und Richard konnte ihn schließlich auch nachhause tragen, wenn es sein musste. Er bezweifelte sehr stark, dass er selbst heute überhaupt ins Torkeln kommen würde, egal wie stark dieser Whiskey angeblich sein sollte.
      "Mein erstes Meeting ist morgen um 10 Uhr, das ist für einen inoffiziellen Urlaubstag schlimm genug. Der Sonnenaufgang kann noch ein paar Tage warten", stimmte Richard umbegeistert zu. Er würde die Arbeit morgen hoffentlich schnellstmöglich hinter sich bringen können und dann mit seinem Urlaub weitermachen. Letztes Mal waren seine Kollegen ziemlich unkompliziert gewesen und hatten sich ganz offensichtlich selbst nach Feierabend gesehnt, also würde es dieses Mal bestenfalls genauso ablaufen.
      "Außer, naja, wir machen die Nacht durch", dachte er laut nach. So unrealistisch war das nicht. Solange Caleb nicht sturzbesoffen war und einschlief. Richard hatte schließlich noch geplant gehabt, das Panoramafenster in vollen Zügen zu genießen, und das konnte er nicht alleine.
      Er grinste. "Mit mir bekommst du die Zeit immer irgendwie rum", sagte er mit seinem üblichen zweideutigen Unterton und nahm einen Schluck von seinem Bier. Ob am Panoramafenster, in einer Einkaufsstraße oder im Bett. Richard war bisher nie langweilig gewesen, wenn sie Zeit zusammen verbracht hatten.
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    • Caleb

      "Das gemeine an dem Whiskey ist, dass er nicht wirkt...bis er wirkt", merkte Caleb vielleicht etwas zu ernst an. Er und ein paar der anderen Stammgäste waren neugierig geworden, was das teuerste Getränk auf der Karte gewesen war und hatten den Whiskey vielleicht ein bisschen zu großzügig verteilt. Und dann hatten sie ja noch herausfinden müssen, welches das günstigste war und welches genau im Durchschnitt lag und vielleicht war es auch weniger der Whiskey als mehr das Durcheinandertrinken Schuld, dass ihm nicht sonderlich viele Erinnerungen an diesen Vergleich geblieben waren. Jetzt, wo Caleb darüber nachdachte, machte das irgendwie mehr Sinn.
      "Wenn wir die Nacht durchmachen kannst du mich für morgen direkt beerdigen, egal wie schön es ist, mit dir die Zeit rum zu bekommen." Caleb seufzte kurz. Er war irgendwie noch nie sonderlich gut darin gewesen, Nächte durchzumachen und mit zunehmendem Alter war diese Option irgendwann komplett zur Qual geworden. Vor allem, wenn er Richards Ton richtig deutete. Die Vorstellung von Richard in den Sonnenaufgang gevögelt zu werden hatte durchaus ihren Reiz, aber nicht, wenn er danach noch wie ein normaler Mensch funktionieren musste. Obwohl er die Idee an sich nicht vollkommen verwerfen wollte.

      "Cal!"
      "Hm?" Caleb drehte sich zu Valentin, der sanft an seinem Ärmel gezupft hatte, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Er stand wieder an der Bar, um leere Gläser gegen volle zu tauschen. Mittlerweile ihre vierte Runde. Langsam wurden seine Gedanken angenehm zusammenhanglos. Caleb kannte sein Limit, aber sie hatten sich irgendwie vorgenommen, es heute zu überschreiten, nicht? Valentin hatte ihm zwischendurch einmal kurz zugenickt, ihn aber nicht angesprochen. Offenbar schien seine Neugierde aber langsam die Oberhand zu gewinnen.
      "Finn und ich rätseln, wen du mitgebracht hast. Freund, oder Freund?" Valentin lächelte leicht, während er einen Arm auf die Theke stützte. Sie waren ungefähr im selben Alter, beide Raucher und beide fähig, Steine wahrzunehmen, was dazu geführt hatte, dass Valentin Caleb von allen Stammgästen irgendwie immer schon am sympathischsten gewesen war.
      "Wer tippt denn auf was?", fragte er zurück.
      "Freundschaft", antwortete Finn, während er die Gläser zurücknahm und zwei volle hinstellte. Finn war jünger, als sie beide und jobbte hier, um sein Studium zu finanzieren. Sehr viel mehr wusste Caleb nicht über ihn.
      "Niemals. Dafür starren sie sich zu lange an", hielt Valentin dagegen.
      "Ich schätze, du schuldest Valentin einen Drink." Caleb warf Finn ein kurzes, entschuldigendes Lächeln zu, während er nach den Getränken griff und innehielt. "Hey, hast du noch diesen furchtbaren Whiskey?"
      "Ist das dein Ernst?" Valentins Ausdruck wechselte sofort von siegessicher auf besorgt. "Das letzte mal, als wir den getrunken haben, habe ich zwei Tage und meine Haustürschlüssel verloren. Mateo zieht mich immer noch damit auf."
      "Willst du deinen Freund sofort wieder loswerden?", fragte Finn, während er unter der Bar verschwand und sich kurz darauf wieder mit einer Flasche in der Hand aufrappelte.
      Caleb schüttelte kurz den Kopf, während er ein Grinsen nicht zurückhalten konnte. "Nein, aber er meinte, dass ich mit dem Effekt von dem Zeug übertreibe, also muss wohl eine Erfahrung aus erster Hand her." Irgendwie fand er die Vorstellung seltsam witzig. Zumindest, bis er vier Gläser auf einmal balancieren musste. Er spürte Valentin und Finns besorgte Blicke im Nacken, während er zurück zu Richard ging und die Gläser verteilte.
      "Ich habe gedacht, dass es Zeit für den Whiskey ist", merkte er an, während er das Glas vor Richard abstellte, sich kurz zu ihm runterneigte und ihm einen Kuss auf die Lippen hauchte. Wer wusste schon, wie viele andere Wetten gerade noch über sie liefen? "Ich gehe nicht davon aus, dass du dich nach dem Zeug noch an irgendwas hiervon erinnern kannst, also- du siehst echt heiß aus." Caleb grinste leicht und setzte sich wieder.
    • Richard

      Ihm war bei der dritten Runde an Getränken ein wenig warm geworden, also nickte er, als Caleb anbot, ihre nächsten Drinks zu holen, und zog sich in der Zwischenzeit seinen Pullover aus und legte ihn hinter sich auf der gepolsterten Bank ab. Das war nichts. Er hatte ein Guinness, einen Whiskey und ein Irish Red Ale und bekam nun geplanterweise noch einen Whiskey, wenn Caleb je wieder zurück kam.
      Richard sah nach einer Minute von seinem Handy auf und beobachtete Caleb schließlich dabei, wie er sich an der Bar mit jemandem unterhielt. Relativ… lange. Wurde er gerade angeflirtet? Richard runzelte etwas die Stirn, als der Bartender ins Gespräch einzusteigen schien und wandte schließlich schmunzelnd den Blick ab. Es war seltsam witzig mitzubekommen, wie sein introvertierter Menschenhasser von Freund an der Bar angequatscht wurde. Und wenn der Kerl sich dann aus unerklärlichen Gründen noch Hoffnungen machen sollte, konnte er ja mal kurz einen Blick hier rüber werfen und realisieren, dass er absolut keine Chance hatte.
      Richard lehnte sich zurück und musterte die vier Getränke, die Caleb auf den Tisch stellte, als er zurückkam. Er wollte gerade etwas dazu sagen, als Caleb ihn küsste und ihm out-of-character ein Kompliment machte. Richard grinste. Dann war er gerade wirklich angeflirtet worden, hm? Ob er ihm eine Abfuhr erteilt hatte, indem er gesagt hatte ‚da hinten sitzt mein Freund‘?
      „Ich werde mich an alles erinnern, aber netter Versuch“, schmunzelte er. „Wenn du wetten willst, hab ich aber auch nichts dagegen, wenn du für den Rest des Abends so weiterredest. Je nachdem wie schnell man hier rausgeworfen wird ist neben mir auf der Bank ja auch noch genug Platz für dich“ Er zwinkerte ihm zu und nahm schließlich einen Schluck von dem sagenumwobenen hauseigenen Whiskey. Er zog die Augenbrauen zusammen und stieß ein kleines „Mh…“ aus.
      „Das… schmeckt eigen“, meinte er, unsicher ob er damit ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ meinte. Ob er untypisch stark war konnte er ab einem gewissen Prozentsatz aber nicht mehr feststellen. Trotzdem hatte er das ungute Gefühl, irgendeinen Zaubertrank zu trinken.
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    • Caleb

      "Ich finde den Geschmack nicht schlecht. Die leicht versetzte Wirkung ist viel schlimmer", antwortete Caleb mit einem Lächeln, während er tatsächlich mit dem Gedanken spielte, einfach neben Richard auf die Bank zu rutschen, um sich wieder an ihn kuscheln zu können. Er spielte kurz mit dem Whiskeyglas in seinen Händen, bevor er die ersten Schlücke trank. Seltsamerweise erinnerte er sich noch an den Geruch und den Geschmack, aber der Rest des Abends war vollkommen weg. Er wusste bis heute nicht, wie er damals überhaupt nachhause gekommen war. Valentin war sich seltsam sicher, dass sein Freund ihn, Caleb und zwei andere Stammgäste eingesammelt hatte, aber keiner von ihnen hatte nachfragen wollen. Caleb konnte sich nicht erinnern, Valentins Freund je persönlich getroffen zu haben. Allerdings waren sie bei dem Whiskey auch nicht erst bei Runde vier gewesen.
      "Ich bin mir absolut sicher, dass du dich an nichts hiervon erinnern wirst", beschloss er und nippte erneut am Glas. "Haben wir unsere letzte Wette eigentlich je eingelöst?", schob er nach einer kurzen Pause hinterher. "Soweit ich weiß schuldest du mir sowieso noch ein Gedicht." Zumindest hatte keine von Aprils Nachrichten so geklungen, als ob sie sonderlich erfolgreich bei Mai gewesen wäre. Obwohl sie offenbar zusammengezogen waren. Was auch immer bei den beiden verkehrt lief. Wer zog so früh mit jemandem zusammen, den er kaum kannte? Was ihn wieder an etwas vollkommen anderes erinnerte.
      "Oh. Ich habe dir übrigens doch etwas Platz im Schrank gemacht. Für Hemden und so. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass du dich über Falten beschwerst, wenn alles im Koffer bleibt. Obwohl es seltsam nett aussieht, wenn du bügelst."

      Caleb hatte das vierte Glas Guinness geleert, bevor der Whiskey auch nur halb getrunken war. Er hatte schon einmal den Fehler gemacht, zu viel zu schnell zu trinken und hatte sich vorgenommen, daraus zu lernen. Er wollte zumindest nichts von diesem Abend vergessen. Aber der übrige Alkohol, der sich Runde für Runde in seinem Blut ansammelte, tat sein Übriges. Caleb hatte aufgehört zu zählen, wie viele Gläser sie schon gehabt hatten, als Valentin von der Seite an ihren Tisch heran trat.
      "Hey. Bekomme ich für zwei Minuten Asyl?" Valentin hatte in der Zeit offenbar deutlich weniger getrunken, als sie. Zumindest stand er ohne zu schwanken. "George ist wieder in einen seiner 'Meine Kinder hassen mich' Monologe verfallen, die immer seltsam homophob enden und Kira und Brian sind schon weg, also hab ich ihm gesagt, dass ich dich noch irgendwas super wichtiges fragen muss. Zwei Minuten, dann bin ich weg."
      "Sicher." Caleb rutschte ein wenig zu Seite, damit Valentin neben ihm Platz nehmen konnte. Die einzige Lösung. Valentin war auf dem linken Ohr taub, also hätte er musste er neben ihm sitzen, mit der rechten Seite zu Caleb und Richard gewandt.
      "Richard, Valentin. Valentin, Richard", stellte Caleb die beiden vor. "Valentin ist einer der anderen Stammgäste hier", schob er als kurze Erklärung hinterher.
      "Freut mich." Valentin sah nicht sonderlich erfreut aus, allerdings tat er das irgendwie sowieso nie. "Ich bin ein bisschen beeindruckt, dass du den Whiskey getrunken hast", fuhr er sofort mit Blick auf Richards Glas fort. "Dabei muss man sich Caleb nicht mal schöntrinken."
    • Richard

      "Ich hab von May nichts mehr gehört, außer ein paar Absagen zu Getränken, weil sie zu beschäftigt war. Mit was auch immer. Aber wenn du dir so sicher bist, gewonnen zu haben, dann schreibe ich dir eben das verdammte Gedicht", meinte Richard. Er traute April zwar zu, dass sie Caleb einfach nur gewinnen sehen wollte und deshalb log, aber… wie sollte er das widerlegen? May war so gut wie unauffindbar gewesen in den letzten Wochen. Entweder vergrub sie sich in ihrer Arbeit, das machte sie manchmal, oder irgendetwas anderes war los. Vielleicht lief ja doch etwas zwischen ihr und April, aber Richard konnte es nicht beweisen. Seinetwegen sollte Caleb sein Gedicht bekommen, wenn es ihn glücklich machte.
      Und… wenn sie schon dabei waren, zogen sie wohl auch bald zusammen, was? Richard blinzelte einen Moment lang nur und sagte dann: "Danke. Ich hasse es, Hemden zu bügeln, auch wenn du mir offenbar gerne zusiehst. Weißt du, du könntest auch helfen, anstatt nur zuzusehen" Er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, egal wie ernst er die Aufforderung meinte.

      Wenn Richard sich nicht irrte, trank er gerade sein neuntes Getränk. Das war verrückt. Er Hatte Caleb offensichtlich unterschätzt. Gut, er ging nicht mehr unbedingt gerade aus, aber zumindest stand er noch. Richard hatte selbst das Gefühl, nicht mehr völlig klar denken zu können, und er war locker doppelt so groß und breit wie Caleb. Vermutlich. Ungefähr.
      Richard sah über sein Glas hinweg, als sich plötzlich ein ungebetener Gast an ihren Tisch gesellte und das Saufgelage unterbrach. Es war… der Kerl von vorhin. Richard begrüßte ihn mit einem Stirnrunzeln und war noch irritierter, als der Unbekannte so tat, als würde er Caleb kennen. Oder er… kannte ihn tatsächlich… ja, das machte mehr Sinn.
      Richard nickte ein wenig unhöflich zur Begrüßung und trank noch einen großen Schluck von seinem zweiten hausgemachten Whiskey, dessen Geschmack er langsam wirklich zu mögen begann. Und dann kniff er die Augen zusammen. Man musste sich Caleb nicht schöntrinken? Wer war der Kerl? Ein Ex? Und niemand wusste das besser, als Richard, also sollte er den Ball mal flach halten.
      "Ich weiß. Ich bin oft genug nüchtern mit ihm im… zusammen", unterbrach er sich selbst. War er doch ein wenig betrunken? Wieso hatte er dem Typen beinahe aufgedrückt, dass sie 'oft genug nüchtern im Bett landeten'?
      Es ging ihm so oder so ziemlich gegen den Strich, dass er sich ohne zu zögern direkt neben Caleb gesetzt hatte. Er hätte sich bestimmt noch irgendwo einen Sessel holen und zum Tisch stellen können. Oder stehen. Oder nachhause gehen.
      Richard kippte den Rest von seinem Whiskey runter und stellte das Glas brutal mit einem Knall am Tisch ab. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass du noch 60 Sekunden hast", sagte er zu Valentin, der schließlich um 2 Minuten Asyl gebeten hatte, auch wenn es jetzt so klang, als hätte Richard ihm angekündigt ihn zu verprügeln, wenn er nicht binnen 60 Sekunden abzog.
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    • Caleb

      Caleb musste über den Kommentar mit dem Schöntrinken ungewollt lachen. Er kannte Valentin gut genug um zu wissen, dass es wohl eher scherzhaft, als ernst gemeint war und generell sollte man viel weniger im Leben ernst nehmen, oder? Dann würde es auch viel weniger Probleme geben und er müsste sich nicht den Kopf über seine Beziehung zerbrechen und- Oh. Vielleicht war Caleb ein bisschen zu angetrunken. Dabei hatte er immer noch das halbvolle erste Whiskeyglas vor sich stehen.
      Valentin blinzelte ein wenig irritiert, offenbar unschlüssig, wie er auf den kleinen Zeithinweis reagieren sollte. “Oh. Ich will euch wirklich nicht stören. Es ist nur-”, Caleb folgte seinem etwas verzweifelten Blick zur Theke. Finn hatte sein bestes neutrales Mitarbeiterlächeln aufgesetzt, während George, ein etwas älterer, rundlicher Mann, energisch auf ihn einredete. “-gerade ein schlechter Zeitpunkt, um irgendwo alleine zu stehen”, beendete Valentin seinen Satz.
      “Ich gehe mittlerweile einfach. Normalerweise sucht er sich dann einfach ein neues Opfer”, merkte Caleb an, während er sein Glas mit dem Whiskey in Valentins Richtung schob. “Willst du den Rest?”
      “Ich muss morgen arbeiten.” Valentin griff trotzdem unbeirrt nach dem Glas, trank einen Schluck, verzog ein wenig das Gesicht und schob es zurück. “Immer noch so furchtbar, wie ich es in löchriger Erinnerung habe”, merkte er an, während er seine Jacke auszog und sie sich über den Schoß legte.
      “Richard ist schon bei Glas zwei”, merkte Caleb amüsiert mit einem kleinen Lächeln an.
      “Das ist…besorgniserregend”, antwortete Valentin. “Ich bin mir sicher, dass man ab dem dritten Glas anfängt, Geräusche zu schmecken. Wie viele hatten wir damals getrunken?”
      “Vier.” Ein Glas mehr und Caleb wäre wahrscheinlich nie wieder aufgewacht, oder zumindest für den Rest seines Lebens betrunken gewesen.
      “Allerdings bist du auch ein bisschen größer als wir, also könntest du eine Chance haben”, fuhr Valentin nachdenklich fort, während er mit seinem eigenen Glas spielte und Richard ansah, als ob er gerade im Kopf kalkulierte, wie viel Alkohol er brauchen würde, um ihn abfüllen. Eine Idee, die ihm offenbar irgendwie zu gefallen schien. “Hey, darf ich euch auf die nächste Runde einladen?”, fragte er mit einem kleinen Lächeln, während er kurz spielerisch mit seiner Schulter gegen Calebs stieß. “Als Wiedergutmachung für die geraubte Zeit und so.”
    • Richard

      Wen interessierte es, wer worüber redete und jemanden nervte? Valentin nervte! Er war hier der alte Kerl der über seine Kinder redete. Im metaphorischen Sinne. Dummerweise war er attraktiv und klebte zu sehr an Caleb als für irgendjemanden hier gut war. Richard verkniff sich ein Grummeln und starrte Valentin bloß giftig über den Rand seines Glases hinweg an. Er dachte allerdings kurz, dass ihm seine Augen aus dem Kopf springen würden, als Caleb sein Glas wegschob. Nicht zu Richard. Nicht zu seinem Freund, nein. Zu dem flirtenden, attraktiven, schamlosen Kerl neben ihm, der den Mut hatte, tatsächlich einen Schluck aus dem Glas zu trinken.
      Richard stellte sein Bier ab und sah die beiden stumm an während seine Hände sich auf dem Tisch zu Fäusten verkrampften. Was tat man in so einer Situation? Caleb war offensichtlich nicht mehr ganz dicht, aber Richards Wut richtete sich eher an den Fremden, der mitspielte.
      Er nickte und zwang sich ein Lächeln auf, als Valentin anbot, ihnen die nächste Runde Getränke zu spendieren.
      "Gerne noch einen Whiskey, ich kann's kaum erwarten Geräusche zu schmecken", antwortete er trocken und starrte dem Dunkelhaarigen nach, bis er aufgestanden und ihnen den Rücken zugedreht hatte. Dann sah Richard Caleb einen Augenblick lang an, stand schließlich auf und setzte sich neben ihn. Es war nicht viel Platz, und jetzt wo er hier saß, fand er die Vorstellung noch viel grauenvoller, dass gerade jemand anderes hier gesessen hatte. Er legte demonstrativ einen Arm über Calebs Schulter.
      "Du hast nicht vergessen, dass ich noch hier bin, ja?", fragte er kühl und griff nach Calebs Kinn um seinen Kopf zu sich zu drehen. "Wir können auch sofort nachhause gehen, wenn es dir zu schwer fällt, dich auf mich zu konzentrieren, wenn jemand anderes dabei ist"
      Entweder das, oder Richard musste den Rest des Abends hier sitzen und etwas offensichtlicher machen, dass er nicht teilte.
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    • Caleb

      Caleb hatte keine Ahnung, was genau gerade passierte, aber fuck, er genoss jede Sekunde davon. "Ich- Ähm- Was?", fragte er ein wenig überfordert, während er versuchte, irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Er war wunderbar konzentriert gewesen, bis Richard nach seinem Kinn gegriffen hatte und sein Herz plötzlich der Meinung gewesen war, einen Schritt zuzulegen. Ihm war furchtbar warm, aber Caleb wusste nicht, ob es am Alkohol, oder seinem Freund lag, der offensichtlich ein Problem hatte, auf das er sich konzentrieren sollte, aber nicht konnte. War Richard eifersüchtig? Worauf? Auf Valentin? Warum war das so verdammt heiß?
      "Ich glaube nicht, dass es möglich ist, dich zu vergessen." Calebs Wangen glühten. Er hatte das Gefühl, dass er gerade drauf und dran war, seinen eigenen Namen zu vergessen, aber diesen Moment wollte er sich einprägen. Vielleicht sollte er Richards Angebot annehmen und einfach mit ihm nach Hause gehen. Vielleicht wäre es doch gar nicht so schlimm, wenn sie die Nacht durchmachen würden. Er könnte sich morgen einfach irgendeine Ausrede ausdenken, warum er nicht zu Niamh konnte. Ihm würde schon irgendwas einfallen. Und Richard könnte sich einfach krankmelden, oder so. Sie müssten nicht mal das Bett verlassen. Valentins Räuspern brachte Caleb zurück ins hier und jetzt.
      "Ich will nicht stören, also..." Valentin stellte ihre Gläser ab und drehte sich mit einem kleinen, peinlich berührten Lächeln weg, um irgendjemand anderen zu finden, mit dem er trinken konnte. Caleb sah kurz auf das Glas vor ihm - ihm fiel jetzt erst auf, dass er Valentin gar nicht gesagt hatte, was er überhaupt trinken wollte - und dann wieder hoch.
      "Warte! Kein Problem. Setz dich." Caleb lächelte leicht. Er hatte keine Ahnung, was zu Richards Stimmung geführt hatte, aber Valentin war offensichtlich ein Teil der Formel, die er ausreizen wollte, so weit es ging. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Richard eifersüchtig war. Caleb hatte keinerlei Interesse an Beziehungen jeglicher Art gehabt, bis er Richard kennen gelernt hatte und Valentin war in einer furchtbar glücklichen Beziehung, seit sie sich kannten. Außerdem war Caleb niemand, über den man Eifersucht entwickeln musste, oder?
      "Ähm." Valentin sah nicht sonderlich überzeugt aus. Sein Blick war weiterhin auf Richard gerichtet. "Ich denke nicht, das-"
      "Schon okay", fiel Caleb ihm strahlend ins Wort, bevor er sich zu Richard drehte. "Nicht?"
    • Richard

      „Achso?“, erwiderte Richard — mit ein klein wenig Selbstgefälligkeit — auf Calebs Antwort. Er strich mit dem Daumen über seine Wange, die nicht mehr nur von dem Alkohol rot anlief. „Gerade hat es nämlich noch ziemlich gewirkt, als-“ Und schon wurde er unterbrochen. Richard sah erst auf die Gläser und warf Valentin schließlich einen missbilligenden Blick zu. Aus der Situation konnte er sich auch mit 10 Getränken nicht mehr freikaufen.
      Richard ließ seine Hand fallen und starrte Caleb nurnoch schockiert von der Seite an, als er Valentin zweimal bat sich zu setzen und zu bleiben. Lebte er im falschen Film? Was war das für eine… abartige Situation, die ein noch abartigeres Gefühl in ihm provozierte?
      Richard warf den Kopf herum und presste ein genervtes: „Klar. Je mehr desto besser“, heraus. Scheinbar konnte er ja schonmal damit anfangen sich mit einem Dreier abzufinden, hm? Caleb schien den Typen ja nur über seine Leiche gehen lassen zu wollen.
      Er behielt seinen Arm über Calebs Schulter und dachte, während die beiden sprachen, krampfhaft nach, wie er seinen offensichtlichen Rivalen loswerden konnte, wenn sein eigener Freund ihn unbedingt dabei haben wollte. Sollte er noch unfreundlicher werden? Nichts leichter als das, aber Caleb hatte bisher nichtmal mit der Wimper gezuckt.
      Am liebsten würde er gehen und die beiden sich selbst überlassen. Aber das konnte er nicht. Er würde lieber jeden Tisch in der Bar auseinandernehmen bevor er das tat. Vorhin zwang Caleb ihn nahezu noch, mit ihm zusammenzuziehen, und jetzt das? Rächte er sich für irgendetwas? Für die Sache mit Andrew? Den Krieg zwischen seinem Bruder und Richard? Dafür, dass er ihn letzte Woche sitzen hatte lassen oder dafür, dass er immer auswich, wenn er ihn indirekt bat zusammenzuziehen?
      … Verdammt, es gab ziemlich viele Dinge, für die er sich rächen könnte.
      Richard hörte von dem Gespräch am Tisch kein Wort. Seine Gedanken rasten. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Caleb ihm so plötzlich etwas klarmachen wollte. Sollte er ihn zur Seite ziehen und sich nochmal entschuldigen? Vermutlich würden sie beide im jetzigen Zustand eher zur Seite fallen. Er traute sich nicht zu, die richtigen Worte zu finden. Das hielt ihn aber nicht ab in seiner Verzweiflung am nächsten Whiskey zu nippen.
      Als er das nächste Mal das Glas abstellte, hatte er einen Entschluss gefasst. Er musste dieses elendige Gequatsche irgendwie zu einem Ende bringen. Also riss er Caleb mitten in seinem Satz herum und küsste ihn. Deutlich inniger, als er es in der Öffentlichkeit sonst tun würde. So, als hätte er vor, Caleb auf seinen Schoß zu ziehen, und hätte er Platz dafür, würde er das wohl auch tun. Hauptsache dieses Arschloch gegenüber verstand endlich, dass das hier keine Einladung zu einer ménage-à-troi war.
      „Wenn du nichts dagegen hast, würde ich langsam gerne gehen“, murmelte er sanft, als er den Kopf zurückzog. Wenn er jetzt noch einmal ein Nein oder ein ‚Valentin, komm doch mit!‘ bekam, musste er sich wohl in den nächsten Flieger setzen. So viel zu einer festen Beziehung. War Caleb das wirklich so wichtig, wie er tat?
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