The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Wyatt

      Das Date lief überraschend gut. Zombies waren offenbar perfekt, um Fettnäpfchen in Konversationen zu vermeiden - Wyatt schaffte es tatsächlich, nichts dämliches zu sagen, bis ein Signalton verkündete, dass sie den Zombies entkommen waren und die Zeit gestoppt wurden. Okay, sie hatten nicht unbedingt einen Rekord aufgestellt und es war die meiste Zeit furchtbar chaotisch gewesen, aber Wy hatte zumindest nicht das Gefühl, sich irgendwie blamiert zu haben. Die Rätsel hatten sie irgendwie zu gleichen Teilen gelöst, Kaias Lachen hatte ihm seltsamerweise geholfen, nicht zu viel Panik vor den Zombie zu entwickeln. Wiederholen würde er das ganze in naher Zukunft wohl trotzdem nicht. Zeitdruck war offenbar nicht seine Stärke.
      Wyatt hatte das Gefühl, immer noch voll unter Strom zu stehen, als sie das Gebäude verließen und wieder an die frische Luft kamen. Es war tatsächlich merklich dunkler und etwas frischer geworden, aber um sie herum waren noch relativ viele Menschen unterwegs. Kaias Frage nach dem Eis ließ ihn trotzdem innehalten. Nicht, weil es irgendwie zu viel war, oder so, sondern einfach, weil er immer noch das Gefühl hatte, jeden Moment von Zombies gefangen zu werden. Wie konnte man da entspannt Eis essen?
      "Oh. Klar! Ein Plan ist ein Plan." Wyatt grinste Kaia fröhlich entgegen, während er versuchte sich selbst irgendwie klar zu machen, dass der ganze Zombie-Stress nur in seinem Kopf war und sie immer noch auf einem vollkommen normalen Date waren. Auch, wenn sich das alles langsam mehr wie eine normale Verabredung zwischen Freunden anfühlte, als wie ein Date. Was gut war, oder? Man sagte doch immer, dass eine feste Beziehung auf einer guten Freundschaft basierte.
      "Ich hatte eine Eisdiele in der Nähe rausgesucht", merkte er an, während er wieder nach Kaias Hand griff, um sie mit sich zu ziehen. Vielleicht in einem etwas schnelleren Schritt, als unbedingt nötig. Offenbar musste er hoffen, dass er nie in einer Zombieapokalypse enden würde. "Da gibt es ein paar ungewöhnliche Geschmacksrichtungen. Cheesecake und Snickers und so. Also nicht nur Vanille und Mango und so." Außerdem war es in Laufweite, was bedeutete, dass sie miteinander reden konnten, ohne dabei aufpassen zu müssen, den Busstop zu verpassen. "Hey", wechselte er auf ein neues Thema, um keine Stille aufkommen zu lassen, "wenn morgen wirklich Zombies auftauchen würden, was wäre dein Überlebensplan?"
    • Kaia

      Kaia lief, ziemlich zügig, neben Wyatt her. Sie versuchte Schritt zu halten und freute sich insgeheim einfach nur, dass Wy von sich aus nach ihrer Hand gegriffen hatte. Sie konnte, seit sie sich kannten, mittlerweile beurteilen, dass er sonst nicht so der Typ für erste Schritte war. Auch wenn es sich gerade mehr anfühlte, als würde er Kaia mehr von der Gefahrenzone wegziehen, als romantisch ihre Hand zu halten. Sie nahm, was sie kriegen konnte.
      „Ich mag Mango“, warf sie ein. „Aber Cheesecake klingt noch besser“ Sie würde sich so oder so nicht zurück halten und mindestens zwei Kugeln bestellen, weil Wyatt ihr zumindest noch deshalb ein Eis schuldete, weil sie Jia mit ihrem — damals noch erfundenen — Crush genervt hatte.
      Kaia stieß ein kleines Lachen aus als Wyatt auf die Zombies zurückkam und zog ein wenig an seiner Hand, damit er langsamer wurde und sie nicht zur Eisdiele rennen mussten. Wy war ein wenig gestresst gewesen im Escape Room. Vielleicht sollten sie das einmal durchsprechen um mental damit abschließen zu können?
      „Ich würde ein Pferd stehlen“, fing Kaia an und überlegte einfach während sie sprach. „Weil man mit dem Auto inmitten einer Panikwelle wahrscheinlich schlecht voran kommt. Vielleicht sollte ich mich auch mal damit auseinandersetzen, wo es Reitställe gibt. Jedenfalls würde ich das Pferd stehlen, dann würde ich erstmal weit aus der Stadt raus, irgendwohin wo kaum Menschen sind, und mich in einem Supermarkt verbunkerm. Je nachdem wieviele Pferde es gibt, würde ich auch ein paar Leute mitnehmen. Reiten ist wahrscheinlich eh ziemlich intuitiv. Was würdest du machen?“ Sie sah zu Wyatt auf und lächelte ihn an. „Wenn du keinen Plan hast, nehm ich dich auf meinem Pferd mit, wenn du willst. Solange du es irgendwie von deinem Haus zu meinem Haus schaffst, oder wir den Weg bis zum nächsten Reitstall überleben, oder so. Ein Motorrad wäre sonst vielleicht auch ne Option. Oder… ein Fahrrad. Zumindest für die ersten paar Kilometer“
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    • Wyatt

      ”Die Zombieapoklaypse bricht aus und du wirst direkt zum Pferdemädchen?” Wyatt warf Kaia einen Blick zu, als ob sie gerade versucht hätte ihm zu erklären, dass der Himmel eigentlich grün war und der Mond aus Käse bestand. “Dann müsstest du neben dir selbst auch noch das Pferd versorgen und du wüsstest ja gar nicht, was passiert, wenn ein Zombie das Pferd beißt! Auf einmal wird es selbst auch noch zum Zombie!” Er stieß ein gespielt genervtes Stöhnen aus, so, als ob Kaia das ganze Szenario überhaupt nicht gut durchdacht hätte, auch, wenn es eigentlich ein ziemlich solider Plan war.
      “Ich würde sofort in das nächste Museum einbrechen und mir eine Ritterrüstung klauen. Dann haben die Zombies gar keine Chance, mich zu beißen”, erklärte er mit den Tonfall eines Jungen der wusste, dass er Blödsinn erzählte. "Und dann würde ich ausschließlich Rad fahren. Man braucht keinen Treibstoff, ist leise und wenn man auf andere Überlebende trifft, nehmen die einen gar nicht erst als Gefahr wahr, weil man ein Ritter auf einem Fahrrad ist und das so bescheuert aussieht, dass man einen gar nicht ernst nehmen kann. Ist doch voll offensichtlich." Er grinste leicht. Langsam fühlte sich ihre Hand in seiner seltsam normal an, auch wenn sein Herz trotzdem ein kleines bisschen schneller schlug, als es eigentlich sollte. Es war seltsam darüber nachzudenken, dass dieses Date irgendwann in einer Beziehung enden könnte. Irgendwie hatte Wyatt das Gefühl, dass er sich da viel zu wenig Gedanken drum gemacht hatte.
      "Aber vielleicht finden wir ja passende Rüstungen, dann würde ich dich auch auf dem Pferd reiten lassen, auch wenn das nicht so cool ist, wie das Fahrrad." Er stieß seine Schulter spielerisch an Kaias, während die Eisdiele langsam in Sichtweite kam. Von der Ferne aus schien es so, als ob nicht super viel los sein würde. Es wurde langsam ein bisschen zu spät für ein chilliges Nachmittagseis und die Temperatur spielte auch nicht mehr ganz mit. Aber das war egal. Wenigstens wären sie so schneller an der Reihe.
      "Oh und wir müssten die anderen natürlich irgendwie alle einsammeln. Ein gutes Team ist wichtig, damit man nicht langsam durchdreht und vielleicht hört Jude ja mit dem ständigen Gewinnen auf, wenn wir ihm damit drohen, ihn den nächsten Zombies als Köder vorzuwerfen." Er zuckte kurz mit den Schultern. Irgendwann würde schon noch der Tag kommen, an dem er Jude auch ohne Drohungen in irgendwas schlagen würde. Da war er sich absolut sicher.
    • Kaia

      "In welcher Zombie-Serie werden Tiere zu Zombies?!", stieß sie aus und verteidigte ihren Plan hart. "Und wenn wir schon eine Gruppe sind, macht es auch keinen Unterschied mehr, ob wir die Pferde versorgen müssen. Wir sind sowieso auf dem Weg zu einer Farm" Sie verkniff sich sein Grinsen. Das war eine ernste Angelegenheit.
      "Mit Ritterrüstung passe ich außerdem besser auf mein Pferd als du auf dein Fahrrad" Jetzt musste sie doch lachen. Das Bild vor ihrem geistigen Auge, wie Wy in einer Rüstung Fahrrad fuhr und eine Herde Zombies hinter sich her schleppte, war zu viel. Ihr Lachen ging erst langsam in ein Kichern über, als Wy sie anstupste, und ihr plötzlich wieder sehr bewusst wurde, dass sie seine Hand fest hielt, und sie eigentlich auf einem Date waren. Sie machte einen etwas tieferen Atemzug.
      "Du willst Jude nicht im Team haben, wenn er nicht zufälligerweise auch gegen die Zombies ständig gewinnt", sagte sie und lenkte sich ein wenig damit ab, bevor sie sich zu viele Gedanken darüber machen konnte, was sie eigentlich nach dem Eis tun sollten. Sich verabschieden. Aber wie?
      "Ich glaube zwar nicht, dass sich sein Spielglück auch auf physische Kämpfe überträgt, aber… Man kann ja hoffen. Sonst ist er der erste von uns, der gebissen wird" Zumindest konnte er wahrscheinlich einen Rekord damit aufstellen, wie oft er sich verletzte.
      Bei der Eisdiele, die Wyatt ausgesucht hatte, waren nur ein paar vereinzelte Pärchen draußen zu sehen, und Kaia fühlte sich plötzlich total beobachtet. Es war ziemlich offensichtlich, dass sie auf einem Date waren, oder? Mit dem Händchenhalten und so… Wenn sie mit Jude unterwegs war, war ihr das nie in den Sinn gekommen. Aber sie hielt zu Wy auch keinen Abstand. Sie wollte ihm nah sein, auch wenn es sie mental völlig fertig machte.
      Sie starrte eine Weile auf die verrückten Sorten hinter der Glasscheibe, bevor sie sich auf eine Kugel Cheesecake und eine Kugel Himbeereis festlegte. Für die Balance. Sie entschied sich für eine Tüte und wartete nicht, bis Wyatt zahlte, bevor sie anfing, ihr Eis zu essen. Ihr Blick schweifte kurz hinter sie, durch die Glasfenster, auf die Leute, die dort je zu zweit auf Bänken saßen. Es war ein kleiner Platz, mit ein paar Bäumen und Blumen. Irgendwie richtig schön. Dass es dämmerte, machte alles aber ziemlich intim.
      Ihr erstes Date war ein totaler Erfolg, wenn sie so drüber nachdachte. Es war nur nicht besonders romantisch gewesen, und Kaia hatte das Gefühl, dass es jetzt in diese Richtung ging. Sie presste ihre Lippen zusammen, unentschlossen wie nervös sie deshalb war. Sie hatte sich schon öfter vorgestellt, wie es wäre, auf Dates zu gehen, und so einen Abend zusammen zu verbringen, und eigentlich war hier gerade alles perfekt. Sie hatte nur nicht gedacht, dass sie das wirklich so schnell erleben würde. In ihrem Kopf war sie immer irgendwo Mitte Zwanzig gewesen, arbeitete als Modeberaterin und lebte in einer schicken Wohnung mit zwei Katzen, und der Typ holte sie in seinem Auto von zuhause ab, und dann spielte sie meistens die Geschichte vom ersten Date bis zur Hochzeit bis zu den Kindern bis zu den Enkelkindern durch. Jedenfalls hatten ihre Träume immer recht weit in die Zukunft geblickt, weil sie noch nie einen Crush hatte, mit dem… sie wirklich Zeit verbringen wollte.
      Sie sah zurück zu Wyatt. Das war irgendwie plötzlich gekommen, dachte sie. Sie hätte sich gut damit abfinden können, wenn sie Wyatt eine Weile interessant und irgendwie heiß fand, und das Gefühl wie bei allen anderen nach ein paar Wochen verschwand, weil sie garnicht die Intention hatte, mit ihm auszugehen. Eigentlich wusste sie auch garnicht, was diesmal anders gelaufen war, aber jetzt stand sie hier, und wartete bis Wyatt ihr Eis bezahlt hatte, und griff wieder nach seiner Hand, sobald sie frei war.
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    • Wyatt

      Pizza, Zombies und Eis. Auf dem Papier hatte sich das ganze eigentlich wie ein ziemlich gutes Date angehört, jetzt hatte Wyatt ein wenig Bedenken. Kaia schien definitiv mehr Platz im Magen zu haben, als er, was irgendwie fast bewundernswert war. Wyatt ließ ihr den Vortritt bei der Eiswahl, entschied sich selbst für eine einzelne Kugel Brownie - mit halbflüssiger Schokolade - und zahlte. Zum Glück hatte er sich noch ein bisschen Geld aus Milos Portmonee gezogen, bevor er gegangen war. Nur zur Sicherheit. Er hatte sogar kurz durch Haus gebrüllt, dass er sich was geliehen hatte, bevor er die Tür schnell genug hinter sich hergezogen hatte, um die Reaktion nicht mitzubekommen. Gemessen daran, dass sein Bruder ihm noch keine Droh-SMS geschrieben hatte, schien es okay zu sein. Wahrscheinlich war Milo eh zu beschäftigt damit gewesen, über sein eigenes Date mit Aaron, nachzudenken, um- Nein. An Aaron wollte Wyatt nicht denken. Nicht, wenn gerade alles so gut lief.
      Er nutzte Kaias erneuten Griff nach seiner Hand, um sie mit sich zu einer der Bänke vor dem Laden zu ziehen. Er hatte das Gefühl, dass das Lächeln auf seinen Lippen ihm morgen Muskelkater bescheren würde. War das albern? Irgendwie hatte Wyatt das Gefühl, dass er die ganze Händchen-halten-Sache deutlich cooler wegstecken sollte, aber er konnte nicht anders als vor sich hin zu grinsen, während sein Herz einen Purzelbaum nach dem anderen schlug. Vielleicht war es ganz gut, dass das Eis der letzte Punkt auf ihrer Liste war, viel länger würde er das ganze nicht überleben, obwohl...er eigentlich gerne schon direkt das nächste Date planen würde. Aber sowas machte man nicht, oder? Wahrscheinlich sollte er auch hier deutlich cooler sein. Gab es nicht sogar irgendwelche komischen Regelungen, wie lange man sich nach einem Date nicht meldete? Ugh, warum musste das alles so kompliziert sein?
      "Ist deine nächste Woche eigentlich genau so stressig, wie die letzte, oder hast du etwas Entspannung?", fragte er also alternativ. Das war keine Planung für ein nächstes Treffen - Date oder nicht - aber wenigstens schon mal ein Vorfühlen für Kaias Terminplan. Das musste erlaubt sein, oder nicht? Vielleicht war es auch wirklich besser, wenn mehr Zeit zwischen den Dates lag. Wy hatte keine Ahnung, was er für das nächste Date planen sollte. Vielleicht hatte Milo noch eine Idee. Der müsste sich gleich wahrscheinlich sowieso alles über den Abend anhören, auch, wenn es ihn wohl null interessieren würde. Aber dafür hatte man ja Geschwister. Für das ganze Zeug, das raus musste um über das man sonst mit niemandem reden konnte.
      "Ich hab eigentlich gar nichts wirklich mehr vor", fuhr er fort. "Die Prüfungen sind rum, also werde ich wohl nahtlos ins Rumhängen und gar nichts machen übergehen." Was wohl seine gewohnten Gaming-Abende mit Emma und Lucas beinhalten würde. Vielleicht sollte er Kaia dazu einladen. Ob sie spielte? Eigentlich war das nicht wirklich relevant, die meiste Zeit lief das Spiel sowieso nur nebenbei, während sie redeten. Aber es würden Kommentare kommen, wenn Wyatt nur Kaia neu dazu einladen würde, oder? Vielleicht sollte er seine Geburtstagsgruppe einfach in eine Gaming-Gruppe umwandeln, damit es unauffälliger war, oder so. Auch wenn er sich dann mit Jia auseinandersetzen musste. Also war das vielleicht doch keine Lösung.
    • Kaia

      Kaia setzte sich absichtlich mit minimalstem Abstand neben Wyatt auf die Bank, damit das Loslassen ihrer Hände nicht allzu dramatisch wirkte. So, wie sie die letzten Minuten aneinander geklebt hatten, war sich Kaia nicht sicher, ob es sich jetzt nicht seltsamer anfühlen würde, sich garnicht zu berühren.
      Sie hielt Wyatt ohne zu überlegen ihr Eis hin. „Willst du probieren?“, fragte sie. „Ich finde, man muss ein cremiges Eis immer mit einem Sorbet ausgleichen“ Sie lächelte und wandte schließlich ein bisschen nervös den Blick ab. Sie war vielleicht ein bisschen unverschämt, sich so absichtlich einen indirekten Kuss abzuholen, aber das gehörte halt irgendwie auf ihre Dating Bucket-List.
      „Ich hab mehr Zeit… Bis zu den letzten Prüfungen, zumindest“ Sie blinzelte wieder etwas zu Wyatt. Er… fragte doch weil er sich nochmal treffen wollte, oder?
      „Willst du mal ins Kino gehen?“ Wenn er nicht fragte, machte sie es halt. Sie müsste sich schon gewaltig in der Stimmung getäuscht haben, wenn Wyatt ihr jetzt eine Abfuhr verpasste. Er grinste ja sowieso die ganze Zeit so, als wäre nicht Kaia diejenige gewesen, die das alles initiiert hatte. Mann. Vielleicht musste sie auch einfach mal ein bisschen die Klappe halten und Wy eine Chance geben, auf sie zuzugehen. Sie nahm die Dinge halt gern selbst in die Hand, bevor sie garnicht passierten, nur weil irgendjemand sich nicht traute, etwas zu sagen.
      „Vielleicht spielt es ja noch einen anderen Zombiefilm“, schmunzelte sie um Wyatt zu ärgern. „Oder… irgendetwas anderes“ Hauptsache sie machten irgendwas zusammen, so wichtig war es ihr wirklich nicht, was das genau war. „Außer, du willst lieber rumhängen und nichts tun“ Sie zuckte gespielt gleichgültig mit den Schultern. Obwohl sie auch mit ihm rumhängen und nichts tun konnte… aber das war dann vielleicht etwas anhänglich.
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    • Wyatt

      Oh. Vielleicht hatte er sich doch viel zu viele Gedanken über das Timing gemacht. Oder Kaia kannte die Regeln nicht. Eigentlich war es vollkommen egal, nicht? Hauptsache, Kaia wollte, dass sie sich nochmal trafen! Wyatt grinste, während er Kaias Eis probierte und ihr im Gegenzug sein eigenes anbot. Sie hatte eine ziemlich gute Kombination gewählt dafür, dass sie bisher mit deutlich seltsameren Essens-Kreationen gepunktet hatte.
      "Kino klingt super. Es gibt da bestimmt noch ein paar Filme, die sich lohnen." Vorzugsweise ohne Zombies, aber das würde er nie im Leben aussprechen. Sie würden schon irgendeinen Mittelweg finden, mit dem sie beide leben konnten. Im Zweifelsfall funktionierten Komödien immer, oder? Oder irgendwelche mittelmäßigen Fortsetzungen von Franchises, die schon lange tot sein müssten, über die man sich dann im Anschluss gemeinsam aufregen konnte. "Wir finden schon was", endete er optimistisch.
      "Sonst habe ich auch regelmäßig Gaming-Abende mit Lucas und Emma, falls...falls du da mitmachen willst. Wir spielen meistens irgendwelche trashigen Games, während wir einfach labern, also kannst du keine krassen Plays erwarten, aber..." Er zuckte kurz mit den Schultern. So viel zur schlechten Idee. Er würde sich schon irgendwas gutes einfallen lassen, was er Lucas und Emma erzählen konnte. Emma beschwerte sich eh oft darüber, das einzige Mädchen in ihrer Gruppe zu sein, also würde sie sich wohl kaum wehren, oder? Und Lucas war sowieso umgänglich...

      Leider schienen auch zwei Kugeln Eis den Abend nicht in die Länge zu ziehen, obwohl sie auch dann noch auf der Bank saßen, als sie längst aufgegessen hatten. Die Luft wurde langsam unangenehm kühl und es wurde merklich dunkler, aber wenigstens konnten sie so den schwersten Teil des Abends vor sich herschieben - den Abschied. Wy hatte kein Problem damit, sich von Kaia zu verabschieden. Sie war ja nicht aus der Welt. Er konnte sie jederzeit wieder anrufen, ihr schreiben, sie treffen. Das Problem war nur, dass er keine Ahnung hatte, wie er sich von Kaia verabschieden sollte. Er wusste, dass der Mann die Frau normalerweise vor der Haustüre absetzte, aber das setzte meistens ein Auto voraus. Würde es komisch wirken, wenn er mit ihr kommen würde nur, um dann vor der Tür wieder umzudrehen?
      Wyatt schob den Gedanken in seinem Kopf hin und her, während sie zurück zum Bus gingen. Das Laufen war ja nicht mal das komplette Problem. Er hatte auch keine Ahnung, ob er Kaia umarmen sollte, oder nicht. Sollte er sie küssen? Das Date war wirklich gut gelaufen und eigentlich sprach nichts dagegen. Er wollte sie definitiv küssen, aber war das zu viel? Warum musste das alles immer so kompliziert sein?
      "Soll, ähm", setzet er an, während die Bushaltestelle langsam in Sichtweite kam. Sie hatten unterschiedliche Linien, also mussten die erste Entscheidung zur Verabschiedung wohl jetzt fallen. "Soll ich dich noch nach Hause bringen?", fragte er, während er ihre Hände zwischen ihnen hin und her schwang. "Ich meine, es ist ziemlich dunkel geworden und so."
    • Kaia

      „Okay“, stimmte sie viel zu schnell zu. Sie hatte sowieso kein riesiges Interesse an Zock-Sessions, wo es nur ums Spiel ging. Irgendetwas Witziges und nebenbei plaudern klang dafür super. Sie hatte Wyatts Freunde sogar ganz nett gefunden, Emma besonders. Sie war ein bisschen abgedreht aber das fand Kaia gut.
      „Dann… schreib mir einfach, wenn ihr das macht“, meinte sie und überlegte schon insgeheim wie sie sich provisorisch die gesamte Woche frei halten konnte. Was irgendwie bescheuert war. Sie sollte nicht gleich in ein Loch fallen und nurnoch fürs Dating leben, oder…?! Nein, ihre eigenen Freunde waren auch wichtig. Sie klatshte sich geistig selbst eine. So viel dazu, dass sich nichts ändern würde. Und jetzt hatte sie das Gefühl Luftsprünge machen zu können, weil Wyatt schon mindestens zwei weiteren Treffen zugesagt hatte.
      Und es wurde besser. Sie nachhause bringen?? Fast hatte sie das Gefühl, dass ihre surrealen Zukunftsträume doch noch heute wahr wurden.
      „Oh…“, machte sie, um nicht direkt „Ja“ zu schreien und ein bisschen unentschlossener zu wirken. Dass es dunkel war, war ihr persönlich egal, sie kannte ihren Heimweg und es waren Abends immer noch viele Leute unterwegs. Sie nutzte diese Ausrede nur manchmal, um sich von Jonah mit dem Auto abholen zu lassen.
      „Wenn dir das nicht zu weit ist?“, erwiderte sie und blinzelte Wyatt mit einem Lächeln an, das definitiv sagte ‚Bring mich auf jeden Fall nachhause‘. Sie plante insgeheim schon, sich mit einem Kuss zu verabschieden — auch wenn sie diesmal darauf warten wollte, was Wyatt tat. Das Sitzen und Reden auf der Bank eben hatte ihr Zögern diesbezüglich zumindest ausgelöscht. Aber es wäre besser, wenn ihr nicht zehn Bystander dabei zusahen, wenn sie Wyatt küsste, also lieber vor ihrer Haustüre, als auf einer Parkbank oder vor der Bushaltestelle. Unromantischer ging es ja kaum.
      Sie hielt Wyatts Hand noch fest, während sie bereits im Bus saßen. Es war kühl, und ihre Hände waren kalt, aber sie weigerte sich, loszulassen.
      „Das hat Spaß gemacht, heute“, rückte sie langsam heraus. Build-up nannte sich das. Sie wandte sich Wyatt zu. „Nächstes Mal machen wir was ohne Zombies…“, murmelte sie lächelnd.
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    • Neu

      Wyatt

      "Das ist nicht zu weit", antwortete Wyatt schnell, bevor Kaia sich irgendwie selbst davon überzeugen könnte, dass sie ihm einen Gefallen tun würde, wenn sie sein Angebot ablehnen würde. Es gehörte sich irgendwie, sein Date nachhause zu bringen und er könnte so zumindest noch einen kleinen Moment länger mit ihr verbringen. Dass ihr das Date offenbar gefallen hatte und sie jetzt schon offiziell von einem 'nächsten mal' sprachen, machte das ganze irgendwie nur noch besser.
      "Ja. Das war ein wirklich schönes Date." Irgendwie machte ihn das Wort immer noch nervös. Es war seltsam - Wy hatte sich unter Dates immer etwas vollkommen anderes vorgestellt. Mehr sinnfreie Gespräche, Kitsch und Langeweile und weniger Action. Vielleicht konnte das ganze doch mehr Spaß machen, als er anfangs gedacht hatte. Oder Kaia würde bei ihrem zweiten Date genau das alles nachholen. Aber so schätzte er sie irgendwie nicht ein. Kaia war dafür einfach irgendwie zu...cool. Sonst würde er sie nicht so mögen.
      "Wir müssen die Zombies ja nicht ganz streichen. Ein bisschen weniger Zombie würde schon reichen", lenkte Wyatt ein, auch wenn gar keine Zombies wie ein absolutes Ideal klangen. "Wir haben unseren Überlebensplan ja jetzt eh schon, dann können wir ihn auch zwischendurch testen. Wir müssen nur ein Pferd in den Escaperoom schmuggeln." Er zuckte kurz mit den Schultern, als ob das keine große Sache wäre. "Wir könnten am Ende nur Hausverbot bekommen."
      Die Busfahrt kam Wy deutlich kürzer vor, als sie gewesen war. Zombie-Survival-Pläne waren ein überraschend guter Zeitvertreib und am Ende hätten sie fast vergessen auszusteigen. Wy musste immer noch ein wenig lachen, als sie sich noch schnell durch die Tür nach draußen quetschten und er Kaia in die Richtung ihres Hauses folgte. Es war mittlerweile relativ dunkel und er war froh, noch nach einer Jacke gegriffen zu haben, als er das Haus verlassen hatte. Der langsam aufkommende Wind blies ihnen die kühle Nachtluft um die Ohren, während Wy weiterhin Kaias Hand umklammert hielt. Das alles war wirklich gut gelaufen, wenn man das kleine Stolpern am Anfang ignorierte. Jetzt musste es nur noch genau so gut enden. Sollte er sie umarmen, wenn sie sich verabschiedeten? Küssen? Küsste man sich schon auf dem ersten Date? Theoretisch hatten sie sich ja bereits geküsst, aber zählte das? Wyatt warf einen kleinen Seitenblick auf Kaia, die neben ihm etwas langsamer wurde, was wohl bedeutete, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Mist.
      "Also, ähm- das war ein wirklich toller Tag!", wiederholte Wy stotternd, während sie stehen blieben. Zugegeben, nicht unbedingt das Beste, was er hätte sagen können. Aber in seinem Kopf drehte sich alles im Kreis und er wusste nicht ganz, was er tun und sagen sollte. Warum musste Kaia in dem Dämmerlicht des Abends so hübsch aussehen? "Ich hoffe, dass dein restlicher Abend genau so schön ist. Wir...sehen uns ja dann?" Er klang unsicherer, als ihm lieb war. Umarmung. Kuss. Was war die Lösung? Wy hatte das Gefühl, für eine Sekunde komplett einzufrieren, was definitiv falsch war. Irgendwas musste er tun. Vielleicht hätte er dazu wirklich mehr recherchieren sollen. Aber jetzt war es zu spät und je länger er hier stehen und nichts tun würde, desto schlimmer würde es werden, nicht? Irgendwie gab ihm dieser Gedanke den kleinen Kick, den er gebraucht hatte. Wy lehnte sich ein wenig nach vorne und entschied sich für den sicheren Mittelweg, indem er Kaia einen Kuss auf die Wange gab, auch wenn sein Herz gerade so wild raste, als ob er ihr gerade direkt einen Antrag gemacht hätte.
    • Neu

      Kaia

      Kaia lachte leicht. „Das können wir nicht riskieren“, erwiderte sie auf das Hausverbot hin. „Außer du kennst einen anderen Escape Room in der Nähe, wo wir in Zukunft hingehen können“ Es musste ja nicht unbedingt ein Escape Room sein, aber das hatte Spaß gemacht, und es war immer gut eine Backup-Date-Idee zu haben.
      Kaia wollte nicht wirklich, dass die Busfahrt endete. Sie hatten noch immer Spaß und kamen aus dem Reden kaum heraus, weshalb ihr Unterbewusstsein ihre Fahrt wohl tatsächlich verlängern wollte. Sie schafften es geradeso aus der Tür heraus, aber definitiv nicht ohne die Abfahrt zu verlängern. Sie atmete vom Aufspringen schnell und lachte, und hatte kurz Angst gehabt, dass ihr Fuß noch in der Tür stecken würde wenn der Bus wieder los fuhr.
      Und… jetzt waren sie doch draußen. Das war ihre Straße, sie sah ihr Haus und damit das Ende des Tages näher kommen. Seltsamerweise störte sie das jetzt, wo sie soweit waren, garnicht mehr so sehr. Sie hatten schon einige weitere Treffen gebrainstormed und Kaia konnte es kaum erwarten sich in ihr Bett zu schmeißen und irgendeine Playlist anzumachen, die ihre romantischen Einbildungen noch vertiefte. Sie würde sich richtig reinsteigern und niemand konnte sie aufhalten. Aber zuerst…
      Kaia bekam es selbst mit der Nervosität zu tun, als sie Wyatt dabei zusah, wie er am Rad drehte und komisches Zeug sagte. Es war ziemlich klar, was ihm durch den Kopf ging, nachdem er vor knapp fünf Minuten noch total normal gewesen war. Kaia wollte ihn irgendwie erlösen und ihm die Entscheidung abnehmen, aber sie würde sich früher oder später noch richtig aufdringlich vorkommen, wenn sie immer den ersten Schritt machte.
      „Danke“, schmunzelte sie, als Wyatt ihr einen schönen Abend wünschte. Er klang ein bisschen so als wäre er spontan zu einem alten Mann geworden. Zumindest traf er doch noch eine Entscheidung. Kaia vergaß völlig, was Wyatt eben gesagt hatte, als er ihr einen Kuss auf die Wange hauchte. Sie versuchte ihr Magenkribbeln nicht die Überhand gewinnen zu lassen und schloss den Abstand zwischen ihnen danach mit einem kleinen Schritt wieder. Sie griff nach Wyatts Hand und sah ihn kurz ein wenig nervös an bevor sie sich zu ihm hochlehnte und ihn richtig küsste. Sie blieb ein wenig so, ihre Lippen auf Wyatts gedrückt und ihre Hände verschränkt, bevor sie ihr Gewicht wieder auf ihre ganzen Fußsolen verlagerte. Oh Mann. Sie hatte sich das ja vorgenommen und alles. Sie war gerade noch mutig genug gewesen, um ohne zweimal darüber nachzudenken, Wyatt von sich aus zu küssen. Aber das zahlte ihr Herzklopfen ihr jetzt doppelt heim. Sie hatte das Gefühl, es würde ihr gleich aus der Brust springen und drei Runden um den Block laufen. Sie blinzelte gen Boden, hatte ihre beiden Hände und ihre Schuhe im Blickfeld und Wyatts Jackenzip. Haah… Sie stand wirklich sehr, sehr nah an ihm dran, oder?
      Langsam machte sie einen Schritt zurück. „D-dann gute Nacht“, sagte sie schließlich und wandte sich der Eingangstür zu. Sie kramte ihren Schlüssel aus ihrer Jackentasche und warf Wyatt noch einen schnellen Blick über die Schulter zu bevor sie mehr oder weniger ins Haus floh.
      „Hey, wie war-“
      Kaia ignorierte Amaris halbe Frage, der mit einer Schüssel Cornflakes aus der Küche kam, warf ihm nur mit hochrotem Kopf einen knappen Blick zu und zog ihre Zimmertüre hinter sich mit einem dumpfen Knall zu. Sie sprang kopfüber in ihr Bett und blieb eine Weile so liegen bevor sie ihre Schuhe von ihren Füßen kickte und in ihr Kissen brummte, um den inneren Stress irgendwie loszuwerden.
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    • Neu

      Wyatt

      Ein Kuss. Kaia hatte ihn geküsst! Wyatt brachte ein ersticktes "Mhm" raus, während er etwas panisch die Hand zum Abschied hob und versuchte zu verarbeiten, dass Kaia ihn geküsst hatte. Besser hätte der Abend nicht laufen können, oder? Seine Wangen glühten, als er sich ruckartig umdrehte und im Laufschritt zurück zur Bushaltestelle ging. Er hatte das Gefühl, dass der Kuss ihn schweben ließ. Alles war gerade einfach viel zu perfekt! Wy zückte noch im Bus sein Handy, aufgedreht und im vollen Wissen, dass er mit jemandem darüber reden musste bevor ihm klar wurde, dass er mit niemanden darüber reden konnte. Niemand wusste, dass er überhaupt mit Kaia ausgegangen war, außer Milo, der sich das alles gleich eh anhören musste, egal ob er wollte, oder nicht.
      Der Kuss trug Wyatt praktisch durch das Londoner Verkehrssystem. Er fing schon an, sich die Schuhe von den Füßen zu treten, als er die Tür zu seinem Haus öffnete. Die Schuhe landeten achtlos an der kleinen Garderobe im Flur, während Wyatt selbst ein wenig tiefer in das Haus hineinstolperte und nach seinem Bruder suchte. Er hatte das Gefühl, explodieren zu müssen, wenn er nicht sofort mit jemandem über den Kuss reden könnte.
      "Milo! Milo?" Stille antwortete. Milo war weder im Wohnzimmer, noch in der Küche, oder sonst irgendwo im Haus. Was bedeutete, dass er noch bei Aaron war, was...ganz...ganz...toll war. Absolut. Wyatt zückte sein Handy, klickte den recht kargen Chat mit Milo an und tippte ein kurzes 'Bin zuhause'.
      Er musste nicht lange auf die Antwort warten. Ein knappes 'Super! Ich übernachte bei Aaron. Stell nichts an. Notfall-Tiramisu steht im Kühlschrank. War's gut?'. Wy starrte auf das Display und schloss den Chat, ohne zu antworten. Natürlich. Er hatte gerade sein erstes richtiges Date gehabt, aber das war sicher nicht so wichtig, wie Blondie. Er presste die Lippen aufeinander, während er versuchte, den plötzlichen Stimmungswechsel nicht zu nah an sich heran zu lassen. Es war, als hätte ihn jemand von seiner kleinen Wolke gezerrt und mit voller Wucht zurück auf den Boden der Tatsachen geknallt. Es war unfair. Das alles sollte so nicht ablaufen. Er sollte von seinem Date nach Hause kommen und seinen Eltern knappe Teenager-Antworten geben, bevor er seinem Bruder jedes kleine Detail erzählte. Er sollte nicht alleine hier stehen und alles irgendwie für sich behalten müssen.
      Atmen. Er musste atmen. Wy fühlte, wie sich seine Kehle zuschnürrte. Fuck, er hatte irgendwie gehofft, über den Verlust seiner Eltern hinweg zu sein. Er holte zitternd Luft und lehnte sich gegen die Küchenzeile, bevor er wieder sein Handy aus der Tasche zog und Lucas anrief. Er rutschte die Küchenzeile hinab auf den Boden, während das Handy klingelte und war kurz davor aufzulegen, als sich sein Freund doch meldete.
      "Hey! Sorry, Ben hatte mein Handy. Du hast ihm gerade wohl sein Level versaut." Wenn Wy genau hinhörte, meinte er, Lucas' jüngsten Bruder im Hintergrund schmollen zu hören.
      "Oh. Grüß ihn von mir, oder so", antwortete er. "Ich wollte seine Pro-Gamer-Träume nicht zerstören."
      "Er wird es überleben, fürchte ich. Also. Was gibt es?", fragte Lucas. Wy konnte eine Tür hören. Das Quengeln im Hintergrund verschwand. Vielleicht waren ältere Geschwister doch alle gleich.
      "Nichts. Ich, ähm", eigentlich war Wyatt sich selbst nicht ganz sicher, was er wollte. Irgendwie hatte er nur jemanden gebraucht, der ihn von seinen eigenen Gedanken ablenkte. "Ich hab heute Sturmfrei, also hab ich gedacht, dass du vielleicht Lust hast, rüber zu kommen? Spontane Übernachtungsparty und so?"
      "Ah. Sorry. Ich muss Babysitten." Lucas klang aufrichtig enttäuscht von seiner eigenen Antwort. "Vielleicht hat ja einer von den anderen Zeit?"
      "Oh. Kein Ding. Vielleicht frag ich Jude, oder so." Nicht, dass Wy eine andere Wahl hätte. Er war sich ziemlich sicher, dass Milo es nicht gerade berauschend finden würde, wenn Emma alleine bei ihm übernachten würde, Kaia hatte er gerade erst verabschiedet und das ließ nur Jude über.
      "Bestimmt", antwortete Lucas etwas abwesend. "Hey, weißt du eigentlich, ob Jude Insta hat, oder so?"
      Wy blinzelte. "Keine Ahnung. Ich bin nicht so krass auf Social Media unterwegs. Wieso?"
      "Oh. Nur so. In Kontakt bleiben und so."
      "Ich kann ihn fragen, wenn du-"
      "Nein, alles gut. Macht euch einen schönen Abend. Ich gehe meinem Plan nach, doch noch Einzelkind zu werden."
      Wy musste ein wenig auflachen, verabschiedete sich und legte auf. Strenggenommen war das kurze Gespräch eigentlich alles, was er gebraucht hatte. Er musste Jude nicht noch unnötig auf die Nerven gehen. Sein Daumen schwebte kurz über Judes Nummer, bevor er letztendlich doch den kleinen grünen Hörer drückte und sich das Handy wieder ans Ohr hielt. Warum die Chance einfach vergeuden?
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      Jude

      Jude hatte schonmal spannendere Samstagabende erlebt. Er hatte das Gefühl, demnächst einen Lagerkoller zu bekommen. Trotzdem lag er im Bett und hielt sich das Handy über den Kopf, das ihm in der letzten halben Stunde schon zwei Mal ins Gesicht gefallen war. Davor hatte er fünf Runden durch die Wohnung gedreht und seiner wundervollen Adoptivfamilie dabei zugesehen, wie sie genauso ratlos herumsaßen und den Blick zwischen Fernseher und Handy schweifen ließen, aber irgendwie war trotzdem niemand in Stimmung, etwas anderes zu tun. Gott, war das langweilig. Er hatte den ganzen Tag zuhause verbracht, weil er ursprünglich geplant hatte, mit Emery skaten zu gehen, aber jetzt hatte der Schwächling eine Erkältung und schnupfte über ihm im Stockbett nervtötend vor sich hin.
      Als sein Handyklingelton plötzlich das rhythmische Schniefen durchbrach, ließ Jude es vor Schreck schon wieder fallen. „Aua!“ Er gab ein wütendes Brummen von sich und setzte sich auf.
      „Kauf dir so ne… Handyhalterung“, kam es etwas uninteressiert aus der oberen Etage, aber die letzten beiden Male hatte Emery nichts dazu gesagt, als mussten ihn Judes Aufschreie langsam doch nerven.
      Jude ignorierte ihn und hob ab. Er telefonierte eigentlich nicht mit Wyatt, also hatte er das Gefühl, dass es wichtig war. Er war allgemein eher ein Texter. Telefonieren war irgendwie anstrengend.
      „Ja?“, fragte er.
      „Mhm. Diese Teile mit dem langen Arm-“
      „Ich rede nicht mit dir!“, rief Jude frustriert gen Decke. „Sorry, Wyatt. Was gibt‘s?“
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      Wyatt

      "Hey-" Wy stockte eine Sekunde irritiert, als Jude offenbar mit jemand anderem - Emery? - redete und sich dann wieder meldete. Gott, hoffentlich hatte er Zeit. Je länger Wy auf dem Küchenboden saß, desto einsamer fühlte er sich. Es war ein seltsamer Jojo-Effekt, ein hin und her zwischen Einsamkeit und dem Wunsch, alleine zu sein. Kaia hatte ihn geküsst. Der Gedanke hob seine Stimmung, während er sich daran festklammerte, wie ein Ertrinkender an einem Rettungsring.
      "Hey", wiederholte er, als Jude wieder zu ihm sprach. "Milo ist auf einem Date, also hab ich sturmfrei. Hast du Zeit und Lust, um das auszunutzen? Übernachtungsparty, oder so?" Wy tippte gegen sein Knie, während er bemüht war, möglichst lässig zu klingen. Warum trug er die Jeans überhaupt noch? Er musste dringend zu einer Jogginghose wechseln. Nur Psychos saßen zuhause in Jeans rum. Der Gedanke gab ihm wenigstens genug Drive, um aufzustehen.
      "Ich hab noch Chips und so da. Wir könnten noch irgendeinen Film schauen, oder so", fuhr er fort, während er die Treppe hoch in sein Zimmer ging, um nach seiner Hose zu suchen und sich dabei unweigerlich wieder an seinen Geburtstag zurückerinnerte. "Bring dieses mal nur einen Schlafanzug mit", schob er also hinterher. Auch Coolness und Lässigkeit hatten irgendwo ein Ende, nicht? Obwohl er ihm zur Not wahrscheinlich auch einfach irgendwas von Milos Klamotten andrehen könnte.
      "Also nur wenn du Lust hast", endete er, stellte das Handy auf Lautsprecher und legte es aufs Bett, während er sich für den Kampf mit seiner Hose wappnete. Irgendwie hatte er noch nicht so ganz den Dreh raus, wie er sie am besten über die Prothese zog und blieb ab und an noch hängen. Deshalb waren Jogginghosen auch definitiv die bessere Wahl. Jetzt müsste Jude nur noch zusagen und der Abend wäre vollkommen gerettet. Auch, wenn er mit ihm wohl nicht über das Date reden konnte. Wy hatte abwarten wollen, wie es lief, bevor er Emma und Lucas davon erzählte. Jude fiel derweil als Gesprächspartner vollkommen raus. Kaia kannte Jude länger als er und Wy wollte nicht derjenige sein der ihm erzählte, dass sie jetzt dateten. Zumindest nicht, ohne das vorher mit Kaia abgesprochen zu haben und die Chance hatte er offensichtlich verpasst. Aber es gab ja zum Glück genug anderen Gesprächsstoff.
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      Jude

      „Oh Gott, ja. Ich muss hier raus“ Jude dachte nicht einmal zwei Sekunden darüber nach, bevor er Wyatts Einladung akzeptierte. Er hatte ihn kaum ausreden lassen.
      „Pff, du bist so undankbar. Ich hab doch gesagt, wir können einen Film-“, kam es schon wieder von oben, bevor Jude Emery unterbrach.
      „Bleib weg von mir, du Virenschleuder“, erwiderte er darauf nur und sprach schließlich wieder zu Wyatt ins Handy. „Chips klingen gut“, sagte er. Wyatt sprach weiter. „Yup, Film“
      „Also haust du ab und guckst dir lieber mit Wyatt einen Film an, mhm. Dann weiß ich ja, woran ich bin“, meckerte Emery.
      Jude kniff die Augen zusammen um ihn besser ignorieren zu können. „Absolut. Ich bin quasi schon am Weg“, fügte er noch hinzu und stand bereits währenddessen auf. Er warf einen schnellen Blick auf seinen Schreibtischsessel und entdeckte da tatsächlich seine Pyjamahose. „Okay, Wy, ich leg jetzt auf. Ich bin in… 25 Minuten da, oder so. Bis dann“
      Er schob sein Handy in seine Hosentasche und schnappte sich schließlich einen Rucksack, der am Boden lag, stopfte die Hose und ein willkürliches Shirt aus seinem Schrank hinein und lief ins Bad, um seine Zahnbürste… ebenfalls einfach in den Rucksack zu werfen. Dann ging er durchs Wohnzimmer in den Flur, vorbei an Emery‘s Eltern.
      „Yo, ich übernachte bei einem Freund“, kündigte er knapp an.
      Helen setzte sich etwas auf. „… Schick mir bitte die Adresse“, sagte sie, hatte aber nichts einzuwenden. Und dann… „Okay, nein. Stop!“
      Jude fror beim Schnürsenkel-binden ein und stellte sich auf, um Helen einen fragenden Blick über die Schulter zu werfen. Sie war bereits aufgestanden und zu ihm rüber geschlurft.
      „Bei wem übernachtest du?“, fragte sie und lehnte sich an den Türstock zum Wohnzimmer. Sie zupfte an ihrer Weste und zeigte dann direkt auf die Garderobe. „Zieh die wärmere Jacke an“, forderte sie Jude auf. Er salutierte kurz und schnappte sich die Jacke, auf die sie gezeigt hatte. Er wusste es besser, als sich aufzulehnen. Das letzte Mal, als er sich mit einem ‚Ich bin erwachsen, ich weiß, was ich tue‘ gewehrt hatte, hätte er sich genauso gut vor einen Bus werfen können.
      „Bei Wyatt. Das ist… Milos kleiner Bruder und Milo dated Aaron“, fasste er kurz zusammen, auch wenn die Erklärung vermutlich kaum half. Helen runzelte etwas irritiert die Stirn.
      „Okay. Ist da jemand zuhause, außer Wyatt?“
      „Nope“
      „Mach kurz deinen Rucksack auf, bitte“ Sie nickte den schwarzen Rucksack an und fing sich von Jude einen schrecklich empörten Blick ein. Was sollte das denn jetzt?!
      Er ließ sie mit einem säuerlichen Blick bemerken, wie sehr ihm das Ganze missfiel, zippte aber trotzdem seinen Rucksack auf und ließ Helen einen Blick auf das Chaos werfen.
      „Ich hab dir eine Kosmetiktasche gekauft. Was ist damit passiert?“, fragte sie, eindeutig ausgelöst durch die Zahnbürste.
      „Sowas brauch ich nicht“, erwiderte er immer noch ein wenig sauer.
      Sie seufzte. „Okay. Viel Spaß“, sagte sie und zog Jude, der nicht ganz auflockerte, trotzdem in eine kleine Umarmung, bevor sie zurück zum Sofa ging.
      Er unterdrückte es, sich leise murmelnd zu beschweren, bis er auf der Straße war. „Was zur Hölle? Als würde ich Drogen schmuggeln oder sowas. Geht‘s noch?“ Nur, weil sie letztens beim Waschen eine Zigarettenschachtel in seiner Hosentasche gefunden hatte. Und jetzt war er plötzlich ein Gesetzloser, dem man nicht vertrauen konnte? Mal ehrlich, ob er Alkohol oder Zigaretten in seinem Rucksack versteckte, änderte nichts an der Tatsache, dass er sich legal an jeder Straßenecke alles kaufen konnte. Urgh.
      Er ärgerte sich noch, bis er im Bus saß, und das Ganze schließlich verblasste und er aktiv den Gedanken unterdrücken musste, dass er es irgendwie mochte, dass ihr nicht egal war, was er so machte. Emery‘s Eltern waren mit ihm genauso streng, wie mit Emery. Sie waren zwar auch verdammt naiv, aber wenigstens gaben sie sich Mühe…
      Er fuhr zu U-Bahn und lief dann schließlich zufuß ein gutes Stück zu Wyatts Haus. Er war am Weg bei einem Imbiss stehen geblieben und hatte zwei Dosen Cola gekauft, in vollem Bewusstsein, dass er es Helen hätte heimzahlen können indem er stattdessen ein paar Dosen Bier mitnahm.
      Die kleine Plastiktüte mit den Dosen in der Hand hochhaltend, klingelte er an Wyatts Tür.
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      Wyatt

      Okay. Das Gespräch war etwas verwirrend gewesen, weil Jude offenbar ohne Ankündigung zwischen ihm und Emery wechselte, aber die Hauptsache war, dass er der kleinen Übernachtungsparty zustimmte. Wyatt hatte wieder ein kleines Lächeln auf den Lippen, als er auflegte. Wenigstens endete der Tag damit deutlich positiver, als er gedacht hatte. Wen kümmerte schon Milo? Ihn interessierte das alles ja sowieso nicht, solange Aaron in der Nähe war. Da verließ Wy sich so oder so besser auf seine Freunde.
      Er hob sein Handy wieder vom Bett und öffnete TikTok, während er die Treppe runter zurück zum Wohnzimmer ging. Sollte er Milo sagen, dass Jude spontan bei ihm übernachtete? Eigentlich hatte er die kleine Vorwarnung nicht verdient, aber Wy hatte auch keine Lust auf eine Moralpredigt, wenn Milo morgen zurückkommen würde, bevor Jude weg war. Er scrollte noch eine kleine Weile, bevor er wieder auf seinen Chat mit Milo tippte. 'War gut', beantwortete er die letzte Frage nach dem Verlauf seines Dates knapp, bevor er ein 'Jude pennt bei mir' hinterherschickte. Er starrte noch ein bisschen auf den Screen, aber offenbar hatte Milo sein Handy nicht mehr in der Hand. Vielleicht war er zu beschäftigt damit, mit Aaron rumzuknutschen. Ugh. Wy wollte sich das nicht mal ansatzweise vorstellen.
      Wenigstens ließen sich 25 Minuten ziemlich schnell rumbekommen. Wy schlitterte den letzten halben Meter zur Tür als es klingelte und öffnete Jude freudestrahlend. Er hatte eine Tasche bei, was ein ziemlich guter Anfang war. Auch wenn er die Vorstellung von Jude in einer seiner Pyjama-Hosen irgendwie immer witziger fand, je länger er darüber nachdachte.
      "Hey!", grüßte er und trat zur Seite, damit Jude reinkommen und er die Tür hinter ihm schließen konnte. Im Wohnzimmer war es so gemütlich warm gewesen, dass Wyatt bereits verdrängt hatte, wie kalt die Luft draußen mittlerweile war. "Voll cool, dass du es noch so spontan geschafft hast." Da war es wieder, das Verlangen, Jude sofort von seinem Date mit Kaia zu erzählen, jede einzelne Sekunde davon zu analysieren und wieder und wieder durchzukauen, bis Jude ihn irgendwann aus reiner Frustration erwürgen würde. Vielleicht sollte er Kaia doch antexten und sie fragen, ob... okay, nein. Die Blöße wollte er sich nicht geben.
      "Hast du schon überlegt, welchen Film du schauen willst?", fragte er also stattdessen, während er Jude ins Wohnzimmer führte. Er hatte zwischen dem ganzen Scrollen eben kurz die Zeit gefunden, zumindest die Chips und den kleinen Rest Tiramisu, der im Kühlschrank auf ihn gewartet hatte, auf den Couchtisch zu stellen. "Oh und hast du Instagram? Lucas hatte mich danach gefragt." Vielleicht sollte er auch aktiver im Netz unterwegs sein. Eigentlich war das ein nettes Hobby, oder?
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      Jude

      „Yup“, sagte Jude und kam rein. Er trat sich die Schuhe von den Füßen und schmiss im Wohnzimmer seinen Rucksack neben Couch. „Die Alternative war wahrscheinlich, die ganze Nacht von Hustenattacken aufgeweckt zu werden…“, murmelte er, sah Wyatt dann aber kurz an und beschloss, dass es etwas Kontext brauchte. „Emery ist krank. Aber ich wäre auch so hergekommen“ Er grinste leicht. Er war erst zum zweiten Mal hier und diesmal fiel ihm auf, wie verdammt trübselig die Einrichtung in Wyatts Haus war, aber das hätte ihn auch nicht aufgehalten. Er mochte diesen kleinen Verrückten. Betonung auf klein.
      „Äh… irgendeinen Blockbuster vielleicht? Was mit mehreren Teilen?“, schlug er vor und setzte sich, den Blick auf die Snacks am Tisch gerichtet. War das Tiramisu?! Luxus. Er sollte öfter vorbeikommen.
      Jude sah kurz auf, während er in die Schüssel mit den Chips griff, als Wyatt nach seinem Instagram Account fragte. „Lucas? Äh… klar. Gib mir dein Handy, ich tipp ihn ein“ Er hatte zwar nicht das Gefühl, dass Lucas ihn außerordentlich gemocht hatte, aber was soll‘s. Vielleicht war er bloß schüchtern. Jude hatte nichts dagegen, Wyatt‘s Freunde nochmal zu treffen, also konnten sie genauso gut eine Gruppe machen auf… Instagram, halt.
      Er tippte seinen Username ein. Sein Profil war voll von Urlaubsfotos, beinahe professionell coolen Bildern die Emery gemacht hatte, und ein Haufen halb verschwommener Selfie mit seinen Freunden. Er postete gerne. Seine Dates kamen alle nur zustande, weil die Mädchen ihm auf Social Media schrieben, also lohnte es sich wirklich.
      „Achja… hat Emma Instagram?“, versuchte er nebensächlich zu erwähnen, und nicht rot zu werden oder so, weil er selbst wusste, dass das irgendwie schamlos war. Emma war schließlich Wyatts Freundin. Das wäre so, wie wenn Wyatt Jude nach Kaias Nummer fragen würde. Er würde sich irgendwie verantwortlich fühlen, wenn Wyatt sie verletzte. Und Jude hatte… nicht viel für sich sprechen, wenn es um Frauen ging.
      „Nur so. Man kann ja in Kontakt bleiben“, versuchte er es zusätzlich abzufedern. „Hatte Milo eigentlich garnichts dagegen, dass ich komme? Oder hat er ein schlechtes Gewissen weil er bei Aaron ist?“ Jude grinste. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er mich sehr gut leiden kann, ehrlich gesagt“
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      Wyatt

      "Gute Besserung an Emery. Oder RIP. Je nachdem, was wahrscheinlicher ist, halt." Wy zuckte kurz mit den Schultern, während er sich auf das Sofa fallen ließ. Einen Blockbuster mit mehreren Teilen. Gab es irgendein Franchise, das er schon länger vor sich her schob? Wy spürte, wie er langsam wieder in diesen Zustand abdriftete, in dem man das Gefühl hatte, man hätte noch nie in seinem Leben auch nur einen einzigen Film gesehen und würde auch generell keine kennen. Er hatte keinen Vorschlag. Zumindest keinen, der nicht sofort ultra nerdig klang. Hauptsache, sie würden nicht bei einem Zombie-Film enden.
      Wyatt griff halbautomatisch nach seinem Handy um es Jude zu geben und wurde erst wieder aufmerksam, als Jude Emma erwähnte. Offenbar hatte Kaia tatsächlich recht damit, dass Jude auf Emma stand. Das war ihm bisher irgendwie gar nicht so aufgefallen. Oder er bildete sich jetzt etwas ein, weil Kaia es erwähnt hatte und Jude wollte eigentlich wirklich nur den Freundeskreis erweitern. Er würde es zwangsweise schon irgendwann rausbekommen, auch, wenn es ihm irgendwie schwerfiel, sich Emma in einer Beziehung vorzustellen. Bei den ganzen Podcasts, von denen sie so freudestrahlend erzählte, hatte er irgendwie das Gefühl, dass er Jude früher oder später bei Nacht in einem Plastiksack über den Rasen hin zu einem provisorischen Grab ziehen würde.
      "Ja, hat sie", antwortete er trotzdem, während er sein Handy wieder zurücknahm und erst Judes Kontakt an Lucas weiterleitete, um danach Emma an Jude zu leiten. Sie hatten alle drei nicht sonderlich viel Online-Präsenz. Emma postete regelmäßig Schnappschüsse, meistens von ihrer Umgebung und selten von sich selbst. Lucas' letzter Post war ein paar Jahre alt und Wyatt selbst hatte noch nie irgendwas hochgeladen, außer sein Profilbild.
      "Ich hatte Milo Bescheid gesagt, aber hab noch keine Antwort bekommen." Auch jetzt waren sämtliche ungelesenen Nachrichten nur von Lucas und Emma. "Ich denke aber nicht, dass er was dagegen haben wird, solange wir das Haus nicht abfackeln. Ich glaube außer Aaron kann er niemanden wirklich gut leiden, also mach dir keine Gedanken." Wy warf Jude ein kleines humorloses Lächeln zu. Und selbst wenn Milo dagegen wäre, dass Jude hier übernachtete - was sollte passieren? Er würde garantiert nicht extra zurück nach Hause kommen, um ihn rauszuwerfen. Wy würde sich morgen höchstens was anhören müssen, was zu einem Ohr rein und dem anderen wieder raus gehen würde. Wenn Milo nicht wollte, dass er sich jemanden einlud, hätte er eben selbst hier sein müssen.
      "Okay. Also. Blockbuster", lenkte er das Thema zurück in eine deutlich nettere Richtung. "Eher was modernes wie Avatar, oder was klassisches wie Die Mumie, oder Indiana Jones, oder so?"
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      Jude

      „Hey, das ist mir nur einmal passiert“, wehrte Jude sich schmunzelnd, als Wyatt von Hausbränden anfing. Gut, selbst hatte er noch nichts abgefackelt. Aber der Witz war trotzdem immer wieder klasse. So oder so konnte Jude sich gut vorstellen, dass Wyatt morgen Ärger bekam, also würde er besser etwas früher abhauen, bevor er sich das selbst auch anhören musste. Adoptiveltern und Brüder konnten anstrengend sein, hm?
      Jude warf noch einen knappen Blick auf Emmas Profil bevor er sein Handy zur Seite warf und sich vornahm, ihr später oder morgen ein kontextloses „Hey:)“ zu schreiben und mal zu gucken, wie sie reagierte.
      „Ohh bei Avatar bin ich dabei“, sagte er schnell und machte es sich etwas gemütlicher auf dem Sofa. „Da denke ich mir jedesmal, dass ich definitiv Aliens daten würde. Blau oder grün oder sechs Arme oder sonst was, bei der Figur ist alles andere egal“, murmelte er vor sich hin. Er war es gewohnt, dass er auf diese Dinge hin meistens ignoriert wurde — von Emery — also dachte er sich nicht viel dabei, wenn er einfach seine Gedanken aussprach. Manchmal bekam er nur einen angewiderten Blick wenn er vergessen hatte, dass Kaia oder Charlie oder so dabei waren. Oh… war ihm sowas auch mal passiert als Nataly dabei war? Er konnte sich nicht erinnern. Hatte sie deshalb Schluss gemacht? Er war sich immernoch nicht ganz sicher, was da genau passiert war.
      „Wo ist eigentlich das Tiramisu her?“, fragte er mit einem Blick auf das Geschirr. Gekauft war es ja wohl nicht. „Backst du?“ Er blinzelte Wyatt amüsiert an. Das wäre überraschend, aber bei Milo wäre es das nicht weniger. Vielleicht hatte Aaron es ja mal mitgebracht oder so.
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      Wyatt

      Oh. Scheiße. Wyatt zuckte kurz zusammen, als er realisierte, dass brennende Häuser für Jude mehr als nur ein Witz waren. Er war so in seinem Selbstmitleid versunken gewesen, dass er daran nicht mehr gedacht hatte. Aber Jude schien es relativ gut wegzustecken. Zumindest schmunzelte er und fing danach an, über Dates mit Aliens zu reden, was...ein gutes Zeichen war? Wy war sich nicht ganz sicher, was er davon denken sollte, aber Jude schien auch keinen Kommentar zu erwarten, sondern wechselte das Thema direkt nochmal.
      "Milo hat die gemacht. Aaron hatte ihn zum Essen eingeladen und er wollte was beisteuern. Offenbar hatte er Mitleid mit mir und hat mir einen Rest dagelassen", erklärte er mit einem kurzen Blick zur Tiramisu. Er hatte keine Ahnung, ob Milo sowas regelmäßig machte. Sie hatten sich zu lange nicht gesehen, obwohl Wyatt sich dunkel an ein paar Kuchen zu Geburtstagen erinnern konnte. Seit Milo wieder hier wohnte, kochte er regelmäßig, aber gebacken hatte er bisher noch nicht. Vielleicht hatte er auch nur wegen Aaron damit angefangen, weil der gerne Süßes aß, oder so. Je länger Wyatt darüber nachdachte, desto logischer kam es ihm vor.
      "Können wir nochmal über die Sache mit den Alien-Dates reden?", lenkte er das Thema trotzdem zurück auf den Ausgangspunkt. "Ich meine - das ist ein bisschen weird, oder? Wo ziehst du da den Schlussstrich?" Er warf Jude einen kritischen Blick zu. Wyatt konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er heute statt mit Kaia mit einem Alien unterwegs gewesen wäre und einen ähnlich schönen Tag gehabt hätte. Was sicher auch an Kaia selbst lag, aber...würde er sie auch Daten, wenn sie blau wäre und sechs Arme hätte? Irgendwie kam ihm das ganze plötzlich doch nicht mehr so abwegig vor, wie er gedacht hatte. Er mochte Kaia und würde sie wahrscheinlich auch noch dann mögen, wenn sie knallpink wäre und zwei Köpfe hätte. Durfte er es sich überhaupt erlauben, über die Anzahl von Gliedmaßen anderer Leute zu urteilen? Er hatte ja selbst nicht die für Menschen übliche Anzahl.
      "Weißt du was, vergiss es einfach", beschloss er, während er nach der Fernbedienung griff, um sich durch die Streamingapps zu navigieren. Er tippte sich durch die angebotenen Titel, vorbei an seiner Liste der Schande, bestehend aus viel zu vielen Serien die er begonnen und nie zuende geschaut hatte und fand schließlich den ersten Avatar Film. Es war seltsam, wie weit weg ihm sein kleiner Nervenzusammenbruch in der Küche plötzlich vorkam. Als wäre das gar nicht wirklich passiert und es wäre immer schon der Plan gewesen, dass Jude bei ihm übernachtete. Wy sollte viel mehr Zeit für seine Freunde einplanen.
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      Jude

      Ah, also nicht ignoriert. „Ist es das?“, fragte Jude. Er fand es nicht seltsam. Die sahen ja eh quasi aus wie Menschen, nur deutlich größer, und dünn und andersfarbig. In Avatar jedenfalls. Aber wie könnten 6 Arme schon schaden? Oder zwei Köpfe? Da gab es doch nur… positive Aspekte…
      Jude riss sich aus seiner Vorstellung heraus bevor es zu krass wurde.
      „Ich denke, solange sie noch halbwegs menschlich aussehen, ist es okay“, schloss er den Gedanken. „Außerdem geht es im ganzen Film darum, dass ein Kerl eine Alienfrau dated. Aber ich bin weird? Sag mir, dass du Neytiri nicht heiß findest“ Er zuckte mit den Schultern und kuschelte sich wieder an den Polster, den er sich zurechtgedrückt hatte.
      Er aß während des Films so viel von Milos Tiramisu und den Chips, dass er irgendwann extremen Durst bekam, und das Cola auf einen Sitz leerte. Aber das reichte definitiv nicht. „Hey, ich hol mir was zu trinken“, sagte er und stand auf. „Willst du auch-“, setzte er an, aber plötzlich erschien eine Glühbirne über seinem Kopf. Er versuchte sie abzuschütteln. „Ähm, willst du auch was trinken?“ Die spontane Idee, dass Milo sicher irgendwo Alkohol im Haus lagerte, war nicht hilfreich. Er hatte im Hinterkopf immer noch sein Entsetzen als Helen in seinen Rucksack sehen wollte. Also, sie würde es zwar nicht mitbekommen, wenn er trank, aber er hatte irgendwie einen kleinen Funken an schlechtem Gewissen und hatte sich beim Kiosk nichtmal Zigaretten geholt. Ugh. Die Frau nistete sich manchmal zu sehr in seinem Kopf ein.
      Außerdem war er vielleicht volljährig aber Wyatt nicht und das machte ihn irgendwie auf eine seltsame Art verantwortlich, oder? Gott, konnte Wyatt mal älter werden? Wie anstrengend. Das erinnerte ihn daran, wie Emery ihm noch vor ein paar Monaten nach ein paar Gläsern immer direkt alles aus der Hand gerissen hatte. Es waren nur ein paar dämliche Monate, aber Jude verstand den Stress jetzt irgendwie.
      „Mehr… Cola?“, fragte er und kratzte sich am Kopf. Er wurde doch jetzt nicht… zu einem langweiligen Erwachsenen oder? Das wäre ein Alptraum. „Mit Rum?“, rutschte es ihm heraus. Verdammt!
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